Zwischen Klimaretter und Menschenretter

 

Es herrscht so viel Verunsicherung. Es gibt so viel radikale Forderungen. Junge Menschen kleben sich auf die Straße oder seilen sich von Autobahnbrücken ab. Sie blockieren Straßen, behindern Rettungswagen und beten ihr Glaubensbekenntnis: «Die Welt geht unter!» Diese Klima -Aktivisten nennen sich die «Letzte Generation». Ihr Name ließe vermuten, dass sie sich als letzte Generation der Menschheit fühlen. Sie meinen aber, sie seien die Letzten, die noch das Schlimmste verhindern können. Dazu übertreten sie Gesetze und greifen zu Zwangsmaßnahmen. Doch dadurch entstehen Staus, unzählige Autos stoßen Abgase aus, müssen große Umwege fahren, und und und … Dann werden unsere Sicherheitskräfte bemüht, um die jungen Leute vorsichtig von der Straße zu lösen. Das alles kostet Unsummen, trägt nur zur Verschmutzung bei und löst Ärger aus, wie man sich gut vorstellen kann. Was tun? Spurgeon schreibt im Kommentar zu Psalm 46: «Wenn es dunkel ist um uns her, so lasst uns mit Luther sagen: ‹Komm, Magister Philipp, wir wollen den Psalm 46 anstimmen: Ein feste Burg ist unser Gott …›» In Psalm 46 heißt es: «Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand gefunden, besonders in Not. Darum fürchten wir uns nicht, auch wenn die Erde bebt und die Berge im Meer versinken, wenn die Fluten toben und tosen und Berge vor ihrem Wüten erzittern. Ein Strom mit seinen Bächen erfreut Gottes Stadt, das Heiligtum, die Wohnung des Höchsten. Gott ist in ihrer Mitte, nichts kann sie erschüttern. Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht. Völker toben, Reiche taumeln, seine Stimme erschallt, die Erde schmilzt. Der HERR, der Allmächtige, ist bei uns, der Gott Jakobs ist unsere Burg. Kommt und seht die Taten des HERRN, der Entsetzen auf der Erde verbreitet. Er beseitigt die Kriege auf der ganzen Welt, zerbricht den Bogen, zerschlägt den Speer und verbrennt die Wagen im Feuer. Lasst ab und erkennt: Ich bin Gott! Ich werde erhöht sein unter den Völkern, erhaben auf der ganzen Erde. Der HERR, der Allmächtige, ist bei uns, der Gott Jakobs ist unsere Burg.» Was hat der fast 3000 Jahre alte Psalm mit dem Thema zu tun? Dieses Kampf- und Trutzlied entstand wahrscheinlich bei der Belagerung Jerusalems ca. 700 v.Chr. durch Sanherib, den König von Assyrien (s.a. Jesaja 8, 36-37). Der Psalmist beschreibt Veränderungen, die zum Thema passen: Die Erde bebt, Berge versinken, Fluten toben, Völker toben (zum Beispiel: die Russen marschieren in die Ukraine ein), die Erde schmilzt. Tatsächlich hat es immer gewaltige Veränderungen in der Natur gegeben. Es gab Eiszeiten, und es gab Heißzeiten – also Hitzeperioden. Es gab immer Erdbeben und Überschwemmungen. Als die vorige Bundeskanzlerin nach dem Jahrhunderthochwasser im Ahrtal 2021 die Flutgebiete besuchte, wies sie darauf hin, wie wichtig gerade jetzt die Bekämpfung des Klimawandels sei. Dann bat der mutige SPD-Bürgermeister Helmut Lussi darum, ein Statement abgeben zu dürfen. Er erklärte sachlich, dass in den Annalen des Ortes «Schuld» schon 1790 eine vergleichbare Flutwelle erwähnt würde, die ja wohl nicht das Geringste mit dem Klimawandel zu tun gehabt haben konnte (da es noch keinerlei Industrialisierung gab). – Ich könnte mir vorstellen, dass die Kanzlerin von diesem «bürgermeisterlichen Einwand» nicht begeistert war. Statt Klimaschutz wäre hier Katastrophenschutz das Gebot der Stunde gewesen. Ach, ich wünschte mir einen ideologiefreien Umgang mit den Problemen unserer Zeit. Zurück zu Psalm 46. In allen Veränderungen betont der Psalmist Stabilität, die wir allein Gott verdanken: «Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand gefunden, besonders in Not. … Gott ist in ihrer Mitte, nichts kann sie erschüttern. … Der HERR, der Allmächtige, ist bei uns, der Gott Jakobs ist unsere Burg.» Auf Gott ist Verlass. Sein Wort ist wahr. Es geht in Erfüllung, was er voraussagt. Gott hat versprochen, das Ökosystem grundsätzlich zu erhalten. Und der sichtbare Beweis, dass Gott zu dieser Aussage steht, ist der Regenbogen (1. Mose 9, 12). «Nicht noch einmal will ich den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an; und nicht noch einmal will ich alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe. Von nun an, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht» (1. Mose 8, 21.22). Wie reagieren wir auf die Veränderungen im Zusammenhang mit der Stabilität, die wir in und durch Gott haben? Betrachten wir die Imperative in Psalm 46: «Kommt und schaut die Großtaten des HERRN!» (V. 9). «Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin!» (V. 11). Keine Resignation! Das ist die heilige Gelassenheit eines gottesfürchtigen Menschen. Wenn die tiefe Beziehung zu ihm da ist, dann finden unsere aufgewühlten Seelen Ruhe – auch angesichts der Klimadebatte. Im Stillsein liegt die Kraft. Auf die Drohungen der Assyrer lesen wir die Reaktion der Israeliten: «sie schweigen still und antworteten ihm kein Wort» (Jesaja 36, 21). Das ist ein wichtiges Prinzip: Beim Durchzug durchs Rote Meer: «Der HERR wird für euch kämpfen, ihr aber werdet still sein» (2. Mose 14, 14). «In Stillsein und Vertrauen ist eure Stärke» (Jesaja 30, 15). – Das war die Empfehlung, als Israel Hilfe suchte im Schatten Ägyptens. Diese Gelassenheit wünsche ich mir für uns. Und von wem können wir da am meisten lernen? Wer lebte in einem Unrechtssystem und hat sich nicht verbogen, auch wenn das Verhalten und die Forderungen der Regierenden und der Masse noch so absurd waren? Wer hat zugleich die Menschheit am positivsten geprägt? Jesus Christus. Von ihm lernen wir. Jesus kam, um Menschen zu retten. Im Haus des Zöllners Zachäus sagte er: «Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist» (Lukas 19, 10). Menschenrettung ist seine Mission. Zur Klimarettung wurde 2019 von der Bundesregierung das Klimaschutzprogramm beschlossen. Dabei geht es um eine «gesamtgesellschaftliche Kraftanstrengung zum Klimaschutz». Greta Thunberg sagte auf der Weltklimakonferenz 2018: «Was ich auf dieser Konferenz zu erreichen hoffe, ist die Erkenntnis, dass wir einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind. Dies ist die größte Krise, in der sich die Menschheit je befunden hat. Zuerst müssen wir dies erkennen und dann so schnell wie möglich etwas tun, um die Emissionen aufzuhalten, und versuchen, das zu retten, was wir noch retten können.» Und 2019 auf der Reise von Stockholm nach Davos sagte sie: «Ich will, dass ihr Angst habt.» Angstmachen ist die beste Methode, um Menschen zu manipulieren. Das ist ein altes Muster, um die Menschen dazu zu bringen, alles mitzumachen, auch wenn es noch so abwegig ist. «Klimarettung» – das ist ein edles Ziel und doch illusorisch – oder? In einem Punkt sind wir uns gewiss alle einig: Wir müssen verantwortungsbewusst mit der Schöpfung umgehen. Wir haben einen Auftrag. Den nehmen wir ernst. «Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren» (1. Mose 2, 15). Zur Bewahrung gehört auch: Bitte die Umwelt nicht verschmutzen! Wenn ich sehe, was alles im Wald weggeschmissen wird, dann wird dieser Auftrag täglich millionenfach missachtet. Anders formuliert: Wir sollen unseren Mitmenschen nicht den Zugang zu einer sauberen, lebenswerten Umwelt stehlen. Unsere Aufgabe ist es auch, jedes Leben zu schützen, auch das ungeborene! Wir müssen uns fragen, ob Gretas Analyse richtig ist: Ist dies tatsächlich «die größte Krise, in der sich die Menschheit je befunden hat»? Spricht hier nicht eine Person, die die Geschichte überhaupt nicht im Blick hat – geschweige denn die Heilsgeschichte, denn die kennt ja eine noch viel größere Krise, die die Ursache für alle folgenden Krisen ist: der Sündenfall. Weil sie die schlimmste Krise übersieht, wird aus dem berechtigten Anliegen, verantwortungsbewusst mit der Schöpfung umzugehen, eine Ideologie, also eine Weltanschauung – ja inzwischen müssen wir sogar von der «Klima-Religion» sprechen. Und ein Kennzeichen der Religionen ist Druck, bis hin zur Zwangsbekehrung. Und so muss ich leider das Verhalten mancher Klimaaktivisten bezeichnen. Aber das widerspricht dem Evangelium der Bibel. Gott zwingt nie jemanden zu seinem Glück. Nicht Zwang, sondern eine freiwillige Entscheidung aus Liebe ist die Lösung. Nahezu alle politischen Entscheidungen werden mit der Frage verbunden: Kommen wir damit den Klimazielen näher? Klima, Klima, Klima … Damit wird «Klima» zum Gott, dem alles geopfert wird. «Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest», so heißt zum Beispiel ein Buch von Verena Brunschweiger. Darin beschreibt die Lehrerin, warum der Verzicht auf Nachwuchs der größtmögliche Beitrag sei, den jeder Einzelne zum Klimaschutz leisten könne – und wieso Eltern ihrer Meinung nach ökologische Schuld auf sich laden, wenn sie ein Baby in die Welt setzen. Denn ein Kind stößt jährlich ca. 60 Tonnen CO2 aus; wenn wir autofrei leben würden, würden wir nur 2, 4 Tonnen CO2 im Jahr einsparen. Für mich sind solche absurden Auswüchse, die Natur unter allen Umständen schützen zu wollen – koste es, was es wolle –, das Ergebnis eines evolutionistischen Weltbildes. Ein falsches Weltbild setzt falsche Schwerpunkte. Wenn die Natur zum höchsten Prinzip erklärt wird, werden auf absurde Weise die Schwerpunkte verschoben. Vielmehr will ich beherzigen, was der Weise Salomo sagt: «Dein Herz eifere nicht gegen die Sünder, sondern um die Furcht des HERRN jeden Tag» (Sprüche 23, 17). Blicken wir deshalb kurz zurück in die jüngere Geschichte: Nach der schrecklichen Zeit totalitärer Systeme haben die Väter unserer Verfassungen und unseres Grundgesetzes festgehalten, dass alles der «Gottesfurcht» unterzuordnen ist. Ehrfurcht vor Gott macht weise, die Probleme unserer Zeit recht anzugehen. So heißt es bis heute in vier Landesverfassungen: «Ehrfurcht vor Gott (BW Art. 12: im Geiste christlicher Nächstenliebe), Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, … zum Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, … ist vornehmstes Ziel der Erziehung.» Es geht um mehrere Ziele, und doch wird es von den Vätern der Verfassungen so formuliert, als sei es nur eins: «ist das vornehmste Ziel». Das heißt, wenn die Gottesfurcht wegbricht, bricht alles zusammen. Gottesfurcht ist der Schlüssel zum richtigen Umgang miteinander und zur Bewahrung der Schöpfung. Der weise Salomo sagt: «Gottesfurcht ist die Quelle der Weisheit.» Weise Entscheidungen setzen Ehrfurcht und Achtung vor Gott voraus. Uwe Holmer, der Pfarrer, der Honeckers beherbergte, schreibt in seinem jüngsten Buch «Zuversicht» auf Seite 103: «Der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Ernst Albrecht, sagte: ‹Das Problem unserer Zeit ist nicht die Atombombe, sondern die Gottesferne. Wenn wir dieses Problem lösen, lösen wir auch die anderen Probleme.›» Und das betrifft auch das Klimaproblem. In der «Gottesferne» werden wir es nicht lösen! Die Bemühungen werden scheitern. Ich frage mich: Wie kann es sein, dass intelligente Menschen so naiv sind, zu glauben, sie könnten das Klima verändern und somit die Welt retten? Letztendlich ist das alles nichts weiter als eine Frucht, entstanden aus der Abkehr von Gott und seinem Wort. Aktuell erleben wir, dass neue, ganz andere existentielle Probleme die Klimaziele in den Hintergrund treten lassen. Wenn wir keine feste Verankerung in Gott und seinem Wort haben, relativieren sich ganz schnell die edlen Ziele und ordnen sich neuen Problemstellungen unter. Wie wollen wir uns sonst erklären, dass Pazifisten auf einmal fordern, Panzer in Kriegsgebiete zu liefern? So wird die Frage nach Halt und Orientierung immer lauter gestellt. Worauf kann ich mich verlassen? Die Brüder Hans-Joachim und Bernhard Vogel schreiben in ihrem Buch «Deutschland aus der Vogelperspektive» von einem Archimedischen Punkt – einem absolut festen Angelpunkt. Für sie war es der Glaube an Gott. Ohne Halt in Gott und seinem Wort werden wir haltlos. Orientierungslos. Kopflos … Sind das nicht treffende Adjektive für die eine oder andere politische Entscheidung? Und letztlich empfinden immer mehr Menschen, dass alles sinnlos wird. Alle Losigkeiten haben ihren Ursprung in der Gottlosigkeit. Jesus fordert uns auf, zuerst nach Gottes Reich zu trachten (Matthäus 6, 33) und spricht davon, wie wichtig es ist, Gott ganz zu dienen. Wenn wir diesen Schwerpunkt setzen, bleiben alltägliche Sorgen nicht aus. Aber – und jetzt kommt das Mutmachende: Der Vater im Himmel sorgt in der Tier- und Pflanzenwelt für Nahrung und Kleidung. Und wenn er schon die versorgt, die uns zur Nahrung dienen, wie viel mehr uns, die wir ihn zum Vater haben. Und dann betont Jesus noch einmal, dass Menschen ohne Gott andere Prioritäten setzen. Er warnt davor, alles dafür zu geben, die Welt zu gewinnen, und dann Schaden zu nehmen an der Seele. Was hat der Mensch davon? Er verspielt die ewige Gemeinschaft mit Gott, setzt auf Vergängliches und vergeht. Menschen mit Gott suchen in erster Linie Gott und sein Reich. Das bedeutet, anzuerkennen, dass Gott der Vater über alle Bereiche des Lebens die Herrschaft hat. Es bedeutet, zu tun, was er sagt. Es bedeutet, den rechten Weg zu gehen, den Gott uns in seinem Wort offenbart und den unser Herr Jesus Christus bereits gegangen ist. Und da fällt gerade in Bezug auf das Trachten nach Gerechtigkeit auf, dass Jesus in einer Welt voller Ungerechtigkeit keine politische Partei gegründet hat, um gegen das Unrecht römischer Herrscher zu kämpfen. In seinem Umfeld lebte und lehrte er Gerechtigkeit. Hätte er versucht, die Welt zu verbessern bzw. zu ändern, wäre das in einem Meer aus Blut und Tränen geendet. Er weiß, dass das Problem viel tiefer sitzt. Der Fürst der Welt ist der Diabolos und die Quelle vieler Probleme ist das menschliche Herz (Matthäus 15, 19.20). Der Gutmensch scheitert an guten Ideen, weil er eben nicht gut ist. So wird auch die Klima-Idee scheitern. Wir wollen zum Beispiel klimaschädliche Stoffe einsparen, zerstören aber im selben Moment die Umwelt, um Lithium und Kobalt für die Herstellung von Batterien zu gewinnen. Fachleute sagen, dass allein die Produktion eines Elektroautos – also von der Entsorgung ganz zu schweigen – die Umwelt doppelt so hoch belastet wie die Herstellung eines Diesels. Es heißt: Um eine Tonne Lithium zu gewinnen, werden zwei Millionen Liter Wasser verbraucht – besser gesagt vergiftet. Und Wasser ist nach meiner Einschätzung die wichtigste Ressource der Zukunft. Wir müssten verhindern, dass permanent Wasser verschmutzt wird und riesige Waldflächen für Windkraftanlagen abgeholzt werden. Das wäre aus meiner Sicht der wichtigste Beitrag, um die Schöpfung zu bewahren. Man fragt sich, wie es zu manchen Entscheidungen kommen kann. Wie erklären wir uns die Hybris des Menschen, dass wir den Klimawandel stoppen könnten? Da fällt mir die Aussage des Apostels Paulus in Epheser 4, 18 ein: «Der Mensch ohne Gott ist verfinstert am Verstand, fremd dem Leben Gottes wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens.» Deshalb ist es unsere vornehmste Aufgabe, auf die Notwendigkeit hinzuweisen, dass jeder Mensch ein neues Herz, eine neue Denkzentrale braucht. Und das ist in und durch Jesus Christus möglich. Das ist unser Auftrag. Paulus fasst ihn in 2. Timotheus 4, 1-5 zusammen: «Ich bezeuge eindringlich vor Gott und Christus Jesus, der Lebende und Tote richten wird, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem, ertrage Leid, tu das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst!» Dies ist die letzte Aufforderung, die wir von Paulus in Bezug auf unseren Auftrag haben – von daher ist sie von besonderer Bedeutung, nicht nur für Timotheus, sondern auch für uns. «Sei nüchtern» heißt: Verfalle nicht in Extreme, bleib auf dem Weg der Mitte, rüste verbal ab, beklage nicht nur das Negative. Es muss genannt werden, aber bleibe nicht dabei, sondern predige das gute alte Evangelium. Geh im Vertrauen auf deinen Herrn deinen Weg.

«Ertrage Leid» heißt: Wir müssen Beschimpfungen, Unverständnis, Gegenwind und anderes in Kauf nehmen. Wenn wir zum Beispiel die Klimapolitik hinterfragen, müssen wir mit schlimmsten Beleidigungen rechnen. Wir ertragen das und beten für die Situation und auch um Weisheit für unseren Dienst. «Tu das Werk eines Evangelisten» heißt: Wir haben einen klaren Auftrag, nämlich das Evangelium weiterzugeben. Wie viel Energie haben wir in den letzten zwei Jahren vergeudet, weil wir uns wegen Corona gestritten haben. Das gefällt dem Feind Gottes, aber nie unserem Herrn Jesus. Wir haben eine Mission. Gerade diese Tage erleben wir eine große Offenheit für das Evangelium. Es bewahrheitet sich wieder einmal der Grundsatz: In jeder Not liegt eine neue Chance. Nun werden wir alle gebraucht, neue Möglichkeiten in den Schwierigkeiten zu nutzen. Deshalb lasst uns gemeinsam wieder unseren eigentlichen Auftrag sehen. Das ehrt unseren Herrn. «Vollbringe deinen Dienst» heißt: Gib nicht auf, kündige nicht den Dienst für den Höchsten. Bring zu Ende, was der Herr dir aufgetragen hat. Bis er wiederkommt. In diesem Sinne lasst uns zusammenstehen und mit großer Freude die schönste Aufgabe der Welt erfüllen, indem wir als erlöste Sünder unerlösten Menschen vom Erlöser, Jesus Christus, erzählen. Gott verfolgt einen Plan. Dazu gehört auch, dass genau auf dieser Erde trotz aller Umweltzerstörung unter der Herrschaft von Jesus Christus für tausend Jahre ein Friedensreich sein wird, dann aber diese Erde vergehen wird. Deshalb macht es Sinn, sich nicht in erster Linie für das Vergängliche einzusetzen, sondern für das Unvergängliche, und das ist die Seele des Menschen. Jesus sagt: «Himmel und Erde werden vergehen, aber mein Wort bleibt bestehen.» Und Petrus schreibt: «Diese Erde und alles, was der Mensch auf ihr gemacht hat, wird verbrannt werden … wir erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde» (2. Petrus 3, 10-13). Diese Tatsachen machen die Dringlichkeit unserer Botschaft deutlich. Deshalb lasst uns alle Kraft dareinsetzen, Menschen den Ausweg aus der Sackgasse zu zeigen. Wir greifen den Dienst der Versöhnung auf, zu dem Paulus uns in 2. Korinther 5, 17-21 auffordert. Das ist unser Auftrag als Menschenretter. In Christus wird alles neu! Statt: «Lasst euch anketten!», statt: «Lasst euch nichts gefallen!», lautet unser Motto: Lasst euch versöhnen mit Gott. Und damit das überhaupt möglich ist, hat Gott selbst den Preis für die Versöhnung bezahlt, indem er seinen eigenen Sohn zur Sünde gemacht hat. Unvorstellbar, und doch wahr! Das ist die Botschaft, die eine kaputte Welt hören muss. Um das Problem noch einmal auf den Punkt zu bringen, lese ich Auszüge aus einem bewegenden Brief: «Liebe Greta und all deine Mitlaufenden! Es ist wahr, die Welt, wie wir sie euch überlassen haben, ist wirklich nicht im besten Zustand! Umwelt verschmutzt, Kriege, Naturkatastrophen, Armut, Krankheit und Elend. Jedoch, ob ihr’s glaubt oder nicht: Sie war schon so, als wir und eure Großeltern jung waren. Auch da war es nicht viel anders. Trotzdem: Es ist zu wenig, was wir tun für die künftige Welt und die kommenden Generationen. Denn die wichtigste aller Ressourcen, die es gibt, wird sinnlos verschleudert: Es ist der Sinn im Leben. Schon früh im Leben entreißen wir euch die Mutter, wo ihr sie nötig hättet. Ihr wachst auf, isoliert und verzweifelt, ein Recht darauf habend, in Sicherheit und Geborgenheit, in einer Familie mit beiden Elternteilen und vielen Geschwistern aufzuwachsen … Ja, wir haben in den wirklich wichtigen Dingen versagt. Und nun sorgt ihr euch um die Zukunft – aber wie sieht eure Gegenwart aus? Ihr verbringt inzwischen den größten Teil des Tages vor dem Computer. Ständig seid ihr auf der Flucht in eine Scheinwelt, die von euch zehrt. Wenn ihr auf Smartphones, auf die Tablets, Spielkonsolen verzichtetet, würdet ihr bald erkennen, wie lebenswert und schön die Welt sein kann … Ihr sorgt euch nun um das Weltklima, und vergesst, was wirklich bedroht ist: Eure Herzen! Man will es stehlen, alle Arten von Unreinheit soll darin eingepflanzt werden. Ist es nicht seltsam? Während die Träume immer universeller werden, gestalten sich die Katastrophen immer persönlicher. Wenn ihr also die Welt retten wollt, dann fangt am besten bei euch selbst an, denn da ist die Wirkung am größten und am nachhaltigsten! Und vor allem: Lasst euch den Glauben nicht nehmen und auch nicht die Hoffnung, denn ohne Gott geht die Natur zugrunde – ganz von selbst» (Quelle: Franz Kronbeck). Ja, wir reden von Hoffnung. Es mag noch so dunkel werden, wir kennen das Licht. Es mag noch so hoffnungslos sein, wir haben Hoffnung. Es mag noch so aussichtslos erscheinen, wir haben Aussicht. Das Problem des Menschen ohne Jesus bringt einer der einflussreichsten deutschen Philosophen und Soziologen des 20. und 21. Jahrhunderts, Jürgen Habermas, auf den Punkt: «Angesichts von Schuld, von Einsamkeit, von Leid und von Tod ist die Lage des Menschen prinzipiell trostlos.» Wenn diese Welt alles ist und der Mensch nur ein biologischer Algorithmus, dann haben wir tatsächlich keine tragfähige Hoffnung. Wer ein evolutionistisches Weltbild hat, kommt logischerweise zu solchen Ergebnissen. Da man nicht akzeptiert, dass die Welt durch übernatürliche Prozesse entstanden ist, will man sie durch natürliche retten – und das kann nicht funktionieren. Hoffnung ist nur dann berechtigt, wenn sie in der Realität begründet ist. Die Hoffnung für uns Christen ist etwas anderes, als sie allgemein verstanden wird. Sie ist nichts Ungewisses. Sie ist kein frommer Wunsch. Sie ist kein Vertrösten auf bessere Zeiten. Sie ist Wirklichkeit. Prof. Hans-Joachim Eckstein schreibt: «In Gestalt der Hoffnung ist das Kommende schon da, bevor es eintrifft.» Hoffnung ist für uns eine Person: Jesus Christus. Und das soll keine Theorie bleiben. Wie viel Halt, Zuversicht und Trost diese lebendige Hoffnung gibt, wird besonders deutlich am offenen Grab. Mir ist das vor einiger Zeit so bewusst geworden, als ich in Steinbach einen Menschen beerdigen sollte, den ich nie persönlich kennengelernt habe und dessen Angehörige mit Gott nichts am Hut haben. Ich habe immer wieder überlegt, wie ich ihnen den Unterschied zwischen einem Nichtchristen und einem Christen deutlich machen kann. Und so sagte ich: «Jeder Mensch lebt dem Tod entgegen, das ist todsicher. Aber als Christenmensch sterbe ich dem Leben entgegen und das ist genauso sicher.» Deshalb sind wir in erster Linie als Menschenretter unterwegs und in zweiter Linie gehen wir verantwortungsbewusst mit der Schöpfung um, die uns unser Schöpfer anvertraut hat. Die Gnade sei mit uns. Maranatha!

Hartmut Jaeger

Gekürzte Fassung eines Vortrags, der am 17. Juli 2022 in der Zionshalle gehalten wurde: https://www.youtube.com/watch?v=XXTNqyaftCc