Biblische Urgeschichte - Teil 08/10 - Auf den Spuren der Patriarchen

Roger Liebi

Audioabschrift – Bibelstudientage Herznach 1999

1. Mose 27, 1 – 1. Mose 36, 43

 

Also wir sind stehen geblieben in 1. Mose 27. Ich möchte kurz etwas sagen über den Segen, den Jakob bekommen hatte. «Siehe der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch eines Feldes, das der HERR gesegnet hat. Und Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Fülle von Korn und Most. Völker sollen dir dienen und Völkerschaften sich vor dir niederbeugen. Sei Herr über deine Brüder und vor dir sollen sich niederbeugen die Söhne deiner Mutter. Wer dir flucht sei verflucht und wer dich segnet sei gesegnet.» 1. Mose 27, 27ff.

Das ist nun der erste messianische Segen, den Jakob bekommt. Er beinhaltet hier Regen und Fruchtbarkeit für das Land Israel, Herrschaft über die Völker der Welt – das ist natürlich ein Ärgernis für alle Antisemiten, – und weiter sind die Freunde dieses Volkes gesegnet und seine Feinde verflucht. Das rekapituliert den Segen an Abraham aus 1. Mose 12. Jetzt schauen wir uns den Segen Esaus an, Vers 39, der eigentlich ein Fluch ist: «Siehe, fern von der Fettigkeit der Erde wird dein Wohnsitz sein und ohne den Tau des Himmels von oben her.» Also ein unfruchtbares Land. Esau und seine Nachkommen haben sich installiert in Edom, in Südjordanien, das ist ein unfruchtbares Land ohne Regen.

Weiter mit Vers 40: «Von deinem Schwerte wirst du leben und deinem Bruder wirst du dienen. Und es wird geschehen, wenn du umherschweifst, wirst du sein Joch zerbrechen von deinem Halse.» Die Nachkommen Esaus sollten ein kriegerisches Leben führen müssen, aber Israel unterworfen. Aber Isaak sagt, es kommt der Zeitpunkt, wo du das Joch Israels zerbrechen wirst. Geschichtlich ist eben folgendes bemerkenswert: Unter den Hasmonäern, also makkabäische Zeit, hat Alexander Jannai im Jahre 128 vor Christus die Edomiter militärisch besiegt und unterworfen. Er hat sie sogar zwangsbekehrt. Übrigens ganz wichtig, dass man das weiß im Gespräch mit Juden. Wenn nämlich der Vorwurf gemacht wird, was in der Namenschristenheit geschehen ist, wie die Juden zwangsbekehrt wurden und so weiter, dann muss man sagen, dass hat es nicht nur im Christentum gegeben, sondern das kennen wir auch aus dem Judentum, von Alexander Jannai, wo die Edomiter zum Judentum zwangsbekehrt wurden. Das war ein ganz gottloser König, dieser Alexander Jannai.

Aber später, 37 vor Christus, hat der Edomiter Herodes (Herodes der Große, der Kindermörder von Bethlehem) über die Römer den Titel König der Juden bekommen und hat ab 37 vor Christus die blutige Herrschaft über Israel angetreten. Das ist ganz dramatisch, was geschehen ist in der Zeitenwende vor 2.000 Jahren. Als der Messias gekommen war, da herrschte Esau über Israel, über Jakob. Und es war eine blutige, grausame Herrschaft unter diesem Herodes. Diese Familie hat auch später noch Herrschaft ausgeübt. Davon ist das Neue Testament bis in die Apostelgeschichte hinein geprägt. Also dieses Losreißen von Esau, der das Joch zerbricht, das hat sich in der Geschichte dramatisch erfüllt. Sogar so weit, dass dann Esau die Herrschaft über Israel hatte.

Nun allgemein können wir jetzt sehen: Es war positiv, dass Rebekka den Segen des Erstgeburtsrechts hoch einschätzte. Es war auch positiv, dass Jakob diesen Segen unbedingt haben wollte, denn Gott hatte ihn vorgesehen. Aber sie haben versucht, durch hinterhältige Tricks sich den Segen zu beschaffen. Und das ist genau das Gleiche, das wir schon vorher bei Abraham und Sarah in 1. Mose 16 hatten. Nach all den Jahren des Wartens auf den Erben hat Sarah dann plötzlich gedacht sie müssten Gott bei der Erfüllung seiner Verheißung ein wenig nachhelfen. Aber dieses Nachhelfen führte dazu, dass diese Familie durch viele Schwierigkeiten gehen musste. Jakob wollte dauernd durch Tricksen nachhelfen. Es wird bei ihm sogar zum notorischen Problem, das ihn viel, viel Schweres erleben lässt. Jakob macht also jahrzehntelange Umwege, bis schließlich der Segen Gottes voll über ihn kommt. Also wichtig ist, die biblische Geschichte stellt diese Menschen nicht einfach schwarz-weiß dar, sondern wir sehen viel Weißes im Leben von Jakob, aber auch viel Dunkles.

Durch diese Mischung finden wir einen Spiegel für uns selber. Vermischung ist ein ganz großes Problem für uns Gläubige. Und schauen wir einmal Matthäus 16. Petrus sagte: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Der Herr Jesus sagt: Das hat dir nicht Fleisch und Blut, sondern der Vater im Himmel geoffenbart. Kurz danach will Petrus verhindern, dass der Herr Jesus ans Kreuz geht und der Herr sagt: Geh hinter mich Satan. Ein paar Verse später nur. Also das Wirken Satans und das Wirken des Vaters im Himmel im gleichen Herzen von dem Apostel Petrus.

Wir kommen zu Kapitel 28. Nun muss also Jakob fliehen. Aber Isaak verbindet das mit etwas Positivem. In Vers 1 sagt er ihm: «Du sollst nicht eine Frau nehmen von den Töchtern Kanaans. Mache dich auf, gehe nach Paddan-Aram zum Haus Betuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir von dort eine Frau von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter.» Also das hatte er ja selber so erlebt. Schon Abraham, sein Vater, wollte nicht, dass Isaak eine götzendienerische Kanaaniterin heiratete. Das ist nun weiterhin ein Anliegen von Isaak, dass Jakob nicht eine Mischehe eingeht mit einer Ungläubigen. Und nun diese Flucht, die ganze Tragik, verbinden wir damit, dass er die richtige Frau finden soll bei der Verwandtschaft.

Wir finden dann weiter, Verse 3 und 4, den zweiten messianischen Segen, den Isaak dem Jakob mitgibt. Und dieser umfasst auch hier wieder Fruchtbarkeit, Landbesitz und den Segen Abrahams. Jakob geht weg aus Beer-Sheba, Vers 10, und auf dem Weg kommt er über die Station Bethel. Die Sonne geht unter, er nimmt einen Stein als Kopfkissen und träumt, Vers 12: «Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt und ihre Spitze rührte an den Himmel. Und siehe, Engel Gottes stiegen auf und nieder an ihr und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft. Und deine Nachkommenschaft soll wie der Staub der Erde werden, und du wirst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten und nach Norden und nach Süden hin; und in dir und deiner Nachkommenschaft sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich in dieses Land zurückbringen; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe. Und Jakob erwachte von seinem Schlaf und sagte: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich habe es nicht erkannt! Und er fürchtete sich und sagte: Wie furchtbar ist diese Stätte! Dies ist nichts anderes als das Haus Gottes, und dies die Pforte des Himmels. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er an sein Kopfende gelegt hatte, und stellte ihn auf als Gedenkstein und goss Öl auf seine Spitze. Und er gab dieser Stätte den Namen Bethel. Im Anfang jedoch war Lus der Name der Stadt.»

Also, dieses Ereignis ist ganz, ganz wichtig. Wegen seinem Betrug muss Jakob fliehen, aber Gott ist wirklich, wie es in Psalm 136, 1 steht: Der Herr ist gütig und seine Gnade währet ewiglich. Gott verheißt ihm: Ich will mit dir gehen, ich will dich behüten auf deinem Weg. Und der Traum der Himmelsleiter hat eine tiefe Bedeutung. Eigentlich ist das eine Vision des tausendjährigen Friedensreiches, wo Himmel und Erde miteinander harmonisch verbunden sein werden. In Epheser 1, 10 lesen wir, dass in dem zukünftigen Zeitalter Gott alles unter die Herrschaft von Jesus Christus stellen wird, was im Himmel und was auf der Erde ist. Und der Herr Jesus nahm selber Bezug auf dieses Ereignis, Johannes  1, 51, wo der König Israels sagt: «Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen.» Da nimmt er Bezug auf den Traum von Jakob. Und wer ist da im Zentrum? Der Menschensohn, der einmal die Weltherrschaft übernehmen wird.

Eine Hilfe ist folgendes: Das Wort Leiter, hebräisch «sullam», kann auch Treppe bedeuten. Er hat nicht einfach eine Holzleiter gesehen zum Himmel, sondern das muss eine Treppe gewesen sein, ähnlich den Treppen bei den babylonischen Stufentürmen. In Mexiko gibt es sie ja auch, wie der Turm zu Babel. Das war nicht alles reine Phantasie, sondern Satan imitiert alles, was Gott tut. Darum haben auch die Heidenvölker Tempel, die genau gleich aufgebaut sind wie der Tempel Gottes in der Bibel. Weil es ja im Himmel einen originalen Tempel gibt, und Satan hat Zugang zum Himmel. Darum weiß er ganz genau, wie der Tempel aufgebaut ist. Und darum findet man den gleichen Aufbau auch bei den heidnischen Völkern in aller Welt.

Nun, dieser babylonische Stufenturm war eigentlich eine Perversion von einem göttlichen Plan. Wie mache ich die Verbindung? Erstens fällt uns auf, dass es in Vers 12 heißt: Und siehe, eine Leiter, oder eine Treppe, war auf die Erde gestellt und ihre Spitze rührte an den Himmel. 1. Mose 11 sagt uns, die Menschen wollten einen Turm bauen, dessen Spitze an den Himmel reicht. Genau die gleiche Formulierung. Zweitens: Jakob sagt: Dies ist die Pforte des Himmels. Nun, Babylon, Babel, dieser Name wurde bei den Babyloniern folgendermaßen gedeutet. Wir wissen ja, Babel kommt ursprünglich aus dem Hebräischen und in 1. Mose 11 wird gesagt, dass dies Verwirrung bedeutet. Aber die Sumerer haben das, als älteste Kultur dort im Nahen Osten, nach der Sprachenverwirrung in ihrer Sprache babillum genannt. Und schon die Sumerer wussten nicht mehr, was die Bedeutung dieses Wortes war. Nachher haben die Babylonier den Namen von den Sumerern übernommen und sie haben dann in der akkadischen, babylonischen Sprache dies gedeutet als bab-ili oder bab-ilani, was Tor Gottes, bzw. Tor der Götter bedeutet. Aus bab-ilani kommt dann die Namensgebung Babylon. Genau diesen Ausdruck benutzt hier Jakob, die Pforte des Himmels. Und er sieht eine Treppe, die in den Himmel hinaufgeht, so wie diese Treppenstufen auf diesen Türmen. Aber die Menschheit in 1. Mose 11 hat dies zum Götzendienst pervertiert und auf diese Treppe oben einen Schrein für einen falschen Gott draufgetan. Aber in der Vision von Jakob steht oben Gott. «Und siehe, der HERR stand über ihm und sprach: Ich bin der HERR, der Gott Abrahams, deines Vaters und der Gott Isaaks.» Und weiter nennt ja Jakob diesen Ort Bethel, Haus Gottes. Genauso wie diese Stufentürme mit dem Tempel oben Häuser waren für die falschen Götter. Aber er sieht, dass dies der wahre Stufenturm ist für den wahren Gott und darum nennt er diesen Ort auch Bethel.

Jetzt kommt aber noch etwas hinzu in 28, 17. Als Jakob erwacht, sagt er: Hier ist Gott an diesem Ort und ich habe das nicht gewusst. Wie furchtbar ist dieser Ort. Dies ist nichts anderes als Gottes Haus. Aus dem Neuen Testament wissen wir, Epheser 2, 20, dass die Gemeinde heute das Haus Gottes ist. Und da gibt es auch Leute, die sagen: Wie furchtbar ist dieser Ort. Das Haus Gottes ist dann effektiv ein furchtbarer Ort, wenn unser Leben nicht stimmt mit Gott. Es gibt ja verschiedene Gründe, warum man sich in einer Gemeinde nicht wohlfühlt. Es gibt Gründe, da ist die Gemeinde schuld und es gibt Gründe, da bin ich schuld. Aber in der Situation von Jakob, als er sagte, o wie furchtbar ist dieser Ort, das war, weil sein Leben nicht in Ordnung war. Dann kann man sich nie in Gottes Haus wohlfühlen. Nun, das ist seine erste Begegnung mit Bethel. Wir werden sehen, dass später ein ganz anderer Jakob wiederum nach Bethel kommt. Das ist Wachstum im Glauben.

Wir gehen also weiter. In den Versen 13-16, da haben wir den dritten messianischen Segen von Gott an Jakob. Er umfasst wieder Landverheißungen und jetzt  wird es interessant. Bethel, wo liegt das auf der Landkarte? Das liegt mitten im heute besetzten, sogenannten Westjordanland, das jetzt wieder Stück für Stück an die Palästinenser abgegeben wird. Da liegt Bethel. Und hier in Bethel sagt Gott, Vers 14: «Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will ich es geben und deinem Samen. Und dein Same soll werden wie der Staub der Erde und du wirst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten und nach Norden und nach Süden hin.» Ist doch interessant, ein Punkt im Westjordanland, aber Gott sagt, nicht nur dies Land, auf dem du liegst, will ich dir geben, sondern auch die Gebiete in alle vier Himmelsrichtungen drum herum. Diese Stelle hat eine unwahrscheinliche Explosionskraft.

Und die Einzahl «dein Same» oder «in deinem Samen» das ist wieder ein Hinweis auf Christus. Galater 3, 16 sagt schon bei Abraham: Dein Same, das bedeutet Christus. Wir finden also auch hier wieder Gottes bleibende Treue bei der Untreue von Jakob. Und nun stellt hier in Bethel Jakob einen Stein auf, den er mit Öl salbt. Vier Steine spielen im Leben von Jakob Schlüsselrollen. Ich habe auf dem Arbeitsblatt alle Stellen angegeben. Wir haben doch schon gesehen, dass verschiedene Brunnen im Leben von Isaak eine Rolle gespielt haben, 1. Mose 26, vier Brunnen. Und bei Abraham sieht man, dass vier verschiedene Altäre Schlüsselrollen spielen. Es lohnt sich also die Patriarchengeschichten einmal zu lesen im Blick auf die vier Altäre von Abraham, die vier Brunnen im Leben Isaaks und die vier Steine im Leben Jakobs. Und Gott nennt sich ja immer der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Also hier die Begegnung mit Gott in Bethel markiert einen ganz wesentlichen geistlichen Abschnitt im Leben Jakobs. Aber jetzt ist es ein furchtbarer Ort für ihn. Sein Leben ist nicht in Ordnung.

Kapitel 29, der Betrüger Jakob wird nun von Laban brutal betrogen. Er bekommt nach sieben Jahren Arbeit, auch Hosea 12, 13 spricht davon, zunächst nicht Rahel, die er liebte, sondern Lea, die ältere Schwester. Und wie das gegangen ist, habe ich schon angedeutet. Laban sagt: Ja, weißt du, das ist bei uns nicht Sitte, dass zuerst die jüngere Tochter heiratet. Zuerst kommt die Älteste dran und du kannst danach die Andere auch noch haben, wenn du für sie weitere sieben Jahre arbeitest. Also mach mal die Hochzeitswoche fertig mit Lea und dann bekommst du Rahel. So ist das gegangen. Also schon eine etwas andere Moral, als wir uns das wünschen würden. In den Versen 31-35 sehen wir, wie der HERR das Problem der Polygamie sieht. In Vers 30 lesen wir, dass Jakob auch Rahel mehr liebte als Lea. Also man kann nicht sagen, dass Lea keine Liebe bekommen hätte, aber Rahel hatte den ersten Platz.

Und nun Vers 31: «Und als der HERR sah, dass Lea gehasst war, da öffnete er ihren Mutterleib; Rahel aber war unfruchtbar.» Gehasst bedeutet hier nicht, dass Jakob sie hasste, sondern dass sie weniger geliebt war. Das ist gut zu wissen, denn im Lukasevangelium spricht der Herr: Wenn jemand mir nachfolgen will und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Brüder und seine Frau, der kann nicht mein Jünger sein. Dann sagen die, die Probleme in der Familie haben, gut, das kann ich sehr gut erfüllen, dann bin ich ein guter Jünger. Aber hassen heißt dort einfach weniger lieben als den Herrn, d.h. der Herr muss vor der Verwandtschaft und selbst vor der Ehefrau den Platz einnehmen bei uns. Der Ausdruck hassen kann also sehr relativ sein. Aber der HERR sieht das Problem und deshalb macht er Lea fruchtbar und Rahel ist unfruchtbar. Der Herr gibt also Lea als Kompensation Kinder, weil sie weniger geliebt ist, und sie bekommt Ruben, Simeon, Levi und Juda.

Kapitel 30, 1-8: Die eifersüchtige Rahel kompensiert ihre Kinderlosigkeit durch einen Trick, wie ihre Urgroßmutter Sarah, die ihrem Kinderwunsch ein wenig nachhelfen wollte. Und wie hat das die Großmutter gemacht? Sie hat Abraham ihre Magd Hagar gegeben um sie zu heiraten. Und Rahel hatte ja von ihrem Vater eine Magd bekommen, die Bilha, und diese gibt sie nun Jakob zur Frau. Aus dieser Ehe kommen dann Dan und Naphtali auf die Welt. Aber eine Frau ohne Ehevertrag galt auch damals nicht als Ehefrau, trotz der polygamen Gesellschaft.

Kapitel 30, 9-13: Lea bekommt nach vier Kindern keine weiteren Kinder mehr. Und nun wendet sie den gleichen Trick an mit ihrer Sklavin, die sie von ihrem Vater Laban bekommen hat. Sie gibt Silpha dem Jakob zur Frau bei. Aus dieser Verbindung kommen dann Gad und Asser. Aber auf einmal bekommt Lea doch wieder Kinder: Issaschar, Sebulon und sogar noch ein Mädchen, Dina. Und dann wird erzählt wie Ruben hinaus in die Natur geht und er findet dort «dudaim», das sind Liebesäpfel. Die bringt er nach Hause zu seiner Mutter und dann gibt es einen Handel zwischen Rahel und Lea um diese Liebesäpfel. Diesen Aberglauben gab es schon damals. Und zwar gab es die abergläubige Auffassung, dass dudaim die Fruchtbarkeit fördern könnten. Wie sehen wie solche abergläubigen Vorstellungen unter den Frauen Jakobs immer noch kursierten, obwohl in dieser Familie eigentlich der einzige und wahre Gott bekannt war. Das hat aber nichts genützt.

Und es ist so schön: In Kapitel 30, 22-24 lesen wir dann, wie Rahel plötzlich, aber aufgrund von ihrem Gebet, nicht durch Liebesäpfel, auch fruchtbar wird, und sie gebiert Joseph. Später die Nr. 2 von Ägypten. Joseph, der später das Erstgeburtsrecht bekommen sollte, wie wir noch sehen werden. Also wieder nicht der Erstgeborene. Und wenn wir diese Geschichte dann durchlesen, das ist so eine tragische Geschichte. Aber trotz  all der Eifersüchteleien dieser Frauen kommt in ihrer Namensgebung echter Glaube an Gott zum Ausdruck. Trotz all dem Negativen sieht man, dass bei diesen Frauen ein echter Glaube an den wahren Gott vorhanden ist.

Kapitel 30, 25-43. Nach der Geburt von Joseph will Jakob nun endlich zurück nach Kanaan. Aber es geht doch nicht so schnell. Laban wird nun von Gott dazu benutzt, um Jakob zuerst reich zu machen. Und das trotz dauernden Vertragsänderungen. Er sagte zu Jakob, sag mir, was möchtest du für einen Lohn, wenn du jetzt weiter für mich arbeitest. Und Jakob sagt, ich will keinen Lohn, wir können es ja einfach so machen, wenn ich deine Herde hüte, so bekomme ich alle Lämmer, die gesprenkelt und gefleckt sind und die anderen kannst du für dich haben. Und wenn man bedenkt, dass im Nahen Osten die Schafe normalerweise weiß sind und die Ziegen schwarz, dann war das toll für Laban. Und er geht darauf ein. Aber was geschieht dann? Plötzlich gibt es so viele gefleckte und gescheckte Tiere und alles bekommt Jakob und kann somit eine schöne Herde für sich auf die Seite tun. Nun, Laban denkt, jetzt muss ich aber etwas ändern und er ändert den Vertrag.

Aber jedes Mal wenn er den Vertrag geändert hat, ging es trotzdem zu Jakobs Gunsten aus. Jakob wird immer reicher. Aber Jakob ist immer noch Jakob und er wendet ganz unwissenschaftliche Züchtungstricks an, Zweige in die er Streifen schneidet. Aber all die Tricks waren nicht nötig und halfen nicht. Allein die Hilfe des Allmächtigen und seine Verheißungen haben das bewirkt. Jakob steht unter dem Segen Gottes.

Vers 42: «Also wurden die Schwächlichen dem Laban, und die Kräftigen dem Jakob. Und der Mann breitete sich sehr, sehr aus und er bekam viele Herden und Mägde und Knechte und Kamele und Esel. Und er hörte die Worte der Söhne Labans, welche sprachen, Jakob hat alles genommen, was unserem Vater gehörte.» Also Gott hat es so geführt, dass Jakob nun gesegnet werden musste durch den Betrüger Laban. Aber in dieser ganzen Familiengeschichte sehen wir Gottes Urteil und Fluch über die Polygamie. Die finden wir ja zum ersten Mal in der Bibel bei dem gottlosen Mörder Lamech, 1. Mose 4, 19. Bei ihm heißt es zum ersten Mal: Lamech nahm sich zwei Frauen. Und die Geschichte von Jakob ist wirklich ein ganz schlagender Beweis, was für ein Fluch die Polygamie ist und was für Konsequenzen das für eine Familie hat. Aber diese Realität ist heute noch da. Nicht in Europa, aber in den Missionsländern.

Ich war ja im Oktober in Tadschikistan. Dort in der Gemeinde ist jetzt einer zum Glauben gekommen, der hat zwei Frauen. Was soll man jetzt mit dem machen? Und das ist ganz tragisch wie das geht. Die leben da nicht so zusammen, sondern er lebt bei seiner Lieblingsfrau mit den Kindern und an einem ganz anderen Ort lebt dann seine Nebenfrau mit ihren Kindern und er macht dann immer nur einen Besuch, oder so. Und sollten sie noch mehr Frauen haben, dann machen sie von Haus zu Haus einen Besuch, das ist eine Katastrophe. Und dann kommen diese Leute zum Glauben. Und jetzt: Was soll man mit denen? Das Problem gab es also nicht nur damals, sondern das Problem ist ganz konkret heute noch da. In Afrika gibt es Menschen die zum Glauben kommen und zehn Frauen haben. Was macht man damit? Früher haben dann Missionare gesagt, er müsse alle Frauen wegschicken, bis auf die erste. Das ist auch so gemacht worden. Was ist dann oft geschehen? Die Frauen standen materiell völlig chancenlos da und viele sind dadurch in die Prostitution gefallen. Das ist nicht der Weg! Es sind ja Ehen.

Niemand kann ja sagen, Jakob lebte in der Hurerei. Hurerei ist Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe. Aber sie hatten mehrere Ehen. Und so müssen sie ihre Frauen behalten, aber sie können natürlich nicht als Älteste in der Gemeinde Verantwortung übernehmen. Denn in 1. Timotheus 3 heißt es: «Nun muss aber ein Aufseher untadelig sein, Mann einer Frau . . » Und da kann man nicht einen nehmen, der zehn Frauen hat. Das Zeugnis nach Außen kann nicht so vertreten werden. Aber das ist ein Problem, das es damals gab und das gibt es noch heute. Aber bei uns gibt es heute ein ähnliches Problem. Wir haben die Frauen einfach nacheinander, nicht gleichzeitig. Was macht man, wenn zum Beispiel die Nummer 1 von Deutschland zum Glauben kommt? War viermal verheiratet. Und er hat vor kurzem erzählt, das sei der Grund warum er nicht mehr Mercedes fährt, sondern Audi. Audi hat vier Ringe hinten. Das ist die konkrete Situation, mit der die Gemeinde heute konfrontiert ist und da muss man Stellung nehmen und man muss sagen, dass Polygamie ein fürchterlicher Fluch ist. Und Gott hasst das. Aber wir können das nicht der Unzucht gleichstellen. Man kann nicht sagen, die müssen jetzt die Frauen wegschicken.

Jetzt kommen wir zu Kapitel 31. Jetzt kommt plötzlich Gottes Befehl an Jakob, er soll aufbrechen. Vers 3: «Und der HERR sprach zu Jakob: Kehre zurück in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft, und ich will mit dir sein!» Nach zwanzig Jahren sagt Gott, jetzt ist die Zeit in das Land der Väter zurückzukehren. Und wir sehen in der Geschichte Jakobs vorgeschattet die Geschichte Israels. Das Volk Israel wurde vertrieben wegen seiner eigenen Untreue und sie haben, so sagt es Petrus, den Gerechten verleugnet und den gefordert, der ein Mörder war. So steht es in Apostelgeschichte 2, 14: «Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, dass euch ein Mann, der ein Mörder war, geschenkt würde. Den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet.» Sie haben den Messias verleugnet und dadurch ist das jüdische Volk zerstreut worden unter die Völker, verjagt aus Kanaan. Und sie haben tragische Dinge unter den Völkern erlebt. Und dann kam der Ruf Gottes: Kehre zurück in das Land deiner Väter.

Ab dem Jahr 1882 ist die erste Einwanderungswelle von Juden aus Russland gekommen und es sind weitere gefolgt. Das 20. Jahrhundert ist wirklich das Jahrhundert der Rückführung, gewissermaßen, nicht nach 20 Jahren wie bei Jakob, sondern nach zwei Jahrtausenden kommen die Juden wieder ins Land der Väter. Also wegen Untreue aus dem Land vertrieben, mussten sie lange unter den Heiden weilen um schließlich in der Endzeit ins Land zurückzukehren. Aber Jakob kam dann nach Kanaan, in die große Drangsalszeit, diese große Hungersnot, wo sie nach Ägypten hinunter müssen. Das kommt erst noch. Dazu musste er aber erst einmal ins Land kommen. Die große Drangsalszeit wird für Israel auch noch im Land ihre Erfüllung finden.

In Vers 4 und folgenden sehen wir, wie Jakob über die Zeit bei Laban spricht. Hier wird eigentlich deutlich, wie Jakob all das Leid und all die Ungerechtigkeiten als Zucht Gottes akzeptiert. Er beugt sich darunter. Wir finden dort keine Verbitterung Jakobs gegen Gott. Jakob akzeptiert, dass er unter der Zucht Gottes steht. Und das ist eine ganz wichtige Sache in der Weiterentwicklung für Jakob. Aber die weiteren Verse, besonders 21 und 22, zeigen, dass Jakob immer noch zu wenig Glauben hat. Er gehorcht Gott zwar, aber er flieht nachts. In so einer Nacht- und Nebelaktion haut er mit seiner ganzen Familie ab.

In den Versen 19.30-37 lesen wir, dass Rahel die Hausgötzen, die Teraphim, stahl und so zog die Familie ab. Und als Laban das merkte, dass alle sich davongemacht hatten, und die Hausgötzen gestohlen waren, jagt er ihnen hinterher bis er sie erwischt. Aber Gott erscheint dem Laban im Traum und sagt: Tue Jakob ja nichts an. Laban steht unter dem Schrecken Gottes. Er hätte sich natürlich gerne gerächt. Und er fragt Jakob: Warum hast du meine Hausgötzen gestohlen? Wir fragen uns als Europäer heute: Warum haben die so ein Zeugs daraus gemacht, aus diesen Hausgötzen? Nun, aus der Archäologie wissen wir folgendes. Die Texte aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus zeigen, wer die Hausgötzen besitzt, hat Anrecht auf das Erbe. Rahel hat die also geklaut und damit hat sie das juristische Recht dem Jakob gegeben, dass er den ganzen Besitz von Laban erben darf. Deshalb diese Dramatik, diese Aufregung.

Jakob wusste ja nichts davon und deshalb sagt er: Du Laban, du kannst alles durchsuchen. Bei wem die Götzen sind, der soll sterben. Seine Frau Rahel saß auf dem Kamelsattel und sagt: Du entschuldigst mich Papa, dass ich nicht herunterkommen kann. Es ergeht mir nach der Weiber Weise. Also das wissen die Frauen, was das ist. Es war damals etwas komplizierter, da gab es noch nicht so gute Einrichtungen wie heute. Und sie saß auf den Teraphim. Er findet somit nichts und muss sich mit einem Vertrag begnügen. Er trifft eine Abmachung mit Jakob und das wird besiegelt, Vers 45, mit einem Stein: «Und Jakob nahm einen Stein und richtete ihn auf als Denkmal.» Und da wird das Bündnis geschlossen mit Laban. Wir finden hier Jakobs zweiten Stein, der wieder zeigt, Gott war treu bis zu diesem Zeitpunkt. Durch all die Untreue Jakobs hindurch schützte Gott Jakob und hat sogar dazu beigetragen, dass Laban einen Bund schließt mit Jakob.

Kapitel 32. Jakob ist auf dem Weg nach Kanaan. Und jetzt muss er ja damit rechnen, dass er Esau begegnet. Er hat furchtbare Angst jetzt nach zwanzig Jahren seinem Bruder wieder zu begegnen. Wenn der mich umlegt?! Aber Gott ist so gut und lässt ihn eine Vision sehen. Vers 2: «Und Jakob zog seines Weges und es begegneten ihm Engel Gottes. Und Jakob sprach, als er sie sah: Dies ist das Heerlager Gottes! Und er gab jenem Ort den Namen Machanajim.» Machane heißt Lager, Heerlager und «machanajim» ist ein Doppellager. Er hat also dort zwei Divisionen Engel gesehen. Gott macht Jakob Mut und zeigt ihm: Du musst keine Angst haben. Geh zurück, die Engel, meine Engelmächte stehen auf deiner Seite. Aber Jakob hat immer noch Angst und vertraut immer noch auf seine Tricks. Er hat überlegt, wie er sich mehr Sicherheit verschaffen könnte vor Esau. Immer noch ist er der Trickser, der Gottes Macht noch mit seiner Schlauheit nachhelfen will.

Aber, wieder positiv, zusätzlich dazu kommt auch sein Vertrauen auf Gott im Gebet zum Ausdruck. Vers 10, herzbewegend: «Und Jakob sprach: Du Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, HERR, der du zu mir gesagt hast: Kehre wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft zurück, ich will dir wohl tun! Ich bin zu gering für alle Gnade und Treue, die du an deinem Knecht bewiesen hast! Denn ich hatte nur einen Stab, als ich über diesen Jordan ging, und nun bin ich zu zwei Heerlagern geworden. Errette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus; denn ich fürchte ihn; er könnte kommen und mich erschlagen, die Mutter samt den Kindern! Du aber hast gesagt: Ich will dir gewisslich wohl tun und deinen Samen machen wie den Sand am Meer, der vor Menge nicht zu zählen ist!» Also herzbewegend wie er merkt, dass er die Güte Gottes erlebt hat und es überhaupt nicht verdient hat. Also er vertraut, aber trotzdem hat er Angst. Genau so wie auch wir. Wir vertrauen, aber irgendwie haben wir dann doch immer noch Angst.

Und dann das eigenartige Erlebnis in Pniel, Verse 22-32. Jakob steht auf in der Nacht und dann begegnet er einem fremden Mann und der fällt ihn an und kämpft mit ihm in der Nacht. Dieses Ereignis markiert nun die große geistliche Wende im Leben von Jakob. Dieser Mann kämpft, aber er überwindet Jakob nicht. Schließlich sagt der Mann: Lass mich los, ich muss jetzt gehen. Jakob sagt: Was ist dein Name? Er sagt ihm den Namen nicht. Aber er sagt zu Jakob: Du sollst jetzt nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, Vers 29: «Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!» Und dann segnet dieser Fremde Jakob und geht. Aber Jakob wird unheilbar verletzt, und zwar nicht irgendwo, sondern an der Hüfte. Jakobs männliche Kraft wird unheilbar verletzt, damit er lernt, nur noch von Gottes Segen abhängig zu sein und nicht mehr von seiner Kraft und seinen Tricks.

Und nun bekommt er den Namen Israel, Kämpfer Gottes, anstatt Jakob, Betrüger. Und er erhält hier den vierten messianischen Segen, Vers 30. Also er hat mit Gott gekämpft. Und Gott wollte ihm damit zeigen, jetzt wo Jakob unheilbar verletzt wird, das heißt ein schwacher Mann wird, jetzt ist er zum Sieger geworden. Das erinnert ganz an 2. Korinther 12, wo Paulus sagt, weil er so ein Leiden hatte und gesund werden wollte, dass der Herr zu ihm sagte: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Und das musste Jakob erleben. Jetzt wird er zum Sieger, indem er nicht mehr auf seine Kraft vertrauen kann. Das bringt die Wende. Pniel heißt «Angesicht Gottes», weil er hier Gott begegnet war in der Nacht.

Wir kommen zu Kapitel 33, wo Jakob Esau tatsächlich nach 20 Jahren begegnet. Aber seine Haltung gegenüber seinem Bruder Esau ist kriecherisch, beschämend. Letztendlich geht er nie nach Edom zu Esau. Er trifft ihn da im Vorfeld und sagt: Ja ich kann nicht so schnell gehen, wegen der Jungtiere und meinen Kindern, ziehe du voraus. Und Esau sagt: Ein paar Soldaten könnten ja mit dir gehen. Doch Jakob sagt: Nein, nein, das ist nicht nötig, das geht schon ohne. Und dann geht Jakob einfach ins Land Kanaan und hat nichts mehr zu tun mit Esau. Aber seine Art, wie er mit seinem Bruder umgeht, ist sehr beschämend. Das ist wieder so ein Tiefpunkt in seinem Leben.

Schließlich kommt Jakob, Vers 17, nach Sukkot. Dort baut er sich ein Haus und seinem Vieh macht er Hütten. Er siedelt sich dort an. Dann geht er nach Sichem, dort kauft er auch ein Feld. Aber er geht nicht nach Bethel, diesem wichtigen Ausgangspunkt, wo Gott ihm so eindrücklich begegnet ist. Somit kehrt er also nicht wirklich nach Hause. Jakob ist zwar nach Kanaan gekommen, aber nicht nach Bethel, ins Haus Gottes.

Und das führt uns dann zu Kapitel 34. Dort lesen wir von Dina, dem einzigen Mädchen in der Familie. Und da lesen wir: «Dina aber, Leas Tochter, die sie dem Jakob geboren hatte, ging aus, um die Töchter des Landes zu sehen.» Dina ging aus. Sie interessiert sich vielleicht für die Aufmachungen der heidnischen Frauen. Und da begegnet sie Sichem. Und der ist verknallt bis über die Ohren. Sichem verliebt sich in diese Dina und vollzieht mit ihr vorehelichen Geschlechtsverkehr. Das gibt ein Drama in der Familie. Interessant ist, wie hier der Geschlechtsverkehr bezeichnet wird, nämlich Schwächen. Sie wurde geschwächt, Kapitel 34, 2 (in der Schlachter steht allerdings, er tat ihr Gewalt an). Das heißt, durch vorehelichen Geschlechtsverkehr wird eine Frau in ihrer Würde geschwächt. Die Bibel spricht wie selbstverständlich über Schwächen.

Dann in Vers 5 heißt es, sie ist entehrt worden. Eine Frau verliert dadurch etwas von ihrer Würde. In Vers 7 wird das noch stärker ausgedrückt. Da wird gesagt, da0 damit eine Schandtat in Israel verübt worden sei. Interessant ist, dass diese Familie hier bereits als Israel bezeichnet wird, mit diesem neuen Namen aus Pniel. Und Dinas Brüder sind empört, dass ihre Schwester wie eine Hure behandelt worden ist. Also für sie ist ganz klar, vorehelicher Geschlechtsverkehr, auch wenn Sichem verliebt war, das war Hurerei. Es ist so wie mit der Magie. Es gibt weiße Magie und es gibt schwarze Magie, aber beides hat die gleiche Quelle. Beides ist Okkultismus und kommt aus dem Reich der Schlange. So gibt es auch Hurerei ohne Liebe und Hurerei mit Liebe, aber es ist beides Hurerei.

In 5. Mose 22, 21 finden wir eine ganz interessante Stelle. Ich werde das ein bisschen ausführlicher behandeln, weil heutzutage selbst in evangelikalen Kreisen manchmal die Frage aufgeworfen wird, ob vorehelicher Geschlechtsverkehr wirklich Sünde sei. Dieser Vers macht deutlich: Eine Frau, die geheiratet hat und es stellt sich nachher heraus, dass sie nicht als Jungfrau in diese Ehe gegangen ist, wird eindeutig als Hure bezeichnet. Vorehelicher Geschlechtsverkehr wird also mit huren beschrieben im hebräischen. Die griechische Übersetzung, die Septuaginta, die ja auch im Neuen Testament zitiert wird, gebraucht dort das Wort «ek-porneuo» und das heißt nicht nur Hurerei, sondern bedeutet sogar sich der Hurerei ergeben, ein ganz starker Ausdruck. Und darum, in alt- und neutestamentlichen Stellen, wie 1. Korinther 6, 18 oder Galater 5, 19 und überall dort, wo das Wort porneua, Hurerei, vorkommt, bedeutet es immer vorehelichen Geschlechtsverkehr, welcher Art auch immer. Also auch Homosexualität wird mit diesem Begriff beschrieben.

Vielleicht hilft auch noch Johannes 4, 18 weiter. Der Herr Jesus begegnet dort einer Frau im Konkubinat, die Samariterin am Brunnen. Da sagt er ihr: Fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast ist nicht dein Mann. Das heißt fünf Männer hatte sie und lebte jetzt in einem Konkubinat. Also der Herr sagt ihr; das ist nicht dein Mann. Das zeigt deutlich, dass auch damals zwischen Konkubinat und Ehe, die mit einem Vertrag vollzogen wurde, ganz deutlich unterschieden wurde. Ich habe dann noch drei Stellen aufgeführt, Sprüche 2, 17, Hesekiel 16, 8 und Maleachi 2, 18, wo an allen diesen Stellen gesprochen wird über ein Bündnis. Die Ehe wird vollzogen mit einem Bündnis, ein Vertrag zwischen einem Mann und einer Frau. Also nicht einfach nur so ein Zusammenkommen. So kann man das ganz deutlich vom biblischen Text her beweisen und herleiten, wie Gott die Moral sieht.

In 1. Mose 34, 13-30 sehen wir dann, wie Jakobs Söhne, entsetzt über diese Untat, die Hinterlist ihres Vater weiterführen. Und zwar mit einem ganz neuen Element, das wir bei Jakob nie gefunden haben: Gewalt. Sie haben dann dem Sichem und seinen Angehörigen gesagt: Ja gut, aber wenn du Dina wirklich heiraten willst, dann müsst ihr euch alle beschneiden lassen. Wir können mit euch keine Beziehung eingehen, wenn ihr nicht beschnitten seid. Und diese sind dazu bereit. Sie sind stolz, dass Dina jetzt in ihre Familie hereinkommt, und sie haben sich beschneiden lassen. Und dann sind sie mit dem Schwert auf sie losgegangen, als sie von der Beschneidung geschwächt waren, und schlugen sie tot. Und eine führende Rolle haben dabei Simeon und Levi gespielt.

Über sie kommt dann später ein Fluch in den Segensverheißungen von Jakob. In Kapitel 49 distanziert er sich ganz klar von dieser Tat Simeons und Levis und bringt über sie einen Fluch, den Fluch der Zerstreuung. Eindrücklich ist: Levi soll einmal ein zerstreuter Stamm sein und später wird in der biblischen Geschichte dieser Fluch in einen Segen umgewandelt. Wer die Geschichte vom Goldenen Kalb kennt, weiß doch, dass der Stamm Levi in dieser Sache Widerstand geleistet hat. Sie haben sich ganz entschieden gegen den Götzendienst gestellt und Gott bringt über sie einen Segen, dass dieser Stamm der Priesterstamm werden soll, anstatt der Erstgeborenen. Und der Priesterstamm, das sieht man später z. B. in Josua 21, sollte nicht im Land Kanaan ein bestimmtes Gebiet haben, sondern die sollten verstreut im ganzen Land Kanaan ein paar Städte haben. Also Levi wurde zerstreut, aber es wurde umgewandelt in Segen, weil er dadurch gerade den Priesterdienst für Gott ausrichten konnte. Das ist schon gewaltig, wie Gott einen Fluch in Segen umwandeln kann.

Nun nach diesem traurigen Kapitel 34, da sieht Jakob sich gezwungen von diesem Ort wegzugehen, wegen diesem miesen Ruf, den ihm seine Söhne eingehandelt haben, Vers 30. Er wird gezwungen nach Bethel zu gehen. Und grad das kommt in Kapitel 35, Vers 1: «Und Gott sprach zu Jakob: Mache dich auf, ziehe hinauf nach Bethel und wohne daselbst. Und mache daselbst einen Altar, dem Gott, der dir erschienen ist, als du vor deinem Bruder Esau flohst.» Nach dieser tragischen Geschichte geht nun Jakob endlich nach Bethel, damit der Kreis so geschlossen wird. Nun, in Sichem hatte er auch einen Altar, Kap. 33, 20, aber Gott ist ihm dort nicht begegnet. Aber wie wir sehen werden, erscheint Gott dann in Bethel.

Die Reaktion ist interessant. Vers 2: «Da sprach Jakob zu seinem Haus und zu allen, die bei ihm waren: Tut die fremden Götter hinweg, die in eurer Mitte sind. Und reinigt euch und wechselt eure Kleider und wir wollen uns aufmachen und nach Bethel hinaufziehen. Und ich werde daselbst einen Altar machen, dem Gott, der mir geantwortet hat am Tag meiner Drangsal und mit mir gewesen ist auf dem Weg, den ich gewandelt bin.» Interessant: Jakob soll jetzt nach Bethel gehen, an diesen schrecklichen Ort. Jetzt geht er dorthin, aber er merkt, ich gehe nicht an diesen schrecklichen Ort einfach so. Zuerst muss die ganze Familie aufräumen. Er ruft also auf, jetzt müssen wir mit all diesem Aberglauben und Götzendienst und Okkultismus in unserer Familie Schluss machen. Und der Aufruf zeigt auch Wirkung. Vers 4: «Und sie gaben Jakob alle fremden Götter in ihrer Hand und die Ringe, die in ihren Ohren waren. Und Jakob begrub sie unter der Terebinthe, die bei Sichem ist.» Die haben aufgeräumt bis zu den Ohrringen.

Vers 5: «Und sie brachen auf und der Schrecken Gottes kam über die Städte, die rings um sie her waren, so dass sie den Söhnen Jakobs nicht nachjagten.» Gott belohnt dieses entschiedene Aufräumen, indem er einen besonderen Schutz über diese Großfamilie kommen lässt. Das ist Gottes Antwort. In den Versen 6-15 sehen wir, wie Jakob wieder einen Altar baut. Und Gott erscheint jetzt dem Jakob in Bethel. Er gibt ihm hier den fünften messianischen Segen. Und hier wird sein Name Israel noch einmal bestätigt. Vers 10: «Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob. Dein Name soll hinfort nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein. Und er gab ihm den Namen Israel.» Gottesstreiter! Also hier wird diese Wende, die wir schon in Pniel gefunden haben, obwohl es immer wieder Rückfälle gab, nochmals bestätigt. Wir sehen, dass das geistliche Leben von Jakob nicht einfach nur schwarz-weiß war.

Aber hier räumt Jakob und seine Familie gründlich auf und Gott beantwortet das mit der Bestätigung seines Namens Israel. Und dieser Name verpflichtet. Aber dann auf dem Weg nach Bethlehem, Verse 16-20, stirbt Rahel bei der Geburt des zweiten Kindes Benjamin. Benjamin, der dann auch in der weiteren Geschichte von Jakob eine wichtige Rolle spielen sollte. Tragisch, jetzt verliert Jakob seine erste Liebe Rahel. Und was macht er hier in Vers 20? «Und Jakob richtete über ihrem Grab ein Denkmal auf. Das ist das Grabmal Rahels bis auf diesen Tag.» Das ist der vierte Stein Jakobs in seinem Leben. Da ist wieder so eine Station markiert. Dann kommen zwei ganz traurige Verse, nämlich 21-22.

Ruben, der Erstgeborene, begeht Hurerei mit einer von Jakobs Frauen, mit Bilha. Das ist verrückt. Man muss sich vorstellen: Das ist eine gläubige Familie und da kommt es zu diesem Inzest. Aber deswegen verliert Ruben definitiv sein Erstgeburtsrecht. Das liest man auch in der Segensprophetie, 1. Mose 49, wo der sterbende Jakob noch zu jedem der Söhne etwas sagt. Eine ganz dramatische Szene, der alte Mann, umringt von seinen zwölf erwachsenen Söhnen und jedem schaut er gewissermaßen ins Gesicht und sagt etwas. Ruben muss ganz finster dreingeschaut haben, als Jakob sagt, Vers 3: «Ruben, mein Erstgeborener bist du, meine Stärke und der Erstling meiner Kraft! Vorrang an Hoheit und Vorrang an Macht! Du bist übergewallt wie Wasser, du sollst keinen Vorrang haben, denn du hast das Lager deines Vaters bestiegen; da hast du es entweiht. Mein Bett hat er bestiegen!» Ruben verliert sein Erstgeburtsrecht. Und wer bekommt es? Joseph! Wieder wird den Segen nicht der Älteste, sondern ein Jüngerer bekommen.

Wir werden zwar dann später noch sehen, im Verlauf von 1. Mose, wenn wir zu Kapitel 49 kommen, dass das Erstgeburtsrecht eigentlich sogar eine Aufteilung erfuhr, dass auch Levi einen Teil bekam und auch Juda. Ich werde dann erklären, was das Erstgeburtsrecht alles genau umfasst, nämlich Priesterdienst, Herrschaft und doppeltes Erbe. Joseph bekam das doppelte Erbe, Juda sollte der Königstamm werden, aus dem der Messias kommt und Levi sollte der Priesterstamm werden. Aber wesentlich ist, dass unter den Söhnen Joseph den speziellen Vorzug hatte.

Und dann in 1. Mose 35, 27-29 kehrt Jakob zurück zu seinem Vater Isaak. Das muss auch eine Begegnung gewesen sein. Der alte Jakob kehrt zurück zu dem uralten Isaak. Und schließlich, 180-jährig, stirbt Isaak und wird dann von Jakob und Esau begraben.

Wir kommen zu Kapitel 36. Da wird beschrieben, wir die Nachkommenschaft von Esau sich entwickelt hat. Und auch da sehen wir wieder, dass Jakobs Familie noch sehr lange als Beduinen in Zelten lebten, während Esaus Nachkommen schon sehr früh zu einem Fürstentum kamen und auch viel früher zu einem Königtum aufstiegen. Aber ähnlich war es ja auch mit Kain. Der hat eine große Hochkultur aufgebaut, während von seinem Bruder Seth nichts Besonderes gesagt wird, als nur dass er die Beziehung mit Gott lebte. Ham war auch der Sohn, der am frühesten eine Hochkultur aufgebaut hatte, früher als Sem und auch als Japhet. Auch bei Ismael war es so. Bei ihm ging der Aufstieg viel schneller als bei Isaak. Wir können sagen, dass Gottes Wachstum immer langsamer geht, aber dafür auch länger währt. Es gibt ein holländisches Sprichwort, das heißt: Früh reif, früh verwelkt.

Das zeigt uns auch, dass wir die Kinder und Jugendlichen nicht zwingen müssen, schnell reif zu werden, sondern wir sollten ihnen Zeit lassen. Aber unsere Kultur will unsere Kinder zwingen schnell, schnell reif zu werden. Und auch die sexuelle Entwicklung wird auf ganz dramatische Art und Weise forciert durch aggressive Dinge in den Medien. Aber da kann man auch denken an den Refrain im Hohelied. Der Refrain im Hohelied kommt dreimal vor. Es ist ein Liebeslied von acht Kapiteln, aber Sulamith, die Geliebte, sagt dort dreimal den Mädchen von Jerusalem: «Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems: Erregt und weckt nicht die Liebe, bis es ihr gefällt!» Und zwar sagt sie: Ich beschwöre euch bei den Gazellen und bei den Hirschkühen, dass ihr sie nicht aufweckt. Gazellen und Hirschkühe, da braucht es nicht viel, dass diese aufgeschreckt werden. Das ist ein Vers, der ganz deutlich sagt, nicht die Entwicklung schnell zu fördern und in diese Richtung drücken. Da sollten wir auch ein Gegengewicht geben, damit sich die Menschen gesund und normal entwickeln, so wie wir das sehen bei den Auserwählten Gottes. Ihr Wachstum ging ein bisschen langsamer, aber es hielt dann länger.

Ab Kapitel 37 geht ja eigentlich die Geschichte von Jakob weiter. Aber es wird dann im Wesentlichen die Geschichte von Joseph. Und deshalb habe ich hier gestoppt. Wir werden also das nächste Mal die Josephsgeschichte durchnehmen und damit das Ende von Jakob erleben und auch den Höhepunkt seines Glaubenslebens. Der alte Mann, nach all diesen Umwegen, kommt schließlich nach Ägypten. Gott führt ihn zum Ziel und er geht zum Pharao hinein. Muss man sich einmal vorstellen, dieser uralte Beduine beim Pharao. Und dann segnet er den Pharao. Ohne jeden Widerspruch segnet hier der Höhere den Geringeren. Er wusste, obgleich Ziegen- und Schafhirte, er war größer als der Pharao und deshalb segnete er ihn. Aber er sagt ihm auch, dass die Tage seiner Fremdlingsschaft wenige waren. Dabei ist er älter geworden als wir es heute werden. Er sagt: Es waren wenige Tage und viel Böses war da.

Und ganz am Ende segnet er alle zwölf Söhne und dann betet er an, gebeugt über der Spitze seines Stabes, und stirbt. Das ist doch wirklich ein würdiges Ende, bei einem Mann der so hinterlistig, verdorben und verdreht war. Aber er liebte Gottes Dinge, Gottes Pläne und das hat Gott gesehen und darum hat er ihn hindurchgeführt durch viele traurige Dinge, aber er hat das Ziel erreicht. Ein würdiger Jakob betet an am Ende seines Lebens und stirbt als einer, der Gottes Plan erreicht hat.

Zu Joseph noch. Das ist eine der Geschichten, die ich am meisten liebe aus der Bibel. Und wir finden in diesen Kapiteln etwa 300 Hinweise auf Jesus Christus. Das ist unglaublich. In allen Details dieser Geschichte ein messianischer Hinweis nach dem anderen auf den kommenden Erlöser. Wir können uns also auf ein schönes Thema freuen für das nächste Mal.