Wilhelm Busch

 

Licht vom unerschöpften Lichte

Tägliche Andachten

 


1. Adventssonntag

 

Siehe, dein König kommt zu dir.

Matthäus 21, 5

 

„Siehe!"

Ja, da heißt es "die Augen aufgemacht!"

Denn es ist mit dem Einzug dieses Königs ein eigenes Ding. Wenn sonst ein Monarch Einzug halten will in einer Stadt, – dann müsste ja einer blind oder taub sein, wenn er es nicht merken wollte. Da erscheinen große Ankündigungen in der Zeitung. Da ist die Stadt ein Flaggenmeer.

Ganz anders ist es mit Jesus. Als Er in Jerusalem einzog, da wehte keine Fahne. Nirgendwo waren Behörden zum feierlichen Empfang angetreten. Keine Zeitung hatte die Sache angekündigt. Es war eine recht heimliche Angelegenheit.

Darum steht hier "Siehe!" "Siehe, dein König kommt zu dir!" „Siehe!" so heißt es auch heute noch. Denn bis zu Seiner Wiederkunft wird es Jesu Art sein, heimlich und verborgen zu kommen. Da muss man schon aufpassen!

Wie viel nimmt doch unsern Blick gefangen! Die bunten Farben der Welt fesseln unsern Blick. Der laute Lärm der Welt fesselt unsere Aufmerksamkeit. Und die Nöte der Welt und unseres Lebens wollen uns nicht loslassen.

Da wird es wohl verständlich, dies Wörtlein „Siehe!"

Und wir sind ja so blind! – blind am inwendigen Menschen. Um in Jesus den König zu sehen, sollte man offene Augen des Herzens haben. Aber wir sind so blind für göttliche Dinge.

"Siehe!" Dies Wörtlein steht wahrhaftig nicht umsonst über der Adventsgeschichte vom Einzug Jesu. Gott schenke uns allen offene Augen für Jesu Gnade und Herrlichkeit! "Herr, gib Augen, die was taugen, / rühre meine Augen an. / Denn das ist die größte Plage, wenn am Tage / man das Licht nicht sehen kann." Amen.

 

 

(Melodie: Von Gott will ich nicht lassen)

 

Ach, mache du mich Armen

Zu dieser heil'gen Zeit

Aus Güte und Erbarmen,

Herr Jesu, selbst bereit!

Zieh in mein Herz hinein

Vom Stall und von der Krippen,

So werden Herz und Lippen

Dir allzeit dankbar sein.

 


Montag nach dem 1. Advent

 

Saget der Tochter Zion: „Siehe, dein König kommt zu dir."

Matthäus 21, 5

 

Viele meinen, über den Herrn Jesus könne man sich unterhalten wie über – nun sagen wir mal – über den Bürgermeister von New York, also über einen Mann, von dem man – wenn's nötig ist – Kenntnis nehmen kann, der einen im Grunde aber nicht interessiert.

Das geht nicht! „… dein König …"! Jesus tritt auf mit dem königlichen Anspruch: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden."

Damit stellt dies Wort jeden Menschen vor die Entscheidung, ob er dies Königtum anerkennen will oder nicht.

Erkennen wir es nicht an, dann sind wir Rebellen. Erkennen wir es an, dann muss unser ganzes Leben unter Seine Gewalt gestellt werden.

Worauf beruht denn der Königsanspruch Jesu?

Darauf können wir einfach antworten: Gott hat Ihn zum König eingesetzt. Im zweiten Psalm sagt Gott von Jesus: „Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion." Aber die Frage ist damit noch nicht genügend beantwortet. Wenn wir den Herrn Jesus nach Seiner Legitimation fragen, dann werden wir auf Sein. Kreuz verwiesen: „Er ward gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Darum hat ihm Gott einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Knie …"

„Dein König!" Die Welt rebelliert offen gegen Ihn.

Aber im Text heißt es: „Saget der Tochter Zion …" Die Tochter Zion – das ist die Gemeinde. In Seiner Gemeinde ist Er als König erkannt.

„Dein König!" Können wir antworten: „Ja, mein König!"? Amen.

 

 

(Melodie: Aus meines Herzens Grunde)

 

Auf, auf, ihr Reichsgenossen,

Euer König kommt heran!

Empfanget unverdrossen

Den großen Wundermann.

Ihr Christen, geht herfür,

Lasst uns vor allen Dingen

Ihm Hosianna singen

Mit heiliger Begier.

 


Dienstag nach dem 1. Advent

 

Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig, und reitet auf einem Esel.

Matthäus 21, 5

 

Ein Königszug!

Höchste Prachtentfaltung, schimmernde Wehr und glänzende Rüstungen! Und inmitten all des Prunks im Galawagen Seine Majestät, der König.

Der Text erzählt uns, wie der König aller Könige und Herr aller Herren in Seine Stadt einzog. Aber von all dem, was nach unserem Begriff zu einem Königseinzug gehört, ist bei Jesus wenig zu sehen: „Er reitet auf einem Esel."

Das ist wirklich eine anstößige Sache.

Warum wurde denn Jesus, der König, so niedrig?

Ich stelle mir vor: Da saß am Wegesrand ein verlorener Sohn. Er war fertig. Aber in seinem Herzen glomm die Hoffnung auf: Dieser Jesus könnte dir Zurechthelfen!

Meint ihr, der verlorene Sohn hätte den Mut gefunden, sich an einen König im Galawagen heranzumachen? Bestimmt nicht!

Aber dem Mann gegenüber, der dort auf dem Esel heranreitet, „sanftmütig und von Herzen demütig", – dem gegenüber fasst er ein Herz. Und nicht nur er, sondern auch der Hirte, der des Weges kommt, und das Kind und der Bettler und all das Volk, das Jesus nachfolgt.

Ein König, hoch zu Ross – gewiss, er imponiert uns. Aber Jesus will uns nicht imponieren. Er will uns heilen und helfen.

Man muss sich bücken, wenn man etwas aus dem Staube aufheben will. Und der Herr Jesus musste tief heruntersteigen, damit Er uns verlorene Leute aus Sünde und Schuld aufheben konnte. Wir preisen Seine Niedrigkeit! Amen.

 

 

(Melodie: Aus meines Herzens Grunde)

 

Ihr Armen und Elenden

Zu dieser bösen Zeit,

Die ihr an allen Enden

Müßt haben Angst und Leid:

Seid dennoch wohlgemut,

Laßt eure Lieder klingen,

Dem König Lob zu singen,

Der ist euer höchstes Gut.

 


Mittwoch nach dem 1. Advent

 

Siehe, dein König kommt zu dir.

Matthäus 21, 5

 

Das ist das Wunder: In Jesus kommt Gott zu uns!

Es gibt zwei Klassen von Menschen, die das nicht glauben.

Es glauben diese Botschaft nicht die sicheren Sünder und Weltmenschen. Da ist man so gefangen in den Geschäften der Welt, da ist man so verstrickt im Diesseitigen und Sichtbaren, dass man das Kommen des lebendigen Gottes einfach nicht merkt.

Man leugnet Ihn nicht. Aber Er steht so am Rande des Denkens, dass es in der Tat ein Leben ohne Gott ist. So sieht und weiß man nicht, dass man ein verlorener Mensch in einer verlorenen Welt ist. Man will nicht wissen, dass man unter dem Fluch steht.

Wie sollte man in solch einem Zustand Acht haben auf den, „der da kommt im Namen des Herrn"!

Noch andere aber gibt es, die es nicht fassen, dass ihr Heiland zu ihnen kommt: das sind die erweckten und unruhig gewordenen Herzen; das sind die, welche sich vor dem heiligen Gott fürchten; die, welche gehört haben im Gewissen: „Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern!"

Da zerarbeitet man sich daran, „gut" zu sein. Man kämpft mit Verzweiflung gegen seine Sünden und bösen Anlagen. Man quält sich, den Zaun zwischen Gott und uns abzureißen. Man setzt seine letzte Kraft daran, vor Gott gerecht zu sein.

O gebt es auf! „Siehe, dein König kommt zu dir." Wozu hätte wohl Jesus den Weg aus der Ewigkeit über Bethlehem, Golgatha und Ostern gehen müssen, wenn es an „unserem Laufen oder Wollen" läge? Jesus kommt! Er kommt zu uns, die wir nicht zu Ihm kommen konnten, und trägt ein volles Heil in Seinen Händen. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Jauchzt, ihr Kräfte, freuet euch,

Seid ermuntert, meine Sinnen!

Jesus und sein Gnadenreich

Wird bei euch nun Raum gewinnen.

Kommt und schwört den Huldigungseid,

Kommt und küsst den Sohn der Liebe!

Ach, dass niemand außen bliebe:

Hier, ach hier ist Seligkeit!

 


Donnerstag nach dem 1. Advent

 

Siehe, dein König kommt zu dir.

Matthäus 21, 5

 

Stellt euch doch einmal vor, der Herrscher eines großen Landes käme eines Tages in ein armes, einsames Dorf. Würde da nicht jeder erschrocken oder erfreut fragen: „Ja, warum kommt er gerade zu uns?" Und wenn der Herrscher nun gar in das ärmste Haus des Dorfes hineinginge – würde da nicht erst recht jeder fragen: "Was will er denn dort?" –

„Siehe, dein König kommt zu dir!" wird uns zugerufen. Der König der Herrlichkeit, der eingeborene Sohn Gottes, kommt zu uns herein, in unsere Niedrigkeit.

Welche Ehre! Welches Aufsehen!

Was will Er denn? Warum kommt Er? Das muss doch einen Grund haben?!

Hat Er vielleicht einen Nutzen davon? Kann Er etwas lernen von uns klugen und aufgeklärten Leuten?

O nein! Wie sollte Der von uns lernen wollen, von dem es heißt: „Er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand.“

Oder braucht Er uns vielleicht? Schließlich ist ja der größte Herrscher nichts ohne sein Volk. Ja, ist es so? Braucht Er uns? Hat Er uns nötig?

O nein! Wie sollte Der uns nötig haben, den der Vater „gesetzt hat über alle Fürstentümer, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden". Es steht nur einmal in der Bibel: "Der Herr bedarf sein." Und da handelt es sich um – einen Esel.

Ja, warum kommt Er denn? Warum wird uns zugerufen: "Siehe, dein König kommt zu dir"?

Es gibt nur eine Antwort: Unser Elend, unsere Sünde, unsere Verlorenheit haben Ihn hergezogen. Unser Sündenelend! Jawohl! Unsere Sünde! Darum geht es jetzt. Amen.

 

 

(Melodie: Vom Himmel hoch)

 

Sei mir willkommen, edler Gast!

Den Sünder nicht verschmähet hast

Und kommst ins Elend her zu mir;

Wie soll ich immer danken dir?

 


Freitag nach dem 1. Advent

 

Durch die herzliche Barmherzigkeit Gottes hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe.

Lukas 1, 78

 

Es ist etwas Wundersames um den Golfstrom, eine Meeresströmung, die die Wärme des Südens in den kalten Norden trägt.

Wenn der Golfstrom eines Tages ausbliebe, dann würden die nordischen Länder in kurzer Zeit vereisen. Alle würden erfrieren. Aber der Golfstrom bringt Leben und Wärme.

Es gibt einen anderen Golfstrom, der in die Eiseskälte dieser Welt hineinfließt. Und wo er hinkommt, da gehen Herzen auf, da fängt die Welt neu an zu blühen. Dieser Strom bringt Leben und Wärme. Das ist der Strom der Liebe Gottes, der in Jesus in die Welt gekommen ist.

Ohne Ihn ist die Welt kalt und tot. Ja, ohne Ihn wäre die Welt längst zugrunde gegangen in Sünde und Selbstsucht.

Wohl trägt die gefallene Welt noch die Spuren der Schöpferhand Gottes. Wie lieblich kann im Sonnenglanz die Natur sein! Aber wie viel Leid ist da!

Wie viel Tränen! Wie viel weinende Kinder! Wie viel zerrüttete Ehen! Wie viel angstvoll sorgende Herzen! Wie viel Streit! Wie viel Einsamkeit! Wie viel unruhige Gewissen! Wie viel Gottesferne!

Und in diese kalte, harte, unbarmherzige Welt kommt nun ununterbrochen der Strom der Barmherzigkeit Gottes. Im Herzen Gottes entspringt er: „Barmherzig und gnädig ist der Herr." Und in Jesus kommt dieser Strom in die Welt herein: „Es hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe." – Und durch den Heiligen Geist will dieser Strom sich in unser Herz ergießen. Amen.

 

 

(Melodie: Ach, was soll ich Sünder machen)

 

Kommst du, kommst du, Licht der Heiden?

Ja, du kommst und säumest nicht,

Weil du weißt, was uns gebricht;

O du starker Trost im Leiden,

Jesus, meines Herzens Tür

Steht dir offen, komm zu mir.

 


Sonnabend nach dem 1. Advent

 

Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen

Johannes 14, 23

 

Da war einmal ein Haus. Das war verwahrlost und schmutzig. Eines Tages kaufte es ein vermögender Mann. Die Nachbarn merkten das zunächst daran, dass Maurer, Anstreicher, Gärtner kamen und eine große Umgestaltung begannen.

Denn es war ja klar: Wenn der Mann hier einziehen wollte, dann konnte die Wohnung nicht bleiben, wie sie war.

Wenn der Mann einziehen will – ja, in unser Herz und Leben will der Mann einziehen, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden". „Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen", sagt der Herr Jesus.

Ja, wenn der Mann einziehen will, dann können Herz und Leben nicht bleiben, wie sie sind. Da muss allerdings alles neu werden.

Der Herr Jesus drückt das so aus: „… der wird mein Wort halten"; d. h.: der wird in dem Wort Gottes nach dem Willen Gattes forschen und ihn tun.

Allerdings: Die Hauptfrage ist ja, ob wir überhaupt wollen, dass Gott in Jesus durch den Heiligen Geist bei uns Wohnung nimmt; ob wir Ihn lieben. Jesus beginnt mit dem Worte: „Wer mich liebt …" Möchten wir eine solche Liebe zu Ihm haben, die die Herzenstür weit aufreißt! Amen.

 

 

(Melodie: Macht hoch die Tür)

 

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,

Meins Herzens Tür dir offen ist;

Ach zieh mit deiner Gnade ein.

Dein Freundlichkeit auch uns erschein,

Dein heilger Geist uns führ und Zeit

Den Weg zur ew'gen Seligkeit.

Dem Namen dein, o Herr,

Sei ewig Preis und Ehr.

 


2. Adventssonntag

 

Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Lukas 21, 27

 

Der zweite Adventssonntag predigt von einer Sache, die in den Augen eines Weltmenschen als eine völlig verrückte und überspannte Idee gelten muss. Unser Text spricht nämlich davon, dass Jesus wiederkommen wird in großer Kraft und Herrlichkeit. Fragt doch einmal eure Bekannten oder die Leute auf der Straße draußen, was sie davon halten! Sie werden euch verständnislos ansehen.

Aber woher sollte auch die ungöttliche Welt einen Sinn haben für göttliche Dinge! Viel schlimmer ist es, dass heute viele Glieder der Gemeinde Jesu im Grunde mit der Botschaft vom Wiederkommen des Herrn nichts Rechtes anzufangen wissen. Sie sagen: „Ich freue mich an meinem Heiland. Ich bin froh, dass Er mich versöhnt hat. Aber diese zukünftigen Dinge – ach, davon verstehe ich nichts."

Doch je mehr uns Christen in der Welt der Boden entzogen wird, desto mehr werden wir uns freuen lernen an dem, was Gottes Wort uns deutlich sagt von den zukünftigen Dingen.

Der Herr Jesus hat zu Seinen Jüngern gesagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden." Nun, davon ist doch heute noch kaum etwas zu sehen. Ist denn nun Jesus ein Narr, der seine Kraft überschätzt hat? O nein, ganz gewiss nicht! Noch gilt heute: „Er will hier seine Macht / und Majestät verhüllen / bis er des Vaters Willen / im Leiden hat vollbracht." Er wartet, bis die Gemeinde völlig gesammelt ist aus der verlorenen Welt. Dann aber wird vor aller Augen offenbar werden, dass Ihm alle Gewalt längst gegeben ist. Amen.

 

 

(Melodie: Was Gott tut, das ist wohlgetan)

 

Wir warten dein, o Gottessohn,

Und lieben dein Erscheinen.

Bald ist die Wartezeit entflohn,

Dann kommst du zu den Deinen.

Wer an dich glaubt,

Erhebt sein Haupt

Und sieht dir froh entgegen,

Du kommst uns ja zum Segen.

 


Montag nach dem 2. Advent

 

"Dieser Jesus, welcher von euch aufgenommen ist gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.

Apostelgeschichte 1, 11

 

Alle religiöse Diskussion führt nur in Verwirrung statt in Klärung, wenn wir nicht deutlich unterscheiden zwischen Religion und Evangelium. „Religion", das ist etwas ganz und gar Menschliches: hohe Gefühle, fromme Gedanken, Gottsuchen. „Evangelium" aber ist das Zeugnis von den großen Taten Gottes, die Er in Jesus getan hat zu unserer Errettung.

Das ist die erste große Tat Gottes, dass Gottes Sohn Mensch wurde. „Er schämt sich nicht, uns Brüder zu heißen." – Dieser Sohn Gottes nahm unsere Schuld auf sich und starb an unserer Statt. Das ist die zweite Tat Gottes. – Gott hat Jesus auferweckt von den Toten. Das ist die dritte Tat Gottes. – Und Er hat Jesus erhöht zu Seiner Rechten. Das ist die vierte Tat. – Und dieser Jesus sammelt sich durch den Heiligen Geist aus der gefallenen Welt eine Gemeinde. Das ist die fünfte Tat Gottes.

Aber die letzte Tat steht noch aus: dass dieser Jesus, der als Schöpfer und Erlöser der Herr ist, die Macht ergreift.

Oder meinen wir, Gott fange etwas an und sei zu schwach, es zu vollenden?

Ein paar Kinder wollten einmal „Hausputz" spielen. Sie räumten ein Zimmer aus und fingen an zu schrubben. Aber mitten drin ging ihnen die Kraft aus. Und die Mutter konnte sehen, wie sie fertig wurde.

Halten wir Gott für so ein Kind? O nein! Er hat's in Jesus angefangen und wird's auch vollenden. Amen.

 

 

(Melodie: Was Gott tut, das ist wohlgetan)

 

Wir warten dein, du kommst gewiss,

Die Zeit ist bald vergangen;

Wir freuen uns schon über dies

Mit kindlichem Verlangen.

Was wird geschehn,

wenn wir dich sehn,

Wenn du uns heim wirst bringen,

Wenn wir dir ewig singen!

 


Dienstag nach dem 2. Advent

 

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne, Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden … Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn…

Lukas 21, 25-27

 

Die Weltgeschichte ist der grandiose Versuch der Menschen, fertig zu werden ohne den Gott, der in Jesus unser Vater ist: Und es wird immer deutlicher werden, dass das nicht geht. Immer mehr werden alle Grundlagen des Lebens ins Wanken geraten. „Das Völkermeer und die Wogen des Völkermeeres brausen." Selbst die Natur wird hineingezogen werden in die beginnende Katastrophe.

Aus diesem Bankrott der Menschen wird aber immer mehr aufwachen ein Hass gegen den, von dem man sich nicht helfen lassen will, gegen Jesus Christus. Wir erleben heute schon hin und her in der Welt die ersten Sturmzeichen dieses Bankrotts und des Christushasses.

Gott hat Zeit, viel Zeit. Er lässt das alles ganz ausreifen. Er lässt die Tragödie der Weltgeschichte sich abrollen bis zum Ende.

Aber dann setzt Er auch das Ende der Tragödie und den Anfang einer neuen Welt. Wenn Menschheitsbankrott und Christushass vollendet sind, dann kommt Jesus wieder „in großer Kraft und Herrlichkeit". Dann werden alle den sehen, den sie verachtet haben. Sie werden den sehen, „in welchen sie gestochen haben": Jesus, ohne den kein Mensch und kein Volk leben kann, ohne Schiffbruch zu erleiden. Amen.

 

 

(Melodie: Es ist gewisslich an der Zeit)

 

O weh dem Menschen, welcher hat des Herren Wort verachtet

Und nur auf Erden früh und spat nach ird'schem Gut getrachtet!

Er wird fürwahr gar schlecht bestehn und mit dem Satan

Müssen gehr von Christo in die Hölle.

O Jesu, hilf zur selben Zeit, von wegen deiner Wunden,

Dass ich im Buch der Seligkeit werd angezeichnet funden.

Daran ich denn auch zweifle nicht, denn du hast ja dein'

Feind gericht't und meine Schuld bezahlet.

 


Mittwoch nach dem 2. Advent

 

Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht.

Lukas 21, 28

 

Inmitten einer taumelnden Welt steht das Wunder aller Zeiten, das „Geheimnis", wie Paulus sagt: die Gemeinde Jesu Christi. Wie die Arche über den empörten Wogen der Sintflut, so ist die Gemeinde Jesu in der Welt.

Je näher es dem Ende dieser Weltzeit entgegengeht, desto mehr werden die Menschen „verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen". Da wird die Gemeinde ihr gutes Teil mittragen. Ja, sie wird überdies von der Feindschaft der antichristlichen Zeit umbrandet sein.

Und doch: Erhebet eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht."

Die Gemeinde steht in der Welt in der frohen Gewissheit: „Er wird nun bald erscheinen / in seiner Herrlichkeit / der all unser Klag und Weinen / verwandeln wird in Freud.“

Es saßen einmal ein paar Christen zusammen. Sie besprachen ernst die Nöte der Zeit. Da sagte einer: „Brüder, wir wollen nicht klagen! Wir wollen ausschauen auf den Tag der Herrlichkeit Jesu!"

So steht ein rechter Jünger Jesu. Er spricht: „Und wenn ich darüber sterben sollte! Ich lege mich ins Grab in der frohen Gewissheit: Jesus wird kommen. Und ich werde im Grabe Seine Stimme hören und mit Ihm leben in Ewigkeit.“ Amen.

 

 

(Melodie: Wachet auf, ruft uns die Stimme)

 

Zion hört die Wächter singen,

Das Herz tut ihr vor Freude springen,

Sie wachet und steht eilend auf.

Ihr Freund kommt vorn Himmel prächtig,

Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig,

Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.

Nun komm, du werte Kren,

Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna!

Wir folgen all zum Freudensaal

Und halten mit das Abendmahl.

 


Donnerstag nach dem 2. Advent

 

Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege."

Psalm 110, 1

 

Wie hat doch der Heilige Geist dem David die Augen geöffnet, dass er im Geist schon den kommenden Heiland sah! Und obwohl dieser dem Fleische nach sein Nachkomme war, nannte er Ihn seinen „Herrn".

Wie freute er sich im 110. Psalm, als er im Geist die Erhöhung und Thronbesteigung Jesu sah! Und ein anderer Großer im Reiche Gottes, den auch die Herrlichkeit Christi gewaltig freute, hat den David da so recht verstanden und ihm gewissermaßen ins Herz gesehen. Es ist Martin Luther. Er sagt dazu:

„David pranget also daher: Lass fahren Krone und Herrlichkeit und was ich habe! Das ist meine Ehre und Ruhm, daher ich groß und über alle Herren und Könige auf Erden zu rühmen habe, dass ich den Herrn habe, der da heißt mein Herr. Der soll mein Herr sein und heißen, und ich habe Ihn auch von Herzen gerne. Er ist auch von einem Größeren und Höheren zum König eingesetzt, denn ich und alle Könige und Herren auf Erden sind … „Setze Dich zu meiner Rechten!" Das heißt ja mit einem Wort: hoch gehoben – nicht über das Bettlerschloss zu Jerusalem noch Kaisertum zu Babylon, Rom oder Konstantinopel oder den ganzen Erdboden – welches ja eine große Macht wäre; – ja auch nicht über den Himmel, Sterne und alles, was man mit den Augen sehen kann; sondern viel höher und weiter. Setze Dich, spricht Er, neben Mich! Nicht zu Meinen Füßen, sondern zur Rechten, d. h. in die göttliche Majestät und Gewalt."

Wie liegt über diesem Lutherwort eine Freude, die sich entzündet an Davids Rühmen! So freuen sich alle rechten Christen an der Herrlichkeit ihres Herrn und singen ihre Loblieder – dem Teufel und der Welt zum Trotz. Amen.

 

 

(Melodie: Alle Menschen müssen sterben)

 

Seh ich dich gen Himmel fahren,

Seh ich dich zur Rechten da,

Seh ich, wie der Engel Scharen

Alle rufen Gloria:

Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen

Und mein Herz vor Freude wallen,

Da der Himmel jubiliert,

Weil mein König triumphiert?

 


Freitag nach dem 2. Advent

 

Von nun an wird's geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn kommen in den Wolken des Himmels.

Matthäus 26, 64

 

In Essen steht ein großes, helles Haus, das ein Freund der Jugend, Pastor Weigle, gebaut hat für Jungen. Viele haben in diesem „Jugendhaus" eine Heimat, Freunde und vor allem ihren Heiland gefunden.

Als ich zum ersten Mal dieses Haus betrat, fesselte ein Bild meine Aufmerksamkeit. Es hing als einziger Wandschmuck in dem großen Saal, wo jeden Sonntag in paar hundert Jungen versammelt sind. Da sieht man in den Wolken den Herrn Jesus. Er sitzt auf einem weißen Pferde. Auf Seinem Haupt glänzt eine goldene Krone.

„Warum", fragte ich den alten Pfarrer, „hängt dies seltsame Bild als einziges hier im Saal?"

Er wurde sehr ernst: „Die Jungen, die am Sonntag hier von Jesus gehört haben, sind am Montag wieder in ihrem Alltag, in Schulen, Fabriken, Kaufhäusern. Und da haben sie als Jünger Jesu viel Spott und Hohn zu ertragen. Und viele Versuchungen zur Sünde treten in der Großstadt an sie heran. Da will dann oft der Mut sinken. Das Herz will schwach werden.

Wenn sie aber nun sonntags hier im Saal sind, dann ruft dies Bild ihnen zu: Jesus bleibt Sieger! Er wird wiederkommen in Herrlichkeit! Haltet aus, ihr Seine Streiter! – Dies Bild hat schon vielen Menschen neuen Mut gemacht."

So sprach der Alte. Ich aber musste denken: Wenn doch alle Christen das Bild des wiederkommenden Herrn immer so vor Augen hätten wie diese Jungen! Amen.

 

 

(Melodie: Fahre fort, fahre fort)

 

Halte aus, halte aus,

Zion, halte deine Treu,

Lass doch ja nicht lau dich finden.

Auf, das Kleinod rückt herbei;

Auf, verlasse, was dahinten;

Zion, in dem letzten Kampf und Strauß

Halte aus, halte aus!

 


Sonnabend nach dem 2. Advent

 

Was er ordnet, das ist löblich und herrlich.

Psalm 111, 3

 

Wir Menschen bilden uns ein, wir verständen etwas vom Ordnen und Organisieren. Wir haben eine reiche Erfahrung darin, denn wir sind ja immerdar am Ordnen und Organisieren.

Ununterbrochen sind kluge Leute damit beschäftigt, das Verhältnis der einzelnen Nationen noch besser zu ordnen. – Und es gibt kein Land in der Welt – und sei es das primitivste –, das nicht immer neue Gesetze und Ordnungen herausbrächte. – Der kleinste Geschäftsbetrieb ist beständig daran, seinen Betrieb noch besser zu organisieren. Und jeder kleine Gesangverein hat immer Organisationsfragen auf der Tagesordnung seiner Sitzungen.

Aber die Tatsache, dass wir immer neu ordnen und organisieren müssen, beweist gerade, dass wir es nicht können. Wir organisieren uns – auch in der Kirche – zu Tode. Und das Ende ist Unordnung.

Ganz anders ist es bei Gott. „Was er ordnet, das ist löblich und herrlich."

Warum?

Darum, weil Gott Seine Dinge organisch ordnet. Er hat ein Zentrum geschaffen, einen Mittelpunkt gesetzt, einen Eckstein gelegt, von dem aus alle Seine Ordnungen ausgehen. Dieses Zentrum, dieser Mittelpunkt, dieser Eckstein ist Sein eingeborener Sohn.

Wie sagt der Epheser-Brief? „… auf dass alle Dinge zusammengefasst würden in Christus, beides, das im Himmel und auf Erden ist, durch ihn."

Von Christus, dem Haupte her, ordnet Gott Seine Gemeinde. Von Christus her wird einmal alle Unordnung überwunden. Und in der zukünftigen Welt wird es ganz offenbar sein: „Was er ordnet, das ist löblich und herrlich." Amen.

 

 

(Melodie: Eins ist Not, ach Herr, dies eine)

 

Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt;

Gib nur, dass sich auch mein Wille fein in diese Schranken fügt,

Darinnen die Demut und Einfalt regieret

Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet.

Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß,

So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis.

 


3. Adventssonntag

 

Und Maria sprach: „Meine Seele erhebet den Herrn; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen."

Lukas 1, 46+48

 

Wie kann denn ein Menschenherz den Herrn erheben? Es ist ja ein gefangener Adler, gefesselt in Sünde und Schuld, gebunden in den Niedrigkeiten dieser Welt. Wie sollte unsere Seele den Herrn erheben können!

Nein, damit fängt es nicht an: „Meine Seele erhebet den Herrn!" Mit etwas ganz anderem fängt es an. Nämlich damit: „Der Herr erhebt meine Seele aus dem Staube." Oder wie Maria sagt: „Er hat meine Niedrigkeit angesehen."

Das ist Jesu Werk: Er beugt sich herab zu denen, die verloren sind, und hebt sie auf. Die Bibel ist voll von Zeugnissen von diesem gnädigen Tun Gottes. „Wer ist so hoch, wie der Herr, unser Gott, der den Geringen aufrichtet aus dem Staube."

So ging es Simon Petrus und Matthäus. Das erlebten Zachäus und der Schächer am Kreuz. Das erfuhren die große Sünderin und der Gichtbrüchige. Und wir dürfen es auch erfahren und erleben, dass der Herr Jesus uns aus Schuld, Sünde und Niedrigkeit erhebt und uns zu Kindern Gottes macht.

Wer nun dieses Wunder der Gnade in Jesus Christus glaubt, erkennt und erfahren hat, der bezeugt nicht nur: „Der Herr erhebt meine Seele“, sondern er frohlockt nun auch: „Meine Seele erhebt den Herrn."

Der Herr helfe uns zu solch seliger Erfahrung, dass wir einstimmen dürfen mit allen Heiligen in den Lobgesang der Maria. Amen.

 

 

(Melodie: Aus meines Herzens Grunde)

 

Ihr Armen und Elenden

Zu dieser bösen Zeit,

Die ihr an allen Enden

Müsst haben Angst und Leid:

Seid dennoch wohlgemut,

Lasst eure Lieder klingen,

Dem König Lob zu singen,

Der ist euer höchstes Gut.

 


Montag nach dem 3. Advent

 

Da fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: „… Er ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor deinem Angesicht her, … denn ich sage euch, dass unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer Prophet denn Johannes der Täufer; der aber kleiner ist im Reich Gottes, der ist größer denn er."

Lukas 7, 27-28

 

In der Schule lernten wir das Steigern: groß, größer, am größten. Hier lehrt uns der Herr Jesus die göttliche Grammatik. Er zeigt, was in den Augen Gottes „groß" – „größer" – „am größten" ist.

Groß ist der Knecht Gottes.

Johannes der Täufer war ein Mann, der sein ganzes Leben in den Dienst Gottes stellte mit entschlossener Selbstverleugnung, mit ganzer Hingabe seines Willens. „Er ist der größte von allen, die von Weibern geboren sind", sagt Jesus.

Bei Gott gilt nicht das, was wir Menschen „groß" nennen. Groß ist in Gottes Augen ein treuer Knecht Gottes.

Größer ist ein Kind Gottes.

„Der Kleinste im Himmelreich, das geringste Kind Gottes, ist größer." Bei uns Menschen ist es schon so, dass der Sohn des Hauses über einem Knecht steht. Und so ist es im Reiche Gottes auch. Es ist etwas Wunderbares um dies „Reich Gottes", das mit Jesus kam, in dem auch der Elendste zu Gott sagen darf: „Abba, lieber Vater."

Und am größten? Am größten ist der Mann, dem Gott selbst den Weg bereitet unter den Menschen, ist der Mann, vor dessen „Angesicht Johannes als Bote und Engel herging": Jesus, der Sohn Gottes, – der König des Himmelreiches, – der Heiland, der unter den Seinen allezeit „der Dienende" war (Lukas 22, 27), Er ist am größten! Ihm gehört aller Ruhm, alle Ehre und Anbetung! Amen.

 

 

(Melodie: Seelenbräutigam)

 

Glanz der Herrlichkeit,

Du bist vor der Zeit

Zum Erlöser uns geschenket

Und in unser Fleisch versenket

In der Füll' der Zeit,

Glanz der Herrlichkeit.

 


Dienstag nach dem 3. Advent

 

Denn ich sage euch, dass unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer Prophet denn Johannes der Täufer; der aber kleiner ist im Reich Gottes, der ist größer denn er.

Lukas 7, 28

 

„Groß ist der Knecht Gottes", sagt Jesus. „Aber größer ist ein Bürger des Himmelreiches, – ein Kind Gottes."

Hier deutet der Herr Jesus an, wie man ein Kind Gottes wird.

Er sagt: „Johannes war der Größte unter allen, die von Weibern geboren werden." Das allergrößte, was ein „vom Weibe Geborener" werden kann, ist also – Knecht Gottes sein.

Doch es gibt Größeres: ein Kind Gottes sein. Damit wird aber ganz deutlich, dass man ein Kind Gottes noch nicht ist durch die natürliche Geburt „vom Weibe".

Kind Gottes wird man durch eine andere Geburt: durch Wiedergeburt. Ja, es gibt eine neue Geburt durch das Wort Gottes und den Geist Gottes. Jesus selbst sagt: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen" (Johannes 3).

Kind unserer Eltern werden wir durch die natürliche Geburt. Kinder Gottes werden wir durch Wiedergeburt. Bürger dieser Welt und unseres Volkes werden wir durch die natürliche Geburt. Bürger im Reiche Gottes werden wir durch Wiedergeburt.

Von solcher Wiedergeburt spricht das Johannes-Evangelium: „Die Jesum aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind" (Johannes 1, 13) Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Zieh ein zu deinen Toren,

Sei meines Herzens Gast,

Der du, da ich geboren,

Mich neu geboren hast,

O hochgeliebter Geist

Des Vaters und des Sohnes,

Mit beiden gleiches Thrones,

Mit beiden gleich gepreist.

 


Mittwoch nach dem 3. Advent

 

Und das Volk wartete auf Zacharias und verwunderte sich, dass er so lange im Tempel verzog.

Lukas 1, 21

 

Wie bei einem Tonstück erst eine Geige leise beginnt und dann immer mehr Instrumente einfallen, so ist es mit den Geschichten um Jesus.

Im Tempel begegnet dem Zacharias Gottes Engel. Dann werden die Kreise des Geschehens größer, bis schließlich Himmel und Erde bewegt werden.

All das aber ist so seltsam, dass jeder, der irgendwie hineingezogen wird, sich verwundern muss.

Die Menschen verwundern sich über das Geschehen um Zacharias. – Maria verwundert sich über den Gruß des Engels. „Welch ein Gruß ist das?" – Als die Hirten aus Bethlehem ihr Erlebnis berichteten, „verwunderten sich alle, vor die es kam." – Die Menschen wundern sich über Jesu Sündenvergebung, über Seine Vollmacht gegenüber den Dämonen, über Seine Wunder; die Jünger über den gestillten Sturm; die Pharisäer über Jesu Antworten; der römische Hauptmann über Sein Sterben; Pontius Pilatus über Seinen Tod und die Soldaten über Sein Auferstehen.

Und wir?

Wollen wir sagen: „Das ist mir zu seltsam! Ich bleibe lieber bei dem, was man verstehen und messen kann!"? – Oder wollen wir versuchen, das Wunder zurechtzustutzen, bis es in unsere Berechnung passt?

Nein, wir wollen vor dem Wunder stehen bleiben, bis wir bekennen können: „Was in keines Menschen Herz gekommen ist, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben, – das hat uns Gott geoffenbart durch seinen Geist" (1. Korinther 2, 9-10). Amen.

 

 

(Melodie: Vom Himmel hoch)

 

Wenn ich dies Wunder fassen will,

So steht mein Geist vor Ehrfurcht still;

Er betet an und er ermisst,

Dass Gottes Lieb unendlich ist.

 


Donnerstag nach dem 3. Advent

 

Und alsbald ward sein Mund und seine Zunge aufgetan, und er redete und lobte Gott.

Lukas 1, 64

 

So, nun hat es Zacharias begriffen!

Das war eine seltsame Stunde gewesen, wo ihm im Tempel der Engel Gottes erschien und ihm die Erhörung seiner Gebete verhieß: „Zacharias, dein Gebet ist erhört; dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, … der wird groß sein vor dem Herrn…"

Das war mehr, als Zacharias zu erbitten gewagt hatte. Nicht nur einen Sohn soll er haben, sondern einen Sohn, der vor dem verheißenen Heiland und Herrn hergeht als dessen Bote.

Und was tat nun Zacharias? Statt anzubeten und zu loben, fragte er ängstlich und zweifelnd: „Wobei soll ich das erkennen?"

Da kam Gottes Ernst und Gericht zutage. Der Mund, der nicht loben wollte, musste verstummen. Als stummer Mann musste er nach Hause ziehen. Als stummer Mann musste er die Erfüllung des göttlichen Versprechens erleben.

Aber dann kam die Stunde, da sein Mund aufgetan ward. Und was tat nun Zacharias? Er lobte Gott.

Jetzt hat er es verstanden: Die großen Taten Gottes sollen wir nicht begreifen, sondern loben. Gott will nicht unseren armseligen Zweifel und unsere kümmerliche Kritik, sondern unseren Dank und unsere Anbetung.

Größer als Johannes der Täufer ist Jesus. Wie viele stehen vor Jesus, vor Seinem Kreuz und Seinem Auferstehen – zweifelnd, kritisch, fragend – wie Zacharias damals im Tempel.

Anbeten dürfen wir! Danken dürfen wir! Loben und preisen und nehmen und reich werden dürfen wir in Ihm, der arm war um unsretwillen. Amen.

 

 

(Melodie: Mein Herzensjesu, meine Lust)

 

So kommet vor sein Angesicht

Mit jauchzenvollem Springen;

Bezahlet die gelobte Pflicht

Und lasst uns fröhlich singen:

Gott hat es alles wohl bedacht

Und alles, alles recht gemacht.

Gebt unserm Gott die Ehre!

 


Freitag nach dem 3. Advent

 

Was, meinst du, will aus dem Kindlein werden?

Lukas 1, 66

 

Wunderbare Geschichten waren geschehen bei der Geburt dieses Kindes, dem Gott selbst den Namen „Johannes" gegeben hatte. Und wir können es verstehen, dass die Leute fragten: „Was, meinst du, will aus dem Kindlein werden?"

In dieser Frage liegt ja ein Doppeltes: Da liegt das Verwundern, dass Gott offenbar mit diesem Kinde etwas ganz Besonderes vorhabe. Und in der Frage liegt die Sorge, ob dies Kind wohl auch diesen Plan und die besondere Berufung Gottes erfülle. Denn wenn wir Menschen auch selbst keine Wunder tun können, so können wir doch Gottes Wirken und wunderbares Walten in unserem Leben hindern und aufhalten.

„Was, meinst du, will aus dem Kindlein werden?"

Diese Frage können wir eigentlich bei jedem Menschenleben stellen; denn wenn auch bei unserer Geburt nicht so seltsame Dinge geschahen wie bei dem Johannes, so ist doch jedes Menschenleben ein großes und anbetungswürdiges Wunder.

Und mit einem jeden Menschenleben hat Gott Seinen ganz besonderen Plan.

Und in jedem Menschenleben besteht die Gefahr, dass Gottes Plan, Gottes Führung und Gottes wunderbares Walten gehindert und aufgehalten werden durch unsere Verkehrtheit und Sünde.

Johannes wurde, was er werden sollte: ein Bote des Herrn. Dass man doch das auch von unserem Leben sagen könnte! Amen.

 

 

(Melodie: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen)

 

Ach, mach einmal mich treu und stille,

Dass ich dir immer folgen kann;

Nur dein, nur dein vollkommner Wille

Sei mir hier Schranke, Lauf und Bahn.

Lass mich nichts mehr für mich verlangen,

Ja lass mir nichts am Herzen hangen

Als deines großen Namens Ruhm;

Der sei allein mein Ziel auf Erden;

Ach, lass mirs nie verrücket werden,

Denn ich bin ja dein Eigentum.

 


Sonnabend nach dem 3. Advent

 

Da sprach Maria zu dem Engel: „Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß?"

Lukas 1, 34

 

Unsere unerleuchtete Vernunft reicht in keiner Weise zu, das Tun Gottes zu begreifen und zu erfassen.

Wenn darum eine Verheißung Gottes zu den Menschen kommt, dann ist die erste Antwort ein ablehnendes, erstauntes Fragen.

Als Gott zu Abraham sagte (1. Mose 15, 7): „Ich habe dich aus Ur in Chaldäa geführt, dass ich dir dies Land zu besitzen gebe", da antwortete Abraham: „Herr, Herr, woran soll ich merken, dass ich's besitzen werde?"

Als der Engel des Herrn dem Zacharias im Tempel die Geburt des Johannes ankündigte, da erwiderte Zacharias ungläubig: „Wobei soll ich das erkennen?" (Lukas 1, 18)

Und als Maria, die Mutter Jesu, den Besuch des Engels und die Verheißung empfing, da war ihre Antwort: „Wie soll das zugehen?"

„Wie soll das zugehen?" Die Frage ist so charakteristisch für den natürlichen Menschen. Denn in der Bibel redet Gott ja von lauter unmöglich scheinenden Dingen.

Wie soll das zugehen, dass Gottes Sohn Mensch wird? Wie soll das zugehen, dass Tote lebendig werden? Wie soll das zugehen, dass verdammte Sünder unter dem gerechten Fluch Gottes versöhnte Kinder Gottes werden?

„Wie mag solches zugehen?" fragt Nikodemus, als Jesus ihm von Wiedergeburt spricht. „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?"

Wie mag solches zugehen, dass die große Sünderin keusch und der Zöllner ehrlich wird; dass der Stolze demütig und der Verzagte getrost wird; dass der brave Pharisäer verdammt und der Schächer selig wird?

Wie mag all das zugehen? Wir können es uns nicht denken. Aber es geht zu. Gottes Reich ist voller Wunder. Amen.

 

 

(Melodie: Alles ist an Gottes Segen)

 

Wunderanfang, herrlich Ende, wo die Wunderweisen Hände

Gottes führen ein und aus.

Wunderweislich ist sein Raten, wunderherrlich seine Taten

Und du sprichst: Wo will's hinaus?

 


4. Adventssonntag

 

Und Maria sprach: „Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands."

Lukas 1, 46-47

 

Das ist eine herrliche Beschäftigung der Seele, den Herrn erheben!

Unsere Seele ist so erfüllt von nichtigen Dingen. Wie können uns die Alltäglichkeiten der Welt doch gefangen nehmen! Und wenn es nur das wäre! So oft ist unsere Seele erfüllt mit Zorn und Streit oder mit dunklen und schmutzigen Dingen, die aus dem Reich der Finsternis stammen.

Wie herrlich ist es da, wenn der Herr selbst sich unserer Seele annimmt, dass wir preisen können: „Meine Seele erhebet den Herrn." Da reihen wir uns schon hier im Erdenland ein in die Chöre der himmlischen Heerscharen und der vollendeten Gemeinde. Da singt unser Geist mit das ewige Loblied, das dem zu Ehren erklingt, dessen Gnadenreich ewig währt.

Unsere Seele aber kann den Herrn nicht erheben, wenn sie nicht stille wird vor dem, „den aller Weltkreis nie beschloss", vor Jesus. Darum sagt Maria: „Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes." Unser Geist wird nur fröhlich, wenn er hinabsteigt in die Tiefen des Erbarmens unseres Gottes, das in Jesus erschienen ist. „Mit Maria will ich sinnen / ganz verschwiegen und tief innen / über dem Geheimnis zart: / Gott im Fleisch geoffenbart."

Die Menschwerdung Gottes in Jesus ist eine wundersame Sache, welche die unerleuchtete Vernunft nie fassen kann. Darum wird sie den Klugen dieser Welt immer ein Ärgernis sein. Aber die zerschlagenen Gewissen, die zerbrochenen Herzen und die Seelen, die nach dem lebendigen Gott verlangen, werden hier fröhlich, weil Gottes Erbarmen wie ein Licht in ihrer Finsternis aufging. Amen.

 

 

(Melodie: Nun komm der Heiden Heiland)

 

Sei willkommen, o mein Heil!

Hosianna, o mein Teil!

Richte du auch eine Bahn

Dir in meinem Herzen an.

 

Zieh, du Ehrenkönig, ein,

Es gehöret dir allein,

Mach es, wie du gerne tust,

Rein von allem Sündenwust.

 


Montag nach dem 4. Advent

 

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde … Da machte sich auf auch Josef zur Stadt Bethlehem … auf dass er sich schätzen ließe mit Maria.

Lukas 2, 1+4-5

 

Überall sind Weihnachtsvorbereitungen: Väter schleppen Weihnachtsbäume, Mütter überschlagen, wie viel sie noch ausgeben können. Und die Straßenmusikanten spielen: „Stille Nacht …"

Unser Bibelwort spricht auch von Weihnachtsvorbereitungen: von denen, die Gott getroffen hat, der Welt Weihnacht zu bereiten.

Es gab in Judäa ein Dörflein Bethlehem. Das heißt zu Deutsch „Haus des Brotes". Hier im „Brothaus" sollte Jesus, der das wahre „Brot des Lebens" ist, zur Welt kommen. So hatte Gott beschlossen. So war es Jahrhunderte vorher durch den Propheten Micha verheißen: „Du Bethlehem, die du klein bist unter den Tausenden Judas, aus dir soll mir kommen der Herzog.“

Aber wie soll das nur wahr werden? Maria wohnt hoch im Norden des Landes. Wie will Gott sie nach Bethlehem bringen?

Unser Gott ist sehr mächtig. Will Er Seine Pläne ausführen, müssen Ihm Kaiser und ihre Macht zu Gebote stehen. Da muss Augustus befehlen: „Jeder gehe in die Heimat seiner Sippe." Ohne es zu ahnen, muss Augustus einen Riesenapparat in Bewegung bringen, nur damit Maria nach Bethlehem kommt, damit eine Verheißung wahr wird.

Das sollen die Großen der Welt wissen, dass sie Schachfiguren Gottes sind. Und wir sollten wissen, die wir oft so ratlos vor den Zeitereignissen stehen: Es muss Ihm alles dienen. Amen.

 

 

(Melodie: Aus meines Herzens Grunde)

 

Ihr Mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an,

Wollt ihr beraten werden und gehn die rechte Bahn,

Die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet

Und nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt.

 


Dienstag nach dem 4. Advent

 

Da machte sich auf auch Josef … mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger.

Lukas 2, 4-5

 

Zwei Menschen wandern durch das Land. Zwei Menschen, die alle ihre Wünsche und Pläne in den Tod gegeben haben und nur noch Gottes Werkzeug sein wollen.

Maria! Es ist schon immer ein wundersames Ding, wenn ein Menschenleben unter dem Herzen der Mutter wird. Aber um das werdende Leben unter dem Herzen der Maria spann sich ein besonderes göttliches Geheimnis.

Da war ein Engel zu der reinen Magd gekommen und hatte ihr verkündigt: „Der Heilige Geist wird dich überschatten. Darum wird das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden."

Was mag durch Marias Seele gegangen sein in dieser Stunde? Sie hatte sich ein kleines, irdisches Glück erträumt an der Seite des geliebten Mannes. Nun war sie aus all dem herausgerissen. Ja, vielleicht ahnte sie etwas von den schmutzigen Verleumdungen, die spätere Geschlechter auf sie werfen sollten?

Maria sagt nur ein herrliches Wort: „Siehe, ich bin des Herrn Magd. Mir geschehe, wie du gesagt hast."

Auch Josef hat seinen Kampf gekämpft. Matthäus erzählt uns: Als er hört, dass Maria Mutter wird, will er sie heimlich verlassen. Aber Gott befiehlt ihm: „Nimm Maria, dein Gemahl, zu dir. Denn das von ihr geboren wird, ist vom Heiligen Geist."

Zwei Menschen wandern durch's Land; zwei Menschen, die alle eigenen Wünsche geopfert haben und nur noch Gottes Werkzeuge sind.

Ob Gott heute in der „Christenheit" wohl noch solche Leute findet? Amen.

 

 

(Melodie: Von Gott will ich nicht lassen)

 

Ach, mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit

Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit!

Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen,

So werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.

 


Mittwoch nach dem 4. Advent

 

Da machte sich auf auch Josef … mit Maria, seinem vertrauten Weibe.

Lukas 2, 4-5

 

Kennen wir unsre Bibel? Dann wissen wir: Es gibt im Alten Testament eine ganz ähnliche Stelle: „Da nahm Abraham sein Weib Sara und zog aus."

Seht, so ist das mit den Menschen Gottes: Sie sind herausgerufene Leute. Sie streben nicht mehr nach hohen Dingen. Sie sind auf den wundersamen Weg Gottes gestellt.

Es ist das meist ein rauer Weg. Es gibt ein Bild von Fritz von Uhde. Da sieht man, wie der Abend sich herabsenkt auf eine Tiefverschneite Landschaft. Erschöpft lehnt Maria sich an einen Zaun. Durch den tiefen Schnee strebt Josef einem fernen Licht zu. Er will irgendwo Unterkommen suchen.

Nun, wenn wohl auch damals kein Schnee gelegen hat – es war eine harte und schwere Reise für Maria, die das Kind unter dem Herzen trug.

Und diese Reise fand ihr Ende nicht in Bethlehem. Sie führte in die Flucht vor Herodes, nach Ägyptenland.

Abraham und Sara, Josef und Maria – seltsame Leute! Die Welt in ihrer toten Sicherheit wird sie nie verstehen. Die Weltgeschichte hat sie nicht aufgenommen unter ihre Helden. Aber bei Gott sind ihre Namen herrlich angeschrieben, die Namen dieser Menschen, die in Gottes Gewalt kamen und die darin selig waren.

Mit solchen Leuten tut Gott Seine Taten, mit solchen Leuten, die Seinem Ruf folgen, die nichts, gar nichts anderes mehr wünschen, als Ihm zur Verfügung zu stehen. Amen.

 

 

(Melodie: Werde munter, mein Gemüte)

 

Nur allein, dass du mich stärkest

Und mir treulich stehest bei;

Hilf, mein Helfer, wo du merkest,

Dass mir Hilfe nötig sei.

Brich des bösen Fleisches Sinn,

Nimm den alten Willen hin,

Mach ihn aller Dinge neue,

Dass mein Gott sich meiner freue.

 


Donnerstag nach dem 4. Advent

 

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. … Der Engel sprach zu den Hirten: „Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren."

Lukas 2, 1+10-11

 

Zwei Herrscher treten auf: der lebendige Gott und Augustus.

Beide Herrscher nennen sich „Der Erhabene". In Jesaja 57 heißt es von Gott: „So spricht der Hohe und Erhabene." – Der römische Kaiser nannte sich: „Augustus" = der Erhabene.

Beide Herrscher finden Gehorsam. Augustus befiehlt und: „Jedermann ging, dass er sich schätzen ließe." – Gott befiehlt: Und die Engel tragen Seine Botschaft aus, die Hirten eilen nach Bethlehem.

Beide Herrscher gründen ein Reich. Beide Herrscher haben es dabei auf „alle Welt" abgesehen. „Allem Volk" heißt es in der Gottesbotschaft. „Alle Welt" heißt es in der Augustus-Botschaft. Soweit finden wir eine seltsame Parallelität. Aber nun gehen die Wege der beiden Herrscher auseinander. „Meine Wege sind nicht eure Wege", spricht der himmlische Herrscher.

Was will Augustus? Zählen will er; sich an der Macht berauschen; Steuern erheben. Was will Gott? Erretten will Er; selig machen. O herrlicher Plan Gottes!

Des Augustus Plan bringt Verwirrung und Not. Gottes Plan bringt Friede und Freude. Des Augustus Plan ist eine laute Sache. Gottes Plan ist heimlich und still. Des Augustus Reich war ein Stücklein Weltgeschichte. Es verging wie ein Rauch. Gott aber begann in Jesus Sein ewiges Reich. Amen.

 

 

(Melodie: Gelobet seist du, Jesu Christ)

 

Den aller Weltkreis nie beschloss,

Der liegt in Mariens Schoß;

Er ist ein Kindlein worden klein,

Der alle Ding erhält allein.

Kyrieleis.

 

Das hat er alles uns getan,

Sein groß Lieb zu zeigen an.

Des freut sich alle Christenheit

Und dankt ihm das in Ewigkeit.

Kyrieleis.

 


Freitag nach dem 4. Advent

 

… zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.

Lukas 2, 2

 

Als Kinder haben wir uns oft gefragt, wie denn der Cyrenius in die Weihnachtsgeschichte gekommen sei. Maria, die Hirten, die Engel und vor allem das Kind – die gehören in die Geschichte. Aber Cyrenius? Warum ist der genannt?

Und doch! Der gehört auch dahin. Vor allem, damit wir merken: hier werden Tatsachen erzählt und nicht Märchen.

Am Schluss der Weihnachtsgeschichte heißt es: „Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten." Es war ja auch zu wunderbar, was die Hirten zu berichten hatten. Und darum ist es zu allen Zeiten bis zum heutigen Tage so gewesen, dass „alle, vor die es kam, sich wunderten".

Weil nun die Menschen über all dem Verwundern mit der Geschichte nicht fertig wurden, waren sie schnell bei der Hand und sagten: „Das ist ein hübsches Märchen für unsere Kinder."

„Nein!“ sagt der Evangelist Lukas, „nein, es ist kein Märchen! Es ist die Wahrheit. Ein Märchen fängt so an: ,Es war einmal.' Meine Geschichte war aber nicht irgend einmal, sondern damals, ,als Cyrenius Landpfleger in Syrien war'."

Große Taten Gottes zu unserm Heil werden uns in der Weihnachtsgeschichte verkündigt: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus." Gewaltig große und selige Wirklichkeit ist es: „Gott wird Mensch, dir Mensch zugute, Gottes Kind, das verbind't sich mit unsrem Blute."

 

 

(eigene Melodie)

 

Gelobet seist du, Jesu Christ,

Dass du Mensch geboren bist

Von einer Jungfrau, das ist wahr,

Des freuet sich der Engel Schar.

Kyrieleis.

 

Das ew'ge Licht geht da herein,

Gibt der Welt einen neuen Schein;

Es leucht't wohl mitten in der Nacht

Und uns des Lichtes Kinder macht.

Kyrieleis.

 


24. Dezember

 

… zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.

Lukas 2, 2

 

Warum der Cyrenius wohl in der Weihnachtsgeschichte steht?

Als Warnung für uns! Er war ganz nahe dabei, als die Engel die Frohbotschaft verkündigten und Gottes Wort Fleisch wurde. Und Cyrenius hat von all dem nichts gemerkt.

Der Cyrenius war ja ein kleines Stücklein Weltgeschichte. Und da nahm er sich selbst nun so wichtig, dass er von der Gottesgeschichte, die nahebei geschah, gar nichts bemerkte.

Das geschieht auch heute noch, dass der Mensch sich selbst so groß vorkommt, dass er für Gottes Heil blind ist. Wer aber in seinen eigenen Augen klein geworden ist, bekommt offene Augen und preist dankbar vor der Krippe:

 

„Ich lag in tiefer Todesnacht,

Du wurdest meine Sonne …“

 

Und auch wohl darum steht der Cyrenius in der Geschichte, damit wir etwas merken von der Freiheit der Erwählung Gottes.

Was war denn der großmächtige Cyrenius in Gottes Augen? Ein armer, eitler Wicht, an dem Er vorübergeht – um Sein Heil den armen Hirten zu bringen. „Was nichts ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, auf dass sich vor ihm kein Fleisch rühme."

Dass wir doch auf der Seite der Hirten stehen möchten, dass wir mit ihnen „Gott preisen und loben um alles, was wir gehört und gesehen haben. Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Lass dich erleuchten, meine Seele,

Versäume nicht den Gnadenschein;

Der Glanz in dieser kleinen Höhle

Streckt sich in alle Welt hinein;

Er treibet weg der Höllen Macht,

Der Sünden und des Kreuzes Nacht.

 


1. Weihnachtstag

 

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst.

Jesaja 9, 5

 

Da ist ein kleiner Junge eines Morgens jäh erwacht. Am Bett steht der Vater. „Büblein", sagt er, denk dir, du hast ein Brüderlein bekommen."

Und dann darf der Junge das Brüderlein ansehen. Da steht er an der Wiege und staunt das Neugeborene an. Und durch sein Herz zieht eine große Liebe zu dem Brüderlein.

Vielleicht aber wird dieses Entzücken ein ganz klein wenig verdunkelt von dem bösen Gedanken: „Nun bin ich nicht mehr der Einzige! Nun muss ich alles mit dem da teilen.“

Die Jahre gehen dahin. Liebe und Abneigung gegen den Bruder streiten miteinander. Aber eins bleibt für das Büblein fest bestehen: Ob er den Bruder liebt oder ablehnt – er bleibt sein Bruder.

„Uns ist ein Kind geboren." Das Kind heißt Jesus. Der Sohn Gottes ist unser Bruder geworden. Das Weihnachtsfest führt uns wieder an die Krippe, in der Er liegt.

Wie stehen wir zu diesem Jesus? Vielleicht lieben wir Ihn. Vielleicht haben wir uns praktisch herzlich wenig um Ihn gekümmert. Vielleicht rebelliert unser Herz gegen Ihn.

Wie dem auch sei – eins werden wir nie, nie beehr los: Jesus, der Sohn Gottes, ist unser Bruder. Er gehört zu uns und wir zu Ihm. Er hat sich zu uns gestellt, und wir sind Ihm verhaftet.

Dass es doch alle hören möchten. Alle! Die Verzagten und die Trotzigen, die Sünder und die Moralischen, die Zweifler, die Gottsucher, die Gebundenen – wir alle: Jesus ist unser Bruder geworden! Selige, große Tatsache! Amen.

 

 

(Melodie: Vom Himmel hoch)

 

Sei mir willkommen, edler Gast!

Den Sünder nicht verschmähet hast

Und kommst ins Elend her zu mir;

Wie soll ich immer danken dir?

 


2. Weihnachtstag

 

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.

Lukas 2, 7

 

Die Windeln und die Krippe – die spielen eine merkwürdig wichtige Rolle in der Weihnachtsgeschichte.

Man könnte zuerst noch meinen: Es macht dem Erzähler Freude, die Sache recht anschaulich zu berichten. Aber diese Ansicht fällt hin, wenn man entdeckt, dass „die Windeln und die Krippe" genau in dieser Reihenfolge noch einmal vorkommen, nämlich in der Botschaft der Engel: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."

Da wird man nachdenklich: „Das muss doch einen besonderen Sinn haben." Und es hat ihn in der Tat.

Die Weihnachtsgeschichte erzählt uns vom Herabsteigen Gottes in die Menschenwelt. Und nun ist in dem Wort von „den Windeln und der Krippe" die Leiter gezeigt, auf der Er herabsteigt.

„In Windeln gewickelt." Wir alle sind Menschen, vom Weibe geboren, und wurden in Windeln gewickelt. Da hören wir also, dass Jesus uns gleich wurde. Er wurde unser Bruder. Diese Leiterstufe steht neben uns.

„In einer Krippe liegen." Die Stufe steht unter uns. Wir alle hatten einen „Raum in der Herberge" der Welt, als wir geboren wurden. Nur der Sohn Gottes nicht. Er ging unter uns hinunter.

Wir finden diese Stufenleiter noch einmal in der Bibel. Im 2. Kapitel des Philipper-Briefes steht: „Er, der Gott gleich war, ward wie ein Mensch" – das ist die erste Stufe. „Er ward gehorsam bis zum Tode am Kreuz." Das ist die zweite Stufe.

Er wurde nicht nur unser Bruder. Er wurde der, der sich unter unsere Last stellte, um sie wegzutragen. Schon von der ersten Stunde Seines Lebens an stellt Er Seine Schultern unter der Welt Last. Amen.

 

 

(Melodie: Lobe den Herren, den mächtigen König)

 

Sehet dies Wunder,

Wie tief sich der Höchste hier beuget!

Sehet die Liebe,

Die endlich als Liebe sich zeiget.

Gott wird ein Kind,

Träget und hebet die Sünd:

Alles anbetet und schweiget.

 


27. Dezember

 

Euch ist heute der Heiland geboren.

Lukas 2, 11

 

Es gibt ein köstliches Bild von Rudolf Schäfer. Da stehen die rauen Hirten mit ihren groben Schuhen und lauten Stimmen vor dem Stall. Und Josef, der ihnen die Tür öffnet, winkt ihnen, leise zu sein.

Wir können uns wohl vorstellen, wie andächtig und still diese Hirten bald darauf uni die Krippe her standen.

Diese Stille um Jesus hat schnell aufgehört. Schon bald gab es um Ihn Lärm, der bis in unsere Tage nicht verstummt ist: „Was dünkt euch um Christus?"

Es haben sich viele eine so genannte Meinung über Jesus gebildet, damit sie in diesem Lärm auch ihr Wörtlein sagen können. Aber ich meine: Wer Jesus ist, das kann uns der Engel Gottes doch am besten sagen. Und er gibt eine helle, klare Antwort: „Er ist der Heiland."

Die Soldaten des Weltkrieges wissen, wie schrecklich ein Schlachtfeld ist; da stöhnen die Sterbenden, da rufen hilflose Verwundete.

Die Welt ist so ein schreckliches Schlachtfeld. Furchtbare Wunden schlägt das harte Leben. Da quälen sich die verwundeten Gewissen; da knirschen Verbitterte mit den Zähnen; da seufzen die, denen die Lasten der Welt zu schwer sind; da stöhnen die Enttäuschten.

Aber über dies Schlachtfeld geht „der Heiland", der große Sanitäter, der Retter, der allen helfen kann. Wohl dem, der bekennen kann: „Du hast dich meiner Seele herzlich angenommen." Amen.

 

 

(Melodie: Ich steh an deiner Krippen hier)

 

Ich lag in tiefer Todesnacht,

Du wurdest meine Sonne,

Die Sonne, die mir zugebracht

Licht, Leben, Freud und Wonne.

O Sonne, die das werte Licht

Des Glaubens in mir zugericht't,

Wie schön sind deine Strahlen!

 


28. Dezember

 

Und alsbald war da die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe."

Lukas 2, 13-14

 

Diese himmlischen Sänger kamen aus einer Welt, in der alles Gott die Ehre gibt.

 

Alles, was dich preisen kann,

Cherubim und Seraphinen

Stimmen dir ein Loblied an.

 

„In seinem Tempel gibt ihm alles Ehre, sagt die Bibel von dieser wundersamen Welt.

Aber auch in unserer gefallenen Welt preist die Schöpfung Gottes Ehre.

 

Dich predigt Sonnenschein und Sturm,

Dich preist der Sand am Meere.

Bringt, ruft auch der geringste Wurm,

Bringt meinem Schöpfer Ehre!

Mich, ruft der Baum in seiner Pracht,

Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht,

Bringt unserm Schöpfer Ehre!

 

Nur ein einziges Geschöpf, das in besonderer Weise Gott ehren sollte, hat sich ausgeschlossen von dem allgemeinen Lobpreis: Das ist der Mensch. Er hat sich selbstherrlich losgerissen von Gott. Und damit versank er in Nacht, Sünde und Tod.

Aber, seht, der gnädige Gott ist uns nachgegangen in Jesus. Und wer von Herzen an Jesus glaubt, der ist zurückgekehrt in den Frieden mit Gott.

Die Engel sehen schon im Geist an Seinem Geburtstag diese versöhnte Gemeinde Jesu. Und in ihren Lobgesang stimmt die versöhnte Gemeinde ein: „Ehre sei Gott in der Höhe." Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Ach nimm das arme Lob auf Erden,

Mein Gott, in allep Gnaden hin.

Im Himmel soll es besser werden,

Wenn ich bei deinen Engeln bin.

Da sing ich dir im höhern Chor

Viel tausend Halleluja vor.

 


29. Dezember

 

Da die Hirten aber Jesus gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Lukas 2, 17

 

Nein, Christen können und dürfen nicht schweigen. Sie müssen „das Wort ausbreiten". Das Wort von Jesus hat eine innere Gewalt. Und wer es angenommen hat, den macht es zum Zeugen.

Das erfuhren die Hirten. Sie hatten eine ganz einfache Botschaft. Die hieß: „Welt ging verloren. Christus ist geboren." Und diese Botschaft sagten sie.

Es gibt viel verworrenes religiöses Geschwätz in unseren Tagen. Auch christliches Geschwätzt Das hören wir bei den Hirten nicht. Sie haben nicht ihre Gedanken und Meinungen über Jesus verbreitet, sondern „das, was zu ihnen von diesem Kinde gesagt war."

Nicht was wir denken und meinen, sollen wir ausbreiten. Davon hat kein Mensch etwas. Sondern das, was uns im Worte Gottes von Jesus gesagt ist.

Aber diese göttliche Wahrheit haben die Hirten erst sagen und verbreiten können, als „sie das Kind gesehen hatten". Jetzt konnten sie aus eigener Erfahrung heraus Jesum bezeugen. Können wir das auch? Nur ein solches Zeugnis hat Gewalt über die Herzen.

Das ist das rechte Christenzeugnis: Gottes Wort auf Grund eigener Erfahrung. Gott schenke uns allezeit solch wahres, lebendiges Christenzeugnis! Amen.

 

 

(Melodie: Wachet auf, ruft uns die Stimme)

 

Deine Liebe, deine Wunden,

Die uns ein ew'ges Heil erfunden,

Dein treues Herz, das für uns fleht,

Wollen wir den Seelen preisen

Und auf dein Kreuz so lange weisen,

Bis es durch ihre Herzen geht.

Denn kräftig ist dein Wort,

Es richtet und durchbohrt

Geist und Seele;

Dein Joch ist süß, dein Geist gewiss,

Und offen steht dein Paradies.

 


30. Dezember

 

Trübsal bringt Geduld; Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz.

Römer 5, 3-5

 

Von Natur sind wir nicht geduldig. Und weil wir so ungeduldig sind, können wir keine Erfahrungen mit unserem Gott machen. Die macht man nämlich in der Stille. Wir ungeduldigen Leute aber laufen Gott immer weg.

Weil der Herr es jedoch gut mit uns meint, hält Er uns fest. Das Mittel, durch das Er uns festhält, ist Trübsal.

Wenn der Herr uns in die Trübsal stellt, schlagen wir zuerst aus wie ein wildes Pferd. Aber Gott hält uns in der Trübsal fest, bis wir stille werden. Trübsal bringt Geduld."

Wenn das Herz still geworden ist und – vielleicht voll Angst, Not und Furcht – auf den harten Herrn schaut, der es in die Trübsal stellt, dann „bringt die Geduld Erfahrung".

Da tut Gott Sein Herz auf und zeigt der erschrockenen Seele Seine Liebe, Seine Barmherzigkeit, Sein Heil in Jesus. Das sind selige Erfahrungen.

Und aus solchen Erfahrungen lernt das Herz die Trübsal gering achten. Es lernt: Es geht dem Herrn nicht um die Trübsal, sondern um mein Heil. Die Trübsal ist nur ein vorübergehendes „Mittel zum Zweck". ja, sie geht vorüber.

So kommt aus der Erfahrung der Liebe Gottes die Hoffnung. Das ist aber keine trügerische Scheinhoffnung. Denn sie gründet sich ja auf die Liebe Gottes, die am Kreuze offenbar wurde und in unser Herz ausgegossen ist: Er wird's gut zu Ende bringen mit mir und mit Seiner Gemeinde.

Selige Stufenleiter! Von Segen zu Segen! Amen.

 

 

(Melodie: Alles ist an Gottes Segen)

 

Wunderanfang, herrlich Ende,

Wo die wunderweisen Hände

Gottes führen ein und aus.

Wunderweislich ist sein Raten,

Wunderherrlich seine Taten,

Und du sprichst: Wo will's hinaus?

 


31. Dezember

 

Sie warteten nicht auf seinen Rat.

Psalm 106, 13

 

Das alttestamentliche Volk Gottes kannte Gott wohl. Es traute Gott auch viel zu. Denn der Herr hatte sich unter ihnen mächtig gezeigt. Sie kannten auch die Gebote Gottes. Jedes Kind konnte sie hersagen. An all dem fehlte es nicht.

Aber – sie warteten nicht auf Gottes Rat.

Wo man stille werden und fragen sollte: „Was will der Herr?" – da hatten sie längst einen eigenen Plan und Rat fertig, bei dem Gott nur Beistand tun sollte. Ja, sie wollten viel klüger sein als der Herr.

Und ungeduldig waren sie dabei. Wenn nun der Herr ihren Rat nicht ausführen wollte, dann haderten sie mit Ihm.

Sind wir etwa anders?

Ach, es ist ja auch gar nicht so leicht für unser Herz, auf Seinen Rat zu warten. Denn Sein Rat ist so ganz anders als unsere Pläne. Wir wollen die satte Ruhe – und Er führt in die Wüste. Wir wollen Frieden – und Er führt uns in den Kampf. Wir wollen die Mauern Jerichos umrennen – und Er heißt Sein Volk tagelang nur vor den Mauern warten. Wir wollen große Dinge – und Er verordnet uns die geringen Dinge. Wir wollen hoch hinaus – und Er führt uns in die Tiefen.

Und er hat so viel Zeit. Warten" muss man auf Seinen Rat. Es währt oft „bis in die Nacht und wieder an den Morgen."

Und doch – Sein Rat ist gut. Jenseits der Wüste liegt Kanaan. Und auf dies Gute zielt Sein Rat mit uns. Selig, wer auf Seinen Rat warten kann. Amen.

 

 

(Melodie: Es ist das Heil uns kommen her)

 

Wie Gott mich führt, so bin ich still

Und folge seinem Leiten,

Obgleich im Fleisch der Eigenwill

Will öfters widerstreiten.

Wie Gott mich führt, bin ich bereit,

In Zeit und auch in Ewigkeit

Stets seinen Schluss zu ehren.

 


1. Januar

 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt.

Psalm 121, 1

 

Wenn unsere Väter eine Chronik schrieben, dann setzten sie vor die Jahreszahl ein „Anno Domini". Das heißt auf Deutsch: „Im Jahre des Herrn." Sie nannten ihre Jahre „Gottesjahre".

Nun bricht das neue Gottesjahr an. Lasst uns dafür sorgen, dass es wirklich ein Gottesjahr wird.

Das Psalmwort spricht von unseren Augen. Ja, wohin sind unsere Augen gerichtet beim Beginn des neuen Jahres?

Der Weltmensch schaut ängstlich oder trotzig in das Dunkel, das seinen Weg verhüllt. Da sind die Augen nach vorwärts gerichtet. Und dann sind da die Alten. Deren Augen schauen zurück. Sie kramen in Erinnerungen. Und sie sind sehr einsam darin.

Was tun unsere Augen? „Ich hebe meine Augen auf."

Die Christen schauen aufwärts, zu ewigen Höhen. Sie richten ihren Blick auf den, der in Jesus ihr lieber, gnädiger Vater ist.

In diesem Psalmwort ist alles gesagt, was über das neue Jahr zu sagen ist. Da kommt das Wörtlein „Hilfe" vor. O gewiss, so wird es sein, dass wir Hilfe brauchen. Es wird gehen „durch Angst und Plagen", durch Anfechtung, Not und Versuchung.

Aber das andere ist eben auch da, dass wir unsere Augen aufheben dürfen zu dem Herrn. Und ob wir das tun, davon hängt es ab, ob das neue Jahr für uns ein „Gottesjahr" wird. Amen.

 

 

(Melodie: Nun lass uns Gott dem. Herren)

 

Wir gehn dahin und wandern

Von einem Jahr zum andern,

Wir leben und gedeihen

Vom alten bis zum neuen

Durch so viel Angst und Plagen,

Durch Zittern und durch Zagen,

Durch Krieg und große Schrecken,

Die alle Welt bedecken.

Gelobt sei deine Treue,

Die alle Morgen neue,

Lob sei den starken Händen,

Die alles Herzleid wenden.

 


2. Januar

 

Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Psalm 34, 2

 

Ein Eisenbahnzug fährt aus der Bahnhofshalle. Da geht's zuerst durch ein Gewirr von Schienen und Weichen. Der Blockwärter muss scharf aufpassen, dass die Weichen richtig gestellt sind. Wenn sie bei der Ausfahrt richtig gestellt sind, dann ist viel gewonnen für die Fahrt. Dann geht's schon recht weiter.

Für uns beginnt auch so ein neuer Abschnitt unserer Lebensreise. Da müssen die Weichen am Anfang des Jahres richtig gestellt werden. Dann ist schon viel gewonnen für das neue Jahr.

Unser Bibelwort zeigt uns eine feine Weichenstellung: „Ich will den Herrn loben allezeit." Das gibt die rechte, himmlische Richtung.

„Den Herrn". Ja, darauf kommt alles an, dass Jesus dabei ist im neuen Jahr. Wir wollen doch ganz neu unser Leben in Seine Hand stellen. Wir wollen uns ganz einhüllen lassen in Seine Barmherzigkeit, Güte, Liebe und Gnade.

Und wir wollen Ihn den „Herrn" sein lassen. Er soll wirklich alles regieren und beherrschen.

„Ich will den Herrn loben allezeit." Das will doch sagen: Ich will täglich Sein Angesicht suchen. Ich will jeden Tag neu meine schwache Hand in Seine durchgrabene Hand legen.

Und loben will ich Ihn. Ja, loben! Ich will Ihm glauben, dass Er es überaus gut mit mir meint, auch wenn Er mich ganz dunkle, schwere Wege führt. Und darum will ich Ihn loben, auch wenn ich Ihn unter Tränen loben müsste. Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Ich hab es ja mein Lebetage

Schon so manch liebes Mal gespürt,

Dass du mich unter vieler Plage

Zwar wunderbar, doch wohl geführt;

Denn in der größesten Gefahr

Ward ich dein Trostlicht stets gewahr.

 

Wie sollt ich nun nicht voller Freuden

In deinem steten Lobe stehn?

Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden

Nicht triumphierend einhergehn?

Und fiele auch der Himmel ein,

So will ich doch nicht traurig sein.

 


3. Januar

 

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu.

Philipper 4, 7

 

Nach zwei Seiten hin stehen die Menschen Gottes in einem geistlichen Kampf.

Von zwei Seiten her droht die Gefahr. Diese zwei Gefahrstellen sieht der Apostel, wenn er wünscht, dass „Herzen und Sinne" bewahrt bleiben mögen.

Durch die Sinne dringt die Welt in uns ein. Die Welt! Nicht nur, was Gott, der Schöpfer, geschaffen hat zu Seiner Ehre, sondern auch all das, was die Schöpfung entstellt. Viel Dunkles, Grelles, Schmutziges, Unreines, Widergöttliches.

Und je mehr die Sinne davon. aufnehmen, desto unersättlicher werden sie. Es ist aber nun so: Menschen, die ihre Sinne befriedigen wollen, verlieren den Sinn für die göttlichen Dinge. Darum mahnt der Apostel Johannes: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. So jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist: des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater."

Aber nicht nur von außen droht Gefahr. Die größere kommt von innen, aus dem Herzen. Jesus sagt uns: „Aus dem Herzen kommen arge Gedanken."

Wie wollen wir erhalten bleiben in solcher Bedrängnis? Gottes Wort zeigt uns die herrliche Hilfe. Wie ein gewappneter Wächter wird der Friede Gottes an der Pforte unseres Herzens stehen und unsere Sinne bewahren, wenn wir nur in Jesus bleiben. Amen.

 

 

(Melodie: Erquicke mich, du Heil)

 

Mein Wirken, Wollen und Beginnen

Sei kindlich folgsam deinem. Trieb;

Bewahr mein Herz und alle Sinnen

Untadelig in Gottes Lieb;

Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen

Lass mich auf keine Weise dämpfen.

 


4. Januar

 

Der Herr hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Psalm 34, 19

 

Wenn ein Groß-Flugzeug über den Ozean nach Amerika fliegt, dann steht es in beständiger Verbindung mit vielen meteorologischen Stationen. Dauernd empfängt es Wettermeldungen. Dadurch ist es imstande, Sturmzonen einfach zu umgehen.

Wenn wir das doch auf unserer Lebensfahrt auch könnten! Es mag sein, dass es Menschen gibt, die es können. Eins aber ist sicher: Menschen, die in Gottes Gewalt gekommen sind, können es nicht. Seine Leute führt Gott mitten in die Nöte und Stürme hinein. „Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes gehen."

Darum sind sie Menschen mit einem zerschlagenen Gemüt.

 

Mich hat auf meinen Wegen

Manch harter Sturm erschreckt;

Blitz, Donner, Wind und Regen

Hat mir viel Angst erweckt;

Verfolgung, Hass und Neiden,

Ob ich's gleich nicht verschuld't,

Hab ich doch müssen leiden

Und tragen mit Geduld.

 

Aber der Herr zerschlägt nicht nur – Er hilft. Er hilft so wundersam und herrlich, dass Christenleute mitten in den Stürmen der Not fröhlich rühmen:

 

Fahre hin, was helfen kann.

Unsre Hilfe ist der Mann,

Dem, soweit die Schöpfung geht,

Alles zu Gebote steht.

 

So wird das Leben eines Kindes Gottes ein seltsames Wunder: Gott zerschlägt ihm im Sturm sein Boot und hält es doch über den Wogen, dass es nicht untergeht. Gott verzäunt ihm seinen Weg, dass nirgendwo ein Ausweg ist. Und dann trägt Er es selbst hinüber über alle Hindernisse. Und so lehrt Er uns Seine Macht kennen. Amen.

 


5. Januar

 

Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind.

Psalm 34, 19

 

Was ein zerbrochenes Herz ist – kann man das einem Menschen klar machen, der die gewaltige Wirkung des Heiligen Geistes nicht kennt? Wer aber die Kraft des Geistes Gottes kennt, der weiß auch, was ein zerbrochenes Herz ist.

Auf einer Bergeshöhe im Schwarzwald stand eine hohe, stolze Tanne. Eines Nachts tobte ein furchtbarer Sturm. Am nächsten Tag fand man die stolze Tanne am Boden. Ihre Wurzeln waren aus dem Erdreich gerissen. Und über den Wurzeln war der Stamm zerbrochen.

Unser natürliches Herz will auch so gerade und aufrecht stehen wie die Tanne. In fröhlichem Glauben an uns selbst, in natürlicher Selbstsucht wachsen wir in den Tag hinein.

Wenn aber der heilige Gott über unser Leben kommt mit dem Sturm Seines Heiligen Geistes, dann ist es mit der Herrlichkeit zu Ende.

In der Bibel tritt ein Mann auf und sagt ein seltsam tiefes Wort: „Meine Sünden gehen über mein Haupt. Wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.“ Der hatte ein zerbrochenes Herz.

Und einen anderen finden wir, einen hochgemuten Mann namens Petrus. Der ging eines Tages in die Einsamkeit und weinte – über sich selbst. Das ist ein zerbrochenes Herz.

Wer ein zerbrochenes Herz hat, erlebt ein großes Wunder. Er glaubt sich Gott ganz fern, er dünkt sich von Gott verstoßen. Und sieh, wenn er Gott am fernsten glaubt, ist Er am nächsten, in Jesus. Der Herr Jesus ist nahe bei denen, die ein zerbrochenes Herz haben. Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Ich hatte nichts als Zorn verdienet

Und soll bei Gott in Gnaden sein;

Gott hat mich mit sich selbst versühnet

Und macht durchs Blut des Sohns mich rein.

Wo kam dies her, warum geschieht's?

Erbarmung ist's und weiter nichts.

 


6. Januar (Epiphaniasfest)

 

Ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seiest mein Heil bis an der Welt Ende.

Jesaja 49, 6

 

In einem Buch, in dem die Geschichte der deutschen Missionen dargestellt wird, steht am Anfang ein Abschnitt über die Entstehung der Mission. Da wird ganz köstlich berichtet, wie Gott dem Grafen Zinzendorf keine Ruhe ließ über die Not und Finsternis der Heiden. Und nun ordnet er Brüder als Missionare ab. Die ziehen los ohne Sprachkenntnis, ohne Geld, ohne Kenntnis des Reiseweges. Streiter Jesu Christi!

Und doch – wenn wir die allerersten Anfänge der Mission feststellen wollen, müssen wir weiter zurückgehen, vor diese merkwürdigen und kühnen Männer.

Wo liegt der Ursprung der Mission?

Unser Bibelwort sagt es: Im Herzen Gottes selbst. Der Vater sagt in der Ewigkeit zum Sohne: „Ich habe dich zum Licht der Heiden gemacht, dass du seiest mein Heil bis an das Ende der Welt."

Das muss nun aber ein herrliches, wunderbares und großes Werk sein, das seinen Ursprung im Herzen Gattes hat. Und darum ist die Mission das eigentliche Werk der Gemeinde. Es ist einfach nicht möglich, dass ein Kind Gottes das Missionswerk nicht als seine eigene Sache und Ehre ansähe.

Weil die Mission ihren Ursprung im Herzen Gottes hat, darum ist sie auch frei von Wohlwollen oder Missfallen der Welt. Es wird sich allerdings meist um Missfallen handeln. Denn wie sollte eine gottlose Welt Wohlgefallen haben an dein, was aus dem Herzen Gottes kommt!

Um ihres Ursprungs willen hat die Mission so große Verheißungen. Und wer hier mithilft und mitbetet, der läuft so recht in den Bahnen Gottes. Amen.

 

 

(Melodie: Dir, dir, Jehova, will ich singen)

 

Ach lass dein Wort recht schnelle laufen;

Es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein.

Ach führe bald dadurch mit Haufen

Der Heiden Füll zu allen Toren ein.

Ja, wecke doch auch Israel bald auf

Und also segne deines Wortes Lauf.

 


7. Januar

 

Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.

Matthäus 2, 10

 

Es war ja so etwas ganz und gar Neues, was diese Weisen aus dem Morgenland erlebten. Gewiss, sie hatten auch Religion. Wahrscheinlich sogar eine sehr tiefsinnige und ernsthafte Religion. Aber dabei war es doch immer so, dass der Mensch sich Gedanken über Gott machte – doch Gott schwieg. Es war so, dass der Mensch. Gott anrief und suchte – doch Gott schwieg. Es war, als wenn man in ein feierliches, leeres Gewölbe hineinrief. Das einzige Echo war – die eigene Stimme.

Und nun war diesen Weisen aus dem Morgenland ein Neues begegnet. Gott schwieg nicht mehr. Er rief. Er rief sie in der Sprache, die diese Astronomen verstanden: durch den Stern.

Und Gott rief nicht nur: Er führte. Er führte durch den Stern, und Er führte sie durch das Wart, das ihnen geschenkt wurde: „Du Bethlehem Ephrata, aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk ein Herr sei."

Das Wort weist sie, und der Stern führt sie. Das war etwas Gewaltiges und Neues. Sollten sie nicht fröhlich sein über diesem Ziehen, Rufen und Führen des lebendigen Gottes!? Sollten sie diesem Rufen und Führen nicht folgen bis hin zu der Offenbarung Gottes, dem König des Volkes Gottes: zu Jesus!

Auch unter uns hat Gott so Sein Werk. Er redet durch Sein Wort und ruft und führt durch Seinen Geist. Aber – und das ist traurig und beschämend – dies lebendige Wirken Gottes macht nicht nur „hocherfreute" Leute. O nein, es findet Widerstand und Widerstreben. Auch bei uns?

Es ist ja so groß, dass Gott uns zu Jesus führen will, dass wir alles stehen und liegen lassen sollten, wenn Er ruft, und „hocherfreut" folgen sollten bis zum seligen Finden des Heiles Gottes in Jesus. Amen.

 

 

(Melodie: Dir, dir, Jehova, will ich singen)

 

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne,

Damit dein Sohn mich wieder zieh' zu dir;

Dein Geist in meinem Herzen wohne

Und meine Sinne und Verstand regier,

Dass ich den Frieden Gottes schmeck' und fühl'

Und dir darob im Herzen sing und spiel.

 


8. Januar

 

Der Herr ist König und herrlich geschmückt; der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, soweit die Welt ist, und zugerichtet, dass es bleiben soll.

Psalm 93, 1

 

Es wird der Welt immer wunderlich bleiben, was die Christen an ihrem Heiland haben.

In diesem Lobpsalm spricht ein alttestamentlicher Sänger aus, was er an seinem Herrn gefunden hat.

Er ist ein herrlicher König. „Der Herr ist herrlich geschmückt." Und noch einmal wiederholt er es: „Der Herr ist geschmückt."

Ja, es werden uns einmal in der Ewigkeit die Augen übergehen von der Herrlichkeit Jesu. Aber ein anderer Schmuck ist es, der die Sünderherzen recht tief erfreut und erquickt. Das ist der Schmuck, den die Kriegsknechte zum Hohn unserem Herrn und Heiland gegeben haben, die Dornenkrone.

Wenn die Welt den Gekreuzigten ansieht, dann findet sie dieses Bild niederschmetternd und bedrückend. Ein zerschlagenes und bußfertiges Herz aber sieht zu dem gekreuzigten Mann mit der Dornenkrone auf und weiß: „Er ist meine Gerechtigkeit und mein Friede." Und es bekennt: „Alle Tage wird dies Bild schöner meinem Blick enthüllt."

Und ein mächtiger König ist der Herr. „Er hat ein Reich angefangen, soweit die Welt ist."

Es haben je und dann mächtige Könige dieser Welt die Grenzen ihrer Reiche weit gesteckt. Aber sie fanden immer irgendwo eine Grenze ihrer Macht. Nur Jesus ist der König, dessen Reich ist, „soweit die Welt ist". Zu allen Völkern muss Sein Name dringen. Und wenn allen Völkern Sein Name verkündigt ist, dann kommt Er wieder und vollendet Sein Reich.

Und ein ewiger König ist der Herr. „Er hat ein Reich zugerichtet, dass es bleiben soll."

Menschen haben je und dann versucht, den Thron Seiner Herrlichkeit zu stürzen. Ja, mit List und Gewalt sucht der Fürst der Finsternis dem Reiche des Herrn ein Ende zu bereiten. Aber alle Feindschaft gegen den Herrn muss zerschellen vor diesem Worte: „Er hat ein Reich zugerichtet, dass es bleiben soll." Amen.

 


9. Januar

 

Jesus ist um unserer Sünde willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt.

Römer 4, 25

 

In einem Wort sind hier die großen Taten Gottes zu unserem Heil zusammengefasst.

An den Externsteinen im Teutoburger Wald ist ein uraltes Steinbild aus der Zeit, als das Evangelium zu unseren Vorfahren kam. Man muss es recht lange studieren, bis man versteht, was der Steinbildhauer mit diesem Steinbild sagen wollte. Da sieht man zunächst, wie Jesus vom Kreuze genommen wird. Jesu Gestaltrist gebeugt und zusammengebrochen. Es sieht aus, als wenn unsichtbare, riesige Lasten Ihn erdrückt hätten.

Aber auf demselben Bild sieht man denselben Heiland noch einmal. Da schaut Er königlich und strahlend und schwingt in Seiner Hand eine Siegesfahne.

Was wollte der alte Bildner damit sagen? Er wollte seinen Landsleuten damit predigen, dass sie den ganzen Rat Gottes zu unserem Heile in eins sehen sollten. Jesu Tod für uns und Jesu Auferstehung gehören zusammen. Wir glauben an den Herrn, der „um unserer Sünden willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt ist".

Es gibt Menschen, die kennen nur Jesu Kreuz, aber nicht Seine Auferstehung. So aber kann man die Heilsbedeutung des Kreuzes Jesu nicht verstehen. Dann sieht man in Jesus im besten Fall einen Märtyrer, der um einer edlen Sache willen die Ungerechtigkeit der Welt erfuhr. Wir müssen wissen, dass der Jesus, der starb, auch auferstanden ist. Nur dann können wir begreifen, dass Sein Tod unsere Versöhnung und unsere Errettung ist.

Und es gibt andere Christen, die wollen sich nur am erhöhten, siegenden Heiland freuen und wollen einen Bogen um das Kreuz herum machen. So aber kommt es in unserem Leben zu keiner Buße. Und damit auch zu keinem rechten, fröhlichen Heilsglauben.

Jesus starb für uns und – Jesus lebt für uns. Darin steht unser Heil. Amen.

 

 

(Melodie: Wenn wir in höchsten Nöten sein)

 

Ich trau auf dich, o Gott, mein Herr;

Wenn ich dich hab, was will ich mehr?

Ich hab ja dich, Herr Jesu Christ,

Du mein Gott und Erlöser bist.

 


10. Januar

 

Es ist vorhanden, dass Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen.

Matthäus 2, 13

 

Das sagt Gott, als Er dem Josef befiehlt, das Kind Jesus in Ägyptenland in Sicherheit zu bringen.

„Es ist vorhanden, dass Herodes das Kindlein suche, es umzubringen." Eine einfache, sachliche Feststellung. Und doch lässt uns dies Wort tief hineinschauen in Gottes Herz.

Es zeigt uns Gottes Geduld. Es wäre Ihm ja ein Geringes, den Herodes auf seinem bösen Wege aufzuhalten. Er tut es nicht. Er macht dem Herodes gleichsam die Bahn frei. Er weicht ihm still aus. Gott lässt dem Bösen Zeit, umzukehren oder – auszureifen.

Dies Wort zeigt uns Gott auch als Herzenskündiger. Noch hat Herodes keinem Menschen von seinem Mordplan etwas gesagt. Im Gegenteil – er hat sich als Freund Jesu aufgespielt. Aber Gottes Augen haben ihn erkannt, wie sie uns erkannt haben mit den geheimsten Wünschen und Plänen unseres Herzens.

Und ist es uns nicht doch, als sei in diesem Sätzlein Gottes ein Verwundern: „Es ist vorhanden …" Nun erreicht die Rebellion des Menschen gegen den lebendigen Gott den Höhepunkt, dass der Mensch den Sohn Gottes aus dem Wege räumen will. An den Knechten Gottes hat der rebellische Mensch sich schon seit Abels Zeiten immer vergriffen. Aber nun geht es an den Sohn. – Das ist der Mensch, den Gott zu Seinem Ebenbild schuf! O Jammer! Bis zu diesem Tage ist es „vorhanden", dass Menschen diesen Jesus aus dem Wege räumen wollen.

Auf den Armen Josefs zieht das Kind Jesu in die Fremde. Es ist der Anfang des Kreuzesweges. Josef zieht mit. Und Maria. Und alle, die Jesum lieb haben. Amen.

 

 

(Melodie: Hilf Gott, dass wir's gelinge)

 

Mein Kreuz und meine Plagen,

Sollt's auch sein Schmach und Spott,

Hilf mir geduldig tragen;

Gib, o mein Herr und Gott,

Dass ich verleugne diese Welt

Und folge dem Exempel,

Das du mir vorgestellt.

 


11. Januar

 

Sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen.

Matthäus 2, 20

 

So steht es immer am Ende, wenn irgendwo der Kampf gegen Jesus begonnen wurde: „Sie sind gestorben …"

Es war ein anderer Herodes, der den Jakobus hinrichten ließ und den Petrus ins Gefängnis warf. Aber am Ende heißt es doch: „Da schlug ihn der Engel des Herrn, darum dass er Gott nicht die Ehre gab. Und er ward gefressen von den Würmern und gab den Geist auf. Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich." (Apostelgeschichte 12, 23 folgende)

Wo sind sie alle: Nero, DiokIetian, die Inquisitoren, der Bischof Firrnian, und wie sie alle heißen, die den Kampf gegen Jesus begannen! „Sie sind gestorben…

So wird auch einmal der letzte, große Streit des Antichristen gegen den Herrn der Herrlichkeit ausgehen.

Wie sollte es auch anders sein? Dies „Kind" ist ja nicht irgendeiner, sondern der, zu dem Gott gesagt hat: „Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berge Zimt" (Psalm 2).

Weil die Gemeinde Jesu das weiß, geht sie sehr getrost in solche Kämpfe und auch in das Leiden.

Wir haben ja gar nie die Sorge, was aus der Sache Jesu werden soll. Diese Sache Jesu ist ein- für allemal entschieden. Nein, wir haben eine ganz andere Sorge: dass wir bei Jesus bleiben; dass die Stürme der Zeit und die drohenden Herodese uns nicht verführen oder unser Herz weich machen, dass wir Ihn verlassen.

Seine Sache ist schon gerettet. Es geht nur darum, dass Er uns errettet, dass wir nicht mit jenen sterben. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Verzage nicht, du Häuflein klein,

Obschon die Feinde willens sein,

Dich gänzlich zu verstören,

Und suchen deinen Untergang,

Davon dir wird recht angst und bang;

Es wird nicht lange währen!

 


1. Sonntag nach Epiphanias

 

Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker.

Matthäus 28, 19

 

Als ich noch zur Schule ging, führte mich mein Schulweg an dem Verwaltungsgebäude einer großen Firma vorüber, die in allen Erdteilen ihre Ingenieure hatte. über diesem Gebäude standen, in Stein gehauen, ein Europäer, ein Indianer, ein Neger, ein Asiat und ein Australier. Und darüber die stolzen Warte: „Die Welt ist mein Feld."

Das Wort hat damals dem kleinen Jungen mächtig imponiert. „Die Welt ist mein Feld." Welcher Stolz spricht aus diesem Worte des wagenden Kaufmannes und Technikers.

„Die Welt ist mein Feld", so sagen erst recht wir Jünger Jesu. Seitdem der Herr Jesus auf dem Berge der Himmelfahrt Seinen Jüngern den Befehl gab: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker", seitdem muss es in der Gemeinde Jesu heißen: „Die Welt ist mein Feld."

Es ist im Laufe der Zeiten je und dann so gewesen, dass der Blick der Gemeinde sich verengte. Eigene Nöte, Sorgen und Kämpfe nahmen sie gefangen, dass sie ihre Welt-Aufgabe nicht mehr sah. Aber dann hat der Herr immer selbst wieder eingegriffen und den Missionsgeist neu erweckt. Da war es, als schrecke die gläubige Gemeinde aus dem Schlaf auf, dass sie wieder hörte das Wort und den Befehl ihres Herrn: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker."

„Die Welt ist mein Feld." Jünger Jesu – heraus aus den Unterständen! Reibt euch die Augen! Schaut euch um! In allen Erdteilen wehen die Kreuzesfahnen unseres Königs. Überall sind heiße Schlachten im Gange zwischen Licht und Finsternis. Auf vielen Straßen ziehen die Boten unseres Heilandes.

Es ist unsere Sache! Wir sind gerufen, teilzunehmen. Es geht uns an! Wir dürfen mithelfen beten, kämpfen und – lieben. Amen.

 

 

(Melodie: Dir, dir, Jehova, will ich singen)

 

O dass doch bald dein Feuer brennte,

O möcht es doch in alle Lande gehn.

Ach Herr, gib doch in deine Ernte

Viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn.

O Herr der Ernte, siehe doch darein:

Die Ernt' ist groß, die Zahl der Knechte klein.

 


Montag in der 1. Epiphaniaswoche

 

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Matthäus 28, 18

 

Ist das denn wahr?

Davon sehen wir ja gar nichts. Wohl sehen wir überall das Evangelium im heißen Kampf. Und wir sehen gewaltige und starke Mächte in dieser Welt, die viel mächtiger scheinen als Jesus und Sein Werk.

Wie kann denn Jesus sagen: „Mir ist gegeben alle Gewalt"? Nun, es hat Ihm gefallen, diese Seine Macht und Gewalt nach außen zu verhüllen. Aber Er richtet sie auf und beweist sie still und heimlich in Menschenherzen.

Als Jesus dies Wort sagte: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden", da sah Er im Geiste die himmlischen Heerscharen und die vollendete Gemeinde, die im Himmel Ihm, dem Lamm Gottes, Ehre und Anbetung geben. Aber Er sah auch all die vielen Herzen, die, von der Gewalt Seiner Liebe bezwungen, Ihn als ihren König anerkennen.

Darum wollen wir mit Freuden hier die frohe Botschaft bezeugen, weil wir wissen: Er hat Gewalt über die Herzen. Und in dieser Gewissheit gehen die Boten Jesu in die Welt hinaus auf die Missionsfelder in allen Erdteilen: Jesus ist Gewalt gegeben über die Herzen.

So breitet sich Sein Königtum heimlich aus. Keine Landkarte nennt es. Und wenn die Mächtigen der Erde um Länder streiten, wird Jesus nicht genannt. Aber heimlich erobert Er die Herzen derer, die verzagt sind; derer, die unter Sünde und Schuld seufzen.

Doch nicht immer wird Jesus so heimlich und verborgen bleiben. Es kommt der Tag, wo Er hervorbricht in Herrlichkeit. Da werden die Schleier vor der ewigen Welt zerreißen, und alle Zungen müssen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist. Amen.

 

 

(Melodie: Alles ist an Gottes Segen)

 

Jesus Christus herrscht als König,

Alles wird ihm untertänig,

Alles legt ihm Gott zu Fuß;

Aller Zunge soll bekennen,

Jesus sei der Herr zu nennen,

Dem man Ehre geben muss.

 


Dienstag in der 1. Epiphaniaswoche

 

Ein Mensch war zu Jerusalem mit Namen Simeon; der war gottesfürchtig, und der heilige Geist war in ihm. Er kam aus Anregen des Geistes in den Tempel.

Lukas 2, 25+27

 

Es fällt uns Menschen furchtbar schwer zu gehorchen. Wie lehnt sich in einem jungen oft alles auf, wenn er gehorchen soll! Wie sauer wird es manchem Rekruten, Befehle zu befolgen!

Und wie schön ist darum der Urlaub! Wie willkommen sind die Ferien!

Weil es so mit dem Menschenherzen steht, ist es kein Wunder, dass viele es als hart empfinden, dass da ein Herr ist, der unseren Gehorsam fordert: der lebendige Gott. Die meisten Menschen wollen Urlaub von Ihm nehmen und ihr eigener Herr sein.

Wie anders der Simeon! Fast in jedem Satz, der von ihm gesagt ist, kommt zum Ausdruck: Dieser Mann hat sich freudig mit seinem ganzen Leben unter den Gehorsam gegen Gott gestellt!

„Der war gottesfürchtig." Das ist es! Er nahm Gott ganz ernst. – Tun wir das auch?

„Der Heilige Geist war in ihm." Es ist klar: Der Heilige Geist wohnt nicht in einem Herzen, das Gott widerstrebt. Ist unser Inneres wie eine Räuberhöhle, wo Leidenschaften, Sinnenlust, Ehrgeiz, Gottlosigkeit, Geldgier, Lieblosigkeit toben, wüten, dann ist für den Heiligen Geist kein Raum.

„Er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel." – Wir kennen auch solch innere Mahnungen. Auch uns hat Gott durch Seinen Geist im Gewissen manchmal gerufen. Wie oft haben wir solches Mahnen des Heiligen Geistes überhört!

Gott schenke uns ein gehorsames Herz. Amen.

 

 

(Melodie: Schmücke dich, o liebe Seele)

 

Herrsche auch in meinem Herzen

Über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen,

Lass mich deinen Schutz genießen,

Gläubig dich ins Herze schließen,

Ehren, fürchten, loben, lieben

Und mich im Gehorsam üben,

Hier mit ringen, dulden, streiten,

Dort mit herrschen dir zur Seiten.

 


Mittwoch in der 1. Epiphaniaswoche

 

Ein Mensch war zu Jerusalem mit Namen Simeon. Derselbe wartete auf den Trost Israels … Und da die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott.

Lukas 2, 25 folgende

 

Offene Augen sollten wir haben!

„Na!“ denken wir, „die habe ich doch."

Gewiss, es geht den meisten Menschen nach den Worten des Dichters Gottfried Keller: „Trinkt, ihr Augen / was die Wimper hält / von dem goldnen Überfluss der Welt.“

Aber wenn die Bibel von offenen Augen spricht, dann meint sie nicht die Augen, die wir im Kopf haben. Dann spricht sie meist von den Augen des inwendigen Menschen.

Der Simeon hatte solche offenen Augen. Das wird ganz deutlich aus dem Wenigen, was von ihm erzählt wird.

Offene Augen hatte er zunächst einmal für Gottes Wort. „Er wartete auf den Trost Israels.“ Er hatte also im Alten Testament gelesen, dass Gott Seinem Volke einen lieblichen Trost senden wollte. Er glaubte das von ganzem Herzen und wartete in fester Zuversicht auf seinen Heiland. So wurde sein ganzes Leben von der Bibel bestimmt. – Wie gut, wenn Gott einem Menschen die Augen für die Bibel auftut! Dann spricht man fröhlich: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“

Der Simeon hatte aber auch offene Augen für Jesus selbst. Wir müssen uns das richtig vorstellen: Da ist der Tempelplatz in Jerusalem. Ein großes Volksgewühl! Durch die Menge kommt eine schlichte Frau und trägt ein Kind auf dem Arm. Keinem fällt das besonders auf.

Aber der Simeon hat offene Augen. Und er sieht: Dies Kind ist der Heiland, der Erretter, der Seligmacher. Simeon stößt sich nicht an der Niedrigkeit dieses Kindes. Er „sieht seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."

Gott helfe uns dazu, dass auch wir in Jesus unseren Herrn und Heiland erkennen und Ihn mit allen Heiligen loben und preisen. Amen.

 


Donnerstag in der 1. Epiphaniaswoche

 

Ein Mensch war zu Jerusalem mit Namen Simeon. Dem war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.

Lukas 2, 25-26

 

In Württemberg gibt es einen köstlichen Ausdruck für Leute, die sich um Kleinigkeiten verzanken. Da sagt man zu solchen Leuten: „Du bist ein Kleinigkeitskrämer." Dieser Ausdruck will sagen: Du verlierst das Große aus dem Auge und bist einer, der sich in Kleinigkeiten verliert.

Wer möchte wohl gern ein „Kleinigkeitskrämer" sein? Wohl keiner! Und doch: die meisten Menschen sind kümmerliche Kleinigkeitskrämer. Lasst uns nur einmal eine Rundfrage veranstalten: „Was ist dir in deinem Leben die Hauptsache?" Beförderung? Ehre bei Menschen? Eine sichere Stellung? Geld? Vergnügen? Lust?

Ach, das sind ja Kleinigkeitskrämereien! Wir sollten beten lernen: „Ewigkeit / in die Zeit / leuchte hell herein / dass uns werde klein das Kleine / und das Große groß erscheine. / Selige Ewigkeit!" Dem Simeon war das Große groß geworden, ihm war die Hauptsache: Friede mit Gott für Zeit und Ewigkeit.

Es steht da im Text: „Ihm war eine Antwort geworden.“ Wo eine Antwort ist, ist gefragt worden. Ja, der Simeon hatte geforscht und gefragt, wie man Frieden mit Gott bekommen könnte.

Und er bekam eine vorläufige Antwort: „Den Frieden mit Gott kannst du dir nicht erringen. Den bringt dir einer frei und umsonst: der Christus Gottes."

Und nun geht es diesem Mann ein Leben lang um die Hauptsache: um den Christus Gottes. Und als er Ihn gesehen hat, da jubelt er: „Herr, nun läsest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen."

Gott mache aus uns Kleinigkeitskrämern Leute, wie der Simeon war! Amen.

 

 

(Melodie: Meinen Jesum lass ich nicht)

 

Seele, was ermüd'st du dich

In den Dingen dieser Erden,

Die doch bald verzehren sich

Und zu Staub und Asche werden:

Suche Jesum und sein Licht,

Alles andre hilft dir nicht.

 


Freitag in der 1. Epiphaniaswoche

 

Es war eine Prophetin, Hanna, die war wohl betagt und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft … die kam nimmer vom Tempel und diente Gott.

Lukas 2, 36 folgende

 

Hanna – das heißt „Anmut". Hanna war also wohl ein hübsches, anmutiges Mädchen.

Ein junges hübsches Mädchen in der Großstadt Jerusalem, wo viele Fremde hinkamen, wo viel Luxus und Üppigkeit war durch den Hof des römischen Landpflegers, wo eine große Garnison war – ja, Hanna stand in einer Welt voll Versuchung. Das Bibelwort deutet uns an, dass die anmutige Hanna rein durch diese Großstadt ging. Gottes Gesetz und heiliger Wille waren ihr von früher Jugend an wichtig. Vielleicht liest dies jemand, der eine beschmutzte Jugend hinter sich hat: Wie wird dir beim Anblick dieser reinen Hanna?!

Dann kam in dem Leben der Hanna eine kurze glückliche Ehe. Sie lebte sieben Jahre – nicht neben ihrem Manne, sondern mit ihrem Manne. Und dann bricht das Leid in das Leben dieser jungen Frau. Der Mann stirbt. Tiefer Schmerz!

Was tun die meisten Menschen, wenn ihr Herz verwundet ist? Sie suchen Trost bei der Welt. Nun, die Hanna weiß Besseres. Sie lässt ihre Augen nicht in die Welt laufen. Sie flieht an das Herz Gottes.

Es gibt keinen anderen Weg, unser Leid zu stillen, als diesen Weg zum Herzen Gottes. Er verspricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet."

Und Gott erkannte Hanna an. Er schenkte ihr besondere Offenbarungen. Es heißt in der Bibel: „Sie war eine Prophetin." Es werden in der ganzen Bibel nur vier Prophetinnen genannt. Eine von diesen vieren ist die Hanna.

Ein Leben aus einem Guss: Von Gott bewahrt in den Versuchungen, unter den segnenden Händen des Herrn im Glück, vom lebendigen Gott getröstet im Leid, in der Armut reich geworden in Gott. Amen.

 

 

(Melodie: Ringe recht, wenn Gottes Gnade)

 

Gott wills machen, dass die Sachen gehen, wie es heilsam ist.

Lass die Wellen sich verstellen; wenn du nur bei Jesu bist.

 


Sonnabend in der 1. Epiphaniaswoche

 

Es war eine Prophetin, Hanna, die kam nimmer vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.

Lukas 2, 36 folgende

 

Es ist etwas Großes um solche treuen Knechte und Mägde Gottes, die nur einen Willen und eine Leidenschaft kennen: dem Herrn zu dienen. Und Gott hat solche Leute lieb.

Und doch, es liegt ein Seufzen über solchem Knechtsdienst, denn kein Mensch kann vor Gott durch Werke gerecht werden. Auf dem Weg, wo man Gott durch Werke gefallen will, bleibt man ewig ein Schuldner Gottes. Im Galaterbrief lesen wir das harte Wort: „Die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: Verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in alle dem, was geschrieben steht in dem Buche des Gesetzes, dass er's tue. Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar."

So liegt es wie ein Seufzen über dem Leben der Hanna: „Sie diente Gott mit Beten und Fasten Tag und Nacht." Ein treuer Gottesdienst und doch – obwohl Gott ihr Offenbarungen schenkt und sie Beweise Seiner Liebe erfahren darf – sie bleibt eine Magd Gottes. Aber sie ist kein Kind Gottes. Ihr Gewissen und das Gesetz bezeugen ihr, dass sie vor Gott so nicht gerecht sein kann.

Aber nun weiß Hanna aus mancherlei Verheißungen des Alten Testamentes: Dieser Magddienst ist nicht das Letzte. Es steht noch aus die größte und herrlichste Offenbarung Gottes, die uns zu Kindern Gottes macht. Sie wartet auf den neuen Weg zu Gott: „Der Gerechte wird seines Glaubens leben." Und sie hat nicht umsonst gewartet. Es kam die Stunde, da sie den Heiland schauen durfte.

Wir können gar nicht dankbar genug sein, dass uns in Jesus dieser neue Weg des Glaubens und der Gnade eröffnet ist. Nun fängt unser Verhältnis zu Gott nicht mehr so an, dass wir Ihm dienen. Nun ist es vielmehr so, dass Er uns dient und Sein Leben zu unserer Erlösung hingibt. Amen.

 


2. Sonntag nach Epiphanias

 

Hanna trat auch hinzu zu derselben Stunde.

Lukas 2, 38

 

Das war die Stunde, die Gott der Hanna schon lange zugedacht hatte. Die Maria trägt ahnungslos das Kind Jesus in den Tempel. Sie weiß nicht, dass das die Gottesstunde für die alte Hanna ist. Die Gottesstunde, wo Gott der Hanna den Heiland zeigt und schenkt und offenbart. Die Stunde, wo Gott dieser treuen Magd die letzte Tür aufschließt, dass sie eingehen darf als Kind Gottes, wo die Gnade sie umfängt.

O diese Stunde, die Gott einem Menschen bereitet, wo Er einem Menschen selber die Tür zum Himmelreich öffnet!

Die Hanna hat demütig auf die Stunde gewartet und sich nach ihr ausgestreckt. Sie war also gerüstet und bereit für diese ihre Gnadenstunde.

Der Erweckungsprediger Henhöfer, der im vorigen Jahrhundert wirkte, brachte einmal dafür ein drastisches Beispiel. Damals gab es noch keine Eisenbahnen. Einmal am Tag fuhr die Postkutsche. Die steht bereit und wartet auf Fahrgäste. Da kommen ein paar rechtzeitig und steigen ein. Jetzt muss der Postillion eigentlich abfahren. Aber er denkt: Vielleicht hat sich einer verspätet. Also macht er langsam. Er nimmt dem Pferd die Decke ab. Richtig, da kommt einer gelaufen.

Jetzt setzt sich der Postillion auf den Bock. Da kommt noch einer gerannt und steigt ein. – Der Postillion zögert. Er nimmt sein Horn und bläst noch ein Stücklein. Dann fährt er ab. Kaum ist der Wagen zum Stadttor hinaus, kommen noch zwei gerannt. Sie hatten sich in der Stadt aufhalten lassen. Da stehen sie nun. Die Post ist weg. Es ist zu spät.

So ist es mit dem. Gnadenwagen deines Heilandes! Er wartet lange auf dich. Er zögert deine Stunde hinaus, so lange Er kann. Aber es kann auch zu spät sein.

Die Hanna war bereit zu ihrer Stunde.

Erkenne die Zeit, darin der Herr dich heimsucht! Amen.

 

 

(Melodie: Vater unser im Himmelreich)

 

Wahr ist's: Gott ist wohl stets bereit

Dem Sünder mit Barmherzigkeit;

Doch wer auf Gnade sündigt hin,

Fährt fort in seinem bösen Sinn

Und seiner Seele selbst nicht schont,

Dem wird mit Ungnad' abgelohnt.

 


Montag in der 2. Epiphaniaswoche

 

Hanna trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den Herrn.

Lukas 2, 38

 

Früher einmal heißt es von dieser Hanna: „Sie diente Gott mit Beten und Fasten Tag und Nacht." Das klingt wie ein Seufzen. Es war ein Ringen um Gott. Da war die tägliche Furcht vor Ihm. Es war die Angst, man könnte Ihm missfallen und verloren gehen. Ja, viel Tränen und Furcht stehen hinter diesem ernsten Gottesdienst.

Wie anders heißt es jetzt! „Sie pries den Herrn."

Jetzt hat sie gelernt: Ich kann meine Seligkeit nicht schaffen und verdienen. „… es ist doch unser Tun umsonst / auch in dem besten Leben." Aber – so weiß jetzt Hanna – der Herr Jesus, den ich da gefunden habe, der hat mir mein Heil und meine Seligkeit frei und aus Gnaden gebracht.

Das heißt ja glauben: Man schaut nicht mehr auf sich, nicht auf seine Tüchtigkeit und seine guten Werke – auch nicht auf sein Elend und seine Sünde. Man schaut auf den Heiland, den Erlöser und Seligmacher, und preist Gott.

Es gibt viele so genannte Christen, die kommen innerlich nicht weiter, weil sie immer bei sich selbst stehen bleiben, weil sie immer wieder sich ansehen, Gelingt es ihnen ein wenig, den Willen Gottes zu tun, dann werden sie gleich stolz und sicher. Hat es aber eine Niederlage in ihrem Leben gegeben, dann sind sie verzweifelt. Die Bibel jedoch lehrt uns (Römer 4, 5): „Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit."

Ein Liederdichter sagt: „Wenn ich mich selbst betrachte / so wird mir angst und weh. / Wenn ich auf Jesum achte / so steig ich in die Höh'. / So freut sich mein erlöster Geist / der durch des Lammes Wunden / gerecht und selig heißt."

Lasst uns täglich den Herrn preisen, dass wir Verlorenen einen Heiland haben. Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Aus Gnaden! merk dies Wort: Aus Gnaden!

So oft dich deine Sunde plagt,

So oft dir will der Satan schaden,

So oft dich dein Gewissen nagt.

Was die Vernunft nicht fassen kann,

Das heut dir Gott aus Gnaden an.

 


Dienstag in der 2. Epiphaniaswoche

 

Hanna trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten.

Lukas 2, 38

 

Wenn jemand irgendeine Kleinigkeit entdeckt hat, dann nennt ihn die Welt schon einen „glücklichen Finder".

Wie viel mehr ist der ein glücklicher Finder, der in Jesus seinen Herrn und Heiland gefunden hat!

Die Hanna, von der Lukas uns erzählt, gehört zu diesen glücklichen Findern. An ihr wird uns in ein paar Strichen gezeigt, woran man die glücklichen Finder des Heilandes erkennt. „Sie pries den Herrn."

Die Welt preist anderes. Sie rühmt Menschen. Menschen rühmen sich selbst. Bei den Ausgrabungen in Babylonien hat man alte Königsschlösser gefunden. Dort haben die Könige ihre großen Heldentaten an den Wänden der Säle aufgezeichnet. Das ist typisch für die Art der Welt.

Wer in Jesus seinen Heiland gefunden hat, der preist den Herrn. Dem ist es ein täglich neues Wunder, dass der Herr mit armen Sündern Geduld und Erbarmen hat; dass „Er seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben."

Weiter heißt es von der Hanna: „Sie redete von Jesus zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem warteten."

Ob das wohl viele waren? Wohl kaum! Es sind immer nur wenige, die bereit sind für Gott. Aber im Reiche Gattes kommt es nicht auf die Zahl an. Den Wenigen konnte Hanna das Heil bezeugen, das durch Jesus kam. Es war sicher ein schlichtes Zeugnis. Aber an solchem Zeugnis erkennt man die „glücklichen Finder". „Wir können's ja nicht lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gehört und gesehen haben."

Sind auch in unserem Leben die Kennzeichen der glücklichen Finder? Amen.

 

 

(Melodie: Wachet auf, ruft uns die Stimme)

 

Deine Liebe, deine Wunden / die uns ein ew'ges Heil erfunden,

Dein treues Herz, das für uns fleht / wollen wir den Seelen preisen

Und auf dein Kreuz so lange weisen / bis es durch ihre Herzen geht.

Denn kräftig ist dein Wort l es richtet und durchbohrt

Geist und Seele. Dein Joch ist süß / dein Geist gewiss,

Und offen steht dein Paradies.

 


Mittwoch in der 2. Epiphaniaswoche

 

Sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels und wollen sich nicht bekehren.

Jeremia 5, 3

 

Das Erschütternde ist, dass der Prophet Jeremia diese Feststellung machen musste nicht bei Heiden, sondern bei einem Volk, das den Namen Gottes kannte. O ja, in Israel kannte man den Namen Gottes. Man hatte auch einen Tempel, in dem Gott angebetet wurde. Man hatte wunderbare Gottesdienste und einen großartigen Kultus. Und Feste hatte man! Feste, bei denen die Großtaten Gottes gefeiert wurden.

Und doch: „Sie haben ein härter Angesicht denn ein Fels und wollen sich nicht bekehren."

Das ist wichtig für uns. Unser Gott will nicht in steinernen Gotteshäusern wohnen, sondern in Herzen, die sich zu Jesus, dem Heiland, bekehrt haben. – Es kommt unserem Gott nicht auf Gottesdienste an, in denen wir Ihm dienen. Er will, dass wir uns zu Ihm bekehren und uns von Jesus helfen und dienen lassen. – Die großen Taten Gottes, die Er durch Jesus getan hat, sollen wir nicht nur feiern an Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten. Nein, diese Großtaten Gottes wollen uns zur Buße rufen. – Es ist auch nichts getan mit einem schönen Kultus, bei dem wir „seelische Erhebungen" haben. Unser Gott will eine klare Bekehrung.

Sie wollen sich nicht bekehren", sagt der Herr. In diesem Wort sagt Er uns, dass eine Bekehrung nicht eine Angelegenheit des Verstandes ist oder des religiösen Gefühls. Eine Bekehrung ist eine Sache unseres Willens. Gottes Heiliger Geist verklärt Jesus und ruft dadurch unseren Willen auf, uns dem Herrn völlig auszuliefern.

Es gab in Israel viel Frömmigkeit und Religiosität. Aber „sie wollen sich nicht bekehren". Mit diesem Wort deckt der Herr den tiefsten Schaden auf.

Vielleicht ist das auch unser tiefster Schade. Es gibt so viele Menschen, die sind wohl „christlich", aber nicht bekehrt. Möchten wir doch Seine Stimme nicht vergeblich hören. Amen.

 

 

(Melodie: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Schaff in mir, Herr, den neuen Geist,

Der dir mit Lust Gehorsam leist't

Und nichts sonst, als was du willst, will;

Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll!

 


Donnerstag in der 2. Epiphaniaswoche

 

So ich im Finstern sitze, so ist doch der Herr mein Licht.

Micha 7, 8

 

Welch eine Paradoxie! Welch ein unmöglicher Gegensatz! Die Vernunft sagt: „Wie kann ich im Finstern sitzen und doch Licht haben?"

Es ist schon so, dass der Verstand des unerleuchteten Menschen dies Wort nie begreifen kann.

Und doch: Es spricht die tiefste, seligste Erfahrung des Christenstandes aus.

„Wenn ich im Finstern sitze …" – Ja, das wird immer mehr der Platz derer, die Gott zum ewigen Leben erwählt hat. Ob sich auch das Herz entsetzt – es geht hinein ins Dunkel. Liebgewordene Pläne zerschlagen sich. Menschen bekommen Gewalt, uns Herzeleid anzutun. Der Tod nimmt uns die, ohne die wir fast nicht leben zu können glauben. Krankheit lähmt unser Schaffen.

Ach! wenn das alles wäre! Es gibt ein viel, viel tieferes Dunkel. Das ist die Finsternis der Gerichtswolke Gottes. Unser Gewissen will nicht mehr schweigen. Wir schauen zurück auf unseren Weg, suchen etwas Gutes, was uns helfen, uns decken könnte. Aber da sind nur Versäumnisse, Schulden, Verfehltes. Alle unsere Sünden gehen über unser Haupt.

In dies Dunkel führt Gott die, die Er retten will. – Die Er retten will?! Muss es nicht heißen: die Er verderben will? – Nein, die Er retten will! „… ist doch der Herr mein Licht." Denn hier in der Finsternis wartet Jesus auf uns, das Licht der Welt, voller Gnade, der Erbarmer, der Heiland.

„So ich im Finstern sitze…" – es wird immer dunkler bis zum Ende – „so ist doch der Herr mein Licht." Lasst uns um des herrlichen Lichtes willen getrost ins Dunkle gehen und darin bleiben. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Ach mein Herr Jesu, dein Nahesein

Bringt großen Frieden ins Herz hinein;

Und dein Gnadenanblick macht uns so selig,

Dass Leib und Seele darüber fröhlich

Und dankbar wird.

 


Freitag in der 2. Epiphaniaswoche

 

Darum so seht euch vor vor eurem Geist!

Maleachi 2, 16

 

Eine Warnungstafel wird hier aufgerichtet: „Achtung! Vorsehen!" – Nun, das Leben ist ja von so vielen Gefahren bedroht, dass wir es gelernt haben, uns vorzusehen vor allerlei Gefahren, vor schnell fahrenden Autos und vor Bazillen, vor Ansteckung und vor Unglücksfällen.

Nun wird hier noch eine Warnungstafel aufgerichtet. Wer sie besinnlich liest, stutzt. „Wie? Vor meinem Geist soll ich mich vorsehen? Alle Gefahren kommen doch von außen! Wie sollte mein Geist für mich eine Gefahr sein?"

Aber diese Warnungstafel ist sehr, sehr ernst gemeint. Der lebendige Gott selbst hat sie aufgerichtet. Darum können und dürfen wir nicht an ihr vorübergehen.

„Darum so seht euch vor vor eurem Geist!" – Da sagt uns Gott also, dass unser eigener Geist uns in große Gefahr bringen kann. Unser Geist ist wohl imstande, große technische Fragen zu läsen. Er kann die Vergangenheit erforschen. Er kann uns zu tüchtigen, fähigen Leuten im Leben machen.

Aber nun fängt unser Geist an, uns über Gott zu belehren. Er denkt sich einen harmlosen Gott aus und betrügt uns mit diesem Götzen, der doch nicht der lebendige Gott ist. Ja, unser Geist fängt an zu bestimmen, was gut und böse sei. Und wenn unsere Sünden gen Himmel schreien, dann ist unser Geist nicht faul, schwarz „weiß" zu nennen und alles zu erklären und zu entschuldigen. Unser Geist denkt sich gar einen Weg zur Seligkeit aus und meint, Gott müsse „Ja" dazu sagen.

So betrügt uns unser Geist um Gott und Sein ewiges Heil. „Darum so seht euch vor vor eurem Geist." Wir wollen Gott bitten, dass Er uns gebe „den Geist der Wahrheit und der Offenbarung zu seiner selbst Erkenntnis", den Heiligen Geist von oben, der uns in alle Wahrheit leitet. Amen.

 

 

(Melodie: Warum sollt ich mich denn grämen?)

 

Geist der Weisheit, gib uns allen

Durch dein Licht Unterricht,

Wie wir Gott gefallen.

Lehr uns, recht vor Gott zu treten,

Sei uns nah und sprich Ja,

Wenn wir gläubig beten.

 


Sonnabend in der 2. Epiphaniaswoche

 

Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen.

Jesaja 42, 16

 

Das scheint auf den ersten Blick ein sehr tröstliches Wort zu sein. In Wirklichkeit aber ist es für den natürlichen Menschen ein sehr hartes Wort: ein Wort, das uns sagt, dass der Herr anders mit uns handelt, als wir es möchten.

„Ich will die Finsternis vor dir her licht machen." Wir Menschen wandeln nicht gern in der Finsternis. Wir gehen gern im hellen Tageslicht, wo man seinen Weg vor sich sieht. Wir haben gern übersichtliche Verhältnisse, wo man Pläne machen und sich auf lange Sicht einrichten kann. Und wir fürchten die dunklen Verhängnisse, wo der Abend sich vor dem Morgen fürchten muss und der neue Tag in banger Ungewissheit steht.

Darum ist dies Gotteswort so ein hartes Wort. Denn es spricht vom Wandern in der Finsternis und Ungewissheit. Und es sagt uns, dass Gott uns nur für den nächsten Schritt Licht geben will. Das dünkt uns hart.

Und doch ist es ein so köstliches, tröstliches Wort. Es stellt das Evangelium hinein in die harte Wirklichkeit unseres Lebens. Das ist nämlich die harte Wirklichkeit, dass wir Wanderer in der Nacht und ihrer Finsternis sind. Oder bilden wir uns etwa in unserer Torheit ein, wir hätten eine helle, überschaubare Straße vor uns? Wer weiß denn, was morgen sein wird? Es gibt zerstörende Mächte genug, die morgen bereits alle unsere Pläne über den Haufen werfen können. Es ist schon so: Wir tappen durch Nacht und Ungewissheit.

Aber wohl dem, der den Heiland kennt, welcher sagt: Ich will die Finsternis vor dir her licht machen." „Vor dir her!" Ja, wie etwa einer auf einem dunklen Weg mit einer Laterne herleuchtet. Das gibt nur zaghaftes Schreiten. Aber was tut es! Es gibt gewisse Tritte im Licht.

Licht nur für einen Schritt. Mehr braucht's nicht. „Es ist genug, dass ein jeder Tag seine eigene Plage habe." Amen.

 

 

(Melodie: Von Gott will ich nicht lassen)

 

Kommt, Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit;

Er selbst will bei uns stehen bei jedem sauren Tritt;

Er will uns machen Mut, mit süßen Sonnenblicken

Uns locken und erquicken; ach ja, wir haben's gut.

 


3. Sonntag nach Epiphanias

 

Das ist das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.

Johannes 1, 9

 

Seltsames Wort! Ist das denn wahr?

Es ist doch nur die „kleine Herde", die sich von dem Licht erleuchten lässt.

Wie kann Johannes schreiben, Jesus sei das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet?

An diesem Wort aber geht uns – wenn wir es fassen – gerade das Heil recht auf. Dies Wort sagt uns: Das Heil ist da! Ganz abgesehen von unserem Glauben oder Unglauben – von unserem Gehorsam oder unserer Sünde ist das Heil für alle Menschen da.

Wie die Sonne aufgeht, so ist „der Aufgang aus der Höhe" gekommen. Ja, wie die Sonne aufgeht! Sie scheint über alle und „erleuchtet alle". Nun können natürlich Eulen sich verkriechen und Menschen, die das Dunkel lieben, die Läden zumachen. Ja, wenn einer ganz närrisch ist, kann er sogar behaupten, der Sonnenschein sei nur Einbildung. Wer will den Narren daran hindern?

Die Sonne nicht. Sie widerlegt Eulen und Finsterlinge und Narren einfach, indem sie scheint und leuchtet und strahlt.

So ist es mit Jesus. Das ist allerdings das Unheimliche und Furchtbare, dass es so viel Eulen, Finsterlinge und Narren gibt, dass „die Menschen die Finsternis mehr lieben als das Licht".

Aber das Licht ist da. Es leuchtet für alle. Es ist strahlend aufgegangen in der Krippe, es ist hell geworden auf Golgatha und leuchtet seit der Auferstehung in lebenschaffendem, herrlichem Glanz.

Lasst uns doch im Licht wandeln! Amen.

 

 

(Melodie: Unser Herrscher, unser König)

 

Dunkelheit die musste weichen,

Als dies Licht kam in die Welt,

Dem kein andres zu vergleichen,

Welches alle Ding erhellt.

Die nach diesem Glanze sehen,

Dürfen nicht im Finstern gehen.

 


Montag in der 3. Epiphaniaswoche

 

Und siehe, da kam Saul vom Felde hinter den Rindern her und sprach: „Was ist dem Volk, dass es weinet?"

1. Samuel 11, 5

 

Schon diese Frage des Saul war eine Anklage.

Aus dieser Frage klingt heraus die Beschämung: „Wie kann Gottes Volk so verzagt sein?! Haben wir nicht d e n zum Vater, der die Seinen wie auf Adlerflügeln trägt?! Ihr tut ja, als sei Gott gestorben!"

Da stürzen sie auf ihn zu und erzählen ihm das Furchtbare: „Der Feind ist eingefallen in Gottes Land! Nirgendwo ist Hilfe!"

So, nun wird Saul ihr Weinen verstehen und auch verzagen! Aber nein! Im Gegenteil! Die Bibel erzählt: „Da geriet der Geist des Herrn über Saul." Er tut, was zu tun ist. Und all sein Tun ist erfüllt von Glaubenszuversicht, dass das Volk getröstet wird, den Kampf wagt und auch gewinnt. ‑

Es wird immer so sein, dass Gottes Volk in Not gerät. Das Volk Gottes im Neuen Bund hat geradezu den Auftrag, dem Herrn das Kreuz nachzutragen. Und da wird es auch zu allen Zeiten so sein, dass Gottes Volk darüber sehr verzagt und mutlos wird.

Dass doch der Herr in solchen Zeiten Seiner Gemeinde immer den Saul schenke, den Einen, der „sein Licht brennend" erhält und seine „Lenden gegürtet" hat!

Es braucht das nicht immer der Stärkste oder Klügste zu sein. Ein Knabe kann es sein wie David bei Goliath. Oder eine Frau wie Debora.

Auf die innere Stellung kommt's an: auf die klare Bekehrung, auf den völligen Gehorsam und den rechten Glauben. Dann kann man tun, was die Schrift befiehlt: „Stärket die müden Hände und erquickt die strauchelnden Knie." Amen.

 

 

(Melodie: Warum sollt ich mich denn grämen?)

 

Unverzagt und ohne Grauen

Soll ein Christ, Wo er ist,

Stets sich lassen schauen.

Wollt' ihn auch der Tod aufreiben,

Soll der Mut Dennoch gut

Und fein stille bleiben.

 


Dienstag in der 3. Epiphaniaswoche

 

Hiskia hing dem Herrn an.

2. Könige 18, 6

 

Es ist in den Königsbüchern der Bibel von vielen Königen nur sehr kurz die Rede. Vieles, was ihrer Zeit an ihnen groß erschien, ist belanglos in Gottes Büchern. Aber von Hiskia handeln drei Kapitel. Sein Leben ist in Gottes Augen wichtig.

Warum? „Er hing dem Herrn an."

Dieser kurze Satz rührt an die Frage unseres Lebens. Es gibt ja nur diese beiden Möglichkeiten: Entweder kann von uns dasselbe gesagt werden wie von Hiskia – und dann hat unser Leben seinen ewigen Sinn und Inhalt bekommen, und unser Name steht in Gottes Büchern, oder wir hangen dem Herrn nicht an – und dann gehören wir zu denen, von denen der 1. Psalm sagt: „Aber der Gottlosen Weg vergeht. ‑

„Hiskia hing dem Herrn an." Dieser Satz spricht von Kraft. Hiskia brach damit mit der Tradition seiner Väter. Ja, dieser fünfundzwanzigjährige junge König stellte sich damit gegen den Geist seines ganzen Volkes. Es gehörte schon – und es gehört heute noch – kraftvoller Trotz dazu, dem Herrn anzuhängen.

„Hiskia hing dem Herrn an." Seltsam! Dieser kraftvolle Satz spricht von letzter, tiefer, verzweifelter Schwachheit. „Er hing an." Es ist wie ein Anklammern, wie ein verzweifeltes Nicht-Loslassen. Das tut nur der, der zuvor erschrocken erkannt hat: „Ich kann allein nicht gehen / nicht einen Schritt!" Wer in sich keine Kraft, keine Heiligkeit, kein Leben, keinen Frieden hat, von dem kann es wohl heißen: „Er hing dem Herrn an."

Und zum Schluss spricht dieses Wort von der Barmherzigkeit Gottes, der es sich gefallen lässt, dass Sünder sich an Ihn hängen. O nein, Er schüttelt sie nicht ab; Er nimmt sie mit und rettet sie. Amen.

 

 

(Melodie: Valet will ich dir geben)

 

Möcht ich an dir nur hangen, o Gott, allein an dir!

Du hast es angefangen, das gute Werk in mir;

O möcht'st du mir nur senden zur Hilfe deinen Geist

Und gnädig so vollenden, was mir dein Wort verheißt!

 


Mittwoch in der 3. Epiphaniaswoche

 

Und der König von Assyrien sandte den Tharthan zum König Hiskia mit großer Macht gen Jerusalem. Und sie zogen herauf.

2. Könige 18, 17

 

Das war für den König Hiskia eine furchtbare Enttäuschung. Denn in den Versen vorher wird erzählt, dass Hiskia dem assyrischen König einen ungeheuren Tribut geschickt hatte, um ihn zum Frieden zu bewegen. „Also gab Hiskia all das Silber aus dem Hause des Herrn. Und er zerbrach die Türen am Tempel des Herrn und die Goldbleche, die er selbst hatte drüberziehen lassen, und gab sie dem König von Assyrien."

Betrogener Hiskia! Alles nahm ihm dieser König der Weltmacht, durch den im Alten Testament die selbstherrliche, gottlose Satansmacht abgebildet wird. Und nachdem er alles genommen hat, macht er sich mit „großer Macht" auf, das Volk Gottes im Alten Bunde zu vernichten.

„Und sie zogen herauf.“ – Wie mag es Hiskia zumute gewesen sein! Nun lernt er etwas, was wir alle lernen müssen: Zwischen der Macht des Satans und dem Volke Gottes gibt es keinen Frieden.

Es hat auch im Neuen Bunde manch ein Christ versucht, sich den Frieden zu erkaufen, indem er allerhand preisgab. Er machte dem „Fürsten dieser Welt" Zugeständnisse. Und er stellte sich – um des Friedens willen – der Welt so gleich wie Hiskia, der – Tribut zahlend sich in nichts von den weltlichen Fürsten seiner Zeit mehr unterschied.

Es hilft nichts! Satan nimmt; und am Schluss zieht das Heer der Welt herauf, um dein machtloses Herz in die Hölle zu bringen.

Volk Gottes, es gibt keinen Frieden! Satan will deine Vernichtung. Darum seid Kriegsleute in Gottes Macht! Stehet! Ziehet an den Harnisch Gottes! Amen.

 

 

(Melodie: Verzage nicht, du Häuflein klein)

 

Tröste dich nur, dass deine Sach' Ist Gottes!

Dem befiehl die Rach'

Und lass es ihn nur walten.

Er wird durch einen Gideon,

Den er wohl weiß, dir helfen schon,

Dich und sein Wort erhalten.

 


Donnerstag in der 3. Epiphaniaswoche

 

Und da Hiskia den Brief gelesen hatte, ging er hinauf zum Hause des Herrn und breitete ihn aus vor dem Herrn und betete: "Herr, du bist allein Gott über alle Königreiche…"

2. Könige 19, 14

 

„Nun hat Hiskia völlig die Nerven verloren!" wird ein Weltmensch sagen. Erst wollte er sich von der Weltmacht Assyrien durch einen ungeheuren Tribut den Frieden erkaufen. Und als nun der König der Weltmacht trotzdem zur Vernichtung sich anschickt und ihm einen hohnvollen Drohbrief schreibt, da – ja, was hätte Hiskia denn nach der Meinung der Welt da tun sollen? Törichte Frage! Sein Heer rüsten, Kriegsrat halten, Verhandlungen einleiten – fast hätte ich gesagt: Telefongespräche fahren.

Nun, das alles tat Hiskia später auch. Aber zuerst tat er etwas ganz anderes: „Er ging hinauf zum Hause des Herrn…"

Nein, hier hat einer nicht die Nerven verloren, sondern seinen Gott und Heiland wieder gefunden.

Was sollte wohl das bedrängte Volk Gottes anders tun, als dass es sich mit Ernst besinnt auf den, der es erlöst und zu Seinem Eigentum gemacht hat?

„Hiskia breitete den Brief aus vor dem Herrn." Er drückte damit aus: „Herr, Drohungen gegen dein Volk sind Drohungen gegen dich." In einem Lied sagt August H. Francke: „Denn mein Leiden ist das deine, weil ich dein bin, o mein Gott."

Solches Aufsehen auf den Herrn gibt neue Augen: Wie unheimlich sah vorher Assyriens Heer aus! Aber wie gering wird es, wenn man weiß: „Herr, du bist allein Gott über alle Königreiche." Amen.

 

 

(Melodie: Jesus, meine Zuversicht)

 

Stark ist meines Jesu Hand,

Und er wird mich ewig fassen,

Hat zu viel an mich gewandt,

Um mich wieder loszulassen.

Mein Erbarmer lässt mich nicht;

Das ist meine Zuversicht.

 


Freitag in der 3. Epiphaniaswoche

 

Nun aber, Herr, unser Gott, hilf uns aus seiner Hand, auf das alle Königreiche auf Erden erkennen, dass du, Herr, allein Gott bist.

2. Könige 19, 19

 

Ein königliches Gebet!

Draußen droht der Assyrerkönig mit seiner unheimlichen Macht. Und im Heiligtum betet Hiskia.

Es ist ein königliches Gebet, das aus einem durch den Heiligen Geist geadelten Herzen kommt, weil es ein so großes Ziel im Auge hat: die Ehre Gottes.

„Nun aber, Herr, unser Gott, hilf uns…", so beten viele. Aber hier bricht Hiskias Gebet nicht ab. Die Befreiung vom Druck ist ihm erst das Vorletzte. Das Wichtigste ist ihm: „… auf dass alle Königreiche auf Erden erkennen, dass du, Herr, allein Gott bist."

Nicht ein einzelnes kleines Leben, sondern die Ehre Gottes ist die Achse, um die das Leben der Gemeinde Jesu Christi schwingt.

Es geht dem Feind ja auch nur um die Ehre Gottes. Die will er zertreten und schänden. Darum tastet er die Gemeinde an. So lästert der Assyrer: „Wo ist ein Gott unter aller Lande Göttern, die ihr Land haben von meiner Hand errettet, dass der Herr sollte Jerusalem von meiner Hand erretten?"

Um die Ehre Gottes geht es dem Feind. Und darum hat er sein Ziel fast erreicht, wenn es der Gemeinde Gottes nicht mehr um Gottes Ehre geht, wenn sie angstvoll nur noch um sich besorgt ist.

Darum ist dies Gebet Hiskias ein königliches Gebet, weil es Gottes Ehre im Auge hat. Solchen großen Sinn schenkt der Heilige Geist. Amen.

 

 

(Melodie: Wunderbarer König)

 

Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen

Und im Geist dir Dienst erweisen!

Möcht ich wie die Engel immer vor dir stehen

Und dich gegenwärtig sehen!

Lass mich dir für und für trachten zu gefallen,

Liebster Gott, in allem.

 


Sonnabend in der 3. Epiphaniaswoche

 

Das Geheimnis des Herrn ist unter denen, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen.

Psalm 25, 14

 

Es gehört zu der wundersamen Botschaft der Bibel, dass Gott sich gern Menschen anvertrauen möchte. So hat sich Gott dem Abraham anvertraut, als Er mit ihm auf dem Wege vom Hain Mamre nach Sodom war. „Wie kann ich Abraham verbergen, was ich tue!" sagt Er. (1. Mose 18, 17.) – So hat sich Gott dem Mose anvertraut, wenn Er mit ihm redete, „wie ein Freund mit seinem Freunde redet". Und der 103. Psalm weiß das als ganz besonders anbetungswürdig zu rühmen: „Er hat seine Wege Mose wissen lassen."

Auch unter uns sucht Gott Menschen, denen Er sich anvertrauen kann, denen Er Sein „Geheimnis" mitteilen kann, die Er „seinen Bund wissen" lassen kann.

Nun ist es uns wohl allen klar: Gott kann sich nicht jedem Beliebigen anvertrauen. Er sagt uns selbst, dass dazu wenigstens eine Voraussetzung erfüllt sein muss.

Das ist ja nun eine überaus wichtige Frage: Welche Voraussetzung müsste bei mir erfüllt werden, damit Gott in meinem armen Leben das Wunder tun könnte, mich zu Seinem Vertrauten zu machen?

Gott sieht dabei nicht darauf, welche Stellung einer in der Welt einnimmt. Er fragt auch nicht danach, ob wir besonders klug sind oder welchen Bildungsgang wir haben. Er sieht auch nicht auf unsere „moralischen Qualitäten". Er sieht nur nach einem: ob man Ihn fürchtet. Die Furcht vor Gott spielt eine große Rolle im geistlichen Leben.

Gott verschließt sich den Oberflächlichen, den Selbstgeredeten, den Schwätzern, den Kraftmeiern, den Sicheren. Aber die erschrockenen Gewissen und aufrichtigen Herzen, die Bußbereiten und die, welche aus der Wahrheit sind, erfahren Sein Geheimnis: dass Er in Jesus einen Bund gemacht hat und in Jesus eine Gemeinde der Zukunft sammelt für eine neue Welt. Möchten wir doch zu Gottes Vertrauten gehören! Amen.

 

 

(Melodie: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Schaff in mir, Herr, den neuen Geist,

Der dir mit Lust Gehorsam leist't

Und nichts sonst, als was du willst, will;

Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll.

 


4. Sonntag nach Epiphanias

 

Gott ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte.

1. Mose 2, 2

 

„Gott ruhte." – Das war nicht die Ruhe der Erschöpfung, welcher der Mensch sich hingibt nach einem arbeitsreichen Tag. Gott ist nie „erschöpft“. „Der ewige Gott wird nicht müde noch matt“ (Jesaja 40, 28).

„Gott ruht…" Das heißt: Hier ist Vollendung! Gott hat ein Werk vollbracht. „Gott ruht." Die von Ihm erschaffene Welt liegt im Sonnenglanz des siebenten Tages in herrlicher Vollendung, und alle Kreaturen preisen den, der sie geschaffen hat.

Gottes Ruhen bedeutet: Hier ist Vollendung!

So wird dieser erste Sabbat der Welt ein Vorbild und Hinweis auf einen anderen Sabbat, an dem Gott wieder ein Werk „vollendet" hatte, auf den Sabbat nach dem Karfreitag. Da hat Er nach dem Werk der Schöpfung das noch wunderbarere Werk unserer Erlösung vollbracht. Wir spüren etwas von diesem göttlichen Ruhen nach dem Kampf, wenn es sogar von den Freunden Jesu heißt: „Den Sabbat über waren sie stille nach dem Gesetz."

„Gott ruhte am siebenten Tage." Welcher Freudenglanz lag wohl an jenem Tage über der vollendeten Welt! Unendlicher Jubel liegt über diesem ersten „siebenten Tag".

Und so wird er ein Vorbild und Hinweis auf unseren Sabbat, auf den ersten Sonntag der Christen. Das ist der Auferstehungstag Jesu Christi: „Christ ist erstanden / von der Marter alle I des soll'n wir alle froh sein…"

Weil Gott in Schöpfung und Erlösung alles für uns getan und vollendet hat, darum dürfen wir nun heute recht Sabbat halten. Wir dürfen ruhen und uns freuen in Seinem herrlichen Tun für uns. Amen.

 

 

(Melodie: Jesus, meine Zuversicht)

 

Meine Seele senket sich hin in Gottes Herz und Hände

Und erwartet ruhiglich seiner Wege Ziel und Ende,

Liegt fein stille, nackt und bloß

In des liebsten Vaters Schoß.

 


Montag in der 4. Epiphaniaswoche

 

Jesus sprach: „Ich bin das Licht der Welt."

Johannes 8, 12

 

Wie tröstlich kann ein Licht sein!

Wer einmal so recht durch die Nacht geirrt ist, der weiß es, wie das Herz neuen Mut gewinnt, wenn man irgendwo ein Licht sieht. Auch wenn man noch gar nicht weiß, was das für ein Licht ist – man glaubt doch: Da muss Hilfe sein und Wegleitung und das Ende aller Not und allen Verirrtseins.

Wenn der Herr Jesus hier nun ruft: „Ich bin das Licht der Welt", dann will Er uns damit Vertrauen erwecken und Mut machen, doch zu Ihm zu kommen, auch wenn wir Ihn noch gar nicht kennen und wenig von Ihm wissen und verstehen. Ehe einer den Reichtum Seines Heiles und die Tiefen Seiner Erlösung begreift, darf er glauben: Bei Jesus ist Hilfe und Wegleitung und das Ende aller Not und allen Verirrtseins.

So ist dies Wort Jesu ein freudenvolles Wort, gefüllt mit Trost.

Aber es ist auch ein hartes Wort. Ein Gerichtswort für die Welt. Ein Licht brauchen wir nur, wenn es finster ist. Wenn Gott Seinen eingeborenen Sohn als „Licht" in die Welt gesandt hat, dann spricht Er damit aus, dass in der Welt die Nacht hereingebrochen ist. Die Welt ist eine Welt der Finsternis und Sünde.

Dies harte Urteil Gottes will unserm stolzen Sinn nicht passen. Aber wer nun leugnet, dass die Welt voll Finsternis sei, der lästert Gott und sagt, Gott sei ein Narr, weil Er am hellen Tag ein Licht gegeben habe. –

Wir müssen auch darauf achten, dass der Herr Jesus nicht sagt: „Ich bin ein Licht in der Welt." Er sagt: „Ich bin das Licht." Damit sind wir in die letzte Entscheidung gedrängt. Entweder bleiben wir in der Nacht, oder wir laufen zu Jesus. Amen.

 

 

(Melodie: Gelobet seist du, Jesu Christ)

 

Das ew'ge Licht geht da herein,

Gibt der Welt ein' neuen Schein.

Es leucht't wohl mitten in der Nacht

Und uns des Lichtes Kinder macht. Halleluja!

 


Dienstag in der 4. Epiphaniaswoche

 

Betet für mich, den Boten des Evangeliums in der Kette, dass ich freudig handeln möge.

Epheser 6, 20

 

Christen sind hochgemute, unüberwindliche Leute, wenn sie wirklich „in Christus“ sind. Das wird an diesem ungeheuer großen Wort des Paulus deutlich.

„In der Kette" ist er, als Gefangener in Rom.

Das heißt, er ist getrennt von der Gemeinschaft, die einem Christen Lebensbedürfnis ist. Er hat nicht mehr die Möglichkeit, seine Brüder in Ephesus aufzusuchen, mit ihnen zu reden und ihre Liebe zu erfahren. – Ist es wirklich so?

„Nein", sagt Paulus, „ich bin nicht getrennt von der Gemeinschaft. Meine Brüder beten für mich. Vor dem Thron der Gnade treffen wir uns. Ihre Fürbitte ist ein spürbares, lebendiges Band der Gemeinschaft." –

„In der Kette“ ist Paulus. Er, der dem Herrn die Welt erobern wollte, ist lahm gelegt.

Lahm gelegt? „Nein", sagt Paulus, „ich bin in Amt und Dienst auch hier. Ich bin auch in der Kette ein Bote des Evangeliums. Mit Zeugnis vor allen denen, die mich sehen, und mit Fürbitte für alle Gemeinden und für alle Menschen richte ich meinen Dienst aus."

„In der Kette" ist Paulus. Er ist ein Gefangener. Und Gefangenschaft ist schrecklich. Sie ist ungeheuer schwer gewesen für so einen feurigen, temperamentvollen Menschen wie Paulus. Und wie hat wohl sein Stolz als römischer Staatsbürger unter der endlosen Haft gelitten!

Da sollte man doch meinen, es sei genug, wenn Gott Tag für Tag Kraft gibt zum Leiden. „Nein", sagt Paulus, „der Herr gibt mehr. Ich darf und soll freudig handeln."

Dass wir doch durch Gottes Gnade zu so hochgemuten Leuten würden! Amen.

 

 

(Melodie: Es glänzet der Christen)

 

Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel,

Sie bleiben ohnmächtig und schützen die Welt;

Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel,

Sind arm, doch sie haben, was ihnen gefällt.

Sie stehen in Leiden und bleiben in Freuden,

Sie scheinen ertötet den äußeren Sinnen

Und führen das Leben des Glaubens von innen.

 


Mittwoch in der 4. Epiphaniaswoche

 

Lass dir nicht grauen vor ihnen; denn der Herr, dein Gott, ist unter dir, der große und schreckliche Gott.

5. Mose 7, 21

 

Das ist ein Wort Gottes, mit dem sehr viele Menschen zeit ihres Lebens nichts anfangen können. Denn längst nicht alle Menschen werden auf ihren Lebenswegen an die furchtbaren Abgründe herangeführt, wo „das Grauen" beginnt. Aber für die, welche so geführt werden, ist dies Wort aus Gottes Mund ein herrliches Wort.

„Lass dir nicht grauen!" sagt der Herr zu Seinem alttestamentlichen Volk. Gott wird sie also in solche Lagen kommen lassen, wo – menschlich gesprochen – die Verzweiflung beginnt. So führt Gott Seine Leute. In die tiefsten Tiefen können sie kommen, wo die Nerven einfach versagen; wo man gar keinen Sinn und Verstand in all dem Geschehen mehr sieht; wo – wie bei Israel – hinter uns die tödliche Wüste und vor uns nur die unübersteigbaren Mauern Jerichos sind; wo einem entsetzlich aufgeht, was es heißt, in einer gefallenen Welt des Todes leben. In solche unheimlichen Lagen können Gottes Kinder kommen. Aber hier, an der Grenze des Schreckens und des Grauens, wo das dunkle Reich der Verzweiflung und des Wahnsinns beginnt – unsere Brüder und Schwestern in Russland kannten diese unheimliche Grenze –, da tritt uns der Herr entgegen, der große und schreckliche Gott, unser Heiland und Vater in Jesus Christus: „Lass dir nicht grauen!"

Wenn wir den Herrn an dieser Grenze treffen, dann entdecken wir, dass auch um Ihn her Grauen und Entsetzen ist. Er ist ein „schrecklicher Gott". Aber das Grauen und der Schrecken, die von Ihm ausgehen, gelten ja nicht Seinen erschrockenen und gequälten Kindern. Die überschüttet Er mit lauter Schutz, Trost, Frieden, Gnade, Liebe, Freude und Seligkeit.

Schrecklich aber ist Er den Mauern Jerichos und allen Seinen Feinden. Die Hölle und der Teufel, die verlorene Welt und alle Feinde Jesu müssen vor Ihm erschrecken. Aber Sein Volk wird mitten in der Angst in den Hütten des Friedens wohnen. Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, ewge Sonne)

 

Schenk uns deinen Frieden alle Tag hienieden;

Gib uns deinen guten Geist, der uns stets zu Christo weist!

 


Donnerstag in der 4. Epiphaniaswoche

 

Ich habe Lust zu deinen Zeugnissen; die sind meine Ratsleute.

Psalm 119, 24

 

In einer westdeutschen Stadt steht am Rathaus schön in Stein gehauen der Satz: „Geht dir Rat aus – geh aufs Rathaus!“

Hübsch, nicht wahr?! Und so einfach. Ja, so einfach! Zu einfach!

Denn die Sache ist. so: Wenn wir in Lagen kommen, wo uns wirklich der Rat ausgeht – da hilft uns meist kein Rathaus mehr.

Oder an welches Rathaus etwa hätte Josef sich wenden sollen, als seine Brüder ihn als Sklaven nach Ägypten verkauften? – An welches Rathaus hätte Moses sich wenden können, als er mit dem verzweifelten Volk am Roten Meer stand, verfolgt von Pharao? – An welches Rathaus wohl hätte David sich wenden können, als der Prophet Nathan ihm seine Sünde vorhielt: „Du bist der Mann!" – Und zu welchem Rathaus hätte Petrus sich wenden können, als dort im Hofe des hohepriesterlichen Palastes der Hahn zum dritten Male krähte? – An welches Rathaus soll sich ein Sünder wenden, den die Fesseln der Sünde in Banden halten, dass er mit Paulus bekennt: „Wollen habe ich wohl – aber vollbringen das Gute finde ich nicht!"

Kurz, das ist eben unsere Lage: Wo die wirklichen Verlegenheiten und Nöte anfangen, da hilft uns kein Mensch mehr, da stehen wir ganz allein. –

Aber nun kommt der Sänger des 119. Psalms und hat ein Zeugnis abzulegen, ein fröhliches, jubelndes Bekenntnis: "Ich habe Lust zu deinen Zeugnissen; denn sie sind meine Ratsleute." Ja, Gottes Wort ist Rat für uns, wirklicher, guter Rat – Heilsrat Gottes. Hier ist unsere Hilfe. Amen.

 

 

(Melodie: Gott des Himmels und der Erden)

 

Hilf, dass alle meine Wege

Nur nach dieser Richtschnur gehn;

Was ich hier zum Grunde lege,

Misse wie ein Felsen stehn,

Dass mein Geist auch Rat und Tat

In den größten Nöten hat.

 


Freitag in der 4. Epiphaniaswoche

 

Und der Sehenden Augen werden sich nicht blenden lassen.

Jesaja 32, 3

 

Ein Schauspieler, der auf der Bühne steht, kann die Zuschauer nicht erkennen. Das grelle Rampenlicht blendet seine Augen.

So ist es in der Welt. Es gibt viel Aufdringliches und Grelles, das uns blendet. Und wir sehen nicht, was dahinter ist.

Es gibt viele oberflächliche Leute, die geben sich damit zufrieden. Sie leben völlig vordergründig und lassen die hintergründigen Dinge auf sich beruhen. Das sind die Leute, die eine letzte, geheime Furcht vor dem Tode haben, denn dort kann man den ewigen und hintergründigen Dingen nicht mehr ausweichen. Im Sterben löscht Gott alle Rampenlichter dieser Welt aus, und man muss sehen, was man nicht sehen wollte.

Es gibt aber auch sehr viele, denen bereitet die Blendung dieser Welt große Not und Unruhe. Und mit brennenden Augen suchen sie die Verblendung zu durchbrechen. Doch – wir können das nicht.

Wir können es nicht. Gott aber kann es und will es an uns tun. Er tut es durch Seinen Heiligen Geist! Wo der Heilige Geist in ein Herz kommt, da werden die grellen Dinge dieser Welt abgeblendet. Da sind sie auf einmal nur noch armselige, kleine Lichtlein.

Und nun wird das innere Auge frei für die göttlichen Dinge.

„Das ist das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen" (Johannes 17, 3). Amen.

 

 

(Melodie: Nun bitten wir den Heiligen Geist)

 

Du wertes Licht, gib uns deinen Schein,

Lehr uns Jesum Christ kennen allein,

Dass wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland,

Der uns bracht hat zum rechten Vaterland.

Kyrieleis.

 


Sonnabend in der 4. Epiphaniaswoche

 

Wir wissen die Zeit, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf.

Römer 13, 11

 

Es gibt immer und zu allen Zeiten „Nachtvögel", die den lieblichsten und schönsten Morgen verschlafen. Draußen ist herrlicher Morgenglanz. Sie aber haben die Läden geschlossen und – schlafen.

Sollte man da nicht ins Zimmer treten, die Fenster aufstoßen und rufen: „Die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf!"?

Sieh, so macht's die Bibel: „Die Stunde ist da."

Lange Zeit war die Stunde nicht da. Da hieß es: „Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker." Da schien natürlich auch die Sonne, die den Tag regiert. Aber in die dunklen Herzen und in die beladenen Gewissen fiel kein Strahl erbarmender Gottesliebe.

Und dann traten in der Nacht Leute auf. Die verkündigten den kommenden Tag: ein Jesaja und all die anderen Propheten.

Und wieder vergehen Jahrhunderte, nur Sekunden auf Gottes Uhr. Da tritt Johannes der Täufer auf: „Der Tag bricht an! Ich sehe schon den ersten Schimmer!"

Und nun – nun ist der Tag da! Das helle Licht der Sonne scheint in die Finsternis hinein. Die Sonne ist Jesus, der Welt Heiland. „Ich bin das Licht der Welt!" ruft Er.

Nun ist aber auch die Stunde da, aufzustehen vom Schlaf. O ihr, die ihr in der Sünde schlaft! O ihr Leute mit dem schlummernden Gewissen! O ihr, die ihr wie im Traum durchs Leben jagt oder tändelt! Wacht auf!

Es ist schrecklich und furchtbar, wenn ein Mensch den Heilstag Gottes, der in Jesus Christus angebrochen ist, verschläft. „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten!" Amen.

 

 

(Melodie: Morgenglanz der Ewigkeit)

 

Gib, dass deiner Liebe Glut

Unsre kalten Werke töte,

Und erweck uns Herz und Mut

Bei erstandner Morgenröte,

Dass wir, eh wir gar vergehn,

Recht aufstehn.

 


5. Sonntag nach Epiphanias

 

Und es begab sich, da Jesus in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voll Aussatz. Da der Jesum sah, fiel er auf sein Angesicht.

Lukas 5, 12

 

Was fiel denn nur diesem Manne ein? Hatte der denn ganz vergessen, dass er mit seinem Aussatz sich nicht sehen lassen durfte? Wusste denn der nicht mehr, dass er als Aussätziger sich von allen Menschen fernzuhalten hatte?

Oh, das wusste dieser Mann sehr gut. Und er hat sich wohl, wie es von ihm verlangt wurde, mit seinem Elend verborgen bis zu dieser Stunde.

Aber das war nun eine besondere Stunde. Nun war Jesus da. Jesus, der Heiland und Retter verlorener Menschen.

Wenn Jesus da war, dann hatte es keinen Sinn mehr, sein Elend zu verbergen. Wenn der Helfer kommt, muss das Elend ans Licht. Nun gab es nur noch eins: Er musste sich mit seinem Elend Jesus in den Weg stellen.

Es gibt auch für uns keine andere Hilfe.

Die Welt ist im Grunde immer ratlos. Die Welt will mit unserem Elend, unserer Not, unserer Friedlosigkeit, unserer Unruhe nicht behelligt werden. Sie müsste ja sonst ihre Ohnmacht eingestehen. Ganz erschütternd hat das der jünger des Herrn, Judas, erfahren müssen. Er erlebte die tiefste Not, die ein Mensch erleiden kann: Seine Sünden gingen über sein Haupt; wie eine schwere Last waren sie ihm zu schwer geworden. Und als er es nicht mehr aushielt, ging er zu Menschen: „Es ist nicht recht, dass ich unschuldig Blut verraten habe." Die Menschen empfanden das als eine Taktlosigkeit: „Da siehe du zu!"

Weil die Welt unser Elend nicht wissen will, lernen wir es, unsere tiefsten Nöte zu verhüllen wie der Aussätzige.

Aber nun ist Jesus da. Vor Ihm brauchen wir nichts zu verbergen. Ihm dürfen wir all unsre Not zeigen. „Schüttet euer Herz vor ihm aus, liebe Leute." Amen.

 

 

(Melodie: Valet will ich dir geben)

 

Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,

Bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr;

Seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür;

Der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

 


Montag in der 5. Epiphaniaswoche

 

Der Aussätzige bat Jesum: „Herr, willst du, so kannst du mich reinigen." Und Jesus sprach: „Ich will's tun; sei gereinigt.

Lukas 5, 12-13

 

Wir Menschen haben alle einen zerspalteten Willen. Bald haben wir die besten und größten Vorsätze. Kurz nachher sind wir wieder ganz mutlos und lassen uns treiben. Einmal geht es „himmelhochjauchzend" – und bald nachher sind wir wieder „zu Tode betrübt". Heute möchten wir singen: „Seid umschlungen, Millionen …" Am nächsten Tag fallen uns wieder alle Menschen auf die Nerven. – Einmal wollen wir ernsthaft Gott dienen. Und bald nachher reißen uns wieder unsere Triebe und Leidenschaften auf Wege, die wir nicht gehen wollen.

Wie ganz anders ist Jesus! Jesus ist der Einzige, wirklich der Einzige, der einen klaren, unzerteilten, ganzen und niemals abgelenkten Willen hat.

„Ich will", sagte Er zu dem Aussätzigen. Und dieses „Ich will" ist die Parole Seines ganzen Lebens, Seines Lebens nicht nur während Seiner Erdenzeit, sondern auch Seines Lebens, das Er als der Erhöhte zur Rechten Seines Vaters führt.

„Ich will", sagt Jesus. Was will Er denn? Helfen will Er! Nichts als helfen! Wirklich helfen und erretten.

Was ist das für eine wundersame und herrliche Sache, dass in dieser Welt dieser starke und unzerteilte Gotteswille steht, der in Jesus Fleisch wurde, – dieser Gotteswille, der helfen und heilen will. „Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte wiederbringen und das Verwundete verbinden und des Schwachen warten" (Hesekiel 34, 16).

Das ist in Wahrheit „frohe Kunde“! Amen.

 

 

(Melodie: Seelenbräutigam)

 

Großer Friedefürst, wie hast du gedürst't

Nach der Menschen Heil und Leben

Und dich in den Tod gegeben, da du riefst:

Mich dürst't! Großer Friedefürst.

 

Nun ergreif ich dich, du mein ganzes Ich;

Ich will nimmermehr dich lassen,

Sondern gläubig dich umfassen,

Weil im Glauben ich nun ergreife dich.

 


Dienstag in der 5. Epiphaniaswoche

 

Ich aber sprach: „Ach Herr, ich tauge nicht, zu predigen; denn ich bin zu jung."

Jeremia 1, 6

 

Ein unendlicher Schrecken befällt gerade die ernstesten Christen, wenn sie den Auftrag bekommen, Zeugen ihres Herrn in einer widerstrebenden und gottlosen Welt zu sein.

So ging es auch dem Jeremia, als das Wort des Herrn zu ihm geschah. Jeremia ist zu Tode erschrocken: „Ach, Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen, denn ich bin zu jung.“

„Ich bin zu jung im Glauben“, sagen wir, wenn der Auftrag an uns ergeht, und wollen uns erschrocken zurückziehen.

Und wie war es hei Mose? Als der Herr ihn in der Wüste am Horeb berief, da entschuldigte er sich: „Ich habe eine schwere Zunge." – „Mir liegt das nicht", sagen wir, wenn der Ruf des Herrn an uns ergeht, Seine Zeugen zu sein.

Wie gut verstehen wir den Propheten Jona, der einfach die Flucht ergriff, als der Herr ihn zum Zeugen berief!

„Ich tauge nicht!" Das ist ein wahres Wort. Wer sollte auch wohl tauglich sein, Gottes Mitarbeiter zu werden!

Aber seltsam – so richtig dieses Wort ist – Gott lässt es trotzdem nicht gelten. Gott überwand den Jeremia und machte ihn zu einem gewaltigen Zeugen. Und so überwand Gott den Mose. Und den Jona?

Und so lässt auch uns der Herr nicht los mit Seiner Forderung: „Ihr sollt meine Zeugen sein!" Und wenn wir tausendmal nicht taugen – durch diese Forderung macht der Herr offenbar, dass Er Sein Reich bauen will mit untauglichen Mitteln und Leuten, auf dass Er allein den Ruhm habe. Das ist Gottes Art, „dass mit zerbrochenen Stäben / er seine Wunder tat / und mit geknickten Reben / die Feinde untertrat." Amen.

 

 

(Melodie: Ein feste Burg ist unser Gott)

 

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;

Es streift für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren;

Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,

Der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,

Das Feld muss er behalten.

 


Mittwoch in der 5. Epiphaniaswoche

 

Denn ich wusste nicht, dass sie wider mich beratschlagt hatten.

Jeremia 11, 19

 

Ein Wanderer durchstreift das Hochgebirge. Plötzlich stockt sein Fuß. Die blühende Wiesenmatte, über die er so fröhlich und sorglos dahinschreitet, senkt sich vor ihm in eine grauenvolle Tiefe.

So erging es dem Jeremia, als ihm Gott die Augen öffnete für den Hass seiner Feinde. „Denn ich wusste nicht…" Diese furchtbaren Feinde sind ja seine Spielgenossen aus der Jugendzeit.

Seitdem er dem Herrn dient, ist eine Entfremdung zwischen ihnen entstanden. Aber dass es so stand, wusste er nicht. Nun beratschlagen sie Mordpläne. Jeremia ist auf das tiefste erschrocken. Nein, das wusste er nicht, dass die Knechte Gottes so schwere Wege gehen müssen.

Wie vielen Jüngern des Herrn Jesus geht es ebenso! Sie haben mit Freuden Sein Heil ergriffen! Aber wenn der Herr nun zu ihnen sagt: „Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich", dann sind sie aufs tiefste erschrocken.

Schon der Apostel Petrus musste seinen Brüdern schreiben: „Ihr Lieben, lasset euch die Hitze, die euch begegnet, nicht befremden, als widerführe euch etwas Seltsames. Sondern freuet euch, dass ihr mit Christus leidet" (1. Petrus 4, 12).

Die blinde Welt muss ja Jesus hassen. Und da sie ihren Zorn an Ihm nicht auslassen kann, hält sie sich an Seine Jünger.

Wollen wir gute Tage haben in der Nachfolge eines Herrn, der das Kreuz trug? Er wird uns auch Kraft gehen, Ihm unser Kreuz nachzutragen. Amen.

 

 

(Melodie: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Gut)

 

So lasst uns denn dem lieben Herrn

Mit unserm Kreuz nachgehen

Und wohlgemut, getrost und gern

Bei ihm im Leiden stehen; Wer nicht gekämpft,

Trägt auch die Kran'

Des ew'gen Lebens nicht davon.

 


Donnerstag in der 5. Epiphaniaswoche

 

Denn ich habe dir meine Sache befohlen.

Jeremia 11, 20

 

Da ist ein Kaufmann. Sein Geschäft steht schlecht. Krampfhaft bemüht er sich, seine Sache zu retten. Er geht viele schwere Wege. Unzählige Pläne wälzt er in schlaflosen Nächten.

Aber eines Tages ist der Bankrott da. Nun muss er die Hände in den Schoß legen. Und nun kommen andere Hände und nehmen sich seiner notvollen Bücher an.

Das ist der Weg der Christen. Es gibt wohl kaum einen unter ihnen, der es nicht versucht hat, seine Sache vor Gott selbst in Ordnung zu bringen. Es ging ihnen wie dem Apostel Paulus, der in Römer 7 die qualvolle Geschichte dieses „Selbstfertigwerden-Wollens" beschrieben hat: „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz." Das ist der Weg der Christen, bis eines Tages der Bankrott kommt. Ihr naiver Lebensoptimismus hat versagt. Ihre guten Vorsätze und ihr Idealismus sind zerbrochen.

Was nun?

Da kommen andere Hände und nehmen sich ihrer Sache an. Aber – und das ist nun das große Wunder ihres Lebens – diese Hände besiegeln nicht die Verzweiflung. Diese Hände bringen die Rettung. Es sind ja die Hände Jesu, die um unserer Rettung willen durchbohrt wurden.

Nun wissen sie einen neuen Weg: „Ich habe dir meine Sache befohlen." Nun ist ihr Leben und ihre Sache in guten Händen, in den durchgrabenden Händen ihres Heilandes Jesus Christus. Nun wandern sie fröhlich ihre Straße wie Kinder: „Du führst die Sache meiner Seele.“ Amen.

 

 

(Melodie: Was mein Gott wild, das gscheh allzeit)

 

Ei nun, mein Gott, so fall ich dir getrost in deine Hände.

Nimm mich und mach es du mit mir bis an mein letztes Ende,

Wie du wohl weißt, dass meinem Geist

Dadurch sein Heil entstehe,

Und deine Ehr' je mehr und mehr

Sich in ihr selbst erhöhe.

 


Freitag in der 5. Epiphaniaswoche

 

Etliche Männer brachten einen Gichtbrüchigen, und sie suchten, wie sie ihn hineinbrächten und vor Jesus legten.

Lukas 5, 18

 

„Etliche Männer –", kleine, unbekannte Leute.

Aber sie haben ein großes, heiliges Anliegen: „Unser kranker, friedeloser Freund muss zu Jesus kommen!" Das ist doch eine Sache, für die ein Einsatz lohnt.

Wir verzehren unsere Kraft so oft in Dingen, die im Lichte der Ewigkeit betrachtet unsagbar armselig und nichtig sind.

Wie anders diese unbekannten Männer: „Unser Freund muss zu Jesus!" Sie ließen sich nicht stören durch die Unruhe, die sie verursachten. Vielleicht hat der Kranke selber sich gewehrt. Und dann gab's Unwillen bei den vielen Menschen, die um Jesus versammelt waren, um Ihn zu hören. Wie mögen die gemurrt haben über diese Unruhestifter mit ihrer Bahre!

Sie ließen sich nicht stören: „Unser kranker Freund muss zu Jesus!"

Welche Mühe brachte das mit sich: Man musste den Kranken auf eine Matratze betten, musste schwer schleppen, um ihn herzutragen. Und dann fingen die Schwierigkeiten erst recht an. „Da sie vor dem Volk nicht fanden, an welchem Ort sie ihn hineinbrächten; stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hernieder mit dem Bettlein, mitten unser sie."

Die Männer sahen die Mühe nicht an: „Unser Freund muss zu Jesus!" Unser Herr schenke uns doch allen solch einen Eifer, dem nichts zuviel ist, wenn nur Menschen zu Jesus kommen. Amen.

 

 

(Melodie: Fahre fort, fahre fort)

 

Brich herfür, brich herfür,

Zion, brich herfür in Kraft,

Weil die Bruderliebe brennet;

Zeige, was der in dir schafft,

Der als seine Braut dich kennet;

Zion, durch die dir gegeb'ne Tür

Brich herfür, brich herfür!

 


Sonnabend in der 5. Epiphaniaswoche

 

Gott hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes.

Kolosser 1, 13

 

Wie doch der Teufel alles verdrehen kann! Er ist wirklich ein Lügner von Anfang an! Er hat es fertig bekommen, in Tausenden von Köpfen die Dinge völlig zu verwirren.

Es gibt Unzählige, die fürchten ganz schrecklich eine Bekehrung. Sie fürchten, damit kämen sie aus der hellen, frohen Welt in eine finstere, enge Höhle. Ja, man nennt geradezu die Jünger Jesu „Finsterlinge" und „Dunkelmänner".

In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt. Die unbekehrte Welt ist unter der „Obrigkeit der Finsternis". Solange wir nicht Jesum aufgenommen haben und „von Gott geboren" sind, sind wir in Wahrheit „Dunkelmänner" und „Finsterlinge". Wir sind Sklaven der Sünde, wir haben kein Licht über Gott und über uns selbst, wir leben ohne Hoffnung, wir halten uns an arme, vergängliche Dinge.

Und eine Bekehrung führt uns nicht aus der Sonne in die Dunkelheit, sondern umgekehrt: von der Finsternis ins Licht. Wer sich dem Herrn Jesus klar ausliefert, der ist wie ein Gefangener, dem die Türen aufgetan sind, wie einer, der aus düsterer Zelle in die helle Sonne läuft.

Denn es gibt nichts Helleres, Freundlicheres und Schöneres, als das „Reich des lieben Sohnes Gottes". Amen.

 

 

(Melodie: Wie schön leuchtet der Morgenstern)

 

Von Gott kommt mir ein Freudenlicht,

Wenn du mit deinem Angesicht

Mich freundlich tust anblicken.

O Herr Jesu, mein trautes Gut,

Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut

Mich innerlich erquicken.

Nimm mich freundlich in die Arme;

Herr, erbarme dich in Gnaden;

Auf dein Wort komm ich geladen.

 


Sonntag Septuagesimä

 

So spricht der Herr zu mir: „Gleichwie ein Löwe brüllt über seinem Raub, – wenn der Hirten Menge ihn anschreit, so erschrickt er vor ihrem Geschrei nicht und ist ihm auch nicht leid vor ihrer Menge: also wird der Herr Zebaoth herniederfahren zu streiten."

Jesaja 31, 4

 

Die Gemeinde Jesu Christi ist wohl ein armer und schwacher Haufe. Da ist es denn kein Wunder, dass unser Herz erschrickt, wenn die Welt und die Hölle sich aufmachen gegen die Gemeinde.

Die Gemeinde des Herrn muss es lernen, auf ihren Herrn zu sehen. Das Wort aus Jesaja ist in seiner wundervollen Anschaulichkeit ein herrliches Trostwort für die Gemeinde.

Ein Löwe lässt seinen Raub nicht los. Da mag der Hirten Menge noch so toben und schreien, „er erschrickt vor ihrem Geschrei nicht und ist ihm auch nicht leid vor ihrer Menge."

So steht es mit unserem Herrn. Er lässt Seinen Raub nicht los. Und Seine Gemeinde ist ja in Wahrheit Sein Raub. Jesus hat sterbend für Gott die Gemeinde erworben. Und nun gehört sie dem Herrn, und Er lässt sie nicht mehr los.

Mag die Welt noch so laut schreien – und sie schreit sehr laut –: „Der im Himmel sitzt, lachet ihrer.“

„Es ist ihm auch nicht leid vor ihrer Menge." Mögen sich Millionen gegen Ihn verbünden, wie es einmal in der antichristlichen Zeit sein wird – Ihn erschreckt ihre große Zahl nicht. „Und wenn gleich alle Teufel / hier wollten widerstehn / so wird Gott. ohne Zweifel / doch nicht zurückegehn." Der Herr weiß Seine Beute wohl zu bewahren. Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, meine Freude)

 

Unter deinem Schirmen

Bin ich vor den Stürmen

Aller Feinde frei.

Lass von Ungewittern

Rings die Welt erzittern,

Mir steht Jesus bei.

Ob's mit Macht gleich blitzt und kracht,

Obgleich Sünd' und Hölle schrecken,

Jesus will mich decken.

 


Montag nach Septuagesimä

 

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg. Darum haben wir ihn nichts geachtet.

Jesaja 53, 3

 

So hat Jesaja im Geist den kommenden Christus gesehen. Und so geschah es dann auch, als Christus kam: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste." Lärmender Spott umgab Jesus, als Er am Kreuze hing. Sie haben Ihn für nichts geachtet, die Obersten des Volkes ebenso wie der Pöbel, die römischen Soldaten ebenso wie der gehenkte Schächer.

Und all diesem Spott gegenüber steht ein Jünger Johannes und bezeugt: „Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." Da wird deutlich: Jesus ist die verhüllte Herrlichkeit.

Verhüllte Herrlichkeit ist Er auch heute noch. Da klagte einst jemand einem ernsten Christen: „Die Kirche Jesu Christi auf Erden ist doch ein armseliges Ding. Sie hat keine Macht und keine Herrlichkeit. Ihre Vertreter sind wenig überzeugende Leute. Von allen Seiten ist sie der Bedrängnis und dem Spott der Welt ausgesetzt. Wie soll da noch jemand an Jesus glauben können!"

Da erwiderte der Christ sehr nachdrücklich: „Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen."

So ist es in der Tat. Jesus offenbart Seine Herrlichkeit nicht den Augen und nicht den Sinnen und nicht der Vernunft. Darum wird es so bleiben während dieser Weltzeit, dass Er der Allerverachtetste und Unwerteste ist; dass man sein Angesicht vor Ihm verbirgt und an Ihm vorübergeht; dass man jedes irdische Ding für wichtiger erachtet als Ihn.

Aber die verhüllte Herrlichkeit wird erkannt von bußfertigen Sündern, die Vergebung wollen und Frieden mit Gott; von heilsbegierigen Herzen, die vom Geist Gottes sich erleuchten lassen. Amen.

 

 

(Melodie: Aus meines Herzens Grunde)

 

Kein Zepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt;

Im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt.

Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen,

Bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht.

 


Dienstag nach Septuagesimä

 

Er begehrt mein, so will ich ihm aushelfen.

Psalm 91, 14

 

Da ist ein sehr reiches Mädchen. Ein junger Mann wirbt glühend und mit großem Eifer um sie. Und die beiden heiraten einander.

Aber schon bald nach der Hochzeit merkt die junge Frau mit Schrecken und Betrübnis: „Mein Mann hat mich ja gar nicht lieb. Es ging ihm überhaupt nicht um mich. Es ging ihm um mein Geld."

Wir finden das Verhalten dieses Mannes abscheulich. Wir empfinden alle, dass er eine große und heilige Sache, die Ehe, erniedrigt und in den Schmutz getreten hat.

Und doch – handeln wir dem heiligen Gott gegenüber nicht ebenso? Wir kennen Gott, trauen Ihm viel Gutes zu. Und darum wenden wir uns zu Ihm. Aber es geht uns dabei meistens gar nicht um Ihn selbst. Nein, wir wollen etwas von Ihm. Wir wollen Seine Hilfe, Seinen Segen, Seinen Schutz. Wir erbitten von Ihm Gesundheit und Wohlfahrt. Nur – Ihn selber haben wir nicht lieb.

Verstehen wir, dass ein solches Verhalten unseren Gott betrüben, ja beleidigen muss?

Wie ganz anders steht es mit dem Mann, der den herrlichen 91. Psalm gedichtet hat! Er ist ein Mann, der die Nöte der gefallenen Welt wohl kannte. Er weiß zu reden vom „Strick des Jägers und von der schädlichen Pestilenz". Er kennt „das Grauen der Nacht" und „die Pfeile, die des Tages fliegen", die tausend Pfeile, mit denen das Leben uns verwundet. Und wir könnten es wohl verstehen, wenn dieser Mann dies und jenes von Gott begehrte und erbäte.

Aber Gott stellt ihm das wundervolle Zeugnis aus: „Er begehrt mein." Ein Verlangen hat er: dass er in Frieden mit Gott stehe, dass der Herr sein Herr und Heiland sei. Der Herr selbst ist ihm das höchste Gut. Er weiß: Wenn ich sprechen kann: „Der Herr ist mein Teil", dann ist alles gut. Dann darf ich nicht erschrecken „vor dem Grauen der Nacht" und „vor den Pfeilen, die des Tages fliegen".

Um den Herrn muss es uns gehen, der uns in Jesus liebt. Amen.

 


Mittwoch nach Septuagesimä

 

Wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebet hat.

Römer 8, 36-37

 

So schrieb Paulus.

Ich glaube nicht, dass wir Christen von heute das so ohne weiteres nachsprechen können.

Wir überwinden nicht weit; wir überwinden auch nicht knapp. Wir überwinden überhaupt nicht. Wir werden vielmehr über-wunden. Wenn Gott unsere Pläne durchkreuzt, wenn Schweres in unser Leben bricht, ja, wenn wir gar „geachtet sind wie Schlachtschafe", wenn die Welt uns verspottet oder verfolgt um unseres Glaubens willen, – dann lassen wir uns überwinden.

Das ist aber nicht in Ordnung, da stimmt etwas nicht.

Warum konnte Paulus „weit überwinden"? Er sagt es selbst: „um deswillen, der uns geliebt hat". Der Mann, der uns bis in den Tod und in alle Ewigkeit geliebt hat und liebt, ist Jesus. Die Liebe Jesu, die vor allem in Seinem Kreuzestod hervorbricht, ist die Kraftquelle für alles Überwinden.

Wenn es nun bei uns mit dem Überwinden nicht weit her ist, dann liegt das an unserer gebrochenen Stellung zu Jesus. „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz." Ist das bei uns der Fall? Wenn die Leitungen verstopft sind, kann das Wasser nicht fließen. Wenn die Kabel zerrissen sind, kreist der Strom nicht durch den Draht.

Das ist sicher: Lassen wir der Liebe Jesu Raum in unserem Leben, dann „überwinden wir weit".

Weit! Nicht so, dass wir gerade noch durchkommen. O nein! Weit! Es bleibt noch Kraft übrig zum Loben, zum Freuen – zum Weitergeben an andere. Amen.

 

 

(Melodie: Komm, o komm, du Geist des Lebens)

 

Liebe, die für miede gelitten

Und gestorben in der Zeit, Liebe,

die mir hat Erstritten

Ew'ge Lust und Seligkeit:

Liebe, dir ergeb' ich mich,

Dein zu bleiben ewiglich.

 


Donnerstag nach Septuagesimä

 

Wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebet hat.

Römer 8, 36-37

 

Gott ist ein starker und wundersamer Gott. Das erfahren die Kinder Gottes, die mit Gott versöhnt sind, in ihren Führungen. Gott zwingt Seine Kinder in die Not hinein. „Wir sind geachtet wie Schlachtschafe", sagt der Apostel Paulus. Er hat diesen Satz übernommen von dem Sänger des 44. Psalms. Und die Männer Gottes im Alten wie im Neuen Bund haben die Bitterkeit dieser Wahrheit bis zum Zerbrechen am eigenen Leibe erfahren.

Christenweg ist Kreuzesweg. So wird es bleiben bis zum Ende. Und wenn wir uns auch wehren: Unser Gott ist stark. und zwingt uns unter das Kreuz.

Ja, unser Gott ist stark. Darum kann Er aus der Not herausreißen.

Die ganze Bibel und die Geschichte der Gemeinde ist voll von Zeugnissen, dass unser Herr retten kann, wo keine Rettung mehr ist. Es ist Ihm „ein Geringes, durch viel oder wenig zu helfen".

Aber unser Gott ist so stark, dass Er noch Größeres als dies kann. Er kann Seine Kinder in der Not überwinden lassen.

Davon rühmt Paulus in unserem Wort. Furchtbar klingt es zu-erst: „Wir sind geachtet wie Schlachtschafe." Und dann kommt nicht ein Sterbenswörtlein, dass dieser Zustand abgestellt würde. Stattdessen kommt ein Jubelwort: Wir wissen von Einem, der uns überschwänglich liebt. Der liebt uns so, dass Er unsere Schuld wegtrug. Nun ist Seine Liebe ausgegossen in unser Herz. Und um deswillen überwinden wir weit – mitten in der Not. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Was Gott tut, das ist wohlgetan,

Er ist mein Licht und Leben,

Der mir nichts Böses gönnen kann;

Ich will mich ihm ergeben

In Freud und Leid,

Es kommt die Zeit,

Da öffentlich erscheinet,

Wie treulich er es meinet.

 


Freitag nach Septuagesimä

 

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Römer 8, 28

 

Zunächst muss einmal darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich hier nicht um eine tröstliche Vermutung handelt – was übrigens auch Unsinn wäre; denn eine Vermutung ist nie tröstlich –, sondern um eine felsenfeste Gewissheit derer, „die nach dem Vorsatz Gottes berufen sind".

Man hat sich oft den Kopf darüber zerbrochen, ob ein dunkles Geschehnis, ein schweres Erlebnis von Gott oder vom Teufel komme; ob es von Gott gewollt sei, oder ob es nur „zugelassen" sei von Ihm.

Diese Frage ist für den geistlichen Menschen überflüssig geworden. „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen."

Das ist schwer zu fassen. Es geschieht doch so viel, was uns zum Schaden ist. Wenn ein Jünger Jesu um seines Glaubens willen leiden muss – wenn in einer gläubigen Familie der Hausvater durch ein Unglück herausgerissen wird – das ist doch ein Schade!

„Nein", sagt der Glaube, „es ist zum Besten."

Das sagt der Glaube gegen alle Vernunft. Denn er kann es nicht beweisen. Er sagt es in der Hoffnung, dass es einmal am Tag Christi offenbar werden wird. Aber er sagt es in großer Gewissheit: „Wir wissen aber…"

Dies „Aber" erklärt dem Augenschein und der rechnenden Vernunft den Krieg und fasst die Hand Gottes.

Wie getrost können wir sein: Nichts ist uns ein Schade. Amen.

 

 

(Melodie: So nimm denn meine Hände)

 

Wenn ich auch gleich nichts fühle

Von deiner Macht,

Du führst mich doch zum Ziele

Auch durch die Nacht:

So nimm denn meine Hände

Und führe mich

Bis an mein selig Ende

Und ewiglich!

 


Sonnabend nach Septuagesimä

 

Und ihr sprecht: „Siehe, es ist nur Mühe!" und schlaget's in den Wind, spricht der Herr Zebaoth.

Maleachi 1, 13

 

Es ist erstaunlich, wie der Herr das Menschenherz kennt und wie Sein Wort die heimlichen Gedanken des Herzens aufdeckt. Da redet Gott mit Seinem alttestamentlichen Volke über ihre Gottesdienste und Opfer. Wahrscheinlich sind die Leute bei diesem Reden des Propheten Maleachi zuerst sehr ärgerlich aufgefahren: „Was will denn der? Die Gottesdienste werden doch gehalten! Und die Opfer finden regelmäßig statt."

Da zieht Gott den Vorhang von ihren Herzen: „Ihr sprecht: Es ist nur Mühe." Was euch größte Lust sein sollte: das Beten, Loben, Opfern, – es ist euch eine Last, eine Mühe, eine Zeitversäumnis, die ihr euch am liebsten ersparen möchtet. – Dass ihr im Opfer Versöhnung und freien Zugang zum Herzen Gottes habt – euch ist diese Gabe nichts, ihr schlagt sie in den Wind.

Das Menschenherz hat sich seit den Zeiten, Maleachis nicht geändert, trotz aller Fortschritte. Es ist unlustig zu allen geistlichen Dingen.

Das MaIeachi-Wort richtet sich auch an die heutige „Gemeinde". „Ja, gesteht nur", sagt es, „ihr haltet wohl Gottesdienste. Aber sie sind euch keine Lust, sondern Last. Ihr wisst, dass ihr stille werden solltet vor Gott – aber ihr habt keine Lust. Ihr wisst, dass ihr Hauspriester sein solltet in euren Familien – aber ihr habt keine Zeit. Ihr wisst, dass Gottes Wort ein Schatz ist. Aber die Schätze der Welt reizen euch mehr."

Unsere geistliche Trägheit richtet der Herr. Lasst uns erschrecken und Buße tun. Amen.

 

 

(Melodie: Meinen Jesum lass ich nicht)

 

Eine Stunde, da man ihn

Recht ins Herze sucht zu schließen,

Gibt den seligsten Gewinn,

Gnad' und Friede zu genießen;

Ein nach ihm geschickter Blick

Bringt viel tausend Lust zurück.

 


Sonntag Sexagesimä

 

Und ihr bringt her, was geraubt, lahm und krank ist… Sollte mir solches gefallen von eurer Hand? spricht der Herr.

Maleachi 1, 13

 

Sie taugen nichts, unsere Opfer! Nein sie taugen alle nichts! Es ist nicht ein einziges Werk in deinem Leben, das nicht „krank und lahm" wäre und über dem nicht Gottes Urteil stünde: „Sollte mir solches gefallen von eurer Hand?"

Das ist nicht ein trostloser Pessimismus, sondern einfach eine wahre Tatsache. Wer sich der Wucht dieser Tatsache entziehen will, kann das natürlich tun. Er kann seine Werke und Lebensopfer mit den Jupiterlampen seines eigenen Wohlgefallens und des Menschenbeifalls anstrahlen. Aber am Jüngsten Tage wird er nun erst recht hören: „Sollte mir solches gefallen? spricht der Herr."

Es ist vor Gott alles so hoffnungslos verdorben durch die Sünde, dass es mit allen unseren Opfern nichts ist.

Aber Gott ist ja der, von dem es heißt, dass Er sich unserer Seele herzlich angenommen hat. Weil es mit uns nichts ist, muss Er selbst sorgen. Auch für ein wohlgefälliges Opfer, das nicht „geraubt, krank und lahm" ist; für ein Opfer, das uns wirklich versöhnt und nicht neu belastet; für ein Opfer, das den Zorn stillt und das Gericht zum Stehen bringt – und nicht neues Gericht herbeiführt.

Ja, für solch ein Opfer hat Gott gesorgt. Jesaja sah es im Geiste, als er sprach: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt."

Johannes der Täufer sah und erkannte als erster dies von Gott geschenkte Opferlamm. Jubelnd sagt er zu seinen Jüngern – und deutet auf Jesus –: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!"

Sollte mir solches gefallen – von meiner Hand?" spricht der Herr. Ja, das ist das Opfer, das allein Ihm wohlgefällt. Und wer im Glauben dies Opfer Jesu sein Opfer sein lässt, den nimmt Gott um dieses Opfers willen an. So haben wir vor Gott nichts zu rühmen als das Verdienst Jesu. Aber dessen dürfen wir uns rühmen. Amen.

 


Montag nach Sexagesimä

 

Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen.

Lukas 15, 2

 

So, nun ist es endlich heraus!

Sie haben sich über vieles geärgert an Jesus. Aber nun haben sie das Entscheidende gefunden: Ein Mann, der den Anspruch macht, Gottes Sohn zu sein, Christus zu sein, – der lässt sich ein mit Sündern! Das ist ja unerhört! Das macht Ihn unmöglich! Damit ist Er erledigt!

Laut sagen sie ihre vernichtende Entdeckung heraus: „Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen." Und damit verkündigen die Feinde. Jesu –. ohne es zu wissen und zu wollen – die „frohe Kunde“, das Evangelium. Denn allerdings – das ist das Entscheidende an Jesus: „Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen."

Die Pharisäer verstehen das nicht. Ja, wer versteht es denn in unseren Tagen? Da meint man, wenn man nur recht ordentlich und tapfer im Leben stehe, dann sei mit Gott schon alles recht und in Ordnung. Wenn man so steht, muss man natürlich den Sünderheiland und das arme Häuflein, das sich um Ihn schart, verachten.

Und da sind andere. Die nehmen es ernster. Es ist ein Licht von Jesu Angesicht in ihr Herz gedrungen. Da möchte man so gerne mit diesem Jesus sein. Man möchte so gerne mit Ihm ein Kind Gottes sein. Aber man meint, der Heiland wäre ein Heiland der Frommen und Guten. Und da gibt man sich viel Mühe, fromm und gut zu werden. Und man kann es doch nicht. Im Gegenteil. Es wird immer schlimmer. Man entdeckt auf einmal Sünde ringsum. Nichts als Sünde. Da läuft man verzweifelt hinter Gott her – und hat doch Sein Gericht im Gewissen.

„Dieser nimmt die Sünder an." Jesus ist ein Heiland der Sünder, die gerne selig werden möchten und gar keine Möglichkeit dazu sehen. Welche Seligkeit geht auf in einem erschrockenen Herzen, wenn man das erfährt: „Er nimmt mich an.“ Amen.

 

 

(Melodie: Meinen Jesum lass ich nicht)

 

Jesus nimmt die Sünder an, mich hat er auch angenommen

Und den Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm kommen

Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

 


Dienstag nach Sexagesimä

 

Und Johannes kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

Lukas 3, 3

 

Es gibt Dinge, die gehören untrennbar zusammen: zum Beispiel die zwei Seiten einer Münze. Wer die Zahl auf der Münze haben will, muss auch das Wappen mit in Kauf nehmen.

Oder wer um seiner Gesundheit willen Höhenluft braucht, der muss in die Berge gehen. Es gibt auch sonst schöne und gesunde Plätze. Aber Höhenluft und Berge – das gehört zusammen.

So gibt es auch im geistlichen Leben innere, notwendige Zusammengehörigkeiten. Johannes der Täufer nennt in seiner Predigt zwei Worte, von denen eins nicht ohne das andere bestehen kann: Buße und Vergebung der Sünden.

Wo keine gründliche Buße ist, da gibt es keine Vergebung der Sünden. Da bleibt man unter seiner Schuld und fährt in seinen Sünden dahin – ohne Gnade und ohne Erbarmen. Wir möchten wohl, Gott sei so ein freundlicher, gütiger alter Vater, der gegen unsere Sünden ein Auge zudrückt und „nicht so kleinlich" ist.

Täuschen wir uns doch ja nicht! Gott schließt keinen Frieden mit irgendeiner Sünde. Und ehe wir uns nicht unter Gottes Urteil beugen und Buße tun, gibt es keine Vergebung. Und wo keine Vergebung ist, da ist kein Leben und keine Seligkeit!

Aber wie es keine Vergebung ohne Buße gibt, so gibt es keine Buße ohne das Wissen um die Gnade. Zum Buße-Tun gehört ein großes Vertrauen. Aber dies Vertrauen, mich bußfertig ganz in Gottes Hand zu geben, bekomme ich, weil ich weiß, dass Gott in Jesus gnädig ist.

Gott schenke uns ein rechtes geistliches Leben in Buße und Vergebung. Amen.

 

 

(Melodie: Meinen Jesum lass ich nicht)

 

Keiner Gnade sind wir wert;

Doch er hat in seinem Worte

Eidlich sich dazu erklärt.

Sehet nur, die Gnadenpforte

Ist hier völlig aufgetan:

Jesus nimmt die Sünder an.

 


Mittwoch nach Sexagesimä

 

Zu der Zeit kam Johannes der Täufer… Und er ist der, von dem der Prophet Jesaja gesagt und gesprochen hat…

Matthäus 3, 1+3

 

Die Erfüllung beginnt!

Es ist ja etwas so Wunderbares um den Zusammenklang des Neuen mit dem Alten Testament! Wie die Präzisionsarbeit zweier Zahnräder greifen die beiden ineinander.

Seltsame Dinge hat Jesaja im Geist gesehen und verkündigt. Er starb. Jahrhunderte gingen ins Land.

Da kommt der Täufer. „Er ist der, von. dem Jesaja gesagt und gesprochen hat.“ Die Erfüllung uralter Weissagungen und Prophezeiungen hat ihren Anfang genommen.

Und nun geht es weiter. Es bleibt ja nicht stehen bei Johannes dem Täufer.

Da ist ein anderer, von dem Jesaja auch gesagt und gesprochen hat: „Der Herr warf unser aller Sünden auf ihn.“

Auch der kommt! Die Erfüllung geht weiter. Johannes zeigte auf Ihn und sagte seinen Jüngern: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünden trägt.“

Aber die Erfüllung geht noch weiter. Jesaja hat ja nicht nur vom Täufer und von Jesus geweissagt. Er hat auch „gesagt und gesprochen" – von uns, jawohl, von mir!

Was hat er denn da gesagt? „So spricht der Herr: Ja, mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden, und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Siehe, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht."

So sind auch wir mit eingeschlossen in die alte Verheißung. Und nun liegt alles daran, dass wir selbst ein Stück Erfüllung der Verheißung werden. Amen.

 

 

(Melodie: Von Gott will ich nicht lassen)

 

Mit Ernst, o Menschenkinder,

Das Herz in euch bestellt,

Bald wird das Heil der Sünder,

Der wunderstarke Held,

Den Gott aus Gnad allein

Der Welt zum Licht und Leben

Versprochen hat zu geben,

Bei allen kehren ein.

 


Donnerstag nach Sexagesimä

 

Bereitet dem Herrn den Weg!

Matthäus 3, 3

 

Wir können ja gar nichts dazu tun, dass der Herr Jesus mit all Seinem Heil zu uns kommt.

Wie haben die Männer des Alten Bundes Ihn erwartet! Es ist wie ein Schrei aus gequältem Herzen, wenn Jesaja ruft: „O dass du den Himmel zerrissest und führest herab!" Aber es gab wirklich gar keine Möglichkeit, gen Himmel zu fahren und den Herrn herabzuholen.

Und ebenso wenig können wir etwas dazu tun, dass Er zu uns kommt. Wenn Er an uns vorübergehen und uns in all unserer Gottlosigkeit sitzen lassen wollte – wer wollte Ihn hindern?

Aber Er kommt! Er kommt ganz von selbst und freiwillig! Und wenn wir ganz elend und verlassen wären – Er kommt!

Wenn wir nun aber auch nichts dazu tun können, dass Er kommt – eins vermögen wir zu tun: Wir können Ihm den Weg bereiten.

Und das wollen wir! Sonst tun wir nämlich etwas Schreckliches. Sonst verbauen wir Ihm den Weg. Und weil Er sich niemand aufdrängt, geht Er dann vorbei. Bedenkt – unser einziges, ewiges Heil geht vorbei! Wie finster muss es uns dann werden! Nein, lasst uns Ihm den Weg bereiten!

Wie man das macht? Oh, das wissen wir ja ganz genau. Unser Gewissen, das uns verklagt, und unsere Sehnsucht nach Gott sagen es uns. Und der Heilige Geist, der vor Jesus her vorbereitend wirkt, lehrt es uns.

Gebt nur den Willen her: „Bereitet dem Herrn den Weg!" Amen.

 

 

(Melodie: Valet will ich dir geben)

 

Wie soll ich dich empfangen

Und wie begeg'n ich dir,

O aller Welt Verlangen,

O meiner Seele Zier?

O Jesu, Jesu setze

Mir selbst die Fackel bei,

Damit, was dich ergötze,

Mir kund und wissend sei.

 


Freitag nach Sexagesimä

 

Alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden.

Lukas 3, 5

 

Dem Heiland und Herrn soll die Bahn bereitet werden. Dazu sollen „alle Berge und Hügel erniedrigt werden".

Es ist ja klar, dass Johannes hier nicht ein Straßenbauprogramm entwerfen wollte. Es geht ihm um geistliche Dinge.

„Berge und Hügel" – das sind die Herzen, die sich erheben, weil sie hoch von sich denken. Es ist nun anzunehmen, dass wir das auch tun. Warum sollten wir auch nicht hoch von uns denken?! Sind wir nicht Leute, die etwas leisten? Sind wir nicht nützliche Glieder der Volksgemeinschaft? Sind wir nicht christlich? Sollten nicht Gott und Menschen – von kleinen Schwächen abgesehen – mit uns zufrieden sein?

Also – warum sollten wir nicht hoch von uns denken? Und wenn wir uns auch in aller Bescheidenheit vielleicht nicht gerade für „Berge" halten, so sehen wir uns doch wenigstens als „Hügel" an.

Da hinein fährt das harte Wort des Täufers: „Bereitet dem Herrn den Weg! Alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden!"

Wo Jesus, das Heil, gehen und hinkommen soll, da kann kein Berg, ja nicht der kleinste Hügel stehen bleiben. Sie „sollen erniedrigt werden".

Darum demütigt uns Gott. Darum führt Er uns in Not und Angst. Darum lässt Er's uns nicht gelingen. Darum überführt Sein Geist uns von unserm ganzen großen Sündenelend, das wir vorher gar nicht sahen.

Gott trägt Berge ab. Preis Ihm, dass Er es tut! Amen.

 

 

(Melodie: Von Gott will ich nicht lassen)

 

Ein Herz, das Demut liebet,

Bei Gott am höchsten steht;

Ein Herz, das Hochmut übet,

Mit Angst zugrunde geht;

Ein Herz, das richtig ist

Und folget Gottes Leiten,

Das kann sich recht bereiten,

Zu dem kommt Jesus Christ.

 


Sonnabend nach Sexagesimä

 

Alle Täler sollen voll werden.

Lukas 3, 5

 

Ein Wort aus der Verkündigung des Täufers!

Oh, etwas Wundervolles will Johannes sagen. Unter den Vielen, die zu ihm an den Jordan kamen, sah er manch einen mit einem gedemütigten Geist. Der hatte Ideale gehabt – die waren zerbrochen. Der hatte moralische Vorsätze gehabt – die waren zersplittert wie Glas. Der hatte nach Gotteserlebnissen gesucht – und es war nur Enttäuschung geblieben. Der hatte groß von sich gedacht – und war sehr klein geworden. Menschen mit einem gedemütigten Geist, der in sich selber nicht mehr hoch sein will und kann – das sind die „Täler", von denen Johannes redet.

David, dem Nathan seine Sünde gezeigt hat und der nun vor Gott im Staub liegt – die große Sünderin, die vor Jesus niedersinkt – Zachäus, der sehnsüchtig auf dem Maulbeerbaum sitzt – Petrus, der den Hahn krähen hört und bitterlich weint – das sind solche „Täler".

Die sollen „voll werden". Ja, womit soll denn so ein gedemütigter Geist ausgefüllt werden, so dass dem Heiland, dem Herrn Jesus, der Weg bereitet wird. Womit?

Mit einem ganz großen Vertrauen, dass dieser Jesus der Mann ist, der alles gut machen wird, der alles Zurechtbringen wird, der jeden Schaden heilen und jede Sehnsucht stillen wird.

Solch ein Vertrauen schenkt der Heilige Geist. Ja, wie gestaute Wasser in ein Talbecken, so ergießt sich der Heilige Geist in einen gedemütigten Geist. Und da tut Er Sein Werk, bis die Bahn bereitet ist dem, der da kommen soll. Amen.

 

 

(Melodie: Nun komm der Heiden Heiland)

 

Sei willkommen, o mein Heil!

Hosianna, o mein Teil!

Richte du auch eine Bahn

Dir in meinem Herzen an.

 

Tritt der Schlangen Kopf entzwei,

Dass ich aller Ängsten frei

Dir im Glauben um und an

Selig bleibe zugetan.

 


Sonntag Estomihi

 

Du bereitest vor mir einen Tisch.

Psalm 23, 5

 

Da ist Jahrmarkt! Die Händler haben ihre Tische aufgebaut und ihre Waren ausgebreitet: „So, ihr Leute, nun kommt und glaubt, dass all die ausgebreiteten Waren auserlesene Herrlichkeiten sind!"

Machen wir es nicht auch so? Wir bauen gleichsam einen Tisch auf und breiten darauf aus alle unsere Vorzüge und guten Werke: „Ich glaube an Gott", und „Ich tue recht und scheue niemand." Wir breiten aus unsere Verdienste um unser Volk. Wir breiten aus unsere Mildtätigkeit und alles das, was wir für andere getan haben. Es ist eine ganze Menge, was wir so auszubreiten wissen.

Wir Menschen haben untereinander, einen stillen Vertrag geschlossen, dass wir uns gegenseitig unsere Auslagen anerkennen wollen. So meinen wir schließlich, Gott müsse unseren „Tisch" auch anerkennen.

Aber – das ist das Furchtbare – Er denkt nicht daran. „Ihr Tisch werde vor ihnen zum Fallstrick" (Psalm 69, 23), sagt Sein Wort so ernst. Er stößt uns unseren Tisch um und zieht ans Licht, was wir hinter dem Tisch verborgen haben: all unsere Sünde und Schuld und Flucht vor Gott.

Wäre es nicht viel besser, wir würden auf dieses ganze Spiel mit unserem Tisch verzichten? Wir können Gott ja doch nicht damit betrügen.

Wer es aufgibt, seinen „Tisch" aufzustellen, der erlebt: „Du bereitest vor mir einen Tisch." Da liegen nicht mehr unsere Vorzüge und unsere Verdienste. Da ist etwas Besseres: Da sind die guten Werke und Verdienste unseres Herrn und Heilandes. Und dieser „Tisch", den Gott selbst bereitet hat, der hat ewige Geltung. Amen.

 

 

(Melodie: Der am Kreuz ist meine Liebe)

 

Auf dich setz ich mein Vertrauen,

Du bist meine Zuversicht;

Dein Tod hat den Tod zerhauen,

Dass er mich kann töten nicht.

Dass an dir ich habe teil,

Bringet mir Trost, Schutz und Heil;

Deine Gnade wird mir geben

Auferstehung, Licht und Leben.

 


Montag nach Estomihi

 

Darum schämt er sich nicht, sie Brüder zu heißen.

Hebräer 2, 11

 

Darüber muss man ja immer wieder neu nachdenken: Warum kam der Sohn Gottes in die Welt? Warum hat Er Sein Leben für uns in den Tod gegeben? Warum geht der Erhöhte bis zu dieser Stunde mit Seiner suchenden Liebe uns nach? – Kurz, was hat Er nur an uns für ein Wohlgefallen gefunden, dass Er soviel an uns gewendet hat und noch heute soviel an uns. wendet? Unser Wort gibt uns Licht: Jesus sieht die Menschen an als Seine Brüder.

Er sah nicht an unsere Sünde. Er sah nicht an unseren Trotz und Ungehorsam. Wenn Er das angesehen hätte, wäre es nie zu der großen Heilstat Gottes gekommen.

Jesus sah uns vielmehr an als Söhne und Töchter Seines Vaters, als Kinder Gottes. Gerade weil Er diesen unseren Adel sah, sah Er tiefer als ein anderer die furchtbare Verlorenheit. Aber Er sah uns eben an – wenn auch als verlorene Kinder Gottes, so eben doch als Kinder Gottes, „geschaffen ihm zum Bilde".

„Darum schämt er sich nicht, uns Brüder zu heißen."

Das ist die Verheißung, die über jedem Menschenleben steht, solange man sich nicht bewusst gegen diese Gnade verstockt. Nun mag ein Menschenkind noch so ferne von Gott sein, nun mag sich jemand in die tiefsten Abgründe der Sünde verloren haben, nun mag einer gegen Gott toben und lästern wie Saulus – das letzte Band mit dem Himmel ist noch nicht zerrissen. Wohl steht furchtbar der Zorn Gottes über ihm. Aber über ihm steht auch wie eine gnädige Verheißung: Jesus schämt sich nicht, ihn Bruder zu heißen.

Wer das begreift, der hält es in der Finsternis nicht mehr aus. Der macht sich auf und sucht Jesus, der sein Retter und Versöhner ist. Amen.

 

 

(Melodie: Komm, o komm, du Geist des Lebens)

 

Liebe, die du mich erkoren,

Eh' ich noch geschaffen war,

Liebe, die du Mensch geboren

Und mir gleich wardst ganz und gar:

Liebe, dir ergeb ich mich,

Dein zu bleiben ewiglich.

 


Dienstag nach Estomihi

 

Da aber Herodes seinen Jahrestag beging, da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen.

Matthäus 14, 6

 

O dies wilde Fest! – Dies ausgelassene Fest!!

Für viele war es nichts anderes, als dass sie zu ihren alten Sünden neue hinzutaten. Aber für Herodes wurde dies Fest zu einer Entscheidung. Zu einer entsetzlichen Entscheidung! Zur Entscheidung gegen Gott, gegen Gottes Wort, gegen Gottes Gnade. Er entschied sich gegen seiner Seele Seligkeit.

So kam es:

Der Herodes lebte in Sünden, bis eines Tages Johannes der Täufer ihn ins Gesicht hinein strafte: „Es ist nicht recht, dass du deines Bruders Weib habest!" Das brachte den König maßlos auf, und er warf Johannes ins Gefängnis.

Aber nun war sein Gewissen aufgewacht und unruhig. Er merkte wohl auch, dass es dieser Johannes im Grunde besser mit ihm meinte, als all die Schmeichler an seinem Hofe.

So stieg er manches Mal die Stufen zum Kerker des Johannes hinunter und hörte dem Gefangenen zu. Ja, „Herodes fürchtete den Johannes. Denn er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war; und er gehorchte ihm in vielen Sachen und härte ihn gerne."

Welch eine Gnadenzeit! Da arbeitete der Geist Gottes am Herzen des Königs. Er wurde hin und her gerissen. Sein Gewissen gab dem Johannes Recht. Alles konnte gut werden.

Da – kam das Fest. Das wilde, zuchtlose, ausgelassene Fest. Da gewann Satan das Spiel. Da bekam die Sünde Macht. Der durch Sinnenlust und Alkohol berauschte Herodes entscheidet sich gegen Johannes und lässt ihn am selben Tage noch enthaupten. Er entscheidet sich gegen seiner Seele Seligkeit. Eine furchtbare Geschichte! Diese Geschichte hat sich oft wiederholt bis in unsere Tage. Viele vom Geist Gottes gewirkte Pflänzlein des Glaubens und der Heilserkenntnis sind zerstört worden in wenigen Stunden der Lust. „Fliehe die Lüste der Jugend." Amen.

 

 

(Melodie: Ringe recht)

 

O du Abgrund aller Güte,

Zieh durchs Kreuz in dich hinein

Geist, Seel, Herz, Sinn und Gemüte,

Ewig mit dir eins zu sein!

 


Mittwoch nach Estomihi

 

Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es denn dies Haus tun, das ich gebaut habe?

1. Könige 8, 27

 

Ob wir in China oder Südamerika, in Ägypten, Italien oder Griechenland reisen, überall finden wir Tempel und Trümmer von Tempeln. Die zeugen davon, wie der Mensch immer wieder versucht hat, Gott gleichsam einzufangen und Ihm eine Wohnung in unserer Mitte zu bereiten.

Da war in uralter zeit ein junger König Salomo. Der hat auch mit ganzer Liebe und großem Eifer ein „Gotteshaus" gebaut. Aber bei der Einweihung dieses wundervollen Tempels sprach er es klar aus: Dieser Tempel kann niemals Gottes Wohnung sein. Er ist nur Opfer- und Gebetsstätte. Denn „der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen, wie sollte es denn dies Haus tun, das ich gebaut habe!"

Salomo hatte Recht. Unser Gott ist so unendlich groß, herrlich und gewaltig, dass die ganze Schöpfung Ihn nicht fassen und beherbergen kann.

Und doch – und das ist wunderbar! – diesem großen Gott hat es Wohlgefallen, sich ein Heim und eine Wohnung zu suchen in dem kleinsten Raume, der nur denkbar ist: im Herzen von Menschenkindern.

Der Sohn Gottes, Jesus, hat gesagt: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen."

Das ist ein wunderbares und anbetungswürdiges Ding, dass unser Herz sein soll, was der schönste Tempel nicht sein konnte: Gottes Wohnung. Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, meine Freude)

 

Wem du dich gegeben,

Kann in Frieden leben,

Er hat, was er will;

Wer im Herzensgrunde

Lebt mir dir im Bunde,

Liebet und ist still.

Bist du da und innig nah,

Muss das Schönste bald erbleichen

Und das Beste weichen.

 


Donnerstag nach Estomihi

 

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Lukas 20, 17

 

Ununterbrochen baut der Mensch. Er baut Tempel und Denkmäler, Städte und Staaten, Kasernen und Reiche. Er baut Philosophien und Weltanschauungen, Religionen und Theorien. Und in all dem Bauen der Generationen sind sich die Menschen darin einig: Jesus ist ganz und gar ungeeignet, eingebaut zu werden in das menschliche Bauen. Ob man Reiche baut oder Gedankensysteme: mit Jesus weiß der Mensch nichts anzufangen. Er ist in Wahrheit der Stein, den die Bauleute dieser Welt verworfen haben.

Aber damit ist der „Fall Jesus" nicht entschieden. Es ist nämlich noch ein anderer da. Der baut auch. Der baut durch Jahrhunderte und Jahrtausende, stetig und ungehindert. Dieser gewaltige Bauherr ist der lebendige Gott. Er baut Seine Gemeinde als Seinen heiligen Tempel.

Dieses stille Bauen Gottes ist der Welt oft unheimlich. Ihr eigenes Bauwerk bleibt Stückwerk, Torso. Oder es fällt in Trümmer. Ein Bauplan löst den anderen ab. Und ein Bauherr den anderen. – Kein Wunder, dass es der Welt unheimlich ist, dass es Einen gibt, dessen Bauen nicht unterbrochen wird, dessen Bau nicht stecken bleibt und nicht veraltet.

Und darum versucht die Welt je und dann, Gottes Bauen zu hindern. Aber solches Tun ist vergeblich. Gottes Bauen wird nicht mehr erschüttert. Denn Er hat einen starken und unbeweglichen Grund- und Eckstein gelegt: Jesus Christus.

Diesen Jesus, den die Schriftgelehrten als ungeeignet verwarfen beim Bau ihrer Religion, diesen Jesus, den Pilatus verachtete, weil Er nichts bedeutete für den Bau des römischen Reiches – diesen Stein, den die Bauleute verworfen haben – den hat Gott zum Eckstein Seines Tempels, Seiner Gemeinde, Seines ewigen Reiches gemacht. Amen.

 

 

(Melodie: Sonne glänzt auf deinen Fluren)

 

Einst wie lauter Morgenröte

In der Welten dunkle Nöte

Bricht dein Tag voll Herrlichkeit.

Dann wirst du dein Reich vollenden,

Alle Kampfesnot beenden:

Herr, wir steten für dich bereit.

 


Freitag nach Estomihi

 

…erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.

Epheser 2, 20

 

Was Gott tut, das tut Er gründlich.

Wenn es Gott gefallen hat, sich Seine Gemeinde als Seinen Tempel zu erbauen, dann baut Er so, dass dieser Bau auf festen Grundlagen ruht und unerschütterlich steht.

Der Eckstein dieses Baues ist Jesus. Er ist wohl der Stein, „den die Bauleute verworfen haben." Aber es gefällt Gott, den heiligen Geistesbau Seines Tempels zu bauen, ohne die Bauleute in der Welt um ihren Rat zu fragen. Er hat das auch nicht getan, als Er die Fundamente für den Bau legte. Die Fundamente sind die geistesgeweckten Zeugnisse der Apostel und Propheten, wie wir sie in der Heiligen Schrift finden.

Die Welt ist wieder außer sich. „Wie können denn diese Schriften der Bibel ein unbewegliches Fundament sein für einen ewigen Gottesbau?" Das kann doch schon ein kleiner Junge mit großen Worten nachweisen, dass diese Apostel und Propheten anfechtbare Leute seien und dass auch ihr Zeugnis recht wohl anfechtbar sei und vor den Augen einer kritischen Vernunft nicht bestehen könne.

So ist nun unser Gott, dass Er auch dieses Gelärme sich nicht anfechten lässt. Ihm hat es nun einmal gefallen, dies Buch, diese umstrittene, arme, verachtete Bibel, zum Grund und Fundament Seiner Gemeinde zu machen.

Wenn es aber so steht, dann kann dies Fundament, dieser Grund der Bibel, doch nicht so schlecht sein, wie die blinde Welt behauptet. Dann dürfen wir uns doch wohl getrost diesem Fundament anvertrauen.

Ja, das dürfen wir! Versucht es nur einmal. Und ihr erlebt: Dies Wort ist stark, unendlich stark. Es trägt mich. Es ist Verlass darauf. Ein gutes Gottes-Fundament! Amen.

 

 

(Melodie: O Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Dein Wort ist unsres Herzens Trutz

Und deiner Kirche wahrer Schutz.

Dabei erhalt uns, lieber Herr,

Dass wir nichts andres suchen mehr.

 


Sonnabend nach Estomihi

 

Und auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause!

1. Petrus 2, 5

 

Unser Gott handelt wirklich merkwürdig und jedenfalls ganz anders als Menschen.

Dass Gott einen Tempel haben müsse hier auf Erden – das ist uns allen klar. Wenn wir das Wort „Tempel“ hören, dann steht vor unserer Seele das Bild eines herrlichen Bauwerkes, mit geschmückten Hallen und stolzen Säulen.

Gott aber verschmäht solchen Tempel. „Gott wohnt nicht in Tempeln, von Menschenhänden gemacht." Er will in einem seltsamen Tempel wohnen, in einem Tempel, aus lebendigen Bausteinen erbaut. Dieser Tempel ist Seine Gemeinde.

Und wie wundersam ist dieser Tempel der Gemeinde! So ganz anders, als Menschen es sich hätten ausdenken können! Der Eckstein ist „der Stein, den die Bauleute verworfen haben". Das Fundament ist das umstrittene Zeugnis der Apostel und Propheten, die tausendmal verworfene und verachtete Bibel. Und die Bausteine?

Sind sie nun wenigstens so, dass die Welt und die Vernunft sich ein wenig mit diesem Bauen Gottes zufrieden geben könnten? Sind es die Klugen? Die Schriftgelehrten? Die Weltweisen? Sind es die Obersten dieser Welt? Sind es „die Edlen nach dem Fleisch“? (1. Korinther 1, 26).

Ach nein! Auch hier bei den Bausteinen hat Gott ganz und gar nicht die Menschen gefragt, hat Er sich ganz und gar nicht um ihre Meinung gekümmert. Denn die Bausteine sind ein Zöllner Matthäus – ein ungetreuer Petrus – ein hingerichteter Schächer – eine große Sünderin. Sünder sind es – Sünder, die ins Licht der Wahrheit kamen. Sünder, die Gott Recht gaben und begnadigt wurden.

Weil aber Gottes Wort auch uns zu Sündern macht, darum ermahnt es uns, die Gnade Gottes in Jesu zu ergreifen und so uns zu erbauen „als lebendige Steine zum geistlichen Hause". Amen.

 


Sonntag Invocavit

 

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Will mir jemand nachfolgen, der nehme sein Kreuz auf sich."

Matthäus 16, 24

 

Der württembergische Erweckungsprediger Fricke hat gesagt: „Ein Christ muss die beschwerlichen Dinge lieben."

Wenn wir Jesus lieb haben, dann geht es ja wohl nicht anders, als dass wir auch Seinen Weg lieb haben. Und dieser Weg ist der Weg des Kreuzes.

Das Kreuz, von dem Jesus spricht, sind nicht irgendwelche Nöte, die uns auf dem Acker der Welt erwachsen, der ja seit dem Sündenfall „Dornen und Disteln" trägt. Das „Kreuz" sind die beschwerlichen Dinge, die uns um Jesu willen treffen. Wir regen uns auf über die beschwerlichen Dinge, wir empfinden das Kreuz als Last. Unser Herz rebelliert. Und wir beweisen damit, wie wenig wir nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachten.

Da muss die Sinnesänderung kommen!

Einst war ein U-Boot gesunken. Zehn Mann der Besatzung lebten noch. Da nur acht Tauchretter vorhanden waren, beschlossen sie, gemeinsam zu sterben. Als der Kommandeur davon hörte, sagte er erschüttert: „Zu leben verstehen wir vielleicht schlecht – zu sterben aber – fabelhaft!"

Das muss erst recht von der Gemeinde Jesu gelten. „Zu leben verstehen wir vielleicht schlecht…" „Wir mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten." Aber geistlich sterben! Sein Ich und seinen Willen in den Tod geben und den Kreuzesweg lieben…!

Die alten Christen konnten es. Und wir? Unser Kreuz kommt aus Jesu Händen. Lasst es uns gern tragen! Amen.

 

 

(Melodie: Mach's mit mir, Gott, nach deiner Gilt)

 

So lasst uns denn dem lieben Herrn

Mit unserm Kreuz nachgehen

Und wohlgemut, getrost und gern

Bei ihm im Leiden stehen;

Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron'

Des ew'gen Lebens nicht davon.

 


Montag nach Invocavit

 

Denn die mit des Gesetzes Werken umgehen, die sind unter dem Fluch.

Galater 3, 10

 

„Wenn ich meine Pflicht tue, kann ich vor Gott bestehen." Oder: „Ich tue recht und scheue niemand. Das genügt vor Gott." Wie oft kann man diese oder ähnliche Sätze hören! Haben sie Recht, die so reden?

Wir könnten sagen: „Ja!" Wenn ein Mensch vollkommen ist und alle Pflicht erfüllt und allezeit recht tut – dann kann er vor Gott bestehen.

Aber – wir müssen uns klarmachen, dass Gott es ist, der nach Seinen Maßstäben das Urteil spricht. Gott gibt das letzte Urteil ab, ob wir recht getan und alle Pflicht erfüllt haben. Gottes Gebote und Gottes Maßstäbe gelten da.

Wer so redet: „Ich will mit meiner Pflichterfüllung vor Gott bestehen", der hat sich vor Gott auf das Gesetz berufen. Und nach dem Gesetz wird er gerichtet – von Gott am Jüngsten Tage. Nach Gottes Gesetz. Und wehe, wenn er in einem Stück nur schuldig gefunden wird! Dann verurteilt ihn das Gesetz. Das ist ja klar. Wenn ein Mensch gestohlen hat, dann verurteilt ihn das Gesetz, auch wenn er sonst tausendmal ein braver und treuer Mann war.

Mir wird immer unheimlich, wenn Menschen sich so vor Gott auf das Gesetz berufen. Denn wo ist der Mensch, der vor Gott bestehen könnte, der in keinem Stück schuldig wäre! Nein, einen solchen Menschen gibt es nicht. Und darum nennt die Bibel alle die werkgerechten Leute schon „verurteilt" oder „verflucht".

Darum, weil es so steht, gibt es – Gott sei Dank – einen anderen Weg und nur diesen anderen Weg, selig zu werden: die freie Gnade Gottes in Jesus Christus. Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen,

Die eig'nen Werke fallen hin.

Er, der aus Lieb' im Fleisch erschienen,

Hat diese- Ehre zum Gewinn,

Dass uns sein Tod das Heil gebracht

Und uns aus Gnaden selig macht.

 


Dienstag nach Invocavit

 

Und als Jesus nahe hinzukam, sah er die Stadt an und weinte über sie.

Lukas 19, 41

 

„… dem allemal das Herze bricht / wir kommen – oder kommen nicht", singt der Liederdichter.

Es sind bittere Tränen, welche die göttliche Liebe weint über die, „die nicht kommen". Diese Tränen reden von großer Liebe Gottes, von geduldiger und suchender Liebe. Aber diese Liebe wurde vergeblich verschwendet. Jerusalem ist verstockt.

Jawohl, so ist das: Gott verschwendet eine Unmenge Liebe an die Welt. Ein Strom suchender und rettender Liebe ergießt sich in Jesus über die Welt. Auch an uns verschwendet Gott Seine Liebe. Wo diese Liebe vergeblich verschwendet ist – wo das Herz sich dagegen verschließt, – da bricht Jesus das Herz. Nicht um der verschwendeten Liebe willen – sondern um der verstockten Herzen willen. Denn wer Gottes Liebe in Jesus verschmäht, der ist für Zeit und Ewigkeit „Gott-Verlassen". Keine Versöhnung, keine Hoffnung, keine Hilfe, keinen Trost für Zeit und Ewigkeit hat der, der nicht erkannte, was zu seinem Frieden dient.

„Er sah die Stadt an." Leuchtend und herrlich lag vor Ihm der Tempel. Vielleicht stieg dort gerade der Rauch auf vom Abendopfer. Seht doch, wie religiös die Stadt war! Jawohl, religiös – aber ohne Buße. Da war Religion – aber Jesus war draußen vor der Stadt und weinte. Man hielt Feste und Gottesdienste, aber „sie erkannten nicht die Zeit, darin Gott sie heimsuchte".

Die Tränen Jesu waren Gottes Todesurteil über Jerusalem. Gewiss – Gottes Reich ging damit nicht zugrunde. Im Gegenteil! Der Fall Jerusalems wurde das Heil der Völker. Gottes Sache fällt nicht mit der Untreue der Menschen. Und doch weint Jesus. Und Er enthüllt damit ganz und gar Sein Herz gegen Sünder. Er will nicht, dass jemand verloren gehe. „… dem allemal das Herze bricht / wir kommen – oder kommen nicht." Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hatte)

 

Wir sollen nicht verloren werden,

Gott will, uns soll geholfen sein;

Deswegen kam der Sohn auf Erden

Und nahm hernach den Himmel ein;

Deswegen klopft er für und für

So stark an unsres Herzens Tür.

 


Mittwoch nach Invocavit

 

Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dient.

Lukas 19, 42

 

Tausende mühen sich mit Fleiß, zu erkennen, was unser Volk in der Welt vorwärts bringt. – Tausende von Wissenschaftlern mühen sich mit Emsigkeit um die Erkenntnis, was in der Vergangenheit war – oder wie die fernen Welten der Sterne beschaffen sind – oder welches die letzten und geheimen Kräfte der Natur sind.

Um so mancherlei Erkenntnisse bemühen wir uns alle. Und doch, gilt nicht vielleicht auch uns das traurige Wort des Heilandes: Wenn du doch erkenntest, was zu deinem Frieden dient"? Das ist die wichtigste Erkenntnis, die es geben kann, dass man weiß, wie man Frieden mit Gott bekommt. Diese Erkenntnis ist göttliche Weisheit. Aber nur wenige bemühen sich um diese göttliche Weisheit.

Gebe Gott uns die Gnade, dass wir zu diesen wenigen gehören, die nach dieser göttlichen Erkenntnis und Weisheit trauten!

Diese Erkenntnis allerdings ist grundverschieden von aller menschlichen Erkenntnis. Sie erfordert nicht eine Vorbildung auf irgendwelchen Schulen, sondern sie erfordert nur ein demütiges und gehorsames Herz, das begierig auf Gottes Wort lauscht.

Diese göttliche Erkenntnis wird auch nicht auf irgendwelchen Schulen gewonnen und bei menschlichen Lehrern. Der Lehrer dieser göttlichen Weisheit ist der Heilige Geist. Der zeigt uns nicht „das", sondern „Den", der uns dient, „auf dass wir Frieden hätten“ – nämlich Jesus, der Frieden gemacht hat mit Gott durch Sein Blut. Amen.

 

 

(Melodie: Valet will ich dir geben)

 

Der, der hat ausgelöschet,

Was mit sich führt den Tod.

Der ist's, der rein mich wüschet,

Macht schneeweiß, was blutrot.

In ihm darf ich mich freuen,

Hab einen Heldenmut,

Darf kein Gerichte scheuen,

Wie sonst ein Sünder tut.

 


Donnerstag nach Invocavit

 

Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darin verkauften und kauften.

Lukas 19, 45

 

Es ist doch merkwürdig, dass ein Mann solch eine Austreibung vornehmen kann! Warum ließen sie es sich gefallen? Warum schwiegen sie und duckten sich?

Da waren doch gewiss Leute dabei, die oft mit Jesus und über Jesus diskutiert und gestritten hatten. Ja, es waren gewiss Leute darunter, die sich oft innerlich gegen Sein Wort gewehrt hatten. Wo war nun ihr Mut? Sie sahen sicherlich etwas von Seiner verborgenen Herrlichkeit.

Und so wird es einmal bei der Wiederkunft Jesu sein. Jetzt kann die Welt sich gegen Ihn innerlich verstocken. Jetzt kann sie über und gegen Jesus reden und streiten. Aber jeder Mund wird verstummen, wenn Er wiederkommt in Herrlichkeit.

„Und er fing an auszutreiben." – Warum tut Er das? Warum gerät Er, der Barmherzige, hier in heiligen Zorn?

Wir sind meist gewohnt, nur das eine Motiv des Handelns Jesu zu sehen: Sein abgründiges Erbarmen mit verlorenen Sündern. Hier sehen wir dahinter ein anderes Motiv: Sein Eifern um die Ehre Gottes. Um Gottes Ehre geht es Jesus. Gottes Ehre ist geschändet durch diesen Handel im Tempel. Wenn dies Volk Gott schon nicht liebt, dann sollen sie sich wenigstens vor Ihm schämen. Darum setzt Jesus dies „Austreiben im Tempel" bis zu diesen Tagen fort. Allerdings – der Tempel zu Jerusalem fiel in Trümmer. Eine Moschee steht an seiner Stelle. Aber in einem besseren Tempel treibt Jesus Sein Werk der Reinigung: Das ist der heilige Tempel Gottes aus lebendigen Bausteinen – die Gemeinde. Auch hier will das Wesen der Welt sich oft breit machen. Aber der Herr sorgt durch Führung und Wirken Seines Geistes dafür, dass dieser Geist der Welt ausgetrieben wird. Gott soll allein regieren und die Ehre haben in Seiner Gemeinde. Amen.

 

 

(Melodie: Ich bete an die Macht der Liebe)

 

Entdecke alles und verzehre,

Was nicht in deinem Lichte rein,

Wenn mir's gleich noch so schmerzlich wäre;

Die Wonne folget nach der Pein.

Du wirst mich aus dem finstern Alten

In Jesu Klarheit umgestalten.

 


Freitag nach Invocavit

 

Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein.

Lukas 21, 2

 

Was hat doch, der Herr Jesus für wundersame Augen! Er. sieht das, was wir nicht sehen. Und das, worauf unsere Augen gerichtet sind, das übersieht Er.

Die Welt war voll von den Taten des römischen Kaisers. Jesus aber dachte: „Der Mensch ist wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht, ist sie nimmer da. Und ihre Statte kennet sie nicht mehr."

Wer aber beachtete die arme Witwe! Wie belanglos waren vor den Augen der Menschen ihre zwei Scherflein!

Doch gerade diese Frau sieht Jesus. Und Er nimmt sie so wichtig und macht ein solches Aufsehen um sie, dass wir heute noch von ihrer Gabe wissen.

Jesus sieht die Dinge hinter den Kulissen dieser Welt.

Wie viel prunkvolle Kunst war in dem Tempel in Jerusalem! Jesus hat nur ein Wort dafür: „Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben." Aber ein Menschenherz, das so innig seinen Gott liebt, dass es fröhlich und heimlich alles opfert, wie diese Witwe, – das ist Ihm so wichtig, dass Er es vor aller Welt preist.

Jesus sieht hinter die Kulissen. Auch in unserem Leben. Mögen wir immerhin der Welt ein buntes und geschicktes Theater vorführen, das sieht Jesus nicht an. Aber unsere versteckte Not, unsere stillen Gebete, unsere verzweifelte Selbstsucht und unsere heimliche Liebe zu Ihm – all dies Verborgene sieht Er an.

„Der Mensch siehet, was vor Augen ist, Gott aber siehet das Herz an." Amen.

 

 

(Melodie: Dir, dir, Jehova, will ich singen)

 

Lass mich, o Herr, in allen Dingen

Auf deinen Willen sehn und dir mich weih'n;

Gib selbst das Wollen und Vollbringen

Und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.

Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;

Dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

 


Sonnabend nach Invocavit

 

Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

Hebräer 10, 35

 

Wir sind manchmal doch rechte Narren. Und Gott muss viel Geduld mit uns haben.

Was wir wegwerfen sollten, das halten wir krampfhaft fest. Und was wir festhalten sollten, das werfen wir leichtsinnig weg.

Ja, es gibt eine Menge Dinge, die wir wegwerfen sollten. Zum Beispiel unsere Sorgen. Das Wort Gottes mahnt uns: „Alle eure Sorgen werfet auf ihn; denn er sorget für euch." So könnten wir unsere quälenden Sorgen und kleinen Lasten wegwerfen an einen guten Platz. Aber wer tut das?

Wegwerfen sollten wir unsere Liebe zu uns selbst, unsere Launen, unsere schlechten Gewohnheiten, unseren Geiz, unsere Lieblingssünde! Aber – nicht wahr? – das halten wir fest, da will das Wegwerfen gar nicht gelingen.

Aber da gelingt uns das „Wegwerfen" nur zu gut, wo wir festhalten sollten. „Werfet euer Vertrauen nicht weg!" Hier ist nicht die Rede vom Vertrauen zu uns selbst – das gehört vielmehr zu den Dingen, die wir getrost wegwerfen können. Nein, hier ist die Rede vom Vertrauen zu dem allmächtigen Gott, der in Jesus unser Vater ist.

Es ist wohl so, dass wir ein gewisses „Gottvertrauen" haben. Aber wenn nun eine schwere Not kommt, wenn durch unsere Lieblingspläne ein. Strich gemacht wird, wenn uns bitteres Ungemach trifft, wenn sich Trübsal oder Verfolgung um des Wortes Gottes willen erheben – dann schiebt sich das Misstrauen in unser Herz: „Gott kennt mich nicht." „Er hat mich vergessen." Ja, wir rechnen dann wohl gar nicht mehr im Ernst mit Ihm. Wir schauen nach Menschen aus, nach menschlicher Hilfe und irdischen Auswegen.

Weggeworfenes Vertrauen! Wegwerfen kann man ja nur, was man hat. Und so meint unser Bibelwort, dass ernste Christen oftmals ihr Vertrauen wegwerfen wollen.

Das ist schlimm. Denn wir müssen wissen: Gerade die Stunde, in der wir das Vertrauen wegwerfen wollen, ist die Stunde, wo wir es erst richtig lernen sollen. Amen.

 


Sonntag Reminiszere

 

Darum gedenke ich an die Taten des Herrn; ja, ich gedenke an deine vorigen Wunder.

Psalm 77, 12

 

Da ist ein Wanderer in stürmischer Nacht verirrt. Er will sich nach den Sternen orientieren. Aber Wolken haben die Sterne verhüllt. Nun ist er ratlos und verlassen.

So geht es einem Weltmenschen, wenn die Nacht des Lebens ihn überfällt. Die Sterne, die ihm leuchteten, sind erloschen. Ein Christ aber kommt nie in diese Lage. Ihm leuchten alle Zeit die Sterne, die ihm Trost und Frieden geben und nach denen er sein Leben orientieren kann.

Die Sterne sind die großen Taten Gottes.

Dunkle Nacht des Leides umgab den Sänger des 77. Psalms. Wir wissen nichts Näheres darüber. Aber dunkle Wolken der Schwermut lagen über ihm: „Wird denn der Herr ewiglich verstoßen und keine Gnade mehr erzeigen? Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Güte…?"

Aber da beginnen die stillen Sterne zu funkeln: „Darum gedenke ich an die Taten des Herrn; ich gedenke an deine vorigen Wunder."

So spricht der Mann aus dem Alten Bund. Wie viel mehr können wir so sprechen! Wir wissen von der Barmherzigkeit Gottes, die im Kreuze von Golgatha sich offenbarte. Wir wissen von der wunderbaren Macht, die in der Auferstehung Jesu, unseres Heilandes, sich zeigte.

Sieh, das sind die Sterne, die in der dunkelsten Nacht leuchten: Gottes Taten in Jesus Christus. Taten Gottes für uns! Welch reichen Trost gewinnen Christen aus dem Schauen auf Jesus. Da wird die Nacht hell, Gottes Liebe gewiss. Und das Herz spricht: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück." Amen.

 

 

(Melodie: Mein Herzensjesu, meine Lust)

 

Der Herr ist noch und nimmer nicht

Von seinem Volk geschieden;

Er bleibet ihre Zuversicht,

Ihr Segen, Heil und Frieden.

Mit Mutterhänden leitet er

Die Seinen stetig hin und her.

Gebt unserm Gott die Ehre!

 


Montag nach Reminiszere

 

Gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst.

Lukas 23, 42

 

Wer möchte nicht eine Spur seines Lebens hinterlassen? Es wäre uns doch sehr schmerzlich, wenn wir uns sagen müssten, dass wir schon ein paar Tage nach unserem Tode vergessen wären. Wir möchten gern, dass man unser gedenkt.

Was haben Menschen für gewaltige Anstrengungen gemacht, um im Gedenken der Nachwelt unvergessen zu sein! Die babylonischen Könige haben ihre Taten auf die Mauern ihrer Paläste geschrieben. Die römischen Kaiser haben sich steinerne Triumphpforten gebaut.

Und doch – es gilt von allem Menschlichen: „Der Mensch ist in seinem Leben wie eine Blume auf dem Felde. Wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da und" – das ist erschütternd wahr – „ihre Stätte kennet sie nicht mehr."

Es ist darum so sinnlos, sich um ein Gedenken bei den Menschen zu bemühen. Eines Tages hat der Wind endgültig unsere Spur verweht.

Es gibt etwas Besseres als das mehr oder weniger freundliche Gedenken der Menschen. Das ist das Gedenken unseres Heilandes. Darauf kommt es an, dass Er unser gedenkt. „Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst", sprach der Schächer am Kreuz, „Herr, gedenke an mich!" Das ist eine sinnvolle Bitte.

Es wird einmal sehr gleichgültig sein, ob unser Name irgendwo in den Büchern dieser Welt steht. Aber daran wird uns einmal sehr viel liegen, ob unser Name in dem Buche des Lebens verzeichnet steht.

Darauf sollte unser Sinnen und Trachten gerichtet sein, dass der Herr uns kennt, dass Er unser gedenkt, – heute, morgen, in der Stunde unseres Todes und in alle Ewigkeit. Amen.

 

 

(Melodie: Ach, Gott und Herr)

 

Zieh uns nach dir

Nur für und für

Und gib, dass wir nachfahren

Dir in dein Reich,

Und mach uns gleich

Den auserwählten Scharen!

 


Dienstag nach Reminiszere

 

Gedenke, wovon du gefallen bist.

Offenbarung 2, 5

 

Ein Wort des erhöhten Herrn an eine Gemeinde!

Hätten Menschen diese Gemeinde in Ephesus besichtigt, sie hätten alles in Ordnung gefunden. „Du kannst die Bösen nicht tragen; du hast die falschen Apostel entlarvt. Du beweist Geduld. Du trägst Lasten um meinetwillen. Du arbeitest unermüdlich." All das bescheinigt der Herr Jesus selbst dieser Gemeinde.

Wenn doch einmal alle christlichen Gemeinden in Deutschland so aussehen wollten! Die Gemeinde in Ephesus ist ja doch geradezu vorbildlich.

Und doch – ein Warnruf aus Jesu Mund: „Gedenke, wovon du gefallen bist."

Wovon denn gefallen?

„Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlässest."

Tief verborgen im Innersten, keinem Menschen sichtbar, sitzt ein geheimer, tödlicher Schade: Die erste Liebe stirbt.

„Gedenke, wovon du gefallen bist!" Wie köstlich waren jene geistlichen Frühlingstage, als das Gewissen durch Jesu Gnade frei wurde vom Druck der Schuld; als Friede mit Gott wie ein neuer, heller Tag über dem Leben aufging; als die Liebe zu Jesus und die Freude am Herrn das beherrschende Motiv des Lebens war; als man die „Gemeinde" entdeckte und als die Bruderliebe brannte.

Frühlingstage! Aber „es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht". Es tut uns ab und zu Not, solch ein „Gedenken" abzuhalten. Gerade darum, weil die Gnade Jesu uns so hoch stellt, aus verlorenen Menschen Kinder des lebendigen Gottes macht, gerade darum können Christen so tief fallen.

„Tue Buße!" sagt Jesus. Das ist das Herrliche, dass wir wieder ganz neu anfangen dürfen, weil der Herr geduldig ist. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Fahre fort, fahre fort, Zinn, fahre fort im Licht,

Mache deinen Leuchter helle, lass die erste Liebe nicht,

Suche stets die Lebensquelle;

Zion, dringe durch die enge Pfort, fahre fort, fahre fort!

 


Mittwoch nach Reminiszere

 

Die Kinder Israel gedachten nicht an den Herrn, ihren Gott.

Richter 8, 34

 

Es kann sehr schlimm sein, wenn wir etwas Wichtiges vergessen, etwa eine Verabredung, eine Verpflichtung, einen dringenden Brief. Wir haben alle schon solche unangenehmen Lagen erlebt. Wie muss man da Vorwürfe einstecken! Und die meisten Vorwürfe muss man sich ja selbst machen.

In unserem Bibelwort aber wird von einem Vergessen berichtet, das sich geradezu vernichtend und tötend auswirken muss: „Sie gedachten nicht an den Herrn, ihren Gott."

Es steht da nicht, dass sie Gott leugneten. Es steht auch nicht da, dass sie Ihm absichtlich den Rücken kehrten und Ihm trotzten. O nein, „sie gedachten nicht an den Herrn, ihren Gott". Es schob sich soviel anderes dazwischen. Die Zeit war so ausgefüllt mit Geschäften, Beruf, Politik, Familie, Verpflichtungen und Zerstreuungen, dass man gar nicht mehr dazu kam, vor Gott stille zu werden.

Und dann – Gott selbst verhielt sich so still. Die Dinge dieser Welt dagegen waren so laut. Gott war unsichtbar. Die Dinge der Welt grell und bunt, aufdringlich und gewaltig.

So kam es: „Sie gedachten nicht an den Herrn, ihren Gott."

Ist das nicht die Geschichte von unzähligen „Christen"? Vielleicht ist es unsere Geschichte!?

Da leugnet man Gott nicht. Da will man an Gottes Heil in Jesus teilhaben. Da bildet man sich selber noch ein, es sei alles in Ordnung. Und in Wahrheit führt man längst ein Leben ohne Gott. Nirgendwo ist das Tun bestimmt von heiliger Furcht vor Gott oder von Liebe zu Jesus.

Gott helfe uns, dass die Hauptsache wieder Hauptsache wird in unserem Leben. Amen.

 

 

(Melodie: Seelenbräutigam)

 

Steure meinen Sinn,

Der zur Welt will hin,

Dass ich nicht mög von dir wanken,

Sondern bleiben in den Schranken;

Sei du mein Gewinn,

Gib mir deinen Sinn.

 


Donnerstag nach Reminiszere

 

Gedenket an den großen, schrecklichen Herrn!

Nehemia 4, 8

 

O unsere Gedanken!

Sie bauen sich so gern Luftschlösser, zimmern sich eine Welt zurecht, wie wir sie gern hätten.

Und dann kommt die Wirklichkeit. Da stürzen die Luftschlösser zusammen. Die Ernüchterung ist eine schmerzhafte Sache. Besonders schlimm ist das, wenn es sich dabei um die Wirklichkeit des lebendigen Gottes handelt.

Auch wo es sich um Gott handelt, sind unsere Gedanken geschäftig. Ja, hier besonders, weil Gott ein unsichtbarer Gott ist. Da sind die Gedanken emsig, einen Gott zurechtzumachen, wie er uns behagt. Etwa einen lieben Gott", der der Knecht aller unserer Wünsche sein soll. Oder einen „harmlosen Gott", in dem wir irgendein Idealbild dargestellt sehen wollen.

Wie furchtbar ist da das Aufwachen, wenn wir auf die Wirklichkeit Gottes stoßen! Er ist ja so ganz anders. Ein „großer und schrecklicher" Gott. Oder ist das nicht ein großer und schrecklicher Gott, an dem ein Pharao zerschellte? Ist das nicht ein großer und schrecklicher Gott, der Sein eigenes Volk in Gerichte gibt um seines Ungehorsams willen? Ist das nicht ein großer und schrecklicher Gott, der die Sünde der Welt so gewaltig richtete am Kreuz von Golgatha?

„Gedenket an den großen und schrecklichen Herrn!"

Dies Wort hat Nehemia gesprochen. Und er hat es seltsamerweise gesagt als ein Trostwart, ehe die Männer die Mauern Jerusalems verteidigen mussten gegen grimmige Feinde.

Wer mit der Größe und Gewalt des lebendigen Gottes rechnet und darum rechtzeitig Seine Gnade und Sein Heil ergriffen hat, dem ist Seine gewaltige Wirklichkeit nicht Schrecken, sondern Trost und Kraft. Amen.

 

 

(Melodie: Großer Gott, wir loben dich)

 

Heilig, Herr Gott Zebaoth!

Heilig, Herr der Kriegesheere!

Starker Helfer in der Not!

Himmel, Erde, Luft und Meere

Sind erfüllt von deinem Ruhm;

Alles ist dein Eigentum.

 


Freitag nach Reminiszere

 

Du wirst an deine Wege gedenken und dich schämen.

Hesekiel 16, 61

 

So ist es mit unseren Wegen: Wenn wir sie einmal im Lichte Gottes sehen, dann möchten wir vor Scham versinken.

Es kann sein, dass wir dies Wort des Propheten Hesekiel in dieser Stunde noch gar nicht verstehen, weil wir noch blind auf unsern Wegen laufen. Aber es steht über uns, dies Wort. Es wird in Erfüllung gehen: „Du wirst an deine Wege gedenken und dich schämen." Und wenn es bis zum Jüngsten Tage dauern sollte: Das Wort wird sich erfüllen.

„Du wirst an deine Wege gedenken!" – Unsere Wege – das können Wege sein, wie sie die große Sünderin ging: voll Übertretung und Sündenschmutz, voll wilder Sinnenlust und Verachtung Gottes.

Unsere Wege – das können auch Wege sein, wie Paulus sie als Saulus ging: voll Selbstgerechtigkeit und innerem Hochmut.

In jedem Falle gilt: „Du wirst an deine Wege gedenken und dich schämen."

Es ist ein unheimlicher Ton in diesem Wort: „Du wirst an deine Wege gedenken." Das heißt doch, dass die Vergangenheit nicht tot ist; dass nicht vergessen ist, was wir so gern vergessen wollen; dass alle Schuld ein zähes, unheimliches Leben hat. Wir sagen: „Was vergangen, kehrt nicht wieder…" Gottes Wort sagt: „Doch, es kehrt wieder. Du wirst an deine Wege gedenken – und dich schämen."

Es gibt nur einen Ausweg: dass ich meine Wege jetzt schon vor Gott stelle, Buße tue und mich durch Jesu Blut reinigen lasse. Was Er vergibt, ist in Ewigkeit abgetan. Amen.

 

 

(Melodie: Auf meinen lieben Gott)

 

Durch dein unschuldig Blut,

Vergossen mir zugut,

Wasch ab all meine Sünde,

Mit Trost mein Herz verbinde

Und ihrer nicht gedenke,

Ins Meer sie tief versenke.

 


Sonnabend nach Reminiszere

 

Danach goss Jesus Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war.

Johannes 13, 5

 

„Er wird ein Knecht und ich ein Herr / das mag ein Wechsel sein!"

Hier führt der Herr Jesus uns die Wirklichkeit des Evangeliums vor Augen: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene." Er, der ein Herr ist über alles, – Er wird unser Knecht und dient uns. Es steht ausdrücklich vorher da: „Da Jesus wusste, dass ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, nahm er einen Schurz und umgürtete sich." Also in einer Stunde, in der Jesus Seiner Herrlichkeit als Sohn Gottes inneward, ward Er zum Knecht.

Wir müssen darauf achten, wem der Herr Jesus hier diente.

Er diente Seinen Jüngern, deren Schwachheit und Untreue Er doch kannte.

Das Überwältigendste ist aber, dass Er sogar dem Judas die Füße wusch. Er diente sogar Seinem Verräter. Er hörte nicht auf, ihn zu lieben.

Davon leben die Christen, und davon lebt die Gemeinde Jesu Christi, dass sie sich den Dienst der Reinigung durch Jesus gefallen lässt. Es gibt stolze Herzen, die wollen sich diesen Dienst nicht gefallen lassen. Die sprechen mit Petrus: „Nimmermehr sollst du mich waschen!" Aber ihnen gilt das ernste Wort des Heilandes: „Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir."

Aber fröhlich werden über diesem Dienen Jesu die beladenen Gewissen, die ihre Erlösungsbedürftigkeit erkannt haben. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Ich bete an die Macht der Liebe,

Die sich in Jesu offenbart;

Ich geb' mich hin dem freien Triebe,

Wodurch ich Wurm geliebet ward;

Ich will, anstatt an mich zu denken,

Ins Meer der Liebe mich versenken.

 


Sonntag Okuli

 

Des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er stärke die, so von ganzem Herzen an ihm sind.

2. Chronik 16, 9

 

Der König Asa kannte den Herrn und wollte Ihm auch angehören. Aber dann kam auf einmal eine schreckliche Zeit. Der feindliche König Baesa bedrohte ihn und Gottes Land.

Da verlässt Asa den Weg, den er bisher gegangen ist. Bisher hat er gemeint, er fahre am besten, wenn er seinem Herrn und Heiland vertraue. Aber als nun die Schwierigkeiten kommen, da kommt ihm sein Glaube kindlich vor: Er sucht Hilfe bei dem heidnischen Syrerkönig. Er handelt schlau, nach der Weise der Welt, – aber sein Weg ist Ungehorsam gegen seinen Gott.

Und da erscheint eines Tages der Seher Hanani in seinem Schloss und spricht zu ihm im Auftrag Gottes: „Des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er stärke die, so von ganzem Herzen an ihm sind."

Ein unheimliches Wort für Leute wie Asa. An diese Augen über ihm hat Asa gar nicht mehr gedacht. Seine Geschäftigkeit nahm ihn gefangen. So wie wir diese Augen vielleicht vergessen über all unserem „Rennen und Laufen". – Aber sie sind da, diese Augen, ungeblendet von dem Glanz, den wir uns und unserem Werk geben wollen. Sie prüfen und – verwerfen.

Oder aber – sie schauen voll Liebe und Barmherzigkeit die, so von ganzem Herzen an Ihm sind und mit Ihm rechnen und Ihm vertrauen.

Lasst uns doch diese prüfenden Augen Gottes über uns nicht vergessen in allem, was wir tun. Amen.

 

 

(Melodie: Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen)

 

Du führest mich, ich kann nicht gleiten,

Dein Wort muss ewig feste stehn;

Du sprichst, dein Auge soll mich leiten,

Dein Angesicht soll vor mir gehn;

Ja, deine Güt' und dein Erbarmen

Soll mich umfangen und umarmen.

O dass ich nur recht kindlich sei,

Bei allem gläubig zu dir flehe

Und stets auf deinen Wink nur sehe,

So spür' ich täglich neue Treu'.

 


Montag nach Okuli

 

Und der Herr wandte sich und sah Petrus an.

Lukas 22, 61

 

Wilde, hohnlachende Gesichter schauen auf den Petrus.

Wütend fährt er einen Knecht des Hohenpriesters an: „Was sagst du da? Ich gehöre auch zu dem Jesus, den sie da drinnen im Palast des Hohenpriesters verhören?! Bei Gott! Mensch, ich weiß nicht, was du sagst! Ich kenne den Menschen nicht." – Und alsbald krähte der Hahn.

„Und der Herr wandte sich und sah Petrus an."

Was liegt nicht alles in diesem Blick Jesu! Traurigkeit über die Untreue des Treuesten; Erbarmen mit dem schwachen Menschenherz; Liebe, die den Verlaufenen zurechtbringt; ernste Forderung, nun Schluss zu machen mit diesem unwürdigen Treiben.

„… und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich."

Es ist doch etwas Großes, wie hier Jesus über Seinen Jünger wacht. Während Er selbst in die dunkle Nacht du Leidens geht, macht Er an Seinem Jünger die Verheißung wahr: „Ich will dich mit meinen Augen leiten."

Aber schön ist es auch, dass Petrus sich von Jesu Blick zur Buße rufen lässt. So hat Jesus auch den Judas angesehen. Aber der hat sein Herz verstockt. Und wir?

In der „Johannes-Passion" von Johann Sebastian Bach findet sich ein unbekannter Choralvers: „Petrus, der nicht denkt zurück / seinen Gott verneinet / der doch auf den ersten Blick / bitterlich jetzt weinet. / Jesu, blicke mich auch an / wenn ich nicht will büßen. / Wenn ich Böses hab' getan / rühre mein Gewissen."

Jesu Augen, die uns zur rechten Stunde ansehen – und ein Herz, das sich von Seinen Augen leiten lässt –: So mag es wohl geschehen, dass ein verlorenes, irrendes Menschenherz doch schließlich zurechtkommt und noch etwas wird „zu Lobe seiner Herrlichkeit". Amen.

 

 

(Melodie: Ich will dich lieben, meine Starke)

 

Erhalte mich auf deinen Stegen

Und lass mich nicht mehr irre gehn;

Lass meinen Fuß in deinen Wegen

Nicht straucheln oder stille stehn;

Erleucht' mir Leib und Seele ganz,

Du starker Himmelsglanz.

 


Dienstag nach Okuli

 

Hast du denn auch fleischliche Augen, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?

Hiob 10, 4

 

Ja, das meinen wir manchmal! Wir bilden uns ein, Gott habe fleischliche Augen und sehe, wie ein Mensch sieht.

Das hat Jana gemeint, als er vor dem lebendigen Gott floh. Als wenn man sich vor Gottes Augen verstecken könnte! Vor Menschen-Augen kann man flüchten. Aber Gott! „Von allen Seiten umgibst du mich." Es gibt keinen Platz, wo Seine Augen uns nicht sähen.

„Siehst du, wie ein Mensch sieht?" Das haben Ananias und Saphira gemeint, als sie mit ihrer Gabe vor Gott und Menschen glänzen wollten und doch dabei nicht ganz aufrichtig waren. Wie haben sie sich getäuscht! Schrecklich zog Gott ihren Betrug ans Licht. Er hat göttliche und nicht „fleischliche" Augen.

Nein, Gott sieht nicht, wie ein Mensch sieht.

Das erfuhr Zachäus, als er mit seinem unruhigen Gewissen auf dem Baume saß und von ferne nach Jesus ausschaute. Kein Mensch sah, was in ihm vorging. Aber der Herzenskündiger sah es: „Zachäus, steig eilend herab! Ich muss heute in deinem Hause einkehren."

Und der Kranke am Teich Bethesda erfuhr es. Achtunddreißig Jahre hat er in den Krankenhallen gelegen. Kein Mensch hat sich um ihn gekümmert. Niemand beachtete den Mann im Winkel. Aber Jesu barmherzige Augen entdecken ihn: „Willst du gesund werden?"

Der Herr hat göttliche Augen und nicht „fleischliche". Er sieht nicht, wie ein Mensch sieht. Warum spielen wir denn so oft Verstecken vor Ihm mit unserer Sünde und mit unseren Lasten? Lasst uns wandeln im Licht vor Seinem Angesicht! Amen.

 

 

(Melodie: Wie nach einer Wasserquelle)

 

Lass in deinem Licht mich wandeln,

O du heller Morgenstern.

Lehr mich, dass ich recht zu handeln

Aus dem Wort des Lebens lern;

Und gleichwie du für und für

Bist des Vaters Bild und Zier,

Also lass, Herr, deine Strahlen

In mir auch dein Bildnis malen.

 


Mittwoch nach Okuli

 

Ich will dich mit meinen Augen leiten.

Psalm 32, 8

 

Wenn zwei Menschen sich recht gut verstehen, dann braucht es zwischen ihnen nicht viele Worte. Ein Knecht, der seinem Herrn gern dient und ihn verehrt, versteht den Auftrag, wenn der Herr ihn nur mit den Augen ruft. – Eine Mutter, die ein recht inniges Verhältnis zu ihren Kindern hat, kann mit einem Blick oft mehr erreichen, als eine andere mit vielen Worten. – Und wie gut erst verstehen es zwei Menschen, die sich herzlich lieb haben, mit den Augen sich zu leiten und zu rufen.

Und nun sagt unser himmlischer Herr zu den Seinigen: „Ich will dich mit meinen Augen leiten."

So nahe will der große Herr den Seinen in Jesus kommen, so einen innigen und herzlichen Bund will Er mit ihnen eingehen, dass Er sie rufen und leiten kann wie ein Bräutigam die Braut – mit einem Wink Seiner Augen. „Sehet doch da / Gott will so freundlich und nah / zu den Verlornen sich kehren."

Dies Wort legt uns aber auch eine große Verantwortung auf. Man muss schon ein Herz haben, das auf den Herrn gerichtet ist, wenn man in einem solchen Bund mit dem Herrn stehen will. Nicht umsonst steht in dem nächsten Vers des 32. Psalms: „Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die nicht verständig sind, weichen man Zaum und Gebiss muss ins Maul legen."

Wo man leichtfertig sündigt und sein Gewissen abstumpft, wo man nicht im Gebet und am Worte Gottes bleibt, da kann der Herr nicht mit den Augen leiten. Da redet Er eine andere Sprache.

Der Herr schenke uns ein gutes Gewissen und einen feinen Sinn für Ihn. Amen.

 

 

(Melodie: Erquicke mich, du Heil der Sünder)

 

Mein Wirken, Wollen und Beginnen

Sei kindlich folgsam deinem Trieb;

Bewahr mein Herz und alle Sinnen

Untadelig in Gottes Lieb;

Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen

Lass mich auf keine Weise dämpfen.

 


Donnerstag nach Okuli

 

Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben.

Jeremia 5, 3

 

Jawohl, Gott hat andere Maßstäbe und andere Gesichtspunkte als wir. Uns imponiert ein großer Titel, ein hoher Rang. Uns blenden Macht, Geld, Ruhm, Einfluss.

Aber das wiegt leicht bei Gott.

Wir machen Ihm auch nicht Eindruck mit wirklichen oder scheinbaren Verdiensten. Wie armselig erschien Ihm der Pharisäer, der im Tempel all seine Tüchtigkeit und Frömmigkeit ausbreitete!

Wonach sehen Gottes Augen? – Nach, dem Glauben!

Seine Augen durchgehen die Welt, wo ein Herz sei, das sich aufrichtig zu Ihm kehrt und Ihm alles Gute zutraut. Darum hat Er Seinen lieben Sohn, den Herrn Jesus, dahingegeben, dass wir Ihm ganz und gar vertrauen.

Da steht der Zöllner im Tempel. Von allen Seiten umgeben ihn seine Sünden. Er wagt gar nicht aufzuschauen. Und doch traut er Gott zu, dass bei Ihm viel Vergebung sei: „Gott, sei mir Sünder gnädig!" Sieh, diesen Mann sahen Seine Augen gnädig an.

Es fällt unserem Herzen so schwer, recht zu glauben. Wir sind voll Misstrauen. Wir meinen, wir könnten zu kurz kommen oder betrogen sein, wenn wir all unser Vertrauen auf Ihn stellen. Wir meinen, wir müssten allerlei mitbringen, wenn wir zu Ihm kommen. Wir fürchten, Er könne den verlorenen Sohn so einfach nicht annehmen.

Wie wenig kennen wir Gottes Herz! In Jesus ruft Er und lädt ein. Möchte der Heilige Geist uns recht glauben lehren, damit dann all unser Vertrauen Ihm gehört. Amen.

 

 

(Melodie: Wer nur den lieben Gott lässt walten)

 

Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüte

Hinauf zu dieser Quelle steigt,

Von welcher sich ein Strom der Güte

Zu mir durch alle Zeiten neigt,

Dass jeder Tag sein Zeugnis gibt:

Gott hat mich je und je geliebt.

 


Freitag nach Okuli

 

Jesus sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuss?"

Lukas 22, 48

 

Eines Tages sahen die Augen Jesu den Mann aus Karioth an. Dieser Blick gewann Macht über ihn. Er hätte nicht sagen können, was denn nun eigentlich an diesen Augen ihn so zog. Sah er die Gewalt des Messias? Oder war es die Barmherzigkeit, die ihm da entgegenleuchtete? Jedenfalls verließ er alles und folgte Jesus nach.

Diese Augen Jesu! Wie haben sie den Judas angesehen, wenn er ungeduldig wurde über die Niedrigkeit des Messias. Es war, als wollten sie ihm zurufen: Glaube nur!

Aber eines Tages fing Judas an, sich von Jesus zu lösen. Ganz heimlich geschah das. Es begann damit, dass er von dem anvertrauten gemeinsamen Geld etwas beiseite legte. Wie haben die Augen Jesu ihn dann wohl angeschaut? Voll abgrundtiefer Traurigkeit. Judas senkte den Blick. Aber – das Geld behielt er.

Und er senkte nicht mehr den Blick, sondern schaute frech in diese Augen Jesu hinein, als diese im heiligen Zorn ihn ansprühten. Das war in Bethanien. Da hatte ein Weib in großer Dankbarkeit Jesus gesalbt. Dem Judas hatte das nicht gepasste Aber da fuhren diese Augen ihn an: „Lass sie in Frieden!"

Wie schwer wurde dem Judas sein Verrat! Diese Augen wussten alles. Und es war ihm, als wollten sie ihn rufen mit unendlicher Barmherzigkeit.

Aber eines Tages hörten diese Augen auf, ihn zu rufen. Es war beten Abendmahl. Da wiesen sie ihn hinaus. Furchtbar!

Und zum letzten Mal schauten diese Augen ihn an in der Nacht des Verrates: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuss?" Da erlebte Judas: Dieser Blick war – das Gericht. Keiner achtete mehr auf ihn, als er entsetzt floh. Grauenvolle Tage und Nächte folgten. Er wurde den Blick dieser Augen nicht mehr los. Da nahm er einen Strick und erhängte sich.

Auch auf uns ruhen Jesu Augen. Sie decken das Verborgene des Herzens auf: Aber sie sind ein Meer voll Gnade und Liebe. So rufen uns diese Augen. Amen.

 

 

(Melodie: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend)

 

Lass deines guten Geistes Licht

Und dein hellglänzend Angesicht

Erleuchten mein Herz und Gemüt,

O Brunnen unerschöpfter Güt.

 


Sonnabend nach Okuli

 

Alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen.

Apostelgeschichte 9, 18

 

Saulus, der Pharisäer aus Tarsus, war nicht ein Mann, der in den Tag hineinlebte. Er setzte sich ernsthaft auseinander mit den Dingen und Geistesströmungen.

Also auch mit der so genannten „Frohbotschaft", dem Evangelium, das da einige Fischer und Zöllner verkündeten. Saulus war überzeugt, dass man diese Sache nicht leicht nehmen dürfte, gewann sie doch täglich Anhänger.

Also setzte er sich mit dem Christentum „auseinander". Alle Gründe seiner Gotteserkenntnis, der Philosophie, der Moral, der Vernunft, der Tradition setzte er ein. Und dann war die Sache so klar, dass er dem Evangelium den schärfsten Kampf ansagte, – bis zu einer stillen Stunde in Damaskus: „Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen." Da erkannte er, dass Jesus, der Herr der Herrlichkeit, sein Heiland, sein Helfer; Erlöser, Freund und Erretter sei.

O Saulus, kluger, großer Saulus! Wo sind deine Gründe? Wo sind alle deine guten Gründe und Einwände gegen das Evangelium?! Wo sind sie?!

Vergangen sind sie, wie der Glanz der Sterne erlischt, wenn die Sonne aufgeht. Dahin sind sie, wie die Schatten der Nacht, wenn das Morgenlicht anbricht.

Das ist eine gewaltige und selige Sache, wenn der Herr selbst einem Menschen die blinden Augen auftut durch den Heiligen Geist, wenn man offene Augen bekommt für den Herrn der Wahrheit, für den „Aufgang aus der Höhe", für Jesus, den Heiland und Herrn!

Gott helfe uns aus all unseren Gründen zu Seiner Wirklichkeit, aus allen Zweifeln zu Seiner Herrlichkeit, aus Blindheit zum klaren Sehen. Amen.

 

 

(Melodie: Ach was bin ich, mein Erretter)

 

Jesus, gib gesunde Augen,

Die was taugen.

Rühre meine Augen an;

Denn das ist die größte Plage,

Wenn am Tage

Man das Licht nicht sehen kann.

 


Sonntag Lätare

 

Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.

Jesaja 9, 2

 

Ernte! Etwa die Weinernte am Rhein! Da ist ein lauter, froher und glückseliger Betrieb. Hier ist die Freude zu Hause!

„Wenn man Beute austeilt", geht es auch so zu. Stellt euch nur ein Kriegslager vor, wo nach einem siegreichen Zug die Beute verteilt wird. Das singt und lärmt und lacht und jauchzt.

So wird man sich freuen vor dem Herrn. So!

Kommen uns die beiden Vergleiche nicht etwas seltsam vor? Die Freude am Herrn ist doch eine stille, tiefinnerliche Angelegenheit. Sie kommt heraus aus der Vergebung der Sünden und der Versöhnung. Und diese stille, tiefe Freude vergleicht Jesaja mit diesen beiden Vorgängen: Ernte und Beute austeilen.

So wird man sich freuen", sagt Jesaja. Also laut! Jawohl, laut! Die Welt wird und muss es hören, dass die Kinder Gottes ihren Herrn loben und preisen und dass sie fröhlich sind in Ihm.

Der Welt passt das nicht. Sie ermahnt uns vielleicht sogar, wir möchten doch stiller sein. Es hätte ja niemand etwas gegen innerliche Religiosität. Aber man könne es nicht als passend ansehen, wenn die Christen die Welt erfüllten mit dem Ruhm ihres Herrn.

Ach, die Welt! Sie ahnt ja nicht, dass wir nicht über unsere „Religion" froh sind, sondern an unserem Herrn, der so Großes für uns und an uns getan hat.

„Vor dir wird man sich freuen wie in der Ernte…" Ach nein, viel mehr! Denn alle Freude der Welt ist vergänglich. Die Freude am Herrn aber ist eine ewige Freude. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit!

Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit!

Er lässt dich freundlich zu sich laden.

Freue dich, Israel, seiner Gnaden.

 


Montag nach Lätare

 

… wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!

Hebräer 9, 14

 

In seinem Cäsar-Roman lässt Mirko Jelusich den Cäsar am Ende seines Lebens zu Marcus Antonius die erschütternden Worte sagen: „Merk dir's, Antonius: Du kannst den Menschen, was immer du willst, geben, du kannst dir die Adern aufschneiden und ihnen dein Herzblut schenken, du wandelst sie nicht im kleinsten. In allem Neuen ringsum bleiben sie die alten. Alles umsonst! Alles umsonst!"

Nun, Cäsar wird wohl Recht haben.

Und doch – es gibt einen Mann – im Blick auf den hat Cäsar nicht recht. Dieser Eine hat das getan, wovon Cäsar als Höchstes redete: Er hat den Menschen Sein Herzblut geschenkt. Und – es war nicht vergeblich.

Dieser eine Mann ist Jesus, der Christus, der Sohn Gottes. Sein Blut hat sich als mächtiger erwiesen als der innere Tod des Menschen. Jesus hat Menschenherzen überwunden. Er hat sie befreit von ihrer Vergangenheit. Er hat ihnen ein neues Leben in Gott und aus Gott und für Gott geschenkt. „Er reinigt", sagt das Neue Testament, unser Gewissen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott."

Darum hat dieser Jesus am Ende auch nicht gesagt: „Alles umsonst! Alles umsonst!" obwohl auf Golgatha es so aussah, als sei all Sein Tun vergeblich gewesen. Sondern Er hat gerufen: „Es ist vollbracht."

Möchten wir doch recht die heilende, vergebende, befreiende und erneuernde Kraft Seines Blutes erfahren! Amen.

 

 

(Melodie: Wie schön leuchtet der Morgenstern)

 

Durch deines Blutes Kraft, o Herr,

Befreie du mich mehr und mehr

Von Sünde und Verderben.

Du hast mich dir, Immanuel,

Gar teur erkauft mit Leib und Seel,

Die Seligkeit zu erben.

Kleiner, reiner muss ich werden

Noch auf Erden, bis ich droben

Dich kann ohne Sünde loben.

 


Dienstag nach Lätare

 

Es war aber der Satan gefahren in Judas, der da war aus der Zahl der Zwölf.

Lukas 22, 3

 

Es ist keine Frage: Es geschehen teuflische Dinge in der Welt. Wer die Bibel kennt, den nimmt das nicht wunder. Wie sollten in der Welt, die sich von Gott gelöst hat, nicht furchtbare Dinge geschehen!

Aber mit Judas war es anders. Er war ja einer von den zwölf Jüngern. Er war ja aus der Welt herausgerufen.

Es ist, als spüre man die Erschütterung, mit der der Evangelist Lukas das ausdrücklich noch einmal feststellt: „… der da war aus der Zahl der Zwölf."

Es ist, als höre man aus diesem Sätzlein das Schluchzen der Gemeinde: Es war ja einer von uns, in den Satan gefahren ist.

Einer von uns! Ja, war denn Jesus nicht stark genug, ihn zu bewahren? Hatte Jesus den Judas denn nicht lieb?

Doch, Jesus hatte den Judas lieb. Und Er ist mächtig, Seine Leute zu bewahren. Aber gerade darum heißt es viel – sehr viel, wenn Jesus einen Menschen aufgibt. Da geht eine lange, lange Geschichte des Widerstrebens und des Ungehorsams voraus.

Und wenn Jesus ein Herz aufgibt – aufgeben muss, dann rückt Satan in die verlassene Stellung ein und besetzt sie. Wie wichtig ist es, dass der Herr unser Leben ganz in Seine Gewalt nimmt. „Hand, die nicht lässt / halte mich fest." Amen.

 

 

(Melodie: Straf mich nicht in deinem Zorn)

 

Ja, er will gebeten sein,

Wenn er was soll geben;

Er verlanget unser Schrein,

Wenn wir wollen leben

Und durch ihn unsern Sinn,

Feind, Welt, Fleisch und Sünden

Kräftig überwinden.

 


Mittwoch nach Lätare

 

Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuss?

Lukas 22, 48

 

Deutlich sehen wir das Bild aus dem Garten Gethsemane vor uns: Hier die wilde Schar der Männer, die ausgezogen sind, Jesum zu fangen, blutrot beleuchtet vom zuckenden Fackellicht. – Dort drüben, unter den alten Bäumen des Gartens, die andere Gruppe: Jesus und Seine Jünger.

Aber da ist ja noch einer!?

Wo gehört denn der hin? Man sieht ihn zwischen beiden Gruppen laufen. Er kam mit den Feinden des Herrn Jesus. Also wird er wohl zu ihnen gehören.

Aber sieh“ er läuft hinüber zu der anderen Gruppe. Mit freundlichem Lächeln tritt er auf Jesus zu. Er tut wie einer, der sich verspätet hat. Jetzt grüßt er den Herrn Jesus sogar mit einem Kuss.

Wir haben uns offenbar geirrt: Er gehört doch nicht zu den Feinden Jesu. Er ist doch wohl einer von Jesu Jüngern. Aber nun sieh, er taumelt zurück, als habe er einen Schlag bekommen. „Verräter" hat ihn Jesus genannt. –

O dieser unglückliche Mann zwischen den Fronten! Er tut, als gehöre er Jesus an. Und heimlich hält er zu der Welt. Sie gab ihm ja 30 Silberlinge, warum sollte er es nicht mit der Welt halten! Aber er wollte es auch mit Jesus nicht verderben. Darum verriet er Ihn nicht offen, sondern mit einem Kuss.

Erkennen wir uns nicht wieder im Bild des Judas? Ein Mann, der einer Entscheidung aus dem Wege gehen will!

Und nun stoßen ihn beide von sich. Jesus nennt ihn Verräter. Und als er später bei der Welt Trost sucht, da stößt auch die ihn von sich. Da nahm er sich das Leben.

Hüten wir uns, dem Mann zwischen den beiden Fronten zu gleichen! Jesus hat sich ganz für uns gegeben zur Erlösung. Nun will Er uns auch ganz haben. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Ringe recht, wenn Gottes Gnade dich nun ziehet und bekehrt,

Dass dein Geist sich recht entlade von der Last, die ihn beschwert.

Ringe, denn die Pfort ist enge, und der Lebensweg ist schmal;

Hier bleibt alles im Gedränge, was nicht zielt zum Himmelssaal.

 


Donnerstag nach Lätare

 

Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn."

Johannes 19, 26

 

Es ist seltsam, wie Jesus hier Seine Mutter anredet: „Weib!" Bis zu dieser Stunde war Jesus der Sohn Marias, der Mann aus Nazareth, der Bruder Seiner Brüder. Nun aber löst Er sich aus dem natürlichen Lebenskreis. Er sagt: „Weib, ich bin nicht mehr dein Sohn. Du hast jetzt keine natürlichen Ansprüche mehr an mich."

Jesus wurde in dieser Stunde in Wahrheit zum Heiland der Welt.

Wir können uns die Bedeutung des Sterbens Jesu gar nicht umfassend genug vorstellen. Sein Tod ist das Heil für alle Jahrhunderte, für alle Völker und Erdteile, für alle Menschen.

Der Schächer am Kreuz kam zum Frieden mit Gott durch den gekreuzigten Herrn Jesus. Aber ebenso gibt es für uns Menschen im modernen Zeitalter der Technik keinen anderen Weg zum Seligwerden als Jesu Kreuz.

Es gibt für uns kein anderes Heil als das, welches auch für die Chinesen gilt: der Opfertod Jesu für Sünder.

Der gelehrteste Akademiker und der Schwachbegabteste, der reichste Milliardär und der ärmste Bettler müssen denselben Weg gehen, wenn sie Frieden mit Gott und Vergebung der Sünden wollen: den Weg über Golgatha.

Man hat je und dann gesagt: „Wie, wenn auf anderen Sternen Menschen wären? Wie würden die denn selig?" Wir wissen nur eine Antwort: „Wir müssten sehen, dass wir ihnen so schnell wie möglich verkündigen: Jesus errettet alle Welt."

Jesus ist der Heiland aller Welt. Darum – Gott sei Dank! – auch unserer. Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, meines Lebens Leben)

 

Jesu, der du wollen büßen für die Sünden aller Welt

Durch dein teures Blutvergießen, der du dich hast dargestellt

Als ein Opfer für die Sünder, die verlornen Adamskinder:

Ach, lass deine Todespein nicht an mir verloren sein.

 


Freitag nach Lätare

 

Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: „Weib, siehe, das ist dein Sohn."

Johannes 19, 26

 

Das ist so wunderbar: In derselben Stunde, in der Jesus zum Heiland der Welt wird – in derselben Stunde zeigt Er: „Es geht mir um den einzelnen Menschen."

Im politischen Leben ist es umgekehrt. Da ist der einzelne nichts. Das Volk ist alles! Ganz anders ist es im Reiche Gottes. Es geht Jesus um Maria, um Johannes, um dich und mich.

Als der Heiland am Kreuze hing, starb Er zur Versöhnung der ganzen Welt. Da überschaute Er im Geiste Völker und Erdteile, Jahrhunderte und Jahrtausende, für die Er der Erlöser sein wollte.

Aber in den Jahrtausenden und in den Völkern sah Er den Einzelnen. Ein Sänger, der das recht verstanden hat, bezeugt in einem Lied so herrlich: „…Er hat auch an mich gedacht / als Er rief: Es ist vollbracht."

Johannes ist der einzige, der diese kleine Episode unter dem Kreuz erzählt. Selbst Lukas, der doch „mit Fleiß" alles zusammengetragen hat, hielt sie nicht für erwähnenswert. Aber Johannes hat sie berichtet. Denn er selbst erfuhr es beglückend: „Der Heiland der Welt hat mich sterbend angesehen."

„Er hat mich angesehen!" So dürfen auch wir wissen, glauben und bekennen.

Wir sind nicht nur „ein bald verwelkt Geschlechte, eine Blum' und fallend Laub." Nein, wir sind angesehen von Jesus, geliebt mit einer ewigen Liebe; wir sind wert geachtet über alles. Amen.

 

 

(Melodie: Eines wünsch ich mir vor allem andern)

 

Ewig soll er mir vor Augen stehen,

Wie er als ein stilles Lamm

Dort so blutig und so bleich zu sehen,

Hängend an des Kreuzes Stamm,

Wie er dürstend rang um meine Seele,

Dass sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle,

Und dann auch an mich gedacht,

Als er rief: „Es ist vollbracht!"

 


Sonnabend nach Lätare

 

Jesus aber sprach: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!"

Lukas 23, 34

 

Tobender Lärm um das Kreuz. Spott, Hass, Gelächter! Zankend teilen die Kriegsknechte die ärmliche Beute. Andere stehen von ferne und schauen unbeteiligt zu.

Da öffnet Jesus den Mund: „… sie wissen nicht, was sie tun."

„… was sie tun!" Wer sind denn die „sie"? Nur die Juden? O nein, auch die Römer, in deren Legionen damals viele Deutsche standen. – Wer sind die „sie"? Nur der Pöbel? O nein, auch die Angesehenen des Volkes. – Wer sind die „sie"? Nur die Gottlosen? O nein, auch die Frommen und Schriftgelehrten. – Wer sind die „sie"? Nur die Menschen von damals? O nein, auch die Menschen von heute, – wir!! „Ich, ich und meine Sünden / die sich wie Körnlein finden / des Sandes an dem Meer / die haben dir erreget / das Elend, das dich schläget …"

Ober uns alle ruft Jesus Sein Urteil: „Sie wissen nicht, was sie tun.“

Entsetzen spricht aus diesem Wort, abgrundtiefes Entsetzen! Warum dies Entsetzen?

Weil Jesus den Menschen kannte vor dem Sündenfall. Er war dabei, als Gott den Menschen schuf „Ihm zum Bilde", den freien Menschen, der „wusste, was er tat".

Und nun sieht Jesus den Menschen so, wie die Sünde ihn gestaltet hat: blind, getrieben von Leidenschaften, unwissend in der Erkenntnis Gottes, entzündet von der Hölle.

Ja, wir sind heilsbedürftig! Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, meines Lebens Leben)

 

Du, ach du hast ausgestanden

Lästerreden, Spott und Hohn,

Speichel, Schläge, Strick und Banden,

Du gerechter Gottessohn,

Nur mich Armen zu erretten

Von des Teufels Sündenketten.

Tausend- tausendmal sei dir,

Liebster Jesu, Dank dafür.

 


Sonntag Judika

 

Jesus aber sprach: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"

Lukas 23, 34

 

Entsetzen spricht aus diesem Wort Jesu: „Was hat der Abfall von Gott aus dem Menschen gemacht!"

Aber gerade in diesem Wort offenbart sich uns das Wunder der Liebe Jesu – das unfassbare Wunder der Barmherzigkeit Jesu.

Vielleicht haben wir uns schon einmal über einen Menschen entsetzt, der uns unbegreiflich und ganz unbegründet Unrecht zufügte. Vielleicht haben wir uns schon einmal entsetzt über die unvorstellbare Gemeinheit und Bosheit, die aus einem Menschenherzen kommen kann.

Dann wissen wir auch, dass Entsetzen die Liebe tötet. Solch ein Entsetzen ist wie ein Eishauch, der jedes Mitgefühl, der die zarten Blümlein der Liebe mordet.

Jesus entsetzt sich über uns. Wir könnten verstehen, wenn Er die Hände von den Nägeln risse und vom Kreuz spränge und riefe: „Vater, lass sie dahinfahren! Sie wissen nicht, was sie tun! Sie sind ganz und gar verstockt, verblendet, verloren!"

Aber höre: So ruft Jesus nicht. Was ruft Er? „Vater, vergib ihnen!"

Das Wunder ist geschehen: Das Entsetzen hat die Liebe nicht getötet. Das Entsetzen hat die Barmherzigkeit nicht getilgt. „Darum preist Gott seine Liebe gegen uns, dass Christus für uns gestorben ist, da wir noch Sünder waren" (Römer 5, 8).

Ja, – in der Tat! – „diese Liebe kann erretten." Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Ich bete an die Macht der Liebe,

Die sich in Jesu offenbart;

Ich geb' mich hin dem freien Triebe,

Womit ich Wurm geliebet ward;

Ich will, anstatt an mich zu denken,

Ins Meer der Liebe mich versenken.

 


Montag nach Judika

 

Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: „Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott?"

Lukas. 23, 40

 

Seltsame Zeugen Seiner Wahrheit hat Gott je und dann gehabt: ehrsame Handwerker und verachtete Zöllner, Könige und Bettler, Gelehrte und ehemalige Verbrecher.

Aber der seltsamste von allen ist ja wohl der eine Schächer, der mit Jesus gekreuzigt wurde. Es ist nicht von ungefähr, dass die Maler diesen Menschen meist als einen jungen Menschen dargestellt haben. Wir können uns das gut vorstellen: eine Jugend in. Rausch, – Sünde, – schließlich das Verbrechen. Und dann das bittere Ende!

Da kam er zu sich. Er erfährt: „Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!" Die Furcht vor Gott ist über ihn gekommen.

Er merkt gar nicht, wie weit er damit sich entfernt hat von seinem Kumpan. Jesus ist zwischen die beiden getreten. Jesus hat sie voneinander getrennt! Jesu Kreuz ist die Scheidelinie zwischen beiden.

Wie gesagt: Der Schächer hat es selbst nicht bemerkt, bis die lästerlichen Worte des anderen an sein Ohr dringen. Da entsetzt er sich: Kann denn ein Mensch mitten im Gericht noch so verstockt sein? Und in solchem Schrecken ruft er: „Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott?"

Eine gewaltige Predigt mitten im Getümmel von Golgatha! Eine Predigt aus dem Munde eines seltsamen Predigers! Und

das Kreuz ist die Kanzel.

Man möchte die Predigt hineinrufen in unser Volk, in die Jugend, in die Häuser der Namenchristen, in die Stätten der Sünde: „Wie? Fürchtet ihr euch denn nicht vor Gott?"

Fürchten wir denn Gott? Dass wir diese Predigt hören möchten! Amen.

 

 

(Melodie: Der Tag ist hin, mein Jesu, bei mir bleibe)

 

Gott rufet noch: Sollt' ich nicht endlich hören?

Wie lass ich mich bezaubern und betören?

Die kurze Freud', die kurze Zeit vergeht,

Und meine Seel' noch so gefährlich steht.

 


Dienstag nach Judika

 

Wir zwar sind billig darin, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind.

Lukas 23, 41

 

Golgatha, ein Ort voller Wunder!

Oder ist es kein Wunder?: Der Gesetzlose verkündet das Gesetz. Der Rechtlose verkündigt das Recht!

Der Schächer, der neben Jesus am Kreuz hing, war ein Gesetzloser. Er hatte nicht nur das menschliche Gesetz, sondern auch das Gesetz Gottes verachtet und mit Füßen getreten. Er hatte sich außerhalb der göttlichen Ordnungen und Rechte gestellt.

Und nun – welche Veränderung hat Gott im Herzen dieses Mannes bewirkt! Dieser Gesetzlose verkündet das Gesetz: „Der Sünder hat das Gericht und den Tod verdient."

Nicht als eine theoretische Erkenntnis spricht er das aus. O nein! Er selbst beugt sich unter das göttliche Gesetz: „Ich, der Sünder, habe das Gericht Gottes und den Tod verdient."

Unter dem Kreuze standen viele Menschen. Wo war einer, der solche Erkenntnis gehabt hätte? Der so sich unter Gottes Gerichtsurteil gebeugt hätte? Der so Gott recht gegeben hätte? Weil sie das nicht taten, konnten sie auch Gottes Heil in Jesus nicht erkennen.

Denn nur wo ein Mensch Gott Recht gibt, wo ein Mensch seinen verlorenen Zustand erkennt und Buße tut, kann auch rechte Heilserkenntnis anbrechen.

So wird dieser aufrichtige Schächer für uns zum Bußprediger. Dass wir doch mit ihm sprechen lernten: „Herr, wir haben deine Gerichte verdient. Unsere Taten taugen nicht vor dir." Dann dürfen wir auch mit ihm an Jesus froh werden. Amen.

 

 

(Melodie: Vater unser im Himmelreich)

 

Erbarm dich deiner bösen Knecht',

Wir flehn um Gnad' und nicht um Recht;

Denn so du, Herr, den rechten Lohn

Uns geben wollst nach unserm Tun,

So müsst die ganze Welt vergehn,

Und könnt kein Mensch vor dir bestehn.

 


Mittwoch nach Judika

 

Und er sprach zu Jesus: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst."

Lukas 23, 42

 

Golgatha!

Wunderbare Dinge geschehen dort: Der Verirrte findet den richtigen Weg.

Ja, ein Verirrter war er, der Mann dort neben Jesus am Kreuz. Er hatte den rechten Weg und jeden Halt verloren. Dunkle Leidenschaften hatten ihn mitgerissen, falsche Freunde hatten ihn verführt – so war das Schiff seines Lebens steuerlos dahingetrieben.

Nun kam der Schlussstrich – ein Leben versinkt in ewiger Finsternis!

Aber nein – da geschieht die Wendung, die Rettung! Neben dem Verirrten, dessen Fuß nie einen geraden Weg fand, hängt ein anderer. Der hat ein paar Stunden vorher gesagt: „Ich bin der Weg… niemand kommt zum Vater denn durch mich!" Der Schächer hat es nicht gehört. Aber es ist, als habe er es gehört. Er erkennt es, glaubt es, fasst es und – geht den einzigen Weg, der zum Vater führt.

Keinem unter all denen, die unter dem Kreuz stehen, sind so hell die Augen aufgetan. Keiner sieht so klar den guten Weg zum Vater wie – der Verirrte.

Wie ist das möglich?

Ach, die anderen haben alle noch genug an ihren eigenen Wegen; sie sind noch zu zufrieden und sicher auf ihren selbstgewählten Pfaden. Wie sollten sie begreifen, dass ihre Wege verloren sind!

Aber der, welcher keinen Weg mehr sieht, dessen Pfad in Nacht versinken will, der sieht: Es gibt nur einen rechten Weg. Und das ist der Weg, den Gott in Jesus gegeben hat. Möchten wir ihn sehen und gehen! Amen.

 

 

(Melodie: Ich will dich lieben, meine Stärke)

 

Ich lief verirrt und war verblendet,

Ich suchte dich und fand dich nicht,

Ich hatte mich von dir gewendet

Und liebte das geschaffne Licht.

Nun aber ist's durch dich geschehn,

Dass ich dich hab' ersehn.

 


Donnerstag nach Judika

 

Dieser hat nichts Unrechtes getan.

Lukas 23, 41

 

Wunderbares geschieht: Die Steine schreien!

„Wenn diese schweigen, dann werden die Steine schreien!" So hatte Jesus den. Obersten Seines Volkes erklärt, als sie Ihn aufforderten, den Lobpreis Seiner Jünger abzustellen.

Nun schweigen die Jünger. Nun war es Zeit, dass die Steine schrieen und Jesus lobten. Und sieh! es geschieht. Oder vielmehr etwas, was noch viel stummer und härter ist als die Steine, erhebt seine Stimme zu einem Zeugnis für Jesus: ein hartes, in der Sünde hart gewordenes Menschenherz. Der Schächer, der neben Jesus am Kreuz hängt, legt laut ein Zeugnis für Ihn ab: Dieser hat nichts Unrechtes getan!" Damit ergreift er Partei für Jesus gegen alle die, die unter dem Kreuz standen, gegen Römer und Pharisäer und Hohepriester.

Das ist etwas Großes. Man, ist es gewohnt, dass ein Verurteilter seine Unschuld beteuert. Das ist weiter nichts Verwunderliches. Aber das tut dieser Schächer nicht. Seine Sünde hat er bekannt: „Wir empfangen, was unsere Taten wert sind." Aber nun rühmt er Jesus: „Der ist gut! Der ist heilig! Der ist rein!" Wahrlich, die Steine schreien für Jesus!

„Dieser hat nichts Unrechtes getan!" sagt der Schächer. Warum er selbst da hängt, weiß er nur zu gut. Aber warum hängt der Unschuldige am Kreuz?

„Ich trage meine Schuld", denkt der Schächer. „Aber wessen Schuld trägt der dort, der Reine, der Unschuldige?"

Und durch sein Herz zieht wohl eine Erinnerung an alte Bibelworte, die er in seiner Jugend härte, von einem, der „der Welt Sünde trägt", von einem, „auf den Gott unser aller Sünde warf". Und er erfasst glaubend: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten" (Jesaja 53). Amen.

 

 

(Melodie: Herzliebster Jesu)

 

Wie wunderbarlich ist doch diese Strafet

Der gute Hirte leidet für die Schafe,

Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte,

Für seine Knechte.

 


Freitag nach Judika

 

Jesus sprach zu ihm: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein."

Lukas 23, 43

 

Hier sehen wir das größte Wunder von Golgatha: Der Ausgeschlossene schließt auf!

Ausgeschlossen ist Jesus, wie nie ein Mensch ausgeschlossen war. Die Menschen haben Ihn aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen. „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht." Die Erde hat keinen Raum mehr für den Sohn Gottes. Schon bei der Geburt blieb Ihm nur der geringste Raum: ein Stall. Nun ist Er ganz ausgeschlossen: Zwischen Himmel und Erde hängt der Sterbende.

Und auch der Himmel hat Ihn ausgestoßen. Gott warf unser aller Sünden auf Ihn. Nun ruft der Sündenbeladene – und doch Schuldlose: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!" Ja – es ist unfassbar und doch wahr: Auch der Himmel hat Ihn, den Sohn, ausgeschlossen, damit Er an unserer Statt ganz von Gott verlassen sei.

So war niemals ein Mensch ausgeschlossen von Himmel und Erde, von Gott und Menschen, wie Jesus, als Er am Kreuze hing.

Und dieser Ausgestoßene schließt dem. bußfertigen Schächer den Himmel auf!

Er tut es. Und Er ist der Einzige, der es tun kann. „Er hat die Schlüssel Davids. Er tut auf, und niemand schließt zu. Und er schließt zu, und niemand tut auf", sagt Offenbarung 3 von Jesus.

Es gibt auch für uns keinen anderen, der uns wirklich auftun könnte, als „das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt". Amen.

 

 

(Melodie: Mein Herzensjesu, meine Lust)

 

Ach, sucht doch den, lasst alles stehn,

Die ihr das Heil begehret;

Er ist der Herr und keiner mehr,

Der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund' von Herzensgrund,

Sucht ihn allein; denn wohl wird sein

Dem, der ihn herzlich ehret.

 


Sonnabend nach Judika

 

Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, sprach er zu seiner Mutter: „Weib, siehe, das ist dein Sohn!" Darnach spricht er zu dem Jünger: „Siehe, das ist deine Mutter!"

Johannes 19, 26-27

 

Natürliche Blutsbande waren es nicht, die Maria und Johannes verbanden. Was in aller Welt ging den jungen Fischer vom Galiläischen Meer die leidgeprüfte Witwe an! Und was hatte diese Frau mit dem jungen Menschen zu tun!

Und doch – nun gehören sie zusammen in einer neuen und wunderbaren Gemeinschaft.

So stiftete Jesus die neue „Gemeinschaft unter dem Kreuz".

Es gibt mancherlei Bande unter den Menschen: Verbundenheit der Blutsverwandtschaft, Volksgemeinschaft, Interessengemeinschaft, Gemeinschaft in der Sünde und Verbundenheit in frohem gemeinsamen Erleben.

Ganz anders aber ist diese Gemeinschaft, die, von Jesus selbst gestiftet, unter Seinem Kreuz entsteht. „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Mann noch Weib …", sagt der Apostel Paulus.

Nicht, als wenn hier eine öde Gleichmacherei wäre. Alle Unterschiede bleiben bestehen. Maria wird eine „Mutter" in dieser neuen Gemeinschaft. Und Johannes, der junge Mann, ein „Sohn".

Und doch sind alle Unterschiede zusammengefaßt in der höheren Einheit: in Christus.

„Er das Haupt – wir seine Glieder / Er das Licht – und wir der Schein." Diese neue Gemeinschaft, die Gemeinde, ist es, der Jesus die Verheißung gab: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Amen.

 

 

(Melodie: Herz und Herz vereint zusammen)

 

Ach, du holder Freund, vereine

Deine dir geweihte Schar,

Dass sie es so herzlich meine,

Wie's dein letzter Wille war.

Ja, verbinde in der Wahrheit,

Der du selbst die Wahrheit bist,

Alles, was von deiner Klarheit

In der Tat erleuchtet ist.

 


Palmsonntag

 

Aber viel Volks breitete die Kleider auf den 'Weg; die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber schrie und sprach: „Hosianna …"

Matthäus 21, 8-9

 

Welch ein herrliches, liebliches Bild: Eine große Menge, die Jesus die Ehre gibt. Wie mischt sich dieses Lobgetön in den Gesang der himmlischen Heerscharen, die den Sohn Gottes preisen, der, gehorsam dem Vater, zum Kreuze zieht!

Nun müssen wir darauf achten, dass jeder in seiner Weise den Herrn ehrte. Ehren wollen sie Ihn alle! Aber jeder tut es nach seiner Weise.

„Etliche heben Zweige von den Bäumen."

Es ist nicht jedermanns Sache, auf Bäume zu steigen. Für die Alten war das nichts. Aber für die jungen Männer, für die Übermütigen und Verwegenen war das die rechte Weise, Jesum zu ehren.

„Viel Volks breitete die Kleider auf den Weg."

Es gab Arme, die nicht viel mehr trugen unter dem Obergewand. Die konnten da nicht mittun. Und den Frauen und Mädchen verbot die Scham solche Ehrung.

Aber für „viel Volks" war das eben die rechte Weise, Jesum zu ehren.

Und wer nicht auf Bäume steigen konnte und wer seinen Rock nicht ablegen konnte, der „schrie" wenigstens: „Hosianna!"

Und die Alten, die nicht mehr schreien konnten, sprachen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!"

So fand jeder seine Weise, Jesum zu ehren. Und die mancherlei Weisen klangen zusammen zu einem herrlichen Lob auf den Sohn Gottes.

Dass wir doch auch unsere Weise fänden, Ihn zu ehren und Ihm den Weg zu bereiten! Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Lobet den Herren, alle, die ihn ehren,

Lasst uns mit Freuden seinem Namen singen

Und Preis und Dank zu seinem Altar bringen:

Lobet den Herren!

 


Montag in der stillen Woche

 

Von dem Ort will ich mich dir bezeugen und mit dir reden, nämlich von dem Gnadenstuhl.

2. Mose 25, 22

 

Gottes Volk war umgeben von Völkern und Menschen, die nach ihren eigenen Gedanken sich Götter schufen, an denen sie dann enttäuscht und zu Schanden wurden.

Schon das alttestamentliche Volk Gottes aber war dieser Not und Verwirrung enthoben: Der lebendige Gott war unter ihnen! In der Stiftshütte, im Allerheiligsten, war der Ort, an dem Er sich ihnen bezeugte.

„Darf ich Sünder denn daran teilhaben?" fragte manch erschrockenes Gewissen. „Jawohl, du darfst!" hieß es. „In der Bundeslade liegt das Gesetz. Und das verdammt dich. Lass dich verdammen! Aber sieh, über der Bundeslade ist der ,Gnadenstuhl’. Hier ist Gottes gnädige Gegenwart. Glaube und komm!" Dieser Gnadenstuhl in der Stiftshütte war Vorbild und Verheißung. Gott hat vor aller Welt einen neuen „Gnadenstuhl" aufgestellt: Das Kreuz Jesu Christi. (Römer 3, 25.)

Nun braucht die hungrige Seele nicht mehr hin und her zu irren, vor Gott zu fliehen oder Gott hier und da zu suchen. Wir dürfen zum Kreuze gehen! „Von dem Ort", sagt Gott, „will ich mich dir bezeugen und mit dir reden!"

Ja, im Kreuz bezeugt sich Gott. Im Gericht, das der Sohn stellvertretend für uns trug, bezeugt sich Gott als Todfeind der Sünde.

Aber Gott bezeugt sich an diesem Ort noch herrlicher. Das Kreuz ist ja der Gnadenstuhl. Gottes Herz tut sich auf, Seine Liebe zum verlorenen Kind wird hier sichtbar. Ja, von hier redet Er freundlich und tröstlich mit uns: „Ich habe dich erlöst!" Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, Gnadensonne)

 

Gnade und Vergeben heißt das süße Wort;

Das trägt mich durchs Leben, nimmt den Jammer fort,

Bringet Heil und Frieden in mein Herz hinein,

Dass ich schon hienieden kann recht selig sein.

 


Dienstag in der stillen Woche

 

Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?" Und einer aus ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht.

Lukas 22, 49-50

 

Eine tumultartige Szene im Garten Gethsemane!

Trauriges Bild: Der Ton empört sich gegen den Töpfer; der Mensch nimmt seinen Heiland gefangen.

Das Traurigste ist aber, dass der Herr in dieser Stunde kämpfen muss mit der Verkehrtheit Seiner Jünger.

Petrus zieht das Schwert. Er meint, er müsse den Herrn Jesus, Seine Sache und Sein Reich retten, wie man wohl ein irdisches Reich rettet mit dem Schwert. Gewaltiger Irrtum! Wir haben nicht einen Herrn, den wir retten müssten. Er rettet vielmehr uns.

Petrus hätte wohl wissen können, dass Jesu Weg der Kreuzesweg ist. Den Kreuzesweg aber wollte er nicht. So kämpfte er in Wahrheit gegen den Heiland. Sein Kampf war Flucht vor dem Kreuz. Unsere Art ist aber von Natur nicht anders als die des Petrus.

Man muss darauf achten, dass Petrus vor seinem Dreinschlagen den Herrn fragt: „Herr, willst du, dass wir mit dem Schwert dreinschlagen?"

Aber ehe eine Antwort erfolgt, legt er los. Er denkt ohne weiteres, sein Wille müsse auch der Wille seines Herrn sein. Das meinen wir auch. immer. Wenn wir etwas gut meinen, dann soll es gleich auch Gattes Wille sein.

Aber so ist es nicht. Petrus hat es noch sehr lernen müssen, seinem Herrn ganz gehorsam zu werden. Und wir müssen es auch lernen.

Wie groß ist Jesu Geduld, nicht nur mit der Welt, sondern auch mit Seinen Jüngern! Amen.

 

 

(Melodie: Nun ruhen alle Wälder)

 

Ich will ans Kreuz mich schlagen

Mit dir und dem absagen,

Was meinem Fleisch gelüst't;

Was deine Augen hassen,

Das will ich fliehn und lassen,

Soviel mir immer möglich ist.

 


Mittwoch in der stillen Woche

 

Darum dass seine Seele gearbeitet hat…

Jesaja 53, 11

 

„Aktiv" – „Passiv".

Das sind zwei große Gegensätze!

Aktiv bin ich, wenn ich etwas tue. Passiv, wenn an mir etwas getan wird, wenn ich etwas erleide.

Da wird ein Verurteilter hingerichtet. Bei diesem Vorgang ist der Henker aktiv. Der Verurteilte „erleidet" den Tod, er ist passiv.

Wie war es denn nun bei Jesus, als Er Seine Passion erlitt? Als Er sich kreuzigen ließ, als Er kein Wort zu Seiner Verteidigung sagte, als Er alles mit sich tun ließ, als Er „seinen Mund nicht auftat wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird": War Er da aktiv oder passiv?

Ach, diese Antwort scheint ja so einfach: Er erlitt den Tod; Er war passiv in Seiner Passion.

So sehen die meisten Menschen den Tod Jesu an. Darum bringen sie es höchstens zu einem Mitleid mit dem Unschuldigen.

Aber – das ist falsch gesehen. Das ist das Wunder von Golgatha: Jesus ist in Seinem Leiden – aktiv. Er lässt alles mit sich machen – und doch: In Wahrheit tut Er etwas. Er handelt. „Seine Seele arbeitet."

Jesu Leiden war nicht ein „Erleiden", sondern ein „Tun".

Was Er getan hat? Er hat die Welt mit Gott versöhnt. Er hat mit der Hölle gekämpft und gesiegt. Er hat den völligen Gehorsam geleistet. Er hat das Lösegeld bezahlt. Er hat die Schuld der Welt weggetragen.

Was Er tat, verstehen wir, wenn wir aus Seinem Munde das Wort hören: „Ich habe dich erlöst." Amen.

 

 

(Melodie: O Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Wir danken dir, Herr Jesu Christ,

Dass du für uns gestorben bist

Und hast uns durch dein teures Blut

Gemacht vor Gott gerecht und gut.

 


Gründonnerstag

 

Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: „Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird."

Lukas 22, 20

 

Es liegt dem Herrn Jesus so viel daran, dass Seine Leute ihres Heiles gewiss sind. Darum hat Er uns auch das heilige Abendmahl gegeben.

Ein Beispiel soll uns den Sinn des Abendmahls verdeutlichen: Im Mittelalter eine belagerte Stadt. Sie kann sich gegen den Feind nicht mehr halten. Und darum wird auf den Stadttoren die weiße Fahne, das Zeichen der Ergebung, gezeigt.

Im feindlichen Lager hat sich der Feldherr mit seinen Offizieren versammelt. Es öffnet sich das Stadttor. Heraus kommt der Kommandant. Er überreicht dem feindlichen Feldherrn den Schlüssel zum Haupttor der Stadt.

Dieser Schlüssel ist dem Feldherrn das sichtbare Zeichen: „Die Stadt gehört mir."

So hat Jesus uns in Brot und Wein ein sichtbares Zeichen gegeben, dass Er ganz uns gehören will, dass Er Sein Leben ganz für unsere Erlösung gegeben hat, dass Sein Heil uns gehört.

Wie in dem Schlüssel die ganze Stadt dem Feldherrn gegeben wird, so gibt sich der erhöhte Herr wirklich und ganz uns im Brot und Wein des Abendmahls.

Wenn wir uns das klarmachen, dann lernen wir verstehen, dass das Abendmahl in der ersten Gemeinde eine Lob- und Dankfeier war. Das sollte es bei uns wieder werden. Beim Abendmahl darf die Gemeinde fröhlich werden über dem gewissen Heil Gottes in Jesus Christus für Sünder. Amen.

 

 

(Melodie: Schmücke dich, o liebe Seele)

 

Will hinfort mich etwas quälen, oder wird mir etwas fehlen,

Oder wird die Kraft zerrinnen, so will ich mich nur besinnen,

Dass ich einen Heiland habe, der vom Kripplein bis zum Grabe,

Bis zum Thron, wo man ihn ehret, mir, dem Sünder, zugehöret.

 


Karfreitag

 

Da aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott.

Lukas 23, 47

 

In ergreifender Weise schildert Frau von Bethmann-Hollweg in einem Lied, wie durch die verlorene, Sündenbeladene Welt eine Schar Menschen zieht, die auf ihren Lippen einen wundersamen Lobgesang hat: „Es ist das Lied vom Lamme/ das herrlich neue Lied / das von dem Kreuzesstamme / durch Ewigkeiten zieht / das Lied von Jesu Wunden / von Jesu Sieg und Macht / wie er ein Heil gefunden / das hier schon selig macht."

Unzählige sind es, die diesen Labgesang unter dem Kreuz anstimmen, die fröhlich geworden sind über der Erkenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vorn Tode und von der Gewalt des Teufels … mit seinem heiligen, teuren Blut und mir seinem unschuldigen Leiden und Sterben."

So hat es Luther bekannt. Und so rühmt die Gemeinde Jesu zu allen Zeiten.

Habt ihr einmal daran gedacht, wer dies Bekenntnis unter dem Kreuz Christi zuerst gesprochen hat?

Ein heidnischer Hauptmann war es. „Da aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott."

Lobgesänge und Anbetung unter dem Kreuz! Während die Jünger sich erschrocken verstecken, während die Menge verstört heimeilt, während die Schriftgelehrten in Hass sich verstocken – „preist er Gott".

Wie kommt er dazu? „Da der Hauptmann sah, was da geschah…" Der Hauptmann sah. Ja, das ist es! „Sehet auf mich, aller Welt Enden, so werdet ihr errettet", sagt der Herr. Der Hauptmann blieb nicht allein. Seit 2000 Jahren haben viele auf das Kreuz gesehen. Und sie wurden errettet.

Es ist rettende Kraft im Kreuz. Und darum werden sie nie mehr verstummen, die Lobgesänge unter dem Kreuz. Amen.

 

 

(Melodie: Ach was bin ich, mein Erretter)

 

Jesu, gib gesunde Augen, die was taugen, rühre meine Augen an;

Denn das ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann.

 


Karfreitag Nachmittag

 

Wir gingen alle in der Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

Jesaja 53, 6

 

Im 5. Kapitel der Offenbarung wird uns die vollendete Gemeinde gezeigt. Mit „großer Stimme" betet die Gemeinde das „erwürgte Lamm" an.

Mit dieser vollendeten Gemeinde versammelt sich die „streitende Kirche" um das „Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt" zur Anbetung. Sie sagen:

Es ist wahr: Wir gingen alle in der Irre wie Schafe. Herr, wir sahen auf unseren Weg. Wir waren blind und wussten nicht, dass unser Weg ein Weg in ewiges Verderben ist. Ja, Herr, wir waren trotzig und bestanden auf unserm Weg. Und wir häuften Schuld auf Schuld auf diesem bösen Weg.

O Herr – wo ist nun unsere Schuld? Du hast sie fortgetragen. Du wirfst alle unsre Sünden hinter dich zurück. Du hast uns herausgerettet aus Irre und Verlorensein. Du hast unsere Füße auf den Weg des Heils gestellt. Du hast die verschmachtende Seele zurückgeholt. Du hast uns den Kelch des Heils gereicht.

Und warum, Herr? Warum? Dein barmherziges Herz trieb dich. „Erbarmung ist's und weiter nichts."

Nun danken wir dir. Nun wollen wir, dein mit Blut erkauftes Volk, dich rühmen. Wir wollen dich preisen in Ewigkeit. Ja, Herr, in der Ewigkeit wollen wir dich besser preisen. Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Ach, nimm das arme Lob auf Erden,

Mein Gott, in allen Gnaden hin.

Im Himmel soll es besser werden,

Wenn ich bei deinen Engeln bin.

Da bring' ich mit der obern Schar

Viel tausend Halleluja dar.

 


Stiller Sonnabend

 

Und Josef nahm den Leib Jesu und legte ihn in sein eigenes neues Grab, welches er hatte lassen in einen Fels hauen.

Matthäus 27, 60

 

Er war sicher ein besinnlicher Mann, der Josef von Arimathia. Manches Mal wohl ging er durch seinen Garten bis dahin, wo in einer Felswand die Gräber seiner Familie lagen.

Da liegt der Großvater, der den Reichtum des Hauses begründete – dort der Vater – hier die Mutter – – und hier – hier werde ich einmal liegen.“

Dann kam ihn wohl ein leises Grauen an, wenn er vor seinem eigenen Grabe stand: „Ach, wie ist der Tod doch so bitter!“ -

„Ich muss mir ein anderes Grab hauen lassen", denkt Josef am Karsamstagabend. Und es will ihm seltsam und schwer zumute werden, dass nun ein anderer in seinem Grabe liegt: Jesus von Nazareth, der Mann, an den er so große Hoffnungen knüpfte. –

Und wieder steht er wenige Tage später vor der Grabeskammer. Es sieht hier nach Zerstörung aus: Die Beete sind zertrampelt von römischen Soldaten, der Rasen zertreten, die Felsplatte, die das Grab abschloss, liegt wie weggeschleudert an der Seite. Jesus lebt!

Josef schaut in sein Grab. „Nun werde ich doch hier liegen", denkt er. Und seltsam – er empfindet gar kein Grauen mehr. Die Furcht ist vergangen. Fast fröhlich schaut er in sein Grab.

Wo mein Heiland lag, kann ich mich getrost zur Ruhe betten", denkt er. „Ich werde in einem Grabe liegen, über dem der Fürst des Lebens seine Siegesfahne aufgepflanzt hat."

Und das gilt nicht nur für Josefs Grab; das gilt auch für unser Grab. Amen.

 

 

(Melodie: Dieweil wir sind versammelt)

 

Ich geh zu deinem Grabe, du großer Osterfürst,

Weil ich die Hoffnung habe, dass du mir zeigen wirst,

Wie man kann fröhlich sterben und fröhlich auf erstehn,

Auch mit des Himmels Erben ins Land des Lebens gehn.

 


Erster Ostertag

 

Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.

Lukas 24, 34

 

Es war wohl eine späte Nachtstunde, als die Emmaus-Jünger froh bewegt in Jerusalem in den Kreis der Jünger traten, um den Ängstlichen und Betrübten ihre wundersame Begegnung mit dem Auferstandenen zu berichten.

Aber sie kamen zuerst gar nicht zu Wort. Gar nicht mehr ängstlich und betrübt, sondern voll Siegesfreude finden sie die Jünger vor. Und es war wohl ein rechter Tumult, als es jeder zuerst berichten wollte: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.“

Was liegt nicht alles in dem Wörtlein „wahrhaftig"!

Da spricht die Vernunft, die sich lange, lange gewehrt hat und sich nun geschlagen gibt vor der Wirklichkeit des lebendigen Gottes: „Er ist wahrhaftig auferstanden!"

Da spricht die Seele. Lange hieß es: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir!" Nun hat Gott geantwortet. Und Sein herrliches Tun unter den Menschenkindern schenkt uns den Retter und Todesüberwinder. Nun heißt es: „Mein Leib und meine Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.“

Da spricht das Herz. Es hat gezittert und sich gefürchtet, als es am Karsamstag so aussah, als wolle Menschenmacht und Menschenbosheit triumphieren. Nun ist das Herz froh und getrost: „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein I ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein."

Da spricht der Mund, der nicht mehr schweigen kann, der es aller Welt bezeugen muss: „Er ist wahrhaftig auferstanden." Amen.

 

 

(Melodie: Christ ist erstanden)

 

Christ ist erstanden

Von der Marter alle;

Des soll'n wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,

So wär die Welt vergangen;

Seit dass er erstanden ist,

So lob'n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis.

 


Ostermontag

 

Und sie gingen wieder vom Grabe und verkündigten das alles den elf Jüngern und den anderen allen. Und es deuchten sie ihre Worte eben, als wären's Märlein.

Lukas 24, 9+11

 

Die armen Jünger! Das war eine ihrer dunkelsten Stunden! Alle ihre religiösen Erwartungen vom Reiche Gottes waren zusammengebrochen, als Jesus, ihr Meister, am Kreuze starb. Nun sitzen sie am hellen, lichten Ostermorgen hinter verschlossenen Türen.

Da klopft es. Zögernd machen sie auf. Ein paar Frauen stehen da und erzählen ihnen atemlos: „Jesus lebt!"

Die Jünger winken ab: „Weibererzählungen! Das sind ja Märlein!"

Ach, wie elend und trostlos sah es bei diesen Jüngern aus! Aber das Merkwürdige war, dass sie sich dabei sicher noch sehr erhaben, klug und weise vorkamen, als sie die Berichte der Frauen als Märlein abtaten.

Und die Frauen, die doch den Herrn selbst gesehen hatten, werden sich sicher recht verwundert haben über solchen Unverstand, der sich selbst noch klug und erhaben vorkommt.

So wie die Jünger damals waren, so ist die blinde Welt zu allen Zeiten bis auf unsere Tage: ungläubig, blind und aufgeblasen gegenüber den großen Taten Gottes.

Und da ist es schon eine große und frohe Tatsache, dass der Herr Jesus Seine Jünger nicht in ihrer Finsternis ließ. Als Er unter sie trat und sprach: „Friede sei mit euch", da wurden sie beschämt und überfroh zu gleicher Zeit.

Und ich weiß auch für uns nichts Herrlicheres, als dass der Herr in unsere Nacht hereinbricht und sich offenbart als der Lebendige. Amen.

 

 

(Melodie: Es ist das Heil uns kommen her)

 

Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin,

Die Sonn' ist aufgegangen.

Ermuntre deinen Geist und Sinn,

Den Heiland zu empfangen,

Der heute durch des Todes Tür

Gebrochen aus dem Grab herfür,

Der ganzen Welt zur Wonne.

 


Dienstag nach Ostern

 

Siehe, ich bin bei euch alle Tage.

Matthäus 28, 20

 

Wir haben es gewiss schon erlebt, dass sich ein Mensch in seltsamer Abhängigkeit an andere bindet. Das kann allerlei Gründe haben. Aber es wird immer so sein, dass so ein Mensch allein nicht recht fertig wird und die anderen braucht zur Hilfe, zur Stütze, zum Trost.

Nun bindet sich hier der auferstandene Herr Jesus an Seine Jünger. Aber wir dürfen daraus nicht schließen, dass Er uns nötig habe oder irgendwie auf uns angewiesen sei.

Ja, aber warum bindet Er sich denn so an uns?

Ein Beispiel soll es uns erklären: Da war ein junger Mensch zum ersten Mal von Hause weg. Beim Abschied hat ihm sein Vater gesagt: „Ich kann dich in den ersten vier Wochen nicht besuchen, weil meine Arbeit mich hier festhält."

Es ist noch keine Woche verflossen. Der junge Mensch steht am Haustor. Wenn er's auch nicht merken lassen will, er hat mächtig Heimweh. Er findet sich nicht leicht zurecht in der Fremde und leidet innerlich Not.

Auf einmal hört er Schritte. Er sieht auf – da kommt sein Vater. „Vater, Du hier?" fragt er glücklich. „Du wolltest doch nicht … warum kommst Du?" Da sagt der Vater nur schlicht: „Ich habe gemerkt, dass mein Junge mich braucht."

Darum bindet sich Jesus an uns, und darum will Er allezeit bei uns sein, weil Er weiß, dass Seine Jünger Ihn brauchen.

Wie sollten wir auch fertig werden ohne Ihn? „Ohne dich, wo käme / Kraft und Mut mir her? / Ohne dich, wer nähme / meine Bürde? Wer?" Gott sei Dank! Er ist bei uns alle Tage! Amen.

 

 

(Melodie: Vater unser im Himmelreich)

 

Kein bess're Treu auf Erden ist

Denn nur bei dir, Herr Jesu Christ.

Ich weiß, dass du mich. nickt verlässt;

Dein’ Wahrheit bleibt mir ewig fest.

Du bist mein rechter, treuer Hirt,

Der ewig mich behüten wird.

 


Mittwoch nach Ostern

 

Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie… sie erschraken aber und meinten, sie sähen einen Geist.

Lukas 24, 36-37

 

Unverständliches Verhalten der Jünger!

Die zwei traurigen Emmaus-Jünger waren dem auferstandenen Herrn Jesus begegnet. Eilig liefen sie zurück und suchten die Freunde auf. Aber ehe sie ihren Bericht loswerden konnten, erzählten die ihnen ganz aufgeregt: Wir wissen alles, „der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen." Und dann erzählen die beiden den aufhorchenden Jüngern ihr Emmaus-Erlebnis: ihre Begegnung mit dem Manne Jesus, der von den Toten auferstanden ist.

„Und als sie noch davon redeten…" so erzählt der Text – „trat er selbst, Jesus, mitten unter sie."

Man sollte doch nun wirklich annehmen, diese Jünger seien nach all den Berichten genügend vorbereitet gewesen auf das Erscheinen Jesu. Die Auferstehung war ihnen verkündigt. Sie hatten der Verkündigung geglaubt. Sie redeten davon.

Nun trat Jesus mitten unter sie. Jetzt müsste der Bericht doch weitergehen: „Sie aber jubelten, fielen ihm zu Füßen…" Zu unserem Erstaunen aber hören wir etwas ganz anderes: „Sie erschraken und meinten, sie sähen einen Geist." Und es dauerte sehr lange, bis der Herr Jesus sie von der Wirklichkeit Seines Lebens und damit von der Wirklichkeit ihres Heils überzeugen konnte.

Diese Jünger sind ein Bild der Christenheit. Man weiß von Gott und von Jesus. Man weiß von Sünde und Errettung. Aber man weiß davon eben nur theoretisch, nur vom Hörensagen. Wie würden wir erschrecken, wenn Jesus jetzt unter uns träte! Und wir werden erschrecken. Denn Er kommt wieder.

Wir brauchen ein Christentum der göttlichen Wirklichkeiten, wo man den lebendigen Herrn wirklich kennt und in Ihm Seines Heils gewiss geworden ist. Amen.

 

 

(Melodie: Gelobt sei Gott im höchsten Thron)

 

Er ist erstanden von dem Tod,

Hat überwunden alle Not;

Kommt, seht, wo er gelegen hat.

Halleluja.

 


Donnerstag nach Ostern

 

Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: „Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?"

Lukas 24, 37-38

 

„Sie meinten, sie sähen einen Geist!"

Das ist ja zum Erschrecken! Leute, die drei Jahre mit dem Heiland lebten, glauben an Gespenster! Da wird offenbar, wie tief in uns Menschen der Aberglaube sitzt.

Es gibt mancherlei Aberglaube: Die Jünger meinten, sie sähen einen Geist. Nun, es gibt gewiss unheimliche Mächte zwischen Himmel und Erde. Und viele Menschen kommen mit ihrem Glauben nicht weiter als zu solchem Spiritismus oder Glauben an die Gestirne.

Die Bibel aber richtet jeden Aberglauben.

Wie viele glauben an Geld und Macht! „Aberglaube", sagt Jesus. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."

Und nun erst der unheimliche Aberglaube, wo man an Menschen oder an sich selbst glaubt. Gottes Wort sagt: „Verflucht ist, wer sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seine Stärke und mit seinem Herzen vom Herrn weicht."

Und nun seht unseren Text! Wie führt der Herr Jesus Seine Jünger voll Barmherzigkeit heraus aus all dem dunklen Wust, der das Herz knechtet, – hinein in die einzige, strahlende Gewissheit: Wir haben einen lebendigen Heiland.

Jesus macht uns frei von den Kräften und Elementen dieser Welt, von aller Finsternis – und von allen Sündenmächten.

Wenn die Sonne aufgeht, verschwinden alle Fledermäuse, Eulen und anderes Nachtgetier. Wohin Jesus kommt, da wird es Licht. Er macht frohe und freie Gotteskinder. Amen.

 

 

(Melodie: Es ist das Heil uns kommen her)

 

Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin,

Die Sonn' ist aufgegangen.

Ermuntre deinen Geist und Sinn,

Den Heiland zu empfangen,

Der heute durch des Todes Tür

Gebrochen aus dem Grab herfür,

Der ganzen Welt zur Wonne.

 


Freitag nach Ostern

 

Da sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: „Friede sei mit euch." Sie erschraken aber und fürchteten sich, meinten, sie sähen einen Geist.

Lukas 24, 36-37

 

Durch viel Furcht mussten die Jünger gehen!

Erst saßen sie hinter verschlossenen Türen aus Furcht vor den Juden. Dann hören wir, wie die Emmaus-Jünger dem Herrn erzählen: „Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern."

Und nun kommt Jesus. Und da heißt es: „Sie erschraken und fürchteten sich."

Wir dürfen jetzt nicht gleich aufbrausen und sagen: „Ach, das waren feige Leute!" Nein, das waren sie gar nicht. Denkt nur einmal daran, wie tapfer der Petrus im Garten Gethsemane ganz allein gegen die große Schar losging.

Es ist vielmehr so: Der natürliche Mensch ist immer voll Furcht, solange er nicht im Frieden Gottes steht.

Da ist die Furcht vor Menschen! Da ist die Furcht vor Verlusten, Furcht vor Krankheit, Furcht vor Ansteckung, Furcht vor Schwierigkeiten. Ja, und da ist die Furcht vor dem Tode. Gottes Wort sagt, dass wir „durch Furcht des Todes Knechte sind".

Und wenn erst Gottes Licht unser Gewissen trifft, dass wir aufwachen und die Größe unserer Schuld und die Macht der Sünde erkennen – wie viel Furcht entsteht da erst!

Jesus trat mitten unter sie und sprach: „Friede sei mit euch!" Und Er blieb bei Seinen Jüngern so lange, bis alle Furcht aus-getrieben, bis alle Furcht in Freude verwandelt war.

So macht Er's auch heute noch. Amen.

 

 

(Melodie: Auf, auf, mein Herz, mit Freuden)

 

Das ist mir anzuschauen

Ein rechtes Freudenspiel;

Nun soll mir nicht mehr grauen

Vor allem, was mir will

Entnehmen meinen Mut

Zusamt dem edlen Gut,

So mir durch Jesum Christ

Aus Lieb erworben ist.

 


Sonnabend nach Ostern

 

Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuden und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: „Habt ihr hier etwas zu essen?“

Lukas 24, 41

 

Der Schriftsteller Josef Wittig schreibt so köstlich in seinem Buch „Leben Jesu in Palästina, Schlesien und anderswo" von der Auferstehung Jesu: „Er hätte aufwachend die ganze Apostel und Jüngerschar, das ganze Priester-Kollegium von Jerusalem samt der römischen Beamtenschaft um das Grab versammeln können, um vor aller Augen die Tür zu sprengen und glorreich aus dem Grabe hervorzugehen… Ich zum Beispiel, da ich noch sehr von dieser Welt bin, hätte mir gleich eine polizeiliche oder wenigstens pfarramtliche Bescheinigung verschafft, schon um meinen späteren Verteidigern ihre großen Mühen zu erleichtern.“

Jesus hat es nicht getan. Gestorben ist Er so, dass es in die Akten der Welt kam. Auferstanden ist Er so, dass es in die Akten des Glaubens kommt.

Aber wie ungläubig ist das Menschenherz! Wie wenig ist es imstande, die großen Taten Gottes zu begreifen! Als die Jünger Jesus sahen, glaubten sie zuerst nicht aus Furcht, es sei ein Gespenst. Nachher glaubten sie nicht aus Freuden.

Aber der Herr Jesus ruhte nicht, bis Er ihren Unglauben überwunden und sie zur Gewissheit geführt hatte. Er ließ sich betasten. Er aß und trank vor ihnen.

Denn es liegt Ihm soviel daran, dass wir gewiss werden. Gewissheit müssen wir haben im Kampf des Lebens, Gewissheit in den Anfechtungen, Gewissheit, wenn das Gewissen uns verklagt, Gewissheit im Sterben.

Uns zeigt sich Jesus nicht mehr wie Seinen Jüngern. Aber wir haben das gewisse Zeugnis der Apostel. Und wir haben einen Heiligen Geist, der es in unseren Herzen versiegelt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Amen.

 

 

(Melodie: Erschienen ist der herrlich Tag)

 

Für diesen Trost, o großer Held,

Herr Jesu, dankt dir alle Welt.

Dort wollen wir mit größ'rem Fleiß

Erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja.

 


Sonntag Quasimodogeniti

 

Seid begierig nach der vernünftigen, lautern Milch als die jetzt geborenen Kindlein.

1. Petrus 2, 2

 

Um 1920 gab es eine verrückte Kunstrichtung, „Dadaismus" genannt. Da sagte man: Nur die unverbildeten Kinder wissen, was schön und gut ist. – Und so dichtete und stammelte und kleckste man wie kleine Kinder.

Ich könnte mir denken, dass dies Bibelwort manchen recht dadaistisch anmutet. Aber so hat man es total falsch verstanden. Die Apostel reden keine „Eia-popeia-Sprache". Sie sagen vielmehr gewaltige, göttliche Wahrheit.

So sagt der Apostel Petrus hier: „Wenn ich mit Christen rede, dann muss ich es zu tun haben mit Leuten, die von neuem geboren sind, die eine Wiedergeburt erfahren haben." Das sagt der Herr selbst: „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen" (Johannes 3, 5). Es kann sein, dass jemand christliche Anschauungen hat, dass er sich zur Kirche hält, dass er christliche Gewohnheiten hat (das ist schön und ein guter Anfang), – aber er gehört doch nicht als Geretteter in das Reich Gottes. Es fehlt das Entscheidende: die Wiedergeburt.

Der Erweckungsprediger Volkening sagte einmal: „Am Zaun meines Gartens steht ein Apfelbaum. Der streckt fast all seine Äste in meinen Garten. Man könnte meinen, er gehöre zu meinem Garten. Aber er steht draußen. Er ist draußen gepflanzt. Und so gibt es Leute, die machen den Eindruck, als stünden sie im Reich Gottes. ja, sie selbst bilden es sich ein. Aber ihre Wurzeln sind draußen. Sie sind noch nicht umgepflanzt in Gottes Garten."

Sind wir Christen? Sind wir umgepflanzt? Können wir sagen, dass wir „errettet sind von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in das Reich des lieben Sohnes Gottes"? Hier ist jeder Selbstbetrug sehr gefährlich. Er kann uns die ewige Seligkeit kosten. – Der Herr helfe uns zu einer gründlichen Wiedergeburt. Amen.

 

 

(Melodie: Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Schaff in mir, Herr, den neuen Geist,

Der dir mit Lust Gehorsam leist't

Und nichts sonst, als was du willst, will;

Ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll!

 


Montag nach Quasimodogeniti

 

Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.

Offenbarung 2, 8

 

Da war die kleine, bedrängte Gemeinde in Smyrna.

Der Herr will sie trösten. Gibt es für Christen einen größeren Trost als den Blick auf den Herrn? Nein! „Welche auf ihn sehen, die werden erquickt, und ihr Angesicht wird nicht zu Schanden", sagt David schon.

Darum besteht auch für uns das Leben darin, dass wir Jesus so sehen, wie Er selbst sich uns zeigt.

„Ich bin der Erste."

Jesus war vor allen Kreaturen. Seinem ungläubigen Volk bezeugte Er: „Ehe denn Abraham war, bin ich –."

Das hat viel für uns zu bedeuten! Zweifler haben oft die Frage aufgeworfen: „Wie konnte Gott es unternehmen, Menschen zu schaffen? Er musste doch voraussehen, dass sie in Sünde fallen würden!"

Nun, Gott ist uns keine Rechenschaft schuldig. Aber auf diese Frage gibt es eine klare und helle Antwort. Gott hat es unternommen, Menschen zu schaffen, weil schon vor aller Zeit Der da war, der alles Zurechtbringen und heilen kann, nämlich Jesus, der Erstgeborene vor allen Kreaturen. Ehe die Not anhob, war der Helfer schon vorhanden.

Ich bin der Erste." Das ist ein tröstliches Wort für erlösungsbedürftige Sünderherzen. Es sagt uns, dass unser Heil eine Sache ist, die längst schon vor aller Zeit bei Gott beschlossen war. „Er hat uns in Jesus Christus erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war.“ „O Abgrund der Barmherzigkeit!" Amen.

 

 

(Melodie: Wer nur den lieben Gott lässt walten)

 

Sein Ratschluss war, ich sollte leben

Durch seinen eingebornen Sohn;

Den wollt er mir zum Mittler geben,

Den macht er mir zum Gnadenthron,

In dessen Blute soll ich rein,

Geheiliget und selig sein.

 


Dienstag nach Quasimodogeniti

 

Das sagt der Erste und der Letzte.

Offenbarung 2, 8

 

Alles in dieser Welt ist dem Gesetz des Todes unterworfen. Königreiche und Weltmächte kommen und vergehen. Weltanschauungen wachen auf, beherrschen eine Zeitlang die Geister und – vergehen. Menschen werden geboren, „blühen wie eine Blume auf dem Feld" und – vergehen. Ja, Religionen, von Menschen erdacht, kommen und vergehen.

Nur Einer ist diesem Gesetz von Werden und Vergehen durch Gott entnommen. Nur Einer hat den Tod überwunden und kann von sich sagen: „Ich bin der Letzte!" Das ist Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes, unser Heiland.

Sein Thron steht ewig, weil Gott von Ihm gesagt hat: „Ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berge Zion." Wie sind die Mächte der Welt und der Hölle Sturm gelaufen gegen den Thron Jesu! Wie viele haben sich gegen Ihn aufgemacht seit Kaiphas Zeiten!

In einer bolschewistischen Zeitung war der Satz zu lesen: „Wir haben die irdischen Könige beseitigt. Nun kommen die himmlischen dran!" Und dazu war ein Bild gezeichnet. Da sah man auf dem Boden zerbrochene Throne und zerschmetterte Kronen. Und ein Mann stieg auf einer Leiter in den Himmel, um mit einem großen Hammer Christi Thron zu zerschmettern.

Törichtes Beginnen! Wenn diese Welt in Trümmer geht, dann steht über den Trümmern der erhöhte Herr. Er ist der Letzte. Er ist unbesieglich. Und in Ihm steht unser Heil auf ewigem Grund. Amen.

 

 

(Melodie: Da Christus geboren war)

 

Du bist ja der Held und Mann,

Der den Kriegen steuern kann,

Der da Spieß und Schwert zerbricht,

Der die Bogen macht zunicht,

Der die Wagen gar verbrennt

Und der Menschen Herzen wendt,

Dass der Krieg gewinnt ein End.

 


Mittwoch nach Quasimodogeniti

 

Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.

Offenbarung 2, 8

 

„Der tot war."

Das gerade rühmen wir Christenleute: Jesu Tod! Denn dieser Tod Jesu am Kreuz von Golgatha ist „unseres Todes Tod", ist unser Heil.

Es gibt in all der Not, die die Welt, unser Gewissen, ja wir selbst uns bereiten, nichts Tröstlicheres als den Blick auf den gekreuzigten Heiland. Da lernen wir es und können es täglich studieren, was es heißt: „Fürchte dich nicht! Denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein." In einem alten Lied heißt es: „Dein Kampf ist unser Sieg / dein Tod ist unser Leben. / In deinen Banden ist / die Freiheit uns gegeben. / Dein Kreuz ist unser Trost / die Wunden unser Heil / das Blut das Lösegeld / der armen Sünder Teil."

„… und ist lebendig geworden!"

Wir Christen glauben, rühmen und verkündigen ja nicht irgendwelche religiösen Gedanken, sondern die großen Taten Gottes. Und das ist etwas, was täglich neu unser Herz fröhlich machen kann: „Gott hat Jesum von den Toten auferweckt! Wir haben einen lebendigen Heiland!"

Jünger Jesu sind Menschen, die die Todeslinie überschritten haben, die aus dem Tode in das Leben gekommen sind. Denn sie sind ja ein Eigentum dessen, der von den Toten auferstanden ist.

„… der tot war und ist lebendig geworden.“ In diesem Sätzlein fasst sich unser Heil zusammen. Darauf wollen wir leben und sterben, glauben und vertrauen, kämpfen und überwinden. Amen.

 

 

(Melodie: Erschienen ist der herrlich Tag)

 

Die alte Schlange, Sünd und Tod,

Die Böll', all Jammer, Angst und Not

Hat überwunden Jesus Christ,

Der heut vom Tod erstanden ist. Halleluja.

 


Donnerstag nach Quasimodogeniti

 

Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus.

Johannes 20, 19

 

Eigentlich hatte Jesus gar keine Veranlassung, zu Seinen Jüngern zu kommen.

Sie hatten Ihn doch in Gethsemane schmählich im Stich gelassen. Ja, Petrus hatte Ihn dreimal ganz offen verleugnet.

Und wie ungehorsam waren sie! Ausdrücklich hatte Er Seinen Jüngern befohlen, sie sollten nach dem Norden des Landes, in die Einsamkeit von Galiläa, gehen. Dort sollten sie Ihn sehen. Und der Engel, der am Grabe den Weibern erschien, hatte diesen Befehl ausdrücklich wiederholt. Stattdessen saßen sie hier in Jerusalem.

Und wie ungläubig waren sie! Wie oft hatte Jesus ihnen gesagt, dass des Menschen Sohn solches leiden müsse und dass Er am dritten Tage auferstehen werde. Und nun war Maria Magdalena zu ihnen gekommen und hatte ihnen ihre Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt. Ja, Petrus und Johannes hatten selbst das leere Grab schon angesehen. Trotzdem sitzen sie hinter verschlossenen Türen.

Und wie furchtsam waren sie! Statt auf ihren siegreichen Herrn zu vertrauen, dachten sie nur an die Gefahren, die ihnen drohten.

Man könnte es wahrhaftig verstehen, wenn der Herr Jesus diese ungetreue Jüngerschar ganz und gar hätte fallen lassen. Und nicht nur diese Jüngerschar, sondern auch uns; denn der Unglaube und die Menschenfurcht und der Ungehorsam sind ja bei uns genauso zu finden wie bei den Jüngern.

Aber – wie treu ist Jesus! Er geht Seinen Jüngern nach. Er lässt sie nicht fallen. Er sucht sie immer und immer wieder auf. Er zerbricht das zerstoßene Rohr nicht und löscht den glimmenden Docht nicht aus.

Von Rechts wegen haben wir kein Anrecht an den Herrn der Herrlichkeit. Von Rechts wegen hätte unser Heiland uns längst verstoßen müssen. Aber es geht bei Ihm von Gnaden wegen. Was würde aus uns, wenn Jesus nicht so treu wäre! Gelobt sei der gute Hirte Seiner Schafe! Amen.

 


Freitag nach Quasimodogeniti

 

Die Hüter erschraken vor Furcht und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: "Fürchtet euch nicht!"

Matthäus 28, 4-5

 

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu hat deutlich zwei Seiten.

Die eine Seite richtet sich nach der verlorenen, gottlosen Welt hin. Diese Seite bekommen die Grabeswächter, die römischen Soldaten, zu spüren. "Sie wurden vor Furcht, als wären sie tot."

Die verlorene Welt sieht nur die beunruhigende Seite der Auferstehungsbotschaft. Es ist allerdings sehr beunruhigend für die Welt, zu denken, Gott könne sich so deutlich bezeugt haben, und der Herr Jesus könnte Herr und Richter der Welt sein, und es könnte eine Auferstehung der Toten geben.

Wenn für diese furchtlosen, tapferen und Gefahren gewohnten Kriegsknechte die Auferstehung Jesu schon so furchtbar war, wie erschreckend wird für die Welt Jesu Wiederkunft in Herrlichkeit sein!

"Die Hüter wurden vor Furcht, als wären sie tot." Aber nun ist unser Text sehr merkwürdig. Da heißt es: "Die Hüter. erschraken vor Furcht … aber der Engel antwortete: Fürchtet euch nicht!" Wenn man das oberflächlich liest, könnte man meinen, das Engelwort sei zu den Hütern gesagt. Aber es steht ausdrücklich da: "Der Engel sprach zu den Weibern: Fürchtet euch nicht!" Die Welt hat von der Auferstehung Jesu Unruhe und Furcht, die Jünger Jesu aber Trost und Freude.

Ja, was der Welt die größte Beunruhigung ist, das ist den Jüngern Jesu größte Freude und herrlichster Trost: Wir haben einen Heiland, der lebt und der wiederkommen wird in Ewigkeit. Sie jubilieren und singen:

 

„Christ ist erstanden

Von der Marter alle,

Des solln wir alle froh sein.

Christ will unser Trost sein.

Halleluja!"

 

Die Auferstehung Jesu ist Tatsache. Nun kommt es nur noch darauf an, auf welcher Seite dieser Tatsache wir unsere Stellung beziehen wollen. Amen.

 


Sonnabend nach Quasimodogeniti

 

Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleisch bleiben um euretwillen.

Philipper 1, 23-24

 

Der natürliche, unbekehrte Weltmensch schwankt im Blick auf den Tod zwischen zwei furchtbaren Extremen:

Bald packt ihn die Furcht vor dem Tode. Da klammert er sich in wilder Lebensgier an die Welt und ihre Lust. „Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot." – Bald aber graut ihm vor der Welt und ihrem Jammer, vor ihrer Verständnislosigkeit und Lieblosigkeit. Da sehnt sich der Mensch dann in weltflüchtiger Stimmung nach seinem „Freund Tod". Von beidem macht Jesus Seine Jünger frei. Er gibt ihnen die rechte Stellung auch dem Tode gegenüber. Das wird an diesem Wort des Apostels Paulus ganz deutlich.

Trotz aller tiefen Einsicht in den großen Jammer und die Verlorenheit der Welt verachten sie den „Weltschmerz", denn sie wissen: Wir müssen Dienst tun, solange es Tag ist. „Es ist nötig", sagt Paulus, „zu leben und im Fleisch zu bleiben um euretwillen." Christen sind von Gott an ihren Platz gestellt. Und darum überwinden sie alle Weltflucht durch treuen Dienst. Aber sie fürchten auch nicht den Tod, wie die Welt ihn fürchtet; denn sie wissen, dass sie in Jesus Christus, der sie versöhnt hat mit Gott, das ewige Leben haben. Ihnen ist der Tod „der Eingang in das Leben". Darum kann Paulus sagen: „Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein."

Nein, Christenleute. haben es nicht nötig, sich in wilder Gier an das Leben zu klammern. Sie haben ja eine große und herrliche Zukunft, der sie fröhlich und getrost entgegenwandern. „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn." Amen.

 

 

(Melodie: Herzlich tut mich verlangen)

 

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,

Doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.

Ich wandre meine Straßen, die zu der Heimat fahrt,

Da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird.

 


Sonntag Miserikordias Domini

 

Als Jesus nahe an das Stadttor kam, da trug man einen Toten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselben.

Lukas 7, 12-13

 

Menschenland ist Todesland.

Darum ist der Sohn Gottes aus der ewigen Weh Gottes zu uns gekommen, weil die Welt ein Todesland ist. Er wusste also, wie es um uns stand. Und doch hat es Ihn immer wieder überwältigt. „Es jammerte ihn."

Es gingen wohl manche im Trauerzuge mit, die sich schon „trostreiche Worte am Grabe" überlegten.

Jesus hat nicht einen Teppich von großen Worten über das Leid gebreitet. „Es jammerte ihn."

In dieser kleinen Szene sah Jesus das Bild der gefallenen Welt sich spiegeln. Er sah hier die Welt, wie sie ist: eine Welt unter dem Gesetz der Sünde und des Todes. „Und es jammerte ihn." Jesus brach fast das Herz über dem Jammer. Aber Er hielt ihm stand. Er sah nicht den Sonnenschein an, der immer wieder das Elend der Welt trügerisch vergoldet. Er schaute nicht auf die Blumen, die auch aus Gruben wachsen. Er half sich nicht mit ein paar Worten aus der peinlichen Lage. Er trat auch nicht beiseite, um den Elendszug vorbeizulassen. Nein! Er stellte sich dem Jammer der Welt. Er blieb davor stehen, und „es jammerte ihn."

Kann uns aber etwas Trostreicheres und Besseres geschehen, als dass Jesus unsern Jammer und unser Leid ansieht? Leid, das vor Jesu Augen kommt, ist fast schon gestilltes Leid. Unser Leid und Jesus müssen zusammenkommen! Das ist der Weg zum Leben. Amen.

 

 

(Melodie: Seelenbräutigam)

 

Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit

Zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket

In der Füll' der Zeit; Glanz der Herrlichkeit!

 


Montag nach Miserikordias Domini

 

Und da sie der Herr sah, sprach er zu ihr: „Weine nicht!"

Lukas 7, 13

 

„Durch ein kleines Loch in der Hecke kann man einen weiten Platz übersehen." Es war eine unbedeutende Sache: Ein toter Sohn, eine weinende Witwe! Wie oft mag das vorkommen!

Aber für Jesus wird diese kleine Geschichte zum „Loch in der Hecke". Er überschaut die Welt „in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast“.

Jesus sieht hier das eherne Gesetz der gefallenen Welt: „Das Gesetz der Sünde und des Todes."

Sünde und Tod gehören zusammen. Zuerst riss sich die Welt von Gott los. So kam sie unter das Gesetz der Sünde. Nun wurden wir alle – jawohl, alle! – Sünder.

Und der „Sold der Sünde" ist der Tod. Nun sind wir alle Leute geworden, deren Todesurteil schon bei der Geburt unterschrieben ist.

Wir singen es wohl an leuchtenden Frühlingstagen: „Wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt!" Aber das Lied bleibt uns in der Kehle stecken vor der schrecklichen Wirklichkeit: Sünde – Tod.

Wie tapfer packen wir Menschen immer wieder die großen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Fragen an. Und doch! Den eigentlichen Nöten gegenüber müssen wir die Waffen strecken: vor der Sünde, dem Herzeleid und dem Tod!

Stellt euch vor, man hätte alle großen Geister, alle Philosophen, Politiker, Gelehrte und Organisatoren im Stadttor von Nain versammelt. Vor der weinenden Witwe hätten sie verstummen müssen.

Nur Einer streckt nicht die Waffen vor Sünde und Tod. Nur Einer kann sagen: „Weine nicht!" Aber Er kann es mit Vollmacht sagen: Jesus! Amen.

 

 

(Melodie: Seelenbräutigam)

 

Großer Siegesheld, Tod, Sünd', Höll' und Welt

Hast du mächtig überwunden und ein ew'ges Heil erfunden

Durch das Lösegeld deines Bluts, o Held.

 


Dienstag nach Miserikordias Domini

 

Und Jesus sprach zu ihr: „Weine nicht." Und trat hinzu und rührte den Sarg an. Und die Träger standen.

Lukas 7, 13-14

 

Im Stadttor von Nain begegnet Jesus einem Leichenzug, einem Demonstrationszug der gefallenen Welt. Der unumschränkte Herrscher der Welt, der König Tod, begegnet dem „Fürsten des Lebens". Eine unerhörte Begegnung!

Aber ehe nun etwas geschieht, ja, ehe etwas geschehen kann, tritt Jesus zu der weinenden Mutter, der alles zerschlagen und genommen ist. „Weine nicht!" sagt Er.

Das war viel verlangt. Sie sah ja noch gar nichts vor Augen. „Weine nicht!" Das hieß: „Vertraue mir! Glaube an mich! Vertraue, dass alles gut ist, weil Ich, Jesus, da bin!"

Mitten im Todesland, mitten im Jammer der Welt, mitten im Herzeleid, mitten in Sündennot die Tränen abwischen und froh werden, weil Jesus da ist – seht, das ist Christenglaube. Nicht nur die Witwe, sondern auch die Träger glaubten. Wir kennen ihre Namen nicht. Und doch – sie sind es wert, dass wir sie betrachten. Ich hätte mir wohl denken können, dass sie dem Mann aus Nazareth gesagt hätten: „Geh uns aus dem Weg! Halte uns nicht auf! Wir haben keine Zeit für dich."

So sagten sie nicht. Jesus winkte. Und die Träger standen. Sie gehorchten Ihm willig. Und so wurden sie Zeugen, wie wunderbar Jesus helfen und erretten kann.

Wenn wir das doch lernen wollten: Jesus ganz vertrauen und Jesus ganz gehorchen. Dann werden wir Seine Herrlichkeit sehen. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen,

Wenn ich in deiner Liebe ruh.

Ich steige aus der Schwermutshöhlen

Und eile deinen Armen zu.

Da muss die Nacht des Trauerns scheiden,

Wenn mit so angenehmen Freuden

Die Liebe strahlt aus deiner Brust.

Hier ist mein Himmel schon auf Erden;

Wer wollte nicht vergnüget werden,

Der in dir suchet Ruh und Lust?

 


Mittwoch nach Miserikordias Domini

 

Jesus sprach: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!" Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. Und das Gerücht von ihm erscholl in das ganze Land.

Lukas 7, 14-15+17

 

Eine Botschaft geht durch's Land: „Jesus macht Tote lebendig." Du sagst: „Das kann nicht wahr sein"? Ja, wenn's nun doch wahr wäre?! Dann hieße das: Das Gesetz der Sünde und des Todes ist durchbrochen! Das eherne Weltgesetz ist gesprengt! Dann hieße das: Jesus reißt Kerkertüren auf! Das Leben ist erschienen! Dann hieße das: Das Reich Gottes auf Erden ist angebrochen!

Und so ist es in der Tat!

Der Herr Jesus hat einmal ein feines Gleichnis gebraucht: Da ist ein grausamer Raubritter. Eine Menge Gefangener hält er in seinem Raubschloss gefangen. Kein Mensch kann diesem Mächtigen wehren, – bis eines Tages ein noch Mächtigerer und Stärkerer kommt. Der berennt das Schloss. Der öffnet die Kerker. Der führt die Gefangenen in die Freiheit.

Wir alle, wir Menschen in der gefallenen Welt, wir sind die Gefangenen unter dem „Gesetz der Sünde und des Todes". Wir sind es, auch wenn wir tun, als sähen wir die Ketten nicht und als seien wir frei.

Aber Jesus ist der „Stärkere, der dem gewappneten Starken ins Haus bricht". Er ist der Held, der Befreier, der Erretter. Als Er auf Golgatha sterbend rief: „Es ist vollbracht!" – da brachen Kerkertüren auf, da war der „Mächtige", der „alt-böse Feind" überwunden. Da begann die Heißzeit. Bis zu diesem Tag geht die Botschaft durchs Land: „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude." Amen.

 

 

(Melodie: Einer ist König, Immanuel sieget)

 

Jesus ist kommen, nun springen die Bande,

Stricke des Todes die reißen entzwei.

Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden;

Er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,

Bringet zu Ehren aus Sände und Schande;

Jesus ist kommen, nun springen die Bande!

 


Donnerstag nach Miserikordias Domini

 

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Johannes 1, 16

 

Die erste Christengemeinde, die Johannes in unserem Wort anredet, war doch eine sehr seltsame Vereinigung verschiedenster Leute.

Da waren alte, ehrwürdige Leute wie Simeon und ganz junge Menschen wie Johannes oder Markus. Da waren Gebildete und Gelehrte wie Paulus oder Stephanus und arme, unwissende Menschen wie der Sklave Onesimus oder die große Sünderin. Da waren reiche Leute wie Barnabas oder Josef von Arimathia und ganz Arme wie der blinde Bettler Bartimäus. Da waren Griechen und Juden und stolze Römer.

Man sollte doch meinen, so etwas könne gar nicht zusammenhalten. Und doch war diese Gemeinde „ein Herz und eine Seele".

Unser Bibelwort sagt, was diese erste Gemeinde verband und was seitdem die Gemeinde aller Zeiten verbindet. Alle bekennen: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade."

Arme und Reiche, Starke und Schwache, Alte und Junge, Kluge und Törichte: Sie alle haben erkannt: Wir brauchen Seine Gnade! Und nun stoßen sie sich nicht an Jesu Niedrigkeit. Im Gegenteil! Sie verstehen und fassen: „Er ward arm um unsretwillen, auf dass wir durch seine Armut reich würden." Nun sind sie auch nicht schüchtern. In Jesus ist der Himmel aufgetan. Nun nehmen sie aus Seiner Fülle. Selig, wer so bekennen kann: Aus Seiner Fülle nehmen wir Gnade um Gnade. Amen.

 

 

(Melodie: Einer ist König, Immanuel sieget)

 

Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden,

Komme, wen dürstet, und trinke, wer will.

Holet für euren verderblichen Schaden

Gnade aus dieser unendlichen Füll'.

Hier kann das Herze sich laben und baden.

Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden!

 


Freitag nach Miserikordias Domini

 

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Johannes 1, 16

 

In Alaska lebte einst ein Pelzjäger. Der Mann führte ein hartes, mühseliges Leben. Monatelang war er in der Einsamkeit des unwirtlichen Landes allein, um das Pelzwerk zu erjagen, das er dann an der Küste verkaufte.

Da hat er nun eines Tages eine stattliche Menge wertvoller Pelze beieinander und macht sich auf den weiten Marsch zur Stadt. Unterwegs trifft er einen anderen Einsamen. Der hält ihn an: „Du, Kamerad, ich habe eine schwere Goldader entdeckt. Wollen wir sie zusammen ausbeuten?"

Da lässt der Jäger seine Pelze, die ihm vorher noch so wertvoll schienen, liegen – einfach liegen – und wird Goldgräber.

So geht es den Jüngern Jesu: Was ihnen vorher wertvoll war, verliert seine Bedeutung, wenn Jesus kommt. So sagt der Apostel Johannes in einem seiner Briefe: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist." Wie kann einer so etwas sagen? Nur darum, weil er etwas Besseres weiß: „Von Jesu Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade."

Und der Apostel Paulus berichtet von sich im Philipperbrief: „Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet."

So ist das, wenn jemand Jesus findet: Was ihm lieb war, das Wesen der Welt, die Sünde, die eigene Gerechtigkeit – alles das wirft man weg, lässt es liegen, „auf dass ich Christus gewinne".

Und das ist gewiss: Nur wer frisch wegwerfen kann, der kann „von seiner Fülle nehmen Gnade um Gnade". Amen.

 

 

(Melodie: O dass ich tausend Zungen hätte)

 

Ach sagt mir nichts von Gold und Schätzen,

Von Pracht und Schönheit dieser Welt;

Es kann mich ja kein Ding ergötzen,

Was mir die Welt vor Augen stellt.

Ein jeder liebe, was er will:

Ich liebe Jesum, der mein Ziel.

 


Sonnabend nach Miserikordias Domini

 

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Johannes 1, 16

 

Dies Zeugnis ist eine Frage an uns: „Hast du schon genommen von Jesu Fülle?"

Es gibt so viele so genannte Christen, die kennen Jesus nur vom Hörensagen. Sie wissen vielleicht eine ganze Menge über Ihn. Und doch – sie sind arme, friedlose, sündengebundene Leute!

Es gibt ein feines, packendes Bild zu der Nibelungensage: Da sieht man Siegfried auf dem Wagen stehen, in dem der reiche Nibelungenschatz nach Worms gebracht wurde. Er steht auf all den unermesslichen Schätzen und teilt aus an das Volk. „Wer will ein gutes Schwert? – Du? – Hier!" „Eine Kette willst du? – Hier!"

So steht Jesus unter uns und teilt aus. Und wir? – Du standest bisher abseits und empfingst nichts? „Gnade um Gnade" teilt Er aus.

Und du bleibst in deinem alten Elend? Du läufst noch mit deinem beladenen Gewissen umher? Und du kennst noch nicht die Freude der Sünden-Vergebung? Kennst nicht den Strom des Friedens mit Gott? Nicht die Kraft des Heiligen Geistes? Nicht die frohe Gewissheit des ewigen Lebens? Nicht den Frieden, der höher ist als alle Vernunft? Du weißt nichts von dem Beistand des lebendigen Gottes in allen Nöten und Lebenslagen? Nichts von der gnadenvollen Führung des Herrn im Alltag? – Du weißt noch nichts davon zu sagen, dass man als notvoller, zerbrochener Mensch vor dem Herrn auf die Knie fällt und als neuer Mensch aufsteht?

Wir wollen begreifen: Dies Zeugnis des Johannes ist eine Aufforderung: „Nehmet doch aus Seiner Fülle Gnade um Gnade!" Amen.

 

 

(Melodie: Mein Herzensjesu, meine Lust)

 

Ach, sucht doch den, lasst alles stehn,

Die ihr das Heil begehret;

Er ist der Herr und keiner mehr,

Der euch das Heil gewähret.

Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,

Sucht ihn allein; denn wohl wird sein Dem,

der ihn herzlich ehret.

 


Sonntag Jubilate

 

Spricht Jesus zu ihr: „… Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott."

Johannes 20, 17

 

Was ist das für ein Jubel, wenn Matrosen nach langer Reise den Heimatwimpel setzen. „Nach Hause!"

Solcher Jubel klingt aus dem Wort Jesu: „Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott."

Glaubt ihr, dass Jesus, der Sohn Gottes, Heimweh gehabt hat, solange Er auf Erden war? O ja! Schon als Zwölfjähriger blieb Er im Tempel Gottes zurück und sagte zu Maria: „Muss ich nicht sein in dem, was meines Vaters ist?" Dieses Heimweh Jesu spüren wir, wenn Er nächtelang in die Einsamkeit der Berge ging, um mit dem Vater zu reden. Und dies Heimweh brach erschütternd heraus, als Er am Kreuz rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!"

Nun aber ist das Werk der Erlösung vollbracht: „Ich fahre auf!"

Dies Wort wurde zuerst zu Maria Magdalena gesprochen. Die Magdalena hätte erschrocken denken können: „Und was soll denn aus mir werden? Und aus den Jüngern? Und aus all denen, die Jesus lieb haben? Sollen wir traurig zurückbleiben?"

Es ist merkwürdig, dass weder Maria Magdalena noch die anderen Jünger, denen Jesus erschien, so dachten oder sagten. Sie begriffen: Die große Liebe, die den Sohn Gottes in die Welt Hereintrieb, die den König des Himmels in Tod und Grab brachte, die wird das angefangene Werk auch zu Ende führen. Der Heiland, der als Erniedrigter die Seinen geliebt hat bis ans Ende, der wird auch als Erhöhter die Hand nicht ablassen von den Seinen, bis Er alles zum letzten Ziel gebracht hat. Amen.

 

 

(Melodie: Ach, Gott und Herr)

 

Zeuch uns nach dir für und für

Und gib, dass wir nachfahren

Dir in dein Reich, und mach uns gleich

Den auserwählten Scharen.

 


Montag nach Jubilate

 

Spricht Jesus zu ihr: „…Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott."

Johannes 20, 17

 

Man muss darauf achten, dass der Auferstandene nicht sagt: „Ich fahre auf zu meinem Vater." Mit großem Nachdruck sagt Er: „Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." Hiermit sagt Jesus etwas Wunderbares: Dass Seine Jünger zum lebendigen Gott dasselbe Verhältnis haben dürfen wie Er selbst. Wir dürfen zu Gott stehen wie Jesus! Das ist die Frucht Seines Todes, mit dem Er unsere Sünde weggetragen und uns versöhnt hat. Um das recht zu verstehen, müssen wir zurückdenken an die Anfänge: Nach dem Sündenfall trieb Gott die Menschen aus dem Garten Eden. Das Tor zu Gott wurde verschlossen.

Als aber Jesus in die Welt kam, da tat sich das Tor auf. Wir singen an Weihnachten: „Heut schließt er wieder auf die Tür / zum schönen Paradeis…"

Und als Jesus zurückkehrte zum Vater, da ließ Er nach Seiner Himmelfahrt die Tür hinter sich offen.

Darum spricht Paulus von dem „offenen Zugang zu dieser Gnade, darin wir stehen". Und der Hebräer-Brief sagt: „So wir nun haben die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu, so lasset uns hinzugehen."

Christen sind Leute, die eine offene Tür zum Himmel haben. Sie wandeln im „Morgenglanz der Ewigkeit", der aus der offenen Tür bricht. Und sie wissen, dass sie selbst einmal hindurchgehen werden. Amen.

 

 

(Melodie: Auf diesen Tag bedenken wir)

 

Drum sei Gott Lob, der Weg ist gmacht,

Uns steht der Himmel offen.

Christus schließt auf mit großer Pracht,

Vorhin war alls verschlossen.

Wer's glaubt, des Herz ist freudenvoll,

Dabei er sich doch rüsten soll,

Dem Herren nachzufolgen. Halleluja.

 


Dienstag nach Jubilate

 

Spricht Jesus zu ihr: „Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater."

Johannes 20, 17

 

Die Maria war so erfreut, Jesus wieder zu sehen. Und da wollte sie sich mit den Händen überzeugen, ob es wirklich keine Einbildung sei. Sie wollte einen handgreiflichen Glauben.

Jesus aber sagt: Rühre mich nicht an!" Der Glaube der Christen geht auf Den, den man nicht betasten, ja, den man nicht einmal mehr sehen kann.

Das ist uns oft schwer, dass wir so gar nichts Handgreifliches haben. Ein Christ saß einmal um seines Glaubens willen im Gefängnis. Treue Freunde gaben für ihn einen kleinen Blumenstrauß ab. Und ein barmherziger Wächter brachte den in seine Zelle. Dem Gefangenen war der Strauß ein sichtbares Zeichen für die Verbundenheit mit der Gemeinde Jesu.

Da kommt auf einmal ein anderer Wächter, sieht den Strauß, sagt: „Das dürfen Sie nicht haben“ und trägt ihn fort. Nun hat der Gefangene gar nichts Sichtbares und Greifbares mehr. Er ist ganz arm.

Aber auf einmal fällt ihm ein: „Ich habe mehr. Ich habe Jesu Gegenwart im Geist."

Jesus sagt: „Rühre mich nicht an." Der Glaube hat nichts Greifbares. Wo er sich auf sichtbare Dinge, auf Menschen und Ereignisse stützt, wird er zuschanden. Wir müssen uns an das halten, was wir haben: an das Wort und an Jesu Gegenwart im Wort und im Geist. Amen.

 

 

(Melodie: Alle Menschen müssen sterben)

 

Deine Auffahrt bringt mir eben

Gott und Himmel innig nah.

Lehr mich nur im Geiste leben

Als vor deinen Augen da,

Fremd der Welt, der Zeit und Sinnen,

Bei dir abgeschieden drinnen,

In den Himmel schon versetzt,

Da mich Jesus nur ergötzt.

 


Mittwoch nach Jubilate

 

Spricht Jesus zu ihr: „Weib, was weinest du?"

Johannes 20, 15

 

Hier lernen wir, was dem Sohne Gottes das Allerwichtigste ist.

Es ist am Morgen Seiner Auferstehung. Die Heilstat von Golgatha ist vollbracht. Nun beginnt ein Kriegszug von geradezu gigantischem Ausmaß. Denken wir nur einmal daran, welch ein Kampf um das Evangelium in aller Welt heute gekämpft wird.

Nun seht den großen, siegreichen Feldherrn am Auferstehungsmorgen!

Wo finden wir Ihn? Finden wir Ihn etwa auf dem Marktplatz von Jerusalem, wo Er Tausende mit hinreißenden Worten zu einem heiligen Feldzug aufruft? Oder sehen wir Ihn umgeben von Seinen Getreuen über die Landkarte der Welt gebeugt in ernster Beratung?

Nichts dergleichen! Er ist in den stillen Garten des Joseph zurückgekehrt, weil das Weinen der Magdalena Ihn gezogen hat.

Eine weinende Seele, ein Herz, das sich nach Ihm sehnt, ein zerbrochenes Herz und ein zerschlagenes Gemüt – das geht bei dem Herrn Jesus allem andern vor.

Es müsste der Welt doch unheimlich werden, in welch souveräner Hoheit Jesus an ihr, ihrer Art und ihren Anliegen vorübergeht und sich in abgründiger Barmherzigkeit einer weinenden Seele zuwendet.

So ist Jesus. Das ist die frohe Botschaft für die Elenden: Wenn jemand ganz in der Tiefe ist, wenn alle Sünden gegen einen aufstehen, wenn ein Herz verzweifeln will, weil Gott so schrecklich ferne zu sein scheint – da ist der Heiland da und beugt sich herab: „Was weinest du?“ Amen.

 

 

(Melodie: Warum sollt' ich mich denn grämen?)

 

Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden,

Du bist mein, ich bin dein,

Niemand kann uns scheiden!

Ich bin dein, weil du dein Leben

Und dein Blut mir zugut

In den Tod gegeben.

 


Donnerstag nach Jubilate

 

Jesus trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch."

Johannes 20, 19

 

Mit diesem Wort zeigt uns Jesus, was uns fehlt.

Zur Zeit Luthers regierte in Deutschland ein mächtiger Kaiser, Karl V. Als er auf der Höhe seiner Macht war, legte er zur Verwunderung der Welt Krone und Hermelin ab und ging in das Kloster St. Just. Warum? Alle Macht und Herrlichkeit der Welt konnten ihm nicht geben, was sein Herz suchte: Frieden.

Es hat kaum einen Menschen gegeben, der so vom Glück begünstigt war wie der Geheimrat Goethe. Reichtum, Schönheit, Lust der Welt, Ruhm – alles fiel ihm zu. Und – es ist fast erschreckend zu lesen – dieser Mann dichtete: „Ach, ich bin des Treibens müde! / Was soll all der Schmerz und Lust? / Süßer Friede / Komm, ach komm in meine Brust!" – Er hatte alles – nur keinen Frieden.

„Ach, ich bin des Treibens müde", sagte Goethe. Das werden wohl die wenigsten von uns sagen. Wir sind des Treibens noch nicht müde. Vor vielen von uns liegt das Leben noch mit seinen tausend Möglichkeiten, mit seinen Aufgaben, mit Lust und Leid.

Aber das müssen wir wissen: Und wenn wir das Höchste erreichten, – und wenn wir alle Lust der Welt an uns rissen, – und wenn unser Leben reich wäre und voll von Erlebnissen, – eins kann die Welt uns nie geben: den Frieden, nach dem unsere Seele hungert.

Und darum kommt Der zu uns, der in Wahrheit uns grüßen kann: „Friede sei mit euch!" Er bringt den Frieden, „der höher ist als alle Vernunft". Möchten wir doch alle darin recht reich werden! Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Ach, mein Herr Jesu, dein Nahesein

Bringt großen Frieden ins Herz hinein;

Und dein Gnadenanblick macht uns so selig,

Dass Leib und Seele darüber fröhlich

Und dankbar wird.

 


Freitag nach Jubilate

 

Jesus trat mitten ein und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch."

Johannes 20, 19

 

Als für die Jünger die Not anfing, am Gründonnerstagabend, hat der Herr Jesus lange mit ihnen geredet, ehe sie nach Gethsemane gingen. Diese Abschiedsworte Jesu sollten alle angefochtenen Seelen lesen. Sie stehen Johannes 14 bis 16. Dort schon hat Jesus gesagt: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt."

Die Jünger fassten es wohl noch nicht recht an jenem Abend. Aber als der Sohn Gottes nach Seiner Auferstehung zu den Jüngern kommt, die aus Furcht hinter verschlossenen Türen sitzen, da bringt Er ihnen den Frieden als herrliche Frucht Seines Todes.

Es ist ein großer Unterschied zwischen Jesus und uns. Wir können einander auch manches Gute und Schöne wünschen. Wenn jemand krank ist, wünschen wir ihm auch „gute Besserung". Aber davon wird der Kranke nicht gesund. Wir haben keine Möglichkeit, unsere Wünsche für die andern in die Wirklichkeit umzusetzen, unsere Wünsche bleiben Schall und Rauch. Wir können sie nicht realisieren.

Ganz anders ist es bei Jesus. „So er spricht, so geschieht's – so er gebeut, so steht's da", sagt die Bibel. Und wenn Er sagt: „Friede sei mit euch“, dann ist der Friede, nach dem unsere Seele hungert, mit uns.

So kann nur Einer, Jesus, uns das edelste Gut geben, den Frieden. Nur Jesus! Er allein! Wer das versteht und erfahren hat, der begreift den Radikalismus eines Liederdichters, der sagt: „Ach sagt mir nichts von Gold und Schätzen / von Pracht und Schönheit dieser Welt; / es kann mich ja kein Ding ergötzen / was mir die Welt vor Augen stellt. / Ein jeder liebe, was er will: / Ich liebe Jesus, der mein Ziel.“ Amen.

 

 

(Melodie: Ach mein Herr Jesu, dein Nahesein)

 

O wer nur immer bei Tag und Nacht

Dein zu genießen recht wär' bedacht;

Der hätt' ohne Ende von Glück zu sagen,

Und Leib und Seele müsst immer fragen:

Wer ist wie du?

 


Sonnabend nach Jubilate

 

Am Abend, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: „Friede sei mit euch." Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite… Da sprach Jesus abermals zu ihnen: „Friede sei mit euch."

Johannes 20, 19-21

 

Einen unbeschreiblichen Frieden bringt der Herr Jesus in Herz und Haus. Dass wir doch alle davon ein reichliches Teil bekämen!

Aber dieser Friede ist nicht ein grundlosseliges Gefühl. O nein! Dieser Friede Jesu hat seinen Grund. Und er wird erfahren im Gewissen.

Das Seufzen und Wimmern: „Süßer Friede, komm, ach komm in meine Brust!" kann man in der Welt oft hören. Aber es ist im Grunde zwecklos. Damit kommt der Friede nicht. Jesus bringt ihn nur zu denen, die den Grund ihrer Friedlosigkeit sehen und sehen wollen: die Wirklichkeit der Sünde. Darum bleiben die allermeisten Menschen friedlose Leute, weil sie ihren verlorenen Zustand vor Gott nicht erkennen und wahrhaben wollen.

Der Friede, den Jesus bringt, hat einen tiefen Grund. Und dieser Grund heißt: Vergebung der Sünden. Weil der Friede Jesu aus der Vergebung der Sünden kommt, darum wird er im Gewissen erfahren.

Wollen wir Vergebung? – Dann müssen wir sehen, wie Jesus

in unserem Text sich zeigt: „Da zeigte er ihnen die Hände und seine Seite." Was zeigte denn Jesus da? Er zeigte Seine durchgrabenen Hände. Diese Hände haben die Handschrift zerrissen, die gegen uns war. Diese Hände haben unsere Sünde ans Kreuz getragen. Diese Hände wurden um unsertwillen durchbohrt.

Es ist nicht von ungefähr, dass Jesus zweimal sagt: „Friede sei mit euch!" Und dass Er dazwischen Seine Nägelmahle zeigt. Der gekreuzigte Heiland der Sünder – der ist es, der den Frieden bringt. Der allein. Der aber wirklich. Gelobt sei Er! Amen.

 


Sonntag Kantate

 

Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte.

Psalm 63, 6

 

Ja, das wäre allerdings eine herrliche Sache, wenn unser armes Leben eine Orgel würde, in der alle Töne zusammenklingen zum Lobe Gottes.

Wir sind weit entfernt davon, solch ein Instrument zu Seiner Ehre zu sein. Unser Leben gibt einen andern Klang. So einen arg kümmerlichen Klang.

Da wird wohl auch gerühmt. Aber wir rühmen uns selbst. Und mit unserm elenden Selbstruhm wollen wir ja nur unsere Armut und Schuld zudecken.

Und wenn wir nicht rühmen, dann klagen wir: über Menschen, über Verhältnisse, über dies und das.

Und wenn wir nicht klagen, dann spotten oder lästern wir. Und all das, dies üble Rühmen, dies Klagen und Lästern und Schwätzen, ist eine abscheuliche Musik.

Aber ganz tief im Herzen wissen wir etwas Besseres: „Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte."

Ja, das wäre meines Herzens Freude! Es wäre so schön, Gottes Lob zu singen. Warum tun wir es nicht? Nicht wahr, es steht so: Wir können nicht.

Da wird recht deutlich, dass wir gefallene Schöpfung sind. Die Orgel ist hoffnungslos verstimmt. Und aller guter Wille bringt keinen guten Klang hervor.

Aber „was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“. Lasst nur den Herrn Jesus recht wirken! Er wird etwas aus uns machen „zu Lobe seiner Herrlichkeit". Amen.

 

 

(Melodie: Dir, dir, Jehova, will ich singen)

 

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne,

Damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir;

Dein Geist in meinem Herzen wohne

Und meine Sinne und Verstand regier,

Dass ich den Frieden Gottes schmeck' und fühl'

Und dir darob im Herzen sing' und spiel'.

 


Montag nach Kantate

 

Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

Psalm 34, 2

 

Wann soll ein Christ seinen Herrn loben?

Die Vernunft sagt: „Natürlich dann, wenn man dazu in Stimmung ist, wenn es sich aus einer allgemeinen fröhlichen Gemütsstimmung ergibt."

Oder: „Dann, wenn man eine besondere Durchhilfe des Herrn erfahren hat, dann soll und kann der Christ seinen Herrn loben."

So sagt die Vernunft. David aber ist durch den Heiligen Geist anders belehrt worden: „Ich will den Herrn loben allezeit. Sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein."

„Allezeit" und „immerdar" sollte ein Christ seinen Herrn loben.

Ja, ist denn so etwas möglich? Ist denn das nicht zuviel verlangt? Es gibt doch so viele graue Alltage, wo das Herz gar nicht auf „Lob" gestimmt ist. Es gibt doch so viele dunkle Tage, wo schwere Wolken am Himmel unseres Lebens sind. Es gibt doch Nächte des Leides und der Traurigkeit. Es gibt doch so viel Kampf, Not, Sünde, Tränen, Herzeleid. – Ist es da nicht überspannt, so zu reden: „Ich will den Herrn loben allezeit"?

Nun, David ist durch den Heiligen Geist so belehrt worden. Und wir müssen da achten auf das Wörtlein: „den Herrn“. Der Herr Jesus ist immer und allezeit anbetungswürdig. Er gibt das Wasser des Lebens auch im grauesten Alltag. Er ist der „Stern in allen Nächten" und „der Held in jedem Streit". Es gibt keine Lage, wo wir nicht Jesus loben könnten und sollten. Amen.

 

 

(Melodie: Jesu, meine Freude)

 

Weicht, ihr Trauergeister,

Denn mein Freudenmeister,

Jesus, tritt herein.

Denen, die Gott lieben,

Muss auch ihr Betrüben

Lauter Freude sein.

Duld' ich schon hier Spott und Hohn,

Dennoch bleibst du auch im Leide,

Jesu, meine Freude.

 


Dienstag nach Kantate

 

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen.

Psalm 34, 3

 

Lass doch die arme Welt etwas mitbekommen von dem Licht, das der Herr den Seinen gibt!

Wir Christen haben ja nicht eine fromme Gefühlsreligion, die in hauchfeiner Zartheit nicht mit der rauen Welt der „Elenden" in Berührung kommen darf.

Wir haben auch nicht mystische Erlebnisse, die wir im Schrein unseres Herzens vor der Welt der „Elenden" verbergen müssten. Ach nein! Wir haben einen „Herrn, der vom Tode errettet". Wer sollte da nicht rühmen, „dass es die Elenden hören und sich freuen“!

"Wir können's ja nicht lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gehört und gesehen haben", sagten Petrus und Johannes vor dem „Hohen Rat", als man ihnen nahe legte, nicht so öffentlich den Namen Jesu zu bezeugen. „Wir können's nicht!“ Auch wenn sie schweigen wollten (aber sie wollten nicht schweigen) – sie könnten es nicht. Und wenn sie es fertig brächten zu schweigen – es hülfe ja nichts; dann „würden die Steine schreien“.

Als Paulus und Silas im Gefängnis zu Philippi waren, geschlagen und entehrt, da haben sie wohl einige Zeit gebraucht, bis sie Zorn und Not innerlich überwunden hatten. Aber um Mitternacht brach der Herr durch. Da „beteten Paulus und Silas und lobten Gott im Gefängnis. Und es hörten sie die Gefangenen.“

Ja, „dass es die Elenden hören und sich freuen". Hinausdringen lasst es! Lasst doch die arme Welt etwas mitbekommen von dem Licht, das der Herr den Seinen gibt! Amen.

 

 

(Melodie: Mein Herzensjesu, meine Lust)

 

Ich will dich all mein Leben lang,

O Gott, von nun an ehren;

Man soll, Gott, deinen Lobgesang

An allen Orten hören.

Mein ganzes Herz ermuntre sich,

Mein Geist und Leib erfreue dich.

Gebt unserm Gott die Ehre!

 


Mittwoch nach Kantate

 

Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen.

Psalm 34, 3-4

 

Wenn man einen Stein in das stille Wasser eines Sees wirft, dann gibt's Kreise. Diese Kreise dehnen sich aus, wachsen in die Weite. Und es ist am Schluss nicht mehr recht festzustellen, wo sie eigentlich zu Ende gehen.

Mit jedem durch Jesus erretteten Kind Gottes ist es ebenso. Tief im Herzen fängt es an, das Licht der Heilserkenntnis, das der Geist Gottes anzündet. Aber dann bricht es heraus, wird zum Zeugnis. Das Zeugnis erreicht andere Menschen; immer weitere Kreise zieht dies neue Leben. Und nur Gott sieht, wo die Grenzen und wo das Ende der Wirkungen eines solchen Zeugnisses sind.

In unserem Psalmwort spricht David hiervon: „Meine Seele soll sich rühmen des Herrn." Tief im Herzen beginnt es. Die Seele, die erschrocken war vor Gott und begraben lag unter der Sündenschuld, hat den Retter erkannt. Wer könnte davon schweigen? „… dass es die Elenden hören." Sind nicht die anderen Seelen in gleicher Lage? Hört es, ihr Elenden: „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden!" – „… und sich freuen." Jetzt wird es da und dort hell in anderen Herzen. „Wollt ihr nun schweigen?" fragt David. „Auf, preiset mit mir den Herrn!" Und nun entsteht die Gemeinde Jesu, die Gemeinde geretteter und durch Jesu Blut erkaufter Menschenkinder, in der man „miteinander seinen Namen erhöht".

Ist es um uns her ruhig und tot? Es liegt an uns! Sorgen wir dafür, dass unser Zeugnis Kreise zieht! Der Herr will es! Amen.

 

 

(Melodie: Nun danket all und bringet Ehr)

 

Ich singe dir mit Herz und Mund,

Herr, meines Herzens Lust;

Ich sing und mach auf Erden kund,

Was mir von dir bewusst.

 


Donnerstag nach Kantate

 

Ich wandle fröhlich, denn ich suche deine Befehle.

Psalm 119, 45

 

Ein lieblicher Morgen. Der Tau glitzert auf allen Gräsern.

Da klingts fern, ein frohes Lied fröhlicher Gesellen: „Wer recht in Freuden wandern. will, der geh' der Sonn' entgegen …"

Wir sind ja alle miteinander auf einer Wanderung. Unser ganzes Leben ist „ein Wandern zur großen Ewigkeit".

Frisch und fröhlich marschieren die einen. „Der Himmel hängt ihnen voller Geigen." Sie wissen noch nichts von mittagheißen Straßen und von dunklen Nächten des Leides. – Trotzig und verbissen marschieren andere daher. Sie sind entschlossen, allen Widerständen zum Trotz „ihren" Weg zu gehen. – Und wieder andere schleppen sich müde daher. – Und dann die gedankenlosen, die mit dem großen Haufen auf ausgetretenen Bahnen dahertrotten – so rechte Alltagsmenschen! –

Da redet nun in unserem Bibelwort ein Mann, der das Lied: „Wer recht in Freuden wandern will…" sicher nicht kannte. Aber – und das ist viel wichtiger – er, konnte „recht in Freuden wandern". Sein Leben war nicht mehr ein naiver Lebensrausch. Es war aber auch nicht ein müdes Trotten oder trotziges Rennen. „Ich wandle fröhlich." – Warum? – „Denn ich suche deine Befehle." Da spricht einer, der mit seinem Gott in Ordnung gekommen ist. Da spricht einer, der „seine" Wege aufgegeben hat. Und er hat sich und sein Leben, Lust und Leid in die ewigen Hände der Gnade gegeben, wo Vergebung, Freiheit und Frieden ist.

Das ist der Weg zum fröhlichen Wandern. Auch für uns! Amen.

 

 

(Melodie: O Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Wohl einem Haus, da Jesus Christ

Allein das All in allem ist.

Ja, wenn er nicht darinnen wär,

Wie elend wär's, wie arm und leer!

So mach' ich denn zu dieser Stund'

Samt meinem Hause diesen Bund:

Wenn alles Volk vom Herrn abwich,

Doch dienen wir ihm ewiglich.

 


Freitag nach Kantate

 

Sie bekehren sich, aber nicht recht.

Hosea 7, 16

 

Da irrt eine Karawane durch die Wüste. Längst müssten sie ihr Ziel, eine fruchtbare Oase, erreicht haben. Aber Stunde um Stunde verrinnt. Die Oase ist nicht zu sehen. Vor ihnen ist nichts als erbarmungslose Wüste.

Wie kam das? Sie hatten sich beim letzten Aufbruch ein ganz klein wenig in der Richtung geirrt. Es war nur ein ganz kleiner Fehlerwinkel. Aber auf dem langen Marsche genügte diese geringe Abweichung von der rechten Richtung, um sie völlig in die Irre und ins Verderben zu führen.

Das ist ein Bild für das, was bei vielen Menschen im geistlichen Leben sich abspielt: „Sie bekehren sich, aber nicht recht."

Ein Judas! Er zieht mit Jesus. Aber er nimmt die Wendung nicht ganz. Seine Buße und seine Auslieferung sind nicht völlig. Ein kleiner Abweichungswinkel nach der Welt hin, die Liebe zum Mammon.

Im Anfang fällt es gar nicht auf. Er unterscheidet sich gar nicht von den anderen Jüngern. Aber je länger es dauert, desto mehr entfernt er sich von ihnen und von Jesus, bis es schließlich furchtbar offenbar wird: Der Judas hat den schmalen Weg, der zum Leben führt, verfehlt. Er kommt ewig um.

Eine ernste Sache: „Sie bekehren sich, aber nicht recht." Auf dem breiten Wege gibt es viele Möglichkeiten, verloren zu gehen. Es gibt aber nur einen schmalen Weg, nur eine Spur zum Seligwerden.

Es ist darum so überaus wichtig, dass wir ein ungeteiltes Herz bekommen, dass Jesus wirklich ganz unser Herr wird. Er hat Sein Leben ganz für uns gegeben. Nun will Er uns auch ganz. Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Ringe recht, wenn Gottes Gnade

Dich nun ziehet und bekehrt,

Dass dein Geist sich recht entlade

Von der Last, die ihn beschwert.

Ringe, dass dein Eifer glühe

Und die erste Liebe dich

Von der ganzen Welt abziehe;

Halbe Liebe hält nicht Stich.

 


Sonnabend nach Kantate

 

Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die nicht verständig sind, welchen man Zaum und Gebiss muss ins Maul legen, wenn sie nicht zu dir wollen.

Psalm 32, 9

 

Es ist sehr viel Leid in der Welt. Auch in unserem Leben. Aber nun ist es doch wohl so: Sehr vieles, was wir als Leid und Not ansehen, wäre es gar nicht, wenn wir nicht unverständig wären – wie Rosse und Maultiere.

Ein Beispiel aus der Kinderstube soll es deutlich machen.

„Margret", sagt die Mutter, „komm, wir gehen zusammen spazieren." „Ich will aber nicht", sagt Margret, „ich will mit meinen Puppen spielen." „Aber du musst an die frische Luft!" sagt die Mutter und nimmt ihr Kind einfach mit. Das heult, zappelt und ist sehr unglücklich.

Mit Recht? Nein, es ist doch wirklich nicht schwer, mit der Mutter spazieren zu gehen. Nur der eigene trotzige Wille macht daraus ein Leid.

Ist's mit uns nicht oft auch so? Gott führt unser Leben, wie Er will. Gewiss – Er führt wunderlich. „Er führt in die Hölle und wieder heraus." Wenn wir jetzt als in Christo versöhnte Kinder recht willig und gehorsam mit Ihm gingen, wäre alles leicht.

Aber – wir haben unsere eigenen Pläne. Nun muss Gott uns zwingen. Da weinen und zappeln Fleisch und Blut und rebellieren und widerstreben. Und die närrische Vernunft sucht Gott klar zu machen, dass Er mit uns auf dem falschen Wege sei. So kommt Leid in unser Leben, wo Gott Seinen Segen bereit hatte.

Gäben wir uns gelassen in Seinen Willen, so wäre manche Zeit, die wir für eine Leidenszeit ansehen, eine Segenszeit. „Glaub' nur feste / dass das Beste / über dir beschlossen sei. / Wenn dein Wille / nur wird stille / wirst du von dem Kummer frei."

 

 

(Melodie: Meinen Jesum lass ich nicht)

 

Meine Seele murret nicht,

Ist mit allem wohl zufrieden;

Was der eigne Wille spricht,

Ist zum Tode schon beschieden;

Was die Ungeduld erregt,

Ist in Christi Grab gelegt.

 


Sonntag Rogate

 

Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

Matthäus 6, 10

 

Der große Philosoph Fichte soll einmal das Wort gesagt haben: „Das Kind betet, der Mann will."

Das ist ein stolzes Wort. Und es gibt sicher Tausende von Menschen, die diesem Wort begeistert zustimmen.

Und doch – es ist ein ganz törichtes Wort. Dies Wort zeigt so recht, dass der natürliche Mensch, der von göttlichen Dingen nichts versteht, auch vom rechten Beten keine Ahnung hat.

Wer betet, der will auth. Im Gebet geht es um den Willen. Man kann nicht Beten und Wollen als zwei Gegensätze nebeneinander stellen. Der unbekehrte willensstarke Mann will. So sagt Fichte. Und wir erwidern: Der Beter will auch. Der Unterschied liegt nur in dem, was wir wollen.

„Der Mann will." Was will er denn? Seinen eigenen Willen will er. Was „Vernunft" und „Fleisch" ihm sagen, das will er. Oder was die Menschen ihm gesagt haben, das will er.

Und der Beter? Er will den Willen Gottes erfahren und tun. Darum betet er. Jede Bitte, die wir vor den Thron Gottes bringen, muss unter diesem Wort stehen: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel"

Wir Christen wissen, dass unser Wille und der Wille Gottes meistens in heißem Streit miteinander liegen. Und nur so kann in unserem Leben der Wille Gottes die Oberhand bekommen, dass wir im Gebet vor Seinem heiligen Angesicht unseren eigenen Willen in den Tod geben und mit Jesus beten lernen: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"

Das ist eine köstliche und selige Sache, wenn unser Wille ganz unter den Willen Gottes gestellt ist und wir nun Seinen Willen wollen dürfen. So hat es Jesus selbst geübt, als Er im Garten Gethsemane betete. Und so hat Er Seine Jünger und uns beten gelehrt: „Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel" Amen.

 

 

(Melodie: Vater unser im Himmelreich)

 

Dein Will' gescheh, Herr Gott, zugleich

Auf Erden wie im Himmelreich.

Gib uns Geduld in Leidenszeit,

Gehorsam sein in Lieb und Leid;

Wehr' und steur' allem Fleisch und Blut,

Das wider deinen Willen tut.

 


Montag nach Rogate

 

Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.

Psalm 34, 7

 

Beim Gebet hängt so viel von der rechten Herzensstellung ab. Als der Herr Jesus am Kreuz hing, riefen beide Übeltäter, die mit Ihm gekreuzigt waren, Ihn an. Der eine forderte frech und höhnisch: „Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!" Der redete, als hätte er ein Recht, etwas zu fordern. Und während er forderte, sprach doch aus jedem Wort der Unglaube. Es war, als wenn er sagen wollte: „Ich will dir, Herr Jesus, mal eine Gelegenheit geben, Glauben zu wecken oder doch dich beliebt zu machen. Aber ich vermute, es wird wohl nichts werden."

Auf dieses Gebet hat der Herr nicht geantwortet. „Da dieser Stolze rief, hörte der Herr nicht und ließ ihn in allen seinen Nöten." So könnten wir sinngemäß das Psalmwort umkehren.

Auf die Forderungen ungebeugter Herzen antwortet der Herr mit Schweigen.

Aber dem anderen Schächer, der gebeugten Herzens Ihn anrief, öffnete Er die Tore des Himmelreichs. „Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten."

Darauf kommt alles an, ob wir klein geworden sind in unseren eigenen Augen. Darauf sieht Gott, ob einer zerschlagenen und elenden Herzens ist.

Das freche, stolze Reden des Pharisäers im Tempel war ein vergebliches Reden. Aber das Rufen aus der Tiefe eines Sünderherzens, das Gebet des Zöllners: „Gott sei mir Sünder gnädig!" ward erhört.

Die Gebete aus der Tiefe hört unser Gott gern. Amen.

 

 

(Melodie: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig)

 

Ich begehre nichts, o Herre,

Als nur deine freie Gnad',

Die du gibest, den du liebest

Und der dich liebt in der Tat.

Lass dich finden, lass dich finden,

Der hat alles, der dich hat.

 


Dienstag nach Rogate

 

Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.

Psalm 34, 7

 

Es gibt sehr viele Menschen, die überall zu erzählen wissen, wie das Christentum sie enttäuscht habe. „Ich habe auch einmal gebetet", heißt es da, „aber es hatte doch keinen Wert."

Hier im Psalm 34 erzählt David von gegenteiligen Erfahrungen. Er berichtet von wunderbaren Gebetserhörungen. Und wir tun gut, auf solche Berichte zu hören; denn da können wir lernen, wie man recht beten soll.

„Ich rief", sagte David.

Das ist etwas sehr Wichtiges. Er wünschte nicht nur etwas. Er gab auch nicht diesen Wünschen nur eine allgemeine Richtung auf Gott. Nein, er brachte die Sache wirklich vor den Herrn. Er ging in sein Kämmerlein und schloss die Türe hinter sich zu und redete mit seinem himmlischen Vater im Verborgenen.

Und zwar war dies Reden ein sehr ernst gemeintes Reden. David berichtet nicht: „Ich sprach", oder „ich sagte". Nein, „ich rief". Die Tonstärke gab zwar nicht so sehr der Mund an als vielmehr das Herz.

So hat es Jesus in Seinen Erdentagen auch gemacht: „Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!"

So lehrt uns auch der Heilige Geist beten. Paulus sagt: „Wir haben einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater." Und im 50. Psalm fordert uns der Herr auf: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten…"

Es bleibt schon so – und viele Knechte Gottes haben die Wahrheit dieses Wortes erfahren: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist." Amen.

 

 

(Melodie: Dir, dir, Jehova, will ich singen)

 

Wenn dies aus meinem Herzen schallet

Durch deines heil'gen Geistes Kraft und Trieb,

So bricht dein Vaterherz und wallet

Ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb',

Dass mir's die Bitte nicht versagen kann,

Die ich nach deinem Willen hab' getan.

 


Mittwoch nach Rogate

 

Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.

Psalm 34, 7

 

„Dieser!" Da deutet David auf sich selbst.

Wer ist denn „dieser" David, der so herrliche Gebetserfahrungen machte?

Er war ein Mann, der von Jugend auf dem Herrn angehörte. Als er noch ein Knabe war, hütete er die Herden seines Vaters Isai bei Bethlehem. Und in seinem aufgeschlossenen Herzen bewegte der Junge die Geschichten, die er in seinem Elternhaus gehört hatte: Wie Gott die Welt erschuf; wie Abraham berufen wurde; wie Gott Sein Volk erlöste.

Und da kam der Herr zu ihm und klopfte bei ihm an. Und Er fragte ihn wohl: „Willst du nicht auch so ein Gottesmann werden wie Abraham und Moses?"

Und der Junge tat sein Herz weit auf und machte mit dem Herrn einen ewigen Bund.

Er tat auf, als der Herr bei ihm anklopfte. Nun durfte er auch im Gebet bei dem Herrn anklopfen und Erhörung finden.

„Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten."

Es gibt so viele, die widerstreben dem Geist Gottes. Sie lehnen eine klare Bekehrung für sich ab. Sie verschließen ihr Herz, wenn der Herr anklopft. – Aber wenn die Nöte kommen, dann soll der Herr sie hören und erretten. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn der Herr den Unbußfertigen Sein Ohr verstopft.

Aber das Rufen Seiner Kinder hört Er. Und es ist Ihm eine Lust, ihnen Gutes zu tun. Amen.

 

 

(Melodie: Wunderbarer König)

 

Halleluja bringe, wer den Herren kennet,

Wer den Herren Jesum liebet;

Halleluja singe, welcher Christum nennet,

Sich von Herzen ihm ergibet.

O wohl dir! Glaube mir,

Endlich wirst du droben

Ohne Sünd' ihn loben.

 


Himmelfahrtstag

 

Und da Jesus solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg.

Apostelgeschichte 1, 9

 

Dieser Tag ist ein wundervoller Festtag für die Gemeinde Jesu. Allerdings nur für die Gemeinde. Die Welt steht diesem Tag sehr hilflos gegenüber und weiß nichts Rechtes mit ihm anzufangen.

Im Alten Testament wird erzählt, wie Samuel den Hirtenknaben David heimlich zum König salbte. Nun war er nach Gottes Willen König.

Doch nur wenige wussten davon: Samuel, der Vater Isai und vor allem David selbst.

Aber die übrige Welt wusste nichts davon. Ja, sie wollte es nicht wissen. Und soweit sie es ahnte, wie etwa Saul, hasste sie den David darum und verfolgte ihn.

So war er lange Zeit ein heimlicher König.

So ist es mit Jesus. Der Himmelfahrtstag ist der Tag, da Ihm Gott „einen Namen gegeben hat, der über alle Namen ist." Aber noch ist Sein Königtum ein Geheimnis. Er ist ein heimlicher König. Die Welt erkennt Ihn nicht an. Und die Sein Königtum ahnen, hassen Ihn.

Die mit Blut erkaufte Gemeinde aber feiert diesen Tag mit herzinniger, stiller Freude. Sie preist:

 

„Wir wissen dich auf deinem Thron

Und nennen uns die Deinen."

 

So wollen auch wir diesen Tag begehen. Wir wollen den heimlichen König suchen, loben und anbeten. Wir wollen Ihm neu huldigen und Ihm als Huldigungswerk unsere Herzen und unseren Willen zu Füßen legen.

Und freuen wollen wir uns auf jenen Tag, da Sein Königtum aller Welt offenbar machen wird – bei Seiner Wiederkunft. Amen.

 

 

(Melodie: Erschienen ist der herrlich Tag)

 

Nun freut sich alle Christenheit

Und singt und springt ohn' alles Leid.

Gott Lob und Dank ins höchsten Thron,

Weil unser Bruder Gottes Sohn. Halleluja.

 


Freitag nach Rogate

 

Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.

Lukas 24, 51

 

Der letzte Eindruck!

Wie mag sich den Aposteln dies Bild ihres Herrn und Heilandes eingeprägt haben: „Da er sie segnete…"

In mancherlei Lagen hatten sie Ihn gesehen: Sie hatten Ihn zornig gesehen, als Er den Tempel reinigte. Gewaltig hatte Er vor ihnen gestanden, als Er den Sturm stillte. In herzlicher Liebe hatte Er unter ihnen geweilt, als Er ihnen das Abendmahl austeilte. Als das „Lamm, das seinen Mund nicht auftut" war Er ihnen am Karfreitag erschienen.

Der letzte Eindruck aber war so: durchgrabene Hände, aufgehoben zum Segnen. Unauslöschlich hat sich dies Bild ihnen eingeprägt. Und wir verstehen, dass sie dann „mit großer Freude nach Jerusalem zurückkehrten“.

„Mit großer Freude!" Denn es ist eine herrliche Sache, unter den aufgehobenen Segenshänden des Herrn Jesu zu stehen.

Es werden nachher in der Apostelgeschichte seltsame Dinge von diesen Männern erzählt: Furchtlos trotzen sie der Welt und ihren Drohungen; in Gefängnissen singen sie Loblieder; getröstet gehen sie in den Tod; freudig greifen sie eine ganze Welt an; mutig tragen sie Jesu Fahnen unter die Völker.

Das kann man ja nur verstehen, wenn man bedenkt: Sie wussten sich unter diesen segnenden, durchgrabenen Händen Jesu. Und dort dürfen auch wir stehen und zum Frieden kommen. Es gibt keinen besseren, sichereren, fröhlicheren Platz als unter diesen Segenshänden. Amen.

 

 

(Melodie: Alle Menschen müssen sterben)

 

Nun ist dieses dein Geschäfte

In dem obern Heiligtum,

Die erworbnen Segenskräfte

Durch dein Evangelium

Allen denen mitzuteilen,

Die zum Thron der Gnade eilen,

Nun wird uns durch deine Hand

Heil und Segen zugewandt.

 


Sonnabend nach Rogate

 

Da dieser Elende rief, hörte der Herr und half ihm aus allen seinen Nöten.

Psalm 34, 7

 

Wer ist „dieser", der so herrliche Gebetserhörungen erlebte? Und wie kam er dazu?

„Dieser" Mann ist David. Und er machte darum so wunderbare Erfahrungen, weil er seinem himmlischen Herrn wirklich alles Gute zutraute.

Das können wir so fein sehen in der Geschichte von Goliath. Alles fürchtete den schrecklichen Riesen. Nur der Knabe David war bereit, mit ihm zu kämpfen. Als er gewarnt wurde, antwortete er: „Der Gott, der mich von den Bären und Löwen errettete, der wird mich auch erretten von diesem Philister."

Unsere Gebete sind oft wie geknickte Pfeile. Wir beten wohl. Doch die Vernunft spricht dazwischen: „Du kannst es ja mal versuchen. Aber es wird wohl nicht viel helfen." Wir trauen dem Herrn nicht recht zu, dass Er Wunder tun könne. Und wenn wir Ihm das auch zutrauen, dann glauben wir doch nicht recht, dass Er auch helfen wolle.

So fehlt unserem Gebet die Kraft des Glaubens. Wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn der Herr auf solches Gebet des Unglaubens nicht antwortet.

Dieser Elende", dieser David, hat es anders gemacht. Er hat wohl zuerst recht erwogen, ob er seine Bitte vor Gott bringen dürfe, ob sie auch nach Seinem Willen sei. Aber als er darüber klar war, da hat er sich voll Vertrauen in Gottes Arme geworfen. Und er ist mit diesem kindlichen Glauben nicht zu Schanden geworden.

So wollen auch wir beten lernen. Amen.

 

 

(Melodie: Befiehl du deine Wege)

 

Dem Herren musst du trauen,

Wenn dir's soll wohlergehn;

Auf sein Werk musst du schauen,

Wenn dein Werk soll bestehn.

Mit Sorgen und mit Grämen

Und mit selbsteigner Pein

Lässt Gott sich gar nichts nehmen.

Es muss erbeten sein.

 


Sonntag Exaudi

 

Ich bin bei euch alle Tage.

Matthäus 28, 20

 

Der Herr Jesus führt Seine Leute, die Er sich erkauft und erworben hat, nicht aus der Welt heraus. Er sendet sie vielmehr als Seine Zeugen in die kalte, gottfeindliche Welt hinein.

Schon im hochpriesterlichen Gebet vor Seinem Sterben sagt Jesus: „Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Argen.“

Und ehe Er gen Himmel fuhr, gab Er Seinen Jüngern den Auftrag: „Gehet hin in alle Welt!' Ja, Christen sollen sich nicht nur in ihrem Christenstand behaupten in dieser Welt. Sie sollen vielmehr die Fahnen Jesu vorantragen. Sie sollen für den Herrn Jesus zeugen. „… und lehret alle Völker!"

Den Jüngern Jesu kann dabei angst und bange werden. Wie sollen sie denn diese Aufgabe erfüllen in einer Welt, die den Heiland immer wieder neu kreuzigt? Sollte die Gemeinde Jesu dazu nicht alle Weltweisheit besitzen? Müssten die Jünger Jesu nicht, um ihre Aufgabe zu erfüllen, Meister der Taktik sein? Müssten sie nicht über die glänzendste Redegabe verfügen, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden wollen?

O nein! Wenn das alles nötig wäre, dann wären die ersten Jünger wohl kaum geeignet gewesen zu Aposteln. Der Herr Jesus gab ihnen eine andere Ausrüstung mit. Er versprach ihnen: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Und das glaubten die Jünger. Sie gingen in die feindliche Welt hinein in der fröhlichen Gewissheit, dass Jesus bei ihnen stehe. Und wo heute im Reiche Gottes Siege erfochten und Kämpfe ausgekämpft werden, da kann es nur geschehen in der Gewissheit: „Der Herr selbst ist gegenwärtig.“ Amen.

 

 

(Melodie: Alles ist an Gottes Segen)

 

Jesu, der du bist alleine

Haupt und König der Gemeine,

Segne mich, dein armes Glied;

Wollst mir neuen Einfluss geben

Deines Geistes, dir zu leben;

Stärke mich durch deine Güt.

 


Montag nach Exaudi

 

Wer ist wie der Herr, unser Gott? der sich so hoch gesetzt hat und auf das Niedrige sieht; der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Kot.

Psalm 113, 5-7

 

Ein großes Staunen spricht aus diesem Wort.

Wie ganz anders ist doch der lebendige Gott als wir Menschen: Je höher ein Mensch gekommen ist, desto weniger kann er sich kümmern um die Kleinigkeiten. Je erhabener er ist, desto weniger sieht er „das Niedrige". Wie könnte etwa der Generaldirektor eines großen Industriewerkes sich kümmern um den kleinen Laufjungen! Es ist unmöglich, dass der Divisionsgeneral jeden kleinen Rekruten beachtet.

Ganz anders ist es bei unserem Gott! „Er hat sich hoch gesetzt und sieht auf das Niedrige."

Es gibt in der lateinischen Sprache das Wort despicere. Dies Wort heißt seinem Stamm und seiner wörtlichen Bedeutung nach: „herabsehen“. Aber es ist doch bezeichnend, dass dieses selbe Wort in der lateinischen Sprache den Sinn bekommen hat von „verachten".

Das ist bezeichnend für die Art des Menschen. „Herabsehen" und „verachten" ist für ihn dasselbe.

Wie anders ist es bei unserem Gott! Wenn einer „herabsehen" kann, dann ist Er es. „Wer ist wie der Herr, unser Gott? der sich so hoch gesetzt hat!" Wie gering und armselig ist alles Menschenwesen vor Ihm! Wie unheilig und unrein sind wir vor Seinen Augen! Der Psalmist sagt so drastisch: „Wir sind Arme, Niedrige und Geringe im Kot."

Und doch: Gott verachtet uns nicht. Bei Ihm heißt „herabsehen" nicht „verachten". Bei ihm heißt „herabsehen" wunderbarerweise ebensoviel wie „lieben" und „erretten".

Nun verstehen wir das Staunen des Psalmisten. Je mehr wir die Größe, Macht und Herrlichkeit unseres Gottes erkennen – je deutlicher uns in Seinem Lichte unsere Niedrigkeit, unsere Armut und der Schmutz der Sünde wird, in der wir stehen – desto unbegreiflicher und wunderbarer ist uns Sein gnädiges Herabsehen in Jesus Christus, durch den Er uns aufrichtet und erhöht. Amen.

 


Dienstag nach Exaudi

 

Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Apostelgeschichte 1, 8

 

Hier wurde der größte und seltsamste Kriegszug beschlossen, den die Weltgeschichte je gesehen hat.

Jesus, der Sohn Gottes, hat Sein Leben für die Welt dahingegeben. Jetzt nimmt Er den Kampf um die verlorene Welt auf. Nachdem Er selbst auf Golgatha den Einbruch in das Reich der Finsternis gemacht hat, sendet Er nun Seine Streiterscharen aus.

Eine seltsame Armee ist es, die auszieht zum Kampf! Schon die Zahl ist auffallend: Elf Männer! Noch nie hat eine so kleine Streiterschar einen so großen Krieg begonnen. Aber es sind elf Männer mit Jesus. Elf Männer – das wäre nichts. Elf Männer mit Jesus – das ist eine große Macht.

Und die Ausrüstung dieser Streiterschar? „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen!" Das ist keine Ausrüstung, die die Welt fürchtet oder ernst nimmt. Aber es ist eine göttliche Ausrüstung von oben. Und darum ist sie machtvoll.

Und die Taktik dieser Streiterschar Jesu? „Ihr werdet meine Zeugen sein." Die Gemeinde Jesu hat keine andere Taktik und darf keine andere haben als die, dass sie überall und immer, zurzeit und zur Unzeit, ihren Herrn und Sein Kreuz und Auferstehen verkündigt und bezeugt.

Und der Kriegsschauplatz? „Bis an die Enden der Erde." Soweit die Erde ist, soweit gehen auch die Aufgaben und das Ziel der Gemeinde Jesu Christi.

Bis in unsere Tage geht dieser Kriegszug. Auch wir sind gerufen zum Streit. Amen.

 

 

(Melodie: Erschienen ist der herrlich Tag)

 

In deiner Kraft wir liegen ob,

Dass weit erschall dein' Eh? und Lob

Und alle Welt des inne werd',

Dass du noch lebst und herrschst auf Erd'.

Halleluja.

 


Mittwoch nach Exaudi

 

Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben.

Hesekiel 36, 26

 

Überall wird auf Pfingsten gerüstet. Bei manchen ist noch großer Hausputz. Die Jungen richten ihr Rad für eine Pfingstfahrt. Das junge Mädchen läuft zur Näherin, ob das Frühlingskleid fertig ist. Und alle schauen jeden Morgen zum Himmel, ob denn nun wirklich die Frühlingssonne da sei.

Überall Zurüstung für Pfingsten! Es ist nichts zu sagen gegen diesen fröhlichen Eifer. Aber wir Christen sollten wissen, dass es an Pfingsten um mehr geht als um zwei freie Tage. Es geht um den Heiligen Geist. Und darum besteht alle rechte Pfingstzurüstung darin, dass wir uns bereit machen für diesen Heiligen Geist.

Wenn man einen Blick tut über die Christenheit in Deutschland, dann muss man wohl dankbar sagen: Es ist viel Fragen nach Gott vorhanden, viel Liebe zu Jesus und viel Opferbereitschaft für die Werke des Reiches Gottes.

Und doch – wir gleichen so vielfach den Jüngern nach Ostern. Bei denen war auch Liebe zu Jesus und Bereitschaft zu Opfer und Dienst. Aber es fehlte ihnen die neu gestaltende Kraft des Heiligen Geistes, die das Herz wirklich neu macht und feste Heilsgewissheit gibt. Wir sind trotz allem dürres Land. Aber dürres Land, auf das Gott den Regen Seines Geistes gießen will. Ja, Gott will. An Ihm fehlt es nicht: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben." Die Frage ist nur, ob wir wollen. Da fehlt es meist. Wir fürchten uns vor der totalen Gottesherrschaft in unserem Leben. Dass wir doch wollten! Amen.

 

 

(Melodie: Komm, o komm, du Geist des Lebens)

 

Komm, o komm, du Geist des Lebens,

Wahrer Gott von Ewigkeit,

Deine Kraft sei nicht vergebens,

Sie erfüll uns jederzeit;

So wird Geist und Licht und Schein

In dem dunklen Herzen sein.

 


Donnerstag nach Exaudi

 

Da wandten sie um gen Jerusalem von dem Berge, der da heißt der Ölberg, welcher ist nahe bei Jerusalem und liegt einen Sabbatweg davon.

Apostelgeschichte 1, 12

 

Die glorreiche Thronbesteigung und Himmelfahrt unseres Heilandes war ein gewaltiges Erlebnis für die Jünger!

Nun kehren sie um. Dies Umkehren, das doch so selbstverständlich ist, wird hier merkwürdig umständlich erzählt. Es ist, als spüre man den Jüngern an, wie schwer ihnen dies Umkehren wird. – Vom Ölberg nach Jerusalem!

Hier am Ölberg waren heilige Erinnerungen. Hier hatte Jesus mit ihnen gesprochen. Hier hatten sie Ihm in Sein Herz geschaut, als Er über Jerusalem weinte. Von hier war der frohe Einzug nach Jerusalem geschehen. Hier war Stille, Ruhe, Frieden.

Und dort Jerusalem. Da waren Kampf, Anfechtung, Feindschaft, Lärm, Aufgaben. Man kann schon verstehen, dass dies Umkehren schwer war.

Ja, warum gingen sie denn nach Jerusalem? Warum gingen sie nicht nach Bethphage oder Bethanien? Sie waren doch hier wie dort fremd? Warum?

Weil sie einen klaren Befehl Jesu hatten. „Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, dass sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters."

Damit fing ihre Pfingstzurüstung an, dass sie Jesus gehorchten. Der Weg nach Jerusalem war keine sportliche Leistung: „Er ist nahe bei Jerusalem und liegt einen Sabbatweg davon." Nur eine halbe Stunde Wegs! Eine Kleinigkeit! Und doch keine Kleinigkeit! Denn hieran entschied es sich, ob die jünger Jesus ihren Herrn sein lassen wollten oder nicht. Wollen wir den Heiligen Geist? Dann werden wir gefragt, ob wir entschlossen sind, Gottes Willen bedingungslos zu tun. Wollen wir in den kleinen Entscheidungen des Lebens den Gehorsam wählen? Völliger Gehorsam ist die rechte Vorbereitung für den Empfang des Heiligen Geistes. Amen.

 

 

(Melodie: Es kostet viel, ein Christ zu sein)

 

Dein Vater fordert nur das Herz,

Dass er es selbst mit reiner Gnade fülle;

Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz,

Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille;

Drum übergib ihn willig in den Tod,

So hat's nicht Not.

 


Freitag nach Exaudi

 

Sie stiegen auf den Söller, da sich aufhielten die Apostel. Diese alle waren stets beieinander einmütig samt den Weibern.

Apostelgeschichte 1, 13-14

 

Wollen wir den Heiligen Geist? Dann müssen wir uns zur Gemeinde Jesu halten. Wenn damals ein Apostel sich abgesondert hätte, hätte er die Pfingstgabe nicht bekommen. Denn der Heilige Geist wird der Gemeinde gegeben.

Wie sieht diese „Gemeinde" aus?

Die verschiedensten Leute, Berufe, Alter und Temperamente waren beieinander. Was hielt denn diese Leute zusammen? Vor allem eins: Sie alle hatten Jesus lieb und glaubten an Ihn als den Sohn Gottes. Das ist das entscheidende Kennzeichen der Gemeinde.

Es waren weiter Leute, die Vergebung der Sünden hatten. In dieser Schar war keiner, in dessen Leben nicht Sünde und Schuld lag. Da war Petrus, der Verleugner, – Magdalena, die große Sünderin, – Matthäus, der frühere Zöllner und Betrüger. Sünder waren hier beieinander und warteten auf den Heiligen Geist, – aber begnadigte Sünder, rein gemacht im Blute Jesu.

„Einmütig" waren sie versammelt. Nun, diese Leute waren nicht immer einmütig gewesen. Wir wissen, dass die Jünger sich einst gezankt hatten, wer der Größte unter ihnen sei. Dabei waren sicher harte Worte gefallen

Nun sind sie „einmütig" beieinander. Sie haben sich vergeben. Solche Gemeinde, in der man vergeben kann, hat die Verheißung des Heiligen Geistes.

Wer sich zu solcher Gemeinde hält, dem will Gott den Heiligen Geist schenken. Amen.

 

 

(Melodie: Lob Gott getrost mit Singen)

 

O komm, du Geist der Wahrheit,

Und kehre bei uns ein,

Verbreite Licht und Klarheit,

Verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer,

Rühr Herz und Lippen an,

Dass jeglicher getreuer

Den Herrn bekennen kann.

 


Sonnabend vor Pfingsten

 

Und als sie hineinkamen, stiegen sie auf den Söller … diese alle waren stets beieinander einmütig mit Beten und Flehen.

Apostelgeschichte 1, 13-14

 

Menschen, die auf den Heiligen Geist warten!

Es ist wichtig, darauf zu achten, wo sie versammelt 'waren. Wir wollen es einmal modern sagen: Nicht im Kino und nicht im Café, nicht in einer Wirtschaft oder sonst an einer lauten Stelle. – Nein! „Auf dem Söller"! In der Stille waren sie zusammengekommen. Da waren einmal keine Zeitung und kein Radio. Da ging es nicht um Geschäft und Politik. Da war das Herz verschlossen gegen den Lärm der Welt und offen für den Herrn und Sein Wirken.

Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich waren es stille Leute, die auf den Heiligen Geist warteten. Die Apostelgeschichte nennt uns einige Namen dieser Leute. Da war Petrus, der ungeduldige Brausekopf, da war Simon, der Zelot. Die Zeloten waren wilde Eiferer gegen die Römer, eine Partei der Ungeduldigen.

Nein, von Natur waren diese Leute nicht still. Aber nun haben sie ihr Herz stille gemacht: „Zions Stille soll sich breiten / um mein Sorgen, meine Pein / denn die Stimmen Gottes läuten / Frieden, ew'gen Frieden ein. / Ebnen soll sich jede Welle / denn mein König will sich nah'n; / nur an einer stillen Stelle / legt Gott seinen Anker an."

Wollen wir nicht auch so bereit werden für die Pfingstgabe des Heiligen Geistes?

„Mit Beten und Flehen“ waren sie versammelt. Wer Wasser haben will, der muss ein Gefäß aufhalten. Es hat keinen Sinn, dass man sich hinsetzt und an Wasser denkt. Man muss ein Gefäß aufhalten. – Und wer den Heiligen Geist haben will, der muss „beten und flehen".

Diese Apostel haben in großer Gewissheit gebetet, denn sie dachten an Jesu Verheißung (Lukas 11, 13): „So denn ihr, die ihr arg seid, könnt euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten." Diese Verheißung hat auch heute noch für uns Geltung. Amen.

 


Erster Pfingsttag

 

Da ging's ihnen durchs Herz.

Apostelgeschichte 2, 37

 

Der Heilige Geist, der im Alten Bunde schon hier und da still und heimlich in den Herzen einzelner Männer und Frauen gewirkt hatte, wurde ausgegossen „auf alles Fleisch". So erklärt Petrus in der Pfingstpredigt das, was geschah.

,Auf alles Fleisch"! Wer jetzt nur immer in der weiten Welt bereit ist, Gottes Wort zu hören, Buße zu tun und an den Herrn Jesus zu glauben, der darf diese Gabe des Heiligen Geistes empfangen.

Auf alles Fleisch" ! Eine ungeheure Breitenwirkung des Angriffs Gottes auf die Welt!

Und doch – Tiefenwirkung: „Da ging's ihnen durchs Herz."

Es ist wirklich etwas ganz Großes und Erstaunliches, wenn es einem Menschen „durchs Herz" geht. Wir wollen es ruhig zugeben: Wie oft haben wir von Jesus gehört, wie oft haben wir den Ruf zur Buße vernommen! Aber es blieb alles beim alten. Es lief an uns herunter wie Wasser am Ölmantel.

Zwei Bilder kennt die Bibel, um die Unempfindlichkeit des natürlichen Herzens zu schildern. In Hesekiel 36 spricht der Prophet von dem „steinernen Herzen“ des natürlichen Menschen. Und in Psalm 119 heißt es: „Ihr Herz ist wie Schmer." So ist es: Ohne den Heiligen Geist ist alles vergeblich. Die schönsten Predigten laufen an solchen Schmer-Herzen ab. Die Hagelschauer der Gerichte Gottes und der Tau Seiner Güte lassen die steinernen Herzen unbewegt.

Aber nun ist der Heilige Geist da. Er deckt unseren unheilbaren Schaden auf und verklärt den Herrn Jesus, dass es „ihnen durchs Herz ging".

„Ihnen"! Sind wir auch bei diesen „ihnen"? Gebe Gott, dass wir unsere Pfingstgeschichte erleben: „Da ging's mir durchs Herz." Amen.

 

 

(Melodie: Nun bitten wir den Heiligen Geist)

 

Du wertes Licht, gib uns deinen Schein,

Lehr uns Jesum Christ kennen allein,

Dass wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland,

Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis.

 


Zweiter Pfingsttag

 

Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn.

1. Könige 8, 11

 

Welch eine Stunde!

Salomo hat dem lebendigen Gott ein Haus gebaut. Viel Eifer und Fleiß, Geld und Schätze hat er an dies Haus gerückt. Nun ist es fertig. Der Tag der Einweihung ist gekommen. Viel Volk ist versammelt.

Und da geschieht es: „Da erfüllte die Wolke das Haus des Herrn, dass die Priester nicht konnten stehen und des Amts pflegen vor der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn." –

Dieser Tempel ist zerfallen. Eine Moschee des falschen Propheten Mohammed steht an seiner Stelle und zeugt von dem ernsten Gericht Gottes, das über diesen Tempel und über ein abtrünniges Volk ging.

Aber einen neuen, herrlicheren Tempel hat Gott sich am Pfingsttage erbaut: Das ist die Gemeinde Jesu Christi.

In diesem Tempel ist Jesus Christus der Eckstein. „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus" (1. Korinther 3, 11).

Die Fundamente sind die Zeugnisse der Apostel und Propheten in der Heiligen Schrift. „Gebaut auf den Grund der Apostel und Propheten" ist dieser neue Tempel Gottes (Epheser 2, 20). Und wir sind auch dazu berufen: „Und auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause" (1. Petrus 2, 5). In diesem Tempel will Gott wohnen. Ja, Er, der schon den alttestamentlichen Tempel erfüllte mit Seiner Herrlichkeit, Er will noch vielmehr, dass dieser neutestamentliche Tempel, Seine Gemeinde, ein geistliches Haus Seiner Herrlichkeit sei.

Gottes Herrlichkeit unter uns! Die Gemeinde Jesu erfüllt mit Seiner Herrlichkeit! Amen.

 

 

(eigene Melodie)

 

Heil'ger Geist, du Tröster mein,

Hoch vom Himmel uns erschein'

Mit dem Licht der Gnade dein.

 


Dienstag nach Pfingsten

 

… die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.

Römer 8, 1

 

Darum geht es: Was ist der geheime Motor meines Lebens? Was ist es, das mein Reden, Denken, Tun bestimmt? „Fleisch“ oder „Geist"?

Wir können sehr „fromm", sehr „christlich" sein und doch – regiert und bestimmt vom „Fleisch". Ja, man kann in den Augen der Welt ein „guter und edler" Mensch sein und doch – regiert und bestimmt vom „Fleisch".

„Fleisch" – mit diesem Wort bezeichnet die Bibel das natürliche Wesen des gefallenen Menschen. „Fleisch" – das ist unsere natürliche Art, die zu den gröbsten Sünden jederzeit fähig ist. „Fleisch" – das ist auch unser Temperament. „Fleisch" – das ist die elende Art, die je und dann moralisch ist und sich dann mit Vergnügen selbst beschaut und bespiegelt.

„Fleisch" – das ist … ach, wer könnte damit fertig werden, den gefallenen Menschen und seine Art zu schildern?

Aber eins ist sicher: „Fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft wider Gott!" Und darum gilt das andere: „Fleischlich gesinnt sein ist der Tod!"

Aber wie ein Jubelruf klingt es, wenn nun Paulus das B. Kapitel des Römerbriefes anfängt mit den Worten „… die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist!"

Ein Neues ist durch Jesus gekommen! Wir dürfen unsere natürliche Art mit dem Gekreuzigten in den Tod geben. Und dann tritt der Heilige Geist die Herrschaft an. Wohl gibt es dann täglich heiße Kämpfe zwischen „Geist" und „Fleisch" in unserem Leben. Und doch – wir dürfen es selig erfahren: „Geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede." Amen.

 

 

(Melodie: Werde munter, in ein Gemüte)

 

Nur allein, dass du mich stärkest

Und mir treulich stehest bei;

Hilf, mein Helfer, wo du merkest,

Dass mir Hilfe nötig sei.

Brich des bösen Fleisches Sinn,

Nimm den alten Willen hin,

Mach ihn allerdinge neue,

Dass mein Gott sich meiner freue.

 


Mittwoch nach Pfingsten

 

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Römer 8, 14

 

Wenn ein reicher Mann ein armes Findelkind adoptiert, dann nimmt er sich auch um dies Kind an. Er nimmt ihm seine Lumpen und kleidet es lieblich und schön. Er schickt es in die Schule und lässt ihm eine sorgfältige Erziehung angedeihen.

Nicht anders macht es unser Gott.

In Jesus, unserm Heiland, macht Er uns zu Seinen Kindern. Aus verlorenen „Kindern des Zorns“ werden wir durch Jesu Verdienst zu versöhnten Gotteskindern – durch den Glauben. Aber nun soll nur ja keiner meinen, das ginge ohne eine ganze Umstellung unseres Lebens. Nun bilde sich nur ja keiner ein, der starke Herr lasse Seine Kinder einfach in ihrem alten, elenden und gottlosen Wesen weitermachen! O nein!

Wer ein Kind Gottes geworden ist, der kommt nun recht in die Erziehung und Schule des guten Heiligen. Geistes.

Dieser Heilige Geist Gottes ist ein sehr ernster und beunruhigender Lehrmeister. Die Bibel sagt: Er „treibt" uns. Er nimmt es genau. Er lässt uns über keiner Sünde und Unart ruhig werden. Er mahnt und Er straft. Er zerbricht und demütigt. Und zugleich führt Er uns immer tiefer in die Erkenntnis des Heiles Gottes, immer tiefer in das Verständnis des Wortes Gottes, immer tiefer in das Meer des Friedens und der Liebe Jesu.

Wie ein Bildhauer ein Modell vor Augen hat, nach dem er arbeitet, so hat der Heilige Geist in all Seinem Wirken, Tun und „Treiben" ein Bild, nach dem Er uns gestalten will: das Bild Jesu. Gebe Gott, dass wir uns völlig in die Zucht des Heiligen Geistes geben! Amen.

 

 

(Melodie: Zieh ein zu deinen Toren)

 

Zieh ein, lass mich empfinden

Und schmecken deine Kraft,

Die Kraft, die uns von Sünden

Hilf' und Errettung schafft.

Entsünd'ge meinen Sinn,

Dass ich mit reinem Geiste

Dir Ehr und Dienste leiste,

Die ich dir schuldig bin.

 


Donnerstag nach Pfingsten

 

Jesus antwortete und sprach zu Nikodemus: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen."

Johannes 3, 3

 

Ist dieser Satz Jesu nicht unerträglich?

Wenn irgendein Verbrecher oder gemeiner Kerl vor Ihm gesessen hätte, dann würde uns Sein Wort von der Wiedergeburt wohl einleuchten.

Aber da saß ja ein edler Mann vor Ihm. Dieser Nikodemus war ein Idealist, ein Mann, der „stets strebend sich bemühte", das Gute, Edle und Wahre zu tun.

Ja, ist denn das nichts? Sollte so ein Mann denn nicht vor Gott bestehen können? Ist es nicht einfach unfassbar, dass Jesus gerade diesem Mann das Wort von der Notwendigkeit der Wiedergeburt sagt?

Ein Beispiel soll es uns klarmachen: Da kommt ein Reisender aus Holland nach Deutschland zurück. Er hat in seinem Geldbeutel noch einen holländischen Gulden. Das ist ein gutes Geld und er kann in Rotterdam allerlei dafür kaufen.

Aber als er nun in einer deutschen Stadt den Gulden ausgeben will, wird er abgewiesen: „Gewiss, der Gulden ist gut. Aber er gilt hier nicht. Hier gilt nur Geld, welches das deutsche Hoheitszeichen trägt."

So ist es mit dem Reiche Gottes. „Nikodemus", sagt Jesus, „du bist gewiss ein edler Mann. Aber im Reiche Gottes gilt nur das Herz, in das der Heilige Geist mein Bild geprägt hat. Darum musst du wiedergeboren werden."

Dies Wort spricht das Urteil über all unseren menschlichen Hochmut und treibt uns in die Arme Jesu. Amen.

 

 

(Melodie: O Jesu Christ, meins Lebens Licht)

 

Erneure mich, o ew'ges Licht,

Und lass von deinem Angesicht

Mein Herz und Seel' mit deinem Schein

Durchleuchtet und erfüllet sein.

 


Freitag nach Pfingsten

 

Ich will dich zur ehernen Mauer machen.

Jeremia 1, 18

 

Auf der Insel Borkum ist eine Stelle, wo das Inselland im Winkel vorspringt. Tag und Nacht rennt die See gegen dies Sturmeck an.

Da hat man zum Schutz eine hohe, steile Mauer errichtet. Brüllend kommen die Wogen an. Oder schmeichelnd und nagend. Aber sie müssen zerbrechen.

Den Fluten des Zeitgeistes in der gefallenen Welt setzt Gott eine Mauer entgegen. Dies Wort: „Ich will dich zur ehernen Mauer machen". ist nur an einem Einzigen ganz Wahrheit geworden: an Jesus Christus. Wie sind die Sturmfluten der Versuchung und des Hasses, wie sind die Wogen der Hölle gegen Ihn angestürmt! Aber als Er rief: „Es ist vollbracht!" da war es offenbar, dass Er eine „eherne Mauer" war.

Weil aber Jesus in Seiner Gemeinde, die „Sein Leib" ist, gegenwärtig lebt, gilt dies Wort von der „ehernen Mauer" auch der Gemeinde.

Dies Wort spricht unsere hohe Berufung aus: Wir brauchen nicht mehr kümmerliche und furchtsame Knechte der Welt und der Zeit zu sein. Wir sind im Dienste des Herrn.

Aber dies Wort spricht auch die Schwere des Christenstandes aus: Trotz sollen wir bieten – und sind doch so schwach! Stehen sollen wir – und sind doch so haltlos!

Es ist gut, dass Gott sagt: „Ich will dich machen zur ehernen. Mauer." „Ich will dich machen…“ „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade." Amen.

 

 

(Melodie: O Durchbrecher aller Bande)

 

Gib uns der Apostel hohen,

Ungebeugten Zeugenmut,

Aller Welt trotz Spott und Drohen

Zu verkünden Christi Blut.

Lass die Wahrheit uns bekennen,

Die uns froh und frei gemacht;

Gib, dass wir's nicht lassen können,

Habe du die Übermacht.

 


Sonnabend nach Pfingsten

 

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

Matthäus 10, 16

 

Wie seltsam und merkwürdig ist doch die Lage der Gemeinde Jesu!

Sie ist – nach dem Willen ihres Herrn, aus dessen Mund dies Textwort stammt – das Hilfloseste und Wehrloseste, das man sich denken kann.

Man stelle sich vor: Ein Rudel gieriger, hungriger Wölfe. Grauenvoll tönt ihr Geheul; unheimlich leuchten die Augen; schreckenvoll ist ihr Gebiss.

Und mitten in dem Kreis dieser Bestien ein Lamm. Kann man sich etwas Verloreneres vorstellen?

Das ist die Lage der Gemeinde Jesu Christi. „Wir sind geachtet wie Schlachtschafe", sagte der Apostel Paulus. Wer meint, die Gemeinde könne durch Macht, Klugheit, durch Massen oder Mächtige gerettet werden, der kennt die wirkliche Lage nicht. „Schafe unter den Wölfen".

Aber – es geht ja gar nicht darum, dass das Lamm gerettet wird. Die Gemeinde ist ja die Schar derer, die schon gerettet sind.

Das Lamm – das ist das Seltsame – ist im Angriff. „Ich sende euch!" sagt Jesus im Textwort. Das Lamm ist nicht durch einen unglücklichen Zufall unter die Wölfe geraten. Es hat seine Sendung unter den Wölfen.

„Ich sende euch!" Das heißt: Beständiger Angriff! Nicht verstummendes Zeugnis! Immer neuer Sieg!

Jawohl, immer neuer Sieg. „Wir ziehen fort von Sieg zu Sieg, weil Jesus überwand."

So triumphiert die so verloren scheinende Gemeinde mitten unter den blinden, erstaunten und erschrockenen „Wölfen". Amen.

 

 

(Melodie: Der Tag bricht an und zeiget sich)

 

Sei du Hauptmann in diesem Streit,

Dein siegreich Hand helf uns beizeit,

Damit der Feind, wie groß er ist,

Muss sehen, dass du stärker bist.

 


Trinitatisfest

 

Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

2. Korinther 13, 13

 

Wenn im Konfirmandenunterricht von der Dreieinigkeit die Rede ist, brauche ich gern ein schlichtes Beispiel. Ich zeichne ein Kleeblatt an die Tafel und frage: „Wie viel Blätter hat das?" „Drei!" rufen die meisten. Aber ein paar werden stutzig. Sie rufen: „Eins!" „Nein, drei!" behaupten die anderen.

„Wie oft müsst Ihr denn pflücken, um so ein Kleeblatt zu haben?"

„Einmal!"

„Also, wie viel Blätter?"

„Eins", meinen zögernd ein paar. „Es sind aber doch drei", bleiben manche fest. Bis schließlich eins der Kinder sagt: „Drei in einem sind's!"

„Richtig! Drei in einem!" Und nun erkläre ich ihnen dies Gleichnis. Das gilt vom lebendigen Gott. „Drei in einem: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist."

Nun, trotz all unseres Erklären wird uns die Dreifaltigkeit Gottes ein verborgenes Ding bleiben, solange wir fern von Gott und Seinem Heil sind. Wie sollte unsere unerleuchtete Vernunft imstande sein, dies Wunder und Geheimnis der Dreieinigkeit zu verstehen!

Denen aber, die von der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht gekommen sind, ist die Dreieinigkeit kein dunkles Rätsel mehr. Sie kennen „die Gnade unseres Herrn Jesu Christi", durch die sie errettet wurden. Sie preisen „die Liebe Gottes, des Vaters", durch die sie erwählt wurden und die sie täglich umgibt. Und sie stehen in der „Gemeinschaft des Heiligen Geistes", der in ihnen und der ganzen Gemeinde Jesu Sein herrliches Werk tut. Amen.

 

 

(Melodie: Herr Gott, dich loben alle wir)

 

Jehova, Vater, Sohn und Geist,

O Segensbrunn, der ewig fleußt,

Durch fleuß Herz, Sinn und Wandel wohl,

Mach uns dein's Lob' und Segens voll.

 


Montag nach dem Trinitatisfest

 

Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt.

Jesaja 40, 15

 

In Bildern nur können wir uns die unendliche Größe Gottes deutlich machen.

Es gibt wenig Worte, die so erschütternd uns diese Größe Gottes vor Augen führen wie dies Gleichnis, das Jesaja braucht.

Da ist die Haustochter. Sie hat geschrubbt und geputzt. Nun leert sie den Eimer aus. Dabei geschieht es, dass ein Tropfen Wasser im Eimer hängen bleibt. Nun wird das Mädchen nicht etwa einen Lappen suchen, um diesen Tropfen abzuwischen. Er ist so gering und belanglos, dass er getrost an dem geleerten Eimer hängen bleiben kann.

„Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen, der im Eimer bleibt." Wie wichtig ist uns unser eigenes liebes Volk! Wie gewaltig erscheinen uns die Völker und ihr Leben! Wie überwältigend ist das Brausen des Völkermeeres!

Gott aber ist so groß, dass vor Ihm all dies nicht bedeutungsvoller ist als „ein Tropfen, der im Eimer bleibt".

Das schrieb ein Mann, der mit glühender Seele sein Volk liebte, der mit seinem Volk litt und fröhlich war. Er wollte, wir sollten ermessen lernen: So groß ist Gott! So unvorstellbar groß, mächtig und gewaltig!

Aber gerade darum ist es wunderbar, dass derselbe Prophet in demselben Kapitel von demselben Gott bezeugt: „Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden."

Dieser große Gott hat Zeit, Liebe und genaues Aufmerken für den Geringsten unter uns. Ein wunderbarer Gott! Amen.

 

 

(Melodie: Allein Gott in der Höh' sei Ehr)

 

Wir loben, preisen, anbeten dich;

Für deine Ehr wir danken,

Dass du, Gott Vater, ewiglich

Regierst ohn alles Wanken.

Ganz ungemessen ist deine Macht,

Fort g'schieht, was dein Will hat bedacht.

Wohl uns des feinen Herren!

 


Dienstag nach dem Trinitatisfest

 

Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: „Wo bist du?"

1. Mose 3, 9

 

Seltsam zwiespältig ist das Menschenherz! Das kommt nirgendwo so deutlich zum Ausdruck wie in der Stellung zu Gott.

Einerseits ist der natürliche Mensch immer auf der Flucht vor Gott. Er stürzt sich in Arbeit, Zerstreuung, sogar in Religionsbetrieb – nur um ja nicht still stehen zu müssen vor dem heiligen, lebendigen Gott.

Zugleich aber kommen wir nicht los von Gott. Es ist schon so, wie Augustinus sagt: „Unser Herz ist unruhig in uns, bis es ruht, Gott, in dir." Und so ist der Mensch auf seiner Flucht beständig gequält vom Heimweh nach Gott und Seinem Frieden. Der natürliche Mensch gleicht immer irgendwie dem Adam. Da versteckt er sich hinter den Bäumen und hat nur eine Angst, Gott könne ihn stellen. Zugleich aber ist sein Herz zerrissen vor Heimweh und Sehnsucht nach den vergangenen Tagen, da zwischen seinem Gott und ihm nichts stand und er ein Freund Gottes war.

Angelus Silesius hat diesen elenden Zustand des Menschen in einem Lied geschildert:

 

„Ich lief verirrt und war verblendet,

ich suchte dich und fand dich nicht."

 

Das ist die Sehnsucht und das Heimweh nach Gott.

 

„Ich hatte mich von dir gewendet

und liebte das geschaffne Licht."

 

Das ist die Flucht vor dem heiligen Gott, die Flucht in die Welt.

Wohl uns, wenn Gott diesem traurigen, zwiespältigen Wesen ein Ende macht und uns ruft: „Adam, wo bist du?" Dann haben die Flucht vor Gott und das Heimweh nach Ihm ein Ende, und es kann das geschehen, womit Angelus Silesius seinen Vers schließt:

 

„Nun aber ist's durch dich geschehn,

dass ich dich hab' ersehn“

 

Amen.

 


Mittwoch nach dem Trinitatisfest

 

Herr, Gott Israels, es ist kein Gott, weder droben im Himmel noch unten auf Erden, dir gleich.

1. Könige 8, 23

 

Es ist nur ein Gott. Er hat den Namen Jehova, das ist „der Ewige", „der Seiende". Er ist allmächtig, „Schöpfer Himmels und der Erden". Er ist der starke Gott, „Herr Gott Zebaoth", das ist „Herr der Heerscharen".

„Kein Gott ist dir gleich."

Ja, wir Menschen machen uns immer wieder andere und eigene Götter. Wir bauen und zimmern und modellieren mit unseren Gedanken, bis wir einen neuen Gott fabriziert haben, einen Gott, wie wir ihn uns denken, einen Gott, wie er unserer Weltanschauung oder unserem Temperament entspricht.

Aber es ist nichts dran an diesen Göttern. „Nichtse" nennt die Bibel alle Götzen, alle von Menschen gemachten Götter. Ja, unsere armseligen Gedanken können an Gott immer nur vorbeigreifen. Darum ist es eine frohe Botschaft, dass Gott sich offenbart hat in Jesus Christus. Der sagt: „Wer mich siehet, der siehet den Vater."

Unser Textwort stammt aus einem Gebet Salomos, das er bei der Einweihung des Tempels sprach.

Es ist kein Gott dir gleich", sagt Salomo, „weder droben im Himmel noch drunten auf Erden."

Da denkt Salomo wohl daran, dass es viele unsichtbare und starke Mächte gibt. Und er denkt wohl daran, dass – wie die Bibel sagt – das Heidentum eine Anbetung dieser starken, unheimlichen Mächte ist. „Was die Heiden ihren Götzen opfern, das opfern sie den Dämonen", sagt das Neue Testament. Ja, Satan selbst wird der „Gott dieser Welt" genannt.

Wie hell und froh macht es da, den zu kennen, dem kein Gott auf Erden und im Himmel gleich ist. Und wie selig ist es, Ihn durch Jesus Vater zu nennen! Amen.

 

 

(Melodie: Alles ist an Gottes Segen)

 

Gott ist Herr, der Herr ist einer,

Und demselben gleichet keiner,

Nur der Sohn, der ist ihm gleich;

Dessen Stuhl ist unumstößlich,

Dessen Leben unauflöslich,

Dessen Reich ein ewig Reich.

 


Donnerstag nach dem Trinitatisfest

 

Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!

Jesaja 64, 1

 

Wer offene Ohren hat, der hört diesen Ruf aus vielen Hunderten von Religionen aufsteigen zum Himmel.

Gott ist ein unsichtbarer Gott. „Dem unbekannten Gott" bauten die Athener einen Altar. Gott ist gleichsam hinter einer Nebelwand verborgen.

Weil wir Menschen aber nicht von Ihm loskommen, darum haben wir uns aufgemacht, Ihn zu suchen. Hände strecken sich aus in die Nebelwand hinein – nach Gott.

Hände strecken sich aus nach dem verborgenen Gott. Das sind die Religionen der Völker. Weiße Hände streckt der Europäer aus, rote der Indianer, gelbe der Asiat und schwarze der Afrikaner. Das heißt: Jedes Volk hat seine eigene, artgemäße Religion.

Aber über all diesen Religionen, über all diesem Händeausstrecken liegt eine tiefe Tragik: Wir erreichen Gott nicht. Wir sind zu tief gefallen. Die Hände greifen ins Leere. Wir sind zu fern von Gott.

Darum dringt aus Millionen Herzen der Schrei: „Gott, wo bist du? Wir suchen dich! Wir erreichen dich nicht! O dass du den Himmel zerrissest und führest herab!"

Gott, der Schöpfer der Welt, der Ewige, hat dies Schreien gehört. Er hat den Himmel zerrissen. Er ist herabgefahren in Jesus, Seinem Sohn.

Das ist die frohe Kunde: Jesus ist die Antwort Gottes auf alle Religionen. Gott ist unter uns in Jesus! „Sehet doch da! Gott will so freundlich und nah / zu den Verlor'nen sich kehren!" Amen.

 

 

(Melodie: Nun komm der Heiden Heiland)

 

Was der alten Väter Schar

Höchster Wunsch und Sehnen war

Und was sie geprophezeit,

Ist erfüllt in Herrlichkeit.

 


Freitag nach dem Trinitatisfest

 

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.

Psalm 73, 23

 

Es gibt sehr viele Leute, die im geistlichen Leben allerlei Pläne erwägen: „Man sollte sich bekehren!" „Man sollte seine Bibel lesen!" – Aber wenn aus diesen Plänen nie ein Entschluss wird, dann ist es ein elendes Leben.

Wie anders Asaph! Der kommt zu einem Entschluss: „Dennoch bleibe ich stets an dir."

Mit dem Wörtlein „dennoch" schiebt er eine ganze Menge Einwände des eigenen Herzens und alle Widerstände beiseite. „Dennoch!" Obwohl man vielleicht Schaden davon haben kann. Oder hat etwa Paulus nicht seine ganze Karriere verdorben, als er sich auf die Seite Jesu stellte?!

„Dennoch!" Obwohl man vielleicht Spott und Hohn tragen muss. Denn es hat ja wohl nie eine Zeit gegeben, in der die törichte Welt nicht ihren Spott ausgegossen hätte über die, die es mit dem unsichtbaren Herrn halten.

„Dennoch!" Obwohl es nun in tausend Anfechtungen hineingeht.

„Dennoch!" Trotz der Anklage des eigenen Gewissens. Wie oft heißt es in uns: Du mit deiner Sünde und Schuld darfst dem Herrn ja gar nicht mehr gehören. „Dennoch bleibe ich stets an dir!"

Allerdings – kein Mensch könnte diesen Entschluss durchhalten, wenn der Herr nicht selbst auf dein Plane wäre. „Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand." Das ist das Geheimnis des Sieges, daß Seine durchgrabene Hand uns hält. Amen.

 

 

(Melodie: O du Liebe meiner Liebe)

 

Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich

So in Freude wie in Leid;

Bei dir bleib ich, dir verschreib ich

Mich für Zeit und Ewigkeit.

Deines Winks bin ich gewärtig,

Auch des Rufs aus dieser Welt;

Denn der ist zum Sterben fertig,

Der sich lebend zu dir hält.

 


Sonnabend nach dem Trinitatisfest

 

Da sie aber davon redeten …

Lukas 24, 36

 

Es gibt ein Bibelwort, das heißt: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über."

Das Wort will sagen: Was ein Mensch in seinem Herzen bewegt, was ihn bedrängt oder erfreut, was ihn ängstet oder was er ersehnt – davon redet er.

Wovon reden wir?

Es gibt Leute, die reden immer nur von sich selbst: wenn sie alt sind – von ihren Krankheiten, wenn sie jung sind – von ihren Taten. Da ist das Herz ganz erfüllt von sich selbst. Angenehm sind solche Leute nicht.

Andere gibt es, deren Herz ist erfüllt mit Unkeuschheit. Ihr Mund geht über von Zoten und schmutzigen Witzen. Sie sind eine Plage und ein Verderben für ihre Umgebung. Und mancher Mutter Sohn wurde durch sie verdorben.

Wieder andere wissen nur von Eierspeisen zu reden und von Essen und Trinken. Ihr Herz ist der reinste Lebensmittelladen, angefüllt mit Alltagsdingen. Und wieder andere verstehen sich auf den Klatsch. Da wird mit ernster Miene der Nächste durchgehechelt. Und solches Reden verrät ein armseliges Herz. –

Im Text heißt es: „Da sie davon redeten…" Wovon redeten diese Jünger? – Sie sprachen miteinander von den großen Taten Gottes, vom Kreuz und von der Auferstehung Jesu. Welch herrliches Gesprächsthema!

Diese Jünger waren Leute wie wir. Die Alltagsdinge bewegten sie auch. Aber es ging ihnen wie einem nächtlichen Wanderer. Der sieht die Sterne und freut sich daran. Doch auf einmal geht die Sonne auf, und dann sind die Sterne unwichtig. Als die Jünger die großen Taten Gottes sahen, als Jesus in ihr Leben kam, da wurde alles überstrahlt von diesem hellen Licht.

Lasst uns doch miteinander von den großen Taten Gottes reden! Amen.

 

 

(Melodie: Lob Gott getrost mit Singen)

 

O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

Verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

Dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

 


1. Sonntag nach Trinitatis

 

Da kam Hanani, einer meiner Brüder, mit etlichen Männern aus Juda.

Nehemia 1, 2

 

Im Königsschloss in Susan wohnte Nehemia. Er hat eine hohe Stellung im Perserreich.

Da kommt eines Tages Besuch. Es sind Leute vom alttestamentlichen Gottesvolk, ehemalige Verbannte aus der babylonischen Gefangenschaft, die in Jerusalem in „großem Unglück und Schmach" leben.

Wir können uns gut denken, dass dieser Besuch dem hohen Staatsbeamten Nehemia gar nicht angenehm war. Diese Leute erinnerten ja alle Welt daran, aus welch armen Verhältnissen Nehemia selbst kam. Er war doch Glied eines verachteten Volkes. Und diese Leute brachten durch ihren Besuch vor allen Leuten in Erinnerung, dass Nehemia nicht den Göttern Persiens diente, sondern dem Gott Israels.

Und war ihr Besuch nicht schon dadurch peinlich, dass diese Armen gar nicht zu dem vornehmen Nehemia passten!?

Wir könnten uns gut denken, dass Nehemia diesen Leuten aus dem Wege ginge.

Aber – er tut es nicht. Im Gegenteil: Er nimmt sie auf, er macht ihre Sorge zu seiner Sorge. Er hilft ihnen und bekennt sich offen zu ihnen.

Dieser Mann Nehemia stand recht. Daran zeigt sich der Christenstand, wie man zu den „Brüdern" steht. Johannes sagt: „Wir wissen, dass wir vom Tode zum Leben gekommen sind; denn – wir lieben die Brüder."

Wer Jesus liebt, liebt auch die Gemeinde. Wer den Herrn will, muss auch „die Brüder" wollen. Amen.

 

 

(Melodie: Alles ist an Gottes Segen)

 

O wie lieb ich, Herr, die Deinen,

Die dich suchen, die dich meinen;

O wie köstlich sind sie mir!

Du weißt, wie mich's oft erquicket,

Wenn ich Seelen hab erblicket,

Die sich ganz ergeben dir.

 


Montag nach dem 1. Trinitatissonntag

 

Die Mauern Jerusalems sind zerbrochen und seine Tore mit Feuer verbrannt.

Nehemia 1, 3

 

So berichtet Hanani dem Nehemia.

Eine furchtbare Nachricht! Doppelt fühlbar für diesen Nehemia, der am Königsschloss in Susan lebt. Hier war doch Heidentum! Geschehen hier unter diesen Heiden nicht viel schlimmere Sünden und bösere Dinge als in Jerusalem?

Warum ließ der Herr hier alles laufen? Und bei Seinem Volk übt Er so schreckliche Gerichte. Sollte man nicht vielmehr annehmen, Gott ließe Seinen Leuten dies oder jenes durchgehen?

Nehemia erfährt hier – was wir auch erfahren müssen –: Gott fängt mit Seinen Gerichten an in Seiner Gemeinde. Die Bibel sagt, dass „Gottes Gericht anfängt am Hause Gottes".

Wir Christen regen uns wohl schrecklich auf über die Sünden der bösen Welt. Gewiss, die Gemeinde Jesu hat Abstand von der Welt! Aber – wir haben die Welt nicht zu richten. Gott wird es zu. Seiner Zeit tun.

Vorher jedoch will Er uns richten, will Er Seine Gemeinde richten, will Er Seine Kinder Zurechtbringen.

Und wenn Gott zu den Sünden der Welt auch tausendmal schweigt – zu den Sünden Seiner Gemeinde schweigt Er nicht.

Die zerbrochenen Mauern und die verbrannten Tore Jerusalems sind ein ernster Ruf an die Christen: Wir dürfen nicht meinen, Gottes Erwählung und Gottes Gnade in Jesus gäben uns das Recht, es mit dem Herrn und Seinem Willen nicht mehr ernst zu nehmen. Im Gegenteil: Gottes Erwählung und Gottes Gnade wollen uns zu Leuten machen, die Gott ganz gehorsam sind. Amen.

 

 

(Melodie: Vater unser im Himmelreich)

 

Wahr ist's: Gott ist wohl stets bereit

Dem Sünder mit Barmherzigkeit;

Doch wer auf Gnade sündigt hin,

Fährt fort in seinem bösen Sinn

Und seiner Seele selbst nicht schont,

Dem wird mit Ungnad' abgelohnt.

 


Dienstag nach dem 1. Trinitatissonntag

 

Da ich aber solche Worte hörte, saß ich und trug Leid etliche Tage und betete vor dem Gott des Himmels.

Nehemia 1, 4

 

Nehemia hat einen Plan: Der König von Persien soll ihm helfen, die Mauern Jerusalems wieder zu bauen.

Aber nun fährt er nicht mit diesem Plan heraus, so eilig die Sache auch ist und so sehr sie ihm auf dem Herzen brennt. Nein, er erwägt diesen Plan erst in der Stille vor Gott.

Vom Gerechten heißt es im ersten Psalm: „Was er macht, das gerät wohl." Dem Nehemia gerät sein Plan auch wohl. Und das lag wohl daran, dass dieser Plan vor Gott erwogen wurde, dass über diesen Plan gebetet wurde, dass dieser Plan die Probe im Lichte Gottes bestanden hatte.

Der Teufel hat immer Eile. Er drängt immer. Er hat's gern, wenn wir „gar keine Zeit“ haben. Denn das fürchtet er, dass ein Mensch Gottes seine großen und kleinen Pläne in das Licht Gottes stellt, darüber stille wird und darüber betet.

Es stünde manches besser, wenn wir uns mehr „Zeit" für die „Ewigkeit" nähmen.

Eva hätte nicht von der Frucht gegessen –- Judas wäre nicht zum Verräter und Selbstmörder geworden – David hätte den tiefen Fall nicht getan – Absalom wäre nicht so elend zugrunde gegangen -, wenn sie ihre Pläne vor dem Angesicht Gottes im Gebet ausgebreitet hätten.

Aber dazu ließ ihnen der Teufel gar keine Zeit. Er ist ein Hetzer. In der Hetze, im Tempo, im Rausch bringt er uns zu Dingen, die nicht gut sind.

O dass wir doch gesammelte und betende Leute wären, die unter Gottes Führung bleiben! Amen.

 

 

(Melodie: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig)

 

Dieser Zeiten Eitelkeiten,

Reichtum, Wollust, Ehr und Freud,

Sind nur Schmerzen meinem Herzen,

Welches sucht die Ewigkeit.

Lass dich finden, lass dich finden,

Großer Gott, ich bin bereit!

 


Mittwoch nach dem 1. Trinitatissonntag

 

Da ich aber solche Worte hörte, weinte ich und trug Leid.

Nehemia 1, 4

 

Ein Mann weint! – Nicht irgendein sentimentaler, weichlicher Mann, sondern ein Fürst in Persien, ein Mann, der es als armer Verbannter zu etwas Großem gebracht hat.

Der weint! – Warum? Wie kann denn ein solcher Mann weinen?! – Es sind edle Tränen, Tränen, die ganz selten sind: Er weint, weil Gottes Ehre geschändet ist. Er weint, weil die Kirche – davon ist im Alten Testament Jerusalem ein Abbild – weil die Kirche Jesu so elend, arm und unwürdig ist.

Hat auch jemand von uns schon einmal geweint über die innere und äußere Armut der Kirche Jesu?!

Die Kirche erzählt uns je und dann von Männertränen: Der alte Jakob weinte vor Freude, als er seinen verlorenen Sohn wieder fand.

Und David weinte vor Schmerz, weil er seinen Sohn Absalom ewig verloren hatte.

Das sind Tränen, wie sie in der Welt wohl je und dann geweint werden.

Dann erzählt die Bibel von selteneren Tränen, von Tränen, die Petrus in der Nacht des Verrates geweint hat – über sich selbst. Das sind edle Tränen, die Gott wägt.

Aber die edelsten Tränen und die seltensten sind die des Nehemia: Er weint um das Reich Gottes, er weint um Gottes Ehre.

Wir sollten über solche Tränen nicht die Achseln zucken. Dass wir solche Tränen nicht haben, liegt nicht daran, dass wir in einem unsentimentalen Zeitalter leben, sondern daran, dass uns so wenig an Gottes Ehre und Reich liegt. Dass es uns doch so um den Herrn ginge wie dem Nehemia! Amen.

 

 

(Melodie: Herr, nun selbst den Wagen halt)

 

Gott, erhöh dein's Namens Ehr,

Wehr und straf der Bösen Grimm,

Weck die Schaf' mit deiner Stimm,

Die dich lieb haben inniglich.

 


Donnerstag nach dem 1. Trinitatissonntag

 

Herr, Gott, der da hält den Bund denen, die ihn lieben…

Nehemia 1, 5

 

Da spricht Nehemia in seinem Gebet aus, worin das geistliche Leben eines Christen besteht: Liebe zu Gott.

Das klingt so einfach, so selbstverständlich. So unheimlich selbstverständlich, dass die große Gefahr besteht: Wir lesen gedankenlos darüber hinweg, ohne zu merken, dass wir gefragt sind.

Haben wir Gott lieb? Habe ich Gott lieb? – Keine Rede davon! Ich habe mich lieb. Und meine Angehörigen und Freunde habe ich lieb! Und meine Ehre und mein Geld und meine Wohnung und vieles andere! Aber Gott?!

Ach, ich habe viel geistliche Erkenntnisse und Gedanken über Gott. Ich habe den guten Willen, Ihm zu dienen. Aber danach bin ich ja jetzt gar nicht gefragt.

Haben wir Gott lieb? Habe ich Gott lieb?

Sieh, wir haben sicherlich allerlei an inneren und äußeren Vorzügen aufzuweisen. Aber das ganz Einfache, worauf es allein ankäme, das ist nicht vorhanden: Liebe zu Gott!

Das können wir uns auch nicht selber geben. So wenig ein Stein brennen kann, so wenig kann unser natürliches Herz Gott lieben.

Wie arm sind wir doch, dass wir das kleine Blütlein der Liebe zu Gott nicht hervorbringen können aus dem harten Boden unseres Herzens! – Aber eins können wir tun: Wir können vor dem Herrn unsere Armut aufdecken. Wir dürfen Ihn bitten: Herr, erwecke in mir Liebe zu Dir! Ja, wir können auf das Zeichen Seiner großen Liebe, das Kreuz Jesu, so aufsehen, bis unser Herz daran zur Liebe entzündet wird. Lasst uns unsere erloschene Fackel am Feuer Gottes anzünden! Amen.

 

 

(Melodie: Herr Christ, der einig Gotts Sohn)

 

Ach, zünde deine Liebe

In meiner Seele an,

Dass ich aus innerm Triebe

Dich ewig lieben kann,

Und dir zum Wohlgefallen

Beständig möge wallen

Auf rechter Lebensbahn.

 


Freitag nach dem 1. Trinitatissonntag

 

Ich aber fürchtete mich gar sehr und sprach zum König: „Sollte ich nicht übel sehen? Jerusalem liegt wüste…“

Nehemia 2, 2-3

 

Sieh da, welch ein Eingeständnis!

"Ich fürchtete mich sehr!" – Wer das Leben dieses starken Mannes von außen her ansieht, der sieht nur kühne Zielstrebigkeit, klare männliche Entschlossenheit und einen großen Glaubensmut.

Und da lässt uns dieser Mann in sein Herz sehen: „Ich fürchtete mich sehr!" Er will die zerstörten Mauern Jerusalems wieder bauen. Aber dazu braucht er die Hilfe des persischen Königs, dazu braucht er Urlaub vorn Königshof. Wenn er dies nun erbittet – kommt er nicht in den Verdacht, es mit den Feinden des Perserreiches zu halten? Wird es nicht Verwunderung hervorrufen, wenn er, Nehemia, der hohe Beamte, sich für das arme Volk Gottes einsetzt?

„Ich fürchtete mich sehr."

Es ging also auch dem Nehemia, wie es allen Knechten Gottes geht: Es geht durch Furcht und Erschrecken; es geht durch innere Verzagtheit und Armut.

Ja, der Sohn Gottes selbst zitterte und zagte in Gethsemane. Und wer diese tiefe Furcht nicht kennt, den hat Gott offenbar noch nicht einsetzen können an den Frontstellen des Reiches Gottes, wo es ernst wird.

Es muss also durch Furcht gehen. Aber – die Furcht darf uns nicht bestimmen und beherrschen. „Ich sprach zum König …", erzählt Nehemia. Er bricht durch .die Furcht hindurch. Nein – sein Herr und Heiland reißt ihn durch die Furcht hindurch. David sagt im 34. Psalm: „Da ich den Herrn suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht." Amen.

 

 

(Melodie: Warum sollt' ich mich denn grämen?)

 

Unverzagt und ohne Grauen

Soll ein Christ, wo er ist,

Stets sich lassen schauen.</