Die Studienübersetzung Neues Testament - STU 2026
Verzeichnis der exegetischen Anmerkungen
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Die für die Fußnoten verwendete Literatur
Es wird vorwiegend auf Sekundärliteratur verwiesen, dort findet man Angaben zu Primär-Quellen.
In den Fußnoten der Studienübersetzung wird manchmal in runden Klammern auf die für die Fußnoten verwendete Literatur, in der untenstehenden Liste hingewiesen. Dabei bezieht sich die erste Zahl auf das Werk, die zweite römische Zahl auf einen eventuellen Band und die dritte Zahl auf die Seite in diesem Werk.
z.B. bedeutet:
(10/IV/314): 10 = Kittel/Friedrich: Theologisches Wörterbuch zum NT; IV = Band IV;
314 = Seite 314
oder (1,1256): Bauer-Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament, Spalte 1256
oder (47,z.St.): Die Bibel; Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift; die Anmerkung zur betreffenden Bibelstelle.
Man kann sich dieses Literaturverzeichnis auch ausdrucken, damit man beim Bibelstudium schneller nachschauen kann, auf welche Werke in den Fußnoten verwiesen wird, um dort Genaueres nachzulesen.
1) Bauer-Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament, 6.Auflage, 1988
2) Haubeck W./Siebenthal H.v.: Neuer sprachlicher Schlüssel zum griechischen NT, 2007
3) Griechisch-Deutsch Strong Lexikon; Strong Lexikon - griechisch/deutsch (sermon-online.de)
4) Deißmann A.: Bibelstudien. 1895
5) Wigram G.V.: The Englishman´s Greek Concordance of the New Testament, 1979
6) Interlinear Scripture Analyzer 2.0.8; Computer-Bibelprogramm
7) Dietzfelbinger E.: Das Neue Testament, Interlinearübersetzung Griechisch-Deutsch, 1986
8) Hainz J. [Hrsg]: Münchener Neues Testament, 2.Auflage, 1988
9) Die Heilige Schrift, Elberfelder Übersetzung, CSV, 6.Auflage, 2013
10) Kittel/Friedrich: Theologisches Wörterbuch zum NT. 11 Bände, 1933-79
11) Coenen L. [Hrsg.]: Theologisches Begriffslexikon zum NT. 6.Aufl.; 2Bände, 1983
12) Burton E.: Syntax of the Moods and Tenses in NT Greek. 1894
13) Zerwick M.: Biblical Greek. 1963
14) Jeremias J.: Die Gleichnisse Jesu. 10.Auflage, 1984
15) Dalman G.: Arbeit und Sitte in Palästina, 8 Bände, 1927-1939
16) Deißmann A.: Neue Bibelstudien, 1895
17) Trench R.: Synonyms of the NT. 9.Aufl.; 1880 (reprint)
18) Turner N.: Grammatical Insights into the NT. 1965
19) Holtzmann H.J.: Die Pastoralbriefe, 1880
20) Godet F.: Kommentar zu dem Evangelium des Lukas, 1890
21) Robertson Nicoll W.: The Expositor's Greek Testament, Vol. I-V, 1988 (reprint)
22) Robertson A.T.: Word Pictures in the NT. Vol. I-VI, 1930
23) Berry G.R.: Dictionary of NT Greek Synonyms.
24) Slotty F.: Einführung ins Griechische. 5.Aufl., 1964
25) Godet F.: Kommentar zu dem Evangelium des Johannes, 1903 (Nachdruck 1987)
26) Godet F.: Kommentar zu dem Brief an die Römer, 1886
27) Metzger B.M.: A Textual Commentary on the Greek NT. (corrected Edition); 1975
28) Deißmann A.: Licht vom Osten, 4.Aufl., 1923
29) Frisk H.: Etymologisches Wörterbuch der griechischen Sprache. 1960-72
30) Krämer H.: Griechische Wortkunde. 2.Aufl.; 1975-78
31) Godet F.: Kommentar zu dem ersten Brief an die Korinther, 1886
32) Friberg B. & T.: Analytical Greek New Testament, 1981
33) Douglas J.D. [Hrsg.]: New Bible Dictionary. 2.Aufl.; 1982
34) Edersheim A.: The Life and Times of Jesus the Messiah. 3.Aufl.; 1886
35) Field F.: Notes on the Translation of the NT. 1899
36) Zahn Th.: Das Evangelium des Matthäus, 1905
37) Moulton/Milligan: The Vocabulary of the Greek Testament illustrated from the Papyri; 1930
38) Strack H.L./Billerbeck P.: Kommentar zum NT aus Talmud und Midrasch, 4 Bände; 1922-
39) Langenscheidts Taschenwörterbuch: Deutsch-Altgriechisch; 1984
40) Ouweneel W.J.: Der Brief an die Galater; 1998
41) Moulton/Howard/Turner: A Grammar of NT Greek. 4 Bände. 1963-76
42) Rienecker F.: Lexikon zur Bibel. 2.Aufl.; 1973
43) Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch; 1985
44) Zerwick M./Grosvenor M.: A Grammatical Analysis of the Greek New Testament; 1988
45) Vine’s Complete Expository Dictionary of Old and New Testament Words; 1985
46) Dalman G.: Orte und Wege Jesu; 1924
47) Die Bibel; Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift; 1986 (Fußnote zur Bibelstelle)
48) MacDonald W.; Kommentar zum Neuen Testament; 1994
49) Willis G.C.: Sacrifices of Joy, being Meditations on Philippians; 1976
50) Ouweneel W.J., Das Buch der Offenbarung, 1995
51) Rossier H.: Die symbolische Sprache der Offenbarung, Neudruck 1982
52) Der kleine Pauly, Lexikon der Antike, 5 Bände, 1979
53) Ouweneel W.J.: Der Brief an die Hebräer, 1994
54) Vanheiden K.H.: Neue evangelistische Übersetzung, 2018 (Fußnote zur Bibelstelle)
55) Reike B.: Rost L.: Biblisch-Historisches Handwörterbuch, 1962-1979
56) Prellwitz W.: Etymologisches Wörterbuch der griechischen Sprache. 1905
57) Passow F.: Handwörterbuch der Griechischen Sprache, 2 Bände, 1852
58) Schwaiger A.: Geschichte und Gott, 2015
59) Gute Nachricht für Teens, Sacherklärungen (Fußnote zur Bibelstelle)
60) Archer G. L.: Schwer zu verstehen? 1982 (Deutsch 2005)
61) Walvoord J.F.: Kommentar zur Bibel, 5 Bände
62) Zahn Th.: Das Evangelium des Johannes, 3+4. Aufl., 1912
63) Liddel-Scott: A Greek-Englisch Lexicon (New edition), 1925-1940
64) Geisler N.L./Howe Th.: Antworten auf schwierige Fragen, 1992 (Deutsch 2018)
65) Keener C.S.: Kommentar zum Umfeld des Neuen Testaments, 3 Bände, 1993
66) Zahn Th.: Die Offenbarung des Johannes, 1924
67) Ewald P.: Die Briefe des Paulus an die Epheser, Kolosser und Philemon; 1905
68) Ramsay W.M.: The Letters to the Seven Churches of Asia. 1904
69) Zahn Th.: Der Brief des Paulus an die Galater. 1922
70) Ewald P.: Der Brief des Paulus an die Philipper. 1917
71) Wohlenberg G.: Der erste und zweite Thessalonicherbrief, 1903
72) Wohlenberg G.: Die Pastoralbriefe, 1911
73) Bachmann Ph.: Der erste Brief des Paulus an die Korinther, 1910
74) Bachmann Ph.: Der zweite Brief des Paulus an die Korinther, 1918
75) Wohlenberg G.: Das Evangelium des Markus, 1910
76) Zahn Th.: Das Evangelium des Lukas, 1913
77) Zahn Th.: Die Apostelgeschichte des Lukas, 1919
78) Zahn Th.: Der Brief des Paulus an die Römer. 1910
79) Riggenbach E.: Der Brief an die Hebräer, 1913
80) Hauck Fr.: Der Brief des Jakobus, 1926
81) Wohlenberg G.: Der erste und zweite Petrusbrief und der Judasbrief, 1923
82) Woodrow R.: Die Römische Kirche, Mysterien-Religion aus Babylon, 1992
83) Liebi R.: Die Bibel - absolut glaubwürdig, 2017
84) Linnemann E.: Gleichnisse Jesu, 1975
85) Bruce F.F.: Zeitgeschichte des Neuen Testaments, (2 Bände), 1976
86) Schirrmacher T.: Gründe für die Frühdatierung der Offenbarung vor 70 n.Chr.
87) Liebi R.: Weltgeschichte im Visier des Propheten Daniel, 1986
88) Ryrie C.C.: Die Bibel verstehen, 1999
89) Fruchtenbaum A.G.: Der Hebräerbrief, 3.Auflage 2012
90) Streitenberger P.: Das Buch der Offenbarung, 2022
91) Keil C.F.: Kommentar über das Evangelium des Matthäus, 1877
92) Keil C.F.: Kommentar über das Evangelium des Johannes, 1881
93) Keil C.F.: Kommentar über die Evangelien des Markus und Lukas, 1879
94) Keil C.F.: Kommentar über den Brief an die Hebräer, 1885
95) Keil C.F.: Kommentar über die Briefe des Petrus und Judas, 1883
96) Keil C.F., Delitzsch F.: Biblischer Kommentar über das AT, Genesis und Exodus, Band 1; 1878
97) Keil C.F., Delitzsch F.: Biblischer Kommentar über das AT, Daniel, Band 5; 1869
98) Lange J.P.: Kommentar zum Matthäusevangelium bis Lukasevangelium, 1861
99) Lange J.P.: Kommentar zum Johannesevangelium bis Apostelgeschichte, 1880
100) Lange J.P.: Kommentar zum Römerbrief bis 2.Thessalonicherbrief, 1880
101) Lange J.P.: Kommentar zum 1.Timotiusbrief bis Offenbarung, 1864
102) Der kleine Ploetz, 1999
1 Vgl. Jes 7,14. Diese Stelle wurde von den
Rabbis nicht messianisch verstanden. Sie hatte zwar eine vorläufige
Teil-Erfüllung in den Tagen des ungläubigen Königs Ahab, aber die endgültige
Erfüllung geschah erst, in Anlehnung an die Verheißung in Gen 3,15, durch die
Jungfrauengeburt Marias (34,I,157). Die beste Erklärung
für die Prophezeiung in Jes 7,14-16 scheint folgende zu sein: "Die Prophezeiung weist
zunächst auf ein Mädchen im Umfeld des Königs Ahab hin, das in Kürze heiraten, schwanger
werden und ein Kind namens Immanuel zur Welt bringen wird. Zweieinhalb Jahre
später, im Jahr 732 v.Chr., als dieses Kind noch ein kleiner Junge war,
zerstörte Tiglat-Pileser III. Damaskus. Damit war der Bund zwischen Syrien und
Israel zerbrochen und die Gefahr für Juda erst einmal gebannt. Als der Junge 12
oder 13 Jahre alt war und auf das Gesetz verpflichtet wurde, d.h. zwischen Gut
und Böse wählen konnte - dies war im Jahr 722 v.Chr. - war auch das ganze Nordreich
Israel von den Assyrern erobert. Matthäus erkennt aber durch den Heiligen
Geist, dass jedoch die eigentliche Erfüllung die Schwangerschaft der Jungfrau
Maria und die Geburt von Jesus unserem Herrn ist" (54,z.St. in Jes
7,16). - Der Messias würde zwar den Namen Jesus (= Jahwe rettet) tragen, aber
der Immanuel (= Gott mit uns) des AT sein. Er würde in Person das sein, was
Immanuel bedeutet (54,z.St.).
2 κυριος ohne Artikel bezeichnet im NT, so wie in der LXX,
den alttestamentlichen Gottesnahmen Jahwe (2,1367).
3 Jes 8,8.10
4 Eine Verlobung begann mit dem Abschluss
eines rechtsgültigen Ehevertrags und dauerte mindestens ein Jahr, um
festzustellen, ob die Braut wirklich noch Jungfrau war. Dann nahm der Mann
seine Braut zu sich (54,z.St.). Mit der Verlobung wurde die Ehe rechtlich
begründet, aber noch nicht vollzogen (2,z.St.). Die eheliche Gemeinschaft wurde
erst nach der Heimholung der Braut durch den Ehegatten, ein Jahr später,
aufgenommen. Die jüdischen Mädchen heirateten gewöhnlich nach Eintritt der
Geschlechtsreife mit 13 bis 14 (höchstens mit 16) Jahren. Vgl. noch Lk 1,26-38;
2,5 (vgl. 65,53; 47,z.St.). Vgl. die Anm. bei Mt 25,1
5 entw.: gerecht im Sinne von gesetzestreu;
od. besser im Sinne von Lk 1,6. Es ist bemerkenswert, dass Josefs Entschluss,
Maria mit einem "Scheidebrief" zu entlassen, von Gott als "gerecht"
bezeichnet wird. Denn Jesus selbst nennt die Handhabung des Scheidebriefes
später Hartherzigkeit (Mt 19,8). Das zeigt den höheren moralischen Standard des
Neuen Bundes, wie auch die Bergpredigt beweist, es zeigt aber auch, dass
Scheidung und Wiederheirat aufgrund von "Hurerei", in Gottes Augen nicht grundsätzlich
verwerflich ist, obwohl es nicht seinem ursprünglichen Willen entspricht. Das
gleiche Prinzip finden wir im AT, wenn Gott die Viel-Ehe bei Männern Gottes (z.B.
Abraham, Jakob, David,…) duldet, obwohl sie nicht seinem ursprünglichen Willen
entspricht.
6 Untreue in der Verlobungszeit wurde als
Ehebruch angesehen, was nach Dtn 22,23-27 die Todesstrafe bedeutet hätte. Da
Judäa noch keine römische Provinz war (erst 6 n.Chr.), hätte der Synedrion noch
das Recht gehabt die Todesstrafe auszuführen. Josef nützte daher die mildere
Möglichkeit, Maria nach Dtn 24,1ff. heimlich mit einem Scheidebrief zu
entlassen, da er annehmen musste, sie hätte in der Verlobungszeit mit einem
anderen Mann Geschlechtsverkehr gehabt. Erst danach wird ihm durch einen
Engel bekannt gemacht, dass dies nicht der Fall ist.
7 Effektiver Aor.: er kam (nach längerem
Überlegen?) schließlich zum Entschluss.
8 Entgegen der Sitte nahm er Maria zu sich ins
Haus, aber ohne eine Hochzeit (vgl. Lk 2,5), sonst hätte er die Ehe auch
vollziehen müssen, was er aber erst nach der Geburt Jesu tat. Dadurch, dass er
Maria zu sich nahm, konnte Jesus sein legitimer Sohn werden und war damit ein legaler
Nachkomme Davids.
9 "Erkennen" wird im Alten Orient auch als Umschreibung
des ehelichen Verkehrs gebraucht (47,z.St.). Das impliziert, dass sie danach normalen
Geschlechtsverkehr hatten, bei dem nach Mt 12,47; 13,55-56 und Mk 3,32 Brüder
und Schwestern Jesu gezeugt wurden (vgl. 25,127ff), wobei Jesus der
Erstgeborene war (Lk 2,7).
10 In jüdischen Grabinschriften: erwachsen, aber
noch nicht verheiratet (2,z.St.) und daher noch unberührt. Auch im AT, wo das
hebräische Wort auch die Bedeutung "junge Frau" hat, lässt sich an
keiner der Stellen eindeutig beweisen, dass es sich dabei nicht auch
gleichzeitig um eine Jungfrau im biologischen Sinn des Wortes gehandelt hätte.
Dass die Übersetzer der LXX das hebräische Wort mit παρθενος übersetzten (Ge 24,14.16.43.55; 34,3; Ex
22,15; Hiob 31,1; Jes 23,4), zeigt, dass sie es als Jungfrau im biologischen
Sinn, und nicht nur als junge Frau verstanden. Daher bedeutet παρθενος hier definitiv: eine heiratsfähige, unberührte
Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann hatte.
11 Zur Erklärung der verschiedenen Stammbäume
in Matthäus und Lukas siehe die Literatur (z.B.: 2,2f.). Matthäus scheint den
Stammbaum des Joseph aufzuzeichnen, um zu beweisen, dass Jesus über seinen
Ziehvater Joseph erbrechtlich ein Nachkomme Davids war. Lukas scheint
den Stammbaum der Maria aufzuzeichnen, um nachzuweisen, dass Jesus über Maria
auch biologisch ein Nachkomme Davids war. Die Stammbäume überschneiden
und unterscheiden sich gleichzeitig, weil die eine Liste mehrere Adoptionslinien
durch Levirats-Ehen mit aufnimmt (65,I,317f).
12 Vgl. den Fluch in Jer 22,24-30
13 Nach der Geburt Jesu erscheint niemals mehr der
Engel des HERRN (denn dieser Engel war im AT der präexistente Sohn Gottes
selbst), sondern eben nur mehr ein Engel des HERRN.
14 hebr.: Jeschua = Jahwe rettet. Auch in rabb.
Schriften wird der Messias als einer gesehen, "der Sühnung für die Sünden
des Volkes macht" (34,I,155). Vgl. LXX Gen 17,19
15 αγγελος mit Artikel hier nur, weil es zurückweist auf
den schon vorher erwähnten Engel in Vers 20.
16 Entgegen jüdischer Tradition nimmt Matthäus
fünf Frauen in Jesu Geschlechtsregister auf, noch dazu alle aus problematischem
Hintergrund: (1.) Tamar war die Schwiegertochter des Juda, dass von ihr
geborene Kind, entstand demnach aus einer Inzest-Beziehung (Lev 18,15). (2.)
Rahab war eine Kanaaniterin und eine Hure, normalerweise durfte sie gar nicht
ins Volk Gottes aufgenommen werden. Doch durch ihre Bekehrung zum Gott Israels
wurde sie quasi eine Israelitin (Hebr 11,31; Jos 6,23-25). (3.) Ruth war eine
Moabiterin. Moabiter durften bis ins 10.Geschlecht nicht in die Versammlung
Gottes aufgenommen werden (Dtn 23,4). Ruth war möglicherweise bei ihrer Heirat
mit Boas von Abraham an gerechnet bereits im 10.Geschlecht, aber sollte das
10.Geschlecht von Abraham oder von Mose an gerechnet werden? Wie dem auch sei,
Ruth war durch ihre Bekehrung zum Gott Israels, genauso wie Rahab, quasi eine
Israelitin geworden. Die Heirat mit Boas war demnach völlig rechtens (vgl. Ruth
1,16; 2,12; 4,11), denn mit dieser Heirat wurde auch Gottes Gebot der Levirats-Ehe
befolgt. (4.) Bathseba war ursprünglich die Ehefrau von Urija, ihr Sohn Salomo
wurde also von David mit einer Ehebrecherin gezeugt. (5.) Maria schließlich
war Jungfrau. Dass sie als unverheiratete Frau schwanger wurde, bedeutete für
die Menschen damals, dass Jesus in Hurerei gezeugt wurde (vgl. die Anm. in Joh 8,41), was das offizielle Judentum im
Talmud behauptet und bis heute postuliert. - Dass gerade diese 5 Frauen ins
Geschlechtsregister Jesu aufgenommen wurden, zeigt die Gnade Gottes im Umgang
mit seinem Volk.
17 "...damit/auf dass erfüllt
würde..."; ein Teil der Prophezeiung wurde schon erfüllt, aber die endgültige Erfüllung geschieht erst
hier. Siehe diese Redewendung
auch noch in LXX: 1Kön 2,27; 2Chr 26,22 und im Matthäusevangelium in: Mt 1,22;
2,15.23; 4,14; 8,17; 12,17; 21,4; 26,56 und die Anm. bei Mt 2,17
18 Träume galten damals für fromme Juden als
besondere Offenbarungen von Seiten Gottes (34,I,155).
19 Dieses Geschlechtsregister ist bewusst
selektiv zusammengestellt und stellt wohl das Verzeichnis der Erben des
davidischen Königshauses dar, wobei diese, statt direkt, auch über eine
Nebenlinie verwandt sein können (54,z.St.). Der Stammbaum dient dem Nachweis, dass
Jesus der Erbe der Verheißungen ist, die an Abraham und David ergingen. Die
Namen des ersten Abschnitts (Abraham bis David) sind dem Buch Ruth 4,18-22, die
des zweiten (David bis Exil) 1Chr 3,10-19 entnommen. Folgende
Eigentümlichkeiten finden sich: Zwischen Joram und Usija fehlen die drei Könige
Ahasja, Joasch und Amazja (vgl. 2Kön 8,25; 14,21; 1Chr 3,11f), und statt Amos
(Mt 1,10) steht in 1Chr 3,14 Amon. - In dem Stammbaum mit den 3 x 14
Generationen verbirgt sich auch eine Zahlensymbolik: Die Buchstaben dienen im
Hebräischen zugleich als Ziffern. Zählt man die Buchstaben des Namens David
zusammen, so ergibt sich die Zahl 14. Die Generationenfolge soll
veranschaulichen, dass sich in Jesus die an David ergangene messianische Verheißung erfüllt hat; vgl.
2Sam 7,12-16; Jes 11,1 (vgl. 47,z.St.; 59,4). - Eine Generation wird hier definiert mit der
Lebenszeit einer Person (ebenso: Rich 2,10), und zwar unabhängig davon, wie
lange diese Person lebte. Zwischen Abraham und David ist also Isaak die erste
Generation, Jakob die zweite Generation, …, Issai die vierzehnte
Generation. Dies ist wichtig für das richtige Verständnis von Gen 15,13-16, wo
bei der Zeit der Unterdrückung Israels in Ägypten, 4 Generationen mit 400
Jahren gleichgesetzt werden, wo hingegen in unserer Zeit eine Generation
nur mit ca. 30 Jahren festgesetzt wird. Die 4 Generationen in Gen 15,16 waren:
(1.) Jakob (2.) die 12 Söhne Jakobs (3.) ihre Kinder (z.B.: Perez, Amran,
ua.), und (4.) ihre Enkelkinder (z.B.: Hezron, Mose, ua.). Mose war ca. 80
Jahre beim Auszug Israels aus Ägypten (Ex 7,7).
Matthäus 2
1 freies Zitat aus Micha 5,1.3 (vgl.
60,408ff).
2 2Sam 5,2; 1Chr 11,2
3 Hos 11,1
4 Jer 31,15. Rahel, die Mutter der Stämme Benjamin und Efraim
- nicht aber Juda -, wurde bei Rama, etwa 8 Kilometer nördlich von Jerusalem
begraben (vgl. 1 Sam 10,2). Zurzeit Jesu vermutete man dieses Grab am Weg von
Jerusalem nach Betlehem (vgl. Gen 35,19; 48,7). Noch heute steht dort eine
Gedenkstätte (vgl. 47,z.St.).
5 Herodes der Große, geboren 73 v.Chr.
als Sohn des Antipater II. von Idumäa
und der arabischen Scheichstochter Kypros (also kein Jude), - im Gesamten
heirate er 10 Frauen. Er war "König der Juden" von Roms Gnaden und mit großer Autorität
ausgestattet. Eingesetzt durch den römischen Senat auf Vorschlag von
Antonius und mit Zustimmung von Oktavianus (Augustus), regierte er von 40-4
v.Chr. über Judäa, Galiläa, Samaria,
Idumäa und Peräa. Er hatte die Steuerhoheit in Palästina und förderte
als Freund und Verbündeter Roms den Kaiserkult. Geschickt überwand er die
Opposition, die ihm durch die Juden in Palästina entgegentrat. Er war tapfer
und kriegserprobt, aber auch sehr misstrauisch und grausam, was dazu führte,
dass er die Anhänger des Antigonus und die noch lebenden Makkabäer der
hasmonäischen Familie ausrottete. Sogar seine geliebte hasmonäische Frau
Mariamne I. und die beiden Söhne Alexander und Aristobul, die sie ihm geboren
hatte, ließ er umbringen. Ebenso ließ er alle Juden, die seiner Regierung
Widerstand leisteten, umbringen. Im Jahr 19 v.Chr. begann er das Heiligtum zu
renovieren und zu vergrößern, was ihm allerdings auch nicht die Sympathien der
Juden einbrachte, da er für sie ein Edomit war und blieb. Im Jahr 6 v.Chr. ging
er mit aller Härte gegen die Pharisäer-Partei vor, weil sie verkündeten, dass
mit der Geburt des Messias seine Herrschaft enden würde. Das war in etwa auch
die Zeit, in welcher der Kindermord in Bethlehem geschah. Obwohl er äußerlich
die jüdische Religion praktizierte, baute er trotzdem außerhalb Palästinas
heidnische Tempel und Städte zu Ehren von Kaiser Augustus, um dessen Gunst zu
behalten. In seinen letzten Regierungsjahren verletzte er öfters absichtlich
jüdische Gefühle, z.B. ließ er ein Adlerbild im Tempel aufrichten, was zu
Blutvergießen führte. Grässliche Krankheiten im Alter zwangen ihn das
Nachfolgeproblem zu lösen. Seine sechs Söhne aus vier Ehen eiferten um die
Nachfolge, was von ihm durch willkürliche Hinrichtungen grausamster Art beantwortet
wurde. Kurz vor seinem Tod ließ er die angesehensten judäischen Männer im
Hippodrom von Jericho mit der Absicht einschließen, sie kurz vor seinem Tod
ermorden zu lassen, damit bei seinem Begräbnis ein großes Klagegeschrei in
Judäa sei, das bei seinem alleinigen Tod sonst wohl ausgeblieben wäre. Noch
fünf Tage vor seinem Tod ließ er seinen erstgeborenen Sohn Antipater
hinrichten. Schließlich starb er qualvoll im 37. Jahr seiner Regierung im Alter
von 70 Jahren. Mit dem Einverständnis von Kaiser Augustus hatte er sein Reich
in drei Teilen an seine Söhne Archelaeus, Herodes Antipas und ihrem Halbbruder
Philippus vermacht. Sein
Herrschaftsgebiet erreichte in etwa die Größe des Reiches unter König David
(33,479f; 34,I,218; 2,5f;
52,II,1090f; 58,250f).
6 Ursprünglich ein Meder, der zur heiligen Kaste gehörte,
später auch persische und babylonische Weise und Priester, die außergewöhnliche
Kenntnisse in der Sternenbeobachtung, aber auch in der Traumdeutung und anderer
geheimer (d.h. okkulter) Künste hatten (1,984). Dann allg.: ein Magier,
Wahrsager, Traumdeuter, Astronom, Astrologe und Sterndeuter. Sie wirkten oft
als Berater von Königen, Fürsten und reichen Leuten. Durch die Juden im
babylonischen Exil, dürfte sich eine Erinnerung an Num 24,17 erhalten haben.
Beim Auftreten des neuen "Sterns", schlossen die Weisen daher, dass
der neue König der Juden nun geboren sei, und zogen nach Palästina. Für diesen
"Stern" gibt es verschiedene Erklärungen. Möglicherweise war es eine
Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Jungfrau (zu sehen
war sie im Mai, Oktober und November des Jahres 7 v.Chr.); oder eine Supernova;
oder ein nichtastronomisches wunderbares Phänomen (vgl. 2,5; 34,I,209ff). Es
gibt auch eine interessante Erklärung, dass es sich um eine astronomische
Planeten-Konstellation im Jahr 3 v.Chr. handelte, wo bei der Geburt Jesu,
Sonne, Mond und 12 Sterne um das Sternbild der Jungfrau gruppiert waren. Diese
Konstellation soll mit dem jüdischen Neujahrstag, dem Fest des Hornblasens
(Rosch ha-Schana) zusammengefallen sein, dass traditionell den Beginn der
Herrschaft eines neuen Königs ankündigte; vgl. 1Kön 1,34 (58,202f). Wie dem
auch sei, das Wichtigste ist, dass Gott zu den Weisen in "ihrer Sprache" redete, und dass er zu uns in
unserer Sprache redet, - durch die Bibel. Wie die Weisen durch den Stern den
König suchten, so ist durch die Bibel jeder aufgerufen, den Messias zu suchen.
- Es ist undenkbar, dass die ganze
folgende Geschichte vom Besuch der Magier eine erfundene "Legende"
sei, denn die Juden erwarteten nichts dergleichen in Bezug auf das Kommen des
Messias, das einen Grund gebe so etwas zu erfinden (34,I,299). Manche meinen,
aufgrund einer Bemerkung bei Justin dem Märtyrer (Dialog, 78), dass die Weisen
aus Südarabien kamen, da die mitgebrachten Geschenke besser dazu passen würden
(46,19).
7 Herodes Archelaeus der Ethnarch,
geb. ca. 23 v.Chr. als Sohn von Herodes dem Großen und seiner vierten Frau, der
Samariterin Malthake. Erzogen wurde er mit seinem Bruder Antipas in Rom. Nach der von ihrem Vater Herodes angeordneten
Hinrichtung seiner Halbbrüder Alexander und Aristubul, die aus der Ehe von Herodes mit Mariamne I. stammten,
wurde Archelaeus zunächst von seinem ältesten Halbbruder Antipater verleumdet, diese Hinrichtung
angezettelt zu haben. Antipater, der nach dem Tod der beliebten Mariamne-Söhne,
endlich testamentarisch zum Thronnachfolger ernannt worden war, wollte damit
den jüngeren Konkurrenten Archelaeus aus dem Weg räumen. Es war jedoch bekannt,
dass die Behauptung nicht stimmte. Daraufhin ernannte sein Vater Herodes
Archelaeus in der letzten Testamentsfassung kurz
vor seinem Tod, zum Thronnachfolger. Antipas aber wurde hingerichtet. Nachdem
sein Vater Herodes im Jahr 4 v. Chr., wenige Tage nach der Hinrichtung des
Antipater, gestorben war schlug Archelaeus eine jüdische Revolte in
Jerusalem nieder und schlachtete an die 3000 Juden im Tempelvorhof. Danach begab sich Archelaeus nach Rom, um von Kaiser Augustus seinen
Herrschaftsanspruch bestätigt zu bekommen. Gleichzeitig jedoch schickten
vornehme Juden eine Delegation zum Kaiser nach Rom, mit der Bitte, Archelaeus
nicht zum Herrscher und König zu machen. Doch Augustus anerkannte das Testament
von Herodes und ernannte Archelaos - trotz der Proteste der vornehmen Juden,
die die Grausamkeit von Archelaeus fürchteten - zum Ethnarchen über
Judäa, Samaria und Idumäa. Er
versprach ihm den Königstitel aber nur, wenn er
gut regiert. Nach seiner Rückkehr rächte sich Archelaeus und ließ alle seine Gegner
abschlachten (vgl. Jesu Anspielung auf dieses Ereignis in Lk 19,12.27). Offiziell führte
Archelaeus also nicht den Königstitel, wurde aber volkstümlich König genannt. Von allen Söhnen
von Herodes dem Großen hatte Archelaeus den schlechtesten Ruf und übertraf
seinen Vater Herodes den Großen noch an Grausamkeit und Willkür. Er war ein tyrannischer und launischer Regent, der
Samariter und Juden gleichermaßen schlecht behandelte. Bei den
Juden erregte besonders Anstoß, dass er seine erste Frau Mariamne -
möglicherweise Antipaters Witwe - verstieß, um Glaphyra, die Frau seines
hingerichteten Halbbruders Alexander, zu heiraten (was nach Lev 18,16
verboten war), obwohl diese nach Alexanders Tod
mit dem numidischen König Juba II. verheiratet
war.
Er setzte die pompöse Bautätigkeit seines Vaters fort, da er ein Jahreseinkommen von 600 Talenten aus
Steuern und eigenem Besitz hatte. In Jericho stellte
er den Königspalast wieder prächtig her. Außerdem leitete er die Hälfte des
Wassers, das den Ort Neara versorgte, auf ein mit Palmbäumen
bepflanztes Feld und baute zu seinem Andenken einen Ort namens Archelaeus.
Doch seine
grausame Regierungsart (vgl. Mt 2,22) barg immer mehr die Gefahr einer Revolte
der Juden, sodass ihn im Jahr 6 n. Chr. die
vornehmsten Juden und Samariter bei Augustus verklagten, welcher ihn auf die
Klagen hin durch einen Abgesandten nach Rom berief, ihn in einer ordentlichen
Gerichtsverhandlung seines Amtes enthob, mit der Einziehung seines Vermögens
bestrafte und ihn anschließend nach Gallien verbannte, wo er noch vor 18
n.Chr. starb. Nach seiner Absetzung wurde
Judäa der römischen Provinz Syro-Zilizien eingegliedert und von 6 - 8.n.Chr.
vom römischen Präfekten Coponius
verwaltet (33,481; 34,I,220; 52,1092; 59,5; Herodes
Archelaos – Wikipedia)
8
w. Pl.: von den Sonnenaufgängen,
weil im Osten die Sonnenaufgänge sind. In Vers 2 im Sg.: im Osten (34,I,204);
od.: "Wir haben seinen Stern im Osten gesehen". Entsprechend in V. 9
(47,z.St.).
9 D.h. sie kamen geografisch aus dem Gebiet östlich von
Palästina, das bedeutet aus Babylonien, Persien oder Arabien.
10
Eine Stadt, nördlich
von Jerusalem. Hier wurden die Gefangenen aus Juda und Benjamin vor ihrer
Deportation nach Babylonien versammelt (Jes 40,1-2). In der Nähe befand sich
auch Rahels Grab (1Sam 10,2; Gen 35,1ff; 48,7), die auf dem Weg nach Bethlehem
gestorben war (2,z.St.).
11 "...da wurde erfüllt..."; hier im Gegensatz zu
Mt 1,22, von der Enderfüllung einer Prophezeiung, die noch keine Teilerfüllung
hatte. Siehe diese Redewendung auch noch in: Mt 13,14 und 27,9, und die Anm. bei Mt 2,17.
12 Indem Herodes seine Frage nach der
Erscheinung des Sternes stellt, verdunkelt er seine inneren Beweggründe.
13 Joseph und Maria hatten den Stall in dem
Jesus aus Platzmangel geboren wurde inzwischen natürlich mit einem festen Haus
getauscht, in dem sie nach der Geburt wohnten. Warum sie nicht gleich nach der
Geburt wieder nach Nazareth zurückzogen, bleibt offen. Die Wartezeit auf die
notwendige Beschneidung und Darstellung im Tempel könnte ein Grund gewesen
sein, besonders, wenn Joseph inzwischen Arbeit in Bethlehem fand.
14
In einem so kleinen
Dorf wie Bethlehem, werden es wohl nicht mehr als zwanzig Babys gewesen sein.
Das erklärt, warum zeitgenössische Schreiber (z.B. Josephus) den Vorfall nicht
berichten (34,I,214).
15 Es handelt sich um kein eigentliches Zitat,
sondern um eine freie Anspielung auf Jes 4,2; 11,1; Jer 23,5; 33,15; Sach 3,8;
6,12, von dem hebräischen Nezer abgeleitet, das "Zweig oder Spross" heißt,
was laut Jes 11,1 eine Weissagung auf den Messias ist. Der Ausdruck erhält von
Matthäus den gewünschten Doppelsinn: Der Spross - aus Nazareth (47,z.St.; 54,7;
65,60).
16 Weihrauch ist das weiße Harz eines
Strauches, das beim Verbrennen einen aromatisch-duftenden Rauch entwickelte.
Myrrhe ein sehr kostbares wohlriechendes Harz afrikanisch-arabischer Herkunft,
das in Salbölen und Arzneien verarbeitet wurde (54,z.St.).
17 Der damals kleine und unbedeutende Ort mit
etwa 1600-2000 Einwohnern, lag in der Mitte zwischen dem Mittelmeer und dem See
Genezareth. Nazareth ist aus dem AT, dem Talmud und Josephus nicht bekannt,
sondern spielt nur in der christlichen und spätjüdischen Tradition eine Rolle.
In der Nähe der Stadt führten wichtige römische Straßen vorbei, z.B. auch die
Karawannenrouten von Südarabien und Ägypten nach Tyrus und Damaskus. Dadurch
hatten die Bewohner Verbindungen zum übrigen Land, ja zur damaligen
"Welt". In dieser Stadt wuchs Jesus auf. Er verbrachte dort seine
Kindheit und seine Jugendzeit bis zum Alter von ca. 30 Jahren (33,819; 46,61ff;
54,2; 65,I,304). Zeitgenössische Keramikausgrabungen deuten auf eine richtige Volkswanderung
von Bethlehem nach Nazareth hin (65,I,61.310). Ob diese den gleichen Grund wie
bei Joseph hatte (der grausame Herodes Archelaeus in Judäa), ist aber nicht
bekannt. Bethlehem war die Geburtsstadt von Joseph, vielleicht
auch die von Maria. Möglicherweise zog Joseph schon vor Jesu Geburt nach
Nazareth, weil dort, oder im nahegelegenen Sepphoris Zimmerleute gebraucht
wurden (65,I,61).
18 D.h. wie lange es her war, dass der Stern das
erste Mal erschien, damit er die Geburt dieses Kindes nachrechnen konnte (vgl.
Mt 2,16).
19 In neutestamentlicher
Zeit bestimmten die Römer, wer in Israel Hohepriester werden konnte. Wenn im
Neuen Testament eine Mehrzahl von Hohepriestern erwähnt wird, sind sowohl der
amtierende als auch die inzwischen abgesetzten Hohepriester gemeint, sowie
weitere Mitglieder aus deren Familien, die hohe Positionen in der
Tempelverwaltung innehatten (54,z.St.).
20 Plural, also nicht
nur Herodes.
Matthäus 3
1 Jes 40,3
(LXX). Im Altertum war es üblich, vor der Ankunft eines Königs in der Provinz,
den Weg auf den letzten hundert Metern vor der Stadt einzuebnen (60,62).
2 Die alten Oliven- und Feigenbäume wurden
gerne als Brennholz verwendet (65,I,63). Hier und im Bericht des Lukas (Lk
3,7ff) wird uns berichtet, dass sowohl Bußfertige als auch Verhärtete anwesend
waren. Die Bußfertigen, die sich von Johannes taufen ließen, werden bei ihrer
Wiedergeburt in/mit heiligem Geist getauft (Joh 3,5; Tit 3,5; 1Kor 12,13), die Unbußfertigen
(Pharisäer und Sadduzäer) aber mit dem Feuer des Gerichts beim letzten Gericht.
Dass mit Feuer hier das Gericht gemeint ist, beweist der Kontext von Vers 10
und Vers 12 (vgl. auch noch Jes 66,24; Jer 4,4; 15,15). Im Markusbericht ist hingegen
nur von Bußfertigen die Rede (Mk 1,5), daher fehlt dort der Hinweis auf die
Taufe mit dem Feuer des Gerichts. Dass mit dem Feuer eine zweite Erfahrung, die
sogenannte "Feuertaufe" mit dem Heiligen Geist, gemeint sei, ist ein
theologischer Irrtum.
3 Damit sind das Strohreste und vor allem die
Getreideschalen gemeint. Nach der Getreideernte wurden die Ähren von dem geernteten
Getreide abgeschnittenen und auf der Tenne ausgebreitet. Danach ließ man Ochsen
über die Ähren trampeln, wobei die Körner aus den Ähren hinausgedrückt wurden. Was
übrigblieb war ein durchmischter Haufen von Körnern und Spreu. Bei windigem
Wetter wurde dann auf der Tenne mit der hölzernen Worfschaufel das gesamte
Material in die Höhe geworfen, worauf der Wind die leichtere Spreu wegblies,
während das schwerere Korn zu Boden fiel, einen Haufen bildete, und danach in
die Scheune gebracht wurde (33,19). Das Stroh und die Spreu wurden als
Heizmaterial verwendet. Unwillkürlich wird man an Sprüche 16,4 erinnert
(37,100). Vgl. Lk 3,17; LXX: Hiob 39,12.
4 od.: "aufgrund von...", wie Apg
2,38; Mt 10,41; 12,41 (1,463).
5 od. toleratives Pass:
"ließen sich taufen", Impf.: d.h. einer nach dem anderen.
6 Die Herrschaft über die Schöpfung
wurde den ersten Menschen gegeben (Gen 1,26-28).
Durch den Sündenfall wurde diese Herrschaft verloren und Satan wurde der
"Fürst dieser Welt" (Mt 4,8-10; Joh 14,30). Doch Gottes Ziel blieb
die Aufrichtung eines weltweiten Königreiches, wozu er Israel als Trägernation
auserwählte (Dtn 7,6). Dieses irdische Königreich endete jedoch mit der
Wegführung der Juden nach Babylon (Hos 3,4-5). Daher wurde das Königreich
Israels "die verfallene Hütte Davids" genannt, die erst bei der
Wiederkunft Christi wiederaufgerichtet werden soll (Apg 15,16; Am 9,11-15).
Gott hatte durch die Propheten ein zukünftiges Königreich auf dieser Erde unter
der Führung des Messias-Königs versprochen (Jes 9,5.6; Jer 23,5-8). Als der
Herr Jesus auf diese Erde kam und als König geboren wurde, kündigte er gleich
zu Beginn seiner Predigttätigkeit dieses Königreich als unmittelbar
bevorstehend an. Die Juden lehnten jedoch sowohl ihn als König, als auch seine
Königsherrschaft ab (Lk 19,12-14). Seit dieser Ablehnung besteht das Königreich
als Geheimnis (siehe die Gleichnisse in Mt 13) bis zur öffentlichen Erscheinung
Jesu Christi auf Erden. Erst dann wird es sich erfüllen im tausendjährigen
Friedensreich Christi auf dieser Erde, so wie es vorausgesagt wurde (Dan 2,35;
Dan 7,13-14; Lk 1,32.33; Lk 19,15; Offb 11,15-17).
7 Selbstbezeichnung der Frommen,
die in peinlicher Erfüllung des Gesetzes das Heil erblickten und
daher den ganzen Lebensalltag mit einem Zaun von Vorschriften umgaben. Obgleich
sie ursprünglich keine eigentliche Sekte bildeten, sondern nur eine Richtung
der volkstümlichen jüdischen Frömmigkeit repräsentierten, hat man sie später
doch als solche bezeichnet. Sie führten ihren Ursprung auf Esra zurück. Sie
glaubten an die Unsterblichkeit der Seele, an die leibliche Auferstehung, an
die Souveränität Gottes und an die göttliche Erwählung des Volkes Israel. Für
sie waren alle Schriften des AT inspiriert und verbindlich und sie versuchten
auch danach zu leben, indem sie die Gebote peinlichst genau und buchstäblich
befolgten oder dies zumindest von anderen forderten. Deshalb rügt Jesus sie für
ihre Heuchelei, für ihre Betonung von Nebensächlichkeiten auf Kosten des
Wichtigeren, und dafür, dass sie die Überlieferungen der Alten gleich viel, ja
manchmal sogar mehr gelten lassen als Gottes Wort. Sie hatten ihre Anhänger
eher bei der einfachen Bevölkerung. Nicht nur die Gebote der Schrift selbst
waren für sie verbindlich, sondern auch, wie diese aufgrund der
"Überlieferung der
Ältesten" praktisch anzuwenden seien.
8 Sie waren meist von den
Mitgliedern der priesterlichen Aristokratie, römerfreundlich und
der hellenistischen Kultur samt ihrem Gedankengut gegenüber mehr aufgeschlossen
als die Pharisäer, weshalb sie im Gegensatz zu den Pharisäern standen. Weder
glaubten sie an die Unsterblichkeit der Seele noch an eine leibliche
Auferstehung. Für sie waren nur die fünf Bücher Mose verbindlich, und die
Befolgung des Gesetzes konzentrierte sich vor allem auf die genaue Erfüllung
des priesterlichen Gottesdienstes im Tempel. Jesus rügt sie wegen ihrer Unkenntnis der Schriften und
wegen ihres Unglaubens.
9 Dieses sichtbare Kommen des
Heiligen Geistes war notwendig, damit Johannes sicher wissen konnte, dass Jesus
der verheißene Messias nach Jes 42,1 ist (vgl. Joh 1,32). Den
gleichen Grund werden auch die sichtbaren Feuerzungen zu Pfingsten gehabt haben
(Apg 2,3).
10 Nahrung und Kleidung weisen auf
den Prophetenberuf und auf die asketische Lebensweise des Täufers hin. Er wird
nach dem Vorbild des Propheten Elija beschrieben, - der ebenfalls am Unterlauf
des Jordan wirkte (vgl. 2Kön 1,8; 2,1-18), - als auch in Anlehnung an Mal
3,23-24.
11 Mit den aramäischen Wörtern für
Kinder und Steine kann man ein Wortspiel machen (65,I,63).
12 Dies war der niedrigste
Sklavendienst. Johannes, der laut Jesus der größte unter den Menschen war, war
in seinen eigenen Augen ganz gering im Vergleich zu seinem Herrn. Diese Haltung
erwartet Jesus auch von seinen Jüngern.
13 Es stellt sich die Frage, warum
sich Jesus von Johannes taufen ließ, obwohl er kein Sünder war und diese Taufe zur
Buße daher nicht nötig hatte. Die oft vorgetragene Ansicht, dass er uns ein ermutigendes
Vorbild für die christliche Erwachsenentaufe geben wollte, ist zu verwerfen.
Denn die christliche Taufe ist für jeden Neubekehrten ohnehin ein klares Gebot
Jesu (Mk 16,16) und wurde von den ersten Gemeinden unverzüglich nach der
Bekehrung ausgeführt (Apg 2,38.41 ua.). Der wahrscheinlichste Grund dürfte
sein, dass er dadurch vor dem ganzen Volk bestätigen wollte, dass die Taufe von
Johannes von Gott war (vgl. Joh 1,25-27; Mt 21,24.25).
14 Vgl. Gen 22,2; Ps 2,7; Jes 42,1;
Mt 12,18; 17,5; Mk 1,11; 9,7; Lk 3,22; 9,35
15 Der Jordan ist der
wichtigste Fluss Israels, der als geologisches Phänomen das tiefstgelegene Tal
der Erde durchfließt. Er entspringt im Norden im Gebiet des Berges Hermon, etwa
500 m über dem Meeresspiegel, und mündet 200 km südlich ins Tote Meer, dessen
Wasserspiegel sich 392 m unter Meeresniveau befindet. Die Taufstelle ist
traditionell 7 km nördlich vom Toten Meer zu suchen (54,z.St.).
1
Die erste Versuchung bestand darin, dass Jesus seine berechtigten Bedürfnisse
selbst befriedigen sollte. Der Hintergrund für das Schrift-Zitat ist Dtn 8,2-3.
Die drei Schrift-Zitate, mit denen Jesus dem Satan widersteht, sind alle bewusst
aus der Wüstenwanderung des Volkes Israel gewählt. Dies ist kein Zufall.
- Obwohl die 40 Tage des Fastens vorbei waren, verweigert es Jesus sich selbst
mit Brot zu versorgen. Er will immer, jetzt und auch später, völlig von Gott
abhängig sein und darauf warten, bis ihn Gott selbst durch Engel versorgt (Mt
4,11b; vgl. Ps 78,24-25; 146,7). Er hätte auch Ex 16,4 zitieren können, doch
diese Bibelstelle hätte die Abhängigkeit von Gott nicht so klar zum Ausdruck
gebracht.
2
Vielleicht
ein Epileptiker, den Symptomen nachzuschließen. Bei Griechen war Epilepsie
jedoch noch nicht bekannt. Es könnte sich auch um verschiedene Arten von
Geisteskrankheiten handeln, oder um Anfallskrank-
heiten, die ein Mensch nicht steuern kann (2,18; 54,z.St.).
3
Ps 91,11-12; d.h. bildl.: damit dir nichts passiert.
4
Dtn 6,16 (LXX).
5
Dtn 5,9; 6,13 (LXX). Jesus fügt das Wort allein mit Nachdruck in das AT-Zitat
ein.
6
Jes 8,23 - 9,1
7
Ein
Hochseenetz, dass von einem oder zwei Booten aus zum Fischen im tiefen Wasser verwendet
wurde. Im NT das normale Wort für die Fischernetze die die Jünger verwendeten.
Zum Auswerfen wurde es an beiden Enden von den Fischern gehalten, und dann über
die Schultern vom Boot aus ins Wasser geworfen. Es breitete sich dabei auf der
Wasseroberfläche aus und sank dann, dank der Bleigewichte an seinen Rändern, in
die Tiefe, wobei es den Fischschwarm darunter wie in einer Glocke umfing. Wenn
es voll mit Fischen war, wurde es wieder ins Boot gezogen, falls der Fang nicht
zu schwer war (vgl. 15,VI,343ff; 46,145).
In Vers 18 handelt es sich wahrscheinlich um die gleiche Art von Netz, obwohl
Matthäus dort ein anderes Wort (Strong Nr. 293) verwendet, weil er beschreiben
möchte, wie die Jünger gerade ein Wurfnetz, an beiden Enden haltend, in den See
werfen. - Auch eine allgemeine Bezeichnung für Netze aller Art, z.B. in der LXX für das Vogelnetz oder für
ein "Netz" im übertragenen Sinn.
8
Matthäus berichtet die Versuchungen, im Gegensatz zu Lukas, in ihrer
chronologischen Reihenfolge. Lukas bringt die 2. und 3. Versuchung in
umgekehrter Reihenfolge. Die historische Reihenfolge ist aber die von Matthäus,
denn er verbindet die einzelnen Versuchungen mit den Wörtern "dann…"
und "daraufhin…", und "wiederum…", im Sinne
zeitlich nachfolgender Ereignisse, während Lukas die Ereignisse nur mit "und…"
verbindet. Außerdem ist der barsche Befehl Jesu: "Weg mit dir, Satan!",
nur nach der zeitlich letzten Versuchung sinnvoll, worauf es dann bei Matthäus
auch sinngemäß heißt: "Dann verlässt ihn der Teufel". Lukas
hat offenbar aus thematischen Gründen die Abfolge verändert (54,z.St.).
9
od.: "an der Meeresstraße ("via maris") von Ägypten nach
Damaskus gelegen" (vgl. 2,16). Der See Genezareth ist etwa 21 km lang und
11 km breit, 50 m tief und liegt ca. 211 m unter dem Meeresniveau. Er wird vom
Jordan durchflossen und war sehr fischreich. Durch seine tiefe Lage wurde das
Gebiet öfters von Niederdruckwetter und plötzlichen stürmischen Fallwinden heimgesucht.
(33,404; 46,130).
10
Ein freies Zitat von Jes 8,23 - 9,1. Im AT waren diese Stämme die ersten die
von den Assyrern 732 v.Chr. weggeführt wurden (2Kön 15,29), daher war das
Gebiet am See Genezareth wie ganz Galiläa in der Folgezeit auch von vielen
Heiden bewohnt. Im Auftreten Jesu in Galiläa sieht Matthäus einen Hinweis
darauf, dass das Wirken Jesu auch den Heiden gilt. Nun sind sie die ersten die
das Evangelium hören (2,16; 47,z.St.).
11
Nur Matthäus unterscheidet zwischen "Königreich Gottes" und
"Königreich der Himmel", da er beide Ausdrücke gebraucht. Er
will ja zeigen, dass Jesus der "Sohn Davids", der "König
Israels" ist (Mt 1,20; 2,2.6; 27,11.29.37; 28,18), derjenige also der das
irdische Königreich Davids wieder aufrichten soll. Der Ausdruck " Königreich Gottes", den er
nur viermal benützt, bezeichnet bei ihm ganz allgemein Gottes ewige und
souveräne Herrschaft über die ganze Schöpfung einschließlich der Engel und der
Dämonen (siehe die Beispiele unten). Das "Königreich der Himmel"
hingegen umfasst bei ihm nur Menschen auf dieser Erde, und zwar sowohl gute als
auch böse (vgl. Mt 1,24ff. ua.), wobei die Bösen sich nur äußerlich unter die
Herrschaft dieses Königreiches
stellen (vgl. Mt 7,21-23). Dieses "Königreich
der Himmel" wurde schon von Daniel prophezeit (Dan 2,44) und dann, sowohl
von Johannes dem Täufer als auch von Jesus selbst, als nahe bevorstehend
angekündigt (Mt 3,2; 4,17), letztlich jedoch von den Juden abgelehnt. Seit
dieser Ablehnung besteht es als Geheimnis (Mt 13) bis zur öffentlichen
Erscheinung Jesu Christi auf der Erde. Erst dann wird es sich erfüllen in dem
tausendjährigen Königreich Christi auf dieser Erde so wie Daniel es voraussagte
und wie es schon dem David von Gott zugesagt wurde (2Sam 7,12-16; Heb 1,5; Ps
89,28.50; Lk 1,32.33; Apg 13,34; Offb 1,1). Demnach verwendet Matthäus den
Ausdruck "Königreich Gottes" nur 4-mal und immer mit der
besonderen, oben gezeigten, Bedeutung, und zwar: (1.) In Mt 12,28: für Gottes
souveräne Herrschaft über die Dämonen, wenn der Herr Jesus sie durch den Finger
(d.h. die Kraft) Gottes austreibt. (2.) In Mt 19,24: ins Königreich der Himmel
einzugehen, d.h. sich auf dieser Erde unter Gottes Herrschaft zu stellen, ist
für einen Reichen schon schwer genug. Doch ins Königreich Gottes einzugehen,
d.h. wirklich gerettet zu werden (vgl. Vers 25), ist für einen Reichen menschlich
unmöglich. Das kann nur Gott bewirken. (3.) In Mt 21,31: die Zöllner und Huren
werden, wenn sie sich dem Willen Gottes unterordnen, d.h. wenn sie glauben
(vgl. Vers 32), ins Königreich Gottes
eingehen, d.h. gerettet werden. Die Pharisäer hingegen, die sich nur äußerlich
Gott unterordnen und nicht glauben, werden nicht ins Königreich Gottes
eingehen, d.h. nicht gerettet werden. (4.) In Mt 21,43: Das Königreich Gottes (und eben
nicht das Königreich der Himmel,
welches das verheißene Königreich Davids ist) wird den Juden weggenommen und einer anderen Nation, nämlich der
Gemeinde gegeben.
12
Auch Mose fastete 40 Tage und Nächte (Ex 34,28) und das Volk Israel zog 40
Jahre durch die Wüste. 40 ist die symbolische Zahl für Prüfung. Normalerweise
wird zuerst die Nacht und dann der Tag genannt (z.B. Mk 4,27; 5,5; Lk 2,37; Apg
20,31; 2Kor 11,25; 1Tim 5,5 ua.), weil bei den Juden der neue Tag bereits am
Abend nach Sonnenuntergang begann, daher: "Nacht und Tag". Hier aber
ist es umgekehrt, weil es frühmorgens war und mit dem Ende der 40.Nacht ging auch
das Fasten zu Ende, dass sich Jesus vorgenommen hatte. Es ist also kein Zufall,
dass der Teufel noch einmal frühmorgens, kurz nach Ende des Fastens, Jesus in
allen drei Bereichen seines Menschseins (Leib, Seele, Geist) versucht und zu
Fall bringen möchte. Doch Jesus widersteht dieser Versuchung und wartet, bis
Gott selbst ihm Speise gibt (Mt 4,11b; Mk 1,13c). Da er in allem versucht wurde
wie wir (Heb 4,15), können wir aus diesen Versuchungen Jesu auch erkennen, wie
der Satan uns versucht, und von Jesus lernen, wie man ihm widersteht.
13
το πτερυγιον (w.: die kleine, äußerste Flügelspitze). Wahrscheinlich ein
flügelartiger Vorsprung an der Südostecke eines Nebengebäudes des Heiligtums,
ca. 50 m hoch (46,312), direkt über dem Vorhof der Priester, gegenüber dem
Tempelschrein. Jeden Morgen bei Tagesanbruch stand auf diesem Vorsprung ein
Priester und beobachtete die anbrechende Morgendämmerung, um seinen
Priesterkollegen dann den richtigen Zeitpunkt für das tägliche Morgenbrandopfer
zuzurufen. Diese bliesen daraufhin in die Trompeten und das fromme Volk
versammelte sich im Vorhof zum Morgengottesdienst. Offenbar kurz nachdem der Priester
seinen Platz verließ, führte der Teufel Jesus auf diese Zinne. Hätte Jesus dem
Wunsch des Teufels entsprochen und wäre hinuntergesprungen, wäre er beim
Morgenopfer im Vorhof der Priester direkt vor den Priestern und dem
versammelten frommen Volk gelandet. Sie hätten ihn sicherlich aufgrund von Mal
3,1 als ihren Messias angenommen und er hätte sich den Weg ans Kreuz erspart
(vgl. 34,I,303). Genau das beabsichtigte der Teufel, ebenso wie in Mt 16,22-23;
27,40. Was ihm bei Jesus nicht gelang, wird ihm jedoch in Zukunft bei seinem
falschen Messias, dem Antichristen gelingen (vgl. Joh 5,43; Offb 13,11ff). Ihn
werden die abtrünnigen aus Israel als ihren Messias anerkennen.
14
Damals ein
florierendes Fischerdorf mit ca. 130 Einwohnern, am NW-Ufer des Sees Genezareth,
4 km westlich der Jordaneinmündung, 210 m unter dem Meeresspiegel gelegen und
ziemlich sicher der heutige Ausgrabungsort "Tel Hum". Es besaß
eine Zollstation, sowie einen Polizei- und Militärposten, ebenso eine Synagoge,
deren Reste ausgegraben wurden. Nach Lk 7,5 hatte ein römischer Centurio die
Synagoge erbauen lassen. In unmittelbarer Nähe entsprangen sieben Quellen. Das
Haus des Petrus wurde dann im 4.Jhdt. zu einem Kirchengebäude umgebaut (33,177;
52,III,112; 46,149f.158f).
15
Es war tatsächlich ein mehrere hundert Meter hoher mühsamer Aufstieg aus dem
Jordantal in die gebirgige Wüste Juda (heute: Quarantania), und dann
weiter in das ca. 700 m hoch gelegene Jerusalem auf die Zinne des Tempels
(46,103f; 20,149).
16
Der "hohe Berg", auf den der Teufel Jesus zuletzt führte, war
entweder der direkt neben dem Tempel gelegene 818 m hohe Ölberg, von dem man
einen grandiosen Ausblick hatte und von wo auch der vergoldete Tempel Salomos
im Licht der aufgehenden Sonne erstrahlte, oder der Berg auf dem die Burg Dok
stand, oder der 599 m hohe "ras et-tawil" östlich von Michmas,
oder der spitze und hohe Kalksteinberg dschebel kuruntul (46,106f;
20,149). Aber natürlich war das, was der Teufel Jesus anschließend zeigte eine übernatürliche
Schau.
17
Ein
Fischernetz, 3-5 m im Durchmesser, das vom Boot aus, oder stehend im seichteren
Wasser, zum Fischen verwendet wurde. Zum Auswerfen wurde es an beiden Enden von
den Fischern gehalten, und dann über die Schultern und den Kopf ins Wasser
geworfen. Es breitete sich dabei kreisförmig auf der Wasseroberfläche aus und
sank dann, dank der Bleigewichte an seinen Rändern, in die Tiefe, wobei es den
Fischschwarm darunter wie in einer Glocke umfing und im Netz verstrickte. An
einer Schnur in der Mitte, wurde das Netz dann wieder ins Boot oder an Land
gezogen. Die Fische wurden aussortiert und das Netz anschließend von den
Fischern gereinigt und ausgebessert. Wahrscheinlich bezeichnet dieses Wort die
gleiche Art von Netz wie im Vers 20-21 (dort Strong Nr. 1350). Matthäus
verwendet aber in hier in Vers 18 dieses Wort, weil er beschreiben möchte, wie
die Jünger gerade dabei waren, das Wurfnetz, an beiden Enden haltend, über ihre
Köpfe in den See zu werfen (46,144).
18
Der See
von Galiläa ist der See Genezareth im Norden Israels. Er ist 21 km lang und bis
zu 14 km breit, wird vom Jordan durchflossen und liegt etwa 209 m unter dem
Meeresspiegel (54,z.St.).
19
w.: Zehnstädtegebiet.
Ein Bund von zehn freien Städten im Ostjordanland, die von griechischer Kultur
und gemischter Bevölkerung geprägt waren (54,z.St.).
20 Rechtzeitige Flucht ist nicht immer Feigheit, es kann auch Klugheit sein, um einer Anfeindung zu entgehen, die Gott noch nicht für einen vorgesehen hat (vgl. auch Mt 4,12; 10,23; 12,15; Mk 3,7; Lk 21,21; Joh 8,59; 10,39; Apg 8,1; 14,6; Spr 22,3; Jes 52,11). Sie sollte aber nicht in erster Linie dazu dienen, die eigene Haut zu retten, sondern, dass man anderswo Gott besser dienen kann.
21 Zumindest Andreas und Petrus, aber wahrscheinlich auch Johannes, hatten schon davor zu Jesus gefunden (Joh 1,35ff). Hier werden sie für die nächsten drei Jahre in die persönliche und aktive Nachfolge berufen.
22 Die Versuchungen Satans erfolgten während der ganzen 40 Tage des Fastens (Lk 4,2b). Nach Ende der 40 Tage versuchte ihn der Satan nochmals in allen drei Ebenen des menschlichen Wesens: (1.) der körperlichen: er erscheint als listige Schlange. (2.) der seelischen (Gefühle, Empfindungen, Wünsche, Sehnsüchte): er erscheint als Engel des Lichts und zitiert fromm die Schrift aus dem Zusammenhang gerissen. (3.) der geistlichen Ebene: er erscheint als der brüllende Löwe, indem er sein wahres Gesicht zeigt und Anbetung fordert. Auf die gleiche Art versuchte er schon Eva im Garten Eden (Gen 3,6). Körperlich: "gut zur Speise"; seelisch: "eine Lust für die Augen"; geistlich: "begehrenswert, um Einsicht zu geben". Da Christus "versucht wurde in gleicher Weise wie wir" (Heb 2,18; 4,15), werden auch wir in allen diesen drei Bereichen vom Satan versucht. Wir können vom Herrn lernen, wie man diesen Versuchungen durch Gehorsam gegenüber Gottes Wort widerstehen kann.
Matthäus 5
1 Ex 20,13; Dtn 5,17
2 Ex 20,14; Dtn 5,18
3 Ex 21,24-27; Lev 24,18-21; Dtn 19,21. In der LXX wird mit dem griechischen Wort
αντι (= anstelle von…) das hebräische Wort tahat wiedergegeben, welches
bedeutet: "um den Wert/Preis von...". Es ist also auch im AT
keineswegs buchstäblich gemeint, sondern im Sinne eines Schadenersatzes und als
Maßnahme gegen Rachsucht (2,z.St.).
4 Lev 19,18
5 Der Überbegriff πορνεια (Unzucht, Hurerei) beinhaltet jeglichen sexuellen Verkehr
außerhalb einer regulären Ehe zwischen einem Mann und einer Frau: (1.) Den
verheimlichten vorehelichen Geschlechtsverkehr (Dtn 22,13-14.20-21), - jedenfalls
den in der Verlobungszeit (Mt 1,19). (2.) Den sexuellen Ehebruch, Affäre, "Seitensprung".
(3.) Die illegitimen Ehen (Inzest; hebr.: zenut) in Lev 18,6ff; 1Kor
5,1 (4.) Den rechtlichen Ehebruch, d.h. das "böswillige Verlassen des Ehepartners"
wie in Richter 19,2, wo ein Ehepartner sich
weigert die Ehe weiterzuführen. Darunter könnte man vielleicht auch die
permanente Verweigerung des Geschlechtsverkehrs (vgl. 1Kor 7,15) einbeziehen,
sowie passive Homosexualität eines Ehepartners, die zur Verweigerung des ehelichen
Geschlechtsverkehrs führt. (5.) Pädophilie und Sodomie (40,342). - Viele verstehen
unter πορνεια allerdings nur den sexuellen Ehebruch, was aber
exegetisch nicht haltbar ist, denn Hurerei (πορνεια) und Ehebruch (μοιχεια) sind im Griechischen
zwei verschiedene Begriffe und werden im NT sowohl von Jesus (Mt 15,19; Mk 7,21)
als auch von den Aposteln (1Kor 6,9; Heb 13,4) unterschieden. Der Begriff
Unzucht (πορνεια) beinhaltet zwar auch den Ehebruch, ist aber
ein weitergehender Überbegriff. - Wieder andere wollen unter πορνεια nur die nach dem Gesetz Mose unerlaubten
Verwandschafts-Ehen verstehen (vgl. Lev 18,6ff; Mt 14,4), also den Inzest, der
in modernen Gesellschaften ohnehin verboten ist, womit es heutzutage überhaupt
keinen legitimen Scheidungsgrund mehr gebe. Diese Auslegung ist sehr
unwahrscheinlich, denn die Zuhörer Jesu hätten ihn ohne genauere Erklärung kaum
so verstehen können, da es in der jüdischen Bevölkerung solche Ehen gar nicht
gab, weil sie nicht erlaubt waren. Es wäre sozusagen "totes Recht"
gewesen. Die Inzest-Ehe von Herodes mit Herodias war eine Ausnahme, die er sich
nur als König erlauben konnte. Wenn es keinen erlaubten und von Gott geduldeten
Scheidungsgrund gebe, wäre die Regelung von Paulus im 1Kor 7,11.15 inkonsequent
und gegen das Wort Jesu. Das ist undenkbar. Vergleiche auch die Anmerkungen bei
Mt 19,3.31. - Manche argumentieren, die "Ausnahmeklausel" würde sich aufgrund
der grammatischen Zwischenstellung im Satz nur auf das Recht zur Scheidung,
nicht aber auf ein Recht zur Wiederheirat beziehen. Grammatisch ist dies zwar
möglich, aber dennoch unwahrscheinlich, weil die Zuhörer Jesu das nicht so
verstanden hätten. Jesus hätte sich klarer ausgedrückt, wenn er das gemeint
hätte, denn die erlaubte Wiederheirat nach einer Scheidung war bei den Juden
selbstverständlich (65,II,266), und in Dtn 24,1-4 impliziert. Sogar Gott selbst
hat seiner abtrünnigen "Frau" Israel im übertragenen Sinn den
Scheidebrief gegeben, und sich dann mit einer anderen "Frau", nämlich
der Gemeinde, verlobt (vgl. Jer 3,1.8; Jes 50,1; 2Kor 11,2; Offb 19,7).
6 Hier der Prozessgegner, dem man etwas
schuldet. Nach jüdischem Recht darf er vor Gericht nur das billigere Unterhemd
einfordern, der Mantel muss dem Armen bleiben, damit er in der Nacht nicht
friert.
7 Den Sinn von jemanden ändern, d.h. die
Freundschaft mit jmdm. erneuern, und zwar nach Trennung, Feindschaft oder
Streit. Es wird eine gegenseitige Feindschaft vorausgesetzt, auf welche dann
auch eine beidseitige Versöhnung erfolgt, ein Gedanke der im Synonym κατ-αλλασσω (Strong Nr.: 2644) nicht enthalten ist.
8 Bei den Römern eine Distanz von 1000
Doppelschritten das entspricht 8 Stadien, also ca. 1478 Meter (33,1249), hier
entweder im übertragenen Sinn gemeint oder, jemanden zwingen sein Gepäck zu tragen, was römische
Soldaten oft von den Einheimischen verlangten, durch deren Gebiet sie zogen.
Römische Soldaten konnten einen Juden jederzeit zu einer wegkundigen Begleitung
oder zum Lastentragen zwingen (vgl. Mt 27,32), allerdings nur für eine Meile (54,z.St.; 21,I,112).
9 entw. spez.: seine auserwählten Jünger; od.
eher: alle die ihm nachfolgen. - Die Bergpredigt umfasst bei Lukas nur 30 Verse
(LK 6,20-49). Matthäus hat aus der Kurzfassung der Bergpredigt, und vielleicht
auch aus anderen Worten Jesus, unter der Leitung des Heiligen Geistes, eine
große Rede über die wahre Gerechtigkeit geschaffen. Er stellt Jesus dabei als
den neuen Mose dar, der auf einem Berg die rechte Auslegung des Gesetzes lehrt
(5,1-2.17-19). Der Berg auf dem Jesus lehrt, entspricht dem Berg Sinai des
Alten Bundes. Die Bergpredigt weist folgende Gliederung auf: (1.) Einleitung
(5,1-20); (2.) die sechs Antithesen (5,21-48); (3.) die wahre Frömmigkeit (6,1
- 7,11); (4.) Schlussermahnungen (7,12-27). Diese Rede bildet eine Art Anleitung
für das Leben als Jünger Jesu (47,z.St.).
10 D.h. vergleiche dich mit deinem
Prozessgegner, dem du etwas schuldest, solange es noch geht.
11 Die kleinste römische Reichsmünze (ca. 1/4
Kupfer-As), das entspricht dem 64-sten Teil vom Tageslohn eines Arbeiters. Der
ehemalige Zöllner Matthäus denkt noch immer in römischen Münzen und nicht in
der noch kleineren jüdischen Lokalmünze Lepta (Mk 12,42). Das ganze Beispiel (Vers
23-26) geht also davon aus, dass man bei dem Prozessgegner (= einem Bruder) in
einer Schuld steht, die man bis zur kleinsten römischen Münze zurückzahlen muss.
Die Anwendung ist folgende: wenn man nicht bereit ist den Bruder um Vergebung
zu bitten, kommt man in eine Art geistliches Gefängnis, solange bis man bereit
ist um Vergebung zu bitten. Tut man das nicht, wird die Sache wohl von Gott
selbst gerichtet. Vgl. Mt 18,34
12 Nämlich rechtlichen Ehebruch durch
eine unerlaubte Wiederheirat. In 1Kor 7,10-11 regelt Paulus diesen Fall einer
unerlaubten Scheidung. Der Partner, der sich scheiden ließ, muss entweder
unverheiratet bleiben oder sich wieder mit seinem geschiedenen Partner
versöhnen. Beim Thema Scheidung und Wiederheirat bleiben also nur zwei
Möglichkeiten der Auslegung: (1.) entweder jede Wiederheirat ist
Ehebruch, oder: (2.) Ehebruch bei einer Wiederheirat liegt nur vor,
wenn die Scheidung vom Partner nicht aufgrund von Hurerei geschah. Im ersten
Fall hätte Jesus die Bestimmung in Dtn 24,1-4 aufgelöst (vgl. aber Mt 5,17). Im
zweiten Fall hätte er sie richtig ausgelegt und angewendet, wie auch Paulus in
1Kor 7,10-11. Vgl. auch die Anm. unten zu Mt 5,31
13 Jemanden ohrfeigen war nicht nur schmerzlich,
sondern auch eine der schwersten Beleidigungen (2,26; 65,I,331).
14 Das römische System der Steuererhebung in
den Provinzen unterschied drei Stufen von Beamten. Der höchste Beamte
war der "publicanus", der eine bestimmte Summe Geldes als
Steuer für eine ganze Provinz bei der Regierung in Rom abliefern musste. Er
versuchte so viel wie möglich an Steuern aus seiner Provinz herauszupressen.
Dieser Beamte hatte seinen Amtssitz in Rom. Darunter kamen die "submagistri"
(Strong Nr.: 754), die ein bestimmtes Gebiet in einer Provinz verwalteten, und
auch in dieser Provinz lebten. Auch sie versuchten so viel wie möglich an
Steuern aus ihrem Gebiet herauszupressen. Unter diesen standen dann an letzter
Stelle die "portitores" (Strong Nr.: 5057). Sie waren fast
immer einheimische Juden und die eigentlichen Steuereinnehmer. Wegen ihrer Methoden
bei der Geldeintreibung und ihrer Verunreinigung im Umgang mit Heiden waren sie
bei ihren jüdischen Landsleuten besonders verhasst und gemieden. Sie saßen im
Zollhaus bei den Stadttoren, um den Zoll von den Händlern einzuheben. Natürlich
versuchten auch sie einen möglichst großen persönlichen Gewinn für sich
herauszuschlagen. An dieser Stelle sind
die "portitores" gemeint.
15 Das griechische Wort μοδιος bezeichnet ein Holzgefäß, das sowohl als
Hohlmaß (von 8,75 Litern) für das Messen von Getreide, als auch zum Abdecken
des Lichtscheins und zum Auslöschen von Öl-Lampen benutzt wurde (vgl. 33,1249;
47,z.St.).
16 Gehenna ist eine Talschlucht südlich von Jerusalem,
wo unter König Ahas (2Kön 16,3) abscheuliche Kinderopfer stattfanden. Unter
König Josia wurde der Ort entweiht und seit dieser Zeit als
"Müllhalde" Jerusalems verwendet, wo die toten Tierkadaver und die Abfälle der Stadt in einem ständigen
Feuer verbrannt wurden. Bildlich übertragen auf die "Hölle" als dem
Ort und Zustand der ewigen Verdammnis.
17 w.: töricht machen, ein Wortspiel (65,I,71).
Salz galt als rein(igend), als Schutz gegen Fäulnis,
als Konservierungsmittel (für Fische, Fleisch, Gemüse), als
Geschmacksverstärker in Speisen, und auch in der Medizin wurde es verwendet. Die
Gläubigen sind das Salz der Erde, weil Salz faden Speisen einerseits Geschmack
verleiht, andererseits bewahrt es sie vor Fäulnis. So soll sich das Verhalten
der Jünger Jesu auf die sie umgebende Gesellschaft auswirken (20,416f). - In Palästina wurde das Salz aus den Felsen
nahe des Toten Meeres gewonnen. Daher war die äußere Schicht der
Salzkristalle oft von Unreinigkeiten und chemischen Veränderungen
beeinträchtigt und das Salz hatte nicht den gleichen Würzungsgrad wie unser
modernes, industriell gereinigtes Salz. Obwohl also Salz in seiner Reinform
seine Würzkraft auch über hunderte von Jahren nicht einbüßen kann, führten die Bedingungen,
unter denen es im Altertum aufbewahrt wurde, im Laufe der Zeit zu
Verunreinigungen und chemischen Prozessen, die die Würzkraft des Salzes
minderten oder sogar ganz aufhoben (20,417). Wenn Salz durch Verunreinigungen seine
Salzkraft eingebüßt hatte, wurde es auf schlüpfrige Wege gestreut. Auf
all das spielt Jesus in seiner Bildrede an. Auch seine Jünger könnten durch
Vermischung mit den Prinzipien der Welt ihre moralische Autorität in der Welt einbüßen (vgl. 1,291; 21,I,101f; 33,1056; 42,1184f).
18 Der Ausdruck "Hohlkopf" schmäht den Menschen in Bezug auf seinen
Verstand, der Ausdruck "gottloser Narr" aber in Bezug auf sein gottloses Herz und
seinen verdorbenen Charakter.
19 Der Hohe Rat, das Synedrium, war zu jener
Zeit der oberste Gerichtshof Israels. Er bestand aus dem Hohepriester und 70
Personen, die zu drei Gruppen gehörten: den ehemaligen Hohepriestern und
Angehörigen der Tempelhierarchie, den Ältesten (geachtete Männer aus den
führenden Familien) und den Gesetzeslehrern, die hauptsächlich zur Partei der Pharisäer
gehörten (54,z.St.).
20 Oder der Mantel, ein großes quadratisches
Stück festen Stoffs, das über dem Untergewand (eine Art Hemd, das bis zu den
Knien reichte) getragen wurde. Man konnte auch Gegenstände darin tragen, und
die Armen, z.B. Hirten, wickelten sich nachts darin ein (54,z.St.). Hier ist nicht wie in Lk 6,29 der
Räuber gemeint, der beim Überfall das Oberkleid an sich reißt, sondern eben der
Prozessgegner, der nur das Unterkleid einklagen durfte, damit sich der Arme in
der Nacht wenigstens im Oberkleid einwickeln konnte und nicht erfror.
21 Wahrscheinlich Gen.obj.: "...Licht
für die Welt";
od.
Gen.subj.: "...Licht in der Welt". - Diese Welt ist in
moralischer Finsternis. Solange Jesus
auf dieser Erde lebte, war er das Licht für die Welt (Joh 8,12; 9,5; 12,35-36).
So wie er durch sein innewohnendes göttliches Leben das Licht für die Welt war
(Joh 1,4-5), genauso sind seine Jünger seit Pfingsten durch das göttliche
Leben, welches durch den Heiligen Geist in ihnen wohnt, das Licht für die Welt.
Dieses göttliche Leben offenbart sich erstens in ihren guten Werken, - die
Frucht des Geistes (Gal 5,22), - an denen die Menschen erkennen, dass sie von
Gott bewirkt sind (Mt 5,16; Kol 4,5), und zweitens durch ihr Reden in Weisheit
(Kol 4, 6). Das Resultat wird das Gleiche sein wie bei Jesus (Joh 3,19-21).
22 Mose gestattete die Scheidung mittels eines
Scheidebriefes, - aber nur zum Schutz der Frau (Dtn 24,1-4). Im gleichen Sinn
wie bei den anderen Geboten nimmt Jesus dazu Stellung: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt
ist…, ich aber sage euch…". Jesus toleriert zwar diese Regelung, aber nur
im Fall von Hurerei (πορνεια;
vgl. die Anmerkungen bei Mt 5,32). Gleichzeitig weist er aber auch auf die
damit verbundene Hartherzigkeit der Partner hin. Ausdrücklich stellt er klar,
dass Scheidung und Wiederheirat niemals Gottes ursprünglicher Wille war, nicht
einmal im Fall von Ehebruch, den man ja auch vergeben kann. - Manche Dinge hat
Gott bei seinem Volk geduldet, obwohl sie nicht richtig waren, z.B. mehrere
Frauen bei Abraham, Jakob, Gideon, David und Salomo. Doch dies ändert nicht
Gottes ursprünglichen Willen. Jedes Abweichen von Gottes vollkommenen Geboten,
ist immer mit negativen Folgen für die Betreffenden verbunden. Das ist auch bei
einer von Gott tolerierten Scheidung und Wiederheirat so. Die Aussage von Jakob
in Gen 49,31b könnte darauf hindeuten, dass sich Jakob am Ende seines Lebens
bewusst war, dass er nur Lea hätte heiraten sollen. - Allerdings wendete auch
Gott selbst im übertragenen Sinn den Scheidebrief bei seinem Volk Israel an
(Jes 50,1b; Jer 3,8). Doch diese Entlassung war nicht endgültig, denn Gott wird
sich mit einem Überrest Israels in der Zukunft wieder verloben (Hos
2,1-4.16-25). Jesu Haltung zum Scheidebrief kann man also zusammenfassen in:
(1.) Er entspricht nicht Gottes ursprünglichen Gedanken. (2.) Mose hat
ihn nicht geboten, sondern nur gestattet. (3.) Der Grund dafür
ist der Schutz der geschiedenen Frau vor Willkür, und die Hartherzigkeit der
Menschen. (4.) eine von Gott geduldete Scheidung (und Wiederheirat)
gibt es nur im Fall von Hurerei.
23 Das durative Part.Präs. drückt das
angespannte längere oder immer wiederkehrende lüsterne Betrachten der Ehefrau
seines Nächsten aus, wie es in Ex 20,17 verboten wurde: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau". Es ist daher die Vorstufe zum eigentlichen
Ehebruch.
24 Die "Bergpredigt" ist sozusagen die "Regierungsproklamation" des Königs. Sie dient folgendem Zweck: (1.) Zu
zeigen, dass Gott das Gesetz Mose nicht nur äußerlich erfüllt haben will,
sondern auch innerlich von Herzen; z.B. Mt 5,27. (2.) Um zu zeigen, dass die
moralischen Standards des Neuen Bundes höher sind als die des Gesetzes Mose im
Alten Bund ("Ihr habt gehört,
dass zu den Alten gesagt ist…, ich aber sage euch…"). Das
meint Jesus auch, wenn er dann zu seinen Jüngern sagt: "Wenn nicht eure
Gerechtigkeit vorzüglicher ist als die
der Schriftgelehrten und Pharisäer, …" (Mt 5,20).
25 Dieses Wort des Herrn scheint im Widerspruch
zu seinen darauffolgenden Worten in Mt 6,1-4 zu stehen. Doch der Kontext löst
den Widerspruch auf. Es ist ganz natürlich, dass eine Stadt auf einem Berg
gesehen wird und dass man eine Lampe nicht anzündet, um sie hernach zu verstecken.
Gute Werke ergeben sich beim Wiedergeborenen ganz natürlich aus seinem neuen
Leben. Sie sind für alle sichtbar, wie eine Stadt auf einem Berg. Sie brauchen
und sollen deshalb nicht versteckt werden (1Tim 5,25b; Tit 2,7; Jak 3,13). Wenn
wir uns gleichzeitig auch verbal klar zum Herrn und zu unserer Bekehrung
bekennen (Kol 4,5-6), werden die guten Werke, die wir tun, Gott verherrlichen
und nicht uns (vgl. Joh 15,8; 1Pet 2,12). Die anschließenden Worte Jesu in Mt
6,1-4, warnen uns hingegen vor einer falschen Motivation beim Tun guter Werke.
26 Derjenige, der hier bittet, ist der meist
arbeitsunfähige Bettler. Bauern brauchten häufig Darlehen, um Saatgut zu kaufen.
Nach der Ernte zahlten sie das Darlehen dann zurück. Kurz vor einem Erlassjahr wollten
viele nichts mehr verleihen, da aufgrund von Dtn 15,9 jedes siebente Jahr alle noch
ausstehenden Schulden annulliert wurden (65,I,78.331).
27 Vielleicht handelt es sich um eine rabbinische
Bildrede, die Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten mit verschiedener Anwendung
benutzt hat (vgl. Mk 4,21 und Lk 11,33).
28 Oder attributiv: "eine oben auf einem Berg liegende Stadt" (2,z.St.). - Vom Bergland oberhalb von Kapernaum,
wo sich Jesus mit seinen Jüngern gerade aufhielt, konnte man die auf einem Berg
gelegene hellenistische Freistadt Hippos erblicken, deren Anblick Jesus
vielleicht zu diesem Vergleich anregte (46,170). Das bildliche Gegenteil dazu,
wäre die jordanische Stadt Petra, die verborgen in einem felsigen Canyon liegt.
- Mit dem Bild der Stadt könnte Jesus das Zeugnis seiner Jünger-Schar gemeint
haben. Auch in Offb 21,9-27 wird die Gemeinde mit einer Stadt auf einem hohen
Berg verglichen, die voller Licht ist. In Apg 5,12-14 erfüllt die Gemeinde in
Jerusalem ansatzweise dieses Ideal.
29 Vgl. Jes 61,1. Gemeint sind Menschen, die
wissen, dass sie vor Gott nichts vorweisen können, und die daher alles von Gott
erwarten (47,z.St.), nach Lk 6,20 sind aber auch gleichzeitig die buchstäblich
Armen gemeint, und das waren die meisten von Jesu Zuhörern.
30 Dies könnte eine Anspielung auf die Urim (aram.:
Fluch, falsch) und Thummin (aram.: richtig) im AT sein. Durch sie konnte das
Volk Gottes von Gott ein verbindliches Ja oder ein Nein erhalten. Wenn vom
Hohepriester zweimal hintereinander der Thummin-Stein aus der Brusttasche
herausgezogen wurde, war dies ein eindeutiges Ja - Ja (1Sam 23,9-13). Wenn aber
zweimal hintereinander der Urim-Stein herausgezogen wurde, war dies ein
eindeutiges Nein - Nein. Falls aber einmal ein Thummin-Stein und das zweite Mal
ein Urim-Stein herausgezogen wurde, war dies keine eindeutige Antwort (1Sam
28,6), weil es Ja und Nein gleichzeitig war; 2Kor 1,17-18 (vgl. zur Sache
33,1231).
31 D.h.: "stammt vom Bösen".
Das bedeutet entw.: es ist böse;
od.: es ist vom Teufel bewirkt (47,z.St.).
32 D.h. wohl
nach Vers 18, wo Jesus das was das AT über den Messias direkt oder typologisch
prophezeit, zur Erfüllung gebracht hat (2,z.St.); od.: die Gesetze des AT zu verwirklichen,
indem Jesus diese genau befolgt, wofür Vers 19 sprechen würde.
Matthäus 6
1 Iteratives Präs.: sich nicht Stück für Stück
irdische Schätze ansammeln (wie in Lk 12,16-21), sondern seinen materiellen
Besitz durch Gutes tun Stück für Stück verteilen bzw. einsetzen und so als
bleibenden Schatz in den Himmel transferieren (vgl. 1Tim 6,17-19).
2 t.t. der Geschäftssprache: einen Betrag
empfangen, den man dann bestätigt bzw. quittiert. - Die Pharisäer fasteten
jeden Montag und Donnerstag und legten Wert darauf, dass alle dies sahen.
3 od.: "…das zum Dasein nötige" (wie
Lk 11,3), od.: "…das für den betreffenden Tag", d.h. für heute (2,z.St.).
4 Wahrscheinlich der Ind.Aor. der
Vergangenheit (7,z.St.; 8,z.St.). Er setzt voraus, dass derjenige, der im Gebet
Gott um Vergebung bittet, seinem Schuldner dessen Schuld bereits vergeben hat.
Vergleiche auch den folgenden Vers 14-15, wo zuerst die Vergebung für
den Nächsten gefordert wird, und erst dann die Vergebung durch Gott
geschehen kann (so auch: Mk 11,25). Möglich wäre auch den Ind.Aor. im Sinne
eines zeitlosen hebr. Perfekt zu übersetzen (vgl. Parallelstelle: Lk 11,4): "…wie
auch wir unseren Schuldnern (immer wieder) vergeben" (2,30; 36,280f; 44,16),
oder es ist ein präsentischer Aorist (2,z.St.).
5 Der Anschluss an die vorangehenden
Belehrungen über Almosen, Beten und Fasten liegt darin, dass es darum geht, diese
Dinge ungeteilt für Gott zu tun. Der weitere Gedankengang dürfte dann folgender
sein: dass, was das körperliche Auge für den körperlichen Bereich des Menschen
ist, ist das Herz (Vers 21) für den geistigen Bereich. Wenn das körperliche Auge
krank ist, z.B. blind oder schielend, hat das negative Auswirkungen auf den
ganzen Körper. Man sieht dann Dinge schlecht oder doppelt. Wenn das geistige
Auge krank ("böse") ist, hat das Auswirkungen auf das moralische
Verhalten des Gläubigen. Er hortet dann gierig irdische Reichtümer und dient
Gott nicht mehr ungeteilt (d.h. nicht "einfältig"; siehe Vers 24). Anstatt
freigiebig zu sein, ist er neidisch auf andere, und nur geizig auf sich selbst
bedacht. Oder er sieht lüstern auf Dinge, die nicht gut sind für sein
geistliches Leben, - sein Herz verfinstert sich dann mehr und mehr.
6 In LXX und Mt 20,15: geldgierig, neidisch.
7 Das Herz, oder das innere, geistige Auge?
8 Ein aram. Ausdruck, der personifizierte
Besitz bzw. das Geld als Götze gesehen (65,I,83). Dem Mammon versklavt zu sein
ist Götzendienst, die Sünde der Habgier (Eph 5,5).
9 viell. Semitisch: "clibanus".
Ein Tonkessel, um Brot zu backen. Am Boden war er breiter als am oberen Rand.
Wenn man innen ein genügend starkes Feuer machte und der Ton davon erhitzt war,
konnte man den Brotteig an die Außenwände klatschen und den Teig so zu
Brotfladen backen. Nach einer anderen Methode wurde der Tonkessel von einem
Feuer unterhalb erhitzt, und der Teig von der oberen Öffnung an die heißen
Innenwände geklatscht und gebacken. Dürres Gras diente dabei das Brennmaterial.
10 Warum dann überhaupt beten? Damit wir uns
unsere Abhängigkeit von Gott bewusst machen, und weil wir nur das empfangen,
was wir auch begehren (Jak 4,3). Und um das, was wir begehren, darum werden wir
auch automatisch bitten (21,I,119).
11 Der vermeintliche Widerspruch zu Jak 1,13 ("…Gott
selbst aber versucht niemanden"), lässt sich am besten
folgendermaßen auflösen: Gott lässt es in seiner vorausschauenden Weisheit
manchmal zu, dass der Satan Gläubige versuchen darf (Hiob 1,6-12). So ist auch
der Widerspruch zwischen 2Sam 24,1 und 1Chr 21,1 aufzulösen. Jesus lehrt uns,
dass wir den Vater ganz allgemein darum bitten sollen, dass er diese Art von
Versuchung durch den Satan von uns fernhält, und, dass die Gelegenheit zur
Sünde und die Lust darauf, zeitlich nicht zusammenfallen. Falls er aber Satan
dennoch erlaubt uns zu versuchen, hat es einen tieferen Sinn und kann am Ende nur
zu unserem Besten dienen (z.B.: Hiob 42,2-6.10ff; Gen 22,1; Jak 5,11).
12 Mit απο und Mask.: von dem
Teufel (13,29), wofür auch der Kontext in Vers 13 spricht, denn die Versuchung
zum Bösen kommt vom Satan. Oder viell., falls ein Neut.: von dem bösen
Einfluss.
13 Wahrscheinlich die Anemonen. Eine besonders
prächtige, aber auch schnell verwelkliche Blume (65,I,84).
14 Die Tatsache, dass der Wortlaut des "Vater
Unser" hier und in Lk 11,2-4 nicht ident ist beweist, dass es kein
feststehendes Formelgebet in der Urchristenheit war, sondern von Jesus als exemplarische
Gebetsvorlage gedacht ist (20,352). In Lk 11,1 bitten die Jünger Jesus nicht,
ihnen ein bestimmtes Formelgebet zu lehren, sondern um eine Belehrung über die
Art und Weise wie man beten und bitten soll. Das "Vater Unser"
enthält weder Anbetung noch Lobpreis noch einen Dank, sondern nur sieben Bitten.
Vgl. auch die Anm. bei Mt 11,26. - Nur wer ein Kind Gottes ist, hat ein Recht
so zu beten, obwohl Gott in seiner Großzügigkeit auch Gebete von Ungläubigen
erhört. Chronologisch steht das "Vater Unser" bei Lukas (Lk 11,1ff)
an der richtigen Stelle. Matthäus stellt es hier in die Bergpredigt, weil es
zum Thema Gebet gehört (20,351).
15 Es heißt nicht: "…heilig ist
dein Name", sondern es ist unsere Bitte, dass Gott durch das Verhalten
seiner Kinder in der Welt als heilig wahrgenommen wird (vgl. Mt 5,16).
16 Die Königsherrschaft Gottes wird mit dem
tausendjährigen Friedensreich beginnen, wo der Herr Jesus Christus als König in
absoluter Gerechtigkeit und mit "eiserner Faust" (Ps 2,9; Ps 101,8a),
über die ganze Erde regieren wird (Offb 11,15; 12,5.10; 19,15). Aber auch die
Gläubigen werden dann auf die gleiche Art mit ihm mitregieren (Offb 2,26-27;
5,10 ua.). Vgl. auch die Anm. bei Offb 20,4
17 Vgl. Mt 18,35
18 Jesus will hier nicht sagen, man
könne seine Lebenslänge nicht durch einen bösen und unvernünftigen Lebenswandel
verkürzen, oder durch einen gottesfürchtigen Lebenswandel verlängern,
wie es in Eph 6,2-3; Spr 10,27; 11,19; 19,16; Pre 7,17 und Hes 3,21 ausgesagt
ist. Aber diese Verkürzung oder Verlängerung geschieht von Gott, es ist
sein Segen oder seine Strafe. Alle unsere Tage sind bereits aufgrund seiner
allwissenden Voraussicht schon vor unserer Geburt von ihm festgelegt (Ps
139,16). Nicht einmal den Tod kann man durch eigenes Tun herbeiführen, wenn
Gott es nicht zulässt (Offb 9,6). Was Jesus hier sagen will, ist, dass man mit
Sorgen gar nichts erreichen kann.
19 Der Wechsel vom Singular "Du"
zum Plural "wenn ihr aber betet", könnte bedeuten, dass Jesus
im Vers 6 über das persönliche Gebet spricht, im Vers 7 aber über das
gemeinsame Gebet. Beim gemeinsamen Gebet sollte man sich kurz und bündig
halten, damit alle zum Beten kommen.
1
Ps 6,9
2 Das bedeutet klar zu
sehen, um die Sünde des anderen richtig zu bewerten. Vgl. Röm 15,14. Es ist der zusammenfassende
Abschluss des ganzen Kapitels 15 im Römerbrief über das Richten.
3 Dat.instr. (2,z.St.). D.h. durch die Kraft
und Autorität, die hinter dem Namen Jesu steht. Sein Name wurde von ihnen als
Mittel missbraucht (vgl. Apg 19,13-17). Jesus bestätigt aber nicht, dass
sie tatsächlich Wunder taten, sie behaupten das nur. Solche großmündigen
Behauptungen finden wir leider auch heute in manchen christlichen Kreisen, aber
es sind Zeichen und Wunder der Lüge. - Im Gegensatz dazu handelt es sich in Mk
9,39 um echte Wunder.
4 Starker Regen geht in Palästina immer mit
Sturm einher (15,I,188).
5 Ihr Auftreten wird für die Zukunft
vorausgesagt: Mt 24,11.24; Apg 20,29; 2Pet 2,1; 1Joh 4,1; Offb 13,12ff., aber
sie sind auch schon jetzt aktiv.
6 Aufgrund des Kontexts von Vers 21-23 möchte
Jesus mit der anschließenden Bildrede sicherlich auf die Notwendigkeit einer echten
Bekehrung hinweisen, die sich in entsprechendem Glaubensgehorsam erweist. Eine
Anwendung auf Gläubige ist natürlich auch gerechtfertigt. Dieser Einsturz
geschieht bei den Ungläubigen beim letzten Gericht, für die Gläubigen beim
Richterstuhl Christi.
7 Damit ist seine oft überraschende
Schriftauslegung und Schriftanwendung gemeint, und, dass er im Gegensatz zu den
Schriftgelehrten, bei seinem Lehren keine Ansichten berühmter Rabbis zitiert.
Er verstand sich als direktes Sprachrohr Gottes und Gott bestätigte seine Worte
auch noch mit Wundertaten (65,I,465).
8 Siehe aber im Gegensatz dazu 1Kor 5,3.12
9 In den
Versen 1-5 ging es Jesus darum, vor einem vorschnellen und ungerechten Urteilen
zu warnen, nun warnt er vor dem Gegenteil: dem Mangel an Unterscheidungsvermögen
und die daraus resultierenden Folgen. Man kann nämlich von beiden Seiten vom
Pferd fallen.
10 Es gibt zwei Arten von hören, - solches das
auch gehorchen will und solches, das nur hinhört und gleich
wieder vergisst (13,81). Das Fundament eines echten Glaubens ist: Glaubensgehorsam
(Röm 1,5; 16,26). 11 Damit
wird klar, dass diese Menschen niemals wiedergeboren waren, und dass es nicht solche
sind, die vom Glauben abgefallen sind. Vgl. auch die Anm. zu 2Tim 3,5
12 Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein
Sprichwort, dass Jesus zu verschiedenen Gelegenheiten verschieden anwendet
(z.B. in Mk 4,24). Hier ist es der Messbehälter, mit dem man zum Kaufmann geht,
um Getreide zu kaufen. Wenn es ein großer Behälter ist, bekommt man mehr. Wer
ein hartes und unbarmherziges Urteil über andere abgibt, wird eben auch von
Gott ein ebenso großes Urteil (in diesem Leben?) bekommen.
13 Mit dem Ausdruck "και εγενετο οτε ετελεσενο Ίησους" ("Es geschah, als Jesus … vollendete"), unterteilt Matthäus sein Evangelium in
sechs Abschnitte (mit dem Prolog 1,1-17 in sieben Abschnitte) und beendet jeden
dieser Abschnitte mit einer Rede von Jesus:
1) Mt 1,1 - 7,29: Der König und die Art seines Reiches. Rede: Die Bergpredigt
2) Mt 8,1 - 11,1: Die Vollmacht des Königs (die Wunder). Rede: Die Aussendungsbefehle an die 12 Apostel
3) Mt 11,2 - 13,53: Die Ablehnung des Königs. Rede: Die Gleichnisse des Reiches der Himmel
4) Mt 13,54 - 19,1: Die Anfeindungen des Königs. Rede: Anweisungen für Verhalten im Reich der Himmel
5) Mt 19,2 - 26,1: Der Dienst des Königs an den Seinen. Rede: Die Endzeitrede
6) Mt 26,2 - 28,20: Die Verwerfung des
Königs. Rede: Der Missionsbefehl
14 Alle drei Imp.Präs. drücken eine
durative bzw. iterative Handlung aus: "bittet anhaltend", "sucht
beständig", "klopft immer wieder an".
15 Damit Menschen auf den engen Weg abbiegen
braucht es zwei Dinge: (1.) Zuerst muss Gott ihr Herz und ihre
Augen öffnen (2Kor 4,3-4; Apg 16,14 ua.). (2.) Dann erst können und müssen
sie umkehren durch Sinnesänderung: Sündenerkenntnis – Reue – Bewusstsein
der Verlorenheit – Bereitschaft zur Lebensänderung (Jer 31,18c; Apg 11,18b ua.).
16 Da es viele falsche Gläubige sind, handelt es sich um die Zeit des Endes, wo lügnerische Zeichen und Wunder geschehen werden. Vgl. Mt 24,24; 2Thes 2,9
Matthäus 8
1 Jes 53,4
2 Das Wort kommt nur noch in Joh 19,30 vor,
denn das Kreuz war der einzige Platz, wo Jesus nach vollbrachtem Werk, sein
Haupt neigen konnte!
3 In manchen Fällen befahl Jesus
Stillschweigen (Mt 9,30; 12,16; Mk 1,44; 3,12; 5,43; 7,36; 8,26; Lk 5,14;
8,56). Er wollte nicht, dass Menschen wegen seiner Wunder an ihn glauben, die
Wunder dienten vielmehr dazu, ihren Glauben zu festigen. Hier wollte Jesus, dass
die Priester im Tempel gezwungen waren, eine Reinigung zu bestätigen, die schon
seit Jahrhunderten nicht vorgekommen war (34,I,619). Die erfolgte Reinigung
musste von den Priestern geprüft und bestätigt werden (vgl. Lev 13,1ff). Dies
sollte einerseits als Beweis für seine Heilung dienen, andererseits für die
Gesetzestreue und die Vollmacht Jesu (vgl. 47,z.St.). Nach Dr. A.G.
Fruchtenbaum galt die Reinigung eines Aussätzigen als sogenanntes "Messias-Wunder",
da die Rabbis lehrten, dass nur der kommende Messias vom Aussatz reinigen kann.
4 Nach Lk 7,1ff. sandte der Centurio zuerst Mittelsmänner.
Das ist kein Widerspruch zu Lukas, denn es gibt ein römisches Prinzip, das
lautet "wer durch einen anderen handelt, handelt selbst". Danach traf
der Hauptmann selbst mit Jesus zusammen (2,41; 60,413; 64,448). - In dem
Grenzort Kafarnaum lag eine Garnison mit Truppen des Herodes Antipas. Die
Soldaten dieser Söldnertruppe waren meist Nichtjuden. Fromme Juden betraten die
Häuser von Heiden nicht, um sich nicht unrein zu machen (vgl. 47,z.St.).
5 Nach jüdischem Zeremoniell
beinhaltete dies auch die Totenklage und die darauffolgende Reinigung, was viele Tage beanspruchte (vgl. 1Kön 18,31).
Oder es bezieht sich auf das "Zweite Begräbnis", dass nach einem Jahr
stattfand (vgl. 65,91f).
6 Die Hs. haben verschiedene Lesarten des
Ortsnamens. Die Örtlichkeit ist im Ostjordanland gelegen, nahe der Ruinen des
alten Khersi (das moderne Kursi), am Ostufer des Sees, beim Fluss Hieromax. Es
ist der südöstliche Uferstreifen des Sees Genezareth mit einem Hafen. Das
Gebiet gehörte zur landeinwärts gelegenen Stadt Gadara (dem heutigen Umm Qeis),
die als die Hauptstadt im Zehnstädtegebiet, selbst Kriegsschiffe auf dem See
unterhielt, wie Münzen der Stadt beweisen (2,45; 27,23; 33,399.414; 54,33). Der
Ort lag aber auch nahe der Stadt Gergesa, die laut
Origenes und mehreren anderen alten Reisenden, am Ostufer des Sees Genezareth
beim Wadi Gemach lag, wo am See ein höherer Bergabsturz liegt (2,45; 20,271f; 21,I,144f;
46,190). Es ist am Südostufer des Sees die einzige Örtlichkeit, wo alle
Bedingungen vorhanden sind, die der Bericht voraussetzt. Die ganze Erzählung
spielt also in der Dekapolis, im halbheidnischen Ostjordanland, wo auch
Schweine gezüchtet wurden. Schweine galten als unrein, darum war den Juden die
Aufzucht von Schweinen, der Handel mit Schweinen und das Essen von
Schweinefleisch verboten (vgl. 46,193; 47,z.St.; 60,417; 64,451).
7 Als hebr. Redewendung: "Lass uns in
Ruhe!"
8 Impf.: sie ersuchten ihn eindringlich,
solange bis er ihrem Drängen nachgab.
9 Sonst nur noch in Mt 24,7; 27,51.54; 28,2;
Offb 6,12; 16,18.
10 Jesus kommt ihrem
Wunsch nach und verlässt sanftmütig die Gegend, nachdem er dem Geheilten den
Auftrag gegeben hatte die frohe Botschaft in ihren Städten zu verkünden. Später
kehrt er aber wieder zurück, indem er von Sidon kommend sogar einen Umweg über
die Dekapolis macht und dort einen Taubstummen heilt. Daraufhin folgen ihm von
dort viele nach (vgl. auch Mt 4,25). Einer der beiden Geheilten hatte die
Vorarbeit geleistet! Bei Markus
und Lukas wird auch nur dieser eine Besessene genannt, vielleicht weil er dann
den Weg in die Urgemeinde fand und bekannter war (64,452). Er hatte die
Botschaft nicht nur in seinem Haus verbreitet, sondern in der ganzen Stadt (Lk
8,39) und sogar im ganzen Zehnstädtegebiet (Mk 5,20), und sich damit als ein
wahrer Jünger Jesu erwiesen.
11 Matthäus, der ja im Gegensatz zu Markus und
Lukas Augenzeuge war, berichtet uns, dass es eigentlich zwei Besessene waren
die Jesus heilte.
12 Die Botschaft der Bergpredigt (Mt. 5,1 - 7,29)
wird anschließend durch die Taten Jesu beglaubigt, die seine messianische
Vollmacht bestätigen. Die Kapitel 8 - 9 sind kunstvoll aufgebaut: 3 mal 3
Wunderberichte werden jeweils durch Lehr-Aussagen unterbrochen und gedeutet
(47,z.St.).
13 Andere Übersetzungsmöglichkeit: "Soll
ich etwa kommen und ihn gesund machen"? (47,z.St.).
14 Der Hauptmann von Kafarnaum ist der erste Heide,
der vor Pfingsten zum Glauben kommt, der Hauptmann Kornelius ist der
erste Heide, der nach Pfingsten zum Glauben kommt (Apg 10,1ff).
15 Eine Bezeichnung für
rasch um sich greifende Hautkrankheiten, Lepra eingeschlossen (54,z.St.).
16 Der Sohn des Menschen
ist eine von Jesus bevorzugte Selbstbezeichnung. Er knüpft damit an Dan 7,13
an, wo der zukünftige Herrscher des Friedensreiches angekündigt wird (54,z.St.).
Gleichzeitig betont er damit, dass er als der gekommene Messias und Sohn
Gottes, zugleich ein Mensch aus Fleisch und Blut ist.
17 Mit Aussatz wurden
alle möglichen rasch um sich greifenden Hautveränderungen bezeichnet, vor allem
die Lepra.
18 Der Bericht von Mt
8,17-22 ist von Matthäus hier thematisch eingefügt worden. Die Begebenheit
selbst passierte erst später (20,326).
Matthäus 9
1 Hos 6,6
2 Num 27,17, 2Chr 18,16
3 Der Flicken vom neuen Kleid ist noch
ungewalkt. Würde man ihn über die schadhafte Stelle am alten Kleid drüber nähen,
würde der Flicken beim nächsten Waschen eingehen und den Riss im geflickten
Kleid noch größer machen, - auch weil er fester ist als der ihn umgebende alte
und schleißige Stoff des alten Kleides. Ungewalkter Tuchstoff zieht sich bei
Nässe zusammen, wodurch es zu Rissen kommen kann. Die Lederhäute waren Beutel
in denen Wasser oder Wein aufbewahrt wurde, meist ein vollständiger Ziegenbalg,
der zusammengenäht und an den Nähten verpicht, einst wie heute im Orient zum
Transport von Flüssigkeiten (Wein, Wasser, Öl) benutzt wurde, während zur
Aufbewahrung der Flüssigkeiten meist Tongefäße dienten. Frischer Wein ist noch
in Gärung und würde die alten, unelastisch gewordenen Schläuche zerreißen, der
alte Wein aber gärt nicht mehr und die alten Schläuche halten ihn noch gut.
Beide Gleichnisse weisen auf die Unverträglichkeit von Neuem und Alten hin
(15,V,151; 47,z.St.). Das erste Gleichnis, dass man die verbrauchten Formen des
alten Bundes nicht mit den Formen, die der neue Bund bringen wird, aufbessern
kann. Das zweite Gleichnis, dass das geistliche Leben des neuen Bundes neue und
elastische Formen braucht. Vgl. noch Mk 2,22; Lk 5,37f. Siehe dazu die Grafik
in: https://drive.google.com/file/d/1PC4-u1DEhaef4FOSh4XUCQRfou7A6Yld/view?usp=sharing
4 Böse Geister unter der Herrschaft des
Teufels die für ihn agieren, Menschen verführen und von ihnen Besitz ergreifen
(= Besessene) und sie quälen. Dass dies auch heute noch geschieht, davon zeugen
bestimmte Fälle in Irrenanstalten. Damit soll nicht geleugnet werden, dass es
psychiatrische Zustände mit ähnlichen Symptomen gibt, besonders dann, wenn
diese eine neurologische oder chemisch-biologische Ursache haben (z.B.
Epilepsie, ua).
5 Die "Söhne des Brautgemachs" waren
die Freunde des Bräutigams. Sie waren unentbehrlich für
eine Hochzeitsfeier, denn sie begleiteten den Bräutigam bei der Abholung der
Braut und arrangierten die Hochzeitsfeierlichkeiten, LXX: Ps 150,2.
6 Daher sollte Fasten nun durchaus eine Praxis
der Gläubigen sein (vgl. Apg 10,30; 13,2.3; 14,23; 2Kor 6,5; 11,27), aber
bedarfsorientiert.
7 Dieser war für die äußere Ordnung bei den
Gottesdiensten verantwortlich, und konnte auch das Amt des Synagogenvorstehers
innehaben (2,49f.).
8 Damit war sie levitisch unrein (Lev
15,25-33), denn Blutungen machten eine Frau unrein. Sie durfte nicht am
Gottesdienst teilnehmen und musste die Berührung mit anderen Menschen meiden,
da diese sonst ebenfalls unrein wurden. Das Vorgehen der Frau war deshalb ein
Verstoß gegen das Gesetz (vgl. Lev 12), offenbart aber ihre Not und ihr
Vertrauen (vgl. 47,z.St.).
9 Wahrscheinlich die Quaste am untersten
Zipfel des Oberkleides (vgl. Num 15,37-41; Zeph 8,23). Sie fiel
jemandem der von hinten an den Herrn herankam besonders ins Auge und könnte bei
der blutflüssigen Frau auch eine Erinnerung an Num 15,39 ausgelöst und dann zu einer
Überführung von ihrem ausschweifenden Leben geführt haben könnte. Blutiger
Scheidenausfluss war nämlich damals oft eine Folge von Geschlechtskrankheit.
Vielleicht hatte sie ein Schuldbewusstsein und daher ihr Wunsch gerettet
und nicht nur geheilt zu werden. In Mk 5,33 steht auch, dass sie Jesus "die ganze Wahrheit" sagte, und in Mk
5,34 unterscheidet Jesus, dass ihr Glaube sie gerettet hat und, dass sie
auch gesund geworden ist. - Aufgrund von Num 15,37-41 und Dtn 22,12, musste
sich jeder Israelit selbst solche blauweißen Quasten an den vier Ecken seines
Oberkleides annähen. Offensichtlich befolgte auch der Herr Jesus diese Anordnung,
obwohl es sich nur um eine Äußerlichkeit
handelte. Die Bedeutung der Quaste bei dieser Heilung muss sich herumgesprochen
haben (Mt 14,36; Apg 19,12).
10 Seine schroffe Reaktion erklärt sich daraus,
dass er bereits im Vorhinein wusste, dass sie ihm nicht gehorchen würden. Vgl.
V.31
11 Es ist beachtenswert, dass der Heilige Geist
hier das Wort εκ-βαλλω
(= hinauswerfen)
inspirierte und nicht απο-στελλω (= aussenden). Will der Herr damit andeuten,
dass die Arbeiter lieber aus Bequemlichkeit zu Hause bleiben würden, und es
daher sanften Druck braucht, um sie auszusenden? Der Ausdruck erinnert
jedenfalls an einen König, der sein letztes Aufgebot an Soldaten "in die
Schlacht wirft" um den Krieg zu gewinnen.
12 Die jüdischen Rabbis befragten immer die
Besessenen, bevor sie einen Exorzismus ausführten. Da dies bei einem Stummen
Besessenen nicht möglich war, lehrten sie, dass nur der kommende Messias aus
stummen Besessenen Dämonen austreiben kann. Daher staunten die Volksmengen und
die darauffolgende Reaktion der jüdischen Führer (Vers 34) erklärt sich aus
diesem Umstand (nach: Fruchtenbaum A.G.: Die drei messianischen Wunder Jesu,
S.10f; - leider ohne Quellenangabe!).
13 Die Berührung eines Toten, gehörte zu den
schlimmsten Formen der Verunreinigung (Num 19,11-22).
14 Das gibt
Mut im Glauben für andere zu beten. Natürlich hatte auch der Gelähmte selbst
Glauben (Lk 5,25), sonst hätte er sich gegen diesen Transport verwehrt.
15 Diese
Situation ist typisch für die Pharisäer, sie fragen nicht Jesus selbst, sondern
die Jünger. Sie wollen bei ihnen Misstrauen gegen ihren Lehrer streuen. Aber da
sie auch die Jünger attackieren (Lk 5,30), stellt sich Jesus schützend vor seine
Jünger, und beantwortet selbst die Frage.
16 Der scheinbare Widerspruch zu Mk 5,23 und Lk 8,42 lässt sich folgendermaßen erklären: Matthäus benützt bei dem Wort "vollenden" möglicherweise den effektiven oder dramatischen Aorist: "Meine Tochter vollendet gerade ihr Leben" (2,1386f; 13,85 [258]). Außerdem benützt er nicht das Wort "gestorben" wie in Vers 24, und Jairus weiß auch gar nicht, ob seine Tochter überhaupt noch lebt, daher diese dramatische Ausdrucksweise. Matthäus, der seine Berichte immer kürzer hält als die beiden anderen Synoptiker (2,z.St.), gibt den Stand wieder, als die Boten von Jairus zu Jesus kommen und zu ihm sagen, die Tochter sei bereits verstorben. Das würde auch zur Antwort von Jairus passen, da er Jesus nun bittet sie wieder vom Tod aufzuerwecken, während er ihn davor bat, ihr die Hände aufzulegen, damit sie nicht stirbt. Zu diesem größeren Glauben könnte ihn die Ermutigung Jesu bewogen haben, der zu ihm sagte: "Glaube nur weiter" (Mk 5,36; Imp. Präs.).
Matthäus 10
1
Mi 7,6
2
Vielleicht war Vers 26
ein gängiges rabbinisches Sprichwort, dass Jesus bei verschiedenen
Gelegenheiten verschieden benützt hat: (1.) Hier, als Ermutigung für die furchtlose
Verkündigung des Evangeliums. (2.) In Mk 4,22 für den Auftrag an die Jünger,
dass Evangelium zu verkündigen. (3.) In Lk 12,2 aber, um die Heuchelei der
Pharisäer und Schriftgelehrten aufzudecken.
3
Vgl. Jes 53,6, Jer 50,6, Hes 34,1ff., Zuerst sollte ein Überrest aus Israel
gewonnen werden, der später auch die Nationen erreichen sollte (vgl. im Gegensatz
dazu in Mt 12,18.21 "Nationen").
4
Ein Kupfergeld, wobei 16 Assarion 1 griechischen Silber-Drachme bzw. 1
römischen Silber-Denar entsprechen. Der Umrechnungswert betrug ca. 3,898 Gramm
Silber. 1 Assarion entspricht also 1/16 des Tagelohns eines Taglöhners und war
bei den Juden sprichwörtlich für den geringsten Geldbetrag (vgl. heute: 1
Cent). Es war nach dem Quadrans die zweitkleinste römische Münze (vgl. 33,792).
5
Diese Vollmacht beschränkte sich zunächst auf die Zwölf und auf das Gebiet
Israels (V.5-6), und sie setzte Glauben voraus (vgl. Mt 17,16). Im
Missionsbefehl wird sie nur mehr in abgeschwächter Form wiederholt, siehe die
Anm. bei Mk 16, 20. Bis heute bleibt von diesem Heilungsdienst die
Krankensalbung (Jak 5,13-15; vgl. Mk 6,13b). - Von Jesus werden uns nur drei
Totenauferweckungen berichtet, von Petrus und Paulus nur je eine! Bei der
Aussendung der späteren 70 Jünger in Lk 10,9, ist nur mehr von Krankenheilung
die Rede, in welche die Heilung von Besessenheit allerdings inkludiert war (Lk
10,17). Anzunehmen, dass jeder Gläubige Tote auferwecken kann, wenn er nur
genug Glauben hätte, ist unbiblisch.
6
Kein Eigenname, sondern ein Beiname im Sinne von "der Zelot", "der
Eiferer" (47,z.St.). Mitglied einer Gruppe, die aktiven Widerstand gegen
die römische Besatzung leisteten, es ablehnten Steuern zu zahlen und das
messianische Gottesreich mit Gewalt herbeiführen wollten (2,53; 54,z.St.).
Manche Hs. haben κανανιτης, Kanaanäer, d.h. einer der aus Kana in Galiläa
stammte (1,231).
7
Vielleicht aus dem hebr.: aus Kerioth stammend; eventuell auch aus dem lat. sicarius:
Dolchmänner,
Meuchelmörder, Banditen (2,z.St.). Die
militanteste Gruppe unter den Zeloten, die römerfreundliche Juden umbrachten (54,z.St.).
8
Nur Gastfreundschaft sollten sie annehmen.
9
Vor der Reise? Oder während der Reise?
10
D.h. übermittelt seinen Bewohnern den Segensgruß "Friede sei mit
euch".
11
Ein jüdischer Brauch, um auszudrücken, dass man die Beziehung abbricht und die betreffenden
Bewohner, Häuser und Städte für heidnisch, unrein und gerichtsreif hält
(38,I,571). Vgl. Apg 13,51 und 18,6.
12
"…eine andersartige", weil freundlicher gesinnte Stadt? Rechtzeitige Flucht ist nicht immer
Feigheit, es kann auch Klugheit sein (vgl. auch Mt 4,12; Lk 21,21; Joh 8,59;
10,39; Apg 8,1; 14,6; Spr 22,3; Jes 52,11). Sie sollte aber nicht nur dazu
dienen, die eigene Haut zu retten, sondern anderswo Gott besser dienen zu
können.
13
Beelzebub bedeutet: "Herr der Fliegen", eine Bezeichnung für Satan, den
obersten der Dämonen. Urspr. eine Gottheit der Philister.
14
Verneinter Imp.Präs.: "Hört auf euch zu fürchten".
15
Entweder lokativ: in der Hölle; od. instrumental: durch die Hölle. Gemeint ist
natürlich Gott.
16
Er war von allen essbaren Vögeln die billigste Art und wurde von den Armen als
Nahrungsmittel geschätzt und gekauft (37,594).
17
Das bedeutet, wer seine eigenen irdischen Wünsche und Ziele um Jesu und seines
Reiches willen zurückstellt - und selbst wenn es den Märtyrertod bedeutet -
wird in der Nachfolge den wahren Lebenssinn finden, - oder umgekehrt.
18
Alle vier Bezeichnungen stehen wohl für die Zeugen Jesu, vielleicht in der
absteigenden Reihenfolge ihres Ansehens (vgl. 2,60).
19
Die Taube war im Altertum der Inbegriff von Sanftmut, Gewaltlosigkeit und
Einfalt (2,z.St.).
20
Der scheinbare Widerspruch zu Mk 6,8-9 und Lk 9,3 lässt sich am besten so
lösen, dass bei Markus und Lukas betont wird, keine Ersatzsandalen und keinen zweiten
Stab (als Waffe?) mitzunehmen (60,419; 64,454). Diese Reise dauerte, wie ein
Vergleich von Mk 6,7ff mit Mk 6,30ff nicht sehr lange. - Ein mit einer
Eisenspitze versehener Stab war damals nicht nur Wanderstab, sondern diente
zugleich als Waffe zur Verteidigung. Einen solchen zweiten Stab sollten die
Jünger nicht mitnehmen, denn zu diesem Zeitpunkt (vgl. dagegen: Lk 22,35-37),
sollte ihnen noch keine Feindseligkeit entgegenschlagen (21,I,160f).
21
Das Aufheben des Kreuzesquerbalkens, den der Verurteilte selbst durch die
feindliche und johlende Menge zur Hinrichtungsstätte trägt. Damit wohl ein Bild
für die Bereitschaft zum Leiden und zum Martyrium um Jesu und seiner Sache
willen (2,z.St.). Jemand der mit dem Kreuzesquerbalken durch die "Via
dolorosa" in Jerusalem ging, hatte mit seinem irdischen Leben bereits so
gut wie abgeschlossen!
22
Der Kontext davor zeigt, dass es sich um eine Verfolgungssituation handelt und
der Aorist macht deutlich, dass es sich um eine konkrete Situation handelt, die
aber noch nicht eingetreten ist, wie die Futuras im Vers 32 zeigen. Verleugnen
bedeutet hier wie in Lk 12,8-9, sich zu schämen für den Herrn. Dass der Herr
den Jünger verleugnen wird, der ihn verleugnet hat, bedeutet aber nicht, dass
dieser Jünger deswegen verlorengeht (2Tim 2,12-13), wie auch die Verleugnung
von Petrus zeigt. Jesus schämt sich aber für diesen Jünger vor allen Engeln im
Himmel, so wie sich ein Vater für seinen Sohn schämt, wenn sich dieser
öffentlich ungebührlich verhält.
23
Vielleicht in Anlehnung an die 12 Stämme Israels, oder die 12 Kundschafter (Num
13,2).
24
Die Jünger brauchten weder Nahrungsmittel noch Geld mitzunehmen, denn sie
erhielten Gastfreundschaft bei denen, die ihre Botschaft und ihren
Heilungsdienst willig annahmen (Mt 10,7-14). Es war damals üblich, so wie auch
heute noch in manchen ärmeren Ländern des Orients, ein Abendessen, einen
Schlafplatz und ein Frühstück zu erhalten, bevor man seine Reise fortsetzte
(46,215ff). Jesus sagt ihnen später (Lk 22,35-37), dass dies keinesfalls immer
und überall so sein wird. Auch für heutige Zeiten gilt noch, dass der Missionar
von denen unterstützt wird, die er evangelisiert und zum Glauben geführt hat
(1Kor 9,4-14; Phil 4,16), und der umherziehende und übergemeindlich dienende
Lehrer, von denen Unterstützung erhält, die er lehrt (Gal 6,6; Tit 3,13). Nach
diesem Prinzip arbeiteten erfolgreiche Gemeindegründer wie W.Carey, W. Nee,
Bakht Singh, ua. Auch im AT bekamen die Leviten und Priester von den Opfernden
Nahrungsmittel (2Chr 31,4-5). Würde dieses Prinzip, dass der Arbeiter
von den Früchten seiner Arbeit lebt, auch heute angewendet, gebe es mehr
Fleiß und mehr Resultate in der Missionsarbeit. Dass die Heimatgemeinde
verpflichtet ist für ihre ausgesandten Missionare und Lehrer finanziell zu
sorgen, finden wir, entgegen moderner Praxis, im NT nicht. Paulus erwähnt nie,
dass er von der Gemeinde in Antiochien unterstützt wurde.
25
Vgl. die Anmerkungen bei Lk 12,2-3
1 vgl. Jes
29,18; 35,5-6; 42,18; 26,19; 61,1
2 Ex 23,20; Mal 3,1
3 Dies ist die Einladung zur Bekehrung, der Vers
29 ist dann die Einladung an diese Neubekehrten, in die Jüngerschaft zu treten.
4 Dies ist die Einladung an die Neubekehrten,
in die Jüngerschaft zu treten. Vgl. im Gegensatz dazu das Joch der
Schriftgelehrten in Lk 11,46. - Die jüdischen Rabbis nannten ihre Unterweisung
im Gesetz und deren Befolgung ihr "Joch", vgl. Gen 27,40. Die Wendung
"ein Joch auf sich nehmen" bedeutet, die Vorschriften oder Lehren
eines anderen übernehmen. Sprichwörtlich waren bei den jüdischen
Schriftgelehrten die Aussagen vom "Joch des Gesetzes" oder vom
"Joch der Herrschaft des Himmels".
5 Jer 6,16; Jes 28,12. Das Wort Seele
bezeichnet hier, wie im Alten Testament, das "Ich" des Menschen (vgl.
47,z.St.).
6 Vgl. 1Joh 5,3
7 D.h. einen der andersartig auftritt, nämlich
als gewaltiger Befreier und Richter, so wie auch Johannes selbst ihn
angekündigt hatte (Mt 3,11.12). Er kam aber nun ins Zweifeln, weil Jesus so
zurückhaltend und sanft auftrat (2,z.St.). - Obwohl Johannes von Gott eine
eindeutige Offenbarung erhielt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes, ist
(Joh 1,26-34), geriet er ins Zweifeln. Wenn ein so großer Mann Gottes ins
Zweifeln kommt, ist das sowohl eine Warnung aber auch ein Trost für uns. Die
Zweifel des Johannes werden von Jesus mit einem Hinweis auf Gottes Verheißungen
behandelt (Jes 61,1). Diese "Medizin" brauchen auch wir bei unseren
Zweifeln.
8 Johannes war also der Bote vor dem "Angesicht
Jahwes". Damit stellt sich Jesus mit Jahwe gleich (vgl. 20,248).
9 od. als Med.: "...es wird mit Gewalt
hineingedrängt in das Königreich", dann entweder im guten Sinn von den Glaubenden,
die wie solche sind, die drängelnd Einlass begehren zu einer wichtigen
Veranstaltung, - oder im negativen Sinn von den Feinden des Königreiches (z.B.
Pharisäer und Schriftgelehrte); od. tr.: "...bricht sich das Königreich
mit Gewalt Bahn, während es andererseits Gewalttätige angreifen" (vgl.
2,63f; 64,456f).
10 Das Doppelgleichnis von den launischen
Kindern vergleicht die Reaktion von Jesu Zeitgenossen auf Jesus und Johannes mit
Kindern, die auf den Marktplätzen Hochzeit und Totenklage spielen.
11 Das bezieht sich wohl sinnbildlich auf die ablehnenden
Zeitgenossen Jesu.
12 Chorazin, war eine Stadt in Obergaliläa, 3
km nördlich von Kafarnaum, das heutige "chirbet kerazie", mit einer
eigenen Synagoge, die teilweise freigelegt wurde (46,163f). Bethsaida war ein
Fischerdorf an der Mündung des Jordan in den See Genezareth. Heute
wahrscheinlich "El-Aradsch". - Da beide Orte in unmittelbarer Nachbarschaft
Kafarnaums lagen, hat Jesus offensichtlich auch dort gewirkt, aber wie in
Kafarnaum wenig Glauben gefunden. Die Hafenstädte Tyros und Sidon (beides
phönizische Städte am Mittelmeer, ca. 60 bzw. 90 km nordwestlich vom See Genezareth),
galten wegen ihrer Götzenkulte und ihrer Sittenlosigkeit den Israeliten als
besonders verwerflich (vgl. Ez 28,20-23; Joel 4,4), ebenso wie Sodom, eine
Stadt im Tal Siddim, die wegen der Sünde ihrer Bewohner von Gott vernichtet
wurde (Gen 13,10-13; 18,16-20; 19,23-29). Heute liegt sie vermutlich unter dem
Toten Meer begraben (vgl. 54,55; 47,z.St.).
13 Das Neue Testament meint damit aber kein
neutrales Totenreich, sondern den Todeszustand, der für Ungläubige schon vor
dem Endgericht eine schreckliche Qual bedeutet, wie Jesus in Lukas 16,23 zeigt
(54,z.St.).
14 Hier geht es nicht um moralische Größe,
sondern um die Stellung im Alten- und im Neuen Bund. Johannes war der letzte
und damit größte Prophet unter dem Alten Bund, ja noch mehr, er war der
verheißene Vorläufer des Messias. Aber jeder der danach an Jesus gläubig und
wiedergeboren wurde, gehört zum Neuen Bund und ist deswegen von seiner Stellung
her, höher als Johannes. Das ist auch Jesu Argument in Vers 13 (20,249).
15 Das geschüttelte Schilfrohr ist ein Symbol
für Wankelmütigkeit. Man könnte meinen, die Frage des Johannes in Vers 3 und
die ermahnende Antwort Jesu in Vers 6 könne auf eine Wankelmütigkeit bei
Johannes hinweisen. Doch Jesus macht klar, dass dies nicht der Fall ist (20,247).
Johannes muss nur lernen, die Termine in Gottes Heilsplan richtig einzuordnen: zuerst
Leiden, dann Herrlichkeit (1Pet 1,10-12; Apg 14,22).
16 Man könnte sich fragen, warum Gott in Tyros
und Sidon nicht Wunder geschehen ließ, damit sie Buße tun. Dazu ist folgendes
zu bedenken: (1.) Es geht hier nicht um Einzelpersonen, sondern um ganze
Städte. In Städten, die wegen ihrer Gottlosigkeit zum Gericht bestimmt sind,
erbarmt sich Gott gerne Einzelpersonen die glauben, wie das Beispiel von Rahab
in Jericho zeigt. Übrigens geschah auch in der Gegend von Tyros und Sidon ein
Wunder Jesu, und eine Frau glaubte daraufhin (Mt 15,21-28), und Menschen aus
dieser Gegend folgten Jesus nach (Mk 3,8; Lk 6,18-19). Nach Apg 21,4 entstand
später sogar eine Gemeinde in Tyros. (2.) Gott ist nicht verpflichtet, jedem
das gleiche Maß an Licht zu geben, aber jeder bekommt zumindest ein wenig Licht
(Joh 1,9; 12,46), und ist schon aufgrund der Schöpfung und seines Gewissens
verpflichtet, nach Gott zu fragen (Röm 1,19 - 2,16; vgl. auch Lk 16,30 und Apg
17,27). Wer das nicht tut geht verloren, weil er das Licht das Gott ihm gab,
nicht nützte, um nach Gott zu suchen und ihm zu glauben; Joh 3,9-21; Röm 2,7. (3.)
Selbst, wenn jemand Buße tut, beinhaltet dies nicht immer, dass er auch glaubt
(Apg 26,20c; Heb 6,6).
17 Für seinen Unglauben wird der Sünder in die
Hölle verdammt, doch für seine Sünden wird er noch zusätzlich bestraft. Gibt es
im Gericht unterschiedlich harte Strafen? Jesus scheint dies in Lk 12,47.48
auszusprechen.
18 Es ist bemerkenswert, dass dieses Gebet hier
(Mt 11,25-26) und bei Lk 10,21 völlig wortgleich wiedergegeben wird, was z.B.
beim "Vater Unser" nicht der Fall ist; vgl. die Anm. bei Mt 6,9.
19 Dass Elija ohne Artikel steht, bedeutet,
dass Jesus nicht Elija persönlich meint, sondern den Johannes der in seinem
Auftreten vergleichbar mit Elija war (Lk 1,17). Johannes war nur der in Mal 3,1
angekündigte Wegbereiter, aber nicht Elija buchstäblich. Da die Juden
Jesus nicht als Messias-König annehmen wollten war Johannes nur der Prototyp, d.h.
die
Vor-Erfüllung, des nach Mal 3,23-24
buchstäblich am Ende der Zeiten wiederkommenden Elija (viell. Offb 11,3ff),
dessen Kommen dann die End-Erfüllung dieser Prophezeiung sein wird. - Eine historische Gestalt als Prototyp für
eine spätere Person, findet sich auch an anderen Stellen der biblischen
Prophetie. So z.B. Melchisedek als Prototyp für den Hohepriester Jesus (Heb
5,10). Oder in Jes 7,10-17, wo der Sohn Jesajas (V.15-16) ein Prototyp für den
zukünftigen, jungfräulich geborenen Immanuel-Messias ist (V.14). Oder in Dan
11,21-36, wo Antiochus IV Epiphanes ein Prototyp für den zukünftigen "König"
(V.36ff), den Anti-Christen ist (vgl. 87,78-86). Auch dort befindet sich ein
prophetischer Zeitsprung zwischen Vers 35 und 36. Zum prophetischen Zeitsprung
vgl. auch die Anm. zum Jesaja-Zitat in Lk 4,19
1
Hos 6,6
2
Jes 42,1-4
3
Die
Pharisäer legten besonderen Wert auf die genaue Einhaltung der
Sabbat-Vorschriften der Alten. Ein Rabbi sagte: "Wenn die Israeliten nur zwei Sabbate
vorschriftsmäßig halten würden, so würden sie sofort erlöst werden"
(59,392).
4
Damit
sagt Jesus deutlich, dass ein Besessener zuerst frei werden muss, bevor
er wiedergeboren werden kann, und folglich auch, dass ein Wiedergeborener nicht
mehr besessen sein kann. Vgl. auch die Anm. bei Mt 18,19, die Anm. bei Apg
19,19 und die Anm. bei 1Joh 5,18b.
5
Ein
Realis. Jesus stellt den Vorgang, um des Arguments willen, als wahr hin, obwohl
es nicht stimmt (13,103).
6
Vgl. Jona 2,1 - Jona ist der einzige Prophet des AT, mit dem sich Jesus
vergleicht. Der Grund könnte folgender sein: (1.) Jona war der einzige Prophet
aus Galiläa, - wie auch Jesus. Vgl. die Anm.7 unten. (2.) Jona
wurde geopfert, damit andere nicht sterben mussten, - wie auch Jesus; Jona
1,12.15-16. (3.) Jona war 3 Tage in einem "Grab",
- wie auch Jesus. (4.) Jona predigte danach den Heiden die Buße, - wie Jesus
es seinen Aposteln aufgetragen hat; Mt 28,19
7
Ein Gen.epex.: d.h. das Wunder das Jona erlebte. Jona war ein
alttestamentlicher Prophet, dessen wunderbare Lebensgeschichte Jesus zum
Vergleich für seinen Tod und seine Auferstehung diente. Jona war wie Jesus aus
Galiläa (vgl. 2Kön 14,25, Gat-Hefer lag etwa 10km nördlich von Nazareth), was
die Schriftgelehrten aber offenbar vergaßen oder gar nicht wussten (vgl. Joh
7,52). Vielleicht verglich sich Jesus auch deshalb mit ihm, denn das Vorurteil
lautete: "…was
kann aus Nazareth schon Gutes kommen".
8
Vgl. 1Sam 21,2-7. Sie hatten es zwar gelesen, aber sie hatten die Tragweite nicht
verinnerlicht. Vielleicht verwendete Jesus bewusst dieses Beispiel, um die
Pharisäer mit dem bösartigen Doeg zu vergleichen, der dann David und seine
Mitstreiter bei Saul verriet.
9
Mit dieser Sünde gegen den Heiligen Geist ist wohl die Behauptung gemeint,
Jesus würde in der Kraft Satans Dämonen austreiben, wo es doch für alle
offensichtlich die Kraft des Heiligen Geistes war. Damit wäre diese Sünde also
eine "historische",
nämlich, nur wer damals, sehenden Auges, die offensichtliche Kraft des
Heiligen Geistes dem Satan zuschrieb, hatte diese Sünde begangen. Dies würde
auch erklären, warum diese Sünde nicht mehr explizit in den Lehrbriefen genannt
wird.
10
Hier kündigt Jesus das erste Mal verhüllt seinen Tod und seine Auferstehung an.
- Nach jüdischem Sprachgebrauch ist diese Ausdrucksweise kein Widerspruch zu
der Tatsache, dass Jesus an einem Freitag starb und bereits am dritten Tag,
einem Sonntag, auferstand (Mt 16,21; 17,23; 20,19; Lk 24,21.46; 1Kor 15,4 ua.),
und damit nicht buchstäblich drei Tage und drei Nächte im Grab war. Der angebrochene
Teil eines Tages wurde nämlich bei den Juden schon als ein ganzer Tag gezählt. Es
ist eine altjüdische Redewendung, die drei Zeiteinheiten (Ona) meint, wobei
eine angebrochene Ona immer als Ganze gezählt wurde (z.B. 1Sam 30,12.13). Es
ist also eine ungefähre Zeitangabe, die nicht exakt 72 Stunden meint (vgl. 2,76;
34,II,469 dortige Fußnote; 54,30; 60,421; 64,459f). Der Ausdruck "drei
Tage und drei Nächte"
entspricht daher dem Ausdruck "am
dritten Tag",
"nach drei Tagen" (Mt 17,23
= Mk 9,31b) und "in drei Tagen"
(Joh 2,19.22).
11
Gemeint ist das alte Königreich Sabwa, im heutigen Jemen, vgl. 1Kön 10,1-3;
2Chr 9,1-12. Für die damaligen Juden war dies "das Ende der Erde"
(2,z.St.).
12
Damit ist bildlich ein ehemals Besessener gemeint, der zwar nun frei ist, aber
der Geist Gottes hat noch keinen Besitz von ihm ergriffen, weil er noch nicht
gläubig geworden ist. Der ganze Vergleich bezieht sich aber nach Vers 45b auch auf
das Volk Israel zurzeit Jesu, eben diese "böse Generation"
von Mt 12,39ff. Im weiteren Sinn ist das Prinzip aber auch anwendbar auf jeden,
der zwar die Befreiung Gottes von seinen Lastern erlebt, aber doch nicht durch echten
Glauben zur Wiedergeburt kommt.
13
Beelzebul - ursprüngliche Bedeutung: Mist-Gott (Mist = das heidnische Opfer);
oder: Herr der Wohnungen (von Dämonen); oder: Herr der Fliegen (d. h. der Krankheiten).
Er wird hier mit Satan, dem Anführer aller bösen Geister, gleichgesetzt.
Dämonen sind "böse" oder "unreine" Geister, die in Menschen
oder Tieren hausten, schwere Krankheiten seelischer oder leiblicher Art
verursachten und so die Menschen versklavten; vgl. Mk 5,9.11; 6,13; Mt 9,32;
12,45; Lk 10,17-20; 13,11 u.ö. (vgl. 47,z.St.). Es wäre absurd zu glauben, dass
nicht auch heute noch Menschen von Dämonen besessen sein können, allerdings
werden solche Menschen heutzutage meist weggesperrt.
14
Nach
Ansicht der jüdischen Rabbis, konnte nur der kommende Messias einen stummen
Dämon austreiben (= ein Messias Wunder). Daher waren sie in Erklärungsnot und
mussten eine andere Erklärung finden, denn Jesus war für sie nicht der Messias.
Also schrieben sie seine Wunderkräfte
dem Satan zu (Dr. A. Fruchtenbaum: Die drei messianischen Wunder Jesu,
Seite 10).
15 Wahrscheinlich handelte es sich um einen Pottwal, der einen Vormagen und einen Hauptmagen hat. Im Vormagen werden keine ätzenden Magensäuren gebildet, dort könnte Jona überlebt haben. Der Schlund zum Hauptmagen ist zu eng, als dass ein Mensch durchrutschen könnte. Von den 90 bekannten Walarten auf dieser Erde ist der Pottwal die einzige, dessen Schlund groß genug ist, um das Verschlucken eines Menschen technisch zu ermöglichen. Das ausgewachsene, sechzehn Meter lange Säugetier, hat eine breite Speiseröhre. (https://www.nationalgeographic.de/tiere/2021/08/koennen-wale-menschen-verschlucken#:~:text=Theoretisch%20ist%20es%20also%20m%C3%B6glich%2C%20von%20einem%20Pottwal,deswegen%2C%20weil%20Mensch%20und%20Pottwal%20nur%20selten%20aufeinandertreffen.)
16 Hier merkt man, dass für Matthäus die Chronologie nicht so wichtig war, denn nach Lk 6,6 und Mk 3,1 fand die folgende Begebenheit an einem anderen Sabbath statt (20,210; 77,275f).
1 Jes 6,9
(LXX). Vielleicht dem Hebräischen nachgebildet: "Hören sollt ihr, hören
und doch nicht..., sehen sollt ihr, sehen und doch nicht...". Für die
Jünger, die schon ein Grundverständnis der Wahrheit hatten, waren die
Gleichnisse hilfreich zum besseren Verständnis, für die anderen war das
Gegenteil der Fall. Nur den Jüngern wurde nämlich alles erklärt (vgl. 1Kor
2,6-14). Die Gleichnisse dienten dazu, schwierige Dinge für diejenigen die "drinnen"
sind verständlicher zu machen, und zugleich, für die die "draußen"
sind noch unverständlicher zu machen. Vgl. dazu auch: Hes 12,1-2 und Mk 8,18
2 Jes 6,10 (LXX). Die Verstockung des Volkes Israel
zurzeit Jesajas, findet nun in der Verstockung des Volkes Israel zurzeit Jesu
ihre endgültige Erfüllung. Es geht also bei dieser Verstockung, um das Volk
Israel als Gesamtes, und nicht um den Einzelnen. Ab Vers 12ff. macht Jesus
klar, dass er die Wahrheiten des Evangeliums in Gleichnissen erzählt, damit
diejenigen die haben, d.h. die Jünger, die bei ihm sind, noch mehr
verstehen, währenddessen diejenigen die nicht haben, d.h. die ihr Herz
gegenüber ihm verschließen, gar nichts mehr verstehen. Es ist dies aber keine
Vorherbestimmung zur Verdammnis. Das Problem ist, dass das Volk sein Herz
selbst verstockt hat, wie einst Pharao. Sie haben ihre Ohren und Augen
verschlossen (Vers 15). Wessen Herz hingegen vom Heiligen Geist für das Licht
des Evangeliums geöffnet wird, der wird von diesem Licht mehr und mehr
erleuchtet, zur Bekehrung geführt und errettet (vgl. 48,85f).
3 Ps 103,12 (LXX). Die Vögel suchten gerne
Schutz und Schatten zwischen den Blättern des Senfbaumes und fraßen mit
Vorliebe seine Samen. Sie waren also Schmarotzer des Baumes. In Hes 17,23-24
ist der Baum in dessen Ästen die Vögel Unterschlupf finden, ein Bild für das
zukünftige messianische Reich. In Hes 31,6 und Dan 4,7-18 aber ein Bild für
heidnische Weltmächte. Vielleicht verschmelzen beide Bilder hier: dass sich
ausbreitende Reich Gottes wird von heidnischen Mächten für politische Zwecke
missbraucht, - wie es in der Kirchengeschichte dann ja auch geschehen ist und
immer noch geschieht. Bei den Rabbinern symbolisierten die Vögel die Heiden
(14,146).
4 Ps 78,2
5 Dan 3,6
6 Vgl. Hes 3,27b
7 Gläubige sind dazu erwählt und bestimmt
Frucht zu bringen (Joh 15,16; Lk 13,6; Mt 21,33ff; Kol 1,10), - der Heilige Geist
befähigt sie dazu (Gal 5,22). Diese Frucht besteht in einem veränderten,
christusähnlichen Charakter und in guten Werken (Tit 2,14; Jak 2,14.26). Wenn
ein "Gläubiger" keine Frucht des Geistes im Leben hervorbringt,
beweist das, dass seine Bekehrung nach Jak 2,17.26 nicht echt war!
8 Der Taumellolch (lolium temulentum) ist
ein lästiges Unkraut in den Feldern Palästinas. Es ist dem Weizen zum
Verwechseln ähnlich und bis kurz vor dem Ansetzen der Frucht, vom Weizen nicht
zu unterscheiden. Danach aber hört der Lolch bei ca. 70 cm zu wachsen auf,
wogegen Weizen in Palästina bis zu 140 cm hoch werden kann. Er hat auch
schmälere Blätter als der Weizen. Der Taumellolch hat schwarze Körner, die bei Schimmelbefall
allerdings weiß werden. Wenn sie mit dem Weizen mitgemahlen wurden, schwächten
sie beim Genuss die Sehkraft des Menschen. Bei den Juden galt der Taumellolch
als entarteter Weizen und diente nur als Hühner- und Taubenfutter (vgl. 46,201;
14,222f; 15,II,249 mit Abbildung).
9 Der Senfkornsame war im 1.Jhdt der kleinste
mit freiem Auge sichtbare Same (ca. 1 mm groß). Er war auch der kleinste Same,
den man in der Landwirtschaft verwendete, und stand bei den Juden
sprichwörtlich für das Kleinste (54,z.St.; 64,463). Die Staude des schwarzen
Senfs (lat.: brassica nigra) ist zwar botanisch kein Baum, sie wird aber
in Palästina 1,20 m und beim See Genezareth sogar bis zu 5 m hoch und überragt
damit im Gemüsebeet alle anderen Gemüsepflanzen wie ein Baum. Im Arabischen
heißt sie daher "sajjarat al-Hardal", d.i. Baum des Senfs
(15,II,293). Die Vögel suchten gerne Schutz und Schatten zwischen seinen
Blättern und fraßen mit Vorliebe seine Samen. Die Vögel aber aufgrund von Mt 13,4.19
als dämonische Einflüsse zu deuten, scheint weit hergeholt, sie gehören einfach
zum Bild (36,494). - Vgl. aber auch die Anm.3 vorher.
10 Die Hausfrau mengt ein wenig Sauerteig mit
Wasser unter das Mehl, lässt es über Nacht stehen, in der Frühe ist der ganze
Teig durchsäuert. 1 Sat entspricht nach Josephus 12,3 Liter (33,1249), 3 Sat
sind also ca. 40 Liter, das sind etwa 70 kg Mehl. Diese Menge ergibt 54 Brote
und reicht für bis zu 160 Personen (15,IV,120; 14,146). Dennoch ist es keine
ungewöhnlich große Menge, wie Gen 18,6 (dort aber nur 22 kg Mehl), Richter 6,19
und 1Sam 1,24 zeigen, denn Brot war das Hauptnahrungsmittel und wurde für den
ganzen Haushalt, inklusive Knechte und Mägde, gebacken. Dies war auch die
Menge, die man für eine Ofenfüllung nahm (20,402). Oder denkt Jesus an eine
Hochzeitsgesellschaft? - In Gen 18,6 war das Brot eine Speise für Gott und die
beiden Engel. Sara mengte keinen Sauerteig hinein, denn ungesäuertes Brot galt
als das ideale Brot. Auch das Speisopfer musste ungesäuert sein. Nur das
gewöhnliche Brot, das zum Aufbewahren gedacht war, wurde gesäuert (15,IV,48f.56).
Ob Jesus diese Gedanken bei dem Gleichnis hatte, muss offenbleiben. Jedenfalls
ist Sauerteig in der Bibel durchgängig ein Symbol für Böses.
11 Matthäus (und auch Lk in Lk 13,21) verwendet
das Wort εγ-κρυπτω (verbergen)
und nicht das Wort μιγνυμι (vermengen),
welches viel passender wäre. Das Wort steht auch in LXX Jos 7,21 und bedeutet dort:
etwas mit üblen Hintergedanken verstecken. Es ist wohl bewusst gewählt, da
Sauerteig in der Bibel sonst immer ein Bild für Böses ist, und steht hier auch,
um eine Parallele zu κρυπτω in Vers 44 herzustellen. In beiden Gleichnissen
ist etwas verborgen, aber spiegelverkehrt, hier Böses dort Kostbares. - Dass
die handelnde Hauptperson hier nun, im Gegensatz zu den anderen Gleichnissen,
eine Frau ist, könnte sich ganz natürlich aus dem Bild ergeben, denn die Frauen
hatten das Brotbacken über, oder Jesus verwendet es bewusst, um mit der Frau
das ungläubige Israel zu bezeichnen, welches den Sauerteig der Gesetzlichkeit,
schon von Anfang an in die Gemeinde eingeschleust hat (vgl. Mt 16,6; Apg 15,5; Gal
5,9-10).
12 Ein Acker kostete nach Mt 27,6-7 etwa 30
Silberstücke, das sind 120 Drachmen bzw. Tageslöhne, also ca. 3 Monatslöhne.
Der Mann war demnach ein armer Taglöhner (vgl. 2Kor 8,9), wenn 120 Drachmen
sein ganzer Besitz waren. Vielleicht pflügte er als Taglöhner gerade den Acker
eines Bauern und stieß dabei auf einen Tonkrug mit Goldmünzen. Er verbarg den
Schatz vorerst wieder in der Erde und kaufte dann den Acker. Nach rabbinischem
Verständnis war das erlaubt und nicht unmoralisch (14,197; 34,I,595). Das
Gleichnis endet ganz untypisch, im Vergleich zu den Gleichnis-Reden der
jüdischen Rabbis, weil Jesus nicht weitererzählt, was der Finder mit dem Schatz
macht. Das Gleiche finden wir im nächsten Gleichnis von der Perle.
13 Ein reicher Geschäftsmann der als
Großimporteur Handel mit kostbaren Waren trieb, die er aus Süd-Arabien mit
einer Karawane nach Tyros oder Damaskus brachte und dort mit hohem Gewinn weiterverkaufte
(14,198). Kostbare Perlen waren daneben seine Liebhaberei, daher war er in den
orientalischen Märkten auch auf der Suche nach solchen.
14 Das sind die unreinen, nicht essbaren und
daher unbrauchbaren Fische. Im See Genezareth hat man 24 Fischarten gezählt (15,VI,351).
15 Ein Aorist mit Präsensbedeutung, wie das
hebräische Perfekt. Oder ein proleptischer Aorist mit Zukunftsbedeutung
(21,I,199). Der Vergleich betrifft hier und in allen anderen Gleichnissen immer
die Gesamtaussage des Gleichnisses, daher: "mit dem Königreich der Himmel verhält es sich
wie mit…" (13,22).
16 Der Wert von Perlen
entsprach dem heutigen Wert von Diamanten. Cäsar schenkte der Mutter von Brutus
eine Perle im Wert von 6 Millionen Sesterzen, was etwa 4100 Jahreslöhnen eines Taglöhners
entsprach. Kleopatra hatte gar eine Perle im Wert von 100 Millionen Sesterzen (14,198),
was 68.000 Jahreslöhnen entsprach. Im Jahr 2005 wurde eine der größten Perlen
aus den französischen Kronjuwelen namens "La Regenta", bei einer
Auktion in Genf für 3.628.000,- Schweizer Franken versteigert.
17 Es gibt keinen Indikativ Aorist Aktiv
für dieses Verb (wohl aber einen Indikativ Aorist Passiv in Joh 12,5),
daher wird hier der Indikativ Perfekt πεπρακεν für den fehlenden Aorist verwendet (44,z.St.).
Es bedeutet etwas um einen bestimmten Preis zum Verkauf bringen, ohne lange zu
feilschen. Doch vielleicht soll das Perfekt dabei auch ausdrücken, dass dies
ein einmaliger, riskanter und unwiderruflicher Schritt war (21,I,203). Er wollte
sich beeilen, denn die Perle lag ja offen für jeden zum Kauf bereit.
18 Dreimal hintereinander das Präsens
historicum (im Gegensatz zu Vers 46), vielleicht um den Vorgang lebendig zu
schildern. Das Präsens könnte aber auch den iterativen Sinn ausdrücken: alle
seine Habe Stück für Stück zum höchsten Preis verkaufen. Da niemand von dem
verborgenen Schatz wusste, hatte er keine Eile. Allerdings wäre für den iterativen
Sinn der Indikativ Imperfekt passender gewesen.
19 Ptz.Perf.Passiv, d.h. der Schatz
wurde von seinem Besitzer vergraben. Das Vergraben eines Schatzes an einem Ort,
den man sich gut merken konnte, galt im Altertum als sicherstes Versteck
(14,197). Für die Anwendung des verborgenen Schatzes auf die Gläubigen, vgl.
Joh 13,1 und Kol 3,3-4
20 Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen
und zu erretten.
21 Ein ca. 2 m tiefes, langgezogenes
Fischernetz, dass an seinen
beiden
Enden von zwei Booten auf den See hinausgezogen wurde. Danach wurde das Netz in
die Tiefe gelassen. Korkstücke hielten die Oberseite des Netzes an der
Wasseroberfläche, die Bleigewichte an der Unterseite des Netzes zogen es in die
Tiefe (65,I,121). Das Netz wurde dann von den beiden Booten an den vier
Zugseilen samt seinem Inhalt an Land geschleppt und umschloss alles
Davorliegende. Es "kehrte" den Meeresboden sozusagen aus, hatte aber
nicht nur brauchbare, sondern auch unbrauchbare Fische drinnen. Die Fische
wurden am Land aussortiert und das Netz anschließend von den Fischern gereinigt
und ausgebessert. Dieses Netz war viel größer und teurer als die Wurfnetze
(Strong Nr.: 1350 und 293), was zeigt, dass die Jünger ein gutausgerüstetes
Fischereiunternehmen hatten (37,567; 14,223; 46,145). Im bildlichen Sinn
bezeichnet dieses Schleppnetz daher den Gedanken des Allumfassenden viel
trefflicher als seine beiden Synonyme. Es
ist ein Bild für das, was wir heute Massenevangelisation nennen würden.
22 vgl. Anm. zu Mt 7,29
23 Das ist der Boden am Rand der Felder, wo man
mit dem Pflug nicht so gut hinkam. Dort ist der Boden daher voll mit
Felsbrocken oder Steinen. Oder ein felsiger Boden ist
gemeint, der nur eine dünne Erdschicht über dem darunterliegenden Felsengestein hat.
24 Hier wahrscheinlich die Dornensamen,
die von der Dornenhecke abfielen, die die Felder einzäunte. Es könnten aber auch die als Unkraut wuchernde und gefürchtete
stachelige Hauhechel, sowie der Judendorn gemeint sein, die beide gerne in
Getreidefeldern aufgingen, und das aufkeimende Getreide erstickten (1,56; 2,79;
15,I,407; 46,130).
25 Auch eine dreißigfache Getreideernte galt in
Palästina als sehr gut, eine hundertfache schon als außergewöhnlich (vgl. Gen
26,12). Das normale war in der Neuzeit nur mehr ein 7–10-facher Ertrag
(15,III,153ff).
26 Es war üblich, dass die Bauern nach
der Ernte Trampelpfade durch fremde Felder anlegten, um auf ihre eigenen Felder
zu gelangen. Auf diesen Pfaden war das Erdreich dann so festgetreten, dass die
Samenkörner beim Sähen im nächsten Frühjahr obenauf liegen blieben. Da aber in
Palästina meist zuerst gesät und sofort danach eingepflügt wurde,
war das an sich kein Problem. Einige Samenkörner wurden jedoch von den bereits
wartenden Vögeln noch vor dem Einpflügen aufgepickt (vgl. 14,7f; 15,II,179ff).
27 Als landwirtschaftlicher t.t.: ein Feld
nochmals besähen. Der Teufel übersäht das mit gutem Weizensamen besäte Feld
nochmals mit dem Unkrautsamen des Lolchs. Solche Feindseligkeiten geschahen
damals. Das ganze Feld wurde dadurch von diesem Unkraut verseucht und es ging
zusammen mit dem Weizen auf, wobei die Wurzeln von Weizen und Lolch miteinander
verwachsen waren. Das Jäten des Lolchs war schon im Frühjahr üblich, aber wenn
so viel Lolch im Feld wuchs, wären beim Ausreißen des Lolchs unweigerlich auch
Weizenhalme mit ausgerissen worden. Das erklärt die ablehnende Antwort des
Gutsherrn in Vers 29 (vgl. 14,222; 15,II,308-330).
28 In der Gräz.: Geheimnisse der Götter
ausplaudern (37,253). In der LXX: etwas hervorsprudeln lassen.
29 Zum Ernten wurden noch zusätzlich Schnitter
eingestellt. Der Plural Maskulin bezieht sich in der Anwendung auf die Engel,
siehe Vers 49. Vgl. dazu auch die Anm. bei Mt 24,40
30 Gesät wurde auf (επι) und nicht unter
(εν) die Dornen, daher eben nicht in die Dornensträucher hinein, was
kein Bauer machen würde, sondern auf den Boden am Feldrand, wo bereits
die Dornensamen unter der Erde lagen, was sich nicht vermeiden ließ. Die
Felder waren zum Schutz vor Tieren mit lebenden Dornenhecken eingezäunt. Von diesen
fielen die Dornensamen ins Feld (46,130). Dies drückt auch Lk 8,7 klar aus.
31 Es ist beachtenswert, dass Jesus hier keine
Anwendung dafür gibt, wer der Säemann ist, denn zuerst ist es natürlich er
selbst (vgl. Vers 37), danach aber die Apostel, und jetzt jeder der das
Evangelium verkündet. - Jesus legte nur zwei seiner Gleichnisse aus (Vers 18ff.
und Vers 36ff). Dabei lehrt er uns Prinzipien für die Auslegung der anderen Gleichnisse.
So ist z.B. die männliche Hauptperson in einem Gleichnis fast immer Gott oder
der Herr Jesus selbst, außer dies ist eindeutig nicht der Fall (z.B. in Lk
11,5ff; 12,16ff; 16,19ff; 18,1ff). In den "Acker-Gleichnissen" ist
der Acker immer die Welt (Mt 13,38).
32 Der Boden ist das menschliche Herz. Die Botschaft muss ins
Herz gehen, und nicht nur in den Verstand und das
Gefühl. Die Wirkung kann aber verschieden sein: z.B. in Apg 2,37f → Buße und
Glaube, aber in Apg 7,54f → Ablehnung
und Mord. Das Herz kann ein harter, oberflächlicher, geteilter oder verschieden
guter Boden sein. Nur Herzensglaube ist rettender Glaube (vgl. Röm
10,10).
33 Die folgenden sieben Gleichnisse sind von
Matthäus kunstvoll zusammengestellt. Die ersten vier Gleichnisse (Sämann – Unkraut
– Senfkorn – Sauerteig) sprach Jesus öffentlich zu allen Zuhörern, die drei
letzten (Schatz – Perle – Fischnetz) nur zu den Jüngern im Haus (V.36).
Vielleicht kann man daraus ableiten, dass die ersten vier Gleichnisse
beschreiben sollen, wie sich das Königreich der Himmel aus der Sicht der
Menschen entwickelt, während die letzten drei Gleichnisse beschreiben, was für
Gott in der Entwicklung des Königreiches wichtig ist. Das Gleichnis vom Säemann ist der
Einstieg, der beschreiben soll, wie das Königreich der Himmel durch die Predigt
Jesu beginnt und sich später durch die Predigt der Jünger weiter ausweitet. Die
darauffolgenden sechs Gleichnisse sind in zwei Gruppen zu je drei, wie auf
einer Perlenkette aufgereiht und stehen in folgender Beziehung zueinander: (1.)
Das Gleichnis vom Unkraut im Acker beschreibt wie durch den Teufel von
Anfang an falsche Bekenner (z.B. Judas Iskariot, Simon der Zauberer, ua.)
unter die wahren Gläubigen gemischt werden. (2.) Das Gleichnis vom Senfkorn
soll die unerwartet schnelle äußere und sichtbare Ausbreitung des
Himmelreiches (= des Christentums) andeuten. Diese Ausbreitung ist durchaus positiv,
denn die Völker, die das Christentum übernahmen, hatten dadurch Vorteile. Dass
nicht alle die sich zum Christentum bekennen wahre Gläubige sind, hat Jesus ja
schon im vorigen Gleichnis klargemacht. (3.) Das Gleichnis vom
Sauerteig soll im Gegensatz zum Gleichnis vom Senfkorn die gleichzeitige innere
negative Ausbreitung des Sauerteigs der Pharisäer (= Gesetzlichkeit),
der Sadduzäer (= Liberalismus) und des Herodes (= politisches Christentum) im
Himmelreich andeuten. Das Wort εγ-κρυπτω ("verbarg") in Vers 33 soll zum
nächsten Gleichnis überleiten, indem es in Vers 44 einen Gegensatz darstellt.
In beiden Gleichnissen ist etwas verborgen, hier Böses dort aber Kostbares. (4.)
Mit dem Gleichnis vom Schatz im Acker und mit dem Gleichnis von der
kostbaren Perle, kann nicht die Inbesitznahme des Himmelreiches durch den
Menschen gemeint sein, denn man muss sich das Himmelreich nicht erkaufen, ja man
kann dies gar nicht. Und niemand kann ehrlicherweise von sich behaupten, er
hätte alles für das Himmelreich hingegeben. Außerdem ist in allen
Himmelreichs-Gleichnissen (außer in Lk 12,16ff; Lk 18,1ff und Lk 18,10ff) die
männliche Hauptperson immer Gott oder Jesus, und so sicherlich auch in diesen
beiden Gleichnissen. Der Herr Jesus hat alles aufgegeben, um Mensch zu werden
(2Kor 8,9; Php 2,6-9), und um die ganze Welt (1Tim 2,6 ["…für alle"];
Joh 1,29) für sich zu erkaufen, wobei er natürlich besonders die Auserwählten
im Blick hatte, wie das nächste Gleichnis deutlich machen will. (5.) Das Gleichnis
von der kostbaren Perle beschreibt die stellvertretende Hingabe Jesu, um
speziell die von Gott auserwählten Gläubigen (Mt 20,28 ["…für viele"];
1Pet 2,24) für sich als sein kostbares Eigentum zu erkaufen. Beide
Gesichtspunkte, der Schatz im Acker und die kostbare Perle, finden sich auch in
folgenden Bibelstellen hintereinander: Heb 2,9; 1Joh 2,2; 2Kor 5,19 und Kol
1,19-21. (6.) Das Gleichnis vom Fischnetz schließlich beschreibt, als
Spiegelbild zum ersten Gleichnis vom Unkraut, wie am Ende des Zeitalters
die wahren Gläubigen von den falschen ausgesondert werden. Siehe dazu die Grafik
in: https://drive.google.com/file/d/1TrQWqZJvruaKGmDuCQGlZ3mN-sy1TlRx/view?usp=sharing
34 Das bedeutet die aufgehenden
Getreidekeimlinge wurden
erstickt, weil die Dornen schneller wuchsen und die Oberhand gewannen
(vgl. Lk 8,7).
35 In der Gräz.: das Zusammenbeißen der Zähne
vor Schmerz (1,295). Zu beachten ist, dass hier zuerst die Ungläubigen
abgesondert werden zum Gericht, in 1Thes 4,17 aber zuerst die
Gläubigen abgesondert werden zur Vollendung. Die Gerechten sind hier
der gläubig gewordene Überrest aus Israel, der auf der Erde zurückbleibt (Offb
14,1ff), um im tausendjährigen Königreich, unter dem König Jesus Christus,
Gottes irdisches Volk zu bilden.
36 Das Reich Gottes wird in den Gleichnissen meist
mit einem Menschen verglichen, der etwas Bestimmtes tut (14,101). Bis auf
einige offensichtliche Ausnahmen (z.B. Lk 12,16; 18,2), ist die männliche
Hauptperson in den Gleichnissen immer Gott oder der Herr Jesus. Daher wird die
männliche Hauptperson in Mt 13,3.24.31.44.45, sicherlich auch der Herr Jesus
selbst sein. Freilich wird das Gleichnis seit Jahrhunderten anders ausgelegt
und mit dem Mensch in Vers 44-45 soll der Sünder vor seiner Bekehrung gemeint sein.
Aber haben wir wirklich alles verkauft, bzw. aufgegeben, um das Himmelreich zu
erwerben. Und noch gravierender: kann man sich das Himmelreich erkaufen?
Sicherlich nicht!
37 Kein Zimmermann, sondern ein Handwerker, der
ganz allgemein mit Holz oder auch Stein arbeitete. Er stellte verschiedene
Möbelstücke, aber auch Pflüge und Dachbalken her (46,78f; 54,z.St.). Diese
Handwerker waren zurzeit Jesu für den Wiederaufbau des nahegelegenen Sepphoris
sehr gefragt, das 6 n.Chr. von den Römern gebrandschatzt worden war, dessen
Bewohner in die Sklaverei verkauft wurden und das danach wieder aufgebaut wurde
(65,I,122).
38 Ab Mai stiegen die Temperaturen in den
Sommer hinein bis auf 40° im Schatten. Alles, was nicht tiefe Wurzeln gebildet
hatte, wurde durch die Sonnenhitze verbrannt (46,131).
39 Die "Brüder und Schwestern" Jesu
waren sicherlich weitere leibliche Kinder von Joseph und Maria. Jesus war ja
der Erstgeborene (Lk 2,7) und Joseph "erkannte Maria nicht, bis
sie Jesus geboren hatte" (Mt 1,25), was impliziert, dass sie danach
normalen ehelichen Verkehr hatten, bei dem die Brüder und Schwestern Jesu gezeugt
wurden (25,II,127ff). Vgl. auch die Anm. bei Lk 2,7
40 Es gibt acht
Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart
werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7
41 Das bedeutet nicht,
dass er wegen ihrem Unglauben nicht mehr Wunder tun konnte, sondern er wollte
nicht mehr Wunder tun. Durch Wunder wollte Jesus den persönlichen Glauben
stärken und bestätigen ("Dein
Glaube hat dir geholfen"). Nur bei
Dämonenaustreibungen setzte er den Glauben des Besessenen nicht voraus, da er
gekommen war, um die Werke des Teufels zu zerstören (1Joh 3,8).
42 Die Akustik war vom
Wasser aus zum Ufer, sehr viel besser als an Land. Die vielen Menschen konnten
ihn so also besser hören.
43 Normalerweise wurde
in diesem Fall zuerst der höhergewachsene Weizen direkt unter der Ähre
abgeschnitten und der kürzere Lolch stehengelassen (65,I,119), doch die Anwendung
Jesu in Vers 40-43 verlangte es anders.
44 Zum Unterschied
zwischen der Königsherrschaft der Himmel und der Königsherrschaft Gottes
siehe die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1OlWcsaRD6zqysDt0AuTqm0o_vpPK0M-F/view?usp=sharing
45 Siehe dazu die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1d6hNT_KlgxXvdyOrW3ouejmSEIkbjuHA/view?usp=sharing
46 Siehe die Anm. bei Lk 8,17
47 Der Artikel ist ungewöhnlich, eigentlich unnötig und daher wahrscheinlich bewusst gesetzt, um auf den Acker in Vers 38 zurückzuweisen. Auch hier ist der Acker die Welt, in der der Schatz, die Gemeinde, noch verborgen ist, vgl. Kol 3,3; Joh 13,1b
Matthäus 14
1
Nach rabb. Verständnis war dies der 1.Abend, das ist die Zeit bis
Sonnenuntergang, von 15-18 Uhr (21,I,208).
2
Nach rabb. Verständnis war dies der 2.Abend, das ist die Zeit von
Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit, von 18-20 Uhr.
3
Mit Art.: auf einen ganz bestimmten Berg? Oder allg.: das Bergland (46,166).
4
Man teilte die Nacht in vier Abschnitte ("Nachtwachen") zu je drei
Stunden ein (vgl. 47,z.St.). Hier also zwischen 3-6 Uhr in der Nacht.
5
Herodes-Antipas,
der Tetrarch (ein Regent über den vierten Teil eines Herrschaftsgebietes). Der
sechste Sohn von Herodes dem Großen mit der Samariterin Malthake. Er erbte von
seinem Vater die Tetrarchien Galiläa und Peräa die ihm von Augustus übertragen
wurden und regierte von 4 v.Chr. - 39 n.Chr. Er war der politisch fähigste von den
Söhnen des Herodes. So wie sein Vater war er ein großer Bauherr. Die Stadt
Tiberias am See Genezareth wurde von ihm zu Ehren des Kaisers Tiberius erbaut.
Er heiratete die Tochter des nabatäischen Königs Aretas IV, ließ sich aber dann
von ihr scheiden um Herodias, die geschiedene Frau seines Halbbruders Herodes-Boethos/Philippus,
zu heiraten. Von Johannes dem Täufer wurde er dafür öffentlich gerügt, da dies
vom Gesetz Mose als Inzest verboten war (Lev 18,14). Herodes Antipas fürchtete,
wegen dem Einfluss den Johannes unter den Menschen hatte, eine Revolte gegen
sich und ließ Johannes daraufhin inhaftieren und später auf Drängen der
Herodias enthaupten. Von da an mehrte sich das Unglück im Leben von Herodes. König
Aretas IV. rächte sich für die Schmach, die seiner Tochter durch die Scheidung angetan
wurde und zettelte einige Jahre später (36 n.Chr.) einen Grenzkrieg gegen
Antipas an, bei dem Antipas eine schwere Niederlage hinnehmen musste. Josephus
und große Teile des jüdischen Volkes betrachteten dies als ein Gericht Gottes
für die Hinrichtung von Johannes. Mit Antipas
als Herrscher, hatte Jesus viele Jahre zu leben. Obwohl er kein König war,
wurde er oft vom Volk so bezeichnet. Wegen seiner Falschheit nannte ihn
Jesus einen "Fuchs" (Lk 13,31-32). Da Kaiser Caligula kurz nach
seinem Regierungsantritt seinem Günstling Herodes Agrippa I. den Königstitel
verlieh, ließ das dem Ehrgeiz seiner Schwester Herodias, die mit Herodes
Antipas verheiratet war, keine Ruhe. Sie trieb ihren Mann Herodes Antipas an,
im Jahr 39 n.Chr. ebenfalls nach Rom zu reisen und beim Kaiser, um den
Königstitel und eine Erweiterung seines Herrschaftsgebietes anzusuchen. Doch
Antipas wurde von seinem Neffen Herodes Agrippa I. bei Caligula angeschwärzt, weil er hinter dem Rücken des Kaisers Geheimabsprachen
mit den Parthern getroffen hatte, woraufhin ihm der Kaiser seine
Regierungsgewalt entzog und ihn ins Exil nach Lugdunum Covenarum verbannte.
Seine Frau Herodias folgte ihm (aus Liebe?) dorthin, obwohl sie hätte frei
bleiben können. Im Exil starb er. Als Ironie des Schicksals bekam dann sein
Neffe Agrippa I. von Kaiser Caligula die Tetrarchie des Antipas übertragen
(33,481; 42,592ff; 52,II,1092; Herodes Antipas –
Wikipedia).
6
Gemeint ist wahrscheinlich Herodes Boethos (Philippus I.), geb. ca. 22 v.Chr.
als der vierte Sohn von Herodes dem Großen und seiner dritten Ehefrau Mariamne
II. Er war ein Halbbruder von Herodes Antipas. Herodes der Große hat seinen Sohn
Herodes Boethos offenbar geschätzt. Denn nach der Hinrichtung von dessen beiden
Halbbrüdern Aristobul und Alexander wegen
angeblicher Umsturzpläne im Jahr 7 v. Chr. rückte der zu dieser Zeit etwa
15-jährige Herodes Boethos im Testament seines Vaters an die zweite Stelle,
unmittelbar hinter dessen ältestem Sohn Antipater (aus der Ehe mit der
ersten Gattin Doris). Als 4 v. Chr. die Umsturzpläne des Antipater gegen seinen
Vater aufgedeckt wurden und dieser als Erbe für König Herodes nicht mehr in
Frage kam, rückte Herodes Boethos sogar auf die erste Stelle in der Nachfolge
vor. Jedoch nur kurze Zeit. Bei den verschiedenen Verhören, denen zahlreiche
Personen am Königshof unterworfen wurden, stellte sich heraus, dass die Mutter
des Herodes Boethos, von dem geplanten Giftanschlag auf den König Kenntnis
gehabt, aber geschwiegen hatte. König Herodes verbannte sie zur Strafe
daraufhin von seinem Hof, enterbte ihren Sohn Herodes Boethos und setzte ihren
Vater Simon Boethos als Hohepriester ab. Während auf seine Halbbrüder Herodes
Antipas, Herodes
Archelaeus und Philippus nach dem Tod von Herodes
dem Großen 4 v. Chr., bei der Teilung des Erbes von Kaiser Augustus stattliche
Herrschaftsgebiete übertragen wurden, blieb Herodes Boethos aufgrund seiner
Enterbung unberücksichtigt. Er erhielt deshalb auch den Beinamen „ohne Land“.
Er blieb aber ein Mitglied des herodianischen Herrscherhauses und heiratete 6
n. Chr. seine damals 20-jährige Nichte Herodias, die eine Tochter des
hingerichteten Herodes Aristobul und zugleich eine
Enkelin Herodes des Großen war. Aus der Verbindung von Herodes Boethos und
Herodias ging ca. 8 n.Chr. die Tochter Salome hervor, die später
bei der Enthauptung von Johannes dem Täufer, durch ihren Tanz und
die Forderung nach dem Kopf des Johannes eine maßgebliche Rolle spielte.
Herodes Boethos lebte nach seiner Enterbung als ein Privatmann und hatte nie
ein Regierungsamt. Er verkehrte aber weiterhin mit den anderen Mitgliedern des
königlichen Hauses, unter anderem mit seinem Halbbruder Herodes Antipas. Flavius
Josephus berichtet, dass sich Herodes Antipas bei einem dieser Besuche
leidenschaftlich in seine Schwägerin und Nichte Herodias verliebte. Da Herodias
offenbar sehr ehrgeizig war und gerne die Ehefrau eines Tetrarchen werden
wollte, verlangte sie von Herodes Antipas, dass er sie heiraten muss, was
dieser ihr dann auch versprach. Herodias verließ daraufhin ihren Mann und auch Herodes
Antipas verstieß seine erste Frau Phasaelis, eine Tochter des
Nabatäerkönigs Aretas
IV.,
um Herodias zu heiraten. Diese Beziehung
war nach Lev 18,16 als Inzest verboten, und dieser doppelte Ehebruch erregte
bei den Juden Anstoß. Herodes-Antipas wurde auch öffentlich von Johannes dem
Täufer gerügt, worauf ihn Herodias anfeindete und Herodes ihn töten wollte,
dann aber doch, aus Angst vor dem Volk, nur inhaftieren ließ. Über das weitere Leben des Herodes
Boethos überliefern uns die Quellen keine weiteren Einzelheiten. Die Familie
seiner Mutter blieb jedoch bedeutend, da während der Herrschaftszeit des
Herodes Archelaeus bis zum Jahr 6 n.Chr., sowie zu späterer Zeit weitere
Hohepriester aus dieser Familie ernannt wurden (vgl. 2,90; 33,927; 42,592ff; Herodes Boethos –
Wikipedia).
7
Der Name der Tochter war Salome. Sie war zu diesem Zeitpunkt etwa 13 Jahre alt.
Ihr Vater Herodes
Boethos war
ein Sohn von Herodes und dessen dritter Ehefrau Mariamne II., die nach Angaben von Flavius Josephus als die "schönste Frau der damaligen Zeit" galt. Mütterlicherseits war Salome
die Urenkelin von Herodes dem Großen. Ihre Mutter war Herodias, deren Vater Aristobul selbst ein Sohn von
Herodes´ zweiter Ehefrau Mariamne
I. war.
Salome war nur kurz mit Philippus, Tetrarch von Ituräa, Golan und Trachonitis (er war ihr Onkel) verheiratet, der sich vielleicht beim
Geburtstagsfest von Herodes Antipas, wo sie tanzte, in sie verliebt hatte und
sie dann heiratete. Die kurze Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod ihres Ehemannes
im Jahr 34 n. Chr., heiratete sie ihren Vetter Aristobul, den Sohn des Königs Herodes von Chalkis und hatte drei Söhne mit
ihm. Die Hoffnungen Aristobuls, die Nachfolge seines Vaters antreten zu können,
zerschlugen sich jedoch, als der römische Kaiser Claudius dieses Königreich im
Jahr 49 n.Chr. an Herodes Agrippa II., den Vetter des Aristobul,
übertrug. Dies war sicherlich auch für Salome eine Enttäuschung. Aristobul
wurde jedoch einige Jahre später (54 n.Chr.) vom römischen Kaiser Nero, gleich
nach dessen Amtsantritt, zum König von Kleinarmenien ernannt. Salome wurde
dadurch zur Königin dieses Reiches, das mit der Hauptstadt Nikopolis westlich
von Großarmenien im nördlichen Anatolien lag. Es sind mehrere
Münzen mit Bildnissen und Inschriften von Aristobul und Salome als Königspaar
von Kleinarmenien erhalten (33,482; 2,90;
42,1180; Salome (Tochter der
Herodias) – Wikipedia).
8
Der kleine Handkorb für die Mitnahme von Lebensmitteln, wie ihn die Jünger
vorher für die Verteilung der Lebensmittel gebraucht hatten. Aber auch der
große und feste (Trag)Korb von 7-13 Liter Inhalt, wahrscheinlich am Rücken
getragen. Dieser wurde vor allem von Juden verwendet und ist vielleicht synonym
mit καρταλος, das ist der Korb, mit dem die Erstlingsfrüchte nach Jerusalem gebracht wurden (37,357). In LXX:
Rich 6,19; Ps 81,7.
9
Er "nötigte" sie wegen Joh 6,15! Dachten die Jünger, dass Jesus zu
Fuß um den See herum ans andere Ufer nachkam? Oder machten sie sich gar keine
Gedanken darüber, wie er zu ihnen kommen sollte? Er jedenfalls wusste
schon, wie er nachkommen würde!
10
1 Stadie waren ca. 192 Meter. Nach Joh 6,19 waren sie schon ca. 5 km gefahren,
also etwa in der Mitte des Sees. Schwere Stürme traten am See Genezareth oft
ganz plötzlich auf (65,I,125).
11
Hatte sich die Begebenheit von Mt 9,20ff bereits in Galiläa herumgesprochen?
Siehe die dortige Anmerkung zu den Quasten.
12
Wohl, um
allein zu sein und nicht um zu fliehen!
13
So auch im übertragenen Sinn in Mt 26,70ff, in Gal 2,11 und vielleicht sein
ganzes Leben lang! Eine Charakterschwäche, die sich vielleicht schon hier
andeutungsweise zeigt. Petrus ging auf dem Wasser (!), aber er fürchtete
den Wind (!) (21,I,211).
14
Nach jüdischer Sitte wurde zu Beginn der Mahlzeit immer vom Hausherrn oder dem
Gastgeber ein Brotfladen genommen und Gott für Speise und Trank gedankt, weil Gott
der Geber aller Nahrung ist und man ihn verunehren würde, wenn man ihm nicht
dafür dankt. Danach wurde das Brot gebrochen und an alle ausgeteilt (46,246f).
Das Brot diente, wie auch heute noch im Orient, als Löffelersatz zum Aufnehmen
der restlichen Speisen. Paulus setzt die Gewohnheit des "Tischgebets"
in 1Tim 4,4-5 auch für Gläubige voraus.
1
Ex 20,12; Dtn 5,16; Ex 21,17; Lev 20,9
2
Jes 29,13 (LXX)
3
Nach Mk 7,31 wanderte Jesus von Tyrus zum See Genezareth und dann am Ostufer
des Sees entlang in das Gebiet der Dekapolis.
4
od.: "Ihr begreift doch..., nicht
wahr"?
5
Übersetzung des hebr. qorban (vgl. Mk 7,11). Im Judentum wurde der
Ausdruck in einer Formel verwendet, womit man etwas dem profanen Gebrauch
entzog, und zu einer Gott oder dem Tempel geweihten Gabe erklärte. Zum Teil
handelte es sich bei dieser Weihe um eine reine Formsache, bei der eine
eigentliche Übergabe an den Tempel unterblieb. Es gab zwar verschiedene
Möglichkeiten, voreilig abgelegte Korban-Gelübde später unter bestimmten
Voraussetzungen zu annullieren, doch bestand wahrscheinlich, zumindest ein Teil
der Gesetzeslehrer zurzeit Jesu darauf, dass solche Gelübde (vgl. Num 30,2-3;
Dtn 23,22-24) in jedem Fall, jedenfalls in dem hier gemeinten Fall, bindend
waren (vgl. 2,96). Auf diese Weise entledigten
sich die Pharisäer auf fromme, heuchlerische Weise ihrer materiellen Pflichten
gegenüber ihren alten Eltern, den ihre so "geweihten"
Ersparnisse durften sie nicht für ihre Eltern verwenden. Vgl. Lev 2,1.4.12-13;
Spr 28,24
6
Der im Haus geduldete kleine Schoßhund oder Haushund, im Gegensatz zum
verachteten und herrenlosen Straßenköter. Er bekam die Abfälle vom Tisch. Jesu
Vergleich ist also keineswegs so verächtlich, sonst hätte er wohl κυων
(Strong Nr.: 2965) gewählt.
7
Die Frau verwendet die Verkleinerungsform παιδιον, weil es die kleinen Kinder
sind, die beim ungeschickten Essen noch Brösel verlieren. Im nächsten Atemzug
aber nennt sie die Juden anerkennend ihre "Herren".
8
Es scheint eigenartig, dass die Jünger diese Frage stellen, wo sie doch erst
vor kurzem die Speisung der 5000 miterlebten. Da sich Jesus aber im heidnischen
Gebiet der Dekapolis aufhielt (46,185f), waren sie wohl der Meinung, dass er
ein solches Speisewunder für Heiden nicht tun würde. Vgl. auch die Anm.
unten.
9
Die genaue Lage dieses Ortes ist nicht bekannt. Ein Teil späterer Textzeugen
nennt hier Magdala, eine
bedeutende Stadt an der Westseite des Sees Genezareth, die nach dem Talmud ca.
5km, also ca. 20 Minuten nordwestlich von Tiberias lag, der heutige Ort "El-Medschdel" (42,271). Nach Josephus eine der
größten Städte Palästinas, mit angeblich 40.000 Einwohnern, hellenistisch
geprägt, mit teilweise jüdischer Bevölkerung. Die Stadt hatte eine
Fischerflotte von über 230 Booten. Damit war sie ein Mittelpunkt des
Fischhandels am See Genezareth. In der Stadt gab es auch ein Hippodrom für die Unterhaltung
der heidnischen Einwohnerschaft (20,259; 46,134f). Vielleicht ident mit dem
alten Migdal in Jos 19:38 (52,III,872; 47,z.St.).
- Andere meinen "Magadan" sei
kein Ortsname, sondern nur eine aramäische Wendung, die den Jüngern bekannt
war, und "sein Zufluchtsort" bedeutet. Der Begriff Magadan, den
Matthäus hier verwendet, würde dann bedeuten: "die (glücklichen) Wasser
des Gad". In Mk 8,10 heißt der Ort Dalmanuta. Beides würde auf Tabgha hindeuten,
dass damals zu Kafarnaum gehörte. Dieser Platz liegt zwei Kilometer südlich von
Kafarnaum in der Nähe von sieben Quellen, und war der Ort, an den Jesus sich
gern zurückzog (54,z.St.). Andere wiederum identifizieren Magadan mit dem
Fischerstädtchen Tarichäa (65,I,129). Mit Sicherheit lässt sich die Örtlichkeit
aber nicht bestimmen (33,259).
10
Ein biegsamer Tragkorb, geflochten aus Weidengerten oder Schnüren und zu einer
Matte zusammenlegbar, der bis zu 50 Brotlaibe fasste (37,618), wahrscheinlich
größer als der Handkorb (Synonym Strong Nr.: 2894) und für längere Reisen
gedacht (21,I,219), auch groß genug, um Paulus darin aufzunehmen (Apg 9,25). Vielleicht
in kleinerer Ausführung als Essenskorb oder als Jausenkorb verwendet, um
Proviant mitzunehmen, Der
Unterschied zum Handkorb (Strong Nr. 2894) dürfte folgender sein:
Möglicherweise war der Tragkorb im Allgemeinen größer als der Handkorb,
jedenfalls aus anderem Material angefertigt. Der Unterschied in der Größe ist
umstritten, da beide Wörter Körbe unterschiedlicher Größe bezeichnen können
(vgl. 2,909; 37,357; dagegen: 34,II,65). Eher ist der Unterschied im Material
bedeutend, denn bei den 5000 Gespeisten, die ja Juden waren, wird das Wort "Handkorb"
verwendet, die Speisung der 4000 hier hingegen fand in heidnischem Gebiet statt
(Mk 7,31ff) und es handelte sich dabei sicherlich um Nichtjuden (46,185f). Dies
erklärt auch, warum die Jünger trotz der erst kurz davor gemachten Erfahrung
mit der Speisung der 5000 Juden nicht auf den Gedanken kamen, der Herr
würde dasselbe Wunder auch für Heiden machen, ganz besonders nach der
Erfahrung mit der kanaanäischen Frau, die von Jesus zuerst abgewiesen wurde
(Vers 23ff). Demnach könnten die beiden Wörter bloß zwei verschiedene Arten von
Körben bezeichnen, nämlich den bei Juden gebräuchlichen Handkorb und den bei
Heiden gebräuchlichen Tragkorb.
11
Der bei den Juden übliche Mahlsegen lautete: "Gepriesen seist du, Herr unser
Gott, du König der Welt, der das Brot aus der Erde hervorbringt" (46,188).
12
D.h.
nicht mitgerechnet die auch anwesenden Frauen und Kinder.
13
Das waren mündlich
überlieferte Vorschriften der großen jüdischen Rabbis. Als der "Zaun
um die Thora", regelten sie das Leben von gesetzestreuen Juden bis ins
Einzelne, gingen über das alttestamentliche Gesetz hinaus und galten als
verbindliche Norm.
Matthäus 16
1
Ps 62,13; Spr 24,12. Der Hinweis auf die Herrlichkeit, scheint sich auf die
darauffolgende Verklärung am Berg zu beziehen. Wer sein "Leben" für
Christus aufopfert, wird beim Richterstuhl Christi großen Lohn empfangen.
2
Vgl. Anm. bei Mt 15,37
3
πετρα ist das gewachsene Felsmassiv (37,511), πετρος aber nur ein
loser Felsbrocken aus diesem Massiv (der dann mit Werkzeugen zu einem Baustein
geformt werden konnte). Der Wechsel von πετρος zu πετρα ist daher
sicher ein Wortspiel (1,1318; 21,I,z.St.), das zum Gesamtbild passt: Die
Gemeinde wird als eine uneinnehmbare Festung gesehen, die auf einem Felsmassiv (πετρα)
aufgebaut ist. Der Grund auf dem die Gemeinde aufgebaut wird, ist nach 1Kor
3,11 ja Christus selbst, wobei er durch seine Auferstehung zugleich auch der
Eckstein wurde (Joh 2,19-22; Mt 21,42; Eph 2,20-21), und auch selbst der
Baumeister ist (Mt 16,18: "werde ich meine Gemeinde bauen"). Mit
dem Felsen ist daher wahrscheinlich einerseits der von Petrus gerade
artikulierte Glaube an Jesus als Gottes Sohn gemeint (vgl. Mt 7,24-25; 1Joh
4,15; 5,5), und zugleich Christus selbst als der Grund der Gemeinde. Wer diesen
Glauben an Jesus als Sohn Gottes hat, wird als lebendiger Stein vom Herrn in
den Tempel Gottes, der die Gemeinde ist, eingebaut (1Pet 2,4-6). Petrus war durch
sein Glaubensbekenntnis der erste Stein in diesem Fundament. Der herkömmlichen
Auslegung, dass Jesus mit dem Felsen nur sich selbst meint, widerspricht
das ταυτη ("diesen..."), welches dann überflüssig wäre. Außerdem
hätte sich Jesus dann deutlicher ausgedrückt, z.B. "Du bist nur
Petrus, ich aber ein Felsen auf den ich meine Gemeinde bauen werde".
In der oft angeführten Parallelstelle in 1Kor 10,4, wo Christus der Fels
genannt wird, geht es nicht um die Gemeinde. Der katholischen Auslegung,
dass der Fels Petrus ist, widerspricht die Wortwahl πετρα, denn dann
müsste es heißen, "und auf diesen πετρος werde ich meine Gemeinde
bauen". Oder noch deutlicher: "und auf dich Petrus (πετρος) werde ich
meine Gemeinde bauen". Außerdem war Petrus auch nach Pfingsten noch
wankelmütig (Gal 2,11-14).
4
Der Plural "Schlüssel" könnte
darauf hindeuten, dass Petrus dreimal das Königreich aufsperren wird, nämlich zuerst
für die Juden (Apg 2,37ff.), dann für die Samariter (Apg 8,14-17.20) und zuletzt
für die Heiden (Apg 10,44-48; 11,18; 15,7). Jedes Mal war dann der Zugang zum
Königreich Gottes für die betreffende Volksgruppe unwiderruflich, und bis
heute, offen. Dies würde auch der Reihenfolge im Missionsbefehl in Apg 1,8
entsprechen: Jerusalem – Judäa – Samaria – bis ans Ende der Welt. Es sind nicht
Schlüssel für die Gemeinde, sondern für den Zugang zum Reich Gottes.
5
"Binden und lösen" waren rabbinischer t.t. für die Lehr- und
Disziplinargewalt der Synagoge und der Rabbis, die Jesus hier auf Petrus, und in
Mt 18,18 auf die ganze Gemeinde, überträgt. "Binden" bedeutet: etwas
für verboten erklären (z.B. Apg 15,28-29), - oder jemanden bannen, d.h. den
Beschluss fassen, ihn aus der Synagogengemeinschaft auszuschließen (z.B. Apg
8,20-23; 1Kor 5,4.12 ua.). "Lösen" bedeutet: etwas für erlaubt erklären
(z.B. Mk 7,19b), - oder den Beschluss fassen jemanden wieder in die
Synagogengemeinschaft aufzunehmen (z.B. 2Kor 2,5-10). In Mt 18,18 wird jedoch
nur die Disziplinargewalt ("Gemeindezucht"), auf die ganze Gemeinde
ausgeweitet (36,544).
6
D.h. wohl, der Tod der Gläubigen und die dämonischen Mächte der Unterwelt
werden nicht dazu führen die Gemeinde zu vernichten (2,z.St.). Wörtlich:
"die Pforten des Hades". Das griechische Wort "Hades",
entspricht dem hebräischen "Scheol" (vgl. Jes 38,10; Hab 2,5; Hos
13,14), und bezeichnete damals den als Gebäude bzw. Festungsanlage gedachten
Bereich des Todes. Die Totenwelt, die man sich unter der Erde befindlich
vorstellte, war jedoch nicht der Aufenthaltsort Satans oder der Dämonen. Die
Pforten oder Tore des Hades sind ein Bild für die alles verschlingende Macht
des Todes und der Vergänglichkeit (vgl. 47,z.St.).
7
Umschriebenes Futurperfekt, d.h. das Vorausgesagte wird als ein sicher
eintretendes Ergebnis beschrieben (2,z.St.). - Eine Gemeindezucht die im
Sinne Gottes ausgeführt wurde ("binden"), war schon vorher im
Himmel von Gott anerkannt. Sie muss daher auch in allen Gemeinden auf der Erde
anerkannt werden. Natürlich gibt es leider manchmal auch Gemeindezucht die
nicht nach Gottes Willen ist (vgl. 3Joh 1,9-10). Diese braucht dann auch nicht
von anderen Gemeinden anerkannt werden. Als Umkehrschluss gilt natürlich auch,
dass eine Wiederaufnahme in die Gemeinde ("lösen"), nachdem Buße
geschehen ist (2Kor 2,5-10), von allen anderen Gemeinden anerkannt werden muss.
8 Das Wort "wollen" steht im Präsens und drückt damit eine
fortwährende oder immer wiederkehrende Handlung aus. Das griechische Wort ψυχη,
bedeutet Seele oder Leben, das eigene, wahre Selbst, die eigene Persönlichkeit
(54,z.St.). Gemeint ist daher wahrscheinlich, dass man immer wieder (Präsens)
in der Versuchung steht, das "Leben auszukosten", anstatt durch Selbstverleugnung
und Verzicht um Jesu willen, sein Leben aufzuopfern (vgl. Jer 39,18; Phil 1,21).
- Von dem indischen Wanderprediger Sadhu Sundar Singh wird folgende Begebenheit
erzählt. Als er wieder einmal mit einem Begleiter auf einer seiner
Missionsreisen nach Tibet über einen schneebedeckten Himalaja-Gebirgspass wanderte,
fanden sie am Wegrand einen erschöpften, halberfrorenen Wanderer. Sundar bat
seinen Begleiter, dass sie ihn zusammen weitertragen, damit er nicht erfriert.
Sein Begleiter sagte: "Auf keinen
Fall, sonst erfrieren wir alle drei", und ging
weiter. Sundar aber nahm den Erschöpften auf seine Schultern, und schleppte
sich weiter. Nach ungefähr einer Stunde, fand er seinen Begleiter neben dem Weg
im Schnee liegend. Dieser war vor Erschöpfung eingeschlafen und erfroren, Sundar
aber hatte sich durch die Anstrengung erwärmt und brachte sich und seinen
Geretteten sicher nach Tibet. Der Begleiter wollte sein "Leben" retten,
- und hat es verloren. Sundar war bereit sein "Leben" zu verlieren, -
und hat es gewonnen (Schaerer M.: Sadhu Sundar Singh, 2.Auflage, 1922; Seite
67ff).
9 Vielleicht wollte Jesus, dass sie einfach nachrechnen, denn bei der
ersten Brotvermehrung hatten sie nur fünf Brote, es waren aber 5000
Männer zu versorgen. Trotzdem blieben ihnen noch 12 Körbe voll übrig.
Bei der zweiten Brotvermehrung hatten sie sogar sieben Brote, doch
obwohl nur 4000 Männer zu versorgen waren, blieben ihnen nur 7
Körbe voll übrig. Die Lehre ist: Je weniger wir haben (nur 5 Brote) und je
größer der Bedarf ist (5000 Männer), desto mehr (12 Körbe) tut der Herr. Hier
hatten sie zwar nur ein Brot, aber sie waren nur 13 Männer. Wo war
also das Problem, wenn sie das Prinzip der Brotvermehrung gelernt hätten?
10 Während die Jünger um ihre materiellen Bedürfnisse besorgt sind, ist
Jesus um ihre geistliche Entwicklung besorgt. Gemeint ist das überbordende,
gesetzliche Lehr-System der Pharisäer, das menschliche Vorschriften zur Schrift
hinzufügte, und der Sauerteig der Sadduzäer, die Teile der Schrift wegließen
und liberal waren (vgl. die heutige liberale Theologie). In Mk 8,15 nennt Jesus
auch noch den Sauerteig des Herodes, der die Religion für politische Zwecke
nützte (vgl. z.B. die heutige Befreiungstheologie). - Beim Brotbacken wurde als
Treibmittel ein Stück gegorener Teig verwendet, der vom letzten Backen
aufgehoben wurde. So war stets Sauerteig im Haus. Der alte Sauerteig wurde
unter den frischen Teig gemischt, damit der ganze Teig durchsäuert wird. Weil
die Gärung als eine Art Fäulnisprozess wirkt, ist Sauerteig
"ansteckend" und in der Bibel immer ein Bild für das Böse.
11 Alle drei wurden von den Juden
zurückerwartet: Johannes, um sein Werk weiterzuführen, Elija als Vorläufer des
Messias, und Jeremia, um die Bundeslade zurückzubringen, die er angeblich in
einer Höhle versteckt haben soll (21,I,222).
12 Mit dem Ausdruck "kommend
in seiner Königsherrschaft", ist sicherlich die Herrlichkeit
gemeint, in welcher der Herr sechs Tage später von drei Jüngern auf dem Berg
der Verklärung gesehen wurde und welche Petrus in 2Pet 1,16-18, als Beweis für
die machtvolle und herrliche Wiederkunft Jesu bezeichnet.
13 Philippus
II. hatte die Stadt Paneas am südwestlichen Abhang des Hermon im Quellgebiet
des Jordan zur Hauptstadt seines Herrschaftsgebietes gemacht und zu Ehren des
Kaisers Cäsarea genannt. Die Stadt, die aus einer Anhäufung kleinerer
Siedlungseinheiten bestand, lag etwa 45 km nördlich von Betsaida, auf ca. 2000
m Höhe. Herodes baute in der Stadt einen Tempel für den Kaiser. In der Nähe gab
es eine Grotte, die dem Gott Pan geweiht war (54,z.St.; 65,I,131).
14 Der
Namenswechsel von Simon zu Petrus ist beachtenswert. Weder der aramäische
Name Kephas (= der gewachsene Fels) noch der griechische Name Petrus (= ein loser
Felsbrocken), wurden vor Jesu Zeit als Eigennamen gebraucht (1,1319). Jesus hat
diese beiden Namen also bewusst neu geschaffen (Joh 1,42). Simon war sein
natürlicher Name, der auf seine natürliche Wankelmütigkeit hinweist (z.B. Gal 2,11-14
ua.), Petrus (= Felsbrocken) aber der Name, der auf seine zukünftige Festigkeit,
aufgrund seines gerade geäußerten Glaubensbekenntnisses hinweist (36,537f). Wie
beschämend, dass unmittelbar danach in Mt 16,22-23 ein tiefer Fall des Petrus
kommt.
15 Vgl.
Spr. 22,3
16 Wenn
man in Jerusalem jemanden auf der Via Dolorosa mit einem Kreuzesbalken auf
seinen Schultern gehen sah, wusste man, dass er gekreuzigt wird und mit seinem
irdischen Leben abgeschlossen hat. Es geht hier also nicht um ein Schicksal,
z.B. eine Krankheit, welches man zu tragen hat, wie es oft verstanden wird,
sondern, dass man dieser Welt und ihren Lüsten entsagt hat.
17 Nach jüdischer Zählweise bedeutet das
nicht drei, sondern zwei Tage später, weil die angebrochenen Tage gewöhnlich
als volle Tage gerechnet wurden. Am ersten Tag würde er sterben, am zweiten Tag
im Grab ruhen und am dritten Tag auferstehen.
1 Nach Mal 3,1.23-24 erwarteten die Juden, dass
der Prophet Elija am Ende der Tage wiederkehren wird, - da er nicht starb,
sondern zu Gott entrückt wurde (2Kön 2,1-18), - und dann das Volk Israel auf
das kommende Endgericht vorbereiten wird (vgl. 47,z.St.). Offenbar war dies ein
Argument der Schriftgelehrten, dass Jesus daher nicht der Messias sein könne,
da Elija noch nicht gekommen war. Die Jünger waren dadurch verwirrt, aber sie
taten das einzig Richtige, sie befragten Jesus.
2 Die Jünger hatten am
Berg der Verklärung gerade eben eine Vorausschau auf die Wiederkunft Christi in
Macht und Herrlichkeit empfangen. Maleachi hatte aber vorausgesagt, "dass Elija zuerst
kommen müsse", bevor der
Messias kommt (Mal 3,1.23-24). Aber Elija war noch nicht gekommen (Joh 1,21). Jesus
erklärte, dass Elija in der Person des Johannes schon "in dem Geist und der
Kraft des Elija" gekommen
war (Lk 1,17). Hätte Israel die Botschaft von Johannes angenommen, dann hätte Johannes
die Rolle erfüllt, die über Elija vorausgesagt war (Mt 11,14). Aber sie lehnten
den Vorläufer ab und sie waren dabei auch Jesus als Messias-König abzulehnen,
weshalb sich das buchstäbliche Kommen des Elija und die Ankunft des
Messias in Herrlichkeit, in die Zukunft verschiebt (48,105). Vielleicht sind
mit den beiden Propheten in Offb 11,3ff Elija und Mose gemeint.
3 Vers 21 ist in späteren Hs. aus Mk 9,29 hier
eingedrungen (27,43).
4 Verneinter Imp.Präs.: "…fürchtet euch
nicht länger". od.: "…hört auf euch zu fürchten" (. Nach Lk 9,34
kam ihre Furcht, als sie die Wolke überschattete und ihnen den Blick auf Jesu
Herrlichkeit verstellte.
5 Damit sind sowohl die Jünger (vgl. Vers 20),
als auch der Vater (Mk 9,23-24) gemeint.
6 Wahrscheinlich der schwarze Senf (lat.: brassica
nigra), sein Samenkorn war ca. 1mm im Durchmesser, wegen seiner Kleinheit
sprichwörtlich in Palästina (2,z.St.).
7 "Berge versetzen" war
sprichwörtlich für die Beseitigung großer Hindernisse; vgl. Jes 40,4; 49,11;
54,10 (2,z.St.).
8 Die Bezeichnung für den Halb-Schekel, der
jährlich von Februar bis März für die Tempelsteuer von eigenen Steuereintreibern
eingehoben wurde, um die allgemeinen Ausgaben für den Tempeldienst zu bezahlen.
Jede männliche Person (außer Priester und Gesetzeslehrer), musste diese Tempelsteuer
bezahlen. Die Regelung gründete sich auf Ex 30,11-16. Die Juden in Galiläa
lehnten sie jedoch ab, was Jesu Einwand noch verständlicher macht (46,8ff.). Nach
der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr. musste diese Steuer an die Römer bezahlt
werden (Josephus, Antiquitates XVI,160), die sie für den Unterhalt heidnischer
Tempel verwendeten (65,I,135). Der Wert der Münze entsprach zwei attischen
Drachmen, also etwa dem doppelten Tageslohn eines Taglöhners. Nach Vorschrift
des Talmuds, musste es die Tyrische Doppeldrachme sein, die einen höheren
Silbergehalt hatte als die Antiochische (33,792).
9 1 Stater, entspricht dem Wert von 2
Doppeldrachmen, also 4 Denaren/Tageslöhnen. Diese Münze wurde in Tyros geprägt
und war mehr im Umlauf als die Doppel-Drachme (33,792).
10 Lukas schreibt, dass diese Begebenheit nach ungefähr
8 Tagen geschah, Matthäus und Markus sagen nach 6 Tagen. Wahrscheinlich rechnet
Lukas den Tag der vorhergehenden Unterredung und den Tag der Verklärung mit
ein, während die beiden anderen nur die Zeit dazwischen angeben. Oder man pocht
auf den Ausdruck ungefähr (20,302).
11 Im Griechischen steht bedrohen (επι-τιμαω). Diesen Ausdruck gebrauchte Jesus immer dann, wenn er Dämonen direkt anspricht
oder, wenn Satan hinter einer Sache steht (vgl. Mk 1,25; 3,12; 8,33; 9,25; Lk
4,35.41; 9,42 und Judas 1,9).
12 Almosenempfänger, zu denen Jesus offenbar
gerechnet wurde, mussten diese Steuer nicht entrichten (65,I,136).
13 Es war dies die gleiche Lichtwolke, die dem
Volk Israel in der Wüste vorausging (Ex 40,34-38), und die den salomonischen
Tempel bei seiner Einweihung umhüllte (2Chr 7,2). Kein Wunder, dass sich die
Jünger fürchteten, als sie in die Wolke hineinkamen (Lk 9,34).
14 Traditionell wird darunter der Berg Tabor in
Galiläa verstanden. Doch zurzeit Jesu befand sich auf dessen runder Kuppe eine
befestigte Burg, also kein Ort, wo man allein sein konnte. Die vorherige
Erwähnung von Cäsarea Philippi verweist eher auf den 2814 m hohen und
schneebedeckten Berg Hermon, nordöstlich von Cäsarea Philippi, zu dessen Gipfel
man ca. 7 Gehstunden unterwegs war. Wir sollten uns das Geschehen an einem der
Hänge, oder sogar am Gipfel, jenes majestätischen Berges vorstellen. Es war
kein Wunder, dass die Jünger nach diesem stundenlangen Aufstieg vor Müdigkeit
einschliefen (20,303; 54,z.St.). Auch die Tatsache, dass sie erst wieder am
nächsten Tag abstiegen (Lk 9,37), weist auf den langen Fußmarsch auf den hohen
Berg Hermon und auf den langen Rückweg hin.
Matthäus
18
1
Vers 11 ist nur in einigen unbedeutenderen Hs. aus Lk 19,10 eingedrungen.
2
Dtn 19,15
3
Also sind diese "Kleinen" noch verloren. Jesu Aussage über den Willen
des Vaters, ist ein klarer Beweis gegen die Lehre von der Vorherbestimmung zur
Verdammnis.
4
Der Kläger sagt es, unter Berufung auf die Zeugen, selbst der Versammlung, und
nicht etwa die Ältesten. Vgl. Dtn 17,7
5
D.h. der Herr Jesus ist Grund und Ziel des Zusammenkommens, wobei der Name für
die Person selbst steht, und die Anrufung seines Namens impliziert ist (2,120;
91,z.St.). Im Talmud heißt es: Wo zwei oder drei Juden zusammenkommen, um die
Thora zu studieren, ist die Sekinah Gottes in ihrer Mitte (34,II,124).
6
Petrus meinte großzügig zu sein, denn im Talmud (Tos. Joma 5,13) war aufgrund
von Amos 1,6, dreimal die Grenze von Gottes Vergebung (21,I,241; 84,112.175,
91,z.St.). Nach Lk 17,3-4 muss der Sünder aber Buße tun und es bereuen. Vgl. den
markanten Gegensatz in Gen 4,24, auf den der Herr vielleicht anspielen wollte
(13,52). Vgl. auch Gen 4,24
7
Im Pass. ein t.t.: zur Audienz vor den König (84,114.176).
8
Im Judentum wurden Sünden häufig als Schulden gegenüber Gott betrachtet und der
Erlass von Steuerschulden diente als Bild für Vergebung (38,I,799; 65,I,141). Ein
Talent war eine griechische Rechnungseinheit für einen Geldbetrag aus Gold-
oder Silbergeld. 10.000 Talente war die größte Zahl, mit der man rechnete und entspricht ca. 60 Millionen Denaren (später sogar, nach
J.Jeremias, 100 Millionen Denare; 14,208). Das ist der Lohn für den ein
Tagelöhner 192.000 Jahre hätte arbeiten müssen. Die Schuld umfasste eine
ungeheure Summe, die lebenslang nicht aufzubringen war. Die Jahreseinkünfte von
Herodes dem Großen z.B. betrugen nur 900 Talente, das Steueraufkommen von ganz
Galiläa und Peräa zusammen betrug im Jahr 4 n.Chr. nur 200 Talente. - Unter dem
"Diener" kann man sich etwa einen Statthalter eines orientalischen
Königs vorstellen, der ihm die Steuereinnahmen einer ganzen Provinz schuldete,
für die er persönlich haftbar war. Durch seine Misswirtschaft hatte er solch
großen Schaden für den König angerichtet (14,207f).
9
Vgl. die Anm. bei Mt 16,19. Hier aber bezieht es sich nur mehr auf die
Disziplinargewalt der Gemeinde, nämlich jemanden aus der Gemeinde auszuschließen
und, nach eingetretener Buße, wieder aufzunehmen.
10
Weil die Herde dann wieder vollständig ist.
11
D.h. bestätigt werde; od.: rechtsgültig entschieden werde.
12
Umschriebenes Futurperfekt, d.h. das vorausgesagte Ergebnis wird als sicher eingetreten
beschrieben, wobei die Verbindung der Zeitformen des Ind.Fut und des
Ptz.Perf.Pass. zeigen soll, dass die auf Erden gefassten Beschlüsse,
bereits zuvor im Himmel gefasst wurden (2,119; 65,I,139). Daher sind
Gemeindebeschlüsse (z.B. Gemeindezucht) nur unter der Voraussetzung verbindlich,
dass sie Gott gemäß gefasst wurden (vgl. Apg 15,28), was leider nicht immer der
Fall ist (z.B. in 3Joh 1,9-10).
13
Viell. effektiver Aor.: "… die (nach Beratung) zu einer Übereinstimmung
kommen und in dieser Sache eins sind". Die Ausdrücke "binden"
und "lösen" vom vorigen Vers auf eine besondere Vollmacht im Gebet (besonders
im Umgang mit Besessenheit) zu beziehen, scheint weit hergeholt zu sein. Jesus
will nur die Einmütigkeit der Gemeinde, die bei einem Gemeindeausschluss
nötig ist, auch als eine Bedingung beim gemeinschaftlichen Gebet deutlich
machen (91,z.St.). Vgl.
auch die Anm. bei Mt 12,29, Apg 19,19 und 1Joh 5,18b
14
Vgl. Lev 25,39.47; 2Kön 4,1-7. - Der Verkauf eines Sklaven brachte damals ca.
500 - 2000 Denare ein (14,209).
15
Impf.: Er wollte auf sein anhaltendes flehentliches Bitten (V.29) nicht hören. Ist
ein solch unbarmherziges Verhalten wirklich denkbar? Im auf die Gläubigen zu
übertragendem Sinn, gibt es leider bis heute zahlreiche Beispiele für solch ein
Verhalten unter Christen, - man will nicht vergeben. Ist uns bewusst, dass
unsere Mitgeschwister dabei traurig und verständnislos zuschauen und sich bei
Gott über uns beklagen.
16
Wahrscheinlich kausativ: "...er ließ ihn ins Gefängnis werfen" (2,z.St.).
17
Eventuell jur. t.t.: jmdn. vorführen lassen (2,z.St.).
18
Nach jüdischer Auffassung saß die Begierde in den einzelnen Gliedern (vgl. Röm
6,13). Darum wurde bei den Juden z. B. ein Diebstahl durch Abhauen der Hand
geahndet. Der Ort der ewigen Strafe ist die Feuerhölle, die Gehenna, wo die
Bösen nach dem Endgericht ewige Qual erleiden werden. Jes 66,24; Offb 20,14f
(47,z.St.).
19
Der Denar war die wichtigste Silbermünze im römischen Reich. Von Cäsar wurde
der Umrechnungswert im Jahr 49 v.Chr. auf 25 Denare = 1 Gold-Denar von 126,3
Gramm Feingold festgesetzt. Durch die Münzverschlechterung unter Nero ist der Umrechnungswert von 25 Denaren auf 115 Gramm
Feingold herabgesunken. Bezüglich der Kaufkraft in der damaligen Zeit: 1
Denar entsprach in etwa 1 Drachme, also
dem Tageslohn eines Mietarbeiters der damaligen Zeit. Der "gute
Samariter" in Lk 10,35 zahlte dem Betreiber der Herberge 2 Denare für die
Verpflegung des Verletzten (33,792). 100 Denare waren demnach eine relativ
geringe Schuld, im Vergleich zu den 10.000 Talenten.
20
Es geht hier um Auseinandersetzungen zwischen Brüdern, z.B. um finanzielle
Übervorteilung. Daher sagt Jesus "…sei er dir", obwohl sich
natürlich die ganze Gemeinde diesem Ausschluss anschließen wird. Zu beachten
ist der Kontext, in dem es um die Zurechtbringung und Rückführung des Sünders
geht (Vers 12). Vgl. zur Sache die Anm. bei 1Kor 5,9.
21
Wahrscheinlich entstand aufgrund des Vorfalls in Mt 17,16-20 ein Streit
darüber, dass die drei die mit Jesus auf dem Berg waren dachten, sie hätten mehr
Vollmacht gehabt als die neun zurückgebliebenen Jünger, die die Heilung nicht
durchführen konnten (vgl. Mk 9,33-38).
22
D.h. nicht nur ein buchstäbliches Kind, sondern überhaupt jeder Mensch mit
kindlich-demütigen Charakter? - z.B. Mitgläubige die "stolpern" wie eben ein Kindlein (vgl. Röm 14,1).
23
Die von
Eseln angetriebene römische Mühle, hatte einen größeren Oberstein mit großem
Gewicht (59,387), im Gegensatz zum
leichteren Stein der Handmühle, die von den Frauen gedreht wurde. Ein
drastisches Bild, - diese Person sinkt bildlich in die Tiefen des Meeres und
kommt nie wieder an die Oberfläche. Das ist "Hölle". Was für eine Warnung an alle modernen
Verführer, die einen "Stein
des Anstoßes" vor Einfältige
legen (z.B. Pädophilie, sexuelle Ausbeutung, usw.).
24
Die Folter wurde im Orient regelmäßig gegen untreue Stadthalter angewendet und diente
dazu, Auskünfte über beiseite geschafftes Geld zu erlangen, aber auch um den
Gefängnisaufenthalt so schlimm wie möglich zu machen, was hier wohl gemeint ist.
Im jüdischen Recht war diese Folter aber als unmenschlich verabscheut (14,210).
- Ein Gleichnis ist eine Bildrede und kein Lehrtext. Daher ist es unzulässig,
aus dieser Stelle eine Verlierbarkeit des Heils herauszulesen. - Die Anwendung
für Gläubige ist, dass sie unter eine Art Folter von Gott kommen
(Gewissensbisse, Segensentzug, usw.), wenn sie denen nicht vergeben, die sie um
Vergebung bitten. Wir können niemals unsere Lebensschuld, bis zum letzten Cent
bezahlen. Dies ist auch nicht nötig. Aber solange wir unseren Schuldnern nicht
vergeben, werden wir "gefoltert", - ohne dass wir dadurch unsere
ewige Errettung (Heb 5.9) verlieren.
25
Gott ist für seine Kinder nicht nur ein barmherziger "Papa", sondern
auch ein strenger Vater, der sie, wenn nötig schon hier und jetzt züchtigt,
damit sie später "nicht mit der Welt verurteilt werden" (1Kor 11,32). Wer unversöhnlich gegenüber seinen
Mitmenschen bleibt, kommt im übertragenen Sinn unter eine Art von geistlicher "Folter"
(48,111). Vgl. auch Mt 5,26
26
Die übliche Herdengröße war je eine Ziegen- und Schafherde von 220 Stück
(15,VI,246), bei den Beduinen aber auch nur 20 Stück. 100 Stück waren ein Mittelmaß,
300 Stück galten als ungewöhnlich große Herde (14,132). Jesus nimmt ein
Mittelmaß an, kein reicher aber auch kein armer Herdenbesitzer, aber wohlhabend
im Vergleich zur Witwe.
27
Im Orient wurden die obersten Beamten eines Königs als Sklaven oder Diener des
Herrschers angesehen (14,208). Wahrscheinlich meint Jesus Steuerbeamte in den
Provinzen (65,I,140). Das ganze Gleichnis setzt Verhältnisse außerhalb Israels voraus,
welche die Zuhörer allerdings aus Erzählungen kannten (84,114).
28
Indem der Knecht die Schuld zurückzahlen wollte, wäre sie zu einem Darlehen geworden.
Der König erlässt ihm aber alles.
29
In der LXX in Esra 4,7.9.17.23 ua. für hohe Beamte und Gouverneure von
Palästina und Syrien (14,209), hier wahrscheinlich ein untergebener
Steuerpächter des ersten Sklaven (84,115).
30
Gemeint ist die Gemeinde, denn sie ist die höchste richterliche Instanz
Gottes auf Erden (36,572), - und nicht etwa die Ältesten. Die Gemeinde
nimmt auf und die Gemeinde schließt aus. - Es gibt auch noch eine mildere
Form (2Thes 3,6-15) und strengere Formen (Röm 16,17f; 1Kor 5,1ff; 2Tim 3,5; Tit
3,10; 2Joh 1,10) der Gemeindezucht. Sie sind, so wie auch in der weltlichen
Gerichtsbarkeit, immer entsprechend der Schwere des Vergehens, und an dieses
angepasst. Wenn Buße geschieht, muss der Betreffende wieder in die Gemeinschaft
aufgenommen werden (2Kor 2,6-11). Für ein Überblick über die verschiedenen Formen
von Gemeindezucht siehe: https://drive.google.com/file/d/1S3mV4kyi8turFiQVF5mx_EYt0vriGDUB/view?usp=sharing
31
In Geschäftsdokumenten war dies in dieser Zeit das Standardversprechen
(65,I,141). Diese Antwort macht deutlich, dass er sich über die Größe seiner
Schuld nicht im Klaren war. Ist uns die Größe unserer Schuld vor Gott
bewusst?
32
Dies war nach jüdischem Recht verboten, bei heidnischen Herrschern aber
durchaus denkbar (84,114).
1 Gen 1,27,
5,2
2 Gen 2,24 (LXX)
3 Ex 20,12-16
4 Dtn 5,16-20
5 Lev 19,18
6 Sie kannten ja seine Ansicht über
Ehescheidung schon (Mt 5,31f.). Sie wollten ihn nur dazu verleiten, sich gegen
das Gesetz und damit gegen Mose zu stellen (vgl. Dtn 24,1ff.). Außerdem war er
im Hoheitsgebiet von Herodes, der im Inzest (πορνεια) lebte, da er ungesetzlicherweise
nach seiner Scheidung Herodias, die Frau seines Bruders Philippus geheiratet
hatte, nachdem diese sich von ihrem Mann scheiden ließ. Jesu Antwort
verurteilte demnach die Heirat von Herodes genauso, wie sie schon vorher von
Johannes verurteilt wurde, der Herodes aufforderte diese illegitime Ehe
aufzulösen (Mt 14,4).
7 Unverheiratet zu bleiben war in der
jüdischen Kultur absolut unüblich (65,I,144).
8 Da Ehen damals von den Eltern arrangiert
wurden, und die Frau dann vielleicht nicht den Vorstellungen des Mannes
entsprach, war diese Aussage durchaus verständlich.
9 Hier nur jüdisches Recht, da Matthäus für
Juden schreibt. Eine jüdische Frau konnte ihren Mann nicht entlassen. Vgl.
hingegen Mk 10,12 (und die dortige Anm.), der auch für Nichtjuden schreibt und
die Worte Jesu entsprechend dem römischen Eherecht auch auf die Männer
anwendet.
10 Im ganzen NT und auch von Matthäus selbst (Mt
15,19) wird Hurerei von Ehebruch unterschieden. Hurerei ist demnach der
Überbegriff, der verschiedene Ehevergehen beinhaltet. Vgl. die Anm. bei Mt 5,32
11 Im palästinischen Judentum gab es in dieser
Frage zwei verschiedene Lehrmeinungen, die strenge, aber unpopuläre von Rabbi
Schammai, und die liberalere von Rabbi Hillel die sich später durchsetzte.
Beide erlaubten zwar dem Mann (nicht aber der Frau) die Scheidung, und zwar,
wenn etwas "Schändliches" vorlag (Dtn 24,1). Sie stritten sich aber
über die Bedeutung dieses Ausdrucks. Während Schammai ihn auf Ehebruch beschränkte,
dehnte ihn Hillel, dessen Ansicht zurzeit Jesu vorherrschend war, auf alle
möglichen Vergehen aus, z.B. Unfruchtbarkeit, Geisteskrankheit, eine
ansteckende Krankheit, Zänkerei, wenn die Frau eine Speise anbrennen ließ, oder
wenn der Mann eine schönere Frau gefunden hatte. Jesus geht auf den
Scheidebrief erst ein, nachdem die Pharisäer nachhaken, weil für ihn Scheidung
grundsätzlich nicht Gottes Wille ist, auch nicht bei Ehebruch. Er schlägt sich
nicht auf eine der beiden Seiten, sondern betont Gottes ursprüngliche Absicht,
wonach die Ehe von Anfang der Schöpfung an eine prinzipiell unauflösliche
und [G1] lebenslange Verbindung von einem Mann mit einer
Frau sei (vgl. 2,123f). Jedes Abweichen von dieser ursprünglichen Absicht
Gottes, egal aus welchem Grund, entspringt der Schwachheit, Sündhaftigkeit und Hartherzigkeit des Menschen, und wird nur im Fall von
Hurerei von Gott zwar toleriert, aber nicht gutgeheißen! - Das "Schändliche" in Dtn 24,1 kann sich aber weder auf
vorehelichen Geschlechtsverkehr einer Verlobten noch auf Ehebruch beziehen,
denn in beiden Fällen musste der untreue Partner ja gesteinigt werden (Dtn 22,13-22).
Es muss demnach entweder eine Sache bezeichnen die geringfügiger als Ehebruch
ist, womit Rabbi Hillel argumentierte, oder vielleicht die Möglichkeit der Frau
die Steinigung zu ersparen, so wie im Fall von Joseph und Maria (vgl. 33,745). Es
ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass Josephs Entschluss, Maria heimlich
mit einem Scheidebrief zu entlassen, als "gerecht" bezeichnet wird (Mt
1,19). Jesus selbst nennt die Handhabung des Scheidebriefes in Vers 8 nämlich Hartherzigkeit. Das zeigt den höheren moralischen Standard
des Neuen Bundes, wie auch die Bergpredigt beweist. Vgl. auch noch die Anm. bei
Mk 10,12. Allerdings hat auch Gott selbst beim abtrünnigen Israel den
Scheidebrief angewandt (Jer 3,8; Jes 50,1), womit er nicht gänzlich verwerflich
ist.
12 vgl. auch die Anm. bei Mt 7,28
13 Dtn 24,1ff.
14 Ein Demonstrativpronomen, d.h. für Menschen
die in so kindlicher und vorurteilsfreier Art und Weise die Königsherrschaft
Christi annehmen. Daraus lässt sich keinesfalls schließen, dass Kinder, wenn
sie sterben, automatisch in den Himmel kommen. Bei einer anderen Gelegenheit
sagte Jesus, dass auch diese "Kleinen" grundsätzlich von Natur her
Verlorene sind, aber ihr kindlicher Glaube kann ihnen von Gott zugerechnet
werden, falls sie vor dem Erwachsenenalter sterben (vgl. Mt 18,1ff.6.14).
15 Das Wort wird in der Gräzität gebraucht für
Ciceros Wiederherstellung in Bezug auf Rang und Namen nach seiner Rückkehr aus
dem Exil. Ebenso von Josephus für die Wiederherstellung der jüdischen Nation
nach dem babylonischen Exil (11,I,450), hier für die Wiederherstellung der
gefallenen Schöpfung in paradiesische Zustände im tausendjährigen Reich. Die
Mütter wollten, dass Jesus den Kindern nicht nur die Hände auflegt, sondern
auch für sie betet. Jesus legte ihnen zwar die Hände auf, segnet sie aber nur.
Es gibt kein Beispiel im NT dafür, jemanden die Hände aufzulegen, wenn
man für ihn betet, - es sei denn man betet um seine Heilung.
16 Das Nadelöhr stand sinnbildlich für die
kleinste Öffnung, die man sich vorstellen konnte (1,1651). Der Arzt Lukas
verwendet in seinem Bericht das Wort "Chirurgennadel"! - Manche meinen zwar, es sei ein enges,
kleines Tor in der Stadtmauer Jerusalems gemeint, dieses gab es aber erst im
Mittelalter (33,362; 65,I,146).
17 Jesus korrigiert die Pharisäer: Mose gebot
den Scheidebrief nicht, sondern er erlaubte ihn nur wegen der Hartherzigkeit der Männer. Dies geschah zum Schutz der geschiedenen
Frau, damit sie nicht zum Spielball der Männer wurde. Denn der erste Mann
durfte sie nicht wieder heiraten, wenn sie nach seiner Entlassung wieder
verheiratet und nochmals geschieden worden war (Dtn 24,1-4). Jesus selbst toleriert
den Scheidebrief bloß, und dies auch nur im Fall von Hurerei. Scheidung und
Wiederheirat ist für ihn nie Gottes Wille und Plan. - Jesu Haltung zum Scheidebrief kann man also
zusammenfassen in: (1.) Er entspricht nicht Gottes ursprünglichen
Gedanken. (2.) Mose hat ihn nicht geboten, sondern nur gestattet.
(3.) Der Grund dafür ist der Schutz der geschiedenen Frau vor Willkür, und wegen
der Hartherzigkeit der Menschen.
18 Jesus will ihn damit testen, was ihm
wichtiger ist, sein Besitz oder die Nachfolge. Dies ist daher keine Bedingung
für jeden der Jesus nachfolgen will. Petrus verkaufte sein Haus nicht
(Mk 1,29), aber er verließ es eine Zeit lang, um mit Jesus
herumzuziehen. Die ersten Christen mussten ihre Besitztümer nicht verkaufen. Sie
verkauften ab und zu freiwillig, was sie nicht brauchten, um anderen Gläubigen
die in Not waren zu helfen (Apg 5,4; 2Kor 8,3; 9,7). Im NT finden wir auch
wohlhabende Gläubige von denen nicht verlangt wurde alles zu verkaufen (Lk
19,1ff; 1Tim 6,17-19).
19 Durativer Ind.Impf.: durch die
herausfordernden Ansichten Jesu (seit Mt 16,21ff), gerieten sie allmählich
außer sich (21,I,251).
20 Die vermeintlichen Diskrepanzen zu den
Berichten in den anderen Evangelien, werden gut erklärt in: 60,423ff.
21 Vgl. die Anm. bei Apg 26,7
22 "Vollkommen" bedeutet hier nicht: sündlos, sondern ganz Gott hingegeben, wie in Mt 5,48; Phil 3,15 und Jak 1,4
1 Wer im Reich Gottes groß werden will, soll
vorher ein freiwilliger Diener (διακονος) werden, und wer der Größte werden
will, soll sogar der Sklave (δουλος = der Befehle ausführt) von allen werden.
Bei der Fußwaschung hat Jesus das seinen Jüngern vorgemacht (Joh 13,12-17).
2 Rabbinisch entweder die Zeitperiode zwischen Sonnenuntergang bis zum
Einbruch der Dämmerung (= 1.Abend), oder von Einbruch der Dämmerung bis zum
Einbruch der Nacht (= 2.Abend). - Von Mt 20,1-12 werden die jüdischen Tageszeiten
genannt, die in den synoptischen Evangelien verwendet werden. Johannes
verwendet dagegen die römischen Tageszeiten. Vgl. Joh 18,28; 19,14 und
Joh 4,6, wo die 6.Stunde jeweils ca. 6 Uhr morgens ist.
3 od. imperativisches Ptz.: "Fange an...".
4 Als allg. Prinzip.
5 Effektiver Inf.Aor. mit Blick auf die Zukunft (44,z.St.).
6 Vgl. in 1Tim 2,5 (υπερ = im Hinblick auf alle). Der Opfertod Christi ist
also einerseits ein Heilsangebot an alle, andererseits aber ein stellvertretendes
Sündopfer nur für die Auserwählten. Stellvertretend wirksam wird
er nur für diejenigen, die es im Glauben annehmen.
7 Bei dem Wort πολλοι (= viele, aber eben nicht alle), wird immer eine
Minderheit, mindestens aber ein Einzelner, im Gegensatz zu einer Mehrheit
gesehen (36,607; 44,66; 91,407). Hier sind die "Vielen" die
Auserwählten, auf die das Lösegeld des stellvertretenden Opfertodes Christi
begrenzt wird (vgl. Jes 53,11-12; Mt 26,28; Joh 6,37.39.43.65; 10,3.26-27; Apg 13,48;
2Tim 1,9; Tit 2,14; Heb 9,28 ua.). Vgl. aber auch die Anm. zu 1Tim 2,6
8 In Mk 10,46 und Lk 18,35 wird nur ein Blinder genannt, und nur
Markus nennt uns seinen Namen, Bartimäus, vielleicht weil nur er seinen Weg in
die Urgemeinde fand (33,125). Sowohl bei Markus als auch bei Lukas geht es um den
Einzug nach Jericho durch das Südtor, hier bei Matthäus aber um den Auszug
aus der Stadt durch das Nordwesttor. Zwischen Mk 10,45 und Mk 10,46 ereignen
sich die Begebenheiten von Lk 19,1-27. In einer größeren Stadt wie Jericho gab
es sicherlich mehr Bettler, und jeder saß an einer anderen Stelle, wobei eines
der mehreren Stadttore die sich an allen Ausfallsstraßen befanden, der
lukrativste Platz zum Betteln war. - Andere beziehen den Einzug in Mk 10,46 und
Lk 18,35 auf das 2 km südlich gelegene Neu-Jericho, das Herodes aufbauen ließ,
wo am Stadttor sicherlich auch Bettler saßen (vgl. 54,72; 64,472). - Wieder andere
meinen, es wäre doch nur von ein und derselben Heilung die Rede (60,427f), wobei
nur einer der beiden Blinden auch namentlich in Erinnerung blieb. Doch dies ist
eine sehr unwahrscheinliche Erklärung, denn Markus gibt wieder, was der
Augenzeuge Petrus ihm mitgeteilt hat und Lukas hat genau recherchiert.
9 Der scheinbare Widerspruch zu Mk 10,35, wo berichtet wird, dass die
beiden Jünger selbst ihre Bitte vor Jesus brachten, lässt sich folgendermaßen
auflösen. Die Mutter war von ihnen vorgeschickt, sie waren aber auch dabei und
bekräftigten die Frage. Daher antwortet ihnen Jesus auch in Vers 22: "Ihr
wisst nicht…". - Der Grund für ihre Bitte lag wohl in Jesu Verheißung in Mt
19,28 (vgl. 60,427).
10 Jemandes "Kelch trinken" bedeutet so viel wie, an jemandes
Schicksal teilhaben (vgl. 47,z.St.). Und dies wurde ihnen auch auferlegt, denn Jakobus
wurde von Herodes enthauptet und Johannes auf die Insel Patmos verbannt, wo er
zu leiden hatte.
11 Dieses Gleichnis ist auch eine Antwort auf die Frage des Petrus in Mt 19,27.
Im Talmud gab es ein ähnliches Gleichnis, aber im genau entgegengesetzten Sinn:
die Juden die viel gearbeitet haben, werden viel bekommen, die Heiden die wenig
gearbeitet haben, werden nur wenig bekommen (65,I,148). Vielleicht griff Jesus dieses
Gleichnis auf und deutete es bewusst um (vgl. 14,138).
12 Dies war der übliche und angemessene Tageslohn für einen Taglöhner
(38,I,831; 65,I,147).
13 Der Companion, Genosse, Gefährte, Partner, Freund oder
"Kumpel". Auch als Anrede für jemanden, dessen Namen man nicht weiß (2,z.St.).
An allen drei Stellen im NT (Mt 20,13; 22,12; 26,50) an Verschuldete gerichtet
(14,137).
14 Im Gegensatz zur ersten (Mt 16,21ff) und zweiten (Mt 17,22-23)
Leidensankündigung, gibt es hier keine Reaktion von Seiten der Jünger.
15 Soweit wir aus den Evangelien-Berichten schließen können, kam Jesus hier
das erste und das letzte Mal nach Jericho. Für die Blinden war dies daher die
einzige Chance auf Heilung, - und auf Errettung. Sie hatten schon von Jesus
gehört und glaubten, dass er der Messias ist (Vers 30b), und sie nützten ihre einzige
Chance, wurden geheilt und folgten ihm nach. - Die Palmenstadt Jericho liegt 10 km
nördlich des Toten Meeres und 8 km westlich des Jordans, in einer äußerst fruchtbaren
Gegend, da es dort seit Jahrtausenden ganzjährig wasserführende Quellen und
eine Palmenoase mit subtropischem Klima gibt. Schon sehr früh (ca. 8000 v.Chr.)
wurde der Ort besiedelt. Sowohl die Zerstörung Jerichos durch Josua als auch
die darauffolgende jahrhundertlange Brachliegung (vgl. Jos 6,24-27) sind archäologisch
nachweisbar (die Hügel Tell es-Sultan und Tulul Abu el-Alayiq). Die
Stadt ist mit 259 m unter dem Meeresspiegel die tiefst gelegene Stadt
der Welt und ca. 25 km von Jerusalem entfernt. Westlich der Stadt erheben sich
abrupt die Berge Judäas. Da Jerusalem 750 m über dem Meeresspiegel liegt,
sind ca. 1000 Höhenmeter von Jericho nach Jerusalem zu bewältigen. Nahe der kleineren
antiken Stadt baute Herodes der Große die Neu-Stadt mit einem Durchmesser von
3,8 km, die seinen pompösen Winterpalast, ein Lustschloss, ein Amphitheater und
ein Hippodrom beherbergte, in dem er kurz vor seinem Tod die angesehensten
judäischen Männer mit der Absicht einsperren ließ, sie noch kurz vor seinem Tod
ermorden zu lassen, damit bei seinem Begräbnis ein Klagegeschrei in Judäa sei,
das sonst wohl ausgeblieben wäre. Flavius Josephus rühmte die herrlichen Gärten
von Jericho, die schon Mose vom Berg Nebo aus bewunderte (Dtn 34,3). Jericho
war "das
Paradies von Palästina". Jericho war eine der wohlhabendsten
Städte von Judäa und ein wichtiger Handelsplatz, speziell für die Ausfuhr von
Balsam. Eine von Peräa über die Jordanfurt kommende Straße führte von Neu-Jericho
nach Jerusalem. Damit war Jericho eine Zollgrenze mit einer Zollstelle, an der
Zachäus Oberzöllner war. Heute ist Jericho (arab.: er Riha) nur mehr ein
armseliger Flecken (20,475.477; 33,563ff; 42,679; 46,15.95.259; 52,II,1343; 54,z.St.;
65,I,149).
1
Ein Dorf
am Ostabhang des Ölbergs, ca. 1,5 km vor Jerusalem gelegen, östlich von
Bethanien. Als ein Vorort Jerusalems lag es direkt vor dem Tempelberg,
wahrscheinlich nahe der alten Römerstraße, die von Jericho nach Jerusalem
führt. Die Bedeutung des Namens ist "Haus der unreifen
Feigen"
(33,135; 46,270f; 54,z.St.).
2
Ps 118,25-26. Hebräisch: "Hilf doch!",
ein Hilferuf an Gott und ein Lobpreis an Gott (54,z.St.).
3
Das Verkaufen und Kaufen fand im Vorhof der Heiden statt, daher das Zitat aus
Jes 56,7
4
Mischzitat aus Jer 7,11 und Jes 56,7. Im Tempelbezirk konnten die
Tempelbesucher Opfertiere kaufen und zur Bezahlung der Tempelsteuer heidnisches
Geld in Münzen ohne heidnische Götter- oder Herrscherbilder wechseln (vgl.
47,z.St.). Der Wechselkurs war im Tempel zwar nicht hoch, aber doch ein sicheres
Geschäft für die Geldwechsler (65,I,151). Vgl. zur Tempelreinigung auch noch Jer 19,1-15
5
Wenn man den Ps 8,1-4 in der LXX liest, aus dem Jesus Vers 3 zitiert, hat man
dort den Eindruck, der Vers 3 wäre eingeschoben, - er unterbricht den
Zusammenhang von Vers 1-4. Wir merken hier, wie Jesus mit der Schrift erfüllt
war. Er konnte in diesem Augenblick klar erkennen, dass der Jubel der Kinder
eine Erfüllung von Psalm 8,3 war. Vielleicht war dies auch der Grund, warum
Paulus (1Kor 15,27) und später der Schreiber des Hebräerbriefes (Heb 2,6-8) den
Rest des Psalms unter der Eingebung des Heiligen Geistes auf Jesus anwendeten. Jesu
Schüler Petrus hat dies in Apg 1,1,20ff ebenso mit Ps 69,26 und Ps 109,8 getan,
als er erkannte, dass sich diese Verse auf Judas beziehen. Psalm 8 wurde in der
rabbinischen Literatur nicht messianisch verstanden (34,II,717).
6
Zitat aus Ps 118,22-23, der auch in rabbinischer Literatur messianisch
verstanden wurde (21,I,268).
7
"Berge
versetzen" ist ein rabbinisches Sprichwort für Unmögliches tun bzw. für
das Beseitigen großer Hindernisse. Es ist also keine Ermutigung,
irgendetwas Unsinniges von Gott im Gebet zu erbitten. Vgl. Jes 40,4; 49,11;
54,10; 1Kor 13,2 (2,z.St.).
8
Die vorjährigen
Früchte des Feigenbaumes die am Baum überwintert haben, wachsen heran, noch ehe
die Blätter austreiben (91,420ff). Diese bilden dann einen Schutzmantel um die
reifende Feige. Wenn ein Feigenbaum Blätter hat, sollte er also auch schon
unreife Früchte darunter haben, wenn nicht ist er krank und nutzlos. "Ein Feigenbaum am Ostabhang des Ölberges
an geschützter Stelle ist ganz an seinem Platz… Eine zeitige Entwicklung der
ersten, gleichzeitig mit den Blättern an den Enden der vorjährigen Triebe
erscheinenden Früchte, ließ sich erwarten. Aber von ihrer Reife konnte um die
Osterzeit keine Rede sein. Denn im April gibt es nur unentwickelte Feigen …
aber noch längst nicht die reifen, saftigen Frühfeigen … die erst im Juni zu
erwarten sind, geschweige denn die eigentlichen, weniger saftigen Feigen der
Haupternte, welche … im August reif werden. Aber der Orientale isst auch die
noch saftlose Frucht und selbst die kleinen unentwickelten Feigen, obwohl sie
bitter schmecken. Der volle Blätterschmuck des Baumes zu ganz ungewöhnlich
früher Zeit, ließ mit Recht Außerordentliches auch in Bezug auf die Früchte von
ihm erwarten, wenn aber der Trieb der Früchte fehlte, versprach er auch für die
Zukunft keinen Nutzen. Er würde in diesem Jahr keine Feigen tragen"
(46,277ff.; 65,I,262). Jesus suchte nach den kleinen,
trockenen Vorfeigen (paggim), die aus Blütenanlagen des Vorjahres
entstehen und schon Anfang April unter den neuen Trieben des Baumes zu finden
sind. Sie werden dann abgeworfen, wenn später an der gleichen Stelle die
sogenannten Frühfeigen (bikkurah) wachsen, die Anfang Juni reif sind. Im
August sind dann die großen Feigen (tena) reif, die an den neuen Trieben
gewachsen sind (54,z.St.). Der unfruchtbare Feigenbaum wurde oft als ein
Bild für Israel angesehen, eine äußerliche Religion ohne Früchte (vgl. Hos 9,16).
Jesus sah voraus, dass die so herrlich aussehende Stadt Jerusalem und das Volk
der Juden, keine Frucht für Gott tragen wird und der Fluch auf ihnen lag (Lk
13,6ff). Darum verfluchte er zeichenhaft den Feigenbaum, der ja ohnehin
unfruchtbar war, und für ihn symbolisch für Israel stand. Es war keine zornige
Willkür, die ihn dazu antrieb, den Baum zu verfluchen.
9
Es gibt hier keinen Widerspruch zu dem Bericht in Mk 11,12-14.20-24. Matthäus
berichtet die Verfluchung des Feigenbaums nach dem Bericht über die
Tempelreinigung, weil er sein Material nicht chronologisch, sondern thematisch
ordnet (91,419; siehe auch die Einleitung zum Matthäusevangelium). Markus
hingegen hält sich an die Chronologie der Ereignisse und berichtet, dass die
Verfluchung des Feigenbaums bereits vor der Tempelreinigung erfolgte,
aber von den Jüngern erst am Rückweg bemerkt wurde (60,430f; 64,474f). Matthäus
zieht also beide Berichte von Markus zusammen, der Feigenbaum vertrocknete zwar
auf der Stelle, die Jünger bemerkten es aber erst am nächsten Tag, als er
vollständig von den Wurzeln an verdorrt war, was man sofort an den
herabgefallenen Blättern erkennen konnte. Daher auch bei Markus das Perfekt:
"…ist verdorrt" (Mk 11,21).
10
Der Herr starb außerhalb der Stadt.
11
Der Haupteckstein war
der erste Grundstein, der bei einem Gebäudeneubau gelegt wurde. Das Maßband und
das Lot wurden dann an ihn angelegt, und von ihm aus die weiteren Steine
aufgelegt. Christus wurde durch die Auferstehung der Eckstein der Gemeinde, die
Gläubigen werden danach als lebendige Steine an- und aufgebaut. Auch
die anderen Bibelstellen (Jes 28,16; Apg 4,11; Eph 2,20; 1Pet 2,4) in denen der
Eckstein erwähnt ist zeigen klar, dass es sich nicht um den Schlussstein
eines Kuppelbaus handelt (21,II,127).
12 Die ursprüngliche
Bedeutung von "Hosanna" ist: "Bring doch Hilfe!" Später ist das Wort unter Verlust des
ursprünglichen Sinns zur liturgischen Formel geworden (vgl. 47,z.St.).
13 Vgl.
2Kön 9,13. Eine übliche Geste, wenn Könige in eine Stadt einzogen (21,I,261).
14 Das Pachtgeld war ein Teil der Früchte, die dem Eigentümer nach
Absprache zustehen (Lk 20,10; 20,496). Im übertragenen Sinn sind hier die
Früchte der Gerechtigkeit gemeint (Jes 5,7).
15 Jesus impliziert damit, dass er der Messias war, was sie aber
nicht anerkennen wollten.
16 Die Pharisäer und Schriftgelehrten hielten eine Buße der Zöllner
für so gut wie unmöglich, weil diese habgierig waren und weil Buße nach ihrer
Vorstellung nur möglich war nach voller Erstattung der unrechtmäßig
eingetriebenen Zölle (38,II,247ff).
17
Hier geben die Hohepriester selbst die Antwort, bei Markus und Lukas gibt Jesus
sie. Wahrscheinlich ist ihre Antwort hier im ironischen Sinn zu verstehen: "Ja
natürlich wird er sie umbringen, aber was hat das mit uns zu tun"?
In Mk 12,9 und Lk 20,16 (vgl. die Anm. dort) bestätigt Jesus ihr ironisches Urteil
damit ihnen klar wird, dass er von ihnen spricht (20,498).
18
Jes 62,11; Sach 9,9. Die Juden erwarteten, dass der Messias in Macht und
Herrlichkeit vom Ölberg herabkommt und dann durch das Goldene Tor in den Tempel
einzieht. Jesus kommt hier zwar anders als sich das Volk das Kommen des Messias
vorstellte, aber dennoch ganz im Einklang mit den Prophezeiungen in Bezug auf
sein erstes Kommen. Erst sein zweites Kommen wird dann in Macht
und Herrlichkeit sein (Jes Gemeint sind, Früchte der Gerechtigkeit 11,4b; Sach
12,9ff; 14,3ff). Hätte das Volk Jesus als Messias angenommen, hätte sich Sach
9,9 damit erfüllt, und das Reich Gottes wäre angebrochen. Doch weil sie ihn
ablehnten, wurde die endgültige Erfüllung der Prophezeiung in die Zukunft
geschoben. - In Mk 11,2; Lk 19,30 und Joh 12,14 ist nur von einem Eselsfüllen die
Rede, auf dem Jesus dann auch ritt, um die Prophezeiungen zu erfüllen. Auf dem
Füllen saß noch nie jemand (Mk 11,12), es war also noch so jung, dass ganz
selbstverständlich auch das Muttertier mitgenommen werden musste, um dem Füllen
vorauszugehen (60,429; 64,474). Matthäus war Augenzeuge und erwähnt daher
dieses Detail.
19
Eigentlich war das nicht gestattet. Jesus setzt sich über diese Tradition hinweg
(65,I,152).
20
Zu den Festen waren manchmal bis zu 500.000 Pilger in der Stadt (65,I,152).
21
Jesu Antwort ist sehr weise. Hätte er ihnen geradeheraus die Wahrheit gesagt,
dass seine Vollmacht von Gott kommt, hätten sie ihm ohnehin nicht geglaubt. So
aber rührt er ihr Gewissen an und überführt sie mit seiner Gegenfrage, damit
sie sich selbst eingestehen, dass sie sich aus Menschenfurcht nicht getrauen,
ihre Meinung offen zu sagen. Sie haben den Vorläufer Johannes abgelehnt, sie
würden auch ihn, den Messias ablehnen. Daraus könnten wir lernen, Ungläubigen,
die uns durch ihre Fragen nur provozieren oder uns in Verlegenheit bringen
wollen, gar nicht zu antworten (vgl. Mt 7,6). Aber auch auf das Gebet kann man
eine Anwendung machen. Wenn wir Gott mit falschen Motiven befragen, kann es
sein, dass er uns nicht antwortet (vgl. 1Sam 14,37; 28,6).
22 Höchstwahrscheinlich
ist Jesus durch das Osttor, das sogenannte Goldene Tor, direkt in den
Tempelbezirk hineingegangen und hat sofort mit der Tempelreinigung begonnen. Im
Jahr 70
n. Chr. wurde bei der Zerstörung Jerusalems auch dieses Tor zerstört. In den
Jahren 1537-1541 n.Chr. erfolgte der Wiederaufbau der Stadtmauer unter dem
türkischen Herrscher Süleyman dem Prächtigen. Da dieser sich dabei an
den Grundmauern der antiken Stadtmauer orientierte, wurden Stück für Stück auch
die Stadttore wiedererrichtet. Das Goldene Tor wurde aber gleich nach dem
Wiederaufbau auf Befehl von Süleyman wieder zugemauert und versiegelt. Die
Versiegelung des Tores wird häufig so interpretiert, dass Süleyman und seine
Zeitgenossen, dadurch die Ankunft des jüdischen Messias hätten verhindern wollen,
der nach jüdischem Glauben aufgrund von Mal 3,1 und Hes 43,2 am "Ende aller Tage" eben durch dieses Tor in die
Stadt und den
dann wiedererbauten Tempel einziehen soll. Nach der jüdischen
Überlieferung wird die Bezeichnung Scha'ar harachamim ("Tor des Erbarmens") darauf zurückgeführt, dass, als
die Sekinah, die Herrlichkeit Gottes, den
Tempel verließ, sie zuerst durch dieses Tor und dann auf den Tempelberg emporgestiegen sei. Hesekiel 44,1-3 wird von Christen oft
so ausgelegt, dass die Herrlichkeit Gottes in der Person Jesu Christi durch
dieses östliche Tor in den Tempel kam und das Tor nun bis zur Ankunft des Messias
verschlossen bleibt, bis der wiederkommende Messias Jesus Christus aufgrund von
Hes 43,2, dann durch dieses Tor in den wiedererbauten Tempel hineingehen wird (46,276).
Jedenfalls verließ die Herrlichkeit Gottes zur Zeit Hesekiels den Tempel durch
dieses Tor und auch Jesus verließ vor seinem Tod die Stadt durch dieses Tor, um
dann vom Ölberg in den Himmel aufzusteigen (vgl. Hes 10,19b; 11,1.22-23). Siehe
Infos in: ttps://www.bing.com/videos/search?&q=goldenes+tor+jerusalem&view=detail&mid=219EFFFC373785FEC5C3219EFFFC373785FEC5C3&FORM=VDRVSR&ru=%2Fvideos%2Fsearch%3Fq%3Dgoldenes%2Btor%2Bjerusalem%26%26FORM%3DVDVVXX&ajaxhist=0
23 Betanien liegt 3 km östlich von Jerusalem. Es ist einer der drei Orte, in denen nach der Tempelrolle von Qumran Aussätzige wohnen sollten (vgl. Mt 26,6; 54,z.St.). Jesus hat gerne im Haus der Martha und Maria genächtigt, wenn er in Jerusalem war.
24 Das Zahlwort eins könnte darauf hinweisen, dass es sich um einen alleinstehenden Feigenbaum handelte, der niemals befruchtet wurde. Smyrna-Feigenbäume sind vollständig von der Feigenwespe abhängig, um Früchte zu tragen. Die weiblichen Blüten des Smyrna-Feigenbaums sind so strukturiert, dass die Feigenwespe ihre Eier ablegen kann, während sie gleichzeitig die Blüten bestäubt. Ohne die Feigenwespe erfolgt keine Befruchtung, und es entstehen keine Früchte.
25 Damit sind die Propheten bis Johannes dem Täufer gemeint. Bei Markus und Lukas (Mk 12,2-5; Lk 20,10-11) ist immer nur von einem Knecht die Rede, weil es sich bei den vielen Propheten um jeweils einen anderen Propheten handelte, den Gott schickte (z.B. 1Kön 19,14; 2Kön 21,10-16 ua). Zuletzt sandte er seinen Sohn, der als Sohn deutlich von den vorigen Propheten unterschieden wird (Heb 1,1-2). Damit gibt Jesus seine nachträgliche Antwort auf die Frage der Hohepriester nach seiner Vollmacht (Mt 21,23).
26 Nur Matthäus unterscheidet zwischen "Reich Gottes" und "Reich der Himmel", da er beide Ausdrücke gebraucht. Das "Reich der Himmel" umfasst bei ihm nur Menschen auf dieser Erde, und zwar gute, aber auch böse Menschen (vgl. Mt 13:24ff. ua), weil diese sich die Bösen nur äußerlich unter die Herrschaft dieses Reiches stellen (vgl. Mt 7:21-23). Der Ausdruck "Reich Gottes" hingegen bezeichnet bei ihm ganz allgemein Gottes ewige und souveräne Herrschaft über die ganze Schöpfung einschließlich der Engel und der Dämonen. Matthäus verwendet den Ausdruck "Reich Gottes" nur selten und immer mit einer besonderen Bedeutung. Hier in Mt 21,43 spricht er vom "Reich Gottes" (und eben nicht vom "Reich der Himmel" welches das verheißene Königreich Davids ist), das den Juden weggenommen und einer anderen Nation (d.h. der Gemeinde) gegeben wird.
Matthäus 22
1 Zur
Schwagerehe siehe Dtn 25,5 und Gen 38,8. Die darauffolgende Geschichte stammt aus dem
apokryphen Buch Tobias. Der eifersüchtige Dämon Asmodi tötet dort die ersten
sieben Männer der Frau (65,I,268.403). Obwohl die Sadduzäer nur die fünf Bücher
Mose als inspiriert anerkannten, bedienten sie sich ohne Skrupel
außerkanonischer Schriften, wenn es ihren Zwecken diente. Die liberalen
Theologen heutzutage, agieren in ähnlicher Weise.
2 Ex 3,6
3 Dtn 6,5; Jos 22,5 (LXX); d.h. aus ganzen
Kräften (Ps 103,1b).
4 Lev 19,18. Daraus die Notwendigkeit einer "Selbstliebe"
abzuleiten ist absurd. In dem Maß wie sich ganz selbstverständlich jeder selbst
liebt, sollen wir auch unseren Nächsten lieben.
5 Ps 110,1. Für die Schriftgelehrten zurzeit
Jesu war dieser Psalm von David und messianisch zu verstehen (34,II,405.720f),
und nicht für David, wie manche liberale Theologen behaupten (20,506).
6 Das können nicht die alttestamentlichen
Propheten sein, denn erst Jesus beginnt die Menschen zum Königreich einzuladen
(Mt 4,17 ua.), sondern es sind die Jünger Jesu vor Pfingsten.
7 Prophetisch für die Jünger, die nach
Pfingsten zu den Juden gesandt wurden, doch die Juden lehnten das Evangelium
mehrheitlich ab (vgl. Apg 13,45-47)).
8 Prophetisch auf die Zerstörung Jerusalems 70
n.Chr. durch Titus. Jesus nennt die römischen Belagerer "seine
Truppen", denn sie führen sein Gericht an den Juden aus.
9 Die Kreuzungen, wo sich die aus der Stadt
herausführenden Straßen in die verschiedenen Richtungen aufgabeln. Prophetisch
auf die Heidenmission nach 70 n.Chr. bezogen, da ab dann, nach Gottes
40-jähriger Geduld, die Juden beiseitegesetzt wurden (Röm 9,24-33).
10 z.B. der Kerkermeister.
11 z.B. Kornelius.
12 Es gibt zwei Arten von Berufenen, die nicht
auserwählt sind: Erstens in Vers 3, die nicht kommen wollen, und Zweitens in Vers
13, solche die sich einschleichen. Die Auserwählten sind diejenigen, die die
Einladung zum Heil auch annehmen (Apg 13,48).
13 Ex 3,6 wurde von den Schriftgelehrten als
Präsens gelesen, also "Ich bin…", und nicht: "Ich war..."
(65,I,268). In dieser
Stelle findet sich zwar kein klarer Ausspruch über eine Totenauferstehung, wohl
aber eine Andeutung, die man aber nur bei tiefergehendem und geisterfülltem
Bibelstudium entdeckt, wie es bei Jesus der Fall war. Gott würde doch nicht
behaupten, ein Gott von solchen zu sein, die gar nicht mehr existieren. Jesus
kommt ihnen entgegen, indem er aus der Thora zitiert, und nicht die
eindeutigeren Stellen aus den Propheten (z.B. Jes 26,19-21; Dan 12,2 ua.),
welche die Sadduzäer ja geringer einschätzten.
14 Also leben die Verstorbenen auch noch nach
dem Tod, was eindeutig gegen den "Seelenschlaf" spricht.
15 Die Frage ergibt sich aus der Sitte, dass
ein reicher Gastgeber (König) dafür sorgte, dass alle passend gekleidet waren,
was besonders nötig war bei Personen, wie sie in Vers 10 beschrieben wurden.
Aus diesem Grund ließ er beim Eingang an nicht passend Gekleidete, saubere
Hochzeitskleider verteilen. Vgl. Jes 61,10; Offb 3,4.5.18; 19,8; 22,14 (14,186ff;
15,V,158). Der Gast verstummte, weil er wusste, dass er nicht durch die Tür
hereinkam, sondern, vielleicht nur aus Neugierde, anderswo eindrang. Die
Anwendung ist: Nur wer durch die "Tür", d.h. durch den persönlichen Glauben
an Jesus, ins Königreich eingeht, wird mit dem "Kleid der
Gerechtigkeit" bekleidet das Gott jedem Glaubenden bei seiner Bekehrung
schenkt (Gal 3,27).
16 D.h. durch einen Ausspruch von ihm, den sie
gegen ihn verwenden können. Im Jahr 6/7 n.Chr. wurde der Zensus, die römische
Kopf- und Grundsteuer, auch in Judäa und Samaria eingeführt. Daraufhin gab es
eine Revolte, die von den Römern blutig niedergeschlagen wurde (65,I,402). Die
jüdischen Frommen, vor allem die sogenannten Zeloten, sahen in der
Steuerzahlung einen Verrat an Gott. Die Falle schien unausweichlich. Stellte
sich Jesus gegen die Steuer, würde er von den Römern der Aufwiegelung
bezichtigt und zum Tod verurteilt werden. Die Hohepriester würden so ihr Ziel
erreichen. Gibt er den Römern Recht, die Steuer einzuheben, würde er viele
seiner Anhänger enttäuschen, die im Geheimen sagten: "Kein König außer
Gott".
17 D.h. du bist unparteiisch und unbestechlich
und lässt dich von niemandem beeinflussen.
18 Die Schlussfolgerung muss also sein: obwohl
er sein menschlicher Nachkomme ist, ist er zugleich auch sein göttlicher Herr.
Für die Schriftgelehrten war der Messias nur ein menschlicher Nachkomme Davids.
Sie erkannten nicht, dass auch schon im AT die Göttlichkeit des Messias in
verhüllter Weise ausgesprochen war (z.B. Jes 9,5b; Mic 5,1b; Sach 12,10b). Da
sie dies aber nicht erkannten, bezeichneten sie die Beanspruchung Jesu, Gottes
Sohn zu sein (Joh 5,18; 8,58; 10,30; Mt 26,63-66), als eine Gotteslästerung
(20,508f).
19 Mit κυριος ohne Artikel ist Jahwe (HERR) gemeint, mit Artikel
der Messias (der Herr).
20 Dass die Gläubigen im Auferstehungsleib
geschlechtslos sind, sagt der Herr hier nicht, sondern nur, dass sie kein
Bedürfnis haben zu heiraten, da die Ehe nur eine Einrichtung für dieses
Zeitalter ist. Auch Engel erschienen immer als männliche Wesen, und in Gen
6,1-2 wird berichtet, dass sie sogar einen menschlichen Körper annahmen, und
Geschlechtsverkehr mit Frauen hatten, was auch in Jud 1,6 und 2Pet 2,4 gemeint
sein wird. Auch bei anderen Erscheinungen von Engeln, haben diese offenbar
vorübergehend einen männlichen Körper angenommen (z.B. Gen 18,1ff; 19,1; Rich
6,17-22; Apg 12,7ff; ua).
21 Der römische Silber-Denar trug zurzeit Jesu
auf der Vorderseite das Münzbild vom Lorbeertragenden Kopf des Kaisers Tiberius
und die Aufschrift:
"Tiberius, Cäsar, des göttlichen Augustus Sohn", und auf der Rückseite das Abbild seiner
Mutter Livia in der Rolle der Göttin Pax mit einem Szepter in der Hand (33,792; 47,z.St.). Fromme Juden mieden dieses Geldstück, für
diesen Zweck der Versuchung besorgten sich die heuchlerischen Pharisäer aber
ein solches Geldstück. Jesus hingegen besaß überhaupt kein Geld. Was er den
Jüngern auftrug, lebte er auch selbst (Mt 10,9; 17,27). Nur die Jünger hatten
eine Gemeinschaftskasse mit Almosen (vgl. Joh 4,8; 12,6; 13,29). Es war der
Tageslohn eines Taglöhners und damit ein wichtiger Umrechnungsfaktor für andere
Münzeinheiten. Er dient auch zum ungefähren Vergleich für heutige Verhältnisse.
22 Eine religiöse jüdische Partei, die die
Herodianische Dynastie, und damit Herodes Antipas unterstützte. Sie waren vor
allem politisch gesinnt und gegen die römische Bevormundung, jedoch nicht offen,
sondern insgeheim, da Herodes ja nur König von Roms Gnaden war. Der Glaube
war für sie eher Mittel zum politischen Zweck, ähnlich dem politischen
Christentum unserer Tage.
23 Dieses Gleichnis ist ein prophetisches Bild auf das tausendjährige
Königreich.
24 Dies wurde von den Rabbis intensiv diskutiert, daher ist
Jesu Antwort so überraschend genial: Liebe beinhaltet alle Gebote.
25 Die Begebenheit hier (und in Mk 12,28ff),
fand zu einem anderen Zeitpunkt statt als die Begebenheit in Lk 10,25ff
(20,343f). - Hier wird gesagt, dass der Schriftgelehrte Jesus mit seiner Frage
versuchen wollte, in Mk 12,28-34 wird von ihm ein positiveres Bild
wiedergegeben. Wahrscheinlich wurde er zuerst durch die Feindseligkeit der
anderen Pharisäer aufgestachelt und verhielt sich Jesus gegenüber feindselig,
wurde dann aber durch Jesu weise Antwort überführt.
26 Diese spontane geniale Antwort zeigt,
dass sich Jesus wohl schon vorher mit der Frage der Steuer und mit der tieferen
Bedeutung des Münzbildes beschäftigt hat. Auch wir sollten uns über die
Mechanismen, die in dieser Welt herrschen Gedanken machen, damit wir richtig mit
ihnen umgehen können. Jesus legt hier die Grundlage für die spätere
neutestamentliche Lehre, der Obrigkeit Steuern zu zahlen (Röm 13,7; 1Pet 2,13).
Gleichzeitig betont er die völlige finanzielle Unabhängigkeit des Reiches
Gottes von der weltlichen Obrigkeit (vgl. 3Joh 1,7b).
27 Vgl. Röm 11,25
1
Spätere Hs. haben hier die Worte von Mk 12,40 und Lk 20,47 eingefügt
(54,z.St.).
2
Ps 118,26
3
Freier übersetzt: "... machen sie keinen Finger krumm". Die
"schweren Lasten" sind die vielen Gebote und Verbote, die die
Schriftgelehrten aus dem Alten Testament, vor allem aus dem Gesetz Mose,
ableiteten. Zurzeit Jesu zählte man 613 solcher heiligen Vorschriften. Gemeint ist wahrscheinlich
die Lehrautorität der Rabbis, um Vorschriften zu "binden", d.h. für verbindlich zu
erklären und Vorschriften wieder zu "lösen", d.h. Dinge für erlaubt zu
erklären. Sie "banden" immer wieder neue Vorschriften den Menschen
als Bürde auf, aber sie "lösten" keine dieser Vorschriften mehr
auf (34,II,213).
4
Das sind Kapseln, die ein kleines Stück Pergament mit vier Stellen aus dem
Gesetz (Ex 13,1-10.11-16; 13,6; Dtn 6,4-9; 11,13-21) enthielten, und mit
Lederriemen am linken Oberarm, an der Stirn oder über dem Herzen befestigt
wurden (54,z.St.).
Mit der Zeit schlich sich auch der Aberglaube ein und man sah diese
Gebetsriemen als Schutzmittel gegen
Dämonen an (1,1730).
5
Sg., der Liegeplatz auf dem Diwan links vom Gastgeber.
6
Als religiöser Titel von Jesus verboten! Heute wäre das z.B. Pater, Abbe,
"Heiliger Vater", usw.
7
Religiöser t.t.: ein zum Judentum Bekehrter, der sich auch beschneiden ließ, damit
Volljude wurde und dem ganzen Gesetz
Mose unterworfen war - im Unterschied zu den Gottesfürchtigen (σεβομενοι; Strong
Nr.: 4576).
8
od.: den Weinwurm (1,938). Die Pharisäer siebten alle toten Insekten die größer
als eine Linse waren aus dem Trinkbecher heraus, nicht wegen Ekel, sondern um
sich nicht mit einem toten Tier zu verunreinigen (65,I,166).
9
Etwas mit Kalk bestreichen, "weißeln". Besonders bei Gräbern die nahe am
Wegrand lagen und mit Steinplatten verschlossen waren, um sie zu kennzeichnen,
damit man sich nicht versehentlich durch
Berührung an ihnen verunreinigt. Vgl. Hes 13,10-12; 22,28.
10
vgl. Jer 22,5. Gemeint ist wahrscheinlich der Tempel, der 70 n.Chr. völlig
zerstört wurde, vielleicht ist aber auch das Volk als Ganzes gemeint (2,z.St.).
11
Damit sind natürlich nur die Gebote Gottes gemeint, nicht ihre zusätzlichen
Überlieferungen. Man muss dabei bedenken, dass das einfache Volk damals nicht
lesen konnte und auch keinen Zugang zu den Schriften hatte. Daher war das
öffentliche Vorlesen des Gesetzes sehr wichtig. Alles, was die Schriftgelehrten
aus dem Gesetz Gottes vorlasen, sollte befolgt werden.
12
Als "Stuhl Mose" wurde ein steinerner Ehrensessel in den Synagogen bezeichnet,
auf den sich die Schriftgelehrten bei der Auslegung des Alten Testamentes
setzten. Es war das Zeichen ihrer religiösen Lehrautorität (vgl. 47,z.St.).
13
Gemeint
sind wohl alle Gerechten seit Erschaffung der Menschen bis in die Zeit Jesu.
Damit bestätigt der Herr die historische Gültigkeit des gesamten Alten
Testaments, weil er ein Ereignis aus dem ersten (Gen 4,8.10: Abel) und eines
aus dem letzten Buch (2Chr 24,20-21: Secharja Ben-Jojada) der hebräischen Bibel
aufgreift. Jojada könnte hier den Großvater dieses Secharja meinen,
dessen Vater dann Berechja hieß (54,z.St.). Zu Harmonisierungs- und Erklärungsversuchen mit
dem AT siehe 2,158 und 64,478.
14
Aufgrund
von Num 15,37-41 und Dtn 22,12 musste sich nach rabbinischer Vorschrift jeder
Israelit eigenhändig solche Quasten an den vier Ecken seines Oberkleides
befestigen. Sie wurden zur Erinnerung an
Gottes Gebote getragen (54,z.St.). Die Pharisäer machten sich besonders
große Quasten, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass sie es mit der Befolgung
des Gesetzes besonders ernst nahmen (59,395). Auch Jesus selbst hat diese
Vorschrift befolgt, obwohl es nur eine Äußerlichkeit war!
15
Es war
unter den Schriftgelehrten damals strittig, ob ein Gefäß, das innen gereinigt
worden war, auch noch außen gereinigt werden musste (59,35). Die vorherrschende
Schule Schammais vertrat die Ansicht, wenn der Becher außen rein sei, sei er
überhaupt rein. Rabbi Hillel dagegen lehrte, der Becher müsse innen gereinigt
werden (65,I,166). Nur ganz penible Pharisäer reinigten den Becher daher innen
und außen. Jesus bringt die Frage von rein und unrein, aber auf eine moralische
Ebene.
16
Hier
wird zweimal das Wort θελω gebraucht. Im Hinblick auf Gottes Willen betont es hier
mehr den Wunsch Gottes, etwas für jemanden zu tun (vgl. auch 1Tim 2,4).
Der Mensch kann sich aber diesem Willen Gottes widersetzen (vgl. auch Joh 5,40),
- im Gegensatz zum Vorsatz Gottes (Strong Nr. 4286) und zum Ratschluss Gottes
(Strong Nr. 1013) in Röm 9,19. Es gibt demnach keine unwiderstehliche
Gnade Gottes, wie manche behaupten.
17
Nach
jüdischer Auffassung vererbte jemand seine Schuld auf seine Nachkommen. Damit
sprachen sie sich ihr eigenes Urteil (65,I,167).
18 Mit γενεα kann hier nur die Rasse der Juden gemeint sein, denn über die damals lebende Generation kam im Gericht 70 n.Chr. nicht "alles gerechte Blut". Dies wird erst im Endgericht der Fall sein.
Matthäus 24
1 Vgl. in
der LXX Dan 9,27 und 12,11ff. Das erste Mal wurde ein solcher "Gräuel
der Verwüstung" durch Antiochus Epiphanes IV. im Jerusalemer Tempel
aufgestellt. Er platzierte auf dem Brandopferaltar einen kleinen Götzenaltar
(1Makk 1,54ff; Dan 11,31ff), zusammen mit einem Bildnis von Zeus, das aber ihm ähnlichsah
(Encyclopedia Britannica, 1974; Band I, Seite 995f; 91,463). Dies löste die
Makkabäer-Aufstände aus. Im Jahr 39 n.Chr. erklärte sich Kaiser Caligula zum
Gott und versuchte im Tempel von Jerusalem sein Standbild aufzustellen
(65,I,272), was aber
Petronius, der römische Legat der Provinz Syro-Zilizien, noch hinauszögern
konnte. Das zweite Mal
stellten die Römer ihre Standarten mit einem Bildnis des Kaisers in den Tempel,
was den jüdischen Krieg, und in dessen Folge die Zerstörung Jerusalems 70
n.Chr., auslöste. Von diesem Gräuel der Verwüstung spricht Jesus hier aber
nicht, sondern von dem zukünftigen endzeitlichen Gräuel der Verwüstung (Dan
9,27). Das dritte Mal wird nämlich in der Zukunft das "Tier aus der
Erde" (= der falsche jüdische Messias der
Endzeit, von dem Antiochus IV. nur ein Prototyp war; vgl. Dan 11,36 und die
Anm. bei Mt 11,14) ein Bildnis des "Tieres aus dem Meer" (= der
zukünftige Diktator von Europa; Offb 13,1ff) im dann wiedererbauten dritten Tempel
in Jerusalem aufstellen. In Dan 9,26b wird er der "kommende Fürst"
genannt. Vgl. auch Dan 12,11ff; 2Thes 2,3ff; Offb 13,11ff (97,413ff). Dies
dürfte in der Mitte der 70.Jahrwoche Daniels geschehen (Dan 9,27).
2 Jes 13,10; 34,4
3 Dan 7,13-14
4 Der Artikel hat hier vielleicht die
Bedeutung eines Demonstrativpronomens
(siehe:
13,53 [165]). Mit diesen "vielen"
wären dann die Abgefallenen und Irregeführten von Vers 10-11 gemeint, also der
große Haufen der bloßen
christlichen Bekenner - aber auch echter Gläubiger - in der Endzeit. Die vielen
Lügenpropheten die sie verführen sind falsche Gläubige. - Oder es ist wie in
Dan 9,27a, die Mehrheit des jüdischen Volkes gemeint. Die Übersetzung "die
meisten" (2,1367) wäre zwar sachlich richtig, denn es werden im
Gegensatz zu den Treugebliebenen die meisten sein (doch das wäre das griechische
Wort πλειονων, wie in 1Kor 15,6 und 2Kor 2,6), aus Gründen der Wortgenauigkeit
ist aber mit die Vielen zu übersetzen, denn nur damit wird der Bezug zu
dem Wort "viele" in Vers 10-11 hergestellt, denn es sind eben viele
die abfallen und irregeführt werden.
5 Vgl. auch Apg 8,12; 19,8; 20,24-25; 28,23.31
6 Ist diese Predigt nur zum Zeugnis und nicht
zur Errettung? - Die Verse 2-13 passieren also in der Zeit, wo das Evangelium
noch allen Völkern verkündet wird, offenbar von der Gemeinde, was aber bedeuten
würde, dass sie bis Vers 14 noch nicht entrückt wurde.
7 Demnach kann es nicht die Drangsal
Jerusalems 70 n.Chr. sein, denn so schlimm diese auch laut Josephus war, die
noch ausstehende wird noch viel schlimmer sein.
8 Der ganze Kontext von Vers 15-28 spielt sich
in Israel ab: Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte, Judäa, Flachdächer, Angst
vor Winter, Sabbat, Messias-Erwartung, usw. Also wird es sich bei diesen
Auserwählten um den Überrest Israels handeln (Offb 7,3ff; 14,1ff), - und vielleicht
auch um die "Schafe" von Mt 25,32. Vgl. auch die Anm. bei Vers 31.
9 Wahrscheinlich die Wolken von Dan 7,13, auf
denen der wiederkommende Herr sichtbar für den Überrest Israels auf die Erde
zurückkommt. Vgl. auch Offb 1,7
10 Es handelt sich hier um die sichtbare
Wiederkunft Christi, die Entrückung der Gemeinde muss schon irgendwann davor
stattgefunden haben, denn die Jünger werden ab hier nicht mehr direkt
angesprochen. Vgl. auch 1Thes 5,3
11 Wie in Lk 11,50; Lk 17,25 ua. ist hier mit γενεα
sehr wahrscheinlich die Rasse der Juden gemeint (vgl. auch die Anm. zu Mt
23,36). Da das Wort παρελθη im Vers 35 eindeutig zugrunde gehen bedeutet
(denn der Himmel und die Erde werden wirklich zugrunde gehen), und nicht
nur vorüber gehen bedeutet, ist es sicherlich auch hier so zu verstehen.
Dass eine Generation zugrunde geht, wäre eine eigentümliche
Ausdrucksweise, sehr wohl aber, dass das Geschlecht, d.h. die Rasse der
Juden bis zur Wiederkunft Christi nicht zugrunde geht,
sondern vor der Ausrottung bewahrt wird. Die Ausrottung der jüdischen Rasse wurde
Jahrhunderte lang versucht. Kein Volk hat seine ethnische Identität so stark
bewahrt wie die Juden, und dass, obwohl sie all die Jahrhunderte kein eigenes
Land besaßen. - Diejenigen die γενεα mit Generation übersetzen möchten, beziehen
es auf die Generation, die dann in der 70.Jahrwoche Daniels lebt. Diese
Jahrwoche dauert nämlich nur 7 Jahre (60,435; 64,479). Aber das wäre ein großer
Gedankensprung, den Jesus seinen Zuhörern hier zugemutet hätte. Außerdem sind alle
diese Ereignisse von Mt 24,3-28 in mehr als einer Generation geschehen, sodass
man diese Erklärung verwerfen kann.
12 Damals waren es 120 Jahre, bis die Flut kam.
Es ist nicht korrekt zu sagen, dass sich in der Zeit vor der Entrückung kaum
mehr Menschen bekehren werden, weil wir eben "in den Tagen Noahs leben".
Der Vergleich Jesu zielt nämlich auf die ausgelassene Lebensart der Menschen,
und nicht auf die Frage, wie viele sich bekehren. Auch in den Tagen Noahs
bekehrte sich sein ganzes Haus, denn davor war nur er gerecht vor dem Herrn
(Gen 6,9; 7,1; Heb 11,7). So wie Noah damals eine Arche zur Rettung seines
Hauses bereitet hat, und durch seine Predigt alle einlud zur Rettung (1Pet
3,20-21; 2Pet 2,5), so predigen wir bis zur Entrückung das Evangelium, bis sich
der letzte Erwählte bekehrt (Röm 11,25b).
13 Nicht nur treu, sondern auch klug. Der treue
und kluge Sklave steht für die Gruppe der treuen Diener des Wortes, der
böse für die Gruppe der falschen Diener. Beide gibt es bei der Rückkehr des
Herrn (vgl. Verse 47.50-51). Vgl. auch die Anm. bei Lk 12,41-48.
14 Es war üblich Frauen oder weibliche
Sklavinnen zu den Mühlhäusern zu schicken, um die Handmühlen zu drehen und
Körner zu malen, um so den täglichen Bedarf an Mehl zu erhalten. Diese
Handmühlen bestanden aus zwei runden Steinscheiben von 50 cm Durchmesser. Der
obere Stein wurde mit einem Holzgriff um eine Achse gedreht, die im unteren
Stein befestigt war (54,z.St.; 52,II,1446). Vgl. noch Num 11,8 und Luk 17,35
15 Laut Josephus gab es in den Jahren nach
Jesus bis zum 1.Jüdischen Krieg (66-70 n.Chr.) und danach, 46 jüdische
Verführer (z.B. Simon der Sohn des Gioras, Johannes von Giscala, Simon Bar
Kochba, ua.), die das Volk gegen die Römer aufwiegeln wollten (21,I,289.294.745;
34,II,446ff; 91,458). Nicht nur die Juden, sondern auch die Juden-Christen
waren in der Anfangszeit aufgrund ihrer Naherwartung der Wiederkunft Christi
gefährdet, auf solche falsche Messiasse hereinzufallen. Sie wussten ja damals
noch nicht so viel über die genaueren Umstände der Wiederkunft Jesu, denn sie
hatten anfangs nur wenige Teile des NT.
16 In der Gräz. t.t. für das machtvolle
Auftreten einer verborgenen Gottheit, so wie für den
offiziellen Besuch des Kaisers oder des Königs in der Provinz. In dieser
Bedeutung für Christus bei seiner sichtbaren Wiederkunft auf der Erde (vgl.: 1Kor 15,23; 2Thes 2,1.8 ua). - Das Zeichen
seiner Ankunft wird "der Gräuel der Verwüstung" sein (Vers 15).
17 Hier im Matthäusevangelium und im
Markusevangelium wird uns berichtet, dass die Jünger nach drei Dingen fragen:
(1.) nach der Zerstörung des Tempels. (2.) nach seiner Ankunft. (3.) nach der Vollendung
des Zeitalters und nach dem Vorzeichen dafür. In Lk 21,7 wird uns berichtet,
dass sie auch nach dem Vorzeichen für die Zerstörung des Tempels fragten. Nach
ihrem Verständnis der alttestamentlichen Prophezeiungen ist die Zerstörung des Tempels
untrennbar verbunden mit der Wiederkunft des Messias und der Vollendung des
Zeitalters (z.B. Sach 14,1-5 ua.). Der dazwischenliegende lange Zeitraum (vgl.
Mt 25,19) bis zur Wiederkunft Christi, war ihnen zu diesem Zeitpunkt noch
verborgen. Auch die zelotischen Juden erwarteten bei ihrem Aufstand 70 n.Chr.,
dass der Messias kurz vor der Eroberung des Tempels kommen würde, um sie zu
retten. Deshalb verschanzten sie sich zuletzt im Tempel. Ein römischer Legionär
schleuderte wutentbrannt eine brennende Fackel durchs Fenster des Heiligtums,
worauf der gesamte Tempel Feuer fing und abbrannte. Und dies, obwohl Titus die
Schonung des Tempels angeordnet hatte. Vgl. auch die Anm. bei Mk 13,4 und die
Anm. bei Lk 21,7
18 Entw. distributiv: an verschiedenen Orten;
od.: über ganze Gegenden hin; od.: von einem Ort zum anderen; viell.: an vielen
Orten (2,161; 21,I,290; 91,460). - In Lk 21,11.25 werden noch hinzugefügt,
Seuchen, Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel, Bedrängnisse und
Ratlosigkeit der Nation, bei brausendem Meer und Wasserwogen.
19 Jesus bezieht sich vielleicht auf Micha 4,9-10;
Jes 26,17; Jer 22,23 ua., und nicht auf die erst im 2.Jhdt. n.Chr. geprägten
rabbinischen Ausdrucksweisen für die schweren Zeiten die dem Erscheinen des
Messias vorausgehen müssen (91,460). Dieser Anfang der Wehen (Vers 4-9)
begann schon in den Tagen der Apostel und wird bis zur "Geburt"
andauern, d.h. der Erscheinung Christi auf Erden.
20 Nachdem Jesus von Vers 4-14 einen
allgemeinen Überblick über die Ereignisse bis zum Ende gegeben hat, beantwortet
er nun die erste Frage der Jünger nach der Zerstörung des Heiligtums, und dem
Schicksal Jerusalems und des jüdischen Volkes. Die Zerstörung des Heiligtums 70
n.Chr. und das zukünftige Schicksal Jerusalems verschmelzen dabei im Bericht
des Matthäus und werden nur im Lukas-Evangelium getrennt berichtet (Lk
21,20-24). Die vorausgesagten Ereignisse von Vers 15-28 beziehen sich daher
speziell auf das Land Israel und besonders auf den Überrest Israels in der
letzten Zeit (vgl. Mt 24,16.23.20). Mit dem Gräuel der Verwüstung beginnt die
2.Hälfte der 70.Jahrwoche Daniels, die letzten 3 ½ Jahre vor der Wiederkunft Christi. - Für
einen Gesamteindruck von Jesu Rede, muss man alle drei Evangelien synoptisch
zusammenführen.
21 Wahrscheinlich: des Landes Israel; oder: der
Erde. Schon seit den Tagen der Könige wohnten Juden aus allen 12 Stämmen im
Südreich Juda. Es gibt demnach keine "verlorenen 10 Stämme". Vgl. die
Anm. bei Apg 26,7
22 w.: dazu-versammeln zu etwas schon
Vorhandenem. Mit den Auserwählten ist der in aller Welt zerstreute auserwählte
Überrest Israels gemeint, die 144.000 Versiegelten aus Offb 7,1-8, der nun zu
dem bereits im Land befindlichen Überrest hinzugefügt wird. Es kann sich hier nicht
um die Gläubigen der Gemeinde handeln, denn bei der sichtbaren
Wiederkunft Christi (Vers 30) ist die verherrlichte Gemeinde mit dabei (1Thes
4,14; 2Thes 1,10; Offb 19,14), also muss sie schon davor entrückt und
verherrlicht worden sein.
23 D.h.: kosmologisch aus dem Gleichgewicht
geraten?
24 Die Juden dachten, dieser Tempel könne nie von Feinden zerstört werden, denn
er sei
für die Ewigkeit erbaut. Doch Jesus sagt, der ganze Tempel wird zerstört
werden. Geschehen ist das 40 Jahre nach Jesu Ausspruch, am 9.Aw (Juli/August)
des Jahres 70 n.Chr. durch die Römer, nur einige Teile der Grundmauern (die heutige
Klagemauer) blieben übrig; vgl. Jer 7,4 (65,I,169.271). Nach jüdischen Angaben war dies der gleiche
Tag wie die Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar. Bis heute ist es
ein Trauertag bei den Juden (58,279). Obwohl Titus die Schonung des Heiligtums
angeordnet hatte, - denn es war eines der damaligen Weltwunder, - warf ein
erzürnter Legionär eine brennende Fackel ins Heiligtum, wo sich die letzten
Zeloten verschanzt hatten und aufgrund von Mal 3,1 den Messias erwarteten, ohne
Jer 7,4-10 zu bedenken (46,324). Der ganze Tempelbezirk ging in Flammen auf,
nur die großen Grundsteine der heutigen Klagemauer blieben unversehrt. - Jesus stoppt seine Rede mit diesem Satz,
geht mit den Jüngern über den Bach Kidron zum Abhang des Ölbergs, und setzt
dort, mit einem grandiosen Ausblick auf die Stadt Jerusalem, seine Rede fort.
Der Ölberg ist der Ort, wo er dann in den Himmel auffuhr, und wo er bei seiner
Wiederkunft "landen" wird (Sach 14,4).
25 Vielleicht Nationalitätenkonflikte oder
Bürgerkriege innerhalb von Staaten?
26 Das sind größere Kriege zwischen einzelnen Ländern.
27 Der Ausdruck "beiseitegenommen … zurückgelassen",
wird vom Zusammenhang her wahrscheinlich am besten so zu verstehen sein wie in Vers
31. D.h. der auserwählte Überrest Israels (die 144.000 Versiegelten in Offb
7,1ff) wird von den Engeln, die ja den wiederkommenden Herrn Jesus begleiten
(2Thes 1,7), beiseitegenommen und nach Jerusalem versammelt, um dort als Lebende
mit dem Lamm, d.h. dem wiedergekommenen Herrn, am Berg Zion zu stehen (Offb
14,1ff). Die Gesetzlosen aber bleiben für das anschließende Gericht zurück
(vgl. diese Bedeutung in Lk 13,35a). Das passt auch zum Vergleich mit Noah
(Vers 37), der auch zuerst von Gott in die Arche geführt wurde, während
die anderen zum Gericht zurückblieben. Vgl. auch die Parallelstelle in Lk 17,28-29,
wo auch Lot unmittelbar vor dem Gericht von den Engeln
beiseitegenommen und aus Sodom hinausgeführt wurde. - Andere jedoch verstehen
den Ausdruck wie in Joh 19,16 als beiseitegenommen für das Gericht und
zurückgelassen für das tausendjährige Reich (48,138), was aber nicht zur
Bedeutung der griechischen Ausdrücke (20,461), und auch nicht zum Vergleich mit
Noah passt. Jedenfalls wird es die Aufgabe
der Engel bei der Wiederkunft Christi sein, die Auserwählten zum Herrn zu
versammeln und die Gesetzlosen auszusondern zum Gericht (Mt 13,41-43.48-50; Spr
2,21-22). - Wieder andere meinen es beziehe sich, wie in Joh 14,3, auf
die Entrückung (z.B. 20,461f). Doch dann, wenn der Herr sichtbar auf die
Erde wiederkommt (und darum geht es in Mt 24,29ff und auch in Lk 17,30ff), sind
die Gläubigen schon davor entrückt worden, denn sie kommen bei der
Wiederkunft mit ihm mit (Offb 19,14). Der manchmal angeführte Vergleich, dass
Henoch schon einige Zeit vor dem Gericht der Sintflut entrückt
wurde (Gen 5,24), während die beiden hier genannten Personen, Noah und Lot,
erst unmittelbar vor dem Gericht bewahrt wurden (Gen 7,10; 19,23),
ist beachtenswert und spricht auch dafür, dass hier nicht von der Entrückung
die Rede ist.
28 Die Treppe zum Flachdach befand sich außen
am Haus, man konnte also hinauf- und hinuntergehen, ohne das Haus zu betreten
(65,I,172).
29 Das Obergewand wurde bei der Feldarbeit am Feldrand
abgelegt (65,I,172). Bei der Flucht sollte man keine Zeit verlieren und nicht zum
Feldrand zurückgehen, um das Gewand zu holen.
30 Josephus berichtet, dass manche Frauen in
der Belagerung ihre Babys kochten und aufaßen, wie es in Lev 26,29 und Dtn
28,57 vorausgesagt wurde (65,I,172).
31 In Lk 17,36 sagt Jesus den Vergleich von dem
Aas und den Geiern, auf die Frage der Jünger hin, wo diese Dinge
geschehen werden. Vielleicht ist der Hinweis buchstäblich zu verstehen, denn bei
dem letzten großen Krieg, der Schlacht von Harmagedon (Offb 16,16), wird es so
viele Gefallene geben, dass man sie nicht begraben kann. Von wilden Tieren
aufgefressen zu werden, galt als besonders grausames Schicksal; Dtn 28,26
(65,I,174). Oder Jesus meint bildlich die völlige Verdorbenheit der Menschheit
in den letzten Tagen. - Das Bild mit den Geiern ist jedenfalls sehr einprägsam.
Geier sind etwas unheimlich, denn ein Geier kommt selten allein. Ihre Sehkraft
ist achtmal schärfer als die eines Menschen. Sie können eine Maus in der Wiese,
oder einen Kadaver, aus 100 Meter Höhe erkennen. Damit können sie Bewegungen
schneller erkennen und auch schneller reagieren. Sie treten typischerweise in
großen Scharen auf, sobald einer irgendwo einen Kadaver entdeckt. Der Grund ist
ihre geniale Suchstrategie: Die einzelnen Geier fliegen in großer Höhe und
überblicken dadurch ein großes Areal, behalten dabei aber gleichzeitig auch
ihre Artgenossen im Auge. Sobald einer von ihnen einen Kadaver entdeckt
wechselt er in den "Sinkmodus", seine Nachbarn schließen sich ihm an,
was wiederum weitere Nachbarn anlockt. Auf diese Weise stürzen sich eine große
Anzahl Geier auf den Kadaver. Dies will Jesus mit dem Bild vom Aas und den
Geiern erklären (aus: Die gute Saat, Kalenderblatt vom 3.11.2025).
32 Das erste von den 7 Gleichnissen (Vers 32ff;
Vers 37ff; Vers 40ff; Vers 43-44; Vers 45ff; 25,1ff und 25,14ff) über den
Beginn des zukünftigen Königreichs, entsprechend den 7 Gleichnissen in
Mt 13,1ff über das gegenwärtige Königreich (65,I,175). - Obwohl der
Feigenbaum mehrmals im AT ein Bild für Israel ist, wird Jesus in hier wohl nur
als einen Vergleich genommen haben. Es war Frühjahr und die Feigenbäume fingen
gerade an die ersten Blätter auszutreiben, was anzeigt, dass der Sommer nahe
ist. Hier an die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 n.Chr., und an das
Erblühen des Landes danach zu denken ist weit hergeholt. Die Zuhörer Jesus
hätten das unmöglich so verstehen können. Allerdings gibt es auch andere
Prophezeiungen, die man zum Zeitpunkt, wo sie ausgesprochen wurden, nicht
verstehen konnte.
33 Seit damals, bis in die Neuzeit, gab es
weltweit immer wieder größere und kleinere Kriege, Hungersnöte und Erdbeben. - Zu
den offensichtlichen Parallelen zwischen den Gerichten hier und denen in der
Offenbarung, siehe die folgende Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1pIq6ewhl6yrwEaoYJ1d7hEkU3g7VjSyN/view?usp=sharing.
34 Dieser
Einschub fehlt in manchen Hs., dürfte aber ursprünglich sein (27,62); vgl. Mk
13,32. Als Menschensohn wusste
Jesus die Stunde nicht, als Gottessohn wusste er natürlich alles (Joh
21,17).
35 Diese
große Bedrängnis wurde schon in Dan 12,1 und Jer 30,7 prophezeit, und in Offb 7,14
angemerkt. Doch weder hier noch in Offb 7,14 kann man herauslesen, wann sie
genau beginnt. Drangsale begleiteten die Gemeinde Jesu seit den Tagen der
Apostel (Apg 11,19; 14,22) bis heute, und wie die Wehen bei einer Geburt,
werden diese Drangsale immer stärker und kommen in immer kürzeren Abständen (Mt
24,8). Kurz vor der Wiederkunft Christi werden die Drangsale am heftigsten
sein.
36 D.h. unter
Berufung auf Christus (denn das ist hier die Bedeutung von επι τω
ονοματι mit Dat.), wie in Lk 9,48 (2,z.St.). Die Berufung auf Christus wird von
ihnen als Deckmäntelchen benutzt, um die Gläubigen zu täuschen (vgl. auch Mt
7,15.22; Apg 4,17; 5,40 ua.). - Der Ausdruck εν τω ονοματι ("in dem
Namen") ist hingegen im NT meistens im positiven Sinn gebraucht (z.B. Lk
10,17 uva.).
37 Da Jesus die Jünger persönlich anspricht ("ihr", "euch"), beweist dies, dass die Gläubigen der Gemeinde zumindest den Anfang dieser Drangsale von Mt 24,4-14a noch erleben werden. Ab Vers 27 werden die Jünger aber nicht mehr erwähnt. Dies könnte dafürsprechen, dass die Gemeinde schon vor diesem Zeitpunkt entrückt wurde. - Oder die Jünger stehen hier stellvertretend für den zukünftigen jüdischen Überrest. - Christenverfolgungen nehmen inzwischen weltweit rasant zu!
38 Im Winter sind die Nächte in Palästina kalt,
sogar Schnee kann im Winter fallen und heftige Regenfälle lassen die Flüsse
übertreten und eine Flucht wird erschwert (65,I,274).
39 Also wird sich das Christentum bis dahin bis
zu allen Völkern ausgebreitet haben.
40 Die Abgefallenen werden die treu Gebliebenen
verraten (91,461).
41 Diese Auserwählten müssen, wie in Vers 31, der auserwählte Überrest Israels sein, denn in Vers 31 wurden die Gläubigen der Gemeinde ja schon entrückt und sind mit dem Herrn Jesus wiedergekommen.
42 Das Subjekt sind die Ereignisse von Mt 24,3-28 (2,166; 44,80), die in das Reich Gottes münden, wie die Parallele in Lk 21,31 zeigt.
43 Das Hineingehen in die Arche war für Noah wie die Entrückung für die Gemeinde. Bei Noah lagen zwischen dem Hineingehen in die Arche und dem Beginn der Sintflut 7 Tage (Gen 7,10). So wird auch zwischen der Entrückung der Gemeinde, und dem Gericht das bei der Wiederkunft Christi über die Gottlosen hereinbricht, eine Zeitspanne liegen, deren Länge uns nicht geoffenbart ist.
44 Es handelt sich in Vers 9-12 um die letzte Prüfung der Gläubigen vor der Entrückung. Ausharren bedeutet, sich nicht verführen lassen und die Liebe nicht erkalten lassen (vgl. Offenbarung Kapitel 2-3).
Matthäus 25
1 Das entspricht ca. 100 Jahreslöhnen eines
Taglöhners. Auch 1 Talent (ca. 20 Jahreslöhne), oder zwei Talente (ca. 40
Jahreslöhne), waren noch eine beachtliche Summe. Das Talent steht also bildlich
für etwas, dass man für sein ganzes Leben bekommt, und zwar bekommt jeder
Gläubige verschieden viel (im Gegensatz zu Lk 19,13.16), und damit auch
verschieden viel Verantwortung, um das Beste daraus zu machen. Im Gleichnis
will Jesus seinen Jüngern sagen, dass alle Fähigkeiten die Gott ihnen gibt, für
ihn eingesetzt werden sollen und Lohn empfangen. Nur in weiterer Folge kann man
es allegorisch auf die Geistesgaben anwenden, aber auch auf Gesundheit,
Lebenssituation, Lebenszeit, usw. Zum Vergleich zum Gleichnis von den Minen in
Lk 19,11ff siehe die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1LgajZHaJ6EsCCTmSdd9Car4e9QBI2caj/view?usp=sharing
2 Hier ist das einzige Mal, dass Jesus
durchblicken lässt, die Wartezeit auf seine Wiederkunft könnte lange dauern.
3 Der Richterstuhl Christi findet demnach
unmittelbar nach der Entrückung und vor der Wiederkunft Christi statt, wo der
Herr seine Feinde vernichten wird (Lk 19,15.27).
4 Diese Brüder sind wohl der verfolgte
Überrest Israels in der Endzeit (Offb 12,6.13-16 ua.), also die 144.000
Versiegelten, die in der Drangsal verfolgt werden. Sie werden dank ihrer
Versiegelung diese Drangsal aber unbeschadet überleben (Offb 9,4; Mt 24,22; Dan
12,1; Jer 30,7). Sie bekehren sich dann bei der Wiederkunft Christi, wenn sie
ihn sehen, wie er als ihr Messias in den Wolken kommt, und Gott den Geist der
Gnade über sie ausgießt. Bis dahin erwarteten sie ihren jüdischen
Messias, dann aber erkennen sie, dass der erwartete Messias der Jesus ist, den
ihre Väter gekreuzigt haben und sie tun Buße (Sach 12,10; Mt 24,30; Offb 1,7). Bis
dahin kennen sie das Evangelium nicht, also können sie es den
"Schafen" auch nicht verkünden. Darum kannten die "Schafe"
das Evangelium auch nicht, wie ja ihre Antwort beweist. Aber die
"Schafe" kannten das "ewige Evangelium", dass in dieser
Zeit von einem Engel verkündet wurde, und sie zur Gottesfurcht aufrief (Offb
14,6-7). In dieser Gottesfurcht helfen sie nun dem verfolgten jüdischen
Überrest (Offb 12,13), den "Brüdern". Diese "Schafe" aus
den Heiden waren wie die Menschen die Paulus in Röm 2,7.10 (vgl. auch Apg 10,34-35)
beschreibt. Das stellvertretende Opfer Christi wird ihnen, genauso wie den
Heiligen im AT, auf dieser Grundlage angerechnet. Diese Erlösten werden lebend,
wohl mit ihren sterblichen Körpern, in das Königreich eingehen. Das scheint die
beste Erklärung für diesen Abschnitt in Mt 25,31-46 zu sein.
5 Das waren entweder Fackeln an Stöcken, die oben
mit ölgetränkten Lappen umwickelt waren (54,z.St.; 65,I,177; 14,174), oder
Öllampen aus Ton mit einem Docht. In beiden Fällen mussten sie immer wieder mit
Öl nachgespeist werden, da sie ansonsten bald erloschen. Das Öl in den Lappen
oder den Öllampen reichte für ca. 15 Minuten (65,I,178). Die törichten
Brautjungfern hatten kein Öl zum Nachfüllen mitgenommen. Sie stehen für einen
"Glauben", der nicht echt und daher auch nicht nachhaltig ist. Vgl.
auch die Anm. zu 2Tim 3,5
6 Gute Hs. fügen hinzu: "… und der
Braut". Vielleicht wollten Abschreiber das auffällige Fehlen der Braut
damit ausgleichen. Vielleicht ist die Braut aber absichtlich von Jesus
weggelassen worden, weil die Hochzeits-Bräuche verschieden waren (27,62).
7 Der erste Schritt vor einer jüdischen
Hochzeit war, dass der Bräutigam sein Vaterhaus verließ, um zum Wohnort der
Braut zu reisen. Dort fand die Verlobung statt (vgl. 2Kor 11,2), wobei ein
Ehevertrag aufgesetzt wurde, das Paar gemeinsam aus einem Kelch Wein trank, und
der Bräutigam den Brautpreis bezahlte und damit den Ehevertrag besiegelte. Damit
galten beide als verheiratet, die Ehe wurde aber noch nicht vollzogen. Danach
verließ er wieder die Braut, um eine gemeinsame Wohnung vorzubereiten (vgl. Joh
14,2-3). Nach etwa einem Jahr fand die Hochzeit statt, die Braut wusste aber
weder den Tag noch die Stunde. Wenn dann der Tag für die Hochzeit angekündigt
war, wartete die Braut mit ihren Brautjungfern im Haus ihrer Eltern auf den
Bräutigam, der meist erst spät in der Nacht mit seinen Freunden (den
"Söhnen des Brautgemachs") aus seinem Elternhaus kam, um die Braut
zur Hochzeit abzuholen und sie dann im Schein der Fackeln in einer Prozession
ins Haus seines Vaters zum Hochzeitsmahl heimzuholen (vgl. Ps 45,11.14; Mt
22,1ff), das meist in der Nacht stattfand. Nach einer kurzen Begrüßung zogen
sich der Bräutigam und die Braut zurück, um im Beisein der Schwiegermutter den
Geschlechtsakt zu vollziehen. Das Leintuch mit den Blutflecken der
Entjungferung wurde von der Mutter der Braut als Beweisstück aufgehoben, dass
ihre Tochter in der Hochzeitsnacht noch Jungfrau war (vgl. Dtn 22,17-18). Für sieben
Tage blieb die Braut im Brautgemach verborgen (rabb. "die Tage des
Verbergens"), um dann am siebenten Tag unverschleiert den Hochzeitsgästen
vorgeführt zu werden (nach: Showers R.E.: Bibel und Gebet). Die Sitten
variierten zwar von Gegend zu Gegend (vgl. im Gegensatz dazu Richter 14,10),
doch dies dürfte in neutestamentlicher Zeit der allgemeinste, und daher von
Jesus auch vorausgesetzte Brauch gewesen sein (vgl. 10,IV,1100; 14,171ff; 27,62;
33,744; 36,670ff; 38,I,504ff; 65,I,177f; 84,131). - Mit dem Gleichnis will
Jesus seine Jünger, und damit auch uns, warnen, dass ein bloßes Bekenntnis ohne
wahren Glauben nicht ausreicht, um ins Reich Gottes einzugehen. In der Anwendung
kann man das Gleichnis daher zuerst auf die schlafende Christenheit beziehen,
da das Gleichnis sonst keine Ermahnung (Vers 13) für die Jünger wäre. Nur wer
ein echter Gläubiger ist, wird bei der Ankunft Christi entrückt. Als zweites
kann man es aber auch auf den Überrest Israels im Land Palästina beziehen.
Daher zehn Jungfrauen und nicht die Braut (d.i. die Gemeinde), die in dem
Gleichnis ja fehlt. Dies würde in den eschatologischen Grundtenor des NT passen,
denn Christus kommt bei seiner Wiederkunft zusammen mit den schon davor zu ihm
entrückten Gläubigen auf diese Erde (1Thes 4,14; Offb 19,14), um danach mit
seiner Braut die "Hochzeit des Lammes" (Offb 19,6ff) im
tausendjährigen Friedensreich zu feiern (vgl. Mt 22,1ff). Bei seiner
Wiederkunft werden seine Füße auf dem Ölberg stehen und es wird zwischen den
dann lebenden Juden (den 10 Jungfrauen) eine Scheidung geben (vgl. Sach 12,10 -
13,8; 14,1-5; Offb 14,1-5).
8 Weil sie gedankenlos waren.
9 Der Herr unterscheidet hier drei Gruppen von
lebenden Menschen, erstens die Schafe, zweitens die Ziegenböcke und drittens "meine Brüder" (Vers 40). Zu beachten ist, dass es sich
hier um solche aus den Nationen handelt, die bei der sichtbaren Wiederkunft
Christi noch leben, es ist ein Gericht der Lebenden aus den Nationen. Diese Schafe sind offenbar Heiden, die das
Evangelium noch nicht persönlich hörten, wie ihre Antwort in Vers 37ff beweist.
- In Israel trennten
die Hirten nachts die Ziegen von den Schafen und trieben die Ziegen eng
zusammen, weil diese die Kälte nicht so gut vertrugen wie die Schafe (54,z.St.).
Dieses Absondern geschah jeden Abend. Da in Palästina die Schafe weiß und die
Ziegen schwarz waren, und außerdem Schafe wertvoller waren, bietet sich diese
Metapher gut für die Unterscheidung zwischen Gut und Böse an (14,204; 15,VI,217.276; 65,I,181).
10 Fut.Pass., weil das Gleichnis auf ein
Ereignis hinweist, dass erst in der Zukunft passieren wird. Vielleicht auch,
weil es sich um das letzte Himmelreichs-Doppelgleichnis (V.1-30)
handelt?
11 Der Ausdruck εις υπαντησις ("...um entgegenzugehen") in Vers 1 beinhaltet
den Gedanken, dass das sehnsüchtige und erwartungsvolle
Ausschauhalten nun seine Erfüllung findet. Ansonsten ist es ein allgemeinerer
Ausdruck als εις απαντησις
("...zur Begegnung mit") in Vers 6, welches ein politischer
t.t. und damit der offiziellere Ausdruck ist und den
Gedanken der "Einholung"
miteinschließt. In Vers 1+6 werden beide Ausdrücke verwendet und sollen wohl diesen Unterschied andeuten.
12 Da sich der Hochzeitszug wahrscheinlich sehr
langsam fortbewegte, schien es nicht unmöglich nach dem Kauf diesen wieder
einzuholen. Schon eher ist es fraglich, ob um diese Nachtzeit überhaupt noch Öl
zu kaufen war. Ob sie wirklich Öl kaufen konnten, wird nicht gesagt, denn es
würde den Sinn des Gleichnisses zerstören, denn das Öl ist ein gängiges Symbol
für den Heiligen Geist. Die 5 törichten Jungfrauen stehen für solche, die bloß
ein äußeres Bekenntnis haben (= die Lampe), aber nicht den Heiligen Geist. Jedenfalls
kamen sie zu spät, und so wird es jedem ergehen, der keine echte Wiedergeburt
erlebt hat und sich im letzten Moment noch vorbereiten will. Keiner von uns
weiß, wieviel Zeit in diesem "letzten Moment" noch bleibt.
13 Ein harter Ausdruck, der eine raffgierige
Person beschreibt, die rücksichtslos auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Jesus
greift den Vorwurf auf, obwohl sein Charakter nicht so ist. Er will dem Knecht
damit zeigen, wie falsch er ihn einschätzt. Wenn schon nicht aus Liebe und
Treue zum Herrn, hätte er zumindest aufgrund dieser seiner falschen
Einschätzung treuer mit dem ihm Anvertrauten umgehen müssen. Ganz offensichtlich steht
dieser Knecht für einen Bekenner, der keine persönliche Beziehung zum Herrn hat,
denn er wird in die Finsternis hinausgeworfen. Dass die Talente ein Bild für
die Gaben des Heiligen Geistes sind, ist ja nur eine Anwendung, die für
den unnützen Knecht nicht zutrifft.
14 Wenn das ewige Leben endlos ist, ist
die ewige Strafe auch endlos. Dass das griechische Wort αιονιος im
gleichen Satz zwei verschiedene Bedeutungen hat, ist undenkbar (91,z.St.). Was
ist mit ewigem Leben hier gemeint? Sicherlich, dass diese Personen
wiedergeboren sind, daher ewiges Leben besitzen und damit ewig unter Gottes
Herrschaft leben werden. Sie wurden aus Glauben auf der gleichen Grundlage
gerechtfertigt wie die Gläubigen im AT (Abel, Abraham, usw.; vgl. auch die Anm.
bei Röm 2,7). Ihr Glaube zeigte sich im Gutes tun, und er war nicht berechnend,
wie Vers 44 zeigt. Es scheint aber nicht so, dass sie auch schon einen neuen
Herrlichkeitsleib bekommen haben, da sie nicht zur Gemeinde gehören. Sie gehen
mit ihrem alten sterblichen Körper ins tausendjährige Reich ein, werden dort
eine hohe Lebenserwartung haben (Jes 65,20) und im guten Alter sterben. Am Ende
der Zeiten werden sie dann mit einem neuen Herrlichkeitsleib auferstehen (vgl.
die alttestamentlichen Gläubigen in Dan 12,2.13).
15 Eine Verdoppelung der investierten Summe war
bei den damaligen Zinssätzen normal und zu erwarten (65,I,180).
16 Es gibt zu denken, dass Jesus fünf von zehn Jungfrauen als töricht hinstellt,
und nicht nur eine oder zwei. Will er damit andeuten, dass kurz vor seinem
Kommen die Hälfte der christlichen Bekenner nicht wiedergeboren sind? Vgl. dazu
auch 2Tim 3,1-5 und Mk 13,6
17 Nach rabb. Verständnis bedeutet dieses Wort:
"die Augen aufmachen", od.: "mit offenen Augen" (38,I,969).
18 Oder vielleicht, wie in Lk 8,18: "…was
er zu haben meint" (20,484), nämlich die falsche Sicherheit errettet zu
sein. Dies war auch bei den 5 törichten Jungfrauen der Fall.
19 Dieser Sklave steht für einen Christen, der
nur ein Bekenner, aber nicht wirklich wiedergeboren ist (vgl. Jak 2,26; 2Thes
3,5). Er brachte keine Frucht (vgl. die Anmerkungen zu Joh 15,1-8). Hier die
Möglichkeit hineinzulesen, man könnte sein Heil wieder verlieren würde ja
bedeuten, dass das Heil vom Erbringen einer Leistung abhängt.
20 Es ist dies die sichtbare Wiederkunft
Christi, bei der nicht nur die Engel, sondern auch die davor entrückten und
dann verherrlichten Gläubigen dabei sein werden (Offb 3,4; 19,11-14; 2Thes 1,10
ua.).
21 Warum betont Jesus, dass der Bräutigam sich
mit seiner Ankunft Zeit ließ? Weil Gott nicht will, dass irgendwelche verloren
gehen (1Tim 2,4; 2Pet 3,9). Inzwischen sind schon fast alle Stämme der Erde mit
dem Evangelium erreicht worden. Vgl. aber auch Röm 10,18 mit Ps 19,1-5a.
1 Sach 13,7.
Jesus versteht die Prophezeiung wörtlich und nicht bildlich-allegorisch. Er
wendet sie sinngemäß auf sich und die Jünger an.
2 Ps 42,6.12; 43,5
3 30 Silberstücke, vielleicht Stater (Strong
Nr. 4715), das wären dann 120 Drachmen bzw. Tageslöhne. Nach Ex 21,32 war das
der Preis für einen Sklaven (!) und der Durchschnittspreis für einen Acker (Mt
27,6-7). Vgl. auch die Schätzwerte in Lev 27,1-7. Maria gab für Jesu Salbung
300 Drachmen aus. Wenn es sich bei der Bezahlung an Judas wirklich um Stater
handelte (vgl. 33,792), könnte es sein, dass die Hohepriester diese aus dem
Tempelschatz entnommen haben. Die jährliche Tempelsteuer wurde nämlich in
Stater bezahlt.
4 Nach rabbinischer Vorschrift wurde beim Passah
Rotwein verwendet.
5 Alabaster ist
ein marmorähnlicher Gips, der sich leicht bearbeiten und gut polieren lässt. Er
wurde deshalb gern zu henkellosen Gefäßen für Salben verarbeitet (54,z.St.). Eine Büchse aus Alabaster wurde vor allem für
die Aufbewahrung von kostbaren Narden und Ölen verwendet. Der längliche Hals
dieser Gefäße wurde
abgebrochen, wenn die Salbe verwendet wurde. Alabasterfläschchen mit Narde
wurden als Geschenke für Könige verwendet. Diese wurden auch mit einem solchen Öl bei ihrer Einsetzung
gesalbt. Ebenso die Toten vor der Grablegung (LXX: 2Kön 21,13).
6 vgl. Anm. zu Mt 7,28.
7 Nach rabbinischen Regeln war diese
Versammlung illegal, weil sie unangekündigt und des nachts stattfand
(65,I,189). - Joseph, mit Beinamen Kaiphas, ein Hohepriester der von 18-37
n.Chr. amtierte.
Er wurde vom Prokurator Valerius Gratius eingesetzt, jedoch später von
Vitellius, dem Prokurator der Provinz Syria, wieder abgesetzt. Als
Schwiegersohn des Hohepriesters Ananias arbeitete er auch nach seiner Absetzung
noch eng mit diesem zusammen und spielte daher im Prozess Jesu eine wichtige Rolle (33,157).
8 Zum Passahfest befand sich etwa eine
fünffache Menge an Menschen, in religiös aufgeheizter Stimmung und Messias Erwartung,
in Jerusalem (2,z.St.). Die Hohepriester wollten unbedingt verhindern, dass
Jesus am Passahfest gefangen genommen wird. Doch Gott hatte geplant, dass Jesus
am Passahfest sterben muss (Vers 2). Alles, was Gott plant, geschieht so wie er
es will. Auch Satan kann das mit Hilfe von Judas nicht vereiteln (Lk 22,3-4).
Gott ist souverän. Menschen wollen ihre listigen Pläne durchsetzen und merken
nicht, dass Gott gerade ihre Pläne benützt, um seine Pläne durchzuführen.
9 Das war der Vormittag des 14.Nissan (6.April 30 oder 2.April 33 n.Chr.), damals ein Donnerstag. Am Abend des
gleichen Tages feierten sie dann das Passah-Mahl (Vers 20). Nach rabbinischer Lehrmeinung wird die
Erlösung durch den Messias in der Passahnacht des 14.Nisan erwartet (46,125). Der ganze Ausdruck lässt es unmöglich
erscheinen, dass Jesus, wie manche behaupten (z.B. 20,533ff), das Passah schon
einen Tag früher gefeiert hätte als der Rest des offiziellen Judentums. Der
scheinbare Widerspruch zu Joh 18,28b wird bei der dortigen Anm. erklärt.
10 z.B. Jes 53,7ff; Dan 9,26, Ps 16,10 ua.
11 Gemeint ist natürlich der Verräter Judas und
nicht der Herr Jesus. Warum sollte es für den Herrn besser sein, wenn Judas
nicht gezeugt worden wäre? Für Judas hingegen wäre es besser gewesen, er wäre
nie geboren worden, denn er ist für ewig verloren. Vgl. den ähnlichen Wortlaut
über bloße Bekenner in 2Pet 2,21
12 Der Ablauf beim letzten Passahmahl dürfte
folgender gewesen sein: Zur Vorbereitung des Passahmahls wurde ein Lamm gekauft
und im Heiligtum unter Anleitung der Priester geschlachtet. Der vorgeschriebene
Teil wurde von ihnen am Brandopferaltar geopfert und das Blut an den Altar gegossen.
Danach wurde der Rest des Lammes zu Hause als Ganzes am Feuer geröstet (Mt 26,17-19;
Mk 14,12-16; Lk 22,7-13). Nach dem Einzug in den vorbereiteten Ober-Saal,
dürfte unter den Jüngern ein Streit über die Liegeordnung entstanden sein. Bei
festlichen Anlässen lag man auf Polstern, die Füße waren nach hinten vom Tisch
weg ausgestreckt. Die Polster waren an drei Seiten U-förmig um einen niedrigen
Tisch in der Mitte gruppiert, während eine der Schmalseiten am Tisch frei
blieb, um die Speisen zu servieren. Beim Essen stützten sich die liegenden Gäste auf
ihre linke Hand, damit die rechte Hand frei war zum Essen (65,I,494). Die
Jünger stritten sich wohl darüber, wer der Größte unter ihnen ist und den
Ehrenplatz an der linken und rechten Seite des Herrn einnehmen darf. Nur Lukas
überliefert diesen Streit (Lk 22,24ff; siehe: 34,II,492f). Judas nimmt dreist
den Ehrenplatz an Jesu linker Seite ein, während der Lieblingsjünger Johannes,
wie gewöhnlich "an seiner Brust" liegt (Joh 13,23), d.h. rechts von Jesus. Die
übrigen Jünger legen sich der Reihe nach auf die Polster um den Tisch, Petrus
aber geht beschämt an den letzten Platz direkt gegenüber von Jesus (Lk
22,25-27). Daraufhin steht Jesus auf und wäscht den Jüngern die Füße, ein
Dienst, den eigentlich immer der geringste Sklave ausführte, oder, wenn ein
solcher nicht da war, der Jüngste unter den Anwesenden. Petrus kommt bei der
Fußwaschung als Letzter dran, weil er den letzten Platz eingenommen hat (Joh
13,1ff). Diese Fußwaschung war entgegen der Sitte, da beim Passah sich jeder nur
die Hände wusch, - aber dies zu einem späteren Zeitpunkt. Danach eröffnet Jesus
ihnen, dass einer von ihnen ihn überliefern wird (Mt 26,21-25; Mk Mk 14,17-21;
Lk 22,21-23; Joh 13,18-30). Sie fragen sich alle bestürzt, wer dies wohl sei. Petrus,
der direkt gegenüber von Jesus und Johannes liegt, gibt Johannes einen Wink mit
dem Kopf (Joh 13,24; Griech.: νευω), damit er von Jesus erkunde, wer der Verräter
sei. Johannes neigt den Kopf nach hinten zur Brust Jesu und fragt ihn wahrscheinlich
im Flüsterton, wer es sei. Jesus antwortet, wahrscheinlich ebenfalls im
Flüsterton: "Der, dem ich den Bissen gebe". Die anderen Jünger verstehen daher nicht,
was Jesus dem Johannes zugeflüstert hat, und auch nicht, dass er zu Judas geflüstert
hat: "Du hast es gesagt" (vgl. Mt 26,25b). Nun erst beginnt die
traditionelle Passah-Liturgie: Jesus nimmt nun den ersten Becher (Lk
22,17), mit dem der Hausvater der Tradition nach mit einem Dankgebet, das
Passahmahl begann, (beim jüdischen Passahmahl wird der Becher mehrmals
herumgereicht, von dem bei der Einsetzung des Abendmahls gereichten dritten
Becher ist erst in Lk 22,20 die Rede), und spricht als der Hausvater beim ersten
Brechen des Brotes folgende Worte: "Dies ist das Brot der Mühsal, das unsere
Väter in Ägypten aßen". (Jesus dürfte diese Worte dann später
bei der Einsetzung des "Abendmahls", beim zweiten Brechen des Brotes, auf
den neuen Bund umgedeutet haben mit dem veränderten Wortlaut: "Dies ist mein
Leib, der für euch gegeben wird"). Dann taucht er, wieder gemäß der
Tradition, einen Bissen von dem vorher gebrochenen Fladenbrot in die Sauce mit
den bitteren Kräutern und gibt ihn nacheinander allen Anwesenden, zuerst
natürlich dem Judas, der direkt neben ihm liegt, und sagt dabei laut zu ihm: "Was du tust, tue schnell". Nachdem Judas den Bissen nimmt und
hinunterschluckt, fährt der Satan in ihn (Joh 13,27), er verlässt den Raum und verschwindet in der
Nacht, - und zwar noch vor der Einsetzung des Abendmahls. Aus all dem
erklärt sich, warum die Jünger nicht verstanden, dass Judas der Verräter ist
(Joh 13,22-30), denn sie konnten die Worte die Jesus zu Johannes geflüstert
hatte und Jesu Antwort gar nicht verstehen und dachten, Jesus schicke Judas nun
zum Einkaufen oder um Almosen an die Armen zu verteilen (Joh 13,28-29). Dann
wurde das gebratene Passahlamm gegessen, danach alles weggeräumt und der erste
Teil des "Hallel" (Psalm 114-118) gesungen. Mit dem Trinken
des zweiten Bechers (= Lk 22,17?) wurde das zweite "Brechen des Brotes" eingeleitet. Es war bei diesem zweiten
Brechen des Brotes und dem darauffolgenden Trinken des dritten Bechers,
dass der Herr das Abendmahl einsetzte und so deutlich machte, dass, - anders
als bei der einstigen Erlösung aus der Sklaverei Ägyptens, - die Erlösung aus
der Sklaverei der Sünde sich nun auf einen neuen Bund gründet. Dieser dritte
Becher in der Passah-Liturgie, wurde auch der "Becher der Segnung"
genannt (vgl. 1Kor 10,16). Die Passah-Zeremonie endete, nachdem der zweite Teil
des "Hallel" gesungen und der vierte und letzte
Becher getrunken war (vgl. 34,II,479-504; 33,882; 20,539ff; 2,181; 46,336ff; 47,z.St.;
54,z.St.). Während des Passahmahles, vor oder nach der Einsetzung des
Abendmahls, hält Jesus eine längere Rede, die nur Johannes überliefert (Joh
13,31 – 17,26). Danach verlässt er mit seinen Jüngern den Ober-Saal und geht
über den Bach Kidron zum Garten Gethsemane (Joh 18,1; Mt 26,36; Mk 14,42; Lk
22,39). - Nach rabbinischer Lehrmeinung wurde die Erlösung von der
Fremdherrschaft durch den Messias in einer Passahnacht des 14.Nisan erwartet,
und genau so geschah es (46,125.336).
13 Das ist eine jüdische Metapher für Wein, gemeint
ist der Wein des Passahmahls. Die Juden pasteurisierten keinen Traubensaft.
Beim Passah musste Rotwein verwendet werden (65,I,279f).
14 Der zweite Teil des "Hallel"
(Psalm 114-118), dass nach dem Passahmahl gesungen wurde.
15 Mit dem Realis drückt Petrus aus, dass er es
durchaus für wahrscheinlich hält, dass alle anderen Jünger am Herrn Anstoß nehmen, - natürlich außer ihm. Diese
Überheblichkeit ist der Anfang seines tiefen Falls.
16 entw.: Imp.Präs.; od. eventuell ironisch als
konativer Ind.Präs.: "Versucht nur weiter zu schlafen bzw.
auszuruhen".
17 od. rhetorisch: "Dafür bist du
gekommen?" (2,z.St.).
18 Für die Verteidigung und für die Ausbreitung
des Glaubens ist Gewalt nicht angebracht (2,z.St.).
19 Militärischer t.t.: eine Legion war ca. 6000
Legionäre plus Hilfstruppen, zwölf Legionen also 72.000 Engel (65,I,188).
20 Bezüglich der chronologischen Reihenfolge
des Prozesses siehe: 2,188. Das jüdische Prozessrecht zurzeit Jesu ist
allerdings nicht genau bekannt (47,z.St.).
21 Jüdische Umschreibung für den Gottesnamen (2,z.St.).
22 vgl. Ps 110,1; Dan 7,13
23 Er griff in seinen Halsausschnitt und riss
den Stoff mit einem heftigen Ruck eine Handlänge ein, sodass ein Teil der Brust
bloß lag. Ein frommer Mann durfte eine Gotteslästerung nicht ohne diese Gebärde
des Entsetzens anhören. Nach Lev 10,6 und 21,10 war dies aber dem Hohepriester
verboten (54,z.St.). Nach rabbinischer Tradition musste derjenige der die
Gotteslästerung als Erster hörte aus Entrüstung seine Kleider zerreißen (Mischna, Sanhedrin 7.5).
24 D.h. aus großer Verzweiflung, was seine
sofortige Buße offenbart. Die Reue des Petrus war, im Gegensatz zu
Judas, eine Betrübnis zur Errettung (2Kor 7,10).
25 In der LXX als Übersetzung für hebr. Strong
Nr. 01285. Ein Vertrag, welcher von Gottes Seite ausgeht und eine verbindliche
Zusicherung seitens Gottes ist, die der Mensch annehmen oder ablehnen kann, deren Bedingungen er aber nicht ändern kann.
Vgl. Jer
31,31ff.
26 In Papyri als t.t. bei Geldgeschäften:
Edelmetalle abwiegen, daher: für jmdn. etwas festsetzen. - Dies beweist die
Geldgier von Judas (1Tim 6,10), sie führte sogar zur Besessenheit (Lk 22,3; Joh
13,27).
27 Chronologisch wahrscheinlich nach Joh
13,36-38 einzuordnen (2,z.St.).
28 Laut der Passah-Liturgie sprach der
Hausvater beim ersten Brechen des Brotes folgende Worte: "Dies ist
das Brot der Mühsal, das unsere Väter in Ägypten aßen" (34,II,504). Jesus
dürfte diese Worte dann hier bei der Einsetzung des Abendmahls, also beim zweiten
Brechen des Brotes, auf den neuen Bund umgedeutet haben: "Dies ist mein
Leib... ". Da Jesus Aramäisch sprach, war das Wörtchen "ist"
nicht in seinem Ausspruch enthalten. Er wollte daher nur einen Vergleich
herstellen: Dieses Brot symbolisiert meinen Leib der in Kürze als Opfer am
Kreuz geschlachtet wird. Es ist so wie wenn man ein Foto von einer Person
herzeigt und sagt: "Das ist Paul" (20,540; 2,181; 65,I,279).
29 Das jüdische Passahfest zum Gedenken an den
Auszug aus Ägypten war mit dem Fest der Ungesäuerten Brote (Mazzot) verbunden
und umfasste zwei verschiedene Festelemente: erstens die Feier des Passahmahls
in der ersten Vollmondnacht nach der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am Abend
des 14. Nisan, und zweitens das anschließende, 7 Tage dauernde Wallfahrtsfest,
das ursprünglich das neue Erntejahr einleitete (vgl. Ex 12; 34,18; Lev 23,5-8;
Dtn 16,1-8). Am 14. Nisan wurde aller Sauerteig aus den Häusern entfernt und am
Nachmittag dieses Tages wurden im Heiligtum die Lämmer für die häuslichen
Passahmahle geschlachtet, die dann am Abend stattfanden. Es mussten männliche
Tiere sein, und nach Ex 12,5 einjährig und fehlerlos (47,z.St.). Das Schlachten der Passahlämmer geschah am Donnerstagnachmittag,
- also noch vor dem eigentlichen Beginn des Passahfestes, - im Tempel in
Jerusalem durch die Priester, wobei das Blut als Opfer an den Altar geschüttet
wurde (59,391). Das restliche Fleisch des Passahlammes wurde dann am Abend nach
Sonnenuntergang als Ganzes am Feuer gebraten und zusammen mit bitteren Kräutern und ungesäuertem Fladenbrot
verzehrt. Es war also keine wohlschmeckende Genussmahlzeit.
30 Nur Mk 14,30 berichtet, dass Petrus den Herrn
dreimal verleugnet haben wird, bevor der Hahn zweimal kräht. Der Hahn
krähte zu verschiedenen Stunden in der Nacht und nicht nur vor dem
Morgengrauen, wo er das letzte Mal krähte (65,I,495). In den anderen beiden
Evangelien wird nur berichtet, dass ein Hahn krähte. Zu Lösungsvorschlägen
vergleiche 60,436f und 64,481. Bezüglich dem Handschriftenbefund vgl. 27,114.
31 Ptz.Präs. statt
Ptz.Fut, wie im Hebräischen und Aramäischen (13,95).
32 In Lk 22,20 steht: "für euch…". Christus ist zwar für
alle Menschen gestorben (1Tim 2,6), und allen wird daher durch das Evangelium
die Versöhnung angeboten (2Kor 5,14.18-20), aber sein Blut zur Sündenvergebung
wird nur wirksam für diejenigen die auf ihn vertrauen, d.h. für Gottes
Auserwählte. Dies sind nach Jes 53,12c "die Vielen", und eben nicht alle Menschen
(vgl. auch Mt 20,28 ua.).
33 Betanien war einer der drei Orte, in denen
nach der Tempelrolle von Qumran Aussätzige wohnen sollten (54,z.St.). Sicherlich
wurde Simon von Jesus geheilt und trägt den Beinamen "der Aussätzige" als Ehren-Name.
34 Dieses Salböl war nach Mk 14,3 Nardenöl. Die Narde ist eine duftende aromatische Pflanze,
die in den Bergen des Himalajas in Höhen zwischen 3500 und 5000 m wächst. Mit
dem aus der indischen Narde gewonnenen Öl wurde schon zurzeit Salomos gehandelt
(54,z.St.). Das
würzige Salböl in dem Fläschchen hatte zwar Öl als Basis,
war aber noch zusätzlich mit anderen aromatischen Duftstoffen und Spezereien
versetzt. Es wurde vor allem von Frauen, als stark duftendes und aromatisches
Öl, sowohl als Einölung, als auch als Salbe, Balsam oder Duftparfüm benützt und
war sehr wertvoll und teuer. Wurde das Gefäß erst einmal angebrochen, konnte
das Parfüm nur ein einziges Mal seinen Duft verströmen. - Simon war nicht
bereit den Herrn Jesus mit gewöhnlichem Olivenöl (Strong Nr.: 1637) zu salben,
was schon die Höflichkeit verlangt hätte. Die Sünderin aber verschwendete ihr kostbares würziges Salböl für den Herrn, dass
sie sonst vielleicht für ihren zukünftigen Bräutigam aufgespart hätte.
35 Der scheinbare Widerspruch zu den anderen Evangelien, wonach die Jünger nicht verstanden, dass Judas der Verräter ist, lässt sich so erklären: Jesus sagte dies zu Judas, der ja neben ihm lag, im Flüsterton, als er ihm den Bissen gab. Vgl. die Anm.12 oben.
36 Ein schönes Beispiel dafür, wie man im anhaltenden Gebet den Willen Gottes erkennt: (1.) Der Herr sagt dem Vater, was ihm aus menschlicher Sicht am liebsten wäre, aber er ist bereit, sich Gottes Willen zu unterwerfen. (2.) Er erkennt, dass es Gottes Wille ist, dass er den Becher trinkt. Also bittet er nun, dass Gottes Wille geschehe. (3.) Gott stärkt ihn, um seinen Willen zu akzeptieren (Lk 22,43-44). (4.) Daraufhin ist Gottes Wille für ihn selbstverständlich (Joh 18,11b).
37 z.B.: Jes 53,12b; Lk 22,37
38 Das war der Höhepunkt von Judas Falschheit, - schon davor war er ein Dieb, der sich gut verstellen konnte.
39 Vgl. Jes 53,7. Bezüglich seiner eigenen Verteidigung schweigt Jesus, weil er weiß, dass das Urteil schon feststeht. Aber wenn es um die Klarstellung der Wahrheit geht, spricht er offen (Vers 64; Joh 19,9-11)
Matthäus 27
1
Matthäus zitiert eindeutig aus Sach 11,12-13, thematisch bezieht er sich aber
auf Jer 18,1-4; 19,1-13 und 32,6-15, weshalb er Jeremia als den bekanntesten
Propheten nennt, denn es finden sich Parallelen zwischen den Gedanken des
Matthäus und der Prophezeiung Jeremias. Es handelt sich um ein Mischzitat. Zu
einer Auflösung des scheinbaren Widerspruchs siehe: 60,443; 2,194; 65,I,193. In
der Überlieferung des Talmuds stehen die Propheten in folgender Reihenfolge:
Jeremia, Hesekiel, Jesaja, usw. Viele hebr. Hs. haben diese Reihenfolge, also
hat sich auch Matthäus in seinem Mischzitat darangehalten (Scofield Bibel,
z.St.)
2
Vgl. Jer 19,1-13
3
Ps 22,19. Wahrscheinlich wurde Jesus völlig nackt gekreuzigt. Das Los über die
Habseligkeiten des Gekreuzigten zu werfen, war erlaubt und üblich (21,I,329;
65,I,197).
4
Ps 22,7-9; vgl. auch Ps 18,20; 41,12 (LXX).
5
Ps 22,2. Indem Jesus diesen messianischen Psalm betet, drückt er seine Gefühle
als Mensch aus. Er ist zur Sünde gemacht und deshalb von Gott verlassen.
6
Da es sich um ein ursprünglich lateinisches Wort handelt, waren es sicher 4 (in
Ausnahmefällen sogar bis zu 16) römische Wachsoldaten, und nicht jüdische
von der Tempelwache (36,709;
91,z.St.). Aus Mt 28,14 geht eindeutig
hervor, dass die Wachmannschaft aus römischen Soldaten bestand, welche das Grab
Jesu bewachten und mit ihrem Leben dafür bürgten, dass der Leichnam im Grab
blieb. Für ihre eigene Tempelwache und ein eigenes Siegel, hätten
die Hohepriester nicht Pilatus um Erlaubnis fragen müssen. Und sie hätten die
Wächter nicht bestechen und ihnen versichern müssen, dass ihnen keine
Bestrafung von Pilatus drohen wird, sondern, dass es sich um eine infelix
astudia handelte.
7
Ein römisches Siegel durfte nicht von Unbefugten aufgebrochen werden, - darauf
stand die Todesstrafe! Darum ist die Erklärung der Juden, die Jünger hätten
später den Leichnam gestohlen (Mt 28,11-15), eine unsinnige Erfindung. Sie
wurden ja dafür nie angeklagt oder zur Rechenschaft gezogen, weder von den römischen
noch von den jüdischen Behörden. Wie sollte dieser eingeschüchterte Haufen, die
kampferprobten und bewaffneten römischen Wachsoldaten überwältigen, und das
ungestraft, um dann später öffentlich und frech zu predigen er wäre
auferstanden, - wo sie doch genau gewusst hätten, dass er tot ist, - und dann
noch für diese Lüge zu sterben. Das ist völlig unglaubwürdig!
8
Laut aufschreien, aus Schmerz, Verzweiflung und in äußerster Todesangst. Es ist,
als ob der Heilige Geist dieses Wort für den feierlichen Todesschrei des Herrn
Jesus reserviert hätte, denn es kommt nur an dieser Stelle vor!
9
Sich die Hände abzuwaschen zum Zeichen der Unschuld war eine alte und zwar
jüdische (!) Sitte. Vgl. Dtn 21,6.7; Ps 26,6; 73,13. - Zahlreiche Hs. fügen
hinzu: "dieses Gerechten...". Dass Jesus als unschuldiger Gerechter
leidet (vgl. Mt 27,4.19.24) wird durch diesen Einschub deutlich herausgestellt.
Pilatus sucht, dem römischen Recht zuwider, die Verantwortung von sich zu
schieben, das Volk gibt durch die Selbstverwünschung indirekt seine
Verantwortung zu; vgl. V.20 (vgl. 47,z.St.).
10
Eine Anhöhe bei Jerusalem, "Schädelstätte" genannt, offenbar so
bezeichnet, weil sie als Hinrichtungsplatz benutzt wurde. Der Ort lag außerhalb
der damaligen Stadtmauer (vgl. Heb 13,12), wahrscheinlich unweit der heutigen
Grabeskirche (vgl. 2,345).
11
Wahrscheinlich beinhaltete die Beratung und der darauf gefasste Beschluss, wie
und unter welchen Anklagepunkten sie Pilatus bewegen konnten die Hinrichtung
Jesu anzuordnen (2,z.St.). Ein Todesurteil musste nach rabbinischer Vorschrift
am Tag beschlossen werden. Den Hohepriestern war es wichtig, genau nach dem
Buchstaben ihrer Vorschriften zu handeln, obwohl sie im Geist gegen Gottes
Gesetz handelten (21,I,322).
12
Er ging also in den Vorhof der Männer, und schmiss die Silberstücke von dort in
den Vorhof der Priester, sodass sie vor dem Eingang des Heiligtums landeten.
Obwohl sein Motiv Reue und eine Art von Sündenerkenntnis war, war es doch keine
echte Buße, die aufgrund von Glauben zur Umkehr geführt hätte (Joh 13,11).
13
Offenbar ein bekannter Ort, vielleicht das Gelände in der Nähe des Töpfer-Tores
(Jer 19,1-2), am Ausgang des Hinnom-Tales (2,z.St.). Es besteht kein
Widerspruch zu Apg 1,18, denn die Hohepriester kauften das Grundstück
von seinem Verräter-Lohn, insofern erwarb er es, denn das
Blutgeld wurde nach rabbinischem Recht noch immer als sein Besitz betrachtet
und damit auch das davon gekaufte Grundstück (34,II,573ff).
14
Damit
erfüllte sich Ps 109,11. Mit den Fremden
sind wahrscheinlich die jüdischen Jerusalem-Pilger gemeint (2,z.St.), oder
Nichtjuden.
15
D.h. er verteidigte sich nicht, da das Urteil von ihrer Seite ohnehin schon
feststand.
16
Der Beiname "Jesus" findet sich zwar nur in späteren Handschriften, die
Lesart kann aber durchaus ursprünglich sein und von Abschreibern deswegen
weggelassen worden sein, weil sie es für einen Abschreibfehler hielten, dass
ein solcher Verbrecher wie Barabbas unmöglich auch den "heiligen"
Namen Jesus haben konnte (so argumentierte Origenes). Über den Hs-Befund vgl.
B.Metzger (27,67). Tatsache ist, dass "Jesus" ein verbreiteter jüdischer
Name war. Die Namens-Verbindung "Jesus Barabbas" wäre bemerkenswert.
Sie mussten sich entscheiden zwischen Jesus Barabbas (hebr.: Josua, Sohn
des Vaters/Lehrers) oder Jesus den Christus (hebr.: Josua, den Gesalbten),
den wahren Sohn des Vaters. Pilatus könnte ganz bewusst die Gleichnamigkeit benützt
haben, um dem Volk, trotz des gleichen Namens, den moralischen Unterschied der
beiden vor Augen zu stellen. Er wollte Jesus ja freilassen.
17
Ein selbstauferlegter Fluch der sich, angefangen von der Belagerung und
Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr., der darauffolgenden Zerstreuung von ca. 1
Million Juden in alle Welt, und den Verfolgungen die ganze weitere Geschichte
hindurch (Judenverfolgungen, Holocaust), furchtbar erfüllt hat. Obwohl diese
Verfolgungen die Schuld grausamer Regime waren, waren sie von Gott zugelassen,
um diesen Fluch zu erfüllen und sein Volk für die Wiederkunft Christi zu
läutern.
18
Gemeint ist die römische Strafe der Geißelung (lat.: verberatio; od.: flagello),
die ohne Begrenzung der Zahl der Hiebe mit einer Lederpeitsche (lat.: horribile
flagellum) in die Bleistücke und scharfkantige Knochenstücke eingeflochten
waren, durchgeführt wurde, und zwar nach Todesurteilen und anderen entehrenden
Strafvollzügen, so vor allem bei der Kreuzigung, der sie fast immer vorausging
(Josephus, De Bella Judaicum, V,11,1; 2,343). Nach römischem Recht wurde diese
Strafe, sowie die Kreuzigung, in der Provinz nur an Sklaven, Aufständischen
oder Nichtjuden, im Allgemeinen aber nicht an römischen Bürgern, angewandt. Nach
dieser Tortur war der Rücken des Ausgepeitschten eine einzige blutige
Fleischwunde und verkürzte das Sterben am Kreuz (65,I,195). Die Kreuzigung,
welche die Römer von den Katharern übernommen hatten, war die schändlichste und
grausamste Hinrichtungsart der Antike.
19
Ursprünglich das Zelt des römischen Feldherrn bzw. der Platz auf dem es stand,
dann das kaiserliche Hauptquartier und die Garde. In Jerusalem war dies
entweder im ehemaligen hasmonäischen Königspalast gegenüber der Südwestecke des
Heiligtums (2,z.St.), oder in der Burg Antonia im Nordwesten des Tempelplatzes,
dem Amtssitz des römischen Procurators (1,1398; 59,393).
20
Vgl. Ps 69,22. Ein Mischtrank aus saurem Wein und Myrrhe. Myrrhe war ein
wohlriechendes Harz und wurde hier als Bitterstoff verwendet, er diente zur Betäubung der zum Kreuzestod
Verurteilten (vgl. Mk 15,22), um den Schmerz der Nagelung zu verringern, -
daher lehnt Jesus ihn ab. Er will die Leiden bewusst auf sich nehmen. Manche
meinen aber, dieser Trank diente dazu, die Qualen noch zu erhöhen (47,z.St;
2,200; 65,I,289). Das aramäische Wort für Myrrhe und das hebräische Wort für
Galle sind sehr ähnlich (65,I,197).
21
Der Imperfekt bedeutet: anfangs schmähten in beide. Einer der Beiden besann
sich aber später und glaubte, wie Lk 23,40ff zeigt (64,484). Eine
bemerkenswerte Bekehrung noch in letzter Stunde!
22
Manche Mediziner deuten den lauten Aufschrei als Zeichen für einen
unmittelbaren Riss des Herzens (22,I,332). Normalerweise starben die
Gekreuzigten durch Erstickung, manchmal auch erst nach tagelangem Todeskampf
(65,I,291). - Jesus war als Mensch der Einzige, der sein Leben bewusst lassen
konnte (vgl. Joh 10,17-18), allen anderen wird es zur bestimmten Zeit genommen.
Der Todestag Jesu war wahrscheinlich der 14.Nisan (7.April) des Jahres 30
n.Chr. (47,1441).
23
Wahrscheinlich der Vorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten
(48,153; 20,574; ). Dies zu sehen, war offenbar nur möglich, weil während des
Abendopfers der diensthabende Priester gerade im Heiligen des Tempels räucherte
(65,I,198). Nach anderen der erste Vorhang am Eingang zum Heiligtum, ausgelöst
durch den Bruch des Balkens über der Eingangspforte des Tempels (20,575; 36,706).
- Dieses göttliche Zeichen, dass der Weg zu Gott durch Jesu stellvertretendes
Opfer nun ein für alle Mal und ohne Vermittlung von Priestern geöffnet war, war
damit für die Juden umso eindrücklicher (vgl. Heb 9,6-14). Im Talmud steht,
dass dieser Vorhang fest gewebt und 15 cm dick war. Man benötigte 300 Priester,
um ihn zu tragen. Keine menschliche Hand, sondern nur Gottes Hand, konnte ihn
von oben nach unten zerreißen (58,278), wobei Gott natürlich das
Erdbeben benützt haben könnte. Es gibt eine Stelle im Talmud (vgl. Mischna-Traktat Joma
39b und VI, 8d) mit folgendem Wortlaut: "Vierzig Jahre, bevor (das war 30
n.Chr., also im Todesjahr Jesu) das Haus des Heiligtums zerstört wurde (das war
70 n.Chr.), erlosch die westliche Lampe, und das karmesinrote Wollband blieb
rot, und das Los Gottes kam zur linken Seite hervor, und man verschloss die
Türen des Tempels am Abend, und als man morgens aufstand, fand man sie
geöffnet. Es sagte Rabban Jochanan ben Sakkai: Tempel, warum erschreckst du
uns? Wir wissen, dass dein Ende Zerstörung ist, wie in Sach 11,1 geschrieben
steht: Öffne Libanon, deine Türen, und Feuer wird deine Zedern verzehren".
Der Hintergrund ist folgender: Während der 40-jährigen Amtszeit des
Hohepriesters Simon des Gerechten (im 3.-2.Jhdt v.Chr.), kam beim großen
Versöhnungstag das "Los für den Herrn" immer in seine rechte
Hand, was als gutes Zeichen von Gott gewertet wurde. Und der karmesinrote Faden,
der an der Tempeltür befestigt war, wurde immer weiß, wenn der
Sündenbock in der Wüste gestorben war, was ein Zeichen für Gottes Vergebung war.
Und das westlichste Licht am siebenarmigen Leuchter im Heiligtum, brannte immer
länger als die anderen sechs Lichter, obwohl es als erstes angezündet wurde und
genauso viel Öl hatte wie die anderen sechs Lichter. Die Juden verstanden diese
Wunder-Zeichen als Gottes Annahme ihres Opfers am Versöhnungstag. Doch ab dem
Todestag Christi im Jahr 30 n.Chr., also genau 40 Jahre vor der Zerstörung des
Tempels im Jahr 70 n.Chr., traten diese guten Zeichen niemals mehr ein,
denn die Opfer hatten mit dem Tod Christi ihre Notwendigkeit verloren (58,277f;
36,707). 40 ist in der Bibel die symbolische Zahl für Prüfung. Auch Flavius Josephus
erzählt diese Begebenheit in Bella Judaicum VI,5,2-4, allerdings ausführlicher.
24
Pilatus hoffte wohl, dass die Volksmenge Mitleid mit Jesus hatte und sich,
entgegen dem Wunsch der Hohepriester, doch gegen Barabbas entschied. Dann hätte
er Jesus freigeben können, nicht aus Mitleid, sondern weil er den von ihm
gehassten Hohepriestern weder einen Gefallen tun noch ihren Neid unterstützen
wollte.
25
Pontius Pilatus als Statthalter der römischen Provinz Judäa stand allein das
Recht zu, die Todesstrafe zu verhängen. Religiöse Vergehen wurden nur dann mit
dem Tod bestraft, wenn es sich um eine Entehrung des Kaisers, um die Entweihung
rechtlich geschützter religiöser Einrichtungen oder um Hochverrat handelte. Daher
wurde Jesus nach Mt 27,11 von den Hohepriestern bei Pilatus als politischer
Hochverräter angeklagt und aals einer, der den Tempel niederreißen wollte. Das
wird durch die gerade hierfür vorgesehene Hinrichtungsart der Kreuzigung
bestätigt. Sein Königs-Anspruch wurde bewusst politisch missgedeutet (vgl.
47,z.St.).
26
Nach römischer Sitte wurde der Grund für die Verurteilung auf eine Tafel
geschrieben (lat.: titulus), die dem Verurteilten auf dem Weg zur
Hinrichtung vorangetragen wurde, oder die er selbst tragen musste (vgl.
47,z.St.; 65,I,420). Die Soldaten nagelten sie dann über dem Kopf Jesu an den
Pfahl. Ob dies allgemein üblich war, muss offenbleiben (21,I,329).
27
Die Juden rechneten damals die Tageszeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
und teilten diese Zeitspanne in 12 Stunden ein. Die sechste Stunde war also
etwa um ca. 12 Uhr mittags, die neunte Stunde um ca. 15 Uhr. Um diese Zeit fand
das Abendopfer im Tempel statt (65,I,198). - Um eine normale Sonnenfinsternis,
wie der samaritanische Historiker Thallus behauptete, kann es sich nicht
gehandelt haben, denn das Passahfest war immer bei Vollmond, und bei Vollmond
gibt es keine Sonnenfinsternis. Der antike Autor Julius Africanus zitiert
Thallus diesbezüglich und korrigiert ihn folgerichtig. Das Zitat von Africanus
bestätigt uns jedoch, dass der Historiker Thallus sowohl die Kreuzigung Jesu
als auch die Finsternis als historische Tatsache erzählt, und die Finsternis auf
natürlichen Weg erklären möchte. Doch diese Finsternis muss übernatürlich
gewesen sein. Es war die "Macht der Finsternis", sozusagen auch in
der Natur wiedergespiegelt. Es gibt auch andere historische Quellen, die von
dieser Finsternis berichten: "Im vierten Jahr der 202. Olympiade ereignete sich
eine große Sonnenfinsternis, die alle bisher eingetroffenen überragt. Zur sechsten
Stunde wurde der Tag zur dunklen Nacht, sodass sogar am Himmel die Sterne sichtbar
waren. In Bithynien bebte überdies die Erde und die Stadt Nicäa stürzte zum
großen Teil ein", und weiter, "Im 18. Jahr des Kaisers Tiberius
geschah eine große Sonnenfinsternis, gewaltiger als jede die man vorher kannte.
Und es wurde um die sechste Stunde Nacht, sodass auch die Sterne sichtbar
wurden" (Publius Aelius Pflegon, Fragmenta; sowie 20,574).
28
Elija galt im jüdischen Volksglauben als Nothelfer der Gerechten, vor allem als
Beistand in der Todesstunde (vgl. 47,z.St.). Die Soldaten verstanden natürlich
das aramäische "Eli, Eli" nicht, und schlossen aus dem ähnlichen Klang,
er rufe Elija.
29
In der Gräz. auch das buntgestickte
Staatsgewand, welches als Amtskleid von Magistraten, Militärkommandanten,
Königen und Herrschern getragen wurde. Im NT wahrscheinlich eine Robe oder ein
Soldatenmantel von scharlachroter Farbe wie er von hochgestellten Zivilbeamten
und höheren römischen Offizieren sowie von Feldherren als Amtstracht getragen
wurde. Vielleicht war es ein ausrangierter Mantel von Pilatus, was die
Verspottung Jesu noch stärker machen würde.
30
Gewöhnlich blieben die Gekreuzigten
einige Tage am Kreuz und wurden von den Aasgeiern zerfressen, der verbleibende
Teil des Körpers wurde in eine Abfallgrube geworfen. Dies ist auch der Grund,
warum Archäologen nur wenige Gräber von Gekreuzigten fanden (65,I,292), obwohl laut
Josephus bei der Belagerung Jerusalems zehntausende Juden gekreuzigt wurden. - Gott
ehrte seinen Messias und ersparte ihm diese Schande, womit Jes 53,9 erfüllt wurde.
Es wurde ein Skelett eines Gekreuzigten ausgegraben, dass sich auch in dem Grab
eines Wohlhabenden befand (65,I,422).
31
Am ehesten war diese aus dornigen
Disteln oder Zweigen des Akanthusstrauches geflechtet, Pflanzen, die rings um
Jerusalem massenweise wucherten. Die Dornenkrone sollte Jesus als
"König" lächerlich machen (46,264; 65,I,288).
32
Pilatus
wurde im Jahr 26 n.Chr. von Kaiser Tiberius als fünfter Präfekt ("praefectus",
den gleichen Titel hatten auch Felix und Festus, später wurde daraus der Titel "procurator")
über die Provinz Judäa eingesetzt und verwaltete diese bis 36 n.Chr. Er hatte
die Oberaufsicht über 4-5 Kohorten (ca. 20.000 Legionäre). Die meisten davon
waren in Cäsarea stationiert, ein Teil aber auch in der Burg Antonia in
Jerusalem. Als Präfekt hatte er das Recht die Todesstrafe anzuordnen. Wenn der
jüdische Sanhedrin die Todesstrafe über jemanden verhängte, musste dies von
Pilatus ratifiziert werden, er konnte den Beschluss des Sanhedrins aber auch
für ungültig erklären. Die Hohepriester waren sehr von ihm abhängig. Sie wurden
von ihm eingesetzt, der Ornat des Hohepriesters war in seiner Verwahrung und
wurde nur zu den dafür vorgesehenen Festlichkeiten von ihm herausgegeben.
Ebenso kontrollierte er die Ordnung im Tempel und den Tempelschatz. Seine erste
Amtshandlung, als er in die Provinz kam, war, die römischen Feldzeichen mit dem
Namen des Kaisers im ehemaligen Palast des Herodes in Jerusalem aufzustellen
(was seine Vorgänger vermieden hatten), und so die Juden zum Zorn zu reizen.
Als die vier Söhne von Herodes (!) bei Kaiser Tiberius dagegen protestierten
und ein Aufstand drohte, kam Pilatus nach 6 Tagen ihrem Wunsch nach und
entfernte die Feldzeichen und brachte sie zurück nach Cäsarea in den Augustus-Tempel.
In seiner Residenz in Jerusalem stellte er jedoch goldene Schilde auf, die den
Namen des Kaisers und seinen eigenen Namen eingraviert hatten. Als aber dem
Kaiser Tiberius hinterbracht wurde, dass die Juden auch dies beanstandeten,
ordnete der Kaiser an, Pilatus solle auch diese aus seiner Residenz in
Jerusalem entfernen. Später entnahm er dem Tempelschatz Geld, um damit ein
Viadukt zur Wasserversorgung Jerusalems zu finanzieren. Den darauf an einem
jüdischen Fest entstandenen Aufstand ließ er blutig niederschlagen. Von Philo
und Josephus wird sein Charakter ungünstig beschrieben: ohne Gottesfurcht,
ungerecht, streng, unbeugsam, hart, stur und von unberechenbarem Temperament,
kein würdiger Vertreter der römischen Gerichtsbarkeit, andererseits stark auf
den eigenen Vorteil bedacht und bereit das Recht zu seinen Gunsten zu biegen.
Er provozierte die Juden immer wieder mit seinen ungerechten und brutalen Gewaltausbrüchen
und Behandlungen, sowie durch seinen Stolz. Er ließ Todesurteile ohne vorherige
Gerichtsverhandlung vollstrecken. Das NT beschreibt ihn daneben auch als einen
schwachen Charakter, der seinen Prinzipien nicht treu blieb, da er, um des
eigenen Vorteils willen, den Juden gefällig sein wollte, obwohl er wusste, dass
Jesus unschuldig war (vgl. Joh 19,6). Er hatte Angst, dass sie seinen ohnehin
schon angeschlagenen Ruf beim Kaiser in Rom noch mehr schaden könnten. Im Jahr
36 n.Chr. ließ Pilatus eine bewaffnete religiöse Versammlung von Samaritern am
Berg Garizim überfallen, gefangen nehmen und später auch hinrichten. Er wurde daraufhin
im Winter 36/37 n.Chr. von Vitellius, dem römischen Legaten in Syrien,
abgesetzt und zur Verantwortung vor dem Kaiser, nach Rom geschickt. Wie diese
Vorladung ausging, ist nicht bekannt, denn Kaiser Tiberius starb während
Pilatus noch auf dem Weg nach Rom war. Angeblich wurde er irgendwann danach
unter der Regierung von Kaiser Caligula in Rom zum Selbstmord gezwungen. Nach seiner Absetzung wurde er durch Marcellus
ersetzt (52,IV,1049; 33,939; 21,I,322).
33
Damit
erfüllte sich Ps 109,9. - Es besteht kein Widerspruch zu Apg 1,18, sondern
beide Berichte ergänzen sich. Judas erhängte sich, der Ast des Baumes, an dem
das Seil befestigt war, brach ab, sein Körper stürzte in die Tiefe und zerbarst
am Felsboden, wobei seine Eingeweide austraten (34,II,573ff; 60,442; 64,483).
Vgl. die Anm. bei Apg 1,18. - Die Reue des Judas war, im Gegensatz zu Petrus, eine
Betrübnis zum Tod (2Kor 7,10).
34
Vers
52b-53 ist ein Einschub. Matthäus betont, dass diese Heiligen erst nach
Christi Auferstehung aus den Gräbern kamen und anderen erschienen. Sicherlich
sind sie danach, so wie Lazarus, wieder gestorben und in ihre Gräber
zurückgekehrt, denn Christus ist der "Erstling der Entschlafenen"
(1Kor 15,20), und es gibt vor der Entrückung keine Heiligen im Himmel mit einem
Auferstehungsleib. Auch Henoch und Elija dürften bei ihrer Entrückung ihren
natürlichen Körper verloren haben, denn "Fleisch und Blut können das Reich
Gottes nicht erben" (1Kor 15,20). - Matthäus hätte diese außergewöhnliche
Begebenheit sicher nicht niedergeschrieben, wenn es nicht Augenzeugen dafür gegeben
hätte. So wie durch das Zerreißen des Vorhangs symbolisch angedeutet wurde,
dass der Weg zu Gott nun für jedermann frei ist, wurde durch die leibliche
Auferstehung dieser Personen bezeugt, dass durch Jesu Tod und Auferstehung die
Macht des Todes besiegt ist.
35
Vielleicht
war dies ihr Ansinnen, weil sie das Geld für den Verrat vom Tempelschatz
entnommen hatten. Vgl. die Anm. bei Mt 26,15
36
Dies
war der Standardgruß für den römischen Kaiser und hier als Verhöhnung gedacht
(65,I,196).
37
In
der damaligen Zeit war es völlig unüblich, dass fremde Frauen mit einer
Gruppe Männer monatelang unterwegs waren, und so gut wie ein Skandal. Diese
Frauen werden hier als Jesu Jüngerinnen gesehen (65,I,201). Hier stehen diese
Frauen fern vom Kreuz, in Joh 19,25 sind dann die Mutter von Jesus und
Maria Magdalena direkt unter das Kreuz Jesu gegangen, vielleicht nachdem sich
die Volksmenge verflüchtigt hatte.
38
Dieser
Stein hatte einen Durchmesser von etwa 1 Meter, er war sehr schwer und wurde in
einer abschüssigen Rille vor den Grabeingang gerollt. Nur mit Mühe konnte er von
etlichen Männern wieder weggerollt werden (65,I,220.293).
39
Der
erste Mensch, der Jesus nach der Kreuzigung als Sohn Gottes anerkannte war ein
Heide! Er meinte damit allerdings nur, dass Jesus ein vollkommen gerechter
Mensch war (Lk 23,48).
40
Damit
erfüllte sich Ps 109,12a
41
Das
ist das gute Bekenntnis von 1Tim 6,13, zu den anderen Vorwürfen hat Jesus
geschwiegen, da er schon vorverurteilt war und wusste, was geschehen sollte.
Nur Johannes berichtet noch von anderen Antworten Jesu (Joh 18,20-21.36-37;
19,10-11).
42 Kein Widerspruch zu Mk
15,23. Er kostete zwar, wollte aber diesen Betäubungstrank dann nicht trinken.
43 Der Tag nach dem Rüsttag war der Sabbath, also ein Ruhetag. Doch anstatt zu ruhen, gingen die Hohepriester sogar in das Haus des Heiden Pilatus, was sie tags davor verweigerten, und machten sich an die Arbeit das Grab zu versiegeln (91,z.St.).
Matthäus 28
1 Vgl. Mt 10,41, "…zum/in den Besitz des
Vaters" (2,z.St.), es wäre demnach das Gleiche wie in Apg 19,5; Röm 6,3
und Gal 5,26, wo "auf den Namen Jesu", bzw. "auf
Christus" getauft wurde. - Die Taufformel könnte hier auch bedeuten: Im
Auftrag des dreieinigen Gottes, denn in Apg 10,48 wurde "getauft im
Namen Jesu".
2 Inf.Präs.: d.h. beständig zu praktizieren.
Es geht also in der christlichen Verkündigung um die praktische
Anwendung und nicht bloß um die Vermittlung von Kopfwissen.
3 Und nicht nur das Wichtigste; vgl. Mt 23,23b!
4 Durch diese Verheißung zeigt der Herr, dass
der Missionsbefehl auch für die Generationen nach den Aposteln gilt.
5 Also bestand die Wachmannschaft aus römischen
Soldaten, den nur dann gibt die versprochene Intervention der Hohepriester bei
Pilatus einen Sinn. Auf Schlaf im Bewachungsdienst stand nämlich die
Todesstrafe, doch Pilatus wird sich nicht weiter um die Sache gekümmert haben.
Dass Pilatus sich von den verhassten jüdischen Hohepriestern bestechen ließ,
klingt mehr als unglaubwürdig und ist eine offensichtliche Erfindung der Juden,
um für den verschwundenen Leichnam Jesu eine Erklärung zu haben, eine
Geschichte, die bis heute im Judentum geglaubt wird.
6 Eigtl.: jemanden in etwas einführen. Im
weiteren Sinn von einem Lehrling, der einem Meister zuschaut und dabei lernt
wie man eine Sache macht, um sie dann selbst so zu machen, wie er es beim
Meister gesehen hat. Weiters, jemanden zum Jünger, Schüler bzw. Anhänger von
jemanden machen, nämlich alle Völker mit dem Ziel der Bekehrung und der
anschließenden Nachfolge. Dieses "schulen" beinhaltet letztlich auch,
die Bekehrten zu taufen und sie zu lehren, alles zu praktizieren, was der Herr
aufgetragen hat. Dass dieses Ziel nicht bei allen Menschen erreicht werden
wird, soll nicht daran hindern es trotzdem bei allen zu versuchen. Dieser
Missionsbefehl galt in seinem vollen Umfang zuerst einmal nur den 11
Aposteln. Nur sie hatte Jesus zu sich gerufen, obwohl es damals schon viel mehr
Jünger gab (Apg 1,15; 1Kor 15,6). Später berief der Herr auch noch andere in
den Dienst der Verkündigung (Apg 13,2.4), und er tut dies noch bis heute.
Daneben ist jeder Jünger berufen entsprechend seinen Gaben an diesem Auftrag
mitzuarbeiten. Zum Thema "Jünger-machen" siehe: https://drive.google.com/file/d/1IVZ9ds9xSFzMgumeZhAEGU5Dmo73XVV6/view?usp=sharing
7 D.h. genug Bestechungsgeld, um zu schweigen.
Wenn es sich bei diesem Schweigegeld um silberne Stater handelte (vgl. 33,792),
könnte es sein, dass die Hohepriester diese aus dem Tempelschatz entnommen
haben. Die jährliche Tempelsteuer wurde nämlich in Stater bezahlt.
8 Nämlich, ob er wirklich der auferstandene
Jesus sei.
9 od. als imperativisches Ptz.: "Geht
schnell...".
10 Schlafen während des Dienstes wurde im
römischen Heer oft mit der Hinrichtung geahndet (Petronius, Satyricon 112). Es wurde
eine Steintafel gefunden, wahrscheinlich aus der Regierungszeit des Kaisers Claudius,
auf der folgende Inschrift als ein kaiserlicher Erlass für Galiläa steht: "Es
ist bei Todesstrafe verboten, Gräber zu öffnen und zu plündern". Manche
beziehen diesen Erlass als Reaktion auf den behaupteten Diebstahl von Jesu
Leichnam (Mt 27,11ff), aber dies muss offenbleiben (33,215).
11 Zu Pilatus selbst zu gehen, wäre todesmüde
gewesen, es waren die Hohepriester, die sie angefordert hatten, also war es auch
ihr Problem.
12 Nach Joh 20,12 sahen die Frauen zwar zwei
Engel, Matthäus erwähnt aber nur den einen Engel, der auch zu ihnen sprach
(64,487).
13 Nach 1Kor 15,5 erschien der Herr zuerst dem
Petrus, hier und in Joh 20,10-18 aber der Maria Magdalena. Das ist kein
Widerspruch, denn für Paulus geht es um das amtliche Zeugnis, und damals
war das Zeugnis einer Frau nicht rechtsgültig (64,488).
14 Die Dämmerung begann
eine knappe Stunde vor Sonnenaufgang (54,z.St.).
15 Dass Frauen die ersten Zeugen der
Auferstehung wurden, ist bedeutsam, da das Zeugnis von Frauen damals so gut wie
wertlos war (65,I,201). Zur Harmonisierung und Reihenfolge der
Auferstehungsberichte in den vier Evangelien, vgl.: 60,446ff. und Scofield
Bibel, Anm. zu Joh 20,16. Die Reihenfolge der 10 Erscheinungen Jesu nach seiner
Auferstehung dürfte folgende gewesen sein: (1.) der Maria Magdalena zeitig
Sonntag in der Frühe; Mk 16,9-11; Joh 20,11-18 - (2.) den anderen Frauen am
Grab Sonntag in der Frühe; Mt 28,8-10 - (3.) dem Petrus, wahrscheinlich am
Sonntag-Nachmittag; Lk 24,34; 1Kor 15,5 - (4.) den Emmaus-Jüngern gegen
Sonntag-Abend; Lk 24,13-32; Mk 16,12 - (5.) allen Aposteln, außer Thomas, am
Sonntag spät abends; Mk 16,14; Lk 24,36-43; Joh 20,19-25 - (6.) allen
Aposteln, auch Thomas, am nächsten Sonntag abends; Joh 20,26-31; 1Kor 15,5 -
(7.) sieben Aposteln am See Genezareth; Joh 21,1-23 - (8.) den Aposteln
mitsamt mehr als 500 Brüdern auf einmal; 1Kor 15,6; Mt 28,16-20 - (9.) seinem
Halbbruder Jakobus; 1Kor 15,7 - (10.) den Aposteln am Ölberg bei seiner
Himmelfahrt; Mk 16,19-20, Lk 24,50-53; Apg 1,4-12.
1 Frei nach Ex
23,20 und Mal 3,1. Im AT ist eigentlich von Gott die Rede, hier wird es auf
Jesus angewendet, weil in ihm Gott Mensch geworden ist.
2 Frei nach
Jes 40,3 (LXX). Bei einem Mischzitat aus dem AT wie hier, wird nach jüdischem
Brauch nur der der bekanntere Autor genannt, hier eben der Prophet Jesaja
(54,z.St.).
3 od. als
toleratives Pass.: "ließen sich taufen". Diese Taufe entsprach der
einmaligen Proselyten-Taufe beim Übertritt ins Judentum. Es muss für die Juden
eine unglaubliche Beleidigung gewesen sein, dass Johannes eine solche Taufe
forderte. Sie fühlten sich als Kinder Abrahams sicher. - Der Taufort am Jordan
erweckte Erinnerungen an Israels Heilsgeschichte, wie sie im Buch Josua, Kap.
3-4 erzählt wird (65,I,208).
4 Hier ist keine
Erwähnung von einer Taufe mit Feuer (des Gerichts), weil er zu Bußfertigen
(V.5) spricht. Im Gegensatz dazu wird in Mt 3,7ff. und Lk 3,7ff. von der Taufe
mit Feuer gesprochen, weil dort von gemischtem Publikum die Rede ist, weshalb
dort auch die Erwähnung des Gerichtsfeuers nötig war.
5 Als
Imp.Pass. im Slang, fast: "Halt jetzt endlich deinen Mund!"; oder
noch freier: "Halts Maul"! vgl. auch Mk 4,39.
6 In Mt
4,24 steht: es kamen viele!
7 Bei
Markus nicht nur ein Titel, sondern, wie in Mt 16,16, die Gottheit Jesu
bezeichnend. Vgl. auch Mk 1,11; 3,11; 5,7; 9,7; 12,6; 13,32; 14,61; 15,39 (2,z.St.).
8 D.h. eine
große Menge, die Mehrheit (2,z.St.).
9 vgl.
Elija in 2Kön 1,8 und Mal 3,23.
10 Entw.
allg.: als Prediger; od. spez.: aus Kafarnaum; oder von Gott; oder absichtlich
mehrdeutig (2,z.St.).
11 Aussatz
umfasste in der damaligen Zeit verschiedene Hautkrankheiten, z.B. auch Lepra. Der
Aussatz und verschiedene Hautkrankheiten schlossen vom Zusammenleben mit
anderen Menschen aus, denn der Aussatz verunreinigte kultisch.
12 Erst wenn
die dafür zuständigen Priester die Heilung festgestellt hatten und die
vorgeschriebenen Opfer dargebracht waren, war die Rückkehr in die alte
Lebensgemeinschaft wieder erlaubt. Vgl. Lev 13,1 - 14,57 (47,z.St.). Jesus
wollte, dass sich die Priester mit seiner messianischen Vollmacht
auseinandersetzen, und ihn dann als Messias anerkennen müssen. Die letzte
Reinigung eines Aussätzigen im AT geschah durch den Propheten Elisa und lag
schon hunderte Jahre zurück! Der Mann dürfte aber, anstatt zu den Priestern zu
gehen, mit der Sache "Publicity" gemacht haben (Vers 45a).
13 Die
Tatsache, dass der Besessene unbehelligt im Synagogengottesdienst sein konnte,
beweist, dass sich Besessenheit nicht immer äußerlich manifestierte. Offenbar
gibt es verschiedene Grade von Besessenheit.
14 Immer dann, wenn Jesus Dämonen direkt
anspricht oder wenn Satan hinter einer Sache steht, bedroht er bzw. herrscht er
an (επι-τιμαω): vgl. Mt 12,16; 17,18; Mk 1,25; 3,12; 8,33;
9,25; 9,42; Jud 1,9, so wie er es schon als "der Engel des Herrn" im AT getan hatte (Sach 3,8). - Bei dem
Aussätzigen dürfte es auch noch eine Rolle gespielt haben, dass Jesus schon im
Voraus wusste, dass der Aussätzige seinem Befehl nicht gehorchen würde. Es
scheint so, dass er gar nicht zu den Priestern ging, um für seine Heilung zu
opfern (Vers 45a).
15 Dies ist ein Mustergebet: sich demütig vor
dem Herrn niederwerfen und ihn bitten, dass sein Wille geschehe.
16 Wenn der Herr uns hilft, danken wir ihm dann
zuerst dafür, oder berichten wir vor allem den anderen Gläubigen von
unseren großartigen "Gebetserhörungen"?
1 Eigtl.:
durch Aufbrechen eine Öffnung auf einem Hausdach herstellen. Die Häuser in
Palästina hatten Flachdächer. Das Dach einer Wohnhütte bestand aus Holzbalken
oder Knüppeln, über die Schilf oder Äste gelegt waren. Das Ganze war mit
festgetretenem Lehm zugedeckt. Über eine Seitenstiege konnte man auf das Dach
steigen und konnte dann eine Öffnung im Dach machen, ohne großen Schaden
anzurichten. Dass der Hausbesitzer dies ohne weiteres zuließ, ist erstaunlich.
War es vielleicht das Haus von Petrus? (vgl. 46,78; 47,z.St.)
2 Die
"Söhne des Brautgemachs" waren die Freunde des Bräutigams und waren
unentbehrlich für eine Hochzeitsfeier. Sie begleiteten den Bräutigam bei der
Abholung der Braut und arrangierten die Hochzeitsfeierlichkeiten. Vgl. noch Ps
150,2; Mt 9,15; Lk 5,34
3 Vgl. Anm.
bei Mt 9,16-17
4 Ernten
war nach rabbinischer Auslegung am Sabbat verboten!
5 In 1Sam 21,1-7
und 22,20 ist es zwar der Hohepriester Ahimelech, der Vater von Abiathar, der
David die Schaubrote gab. Er war der Vater seines damals schon lebenden Sohnes
Abiathar, der unmittelbar danach durch David Hohepriester wurde. Für eine
Erklärung siehe: 2,226f.; 60,466 und 64,491f.
6 D.h. er
ist der Herr über den Sabbat und er darf daher auch bestimmen, was am Sabbat
erlaubt ist und was nicht (2,z.St.).
7 Der
Sabbat wurde gemacht, damit der (erste) Mensch im Schöpfungswerk Gottes ruhen
konnte. Jesus greift damit auf den ursprünglichen Sinn des Sabbats zurück: Er
sollte für Menschen und Tiere eine Wohltat sein (vgl. Ex 20,9; Dtn 5, 12-14).
8 od.:
"außer Gott allein"; od.: "außer dem einzigen Gott".
9 Die
Pharisäer bildeten eine religiöse Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht
hatte, das jüdische religiöse Gesetz zu studieren und genau zu beachten. Zu
ihnen gehörten Priester und Laien, und vor allem viele der Schriftgelehrten.
Die Schriftgelehrten bildeten einen eigenen Stand von Gesetzesgelehrten und
religiösen Juristen, die das Recht besaßen, öffentlich zu lehren und Schüler,
um sich zu sammeln. Sie hatten neben den Priestern entscheidenden Einfluss auf
das jüdische Leben.
10 Die Zölle
wurden an die Meistbietenden verpachtet. Diese wirtschafteten meist auch in die
eigene Tasche. Darum galten Zöllner als Diebe und Betrüger. Die Begriffe
"Zöllner" und "Sünder" waren austauschbar (vgl. 47,z.St.).
11 Die Juden
waren lediglich verpflichtet, am Versöhnungstag (vgl. Lev 16,1ff) zu fasten. In
Notzeiten wurden eigene Fasttage ausgerufen. Insbesondere Pharisäer fasteten
darüber hinaus, stellvertretend für die Sünden anderer, und zwar zweimal in der
Woche, montags und donnerstags. Das Fasten bestand in völliger Enthaltung von
Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Jesus fastete mit
seinen Jüngern nicht an bestimmten Tagen, sondern so wie Gott ihn leitete, und
er kritisierte die heuchlerische jüdische Fastenpraxis; vgl. Mt 6,16-18 (vgl.
47,z.St.).
12 Dieses regelmäßige
Fasten für einen bestimmten Zweck, wurde dann in der Urgemeinde üblich:
Apg 9,9; 13,2-3; 2Kor 11,27b ua.
13 War es
sein Haus (vgl. Mt 4,13)? Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass Jesus ein
eigenes Haus hatte (vgl. Mt 8,20). Vielleicht ist das Haus von Petrus gemeint.
14 Das gibt
Mut im Glauben für andere zu beten. Natürlich hatte auch der Gelähmte selbst
Glauben (Lk 5,25), sonst hätte er sich gegen diesen Transport verwehrt.
1 Die
ärztliche Tätigkeit galt als Arbeit und durfte deshalb nach pharisäischer
Auffassung am Sabbat nur dann ausgeübt werden, wenn Lebensgefahr bestand (vgl.
47,z.St.).
2 Damit
macht der Herr deutlich, dass ein Besessener erst frei werden muss, bevor er
gläubig werden kann. Damit wird aber auch die Lehre, dass Satan an einem
Gläubigen noch "Anrechte" haben kann, ad absurdum geführt (vgl. auch
Joh 8,36; 1Joh 5,18). Der Körper des Gläubigen ist ein Tempel des
Heiligen Geistes (1Kor 6,19), und der Heilige Geist teilt sich diesen Tempel gewiss
nicht mit Dämonen.
3 Es ist
dies die gleiche Verstockung, die auch beim Pharao vorhanden war. Zuerst
verstockte er sein Herz selbst (Ex 7,13-14.22; 8,11.15.28; 9,7.34-35), erst
danach verstockte Gott sein Herz endgültig (Ex 9,12; 10,1.20.27;
11,10), damit er alle seine Wunder bis zum Ende vor ihm vollbringen konnte (Ex
7,7). Gott wusste bereits im Vorhinein, dass der Pharao sein Herz verstocken
würde (Ex 3,19; 11,9), und er weiß dies auch von jedem anderen Menschen. Er hat
niemanden zur Verdammnis vorherbestimmt, denn es ist Gottes Wille, dass alle
Menschen gerettet werden (1Tim 2,4). Menschen gehen verloren, weil sie die
Errettung ablehnen.
4 od.: "man
sagte", d.h. die Leute sagten (13,2).
5 Da die Wunder Jesu immer mehr wurden, - erst
kurz davor hatte die erste Totenauferweckung stattgefunden (Lk 7,11ff), - und
die Volksmengen sich immer mehr fragten, ob Jesus vielleicht der Messias sei,
mussten die Hohepriester in Jerusalem reagieren. Sie sandten deshalb ihre
Schriftgelehrten nach Galiläa, um die Sache zu untersuchen. Die Wunder konnten
nicht mehr geleugnet werden, also wurden sie der Kraft Satans zugeschrieben.
6 Dies ist entweder
ein späterer Zusatz, oder die Worte wurden unabsichtlich ausgelassen. Es ist
aus kulturellen Gründen aber eher unwahrscheinlich, dass auch die Schwestern
von Jesus bei dieser Aktion dabei waren (vgl. 27,82).
7 Idumäa ist das von den Edomitern bewohnte Gebiet südlich von Judäa und westlich des Toten Meeres, etwa 200 km südlich vom See Gennezaret. Tyrus und Sidon waren die wichtigsten Hafenstädte Phöniziens, im heutigen Libanon (54,z.St.).
1 Jes 6,9-10; Ps
103,12 (LXX)
2 Verlangt
eine bejahende Antwort (1,1195).
3 Als
Imp.Perf.Pass. im Slang, fast: "Halt jetzt endlich deinen Mund!",
"Halt´s Maul", ein t.t. für Exorzismus (1,1718). Der Sturm wird damit
vom Herrn als eine dämonische Macht angesehen, die der Teufel sandte (vgl. Hiob
1,12.19), um ihn davon abzuhalten die Besessenen am anderen Ufer des Sees, aus
der Gewalt des Teufels zu befreien (vgl. auch die Anm. bei Lk 4,39 und 1Thes
2,18).
4 D.h. wohl
müde und matt von dem anstrengenden Tag, und ohne dass weitere Vorkehrungen
getroffen wurden (75,145). Dieser Tag war gefüllt von Predigen und Heilen.
Jesus ist so erschöpft, dass er sofort einschläft, und auch trotz des heftigen
Wellengangs nicht aufwacht. Er ist vollkommen Mensch, aber auch
gleichzeitig im nächsten Augenblick vollkommen Gott, denn ER gebietet
den Naturgewalten, weil ER sie geschaffen hat, und alles trägt durch das Wort
seiner Macht (vgl. Kol 1,17; Heb 1,3).
5 od.:
fallen vom Glauben ab.
6 D.h. es
bringt keine Frucht im Leben, was beweist, dass die Bekehrung nach Jak 2,17.26
nicht echt war.
7 od.
viell.: "…sie fürchteten sich jetzt erst recht"? (2,z.St.). - Zuerst
fürchteten sie sich vor dem Sturm (Mt 8,26), jetzt aber fürchten sie den Herrn.
Ja, wer Gott fürchtet, braucht vor Menschen und Umständen keine Angst mehr zu
haben (1Joh 4,18), und wer vor Gott kniet, kann vor Menschen stehen!
8 Hes 17,23
9 od.: "…weil",
wie in der Parallelstelle in Mt 13,13, denn ινα bedeutet in der Koine manchmal
auch: weil (13,140f.146).
10 Das
Wasser trug die Schallwellen besser. An manchen Buchten im See Genezareth war
die Akustik so hervorragend, dass man problemlos von bis zu 7000 Menschen die
am Ufer standen, verstanden werden konnte (65,I,224).
11 Die heftigen
Stürme am See Genezareth ergeben sich daraus, dass die Stürme über die
umliegenden Bergen wehen und dann mit starker Wucht plötzlich auf den 200 m
unter dem Meeresspiegel gelegenen See herabfallen und die Wellen aufpeitschen.
Sie kommen oft völlig unvermittelt. Diese plötzlich aufkommenden und ungemein
heftigen Stürme und Fallwinde waren am See Genezareth berüchtigt. Die Fischer
hielten sich gewöhnlich in Ufernähe auf und waren daher auf solche Stürme in
der Mitte des Sees nicht vorbereitet (20,269; 62,I,228).
12 Die Jünger müssen den Worten Jesu gut zuhören,
"…was ihr hört", bezieht sich auf den Inhalt von Jesu
Lehre. In Lk 8,18 wird die Haltung hervorgestrichen ("…wie
ihr hört"), mit der die Jünger Jesu Worten zuhören sollen, nämlich in der
Haltung des Gehorsams. Vgl. dazu auch die Anmerkungen bei Lk 8,16-17
13 Vielleicht solche Schiffe, mit denen Leute von
anderen Orten gekommen waren, um Jesus zu hören. Sie erleben den gleichen
Sturm, haben aber Jesus nicht im Boot. Dies ist die jetzige Situation der Mitläufer.
14 Hier fährt Jesus im Boot mit, allerdings
schläft er während des Sturms. In Mk 6,45 schickt er kurz darauf seine Jünger allein
über den See, mitten in einen Sturm hinein. Dort ist er nicht bei ihnen,
aber er betet für sie und ist rechtzeitig zur Stelle, um sie zu retten. Es ist
wohl nicht zufällig, dass die beiden Ereignisse in dieser Reihenfolge
stattfinden. Die Jünger hatten bei der ersten Sturmstillung erlebt, dass Jesus
bei ihnen ist und sie rettet. Das zweite Mal mussten sie lernen, dass er sie
rettet, auch wenn er nicht leiblich anwesend ist. Dies ist die Situation, in
der sich die Gläubigen jetzt befinden. Er betet im Himmel als Hohepriester für
uns, auf dass unser Glaube nicht aufhöre.
15 Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein
Sprichwort, dass Jesus zu verschiedenen Gelegenheiten (z.B. in Mt 7,2)
verschieden anwendet. Hier ist es der Messbehälter, mit dem man zum Kaufmann
geht, um Getreide zu kaufen. Wenn es ein großer Behälter ist, bekommt man mehr.
Je aufmerksamer die Jünger Jesus zuhören, desto mehr Erkenntnis werden sie bekommen. Daher: "Seht zu, was
ihr hört".
16 Vielleicht war Vers 22 ein gängiges rabbinisches
Sprichwort, dass Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten verschieden benützt hat:
(1.) Hier für den Auftrag an die Jünger, dass Evangelium richtig zu
verkündigen. (2.) In Mt 10,26-27 als Ermutigung für die furchtlose
Verkündigung des Evangeliums. (3.) In Lk 12,2, um die Heuchelei der Pharisäer
und Schriftgelehrten aufzudecken.
17 Das griechische Wort μοδιος bezeichnet ein Holzgefäß, das sowohl als
Hohlmaß (von 8,75 Litern) für das Messen von Getreide, als auch zum Abdecken
des Lichtscheins und zum Auslöschen von Öl-Lampen benutzt wurde (vgl. 33,1249;
47,z.St.).
1 Der Vorsteher der Synagogengemeinde
war ein Beamter, der die Leitung der Angelegenheiten, soweit sie die Synagoge
betrafen, in Händen hatte und für die äußere Ordnung bei den Gottesdiensten
sorgte, aber nicht unbedingt selbst predigen musste, denn dies konnte jeder tun
der dazu befähigt war. Jede Synagoge wurde von einem Kollegium von mehreren
Ältesten geleitet, wobei gewöhnlich einer von ihnen als Synagogenvorsteher die
Hauptverantwortung hatte, besonders in der Überwachung der
Synagogengottesdienste. Nach Mk 5,22 und Apg 13,15 gab es aber in manchen
Synagogen offensichtlich auch mehrere Synagogenvorsteher. Vgl. noch Mk 5,35-38;
Lk 8,49; 13,14; Apg 13,15; 18,8.17
2 Etwas nebenbei oder
zufällig hören, d.h. ein Wort zufällig auffangen; od.: etwas (bewusst)
überhören, d.h. so tun, als ob man es nicht gehört hätte. Das Gehörte bewusst
ignorieren, weil man sich davon nicht beeinflussen lassen will, oder weil man
es für falsch oder für überflüssig hält.
3 D.h. "Was habe ich
mit dir zu tun".
4 Iterativer Ind.Impf.:
"Und er ersuchte ihn immer wieder...", aber erfolglos, wie die
weitere Geschichte zeigt.
5 Viell.: aus dem Land und
dann in den Abgrund? wie Lk 8,31
6 Effektiver Aor., weil
diesem Ersuchen stattgegeben wurde.
7 Und damit kultisch unrein,
nach Lev 15,25ff.
8 Das Land der Gerasener war
laut Origenes in der Nähe des südöstlichen Uferstreifens des Sees Genezareth,
wo es auch einen Hafen gab. Das Gebiet gehörte zu Gadara, die als mächtigste
Stadt im Zehnstädtegebiet, sogar Kriegsschiffe auf dem See unterhielt. Dort lag
beim See ein Bergabsturz (46,190; 54,z.St.). In einigen Hs. steht Gadara, das
aber etwa 12 Kilometer vom See entfernt lag (Mt 8,28) und daher nicht als Ort
in Betracht kommt. Jedenfalls spielt die Erzählung in der Dekapolis, im
halbheidnischen Ostjordanland, wo auch Schweine gezüchtet wurden. Schweine
galten als unrein, darum war den Juden die Aufzucht von Schweinen und das Essen
von Schweinefleisch verboten (vgl. 47,z.St.). Vgl. auch die ausführlichen Anmerkungen
bei Mt 8,28ff.
9 Als der mitanwesende
Petrus später ein Mädchen vom Tod auferweckt (Apg 9,40), orientiert er sich an
seinem Meister, dem er hier zugeschaut hatte. Allerdings mit einem wichtigen
Unterschied: er betet zuerst und erst dann spricht er ein Wort der
Vollmacht.
10 Das entspricht vier- bis
fünftausend Mann. Der Mann war schwer besessen (65,I,229).
11 Ganz nahe bei den Ruinen
von Khersa liegt ein ziemlich hoher Berg, der ganz von solchen Höhlengräbern
durchzogen ist (20,272).
12 Da die Örtlichkeit im
halbheidnischen Gebiet der Dekapolis lag, und das benachbarte Gadara laut
Josephus eine griechische Stadt war, könnte der Besessene ein Heide gewesen
sein. Dafür spricht auch der Ausdruck "Sohn Gottes des Höchsten".
Vgl. Apg 16,17 (20,273). Das würde auch erklären, warum Jesus ihn zu diesem
Zeitpunkt noch nicht in seine Jüngerschar aufnehmen wollte.
13 Indem Jesus die Dämonen in
die Schweine schickte, konnte der Besessene und die Zuschauer anschaulich
sehen, von welch zerstörerischer Macht er nun befreit war.
14 Jesus kommt ihrem Wunsch
nach und verlässt sanftmütig die Gegend, nachdem er dem Geheilten nicht
erlaubte bei ihm zu bleiben, sondern ihm den Auftrag gab die frohe Botschaft zu
verkünden. Später kehrte er aber wieder zurück, indem er von Sidon kommend
sogar (extra?) einen Umweg über die Dekapolis machte und dort einen Taubstummen
heilte (vgl. Mk 7,31ff).
1 Num 27,17
2 Ein Fischerdorf
an der Mündung des Jordan in den See Gennesaret. Heute wahrscheinlich El-Aradsch
(54.z.St.). Nach A. Edersheim war Bethsaida vielleicht der
Fischerhafen von Kafarnaum (34,II,39), laut Joh 6,17 fuhren sie nämlich nach
Kafarnaum. Oder sie wollten ursprünglich nach Bethsaida fahren, um Jesus dort
ins Boot aufzunehmen, um dann nach Kapernaum weiterzufahren, wurden aber vom
Wind direkt in die Gegend Genezareth abgetrieben (46,189). Vgl. dazu auch das
wahrscheinlich idente "Bethsaida in Galiläa" in Joh 12,21
3 Wie
konnte er sie sehen, obwohl er auf dem Berg war? Das Passah war nahe (Joh 6,4),
d.h. es war Vollmond, und der Wind vertrieb alle Wolken und gestattete volle
Sicht auf die Mitte des Sees. - Eine allegorische Anwendung auf unsere
Glaubenskämpfe hier auf Erden, schließt das natürlich nicht aus, denn Christus
betet als unserer Hohepriester jetzt für uns im Himmel, und ist gleichzeitig
allezeit bei uns (Mt 28,20b).
4 Ist der
Vater Josef vielleicht schon gestorben, weil nur seine Mutter genannt ist? Dass
einige Jesus als Sohn der Maria bezeichneten, war eine bewusste Diffamierung,
denn ein Mann wurde in Israel auch dann nicht als Sohn seiner Mutter
bezeichnet, wenn diese bereits Witwe war, es sei denn, man wollte ihn
beleidigen (54,z.St.).
5 Viell.
iterativer Impf.: "Sagte er immer wieder zu sich selbst?"
6 Denn nach
Lev 18,16 ist dies Hurerei (πορνεια), weil es Inzest ist.
7 Gute Hs.
haben zwar "...seine Tochter Herodias", dies ist aber
unwahrscheinlich. Gemeint ist Salome, die Tochter der Herodias aus erster Ehe,
und damit die Stieftochter von Herodes (2,257; 59,54).
8 Als
römischer Vasallenkönig stand ihm das gar nicht zu. Offensichtlich war er schon
betrunken.
9 Zwischen
3 - 6 Uhr morgens.
10 Viell.
konativer Impf.: "Er tat so, als wolle er vorübergehen (um ihren Glauben
zu prüfen?)" (2,z.St.).
11 Die
Quaste am untersten Zipfel des Oberkleides (vgl. Num 15,38; Sach 8,23). Sie
fiel jedem der von hinten an den Herrn herankam besonders ins Auge. Nach Num
15,38 und Dtn 22,12 musste sich jeder Israelit solche Quasten selbst an
den vier Ecken seines Oberkleides befestigen. Offensichtlich befolgte auch der
Herr Jesus diese Anordnung, obwohl es sich nur um eine Äußerlichkeit handelte!
Vgl. auch Mt 9,20; 14,36; Lk 8,44
12 D.h. in
überschaubare Gruppen, wo noch sozialer Austausch möglich war.
13 Das
Gebiet am westlichen Ufer des Sees Genezareth, nördlich von Kapernaum gelegen
(Dtn 3,17; Jos 19,35), das heutige "tell chirbet el-oreme"
(46,140).
14 Dies war
bei wohlhabenden Leuten üblich (59,53).
15 Die
Vermehrung der Brote geschah also in seinen Händen (13,91). Die Apostel
mussten immer wieder zu ihm zurückkehren, um neue Brote zu holen. Das ist
wichtig für die geistliche Anwendung. Wir müssen immer wieder täglich neue
Aufträge und neue Kraft von unserem Herrn holen, wenn wir ihm täglich in unserer
persönlichen Andachtszeit begegnen.
16 Tacitus
berichtet, dass
sich auch Kaiser Nero die Köpfe seiner Gegner "servieren" ließ
(65,I,136).
17 Vgl. die
Anm. bei Mk 4,35
18 Wenn Jesus Menschen heilte, hat er ihnen oft,
aber nicht immer, die Hände aufgelegt (Mk 5,23; 7,32; 8,23; Lk 4,40; 13,13).
Doch auch bei ihm war es nur eine symbolische Handlung, sonst hätte er immer
mit Handauflegung geheilt und Dämonen ausgetrieben, was er aber nicht tat. Auch
die Apostel legten nicht immer die Hände auf, wenn sie jemanden
heilten (z.B. Apg 3,1-8). Ob Gläubige auch heute noch die Hände auflegen
sollen, wenn sie Gott bitten jemanden zu heilen ist umstritten. Aus der
Anweisung in Mk 16,18 und dem Beispiel des "einfachen" Gläubigen Ananias kann man eine solche Praxis
durchaus ableiten. Aber es darf an keine mystische Kraftübertragung durch die
Handlung gedacht werden, denn dies wäre eine Art von christlichem Aberglauben.
Die Geste der Handauflegung muss wohl überlegt sein und sollte nicht vorschnell
geschehen (1Tim 5,22).
19 Zum scheinbaren Widerspruch zu Mt 10,10 siehe die Anm. dort.
20 Nach Mt 14,15.23b, war dies der "2.Abend" nach Sonnenuntergang, ca. 18 Uhr.
1 Jes 29,13 (LXX)
2 Jes 29,13
(LXX). Die Reinheitsvorschriften, die von den Juden entwickelt wurden (von den
"Alten", das heißt den jüdischen Lehrautoritäten), gingen davon aus,
dass alles Geschlechtliche, die Ausscheidungen des Körpers, bestimmte Tiere und
Menschen (Heiden, Sünder, Kranke mit bestimmten Krankheiten, z. B. Aussatz),
auch Leichen, ebenso wie jede Art von Schmutz, verunreinigen, das heißt für den
Gottesdienst und das Gebet unwürdig machen. Diese Unreinheit konnte sich durch
Berührung auch auf tote Gegenstände übertragen. Zur Wiederherstellung der
kultischen Reinheit bedurfte es gewisser Waschungen, Fastenübungen und
religiöser Handlungen. Auch Speisen konnten verunreinigen (vgl. Lev 11 - 15).
Demgegenüber stellte Jesus fest, dass der Wert einer Handlung allein von der
Gesinnung des Handelnden abhängt (vgl. 47,z.St.).
3 Ex 20,12;
Dtn 5,16; Ex 21,17; Lev 20,9
4 Eine
freiwillige Gabe, die man Gott weiht und stiftet, sodass sie dadurch Gottes
Eigentum wird und nicht mehr für andere verfügbar ist. Es handelte sich dabei
jedoch nicht unbedingt auch um eine tatsächliche Übergabe, sondern meist nur um
ein "Gelöbnis", das so Geweihte irgendwann einmal Gott zu geben. Das
Korban-Gelübde war ein Gelöbnis, durch das ein Gegenstand in den Dienst Gottes,
des Heiligtums oder des Gottesdienstes gestellt und so der Nutznießung durch
Menschen entzogen wurde. Auf diese Weise entledigten sich die Pharisäer auf
fromme heuchlerische Weise ihrer materiellen Pflichten gegenüber ihren alten
Eltern. Vgl. Lev 2,1.4.12-13. Wer also alle Verpflichtungen und Leistungen
seinen Eltern gegenüber durch das Korban-Gelübde Gott weihte ("Eine Opfergabe
ist, was ihr von mir als Unterstützung haben solltet"), entzog diesen
ihren Unterhalt, ohne dass er gezwungen werden konnte, dass den Eltern
Nicht-Geleistete auch wirklich für religiöse Zwecke einzusetzen. Diese Praxis
widersprach deutlich dem Sinn des vierten Gebots, das dazu bestimmt war, den
Unterhalt alter und kranker Eltern zu sichern (vgl. 47,z.St.).
5 Der im Haus geduldete kleine Schoß- oder
Haushund, im Gegensatz zum verachteten und herrenlosen Straßenköter (= κυων). Er bekam die Abfälle vom Tisch. Jesu
Vergleich ist also keineswegs so verächtlich, sonst hätte er wohl κυων (Strong Nr.: 2965) gewählt.
6 Die Frau
verwendet die Verkleinerungsform παιδιον, weil es die kleinen
Kinder sind, die beim ungeschickten Essen noch Brösel verlieren.
7 Dieser
Vers fehlt in den besten Hs.
8 Syro-Phönizien war ein Landstrich am Mittelmeer nördlich von Israel mit den Städten Tyrus und Sidon im Gebiet des heutigen Libanon. Phönizien gehörte zur römischen Provinz Syrien (54,z.St.).
9 Jesus ging zunächst 40 km nach Tyrus im Norden und dann wieder 120 km in südliche Richtung in die Dekapolis, wo der ehemals besessene Gerasener überall von Jesus und seiner Heilung erzählt hatte (54,z.St.).
1 Jer 5,21
2 vgl. Anm.
bei Mt 16,9
3 Der
Gesalbte, das ist der Messias, der Menschensohn aus Dan 7,13.
4 D.h. die
Bereitschaft zum Leiden bis zum Tod.
5 Gemeint ist wahrscheinlich, dass man durch
Selbstverleugnung und Verzicht um Jesu willen, eher sein irdisches Leben (oder
seinen Lebenssinn?) behält, als wenn man das "Leben auskostet" oder
feige den Glauben verleugnet. vgl. Jer 39,18.
6 Vielleicht wollte Jesus, dass sie einfach
nachrechnen. Bei der ersten Brotvermehrung hatten sie nur fünf Brote, es
waren aber 5000 Männer, trotzdem blieben ihnen noch 12 Körbe voll
übrig. Bei der zweiten Brotvermehrung hatten sie aber sieben Brote, doch
obwohl es nur 4000 Männer waren, blieben ihnen nur 7 Körbe voll
übrig. Die Lehre ist: Je weniger wir haben (nur 5 Brote) und je größer der
Bedarf ist (5000 Männer), desto mehr (12 Körbe) tut der Herr! Hier hatten sie
zwar nur ein Brot, aber sie waren nur 13 Männer, - wo ist also
das Problem, wenn sie das Prinzip der Brotvermehrung gelernt hätten?
7 Als Jesus seine anderen Jünger sieht, wird ihm
klar, dass er Petrus offen vor ihnen zurechtweisen muss, da Petrus einmal der
Führer und damit ein Vorbild der Jünger sein soll. Vgl. Gal 2,11ff.
8 Komplexiver Aorist: eine länger andauernde
Handlung wird auf einen Punkt zusammengefasst.
9 Gemeint ist das überbordende, gesetzliche
Lehr-System der Pharisäer, das menschliche Vorschriften zur Schrift hinzufügt (heute
z.B. Gesetzlichkeit) und der Sauerteig des Herodes, der die Religion für
politische Zwecke nützte (heute z.B. die Befreiungstheologie). In Mt 16,6 nennt
Jesus auch noch den Sauerteig der Sadduzäer, die Teile der Schrift wegließen
und liberal waren (heute z.B. die liberale Theologie).
10 Die einzige Heilung im NT die sich in zwei
Stufen vollzieht. Vielleicht ein Hinweis auf das langsame "Sehendwerden"
(Vers 18a) der Jünger?
11 Dalmanuta ist wohl eine aramäische Wendung, die den Jüngern bekannt war, und "sein Zufluchtsort" bedeutet. Der Begriff Magadan, den Mat 15,39 für die gleiche Stelle verwendet, bedeutet "die (glücklichen) Wasser des Gad". Beides deutet auf Tabgha hin, welches damals zu Kafarnaum gehörte. Dieser Platz lag 2 km südlich von Kafarnaum in der Nähe von sieben Quellen. Es war der Ort, an den Jesus sich gern zurückzog (54,z.St.). Vgl. auch die Anm. zu Mt 15,39
12 Philippus II. hatte die Stadt Paneas am südwestlichen Abhang des Hermon im Quellgebiet des Jordan zur Hauptstadt seines Herrschaftsgebietes gemacht und zu Ehren des Kaisers Cäsarea genannt. Die Stadt, die aus einer Anhäufung kleinerer Siedlungseinheiten bestand, lag etwa 45 km nördlich von Bethsaida (54,z.St).
13 Vgl. die Anm. zu Mt 10,33
1 Mal 3,1.22-23
2 Wegen
Jesu Reaktion gegenüber Petrus in Kap 8,33?
3 Fehlt in wichtigen
Hs.
4 Jes 66,24
5 Daher fad
und geschmacklos. In Palästina wurde das
Salz aus den Felsen nahe des Toten Meeres gewonnen. Daher war die äußere
Schicht der Salzkristalle oft von Unreinigkeiten und chemischen Veränderungen
beeinträchtigt und das Salz hatte nicht den gleichen Würzungsgrad wie unser
modernes, industriell gereinigtes Salz. Obwohl Salz in seiner Reinform seine
Würzkraft auch über hunderte von Jahren nicht einbüßen kann, führten die
Bedingungen, unter denen es im Altertum aufbewahrt wurde, im Laufe der Zeit zu
Verunreinigungen und chemischen Prozessen, welche die Würzkraft des Salzes
minderten. Da das am Toten Meer durch natürliche Verdunstung gewonnene
Salz nie rein ist, bleiben, wenn Feuchtigkeit das Salz auflöst, unbrauchbare
Reste zurück. Auch durch Vermischung mit Fremdstoffen wird es unbrauchbar. Darauf
spielt Jesus in seiner Metapher an. Auch seine Jünger könnten durch Vermischung
mit den Prinzipien der Welt, ihre moralische Autorität in der Welt einbüßen (vgl. 2,112.291; 21,I,101f; 33,1056; 42,1184f).
6 D.h.
entweder: "sie griffen das Wort auf..."; oder: "sie befolgten das
Wort…" (2,z.St.). Jedenfalls nahmen sie Jesu Wort ernst, obwohl es ihnen
nicht in ihr theologisches Konzept passte. Verwunderlich aber ist, dass sie
Jesu klare Leidens-Ankündigung kurz davor in Mk 8,31 nicht verstanden hatten.
7 Es
handelte sich also um ein noch kleines Kind.
8 Salz
wurde im Altertum zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet. Ebenso als
Mineralsalz für die Aufbesserung von Feldern. Aber zu viel Salz in den
Feldern konnte die Fruchtbarkeit des Bodens zerstören. So wurde Salz auch zum
Symbol für ein unbarmherziges Gericht. Das dürfte Jesus hier im Kontext mit den
vorigen Versen (V.42ff) gemeint haben. Vgl. Lev 2,13 und Hes 43,24; sowie: Dtn
29,23; Ps 107,34; Jer 17,6; Richt 9,45. - Zu "Feuer" als ein Bild für
Leiden und Verfolgung siehe: Lk 12,49-53 und 1Pet 1,6.7.
9 Aufgrund
seiner langandauernden Wirksamkeit wurde Salz zum Symbol für Beständigkeit und
Treue. Es wurde daher bei Bündnissen eingesetzt, wobei die Bündnispartner
zusammen Salz aßen und so die Beständigkeit des geschlossenen Vertrages
symbolisch unterstrichen. Hier entw.: "Übt Strenge gegen euch selbst"
(20,452); od.: "Zeigt die Kraft des Salzes in eurem Leben"; od.: "Habt
die reinigende Kraft des Salzes im Umgang miteinander", daher weiter:
"...und haltet Frieden untereinander".
10 Nicht nur die herrliche Ankunft des Messias wurde vorhergesagt, sondern auch sein Leiden (Jes 53,3).
1 Gen 1,27
2 Gen 5,2
3 Gen 2,24
(LXX).
4 Ex
20,12-16; Dtn 5,16-20
5 διακονος = freiwilliger Dienst; δουλος = sogar einer der Befehle ausführt!
6 D.h. der auserwählten Gläubigen.
7 Die Begebenheit in Lk 19,1-27 passierte nach
dem Einzug und vor dem Auszug aus Jericho.
8 Sie kannten ja seine Lehre über Ehescheidung
schon von der Bergpredigt (Mt 5,31-32), sie wollten ihn in Widerspruch zu Mose
bringen. Aber auch im AT sagte Gott: "Denn ich hasse Entlassung" (Mal
2,16), und Scheidung wurde von Gott auch im Falle von Hurerei bloß geduldet (Mt
19,9).
9 Das war nur nach römischen Recht möglich,
jüdische Frauen konnten ihren Mann nicht entlassen. Markus schreibt für Römer
und wendet daher Jesu Wort für seine weiblichen Zuhörerinnen an. In Mt 19,9
hingegen wird nur auf jüdisches
Recht eingegangen - denn eine jüdische Frau konnte ihren Mann nicht entlassen -
da Matthäus für Juden schreibt. Diese sinngemäße Anwendung eines Jesus-Wortes durch
Markus auf die aktuellen Gegebenheiten ist auch für uns eine Herausforderung.
Was beinhaltet der Ausdruck πορνεια (Hurerei) heutzutage alles? Nur den sexuellen
Ehebruch (Seitensprung), oder z.B. auch Homosexualität und die permanente
Verweigerung der Sexualität (1Kor 7,5), oder das "böswillige Verlassen des Ehepartners" und die Weigerung die Ehe weiterzuführen
(vgl. Richter 19,2ff), oder massive Gewalt in der Ehe? Man muss allerdings bei jeglicher Anwendung
auf heutige Umstände aufpassen, dass sich der weltliche Trend zu immer mehr
Scheidungen nicht auch innerhalb der Gemeinde breit macht. Markus war von
Gottes Geist inspiriert, wir nicht! Vgl. auch die Anm. zu Mt 5,32 und Mt 19,3ff.
10 Das Nadelöhr stand sinnbildlich für die
kleinste Öffnung, die man sich vorstellen konnte (1,1651). Dass damit ein
enges, kleines Tor in der Stadtmauer Jerusalems gemeint sei, kann man
ausschließen. Dieses wurde nämlich erst im Mittelalter errichtet (33,362;
65,I,257).
11 Das war nach jüdischem und römischen Recht
nur dem Mann erlaubt.
12 entw. ingressiver Aor.: "Jesus gewann
ihn lieb…"; od.: "Jesus sagte liebevoll zu ihm…" (2,z.St.).
13 In manchen Hs. steht zwar καμιλος (das Schiffstau), diese Übersetzung
widerspricht aber der rabbinischen Ausdrucksweise (14,194).
14 Kein Possessivpronomen, sondern ein
Demonstrativpronomen, daher bedeutet es nicht, dass Kinder, wenn sie
sterben automatisch in den Himmel kommen, sondern, dass man das Reich Gottes in
der Art eines Kindes annehmen muss, um hineinzukommen. Jesus macht nur einen Vergleich,
wie Vers 15 zeigt, und keine Lehraussage über das Schicksal verstorbener
Kleinkinder.
15 Zu "Kelch trinken" vgl. die
Anmerkung bei Mt 20,22-23. "Taufe" ist ein bildlicher Hinweis auf das
Eintauchen in Leiden und Tod. Vgl. Ps 69,2-3; 2 Sam 22,5; Jes 43,2; Röm 6,3-5
(vgl. 47,z.St.).
16 Siehe Anm. bei Lk 19,28
17 Das Oberkleid war eine Art Mantel, und diente
zum Schutz vor der Kälte und als Decke zum Schlafen. Dass der Blinde dieses für
ihn kostbare Kleidungsstück liegenlies, wenn er von nun an Jesus nachfolgt
zeigt, dass er ganz auf seinen neuen Herrn vertraut.
18 Nach Mt 20,30 heilte Jesus bei seinem Auszug aus Jericho zwei Blinde. Vielleicht war nur Bartimäus der von den Beiden, der ein Jünger Jesu blieb, den Weg in die Gemeinde fand und deshalb mit Namen genannt wird.
19 Jesus weist das Lob "gut" zurück, weil der Mann die falsche Einstellung hatte, man könne durch Gutestun ewiges Leben bekommen. Kein Mensch ist gut, nur Gott (20,469ff). Aber keinesfalls wollte Jesus damit sagen, er selbst wäre nicht gut genug und hätte auch Sünden (vgl. Joh 8,29.46).
1 Ps 118,25-26. Dieser Psalm wurde beim Passah-
und Laubhüttenfest verlesen.
2 Ps 148,1; Hiob 16,19
3 Jes 56,7
4 Vgl. Jer 7,3-15. Im Jahr 66 n.Chr.
bemächtigten sich tatsächlich Räuberbanden des Tempels und metzelten alle
Priester nieder. So erfüllte sich Gottes Zorn noch zusätzlich, bevor der Tempel
dann endgültig zerstört wurde (65,I,263).
5 Vers 26 ist entweder schon in frühen Abschriften
weggelassen worden, weil er scheinbar in Widerspruch dazu steht, dass bei der
Bekehrung alle Sünden endgültig vergeben werden (Kol 2,13 uva.), und weil wir
auf ewig von allen Sünden gerechtfertigt sind (Heb 9,12 ua.). Oder er wurde von
späteren Abschreibern aus Mt 6,14-15 und der Belehrung in Mt 18,23-35 hereingekommen
(27,110).
6 Später Nachmittag, ca. 15 Uhr. Damit neigte
sich der Tempelgottesdienst dem Ende zu und die Menschen verließen den Tempel
(65,I,262). Weil es schon spät war, verschob er die Reinigung des Heiligtums
auf den nächsten Morgen, wo wieder mehr Menschen im Tempel waren.
7 Beide Handlungen waren Ehrerbietungen für
einen König (65,I,261). Vgl. zu dieser Tradition: 1Makk 13,51; 2Makk 10,7 (2,z.St.).
8 vgl. Anm. bei Mt 21,19
9 Sie wechselten einen ganzen Schekel in zwei
halbe Schekel ein. Einen solchen, sonst ungebräuchlichen, halben
Schekel hatte jeder Jude als Tempelsteuer einmal jährlich zu zahlen. Außerdem
mussten die Pilger vor Ort Opfertiere kaufen, die nicht mit ausländischer
Währung bezahlt werden durften (65,I,263). Als Lohn für das Wechseln bekamen
die Wechsler ein κολλυβος (eine kleine Münze). Diese Einhebung der
Tempelsteuer geschah entweder beim jährlichen Passahfest im Jerusalemer
Heiligtum oder 2-3 Wochen vorher in den Provinzen (21,I,708).
10 "Berge versetzen" ist ein
rabbinisches Sprichwort für Unmögliches tun bzw. für das Beseitigen großer
Hindernisse (2,z.St.). Vgl. Jes 40,4; 49,11; 54,10; 1Kor 13,2. Jesus könnte
also symbolisch gesprochen haben.
11 Präs. bedeutet: es kann länger dauern.
12 Ein futuristischer Ind.Aorist, als ob
es schon geschehen ist, obwohl es noch in der Zukunft liegt (2,306; 44,145;
21,I,419; 27,109; 7,z.St.). In der Parallelstelle Mt 21,22 steht nämlich das
Futur. Der Aorist drückt aus, dass das Empfangen im Ratschluss Gottes,
welcher der Bitte vorausgeht, begründet ist. Nur die tatsächliche Verleihung
des Erbetenen ist noch zukünftig (ἔσται ὑμῖν)
(93,z.St.). Oder
ein einfacher Ind.Aor. der Vergangenheit: "dass ihr es (schon) empfangen
habt" (75,304; 8,z.St.; 47,z.St.), wie in Joh 11,41b; 1Joh 5,15, wofür
aber das Perfekt passender gewesen wäre.
13 Jesus fragte bewusst nach der Taufe
des Johannes, weil sie diese für sich abgelehnt hatten (vgl. Lk 7,30).
14 Normalerweise betete man stehend und mit
erhobenen Händen, vgl. 1Tim 2,8 (65,I,264). - Hier ist die Vergebung im Herzen
gemeint, noch bevor der andere um Vergebung bittet, und auch dann, falls er nie
um Vergebung bittet.
15 Der Imp.Präs. ist entw. iterativ: jedes Mal wenn sich jemand an euch versündigt hat; od.: immer wieder, wenn der Groll über die gleiche Sünde hochkommt für die noch keine Entschuldigung vom Täter stattgefunden hat. Oder durativ: vergebt dauerhaft.
16 Einige wenige HSS. haben das Futurum: "eure zukünftigen Fehltritte erlassen wird" (2,z.St.).
17 Während Jesus ein Wunder gebietet, ermuntert er seine Jünger dazu, ihren Glauben im Gebet zum Ausdruck zu bringen, denn die Jünger haben nie solche Naturwunder durch Gebieten vollbracht.
1 Der Haupteckstein war der erste Grundstein,
der bei einem Gebäudeneubau gelegt wurde. An ihm wurde das Maßband und das Lot
für den weiteren Bau angelegt und Länge, Breite und Höhe orientierten sich an
ihm. Christus wurde durch die Auferstehung der Eckstein der Gemeinde, die
Gläubigen werden danach als lebendige Steine an- und aufgebaut (vgl. Apg 4,11;
Eph 2,20-22; 1Pet 2,4-5).
2 Ps 118,22-23
3 Dtn 25,5-6
4 Gen 38,8; Das erste Kind aus dieser
"Schwagerehe" galt als Nachkomme des Verstorbenen und auch als dessen
Erbe. Vgl. Ruth 4,5-6
5 Ex 3,6. Nach der üblichen rabbinischen
Interpretationsmethode, wurde diese Bibelstelle als Präsens verstanden ("Ich
bin…"), also mit der Implikation, dass die Patriarchen noch leben
(65,I,268).
6 Dtn 6,4-5
7 Jos 22,5 (LXX).
8 Lev 19,18
9 Ex 8,6; Dtn 4,35; Jes 45,21
10 Jos 22,5
11 Lev 19,18
12 Ps 110,1; Diese Stelle wurde auch von den
Rabbis messianisch verstanden (34,II,720f; gegen: 65,I,269).
13 Dass wir im Auferstehungsleib geschlechtslos
sind, sagt der Herr hier nicht, sondern nur, dass wir kein Bedürfnis
haben zu heiraten. Auch Engel erschienen immer als männliche Wesen und nicht
geschlechtslos.
14 Der Messias wäre dann nur ein menschlicher
Nachkomme.
15 Obwohl Paulus diese Begebenheit sicher von
Lukas kannte (Lk 21,1ff), nämlich, dass die Witwe alles gab, sodass sie Mangel
hatte, verordnete er dies den Gläubigen nicht (2Kor 8,12-15).
16 Nach rabbinischer Vorschrift durfte man
nicht weniger als 2 Lepta geben. Die Witwe musste sich also entscheiden
entweder gar nichts zu geben, oder alles zu geben, was sie hatte. - Das Lepta
war die kleinste jüdische Lokalwährung, während der Quadrans die kleinste
römische Reichswährung war. Markus erwähnt das Lepton, weil er für Römer
schreibt. - 1 Denar bzw. Tageslohn entsprach 128 Lepton, d.h. die Witwe war
wirklich bettelarm.
17 Aber nicht zur Witwe, sie musste für den
nächsten Tag ganz auf Gott vertrauen, wenngleich die Witwen auch notfalls von
der Synagoge versorgt wurden und nicht verhungern mussten (65,I,270).
18 Ein Gefäß welches unter die Presse gestellt
wurde (im Orient jedoch gewöhnlich in der Erde eingegraben), um den
ausgepressten Traubensaft aufzufangen. Oder ein kleineres Fass, in den Boden
versenkt, wo der neue Most oder Wein von der Presse hineinfloss.
19 Viell. für hebr.: seinen einzigen, erwählten
und daher besonders geliebten Sohn (vgl. 2,13f).
20 D.h. "...wurde er dieser (Sg.fem.)
Haupteckstein"; vielleicht.: "...ist dies geschehen".
21 Die Herodianer waren eine religiöse jüdische
Partei, die die Herodianische Dynastie unterstützte. Sie waren vor
allem politisch gesinnt und gegen die römische Bevormundung, jedoch nicht offen,
sondern nur insgeheim, da Herodes ja König von Roms Gnaden war. Der Glaube war
für sie eher Mittel zum politischen Zweck, vergleichbar in etwa mit dem
heutigen politischen Christentum.
22 D.h. ist
es nach Gottes Willen.
23 Die
wichtigste römische Silbermünze. Sie entsprach 10 As und war auch eine
Steuermünze. Sie entsprach etwa der Drachme (Strong Nr. 1406) und damit so viel an Wert wie dem Tageslohn eines
Arbeiters. Durch die Münzverschlechterung unter Nero, ist sie dann später auf
die Hälfte ihres Wertes herabgesunken.
24 Jesus
besaß nicht einmal einen Denar.
25 Auf der
Vorderseite trug der Denar das Bild von Kaiser Tiberius mit der Aufschrift:
Tiberius Caesar Augustus, Sohn des göttlichen Augustus. Auf der Rückseite (wohl
mit dem Bild der Mutter): Pontifex Maximus, d.h. oberster Priester (2,z.St.),
ein Titel, den später der Papst annahm!
26 Vgl. die
apostolische Anwendung: einerseits Röm 13,1-7 und 1Pet 2,13-17, andererseits
Apg 4,19; 5,29.
27 Meist
Mitglieder der priesterlichen Aristokratie. Sie waren römerfreundlich und der
hellenistischen Kultur samt ihrem Gedankengut gegenüber mehr aufgeschlossen als
die Pharisäer, weshalb sie im Gegensatz zu den Pharisäern standen. Sie glaubten
weder an die Unsterblichkeit der Seele noch an Engel oder Dämonen und auch
nicht an eine leibliche Auferstehung. Für sie waren nur die fünf Bücher Mose
verbindlich, und die Befolgung des Gesetzes konzentrierte sich vornehmlich auf
die genaue Erfüllung des priesterlichen Gottesdienstes im Heiligtum. Jesus rügt
sie wegen ihrer Unkenntnis der Schriften und wegen ihres Unglaubens.
28 Damit nur
sein menschlicher Nachkomme.
29 Der
Opferkasten im Heiligtum von Jerusalem bestand aus dreizehn trompetenförmigen
Opferstöcken und befand sich im Vorhof der Frauen, zu dem beide Geschlechter
Zutritt hatten. Jesus setzte sich offenbar bewusst direkt gegenüber, um zu
beobachten wieviel alle einwarfen. Die Opfermünzen wurden von einem der Priester
überprüft und dann in den Opferstock geworfen (vgl. 47,z.St.; 65,I,270). Die
Opferstöcke waren so konstruiert, dass man die Münzen scheppern hörte, wenn sie
im Opferstock hinabrollten. So konnte man gut erraten, wie viele Münzen jemand
einwarf.
30 Dieses Gleichnis
ist eine Anspielung auf Jes 5,1ff. Manche Rabbis verstanden die Jesaja-Stelle
als eine Prophezeiung auf die Zerstörung des Tempels 586 v.Chr., was Jesu
Warnung noch eindrücklicher machte (65,I,265).
31 Diese
Geschichte entnahmen die Sadduzäer wahrscheinlich dem apokryphen Buch Tobias
(65,I,268). Sie, die nur die fünf Bücher Mose als inspiriert ansahen, bedienten
sich ohne Skrupel außerkanonischer Schriften, wenn es ihren Zwecken diente. Die
liberalen Theologen heutzutage, agieren in ähnlicher Weise.
32 Die
Schriftgelehrten auferlegten auch den Witwen völlig überzogene Abgaben von
20-30% (65,I,270). Außerdem ließen sie sich von ihnen im Rahmen ihrer
seelsorglichen Tätigkeiten fürstlich bewirten (vielleicht daher: "…verschlingen").
33 Die Frage
stellt sich, wann dieses schwerere Urteil vollzogen wird. Wahrscheinlich in der
Zwischenzeit vom Tod bis zur Auferstehung zum Gericht (vgl. Lk 16,23ff; Mt
10,15). Auch die Gläubigen müssen vor dem Richterstuhl Christi erscheinen und
werden dort be- und nicht verurteilt. Sie bekommen dann mehr oder
weniger Lohn, oder sie verlieren ihren Lohn gänzlich (Jak 3,1; 1Kor 3,8.14-15;
2Joh 1,8). Am Richterstuhl Christi werden auch die guten Taten der Gläubigen
evaluiert und belohnt (vgl. Prediger 12,14).
1 Vgl. die Anmerkungen
bei Mt 24,15. Schon im Jahr 39 n.Chr. versuchte Kaiser Caligula sein Standbild
im Tempel von Jerusalem aufzustellen, was aber Petronius, der römische Legat der
Provinz Syro-Zilizien, noch hinauszögern konnte (65,I,272). Ein
Vorgeschmack von dem, was am Ende der Zeiten im wiedererrichteten 3.Tempel
durch den Antichristen geschehen wird (Offb 13,14-15).
2 Jes 13,10
3 Jes 34,4
4 Dan 7,13-14
5 Hier
beginnt ein Zeitsprung zurück, weil es in Lk 21,12 heißt: "vor
diesem...".
6 Mask.Sg.:
personenhaft, d.h. wohl der Gräuel der Verwüstung in Form einer Person und
nicht nur in Form eines Standbildes (denn das wäre Neut.Sg.). Das wäre
dann der Anti-Christ, der sich in der Mitte der Drangsalszeit in das Heiligtum
setzt und sich als Gott ausgibt. Vgl. 2Thes 2,4; Offb 13,14-15
7 Es muss
eine zukünftige Drangsal gemeint sein, und nicht die Belagerung Jerusalems 70
n.Chr., den diese war nicht so schlimm, wie die letzte sein wird.
8 Der
Überrest Israels; vgl. Mk 13,27; Offb 7,4ff; Sach 12,10ff.
9 Das wird
besonders für den Überrest Israels eine Versuchung sein, denn sie erwarten
einen Messias.
10 D.h. die
jüdische Rasse, wie Lk 16,8; 11,50; 17,25 und Apg 8,39. Manche meinen jedoch, es
sei die Generation gemeint, die die letzten Plagen erleben wird. Eine
Generation wurde mit 40 Jahren gerechnet (65,I,275).
11 od.:
"...befragten ihn … als sie alleine waren".
12 od.: über
Gegenden hin.
13 Ein
rabbinischer t.t.: "die Wehen des Messias" sind die Vorboten seines
Kommens.
14 Das waren
kleinere Gerichtskollegien wie sie jede jüdische Stadt hatte, um weniger
wichtige Gerichtsentscheidungen zu fällen.
15 od. im
Sinne eines Med.: "...werdet ihr stehen müssen".
16 od.:
"seid darauf gefasst, dass sie euch...".
17 Vgl. auch die Anm. bei Mt 24,3 und die Anm.
bei Lk 21,7
18 Die Juden dachten, der Tempel könne nie von
Feinden zerstört werden, denn er sei für die Ewigkeit erbaut. Doch die Römer
zerstörten 70 n.Chr. den Tempel völlig, nur einige Teile der Grundmauern, die
heutige Klagemauer, blieben übrig; vgl. Jer 7,4 (65,I,169.271).
19 Diese Strafe wurde mit 13 Schlägen auf die
Brust und 26 Schlägen auf den Rücken, so hart wie möglich, ausgeführt (65,I,272).
20 Im Winter sind die Nächte in Palästina kalt, im
Winter kann sogar Schnee kann fallen und heftige Regenfälle lassen die Flüsse
übertreten und eine Flucht wird erschwert (65,I,274).
21 Vgl. die Anmerkungen bei Mt 24,1ff.
22 Das sind
die Namen der vier römischen Nachtwachen von jeweils drei Stunden: Abend 18-21
Uhr, Mitternacht 21-24 Uhr, Hahnenschrei 0-3 Uhr, Morgen 3-6 Uhr (54,z.St.).
1 Sach 13,7
2 Ps 42,6.12; 43,5
3 Dan 7,13
4 Diese Begebenheit hat sich
bereits sechs Tage vor dem Passah zugetragen, Markus will nicht chronologisch,
sondern thematisch sein. Vgl. die Anm. bei Joh 12,1 Tage
5 Mt 20,28 und Lk 22,20:
"...für euch" (und nicht für alle!).
6 Ein Kuss war damals üblich
bei der Begrüßung eines Rabbis (37,617), daher als unverdächtiges
Erkennungszeichen gut geeignet.
7 Impf.: "sie machten
sich Gedanken darüber wie..." (2,z.St.).
8 Eine Büchse aus Alabaster
angefertigt. Solche wurden vor allem für die Aufbewahrung von kostbaren Narden
und Ölen verwendet. Der längliche Hals dieser Gefäße wurde abgebrochen, wenn
die Narde verwendet wurde. Alabastergefäße mit Nardenöl wurden auch als
Geschenke für Könige verwendet, da diese mit einem solchen Öl gesalbt wurden.
Ebenso Leichname vor der Grablegung.
9 In Palästina ging man von
drei Hahnenschreien in der Nacht aus: der erste um ca. 0.30 Uhr, der zweite um
ca. 1.30 Uhr, der dritte um ca. 2.30 Uhr (was der dritten römischen Nachtwache
um 3.00 Uhr entsprach, die "Hahnenschrei" genannt wurde). Es könnte
aber auch einfach bedeuten: "noch vor der Morgendämmerung" (2,332;
65,I,281). Es besteht kein Widerspruch zu den anderen Evangelien. Petrus wird
den Herrn dreimal verleugnen, bevor der Hahn kräht (2,332; 20,548).
10 Entw. ironisch; od.:
"Schlaft ihr immer noch?" od.: "Wollt ihr noch weiterhin
schlafen?"
11 Bezüglich dieser Bedeutung
des Wortes siehe Bauer-Alland (1,1634,1β). Dieser "gewisse" war nach
Joh 18,10 Petrus. Markus war zum Zeitpunkt der Abfassung des Evangeliums der
Mitarbeiter von Petrus in Rom (1Pet 5,13) und wollte daher Petrus nicht mit
Namen nennen, um ihn nicht bloßzustellen. Johannes der sein Evangelium erst nach
dem Tod von Petrus schreibt, nennt Petrus schon mit Namen. In Mk 14,51 ist
wahrscheinlich Markus selbst gemeint, aber aus Bescheidenheit sagt er das nicht.
Manche Hs. lassen das Wort in Vers 47 auch weg.
12 od.: "Antwortest du
gar nichts? Was (ist das, was) diese..." (2,z.St.).
13 od.: "er warf sich
nieder"; od.: "er brach in Tränen aus"; od.: "er dachte an
Jesu Wort"; od.: "er verhüllte sich und weinte" (2,z.St.).
14
In der LXX als Übersetzung für das hebr. Wort mit der Strong Nr. 01285. Ein Vertrag, welcher von
Gottes Seite ausgeht und eine verbindliche Zusicherung seitens Gottes ist,
welche der Mensch annehmen oder ablehnen
kann, deren Bedingungen er aber nicht ändern kann.
15
Damit ist natürlich Judas gemeint und nicht Jesus. Denn wenn Judas gar nicht
geboren worden wäre, würde er nicht für ewig in die Hölle kommen. Vgl. den
gleichen Wortlaut in Mk 9,42
16
Das jüdische Passahfest zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten war mit dem Fest
der Ungesäuerten Brote (Mazzot) verbunden und umfasste zwei verschiedene
Festelemente: die Feier des Passahmahls in der ersten Vollmondnacht nach der
Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche am 14. Nisan, und das anschließende, sieben Tage
dauernde Wallfahrtsfest, das ursprünglich das neue Erntejahr einleitete (vgl.
Ex 12; 34,18; Lev 23,5-8; Dtn 16,1-8). Am 14. Nisan wurde aller Sauerteig aus
den Häusern entfernt und am Nachmittag dieses Tages wurden im Heiligtum die
Lämmer für die häuslichen Passahmahle geschlachtet, die am Abend stattfanden.
Es mussten männliche Tiere sein, einjährig und fehlerlos. Wahrscheinlich waren
es die beiden Jünger die Jesus zur Quartiervorbereitung schickte (Vers 12ff),
die dann auch das Passahlamm besorgten und im Tempel schlachten ließen (vgl. Ex
12,5).
17
Griech.: Abba, aus dem Aramäischen, wo es die vertrauliche, aber auch
respektvolle Form ist, mit der man den Familienvater, aber nur im Kreis der
Familie, anredete; vgl. Röm 8,15; Gal 4,6 (vgl. 47,z.St.). Diese Anrede war bei
den Juden für Gott nicht üblich (1,1; 65,I,281).
18
Zum Ablauf der Passah-Liturgie vgl. die Anm. zu Mt 26,20
19
Ein
schnell verdunstendes Fett, das mit dem Wurzelextrakt einer im Himalaja
wachsenden Pflanze parfümiert wurde. Durch die Einfuhr von Indien (oder
Südarabien) war es sehr teuer (59,388; 65,I,277). Könige wurden bei ihrer
Einsetzung mit einem solchem Öl gesalbt, ebenso die Toten vor der Grablegung.
20
Nach Ps
75,9 Jes 51,17.22; Jer 25,15 und Offb 14,9f, ist der gefüllte Becher ein Bild
für den Zorn Gottes, den Jesus aber an Stelle der Gläubigen getrunken hat,
damit sie nicht mehr unter Gottes gerechtes Gericht kommen müssen (Joh 5,24).
Im Judentum war der Becher auch ein Bild für den Märtyrertod, was hier
mitanklingen könnte (59,68).
21
od.: "Bin
ich denn ein Verbrecher, dass ihr…" (2,z.St.).
22 D.h. sämtliche
Ratsmitglieder im Gegensatz zu einem kleinen Teil (Lk 23,51; Joh 7,50-51;
19,39), der aber stumm blieb (1,1277).
23 Natürlich war Simon nicht
mehr aussätzig, wahrscheinlich hatte ihn Jesus geheilt.
24 Damit ist sicher die
Tempelwache gemeint. Aufgrund der Menge der Wachen und der Bewaffnung
vermuteten sie in Jesus entweder einen gewalttätigen Revolutionär oder sie
fürchteten seine Wundermacht (65,I,282).
25 Dass der Hieb nicht
tödlich traf oder einfach danebenging, war beides kein Zufall. So konnte Jesus
sowohl seine Friedfertigkeit als auch seine Wundermacht beweisen. Nur Lukas der
Arzt sagt, dass Jesus das Ohr heilte (Lk 22,51), und nur Johannes nennt
den Namen des Knechtes, Malchus (Joh 18,10).
26 Vorschriftsmäßig hätte
diese Versammlung des Sanhedrins in der Tempelhalle tagen sollen, und zwar
nicht geheim, sondern offen. Sie war also illegal (65,I,284).
27 Damit hätte die
Verhandlung abgebrochen werden müssen und die falschen Zeugen hätten bestraft
werden müssen, laut Gesetz sogar mit dem Tod (Dtn 19,16-21), was die Römer aber
nicht erlaubten (65,I,284).
28 Dies geschah, wenn man
Ohrenzeuge einer Gotteslästerung wurde (65,I,285).
29 Einen Galiläer erkannte man an seinem unverwechselbaren Dialekt (54,z.St.).
30 Matthäus gibt die Reihenfolge der drei Gebete von Jesus an (Mt 26,39.42.44). Erst beim 3.Gebet betete Jesus dieselben Worte wie beim 2.Gebet. Hier ist also vom 3.Gebet die Rede, es ist kein Widerspruch zum Matthäusbericht.
31 Flucht ist nicht immer falsch (vgl. Joh 18,8).
1 Ps 22,19
2 Vers 28
ist aus Lk 22,37 eingedrungen.
3 Ps 22,2
4 Eine
Inschrift oder ein Titel mit schwarzen Buchstaben auf einer weißen Tafel (lat.:titulus).
In der Gräz. das Aushängeschild, die Verkaufsanzeige oder die
Versteigerungstafel, und eben auch die Anzeigetafel für welches Delikt der
Bestrafte verurteilt wurde (vgl. Strong Nr. 1924).
5 Denn nur
die Römer hatten zu diesem Zeitpunkt das Recht die Todesstrafe zu verhängen.
6 Und
nicht: "Das sagst du, aber nicht ich" (2,z.St.).
7 Hs.:
"ein Geschrei machend".
8 Gemeint
ist die römische Strafe der Geißelung (lat.: verberatio), die ohne
Begrenzung der Zahl der Hiebe mit einer Lederpeitsche (lat.: horribile
flagellum) durchgeführt wurde, in die Bleistücke oder scharfkantige
Knochenstücke eingeflochten waren. Sie wurde in Verbindung mit Todesurteilen
und anderen entehrenden Strafvollzügen vollzogen, so vor allem bei der
Kreuzigung, der sie fast immer vorausging (2,z.St.).
9 Ursprünglich das Zelt des römischen Feldherrn
bzw. der Platz auf dem es stand. Dann auch das kaiserliche Hauptquartier und
die Garde. In Jerusalem war dies entweder im ehemaligen hasmonäischen
Königspalast des Herodes gegenüber der Südwestecke des Heiligtums (2,198;
65,I,288), oder die Burg Antonia, der Amtssitz des römischen Procurators
(1,1398).
10
Wahrscheinlich ein roter Soldatenmantel, Ehrentribut der griechischen
Vasallenfürsten (65,I,288).
11 Wahrscheinlich
aus Zweigen des Akanthusstraues. Die Dornen ragten nach außen aber auch nach
innen und verursachten ständig starke Schmerzreize. Eine verhöhnende Nachahmung
des Kopfschmucks von Kaiser Tiberius, wie er auf dem Silberdenar abgebildet war
(2,z.St.). Auch die griechischen Herrscher hatten solche kronenartigen Kränze
(65,I,288).
12 Eine
Anhöhe bei Jerusalem, "Schädelstätte" genannt, offenbar so
bezeichnet, weil sie von ferne, wie ein riesiger Schädel aussah. Sie wurde als
Hinrichtungsplatz benutzt. Der Ort lag außerhalb der damaligen Stadtmauer,
wahrscheinlich unweit der heutigen Grabeskirche (vgl. 2,345).
13 Ein
Ausdruck von Hohn und Spott (2,z.St.).
14 Impf.:
Sie schmähten ihn eine Zeit lang. Nach Lk 23,39ff geschah aber bei einem der
Beiden ein Sinneswandel (2,z.St.).
15 entw. um
das Leiden zu lindern, oder um es zu verlängern?
16 Myrrhe
war ein wohlriechendes Harz und wurde hier als Bitterstoff verwendet, wahrscheinlich als Betäubungsmittel, um den
Schmerz der Nagelung zu verringern, - daher lehnt Jesus ihn ab (65,I,289).
Manche meinen aber der Trank sollte die Qualen noch erhöhen (2,z.St.). Es ist
außerdem eine Anspielung auf Ps 69,22.
17 Die
beiden dürften Gläubige in der Gemeinde in Rom gewesen sein, weshalb Markus,
der ja als Mitarbeiter von Petrus sein Evangelium in Rom schreibt, sie mit
Namen nennt und es nicht für nötig hält, sie weiter vorzustellen. Jedenfalls
werden Rufus und seine Mutter in Röm 16,13 von Paulus als Gläubige in Rom gegrüßt
(20,570; 75,372).
18 Auf der
Tafel über seinem Kopf als Anklagegrund für seine Hinrichtung.
19 Der Tag
vor einem Sabbath, das ist unser "Freitag", als Erklärung für die
nichtjüdischen Leser des Markus-Evangeliums. Ein Synonym für παρα-σκευη (Strong
Nr.: 3904).
20 Sowohl
dem Kaiser als auch einem König erwies man Ehre, indem man sich vor ihm
niederkniete (65,I,289).
21 Hier finden wir die jüdischen Tageszeiten: Die 3.Stunde ist ca. 9 Uhr, die 6.Stunde ist ca. 12 Uhr, die 9.Stunde ist ca. 15 Uhr. Ein Vergleich von Mk 15,25 mit Joh 18,28 und 19,14 zeigt, dass Johannes die römischen Tageszeiten verwendet, frühmorgens ist bei ihm ca. 3-6 Uhr früh (6.Stunde = ca. 6 Uhr), denn die Begebenheit in Joh 18,28 und 19,14 geschah vor Mk 15,25 (6.Stunde = 12 Uhr). Vgl. auch die Anm. bei Mt 20,8; Joh 1,39; 4,6b
1 Ein kollektiver
Plural (und nicht ein individueller Singular), d.h. nicht jedem
einzelnen Gläubigen wurden alle diese Zeichen für alle Zeiten
gegeben, sondern den Gläubigen gemeinschaftlich, wobei der Heilige Geist
austeilt wie er will (1Kor 12,11.29-30), so wie wir es auch in der
Apostelgeschichte finden. Im Vers 16 aber, wo es darum geht, gerettet zu werden,
steht der individuelle Singular, denn jeder einzelne, der
glaubt, wird gerettet werden.
2 Die
Vollmacht Zeichen und Wunder zu tun, war im NT den Aposteln und Evangelisten in
der Anfangszeit als eine machtvolle Bestätigung ihrer neuen Botschaft
vorbehalten. Vgl. Apg 2,22.43; 4,29-30; 5,12-16; 6,8; 8,6; 9,34.37-42; 14,3;
19,11; Röm 15,18-19; 2Kor 12,12; Heb 2,3-4. Auch Annanias heilte Paulus
nur auf ausdrückliche Anweisung Gottes (Apg 9,12.17). Jesus selbst (Mt 7,22-23
[siehe dort die Anm.3]) und der Apostel Paulus (2Thes 2,9-10) warnen
vor „Christen“, die vorgeben Zeichen und Wunder zu tun, aber es sind falsche,
lügnerische und betrügerische Zeichen und Wunder. Nachdem anfänglich die
Verkündigung der Apostel und Evangelisten von vielen Zeichen und Wundern
begleitet war, nimmt sie im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte ab. In Apg
11,19-21 lesen wir z.B. nichts von Zeichen und Wundern, trotzdem segnet der
Herr die Verkündigung durch viele Bekehrungen. In den Briefen der Apostel gibt
es kaum mehr eine Erwähnung von Zeichen und Wundern. Wie Paulus, so verweisen
auch die anderen Apostel auf die geschriebene Offenbarung. Petrus erinnert
daran, dass in den Tagen, als der Herr auf der Erde war, Visionen und Stimmen
ihren Platz hatten, dass wir aber nun das prophetische Wort besitzen, das uns
so lange Licht gibt, bis der Herr kommt (2Pet 1,16-19). Judas spricht nur noch
von der ein für alle Mal gegebenen Glaubenslehre (Jud 1,3), vom Gebet und vom
Warten auf das Kommen des Herrn (Jud 1,20-21). In keinem der Sendschreiben
finden sich Lob für vorhandene, oder Tadel für fehlende Wunder, Zeichen oder
Visionen. Der Herr spricht stattdessen von Lehre, von Ausharren, vom Bewahren
des Wortes und von der Wahrheit als Ausdruck der Liebe zu ihm. Das sind
offensichtlich die entscheidenden Dinge, nicht das Praktizieren von Krankenheilungen
und Wunderwirken. Warum spielen Visionen, Träume, Zeichen und Wunder in keiner
einzigen Auswertung der sieben Gemeinden eine Rolle? Können wir daraus
schließen, dass die Zeichen und Wunder schon im 1.Jhdt. aufgehört hatten? Der
Kirchenvater Chrysostomos (347-407) sagt: "Am Anfang gab der Heilige Geist
die außerordentlichen Gaben sogar den Unwürdigen, denn damals waren sie nötig
zur Bekräftigung der christlichen Lehre, aber jetzt werden sie nicht mehr
gegeben, da die christliche Lehre so befestigt ist, dass sie diese Stütze nicht
mehr nötig hat" (nach Benedikt Peters, in einem Artikel über Zeichen und
Wunder). Der manchmal vorgebrachte Einwand die Kirchenväter Irenäus, Tertullian
und Justin der Märtyrer würden von Zeichen und Wundern in ihrer Zeit sprechen,
hält einer genaueren Untersuchung dieser Zitate nicht stand (33,436). - Im
Laufe der Menschheitsgeschichte gibt es vier Zeitepochen mit auffallend vielen
Zeichen und Wundern, und zwar immer dann, wenn etwas Neues eingeführt und von
Gott (oder dem Teufel) betätigt wird: (1.) Bei Mose und Josua als Bestätigung
für die Einführung des Gesetzes. (2.) Bei Elija und Elisa als Bestätigung für
das Prophetenamt. (3.) Beim Herrn Jesus und seinen Aposteln, als Bestätigung
seiner Messianität und des gepredigten Evangeliums. (4.) Im Gegensatz dazu, bei
den falschen Propheten der Endzeit, die die religiösen Menschen mit lügnerischen
Zeichen und Wundern verführen. Sie werden vom Satan "bevollmächtigt"
sein (Mt 24,24; 2Thes 2,9-10; Offb 13,11ff). Siehe die Grafik: https://drive.google.com/file/d/1cknfuJiJzdIgBRKJt5o7SyoHqD5nrmjc/view?usp=sharing
3 Dieser
Satz findet sich nur in späten Hs. aus dem 7 - 9. Jhdt. und in einigen älteren
Übersetzungen. Er klingt nicht ursprünglich. Das Markus-Evangelium bricht
nach den ältesten und besten Textzeugen mit Vers 8a ab. Die Verse 9-20 sind
jedoch schon sehr früh entstanden und wurden bereits in der ersten Hälfte des
2. Jhdt. von den Christen einmütig als kanonisch anerkannt. Das spricht stark
für eine apostolische Herkunft. In einigen Handschriften findet sich jedoch der
Vers 8b als ein kürzerer Schluss des Evangeliums. Dass Markus das
Evangelium mit dem Vers 8a abschloss, scheint sehr unwahrscheinlich, es sei
denn, er verwendete einen rhetorischen Kunstgriff, der zur damaligen Zeit nicht
unüblich war. Viele antike Werke schlossen ebenso unvermittelt (65,I,293).
Plausibler scheint jedoch die Erklärung, dass schon von einem der frühesten
Manuskripte, oder sogar vom Original, der letzte Teil des Pergaments verloren
ging und Abschreiber in der ersten Hälfte des 2.Jhdts. das offensichtliche
Fehlen des Schlusses mit den Versen 9-20 ergänzen wollten. Doch die Verse 9-20
finden sich erst in späteren Hs., und enthalten, zwar nicht unüberwindliche,
aber doch schwer zu harmonisierende Widersprüche zu den anderen Evangelien
(vgl. dazu auch: 27,122ff; 54,z.St.; 64,504; 65,I,294, und die Anmerkungen 13-15
unten).
4 Jesus
hatte nach seiner Auferstehung einen Herrlichkeitsleib, der von seiner vorigen
Erscheinung verschieden war. Darum erkannten ihn die Emmaus-Jünger auch nicht
(vgl. auch 65,I,295).
5 Nach Lk
24,34 glaubten sie ihnen schon, denn der Herr war dem Petrus auch schon
erschienen.
6 Nach
jüdischer Ausdrucksweise, ist das ein Engel (59,71), aber auch Priester trugen
weiße Gewänder (65,I,294).
7 Nach
jüdischem Sprachgebrauch ist das die ganze Menschheit (59,71), aber darüber hinaus
auch noch die ganze gefallene Schöpfung. Darum steht auch nicht das Wort ευαγγελιζω
(evangelisieren), sondern κηρυσσω (predigen), welches bedeutet: der ganzen
Schöpfung den Sieg Jesu über die Sünde zu proklamieren (vgl. Röm 8,19-23).
8 Zuerst
kam Maria Magdalena allein als es noch finster war (Joh 20,1), dann, nach
Sonnenaufgang, kam Maria Magdalena noch einmal mit der anderen Maria; Lk 24,1
(64,503).
9 "…neuartig"
muss nicht bedeuten, dass es sich nicht um bekannte menschliche Sprachen
handelt, sondern, dass es sich um übernatürliche Sprachen handelt. Auch in 1Kor
14,21 steht im Zitat aus Jesaja das Wort "neuartig", obwohl es sich
dort um die bekannte Sprache der Assyrer handelte. Das Wort fehlt übrigens in
manchen Hs. (27,127).
10 od. als
imperativisches Ptz. zu übersetzen: "Geht in die ganze Welt und predigt…"
(2,z.St.).
11 Dieser
Vers hört sich wie eine Erfüllung der Verheißung in Vers 17 und 18 an. Und
tatsächlich bestätigt das übrige Neue Testament, dass Zeichen und Wunder das
Beglaubigungs-Merkmal der Apostel und Evangelisten waren (2Kor 12,12).
12 Das
Zeugnis einer Frau galt als unzuverlässig (65,I,294).
13 Nach Lk
24,36 und Joh 20,19 war dies noch am gleichen Tag.
14 Die Taufe als
Bedingung für die zukünftige Errettung (Ind.Fut.Pass.: σωθησεται), ist dem
übrigen NT fremd. Allerdings wird gleich darauf gesagt, dass die Verurteilung
nur den trifft der nicht glaubt. Vom nicht getauft sein ist nicht mehr die
Rede. Etwas außer dem Glauben als Bedingung für die (zukünftige) Errettung
hinzuzufügen (z.B. die Beschneidung), wird auch in Apg 15,1.9-11 abgelehnt.
15 Die Verse
17 und18 erscheinen vom Stil und vom Wortschatz im Vergleich mit dem übrigen NT
unausgewogen, sie enthalten viele griechische Wörter die sonst im NT nicht
vorkommen.
1 Num 6,3; Lev 10,9
2 Sg.: d.h. er hatte eine bestimmte
flehentliche Bitte, nämlich, dass seine Frau schwanger wird (vgl. Gen 25,21;
Apg 10,31). Kinderlosigkeit galt als Schande (Gen 16,5; 1Sam 1,6.11) und auch
als Züchtigung (2Sam 6,23; viell. auch Gen 29,31). - Wie lange betete er für
seine Frau? Seine Antwort in Vers 18 zeigt wohl, dass er schon aufgegeben
hatte. Aber da Jesus erst geboren wurde "als die Zeit erfüllt war" (Gal 4,4), musste auch sein Wegbereiter
Johannes zu dem dafür vorherbestimmten Zeitpunkt geboren werden. Wenn unsere
Gebete nicht gleich erhört werden, hat das manchmal besondere Gründe.
3 D.h. vor dem Messias, dieser ist damit der
HERR und Gott von Vers 16!
4 Im Gegensatz zu Matthäus der sein Evangelium
thematisch und nicht chronologisch ordnet. In der Chronologie der Geschehnisse
in den Evangelien, sollte daher Lukas vor Matthäus der Vorrang gegeben werden.
5 Typische Anrede für Procuratoren und andere hohe
römische Beamte. Auch für Angehörige des Ritterordens des römischen Patriziats
(65,I,299); vgl. auch: Apg 23,26; 24,3; 26,25. So redet man keinen
Glaubensbruder an. Demnach war Theophilus wahrscheinlich der römische Beamte der
den "Fall Paulus", während des zweijährigen Hausarrests in Rom, im
Auftrag des Kaisers untersuchte. Daher endet die Apostelgeschichte auch mit dem
Ende dieses zweijährigen Hausarrests, nach dem positiven Abschluss dieser
Untersuchung (65,II,7).
6 Ohne Artikel, ist die Kraft des
Heiligen Geistes gemeint. Bei Maria für die übernatürliche Zeugung Jesu, bei Elisabeth
und Zacharias die Kraft zum Prophezeien, - und nicht die Innewohnung des
Geistes, was den Artikel erfordert hätte (13,58).
7 Und nicht in der vom Volk erwarteten
irdischen Errettung von ihren Besatzern!
8 Eine aromatische Mischung aus bestimmten
Stoffen, die für Gott auf dem Räucheraltar verbrannt wurden und einen
herrlichen Duft gaben - vgl. zur Sache: Ex 30,34-38; Jes 1,13.
9 od.: "informiert wurdest"; wie Lk 21,21.24.
Zur Zuverlässigkeit der neutestamentlichen Handschriften siehe die vergleichende
Grafik in: https://drive.google.com/file/d/1hqxHFxCS1BcHSaYlmywLIeb7qc9SgDX7/view?usp=sharing
10 Die Gesamtzahl der Priester (zur Zeit Jesu ca.
18.000) war seit David in 24 Priesterfamilien aufgeteilt (1Chr 24,7ff), von
denen jede Gruppe einmal im Jahr für zwei Wochen, sowie bei allen Festen,
Dienst im Heiligtum verrichtete. Abija war nach 1Chr 24,10 und Neh 12,12 das
Oberhaupt einer dieser Abteilungen. Die einzelnen Aufgaben ihres Dienstes
bestimmte das Los, so auch das Vorrecht, das Räucherwerk am goldenen Weihrauchaltar
darzubringen, welches vor dem morgendlichen Brandopfer den Opferdienst
eröffnete, und ihn nach dem Brandopfer am Nachmittag (ca. 15 Uhr)
abschloss (Ex 30,6-8). Jeder Priester durfte das Weihräuchern höchstens einmal
in seinem Leben ausüben (vgl. 20,55; 54,z.St.; 65,I,300f).
11 In jüdischen Grabinschriften: erwachsen aber
noch nicht verheiratet (2,z.St.), und daher noch unberührt. Auch im AT, wo das
hebr. Wort auch die Bedeutung "junge Frau" hat, lässt sich an keiner
der Stellen beweisen, dass es sich dabei nicht auch gleichzeitig um eine
"Jungfrau" im biologischen Sinn des Wortes gehandelt hätte. In der
LXX in: Gen 24,14.16.43.55; 34,3; Ex 22,15; Hiob 31,1; Jes 23,4. Daher bedeutet
παρθενος hier definitiv: eine heiratsfähige,
unberührte Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr mit einem Mann hatte.
12 w.: jmdn. mit Gnade versehen. Jemanden mit
diesem Ausdruck anzusprechen, war damals unüblich und stellt eine Besonderheit
dar (65,I,304). Damit steht fest, dass auch Maria Gnade brauchte und nicht
sündlos war. Vgl. Vers 30 und dasselbe Wort in Eph 1,6. Auch sie brauchte einen
Erretter und wusste das.
13 Hebr.: Joshua = Jahwe rettet (sein Volk).
14 D.h. die irdische Königsherrschaft über das
Volk Israel, aber erst im zukünftigen Friedensreich, da das Volk ihn zuerst als
König ablehnte (Joh 19,15).
15 Im Griech. steht Herr mit Artikel, daher ist
der Messias gemeint (wie Mt 22,44), und nicht Gott. Maria ist nicht die "Muttergottes",
denn Gott hat keine Mutter!
16 vgl. Mal 3,23f.
17 Wahrscheinlich bildlich für den verheißenen
Messias. vgl. Mal 3,20; Num 24,17; Jer 23,5; Sach 3,8; 6,12 (LXX). Siehe die Erklärungen in: 2,366.
18 Im heiligen Geist? od.: am menschlichen
Geist?
19 Herodes der Große, Sohn von Antipater von
Idumäa, geboren 73 v.Chr., König der Juden von 40-4 v.Chr.,
eingesetzt durch den römischen Senat auf Vorschlag von Antonius und mit
Zustimmung von Octavianus (dem späteren Kaiser Augustus). Er war zwar ein
Freund und Verbündeter der Römer, überwand aber die Opposition, die ihm durch
die Juden in Palästina entgegentrat. Er war tapfer und kriegserprobt, aber auch
sehr misstrauisch und grausam, was dazu führte, dass er die gesamte
Hasmonäische Familie ausrottete. Ebenso alle Juden die seiner Regierung
Widerstand leisteten. Sogar seine geliebte Frau Mariammne und die beiden Söhne,
die sie ihm geboren hatte, ließ er umbringen. Im Jahr 19 v.Chr. begann er das
Heiligtum zu renovieren und zu vergrößern, was ihm allerdings auch nicht die
Sympathien der Juden einbrachte, da er für sie ein Edomit war und blieb. Obwohl
er äußerlich die jüdische Religion praktizierte, baute er trotzdem auch
heidnische Tempel in anderen Ländern. Im 37.Jahr seiner Regierung starb er im
Alter von 70 Jahren. Mit dem Einverständnis von Kaiser Augustus hatte er sein
Reich in drei Teilen an seine Söhne Archelaus, Antipas und Phillip vermacht (33,479f).
20 Der kleine Ort mit etwa 150 Einwohnern lag
in der Mitte zwischen dem Mittelmeer und dem See Genezareth (54,z.St.).
21 Gemeint ist die Wüste Juda, südöstlich von
Jerusalem gegen den Jordan hin, wahrlich eine Einöde, wo es noch bis zum
Mittelalter Löwen und Panther gab, wo wenig Nahrung zur Verfügung stand und
deshalb geröstete Heuschrecken und wilder Honig ein nahrhafter Ersatz waren
(46,92; vgl. Mt 3,4). Johannes war allerdings kein Nasiräer, sonst hätte er
keinen Honig essen dürfen. Er enthielt sich nur von Alkohol, denn er war schon
von Geburt an mit heiligem Geist erfüllt (Lk 1,15). Ob er von den Essenern
adoptiert und ausgebildet wurde, ist nicht beweisbar (65,I,309).
22 Der alte Priester Zacharias
glaubte den Worten des Engels nicht, die junge Frau Maria dagegen schon
(Lk 1,45).
23 Der Begriff wurde auch für
antike Geschichtswerke verwendet. Der ganze Prolog ist in klassisch-prosaischem
Stil geschrieben (65,I,298).
24 Augenzeugen galten als die zuverlässigsten
Quellen überhaupt (65,I,299).
25 D.h. wohl, bis zur Geburt von Johannes dem
Täufer, um ihr bei der Geburt und danach zu helfen.
26 In Jes 40,3 und Mal 3,1
ist damit Jahwe selbst gemeint, hier wird es auf den Herrn Jesus bezogen. Das
unterstreicht seine Gottheit.
27 Das Ptz.Präs. (geboren-werdend)
steht statt dem Ptz.Fut, wie im Hebr. und im Aramäischen (13,95). Auch wenn
andere Übersetzungsmöglichkeiten für die grammatische Konstruktion
vorgeschlagen wurden (z.B. in: 2,361), dürfte doch die in der Übersetzung, die
Richtige sein (so nach F.Godet: 20,67). Es ist ein gravierender Unterschied, ob
Jesus nur heilig genannt wird, oder der Heilige ist, wie auch in Mk
1,24; Joh 6,69; Apg 3,14 und Offb 3,7 bezeugt wird.
28 Der räuchernde Priester verließ
normalerweise sofort das Heilige, nachdem er den Weihrauch auf den Räucheralter
geworfen hatte (65,I,303).
1
Heiliger Geist mit Artikel bezeichnet die göttliche Person des Heiligen Geistes
und nicht nur seine Krafteinwirkung (13,58).
2
Lev 5,11; 12,2-4.8. Die Tage der Reinigung (Vers 22) waren die 40 Tage nach der
Geburt. Ein Paar Turteltauben waren das Opfer armer Menschen, was zeigt, dass
Joseph und Maria arm waren (65,I,312).
3
Nicht: μονογενης (= einziggeboren), sondern πρωτότοκος (=erstgeboren).
Sie hatte also danach noch weitere Kinder von Josef (vgl. Mt 13,55.56). - Die Geburt
Jesu wird in das Jahr 7/6 v.Chr. datiert.
4
D.h. in seinem 13.Lebensjahr zu seiner Einweihung als ein "Sohn der
Thora". Vom 13.Lebensjahr an ist ein jüdischer Junge verpflichtet, die
Gebote und Vorschriften des jüdischen Gesetzes zu beachten. Nach Ex 23,14-17;
24,23f und Dtn 16,16f hatten alle jüdischen Männer, ausgenommen Greise und
Kranke, zu den drei Hauptfesten des jüdischen Jahres, Passah, Pfingsten und
Laubhüttenfest, im Heiligtum zu erscheinen. Dies war aber nur für jene streng
verpflichtend, die nicht mehr als eine Tagesreise weit vom Heiligtum entfernt
wohnten. Zu Fuß brauchte man aber von Galiläa mindestens drei Tage nach
Jerusalem (vgl. 47,z.St.). Josef und Maria waren also sehr fromme Juden!
5
Also suchten sie zuerst überall anders, nur nicht im Heiligtum!
6
Ein schönes Beispiel für Unterordnung: nicht belehrend trat er auf, sondern sie
bescheiden befragend, obwohl er sie hätte belehren können. Die
Rabbis lehrten mittels Fragen und Gegenfragen. Jesus gab intelligente Antworten
und stelle kluge Fragen (65,I,314).
7
Der Ind.Impf. + Ptz.Präs.Pass. drückt sehr stark die Dauer aus: er ordnete sich
ihnen tagtäglich unter bis zu seinem Auftreten mit ca. 30 Jahren (13,125).
8
So, wenn man das Ptz.Präs. als vorzeitig im Verhältnis zu εγενετο auffasst
(vgl. 2,1393 [A285]). Dies
war eine lokale Ersterfassung für eine allgemeine spätere Steuereinschreibung, und
zwar schon bevor Quirinius dann später Legat
der Provinz Syria wurde (33,1004). Daher kann man übersetzen: "Diese frühere
Einschreibung geschah, bevor Quirinius Legat der Provinz Syria war"
(44,176; 20,88); od. als Einschub: "Die richtige erste steuerliche
Einschreibung selbst geschah erst, als Quirinius Legat der Provinz Syrien war" (20,87f.90); od.: "Diese Einschreibung geschah, als
Quirinius (das erste Mal) Legat der Provinz Syria war" (W.M. Ramsay). Vgl. auch die Anm.18 unten.
9
Der Messias ist also JAHWE selbst!
10
Heiliger Geist ohne Artikel bezeichnet mehr die Kraftauswirkungen des Heiligen
Geistes, mit Artikel bezieht es sich auf die göttliche Person des Heiligen
Geistes (13,58). Vor Pfingsten war der Heilige Geist nur auf einzelnen
Gläubigen, erst seit Pfingsten wohnt der Heilige Geist persönlich in jedem
Gläubigen.
11
Grammatisch zwar möglich aber eher unwahrscheinlich wäre die Übersetzung:
"...den Messias JAHWE".
12
Der vermeintliche Widerspruch zu Mt 2,1-23 wird sehr gut von F. Godet aufgelöst
(vgl. 20,113-115).
13
Der Impf. bedeutet vielleich: Auch nach längerem Suchen fanden sie keine
Herberge und mussten mit diesem Quartier vorliebnehmen. Der Grund könnte sein,
dass gerade das Laubhüttenfest in Jerusalem stattfand. An die 2 Millionen
Menschen herbergten dann in Jerusalem und Umgebung (82,156).
14
vgl. Jes 9,5f.
15
od.: über seine verständigen Antworten.
16
Perfekt, denn nach jüdischem Recht gilt die Verlobte bereits als Ehefrau; vgl.
Mt 1,18. Daher hätte Joseph sie auch mit einem Scheidebrief entlassen müssen.
17
Caesar Octavianus Augustus, geboren 63 v.Chr., wurde von Cäsar als Nachfolger
adoptiert und ist aus dem 2.Triumvirat als Alleinherrscher hervorgegangen. Er wurde
damit erster römischer Kaiser. Kaiser Augustus leitete mit seiner Alleinherrschaft die
Beendigung der Bürgerkriege ein und schuf das Goldene Zeitalter des "pax
romana augustae". Er wurde als "Weltheiland" gefeiert,
sicherte die Ernährung Roms und baute Tempel und Theater zur Volksbelustigung.
Geschenke und Speisungen an die Bevölkerung machten ihn beliebt und hielten die
Bevölkerung ruhig. Das römische Herr wandelte er in ein stehendes Berufsheer
um, das eine wichtige Grundlage seiner Macht war, und um die Prätorianergarde
ergänzt wurde, die zu seinem persönlichen Schutz diente. Er regierte 57 Jahre lang von 31 v.Chr.
- 14 n.Chr.
18
Der
römische Feldherr und Konsul Publius Sulpicius Quirinius wurde von Kaiser Augustus
wegen seiner militärischen Erfolge sehr gefördert und bekleidete von 11 v.Chr.
bis 14 n.Chr. Ämter in verschiedenen amtlichen Stellungen im orientalischen
Teil des Kaiserreiches. Er war Prokonsul von Kreta und anschließend 12-7 v.Chr.
Statthalter von Galatia. Er bekleidete danach noch bis 16 n.Chr. als
kaiserlicher Legat verschiedene hohe Ämter im orientalischen Teil des römischen
Imperiums, in denen er sehr erfolgreich agierte. Da der eher glücklose
Quinctilius Varus 7.v.Chr. gerade seine Amtszeit als Prokurator der Provinz
Syro-Zilizien angetreten hatte, wurde statt ihm Quirinius von Kaiser Augustus nach
Palästina gesandt, um dort eine lokale Ersterfassung für eine
Steuereinschreibung durchzuführen, die Joseph und Maria veranlassten nach
Bethlehem zu ziehen. Diese Steuererfassung begann schon 8 v.Chr. in Ägypten und
Syrien, und erreichte dann 7 v.Chr. das Gebiet Israels. Ab 4 v.Chr. war
Quirinius dann kaiserlicher Legat in der Provinz Syro-Zilizien und im Jahr 3
v.Chr. wurde er Prokonsul der Provinz Asia. Nach der Verbannung von Herodes Archelaeus
wurde er von 6-9 n.Chr. Prokurator der Provinz Syro-Zilizien. Da die Römer alle 14 Jahre eine Volkszählung in den
Provinzen durchführten, führte er 6/7 n.Chr. in seiner Funktion als Prokurator
der Provinz Syro-Zilizien im Auftrag des Kaisers Augustus in Judäa und Samaria
eine zweite Steuereinschreibung durch, die darüber hinaus auch das ganze
römische Reich erfasste (Josephus, Antiquatitas XVII,13.5; XVIII,1.1). Sie wird
in Apg 5,37 erwähnt und hätte keinen Ortswechsel des Joseph benötigt. Da sie
aber einen Aufstand der Bewohner von Sepphoris provozierte, blieb sie beim Volk
in lebhafter Erinnerung und könnte deshalb von Lukas hier erwähnt worden sein. Quirinius starb kinderlos (vgl. 20,85ff.; 52,V,427; 54,z.St.;
60,470; 64,509ff.; 65,I,309).
19
Die
Entfernung von Nazareth nach Bethlehem betrug drei Tagesreisen (20,91), eine
mühsame Angelegenheit für die hochschwangere Maria! Auf dieser wehenfördernden
Reise hat Maria gelernt, dass auch sie unter dem Fluch steht, "mit Schmerzen sollst du Kinder
gebären" (Gen 3,16b). Wie
jede andere Frau, war auch sie in Sünden empfangen (Ps 51,7; Röm 3,10).
20
Auf
dieser 3-tägigen Reise ritt Maria der Tradition nach auf einem Esel, was gut
stimmen könnte. Dass dies bei einer Hochschwangeren die Wehen verstärkt, ist
sehr gut nachvollziehbar, weshalb unmittelbar nach ihrer Ankunft die Geburt
geschah. Dies führte wahrscheinlich auch dazu, dass Joseph vorerst wieder in
seiner Geburtsstadt Bethlehem sesshaft wurde und nicht nach Nazareth
zurückkehrte. In den ganzen Umständen vom Datum der Volkszählung und der
anstrengenden Reise nach Bethlehem, erkennt man die souveräne Hand Gottes die
dafür sorgte, dass sein Messias in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen in
Bethlehem (Micha 5,1; Gen 49,10) und nicht in Nazareth geboren wurde,
während er in Nazareth aufwachsen sollte (vgl. die Anm. bei Mt. 2,23).
21
Bethlehem
war also die Geburtsstadt von Joseph. Vielleicht zog er nach Nazareth, weil
dort in der aufstrebenden Stadt Sepphoris gerade Zimmerleute gebraucht
(65,I,61).
22
Dass
die Hirten im Freien lagerten beweist, dass es nicht Winter, sondern Herbst war.
Im Winter waren die Herden nur tagsüber draußen. Erst im 4.Jhdt. hat die Kirche
den Geburtstag Jesu auf den 24.Dezember festgelegt, um das an diesem Tag
stattfindende Fest zu Ehren des Sonnengottes Sols zu verdrängen (65,I,311;
82,155ff).
23
entw.: "sie war nun eine Witwe im Alter von 84 Jahren" (21,I,477;
2,372); od.: "sie war seit 84 Jahren Witwe" (20,102). Falls das zweite zutrifft, und
sie mit etwa 14 Jahren geheiratet hatte und danach 7 Jahre verheiratet war, ergebe
das nach 84 Jahren Witwenschaft ein Alter von ca. 105 Jahren. Wahrscheinlich
wohnte sie auch in irgendeiner Ecke des Tempelkomlexes und lebte von Almosen
(20,102; 65,I,313).
24
Ptz.Präs.
statt Ptz.Fut, wie im Hebräischen und Aramäischen (13,95).
1 Jes
40,3-5 (LXX).
2
Die Armen hatten nur ein Gewand. Wer also zwei hatte, hatte mehr als er
brauchte, und konnte eines abgeben an den der gar keines hatte (65,I,316).
3
Der Sold war oft gering, Erpressungen waren an der Tagesordnung.
4
Diese Menschen wollten Sündenvergebung ohne Buße.
5
"seiend ein Sohn, - wie man meinte - des Josef (V.23) … in Wirklichkeit
aber Sohn Gottes". Dem Aufbau des Stammbaums liegt die jüdische
Zahlensymbolik zugrunde, die auf der Bedeutung der Zahlen 7 und 12 beruht. Die
Geschichte Israels und der Menschheit wird in 11 x 7 Generationsfolgen (I.-XI.,
d.h. 11 Blöcke mit jeweils 7 Namen), bis auf ihren Ursprung in Gott
zurückverfolgt. So erscheint Jesus als der Anfang einer neuen, nämlich der 12.
Generationsfolge. In ihm erfüllt sich damit die Menschheitsgeschichte (59,79). Das
Verzeichnis der Vorfahren bei Lukas ist umgekehrt aufgebaut als bei Matthäus.
Es geht, im Unterschied zum Stammbaum bei Matthäus, von Jesus aus gesehen
rückwärts bis zu Adam. Die Namenslisten weisen darüber hinaus einige
Unterschiede auf, die man damit zu erklären versucht, dass Lukas die leibliche Abstammungslinie
über Maria, Matthäus aber die rechtliche Abstammungslinie über Josef
nachzeichnet. Letzte Sicherheit darüber haben wir zwar nicht, aber dies scheint
sehr wahrscheinlich die beste Erklärung für die verschiedenen Stammbäume zu
sein. Möglich wäre auch, dass Lukas den physischen Stammbaum von Joseph
aufzeichnet (54,z.St.; 64,512).
6
Ituräa war ein Gebiet nördlich von Israel um den Antilibanon herum. Trachonitis
die Landschaft nordöstlich des See Genezareth. Abilene war die Landschaft
zwischen Ituräa und Damaskus, am südlichen Anti-Libanon-Gebirge (54,z.St.),
nach der Stadt Abila genannt, die nordwestlich von Damaskus am Wadi Barada bei
Abil es-Suk vermutet wird. Abilene wurde von dem Tetrarchen Lysanias
beherrscht, den wir nur durch den Fund einer Münze kennen, auf der er als
Tetrarch und Hohepriester bezeichnet wird, sowie einer Inschrift in der ein
gewisser Nymphäus sich als Freigelassener des Tetrarchen Lysianas bezeichnet
(20,120f; 33,718). Die Regierungszeit des Lysanias ist nicht genau
festzustellen (vgl. 47,z.St.).
7
Da Tiberius schon seit 11/12 n.Chr. Mitregent war, könnte sein
15.Regierungsjahr bereits 26/27 n.Chr. gewesen sein. Falls man aber diese
Mitregentschaft nicht mitzählen darf, wäre es das Jahr 27/28, vielleicht auch
28/29 n.Chr., was aber nach astronomischen Berechnungen eher unwahrscheinlich
ist (54,z.St.; 66,39; 20,119ff; 2,373; 33,201; 65,I,315). Durch die Verknüpfung
der Geschichte Jesu mit der Weltgeschichte weist Lukas auf die umfassende
Bedeutung von Jesus hin und erweist sich als sorgfältiger Historiker.
8
Wie bei den alttestamentlichen Propheten.
9
D.h. die Taufe war nur äußeres Zeichen bzw. Beweis der innerlichen Buße, wobei
der Täufling vorher in aufrichtiger Reue seine Sünden bekennen musste, vgl. Mt
3,6; Mk 1,5.
10
w.: "zum..."; aber besser: "aufgrund..." (1,463), wie Mt
3,11; 10,41; 12,41; Apg 2,38.
11
Entweder die Bußbereiten (V.10ff.) mit heiligem Geist zu Pfingsten (= den
"Weizen"), oder die Unbußfertigen (V.7-9) mit Feuer im zukünftigen
Endgericht (= die "Spreu"). Die sogenannte "Feuertaufe" bei
Gläubigen ist ein theologischer Irrtum.
12
Auf der Tenne, einem festgetretenen Erdboden, wurde an einem windigen Tag mit
der Worfschaufel das ausgedroschene Getreide in die Luft geworfen. Der Wind
blies dann die Spreu weg, während der schwerere Weizen auf einen Haufen zu
Boden fiel und dann, nachdem er von Steinen und Sand ausgesiebt war, in die
Scheune gebracht wurde.
13
Herodes Antipas der Tetrarch, geb. ca. 20 v.Chr. als sechster Sohn von
Herodes dem Großen und seiner vierten Ehefrau der Samariterin Malthake. Er
erbte von seinem Vater die Tetrarchien Galiläa und Peräa, die ihm von Augustus
übertragen wurden, und regierte von 4 v.Chr. - 39 n.Chr. Er war der politisch
fähigste von den Söhnen des Herodes. So wie sein Vater war er ein großer
Bauherr. Die Stadt Tiberias am See Genezareth wurde von ihm zu Ehren des
Kaisers Tiberius erbaut. Er heiratete die Tochter des nabatäischen Königs
Aretas IV, ließ sich aber dann von ihr scheiden um Herodias, die geschiedene
Frau seines Halbbruders Herodes Boethos, zu heiraten. Von Johannes dem Täufer
wurde er dafür öffentlich gerügt, da dies vom Gesetz Mose als Inzest verboten
war (Lev 18,14). Herodes Antipas wollte Johannes zuerst töten, fürchtete aber,
wegen dem Einfluss den Johannes unter den Menschen hatte, eine Revolte gegen
sich und ließ Johannes nur auf der Bergfeste Machärus inhaftieren und später
aber auf Drängen der Herodias enthaupten. Von da an mehrte sich das Unglück im
Leben von Herodes. König Aretas IV. rächte sich für die Schmach, die seiner
Tochter durch die Scheidung angetan wurde und zettelte einige Jahre später (36
n.Chr.) einen Grenzkrieg gegen Antipas an, bei dem Antipas eine schwere
Niederlage hinnehmen musste. Josephus und große Teile des jüdischen Volkes
betrachteten dies als ein Gericht Gottes für die Hinrichtung von Johannes. Mit Antipas als Herrscher, hatte Jesus viele
Jahre zu leben. Obwohl er kein König war, wurde er oft vom Volk so bezeichnet. Wegen
seiner Falschheit nannte ihn Jesus einen "Fuchs" (Lk 13,31-32). Da
Kaiser Caligula kurz nach seinem Regierungsantritt seinem Günstling Herodes
Agrippa I. den Königstitel verlieh, ließ das dem Ehrgeiz von dessen Schwester
Herodias keine Ruhe. Sie trieb ihren Mann Herodes Antipas an, im Jahr 39 n.Chr.
ebenfalls nach Rom zu reisen und beim Kaiser, um den Königstitel und eine
Erweiterung seines Herrschaftsgebietes anzusuchen. Doch Antipas wurde von
seinem Neffen Herodes Agrippa I. bei Caligula angeschwärzt, weil er hinter dem
Rücken des Kaisers Geheimsprachen mit den Parthern getroffen hatte. Daraufhin
verlor er seine Regierungsgewalt und wurde ins Exil nach Lugundum verbannt, wohin ihm auch seine Frau Herodias (aus Liebe?) folgte,
obwohl der Kaiser ihr das Vermögen ihres Mannes zugesprochen hatte, und sie
hätte frei bleiben können. Im Exil starb Herodes Antipas ca. 39 n.Chr. Als
Ironie des Schicksals bekam dann sein Neffe Agrippa I. von Kaiser Caligula die
Tetrarchie des Antipas übertragen (33,481; 42,592ff; 52,II,1092; Herodes Antipas – Wikipedia).
14
(Herodes) Philippus der Tetrarch, der siebente Sohn von Herodes dem Großen und
seiner fünften Frau, Kleopatra von Jerusalem. Er wurde zusammen mit seinen
Halbbrüdern Herodes Archelaeus und Herodes Antipas in Rom erzogen. Von Augustus
bekam er als Tetrarch die Regierungsverantwortung über die vorwiegend
heidnischen Gebiete Gaulanitis, Trachonitis, Auranitis, Batanäa und später von
Tiberius noch Ituräa (Nord-Transjordanien). Er war lange unverheiratet und heiratete
mit etwa 50 Jahren Salome, die Tochter von Herodias, doch dieses Eheglück
dauerte nur vier Jahre, da er starb und die viel jüngere Salome als junge
kinderlose Witwe zurücklies. Er unterschied sich von den anderen Mitgliedern
der herodianischen Familie durch eine milde, moderate und gerechte Regierung.
Er war der Beste von allen Söhnen aus dem Haus des Herodes. In seiner
Würdigung der langen Regierungszeit des Philippus zeichnet Flavius Josephus (Altertümer,
XVIII 4,6) von dem Tetrarchen das Bild eines uneitlen und in sich ruhenden
Menschen, der seine Verantwortung ernst nahm. Er schreibt: "Er war seinen Untertanen ein milder Herrscher und
ruhigen Gemütes, brachte auch sein ganzes Leben in seinem eigenen Lande zu. So
oft er sich aus seinem Hause begab, nahm er nur wenige Auserlesene mit und ließ
sich den Thronsessel, von dem aus er Recht sprach, auf allen Wegen nachtragen.
Begegnete ihm dann jemand, der Hilfe und Beistand begehrte, so wurde der Sessel
sogleich aufgestellt, und nun hielt er Untersuchung ab, bestrafte die
Schuldigen und sprach die unschuldig Angeklagten frei." Nach Josephus starb Philippus in Julias und wurde in
der Gruft, die er sich schon bei Lebzeiten erbaut hatte, mit großem Prunk
beigesetzt. Dennoch war er der
erste jüdische König, der auf seinen Münzen das Haupt der römischen Kaiser
einprägen ließ. Da er kinderlos starb, wurde sein Herrschaftsgebiet nach seinem
Tod bis zum Jahr 37 n.Chr. der römischen Provinz Syro-Zilizien eingegliedert. Danach übertrug Kaiser Caligula
sein Herrschaftsgebiet an Herodes Agrippa I. (20,120; 33,481; Herodes Philippos – Wikipedia).
15
Tiberius wurde von Kaiser Augustus als sein Stiefsohn adoptiert, da Augustus
selbst keine Kinder hatte. Nach dem Tod von Augustus wurde Tiberius im Jahr 14
n.Chr. im Alter von 56 Jahren vom Senat als dessen Nachfolger designiert und
hatte durch seine schon zweijährige Mitregentschaft reichlich politische
Erfahrung. Zeitlebens blieb er den Prinzipien treu, die Augustus für das
römische Reich eingeführt hatte. Durch seine mürrische Art verlor er aber nach
und nach das Vertrauen seiner Nation und zog sich verärgert bis zu seinem Tod
in den Ruhestand nach Capri zurück. Tiberius war Kaiser vom 19. August 14 - 16.März
37 n. Chr. Immer dann, wenn in den Evangelien vom "Kaiser" gesprochen
wird ist Tiberius gemeint (33,1198).
16
Pontius Pilatus wurde im Jahr 26 n.Chr. von Kaiser Tiberius als fünfter "Praefectus"
(den gleichen Titel hatten auch Felix und Festus, später wurde daraus der Titel
procurator) über die Provinz Judäa eingesetzt und verwaltete diese bis
36 n.Chr. Er hatte die Oberaufsicht über 4-5 Kohorten (mind. 20.000 Legionäre).
Die meisten davon waren in Cäsarea stationiert, ein Teil aber auch in der Burg
Antonia in Jerusalem. Als Präfekt hatte er das Recht die Todesstrafe
anzuordnen. Wenn der jüdische Sanhedrin die Todesstrafe über jemanden
verhängte, musste diese vorher von Pilatus ratifiziert werden. Er konnte den
Beschluss des Sanhedrins aber auch für ungültig erklären. Die Hohepriester
wurden von ihm eingesetzt und der Ornat des Hohepriesters war in seiner
Verwahrung und wurde nur zu den dafür vorgesehenen Festlichkeiten von ihm
herausgegeben. Ebenso kontrollierte er die Ordnung im Heiligtum und den
Tempelschatz. Als er in die Provinz Judäa kam, bestand seine erste Amtshandlung
darin die römischen Feldzeichen mit dem Bild des Kaisers öffentlich in
Jerusalem aufzustellen, - was seine Vorgänger vermieden hatten, - und so die
Juden zum Zorn zu reizen. Als die jüdischen Führer dagegen protestierten und
ein Aufstand drohte kam er nach 6 Tagen ihrem Wunsch nach, entfernte die
Feldzeichen und brachte sie zurück nach Cäsarea. In seiner Residenz in
Jerusalem stellte er jedoch goldene Schilde auf, die zwar kein Bildnis, sondern
nur die Namen des Kaisers und von ihm selbst eingraviert hatten. Als dem Kaiser
Tiberius hinterbracht wurde, dass die Juden auch dies beanstandeten, ordnete
der Kaiser an, Pilatus solle auch diese aus seiner Residenz in Jerusalem
entfernen. Als Pilatus später einmal dem Tempelschatz Geld entnahm, um ein
Viadukt zur Wasserversorgung Jerusalems zu finanzieren, kam es an einem
jüdischen Fest zu einem Aufstand, der von ihm blutig niedergeschlagen wurde. Vielleicht
gehörte auch der Turm von Siloah zu diesem Viadukt-Projekt (vgl. Lk 13,1-4). Kurz
vor dem Jahr 36 n.Chr. schlug Pilatus eine bewaffnete religiöse Versammlung von
Samaritern am Berg Garizim blutig nieder. Dieser Vorfall wurde dem Kaiser in
Rom gemeldet, woraufhin Pilatus nach Rom zitiert wurde, um sich zu
rechtfertigen. Wie diese Vorladung ausging, ist nicht bekannt, denn Kaiser
Tiberius starb während Pilatus noch auf dem Weg nach Rom war. Angeblich wurde
er irgendwann danach unter der Regierungszeit von Kaiser Caligula zum
Selbstmord gezwungen. Philo beschreibt ihn als streng, hart, stur und von
unberechenbarem Temperament, der die Juden mit ungerechten und brutalen
Gewaltausbrüchen und Behandlungen, sowie durch seinen Stolz, immer wieder
provozierte. Er ließ Todesurteile ohne vorherige Gerichtsverhandlung
vollstrecken. Das NT beschreibt ihn daneben auch als einen schwachen Charakter,
der seinen Prinzipien nicht treu blieb, da er den Juden gefällig sein wollte,
obwohl er wusste, dass Jesus unschuldig war (Joh 19,6). Er hatte Angst, dass
sie seinen schon angeschlagenen Ruf beim Kaiser in Rom noch mehr schaden
könnten; Joh 19,12 (33,939).
17
Hannas war Hohepriester von 6-15 n. Chr. und blieb auch danach sehr
einflussreich. Seine fünf Söhne und sein Schwiegersohn Kajaphas kamen
nacheinander in den Besitz der Hohepriesterwürde. Kajaphas amtierte von 18-36
n. Chr. als Hohepriester und leitete den Prozess gegen Jesus (vgl. 47,z.St.).
18
Das war das Alter, ab dem ein Jude öffentlich predigen durfte. Auch die Leviten
traten erst mit 30 Jahren ihren Dienst an. Doch der wichtigere Grund für Jesus
war, dass der Dienst von Johannes zu Ende ging.
19
Schlangen fliehen vor Feuer (65,I,315).
Lukas 4
1 Dtn 8,3. Alle drei Schriftstellen die Jesus
dem Teufel entgegenhält, stammen aus Zeit der Wüstenwanderung des Volkes
Israel.
2 Dtn 6,13; 10,20
3 Ps 91,11. Der Teufel verdreht die Schriften,
wie auch die falschen Lehrer, die seine Knechte sind. Der Schutz in diesem
Psalm wird demjenigen versprochen, der in Gottes Willen bleibt, und nicht
eigene Wege geht.
4 Ps 91,12
5 Dtn 6,16 (LXX)
6 Jes 61,1f (LXX). Jesus bricht das Vorlesen
mitten im Satz ab (was nach rabbinischer Vorschrift verboten war), weil der Tag
der Rache erst bei seiner Wiederkunft stattfinden wird. Damit legt er den Grund
zu einer differenzierten heilsgeschichtlichen Auslegung der Prophezeiungen des
AT. Vergleiche weitere Beispiele für diesen "prophetischen Zeitsprung"
in: Jes 11,1-16; Dan 9,26-27; Hos 3,4-5; Joel 3,2-3; Micha 5,1-4; Sach 3,8-10;
9,9-10; 13,7 - 14,21; Mal 3,1ff; Offb 12,5-6; 17,11-12 ua.
7 εως gibt auch bloß die Richtung an, ohne,
dass das Ziel erreicht wird; so in Lk 4,29; 24,50 (46,84).
8 Immer dann, wenn Jesus
Dämonen direkt anspricht oder wenn Satan hinter einer Sache steht, bedroht er
bzw. herrscht er an (επι-τιμαω): Mt 17,18; Mk 1,25; 3,12; 8,33; 9,25; 9,42; Lk
4,39; 9,55; Jud 1,9
9 Dieser Zeitpunkt war dann wieder in Mt
16,23; 27,40ff. und Lk 22,40ff.
10 Siehe die Anmerkungen zu Mt 4,1ff. – Jesus
wurde während der ganzen 40 Tage vom Teufel versucht. Die drei Versuchungen die
erzählt werden, waren nur der Abschluss-Test.
11 D.h. solchen die noch nicht das Evangelium
hörten.
12 Wohl wie der zeitlos-durative hebr.
Imperfekt gebraucht (2,z.St.).
13 Damit ist ein "Jobeljahr" gemeint;
vgl. Lev 25,10. Manche nehmen an, dass das letzte Jobeljahr erst ganz kurz
zurücklag (65,I,320).
14 od.: "Du kamst, um uns zu verderben,
nicht wahr?"
15 od.: "...mir ist diese Machtfülle
gegeben, (und zwar) vollständig" (2,z.St.). Der Teufel ist ein Lügner,
denn diese Macht ist ihm nicht gegeben (vgl. Dan 4,32 ua.), er hat sie
Adam entwendet. Allerdings ist es wahr, dass er bei allen Königreichen dieser
Erde im Hintergrund seine Hände im Spiel hat. Nicht umsonst nennt Jesus ihn den
"Fürst dieser Welt" (Joh 12,31; 14,30), und Paulus nennt ihn den "Gott
dieser Welt" (2Kor 4,4).
16 vgl. Anm. bei Mt 4,5
17 Ein phönizischer Ort, 120 km nördlich von
Cäsarea, also im heidnischen Ausland. Die Bewohner dieses Gebiets wurden von
den Juden besonders verachtet. Elija half der Witwe in der Hungersnot und
erweckte ihren Sohn vom Tod. Vgl. 1Kön 17,1-2 (54,z.St.).
18 Etwa 2 km von Nazareth entfernt befindet sich
der dschebel el-kafza (Berg des Sprunges), wohin die Juden Jesus führen
wollten, um ihn dort den Abhang hinabzustoßen. Danach wollte man schädelgroße
Felsbrocken auf seinen Brustkorb fallen lassen, um ihn zu töten. Dies war die
vorgeschriebene Art der Steinigung. Er aber entzog sich ihnen schon bevor sie
dort ankamen. An einem Sabbat war eine Steinigung eigentlich gar nicht erlaubt,
aber sie waren wahrscheinlich so aufgebracht, dass sie dies vergaßen (65,I,322;
46,84). Zusätzlich hatten sie
gar keine Befugnis, die Todesstrafe auszuführen, dies war den römischen
Besatzern vorbehalten. Es wäre Lynchjustiz gewesen.
19 Die Juden in Galiläa waren messianischen
Bewegungen gegenüber sehr zurückhaltend, weil im Jahr 6 n.Chr. ein
messianischer Aufstand in der Hauptstadt Sepphoris von den Römern brutal
niedergeschlagen wurde. Aufgrund dieser traumatischen Erfahrung schloss sich
das wiederaufgebaute Sepphoris auch dem messianischen Aufstand 66 n.Chr. nicht
an. Die Ablehnung von Jesu Anspruch der Messias zu sein, ist auf diesem
Hintergrund noch verständlicher, da Nazareth nur 6 km von Sepphoris entfernt
lag (65,I,321).
20 Zur chronologischen Reihenfolge der
Versuchungen vgl. die Anm. bei Mt 4,8
21 Mit Vollmacht bedeutet: (1.) Nicht so wie
die Schriftgelehrten (Mk 1,22), die immer die Meinung verschiedener Rabbis
darlegten, wenn sie lehrten. Jesus redete direkt die Worte Gottes, er brauchte
sich auf niemanden berufen. So sollten auch die Lehrer der Gemeinde lehren, und
nicht indem sie ihre Zuhörer mit der Meinung verschiedener Kommentatoren
ermüden, sondern indem sie durch den Heiligen Geist aus der Schrift gezeigte "Aussprüche Gottes reden" (1Pet 4,11). (2.) Gott bestätigte die Worte Jesu durch
Zeichen und Wunder. Dies war später in der Gemeinde den Aposteln und
Evangelisten in der Anfangszeit vorbehalten. Vgl. Anm. bei Apg 2,43
22 Man kann im NT verschiedene Grade von Dämonisierung (Besessenheit) finden. Bei diesem Mann äußerte sich die Dämonisierung im täglichen Leben nicht, sonst hätte er nicht in die Synagoge dürfen. Erst als er mit dem Heiligen konfrontiert wird, outen sich die Dämonen aus ihm ("wir…uns…"). In Mk 9,17-18 dürfte der Dämon von Zeit zu Zeit den Jungen angefallen haben. Es gibt aber auch Fälle von schwerer Dämonisierung (Mt 15,22) und von schwerster, unbeherrschbarer und gefährlicher Dämonisierung (Mk 5,1-9). Manchmal quälen die Dämonen Menschen mit Krankheiten (Mt 9,32-33; 12,22; Lk 13,11-13 ua.). In anderen Fällen benützt Satan Menschen, auch Gläubige, um das Werk Gottes zu hindern (Lk 4,38-39; Mt 16,23), oder Gläubige lassen sich von Satan zum Bösen beeinflussen (Apg 5,1-5; 1Tim 4,1). Es gibt nur ein Beispiel, wo beschrieben wird wie Satan von einem Menschen Besitz ergreift, und zwar bei Judas (Lk 22,3; Joh 13,27), aber Judas war kein echter Gläubiger (Joh 13,10-11). - In der Frage, ob Gläubige heute noch die Vollmacht haben Dämonen auszutreiben, ist die Christenheit gespalten. Was aber auf jedem Fall in unserer Macht steht, ist Dämonisierte im Gebet stellvertretend vor den Herrn zu bringen, wie die vier Freunde des Gelähmten (Mk 2,1-12), und den Herrn zu bitten sie freizumachen, sodass Satan weichen muss (vgl. Lk 4,38c). Im Notfall, wenn man dämonisch attackiert wird, kann man sicher auch im Namen Jesu gebieten. Aber eingebildete Vollmacht ist gefährlich (Apg 19,13-17; 2Pet 2,10b-11; Jud 1,8-10).
1 w.:
"da war er stehend...", dem Hebräischen nachgebildet (20,182), am
besten zu übersetzen als umschriebenes Imperfekt (2,z.St.).
2 Mögl.
wäre auch ein durativ-iterativer Impf.: Die Netze fingen an der einen und
anderen Stelle schon an einzureißen (und drohten daher bald ganz zu zerreißen,
was den Verlust der Fische bedeutet hätte). Allerdings wäre das Simplex ρεγνυμι (= reißen),
im ingressiven Aorist, dann die passendere Wortwahl gewesen. Jedenfalls ist die
richtige Übersetzung für die sicherlich beabsichtigte Anwendung auf das
Menschenfischen (Vers 10) wichtig: (1.) Petrus muss durch die Vergebung seiner
Sünden (Vers 8) erst wiedergeboren werden, um ein Menschenfischer werden zu
können. (2.) Ohne den Herrn (Vers 5) kann er gar nichts tun. (3.) Im Dienst für
Jesus kann man schnell an die äußersten Grenzen stoßen, man droht zu
zerbrechen, zerbricht aber doch nicht, man droht unterzugehen, geht aber doch
nicht unter. Vergleiche Paulus in 1Kor 15,30-31; 2Kor 1,8-10; 11,23ff ua. Der
Herr wird uns beistehen, seinen Missionsauftrag auch auszuführen. - Die
wörtliche Übersetzung in der Elberfelder Bibel (ab 2003 korrigiert!), oder im sonst
so wörtlichen Münchener NT, schließt schon der Kontext aus. Wären die Netze wirklich
zerrissen, wären die Fische zum großen Teil verlorengegangen, und es wäre gar
nicht zum Sinken der Schiffe gekommen. Wären die Schiffe wirklich gesunken,
hätte das Gespräch zwischen Jesus und Petrus im Boot gar nicht mehr stattfinden
können, und sie hätten nicht mehr an Land fahren können (Vers 11). Ein
warnendes Beispiel, wie eine wörtliche Übersetzung, ohne Beachtung der
grammatischen Besonderheiten, den Sinn verdunkeln kann.
3 Gab es
vielleicht zwei verschiedene Arten von Schiffen zum Fischfang, ein größeres,
und ein kleineres Beiboot?
4 Durch das
Gewicht der vielen Fische, sank das Schiff bedrohlich, und der Wasserpegel
erreichte beinahe den Bord-Rand (13,92). Bezüglich einer übertragenen Anwendung
siehe die Anmerkung2 oben.
5
Verneinter Imp.Präs.: "Höre auf dich zu fürchten"; od.: "Du
brauchst dich nicht (mehr länger) zu fürchten".
6 Ein lederner Beutel in dem Wasser oder Wein
aufbewahrt wurde. Meist der vollständige Ziegenbalg, der zusammengenäht und an
den Nähten verpicht, einst wie heute, im Orient zum Transport von Flüssigkeiten
(Wein, Wasser, Öl) benutzt wurde, während zur Aufbewahrung der Flüssigkeiten
meist Tongefäße dienen. Vgl. noch Mk 2,22
7 Ein schönes Beispiel dafür, wie ein
persönlicher Auftrag (an Petrus), dann als Team ausgeführt wird (vgl. Apg 16,10),
weil sich alle vom Befehl des Herrn angesprochen fühlen.
8 od.: "...um das Wort Gottes zu hören"
(2,z.St.).
9 Vgl. Anm.
bei Mt 9,16-17
10 Es waren
runde Wurfnetze, 3-5 m im Durchmesser, die von Land oder vom Boot aus ins
Wasser geworfen wurden und dank der Bleigewichte an den Rändern rasch sanken
(54,z.St.).
11 Das
Fischen am See Genezareth brachte nachts mehr ein (65,I,324). Der Gehorsam des
Petrus ist daher umso erstaunenswerter und wird belohnt.
12 Vgl. Jer
16,16a; Hab 1,14-15
13 Die
folgende Vorgeschichte von Vers 2-9 ist wichtig, für das richtige Verständnis
der Parallelstellen in Mt 4,18-22 und Mk 1,16-20
14 Auf der
Wasseroberfläche werden die Schallwellen besser weitergeleitet. Jesus konnte
daher besser von den Menschen am Ufer gehört werden.
15 Das gibt
Mut im Glauben für andere zu beten. Natürlich hatte auch der Gelähmte selbst
Glauben (Lk 5,25), sonst hätte er sich gegen diesen Transport verwehrt.
1 Das war nach Ansicht der Pharisäer Ernte-Arbeit,
die am Sabbat verboten war (54,z.St.).
2 Die gekauften Sklaven des Priesters
durften übrigens schon vom Heiligen essen. Lev 23,11!
3 Hier ist der Räuber gemeint, weil er zuerst
den außenliegenden Mantel gewaltsam wegreißt. In Mt 5,40 aber ist der
Prozessgegner gemeint. Siehe die Anmerkung dort.
4 Andere zu segnen ist ein vergessener Befehl
unseres Herrn (1Pet 3,9), allerdings in manchen christlichen Kreisen auch
falsch verstanden und missbraucht. Der Zusammenhang zeigt, dass wir nur
Ungläubige segnen sollen, im Besonderen unsere Feinde. Gläubige brauchen wir
nicht zu segnen, denn sie sind von Gott "gesegnet mit jeder Art von
geistlichem Segen" (Eph 1,3). Wenn Pastoren ihre Gemeindeglieder "segnen",
- was gut und aufrichtig gemeint sein kann, - maßen sie sich eine Vollmacht an,
die Gott nicht vorgesehen hat. Außerdem stehen sie in der Gefahr von
Überheblichkeit, denn der Segnende fühlt sich leicht dem Gesegneten überlegen
(vgl. Heb 7,7).
5 Von den Söhnen eines guten Menschen
erwartete man, dass sie sich wie ihr Vater verhielten. Und so sollen sich auch Gottes
Kinder wie er verhalten.
6 Welche Art von Richten gemeint ist, zeigen
die Verse 41-42 und Röm 14,4ff. Vgl. im Gegensatz dazu 1Kor 5,3.12. Die Verse
37-38 könnte man unter das Motto stellen: "Was ein Mensch sät, wird er
auch ernten" (Gal 6,7 ).
7 In Palästina sieht man häufig hinter
Dornhecken Feigenbäume, die ganz von hinaufwachsenden Weinreben umrankt sind.
Am Boden wachsen Disteln (20,236; 65,I,333). Niemand glaubt aber, dass man
deshalb Feigen oder Trauben von einer Dornhecke pflückt.
8 Dieses Wort wird nur hier gebraucht, wo
Jesus davon redet, dass man auch dort leihen soll, wo man nichts zurückerwarten
kann. Das soll aber weder einem erschöpfenden und irrationalen Verleihen noch
einem Borgen ohne jeden Gedanken an die Rückerstattung das Wort reden. Jesus
meint hier einfach ein Handeln nach der christlichen Liebe an solche, die es
wirklich nötig haben.
9 Die folgenden Imp.Präs. zeigen, dass dieses
Handeln der Jünger dauerhaft, und nicht nur einmalig sein soll, - ein
Charakterzug sozusagen.
10 Vom Verkäufer wird das Messgefäß über einem
Getreidesack zwischen seinen Knien dreiviertel mit Getreide angefüllt. Dann
rüttelt er das Getreide zusammen damit sich die Körner senken. Dann häuft er noch
einmal etwas bis zum Rand drauf. Er schüttelt es nochmals, drückt es mit der
Hand nieder und lädt nochmals etwas auf, solange bis gar nichts mehr Platz hat.
Danach häuft er noch eine kegelförmige Spitze drauf, sodass einiges über den
Gefäßrand in den Getreidesack zurückfällt. Nun hat nichts mehr Platz. Dann
leert er dem Käufer das Getreide in die Gewandfalte, die über den Gürtel fällt.
Sie wurde als Tasche verwendet. So wird auch Gottes Maß für uns sein, wenn wir
großzügig geben (14,220; 65,I,332).
11 Vielleicht war er vorher ein
Mitglied der Zeloten-Bewegung, die mit Gewalt gegen die römische Vorherrschaft
revoltierte. Möglich ist auch, dass er nur wegen seines eifrigen Charakters so genannt
wurde (33,1273).
12 Es gibt zwei Arten von hören, - solches das
auch gehorchen will (Präsens) und solches, das nur hinhört
(Aorist) und gleich wieder vergisst (13,81). Das Fundament eines echten
Glaubens ist: Glaubensgehorsam.
13 Bauern brauchten häufig Darlehen, um Saatgut
zu kaufen. Zinssätze bis zu 48% waren keine Seltenheit. Verleihen war also ein
gutes Geschäft. Doch kurz vor dem Erlassjahr wollten viele kein Darlehen mehr
leihen, da aufgrund von Dtn 15,9 jedes siebte Jahr alle Schulden annulliert
wurden (65,I,78.331).
14 Vgl. 1Kor 6,7b
15 Zum richtigen Verständnis des Zusammenhangs
siehe die Verse in Mt 7,15.21-23. Sie beschreiben, wie man falsche Propheten
beurteilt und schließen an das Thema "Richten" in Mt 6,37 an. Es geht
hier um ein falsches Bekenntnis von falschen "christlichen Propheten."
Darüber hinaus ist die Bildrede natürlich auch auf Gläubige anzuwenden.
16 Das folgende Gleichnis beschreibt
anschaulich, was vorgeht, wenn man einen anderen richten will (vgl. Mt 7,1-5),
ohne genaue Kenntnis seiner Motive zu haben (vgl. Röm 15,14 als
zusammenfassenden Abschluss des ganzen Kapitels von Römer 15 über das Richten).
Man ist dann wie ein Blinder, der einem Blinden helfen will, oder wie einer der
einen Balken im Auge hat und meint, dass Problem des anderen richtig beurteilen
zu können (vgl. 20,234f).
17 Dieser Zusammenbruch geschieht bei den
Ungläubigen beim letzten Gericht, für die Gläubigen beim Richterstuhl Christi.
1
Jes 29,18; 35,5-6; 42,18; 26,19; 61,1
2
Ex 23,20; Mal 3,1 - Im AT ist damit Jahwe gemeint, in der neutestamentlichen
Erfüllung aber der Messias Jesus, dessen Weg Johannes vorbereitete (20,248).
3
Auch in Galiläa waren kleinere römische Heereseinheiten stationiert, und
ausgediente Soldaten siedelten sich oft hier an (65,I,334). Vgl. die Parallelen
zu der ebenfalls nahe Kafarnaum stattgefundenen Heilung in Joh 4,46ff. Hatte
der Centurio diese Heilung vielleicht als ermutigendes Vorbild?
4
Das in der Öffentlichkeit vor Männern gelöste Haar einer Frau galt bei den jüdischen
Frauen als große Demütigung und Schande; vgl. Num 5,18 (20,254; 14,127).
5
Konativer Impf.: "...versuchte sie schnell abzuwischen" (34,I,566),
weil sie sich schämte?
6
Iterativer Impf.: die Füße heftig abküssen und voll Inbrunst mit Küssen
bedecken. Ein Zeichen demütigster Dankbarkeit gegenüber einem Lebensretter
(14,126). Dies tat sie, weil sie durch Glauben die Sündenvergebung durch Jesus
(wegen seiner vorausgegangenen Predigt?) bereits angenommen hatte, wie Jesus
nachher auch bestätigt.
7
Zuerst ein präsentischer Aorist der ein semitisches "statives Perfekt" wiedergibt, dann ein Perfekt bei der
Sünderin, - aber kein Perfekt bei Simon, sondern bei ihm ein Präsens, dass die
Sündenvergebung noch offenlässt. Simon hatte, im Gegensatz zur Sünderin, noch
keine Sündenvergebung erlangt (14,127; 34,I,561ff.). Das Perfekt streicht
heraus, dass ihr ihre vielen Sünden durch ihren Glauben schon vergeben waren bevor
sie zu Jesus kam, um ihm ihre Dankbarkeit darüber zu erweisen.
8
Begründend: "...das sieht man daran, dass sie mir viel Liebe erwies".
Der Gedanke, dass man durch das Ausüben von Liebe Sündenvergebung bekommt,
liegt der Aussage Jesu fern, wie auch Vers 50 deutlich macht. Ihr Glaube hat
sie errettet, ihre Liebestat war aber der Beweis und die Frucht dieses
Glaubens.
9
D.h. er bat Jesus, dass sein Sklave "durchkommt" und nicht stirbt.
10
Vielleicht Ind.Präs.: "... gibt es einen anderen den wir erwarten
sollen" (2,z.St.).
11
D.h. von denen die zum Glauben kamen/kommen (vgl. Spr 9,1-12). Falls hier ein
gnomischer Aorist vorliegt, wäre präsentisch zu übersetzen: "wird
gerechtfertigt von…" (2,z.St.). - Johannes hat die Buße gepredigt
(Klagelieder), Jesus die Gnade (Freudenlieder), doch beide Boten wurden samt
ihren verschiedenen Botschaften von Israel abgelehnt (20,252). Auch wir werden
bei unserer Evangeliums-Verkündigung Anstoß erregen, doch wir dürfen nicht auf
Zurufe reagieren, sondern unser Verhalten soll sich an Gottes Weisheit orientieren
(Kol 4,5; Eph 5,15-17).
12
Dieser andersartige war Simon. Er hatte zwar, objektiv gesehen, weniger
Sünden als die Prostituierte (V.47), aber er war von andersartiger
Gesinnung als sie.
13
Nach rabbinischer Vorschrift durften Juden die Häuser von Heiden nicht
betreten, weil sie sich dadurch verunreinigen würden.
14
Ein Begräbnis durfte man eigentlich nicht unterbrechen. Die Totenbahre
anzurühren war nach rabbinischer Tradition strengstens verboten, weil es
verunreinigte (34,I,557; 65,I,335). Aber: "…dem Reinen ist alles rein" (Tit 1,15).
15
Wie konnte die Frau Zugang zum Haus des Pharisäers haben? Normalerweise gab es
einen Türhüter. War er vielleicht sogar ein "Kunde" von ihr und sie kam durch einen Nebeneingang?
Jedenfalls erkannte er sie sofort als die Prostituierte der Stadt. - Vielleicht
hatte sie am selben Tag Jesus predigen gehört, wurde dabei von ihren Sünden
überführt und glaubte an ihn. Nun wollte sie ihm ihre Dankbarkeit zeigen (34,I,564f;
vgl. auch: 65,I,338).
16
Alle drei Handlungen waren zwar bei einem gewöhnlichen Besucher nicht
notwendig, sie hätten aber von besonderer Wertschätzung gezeugt (34,I,568).
17
Bei festlichen Anlässen lag man auf Polstern, die um einen niedrigen Tisch in
der Mitte gruppiert waren. Man stützte sich auf den linken Ellbogen und langte
mit der rechten Hand zu. Die Füße waren nach hinten vom Tisch weg ausgestreckt
(54,z.St.; 65,I,338). Das erklärt warum die Frau von hinten zu den Füßen Jesu
Zugang hatte.
18
Ein kleiner
Ort in Galiläa, 8 km südöstlich von Nazareth, am Nordabhang des Dschebel
el-dahi, in der lieblichen und fruchtbaren Jesreel-Ebene gelegen. Es heißt
auch noch heute Nain (33,810; 46,206; 54,z.St.).
19
Impf.: d.h. sie war schon lange in der Stadt als Prostituierte bekannt.
20
In seiner apologetischen Verteidigungsschrift schreibt der frühe
Kirchenhistoriker Eusebius an den Kaiser Quadratus, dass manche von denen die
von Jesus geheilt oder vom Tod auferweckt wurden später noch lebten und gut
bekannt waren (Eusebius, Kirchengeschichte, IV,3).
21
Für einen Hauptmann war dies ein großes finanzielles Opfer (65,I,334).
22
Eine Heilung über Distanz, war ein außergewöhnliches Wunder. Es ist eine große
Ermutigung für die Gläubigen, denn der Herr ist jetzt im Himmel und hilft uns
von dort aus.
23
Eine schwere Beleidigung, denn darauf stand nach Dtn 21,20 die Todesstrafe (65,I,337).
24
Verneinter
Imp.Präs.: "Weine nicht mehr weiter".
25
Es ist
hier der allgemeine Beschluss Gottes, dass jeder der seine Sünden
bekennt und von Johannes getauft wird, gerettet werden soll (1Tim 2,4.6a "für
alle" = im Hinblick/als Angebot für alle). Diesem Ratschluss kann man sich
durch Ungehorsam widersetzen, denn es gibt keine "unwiderstehliche Gnade" (vgl. Joh 5,40; Mt 23,37b). Der
Mensch hat zwar keinen freien Willen, doch Gott gibt ihm das Recht sein
Rettungsangebot abzulehnen. In Eph 1,11 haben wir hingegen den persönlichen
Ratschluss Gottes für seine Auserwählten. Diesen wird er ausführen. Vgl. auch
die Anm. zu Mt 23,37b
1 Damit wird der Grund für das erste Gleichnis
in Jesu Lehrtätigkeit angegeben. Es soll zeigen, dass von der großen Volksmenge
nicht alle seiner Botschaft glauben werden. Durch Gleichnisse beginnt er zu
sichten. Alle haben zwar Augen, um seine Wunder zu sehen, und Ohren, um das
Evangelium zu hören, aber sie haben ihr Herz dick gemacht und ihre Augen und
Ohren bewusst geschlossen (Mt 13,11-16; Apg 28,24-27). So wie einst Pharao (Ex
7,13-14; 8,28), haben sie sich zuerst verstockt, bevor ihnen
durch die Gleichnisse auch noch der kleine Rest unverständlich wurde, den sie
hatten (Mt 13,12). Sie waren nicht vorherbestimmt zum Unglauben, es war
ihre Entscheidung. Die Jünger hingegen, die schon auf Jesus vertrauten, bekamen
durch die Auslegung der Gleichnisse noch mehr Einsicht in die
Geheimnisse Gottes. - Zum kulturellen Hintergrund vgl. Mt 13,10ff.
2 Die Öllampe mit Docht, sie braucht immer
wieder neues Öl, um zu leuchten (20,266).
3 Der Leuchter ist ein Gestell, auf das die
Öllampe gestellt wurde. Vielleicht symbolisch für das Predigtamt der Jünger
(20,266).
4 Möglicherweise handelt es sich hier um ein
Sprichwort, dass Jesus in verschiedenen Situationen verschieden anwendet (z.B.
in Lk 12,2). Die Geheimnisse des Reiches Gottes waren bisher verborgen (Mt
13,10-12), nun werden sie den Jüngern geoffenbart, damit sie diese später in
der Evangeliums-Verkündigung allen offenbar machen. Wenn sie das nicht treu tun,
wird ihnen die Erkenntnis, die sie haben schrumpfen und schließlich ganz
weggenommen werden (75,136). Vgl. auch die Anmerkungen bei Lk 12,2-3
5 Denn alle vier Ackerböden hörten das Wort,
aber nicht mit der rechten gehorsamen Herzenseinstellung! Die Jünger müssen den
Worten Jesu gut zuhören, denn sie werden diese Botschaft später aller Welt
predigen (2Kor 5,19b). Lukas streicht hier die Haltung hervor ("…wie
ihr hört"), mit der die Jünger Jesus zuhören sollen. In Mk 4,24 steht: "…was
ihr hört", was sich auf den Inhalt von Jesu Lehre bezieht. Beides ist
wichtig.
6 D.h. eine Grundeinsicht in Gottes Gedanken;
od.: ein gutes Herz? (V.15); od.: Frucht?
7 "…dem wird gegeben", d.h. entw.: noch
tiefere Erkenntnis der Geheimnisse des Reiches Gottes; od.: noch mehr Frucht zu
bringen? od.: Belohnung?
8 Die Quaste am untersten Zipfel des
Oberkleides (vgl. Num 15,38; Sach 8,23). Sie fiel jedem der von hinten an den
Herrn herankam besonders ins Auge und könnte bei der blutflüssigen Frau auch
eine Erinnerung an Num 15,39 ausgelöst haben, was zu einer Überführung von
ihrem ausschweifenden Leben führte. Blutfluss war nämlich damals oft die Folge einer
Geschlechtskrankheit. Nach Num 15,38 und Dtn 22,12 musste sich jeder Israelit
solche Quasten selbst an den vier Ecken seines Oberkleides befestigen.
Offensichtlich befolgte auch der Herr Jesus diese Anordnung, obwohl es sich nur
um eine Äußerlichkeit handelte. Vgl. auch Mt 9,20 und 14,36. Diese Art der
Heilung mit Berührung der Quaste, dürfte sich herumgesprochen haben und führte zu
einer Art Vermischung von Glaube und Aberglaube (vgl. Mt 14,36).
9 Andersartig, weil nicht so bekannt
bzw. vornehm? Dass Frauen in Jesu ständiger Gefolgschaft waren, galt als
anrüchig und war bei den Rabbis unüblich.
10 D.h. wahrscheinlich, dass die ausgesäten
Weizensamen in den Boden fielen, in dem sich bereits die Dornensamen befanden,
die von der am Feldrand stehenden Dornenhecke abgefallen waren. Beides sprosste
dann auf, aber die wuchernden Dornen wuchsen schneller und erstickten den
aufsprossenden Weizen. Die Felder waren damals oft von Dornenhecken eingezäunt,
die als natürlicher Schutz vor Tieren dienten.
11 Winde die vom Mittelmeer her, durch die
Berge Galiläas auf eine Höhe von 600 - 1000 m hochgedrückt wurden, "fallen"
dann nach der letzten Bergkette heftig auf den See herab, der 209 m unter dem
Meeresspiegel liegt (59,87).
12 Nach Mk 5,22 gab es mehrere
Synagogenvorsteher, Jairus war einer davon.
13 Der Glaube hat sie nicht nur geheilt,
sondern von ihrer Sünden gerettet. Jesus sucht immer die Heilung des ganzen
Menschen (vgl. Mt 9,2; Lk 7,48-50).
14 Konativer Impf.: "sie lag in den
letzten Zügen" (13,92).
15 Aus jüdischer Sicht konnte nach Ps 107,29
nur Gott dem Wind und den Wellen gebieten. Daher auch die Reaktion der Jünger
in Vers 25 (65,I,341).
16 Zweimal ein durativer bzw. konativer
Imperfekt: "…das Schiff füllte sich mehr und mehr mit Wasser, sodass sie
zu kentern drohten".
17 Indem Lukas zweimal die 12 Jahre hervorhebt,
möchte er uns sicherlich auf etwas hinweisen. Das Mädchen lebte 12 Jahre keusch
und rein, - und war trotzdem todkrank. Die Frau litt seit 12 Jahren
wahrscheinlich an den Folgen einer Geschlechtskrankheit (vgl. die Anm.8), - auch sie war schwer krank. Aber Beide
brauchten Erlösung.
18 Sie war aus Magdala, eine Stadt nördlich von
Tiberias, am Westufer des Sees Genezareth, wahrscheinlich das heutige El-Megdil
(20,259; 54,z.St.).
19 War dies vielleicht der königliche Beamte
aus Joh 4,46ff, dessen Sohn von Jesus geheilt wurde und der mit seinem ganzen
Haus gläubig wurde? Dies würde erklären, warum seine Frau einfach mit Jesus
mitziehen und die Gruppe auch finanziell unterstützen durfte (20,259).
1 Hier beginnt die letzte Reise nach Jerusalem,
die Reise ans Kreuz. Jerusalem lag nur 3 bis 4 Tagereisen entfernt und nach Mt
19,1ff und Mk 10,1ff scheint diese Reise kurz gewesen zu sein, bei Lukas nimmt
sie allerdings 10 Kapitel ein (vgl. Lk 9,51; 13,22, 17,11ff), denn sie dauerte in
Wirklichkeit ein paar Monate (20,318). Jesus zog also recht langsam von Ort zu
Ort und predigte in allen Dörfern (vgl. auch Lk 10,1-2). Zuerst reiste er durch
das südliche Galiläa, dann über den Jordan ins nördliche Peräa (Mt 19,1; Mk
10,1) und erst danach wieder zurück über den Jordan durch Samaria (Lk 17,11).
Danach reiste er weiter nach Jericho (Lk 19,1) und schließlich nach Jerusalem
(Lk 19,11.28).
2 2Kön 1,10.12. Die Erscheinung Elijas auf dem
Berg der Verklärung kurz davor, dürfte sie sehr beeindruckt haben.
3 Die oft vorgebrachte Ansicht mit dem Kreuz
seien persönliche Schwächen, Krankheit oder ein persönliches Schicksal gemeint,
dass man geduldig ertragen muss, ist abzulehnen. - Jesus zeichnet hier vielmehr
ein Bild für die Bereitschaft seiner Jünger zu Leid und möglichem Martyrium um
des Glaubens willen (2,z.St.). Die zur Kreuzigung Verurteilten mussten den
Querbalken des Kreuzes selbst zur Hinrichtungsstätte tragen. Jemand der auf der
Via Dolorosa gehend, seinen Kreuzesbalken trug, hatte mit seinem irdischen Leben
abgeschlossen. Für Jesu Jünger bedeutet dies, sich Tag für Tag vom Eigenwillen
und persönlichen Wünschen und Neigungen zu verabschieden. Dies ist mit
innerlichem und äußerlichem Leid verbunden (20,298; 21,IV,308).
4 Denn die Idee war vom Teufel (20,324). Vgl.
die Anm. bei Lk 4,35. Gerade diese beiden Jünger bedurften einer besonderen
Korrektur. Vergleiche auch ihre falsche Herzenseinstellung in Mk 10,35ff.
5 Die frommen Juden taten dies, wenn sie
heidnisches Gebiet verließen, um das Land Israel nicht zu verunreinigen. Die
Jünger sollten also damit diesen jüdischen Bewohnern zeigen, dass sie
diese Dörfer mit heidnischem Gebiet gleichstellten (vgl. 38,I,571).
6 Viell.: sich in die Dörfer aufteilend (2,z.St.),
z.B. zwei und zwei.
7 D.h. jeder Jünger hatte nach getaner Arbeit
seinen Handkorb voll mit Speiseresten für sich. Dies ist eine beabsichtigte
Anwendung des Herrn für den zukünftigen Dienst seiner Jünger. "Wer gibt,
dem wird gegeben werden". Vgl. auch Mt 6,33
8 Wörtlich "seine Seele", damit ist
die Gesamtheit der natürlichen Triebe und Fähigkeiten gemeint (20,299), also
der egoistische Eigenwille, die eigenen Sehnsüchte, Wünsche, Pläne, usw., und
im äußersten Fall auch das physische Leben, und damit die Bereitschaft zum
Martyrium. Darüber hinaus vielleicht auch noch die materiellen Güter von denen
wir meinen, sie wären für unser Leben unentbehrlich. Vgl. die Anm. zu Lk 17,33
9 In Gräz. auch ein medizinischer Ausdruck.
Lukas der Arzt kennt wohl das Symptom von seiner Beobachtung der Epilepsie. Er weiß
aber, dass hier dämonische Besessenheit die Ursache der Krankheit ist.
10 D.h. prägt euch gut ein (2,z.St.).
11 D.h. er nahm es sich fest vor (vgl. Jes 50,7).
12 Ähnliches wird auch uns widerfahren, wenn
wir Menschen überzeugen wollen Jesus aufzunehmen. Wie reagieren wir
dann?
13 Für die Samariter war auf dem Berg Garizim
der richtige Ort, um Gott anzubeten. Jerusalem als Anbetungsort lehnten sie ab,
daher unterstützten sie Pilger auf dem Weg dorthin auch nicht (vgl. Joh 4,20ff).
Sie waren irregeleitet durch eine falsche Tradition und durch falsche
Belehrung. Darum ist Jesus ihnen auch gnädig, und weist die Jünger wegen ihrer
Rachsucht streng zurecht.
14 Außer das Kreuz. Siehe Joh 19,30, wo der
Heilige Geist das gleiche Wort inspiriert hat, es kommt nur an diesen beiden
Stellen im NT vor.
15 D.h. entweder, dass der Vater schon alt war
und bald sterben würde, oder schon im Sterben lag. Eher aber, dass der Vater
gerade gestorben war, und der Mann noch die von den Rabbis vorgeschriebenen und
lange dauernden Begräbnisfeierlichkeiten ausrichten wollte (34,II,133). Doch
Jesu Auftrag ist dringend und erlaubt keinen Aufschub (vgl. Lev 21,11; Num 6,6-7).
16 D.h. von seiner Familie. Auch eine solche
Verabschiedung dauerte im Orient etliche Tage. Jesus aber war unterwegs, wer
mit ihm gehen wollte, musste es sofort tun.
17 Gemeint ist wahrscheinlich, dass man durch
Selbstverleugnung und Verzicht um Jesu willen, den höheren Sinn seines Lebens
behält (vgl. Vers 25: "sich selbst"), anderseits verliert man diesen,
wenn man egoistisch "das Leben auskostet" oder gar feige den Glauben
verleugnet. Vgl. Jer 39,18.
18 Diese Voraussage bezieht sich sicherlich auf
die darauffolgende Begebenheit auf dem Berg, wo die drei Jünger den Herrn in
seiner zukünftigen königlichen Herrlichkeit sahen, die er im tausendjährigen
Reich haben wird. Daher folgt im Vers 28: "Es geschah … nach diesen
Worten".
19 Der
iterative Imperfekt drückt aus, dass die Vermehrung der Brote immer wieder in seinen
Händen geschah (13,91; 20,290), und nicht in den Händen der Apostel. Die
Apostel mussten also immer wieder zu ihm zurückkehren, um neue Brote zu holen.
Das ist wichtig für die geistliche Anwendung. Wir müssen uns Tag für Tag in
unserer persönlichen Andachtszeit immer wieder neue Kraft und neue Aufträge von
unserem Herrn holen, wenn wir den Menschen dienen wollen.
20 Vgl. 1Kön
19,20. Beim Pflügen musste man den Blick streng auf den Weg vor sich und auf
ein feststehendes Ziel richten, damit die Furchen gerade wurden (65,I,350).
21 Das durative
Präsens drückt aus, dass man seinen Eigenwillen und seine Wünsche krampfhaft
festhalten will, der punktuelle Aorist, dass man bereit sein soll, diese im entscheidenden
Augenblick loszulassen.
22 Bedeutet
das, beim Richterstuhl Christi?
23 Nach Mt
8,18 war Jesus gerade unterwegs auf dem Weg zum See Genezareth, um in ein Boot
zu steigen, und von Kapernaum wegzufahren. Er trat seine letzte Reise nach
Jerusalem an (Vers 51), und würde nicht mehr nach Kapernaum zurückkehren (vgl.
auch die Anm.1 oben).
Daher war der Ruf in die Nachfolge auch so dringlich, man musste sich sofort
entscheiden, wenn man ihm nachfolgen wollte.
24 Der
Artikel drückt aus, dass es der nächstgelegene hohe Berg bei Cäsarea
Philippi ist, nämlich der Hermon. Vgl. die Anm. bei Mt 17,1 (20,303).
25 Diese Aussage von Herodes scheint ein Widerspruch zu
seinen Aussagen in den Parallelberichten in Mt 14,1-2 und Mk 6,14 zu sein.
Folgendes dürfte sich zugetragen haben: Herodes hört von den Wunderberichten
Jesu, und, dass einige Leute behaupten Jesus sei der auferweckte Johannes der
Täufer, worauf seine erste Antwort die in Lk 9,9 ist. Doch in weiterer
Folge übernimmt er die Ansicht aus der Volksmenge, dass Jesus wirklich der
auferweckte Johannes sei, vielleicht um damit sein Gewissen zu beruhigen, dass
Gott sein Verbrechen wieder gut gemacht hat.
26 Da es sich nach Mt 14,13; Mk 6,31 und Lk 9,12 um einen öden Ort gehandelt hat, muss es die unbewohnte Gegend im Küstengebiet, südlich der Stadt, gewesen sein. Die Stadt selbst lag ein Stück weiter landeinwärts (20,288; 76,372f).
27 In Mk 6,8 sagt Jesus, sie sollten nur den Wanderstab mitnehmen, den sie schon haben. Hier aber und in Mt 10,9-10 sagt er, sie brauchen keinen neuen Wanderstab für die Reise anschaffen (20,283). Diese Reise dauerte, wie ein Vergleich von Mk 6,7ff mit Mk 6,30ff zeigt, nicht sehr lange.
28 Vgl. die Anm. zu Mt 17,1
29 Da die leibliche Auferstehung der Heiligen zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschehen war, erscheinen Mose und Elija als "Geister der vollendeten Gerechten" (Heb 12,23b). Genauso wie auch die Engel bei ihren Erscheinungen vorübergehend einen materiellen Körper annehmen konnten, wird es wohl auch hier der Fall gewesen sein (20,305).
1 Wie im AT: Num 11,24-25; Dtn 6,5; Jos 22,5
2 Lev 19,18. Wer der Nächste ist, wird im
nachfolgenden Gleichnis erzählt, nämlich der den Juden verhasste Samariter.
3 "Hinauswerfen" statt senden (απο-στελλω), weil die Versuchung groß ist nicht
freiwillig zu gehen, wenn man gerufen wird?
4 D.h. bei der Anrufung deines Namens (2,z.St.).
- Die Überraschung erklärt sich vielleicht durch den Misserfolg in Lk 9,40, und
daraus, dass der Herr den 70 Jüngern, im Gegensatz zu den Aposteln (Lk 9,1a),
nicht explizit die Vollmacht gegeben hatte Dämonen auszutreiben (20,334),
sondern nur, Kranke zu heilen (Lk 10,9).
5 Vgl. Eph 6,12
6 Iterativer Ind.Impf. (sah jedes Mal) +
Ptz.Aor. (fallen) betont die Gleichzeitigkeit des Geschehens: "...ich
schaute jedes Mal zu, wenn ihr einen Dämon ausgetrieben habt, so als ob der
Satan dabei aus der Himmelswelt fällt" (20,334; 13,90). "…aus dem
Himmel fallen" war ein bildlicher Ausdruck und ist nicht wörtlich zu
verstehen (65,I,352). Durch jede Dämonenaustreibung verliert der Satan an Macht.
In Offb 12,9 wird er schließlich mit seinen Engeln endgültig aus dem Himmel
geworfen. Bis dahin hat er allerdings Zugang zu Gott, um uns bei Gott zu
verklagen, - und er ist jetzt "der Gott dieser Welt" (2Kor 4,4).
7 Jesus wird hervorgehoben und den Jüngern
gegenübergestellt (1,246). Die Jünger zogen weiter, während er selbst
allein in das Dorf ging. Vgl. Lk 24,36 und Mt 8,24
8 Eine bejahende Antwort wird erwartet. Der
Vorwurf ist sehr schroff.
9 Eine hebr. Redewendung: das bessere von
zweien; od.: das Beste von Mehreren. Eine Anspielung auf Ps 16,5-6 (59,93).
10 Der Lohn besteht demnach in der Versorgung
durch die Gastfreundschaft und nicht in Geld. Vgl. Mt 10,10b. Dieser Satz wird
von Paulus in 1Tim 5,18 zitiert und dort einem Zitat aus dem AT gleichgestellt.
Damit anerkennt Paulus das Lukasevangelium als inspirierte Heilige Schrift.
11 vgl. Anm. zu Lk 9,5
12 Bevor Jesus ins Haus kam, war auch
Maria mit Küchenarbeit beschäftigt (vgl. Vers 39 "…die sich auch zu
den Füßen Jesu niedersetzte"). Dann ließ sie aber Martha beim Herd allein
zurück und hörte lieber Jesus zu ("...zurückließ..."). Martha richtet
ihren Vorwurf an Jesus selbst. Sie meint, er müsste Maria ermahnen, ihr weiter
in der Küche zu helfen.
13 od.: durcheinandergewirbelt (1,1655).
14 Jesus wäre wohl auch mit einer ganz
einfachen Mahlzeit zufrieden gewesen.
15 Es genügt also nicht, nur für Arbeiter zu
flehen, wenn man selbst erwählt ist hinauszugehen, aber nicht gehen will. Andererseits
ist es Gottes souveräne Entscheidung, wen er sendet.
16 Er bringt das Wort "Samariter"
nicht über die Lippen. Jesus will ihm sagen: "Auch ein Samariter ist dein Nächster". Wir dürfen nicht fragen, "wer ist mein Nächster und wer nicht", sondern wir sollen dem Bedürftigen
Liebe erweisen, den Gott uns gerade über den Weg führt.
17 Die Palmenstadt Jericho ist mit 259 m unter
dem Meeresspiegel die tiefst gelegene Stadt der Welt und ca. 25 km von
Jerusalem entfernt, welches 750 m über dem Meeresspiegel liegt (54,z.St.). Man
musste also von Jerusalem bis Jericho 1000 Höhenmeter bergab gehen. Dieser
einsame Pilgerweg war noch in den 1950-er Jahren berüchtigt für Raubüberfälle,
und noch mehr zu neutestamentlicher Zeit. Auf der Höhe des Weges liegt der alte
Rastplatz chan hatrur, wo Wanderer schutzlos waren, und Räuber lauerten.
Vielleicht knüpft Jesus an einen Überfall an, der kurz davor stattfand (14,201;
46,261).
18 Die Samariter waren bei den Juden nicht nur
verhasst, weil sie "Mischlinge" waren, sondern auch, weil sie einige Jahre
davor in einer Passah-Nacht den Tempelschatz im Jerusalemer Tempel mit
Totengebeinen verunreinigten (Josephus, Antiquitates, XVIII, 30). Die Ansicht,
dass Jesus mit dem barmherzigen Samariter sich selbst meint, ist zwar eine
schöne Anwendung aber keine gute Exegese.
19 Viele Hs. haben hier "...siebzig",
eine häufige symbolische Zahl im AT. Das würde den 70 Ältesten Israels
entsprechen (Ex 24,1.9; Num 11,16.24). Diese Jünger wurden hier ja zu den "verlorenen
Schafen des Hauses Israel" gesandt (vgl. 27,150f; 59,91).
20 Eine Begrüßung dauerte im Altertum länger
als heute. Es war aber Eile angesagt.
21 Das sind zwei Tageslöhne. Der
Tagesbrotbedarf eines Menschen betrug damals 1/12 Denar (14,203).
22 Indem Jesus die Frage so formuliert, gibt er
dem Schriftgelehrten in Vers 29 eine zweifache Antwort: (1.) Der Barmherzige,
der seinen Nächsten liebte wie sich selbst, ist nicht ein jüdischer Priester
oder Levit, sondern ein von euch verachteter Samariter. (2.) Und dein
Nächster ist der von euch verhasste Samariter.
23 Das Wort Arbeiter ist möglicherweise bewusst
vorangestellt, um zu betonen, dass der Herr in der Mission solche braucht, die
auch hart arbeiten wollen und nicht nur die Anerkennung von Menschen
suchen. Es ist übrigens der Herr selbst, der sich seine Gesandten aussucht und
sie dann durch den Heiligen Geist aussendet (vgl. Apg 13,2.4a), und nicht die
Gemeinde oder eine "Missionsgesellschaft". Die Gemeinde entlässt
nur diese Arbeiter aus ihrer Mitte, um sie dem Werk Gottes zur Verfügung zu
stellen.
24 Hier wahrscheinlich symbolisch gemeint; vgl.
Ps 91,13 (20,335), obwohl es auch buchstäblich geschehen ist (Apg 28,3-6).
25 Die Begebenheit hier und die in Mt 22,34ff
und Mk 12,28ff, fanden wahrscheinlich zu verschiedenen Zeitpunkten statt, denn
sowohl die Örtlichkeit, als auch die Umstände, sind verschieden (20,343f).
26 Die erste Frage bezieht sich auf den
buchstäblichen Wortlaut des Gesetzes, die zweite auf dessen Anwendung, d.h. wie
verstehst du das Gelesene in seiner Anwendung? Vgl. Vers 28: "…dies tue".
πως ist eine Fragepartikel der Art und Weise. Jesus ist ein hervorragender
Lehrer, er lässt den Schriftgelehrten die Antwort selbst geben, - ebenso in
Vers 36. Das ist didaktisch sehr klug.
27 Der Priester kam herab von Jerusalem
Richtung Jericho. Wahrscheinlich kam er gerade von seinem Priesterdienst im
Tempel zurück, um nach Hause zu gehen. Er hatte also keine Ausrede, dass er
sich beeilen musste, um rechtzeitig seinen Dienst anzutreten, oder sich für den
Priesterdienst nicht verunreinigen dürfe.
28 Sodom war eine Stadt im Tal Siddim, die wegen der Sünde ihrer Bewohner von Gott vernichtet wurde (Gen 19,1ff.). Heute liegt sie vermutlich unter dem Toten Meer. Chorazin war eine Stadt in Obergaliläa, 5 km nördlich von Kafarnaum (54,z.St.).
29 Der Hades ist kein neutrales Totenreich, sondern der Aufenthaltsort der Ungläubigen bis zum letzten Gericht schon vor dem Endgericht. Es herrscht dort eine schreckliche Qual (Lk 16,23).
1 Imp.Präs.
entw. iterativ: "gib uns immer wieder Tag für Tag..."; oder durativ:
"gib uns beständig Tag für Tag" (20,355).
2 Die
Bewirtung eines Gastes war höchste Pflicht, selbst um Mitternacht. Dem Gast
musste ein frischer unangebrochener Brotfladen angeboten werden. Im Orient
schlafen bis heute ärmere Familien im Mafradj nebeneinander auf Decken
am Boden, das Haus hatte ohnehin meist nur einen Aufenthaltsraum. Wenn dann einer
aufstand, weckte er die anderen auf. Und auch den hölzernen Riegel der Tür zu öffnen,
wäre sehr laut und würde alle aufwecken (14,157; 65,I,357).
3 Nach
Ansicht der jüdischen Rabbis, konnte nur der kommende Messias einen stummen
Dämon austreiben (= ein Messias Wunder). Daher waren sie in Erklärungsnot und
mussten eine andere Erklärung finden, denn Jesus war für sie nicht der Messias
(Dr. A. Fruchtenbaum: Die drei messianischen Wunder Jesu, Seite 10).
4 od.:
"...Familie wendet sich gegen Familie".
5 Präs.
viell.: …nach langem Suchen?
6 Andersartig,
weil noch böser als er.
7 Wahrscheinlich
will Jesus diesen ganzen Vergleich allegorisch auf das Volk Israel, bzw.
speziell auf dessen Führer anwenden, weil sie ihn nun endgültig ablehnten, denn
in Mt 12,45 wendet er den Vergleich auf das Volk Israel an.
8 Ein
Beispiel für falsche Marienverehrung.
9
Wahrscheinlich aus Sawba im heutigen Jemen.
10 Eigentlich
das Frühmahl, aber dazu war der Tag schon zu weit fortgeschritten, nachdem was
vorher schon alles geschehen war. Daher das Mittagsmahl.
11 Diese
musste laut Mischna aber nicht verzehntet werden (1,1320)!
12 D.h. sie
gehen nichtsahnend darüber und verunreinigen sich dadurch rituell.
13 Vgl. Gen
4,8.10 und 2Chr 24,20-21. Das Buch Genesis war das erste und das Buch 2.Chronik
das letzte der historischen Bücher im hebr. AT (65,I,361). Gemeint ist wohl:
alle Gerechten seit Erschaffung der Menschen bis zurzeit von Jesus. Damit
bestätigt der Herr die Gültigkeit des gesamten Alten Testaments, weil er ein
Ereignis aus dem ersten und eines aus dem letzten Buch der hebräischen Bibel
aufgreift (54,z.St.).
14 Vielleicht
auch: jmdm. auf den Mund schauen (1,201).
15 Sie
hofften ein unbedachtes Wort aus seinem Mund aufzufangen, um es in einer
Anklage gegen ihn verwenden zu können (vgl. 2,439).
16 Das
bedeutet: "bewahre uns davor in eine Versuchung zu kommen, wo wir sündigen".
- Da
das "Vater Unser" in den Evangelien nicht gleichlautend überliefert
ist, wird der Herr den Wortlaut wohl als Mustervorlage für jedes Gebet gemeint
haben. Ein rituelles Aufsagen des "Vater Unser" ist für die
Urgemeinde nicht bezeugt und durch den verschiedenen Wortlaut in den beiden
Evangelien ausgeschlossen. Vgl. auch die Anm. bei Mt 6,9.
17 Für das
richtige Verständnis dieser Verheißung ist zu beachten, dass sie noch unter den
Bedingungen des alten Bundes ausgesprochen wurde. Heiliger Geist steht hier ohne
Artikel, d.h. die Kraftwirkung des Heiligen Geistes ist gemeint. Unter dem
alten Bund kam der Heilige Geist sporadisch auf ausgewählte
Gläubige (Propheten, Könige, Priester; z.B. Lk 1,15.41.67), um sie für eine
besondere Aufgabe auszurüsten. Aber seit Pfingsten wohnt der Heilige
Geist als Person in jedem Gläubigen. Man empfängt ihn nicht durch Bitten,
sondern aufgrund der Wiedergeburt (Röm 8,9b; Eph 1,13f). Jesus lehrte die
Jünger hier, um die Hilfe des Heiligen Geistes zu bitten, die es ihnen
ermöglichen wird die Jüngerschaft zu leben. Der Heilige Geist ist die Macht,
die es uns ermöglicht, ein christliches Leben zu führen. Der Vater wird uns
diese Kraft gerne geben, wenn wir ihn darum bitten. Es geht bei dieser Aussage
also nicht um die Person des Heiligen Geistes, sondern um seinen hilfreichen
Dienst in unserem Leben. Das wird in der Parallelstelle in Mt 7,11 deutlich, wo
es heißt: "wieviel
mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn
bitten" (vgl.
48,278f).
18 od.
semitisch: "damit er
sich nicht schämen muss, wenn er ihm nichts gibt" (14,157).
Die Anwendung dieser Bildrede für uns ist diese: Gott ist unser Freund, er hat
was wir (für andere!) brauchen, er wird uns geben, was wir brauchen, wenn wir
ihn beharrlich darum bitten.
19 Gemeint
ist wahrscheinlich die Lehrautorität der Rabbis, um Vorschriften zu "binden", d.h. für
verbindlich zu erklären und Vorschriften wieder zu "lösen", d.h.
Dinge für erlaubt zu erklären. Sie "banden" immer
wieder neue Vorschriften den Menschen als Bürde auf, aber sie "lösten" keine
dieser Vorschriften mehr auf (34,II,213).
20 Was Jesus
hier meint, erklärt er in Lk 17,21
21 In dieser
Bildrede ist der Starke Satan, der die Besessenen wie seine Beute bewacht. Der
Herr Jesus aber ist der Stärkere, der sie ihm raubt, indem er die Dämonen
austreibt (Kol 2,15).
22 Siehe Mt
12,38. Es spricht für Jesu sanftmütigen Charakter, dass er die Zeichenforderung
von Vers 16 anprangert, und nicht die unverschämte Beleidigung von Vers 15, er
würde die Dämonen durch Beelzebul austreiben.
23 Der
Kontext deutet darauf hin, dass Jesus mit der Leuchte wahrscheinlich sich
selbst meint, d.h. seine Lehre und sein Leben, worauf man achten soll, weil er
größer als Salomo und Jona (Vers 31-32) ist. Da Jesus sich vorher mit Jona
verglich, der nach drei Tagen aus dem Wal kam, hat er vielleicht auch darauf
hinweisen wollen, dass er diese "Leuchte" für seine
Jünger nach seiner Auferstehung sein will. Wenn dann die Jünger seine Lehre und
sein Vorbild durch ihr geistiges Auge in sich hineinlassen, werden sie selbst
erleuchtet. Und wenn dann ihr ganzer Leib licht ist, hat er das Ergebnis von Mt
5,14-16. Dort ist das Licht aber der durch den Heiligen Geist veränderte
Lebenswandel der Jünger, die Frucht des Geistes die sich in guten Werken zeigt
(vgl. Eph 2,10). - Jesus könnte mit der Leuchte aber auch bloß das
buchstäbliche Auge meinen. Durch unsere Augen kommen nämlich viele Eindrücke in
unser Herz, gute und böse (Habsucht, böse Lust, udgl.). Je nach dem, erleuchten
sie unser Inneres oder verdunkeln es. Vgl. auch die Anmerkungen zu Mt 6,22-23,
wo Jesus die gleiche Bildrede zu einem anderen Zeitpunkt, für einen anderen
Zweck und mit einer anderen Anwendung erzählt. - Im AT war die Leuchte auch
eine Metapher für das Leben selbst; vgl. Hiob 21,17; Spr 20,20 (33,672), sowie
für das Wort Gottes (Ps 119,105).
24 Mit
Geschlecht (γενεας) kann dem Kontext nach hier nur das jüdische Volk gemeint
sein, und nicht irgendeine bestimmte Generation. Daher ist wahrscheinlich auch
in Mt 24,34 und Mk 13,30 γενεας mit "Geschlecht" zu
übersetzen.
25 Wie es freilich
auch Maria in Lk
2,19.51 im Herzen tat.
1
Ex 12,11. Sich
um den Arbeitsschurz oder das Gewand einen Gürtel legen, und dann das Gewand
hochgürten, damit man mehr Bewegungsfreiheit für die Füße hat. Das Umgürten der Lenden war ein gängiges Bild
für die Bereitschaft zum Dienst, hier zum treuen Dienst bis der Herr kommt
(47,z.St.).
2
Vgl. Mi 7,6. Es handelt sich also um einen Generationskonflikt, Alte gegen
Junge und Junge gegen Alte. Die Parallele in Mt 10,37 macht deutlich, dass der
Konflikt um des Evangeliums willen entsteht. Die Missionsgeschichte zeigt, dass
die jüngere Generation das Evangelium oft schneller und bereitwilliger aufnimmt
als die Alten, die in ihrer Tradition verhaftet bleiben, was zu diesem Konflikt
führt.
3
Heuchelei bedeutet, dass
Wahre zu verhüllen und Falsches vorzuspielen. Daher ist in Vers
2 mit dem, was verhüllt ist und bekanntgemacht wird, kontextgetreu sicherlich die
Heuchelei der Pharisäer gemeint, die durch Jesus in Lk 11,39ff aufgedeckt wurde.
Im Gegensatz dazu (ανθ ων), sollen die Jünger die Wahrheit die bis dahin
verhüllt war, dann ohne Menschenfurcht (vgl. Vers 4ff) durch ihre Predigt
offenkundig machen. Wie in Lk 8,17 will Jesus den Jünger sagen, dass sie, die
jetzt nur schüchtern und leise reden, die Wahrheit öffentlich predigen werden (20,379; 8,z.St.).
Vgl. auch die Anm.23 unten. -
Eher unwahrscheinlich ist
die Übersetzung: "Deshalb, alles,
was ihr in der Dunkelheit gesagt habt…", im Sinne einer Warnung an die
Jünger zu verstehen, keine Heuchelei zu betreiben wie die Pharisäer (so in: 1,146; 2,440; 7,z.St.; 44,228).
4 Als
juristischer t.t.: die Aussage bei einer richterlichen Vorführung. Vielleicht
ist das auch hier die Bedeutung, wie Vers 11 nahelegt. Vgl. auch Lk 9,26.
5
In den Papyri von einem unvollendeten Vertrag: in d. Schwebe sein; zwischen
Furcht und Hoffnung schwebend sein; daher auch: ängstlich, unruhig oder besorgt
sein (1,1041). Oder vielleicht, wie in der LXX in Ps 131,1: überheblich sein
(34,II,217).
6
Die rechte Gottesfurcht befreit von Menschenfurcht. - Niemand im NT hat öfters
von der Hölle gesprochen als Jesus!
7 Ein Kupfergeld, wobei 16 Assarion einer griechischen
Silber-Drachme entsprechen (bzw. einem römischen Silber-Denar). Das Gewicht
betrug ca. 3,9 Gramm Silber. 1 Assarion entspricht also 1/16 des Tagelohns
eines Arbeiters und war bei den Juden sprichwörtlich für einen geringen
Geldbetrag. Nur das Lepton (Strong Nr. 3016) war ein noch geringerer Betrag.
8
Der Gläubige, der in der Gemeinde als Verwalter des Herrn handelt, wird hier in
seiner Beziehung zum himmlischen Herrn, Sklave genannt. Darum nannten sich die
Apostel "Sklaven Jesu Christi", es ist der vornehmste Titel, den ein
Gläubiger hier auf Erden haben kann. Freilich nennt Jesus seine Jünger die ihm
gehorchen auch Freunde (Joh 14-15; Lk 12,4). Dieser Verwalter kann treu sein
(Vers 42-44), selbstherrlich sein (Vers 45-46), untreu und ungehorsam sein
(Vers 47), oder oberflächlich und faul sein (Vers 48).
9
Die Präsens sprechen vom gewohnheitsmäßigen Handeln.
10
od.: "...seinen Platz wird er ihm anweisen". - Das Entzweischneiden
ist auch aus anderen heidnischen Regionen des griechischen Ostens bezeugt
(65,I,368). Dies wird das Schicksal der falschen christlichen Führer sein, z.B.
mancher Päpste im Mittelalter und christlicher Verführer in der Neuzeit.
11
Das Lepton war die
kleinste jüdische Lokalwährung, wobei 1 Denar ein Tageslohn war und 128 Leptons
entsprachen einem Denar. - Der ganze Vergleich zeigt, dass der gedachte
Prozessgegner im Recht war und der Angesprochene ihm etwas schuldet. Auch wir
werden immer wieder an unseren Mitmenschen schuldig, und eine rasche Versöhnung
bewahrt uns vor Gottes härterem Eingreifen.
12 Bei Nacht ließ man gerne eine Öllampe
brennen, da das Feuermachen am Morgen schwierig war (vgl. 47,z.St.). Ein Bild
für ständige Wachsamkeit in dieser Welt
der moralischen Finsternis, und die ständige Erwartungshaltung auf das Kommen
des Herrn.
13 Diese Verse setzen die geographischen und
klimatischen Verhältnisse von Palästina voraus. Im Westen liegt das Mittelmeer,
im Süden die Wüste Sinai (vgl. 47,z.St.). Insbesondere sind die Verhältnisse
von Peräa gemeint, wo Jesus sich gerade befand, denn im nördlichen Galiläa
erwartete man nicht den heißen Schirokko (34,II,220). So wie diese
Wettervorhersagen auf der Hand lagen, so auch die Wahrheit von Jesu
Vorhersagen.
14 Gemeint ist, das überbordende und
gesetzliche Lehr-System der Pharisäer, das menschliche Vorschriften zur Schrift
hinzufügt, wobei diese menschlichen Vorschriften manchmal sogar geschickt
Gottes Wort aufheben. In Mk 8,15 nennt Jesus auch noch den Sauerteig der
Sadduzäer, die nur die fünf Bücher Mose als inspiriert anerkannten und liberal
waren (heute z.B. die liberale Theologie), sowie den Sauerteig des Herodes, der
die Religion für politische Zwecke nützte (heute z.B. die Befreiungstheologie).
Heuchelei ist für jeden Christen der treu nach dem Wort Gottes leben will, eine
Gefahr, denn der Heuchler versucht nach außen hin besser zu erscheinen als er
in Wirklichkeit ist. Gottlose Menschen hingegen heucheln meist nicht, sie
rühmen sich sogar ihrer Bosheit, sie leben sie offen aus und verbreiten sie
(Röm 1,32b).
15 Gemeint ist natürlich das Feuer des Heiligen
Geistes, durch welches die Jünger ab Pfingsten die Arbeit Jesu fortsetzen
sollten. Vorher aber musste Jesus noch sterben.
16 Im Unterschied zum Sklaven in Vers 45f., der
einem nicht Wiedergeboren entspricht (vgl. Mt 24,51), ist dieser Sklave zwar
ein Wiedergeborener, aber ein untreuer Arbeiter. Dies ist verwerflicher
als das Verhalten des nächsten Sklaven in Vers 48. Die bildliche Prügelstrafe
dürfte sich beim Richterstuhl Christi auswirken, wie das Futur zeigt.
17 Im Unterschied zum Sklaven in Vers 47,
entspricht dieser Sklave einem oberflächlichen Gläubigen, der aufgrund
eigener Schuld nur wenig Verständnis vom Willen Gottes hat. Die bildliche
Prügelstrafe dürfte sich beim Richterstuhl Christi auswirken, wie das Futur
zeigt.
18 Vgl. die Anm. bei Mt 10,33.
19 Die Erbaufteilung war genau geregelt: der
älteste Sohn bekam doppelt so viel wie die weiteren Söhne. Will dieser Mann
genauso viel wie sein älterer Bruder?
20 Das war übliche Praxis.
21 Hier die "Hochzeit des Lammes" zu sehen, und in den Knechten den Überrest
Israels, ist hineingelesen. Petrus bezieht in Vers 41 diese Ermahnung eindeutig
auf die Jünger, also auf die Gemeinde. Das Warten auf den Bräutigam bei einer
Hochzeit, war ein gängiges Bild.
22 Die folgende Bildrede verwendete Jesus auch
schon in Mt 5,25-26, aber zu einem früheren Zeitpunkt und mit einer anderen Anwendung.
Bei Matthäus ging es um eine rechtzeitige Versöhnung mit einem Mitmenschen, an
dem man schuldig geworden ist. Hier bei Lukas geht es um die rechtzeitige
Versöhnung mit Gott vor dem endgültigen Gericht (20,397).
23 Vielleicht war Vers 2 ein gängiges rabbinisches
Sprichwort, dass Jesus bei verschiedenen Gelegenheiten verschieden benützt hat:
(1.) Hier, um die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten aufzudecken.
(2.) In Mk 4,22 für den Auftrag an die Jünger, dass Evangelium zu verkündigen.
(3.) In Mt 10,26.27 als Ermutigung für die furchtlose Verkündigung des
Evangeliums.
24 D.h. als Konsequenz des vorigen
Gleichnisses. Wie man mit Sorgen umgehen soll, sagt uns Phil 4,6 und 1Pet
5,6-7.
25 Unsere Lebenszeit ist aufgrund von Gottes
Vorherwissen festgesetzt (Ps 139,16), was aber nicht ausschließt, dass ein
unvernünftiger Lebenswandel unsere Lebenszeit unnötig verkürzt, was aber auch
unter Gottes Vorherwissen fällt.
26 Dies macht deutlich, dass man den Zeitpunkt
der Wiederkunft und der vorherigen Entrückung, nicht berechnen kann. Der Herr
lässt den Zeitpunkt offen, damit die Bereitschaftshaltung lebendig bleibt (vgl.
Vers 45).
27 Die Verse 22-53 waren nämlich an die Jünger gerichtet. Nun wendet sich Jesus an die Volksmenge. - Die ähnlichen Worte in Mt 16,1-4 wurden zu einem anderen Zeitpunkt gesprochen.
28 Im NT fast immer von dem, was man im Überfluss hat und nicht unbedingt benötigt.
1 Ps 103,12 (LXX). - Die Senfstaude (lat.: brassica
nigra) ist zwar botanisch kein Baum, sie wird aber in der Gegend um den See
Genezareth bis zu 3 m hoch und überragt damit im Gemüsebeet alle anderen
Gemüsepflanzen wie ein Baum. Im Arabischen heißt sie daher sajjarat al-Hardal
(= Baum des Senfs). Das Nisten der Vögel war ein Bild für die Herrlichkeit
eines irdischen Königreiches (Dan 4,7-9). Das irdische Königreich Gottes (= das
Christentum) hat sich tatsächlich über die ganze Welt ausgebreitet, doch auch
fremde Dinge wurden dabei hineingemischt. Man denke nur daran, dass Kaiser
Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Diese ungute Vermischung
könnte Jesus mit dem nächsten Gleichnis vom Sauerteig angedeutet haben.
Ansonsten wäre dies die einzige Stelle im NT, wo Sauerteig als ein positives
Bild verwendet würde, was natürlich nicht ausgeschlossen ist. Vgl. aber auch
die Anm. bei Mt 13,33.
2 Ps 6,9; 1Makk 3,6
3 Lk 19,38; Ps 118,26
4 Das erfüllte sich 40 Jahre später um 70
n.Chr. durch die Römer, die den letzten Überrest der galiläischen Bevölkerung,
der sich in das Heiligtum geflüchtet hatte, dort abschlachteten und so auch "ihr
Blut mit ihren Schlachtopfern vermischten" (20,399). Die Zahl 40 ist die
symbolische Zahl für Prüfung und Bewährung. Gott gab dem Volk Israel 40 Jahre
Zeit, auf die Predigt von Johannes dem Täufer, von Jesus und von den Aposteln
mit Buße zu reagieren, aber das Volk tat es nicht. So folgte das Gericht 70
n.Chr. in der Zerstörung Jerusalems, des Tempels und der Zerstreuung der Juden unter
alle Nationen.
5 D.h. die Krankheit war zwar vom Teufel
(V.16), aber dass sie besessen war wird nicht gesagt (34,II,224).
6 Jesus heilte gerade deshalb gerne am Sabbat,
weil der siebente Tag im Garten Eden, der erste Lebenstag für den Menschen war,
und er an diesem Tag noch nichts arbeiten musste. Gott arbeitete sechs Tage für
ihn und der Mensch konnte am siebenten Tag in Gottes Werk ruhen. Das ist die
geistliche Art und Weise, wie auch die Gläubigen der Gemeinde den Sabbat halten
(Heb 4,9-11a).
7 D.h. zum selben Zeitpunkt als sie im
Heiligtum ihre Opfertiere schlachteten, wurden sie von den Soldaten des Pilatus
niedergemetzelt. Über diesen wohl politisch begründeten Mord an galiläischen Festpilgern,
die während des Passahfestes ihre Opfertiere im Heiligtum darbringen wollten, erwähnt
auch Josephus nichts. Manche meinen, es könnte mit dem Bau der Wasserleitung in
Verbindung stehen, die aus dem Tempelschatz bezahlt wurde. Die darauf entstandene
Revolte wurde nämlich von Pilatus blutig niedergeschlagen (65,I,370)
8 Dies erfüllte sich ebenso 40 Jahre später im
jüdischen Krieg 70 n.Chr. als die angezündeten Häuser genau an diesem Ort
einstürzten (20,399).
9 εγ-κρυπτω (verbergen), und nicht μιγνυμι
(vermischen) was viel
passender wäre. Das Wort εγ-κρυπτω findet sich auch in LXX Jos 7,21. Dort
bedeutet es, etwas (mit üblen Hintergedanken) verstecken. Es ist wohl bewusst
gewählt, da Sauerteig in der Bibel sonst immer ein Bild für Böses ist, wahrscheinlich
auch hier.
10 3 Sat = ca. 40 Liter, das sind ca. 70 kg
Mehl (nach Gen 18,6 aber nur 22 kg). Es ergibt Brot für ca. 100-150 Personen.
Denkt Jesus an eine Hochzeitsgesellschaft? Nach anderen war dies allerdings die
Menge, die man für eine Ofenfüllung nahm (20,402).
11 w.: "...bin ich am Ziel"; entw.:
übermorgen...; oder ist es eher eine Anspielung auf die Auferstehung am dritten
Tag?
12 Gemeint ist die Zerstörung Jerusalems 70
n.Chr.
13 Der Anschluss ist in Vers 26: "Dann,
wenn aufsteht..., dann werdet ihr anfangen..." Gemeint ist die Zeit des
letzten Gerichts (20,404).
14 Die fuchsartige Verschlagenheit des Herodes
Antipas war kein Vorurteil Jesu, sondern allseits bekannt (38,II,200f).
15 Das ist eine ungewöhnliche Pflege, den die
anspruchslosen Feigenbäume müssen in Palästina nicht gedüngt werden
(15,IV,325), oft aber geschah es dennoch, um den Ertrag zu erhöhen. Längstens
drei Jahre brauchte ein frischgepflanzter Feigenbaum, um Früchte zu tragen. Wenn
er danach noch immer unfruchtbar war, musste er entfernt werden, da er den
Boden unnötig auslaugte (34,II,246f). Mit der fürbittenden Weingartenarbeiter meint
Jesus wohl sich selbst. Sein Dienst an Israel näherte sich dem Ende von drei
Jahren und eine Bekehrung des Volkes, für das der Feigenbaum ein Bild war (Joel
1,7), war nicht mehr zu erwarten.
16 Dies war nach rabbinischer Lehre erlaubt
(34,II,225). Damit beschämte sie Jesus, denn was sie für ihre Tiere taten, wollten
sie dieser armen Frau nicht gewähren.
17 Sprichwörtlich für eine kurze Zeit
(34,II,302).
18 Ein Turm in der Nähe des Teiches Siloach, der
die Wasser der Gihon-Quelle sammelte. Dieser Turm stand ganz im Südosten
Jerusalems, auf einer schräg abfallenden Felsgrundlage, die den Einsturz leicht
erklären würde. Er schützte das Quell-Tor (Neh 2,14) Jerusalems (54,z.St.;
46,329). Vom Einsturz dieses Turmes wird zwar sonst nirgendwo berichtet, es
könnte aber sein, dass dies im Zuge des Viadukt Baues geschah, den Pilatus
durchführen ließ (vgl. 34,II,222; 47,z.St.). - Die Lehre daraus ist, dass nicht
jedes Leiden oder Unglück eine direkte Strafe für Sünden ist. Wohl aber ist es eine
Warnung für uns alle, wie kurz das Leben und die Gelegenheit zur Buße sein kann.
19 Die Juden gingen davon aus, dass fast alle
Juden gerettet werden (65,I,372), doch Jesus warnt, dass nur wenige durch die
enge Tür gehen, um gerettet zu werden.
20 Der Feigenbaum war ein gängiges Bild für das
Volk Israel. Mit diesem Gleichnis will Jesus zeigen, dass es nur eine begrenzte
Zeit zur Buße gibt, hier für Israel, in weiterer Anwendung aber für alle,
sowohl für die Ungläubigen (Heb 3,7f.) als auch für die Gläubigen (Offb 2,21).
Manchmal ist die Zeit zur Buße nur kurz, wie z.B. in Apg 5,7-8.
21 Zum Verständnis der beiden folgenden
Gleichnisse vergleiche die Anmerkungen bei Mt 13,31-33.
22 Die Bildrede von der engen Tür ist eine
Erklärung Jesu dafür, warum nur wenige gerettet werden (V.23). Zu einer anderen
Gelegenheit (Mt 7,13-14) hat Jesus gesagt, dass nur wenige den schmalen Weg finden,
der zur engen Tür führt. Zweifellos gibt es viele, die lieber den breiten Weg
gehen, weil er bequemer ist. Doch hier sagt Jesus, dass es Menschen gibt, die
versuchen durch die enge Tür einzugehen, aber es nicht können. Wie ist das zu
verstehen? Am ehesten so, wie es John Bunyian in der "Pilgerreise"
beschreibt. Der Pilger kann erst durch die enge Tür eingehen, wenn er den
Rucksack seiner Sünden fallen lässt. Manche Menschen wollen zwar das ewige
Leben haben und in den Himmel kommen, aber sie sind nicht bereit über ihre
Sünden Buße zu tun.
23 Dies ist, neben Lk 7,30, eine der klarsten Schriftstellen gegen die Lehre von der "unwiderstehlichen Gnade". Denn hier tritt Gottes Retter-Wille für die Bevölkerung Jerusalems klar zu Tage. Natürlich könnte man haarspalterisch sagen, alle die nicht wollten waren nicht erwählt. Aber jemanden vorzuwerfen, dass er etwas nicht getan hat, was er gar nicht kann, wäre sehr zynisch.
24 Die Reden und Begebenheiten von Lk 13,22 bis Lk 18,14 sind Sondergut des Lukas, welches sich nur bei ihm befindet. Vgl. Lk 1,1-4
1 D.h.
jemand mit einer anderen Art von Ausrede. Wenn er fünf Paar Rinder auf einmal kaufen
konnte, war er wohlhabend und hatte Knechte. Seine Ausrede ist daher umso
verwerflicher. Der Dritte ist unhöflicher als die beiden Vorigen, denn er
bittet nicht einmal um Entschuldigung. Ein frisch verheirateter musste zwar ein
Jahr lang nicht in den Krieg ziehen, zu einem Fest zu kommen, war ihm aber ohne
weiteres möglich (65,I,376).
2 Im
semitischen Sprachgebrauch bedeutet hassen nur, jemanden zurücksetzen, bzw. ihn
nicht mehr zu lieben als jemand anderen (vgl. Ge 29,31; Mt 10,37). Hier
bedeutet es, Gott und seine Rechte höher zu setzen als alle verwandtschaftlichen
Bindungen, und alle eigenen Bedürfnisse (Dtn 33,8-9; Lk 16,13; 18,29).
3 Die
vornehmsten Gäste kamen gewöhnlich zuletzt (14,191).
4 Sklave mit
Artikel bedeutet nicht, dass er nur diesen einen Sklaven hatte, sondern dieser
war der Sklave, der für die Einladungen zuständig war (13,54). Diese
Gleichnis wurde zu einem anderen Zeitpunkt gesprochen als das ähnliche in Mt
22,1ff. Vgl. auch die Anmerkungen dort.
5 Dies war
unerhört und unüblich, und für Jesu Zuhörer schockierend. Aber so ist Gott, er
lädt uns Bettler ein. Vgl. auch Vers 13
6 Mit dem
stärkeren König könnte Jesus Gott selbst gemeint haben. Der unbekehrte Sünder
befindet sich im Krieg mit Gott (Jes 27,4b-5). Er muss Frieden machen mit Gott,
und Gott hat die Friedensbedingungen klar formuliert (Kol 1,20; 2Kor 5,19-20;
1Joh 1,9; Röm 5,1).
7 Einige
Jahre nach Jesu Vergleich, begann im Jahr 36 n.Chr. König Aretas IV.
einen Krieg gegen seinen Schwiegersohn Herodes Antipas, weil dieser sich von seiner
Tochter scheiden ließ, um Herodias, die
geschiedene Frau seines Halbbruders Herodes Philipp zu heiraten. Aretas
war in diesem Krieg so erfolgreich, dass er die Armee von Herodes vollständig
zerstörte, denn Herodes hatte sich in der Stärke seiner Truppen gründlich
verrechnet.
8 od. als
ingressiver Aorist: "Ich bin im Begriff zu kaufen…". Das
würde die Notwendigkeit der vorherigen Begutachtung logischer machen (84,94).
Doch Vers 20 ist ein eindeutiger Aorist der Vergangenheit ("…habe
geheiratet"), was dagegensprechen würde.
9 Die
Nötigung ergibt sich aus der orientalischen Sitte, eine Einladung aus
Höflichkeit nicht sofort anzunehmen (14,177; 84,95). Dass der Kirchenlehrer Augustinus
auf dieses Wort seine "Zweischwerter-Theologie"
aufbaute, wonach man das Evangelium notfalls auch mit Gewalt verbreiten muss,
ist eine absurde Anwendung, die der Gesinnung Jesu völlig zuwiderläuft (Joh
18,11; Mt 26,51-52), aber leider in den Kreuzzügen weitergeführt wurde.
10 Die
Gläubigen sind das Salz der Erde (Mt 5,13). Wenn ihr Bekenntnis sich aber in
der Jüngerschaft nicht als echt erweist, verfehlen sie ihren Auftrag Salz der
Erde zu sein. - In Palästina wurde
das Salz aus den Felsen nahe des Toten Meeres gewonnen. Daher war
die äußere Schicht der Salzkristalle oft von Unreinigkeiten und chemischen
Veränderungen beeinträchtigt und das Salz hatte nicht den gleichen Würzungsgrad
wie unser modernes, industriell gereinigtes Salz. Obwohl also Salz in seiner
Reinform seine Würzkraft auch über hunderte von Jahren nicht einbüßen kann,
führten die Bedingungen, unter denen es im Altertum aufbewahrt wurde, im Laufe
der Zeit zu Verunreinigungen und chemischen Prozessen, die die Würzkraft des
Salzes minderten oder sogar ganz aufhoben (20,416f).
11 Viele
Ausleger sehen in den zuerst Eingeladenen die Juden, in den Bettlern, Krüppeln
und Lahmen aber die Heiden. Doch nicht alle Juden haben die Einladung
zum Heil abgelehnt. Daher dürfte Jesus mit den Eingeladenen eher die frommen selbstgerechten
Juden gemeint haben, mit den anderen aber die bußfertigen Sünder, - die Zöllner
und Huren. - Die drei Ausreden sind folgende: erstens Besitz (V. 18), zweitens
Arbeit (V.19), drittens Familie (V.20). Die gleichen Gründe, warum Menschen
Jesus nicht glauben und nachfolgen wollen, begegnen uns auch oft heute.
12 Es folgen nun zwei Bildreden, mit denen Jesus den
Volksmengen von Vers 25 klarmachen will, dass Nachfolge etwas kostet (Vers
26.27.33). Bei der Metapher vom Turmbau geht es darum, dass Nachfolge Werke
hervorbringen muss, sonst ist der Glaube tot (Jak 2,26). Bei der Metapher vom
Krieg geht es darum, dass Nachfolge ein Kampf ist, für den man gerüstet
sein muss (Eph 6,11ff.). Man muss bereit sein, ihn durchzuhalten und zu
gewinnen. Interessant ist, dass Jesus es offenbar für klüger hält rechtzeitig
zu kapitulieren, wenn man von einem stärkeren Feind angegriffen wird. Diese
Haltung zeigt sich auch in Mt 5,39-41 und Jak 5,6b, und sie hätte manche
unnötigen Kriege in der Geschichte verhindert.
1 D.h. zu den Pharisäern. Vgl. im Gegensatz
dazu Lk 16,1, wo er dann ein Gleichnis für die Jünger erzählt.
2 Es ist eigentlich nur ein Gleichnis,
aber es besteht aus drei Teilen. (1.) Das verlorene Schaf wird vom Hirten, dem
Herrn Jesus, aus Barmherzigkeit gesucht. Es symbolisiert den verirrten
Sünder den Jesus lieb hat. (2.) Die verlorene Münze wird von der Frau (dem Heiligen
Geist?) aus Gnade gesucht. Sie symbolisiert den Sünder als tot
in Sünden und Übertretungen, - er braucht neues Leben durch den Heiligen Geist.
(3.) Der verlorene Sohn wird vom Vater aus Liebe zurückerwartet.
Es symbolisiert den verlorenen Sünder der Buße tun muss und danach
wieder völlig hergestellt ist.
3 Meint Jesus hier wirklich die
selbstgerechten Pharisäer (Lk 18,9ff), die meinen, dass sie keine Buße nötig
haben (so: 48,298f)? Dies ist kaum möglich, denn die Pharisäer waren gar nicht
seine Schafe (Joh 10,26). Die Pharisäer, die sich nicht freuen können, wenn
Sünder Buße tun, stehen damit im Gegensatz zu den Freunden und Nachbarn, die
sich freuen, dass das Verlorene wieder gefunden wurde. Sie sind daher wohl
nicht Teil des Gleichnisses. Daher meint Jesus entweder Gerechte im
alttestamentlichen Sinn (vgl. Mt 1,19; Lk 1,6; 2,25; Apg 10,22), die sich, im
Gegensatz zu den Zöllnern und Prostituierten, noch keine schweren Sünden
zuschulden kommen ließen, oder solche, die über ihre Sünden schon Buße getan
haben. Das Gleichnis beschreibt die geistlichen Prinzipien unter dem Alten Bund
und nicht unter dem Neuen Bund. Die 100 Schafe symbolisieren die Auserwählten.
4 od.: alles zu Geld gemacht hatte (1,1561).
Eigentlich durfte er das Erbe noch nicht verbrauchen, aber er kümmerte sich
nicht darum (65,I,381).
5 Dies ist der Ausdruck echter Buße: "Ich bin völlig unwürdig vor Gott". Kommt er gar nicht mehr dazu den Rest auszusprechen
("...mache mich wie
einen deiner Tagelöhner"), den er
sich vorgenommen hatte (V.19b), weil der Vater ihm schon vorher ins Wort fällt
und seine nicht ausgesprochenen Worte ins Gegenteil umdreht (vgl. 1Joh 4,18)? Nicht
wie ein Tagelöhner soll er sein, sondern wie ein Ehrengast (14,130).
6 od.: er redete ihm gut zu. Dass der ältere
Sohn sich weigerte hineinzukommen, war eine Verletzung der Würde des Vaters und
hätte bestraft werden können (65,I,383).
7 Klingt verächtlich und distanziert (2,z.St.).
Er will ihn nicht einmal Bruder nennen.
8 Klingt liebevoll und versöhnlich.
9 Im bewussten Gegensatz zu: "Dieser dein
Sohn…" (V.30).
10 Der Imperfekt drückt aus, dass der Vater ihn
für die ganze Zeit seiner Abwesenheit wie einen Verlorenen und Toten
betrachtete.
11 Nach Dtn 21,17 wäre das für den
Zweitgeborenen nur 1/3 des Besitzes, denn der älteste Sohn sollte einen
doppelten Anteil, also 2/3 am Erbe bekommen (76,561). Er wollte seine Abfindung
und dann auswandern, und die Sorge für seinen alternden Vater dem älteren
Bruder überlassen, - wie schäbig. Den Erbteil schon zu Lebzeiten des Vaters zu
verlangen war zwar nicht verboten, jedoch unschicklich (14,128; 38,III,550).
Der Vater hätte ihn dafür auspeitschen lassen können. Den Zuhörern muss dieser
Vater wie ein einfältiger, schwacher Narr erschienen sein (65,I,380), doch es
ist die Güte Gottes mit den Sündern, die Jesus damit herausstreichen will.
12 Eine griechische Silbermünze, in etwa vom
gleichen Wert wie der römische Silberdenar, der damals dem Tageslohn eines
Mietarbeiters entsprach (vgl. Mt 20,2). Die Frau trug vielleicht einen
Kopfschmuck mit solchen Silbermünzen, vielleicht ihre Mitgift (ketubah),
der auch in der Nacht nicht abgenommen wurde, und von dem sich eine Münze
löste. Oder sie zählte gerade ihre Ersparnisse im Lederbeutel (34,II,257). Es
war ihr einziger Schatz und ihr "Notgroschen", was ihren Eifer beim Suchen erklären würde.
In ihrer fensterlosen Behausung kehrt sie den Boden im Licht einer Öllampe, um
die Münze beim Kehren klingen zu hören. Wenn diese bescheidene Summe ihr
einziger Schatz war, war sie relativ arm (33,792; 14,134; 65,I,380).
13 Die übliche Herdengröße war je eine Ziegen-
und Schafherde von 220 Stück (15,VI,246), bei den Beduinen aber auch nur 20
Stück. 300 Stück galten als ungewöhnlich große Herde (14,132). 20 Schafe wären
eine zu kleine Zahl, denn dass sich eines verläuft, könnte dem Hirten nicht
verborgen bleiben. 300 Schafe wäre eine zu große Zahl, denn der Eigentümer
würde sie nicht selbst hüten, sondern Hirten anstellen. Jesus nimmt ein
Mittelmaß an, kein reicher aber auch kein armer Herdenbesitzer, aber wohlhabend
im Vergleich zur Witwe. Die 100 Schafe symbolisieren die Auserwählten.
14 Bedeutet das Präsens: jetzt schon?;
od. ist es die Übersetzung eines aramäischen Imperfekts und dann wie Vers 7
futurisch zu verstehen? (14,135).
15 Imperfekt mit Infinitiv, von einem
unerfüllten Wunsch (13,82). Vgl. Lk 16,21; 17,22; 22,15; Mt 13,17 (14,129). Er
bekam vom Bauern zu wenig zu essen. Er hätte sich gerne von den essbaren
Johannesbrotschoten ein paar Handvoll genommen, aber die Knechte gaben ihm
nichts davon, sondern schütteten es in den Schweinetrog (84,156).
16 Die Früchte des Johannesbrotbaumes wurden
auch von armen Menschen verzehrt. Ein jüdisches Sprichwort lautete: "Wenn Israel auf die Ernährung von
Johannesbrotschoten angewiesen ist, wird es zur Buße geführt werden" (2,461; 34,II,261; 54,z.St.; 76,562).
17 Für einen betagten Orientalen ist das ganz
ungewöhnlich, auch wenn er es noch so eilig hat (14,130). Es beschreibt die
überwältigende Liebe und Freude des Vaters. - Im Judentum gab es zur Zeit Jesu
die "Kezazah" Zeremonie. Wenn ein junger jüdischer Mann
seine Gemeinschaft verließ, unter den Ungläubigen lebte, dort sein Erbe
verprasste und dann zurückkehrte, musste er zuerst zum Stadttor gehen. Die
Ältesten warfen dann einen Tontopf zu seinen Füßen der zerbrach, ein Symbol für
die zerbrochene Beziehung zu seiner Familie und der Dorfgemeinschaft. Damit war
er endgültig von seiner Familie und der Dorfgemeinschaft getrennt und wurde mit
Schimpf und Schande aus dem Dorf verjagt (Babylonischer Talmud, Ketubot 28b).
Wie anders begegnet Gott der Vater dem bußfertigen Sünder. Die Zuhörer Jesu mussten
geschockt sein über den Gegensatz. Der ältere Sohn, ein Bild für die Pharisäer
und Schriftgelehrten, wollte genau diese "Kezazah" Zeremonie an seinem jüngeren Bruder ausgeführt
sehen.
18 Das Verhalten des älteren Sohnes ist bildlich
auf die Pharisäer bezogen, die sich über die Buße der Sünder nicht freuen
konnten, sowie die Antwort auf ihr Murren in Vers 2, während der jüngere Sohn
die Sünder symbolisiert.
19 Der Besitz von Schweinen war für einen Juden
verboten, das Hüten der Tiere zwar nicht, jedoch unter der Würde eines Juden.
Der Bauer beschäftigte ihn nur widerwillig, darum diese entehrende Arbeit
(34,II,260). Der Sohn war also ins heidnische Ausland ausgewandert! - Wie bei
ähnlichen Geschichten im Judentum, dachten die Zuhörer das Gleichnis würde hier
enden, - der Sohn hat seine gerechte Strafe bekommen.
20 Bei den Rabbinern gab es eine alte ähnliche
Parabel, die aber genau umgekehrt endet: Der Sohn wird zu einem Sklaven
gemacht, damit er in Zukunft Gehorsam lernt (34,II,262)!
21 Das war die Einstellung der Pharisäer Gott
gegenüber, - alle ihre Werke waren Werksgerechtigkeit, um sich Gottes Gunst zu
verdienen.
22 Das Gleichnis endet damit, dass der ältere
Sohn noch immer draußen steht, so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Der
jüngere Sohn aber (= die Zöllner und Sünder) ist drinnen. Ob der ältere Sohn
noch hineinkommen wird, lässt Jesus offen. Nur wenige Pharisäer und Oberste
kamen zum Glauben (Joh 12,42; 19,38-39; Apg 15,5a).
23 Mehrere Hirten lagerten ihre Herden oft
zusammen. Daher konnte er seine Herde einem anderen Hirten anvertrauen
(65,I,379).
24 Jeden Abend zählt der Hirte seine Schafe. Wenn
eines fehlt übergibt er die Herde an einen anderen Hirten, oder er treibt sie
in die Hürde, verbarrikadiert den Eingang und macht sich auf die Suche nach dem
verlorenen Schaf. In jedem Fall hat er die 99 Schafe nicht im Stich gelassen. Ein
solch verirrtes Schaf ist so entkräftet und verstört, dass es nicht mehr zu
bewegen ist, aufzustehen und zu gehen. Der Hirte muss es auf seine Schultern
nehmen und zurücktragen (14,133).
25 Es gibt eine fast gleiche jüdische Parabel.
Allerdings heißt es dort, es wäre viel besser die Thora zu studieren, denn dies
bringe ewigen Lohn, als eine verlorene Münze zu suchen. Falls die Pharisäer
diese Parabel kannten, was anzunehmen ist, wäre die Lektion die Jesus ihnen
geben möchte noch eindringlicher: noch wichtiger als das Studium der Thora ist
es, die Verlorenen zu suchen und zu retten, denn dann herrscht große Freude im
Himmel (34,I,581). Die Rabbis aber sagten: "Das ist Freude
vor Gott, wenn die Gesetzlosen hinschwinden von der Erde" (34,II,256).
26 Die Dramatik im Gleichnis steigert sich: 1
von 100 verlorenen Schafen = 1% Verlust, 1 von 10 verlorenen
Drachmen = 10% Verlust und schließlich 1 von 2 verlorenen Söhnen = 50%
Verlust. Es beschreibt den Wert, den jede einzelne verlorene Menschenseele für
Gott hat.
27 Vulgär: sich den
Bauch vollschlagen.
28 "Liederlich"
bedeutet ausschweifend und verschwenderisch (76,561).
1 Das vorige dreiteilige Gleichnis sagte er
nämlich zu den Pharisäern, dieses aber zu seinen Jüngern.
2 In feindlicher Absicht etwas ausplaudern,
das zwar den Tatsachen entsprechen kann, aber aus dem Motiv heraus geschieht
dem anderen zu schaden; allg.: jmdn. "anschwärzen" oder verdächtigen;
oder noch stärker: jmdn. beschuldigen bzw. anklagen (wobei die Beschuldigung
den Tatsachen entsprechen kann oder auch nicht). Allein schon der Verdacht
führte damals zur sofortigen Entlassung. Vgl. LXX: Da 3,8; 6,25. - Im Orient
kannte man weder eine Buchführung noch eine geordnete Kontrolle (14,180;
93,z.St.).
3 Der Verwalter hat zwar nichts veruntreut,
aber er wird angeschwärzt, den Besitz seines Herrn nicht zu dessen Besten
verwaltet zu haben. In diesem übertragenen Sinn kommt das Wort nur hier und in Lk
15,13 vor. Der Heilige Geist will damit folgenden Vergleich zwischen den beiden
Erzählungen herstellen (76,570-572): In Lk 15,13 verschwendet der ungläubige
Sohn die Habe seines Vaters, hier werden die Jünger (siehe Vers 1) gewarnt
ihre irdischen Güter, die Gott ihnen anvertraut hat nicht für sich zu verschwenden,
sondern sie so zu investieren, dass sie ihnen in der Ewigkeit zum Nutzen werden
(Vers 9). In Lk 15,17 tut der verlorene Sohn Buße ("er ging in sich"),
hier in Vers 3 der Verwalter ("er sprach bei sich").
4 Der handschriftliche Schuldschein, in dem der
Schuldner dem Gläubiger seinen zurückzuzahlenden Schuldenbetrag bestätigt.
Meist waren dies mit Wachs überzogene Lederstreifen oder Holztafeln, wo die
Schriftzeichen leicht ausgelöscht und überschrieben werden konnten
(34,II,270ff). Die Schuldscheine waren wahrscheinlich in Verwahrung des Verwalters und der Schuldner hatte eine
Kopie. Der Nachlass ist bei beiden, bei Annahme des damaligen Warenwertes, etwa
gleich viel an Geldwert, nämlich ca. 500 Denare. In schweren Zeiten, z.B. bei
Missernten, konnte der Verwalter eines Großgrundbesitzers den Gläubigern bzw.
Pächtern einen Teil der Schuld erlassen, damit sie nicht bankrottgingen. Diese
Praxis dürfte der Verwalter ausgenützt haben (14,180; 20,433; 65,I,384).
Ungerecht war der Verwalter also nicht, aber korrupt gegenüber seinem
Gutsherrn.
5 Hier kein Gen.qualitatis unter
semitischen Einfluss (so: 2,465 und die meisten Ausleger!), sondern ein Genitiv
der Zugehörigkeit (1,33; 8,z.St.), wie ihn speziell Lukas auch in Lk 13,27; 18,6;
Apg 1,18 und Apg 8,23 verwendet. Ebenso finden wir ihn in Jak 3,6. Dieser
Genitiv gibt hier das Prinzip der bösen Welt an, die eine Welt der
Ungerechtigkeit ist. In dieser Welt, wo die Güter nicht gerecht aufgeteilt
sind, befindet sich der Verwalter, darum verwaltet er "Mammon der
Ungerechtigkeit". Der Verwalter war zwar schlampig in seiner Tätigkeit, aber
nicht ungerecht, wie sein gerechter Nachlass an die Pächter (siehe vorige Anm.4) auch zeigt. Jesus will diesen Verwalter im
Gleichnis, den Jüngern in dieser Welt voller Ungerechtigkeit als Vorbild
hinstellen, und zwar seine Klugheit bezüglich seiner Vorsorge für die Zukunft.
Ebenso wie er, sollen auch sie jetzt mit ihren irdischen Möglichkeiten, d.h.
dem Besitz, der sich aus einer ungerechten Welt zwangsläufig für sie ergibt,
für später vorsorgen. Der Zöllner Zachäus tat genau das mit seinem "Mammon
der Ungerechtigkeit" (Lk 19,8), der reiche Mann hingegen (Lk 16,19ff.)
nicht.
6 Dass hier, im Gegensatz zu Vers 8+9, kein
Genitiv, sondern ein Adjektiv gebraucht wird beweist, dass es sich in Vers 8+9
wirklich um einen Genitiv der Zugehörigkeit handeln muss, und nicht um einen Genitiv
qualitatis. Daher hier: "...ungerechter Mammon". Wenn wir von dem "Mammon der Ungerechtigkeit", den wir uns aufgrund einer ungerechten
Verteilung in dieser Welt zwangsläufig anhäufen, nicht an Bedürftige abgeben,
wird er in unseren Händen zum ungerechten Mammon (vgl. Spr 3,27) und wir sind schlechte
Verwalter. Zur Unterscheiddung zwischen dem "Mammon der Ungerechtigkeit"
in Vers 9, und dem "ungerechten Mammon" in Vers 11, könnte folgender
Vergleich dienen. Nehmen wir an, wir werden Zeugen eines Banküberfalls. Als der
Bankräuber aus der Bank stürmt, verliert er ein Bündel Banknoten. Dieses
rutscht unter ein parkendes Auto. Wir sehen es, und nehmen das Bündel Banknoten
an uns und stecken es ein. Es ist "Mammon der Ungerechtigkeit", denn
es stammt aus einer ungerechten Tat. Die Tatsache, dass wir es an uns nehmen, ist
nicht strafbar, wenn wir es anschließend zur Polizei bringen, damit es der Bank
zurückgegeben wird. Wenn wir es aber für uns behalten, wird es in unserem
Besitz zu "ungerechten Mammon", denn es gehört nicht uns.
7 D.h. mit dem irdischen und vergänglichen
Reichtum der uns zugefallen ist.
8 Das geistliche Erbe im zukünftigen Reich.
9 Hassen bedeutet auch: jmdn. geringer achten
als...; jmdn. zurücksetzen.
10 Nämlich nach Rabbi Hillel aus irgendeiner
beliebigen Ursache, und nicht nur wegen Hurerei; vgl. Mt 19,3.
11 Mit der gleichen Einleitung ("ein gewisser reicher Mensch") für beide Erzählungen (Vers 1ff. und Vers
19ff.), will Jesus eine Beziehung zwischen beiden Erzählungen herstellen, und
zwar folgende: Der Verwalter verwendete angesichts seiner Entlassung fremden
Besitz richtig und tat rechtzeitig Buße, der reiche Mann tat beides nicht,
obwohl auch er wusste, dass er einmal sterben muss. Der reiche Mann in Vers 19,
verkörpert wahrscheinlich aufgrund von Vers 14-16 die Pharisäer.
12 Lazarus bedeutet auf Hebräisch: Gott hat
geholfen. Dass Jesus in dieser Geschichte einen persönlichen Namen verwendet
beweist, dass es sich nicht um ein Gleichnis handelt, - was er ja auch nicht
sagt, - sondern um eine Geschichte die man damals tagtäglich beobachten konnte.
In der Erzählung werden geistliche Realitäten bildlich dargestellt. Der Reiche
und Lazarus sind keine historischen Personen, der Name Lazarus wird von Jesus
nur wegen seiner Bedeutung verwendet.
13 In der Gräz. ein jur. t.t.: etwas unter Eid
bezeugen. Diese Ernsthaftigkeit ist auch bei unserem Zeugendienst angebracht.
14 Der lästige, orientalische, herrenlose
Straßenhund, der einerseits zwar treu und anhänglich, andererseits aber auch
frech, gierig, schmutzig und daher verachtet ist. Er ernährte sich
hauptsächlich von Aas und Abfällen, wie es auch noch heute im Orient oft der
Fall ist. Lazarus konnte sich gegen diese Köter nicht wehren, ihr Speichel
erhöhte die Schmerzen seiner Geschwüre noch und infizierte sie noch mehr.
15 Als dramatischer Aorist nach einer
Nachdenkpause: "Ich hab´s".
16 Ein Bat war ein Hohlmaß, sowohl für feste
als auch für flüssige Lebensmittel. Es entspricht laut Josephus ca. 39,5 Liter,
nach anderen nur 36,5 Liter oder sogar nur 20,1 Liter. 100 Bat sind demnach
3950 bzw. 3650 Liter, eine Ölmenge, die aus der Frucht von etwa 150 Ölbäumen
gewonnen werden konnte. Das entspricht einer Schuldsumme von ca. 1000 Denaren
(14,180; 33,1249, 54,z.St.; 93,z.St.).
17 Ein Kor fasste etwa 10 Bat, das sind 365
Liter bzw. ca. 275 kg Weizen. 100 Kor Weizen sind demnach 550 Zentner Weizen
von einem Ertrag von 42 Hektar Grund. Das entspricht einer Schuldsumme von ca.
2500 Denaren. Der Nachlass, den der Verwalter den Schuldnern gewährte, ist also
an Geldwert etwa gleich, denn 1000 Denare minus 50% sind 500 Denare Nachlass
und 2500 Denare minus 20% sind ebenfalls 500 Denare Nachlass (14,180; 54,z.St.;
65,I,384). Ein Beweis, dass der Verwalter nicht ungerecht war.
18 Die Engel? Eher die Freunde (20,435; 77,577).
Oder ein "Plural majestatis" für Gott? - Am besten unpersönlich zu
übersetzen mit: "Damit man euch empfange" (2,465; 44,246). Vgl. einen
ähnlichen Gedankengang in Lk 14,13-14
19 Damit ist wohl der irdische Mammon der
Ungerechtigkeit gemeint. Vgl. Lk 12,20; 19,17; 1Tim 6,7
20 Das bedeutet wohl, mit unserem irdischen
Besitz in diesem Leben. Der Indikativ Aorist der Vergangenheit beschreibt dabei
den Rückblick auf das Leben, vom Richterstuhl Christi aus. Rückblickend war man
entweder treu oder ungerecht in der Verwaltung seines Mammons der
Ungerechtigkeit. Zur Satzstruktur siehe: https://drive.google.com/file/d/1XMMwY3Svy8PYlMCCu7kyCal4rDcCZyUB/view?usp=sharing
21 Wenn es sich um ein konatives Präsens handelt:
"...versucht sich mit Gewalt hineinzudrängen" (2,z.St.). Gemeint sind
wahrscheinlich die Zöllner und Huren, die dem Evangelium glaubten und sich
scharenweise (Lk 15,1; Mk 2,15) in das Reich Gottes hineindrängen (76,581). -
Die Pharisäer rühmten sich, dass Gesetz genau einzuhalten. Jesus macht sie
darauf aufmerksam, dass die Rechtfertigung durch das Gesetz nur bis auf Johannes
Gültigkeit hatte, danach wird das Evangelium der Gnade verkündet. In Vers 18
zeigt er ihnen, dass auch sie es bei manchen Dingen mit dem Gesetz nicht so
genau nahmen, denn Scheidung und Wiederheirat wurde bei ihnen sehr lax
gehandhabt.
22 Jesus will damit der falschen
Schlussfolgerung entgegentreten, dass das Gesetz durch das Evangelium ungültig
wird. Nein, es wird der Maßstab beim Gericht sein. Damit bestätigt Jesus nebenbei
auch das gesamte AT im Nachhinein als göttlich inspiriert.
23 Viell.: "andersartig", weil es die
ehemalige Frau eines anderen ist?
24 Scheidung und Wiederheirat aus allen
möglichen (aber aus Gottes Sicht unerlaubten) Gründen, waren zurzeit Jesu unter
den Juden, und auch unter den Pharisäern, sehr verbreitet. Mit diesem Beispiel
verdeutlicht Jesus, was er im vorigen Satz über die Gültigkeit des Gesetzes und
die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer gerade gesagt hatte. Vgl. auch die Anm.
zu Mt 5,32.
25 Purpurgewänder waren sehr teuer, ebenfalls
der Byssus, ein feiner Leinenstoff, der trotz seines hohen Preises von reichen
und vornehmen Leuten gerne gekauft wurde, weil er als Kleidungsstoff sehr
leicht war und in der Hitze angenehm zu tragen war.
26 Jesus ist realistisch, denn die Armen
sterben oft früher als die Reichen. - Der Busen Abrahams ist der
sprichwörtliche Ehrenplatz an Abrahams Seite im Hades. Der Hades ist der vorübergehende
Aufenthaltsort aller Toten (vgl. die Anm. bei Mt 16,18). Seit Jesu Auferstehung
gehen die Gläubigen aber nach ihrem Tod sofort zu Christus in den Himmel (Phil
1,23).
27 Der ursprüngliche Sinn des hebräischen und
aramäischen Wortes "Mammon" ist umstritten. Vielleicht das, worauf
jemand vertraut; od.: das Sichergestellte, das Gesicherte; od.: unrechtmäßig
erworbenes Geld (38,II,220); od.: der Reichtum der dieser bösen Welt angehört
(14,43). Es wurde dann zur allgemeinen Bezeichnung für Besitz und Geld. Im NT
wird es in Mt 6,24 und Lk 16,9.11.13 im abwertenden Sinn für die dämonische
Macht des Besitzes gebraucht (47,z.St.), fast im Sinne eines Götzen, was sich
ja in unserer modernen westlichen Welt bewahrheitet hat: "Geld regiert die
Welt. "
28 Mit dem Herrn kann kaum der Gutsbesitzer
gemeint sein (so: 20,434; 76,573), denn der Rest des Satzes ("…, denn die
Söhne dieses Zeitlaufs sind klüger … Geschlecht") kann nicht aus seinem
Mund stammen. Der Herr ist, wie auch in Lk 18,6, sicherlich der Herr Jesus, der
das Verhalten des Verwalters bewertet und den Jüngern als Vorbild hinstellt
(14,181; 21,I,585; ). Besonders Lukas bezeichnet Jesus öfter als Herr (Lk
5,8.12; 7,13; 9,54.59.61; 10,1.17.39-41; 11,1.39; 12,41-42; 13,15; 17,5; 18,6;
19,8).
29 Das waren entweder Pächter die einen
bestimmten Ertrag ihrer Felder als Pachtzins an den Gutsbesitzer abzuliefern
hatten, oder Großhändler, die gegen Schuldschein eingekauft hatten (14,180).
Jedenfalls waren sie nicht arm und sie könnten den Verwalter wahrscheinlich
nach seiner Entlassung bei sich anstellen (65,I,384).
30 Das soll wohl andeuten, dass er ein
prunkvolles Begräbnis bekam, während der Arme nur in eine Grube geworfen wurde.
31 Der Reiche ist sich offenbar bewusst, dass er
nicht mehr auf die andere Seite wechseln kann.
32 Damit will Jesus aber nicht sagen, dass die Reichen
automatisch in die Hölle kommen und die Armen automatisch ins Paradies. Der
Reiche kümmerte sich in seinem Leben nicht um Gott, also ist er auch danach
getrennt von Gott. Lazarus hingegen musste in seinem ganzen Leben auf Gott
vertrauen, also durfte er danach auch in ewiger Gemeinschaft mit Gott sein.
33 Damit macht Jesus eindeutig klar, dass es
nach dem Tod keine Versöhnung mit Gott mehr geben kann.
34 Erscheinungen von Toten sind sicher nicht von
Gott, sondern vom Satan. Wer das Evangelium hört und sein Leben lang nicht
glaubt, geht unweigerlich verloren (Joh 3,36 ua.). Es gibt keine "zweite
Chance".
35 Damit wird klar, dass die Lehre vom
Seelenschlaf oder der Auslöschung der menschlichen Existenz mit dem Tod, ein
Irrtum ist. Denn dann wäre Jesu Beschreibung hier völlig bedeutungslos.
36 Die Szene, die Jesus hier zeichnet, ist bis
heute im Orient verbreitet, wo die Kluft zwischen arm und reich manchmal
erschreckend groß ist.
1
Vers 36 ist in manchen Hs. aus Mt 24,40 hier eingedrungen.
2
Die Gegenwart und der Segen des Herrn sind nicht an bestimmte Orte gebunden,
das ist Aberglaube!
3
D.h. entw.: "in meiner Person in eurer Mitte", - vgl. Lk 11,20
(1,544); od. viell.: "in eurer Reichweite"; od.: "...eines Tages
plötzlich unter euch". Die populäre Bedeutung: "innwendig in euch"
ist sehr unwahrscheinlich, da er zu den ungläubigen Pharisäern spricht
(76,601).
4
Die anderen wurden nur körperlich geheilt, er aber wurde auch gerettet. - Die
Errettung von Sünden ist in einer körperlichen Heilung durch Gott nicht miteingeschlossen.
Das sollten alle schwärmerischen Christen bedenken, die so viel auf Heilungen
setzen. Viele Menschen rufen zwar in ihrer Not zu Gott und er hilft ihnen, aber
die wenigsten suchen danach die Begegnung mit dem Herrn Jesus, damit sie auch zum
rettenden Glauben kommen.
5
Gemeint ist die jüdische Rasse.
6
Bei der Wiederkunft Christi wird es auf einer Seite der Erdkugel Nacht (Vers 34),
auf der anderen Seite Tag (Vers 35) sein.
7
Vgl. dazu die Anm. bei Mt 24,40
8
Die schweren Mühlsteine mussten von zwei Frauen gedreht werden (20,462).
9
D.h.: Wo werden sie zurückgelassen werden? Antwort: Dort wo das Gericht wüten
wird, - also in Israel? Die Geier, welche in Israel scharenweise vorhanden
waren, sind ein Bild für Gericht, wie in Hiob 39,30 und Spr 30,17 (20,462).
10
Fast wie ein Irrealis (2,z.St.), aber bezeichnenderweise doch keiner. Der Herr
will so lebendig wie möglich, die verdiente Strafe dieses Menschen beschreiben.
Für Juden ein drastischer Vergleich (13,106). Diese Strafe war bei vielen alten
Völkern verbreitet (20,451).
11
Die Sykomore ist ein Baum, der äußerlich zwar, wie ein Maulbeerfeigenbaum
aussieht, da seine Früchte den Feigen ähnlich schauen, aber wahrscheinlich ist
er vom Maulbeerfeigenbaum (Strong Nr. 4809) zu unterscheiden (1,1548). Er ist bekannt dafür, dass
er sich nur schwer entwurzeln lässt, daher gut geeignet für diesen bildlichen
Vergleich (59,385; 65,I,388).
12
Der Grund für diesen Befehl ist folgender: Die Priester in Jerusalem mussten
nach Lev 13,1ff diese Männer aus Samaria als vom Aussatz befreit und
damit für rein erklären. Damit mussten sie Jesus indirekt, wenn schon nicht als
Messias, so doch als von Gott gesandt, anerkennen und zähneknirschend zugeben,
dass Gott auch Samariter heilt.
13
Imperativisches Partizip: "Komm herzu und…" (2,470; 32,z.St.).
14
Jesus meint damit die Zeit während seiner Abwesenheit bis zu seiner sichtbaren Wiederkunft.
15
Damit sind wohl die 120 Jahre seiner Predigttätigkeit gemeint; vgl. Gen 6,3 und
2Pet 2,5. Die folgenden Inhalte hat Jesus auch später in ähnlichen Worten bei
der Ölbergrede benützt (Mt 24,17-28; Mk 13,15). Lukas hat sie vielleicht dort
(Lk 21,5ff) nicht wiedergegeben, da er dies schon hier berichtet hat. -
Zwischen Noah und Lot gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Beide
waren gerecht, doch Noah war auch ein Prediger der Gerechtigkeit, währenddessen
Lot in Sodom stumm blieb und sich mit der ihn umgebenden Gottlosigkeit abquälte
(2Pet 2,5-9). Welchen von beiden gleichen wir in diesen letzten Tagen?
16
od.: "...falls (er sagt, wie V.4), dass er Buße getan hat". Es
ist nicht unser Recht zu beurteilen, ob die Buße von Herzen kommt, es sei denn,
alles in seinem Verhalten spricht dagegen (Mt 3,7-8). Wenn die Buße
ausgesprochen wird, muss uns das als Entschuldigung genügen, selbst wenn sich
der andere mehrmals täglich wegen des gleichen Vergehens entschuldigt.
17
Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Galiläa und Samaria.
Das erklärt auch, warum unter den zehn Aussätzigen ein Samariter war. Obwohl
alle zehn glaubten, dass sie geheilt werden konnten, kam nur dieser Samariter
zum wirklichen Glauben an den Herrn, wohl auch, weil er sich seiner
Unwürdigkeit bewusst war.
18
Der Senf (lat.: brassica nigra) war der kleinste Same in Palästina
(0,95-1,1 mm), und doch wuchs diese baumähnliche Gartenpflanze in kurzer Zeit
zu der beachtlichen Höhe von bis zu 3 m. Daher diente er als Vergleich von
etwas sehr Kleinem, dass sich in erstaunlich kurzer Zeit zu etwas Großem
entwickelt (42,1287). Wir müssen mit kleinen Glaubensschritten (= Senfkorn) beginnen.
Wenn wir dann Glaubenserfahrungen mit Gott machen, wird unser Vertrauen zu Gott
wachsen.
19
Es handelt sich bei dem ganzen Satz um eine Mischform: im Vordersatz ein
Realis, im Nachsatz ein Irrealis (2,470; 44,249; 20,452f). Jesus spricht den
Aposteln nicht jeglichen Glauben ab, sonst wäre auch der Vordersatz ein
Irrealis. Er entgegnet auf ihre Bitte um mehr Glauben, dass schon ein winziger
Glaube reicht, damit Gott großes tut. Vgl. Mt 17,20, dies wurde aber von Jesus
zu einer anderen Gelegenheit ausgesprochen.
20
Mit den Kleinen sind die Anfänger im Glauben gemeint (20,451), vielleicht
speziell die Zöllner und Sünder von Lk 15,1, die von den Pharisäern so
attackiert wurden.
21
Lukas setzt hier seinen Bericht fort, den er in Lk 9,51 begonnen hat (vgl. Lk
13,22). Jesus kommt vom Norden Israels und tritt seine letzte Reise nach
Jerusalem an. Dabei plant er, zuerst durch das Grenzgebiet von Galiläa und
Samaria nach Peräa zu ziehen (20,455). Es ist das dritte Mal, dass Jesus durch
Samaria zieht. Das erste Mal wurde er freundlich aufgenommen (Joh 4,40-42), das
zweite Mal unfreundlich (Lk 9,51-56). Dennoch hat sein kurzes Wirken in
Samaria, seinen Ruf als Wunderheiler bewirkt, wie die folgende Begebenheit
beweist.
22 Mit "Leben" ist hier nicht nur das physische Leben gemeint, sondern alle materiellen Güter von denen wir irrtümlich meinen, sie wären für unser Leben unbedingt nötig. Darum die Ermahnung nicht ins Haus zurückzukehren (Vers 31), um etwas mitzunehmen, sondern so schnell wie möglich zu flüchten (20,461).
23 Vgl. Hiob 39,30. Mit dieser Metapher weist Jesus vielleicht auf die blutigen Auseinandersetzungen hin, die sich in der letzten Zeit in Israel abspielen werden (vgl. Sach 12,2-4.9; 14,1ff.). Vgl. aber auch die Anm. bei Mt 24,28
24 Die vier folgenden kurzen Reden (die Verse 1-3a; Verse 3b-4; Verse 5-6 und Verse 7-8) haben offenbar keinen logischen oder historischen Zusammenhang. Lukas hat sie so wiedergegeben, wie er sie in seiner Quelle vorfand, ohne eigenmächtig einen künstlichen Übergang unter ihnen zu schaffen. Parallelen dazu finden sich in Mk 9,42ff. und Mt 18,15-18 (20,450).
Lukas 18
1 Ex 20,12-16; Dtn 5,16-20 (LXX). Jesus
verweist bei seiner Antwort auf die, freilich unerfüllbare Bedingung in Lev
18,5, weil der Mann meint, er könnte durch Gutestun errettet werden. Erst
danach zeigt ihm Jesus, was er wirklich braucht: ihm im Glauben nachfolgen.
2 Inf.Präs.: d.h. niemals das Beten aufzugeben
und anhaltend zu beten, auch wenn die Umstände gegen eine Erhörung sprechen.
Gott wird seinen Kindern, - anders als der Richter im Gleichnis, - zum
rechten Zeitpunkt, aber dann schnell, geben was sein Wille ist und ihnen
guttut. Dies beinhaltet jedoch keineswegs den Gedanken, wir könnten Gott durch
viele Worte und anhaltendes Gebet (und Fasten) "in die Knie zwingen",
- dieser Gedanke wäre nach Mt 6,7 heidnisch-abergläubisch. Vergleiche auch Eph
6,18, wo das Gebet ein Teil der Waffenrüstung Gottes ist. Paulus verwendet dort
das Wort καιρος (= Zeitpunkt) und will damit sagen, dass wir bei jeder
Gelegenheit und Notwendigkeit vorher beten sollten, z.B. vor der Arbeit, dem
Essen, einer Autofahrt, dem Bibellesen, dem Gottesdienst, usw. Wir drücken
damit unsere Bedürftigkeit aus, wie eine rechtlose Witwe, und bitten Gott, das
für uns zu tun, was wir nicht selbst tun können.
3 Das bedeutet sie war im Recht. Da sie vor
einem Einzelrichter im Ort erscheint, muss es sich um eine Geldsache handeln, vielleicht
ein Pfand, oder eine ihr geschuldete Summe, oder ein vorenthaltenes Erbe (14,153).
Die Anwendung für uns ist: unsere Bitten müssen "im Recht sein", d.h.
sie müssen dem Willen Gottes entsprechen, sonst wird Gott sie nicht erhören, - oder
zu unserem Nachteil wie bei Hiskia (2Kön 20,1-19).
4 So schnell wie die Umstände und sein Wille
es gestatten. Das Wort bedeutet eigentlich: sehr schnell, wie Röm 16,20 und in
der LXX in Dtn 11,17; Jos 8,18-19; Ps 2,12; Hes 29,5
5 Oder wird das Gebet der Gemeinde immer mehr
abnehmen bis zu seiner Wiederkunft?
6 Vgl. die Anm. zu Lk 16,8. Wahrscheinlich
auch hier kein Genitiv qualitatis, sondern ein Genitiv der Zugehörigkeit
(1,32f; 8,z.St.), weil er ein Richter in der Welt der Ungerechtigkeit ist, und
damit im Gegensatz zu Gott steht ("Gott aber…"). Nicht
so sehr Ungerechtigkeit kann man ihm vorwerfen, sondern Gleichgültigkeit, und
wahrscheinlich Korruption.
7 Er beglückwünscht sich eher selbst, als dass
er zu Gott betet (20,466). Sein Gebet enthält keine Bitte, sondern nur selbstgerechten
Dank an Gott. Im Talmud (Berakhot VII,18 [16]) ist uns ein ähnliches Gebet
eines Pharisäers überliefert (14,141; 84,65). Die Zuhörer Jesu hielten diesen
Pharisäer also durchaus nicht für einen Prahler. - Möglich wäre auch die
Übersetzung: "…er betete zu sich selbst" (d.h. halblaut), wie es der
jüdischen Vorschrift (Talmud, Berakhot V,1,31a) entsprach (84,149).
8 Die Pharisäer fasteten jeden Montag und
Donnerstag, wahrscheinlich stellvertretend für die Sünden des Volkes. Diese
beiden Tage waren auch die Markttage und die fastenden Pharisäer hatten viel
Gelegenheit den Besuchern öffentlich zu zeigen, dass sie Fasten (38,II,243f.291).
9 Die erste Heilung eines Blinden geschah beim
Einzug Jesu nach Jericho durchs Südtor ("…als er Jericho nahte"),
was auch die darauffolgende Handlung (Lk 19,1) beweist. Die Heilung der beiden
anderen Blinden geschah beim Auszug aus Jericho durchs Nordwesttor (vgl.
Mt 20,29: "…als sie von Jericho auszogen"). Es gab damals
viele Blinde, die an verschiedenen Plätzen einer Stadt bettelten, bevorzugt
aber bei den Stadttoren. In Jericho gab es mindestens zwei Stadttore,
wahrscheinlich sogar mehr. In Mk 10,46 wird beim Auszug Bartimäus als
einziger der beiden namentlich genannt, vielleicht deshalb, weil er auch nach
Pfingsten noch ein Jünger Jesu blieb und in den Gemeinden bekannt war.
10 Eine Chirurgennadel, welche die Ärzte für
ihre Operationen verwendeten. Interessanterweise verwendet der Arzt
Lukas nicht das allgemeinere Wort ραφις, sondern diesen medizinischen Ausdruck. Ein
kleiner Hinweis darauf, dass wirklich er der Autor des Evangeliums ist.
11 Vielleicht freier übersetzt: "...mir
die Augen auskratzt" (2,z.St.); oder im übertragenen allgemeinen Sinn: "…mir nicht weiter auf die Nerven geht"
(84,184). Vgl. Lk 11,8
12 Jesus weist das Lob "gut" zurück,
weil der Mann die falsche Einstellung hatte, man könne durch Gutestun ewiges
Leben bekommen. Kein Mensch ist gut, nur Gott (20,469ff). Aber keinesfalls
wollte Jesus damit sagen, er selbst wäre nicht gut genug und hätte
auch Sünden (vgl. Joh 8,29.46).
13 D.h. sollte er die Erhörung ihres Gebets unnötigerweise
lang hinziehen. Die erwartete Antwort ist: "Nein, natürlich nicht". Er
gibt zum rechten Zeitpunkt. Warum dieser rechte Zeitpunkt manchmal nicht sofort
ist, verstehen wir oft nicht. Bezüglich Erklärungsversuchen zu diesem
schwierigen Vers siehe: 20,464f; 14,154; 2,475f.; 84,185f.
14 Der Artikel könnte demonstrative Bedeutung
haben, so dass damit der spezielle Glaube der Witwe gemeint ist, wie er
ja in der Anwendung in Vers 7b-8a impliziert ist. Dieser Glaube sollte auch in
unseren Gebeten zum Ausdruck kommen. Oder der Glaube an Jesus allgemein ist
gemeint.
15 Jemand der sich durch Betrug, Schwindel und
Erpressung fremdes Gut auf unrechtmäßige Art und Weise aneignet, wie z.B. die
Zöllner. Vgl. die Synonyme Strong Nr. 2812, 3027 und 5856.
16 Der Imperfekt drückt wohl aus: Er musste
sich bei einigen nacheinander erkundigen, bis er Auskunft bekam.
17 Ein Demonstrativpronomen: man muss das Reich Gottes in der Art eines Kindes annehmen. Es bedeutet daher nicht, dass Kinder, wenn sie sterben
automatisch in den Himmel kommen.
18 Vielleicht weil sie arm war und ihm kein
Bestechungsgeschenk geben konnte. Ein treffendes Bild für uns als arme
Bittsteller bei Gott.
19 Die Zöllner hatten keine bürgerlichen
Ehrenrechte, waren verhasst und wurden von allen anständigen Menschen gemieden.
Sie bereicherten sich, indem sie auf die staatlich vorgeschriebenen
Zollgebühren noch etwas draufschlugen und so im Dienste der verhassten
römischen Besatzungsmacht ihr eigenes Volk skrupellos aussaugten (14,140). Das
Gebet klingt an das tägliche Morgengebet der Juden an: "Gepriesen seist du
Herr unser Gott, König der Welt, dass du mich nicht als Heiden, … als Sklave, …
oder als eine Frau geschaffen hast", und auch an ähnliche Gebete von
Rabbis (34,II,290f).
20 Ein Ausdruck tiefer Reue. Vgl. auch Ps 51,19
(14,140). Genau dies taten die Juden - leider oft nur formalistisch - am großen
Versöhnungstag (34,II,292).
21 Eine Unmöglichkeit in den Augen der
Pharisäer, da er ja noch keine Wiedergutmachung geleistet hatte. Doch Gott
sieht das Herz an, die praktischen Konsequenzen folgen bei echter Buße dann von
selbst (siehe Lk 19,8). Der Pharisäer pries seine eigene Gerechtigkeit
vor Gott, und erhielt darum Gottes Gerechtigkeit nicht. Der Zöllner erbat
Gottes Gerechtigkeit und erhielt sie auch.
22 Das bedeutet nicht, ununterbrochen zu beten,
sondern in allen Umständen zu beten, die Gebet nötig machen und niemals das
Gebet aufzugeben.
23 Diesen speziellen Einzelrichtern in den
Städten, wahrscheinlich von den Römern oder von Herodes eingesetzt, gaben die
Juden den Spitznamen "Räuber-Richter", weil sie oft korrupt waren. Sie hatten
einen äußerst schlechten Ruf bei den Juden, denn sie waren bestechlich und
beugten das Recht (34,II,287).
24 od.: "…mehr als
jener". Das würde dann unterstreichen, dass die (Selbst)Gerechtigkeit des
Pharisäers weniger wert war als die von Gott geschenkte Gerechtigkeit des
Zöllners; vgl. Mt 5,20 (34,II,292; 84,68).
25 Ein leidender Messias
war dem Judentum zur Zeit Jesu völlig fremd (65,I,394
Lukas 19
1
Ps 118,26. Die Psalmen 113-118 wurden beim Passahfest kurz davor gesungen und
waren den Menschen deshalb noch im Gedächtnis (65,I,398).
2
Jes 56,7. Diese Prophezeiung bezieht sich wahrscheinlich auf den zukünftigen
3.Tempel im tausendjährigen Reich und dürfte auch von Jesus so gemeint sein, da
er kurz davor von der Zerstörung der Stadt (und damit auch des Tempels)
gesprochen hat.
3
Jer 7,11. Auch in der Prophezeiung Jeremias geht es im Kontext um die
Zerstörung des Tempels.
4
Nach Godet: seiner Einkünfte (20,479); oder: sein Gesamtbesitz (A.Groves). -
Zachäus sieht offenbar sogar das Zurückhalten seines Reichtums als Sünde an,
abgesehen von dem, was er zu Unrecht erworben hat.
5
Die Mine war eine griechische Rechnungseinheit. 1 Mine = ½ Kilo Silber, das
entspricht 100 Denaren bzw. Tageslöhnen (65,I,396). - Das Gleichnis von den
Talenten in Mt 25,14ff, wurde von Jesus zu einem späteren Zeitpunkt erzählt. Dort
ist es ein sehr großer Betrag für jeden und jeder bekommt verschieden viel
zum Handeln. Er verteilt dort seinen Besitz (Mt 25,14b) an seine Knechte. Hier
bekommt jeder gleich viel zum Handeln, nämlich 1 Mine. Die 10 Minen sind
nur ein kleiner Teil vom Besitzes des Herren (20,485). Für Gläubige kann man
folgende Anwendung machen: von der Gnade der Errettung, hat jeder Gläubige gleich
viel empfangen (1 Mine), von den Gaben des Geistes aber bekommt jeder verschieden
viel(Talente.) Siehe den Vergleich in: https://drive.google.com/file/d/1LgajZHaJ6EsCCTmSdd9Car4e9QBI2caj/view?usp=sharing
6
Bedeutet das buchstäblich die Verwaltungsautorität über Städte im messianischen
Friedensreich, das sie erwarteten? Dass die Gläubigen mit Christus
mitregieren werden, sowohl im tausendjährigen Reich als auch auf der neuen
Erde, ist im NT jedenfalls klar bezeugt (Dan 7,22; 1Kor 6,2; Offb 2,26b; 5,10;
20,4; 22,5).
7
Da es sich aber um keinen offiziellen Titel handelt, war er vielleicht der, der
unter den Zöllnern dieses Zollbezirks am angesehensten war, - vielleicht, weil
er am reichsten war. Eine andere Erklärung wäre, dass Zachäus ein Zöllner
höheren Grades war, mit dem lateinischen submagistri gleichzusetzen, und
für ganz Jericho zuständig. Er hätte dann einzelne Zöllner (lat.: portitores)
unter sich gehabt (33,1167; 65,I,395). Siehe auch die Synonyme Strong Nr. 5947.
8
Ein t.t. der Militärsprache: eine Stadt mit einem Wall oder mit Palisaden
umzingeln, einen Belagerungswall um eine Stadt aufwerfen. 40 Jahre später
erfüllte sich diese Vorhersage in der Zerstörung Jerusalems. Im Jahr 135 n.Chr.
wurde Jerusalem dann dem Erdboden gleichgemacht und als eine heidnische Stadt
neu aufgebaut. Kein Jude durfte Jerusalem mehr betreten.
9
Eine Stadt in Judäa, nicht weit von der Jordanfurt am Nordrand des Toten Meeres, die in einer
äußerst fruchtbaren Gegend lag. Da eine vielbegangene Straße nach Jerusalem vorüberführte, war hier
eine römische Zollstätte (vgl. die Anmerkung zu Mk 2,16). In Jericho lebten
auch viele Priester und Leviten. Die Stadt bestand aus zwei Teilen, der kleinen
antiken Stadt auf dem Quellhügel und der 1,5 km südlich gelegenen, größeren
Neu-Stadt der herodianischen Zeit, durch die Jesus zog, da nur sie an der
Straße nach Jerusalem lag. An dieser Straße gibt es noch heute leicht zu
erkletternde Sykomoren-Bäume, in der antiken Alt-Stadt jedoch nicht. Auf einen
solchen Sykomoren-Baum stieg Zachäus. Ein kleiner Hinweis auf die historische
Glaubwürdigkeit des Berichts. - Soweit wir aus den Evangelien-Berichten
schließen können, kam Jesus hier das erste und letzte Mal nach Jericho. Für Zachäus
war dies daher die einzige Chance auf Errettung. Er hatte schon von Jesus
gehört und war nur neugierig zu sehen, wie er aussah (Vers 3-4). Jesus geht auf
ihn zu, Zachäus tut Buße (Vers 8) und wird gerettet (Vers 9-10).
10
od.: während ich verreist bin (2,z.St.).
11
Diese Geldwechsler waren auch eine Art "Bank". Sie übernahmen
Geldbeträge, handelten mit ihnen, und zahlten sie dann mit Zinsen zurück.
12
D.h. den Zeitpunkt wo Gott für Jerusalem gnädig eingreifen wollte.
13
vgl. Ex
21,37; 22,3.8; Lev 5,20ff; 2Sam 12,6.
14
Unmittelbar nach dem Tod seines Vaters Herodes im Jahr 4. v.Chr., zog Herodes Archelaeus
zu Kaiser Augustus nach Rom, um sich die Herrschaft über Judäa von ihm
bestätigen zu lassen, die sein Vater Herodes ihm noch 5 Tage vor seinem Tod
testamentarisch zugesprochen hatte. Doch die Juden schickten eine 50-köpfige Delegation
hinter ihm her und baten den Kaiser, Herodes Archelaeus wegen seiner
Grausamkeit (vgl. Mt 2,22) nicht mit der Regierung zu betrauen. Doch Augustus
bestätigte das Testament von Herodes und bestimmte Archelaeus zum Ethnarchen
über Judäa, Idumäa und Samaria. Archelaeus rächte sich nach seiner Rückkehr und
ließ alle seine Gegner abschlachten. Es ist gut möglich, dass Jesus auf diese
Begebenheit anspielt und den Juden vor Augen führt, dass ihre Ablehnung seiner
Königswürde der Haltung der Juden von damals entspricht, im Gegensatz zu damals
aber, völlig unberechtigt ist (34,I,220; 20,481; 65,I,397). Wenn er als der "Herr der Herren und König der Könige" wiederkommt, wird auch er an den Gottlosen
Gericht üben (2Thes 1,8f; Offb 19,11ff).
15
Matthäus überliefert: "Nach langer Zeit kommt der Herr…" (Mt 25,19). Das einzige Mal, dass Jesus
andeutet, die Zeit bis zu seiner Wiederkunft könnte länger dauern als erwartet.
16
Ein banktechnischer Ausdruck und sprichwörtlich für eine raffgierige Person,
die rücksichtslos auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Jesus greift den Vorwurf
auf, obwohl er nicht der Wahrheit entspricht. Er will dem Knecht damit zeigen,
wie falsch er ihn einschätzt. Wenn schon nicht aus Liebe und Treue zum Herrn,
hätte er zumindest aufgrund dieser seiner falschen Einschätzung, aus Angst
treuer mit dem ihm Anvertrauten umgehen müssen. Im Gegensatz zum bösen Knecht
in Mt 25,24ff, der in die Finsternis hinausgeworfen wird, steht dieser Knecht
für einen untreuen Gläubigen. Es wird ihm nur seine Mine abgenommen,
aber er wird nicht in die Finsternis hinausgeworfen (20,485).
17 Das Wort εμπροσθεν betont die Energie mit der das Ziel
Jerusalem, trotz der Angst der Jünger, angestrebt wurde (46,260). Vielleicht in
dem Sinn von Mk 10,32: "…er ging vor
ihnen her nach Jerusalem" (20,486). Von Jericho nach Jerusalem
waren es ca. 25 km und 1000 m Höhenunterschied bergauf (54,z.St.).
18 Der Maulbeerfeigenbaum wurde hauptsächlich als Bauholz verwendet,
und ist wohl vom Maulbeerbaum zu unterscheiden. Seine Früchte sind, wenn sie
unbehandelt bleiben, klein und ungenießbar. Werden sie jedoch kurz vor der
Ernte mit dem Messer eingeritzt, setzen sie Äthylengas frei, welches das
Wachstum stimuliert und innerhalb von drei Tagen vergrößert sich die Frucht um
das Zehnfache (59,385). Ähnlich war es bei Zachäus. Hätte er sich nicht
bekehrt, wäre seine Frucht klein und ungenießbar geblieben. So aber brachte er
reiche Frucht (Lk 19,8.16ff).
19 Ein
Vergleich von Vers 15a mit Vers 27 zeigt, dass diese Abrechnung mit den Knechten
erst nach der sichtbaren Wiederkunft Christi stattfindet, und nicht nach
der Entrückung, denn bei der Entrückung werden keine Feinde Christi erschlagen.
Diese Abrechnung dürfte die gleiche sein, wie der Richterstuhl Christi (Röm
14,10b; 1Kor 3,10-15; 2Kor 5,10).
20 Bei einer Entweihung der heiligen
Innenhöfe des Tempels, durften die Juden ohne Zustimmung der Römer die
Todesstrafe ausführen. Doch Jesus hatte die heiligen Innenhöfe nicht entweiht, dennoch
empfanden sie die Tempelreinigung als Provokation (65,I,400). Dies spielte dann
auch beim Prozess gegen ihn eine entscheidende Rolle (Mt 26,60.61; 27,40).
21 Echte Buße streitet die Schuld nicht
ab, sondern zeigt der Buße würdige Früchte (Apg 26,20b).
22 Er bekommt nicht eine Stadt
mehr, sondern eine Mine, d.h. eine Möglichkeit mehr, sich in
seinem Dienst (Offb 7,15; 22,3b) im tausendjährigen Reich und bis in die
Ewigkeit zu bewähren (20,484).
23 Oder vielleicht, wie in Lk 8,18: "…was
er zu haben meint" (20,484).
24 Nur Lukas erwähnt diese Ergriffenheit
Jesu, er will Jesus als den vollkommenen Menschen darstellen. So wie er in der
Endzeitrede Jesu (Lk 21,20ff), die Vorhersage der Zerstörung Jerusalems 70
n.Chr. hervorhebt, tut er dies auch hier im Vers 43-44.
25 Das Schweißtuch war eine Art großes Taschentuch, mit dem man sich den Schweiß vom Gesicht wischte (54,z.St.).
26 Betfage war ein Dorf am Osthang des Ölbergs, ganz in der Nähe der alten Römerstraße nach Jericho. Betanien lag ebenfalls am Osthang des Ölbergs, etwa 3 km von Jerusalem entfernt (54,z.St.).
Lukas 20
1 Ps 118,22 (vgl. Jes 28,16). Die Psalmen
113-118 wurden beim Passahfest gesungen und waren den Menschen deshalb noch im
Gedächtnis (65,I,402). Der ermordete Sohn im Gleichnis wird also auferstehen.
2 Dtn 25,5
3 Gen 38,8
4 In Ex 3,6 findet sich zwar kein klarer
Ausspruch über eine Totenauferstehung, wohl aber eine Andeutung, die man aber
nur bei tiefergehendem und geisterfülltem Bibelstudium entdeckt, wie es bei
Jesus der Fall war! Gott würde doch nicht behaupten, ein Gott von solchen zu
sein, die gar nicht mehr existieren. Jesus kommt ihnen entgegen, indem er aus
der Thora zitiert, und nicht die eindeutigeren Stellen aus den Propheten (z.B.
Jes 26,19-21; Dan 12,2 ua.), welche die Sadduzäer ja geringer einschätzten.
5 Also nur ein menschlicher Nachkomme.
6 Ps 110,1
7 Wenn der Messias nur ein natürlicher
Nachkomme Davids wäre, wie kann David ihm dann den göttlichen Titel
"Herr" geben? Eben nur deshalb, weil er gleichzeitig auch der Sohn
Gottes ist. Vgl. Röm 1,3; Joh 8,58
8 Oder freier: "Sie versuchten ihn auf
der Stelle festzunehmen".
9 od.: "...sind sie (d.h. Abraham, Isaak,
Jakob) alle lebendig".
10 Der größte Teil Palästinas war im Besitz von
Großgrundbesitzern. Sie verpachteten ihr Land parzellenweise an Bauern, die den
Eigentümern mit großem Respekt begegneten (65,I,400).
11 Eine solche Reaktion war im schroffen
Gegensatz zur Realität und wurde von Jesus benützt, um das Verhalten der
Pächter (d.h. der Hohepriester) umso drastischer darzustellen, und auf der anderen
Seite die Güte des Eigentümers (d.h. Gott) herauszustreichen. Diese Güte darf
aber nicht ungestraft ausgenützt werden (Vers 16), - eine Warnung an die
religiösen Führer (65,I,401). Die verschiedenen Gesandten waren die Propheten
des AT.
12 Der scheinbare Widerspruch zu Mt 21,41, wo die
Hohepriester zuerst selbst die logische Antwort geben, lässt sich
folgendermaßen lösen. Zuerst sagen sie, vielleicht im ironischen Sinn: "Ja
natürlich wird er sie umbringen, aber was hat das mit uns zu tun"? Erst nachdem
Jesus ihr Urteil bestätigt wird ihnen klar, dass er von ihnen spricht und sie
sagen: "Auf keinen Fall wird das uns treffen", worauf Jesus ihnen aus
der Schrift beweist, dass genau dies über sie, die Bauleute, vorausgesagt ist
(20,498). - Die anderen sind die Gläubigen der Gemeinde.
13 Vgl. Jes 8,14-15; Dan 2,34.44. Der erste
Teil des Verses bezieht sich auf das, was man erleidet, wenn man Jesus während
seines Lebens ablehnt (vgl. 1Pet 2,8), der zweite Teil auf das Gericht, welches
denjenigen bei Christi Wiederkunft trifft (20,498).
14 In diesem härteren Urteil sind die Wehrufe Jesu aus Mt 23,13-36 zusammengefasst. Wird dieses Urteil sie schon während ihrer Lebenszeit treffen? Vgl. Jak 3,1
15 Damit hat Jesus die Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. vorausgesagt.
1
Jes 34,4. Damit sind vielleicht die Naturgesetze des Universums gemeint, die
aus dem Gleichgewicht geraten.
2
Dan 7,13-14. Da es sich um ein Zitat aus dem Masoretentext handelt, wird man εν
wohl am besten instrumental übersetzen "...mittels/auf einer Wolke",
denn die Wiederkunft Christi wird sichtbar sein.
3
Siehe die Anmerkungen bei Mk 12,41ff.
4
Bemerkenswert ist, dass
in dieser Zeit wirklich nur "einige" (Vers 16) den Märtyrertod
sterben mussten (Stephanus, Jakobus, Paulus, Petrus, Antipas, und andere unter
Nero), während in den 2 Jahrtausenden danach Millionen von Christen den
Märtyrertod erlitten.
5
Laut Flavius Josephus wurden 70 n.Chr. mehr als eine Million Juden getötet. Unzählige
wurden außerhalb der Stadt gekreuzigt, wobei alle Bäume dafür aufgebraucht
wurden, und 97.000 wurden in die Sklaverei nach Ägypten und in die anderen
Provinzen des Reiches weggeführt (58,279), worauf die Preise für Sklaven in den
Keller fielen.
6
Bewusst wird hier das Wort στρατοπεδων verwendet und nicht στρατια (Strong Nr.:
4756) oder στρατευμα (Strong Nr.: 4753). Nachdem Titus 70 n.Chr. schon mit der
Belagerung Jerusalems begonnen hatte, ließ er sie plötzlich abbrechen und
forderte die Juden zur Übergabe auf. Er wartete noch bis zum Passah-Fest, bevor
er den Belagerungsring um die Stadt schloss. Als die Christen in der Stadt, die
schon aufgeschlagenen Heerlager rund um Jerusalem sahen, nützten sie diese
Gelegenheit (vgl. Ps 60,6), um aufgrund der Prophezeiung Jesu den
Fluchtkorridor zu nutzen und in die Berge von Pella zu flüchten. Herodes
Agrippa II., der sich Jahre davor durch die Verteidigungspredigt des Paulus
sehr angesprochen fühlte (Apg 26,28), nahm die Christen freundlich auf, die aus Jerusalem
und Judäa flüchteten, um in Pella Unterschlupf zu finden (Eusebius,
Kirchengeschichte III,5). Flucht muss nicht Feigheit sein, sie kann auch
Klugheit sein! Die rechtzeitige Flucht von Juden vor den Nazis war auch eine solche
Klugheit.
7
Damit sind die Völker gemeint, die Palästina und Jerusalem im Laufe der
Geschichte, bis zur Staatsgründung Israels im Jahr 1948, der Reihe nach
beherrschten. Noch zweimal versuchten die Juden davor das Schicksal Jerusalems
und des zerstörten Tempels zu wenden. Zuerst beim erfolglosen Aufstand des
selbsternannten Messias Simon Bar-Kochba im Jahr 132-135 n.Chr. Dabei verloren
580.000 Juden ihr Leben. Ein zweites Mal durch Kaiser Julian im Jahr 361-363
n.Chr., der beabsichtigte den Tempel wiederaufzubauen und dadurch das
Christentum zu schwächen. Doch mitten in den Vorbereitungen vereitelten ein
schweres Erdbeben und ein Flammenbrand aus den Trümmern sein Vorhaben. Er
selbst starb noch im gleichen Jahr im Feldzug gegen die Perser (58,279ff).
8
Vielleicht Tsunamis, entstanden durch Seebeben, welche eine Erschütterung des
Meeres verursachen.
9
In 8 Handschriften steht die Begebenheit aus Joh 7,53 - 8,10 anschließend an
diesen Vers (27,173.219ff). Vom Kontext her, würde sie auch gut hierher passen
(20,529).
10
Es
gibt im Griechischen drei verschiedene Wörter, die gewöhnlich mit arm übersetzt
werden. Das Wort πενης beschreibt jemanden der so bedürftig ist, dass er sich
durch seinen Tageslohn gerade noch ernähren kann (2Kor 9,9). Diese Witwe aber
war offensichtlich noch ärmer (πενι-χρος). Markus (Mk 12,42) verwendet sogar
das Wort πτωχος (bettelarm), welches äußerste Not ausdrückt. Es ist jemand der
für seinen Lebensunterhalt auf die Almosen anderer angewiesen ist (vgl. Lk
19,8), weil er sonst betteln muss. Sie hatte eigentlich gar nichts mehr für
andere übrig, was ihre Tat noch beeindruckender macht. - Die Geldsammlungen für
die Heiligen in Jerusalem waren für solch bettelarme Glaubensgeschwister (Röm
15,26; Gal 2,10). - Nach
rabbinischer Vorschrift durfte man nicht weniger als 2 Lepta geben. Die Witwe
musste sich also entscheiden gar nichts zu geben, oder alles zu geben, was sie
hatte. Das Lepta war die kleinste jüdische Lokalwährung. 1 Denar bzw. Tageslohn
entsprach 128 Lepton, d.h. die Witwe war wirklich sehr arm und die 2 Lepta
waren wahrscheinlich für das Essen des nächsten Tages aufgespart.
11 Obwohl Paulus diese Begebenheit sicher von Lukas kannte, nämlich dass
die Witwe alles gab, sodass sie Mangel hatte, verordnete er dies den Gläubigen nicht
(2Kor 8,12-15).
12 Die Juden dachten, dieser Tempel wäre für die Ewigkeit erbaut, doch
Jesus sagt, der ganze Tempel wird zerstört werden. Geschehen ist das 40 Jahre
nach Jesu Ausspruch, am 9.Aw (Juli/August) des Jahres 70 n.Chr. durch die
Römer. Nach jüdischen Angaben war dies der gleiche Tag wie die Zerstörung des
ersten Tempels durch Nebukadnezar. Bis heute ist es ein Trauertag bei den Juden
(58,279). Obwohl Titus die Schonung des Tempels angeordnet hatte, - denn es war
eines der damaligen Weltwunder, - warf ein erzürnter Legionär eine brennende
Fackel ins Heiligtum, wo sich die letzten Zeloten verschanzt hatten und aufgrund
von Mal 3,1 den Messias erwarteten, ohne Jer 7,4-10 zu bedenken (46,324). Der
ganze Tempelbezirk ging in Flammen auf, nur die großen Grundsteine der heutigen
Klagemauer blieben unversehrt.
13 Für einen Gesamteindruck von Jesu
Rede, muss man alle drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas synoptisch
zusammenführen. Die Jünger
stellten bei dieser Gelegenheit eigentlich auch die Frage, wann Jesu
Wiederkunft und die Vollendung des Zeitalters geschehen werden (Mt 24,3). Lukas
überliefert aber, im Gegensatz zu Matthäus und Markus, nur zwei Fragen: (1.)
Wann wird der Tempel zerstört, und (2.) was ist das Vorzeichen für seine
Zerstörung. Da für die Jünger die Zerstörung des Tempels gleichbedeutend mit
dem Ende des Zeitalters sein muss, gibt ihnen Jesus zuerst eine kurzen
Überblick bis zum Ende (Vers 8-11), bevor er dann ausführlicher von den vorausgehenden
Verfolgungen, vor allem durch die
Juden, eingeht (Lk 21,12-19). Diese werden der bevorstehenden Belagerung Jerusalems (Lk
21,20-21), sowie den nachfolgenden
Ereignissen (Lk 21,22-24), vorausgehen. Das eigentliche Vorzeichen (vgl. Ps
60,6) für die Zerstörung des Tempels sollte die Umzingelung der Stadt durch
fremde Kriegsheere sein (V.20). Mit der Zerstörung Jerusalems verloren die
Juden ihr Erbteil, und zwar "bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein
werden" (Vers 24). Dies wird erst der Fall sein, bei der Wiederkunft
Christi (vgl. Offb 11,2-3). Die Rückkehr der Juden nach Palästina sowie die
Staatsgründung Israels sind zwar auch prophezeit (Dtn 30,1-10; Jes 14,1-2; Hes
37,1ff; Röm 11,15.25-27 ua.), aber die endgültige Erlösung erfährt nur ein Überrest,
und zwar erst dann, wenn sie den wiederkommenden Herrn Jesus Christus als ihren
Messias erkennen und Buße tun (Sach 12,9-14). Vgl. auch die Anm. bei Mt 24,3
und die Anm. bei Mk 13,4
14 entw.: Erdbeben an verschiedenen Orten gleichzeitig (20,513); od.:
Erdbeben über ganze Landstriche hin (7,357); od.: Erdbeben mal hier und mal
dort (2,z.St.). Unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.), wütete eine furchtbare
Hungersnot im Orient. Längst erloschene Vulkane brachen wieder aus, und ein
Erdbeben zerstörte mehre Städte Kleinasiens gleichzeitig, zusätzlich raffte
eine furchtbare Pest viele Tausende dahin. Das Ende der Welt schien nahe
(20,513). Doch diese schrecklichen Ereignisse waren nur Vorboten (Wehen) auf
noch viel Schlimmeres, das am Ende der Tage geschehen wird, und zwar
unmittelbar vor der Wiederkunft Christi (vgl. die Gerichte im Buch der Offenbarung).
15 D.h. zur Gelegenheit für Christus Zeugnis abzulegen (z.B. die Apostel,
Stephanus, Paulus, usw.).
16 od.: sich nicht im Vorhinein über etwas Gedanken oder Sorgen machen;
od.: etw. vorher nicht einüben; od.: euch nicht vorher etwas zurechtzulegen oder
vorzubereiten. All dies ist unnötig.
17 Gemeint ist wahrscheinlich, dass man durch Standhaftigkeit und Treue,
eher am Leben bleibt, als wenn man feige den Glauben verleugnet. Vgl. Jer 39,18
18 Die Eroberung Palästinas begann schon 66 n.Chr. durch Vespasian, zuerst
in Galiläa, dann in Judäa, und wurde erst von seinem Sohn Titus im Jahre 70
n.Chr., mit einer 140-tägigen Belagerung Jerusalems beendet (58,276ff). Die
Jünger werden gewarnt, nicht in der befestigten Stadt Jerusalem Zuflucht zu
suchen.
19 z.B.: Lev 26,14ff; Dtn 28,49ff; Sach 11,1-17; Mal 4,6 ua.; vor allem
aber Dan 9,26. Diese Stelle in Daniel wurde schon von Josephus (Antiquitates
X,11.7; De bello Judaico IV,6.3 und VI,5.4) und im Babylonischen Talmud (Nazir
32b) auf die Zerstörung Jerusalems gedeutet.
20 Mit der Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar und der Deportation der
Juden nach Babylon begannen die "Zeiten der Nationen". Noch bevor
damals der Tempel von Nebukadnezar zerstört wurde, verließ die Herrlichkeit
Gottes den Tempel (Hes 9,1-3; 10,4.18-19). Ab diesem Zeitpunkt war Nebukadnezar
der "König der Könige" (Dan 2,37-38) und das "Reich Gottes"
auf Erden wurde zum "Geheimnis des Reiches der Himmel" (Dan 2,44). In
der Vision vom Standbild in Dan 2,31-45 wird die ganze Weltgeschichte von
Nebukadnezar bis zur Wiederkunft Christi und der Aufrichtung seines Reiches auf
der Erde skizziert, und zwar in Details. So wird z.B. das 4. Reich, das
römische Reich, dargestellt durch die zwei Beine des Standbildes (Dan 2,41),
womit die Teilung des römischen Reiches in das West- und das Oströmische Reich
vorhergesagt wird. Das, was mit Nebukadnezar in Dan Kap. 3+4 passiert, ist
beispielhaft für den Umgang Gottes mit hochmütigen Herrschern. Sie werden
stürzen, wie es die Geschichte schon oftmals bewiesen hat. - Das Ende der
Zeiten der Nationen wurde wohl noch nicht durch die 1948 n.Chr. erfolgte
Staatsgründung Israels, oder die 1967 n.Chr. erfolgte Einnahme Ost-Jerusalems
und des Tempelberges, oder durch die Ausrufung Jerusalems als "ewige
Hauptstadt" Israels, erfüllt (Hes 11,17-21 ua.). Eher werden die Zeiten
der Nationen erst mit der Entrückung der Gemeinde und der Wiederkunft Christi erfüllt
sein (vgl. Röm 11,25). Denn obwohl Israel derzeit die Kontrolle über ganz
Jerusalem hat, wird die Stadt und das Land noch einmal beim letzten großen
Krieg vom "König des Nordens" überrannt werden (Dan 11,40-45; Hes
38,1 - 39,2; Sach 14,1-5).
21 D.h. entw.: die Rasse der Juden; od.: die Generation, die dann
leben wird, wenn die letzten Ereignisse vor der Wiederkunft Christi geschehen.
22 Nachdem Jesus in groben Zügen die
bevorstehenden Weltereignisse bis zum Ende des Zeitalters vorausgesagt hat
(Verse 8-11), macht er nun einen Zeitsprung zurück und prophezeit die
Leiden, die seine Apostel und Jünger bis zur Zerstörung Jerusalems 70 n.Chr. durchmachen
müssen. Diese Leiden finden noch vor den Ereignissen statt, die von Vers
8 an vorausgesagt wurden, und werden uns in der Apostelgeschichte geschildert.
23 Gefängnisse waren nur zur Verwahrung bis zur Gerichtsverhandlung. Danach
folgte entweder die Beschlagnahmung des Eigentums, die Verbannung, die
Hinrichtung, odgl. (65,I,407).
24 εσται (Fut.) mit einem Ptz.Präs. bezeichnet einen länger andauernden
Zeitraum in der Zukunft (2,498.1388). Dieser dauerte von 70 n.Chr. bis zur
Entrückung.
25 Damit sind sowohl jüdische Messiasse gemeint als auch christliche
Verführer (20,513).
26 Die Schilderung der folgenden Ereignisse von Vers 25-27, sind ident mit
Mt 24,29-31 und Mk 13,24-27 und werden dort präzisiert. Vgl. die Anmerkungen
dort.
27 Bezüglich einem Überblick zu den verschiedenen Heilszeiten im Laufe der
Menschheitsgeschichte siehe: https://docs.google.com/document/d/1F5MlXo4pkIT0EJ3uOW2J7JMQlHuQtxRY/edit?usp=sharing&ouid=112924122712875923108&rtpof=true&sd=true
28 Hier ist dem Zusammenhang nach nicht die ganze Erde, sondern nur das
Land Israel gemeint (44,z.St.).
29 Das "sie" könnte darauf hindeuten, dass die Jünger/Gemeinde zu diesem Zeitpunkt schon entrückt wurden, als diese Ereignisse anfingen zu geschehen (V.28).
30 Dass der Feigenbaum hier von Jesus als Symbol für Israel gemeint ist, scheint weit hergeholt, denn Feigenbäume wuchsen überall am Wegrand und boten sich als Bild an. Außerdem weist Jesus auch auf alle anderen Bäume als Beispiel hin.
31 Damit wird zuerst auf Vers 28 zurückverwiesen, d.h. wenn die Ereignisse von Lk 21,9-11 beginnen, erkennen wir, dass das Ende naht.
32 Durch die Entrückung? Denn gleich danach heißt es: "um vor den Menschensohn hinzutreten".
Lukas 22
1 Sie suchten diese Gelegenheit entweder vor
dem Passah oder danach, keinesfalls aber während des Passahs (vgl. Mt
26,5), denn sie fürchteten die Volksmengen in Jerusalem, bei denen Jesus
äußerst beliebt war. Dass die Hohepriester ihre Gegner verfolgten und
drangsalierten, wird auch in der jüdischen Literatur berichtet (65,I,409). - Der
Passionsbericht des Lukas bietet über die Berichte des Markus und des Matthäus
hinaus folgende Sonderüberlieferungen: der Rangstreit unter den Jüngern (Lk 22,24-30),
die Verheißung an die Jünger (Lk 22,28-30), die Mahnung an Simon (Lk 22,31f), den
Hinweis auf eine Engelserscheinung in Gethsemane, und auf den Blutschweiß (Lk 22,43f),
den Blick Jesu auf Petrus (Lk 22,61), die Verspottung Jesu durch Herodes (Lk 23,6-12),
die Feststellen der Schuldlosigkeit Jesu durch Pilatus (Lk 23,13-16), Wort Jesu
an die Frauen von Jerusalem (Lk 23,27-31), das Wort Jesu an den reumütigen
Verbrecher (Lk 23,40-43) und das Sterbegebet Jesu (Lk 23,46) (vgl. 47,z.St.).
2 Jes 53,12
3 Judas war geldgierig, denn er entwendete
regelmäßig Geld aus der gemeinsamen Kasse der Jünger (vgl. Joh 12,6; 1Tim
6,10).
4 Wie Mk 14,62. Eine griechische Redewendung
für: "Ja, ich bin es".
5 In der LXX als Übersetzung für hebr. Strong
Nr.: 01285. Ein Vertrag, welcher von Gottes Seite ausgeht und eine
verbindliche Zusicherung seitens Gottes ist, die der Mensch annehmen oder ablehnen kann, deren Bedingungen er aber
nicht ändern kann.
6 Den ausgedroschenen Weizen in einem Sieb so lange
schütteln bis nur mehr die Steinchen im Sieb übrigbleiben, während
die kleineren Weizenkörner durchs Sieb durchfallen. Auf diese Weise wurden die
Steine aus dem Weizen ausgesiebt und von ihm getrennt. Bildlich übertragen auf
den Satan, der die Gläubigen prüft, indem er versucht die Unbekehrten unter
ihnen für sich zu gewinnen (Hiob 1,6-12),
was ihm bei Judas gelungen ist. Nicht jedoch bei Petrus, denn er war gläubig
und Jesus betete für ihn, dass sein Glaube nicht aufhöre. So betet Jesus als
himmlischer Hohepriester auch jetzt für die Gläubigen, dass ihr Glaube nicht
aufhöre.
7 Wahrscheinlich ist nicht nur das Schwert
symbolisch zu verstehen, sondern auch Geldbeutel, Ranzen und Kleid. Der Herr
möchte damit andeuten, dass sie ab jetzt nicht mehr mit der freundlichen
Gastfreundschaft des Volkes rechnen können, die sie zuvor erlebt hatten (Mt
10,9-10), sondern mit Feindschaft (Joh 15,20).
8 Der Herr fühlte sich missverstanden, und
bricht das Gespräch damit einfach ab.
9 Ein ungewöhnliches und daher markantes
Kennzeichen, denn normalerweise trugen nur die Frauen die Wasserkrüge
(65,I,409).
10 Dies war der erste (oder der zweite?)
Becher in der Passah-Liturgie, mit dem der Hausvater, traditionell mit einem
Dankgebet, das Passahmahl begann (20,539). Beim jüdischen Passahmahl wird der
Kelch mehrmals herumgereicht. Von dem bei der Einsetzung des Abendmahls
gereichten Kelch ist erst in Vers 20 die Rede (vgl. 47,z.St.). Zum Ablauf der Passah-Liturgie
vgl. die Anm. zu Mt 26,20. Lukas hat in seinem Bericht die Einsetzung des
Abendmahls der Ankündigung des Verrats vorgezogen. Matthäus und Johannes haben
als Augenzeugen die genaue Reihenfolge des Ablaufs festgehalten, und Markus ist
ihnen darin gefolgt.
11 Dies war wahrscheinlich der dritte
Becher in der Passah-Liturgie, auch "der Becher der Segnung" genannt
(1Kor 10,16), der nach dem Verzehr des Passahlammes getrunken wurde (vgl.
20,541ff; 33,882).
12 Nur der Arzt Lukas berichtet auch von
der Heilung des Ohres. Es war das letzte Wunderzeichen, das Jesus vor den Augen
seiner Feinde tat. Doch auch dies bewirkte kein Umdenken bei ihnen. Dass es
Petrus war, spricht Lukas zwar nicht aus, deutet es aber mit der Betonung "ein
gewisser…" an. Nur Johannes berichtet, dass es Petrus war (Joh 18,10),
aber zu diesem Zeitpunkt war Petrus bereits hingerichtet worden. Dass Petrus
nur das Ohr traf, war sicher eine Fügung Gottes. Hätte er den Diener
erschlagen, wäre er sicher zusammen mit Jesus gekreuzigt worden.
13 Dass hier kein Ptz.Fut, sondern ein zeitloses
Ptz.Präs. steht, obwohl beides erst zukünftig am Kreuz geschehen wird,
ist kein Beweis für die katholische Trans-Substationslehre. Dies gibt sogar ein
katholischer Gelehrter zu (13,96).
14 Die Verse 43-44 fehlen zwar in mehreren
alten Hs., sie werden aber schon früh von Kirchenvätern zitiert und stehen in
den beiden ältesten Übersetzungen. Vielleicht wurden sie schon von frühen
Abschreibern weggelassen, weil man nicht glauben konnte, dass sie echt waren,
und, dass der Sohn Gottes nicht so menschlich reagieren konnte. Erfunden
hätte man einen solchen Satz sicher nicht ((27,177; 20,552). - Das Phänomen des
"Blutschwitzens" wird auch in anderen antiken Schriften beschrieben.
Da Lukas aber schreibt "gleich wie…", könnte es auch nur
bildlich für den herabtropfenden Schweiß gemeint sein (65,I,413). Satan greift hier
Jesus das letzte Mal an (vgl. Lk 4,13; 22,53b).
15 Dies war nach jüdischem Recht bei einem noch
nicht Verurteilten verboten (65,I,415).
16 Die offizielle Gerichtsverhandlung durfte
nur am Tag stattfinden (65,I,416).
17 Das war der Vormittag des 14.Nissan, damals
ein Donnerstag. Am Abend des gleichen Tages feierten sie dann, wie alle anderen
auch, das Passah-Mahl (Vers 14). Der ganz allgemeine Ausdruck lässt es
unmöglich erscheinen, dass Jesus, wie manche behaupten, das Passah schon einen
Tag früher gefeiert hätte als der Rest des offiziellen Judentums. Der
scheinbare Widerspruch zu Joh 18,28b wird in der Anmerkung dort erklärt. - Für
den genauen Ablauf des Passahmahles siehe die Anm. bei Mt 26,20
18 Nach dem Bericht der anderen drei Evangelien
(Mt 26,21ff; Mk 14,18ff; Joh 13,18ff), ging die folgende Auseinandersetzung der
Einsetzung des Abendmahls voraus, bei der Judas gar nicht mehr dabei war. Er
nahm den ersten Bissen am Beginn der Passah-Liturgie und verließ danach sofort
den Obersaal (vgl. Joh 13,26).
19 Nach der Erniedrigung hier, erfolgt die
Erhöhung der Gläubigen im tausendjährigen Reich. Sie werden mit dem König Jesus
Christus mitregieren (Offb 3,21; 5,10).
20 Dies bedeutet wahrscheinlich, dass
anhaltendes (Imp.Präs.!) Gebet uns davor bewahren kann, der Versuchung
zu unterliegen (vgl. Vers 45-46). Oder im Sinne von Mt 6,13a, die Bitte an
Gott, uns gar nicht in Versuchung kommen zu lassen. Beides ist richtig.
21 Angesichts der großen Menge an bewaffneten
Soldaten war dieses Ansinnen mutig, aber es war naiver Mut. Petrus wartet die
Antwort Jesu gar nicht ab, sondern schlägt zu. Das war Hoch-Mut. Sind wir nicht
auch manchmal so, dass wir Gott im Gebet befragen, aber dann seine Antwort und
Führung gar nicht abwarten, sondern im Hochmut selbständig handeln.
22 Der oberste jüdische Gerichtshof mit Sitz in
Jerusalem. Er bestand aus 71 prominenten Mitgliedern der hohepriesterlichen
Familie, sowie aus Schriftgelehrten und Ältesten, und war bei den Juden die
höchste Instanz zur Entscheidung aller religiösen und politischen Fragen. Er
durfte Urteile fällen und auch ausführen, nur bei der Todesstrafe musste zu
dieser Zeit der römische Prokurator seine Zustimmung erteilen.
23 Er ging nicht auf den Ölberg, sondern
nur an seinen Abhang zum Garten Gethsemane (Mt 26,36).
24 Vgl. Mt 19,28; Offb 20,4 und die Anm. dort.
1 Vers 17 fehlt in den meisten Hs.
2 Hos 10,8; Offb 6,16
3 Ps 22,19
4 Ps 31,6. Dieser Vers wurde häufig während
des Abendopfers, also um diese Zeit, gebetet (65,I,421).
5 od.: "...wenn du (bei der Wiederkunft)
zu deiner Königsherrschaft kommst". Der Verbrecher denkt an die glorreiche
Wiederkunft des Messias, vielleicht aufgrund von Jes 26,19 und Dan 12,2 (20,573;
21,I,641). Zu Jesu Antwort siehe auch die Anm.13 unten.
6 Hier ist das Paradies der Hades, der
Aufenthaltsort der Gestorbenen bis zur Auferstehung (vgl. Lk 16,22-23) in
welchen auch Christus zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung
hinabgestiegen ist (vgl. Apg 2,27.31; 1Pet 3,18-19; Eph 4,9). Seit Christi
Auferstehung kommen die "Geister" der Gläubigen (Heb 12,23b) nach
ihrem Tod zum Herrn in die Herrlichkeit (Phil 1,23; Apg 7,59), denn das
Paradies ist seit Christi Auferstehung im dritten Himmel (2Kor 12,4). Erst bei
der Entrückung werden sie mit einem Herrlichkeits-Leib auferstehen und
mit dem Herrn Jesus aus dem Himmel wiederkommen (1Thes 4,14; Offb 19,14).
7 Der geheime Jünger tritt ans Licht, die
Jünger blieben aus Furcht versteckt im Haus.
8 od.: weil er nach eurer Meinung das Volk
verführt (2,z.St.).
9 D.h. solche die ein andersartiges Delikt
begangen hatten.
10 Eine Anhöhe bei Jerusalem,
"Schädelstätte" genannt, so bezeichnet, weil sie von ferne, wie ein
riesiger Schädel aussah. Sie wurde als Hinrichtungsplatz benutzt. Der Ort lag
außerhalb der damaligen Stadtmauer (vgl. Heb 13,12), wahrscheinlich unweit der
heutigen Grabeskirche (vgl. 2,345).
11 Das ist das "gute Bekenntnis"
(1Tim 6,13), denn aufgrund dieses Anspruchs konnte ihn Pilatus wegen Hochverrat
zum Tod verurteilen, obwohl er wusste, dass es nicht politisch gemeint war.
12 Obwohl der Vers in etlichen wichtigen alten Handschriften
fehlt, ist er sicherlich ursprünglich. Frühe Abschreiber dürften ihn für unecht
gehalten haben, weil er scheinbar ein unerhörtes Gebet Jesu sei. Doch Jesus
betete um Vergebung für das Volk Israel und sein Gebet wurde erhört, denn Gott
schenkte ihnen noch eine 40-jährige Gnadenzeit, um das Evangelium zu hören und
zu glauben, obwohl Gottes Zorn auf dem Volk lag (1Thes 2,16b). Ein Überrest
nützte diese Gnade auch. Auch der ein Verbrecher, dürfte aufgrund von Jesu
Gebet ermutigt worden sein, ihn um Gnade zu bitten (20,571; 27,180). - Mit diesem Gebet ist sicherlich kein
allgemeiner Sündenerlass gemeint, sondern die Blindheit, in der die Kreuzigung
durch die Menschen geschah (vgl. 1Kor 2,8). Alle Menschen werden für alle ihre Sünden verurteilt werden, wenn sie nicht Buße
tun. - Normalerweise beteten die Gekreuzigten vor ihrem Tod für sich selbst
folgendes: "Mögen durch meinen Tod, alle meine
Sünden gesühnt sein" (65,I,420).
13 Die Übersetzung: "Ich sage dir heute, du
wirst mit mir im Paradies sein", erscheint unnatürlich, denn das
"heute" wäre unnötig. So aber ist es zur Betonung nach vor gezogen: "Schon heute,…", und nicht erst bei meiner Wiederkunft (77,702ff; 20,573).
14 Ind.Impf. + Ptz.Präs.Pass. drückt sehr stark
die bis dahin schon länger andauernde Feindschaft aus (13,125).
15 Da Pilatus nicht davon überzeugt war, dass
Jesus ein Verbrechen begangen hatte, wollte er auf diese Weise den Fall
loswerden.
16 Er tat dies nicht, weil er von Jesu Schuld
überzeugt war, sondern um das Volk und die Hohepriestern zu besänftigen.
Pilatus war erst kurz davor vom Kaiser gemahnt worden, die römischen Standarten
aus Jerusalem abzuziehen. Einen weiteren Aufstand der Juden oder eine Klage
ihrer Führer beim Kaiser, konnte er sich nicht erlauben. Um die Gunst des
Volkes zu erlangen, hatte er erst kürzlich einen römischen Soldaten hinrichten
lassen, der eine Heilige Schriftrolle verbrannt hatte (65,I,418).
17 Der "Tag der Zurüstung" war unser heutiger Freitag, der Sabbat unser
Samstag. Der Sabbat begann Freitagabend um ca. 18 Uhr und endete Samstagabend
um ca. 18 Uhr. Der erste Tag der Woche (Lk 24,1) war unser Sonntag (20,580).
Die unmittelbare Aneinanderreihung dieser Tage zeigt, dass die Ansicht, Jesus
wäre schon an einem Mittwoch oder Donnerstag gestorben, falsch ist. Sie beruht
auf einem Missverständnis des Ausdrucks "drei Tage und drei Nächte" in Mt
12,40 (siehe dortige Anm.) und einem Missverständnis von Joh 18,28 (siehe
dortige Anm.).
18 Der Ort ist vermutlich mit Ramathajim Zophim bzw. Rama identisch, dem Geburtsort Samuels (1Sam 1,1.19), und liegt 15 km nordöstlich von Lydda (54,z.St.).
19 Der Ind.Impf. drückt normalerweise eine andauernde (durative) oder wiederholte (iterative) Handlung aus. Allerdings kommt der Ind.Impf. dieses Wortes 71-mal im NT vor, wo eine durative oder iterative Bedeutung nicht ersichtlich ist! Vielleicht ist es ein beschreibender Imperfekt, der hervorheben möchte, was gesagt wurde (13,91). Möglich wäre auch ein inchoativer Imperfekt (2,1386): "Jesus aber fing an zu sagen: …". Jedenfalls ist der Imperfekt und nicht der Aorist hier sehr wohl am Platz, denn Jesu bitte wurde nicht sofort erhört. Siehe auch die Anm.12 oben. Eine ähnliche Bedeutung hat auch der Imperfekt des gleichen Wortes in Vers 42: "er sagte nachdrücklich…".
1 Das Herz ist das Objekt von ανοητος
(unverständig) und βραδω (langsam). Das Problem lag nicht so sehr am Verstand,
sondern im Herzen!
2 D.h. entw.: an der Art und
Weise wie er sonst das Brot zu brechen pflegte; od. viell.: an den Wundnarben
der Nägel, die dabei sichtbar wurden; od. ganz allg. zeitlich: "...während
dem Brechen des Brotes".
3 Sie hielten ihn für einen
unbekannten Festpilger, weil ihre Augen gehalten wurden, und vielleicht noch
zusätzlich, weil Jesu Aussehen in seinem Auferstehungsleib etwas anders war als
vor seiner Auferstehung.
4 Nach Jesu Aussage ist
klar, dass alles in den Propheten von Gott inspiriert ist und geglaubt
werden muss. Eine Unterscheidung zwischen Gotteswort und Menschenwort ist ihm
fremd.
5 Das heißt, wir können in allen
Schriften des AT mehr oder weniger deutliche Prophezeiungen über den Messias
finden.
6 1 Stadie entsprach der
Länge des Rundkurses im Stadion von Olymp, also ca. 185 m (33,1249). Emmaus lag
entweder bei dem 11,5 km entfernten el-Ikbebe, ein Dorf in Judäa, nach
Lukas etwa (60 Stadien = 11 km) von Jerusalem entfernt. Da die Lage aber nicht
sicher nachzuweisen ist, wurde als zweiter Ort das heutige Amwas
vorgeschlagen, dass damals einen vielbesuchten Viehmarkt hatte und als
angenehmer Wohnort mit gutem Wasser galt. Es lag aber einen vollen Tagesmarsch (ca.
23 km) weit von Jerusalem entfernt, und passt daher nicht zu einer
rechtzeitigen Rückkehr der beiden Jünger nach Jerusalem (76,719; 52,II,258;
46,242).
7 Jesus verstellt sich nicht
in unaufrichtiger Weise, sondern möchte nur testen, ob sie ihn aufnehmen wollen,
um mehr von ihm zu erfahren. Dies erforderte schon die Höflichkeit (65,I,424).
8 od.: "…anfangend von
Jerusalem. Ihr seid Zeugen von diesen Dingen" (9,z.St.; 47,z.St.).
9 Jemanden zum Einkehren zu "nötigen",
notfalls mehrmals, war im Orient Ausdruck aufrichtig gemeinter
Gastfreundschaft (Rich 19,5-9; 1Sam 28,23).
10 Der Herr Jesus ist
irgendwann in der Nacht von Samstag auf Sonntag auferstanden. Für die Juden
beginnt zwar der 1.Tag der Woche (d.h. der Sonntag) bereits um ca. 18 Uhr mit
dem Sonnenuntergang am Sabbath (= Samstag), doch der Ausdruck "frühmorgens" bestätigt, dass mit dem 1.Tag
der Woche hier bereits die Zeit nach Mitternacht gemeint sein muss, also der
Sonntag ab Mitternacht, so wie wir ihn auch heute verstehen. Es war "an diesem Tag" (Vers 13), dass die Emmaus-Jünger
sagten, dass es schon der 3.Tag (Vers 21) seit seiner Kreuzigung war. Also muss
die Kreuzigung am Freitag stattgefunden haben, und nicht an einem Donnerstag
oder Mittwoch, wie einige behaupten.
11 Es ist hier eine einfache Mahlzeit, und keine
Abendmahlsfeier (20,589).
12 Ein brennendes Herz
bekommt man, wenn einem der Heilige Geist direkt beim Lesen des Wortes den Sinn
eröffnet, oder, wenn man durch eine Predigt oder eine Bibelauslegung das Wort
versteht. Ist dies bei uns auch so?
13 Dieser Satz fehlt in manchen Hs. Wahrscheinlich erschien er Abschreibern aufgrund von Vers 39 als nicht ursprünglich, sodass sie ihn wegließen. Andere meinen, er wurde von Joh 20,20 eingefügt, doch dies ist eher unwahrscheinlich, denn dort steht: "…seine Hände und seine Seite", und nicht "…seine Hände und seine Füße" (27,187).
Nach Johannes
1
Jes 40,3 (LXX)
2
Gen 28,10-17
3
Bei Johannes immer übernatürlich, geistlich, ewig. Dieses göttliche Leben
empfängt der Gläubige bei der Wiedergeburt (Joh 3,15 ua.).
4
Am besten positiv zu verstehen: "ergriff es nicht um es anzunehmen", zuerst in Bezug auf Israel, dann in Bezug
auf die ganze Menschheit; vgl. Joh 1,10-11; 3,19. Falls es feindselig gemeint
ist: "…ergriff es nicht, um
es zu unterdrücken/auszulöschen"; wie Joh 12,35
5
Nicht im Gegensatz zu einem falschen Licht, sondern im Gegensatz zu einem
unvollkommenen Licht.
6
μονογενους mit "der
eingeborene" oder "der einziggeborene" zu übersetzen ist missverständlich. Ein
"Eingeborener" ist nach heutigem Sprachverständnis ein Ureinwohner in
abgelegenen Gebieten dieser Erde, was dem griechischen Ausdruck völlig fremd
ist. Auch die Übersetzung "einziggezeugt" wäre nicht so exakt, denn
dafür verwendet das Griechische eher das Wort μονογεννητος. Der präexistente Sohn, der Logos, wurde weder
geboren noch gezeugt, denn wie der Vater ewig existierte, so existierte auch
der Sohn ewig. Der präexistente Sohn Gottes "hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens"
(Heb 7,3). Auch Isaak wird in Heb 11,17 μονογενη genannt, er war aber nicht der
einziggeborene bzw. einziggezeugte von Abraham, denn Abraham hatte zwei Söhne
gezeugt, aber Isaak war sein "Einziger", der, an dem sein ganzes Herz
hing. - Die Herrlichkeit des Logos war
die Gleiche, wie die des ewigen Vaters die er mit seinem ewigen Sohn teilt (2,z.St.).
7
Schon die ältesten Hs. schwanken zwischen μονογενης θεος "...einzigartiger
Gott" und μονογενης υιος "...einzigartiger Sohn". Beide
Lesarten sind bereits im 2.Jhdt. bezeugt und ihre Entstehung könnte durch einen
Hör- oder Abschreibfehler beim Vervielfältigen der Abschriften entstanden sein,
da beide Wörter mit ..ος enden. Es lässt sich nicht mehr mit
Sicherheit sagen, welche Lesart die ursprüngliche ist (vgl. 2,525; 27,198;
25,II,56ff; 65,I,434). Wenn θεος ohne Artikel die ursprüngliche Lesart ist,
"...(ein) einzigartiger (Sohn, der selbst)
Gott (ist)...", dann wäre
θεος damit als Objekt-Prädikat gekennzeichnet, und wir hätten hier wieder eine
der Stellen, die die Gottheit Christi deutlich herausstreichen. Vgl. auch noch:
Joh 1,1.18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13; 2Pet 1,1 ua.
8
AT: "...räumt auf durch Beseitigung der Hindernisse".
9
Gnade und Wahrheit sind eigentlich ein unüberbrückbarer Gegensatz. Aber am
Kreuz hat Christus beide vereint: Er nahm unsere gerechte Strafe auf sich,
damit uns Gott unverdiente Gnade erweisen konnte. - Mit Wahrheit ist die
Gerechtigkeit Gottes gemeint (Ex 34,6), - nach anderen aber die Wirklichkeit im
NT im Gegensatz zu den Schatten im AT.
10
Umschreibend für: wir würden dich gerne persönlich sprechen (25,II,97). Die
Bekehrung dieser ersten Jünger begann mit Gastfreundschaft.
11
Das ist 10 Uhr vormittags nach römischer Zeitrechnung (von Mitternacht
bis Mittag und von Mittag bis Mitternacht gezählt). Johannes verwendet, im
Gegensatz zu den Synoptikern die römische Zeitrechnung, da er nach 70 n.Chr.
schreibt, wo die jüdische Zeitrechnung nicht mehr gebräuchlich war. So erklärt
sich auch der scheinbare Widerspruch von Joh 19,14 mit Mk 15,25. Markus und
Matthäus verwenden die jüdische Zeitrechnung, aber Johannes die römische (65,I,437;
83,64). Andere meinen jedoch die jüdische Zählweise sei gemeint, also 4 Uhr
nachmittags (25,II,98f). Aber 10 Uhr vormittags passt besser zu der Bemerkung,
dass die beiden Jünger den ganzen restlichen Tag bei ihm blieben.
12
Der Zweite war wahrscheinlich Johannes selbst (25,II,99).
13
z.B. in Kap.2,1ff; 4,43ff usw.
14
Hier beginnt der erste von sieben Tagen: 1.Tag (Kap.1,19ff) - 2.Tag (Joh
1,29ff) - 3.Tag (Joh 1,35ff) - 4.Tag (Joh 1,43ff) - 5.Tag (Reise nach Galiläa)
- 6.Tag (Joh 2,1ff) - 7.Tag (Joh 2,12ff). Vielleicht will Johannes einen Vergleich mit
dem Schöpfungsbericht herstellen, wie in Vers 1. - "Man versteht so gut,
wie Johannes die Tage zählt, die Tage der ersten Liebe" (Paul Humburg). -
Die Befragung des Johannes geht von der jüdischen Behörde in Jerusalem aus. Zum
Hohen Rat (Synedrium) gehörten drei Gruppen: die Hohepriester, das heißt der
amtierende Hohepriester und frühere Hohepriester (hauptsächlich Sadduzäer), die
Ältesten als Vertreter des Laienadels und die Schriftgelehrten, die vorwiegend zur
Partei der Pharisäer gehörten (vgl. 47,z.St.).
15
"In ihm (d.h. im Logos) war (geistliches) Leben…". Mit ihm
ist eine männliche Person gemeint, nämlich Jesus; od.: "…was geworden ist,
in ihm war (natürliches) Leben", was aber eher unwahrscheinlich ist, da
Johannes mit Leben immer übernatürliches Leben meint.
16
Wahrscheinlich ist aufgrund der sprachlichen Parallele mit Joh 3,19 und 12,46
zu übersetzen: "Er war (als) das wahrhaftige Licht in die Welt kommend, um
jeden Menschen zu erleuchten" (62,69); od. viell.: " zu beleuchten, um so
ins Licht zu stellen"; od. viell.:
"Er war das wahrhaftige Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der in
die Welt kommt" (vgl. 21,I,687; 25,II,35; 13,126). Das "Erleuchten"
wäre dann vielleicht ein Hinweis auf eine Grunderkenntnis, die jeder Mensch von
Geburt an von Gott erhält und aufgrund der er auch Gott gegenüber
verantwortlich ist, um den unsichtbaren Gott tastend wie ein Blinder zu suchen
(vgl. Röm 1,19; 2,1.6-9.15-16; Apg 17,27). Falls aber die Bedeutung "beleuchten" zutrifft, dann in dem Sinn von Joh 3,19-21;
12,35-36; Eph 5,13
17
D.h. nicht aus natürlicher Abstammung bzw. Blutsverwandtschaft; vgl. Kap 8,39
18
D.h. nicht durch eigenen Willen, z.B. durch gute Werke, aber auch nicht durch
den fälschlich sogenannten "freien
Willen" des Menschen.
19
D.h. nicht durch den Willen eines anderen Menschen, weder durch sexuelle
Zeugung noch durch die Handlung eines Priesters.
20
Vgl. Ex 25,1ff; Offb 21,3 ua. - Gottes Herrlichkeit zeltete im Heiligtum,
bis sie dieses verließ (Hes 10,4.18-19.23). Hier zeltet die Herrlichkeit Gottes
wieder leiblich in Jesus (vgl. Joh 2,21; Kol 1,19; 2,9). Mit Jesu Himmelfahrt
verließ die Herrlichkeit Gottes wiederum diese Erde, und zwar in der gleichen
Reihenfolge wie in der Prophezeiung Hesekiels: Jesus verließ zuerst den Tempel,
um dann bei seiner Himmelfahrt vom Ölberg aus, die Erde endgültig zu verlassen.
Seit dem Kommen des Heiligen Geistes zeltet die Herrlichkeit Gottes wieder im
Leib Christi, der Gemeinde (Eph 1,23; 3,21). Und bei der Entrückung wird die
Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde die Erde wieder verlassen. - Mit der
Menschwerdung des Logos steht der Logos-Begriff des Johannes aber im schroffen
Gegensatz zum Logos-Begriff der Gnosis, wo sich der Logos niemals mit der
Materie verbinden könnte (52,III,714).
21
Im Rang; od.: zeitlich.
22
D.h.: eine Gnade nach der anderen, bzw. immer wieder neue Gnade (2,525; 13,31).
23
Ein t.t. für die Erteilung von Auskünften über Geheimnisse durch die
Orakelpriester und Wahrsager (1,557). Vielleicht verwendete Johannes bewusst
diesen Ausdruck (etwas erklären,
auslegen, ausplaudern oder "ausmalen") als markanten Gegensatz zur Gnosis.
24
D.h. die ihn als Retter annahmen.
Der Name steht hier für das, was die Person tut (2,z.St.), denn der Name Jesus bedeutet
im Hebräischen: Jahwe errettet. Darum, weil sie auf Jesus als Retter
vertrauen, können sie durch die Wiedergeburt Kinder Gottes werden
(25,I,42). Das Ptz.Präs. πιστευουσιν steht hier als Attribut zum Inf.Aor
γενεσθαι, wenn schon nicht im vorzeitigen Sinn, so doch, wie gewöhnlich als
gleichzeitige Handlung, keinesfalls aber nachzeitig, was das Ptz.Fut. verlangen
würde (2,1393). Also muss man zuerst Jesus im Vertrauen annehmen und wird
damit durch die Wiedergeburt ein Kind Gottes, und nicht umgekehrt (25,I,43). Trotzdem
ist die ganze Errettung ein Gnadengeschenk (Eph 2,8).
25
Entw. ein Gen.subj.: "das Lamm von Gott". Da Lamm
mit Artikel steht, vielleicht das schon in Jes 53,7 versprochene Lamm Gottes (25,II,84); od. ein Gen.obj.: "das Lamm für Gott". Da Johannes ein Jude war, der zu
Juden sprach, könnte er gemeint haben: Siehe, das Opferlamm, das ihr nun statt
euren eigenen Lämmern, stellvertretend für eure Sünden Gott bringen könnt. Vielleicht will Johannes aber beide
Bedeutungen vereinen (vgl. 13,12f), denn Christus ist sowohl das von
Gott bestimmte und bereitgestellte Opferlamm als auch das Opferlamm des Sünders
für Gott, also das Opferlamm, das der Sünder Gott stellvertretend für
seine Sünden Gott darbringt. Andere Beispiele, wo wahrscheinlich beide
Genitiv-Bedeutungen ausgedrückt werden, sind in 2Kor 5,14 und 2Thes 3,5b. - Ein Lamm wurde täglich morgens und
abends im Tempel geopfert und auch das Sünd-Opfer beim Passah war ein Lamm.
26
Der Imperfekt
ην drückt (im Gegensatz zum
Aorist) die kontinuierliche und ewige Präexistenz des Sohnes Gottes aus. Der
Prolog stellt damit klar, dass der Logos schon immer war und ewig existierte. Er war schon immer bei
Gott und er war schon immer Gott selbst, um dann, in der Fülle der Zeit,
Fleisch, d.h. Mensch zu werden (εγενετο). Schon im Anfang, als Gott alles schuf, war
der Logos schon seit immer existent (21,I,683). Obwohl Joh 1,1 eine Anspielung
auch Gen 1,1 ist, geht Johannes zeitlich zurück in die Ewigkeit.
27
Impf.:
schon immer seit der Schöpfung? (im Sinne von Kol 1,16d); od.: seit seiner
Geburt? (vgl. 25,II,36).
28
Für das
hebräische Wort "der Messias" (der Gesalbte), steht im griechischen
Text ο Χριστος (der Christus); vgl. Joh 1,41 und 4,25. Darunter
verstand das damalige Judentum hauptsächlich den verheißenen Spross aus dem
Haus David (vgl. Joh 7,42). Doch waren die Messias-Erwartungen nicht
einheitlich. "Elija" war nach 2Kön 2,11 zum Himmel entrückt worden
und man erwartete seine persönliche Wiederkunft (vgl. Mal 3,23-24; Sir 48,9-10;
Mk 9,11-12). Johannes war aber nicht Elija persönlich, der erst am Ende des
Zeitalters kommen wird (wahrscheinlich Offb 11,3), sondern nach den Worten Jesu
nur derjenige, der im Geist Elijas kam, um das erste Kommen des Messias
vorzubereiten (vgl. Anm. bei Mt 11,14). Auch "der Prophet" wurde
aufgrund von Dtn 18,15.18 erwartet. Man erwartete für die Endzeit das Auftreten
eines dem Mose ähnlichen Propheten (vgl. Joh 6,14; 7,40.52), doch die Apostel
verstanden unter diesem angekündigten Propheten zu Recht Jesus selbst (Apg
3,22).
29
Dieses Betanien
wird durch die nähere Bestimmung "jenseits des Jordan" von dem
gleichnamigen, am Ölberg gelegenen Ort unterschieden, wo nach Joh 11,1 die
Auferweckung des Lazarus und nach Joh 12,1 die Salbung Jesu geschah. Der genaue
Ort, an dem Johannes taufte, ist zwar nicht mehr sicher festzustellen, es dürfte
aber an der Furt über den Jordan (manche Hs. haben: Beth-abara = "Furt-Hausen"),
östlich von Jericho in Peräa gewesen sein. Hier ging ein wichtiger Verkehrsweg vorbei,
und Johannes der Täufer konnte hier eine große Zuhörerschaft für seine
Bußpredigten erwarten. Bei dieser Furt hatte auch Israel unter Josua mit der
Einnahme des Landes Kanaan begonnen (Jos 3,1ff), und auch Elisa ging dort nach
Elijas Himmelfahrt über den Jordan, um seinen Dienst in Israel zu beginnen
(2Kön 2,1ff). Es wäre also auch für Jesus eine passende historische Örtlichkeit
gewesen, um seinen Dienst in Israel zu beginnen (vgl. 46,96ff; 33,132; 47,z.St.;
65,I,436). In Peräa regierte Herodes Antipas und Johannes der Täufer wurde dann
auch dort gefangengenommen.
30
Rabbi
ist die gebräuchliche Anrede von Lehrern durch ihre Schüler. Obwohl Jesus nicht
rabbinisch geschult ist (vgl. Joh 7,15), wird er öfter von seinen Jüngern, aber
auch von anderen Leuten, so angesprochen (Joh 6,25; vgl. Joh 20,16). Sogar von
dem Schriftgelehrten Nikodemus in Joh 3,2 (47,z.St.).
31
In
Griechisch λογος ("Logos"). Dies ist ein sehr alter Begriff aus der
griechischen Stoa Philosophie. Dort war der Logos der reine Wahrheitsgehalt des
Sprechenden, mit Gott Zeus ident, und Träger der göttlichen Energie, durch die
die Welt entstand und der die Materie durchströmt; vgl. Kol 1,17 (21,I,684ff;
52,III,711ff).
Andere, wie Dr. A.G. Fruchtenbaum, verstehen darunter den jüdischen "Memra"
Begriff, weil Johannes kein griechischer Philosoph, sondern ein jüdischer
Fischer war. Im AT wurde die Weisheit personifiziert (Spr 8,1-31), und das
Judentum identifizierte die Weisheit, das Wort und die Thora miteinander,
sodass das Wort die Verkörperung der gesamten Offenbarung Gottes war, - Gott offenbart
sich durch den λογος und im λογος (65,I,432).
32
Als
Aramäismus ist die Bedeutung der Präposition προϛ mit Akkusativ: der ewige
Gott-Vater und der ewige Gott-Sohn existierten schon ewig nebeneinander und
hatten persönlichen Austausch. Vgl. Joh 1,18b und vielleicht Spr 8,23ff
(21,I,684; 13,33f).
33
"Gott" steht normalerweise immer mit Artikel, ohne Artikel ist der Ausdruck als Prädikat-Nomen
und damit als Objekt-Prädikat gekennzeichnet (2,523; 21,I,684). Daher ist nicht zu übersetzen:
"…(ein) Gott", sondern: "…seinem Wesen nach Gott gleich", aber eben nicht ident mit
Gott-Vater, sondern als ewiger Sohn des ewigen Vaters eine eigene Person, die
auch Mensch werden konnte, ohne seine personale Gottheit ablegen zu müssen. Vgl.
auch die Anm.7 oben.
34
Der Jordan
ist der wichtigste Fluss Israels, der als geologisches Phänomen, das am tiefsten
gelegene Tal der Erde durchfließt. Er entspringt im Norden im Gebiet des Berges
Hermon, etwa 500 m über dem Meeresspiegel und mündet 200 km südlich ins Tote
Meer, dessen Wasserspiegel sich 392 m unter dem Meeresniveau befindet. Die
Taufstelle ist etwa 7 km nördlich vom Toten Meer zu suchen (54,z.St.).
35
Bethsaida war ein Fischerdorf am See Genezareth,
wahrscheinlich östlich des Jordan an einer Furt, kurz vor dessen Einmündung in
den See gelegen. Die dort angrenzende Lagune war für ihren Fischreichtum
bekannt, daher der Name Beth-saida (= Haus der Fische). Heute heißt der Ort
"chirbet el-aradsch". Der Tetrarch Philipp renovierte die alte
Stadt 3 v.Chr. und gab ihr den Namen Julias, zu Ehren der Tochter des Kaisers
Augustus. Etwa 3 km östlich davon baute er sich auf einem Hügel eine Burg, die
ihm als Palast und Amtssitz diente. Im Jahr 34 n.Chr. ist er hier gestorben. Zurzeit
Jesu muss der Ort eine sehr fruchtbare Umgebung gehabt haben, auch eine
Synagoge gab es dort, obwohl die Bevölkerung aus Juden und Heiden bestand
(46,173ff; 33,135; 52,I,878; 54,10; Josephus, Antiquates, XVIII,2,1 und 4,6).
Nach Joh 1,45 war es die Heimat des Philippus, Andreas und Petrus. - Nach
anderer Annahme ist zumindest in Mk 8:22 und Lk 9,10 ein anderer, an der
Westküste des Sees, nahe Kafarnaum gelegener Ort gleichen Namens gemeint, eine Annahme,
die aber unbegründet scheint (2,280; 25,248f).
36
Nazareth war in jeder Beziehung ein unbedeutender Ort, sowohl in
alttestamentlicher Zeit als auch zurzeit Jesu. Nathanael, der aus dem
wichtigeren Kana stammte, blickte daher verächtlich auf Nazareth und seine
Bewohner herab (46,87).
37
"Fleisch" bedeutet, dass der ewige, präexistente Sohn
Gottes, ein wahrer Mensch aus Fleisch und Blut wurde. Das richtet sich gegen
die gnostischen Irrlehren. Vgl. Anm. bei 1Tim 6,20.
38
Mit den "Juden" sind bei Johannes meist die
religiösen Führer in Jerusalem gemeint (59,120).
39
D.h.
keine buchstäbliche Taube, sondern ein Symbol für den Heiligen Geist.
40
Bezieht
sich entweder auf den Einzigartigen oder vielleicht auf das Wort Herrlichkeit,
und eher nicht auf den Vater (25,II,49; 13,5). - Diese Herrlichkeit offenbarte
sich in Jesus bei seinen Wundern, beim ersten Wunder (Joh 2,11) und beim
größten Wunder (Joh 11,40), sowie auf dem Berg der Verklärung (Lk 9,32). Am
größten offenbarte sich diese Herrlichkeit aber eben dem Johannes in Offb 1,12-17.
Darum ist es kein Wunder, dass gerade er diese Worte schreibt.
41
Das Gesetz wurde gegeben, die Gnade aber wurde offenbart in einer
Person, nämlich in Jesus. Er war die Gnade Gottes in Person.
42
Die Juden kannten nur die Proselytentaufe, mit der Heiden zum Judentum
konvertierten. Indem Johannes eine solche Taufe an Juden praktiziert, behandelt
er sie sozusagen als Heiden die sich bekehren müssen (65,I,435).
43
Es ist bedeutsam, dass Jesus sie nicht fragt: "Wen sucht ihr?" Er wusste
ja alles (vgl. Joh 1,48; 2,24-25), und darum wusste er auch, warum sie ihm
folgten und was sie versuchten herauszufinden. Sie suchten etwas
Bestimmtes: sie wollten persönlich herausfinden, ob Jesus wirklich das Lamm
Gottes (Vers 36) von Jesaja 53,7ff ist, d.h. ob er der Messias ist. Sie suchten
den Messias und sie fanden ihn (Vers 41). - Es gibt verschiedene Arten,
wie Menschen an Jesus gläubig werden. Manche suchen nach der Wahrheit, wie hier
und Gott offenbart sich ihnen. Andere werden von solchen die schon gläubig
sind, zu Jesus geführt (Vers 42). Wieder andere sucht Jesus selbst (Vers 43: "findet
er…"; Lk 19,10). Und manchen sehr skeptischen offenbart sich Jesus auf
besondere Weise (Vers 48ff). Allen gemeinsam ist, dass sie erwählt sind vor
Grundlegung der Welt und darum zum Glauben kommen (Apg 13,48).
44
Manche Hs. haben πρωτος: "Als erster findet Andreas…", d.h. er fand
seinen Bruder Simon früher, als Johannes seinen Bruder Jakobus fand (25,II,99).
Jedenfalls war sein Bruder der erste,
den er zum Herrn führte, später sollte er noch viele andere zum Herrn führen.
Nach frühen Berichten soll er über Kleinasien hinaus, bis Ostanatolien und
Georgien missioniert haben und ihn Patras gekreuzigt worden sein.
45
Noch bevor Simon Jesus kennt, kannte Jesus schon seine Vergangenheit und
Zukunft, weil Simon Petrus von ihm "erkannt ist vor Grundlegung der Welt". Zuerst gibt ihm Jesus zusätzlich zu seinem
Geburtsnamen Simon, den Beinamen Kephas bzw. Petrus, um anzudeuten, was Petrus
werden sollte. In Mt 16,18 sagt er ihm dann, dass er durch sein Bekenntnis zum
ersten Felsstück (hebr.: keph) auf dem Fundament der Gemeinde geworden
ist.
46
Die Rabbiner zurzeit Jesu erwarteten nach Dtn 18,18 den "vornehmsten
Propheten" den sie "Josephs Sohn" nannten und der die
angekündigten Demütigungen und Leiden des Messias erdulden sollte. Sie sahen
ihn weder als König noch als Messias an (25,II,95). Dennoch ist Dtn 18,18 eine
eindeutige Prophezeiung auf Jesus.
47
Nicht die Sünden (Plural) der Welt, sondern die Sünde (Singular)
der Welt (vgl. Röm 5,12). Das ist die durch Adams Ungehorsam entstandene
Trennung von Gott, die Jesus am Kreuz für alle Menschen, ja für die ganze
Schöpfung, weggenommen hat, sodass alle in Buße und Glaube zu Gott kommen könnten,
um aufgrund von Glauben durch den Herrn Jesus Christus versöhnt und erlöst zu
werden. Aber nur die "Vielen" (Jes 53,12c; Mt 20,28; Heb 9,28 ua.), die
diese Vergebung durch Buße und Glaube in Anspruch nehmen, haben die Vergebung von
allen ihren Sünden.
48
Erst echte Buße öffnet die Augen für die Notwendigkeit eines Opfers für Sünden
(Apg 26,18).
49
Da zuvor das Wort "Leben" ohne Artikel war, könnte der Artikel hier
eine demonstrative Bedeutung haben: "…dieses (göttliche) Leben
war…" (siehe: 13,53 [165]).
50
Das Präsens der lebendigen Erinnerung (25,II,50).
51
Johannes wusste, dass er nicht buchstäblich Elija war, sondern dem Messias nur "im Geist Elijas" vorausgehen sollte, wie es schon der Engel
dem Zacharias in Lk 1,17 erklärte. Johannes verstand die Prophezeiung in Mal
3,23-24 richtig, indem er im Vers 24 eine Vorerfüllung in seiner Person
erkannte, die Enderfüllung aber erst in der Zukunft, wenn Elija buchstäblich
wiederkommen wird. Auch Jesus selbst hat später diese Unterscheidung gemacht
(Mt 11,14).
1
Ps 69,10. In der LXX steht der Ind.Aor.: "...fraß mich auf". Mit dem Wechsel
zum Futur wird die Bibelstelle auf seinen bevorstehenden Tod angewendet. Ein
schönes Beispiel, wie das AT durch die Apostel ausgelegt und angewendet wird.
2
Die Anrede "Frau" ist durchaus respektvoll, allerdings gegenüber
der eigenen Mutter ungewöhnlich. Sie soll Distanz aufzeigen. Die folgenden
Worte sind allerdings eine harsche Zurechtweisung: "Lass mich in
Ruhe!" od. freier: "Was kümmerst du dich um meine
Angelegenheiten!" (21,I,703; 2,528; 65,I,440). Damit leugnet Jesus sein Mutter-Sohn
Verhältnis zu Maria, da sie bloß seine leibliche Mutter, und nicht die "Mutter-Gottes"
ist. Sie möchte, dass er ein göttliches Wunder tut, - was andererseits auch
ihren Glauben bezeugt.
3
Gemeint ist die Stunde seines Todes: Joh 7,30; 8,20; 13,1; 17,1; Lk 22,14.53.
Das darauffolgende Wunder ist ein "Zeichen", d.h. es ist eine Illustration über den Zweck
seines Opfertodes: Wenn die eigene Freude zu Ende ist (= der Wein geht aus),
schenkt er wahre Freude, indem er die eigenen Anstrengungen (= die
Reinigungssitten des AT) beiseiteschiebt und anstelle dessen eine Reinigung
durch seinen Opfertod am Kreuz aus Gnade (= die Fülle an neuem Wein) schafft.
4
Das 1.Passahfest, wahrscheinlich März/April 28 n.Chr. Es wird nicht mehr das Passah
des Herrn genannt, sondern das Passah der Juden. Die drei Passahfeste sind in
Joh 2,13; 6,4 und 11,55.
5
Sie wechselten mit hohem Gewinn das ausländische Geld der Festpilger in
jüdisches Kleingeld, das von den jüdischen Pilgern aus der Diaspora zum Kauf
der Opfertiere und für den Halb-Schekel für die Tempelsteuer benötigt wurde.
Sie machten ein Geschäft mit der Religion, was Jesu heiligen Zorn auslöste.
6
Jesus ist der wahre Tempel; vgl. Joh 3,14; 6,30; 7,37; 8,12; 19,23. In ihm
wohnte die Herrlichkeit Gottes (Kol 2,9).
7
Denken die Juden vielleicht an Mal 3,1-3 und wollen sagen: "Bist du
etwa der Messias, dass du dies tun darfst"?
8
1 Maß entspricht ca. 39,5 Liter pro Tongefäß also mindestens 100 Liter. 6
Tongefäße zusammen ergaben also etwa 600 Liter Wein! Und dass, obwohl die Leute
schon betrunken waren (V.10). Jesus wollte offensichtlich ein Zeichen setzen.
Wein war ein Symbol für Freude (Ps 104,15a). Durch die Reinigung, die er
gibt, bekommt man wahre Freude in Fülle.
9
D.h. den alten und abgelegenen Wein.
10
Das geschichtliche Kana in Galiläa lag wahrscheinlich 13 km nördlich von Nazareth,
die
genaue Lage kann aber nicht mehr nachgewiesen werden. Wahrscheinlich entspricht
es dem heutigen, nur noch in Ruinen
erhaltenen "chirbet kana" (46,108-113), während das heutige Kana (kefr kenna),
6 km nordöstlich von Nazareth, erst später als das Kana des Evangeliums
angesehen wurde, was auch möglich wäre (vgl. 47,z.St.; 65,I,439). Kana
war der Ort des ersten Wunders Jesu, die Heimat des Nathanael, nach manchen
auch die des Simon.
11
Im Johannes-Evangelium heißen die großen Wunder Jesu "Zeichen", weil
sie die Beglaubigung Jesu durch Gott an- und aufzeigen sollen. Sie
zeigen, auf welche Art und Weise Gott durch Jesus wirkt. Obwohl Jesus viel mehr
Zeichen tat (Joh 2,23; 20,30) werden im Johannes-Evangelium nur sieben Zeichen
erzählt: (1.) das Weinwunder von Kana; (2.) die Heilung des Beamtensohnes in
Kap. 4, 46-54; (3.) die Heilung des Kranken am Teich Betesda in Kap. 5,1-9;
(4.) die große Speisung in Kap. 6,1-15; (5.) der Gang Jesu auf dem Wasser in
Kap. 6,16-21 (nicht ausdrücklich als "Zeichen" genannt); (6.) die
Heilung des Blindgeborenen in Kap. 9,1-7; (7.) die Auferweckung des Lazarus in
Kap. 11,1ff (vgl. 47,z.St.).
12
Mit diesem Ausdruck sind im Johannes-Evangelium oft die jüdischen Führer
gemeint.
13
Herodes regierte ab 40 v.Chr. Im 18.Jahr seiner Regierung begann er mit der
Renovierung des Tempels, also hätten wir hier das Passah des Jahres 28 n.Chr.
(21,I,710; 65,I,442).
14
Nach Ansicht des Talmuds soll der kommende Messias einen neuen oder veränderten
3.Tempel errichten (46,324; 65,I,442), andere wiederum glaubten, der Tempel
würde ewig stehen.
15
Dies war ein großer Eklat für den Gastgeber, der ihn noch Jahre später zum
Gespött gemacht hätte. Jesus hilft ihm in einer großen Not (65,I,439). Doch viel
mehr geht es Jesus darum, seinen Jüngern seine Herrlichkeit zu offenbaren und
seinen Kreuzestod vorauszusagen.
16
Er war für den reibungslosen Ablauf des Festes verantwortlich, besonders aber
für die Einteilung des Weines durch angemessenes Verdünnen mit Wasser. Die
Gäste hatten anscheinend schon zu viel getrunken (Vers 10), weshalb der Wein
ausgegangen war. Ein Beweis dafür, dass Wein damals vergoren war und es sich
nicht um Traubensaft handelte. Soweit wir wissen, haben die Juden Traubensaft
nicht konserviert.
17
Eine
Geißel oder Peitsche aus Stricken geflochten. Ein bei den Römern sehr
verbreitetes Instrument zur Bestrafung, dort aber mit spitzen Knochen- und
Metallstücken besetzt, was hier bei Jesus sicher nicht der Fall war.
18 Kafarnaum lag am See Genezareth, ungefähr 200 Meter unter dem Meeresspiegel, während Kana etwa 300 Meter darüber liegt (54,z.St.).
1 Von den vielen die wegen der
Zeichenwunder nur äußerlich an ihn "glaubten" (Joh 2,23ff), kam einer,
um genauer nachzufragen. Er kam danach noch öfters und wurde ein geheimer
Gläubiger. Vgl. Joh 19,39 "...das erste Mal". Dieser Pharisäer und
Ratsherr Nikodemus, der Schriftgelehrte Israels (vgl. Joh 3,10), spielt
nur im Johannes-Evangelium eine Rolle. In Joh 7,50-51 tritt er im Hohen Rat für
Jesus ein, in Joh 19,39 trägt er zur ehrenvollen Bestattung Jesu bei.
Möglicherweise ist er ident mit dem im Talmud genannten Bonai Nikodemus, dem
Sohn des Gorion, der auch in Jerusalem lebte und ein Jünger Jesu war (21,I,711;
62,184; 65,I,442). Der Talmud schreibt, dass dieser Nikodemus im Nebenberuf ein
Wassersucher war und dadurch im wasserarmen Palästina sehr reich wurde. Er soll
allerdings sehr arm gestorben sein. Der Talmud könnte diese Geschichte
berichtet haben, um andere Pharisäer zu warnen, nicht auch Jünger Jesu zu
werden so wie Nikodemus, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie dieser.
2 od.: von oben her (62,184);
vielleicht ein doppelsinniges Wortspiel: vom Himmel, d.h. von Gott, her und
daher von neuem geboren (2,z.St.). Jedenfalls ist bemerkenswert, dass nicht das
Wort νεος oder καινος gebraucht wird.
3 "...auf diese
Weise (und nicht wie ihr es euch vorstellt), muss..."
(20,II,159).
4 "...der Vertrauende auf
ihn,…" wäre: "...εις αυτον" so wie in Kap 3,16.18.36;
4,39; 6,40 und 1Joh 3,15 (27,204; 21,I,716).
5 Perf.: d.h. der sich noch
im Zustand des Unglaubens befindet.
6 Der Artikel macht
deutlich, dass Nikodemus entweder so etwas wie der "Chef-Theologe" (hebr.:
Chakam) im Synedrium war, oder im Sinne von: "Du lehrst Israel und…".
7 Offenbar will Jesus den
schriftkundigen Nikodemus auf Spr 30,3-4 hinweisen. So wie alle anderen
Menschen, hatte auch Nikodemus "keine Erkenntnis des Heiligen", weil noch
nie jemand "zum Himmel hinaufgestiegen und wieder herabgefahren" ist,
um zu berichten, was im Himmel ist. Jesus aber, der Sohn Gottes, war vor seiner
Menschwerdung im Himmel und kam als der Menschensohn herab, um uns die
himmlischen Dinge zu sagen. - Es besteht kein Widerspruch zur Himmelfahrt des
Elija, denn Elija wurde zwar zum sichtbaren Himmel entrückt (2Kön 2,1),
danach aber war er, wie alle Heiligen des AT, noch nicht im Himmel, sondern im
Schoß Abrahams im Hades.
8 Ptz.Aor. der
Vorzeitigkeit.
9 Der schriftkundige Nikodemus
hätte dies von Hes 36,25-27 schon wissen müssen.
10 Änon lag im nördlichen
Samarien, südlich von Bet-Schean, einem Quellgebiet. Änon meint die Quellen
beim heutigen Tell Schalem, die so stark sind, dass sie große
Fischteiche speisen. Salim liegt 12 km südlich von Skythopolis (dem
alttestamentlichen Beth-Schean), der einzigen westjordanischen Stadt des
Zwölfstädtegebietes. Johannes hat seinen alten Taufort vielleicht gewechselt,
weil er diesen Taufplatz dem "Bräutigam" Jesus überlassen wollte. Der
neue Taufplatz bei Änon lag abseits der Herrschaftsgebiete der Herodessöhne und
an einem wichtigen Verkehrsweg. Er war sowohl von Judäa als auch von Galiläa
für Bußwillige gut erreichbar. Eine Fährverbindung führte dort auch über den
Jordan (46,250f.257; 54,z.St). - Jesus,
oder wie in Joh 4,2 berichtigt wird seine Jünger, tauften im südlicheren Judäa
(vgl. 47,z.St.).
11 Wie beim Wind, kann man den
Vorgang der Wiedergeburt nicht sehen, wohl aber ihre Auswirkung.
12 Präsens: als bleibenden
Besitz. - Damit dürfte die Rede Jesu enden und die folgenden Worte dürften vom
Apostel Johannes sein (21,I,717).
13 Ein historischer Ind.Aor.
und nicht ein Präsens! Die Liebe Gottes zur Welt bestand darin, dass er an
einem bestimmten historischen Zeitpunkt der Geschichte, seinen Sohn als
Opferlamm in die Welt schickte (65,I,444). Eigentlich ist es nicht korrekt,
aufgrund dieser Bibelstelle zu sagen, dass Gott auch jetzt die Welt liebt (was
das Präsens erfordern würde), so sehr dieser Gedanke auch Allgemeingut geworden
ist. Tatsächlich hasst Gott die Sünde und alles Böse in der Welt, und der
Sünder steht unter dem Zorn Gottes, solange er sich nicht bekehrt (Joh 3,36b; Röm
1,18ff). Daher ist es nur logisch, wenn Johannes sagt "liebt nicht
die Welt" (1Joh 2,15).
14 Der Mensch muss nicht erst
ein gewisses Maß an Sünden anhäufen, um unter dem Zorn Gottes zu stehen. Er
steht seit Geburt unter dem Zorn (Ps 51,5) und ist auf dem breiten Weg
unterwegs in die ewige Verdammnis. Nur die Buße, die Bekehrung und der Glaube
kann ihn auf den schmalen Weg führen, der ins ewige Leben mündet.
15 Wasser ist ein Symbol für
Reinigung. Jesus möchte damit auf die Taufe des Johannes hinweisen, der
diejenigen die Buße taten mit Wasser taufte zur Vergebung der Sünden und
damit für sie der Wegbereiter für den wurde, der mit Heiligem Geist
tauft (vgl. Joh 1,31; Mt 3,11; Tit 3,5).
16 Hier kommt eine gewisse
Ungeduld zum Ausdruck (13,80).
17 Die Verse 19-21
beschreiben, warum Menschen nicht an Jesus glauben wollen, - sie wollen
ihre bösen Taten weiter ausüben und nicht Buße tun. Vgl. auch Röm 2,6-10
18 Jesus denkt dabei
vielleicht an Personen wie Simon Petrus, Nathaniel (Joh 1,42.47), und vielleicht
auch an Nikodemus selbst. Auch Paulus beschreibt in Röm 2,7 solche Menschen,
und Kornelius war auch so jemand (Apg 10,1-2.22.34-35.). Sie sind nicht gerecht
aus sich selbst, sondern werden vom Vater zum Sohn gezogen (Joh 6,43). Sie kommen
zum Licht, um vom Licht vollends erleuchtet zu werden und dann an das Licht zu
glauben (Joh 12,36.46; 7,17). "Die aufrichtige Liebe zum Guten, macht für
den Glauben empfänglich" (F.Godet). Dies ist kein Widerspruch zur völligen
Verderbtheit des Menschen (Röm 3,10ff).
19 Das Königreich Gottes ist bei Johannes nicht das zukünftige Friedensreich, sondern der geistliche Herrschaftsbereich wo Gott jetzt schon regiert (vgl. Joh 18,36).
1 Fortsetzung in Vers 43
2 Beschreibender Impf.: "ohne weitere Umstände, so wie
er war" (20,185).
3 Das wäre nach römischer
Zeitrechnung ca. 6 Uhr abends (34,I,405.408). Johannes verwendet in seinem
Evangelium die römische Tageszeit, weil nach der Zerstörung des Tempels 70
n.Chr. die jüdische Tageszeit nicht mehr üblich war. Das passt auch zu den
Umständen. Die Reise von Bethanien nach Galiläa dauerte 3 Tage (46,222). Sychar
wäre dann die erste Tagesetappe gewesen und Jesus war dementsprechend müde von
der Reise. Die Hauptmahlzeit findet im Orient am Abend statt, darum waren die
Jünger einkaufen gegangen, zu Mittag ging niemand einkaufen. Jesus blieb dann
bei den Samaritern über Nacht (Vers 40). Die jüdische Zeitrechnung (12
Uhr mittags) nur deshalb anzunehmen, weil die Frau allein am Brunnen war, ist
nicht nötig. Sie könnte abends kurz vor den anderen Frauen gekommen sein. Um 12
Uhr mittags ging jedenfalls keine Frau hinaus, um Wasser zu holen, denn da war
es viel zu heiß. Vgl. die Anm.2 bei Mt 20,8 und die Anmerkungen bei
Joh 18,28 und 19,14
4 Vgl. den Gegensatz zu
Rebekkas Reaktion in Gen 24,17-18
5 od. prädikativ: "Was
du sagtest, ist richtig".
6 Das "Du" ist
betont vorangestellt: "...ist nicht dein Ehemann (sondern der einer
anderen Frau)" (65,I,449). Welchen Effekt hatte diese Direktheit Jesu auf
die Frau? Einen positiven → Vers 29.39
7 od.: "Jetzt schon
empfängt der Erntende Lohn".
8 Kafarnaum lag am
Nordwestufer des Sees Genezareth, ungefähr 200 m unter dem Meeresspiegel, ca.
50 km von Kana entfernt, das etwa 300 m über dem Meeresspiegel liegt (54,z.St.). Es war also eine beschwerliche ca.
7-stündige Tagesreise für den Beamten (20,206; 46,113). Jesus war davor schon
einmal in Kapernaum (Kap 2,12), aber damals kam der Beamte noch nicht zum
Glauben. Er brauchte offenbar eine große Not und ein großes Wunder, um zu
glauben. Dieses Wunder bestand für ihn darin, dass Jesus über Entfernung heilen
konnte. Manche meinen der Beamte war Chuza, dessen Frau mit Jesus mitzog (Lk
8,3). Doch dafür gibt es keine sicheren Beweise. Jedenfalls war es ein Beamter
von König Herodes Antipas. Herodes Antipas lebte mit Herodias im Inzest zusammen
und Jesus nennt ihn einen Fuchs. Dennoch tat Jesus ein Wunder für diesen
Beamten.
9 Der noch heute erhaltene
Jakobsbrunnen ist 32 Meter tief und war eher ein Straßenbrunnen als ein
Ortsbrunnen. Da sein Grundwasser aber immer frisch nachfließt ("lebendiges
Wasser"), wurde er vielleicht auch von den Bewohnern des nahegelegenen
Sychar gerne aufgesucht. Im AT wird dieser Brunnen nicht erwähnt (vgl. 47,z.St.;
46,228).
10 Sie ist überführt, stellt
aber eine ablenkende Frage, wie Menschen dies so oft tun, wenn sie mit der
göttlichen Wahrheit konfrontiert werden.
11 Durativer Impf.:
"...kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus". Von einem jüdischen
Mann, besonders einem Rabbi, verlangte die Sitte strenge Zurückhaltung
gegenüber einer Frau (vgl. 47,z.St.).
12 od.: "Ist dieser
vielleicht der Messias?" Die erwartete Antwort ist unsicher (2,z.St.).
13 Kana lag höher als
Kapernaum.
14 Wahrscheinlich als zärtliche Verniedlichungsform (25,II,206).
15 Sieben Uhr abends nach der
amtlichen römischen Zeitrechnung, die nach der Zerstörung des Tempels 70 n.Chr.
auch unter den Juden üblich war (25,II,206). Wenn der Beamte vor Sonnenaufgang von
Kapernaum aufbrach, war er nach dem beschwerlichen 7-stündigen Tagesmarsch
tatsächlich erst gegen Abend in Kana, was erklärt, warum er erst am nächsten
Tag nach Kapernaum zurückkam (46,113).
16 Das erste Zeichen in
Galiläa war in Kap 2,1ff die Verwandlung von Wasser in Wein in Kana.
17 Jesus zog nach Galiläa, um
zu beweisen, dass ein Prophet kein Ansehen in seiner Heimat hat. Der nächste
Vers scheint ein Widerspruch dazu zu sein: "...sie empfingen ihn",
aber sie empfingen ihn nur wegen der Wunder, die sie in Jerusalem gesehen
hatten (vgl. Joh 2,23-25). Aber Wunderglaube ist kein echter Glaube und am Ende
bestätigte sich Jesu Urteil, denn nur ein Mann glaubte wirklich mit
seinem Haus an ihn (V.53).
18 Der kürzeste Weg vom
Jordan nach Galiläa führte durch die Landschaft Samarien, die das Gebiet von
der Ebene Jezreel bis zur Grenze Judäas umfasste, also die ganze Gegend
zwischen Galiläa im Norden und Judäa im Süden. Am Jakobsbrunnen, etwa 1 km
südwestlich von dem Ort Sychar, gabelte sich der Weg nach West-Galiläa und zum
See Genezareth. Vom Jakobsbrunnen aus gesehen der im Osten liegt, erhebt sich
südwestlich der Berg Garizim, nordwestlich der Berg Ebal (vgl. 47,z.St.;
25,I,184). Jesus "musste" nicht unbedingt durch Samaria ziehen, um
nach Galiläa zu gelangen. Der Weg durchs Jordantal wäre genauso möglich gewesen
und jeder andere Jude hätte sicherlich diesen Weg gewählt, denn das Gebiet von
Samaria wurde von frommen Juden eher gemieden, obwohl galiläische Festpilger
sich freier fühlten durchzuziehen (Josephus, Antiquitates XX,6.1). Die
Samariter waren zwar auch Verehrer Jahwes, aber seit der babylonischen
Wegführung ein Mischvolk aus Israeliten und Heiden (2Kön 17,1ff). Daher wurden
sie von den Juden als Abtrünnige angesehen, gemieden (vgl. V.9) und verachtet
(vgl. Es 4,2; Hag 2,10-14). Vielleicht ist dieses "muss" daher als
ein innerer Drang zu verstehen, was durch den Imperfekt gut ausgedrückt wäre:
er "muss" der samaritischen Frau begegnen und die reiche Ernte in
Samaria einbringen.
19 Das Gespräch fand in der
Nähe des 881 m hohen Berges Garizim statt, auf dem die Samariter im 4.Jhdt.
v.Chr. ihren eigenen Tempel gebaut hatten und dort Jahwe verehrten (vgl. Dtn
27,4-8). Der Berg Garizim war der Berg des Segens, der direkt danebengelegene
Berggipfel Ebal, der Berg des Fluches. Der Seleukiden-König Antiochus IV.
entweihte diesen Tempel dann für Zeus, weshalb Johannes Hyrkanus (vgl. 1Makk
16) im Jahr 128 v. Chr. den Tempel zerstören ließ. Der Kult, vor allem das
Schlachten von Passahlämmern, wurde aber weitergeführt und ist bis heute lebendig
geblieben. Es war eine alte Streitfrage zwischen Juden und Samaritern, welches
der richtige Ort der Gottesverehrung sei (vgl. 47,z.St.; 52,II,698).
20 Auch die Samariter, die
nur die 5 Bücher Mose als Offenbarung anerkannten, erwarteten den in Dtn 18,18
verheißenen messianischen Propheten und nannten ihn "Hathab", der
Bekehrer, oder "El Muhdy", der Führer, oder "Taheb",
der Wiederhersteller (vgl. 47,z.St.; 21,I,729; 65,I,450).
21 Die beiden Wörter
"Quelle" und "Brunnen" (Strong Nr. 5421) werden hier in
Vers 6 und Vers 11 hintereinander gebraucht. Für die Samariterin ist die
"Jakobsquelle" nur ein "Brunnen" aus dem sie abgestandenes
Wasser schöpft, der Herr aber bietet ihr eine geistliche "Quelle" an,
aus der ihr lebendiges, d.h. fließendes und frisches Quellwasser
entgegensprudelt. Der Brunnen war ca. 23 m tief und wurde von einer
unterirdischen Quelle gespeist. Dennoch war das Wasser abgestanden. Heute heißt
der Ort Bir Jakub und liegt eine halbe Stunde südöstlich von Sichem an
der Nordwestseite des Berges Garizim. Sychar dürfte das heutige Dorf El Askar
sein, etwa 10 Minuten vom Brunnen entfernt (42,665).
22 Drei Stufen von Glauben
finden sich bei diesem Mann: (1.) Der Wunder-Glaube, dass Jesus seinen
Sohn heilen kann (V.47). (2.) Der Gehorsams-Glaube, dass Jesu Wort
stimmt und er auch über Entfernung hin heilen kann (V.50). (3.) Der rettende
Glaube (V.54). Jeder Mensch muss zum dritten Glauben durchdringen, um gerettet
zu werden.
23 Eigentlich hätte der Vater
nun zufrieden sein können, er hatte empfangen, worum er gebeten hatte. Viele
Menschen stoppen an diesem Punkt, - Gott hilft ihnen und sie begnügen sich
damit. Doch dieser Mann wollte wissen, wer Jesus wirklich ist und (an)erkannte
ihn als den allmächtigen Sohn Gottes.
24 Für die Juden zurzeit Jesu
war es unschicklich, dass ein Mann, noch dazu allein, eine Frau ansprach. Es
galt im Lichte von Gen 29,10 schon fast wie ein Flirtversuch (65,I,448). Daher
die schnippische Antwort der Frau?
25 Die Weizenernte begann von
Mitte April und dauerte bis Ende Mai. Es war also Mitte Dezember (65,I,4511). Vom
Jakobsbrunnen aus sah man gegen Norden hin weite Kornfelder (25,II,197).
26 Vielleicht meint er damit
im übertragenen Sinn die Samariter, die sich unmittelbar danach bekehrten (Vers
41).
27 Ein Prädikats-Nomen (2,z.St.). Daher ist nicht zu übersetzen: "Gott ist ein Geist".
28 Sychar war eine Stadt am Osthang des Berges Ebal (54,z.St.).
1 Spätere Hs. haben hier noch die Verse 3b-4: "…die auf die Bewegung des Wassers warteten.
Denn zu gewissen Zeiten stieg ein Engel in den Teich herab und bewegte das
Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, wurde gesund,
mit welcher Krankheit er auch behaftet war". Das ist sicher eine spätere Texterweiterung,
die Volksmeinung, um die Umstände der Situation für Leser die Jerusalem nicht
kannten verständlich zu machen (27,209).
2 Wahrscheinlich das Purimfest im März 29
n.Chr., zur Erinnerung an die Befreiung der Juden durch Königin Esther
(25,II,212). Weniger wahrscheinlich das Laubhüttenfest (65,I,453) oder andere
Feste.
3 Hebr.: Haus der Barmherzigkeit (od.: Haus
des Ausgusses?). Einige Hs. haben βηθζαδά = Haus der Oliven (27,208). Der Ort
lag wahrscheinlich an der Stätte des heutigen St.Anna Klosters (65,I,453). Noch
im 5.Jhdt. n.Chr. wurden diese Säulenhallen hergezeigt (25/II,215).
4 Ingressiver Aor.: "…dann, wenn das
Wasser sich zu bewegen beginnt". Da sich unterhalb Jerusalems ein
tektonischer Bruch durchzieht, könnte die zeitweise Aufwallung des Wassers
durch das Freiwerden von unterirdischen Gasen verursacht gewesen sein. Noch im
Mittelalter wurde in diesem Teich von einem Pilger ein Wasserwirbel beobachtet
(46,326f), und eine warme Quelle, die zeitweise aussetzte und dann wieder
sprudelte, wurde noch im 19.Jhdt. dort beobachtet (25,II,215).
5 D.h. zu Heilen. - Hier beginnt der
Widerstand der Juden gegen Jesus und wächst immer mehr an. Vgl. Joh 5,18; 7,25.44;
8,59; 10,31; 11,53; 12,37-41, usw.).
6 Jesus sagt nicht: "unser
Vater", oder "der Vater", das hätten die Juden akzeptiert
(Kap.8,41b), aber zu sagen: "Mein Vater", ist in ihren Augen
eine Gotteslästerung.
7 Hier ohne Art.: d.h. einer der als
vollkommener Mensch auf dieser Erde gelebt hat, wird die Menschen
richten! Derjenige der am Kreuz für die Menschen starb, wird dann diejenigen
richten die sein Opfer nicht angenommen haben. - In Joh 1,51; 9,35 ua. ist dagegen
mit Artikel der Menschensohn nach Dan 7,13ff gemeint.
8 Wer glaubt kommt gar nicht in dieses Gericht
(V.24; Joh 3,18), wer nicht glaubt kommt auf jeden Fall in dieses Gericht (Joh
3,18). Also kommen die Gläubigen zur Auferstehung zum Leben, die Ungläubigen
aber zur Auferstehung zum letzten Gericht vor dem großen weißen Thron (Offb
20,11ff).
9 Das Zeugnis des Vaters sind die Werke, die
Jesus tut, weil ihm der Vater dazu die Vollmacht gegeben hat. Dass er sie
ausführt beweist, dass der Vater hinter ihm steht.
10 Wahrscheinlich der Vater und nicht Johannes.
Das beweist auch der Ind.Präs.: er bezeugt (immer wieder). Wäre Johannes
gemeint, würde man wie in Vers 33 den Ind.Perf. erwarten.
11 Sehr feierlich: "Da steht er, der euch
anklagt, Mose..."
12 Jesus sucht nicht die "Publicity"!
13 Impf.: sie suchten immer wieder eine
Gelegenheit.
14 Dem Zustand des geistlichen Todes; viell.:
der Verurteilung zum Tod? (2,540f).
15 Dies ist das Hören des persönlichen Rufes an
die Erwählten; vgl. 2Tim 1,9; Offb 17,14.
16 Wahrscheinlich Gen.obj.: die Liebe zu Gott;
viell. aber Gen.subj.: die Liebe von Gott.
17 Jesus fordert zuerst Glaube, dann Gehorsam.
Das ist Glaubens-Gehorsam.
18 In Anlehnung an Jer 17,21. Doch der
Textzusammenhang in Jeremia zeigt, dass es dort darum geht am Sabbath keinen
Handel zu treiben, um sich zu bereichern!
19 Die Auferstehung zum Leben, die von Jesus
hier ganz allgemein angekündigt wird, findet zu verschiedenen Zeitpunkten
statt: (1.) Nach 1Thes 4,13ff zuerst die leibliche Auferstehung der Gläubigen
der Gemeinde, der "Toten in Christus", bei der Entrückung. (2.) Die
leibliche Auferstehung der alttestamentlichen Gläubigen (Dan 12,2.13; Jes
26,19; Mt 8,11) zu Beginn des tausendjährigen Reichs. (3.) Diejenigen die mit
ihren vergänglichen Körpern ins tausendjährige Reich eingehen werden, - der
jüdische Überrest der 144.000 und die Schafe aus den Nationen (Mt
25,31-46), - werden im tausendjährigen Reich
ein sehr hohes Alter erreichen (Jes 65,20.23) und eines natürlichen Todes
sterben. Sie werden dann wahrscheinlich am Ende des tausendjährigen Reiches mit
einem neuen Körper auferstehen (vgl. Offb 20,5), um auf ewig, zusammen mit den
schon Auferstandenen, auf der neuen Erde zu leben (Offb 21,3).
20 Die Auferweckung der Toten und das
anschließende Gericht war nach jüdischer Anschauung ausschließlich Gott
vorbehalten. Eines ihrer Gebete war: "Gott, der die Toten auferweckt"
(65,I,455). Darum spitzt sich ihr Vorwurf der Gotteslästerung ab hier zu (Joh
6,60ff) und bricht dann in Joh 8,59 vollends aus.
21 Nach jüdischem Verständnis beginnt das ewige
Leben erst nach der Auferstehung (65,I,456), Jesus lehrt etwas anderes.
22 Die Schriftgelehrten glaubten, dass man
durch das Lesen der Schrift ewiges Leben bekommen kann (69,I,457). Doch siehe
dazu:
https://drive.google.com/file/d/1EQC6GvotUUs2ueNT3XAn_wNrNW1y5VHG/view?usp=sharing
23 Diese Begebenheiten werden in Mk 1,14 - 2,22
und Lk 4,16 - 5,39 berichtet. Johannes lässt sie aus, weil er sich besonders
auf Begebenheiten konzentriert, die die anderen Evangelisten noch nicht erzählt
haben.
24 Das Präsens könnte darauf hindeuten, dass
das Johannes-Evangelium noch vor der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr.
geschrieben wurde, ein Ausdruck lebendiger Erinnerung ist es nicht, denn
Johannes war bei dieser Begebenheit offenbar nicht anwesend (vgl. Vers 1).
25 Das gilt auch für den Richterstuhl Christi, bei dem es nicht um unsere Sünden geht, sondern um Belohnung, oder keine bzw. wenig Belohnung.
1
Ps 78,24
2
Jes 54,13
3
Impf.: Es näherte sich aber das 2.Passahfest, wahrscheinlich März/April 29
n.Chr. Falls
die Ereignisse in Kap. 5 am Laubhüttenfest stattfanden (es könnte aber auch das
Purimfest im März gewesen sein), wäre inzwischen bis zum Passahfest ein halbes
Jahr vergangen (65,I,458).
4
Das Passahfest war das Fest der Erlösung, daher bezieht sich Jesus auch in der
folgenden Rede (V.51-58) darauf, dass er das wahre Passahlamm ist, welches zur
Erlösung "gegessen" werden muss.
5
Ca. 4-5 km.
6
Konativer Impf.: Nun waren sie gerne willig (nachdem sie sich vorher
fürchteten), ihn ins Boot zu nehmen, wie auch Mk 6,51 bestätigt. Und sogleich
waren sie auch schon an Land, obwohl die Fahrt noch ca. 45 Minuten gedauert
hätte (62,330; 20,257). Entweder es war ein weiteres Wunder (25,257; 48,384), eher
aber waren sie von dem Ereignis so ergriffen, dass sie die vergehende Zeit gar
nicht wahrnahmen.
7
Fut.: weil erst durch seinen Tod (Passah).
8
Die Präs. offenbaren ihre Werksgerechtigkeit: "Wie können wir Gott
zufriedenstellen"? Dennoch priesen auch die Rabbis das Werk (Singular)
Gottes von Abraham und meinten damit seinen Glauben (65,I,461).
9
Nicht: "…auf dich vertrauen", wie in Vers 29, sondern ganz
allgemein: "glauben was du sagst".
10
Angesichts des großartigen Zeichens der Brotvermehrung eine ungeheuerliche
Frechheit.
11
Denn das Manna war nicht wirklich aus dem Himmel, sondern nur vom
sichtbaren Himmel. Darum Jesu Klarstellung in V.32: Er kommt wirklich aus
dem unsichtbaren Himmel.
12
Sie dachten immer noch irdisch: allezeit, d.h. täglich. Jesus aber meinte: ein
für alle Mal.
13
Im Gegensatz zu Vers 36 (ωραω) ein beschauliches, nachdenkliches (= Ptz.Präs),
und letztlich zum Glauben führendes Betrachten.
14
Es waren ja die Leute aus Kafarnaum und Umgebung (V. 17.59). Nazareth war ca.
30 km entfernt, daher kannten sie Jesu Eltern eher als die Juden aus Judäa.
15
Jesus wechselt vom Bild des Manna zum Passahlamm, daher "Fleisch". Er
meint seinen bevorstehenden Opfertod am Kreuz, daher Futur: "…geben werde".
16
Das Passahlamm wurde als Ganzes am Feuer gebraten, daher war es innen noch
immer halb roh. Man musste beim Essen gut kauen. Der Übergang von φαγω (essen) zu
τρωγω (kauen) ist daher bemerkenswert. Von Vers 54 an, beginnt Jesus sich
offensichtlich mit dem Passahlamm zu vergleichen, das die Juden
"kauen" und dessen Blut sie an die Türpfosten streichen mussten, um
Erlösung zu haben.
17
Hier spricht Jesus zuerst nur vom Essen φαγω, in Vers 13 zeigt sich dann, dass
die Speisenden (βιβροσκω) begierig das große Mahl verschlangen, weil sie
ausgehungert waren, und, dass sie von dem Mahl auch völlig gesättigt wurden.
18
Also sind auch die Verse 53-55 nicht buchstäblich auf eine Transsubstation (Eucharistie)
zu beziehen, sondern auf den persönlichen Glaubensakt, durch den man Jesus
Christus als seinen Herrn aufnimmt.
19
Erwartet eine verneinende Antwort: "Ihr wollt doch nicht etwa auch
fortgehen, oder"?
20
Von dem das Manna nur ein Typus war. Auch die Schriftgelehrten gebrauchten den
Begriff Manna als Symbol für geistliche Nahrung (65,I,462).
21
Ergänze.: "…was werdet ihr erst dann sagen"?
22
Wahrscheinlich neben dem einfachen: "Ich bin es", auch eine
Anspielung auf den Gottesnamen Jahwe: "ICH BIN" (65,I,460).
23
Der See Genezareth heißt hier und in Joh 21,1 auch See von Tiberias. Die Stadt Tiberias
am See Genezareth,
wurde von Herodes Antipas 17 n.Chr. als neue galiläische Hauptstadt gegründet
und bevorzugt. Sie war reich geschmückt und zu Ehren des Kaisers Tiberius in
Tiberias umbenannt. Die Stadt wurde auf einem ehemaligen Friedhof erbaut und
galt daher für Pharisäer und Schriftgelehrte als unrein (vgl. Num 19,16), sie
betraten die Stadt nicht einmal. Herodes ließ deshalb galiläische Juden und
Fremde dort zwangsansiedeln. Die Haupteinnahmequelle der Bewohnerschaft war die
Fischerei. Die heißen Quellen in der Nähe galten als heilkräftig. Obwohl Tiberias
eine heidnische Stadt war, wurde sie erstaunlicherweise nach der Zerstörung
Jerusalems, nachdem die Stadt im 2.Jhdt "gereinigt" wurde, der Hauptsitz
rabbinischer Gelehrsamkeit (33,1198; 52,V,812; 46,195f). Sonst wird die Stadt im Neuen Testament nicht
genannt und ist offenbar von Jesus nicht betreten worden. Das "andere
Ufer" ist das wenig bevölkerte Ostufer des Sees (vgl. 47,z.St.).
24
Die Leute hatten offenbar geglaubt, Jesus wäre am Abend davor mit einem kleinen
Boot (πλοιαριον, Strong Nr.: 4142) den Jüngern nachgefahren. Sie sahen aber
kein anderes Boot am Ufer, außer dem größeren Schiff (Strong Nr. 4143), mit dem
die Jünger gekommen waren. Erst danach kamen noch andere Schiffe aus Tiberias (Vers
23). Sie wunderten sich also, wie er wohl den Abend davor ans andere Ufer
gekommen war, und schlossen daraus, er wäre noch zurückgeblieben oder noch zu
Fuß (2-3 Stunden) nach Kafarnaum gegangen. Also fuhren sie mit den gerade
angekommen Schiffen nach Kafarnaum, hoffend Jesus dort zu finden, denn sie
hatten keine Erklärung dafür, wann und wie er zurückgekommen sein
könnte (25,II,259ff; 62,330ff; 92,z.St.). Für eine andere Erklärung siehe: 48,384;
21,I,751.
25
Das billigste Brot und daher die Speise der Armen. Auch Elisa (2Kön 4,42ff)
vermehrte solche Brote durch ein Wunder.
26
In den Versen 37-39 spricht Jesus deutlich aus, dass die Errettung eines
Menschen allein von Gott ausgeht, aus Gnade und nicht aus dem Willen des
Menschen. Es ist Gottes Wille (Vers 38) und sein ewiger Vorsatz (vgl. die Anmerkungen
bei Apg 13,48; Röm 8,28-30; 11,2; Eph 1,4-5; 2Tim 1,9; 2,10), einen Menschen mit
"heiligem Ruf" zu sich zu rufen. Eine "unwiderstehliche Gnade" (engl.: irresistible grace) ist damit
aber noch nicht ausgesagt (21,I,756), denn Menschen können das Angebot der
Errettung ablehnen (vgl. Joh 5,40; Mt 23,37b; Lk 7,30).
27
Sein Fleisch essen und sein Blut trinken heißt, seinen stellvertretenden
Opfertod für sich persönlich in Anspruch nehmen, so wie man durch das Essen des
Passalammes, dessen stellvertretenden Tod in Anspruch nahm.
28
Das Perfekt bedeutet "…(schon vorher) gegeben worden ist" und steht damit zeitlich vor dem "…zu mir kommen". Es spricht daher einerseits von der ewigen Erwählung
der Gläubigen schon vor Grundlegung der Welt (vgl. auch Vers 44 und Joh 17,6),
andererseits ist es zu denen gesagt, die nicht glauben wollen (Vers 64
und: Joh 5,40; Mt 23,37b). Es sind also nicht solche, die aufgrund einer
Vorherbestimmung zur Verdammnis nicht glauben können.
29
"Einer…", betont, weil Andreas zumindest das Wenige,
wenn auch mit Zweifel, zu Jesus bringt, während Philippus überhaupt keine
Möglichkeit sieht.
30
Nach
römischen Brauch mussten nach dem Essen Essensreste übrigbleiben, um die
Großzügigkeit des Gastgebers zu demonstrieren (65,I,459).
31
Falsche
Messiasse scharten im 1.Jhdt. gerne Menschenmengen in der Wüste um sich, um
dann in einer Stadt einen Aufruhr zu machen (65,I,459). Jesus wollte das
vermeiden.
32
Die
Jünger schickte er ans jenseitige Ufer nach Kafarnaum, und die Volksmengen entließ
er (Mt 14,22).
33
Nur
Gott kann auf dem Wasser gehen (Hiob 9,8; Ps 77,20).
34
Ptz.Präs.
statt Ptz.Fut, wie im Hebr. und Aramäischen (13,95; 44,303).
35
Entw. nach
dem Aramäischen kol de: "Jeden, den…"
(44,305; 62,339, Fußnote 37); oder ein verallgemeinernd gebrauchtes Neutrum: "Alle, die…" (2,z.St.; 7,z.St.).
36
Hier in der Bedeutung: auserwählt zum Apostelamt.
37
Zum
Thema Erwählung siehe die Anm. bei Joh 10,3 und die Grafiken: Überblick Erwählung im
NT.pdf - Google Drive und:
https://drive.google.com/file/d/134JvbIpKE4v77JkN-rb-0pN6pot9977Y/view?usp=sharing
38
Das bergige Hinterland im Gegensatz zur Uferebene. Zur Örtlichkeit
siehe die Anm. bei Lk 9,10
39 Konativer Impf.: sie peilten Kafarnaum als Ziel an (7,z.St.; 62,328; 92,z.St.), wurden dann aber in der Dunkelheit etwas abgetrieben.
40 Vielleicht soll damit angedeutet werden, dass diese Schiffe von Tiberias nach Bethsaida Julius unterwegs waren, in dessen Nähe die Brotvermehrung stattgefunden hatte.
41 Judas ist also nicht vom Glauben abgefallen, sondern er war von Anfang an nicht gläubig. Darum ging er verloren.
42 Hatte er ihnen versprochen zu ihnen zu kommen? - Zu einer möglichen Erklärung über dieses Wort siehe: 25,256.
43 Jesus konkretisiert das Präsens "gibt" von Vers 37, dann in Vers 39 und Vers 65 mit dem Perfekt "gegeben hat" und "gegeben worden ist", auf die vorzeitige ewige Erwählung.
1 viell.: "...zu diesem Fest (da,
sondern zum nächsten Passah an dem ich sterben muss)". Prophetisch
betrachtet musste sich das Passah zuerst erfüllen, erst dann in der Zukunft
wird sich das Laubhüttenfest im tausendjährigen Friedensreich Christi erfüllen.
Doch eher ist gemeint, dass er nicht in Begleitung seiner Brüder öffentlich zum
Fest gehen wollte, sondern nur heimlich, um unerkannt zu bleiben.
2 In Joh 2,13ff. kam er
öffentlich als Messias-König nach Jerusalem, in Joh 5,1ff. nur mehr als
einfacher Pilger, hier kann er nur mehr heimlich kommen. - Jerusalem war 4 - 5
Tagesreisen von Galiläa entfernt (54,z.St.).
3 Jesus bezieht sich hier
offenbar auf mehrere Stellen im Alten Testament, wahrscheinlich sind es
Anspielungen auf Ex 17,6; Num 20,8.11; Dtn 8,15; Ps 114,8; Jes 58,11; Sach
14,8. Diese Schriftstellen wurden wahrscheinlich am 8.Tag des Laubhüttenfestes
im Heiligtum vorgelesen (34,II,593; 54,z.St.). Andere denken an Jes 44,3; 55,1;
Joel 3,18; Hes 47,1ff. ua.
4 Jawohl: Nikodemus (V.50),
Josef von Arimathäa und etliche andere (Joh 12,42), glaubten an ihn, aber nicht
offen, aus Furcht vor dem Synagogenausschluss. Eine typische, unwissende
Einschüchterungsfrage, die ihre Wirkung nicht verfehlte.
5 Sah er die Gehilfen bereits
im Anmarsch?
6 od.: in der Öffentlichkeit
bekannt zu werden; od.: ohne Verschleierung zu handeln.
7 Erwartet eine bejahende
Antwort: "Mose hat euch doch das Gesetz gegeben, nicht wahr".
8 Fällt ein gerechtes Urteil
(2,z.St.).
9 Erwartet eine verneinende
Antwort: "Das kann doch wohl nicht sein!"
10 Manche teilen den Vers 21
und 22 auch folgendermaßen: "…staunt alle. Deswegen hat Mose euch die
Beschneidung gegeben…"; od. freier: "Doch eben deswegen hat euch Mose
die Beschneidung gegeben…, und folglich beschneidet ihr einen Menschen sogar am
Sabbat".
11 Doch, denn Jona war aus
der Nähe von Nazareth (2Kön 14,25). Wiederum eine typische, unwissende
Einschüchterungsfrage, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Nikodemus bleibt
stumm, aus Unwissenheit um Jonas Herkunft, oder aus Angst? Dies zeigt, dass es
mit ihrer eingebildeten Schriftkenntnis nicht so weit her war (vgl. auch Joh
3,10; Mk 12,24).
12 Die Geburt Jesu in Bethlehem
war demnach nicht allgemein bekannt, war er doch als der Sohn des Zimmermanns
aus Nazareth bekannt.
13 Das Laubhüttenfest ist
neben dem Passahfest und dem Pfingstfest das dritte große jüdische
Wallfahrtsfest, das eine Woche dauerte (Ex 23,16; Lev 23,42-44; Num 29,12-38;
Dtn 16,13-16). Es war ein Freudenfest und sollte an die Wüstenreise Israels
erinnern. Es fand zurzeit der Wein-, Obst- und Olivenernte im Oktober statt,
hier wahrscheinlich das Jahr 29 n.Chr. Während der Festwoche wohnten die Männer
in eigens dafür errichteten Laubhütten (vgl. 47,z.St.). Jede Nacht wurde der
Tempel festlich beleuchtet, wobei im Frauenvorhof vier große Leuchter
aufgestellt wurden, die die Umfassungsmauern des Heiligtums überragten und so
ihr Licht über ganz Jerusalem ausbreiteten; vgl. Joh 8,12 mit Joh 7,37
(59,382).
14 Es gab die Vorstellung,
dass der Messias eine Zeit lang verborgen sein sollte, und dann bei seinem
Auftreten zunächst unerkannt bleibt, bis Elija kommt und ihn dem Volk bekannt
macht. Andere meinten, der Messias komme versteckt in einer Wolke (65,I,467;
47,z.St.). - Zum Anstoß an Jesu bekannter Herkunft vgl. auch Joh 6,42
15 Der achte
("große") Tag des Festes war durch den Ritus des Wasserschöpfens
ausgezeichnet. Dies sollte daran erinnern, dass noch so viel Arbeit keine Ernte
hervorbringen würde, wenn nicht zur rechten Zeit Regen vom Himmel fiel
(85,I,145). Daran will Jesus mit seinem Ausspruch anknüpfen. Es bestand der
Brauch, dass beim Laubhüttenfest alle sieben Tage von einem Priester Wasser aus
der Quelle Schiloach geschöpft wurde. Dann zogen die Priester damit siebenmal
um den Altar und gossen es beim Morgenopfer auf den Brandopferalter. Am achten Tag wurden unter anderem Schriftstellen
aus Hesekiel Kap. 47 und Sach. 14,8 vorgelesen. An diesen Ritus scheint Jesus
mit seinem Ruf (Joh 7,37.38) anzuknüpfen (65,I,467; 47,z.St.). Vgl. Jes 12,3-6;
55,1ff und die Anm. zu Joh 8,12.
16 Mit dem Fluch über das
"gesetzesunkundige Volk" (hebr.: amme ha-`arez), ein
rabbinischer Ausdruck, wird eine Geringschätzung für alle die Juden bekundet,
die ungelehrt waren und sich nicht an die weitergehenden, von den Gesetzeslehrern
eingeschärften Vorschriften hielten (vgl. 47,z.St.; 65,I,469).
17 D.h., dass er der Messias
ist, wohl aber, dass er Wunder tat.
18 Judäa stand unter römischer
Autorität (Pilatus), Galiläa under der Autorität von Herodes Antipas. Der Grund
für Jesu Rückzug waren allerdings die Feindseligkeit der jüdischen Autoritäten
in Jerusalem und Judäa. Seine Stunde war noch nicht gekommen, siehe Vers 6
(65,I,463).
19 Welch eine ironische
Antwort an seine Kollegen, die gerade über das Volk gespottet hatten, die das
Gesetz nicht kennen.
20 Damit ist die Verführung
zum Abfall gemeint, die nach Dtn 13,1ff mit dem Tod bestraft werden sollte
(65,I,465).
1 w.: auf
etwas schreiben oder zeichnen. In der Gräz. auch: Linien oder geometrische
Figuren malen; eine Anklage niederschreiben (1,832); etwas in ein
(Straf)Register einschreiben (37,325). In vielen Ländern ist diese Handlung ein
Ausdruck von bewusstem Schweigen, von Beschämung oder von Verlegenheit
(21,I,771). Dass aber Jesus aus Verlegenheit Zeichen auf den Boden kraxelte,
widerspricht seinem Wesen und seiner Souveränität. Außerdem war jedenfalls bei
zweiten schreiben nicht er verlegen, sondern sie waren verlegen
weggegangen. Dass er ihre Sünden auf den Boden schrieb, ist praktisch
unmöglich, weil nicht lesbar, außerdem war in der Säulenhalle des Heiligtums
ein Steinpflaster. Die Handlung ist also symbolisch zu verstehen. So wie Gottes
Finger seinerzeit die 10 Gebote auf steinerne Tafeln schrieb (Ex 31,18; 24,12; 32,15-19),
deutet Jesus jetzt mit dieser symbolischen Handlung an, dass auf diesen Tafeln
nicht nur die Übertretung des Ehebruchs, sondern auch andere Übertretungen
standen, deren die Pharisäer schuldig waren. Sie zogen den Witwen das Geld aus
der Tasche, enteigneten ihre eigenen Eltern mittels der Vorschrift vom Qurban
und suchten vor Pilatus eine falsches Anklage gegen ihn. Keiner von ihnen war
ohne Sünde. Dass Jesus ein zweites Mal auf den Boden schrieb,
könnte bedeuten, dass er auf das zweimalige Schreiben der Gesetzestafeln
durch Gottes Finger hinweisen wollte (vgl. dazu Ex 34,1.28-29), was seine damaligen
Zuhörer natürlich nicht verstehen konnten. Dass Gott ein zweites Mal neue
Tafeln beschrieb, nachdem das Volk das 1.Gebot, das auf den ersten Tafeln
niedergeschrieben war, gebrochen hatte, war ein Akt seiner vergebenden Gnade
(Ex 32,14). Aus diesem Grund schrieb Jesus vielleicht zweimal auf den
Boden (V.6.8). Es war jedes Mal seine nonverbale Antwort auf ihre Frage in Vers
5. Ja, Ehebruch war "eine Sünde zum Tod", aber in
den 10 Geboten standen auch noch andere Vergehen, denen sich die Ankläger der
Frau schuldig gemacht hatten. So wie Gott am Berg Sinai dem Volk seine Sünde
vergeben hatte, wird auch er als Gesetzgeber der Ehebrecherin ihre
Gesetzesübertretung vergeben, wenn sie Buße tut. Für das erste Niederschreiben
auf den Boden vgl. Jer 17,13 ("...alle, die...", also auch die
Pharisäer), für das zweite Niederschreiben vergleiche Hos 8,12. Man kann darin
auch schon einen Hinweis auf den neuen Bund der Gnade sehen (vgl. dazu: Joh
1,17 und Jer 31,31-33). Nur das zweite Mal, als Mose mit den Gesetzestafeln vom
Berg kam, strahlte sein Angesicht (Ex 34,28ff), dies war die Herrlichkeit des
ersten Bundes, aber es war schon ein Hinweis auf die Herrlichkeit des neuen Bundes
der viel größer ist, denn es ist die Herrlichkeit der Gnade (vgl. 2Kor 3,3-18).
Der "Finger Gottes" mit dem die Gesetzestafeln beschrieben wurden,
war der Finger des präexistenten Sohnes Gottes, denn Gott ist Geist und ein
Geist hat keinen Finger. Wenn immer Gott im AT in menschlicher Gestalt
erschien, war es der Engel Gottes, also der präexistente Sohn Gottes.
2 Der
Augenzeuge muss den ersten Stein werfen (Dtn 17,7), und laut
rabbinischer Tradition ließ er auch als letzter dem Bewusstlosen einen schweren
Stein auf die Brust fallen, damit er endgültig starb. Der Sanhedrin durfte zu
dieser Zeit gar keine Todesurteile mehr vollstrecken. Es ging ihnen nur darum,
Jesus durch eine falsche Antwort in eine Falle zu locken. Dass sie den Mann
laufen ließen, obwohl auch er "beim Ehebruch auf frischer Tat"
ertappt wurde, zeigt, dass sie keine unparteiischen Zeugen waren, denn der Mann
hätte nach Dtn 22,24 mit vorgeführt werden müssen (60,479).
3 Eine
explizite Anspielung auf den Gottesnamen Jahwe (Ex 3,14). Jesus stellt sich
Gott gleich, und die Juden verstehen ihn auch so, darum wollen sie ihn
steinigen.
4 Entweder Gen.obj.
wie Joh 1,4; od. Gen.subj.: "...Licht (in) der Welt". - Das Wort vom
Licht knüpft an einen Festbrauch an (vgl. die Anm. zu Joh 7,2; vgl. auch Jes
42,6). In der Nacht vom ersten zum zweiten Tag, und am siebten Tag des
Laubhüttenfestes wurden im Frauenvorhof des Heiligtums vier große Leuchter
aufgestellt, die ihr Licht über ganz Jerusalem verbreiten sollten. Jede Nacht
wurde der Tempel festlich beleuchtet, wobei die vier großen Leuchter die
Umfassungsmauern des Heiligtums überragten und so ihr Licht über ganz Jerusalem
ausbreiteten (vgl. Joh 7,37). In den rabbinischen Schriften wird der Messias
einige Male als "der Erleuchter" bezeichnet. Jesus hatte also einen
markanten Anknüpfungspunkt, wenn er sich gerade im Anschluss an das
Laubhüttenfest als das "Licht der Welt" bezeichnet (vgl. 47,z.St.; 34,II,165f;
59,382; 62,406f).
5 Gen.obj.:
das Licht für den Lebensweg in dieser Welt (vgl. Joh 12,35b).
6 Aber es
war ein "Glaube", der nicht zum echten Vertrauen führte.
7 Warum
sagt Jesus das zu ihnen? Weil er weiß, dass ihr Glaube nicht echt war, wie die
Verse 37.40.42.44.48.55.59 dann auch zeigen, und wie Jesus es schon einmal
erlebt hatte (Joh 2,23-25). Sie waren noch Sklaven der Sünde. Echter Glaube
beginnt mit Gehorsam, daher: "wenn ihr in meinem
Wort bleibt", d.h.
meinem Wort auch gehorcht, ist euer Glaube echt.
8 Ist wohl
eine Anspielung auf Ismael (Sklave) und Isaak (Freier); vgl. Gen 21,10; Gal
4,30.
9 Bereits
vorauswissend; vgl. V.59.
10 "Wir
… im Gegensatz zu dir...". Wir haben nur einen Vater, und nicht
zwei so wie du, nämlich deinen unehelichen Vater (wie auch der Talmud behauptet)
und dann deinen Ziehvater Josef (65,I,474). Wie Jesus auf diese Anschuldigung
reagiert (V.42ff), ist ein Beispiel für seine Sanftmut.
11 "Auf
frischer Tat" bedeutet, dass sie auch den Mann ertappten, aber sie ließen
ihn laufen. Ihre Aussage ist unerhört frauenfeindlich und ungerecht, denn nach
dem Gesetz mussten in einem solchen Fall Mann und Frau
gesteinigt werden (Lev 20,10; Dtn 22,22).
12
Verneinter Imp.Präs.: "Höre auf (ständig) weiter zu sündigen." Vergebung
ist an Buße gebunden. Eine schöne Zusammenfassung für Jesu Verhalten gegenüber
der Frau wird in Joh 1,17 und Röm 10,4 gegeben.
13 Eine
Anspielung auf LXX: Ex 3,14; Dtn 32,39; Jes 41,4; 43,10 ua. (2,z.St.). "…,
dass ich der "ICH-BIN" (d.h. Jahwe) bin. Das Schlimmste war es für
einen Juden in seinen Sünden, d.h. ohne Vergebung, zu sterben.
14 od.:
"Warum spreche ich überhaupt noch mit euch" (2,z.St.).
15 od.:
"...und von mir selbst aus tue ich nichts".
16 Er sah
mein Auftreten, weil Abraham zwar schon gestorben war, aber bei Gott lebte und
am Auftreten des Messias Anteil nahm.
17 In der
Bezeichnung Jesu als "Samariter" steckt wohl der Vorwurf, dass Jesus
Gott nicht wahrhaft verehrt (vgl. die Anmerkung zu Joh 4,4-6). Aus dem Mund der
Juden bedeutete dies möglicherweise: Du bist ein Häretiker, ein Kind des
Teufels (21,I,780). - Zum Vorwurf der Besessenheit vgl. auch Joh 7,20 und 10,20
(vgl. 47,z.St.).
18 Auf
Gotteslästerung stand die Strafe der Steinigung (Lev 24,11-16; 1Kön 21,10.13).
Der Vorwurf der Gotteslästerung taucht auch noch später auf: Kap.10,31-33; vgl.
Joh 11,8; 19,7 (vgl. 47,z.St.).
19 In dieser
Nacht hatten zwei Menschen Ehebruch begangen. Hat Jesus, der alles weiß, in
dieser Nacht für sie gebetet, wie er es auch als unser Hohepriester für uns tut?
20 Die
Versuchung bestand wohl darin, ihn entweder dazu zu verleiten, gegen das Gesetz
Mose zu sein (falls er gegen die Steinigung war). Oder, falls er der Steinigung
zugestimmt hätte, ihn bei Pilatus als Aufwiegler gegen die Römer anzuklagen.
Ehebruch wurde bei den Römern nicht mit der Todesstrafe belegt und der
Sanhedrin hatte zu diesem Zeitpunkt kein Recht mehr die Todesstrafe auszuführen
(vgl. eine ähnliche Situation in Mt 22,15-22).
21 Die Verse
Joh 7,53 - 8,11 fehlen in den ältesten uns erhaltenen Hs. und stehen in den Hs.
an verschiedenen Stellen in den Evangelien, z.B. nach Lk 21,38, wo sie sich
chronologisch gut anfügen würden, - oder hinter Joh 21,25, was dafürsprechen
könnte, dass die Herausgeber des Johannes-Evangeliums sie (irrtümlich?) dem
Johannes zuschrieben. Jedenfalls trägt die ganze Erzählung unbestreitbar den
Charakter eines ursprünglichen Augenzeugen und die Art und Weise wie Jesus
beschrieben wird, passt gut zum Stil des Johannes-Evangeliums, auch wenn das
Vokabular abweicht. - Entweder die Erzählung wurde erfunden und fand ab dem im
2.Jhdt. ihren Weg in Manuskripte, eine sehr unwahrscheinliche These, denn dazu
ist die Erzählung zu genial. Eine so lange Passage in den heiligen Text
einzufügen, die dann auch noch weiter kopiert wird, das hätte niemand gewagt. Bleibt
die These, dass die Stelle zuerst angezweifelt und mit Anführungszeichen
versehen wurde, da man einen zu laxen Umgang mit Sünde herauslas, und die Verse
dann in der Folge von einigen Abschreibern überhaupt gestrichen wurden. Ausführliche
pro und contra Erörterungen über die Authentizität des Bibeltextes finden sich in:
47,z.St.; 54,z.St.; 60,477ff; 62,z.St.; 25,317ff.; 27,219ff; 92,z.St.
22 Das Pass. bedeutet,
dass die Verführung zum Ehebruch vom Mann ausging: "...zum Ehebruch
verführt werdend" (44,z.St.).
23 Dieser
Schatzkasten, in den die Gläubigen ihre Gaben einwarfen, stand in der Nähe des
Frauenvorhofes, wo in den Festnächten auch die Lichterfeier und die Tänze
stattfanden (65,I,471). Sonst wagten es nur die Schriftgelehrten an diesem "heiligen" Ort zu
lehren, dennoch wagten sie (noch) nicht Jesus zu ergreifen (34,II,165).
24 Wenn die
Begebenheit der Verse 2-11 wirklich nicht an diese Stelle gehört, könnte die
Rede ab Vers 12ff noch am letzten Tag des Laubhüttenfestes stattgefunden haben.
Thematisch passt sie jedenfalls zum "Lichterfest" am siebenten Tag;
siehe Anm.4 (65,I,470). Ansonsten wurde es vielleicht zu
einer anderen Gelegenheit gesprochen, entweder am gleichen Tag oder am nächsten
Tag (21,I,774; 34,II,164). Aber die Aussage vom Licht passt auch gut zur
Geschichte mit der Ehebrecherin, denn sie wurde ins Licht gestellt und fand
dadurch Vergebung.
25 Die
Ehebrecherin musste zum Urteil hierhergeführt werden (46,313).
26 50 Jahre
war das Mindestalter für die Übernahme eines öffentlichen Amtes (65,I,475).
27 Man könnte
daran denken, wie die Herrlichkeit Gottes in Hes 10,1 - 11,25 den Tempel verlässt.
28 Das Wort
γην bedeutet hier "Boden" (1,315; 44,310), denn es war dort ein
Steinpflaster, und kein Sand und auch keine dicke Staubschicht.
29 Späte Hs.
fügen hier an: schrieb er "die Sünden von jedem" auf den Boden
(27,222), eine offensichtliche Hinzufügung, weil dies auf dem Steinpflaster
praktisch unmöglich war. Auch in den Versen 8-10 finden sich in späten Hs.
offensichtliche Hinzufügungen.
1 w.: blind
gezeugt. Er wurde schon als Blinder gezeugt, und ist nicht erst durch Krankheit
oder Unfall blind geworden. Möglicherweise hatte er durch einen genetischen
Fehler gar keine Augen, denn nur so ist erklärbar, dass die Jünger sofort
sahen, dass er schon blind geboren (w.: gezeugt) wurde. Daher kommt in
dieser Geschichte das Wort heilen oder Heilung auch kein einziges Mal vor, denn
Jesus hat dem Mann neue Augen geschaffen. Beachtenswert ist, dass Jesus
dem Mann das Augenlicht schenkt, bevor er glaubt. Erst durch die
Auseinandersetzung um Jesus wird er Schritt für Schritt zu einer Entscheidung
geführt (V.38). Genauso ist die Situation des verlorenen Sünders, er ist "blind
geboren", tot in Sünden und Übertretungen und nur durch Gottes gnädiges
Eingreifen kommt er überhaupt zum Glauben.
2 Lehm
wurde im Altertum zwar als Heilmittel verwendet (1,1321), doch Jesus bedurfte
solcher Heilmittel nicht, wie er schon oftmals bewiesen hatte. Möglicherweise
wollte er aber mit dieser Handlung eine Anspielung auf die Erschaffung des
Menschen aus Lehm (Gen 2,7) machen. Er hat dem Blindgeborenen neue Augen geschaffen,
- und das an einem Sabbat. Das erklärt auch den Ausdruck "τα εργα
του θεου"
(die Werke Gottes) in Vers 3 und die Reaktion in Vers 32, dass noch nie jemand einem
Blindgeborenen die Augen aufgetan hat, obwohl Jesus kurz davor drei
Blinde heilte (Mk 8,22ff; 10,46ff; Ps 146,8a). Darum sagt Jesus nicht, die Wunder
Gottes, sondern die Werke Gottes. Damit deutet er an, dass er ein Schöpfungswerk
tun möchte, er wird dem Blindgeborenen neue Augen schaffen. - Eine Lesart in
der Hs. des Diatessaron ist bemerkenswert. Sie lautet: "Er machte ihm
Augen aus dem Lehm" (27,228).
3 Im
Altertum wurde Spucke als Mittel zur Abwehr der bösen Geister und zur
Austreibung von Dämonen verwendet. Außerdem wurde dem Speichel Heilkraft
zugeschrieben, besonders bei Augenleiden. Wollte Jesus mit seinem Vorgehen
vielleicht bewusst gegen diesen Aberglauben angehen, indem er zeigte, dass
allein er alle Macht über die Krankheiten und Widerwärtigkeiten dieses Lebens
hat?
4 D.h. aus
der Synagogengemeinschaft. Der Ausschluss aus der Synagoge geschah in drei
Stufen (vgl. Mt 18,15-18). Wenn kein Umdenken erfolgte, wurde der unbegrenzte
Synagogenbann ausgesprochen und der Betreffende musste von allen wie ein
Aussätziger behandelt werden (34,II,183ff). Das bedeutete für einen Armen wie
diesen Blindgeborenen den sozialen und wirtschaftlichen Ruin! Diese Strafe
wurde damals nur selten ausgeführt (65,I,479).
5 Diese
Begebenheit kann nicht am gleichen Tag stattgefunden haben, denn es war ein
Sabbat (V.14). Wahrscheinlich war es am ersten Tag nach dem Laubhüttenfest bei
einem der Tempel-Tore, wo Bettler und Blinde meistens bettelten (34,II,177).
6 Ein aus
der spärlich fließenden Gihon-Quelle (daher "die stillen Wasser Siloachs",
in Jes 8,7) gespeister Teich im Süden Jerusalems. Den 533 m langen Tunnel, der
von der außerhalb der Stadt, von der am Fuß des Tempelberges liegenden Gihon-Quelle,
durch den Felsen des Stadthügels hindurchführte, hatte schon König Hiskia um
705 v.Chr. bauen lassen (vgl. 2Chr 32,30). Aus diesem Teich
wurde während des Laubhüttenfestes auch täglich von einem Priester das Wasser für
das Trankopfer geholt, und am letzten großen Festtag des Festes wurde dieses
Wasser feierlich ausgegossen (Joh 7,37-39). Auch das "lebendige
Wasser" für die Asche der roten Kuh (Num 19,17), wurde von diesem Teich
geholt (25,II,357;
46,328;
54,z.St.;
59,399f).
- Falls sich diese Begebenheit mit dem Blindgeborenen am nächsten Tag nach dem
Laubhüttenfest (vgl. Anm.5) abgespielt hat, wäre dies sehr
bedeutsam. Jesus schickt den Blindgeborenen ganz bewusst zu diesem Teich Siloah
(= "Gesandter", d.h.
Messias), weil nach Dr. A.G.
Fruchtenbaum die Rabbis lehrten, dass nur der kommende Messias einen Blindgeborenen
heilen kann.
7 Perfekt,
und daher sind für sie die Worte Mose für immer verbindlich, was Jesus in Mt
5,21f. aber leugnet, denn dort wird der Aorist verwendet. Aber von einer
göttlichen Sendung Jesu wissen sie nichts (13,97).
8 Die
Pharisäer dachten, dass der Blindgeborene wegen seiner Sünden blind war (Joh
9,34), doch das stimmte nicht (Joh 9,3). In ihrer Überheblichkeit hielten sie
sich für solche, die geistlichen Durchblick hatten, doch in Wirklichkeit waren
sie geistlich blind. Wer seine Erlösungsbedürftigkeit nicht einsieht, bleibt in
seiner Sünde verloren.
1 Ps 82,6. Damit meint der Psalmist wohl die
Richter, oder Könige, die sich wie Götter gebärdeten.
2 Im Griechischen das gleiche Wort wie in Joh
9,35 ("…hinausgeworfen hatten"). Nicht die Juden hatten ein Schaf hinausgeworfen,
sondern der gute Hirte hat eines seiner Schafe hinausgeführt.
3 Zum Bild: Jedes Frühjahr kamen die Hirten
zum gemeinsamen Schafstall im Dorf, in dem alle Schafe überwintern. Der
Türhüter, den die Hirten angestellt haben, kennt die Hirten und öffnet für
jeden Hirten die Tür zum Schafstall. Dann ruft der jeweilige Hirte seine eigenen
Schafe mit Namen. Siehe das Bild in: (https://drive.google.com/file/d/1_NxNWPoRcNwhf6Dg3k8I5pACI_4iQ6D8/view?usp=sharing). Alle Schafe im Stall hören
zwar die Stimme dieses Hirten, aber nur seine eigenen Schafe hören
auf seine Stimme und kommen zu ihm. Nachdem sie zu ihm gekommen sind,
schiebt er sie aus dem Stall. Wenn er auf diese Weise alle seine Schafe aus dem
Stall geholt hat, geht er vor ihnen her auf die Weiden in der Umgebung des
Dorfes. Dort gibt es Schafhürden. Siehe: (https://drive.google.com/file/d/11Eprxh68-kDLMJboq1VFm6UKHJY8Txwd/view?usp=sharing). Das sind geschützte Plätze, die mit einer
Steinmauer umgeben sind und nur einen Eingang (= Tür) haben. Die Schafe
werden in diese Hürden geführt, zum Ausruhen, zum Wiederkäuen und zum
Übernachten. Der Hirte legt sich währenddessen in die Tür, um die Schafe zu
beschützen. Er ist dann sozusagen selbst die Tür. Wenn die Schafe wieder grasen
wollen, können sie durch die Tür wieder hinaus auf die Weide gehen. Daher gehen
sie "aus und ein" (vgl. Jer 37,4; Ps 121,8; Dtn 28,6 ua.). Am Ende
des Sommers, wenn die Weiden kein frisches Gras mehr bieten, treiben die Hirten
ihre Herden wieder in den gemeinsamen Schafstall zurück, wo die Schafe dann
überwintern (vgl. 25,367ff.).
4 Kein Auserwählter geht verloren; vgl. Joh
6,37.39.
5 Damit folgt ein 2.Bild (25,II,371), wie in
Mt 13,45.47
6 Wahrscheinlich Gen.obj., vgl. Vers 9; oder
Gen. der Richtung: "zu den Schafen"; od. Gen. des Zwecks: "für
die Schafe" (2,z.St.).
7 Präs.: "sind", und nicht:
"waren", d.h. Jesus hat die damals lebenden jüdischen Führer im Sinn (25,II,372).
8 Im irdischen Sinn, von Gefahren? So wie Joh
11,1; 12,27
9 vgl. Num 27,15; Dtn 28,6; Jer 37,4; Apg 1,21
10 Präs.: "...habe ich schon jetzt"
(d.h. die erwählten, aber noch nicht gläubigen Heiden), und nicht:
"werde ich haben"; vgl. Apg 13,48; 18,10
11 Gemeint ist die schützende Hürde draußen auf
der Weide. In sie gehen die Schafe hinein, um nach dem Grasen
wiederzukäuen und auszuruhen. Danach kommen sie wieder heraus, um wieder
zu Grasen, am Abend gehen sie wieder hinein, um in der Nacht vor wilden
Tieren geschützt zu sein.
12 D.h. nicht aus dem Volk Israel, sondern aus
den Nationen.
13 Durch Tod und Auferstehung.
14 Chanukka, das Fest der Einweihung des
zweiten Tempels, wurde zur Erinnerung an die Reinigung des Tempels vom
syrisch-griechischen Götzendienst und die Errichtung eines neuen Altars eingeführt,
nachdem dieser durch den syrischen König Antiochus Epiphanes IV. (175-164 v.Chr.)
entweiht wurde, was 167 v.Chr. zum Makkabäeraufstand führte (vgl. 1Makkabäer
4,36-59). Nachdem dieser Aufstand im Jahr 165 v.Chr. von Judas Makkabäus erfolgreich
beendet wurde, führte er diese Tempelweihe durch und ordnete an, das Fest
jährlich acht Tage lang zu feiern (Josephus, Antiquitates, XII,7,6). Während
dieser ganzen Zeit wurde der Tempel mit Laternen hell erleuchtet, daher wurde
dieses Fest auch "Lichterfest" genannt (34,II,228). Das Fest wurde nach dem
Laubhüttenfest, jedes Jahr im Dezember am 25. Kislev (hier wahrscheinlich das
Jahr 29 n.Chr.), mit allerlei Lustbarkeiten gefeiert (vgl. LXX: Esra 6,16f; Neh
12,27). Da die Belehrungen Jesu beim Laubhüttenfest durch die Feindseligkeiten
der Juden abgebrochen wurden (Joh 10,19-21), führt Jesus bei diesem Fest, wo er
wieder in Jerusalem ist, seine Gedanken über den guten Hirten weiter aus (25,II,380).
15 od.: "...was er mir gegeben hat, ist
größer als alle" (2,z.St.;
7,z.St.).
16 Die Halle Salomos war eine große Säulenhalle
an der östlichen Begrenzungsmauer des Heiligtums, im östlichen Teil des äußeren
Vorhofs gelegen und angeblich schon von König Salomo erbaut. Sie bot im Winter
Schutz vor den rauen, kalten Ostwinden und wurde von der Sonne einigermaßen
erwärmt. Daher war sie bei den Juden ein beliebter Platz zum Lehren und Meditieren.
Sie wurde von den Rabbis auch zur religiösen Unterweisung benützt. Da sie
vielen Menschen Platz bot, wurde sie später auch von den Aposteln für ihren
Verkündigungsdienst benützt (Apg 5,12). Sie war die einzige der äußeren Hallen,
die sich im heiligen Bereich befand, zugleich aber auch die einzige Halle, die
außerhalb der Zwischenwand der Umzäunung lag und so für alle zugänglich war
(Liebi R.: Der Messias im Tempel, Seite197).
17 Vielleicht waren dies solche, die schon
durch Johannes vorbereitet waren.
18 Die Schafe sind also "seine Schafe" noch bevor sie zu ihm kommen. Sie
kommen zu ihm, weil sie seine auserwählten Schafe sind (vgl. Joh 6,37; Apg
13,48b ua.). Die Pharisäer sind nicht seine Schafe, darum glauben sie
nicht (Vers 26). Jesus erklärt hier nicht, wie Menschen zu "seinen Schafen"
werden. Dies wird an anderen Stellen im NT gelehrt, z.B. in Röm 8,28-30 ua.
Jedenfalls haben wir hier eine klare Aussage über die persönliche Auserwählung
der Gläubigen in der Ewigkeit. Die Erwählung der Gläubigen geschah schon "vor ewigen Zeiten" (2Tim 1,9; Eph 1,4 ua.), und zwar aus reiner
Gnade und nicht wegen irgendetwas, was sie später in ihrem Leben taten, sondern
aufgrund von Gottes souveränen Vorsatz. Erwählung gründet sich auch nicht
auf Gottes Vorherwissen, obwohl Gott natürlich alles vorher weiß (vgl. die Anm.
bei Röm 8,29). Gott hat die Erwählten mit heiligem Ruf berufen (2Tim 1,9), und nicht nur mit
einem allgemeinen Ruf, den alle bekommen, die das Evangelium hören (Mt 22,14). Weil Gott
nur einige erwählt hat, ziehen manche den logischen Schluss, dass er die
anderen übergangen hat, und sie daher von Gott zur Verdammnis vorherbestimmt
sind. Aber dieser Schluss ist menschliche Logik, das NT zieht diesen Schluss
nicht. Der Mensch ist durch und durch
verdorben, geistlich blind, und tot in Sünden. Keiner tut Gutes und keiner sucht
Gott (Röm 3,9-19; Eph 2,1-4; Kol 3,21 ua.). Von sich aus, würde kein Mensch
glauben. Wenn ein Mensch sucht, dann wie ein Blinder, der nicht weiß, was er
suchen soll. Doch der Heilige Geist überführt die Welt (Joh 16,8-9), und Gott selbst öffnet die Herzensaugen seiner
Erwählten (Apg 16,14), damit sie auf die Predigt des Evangeliums hören, sich
bekehren und glauben (Apg 13,48; 26,18 ua). Buße und Errettung aus Glauben sind
einerseits ein Geschenk Gottes (Apg 11,18; Eph 2,8), gleichzeitig ist es aber
auch die Verantwortung jedes Menschen Buße zu tun und zu glauben (Apg 2,38;
3,19; 16,31; ua). Dies scheint für die menschliche Logik ein Widerspruch zu sein,
nicht jedoch für Gottes Weisheit. Dies drückt Paulus am Ende seiner Gedanken
über Israels Erwählung in Röm 11,33-36 sehr schön aus. - Eine
sehr gute und ausgewogene Bibelauslegung über das Thema Erwählung ist: Stanley
Charles: "Election", Wilson
Fondation. - Zum Thema Erwählung siehe die Grafiken in: Überblick Erwählung im
NT.pdf - Google Drive und
in:
https://drive.google.com/file/d/134JvbIpKE4v77JkN-rb-0pN6pot9977Y/view?usp=sharing
19
Mit dem Türhüter
könnte gut Johannes der Täufer und sein Dienst gemeint sein, mit den Dieben und
Räubern die Führer Israels die das Volk unterdrückten und aussaugten.
20
Mit dem folgenden
Vergleich des Hirten und seiner Herde, stellt Jesus einen bewussten Gegensatz
zwischen ihm und den jüdischen Führern her. Sie waren die törichten und treulosen Hirten Israels, wie ihr
unbarmherziger Umgang mit dem Blindgeborenen bewies (vgl. Hes 34,1ff; Jer
32,1ff).
21 Von einem Hirten zur damaligen Zeit wurde
dies nicht erwartet (34,II,191), es ist also eine außergewöhnliche
Hingabe.
22 D.h. nach Peräa. Judäa stand
unter römischer Autorität (Pilatus), Peräa unter der Autorität von Herodes
Antipas. Der Grund für Jesu Rückzug waren die Feindseligkeiten der jüdischen
Autoritäten in Jerusalem und Judäa. Seine Stunde war noch nicht gekommen; vgl.
Joh 12,8 (65,I,463).
1 Sie meint
zu "wissen", statt wirklich zu glauben, siehe V.39b.40
2 Ein
Beispiel für ein Gebet des Glaubens gemäß Mk 11,24 (44,z.St.).
3 Sie
wussten also, dass die Zeichen echt sind.
4 D.h. zu
einem einzigen Volk Gottes, nämlich der Gemeinde! Vgl. Kap 10,16
5 Konatives
Präs.: bei passender Gelegenheit.
6 hebr.:
Haus des Elends. Betanien liegt etwa 3 Kilometer von Jerusalem entfernt am
östlichen Abhang des Ölbergs.
7 Diese
Maria (vgl. Joh 12,3) ist zu unterscheiden von der Sünderin (Lk 7,37-38) und
von Maria aus Magdala. Es handelt sich um drei verschiedene Personen
(47,z.St.). - Der Impf. ην und das subst.Ptz.Aor. αλειψασα (die
Einreibende), kann sich hier durchaus auf die spätere Salbung in Joh 12,3
beziehen (13,89).
8 Wahrscheinlich
handelt es sich um das Ephraim (heute: Et-Taiyibeh), dass etwa 20 km
nördlich von Jerusalem, etwas abseits von der Straße nach Norden, auf einem
Bergrücken liegt. Es ist mit dem alttestamentlichen Ofra bzw. Efron
gleichzusetzen (vgl. 47,z.St.; 54,z.St.).
9 Natürlich
wusste Jesus, dass Lazarus im Sterben lag, aber er wusste genauso gut, dass der
Tod nicht das Ende der Geschichte war, Lazarus würde auferstehen. In diesem
Sinne kann auch von jedem Gläubigen gesagt werden, dass er nicht sterben werde
(Vers 26).
10 Es gab
eine Tradition, dass der Geist eines Verstorbenen drei Tage lang den Körper
umschwebt, um wenn möglich wieder in den Körper zurückzukehren, dass er aber
dann nach drei Tagen das Grab endgültig verlässt (21,I,802; 34,II,325). Wartete
Jesus deshalb bis zum vierten Tag, damit die Juden nicht sagen konnten, Lazarus
sei ja noch gar nicht richtig gestorben gewesen?
11 entw.: "…uns die
Eigenständigkeit als Nation wegnehme; - od.: "…uns Land und Leute wegnehme"?
- oder waren sie schon so verblendet, dass sie die jüdische Nation als ihr
Eigentum betrachteten? Doch genau das, was sie durch Jesu Tod verhindern
wollten, trat dadurch ein.
12 Damit
schwenkt er das Synedrium auf die Anklage-Linie ein, die Popularität Jesu würde
dazu führen, dass ihn das Volk als König ausrufen wird. Damit würde er aber zum
Feind Roms, Rom würde eingreifen und ihnen "Land und Leute"
wegnehmen. Jesus zu "opfern" hätte für sie daher mehrere Vorteile:
sie würden ihn loswerden, ihre Autorität wäre gerettet und sie würden sich die
Römer zu Freunden machen. In Wirklichkeit verloren die Juden durch die
darauffolgenden Ereignisse ihr Land (70 n.Chr.) und das Hohepriesteramt wurde
durch den neuen Bund außer Kraft gesetzt (21,I,804).
13 Wahrscheinlich
ein ingressiver Aor.: "brach in Tränen aus". Seiner Trauer starken
Ausdruck zu verleihen, war bei den Juden zwar wichtig (65,I,527), doch darüber
hinaus sehen wir in diesem zutiefst menschlichen Gefühlsausbruch und der
darauffolgenden machtvollen Totenauferweckung, einerseits die Menschlichkeit
und andererseits die Gottheit Christi unmittelbar nebeneinander. Es ist sein
vorletztes (Lk 22,51) und größtes Wunder vor seinem Tod, direkt vor den Toren
Jerusalems und in aller Öffentlichkeit (34,II,308).
14 Von Peräa,
wo sich Jesus gerade aufhielt, waren es etwa 30 km nach Bethanien, also etwa eine
Tagesreise. Aber Lazarus war wahrscheinlich ohnehin bereits tot, wie der Aorist
in Vers 14 zeigt (65,I,483).
15 Es gibt
keinen Grund anzunehmen, dass Johannes die beiden Synonyme hier nicht
unterscheidet. Denn in Vers 3 sagen die Schwestern, dass Jesus den
Lazarus gernhat, in Vers 5 aber sagt Johannes, dass Jesus die
drei Geschwister liebte. Beides ist wahr, Jesus liebte die drei
Geschwister, so wie er alle seine Jünger liebt (Joh 13,1), aber den Lazarus
hatte er darüber hinaus noch freundschaftlich gern.
16 εαν +
Konj. ist ein Eventualis (44,321; 13,109; 2,1403). Es wird unter Umständen
erwartet, dass sich die Bedingung erfüllt. Die Schlussfolgerung wird als
notwendig und zwingend hingestellt. Die Zeitform des Aorists könnte bedeuten:
"vorausgesetzt, dass du jetzt glauben würdest/glaubst…".
1 Ps 118,25-26
2 Zef 3,15
3 Sach 9,9; Jes 35,4; 40,9. Ein Symbol der
Demut und Sanftmut. Der Vers 10 des Zitats aus Sacharja wird sich erst
erfüllen, wenn Jesus als der König der Könige wiederkommt. Dann kommt er aber
als Sieger auf einem weißen Pferd (Offb 19,11ff). Auch die Rabbis deuteten
diesen Vers später auf den Messias (65,I,489).
4 Ps 6,4-5
5 Jes 53,1 (LXX). Johannes will auch auf die
restlichen Verse in Jesaja hinweisen, auf die Erniedrigung, das Leiden und die
Erhöhung des Messias (25,II,446). Diese Botschaft wurde vom Volk als Ganzes
abgelehnt, schließt aber nicht aus, dass sich einzelne bekehren, wie Vers 42
bestätigt. Eine Vorherbestimmung zur Verdammnis, lässt sich aus dieser
Bibelstelle daher nicht ableiten (25,II,448).
6 Jes 6,9-10
7 Das 3.Passahfest, im April des Jahres 30 n.Chr.
8 1 Litra wog 327 Gramm (33,1249). - Darauf,
dass Maria, die Schwester von Martha und Lazarus, die Salbung durchführte, hat
Johannes schon in Joh 11,2 hingewiesen. Nur Johannes berichtet den exakten Tag der Salbung ("sechs Tage vor dem Passah"), im Gegensatz zu Markus und Matthäus, die
sie in einen anderen Zusammenhang einfügen (21,I,805). Zur Chronologe und dem
anscheinenden Widerspruch zu den 2 Tagen in Mk 14,2 vgl.: 25,II,420ff; 62,498
9 od. viell. imperativisch: "...lasst sie
es (als Ritus) bewahren für den Tag meines Begräbnisses", denn die
vorgesehene Salbung des Leichnams Jesu ist dann wegen seiner Auferstehung nicht
mehr möglich gewesen; vgl. Mk 16,1ff. Nach Mk 14,8 hat Maria den Körper Jesu schon
im Voraus zum Begräbnis gesalbt. Ahnte oder wusste Maria (vielleicht aufgrund
von Lk 10,39b.42) von Jesu bevorstehenden Tod oder hat sie nur intuitiv etwas
getan, was danach nicht mehr getan werden konnte? Jedenfalls ist sie damit ein
Vorbild für uns: wir können ihn nur auf dieser Erde als den verworfenen
Herrn anbeten und ihm dienen, denn im Himmel werden wir ihn als den verherrlichten
Herrn anbeten und jedes Knie wird sich vor ihm beugen. Manche Dinge die wir
noch hier und jetzt für ihn tun können, werden dann nicht mehr zu tun sein.
10 Ein schnell
verdunstendes Fett, das mit dem Wurzelextrakt einer im Himalaja
wachsenden Pflanze parfümiert wurde. Durch die Einfuhr von Indien war es sehr
teuer (59,388). Könige
wurden bei ihrer Einsetzung mit solchem Öl gesalbt, ebenso die Toten vor
der Grablegung. Vgl. in LXX:
Hohelied 1,12; 4,13-14, aufgrund dessen es sein könnte, dass die Jungfrauen in
Israel eine solche Narde für ihre zukünftige Hochzeit aufbewahrten. Der Preis
dieser Art von Narde betrug 300 Denare, das sind 300 Tageslöhne. Maria ließ
sich ihre Liebe zum Herrn etwas kosten. Die Synoptiker berichten uns, dass
Maria zuerst das Haupt Jesu salbte, hier lesen wir, dass sie danach auch seine
Füße salbte. Damit salbte sie sozusagen den ganzen Leib Jesu im Voraus zum
Begräbnis (Mk 14,8). - Vergleiche die Salbung des Hohepriesters in Ps 133,2
11 Konatives Präs.: bei passender Gelegenheit.
Die Hohepriester waren aus der Partei der Sadduzäer, die nicht an eine
Auferstehung glaubten. Lazarus war für sie daher ein untragbarer Zeuge ihres
Irrtums, der beseitigt werden musste.
12 Manche sehen darin eine Begründend für Vers
38 und gleichzeitig vorausweisend auf Vers 40 (21,I,812). Andere nur eine Begründung
auf das Folgende (25,II,447).
13 Trotz aller gebotenen Nächstenliebe werden
wir die Armut auf dieser ungerechten Erde nicht ausrotten.
14 Vgl. Joh 7,13 und die Anm. zu Joh 9,22
15 Dieses Mahl fand nach Mk 14,3 im Haus von
Simon dem "Aussätzigen" statt, der ebenfalls in Bethanien wohnte.
Die beiden Zusatznamen "der Gestorbene" und "der Aussätzige", - obwohl der eine wieder lebte und der
andere wieder rein war, - weisen auf Jesu Vollmacht hin, es sind
Ehrenbezeichnungen. Jeder bekehrte Sünder trägt auch so einen "Ehrennamen", je nachdem, worin sein früheres sündiges
Leben bestand. - Der Zusatz "…der Gestorbene" findet sich in alten Hs., z.B. im Papyri66 (27,236), und dürfte ursprünglich sein.
16 Jesaja sah aber die Herrlichkeit des HERRN Jahwe (Jes 6,3). Für Johannes hat Jesaja damals die Herrlichkeit des Herrn Jesus gesehen (Jes 6,1), damit also die des präexistenten Sohnes Gottes. Jesus ist für ihn Jahwe! Eine versteckte Anspielung auf die Gottheit Christi (21,I,812; 65,I,491). Immer wenn Gott im AT sichtbar wurde, war es der präexistente Sohn als das Sprachrohr des Vaters. Nur er ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Vgl. auch die Anm. bei Joh 14,9
17 Nach den meisten Auslegern war dieses Abendessen am Sonntag-Abend (vgl. 25,II,421).
1
Ps 41,10
2
Durch die Wiedergeburt (Tit 3,5; Eph 5,26).
3
od. elativisch: so schnell als möglich. Da Judas direkt neben Jesus lag, dürfte
Jesus die Worte zu ihm geflüstert haben, daher verstanden sie die anderen
Jünger nicht und meinten Judas solle den Armen Almosen geben.
4
Damit erfüllte sich Ps 41,10 und Ps 109,8. Das ist offenbar die einzige Stelle
im NT wo beschrieben wird wie ein Mensch besessen wird. Die Ansicht, dass der
Teufel noch "Anrechte" auf einen Gläubigen hat, schmälert und
verunehrt das umfassende Erlösungswerk Gottes und entehrt damit Gott. Judas war
kein wahrer Gläubiger, wie Jesus in Joh 13,10-11 deutlich machte. Es ist
unmöglich, dass ein Gläubiger noch dämonisiert ist oder wird, denn "wenn
nun der Sohn euch freimachen wird, seid ihr wirklich frei" (Joh 8,36).
Außerdem ist der Leib (und nicht nur der Geist) des Gläubigen ein Tempel des
Heiligen Geistes (1Kor 6,19). Der Heilige Geist teilt sich bestimmt keinen
Tempel mit einem Dämon. Der Gläubige steht unter besonderem Schutz des Herrn
Jesus, "und der Böse tastet ihn nicht an" (1Joh 5,18). Der Einfluss
Satans auf den Gläubigen kann daher nur von außen kommen. Durch die Verlockung
verführt Satan ihn zur Sünde (Jak 1,14-15).
5
Damit ist sein letztes Passahmahl am Abend des 14.Nisan gemeint (25,455). Zum
Ablauf der Passah-Liturgie vgl. die Anm. bei Mt 26,20
6
Zu Beginn des Passahmahles wuschen sich alle die Hände (33,882). Jesus hat
diese Tradition entweder durch die Fußwaschung ersetzt oder diese anschließend
an die Waschung der Hände durchgeführt. Bei besonderen Anlässen wusch der
Jüngste auch die Füße der anderen, doch an diesem Abend hatten sich die Jünger
gestritten, wer der größte unter ihnen sei (Lk 22,24), daher wollte keiner
diese niedrige Aufgabe übernehmen. Jesus aber, obwohl er der Größte ist, will
der Diener aller sein und uns damit ein Vorbild geben.
7
In der Liturgie des Passahmahles wurde das Brot nach dem Trinken des zweiten
Bechers gebrochen. Das ist hier gemeint und nicht die Einsetzung des
Abendmahls, die erst später, nach dem Trinken des dritten Bechers
(Lk 22,18.19) erfolgte, als Judas schon hinausgegangen war.
8
Zur Sitzordnung bei diesem Mahl vgl. die Anm. bei Mt 26,20
9
Dass Jesus die Fußwaschung nicht als einen
buchstäblichen Ritus einsetzen wollte wird darin offenbar, dass es von der
Gemeinde danach, im Gegensatz zu Taufe und Abendmahl, nie als Ritus zelebriert
wurde. Wohl aber als praktisches Beispiel der demütigen
Gastfreundschaftspflicht gegenüber den Mitgläubigen (1Tim 5,10). Eine weitere,
noch darüberhinausgehende Anwendung für uns ist, unseren Mitgläubigen im
übertragenen Sinn die Füße zu waschen. Beim Gang durch die Welt beschmutzen wir
uns unwillkürlich. Einander im Sinne von Gal 6,1 zu ermahnen und zurecht zu
helfen, bedeutet einander (vgl. Jak 5,16) die Füße zu waschen. Dieser
Liebesdienst ist unangenehm und wird deshalb gerne vermieden.
10
Der "Hahnenschrei" war zwischen 2-4 Uhr morgens (21,I,821).
11
Hier
liegt wohl eine Anspielung auf die alttestamentlichen Priester vor, die zu ihrer
Einweihung einmal gebadet (Strong Nr. 3068) wurden (Ex 29,4; 40,12),
sich aber hernach trotzdem täglich vor dem Opferdienst die
verunreinigten Hände und Füße waschen (Strong Nr. 3538) mussten (vgl. Ex 30,19-21;
40,31).
12 Für den genauen Ablauf des Passahmahles siehe die Anm. bei Mt 26,20
Johannes 14
1 Mit den größeren Werken können keine Wunder
gemeint sein, denn die Apostel taten niemals größere Wunder als der Herr
selbst. Die größeren Werke (und nicht Wunder) sind also die vielen
Bekehrungen durch die Predigt der Apostel. Diese sind nur möglich, weil
Jesus zum Vater ging und den Heiligen Geist sandte, der dann diese Werke durch die
Jünger tut. Auf diese Weise "...trägt die Rebe (= die Jünger) die
Früchte, die der Weinstock selbst (= Jesus) nicht tragen kann" (25,II,485).
Indem wir ihn in seinem Namen bitten (d.h. seinem Willen entsprechend), wird er
durch uns diese größeren Werke tun.
2 Präs. statt Fut. um die Dauer des Bleibens
auszudrücken?
3 D.h. die Apostel waren beim Predigen
und Niederschreiben der Dinge (Evangelien, Briefe), die sie mit Jesus erlebt
und von ihm gehört hatten, nicht auf ihre Erinnerung angewiesen. Wir haben hier
also ein Versprechen Jesu im Voraus, dass sie in ihrer Predigt und ihren Schriften
vom Heiligen Geist inspiriert sein werden. Sie predigten und schrieben das
durch den Heiligen Geist inspirierte Wort Gottes nieder, und sie waren
sich dessen auch bewusst. Vgl. Mk 16,20; Apg 4,31; Röm 16,25-26; 1Kor 2,10-13;
1Thes 2,13; 2Tim 3,16; Heb 2,2-3; 1Tim 5,18; 2Pet 3,15-16; Offb 22,18, sowie die
Anm. zu Joh 16,13.
4 Möglich auch als Ind.Präs.: "Ihr
vertraut auf Gott, auch auf mich vertraut".
5 εν bezeichnet hier ein enges persönliches
Verhältnis (2,z.St.).
6 D.h. es stammt nicht von mir.
7 Es gibt auch andere Motive seine
Vorschriften einzuhalten: z.B. Gesetzlichkeit, Routine, Angst sein Heil zu
verlieren, usw. (vgl. Offb 2,4).
8 In Gräz. von Gewässern die vom Sturm hin-
und hergeworfen werden (Liddel-Scott, A Greek-Englisch Lexikon).
9 Gott der Vater ist Geist (Joh 4,24), er hat
keine Gestalt und er ist der, "den keiner der Menschen gesehen hat noch
sehen kann" (1Tim 6,16). Er kann nur ihm Sohn gesehen werden, weil dieser
"das Bild Gottes" ist (Kol 1,15).
10 Das ist der erste Hinweis auf die Entrückung
der Gläubigen. Manche meinen allerdings, es wäre ein Hinweis auf seine Rückkehr
nach der Auferstehung (65,I,496).
11 od. als Aussage: "Wenn es nicht so
wäre, hätte ich es euch gesagt, denn ich gehe hin…" (2,z.St.).
12 Die darauffolgenden Reden in Kap. 15,1 - 17,26
werden demnach auf dem Weg zum Bach Kidron geschehen sein (25,II,498).
1 Ps 35,19; 69,5
2 Im Vergleich zu Israel (Jes 5,1ff; Jer 2,21f;
Ps 80,9ff). Im Unterschied dazu aber bedeuten im AT die Weinstöcke die
einzelnen Israeliten, hier aber gibt es nur einen Weinstock, den Herrn Jesus,
und die Gläubigen sind die Reben. Doch in beiden Fällen ist die Frucht die Gott
erwartet praktische Gerechtigkeit. - Auch in der rabbinischen Literatur war der
Weinstock ein Symbol für den Messias (21,I,828).
3 Gemeint sind diejenigen Reben die
Fruchtknospen haben, und nicht nur Blattknospen wie die Wassertriebe. Nur die
Fruchtknospen versprechen, dass die Rebe überhaupt Frucht tragen wird. Eigentlich
könnte man hier das Partizip Futur erwarten. Aber da dieses keine Aspekt-Bedeutung
hat, sondern nur die Zeitbedeutung der Zukunft ausdrückt, ist das durative
Partizip Präsens passender. Der durative Aspekt drückt treffend aus, wie sich
aus den Fruchtknospen im Laufe der Monate die Frucht entwickeln wird. Das Thema
des Gleichnisses ist nicht, ob jemand sein Heil verlieren kann oder
nicht, - das Thema ist Frucht tragen. Gottes Erwartung an Gläubige ist es, überhaupt
Frucht zu tragen (V.2a) → mehr Frucht zu tragen durch Reinigung (V.2b) →
viel Frucht zu tragen durch Gehorsam (V.5-8) → bleibende (d.h.
ewige) Frucht zu tragen durch Gebet (V.16). Gläubige sind dazu bestimmt Frucht
zu tragen (Joh 15,2.16; Röm 7,4). Diese Frucht besteht: (1.) in einer Charakterveränderung,
die darauf abzielt, Christus ähnlicher zu werden (Gal 5,22), (2.) im Lobpreis
(Heb 13,15), (3.) im Dienst an den Gläubigen (Röm 1,13), (4.) in guten Werken
(Eph 2,9-10; Kol 1,10; Tit 2,14; Jak 2,14.17.26).
4 Nur hier in dieser Bedeutung: Reben, die
keine Fruchtknospen haben (sogenannte Wassertriebe), und daher im betreffenden
Jahr auch gar keine Frucht tragen können. Sie werden abgeschnitten, um den
Weinstock so von überflüssigem und kraftraubendem Holz zu säubern, das dem
Weinstock nur Saft entzieht aber keine Frucht bringen wird. Diese Wassertriebe
werden vom Weingärtner nach den letzten Nachtfrösten Ende Februar/Anfang März,
also noch lange bevor der Weinstock Trauben ansetzt, dicht beim Stock
abgeschnitten und nach dem Trocknen als Brennmaterial verwendet (vgl. 15,IV,6.331). Siehe dazu die Abbildung
in: https://drive.google.com/file/d/13jZ0o4-Vn9_mh1qQ4zkUFEbTmtE72mYO/view?usp=sharing. Im übertragenen Sinn bedeutet
"reinigen" die vorbeugende erzieherische Züchtigung, wie z.B. bei
Paulus in 2Kor 12,7 und bei Petrus in Mt 14,30-31; 16,23; Lk 22,61; Gal 2,11ff.
Gott muss alles, was vom Fleisch kommt, abschneiden und uns so zurückstutzen,
z.B. falschen Eifer, Selbstverwirklichung, unreine Motive, eigene Ehre, usw.
Die Verwendung dieses Wortes hier, spielt schon auf das "rein" in Vers 3 an.
5 Mit dem Wörtchen "wie" beginnt die vergleichende Bildrede. Jesus
erinnert daran, was mit den abgeschnittenen Wassertrieben geschieht. Es ist
hier nicht die Rede davon, dass jemand sein Heil verliert. Judas hat sein Heil
nicht verloren, er hatte es nie!
6 Singular, weil in der Bildrede die abgeschnittene
Rebe von Vers 2 gemeint ist. Brennen (καιω), aber nicht verbrennen (κατα-καιω), wie Ex 3,2. Nicht die ungehorsamen
Gläubigen sind hier gemeint, sondern bildlich die verdorrten Reben.
7 Das Gebot (Sg.) der Liebe äußert sich darin,
seine Gebote (Pl.!) aus Liebe zu halten, und nicht aus Gesetzlichkeit,
Angst oder dgl. Vgl. dazu: Offb 2,2-4
8 Gemeint ist nicht die ewige Auserwählung wie
Vers 19b zeigt, sondern die Auserwählung zum Dienst (Lk 6,13; Joh 6,70) und zum
Fruchtbringen. Vgl. 2Pet 1,10
9 Ab hier ist nicht mehr von Scheingläubigen
die Rede, sondern von den Gläubigen, die in Vers 2 gereinigt wurden, damit sie mehr
Frucht bringen. Nur wenn sie in Christus bleiben, können sie viel Frucht
(Vers 5) bringen. In ihm bleiben bedeutet ihm gehorchen; vgl. die Verse 7,10,14
und 1Joh 3,24. Darin unterscheidet sich eben der wahre Gläubige der Frucht
bringt, vom falschen Gläubigen, der keine Frucht bringt.
10 Vgl. in Joh 13,10b-11, wo Judas gemeint ist.
Hier hat Judas den Raum aber schon verlassen (nämlich in Joh 13,31), und wird
bald "abgeschnitten" werden. Er war schon vorher in die Nacht
hinausgegangen und wird sich bald erhängen! In Joh 13,10-11 sagte Jesus noch:
"..., aber nicht alle", weil Judas dort noch dabei war. Hier ist er
aber nicht mehr dabei, darum lässt Jesus diesen Teil des Satzes weg.
11 Die Übersetzung "hebt er auf" ist zwar lexikalisch möglich, aber hier sehr
unwahrscheinlich. Das Bild ergibt nur einen Sinn, wenn Jesus an Reben denkt,
die keine Fruchtknospen haben, sogenannte Wassertriebe (vgl. Anm.4).
Diese wurden aber nicht aufgehoben, sondern direkt am Stamm abgeschnitten (1,46.4).
Judas (und auch andere; vgl. Joh 6,64-66) war solch eine Rebe, weil er zwar äußerlich
ein Jünger war, aber er war kein echter Gläubiger! Darum wurde er vom Vater
abgeschnitten. So geht es früher oder später (vgl. Mt 25,11-12; Apg 8,20) jedem,
der keinen echten Glauben hat. Joh 15,2a ist daher eine Anwendung auf Judas, ein
Thema, dass den Herrn in seiner Abschiedsrede sehr bewegt hat, und eine Warnung
an alle Scheingläubigen.
12 Warum "werdet"? Weil man einen Jünger daran erkennt, dass
er tut, was der Meister sagt (vgl. Joh 8,31). Durch unseren Gehorsam
wird Gott verherrlicht.
13 Je mehr unsere Gebetsanliegen darauf abzielen,
dass er Frucht in und durch uns bringt, desto mehr bringen wir bleibende
Frucht.
14 Wenn ein Gläubiger im Ungehorsam verharrt,
wird er geistlich verdorren, ja im schlimmsten Fall sogar mit dem körperlichen
Tod gezüchtigt werden (1Kor 11,30-32; Jak 5,19-20 ua.).
15 Unpersönlicher Gnomischer Aorist 3.Person
Plural: "man…" (2,587,1360).
16 Die Präposition εν drückt hier ein enges
persönliches Verhältnis aus (2,z.St.).
17 Wahrscheinlich gleichzeitig Gen.obj. und
subj.: "…in der Liebe von ihm und zu ihm bleibe" (2,z.St.).
18 Die wahre Freude entspringt für den
Gläubigen daraus, Jesu Gebote aus Liebe zu halten und damit in seiner Liebe zu
bleiben. Wer das tut, kann mit Johannes auch sagen: "Seine Gebote sind
nicht schwer" (1Joh 5,3).
1 Nur die 11 Apostel (denn Judas war ja schon
weg; vgl. Kap.13,13) werden hier mit dieser Verheißung angesprochen. Mit dem
Tod des letzten Apostels Johannes hat sich dieses Versprechen daher erfüllt und
die ganze Wahrheit und alle Offenbarungen über die Zukunft waren
geoffenbart. Es ist daher kein Zufall, dass der letzte Apostel Johannes
auch das letzte Buch des neutestamentlichen Kanons schrieb, und in
diesem Buch eine eindeutige Warnung steht, dass nichts dazugegeben und nichts
weggenommen werden darf (Offb 22,18-19). Seitdem gibt es keine neuen
Offenbarungen der Wahrheit und der Zukunft mehr. Für uns bleibt aber die
Anwendung, dass uns der Heilige Geist helfen wird, die in der Schrift ein für alle
Mal offenbarte und niedergelegte Wahrheit besser zu verstehen, indem er uns
Stück für Stück mehr Erkenntnis gibt und uns in die Wahrheiten der Schrift
einführt. Unsere persönliche Erkenntnis bleibt aber Stückwerk (1Kor
13,9). Vgl. auch die Anm. zu Joh 14,26
2 Gott liebt uns nicht nur, er hat uns auch
freundschaftlich gern.
3 entw.: d.h. in seine Heimat; od.: dass jeder
nur an sich denkt; od.: dass jeder seinen eigenen Weg geht (2,z.St.).
4 Dies scheint ein Widerspruch zu Joh 13,36 zu
sein. Aber die Frage des Petrus bezog sich dort auf ein irdisches Ziel.
Hier ist Jesus traurig, dass sie ihn nicht nach dem himmlischen
Vaterhaus fragen.
5 Solange Jesus noch bei seinen Jüngern auf
der Erde war, haben sie ihn alles gefragt und ihn um alles
gebeten (vgl. z.B. Joh 11,22). Aber jetzt, wo er für die Gläubigen den direkten
Zugang zum Vater eröffnet hat (Heb 10,19-22) und der Heilige Geist in ihnen
wohnt, dürfen sie den Vater direkt fragen und bitten.
6 Da alle drei Substantive ohne Artikel stehen
wird gezeigt, dass der Heilige Geist der Welt, d.h. den Menschen, zeigen wird,
dass es Sünde, Gerechtigkeit und ein Gericht gibt. Diese Beweisführung des
Heiligen Geistes wird aber nur für die offenkundig, die glauben. Sie werden
erkennen: (1.) dass die größte Sünde ist, den Messias Jesus zu verwerfen und nicht
an ihn zu glauben. (2.) dass es gerecht ist, wenn Gott Jesus nach seinem
Opfertod in den Himmel geholt hat und ihn verherrlicht. (3.) dass am Kreuz das endgültige
(Perfekt!) Gericht über die Sünde und den Teufel vollzogen wurde (vgl. Joh
12,31). - Die Predigt des Petrus zu Pfingsten (Apg 2,14-41) ist ein Beispiel
für dieses Werk des Heiligen Geistes, die Jünger sind nur Werkzeuge des Geistes.
Vgl. auch 2Kor 2,15-16 (25,II,514f; 62,590ff).
1 Umschriebener Konj.Perf.: "...damit sie
zur vollkommenen Einheit gelangt sind" (2,z.St.). Der Vater erhörte das Gebet seines Sohnes
nur wenige Wochen später zu Pfingsten, als der Heilige Geist die bis dahin
zerstreuten Kinder Gottes zu einem Leib zusammenfügte (vgl. auch Joh 11,52).
Paulus nennt diese Einheit die Einheit des Geistes. Vgl. Anm. zu Eph 4,13:
"Ein Leib und ein Geist,...". Jeder Wiedergeborene wird seitdem durch
den Heiligen Geist in diesen einen Leib hineingetauft und gehört damit zu
dieser Einheit des Geistes (1Kor 12,13). Es ist eine wunderbare Einheit, für
die wir dankbar sein sollten. Kein Mensch hätte sie herbeiführen können und
welch ein Irrtum, wenn man glaubt, man müsste sie heute erst noch schaffen.
Alle Kinder Gottes, wie unterschiedlich ihre Glaubensansichten jetzt auch noch
sein mögen, werden einmal in der Herrlichkeit zusammen die eine Braut
Christi an seiner Seite sein. In diesem Sinne sind sie schon jetzt eins im
Geist, wenn auch nicht in ihren Glaubensüberzeugungen (Php 3,15).
2 Manche Hs. haben.: "...sie, die du mir
gegeben hast".
3 Siehe Joh 6,37 und die Anm. bei Joh 6,65.
4 Ptz.Präs. statt
Ptz.Fut, wie im Hebr. und Aramäischen (13,95).
1
Hier ist das rabbinische Chagiga-Opfer gemeint. Es war das Festopfer das am
1.Tag des Passahfestes, also am 15.Nissan, morgens von den Priestern im
Heiligtum dargebracht wurde. Sie, und nur sie, mussten anschließend gegen
Mittag von diesem Opfer essen (vgl. Nu 28,16-23; Lev 6,19) und durften daher
nicht verunreinigt sein. Dadurch wird der angebliche terminliche Widerspruch
zwischen den synoptischen Evangelien und dem Johannes-Evangelium befriedigend
aufgeklärt (34,II,566ff; 60,483ff; 92,z.St.). Die Theorie, dass Jesus wegen
vermuteter Kalenderstreitigkeiten zwischen Pharisäern und Sadduzäern, das Passah
einen Tag früher gefeiert habe, lässt sich nicht nachweisen (54,z.St.). Dies
hat auch eine symbolische Bedeutung. Jesus ist am letzten Arbeitstag der
jüdischen Woche (Freitag) gestorben, und hat damit mit seinem Opfertod am Kreuz
die Symbolik der AT-Opfer erfüllt. Er starb genau zu dem Zeitpunkt, wo das
Passalamm (Chagiga) im Tempel von den Priestern geschlachtet wurde,
daher sahen sie auch das Zerreißen des Vorhangs. Am jüdischen Ruhetag (Sabbath)
ruhte er im Grab, am 1.Tag der jüdischen Woche (Sonntag) war seine Auferstehung
und damit die Einführung des neuen Bundes. Es war dies der 16.Nissan des Jahres
30 n.Chr., der Tag der Erstlinge. Vgl. 1Kor 5,7; 15,23 (20,586f).
2
Irrealis mit Impf.: "...hätten gekämpft und würden noch
weiterkämpfen" (2,z.St.).
3
Zeitlich betont: "...zum jetzigen Zeitpunkt". In der Zukunft
wird sein Königreich allerdings schon auf dieser Erde sein (Offb 19,15.16;
20,4), und dieses zukünftige Königreich wird auch mit einem Kampf beginnen (Offb
19,11ff).
4
Jemanden vor Gericht zu schlagen war verboten (65,I,511). Vgl. Apg 23,3, wo
Paulus in einer ähnlichen Situation ungeistlich und nicht so wie Jesus
reagierte, wofür er sich auch entschuldigen musste.
5
od.: "...empfangen habend"? d.h. von den Römern und den
Hohepriestern.
6
Als militärischer t.t.: 1/10 einer römischen Legion (ca. 600 Legionäre),
die ständig in der Burg Antonia stationiert waren, um bei Volksaufständen notfalls
für Ordnung zu sorgen (21,I,847). Nach manchen nur eine kleinere Truppe der jüdischen
Tempelsoldaten, aber Joh 18,12 spricht dagegen, weil dort von einem römischen
Heerführer (χιλιαρχος), der eine Kohorte befehligte, die Rede ist! Vielleicht
waren es aber tatsächlich weniger als 600 Legionäre und der Ausdruck Kohorte
wurde von Johannes nur verwendet, weil ein Heerführer dabei war (25,II,550).
Dass ein so großes Aufgebot an Soldaten gestellt wurde, um Jesus festzunehmen,
ist bemerkenswert. Wie sehr mussten sie Jesu Vollmacht fürchten!
7
Ein Kommandant (χιλιαρχος) von 1000 Legionären. Er entspricht dem römischen
"tribunus militum" einer Kohorte. Allg.: jeder höhere
Militärkommandant oder Befehlshaber.
8
od. freier: "Nein, nein, ich nicht" (2,z.St.).
9
In Gräz.: das Zelt (d.h. das Hauptquartier) des Oberbefehlshabers (praetor)
in einem römischen Heerlager samt allem, was dazugehörte. Später allg.: der Ort
wo der Prokurator einer römischen Provinz residierte. In Jerusalem war dies
entweder der Palast des Herodes (21,I,850; 65,I,511), oder die Burg Antonia
(1,1398). Das Betreten eines heidnischen Hauses machte nach jüdischer
Anschauung unrein (vgl. Apg 10,28; 11,1 und die Anmerkung zu Mt 8,5-10), und
die Hohepriester mussten für den Opfergottesdienst dieses Tages levitisch rein
sein.
10
Irrealis: "...und deshalb kämpfen meine Gehilfen auch nicht."
11
Ein juristischer t.t.: eine handfeste Anklage, nach der jemand auch
rechtskräftig verurteilt werden konnte.
12
Ein
Bach, der etwa eine halbe Stunde nördlich von Jerusalem entspringt, nur im
Winter wasserführend ist, das gleichnamige Tal durchfließt, das den Tempelberg
vom Ölberg trennt, sich dann östlich von Jerusalem hinzieht und schließlich ins
Tote Meer einmündet. Im Sommer ist das Tal ein trockenes Wadi. Den gleichen Weg
ging David, als er vor Absalom flüchten musste (2Sam 15,23ff). Als Jesus dann
diesen Weg auszog, musste er am Grab Absaloms vorbeigehen. - Dieses Tal wurde
auch mit dem "Tal Josaphat" in Joel 4,2 identifiziert, das aber eher
nördlich von Jerusalem in der "Königsebene" (2Sam 18,18)
liegt (54,z.St.; 25,II,550; 52,III,174;
46,275f.339).
13
Nach vorne fällt man anbetend, nach
hinten aufgrund von Schrecken und Gericht.
14
Nämlich nicht durch jüdische
Steinigung, sondern durch die römische Hinrichtungsart der Kreuzigung. Vgl. Joh
12,33.
15
Das ist das "gute Bekenntnis" (1Tim 6,13), denn aufgrund dieses
Anspruchs konnte ihn Pilatus wegen Hochverrat zum Tod verurteilen, obwohl er
wusste, dass die Aussage nicht politisch gemeint war.
16
Nur Johannes berichtet, dass es Petrus war. Wahrscheinlich war Petrus zu diesem
Zeitpunkt bereits hingerichtet worden war. Da der Name des Knechtes genannt
wurde, konnte man später leichter nachprüfen, ob die Heilung des Ohres (Lk
22,51) wirklich geschehen war. Als der Knecht des Hohepriesters
(vielleicht sein Leibwächter) hatte Malchus große Autorität (65,I,509). Da
Johannes ein Bekannter des Hohepriesters war (Joh 18,15), kannte er natürlich
auch diesen speziellen Knecht.
17
Hannas
I. war Hohepriester von 6-15 n.Chr., während
der Jugendzeit von Jesus. Er war der Erste, der von den Römern in dieses Amt eingesetzt
wurde (Josephus, Antiquitates XVIII,26). Auch nach seiner Absetzung durch die
Römer, hatte er als ehemaliger Hohepriester, als Mitglied des Sanhedrins und als
Schwiegervater des Kajaphas, noch großen politischen Einfluss, und war deshalb
am Prozess gegen Jesus, und auch gegen Petrus und Johannes, maßgeblich
beteiligt. Er war das Haupt eines der mächtigsten aber auch verrufensten
Hohepriestergeschlechter. Fünf Söhne und ein Enkel von ihm amtierten als
Hohepriester. Sein Sohn amtierte 62 n.Chr. als Hohepriester für 3 Monate, wurde aber abgesetzt, weil er die Abwesenheit des Procurators
Albinus ausnützte und mittels Sanhedrin-Beschluss missliebige Leute in
Jerusalem hinrichten ließ, darunter auch den Herrenbruder Jakobus (52,II,933f;
65,I,509).
18 Die Wohnungen von Nichtjuden in Israel wurden grundsätzlich als unrein betrachtet, weil die Juden befürchteten, in Haus oder Hof könnte eine Fehlgeburt vergraben sein. Dann hätten sie sich beim Betreten dieser Stelle für sieben Tage unrein gemacht (54,z.St.). Die Hohepriester mussten aber für den Tempel-Gottesdienst am Nachmittag kultisch rein sein.
19 Nach der Einteilung der Nacht in Mk 13,35 war dies irgendwann zwischen 3-6 Uhr in der Früh (25,II,563). Die darauffolgenden frühmorgendlichen Verhandlungen vor Pilatus dauerten danach laut Joh 19,14 bis ca. 6 Uhr früh. Vgl. die Anm. dort.
1
Ps 22,19
2
Ex 12,10.46 (LXX); Ps 34,21. Johannes
war Augenzeuge dafür, wie die Soldaten diese Prophezeiung erfüllten! Jesus war
die Erfüllung des Passalammes.
3
In Sach 12,10 steht im MT: "Sie werden auf mich (d.h.
Jahwe) blicken…".
Eine Prophezeiung die bezeugt, - wie auch andere Bibelstellen im AT -, dass der
Messias Jahwe selbst ist. Eine Reihe von hebr. Hs. ändert den MT-Text in "Sie
werden auf ihn blicken…". Es erschien diesen Abschreibern
unmöglich, dass Jahwe durchbohrt werden könnte! Später wurde die Stelle dennoch
messianisch verstanden. Johannes sieht in dem Lanzenstich zurecht eine
wörtliche Teilerfüllung der Schriftstelle. Im weiteren und tieferen Sinn
aber, wurde der Messias "…um
unserer Vergehen willen durchbohrt"
(Jes 53,5)!
4
Bereits im 1.Jhdt. n.Chr. wurde das Wort παρασκευη ein Fachbegriff für den Freitag
vor einem Sabbath (60,483f; 64,502). - Die 6.Stunde war hier nach römischer
Zeitrechnung am Freitag ab ca. 6 Uhr morgens, wie ein Vergleich mit der jüdischen
Zeitrechnung in Mk 15,25 zeigt, wo die 3.Stunde, die Stunde der Kreuzigung um 9
Uhr vormittags ist, und in Mt 27,45, wo die 6.Stunde 12 Uhr mittags ist. Vgl.
auch die Anm. bei Joh 18,28. Johannes verwendet die zur Zeit der Abfassung
seines Evangeliums in Kleinasien vorherrschende römische Zeitrechnung.
Dies beweist auch Joh 20,19, wo Jesus spät am ersten Tag der Woche den
Jüngern erschien. Nach Lk 24,29.33 muss dies in der Nacht gewesen sein,
denn der Aufbruch am Abend von Emmaus nach Jerusalem dauerte eine geraume Zeit.
Nach der jüdischen Zeitrechnung der synoptischen Evangelien, begann der
neue Tag aber bereits mit Sonnenuntergang (60,468f), nach römischer
Zeitrechnung aber erst um Mitternacht. Vgl. auch die Anm. bei Joh
1,39. Die Erklärungen von F.Godet hingegen, sind nicht überzeugend (25,II,576).
Der ganze Hergang beginnend von der Verurteilung durch Pilatus, der
Ausfertigung des Schuldbriefes (Joh 19,19), der darauffolgende langsame
Zug durch die Via-Dolorosa mit einigen Unterbrechungen und die Vorbereitungen
zur Kreuzigung auf dem Hügel Golgatha, können gut 2-3 Stunden gedauert haben.
5
In den Papyri wurden Empfangsbestätigungen und Rechnungen oft mit dem quer
darübergeschriebenen Vermerk τετελεσται (= bezahlt) versehen (37,630). Das ist nach
dem Augenzeugen Johannes (Joh 19,26-27) die griechische Übersetzung des
aramäischen Ausdrucks, den Jesus am Kreuz aussprach. Dieses Wort kommt im NT im
absoluten Perf.Pass. nur an dieser Stelle vor und könnte darum hier durchaus
den Sinn haben: "Die Schuld wurde von mir ein für alle Mal bezahlt"!
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Johannes diesen zusätzlichen Aspekt zum vollbrachten
Opfer Jesu zum Ausdruck bringen wollte.
6
Iterative Imperfekte.: "...immer wieder"; od.: "...einer nach
dem anderen".
7
Wahrscheinlich kausativ: "er ließ Jesus nach draußen führen".
8
Viell. kausativ: "...soll ich kreuzigen lassen"?
9
Der Name einer Anhöhe bei Jerusalem: "Schädelstätte". Offenbar so
bezeichnet, weil sie von der Ferne wie ein riesiger Schädel aussah. Sie wurde
als Hinrichtungsplatz benutzt. Der
Ort lag außerhalb der damaligen Stadtmauer, wahrscheinlich unweit der heutigen
Grabeskirche (2,z.St.).
10
Auf dieser Tafel (lat.: titulus) war der Grund für die Verurteilung
angegeben.
11
Bei der Kreuzigung wurde das Zerbrechen der Schenkelknochen (lat.: crurifragium)
mit einer Lanze vorgenommen, damit der Gekreuzigte sich beim Atmen nicht mehr
mit den Beinen abstützen konnte, worauf der Tod schnell durch Ersticken
eintrat. Im Jahr 1968 wurde das Skelett eines gekreuzigten Juden gefunden, welches
diese Methode des Beine-Zerbrechens bestätigt. Juden durften nicht über Nacht
am Kreuz hängen gelassen werden (Dtn 21,23). Bei Nichtjüdischen Gekreuzigten trat
der Tod manchmal erst nach 36 Stunden ein. Normalerweise wurden die
Gekreuzigten tagelang den Vögeln zum Fraß überlassen, bis sie verwesten, und
dann in eine Grube geworfen (65,I,522f).
12
Myrrhe ist das wohlriechende Harz eines südarabischen Strauches. Es wurde zum
Einbalsamieren von Leichnamen und als Salbe verwendet (1,1515). Aloe ist der
harzige Saft des indischen Baumes Aquillaria, er wurde gerne mit Myrrhe
vermischt. 100 Litra sind 32,7 kg Salbenmischung.
Das war eine ungeheure Menge und erinnert an das Begräbnis von Königen; vgl.
2Chr 16,14 (54,z.St.).
13
Nun aber kam er ohne Furcht tagsüber.
14
Dieser Essig war entweder saurer Wein
oder mit Wasser verdünnter Essig. Es war ein beliebtes Erfrischungsgetränk bei
Soldaten (vgl. Mt 27,34). Der Ysop ist eine kleinbuschige Pflanze mit stark
riechenden Blättern, der bei Reinigungsopfern zum Besprengen verwendet wurde.
Seine Stängel werden bis zu 80 Zentimeter lang und reichten damit, den
Essigschwamm dem Gekreuzigten bis zum Mund zu führen (vgl. 47,z.St.; 54,z.St.).
15
Jesus starb wahrscheinlich durch einen Herz Riss, was erklären würde, dass
zuerst angesammeltes Blut und dann Serum aus der Wunde quoll (21,I,859).
Johannes wollte damit als Augenzeuge bezeugen, dass sich im Nichtzerbrechen der
Unterschenkel und im Durchbohren von Jesu Seite die Schrift erfüllt hat (Ps
34,21; Sach Sach 12,10; Offb 1,7), und, dass Jesus wirklich tot war. Vgl. dazu
die Anmerkung zur aufkommenden Irrlehre der "Gnosis" in 1Tim 6,20
16
Die Verbrecher wurden "nackt
wie ein Neugeborenes"
gekreuzigt (21,I,857).
17
Die Peitsche der Römer hatte an einem Stock schmale Lederriemen, in die
Bleistücke und scharfe Knochensplitter eingeflochten waren. Die Zahl der
Schläge war, anders als bei den Juden, unbegrenzt und dauerte so lange, bis der
Soldat müde war. Am Ende der Geißelung lagen manchmal die Knochen und
Eingeweide bloß und das Fleisch hing in Fetzen vom Körper. Die Geißelung endete
oft mit dem Tod des Gequälten (54,z.St.;
65,I,515). Bei Jesus dürfte Pilatus weniger Hiebe angeordnet haben, denn er
wollte nicht, dass er dabei stirbt.
18
Sie hätten das Land nach Dtn 21,23 kultisch verunreinigt, was den Hohepriestern
Sorge bereitete, - ihre eigene Verunreinigung durch die Verurteilung eines
Unschuldigen beunruhigte sich aber nicht.
19
Der Ort ist vermutlich mit Ramathajim Zophim identisch, dem Geburtsort Samuels
(1Sam 1,1) und liegt 15 km nordöstlich von Lydda (54,z.St.).
20
"Freund des Kaisers" war ein Ehrentitel, wenn man ihn verlor, hatte
das unangenehme Folgen. Damit erpressten sie Pilatus, denn er hatte zu diesem
Zeitpunkt wegen mehrerer Vorfälle bereits einen schlechten Ruf bei Kaiser
Tiberius, darum fürchtete er sich. Schon einmal gab er dem Willen der jüdischen
Führer nach, um nicht beim Kaiser von ihnen angeschwärzt zu werden. Auch begann
der Stern seines Gönners Sejanus in Rom zu sinken, und ein Jahr später fiel
dieser beim Kaiser Tiberius in Ungnade (65,I,517f).
21
Der aramäische
Name für die marmorbekleideten Terrassen vor dem herodianischen Palast in
Jerusalem. Nach anderen das Steinpflaster vor der Burg Antonia (65,I,518).
Jedenfalls der Ort, wo Pilatus Gericht über Jesus hielt.
22
Der
Verurteilte wurde nackt ausgezogen und musste den Kreuzes-Querbalken (patibulum)
normalerweise selbst zur Hinrichtungsstätte tragen (65,I,519). Es ist dies kein
Widerspruch zu den Synoptikern. Zuerst trug Jesus diesen Querbalken selbst,
doch dann brach er darunter zusammen. Der zufällig vorbeigehende Simon wurde
daher von den Soldaten gezwungen, ihm den Querbalken zu tragen (25,II,579f).
23
Der Verurteilte
wurde mittels zwei großer Nägel durch seine Handgelenke - und nicht in den
Handflächen - an den Querbalken angenagelt. Danach wurde der Querbalken mit dem
Gekreuzigten, oben auf dem etwa 3 m hohen Pfahl befestigt. Nach einer jüdischen
Überlieferung wurden auch die Passahlämmer zum Abhäuten auf solche Weise an
zwei eisernen Haken aufgehängt (65,I,519).
24
Pilatus bleibt den jüdischen Führern gegenüber feindlich eingestellt. Vermutlich im selben Jahr
der Kreuzigung, ließ Pilatus eine Münze mit dem Bild des Kaisers prägen, auf
dem dieser das heidnische Symbol des "Seherstabs" trägt, und diese in Judäa
in Umlauf bringen, was die Juden erzürnte (65,I,520).
25
Obwohl Jesus noch jüngere Geschwister hatte, die für seine Mutter hätten sorgen
können, übergibt er sie in die Obhut seines Lieblingsjüngers Johannes, denn
seine Brüder waren damals (noch) nicht gläubig.
26
Johannes verwendet das Pronomen εκεινος gerne, um das Subjekt stärker zu
betonen (vgl. Joh 1,18; 5,39; 7,20; 9,51; 19,31; ua.). Auch hier will er
betonen, dass er selbst als einziger Augenzeuge, den vorher beschriebenen
Vorgang so gesehen hat. Es ist daher kein Zusatz eines späteren Herausgebers
des Evangeliums, wie in Joh 21,24 (25,589; 62,668).
27 Jesus übergibt (oder überlässt) von sich aus sein Leben dem Vater, nur er kann das (Joh 10,18). Jedem anderen Menschen wird sein Leben im Augenblick des Todes genommen.
1 Das ist
die Sprache der Liebe! Der Leichnam wäre für sie viel zu schwer gewesen.
2
Metallstifte, - solche wurden bei der Kreuzigung verwendet. Da das Wort im
Plural steht, wurden die Handgelenke Jesu mit zwei Nägeln auf einem
Kreuzesquerbalken festgenagelt. Bei einer Kreuzigung an einem Pfahl hätten die
Soldaten mit nur einem Nagel beide Handgelenke durchbohrt! Obwohl das körperliche Aussehen Jesu nach seiner
Auferstehung etwas anders gewesen sein muss als vorher, waren seine Wundmale
auch noch in seinem verherrlichten Körper zu sehen, wohl als ewige Erinnerung
an seine Leiden für uns.
3 entw. ein
ingressiver Aor.; od. allg.: er überzeugte sich selbst davon, dass die
Grabkammer wirklich leer war (2,z.St.).
4 hebr.: Rabunni
= w.: Mein Herr! Eine persönlichere, liebevollere und weniger formelle Anrede
als "Rabbi".
5
Verneinter Imp.Präs.: jmdn. nicht länger festhalten, "...lass mich
los!" (2,607; 13,80; 65,I,527). Es ist trotz seiner Auferstehung noch
nicht das Zeitalter angebrochen, wo Jesus hier auf Erden bleibt, um als König
zu regieren. Davor muss noch viel Verkündigungsarbeit von seinen Jüngern getan
werden (vgl. Apg 1,6-9).
6 Ohne
Art.: die Kraft bzw. Vollmacht des Heiligen Geistes, die für den Dienst nötig
ist; od. wie in Gen 2,7; Hes 37,10 und 1Kor 15,45 zu verstehen: "Empfangt
geistliches (d.h. ewiges?) Leben". Manche sind der Ansicht, der Imperativ
müsse hier zukünftig verstanden werden, d.h.: "Ihr werdet heiligen Geist
empfangen", d.h. zu Pfingsten (64,558).
7
Wahrscheinlich präsentisches Perfekt. In manchen Hs: ein Präs. mit
Futur-Bedeutung bzw. Fut. (2,z.St.); z.B. in: Mt 18,18 und 2Kor 2,7.10. - Im
rabbinischen Sprachgebrauch bedeutet "Sünden erlassen" die
Wiederaufnahme in die Synagogengemeinschaft und "Sünden behalten" den
Ausschluss aus der Synagogengemeinschaft. Dies dürfte hier aber nicht
gemeint sein, denn Jesus vergleicht die Sendung der Jünger mit seiner eigenen
Sendung. Er selbst hat Sündenerlass immer nur aufgrund von Glauben
zugesprochen. "Dein Glaube hat dich errettet" (Lk 7,48.50). So
konnten auch die Jünger, denen die ihrer Verkündigung glaubten, den
Sündenerlass augenblicklich zusprechen, daher der Aorist (vgl. Apg 2,38). Denen
aber die keinen wahren Glauben hatten mussten sie sagen, dass ihnen ihre Sünden
weiterhin bleiben, daher das Präsens (vgl. Apg 8,20ff). Das Resultat ist in
beiden Fällen dauerhaft, daher das Perfekt (13,81).
8 Vgl. Mt
10,14; Apg 13,51; 18,6; 20,26
9 D.h. nach
einer Woche (2,z.St.), also wieder an einem Sonntag, weshalb sich die Gläubigen
danach immer am Sonntag versammelten (Apg 20,7; 1Kor 16,2; Plinius der Jüngere,
Briefe 10,96).
10 In der
Koine steht der Nominativ mit Artikel für den Vokativ (2,z.St.). Daher ist der
Ausdruck nicht als bloßer Ausruf der Bewunderung für Gott zu verstehen, sondern
als direkte Anrede an Jesus. Der Auferstandene ist für Thomas Herr und Gott.
Aus dem Zweifler wurde damit der erste Jünger, der die Gottheit Christi
proklamierte! Plinius der Jüngere berichtet in seinem Schreiben an den Kaiser,
dass die Christen ihrem Herrn Jesus Christus Hymnen sangen wie für einen Gott
(65,I,529).
11 Da der
erste Tag der jüdischen Woche (unser Sonntag) der Tag von Jesu Auferstehung
war, wurde er von den ersten Christen zum dem Tag erwählt, an dem sie sich
frühmorgens zum Lobpreis und abends zum Brotbrechen versammelten (vgl. die Anm.
bei Apg 20,7ff), obwohl er bis zum 3.Jhdt. ein normaler Arbeitstag war. Dies
bezeugt auch die "Didache" und ein Schreiben von Plinius dem Jüngeren
(Briefe 10,96) an den Kaiser Trajan. Der Auferstandene erschien den Jüngern
immer an einem Sonntag, darum wurde wohl dieser Tag als Versammlungstag
gewählt. Damit erfüllte sich die bildliche Bedeutung der jüdischen Woche: am Freitag,
dem letzten Tag der jüdischen Woche starb Jesus und vollendete sein Werk, am
Sabbat (Samstag) ruhte er, und am ersten Tag (Sonntag) der jüdischen Woche ist
er auferstanden und hat damit eine neue Ordnung eingeführt. Das ergibt auch
eine Parallele zur Schöpfung: am sechsten Tag vollendete Gott sein
Schöpfungswerk, am siebten Tag ruhte er, der achte Tag war der erste Tag, an
dem der Mensch seinen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung bekam.
12 Wahrscheinlich
lagen die Binden noch so da, als wäre ein Körper damit eingewickelt gewesen,
doch der Körper war nicht mehr darin. Dies vermittelte zuerst für Petrus und
dann für Johannes den Eindruck, hier wäre einer einfach aus den Binden geschlüpft,
ohne sie abzuwickeln, hat dann das Schweißtuch ordentlich zusammengelegt, um
danach nach draußen zu gehen. Jedenfalls ein Indiz dafür, dass der Leichnam
nicht einfach so wie er war, gestohlen und weggetragen wurde (21,I,862;
65,I,526).
13 Zuerst
kam Maria Magdalena allein, als es noch finster war, dann nach Sonnenaufgang
kam Maria Magdalena noch einmal mit der anderen Maria und Salome; Mk 16,1-2.
Für eine Harmonisierung der Auferstehungsberichte siehe: 60,446-458 und 64,503.
1 Im Vergleich zu früheren Nächten, denn
gefischt wurde oft in der Nacht!
2 Fast als Slang aufzufassen: "He Jung's,
ihr habt wohl nichts zu essen, nicht wahr" (21,I,868).
3 Gen. des Vergleichs (wegen Mt 26,33)
"...mehr als diese anderen Jünger mich lieben"? Möglich auch: "…mehr als diese Boote und Netze und dein
früheres Leben" (21,I,870; 54,z.St.).
4 Die dreimalige Frage soll Petrus an die
dreimalige Verleugnung erinnern und ihm dreimal die Chance geben, seine
Loyalität für Jesus zu bekunden: (1.) Joh 21,15 = Mt 26,70 "...wirklich
mehr als diese?" (2.) Joh 21,16 = Mt 26,72 "liebst du mich
überhaupt?" (3.) Joh 21,17 = Mt 26,74 "hast du mich wenigstens
gern?" Der Auftrag wird aber nach jeder Antwort größer: Lämmer zu weiden
war relativ einfach, denn sie blieben immer beim Mutterschaf. Schafe zu hüten war schon schwieriger, denn
sie liefen gerne weg. Schafe zu weiden erforderte die meiste Zeit und
Anstrengung. Jesus gebraucht beide Ausdrücke (weiden und hüten) und
unterscheidet sie damit auch in ihrer inhaltlichen
Bedeutung. Bei jungen Lämmlein steht nicht das Hüten (Strong Nr. 4165),
sondern das Weiden (Strong Nr. 1006) im Vordergrund, da sie ohnehin
immer in der Nähe des Mutterschafes bleiben, um zu trinken. Der Hirte muss aber
dafür sorgen, dass sie auch auf Grünfutter umgestellt werden. Bei älteren
Schafen hingegen steht das Hüten im Vordergrund, weil sie anfangen sich
von der Herde zu entfernen und so in Gefahr stehen den Raubtieren zum Opfer zu
fallen. Aber auch bei ihnen darf nicht vergessen werden, dass auch sie geweidet
werden müssen. In diesem Sinn stellt der Herr Jesus mit seiner dreimaligen
Frage an Petrus diesen wieder für seine umfassende Aufgabe her (vgl. Lk 22,32),
da er zuvor durch seine dreimalige Verleugnung gestrauchelt war. In der
Anwendung müssen Junggläubige zuerst "geweidet" werden, später steht
dann das "Hüten" im Vordergrund, wobei aber auf das "Weiden"
auch bei reiferen Gläubigen niemals vergessen werden darf. Vgl. auch LXX: 1Ch 11,2; Ps 78,72; Jer
23,2
5 Petrus fiel des Öfteren durch jugendliches
Ungestüm und durch eigenwilliges Vorpreschen auf. Wenn er alt werden wird, wird
sich das ändern. Er wird sich ruhig in den Willen des Herrn fügen. Das ist, was
der Herr ihm hier sagen will. Aus Furcht verleugnete Petrus den Herrn dreimal,
am Ende seines Lebens ließ er sich furchtlos binden und wurde 64 (oder
67) n.Chr. unter Kaiser Nero mit dem Kopf nach unten gekreuzigt, wie uns die
Tradition glaubhaft mitteilt (62,IV,699 Fußnote). Das ist Wiederherstellung! Als
Johannes das schrieb, wusste er schon, dass Petrus hingerichtet worden war, und
auch auf welche Art er hingerichtet wurde.
6 Als Bezeichnung für die Schwachen (oder
Neubekehrten?) in der
christlichen Gemeinde die besondere Fürsorge für ihr geistliches Wohl brauchen.
7 D.h. nur mit einem Lendenschurz oder
enganliegendem Unterkleid bekleidet. Manchmal, besonders
bei der Arbeit, war es das einzige Kleidungsstück, das man trug. Eine Person,
die nur ein solches Unterkleid trug, wurde als "nackt" betrachtet.
Daher zog sich Petrus sein Gewand an, bevor er in den See sprang, um zu Jesus zu schwimmen. -
Dass Petrus den Herrn
nicht selbst erkannte, weist darauf hin, dass der Auferstehungsleib Jesu nicht
völlig ident war mit seinem Aussehen davor (vgl. auch Lk 24,30; Joh 21,12).
8 Das körperliche Aussehen Jesu nach seiner
Auferstehung muss zwar etwas anders gewesen sein als vorher, dennoch war es
klar, dass es er ist. Seine Wundmale waren aber auch in seinem verherrlichten
Körper noch zu sehen, wohl als ewige Erinnerung an seine Leiden für uns.
9 Die Jünger konnten das übervolle schwere
Netz nicht über die Bordkannte des größeren Schiffes ziehen. Deshalb
holten einige Jünger ein kleineres Ruderboot, um zu helfen und um
mit beiden Booten das übervolle Netz hinter sich her an Land zu ziehen.
10 1 Elle, von der Ellbogenspitze bis zur
Mittelfingerspitze gemessen, betrug in Palästina 52,5 cm (33,1249).
11 Die Verse 24-25 sind von den Herausgebern des
Evangeliums angefügt worden. Einige Hs. fügen hier noch Joh 8,2-11 an, doch
diese Verse standen sicherlich nicht an dieser Stelle.
12 So wie er sie hier nach dem Fischen mit Essen
versorgte, würde er sie künftig auch beim Menschenfischen mit allem Notwendigen
versorgen.
13 Weil aufgrund von zwei oder drei Bezeugungen
jede Sache bestätigt wird. Hier die Auferstehung Jesu, - oder die
Wiederherstellung des Petrus?
14 Das "Wir" bedeutet wahrscheinlich: wir seine Schüler
und Herausgeber des Evangeliums. Aber Johannes könnte diese Worte im Sinne
eines Plurals (wie in Joh 1,14; 19,35; 1Joh 1,1-4 und 3Joh 1,12) auch selbst
geschrieben haben. D.h. das Zeugnis von mir und den anderen Aposteln (65,I,532;
54,z.St.).
15 Schwimmen zu können, war damals eine
Selbstverständlichkeit (52,V,47).
16 Der durative Imp.Präs. bedeutet vielleicht: "Nachdem du bei der Verleugnung deinen eigenen
Weg gegangen bist, folge mir von nun an treu, wohin auch immer ich dich führen
werde."
Dann würde Petrus das tun, was er schon früher tun wollte (Joh 13,36.37), wozu
er aber damals zu feige war.
17 Obwohl das Ereignis für Johannes Jahrzehnte
zurücklag, war dieser Fang so eindrücklich, dass er sich die Anzahl der Fische
noch merkte. Manche sehen darin auch einen allegorischen Hinweis auf die
erfolgreiche Heidenmission.
18 Nach einer gut bezeugten Überlieferung war
Johannes der einzige Apostel der nicht als Märtyrer starb (65,I,532).
19 Der Unterschied zwischen den beiden Synonymen
lieben und gern haben in den Versen 15-17 ist zu beachten.
Taten der Apostel
1 Ps 69,26
2 Ps 109,8; vgl. auch die Anm. bei
Mt 21,16.
3 Der Anlass für die Frage ist die Zusage der
Geistausgießung (Vers 5), weil Joel 3,1-4 die Erfüllung von Vers 5 ist (Apg
2,16ff). In Joel 3,5 - 4,21 folgt aber unmittelbar nach der Geistausgießung die
Wiederherstellung Israels. Außerdem redete er in Vers 3b mit ihnen über die
(zukünftige?) Königsherrschaft Gottes. Vgl. auch ihre Erwartung in 1Pet 2,16ff:
zuerst die Leiden des Christus, danach die Herrlichkeiten (Pl.! =
des Reiches Gottes). Für sie war es keine Frage, ob Jesus diese irdische
Herrschaft für das Volk Israel wiederherstellt, das war für sie vom AT her
klar, ihre Frage war nach dem Zeitpunkt: Wann? Schon jetzt, oder erst später?
Jesus sagt ihnen danach, dass sie davor das Evangelium auf der ganzen
Erde verkünden werden. Erst danach wird sich Gott wieder seinem Volk
Israel zuwenden.
4 Es besteht kein Widerspruch zu Mt 27,5, denn
die Hohepriester kauften das Grundstück von seinem (d.h. Judas) Verräter-Lohn,
sozusagen in seinem Namen. Insofern erwarb er (d.h. Judas) es,
denn das Blutgeld wurde nach rabbinischem Recht noch immer als sein Besitz
betrachtet und damit auch das davon gekaufte Grundstück. Als er sich erhängte
riss offenbar das Seil und er fiel auf den felsigen Boden und sein Körper
zerplatzte (34,II,575; 21,II,64f).
5 Es gab zu dieser Zeit schon über 500 Brüder
(1Kor 15,6), dennoch waren bei diesem Treffen nur 120 ausgewählte Jünger dabei.
6 Damit ist das Lukas-Evangelium gemeint, auch
dort benützt Lukas die typische Anrede für hohe römische Beamte. So redet man
keinen Glaubensbruder an, daher ist dieser Theophilus wahrscheinlich der
römische Beamte der den "Fall Paulus", während des zweijährigen
Hausarrests in Rom, im Auftrag des Kaisers untersuchte. Die Apostelgeschichte endet
ja auch mit dem Ende dieses Hausarrests (65,II,7). So sind auch die vielen
Bezüge des Lukas auf Entscheidungen von römischen Autoritäten einzuordnen. Sie
sollen für Theophilus als Präzedenzfälle dienen, an denen er sich orientieren kann
(65,II,107 ua.).
7 Grammatisch auch möglich: "...die er
sich durch Heiligen Geist für sich auserwählte".
8 D.h. wie er hier in seinem Auferstehungskörper
in einer Wolke in den Himmel aufstieg, so wird er bei seiner Wiederkunft vom
Himmel, auf einer Wolke auf die Erde kommen, und zwar auf den Ölberg (Sach
14,4), also genau an den Ort, von dem er auch in den Himmel auffuhr (Lk 24,50;
Apg 1,12). Er kommt wieder, um auf der Erde sein Königreich aufzurichten (Lk
19,12.27; Offb 19,15-16; 20,4b; Dan 7,13-14 ua.). Bei Christi Wiederkunft wird
ein großes Erdbeben stattfinden. Dabei wird sich der Ölberg spalten und durch
einen tektonischen Bruch ein langgezogenes Tal entstehen (Offb 16,18-19; Sach
14,4-5). Unter dem Ölberg verläuft der Ostafrikanische Grabenbruch, eine
tektonische Rift-Zone, an der die Arabische Platte und die Afrikanische Platte
aneinanderstoßen. Dieser Grabenbruch reicht von Syrien über das Jordantal und
das Rote Meer, bis zum Golf von Aden und dann weiter bis Ostafrika. Siehe: 800px-Tectonic_plates_de.png
(800×508) (das-erdbeben.de) und: Ostafrikanischer
Graben – Wikipedia
9 Die inzwischen gläubig geworden waren. Vgl.
Joh 7,5 und 1Kor 15,7
10 Die Hohepriester kauften von seinem
Verräter-Lohn das Grundstück des Töpfers als Begräbnisplatz für die Fremden
(vgl. Mt 27,6-7 mit Sach 11,12-13).
11 Wohl um ihn in der Urgemeinde einerseits von
Judas Barsabbas (Apg 15,22), andererseits von Jesus Justus (Kol
4,11) zu unterschieden.
12 Das sind etwa 1050 Meter. Das ist die
Wegstrecke, die man nach rabbinischer Auslegung von Ex 16,29 und Num 35,5,
höchstens von seiner Wohnung aus gehen durfte, ohne das Gebot der Sabbatruhe
zu verletzen (33,1249).
13 In der medizinischen Terminologie der
augenscheinliche und offensichtliche Endbefund, der dem Arzt vorlag (37,628).
14 Es ist hier das erste, aber auch das letzte
Mal, dass die Apostel die Entscheidung Gottes durch das Los herbeiführten. Mit
der Losentscheidung standen sie in der Tradition des AT (Lev 16,8; Jos 7,14ff; Rich
20,9; 1Sam 10,20-21; 14,41-42; Spr 16,33; Jona 1,7 ua.). Nachdem sie aber zu
Pfingsten den Heiligen Geist empfangen hatten, entschieden sie danach nur mehr
nach seiner Führung (Apg 8,29; 10,19; 11,12; 13,2.4; 15,28; 16,6-7; vgl. Röm
8,14).
15 Die Juden teilten die Menschheitsgeschichte
in Zeitalter ein (65,II,11). Der Übergang von einem Zeitalter zum anderen Zeitalter,
war dann ein kritischer "Zeitpunkt". Man kann in der Bibel 7 solche Zeitalter
ausmachen, wobei jedes Zeitalter mit einer prominenten Person beginnt, der eine
Verantwortung gegeben wird, danach bricht die Sünde ein und es folgt das
Gericht:
(1.) Die Zeiten der Unschuld: Adam (als unschuldig
geschaffener Mensch) → Gebot → Gebot
gebrochen →
Vertreibung aus dem
Paradies
(2.) Die Zeiten vor der Flut: Adam (als gefallener Mensch) → Gewissen → Gewissen verhärtet → Sintflut
(3.) Die Zeiten nach der Flut: Noah → Herrschaft des
Menschen → Herrschaft missbraucht →
Sprachenverwirrung
(4.) Zeiten der
Patriarchen: Abraham → Verheißung des Landes → Verheißung in Ägypten vergessen →
Versklavung in Ägypten
(5.) Die Zeiten des Gesetzes: Mose → Gesetz gegeben → Gesetz gebrochen → Wegführung nach Babel
(6.) Die Zeiten der
Nationen: Serrubabel → Verheißung des Königreiches für einen Überrest →
Verwerfung
des Königs Jesus → Zerstreuung unter alle Nationen (70 n.Chr.) und große
Trübsal Israels
(7.) Die Zeiten der
Wiederherstellung aller Dinge: Der König Jesus Christus → Herrschaft Christi im
tausendjährigen Reich → Auflehnung der Nationen → ewige Verdammnis im
Feuersee
Zwischen dem 6. und
dem 7. Zeitalter liegt die Zeit der Gemeinde, ein Geheimnis im AT. In dieser
Zeit sammelt Gott alle Auserwählten aus den Nationen zu seinem Leib der
Gemeinde. Wenn sich diese Auserwählten alle bekehrt haben, wendet sich Gott
wieder seinem irdischen Volk Israel zu (Röm 11,25-26).
16 Wahrscheinlich das gleiche Obergemach in dem
das letzte Passahmahl stattfand. Manche meinen, es war im Haus der Maria, der
Mutter des Markus, wie auch Apg 12,12 zu beweisen scheint. Dort versammelte sich
eine der vielen Hausgemeinden in Jerusalem. Wenn das stimmt, war diese Maria
eine wohlhabende Frau (wahrscheinlich schon Witwe), denn die Häuser mit
Obergemächern waren in der Oberstadt, wo die Reichen wohnten. Nach Apg 1,15 hatte
dieses Obergemach immerhin Platz für 120 Personen (33,741; 65,II,13). Das gibt
uns auch eine gewisse Vorstellung über die Größe der damaligen Hausgemeinden.
17 Jesus hatte sicher bewusst 12 Apostel
ausgewählt, um aufzuzeigen, dass seine Jünger die "Stammväter" des treuen Überrestes des abgefallenen
Volkes waren (vgl. Mt 19,28). Folglich musste die Zahl der 11 Apostel wieder auf
12 aufgestockt werden, wie auch Offb 21,14 zeigt (65,II,14).
18 Dieser Beiname verweist entweder auf den frommen Eifer dieses Simon, oder darauf, dass er früher Mitglied der Zeloten war. Dies war ein Terrorgruppe, die die römische Herrschaft mit Gewalt beseitigen wollte (53,z.St.).
1 Joel 3,1-5 (LXX). Die Prophezeiung Joels begann
sich zu Pfingsten zu erfüllen. Sie wird aber erst mit den angekündigten
Zeichen von "Blut und
Feuer und Rauch Dampf" vor dem Kommen des Herrn (Mt 24,29) völlig
erfüllt sein. Für
Petrus stand die Wiederkunft Jesu ohnehin unmittelbar bevor (Apg 3,19-20). Zwischen
Joel 3,2-3 befindet sich ein prophetischer Zeitsprung. Zum "prophetischen Zeitsprung" vgl. die Anm. zu Lk 4,18-19
2 Lukas hat die Predigt des Petrus
zusammengefasst, in Wirklichkeit dauerte sie natürlich viel länger.
3 Nach manchen folgte Lukas hier einfach der
Völkertafel aus Gen 10,1ff. Damals sprachen alle noch eine Sprache. Nach dem
Turmbau zu Babel wurde diese Einheitssprache von Gott verwirrt und viele
Sprachen entstanden. Durch das Sprachenwunder zu Pfingsten, das die
Sprachenbarriere aufhebt, wurde dieses Gericht sozusagen rückgängig gemacht
(65,II,17).
4 Alle Imperfekte drücken ein wiederholtes und
andauerndes Handeln aus (21,II,96).
5 Der Artikel unterstreicht, dass das
Herrenmahl gemeint ist, und nicht nur eine gewöhnliche Mahlzeit (wie Vers 46, daher
dort ohne Artikel), mit der es am Anfang bei der Hauptmahlzeit am Abend zweifellos
verbunden war.
6 Ps 16,8-11 (LXX)
7 Die Lehre der Apostel ist die Lehre Jesu (Mt
28,20a), weil Jesus den elf Aposteln verhieß, dass der Heilige Geist sie alles
lehren würde, und sie in die ganze Wahrheit einführen, und ihnen alles
Zukünftige offenbaren wird (Joh 14,26; 16,12-15). Seit dem Tod des letzten
Apostels Johannes gibt es daher keine neue Offenbarung und Lehre mehr (vgl.
Offb 22,18-19; Jud 1,3b; 1Joh 2,24). Alle die etwas Neues bringen wollen, sind
falsche Propheten!
8 Nicht das Evangelium verkündigten sie in
Sprachen, sondern sie lobten Gott in verschiedenen Sprachen (vgl. 1Kor
14,15-17). Die Evangeliums-Botschaft wurde dann von Petrus in seiner
Muttersprache Aramäisch verkündet. Die Gabe der Sprachenreden ist keine
Evangelisationsgabe, sondern ein "Ventil" für den Heiligen Geist, um Gott unaussprechlich
zu loben (1Kor 14,15-16a; Röm 8,26?).
9 Iterativer Impf.: sie verkauften und
verteilten sie Stück für Stück, und nicht alles auf einmal, sondern immer dann,
wenn wieder "Not am Mann war".
10 Ps 110,1 (LXX)
11 Sowohl Wind als auch Feuer waren
alttestamentlich Symbole für den Heiligen Geist. Der Heilige Geist kam auf
einen jeden einzelnen von ihnen.
12 Vgl. 2Kor 2,15, also die, welche sich
erretten ließen (77,143). Eher unwahrscheinlich im Sinne eines Ptz.Fut.: "...die
gerettet werden sollten" (21,II,98; 2,633; 44,357).
13 Zeichen und Wunder zu tun, war offenbar den
Aposteln und Evangelisten in der Anfangszeit, als machtvolle Bestätigung ihrer
Botschaft, vorbehalten. Vgl. die Anm. bei Mk 16,20, und Apg 4,30; 5,12; 6,8;
8,6; 14,3; 19,11; Röm 15,19; Heb 2,3-4
14 Pfingsten war das Fest des Beginns der
Weizenernte. Der Heilige Geist wurde nicht zufällig an diesem Tag ausgegossen (Lk
3,17). - Im Judentum gedachte man seit dem 1.Jhdt. n.Chr. zu Pfingsten an die
Gabe des Gesetzes am Sinai. Der Bericht von Ex 19,16-19 wurde im Laufe der Zeit
dahingehend ausgeschmückt, dass Gott in einer Sprache wie aus Feuer dem Volk
die Gebote mitteilte, und zwar in allen 70 Sprachen der Welt. Das machte die
Ausgießung des Geistes und das anschließende Sprechen in Sprachen für die Juden
umso bedeutender (59,392).
15 Vgl. zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist: (1.)
vor Pfingsten: Lk 1,15.41.67; (2.) nach Pfingsten: Apg 2,4;
4,8.31 (dieselben Personen wie Kap. 2,4!); 9,17; 13,9.52. (3.) Der Befehl
an die Gläubigen, sich mit Heiligem Geist erfüllen zu lassen: Eph 5,18. (4.) Voll
Geistes sein: Apg 6,3.5; 7,55
16 Es war somit ein Wunder am Sprechenden,
nicht am Hörenden.
17 Ständige Bewohner und nicht nur Festpilger.
18 Vgl. Lk 22,22: (1.) Beschluss; (2.)
Vorkenntnis. Vorkenntnis bedeutet daher: schon im Voraus beschlossen und
bestimmt, und nicht umgekehrt.
19 D.h. wahrscheinlich: "unter Anrufung
des Namens Jesu Christi". Vgl. Apg 22,16; Röm 10,13; Jak 2,7
20 w.: "...zum"; aber besser zu
übersetzen mit: "…aufgrund", wie in Mt 3,11; 10,41; 12,41 (1,463).
21 Gemeinschaft bedeutet, dass sie alles, was
sie hatten, als gemeinsamen Besitz betrachteten, den man untereinander teilt.
Das betrifft materielle Güter (Röm 15,26), Geistesgaben (Röm 15,27) und Zeit
(Apg 2,46a). Sie waren sich bewusst, dass alles dem HERRN gehört (Ps 24,1).
Vgl. auch noch: Röm 12,13; 2Kor 9,13; 8,4; Php 1,5; Heb 13,16 ua.
22 Ein LXX Idiom: "zusammen"; vgl.
1Kor 7,5
23 D.h. in den einzelnen Häusern. In einem
großen Haus mit Innenhof konnten damals wohl über 100 Leute Platz finden: vgl. Apg
1,15 (120 Personen); 12,12 (viele!); Röm 16,23a
24 Asia wurde als römische Provinz 133-130
v.Chr. gebildet und umfasste zunächst nur die Küstenländer Kleinasiens und die
heutige Türkei. Dann wurde es 116 v.Chr. durch Phrygien erweitert und seit
Augustus von Prokonsuln verwaltet. In der Apostelgeschichte wohl in der älteren
Bedeutung und nur Mysien, Lydien und Carien umfassend, da in Apg 2,9 daneben
noch Phrygien genannt ist.
25 Ein süßer Presssaft aus Trauben, der sich
aber auch bereits in Gärung befinden kann. Von diesem frischen und noch süßen
Wein trinkt man gerne zu viel und wird deswegen leicht berauscht. Pfingsten war
ja das Erntedankfest. Traubenmost zu pasteurisieren und als nichtalkoholischen
Traubensaft zu gebrauchen war den Juden fremd. Der Wein der zum Essen getrunken
wurde, war im Verhältnis von drei Teilen Wasser zu einem Teil Wein gemischt,
sodass man davon kaum betrunken werden konnte (21,II,77; 64,641).
26 Gemeint sind wirkliche menschliche Sprachen,
die aber den Sprechern nicht bekannt waren; siehe V.5ff und 1Kor 14,2ff (2,z.St.).
Diese
Gnadengabe der Sprachenreden ist immer die vom Heiligen Geist geschenkte
Fähigkeit eine fremde Sprache zu sprechen die man nicht gelernt hat und auch
selbst nicht versteht (vgl. Apg 2,6ff). Es ist die zeichenhafte Umkehrung des
Gerichts der Sprachenverwirrung in Babel in Gen 11,1-9 (21,II,99). Die Gabe
diente anfangs dazu, die ungläubigen Juden (vgl. 1Kor 14,22) in Jerusalem aufgrund
der Prophezeiung von Joel 3,1-2 davon zu überzeugen, dass Gott nun den Heiligen
Geist ausgegossen hat. Später diente sie dazu die Juden-Christen davon zu
überzeugen, dass Gott auch den Samaritern und den Heiden-Christen den Heiligen
Geist gegeben hat (vgl. Apg 2,5-12; 8,15-18; 10,45-46; 19,6). Außerdem diente
sie auch zur persönlichen Erbauung (1Kor 14,4a; Röm 8,26?) und zur Erbauung der
Gemeinde, allerdings nur wenn sie übersetzt wurde (1Kor 14,4b). Vgl. weiters
die Anm. zu 1Kor 13,8
27 Impf. freier übersetzt: "…sie kamen
nicht aus dem Staunen heraus". Die meisten Diaspora-Juden waren
zweisprachig, die Juden in Palästina sprachen aber nur Aramäisch und Griechisch
(65,II,17).
28 Mit "alles Fleisch" ist im
alttestamentlichen Zusammenhang wohl gemeint, dass jeder gläubige Israelit, und
nicht nur Propheten und Könige (vgl. V.18), mit dem Heiligen Geist gesalbt wird
(Num 11,29). An eine Geist-Ausgießung auch an Heiden, denkt Petrus (noch) nicht
im Entferntesten. Dazu bedurfte es erst einer speziellen Vision von Gott (Apg
10,13-17.47; 11,17-18).
29 κυριος ohne Artikel bezeichnet an anderen Stellen im NT
den Gottesnamen Jahwe des AT. Aber κυριος könnte hier auch als Titel verstanden werden,
und zwar als bewusster Gegensatz zum römischen Kaiser, der auch den Titel ΚΥΡΙΟΣ für sich beanspruchte. In Php 2,11 finden
wir den gleichen Gedanken. Jedenfalls wendet Petrus hier den Titel auf den
Herrn Jesus an.
30 Damit ist wohl gemeint, dass sie ihren
persönlichen Besitz als allen gehörig betrachteten (vgl. Apg 4,32), und wenn
Not war, etwas davon verkauften, damit die armen Geschwister unterstützt werden
konnten, nicht jedoch, dass sie alle alles auf einmal verkauften. Diese Form
der Gütergemeinschaft wurde noch bis ins 2.Jhdt.n.Chr. beibehalten (65,II,22).
31 Die Präposition εις bedeutet eigentlich: "
hinein…in" und man könnte übersetzen: "nicht überlassen wirst hinein in
(den) Hades" (2,z.St.), womit hier nicht ausgesagt wäre, dass der
Herr Jesus zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung im Hades war, sondern
das Gegenteil. Doch εις wird manchmal wie εν gebraucht (1,464) und der
Sprachgebrauch von εγ-κατα-λειπω lässt die obige Übersetzung nicht zu (77,114).
Vgl. auch die Anm. zu 1Pet 3,19
1 Ex 3,6
2 Dtn 18,15-20
3 Lev 23,29
4 Gen 22,18; 26,4. Der Ausdruck "in deinem Samen" wurde auch von den Rabbis messianisch
verstanden (34,II,712).
5 Die Zurückversetzung in einen früheren
Idealzustand (1,185). Die zukünftige Restauration des Königreiches für Israel, über
die Israels Propheten schon weissagten, und welche sich dann im tausendjährigen
Friedensreich auf dieser Erde endgültig erfüllen wird. Vgl. auch Anm. bei Apg
1,7 und Offb 20,2. - Dass die Erde nach der immensen Umweltverschmutzung und den
katastrophalen Gerichten von Offb 9,1-21; 16,1-21 ua., wieder in einen
paradiesischen Zustand wiederhergestellt wir, sollte für den allmächtigen Gott,
der aus dem Nichts eine paradiesische Erde geschaffen hat, nicht schwer sein.
6 Die Bedeutung "vorherbestimmt"
lässt sich für das griechische Wort zwar lexikalisch nicht beweisen, kann aber
als eine von Lukas bewusst gewollte Bedeutung nicht ausgeschlossen werden (vgl.
2,640; 11,110).
7 Samuel war für die Juden gleichzeitig der
letzte Richter und der erste Prophet Israels (21,II,118).
8 Das ist wohl der durch Jesus gewirkte Glaube,
sowohl in dem Gelähmten als auch in den Aposteln (2,638; 21,II,112). Möglich wäre
aber auch, dass der Glaube des Gelähmten gemeint ist.
9 Warum sagt Petrus nicht "als
hätte ich gemacht, dass…"? Weil die Vollmacht Zeichen und Wunder zu
tun, allen Aposteln gegeben war, auch wenn sie hier Petrus und nicht Johannes
ausgeübt hat. Vgl. die Anm. bei Mk 16,20
10 Vgl. Jes 42,1-9; 49,1-13; 50,4-11; 51,16;
52,13 - 53,12 (2,637f).
1
2Kön 19,15; Jes 37,16; Neh 9,6; Ex 20,1; Ps 146,6
2
LXX Ps 2,1-2. Diese Psalm-Verse wurde im Talmud messianisch verstanden
(34,II,716).
3
Sie wurden wiederum mit dem
Heiligen Geist erfüllt, der seit Pfingsten ja schon in ihnen wohnte. Vgl. die Anm.
zu Eph 5,18
4
Darum waren Zeichen und Wunder am Anfang nötig.
5
Beide Male Plural: d.h. wenn jemand mehr Häuser oder Grundstücke hatte
als er brauchte, verkaufte er sie. Nicht alle verkauften alles gleichzeitig,
sondern immer dann, wenn jemand in Not war. Diejenigen, die ihre Immobilien
verkauften, investierten in das Reich Gottes (vgl. die Anmerkungen zu Lk
16,1ff). Die anderen aber verloren bei der später einsetzenden Verfolgung ihre
Immobilien (Apg 8,1)!
6
Eigentlich durften Leviten kein Land besitzen (Num 32,7ff), aber Barnabas
könnte das Feld geerbt haben. Jedenfalls durften Juden ihr Erbteil nicht
verkaufen (Num 36,9), aber zugunsten der Nächstenliebe wurde diese Bestimmung
ausgesetzt. Barnabas hatte zwar nur ein Feld, doch er verkaufte auch
dieses. Damit wurde er, ohne es vorauszuahnen, frei für seine zukünftige
Berufung (Apg 11,22; 13,2).
7
Er hatte die Hauptverantwortung, um im Heiligtum für Ruhe und Ordnung zu sorgen
(2,z.St.), und war selbst ein Priester und der Hauptmann der Leviten, der
Tempelpolizei und rangmäßig direkt hinter dem Hohepriester (21,II,122). Er war auch
für die Verwaltung der Tempelsteuer verantwortlich (54,z.St.).
8
Hier für jemanden, der nicht in der jüdischen Theologie ausgebildet war. Dass
sie nicht Lesen und Schreiben konnten, wird hier aber keineswegs ausgedrückt (2,z.St.).
9
Noch stärker als "ungebildet": keine Spezialisten der jüdischen
Theologie, was den Hohepriestern aufgrund der theologischen Argumentation der
Apostel verwunderlich erschien, sowie auch schon seinerzeit bei dem 12-jährigen
Jesus im Heiligtum.
10
Impf. vielleicht: "...da kamen sie aus dem Staunen nicht mehr
heraus".
11
Meist vom Verhalten feuriger, ungeduldiger, schnaubender und sich aufbäumender
Pferde. Übertragen auf Menschen: sich stolz und überheblich brüstend. Hier
vielleicht als zeitloses hebr. Perfekt gebraucht: "Warum toben..." (2,z.St.).
12
D.h. entw.: "mit großem Nachdruck", od.: "...begleitet von
Zeichen und Wundern" (2,z.St.).
13
Wahrscheinlich: Gnade von Gott; od. viell.: Gunst, Beliebtheit und Ansehen von
den Menschen (21,II,137).
14
Nicht buchstäblich, sondern wahrscheinlich ein t.t. der Geschäftssprache: jmdm.
etwas zur Verfügung stellen oder treuhändisch überlassen (2,z.St.). Die Apostel
waren anfangs zuständig für die gerechte Verteilung an die bedürftigen
Geschwister. Nachdem Klagen über eine ungerechte Verteilung entstanden,
übertrugen sie diese Aufgabe Diakonen.
15
Hannas war davor von 6-15 n.Chr.
Hohepriester, Kaiphas, sein Schwiegersohn, war von 18-37 n.Chr. Hohepriester
(vgl. 47,z.St.). Die Ex-Hohepriester hatten auch nach ihrem Abtritt noch große
Macht, hier insbesondere, da Hannas der Schwiegervater von Kaiphas war.
16
Der hier erwähnte Herodes ist Herodes
Antipas, - ein Sohn von Herodes dem Großen, - der von 4 v.Chr. bis 39 n.Chr.
Tetrarch von Galiläa und Peräa war (vgl. 47,z.St.).
17
Plural, d.h. Johannes hat sich an dem
Gespräch nach der Predigt des Petrus auch beteiligt.
18
Von beiden wissen wir nichts Gesichertes
(vgl. zu Vermutungen 21,II,125).
19
Vgl. Ps 118,22 wurde auch im Talmud
messianisch verstanden. Petrus hat von Jesus gelernt die Schrift als Beweis zu
zitieren; Mt 21,42 (21,II,126).
20
Natürlich kannten sie sie schon
vorher, aber hier wurde ihnen bewusst, dass Jesu Gesinnung und Freimütigkeit
auf diese Männer übergegangen war.
21
Das wird wohl am besten so zu
verstehen sein, dass einer mit dem Gebet begann, ein weiterer fortfuhr, ein
Dritter einstimmte, usw., sodass schließlich alle einzelnen Kurz-Gebete
zusammengefasst, das niedergeschriebene Gebet widerspiegelten. Denn es ist kaum
denkbar, dass das ganze Gebet der Gläubigen nur so kurz war. Wenn der
Gebetsablauf wirklich so gewesen ist wie oben beschrieben, wäre es ein
wichtiger Denkanstoß für unsere Gebetspraxis in Hinblick auf "einmütiges" Gebet.
22
Nicht um die Bestrafung der
Hohepriester, oder Bewahrung vor den Hohepriestern bitten sie, sondern um Kraft
zum Zeugnisgeben.
1 Diese zweite (vgl. Lk 2,2 für die
erste) Steuereinschreibung war 6-8 n.Chr. für das ganze römische Reich, - als
Quirinius Prokurator der Provinz Syria war, - in die Judäa kurz davor
eingebunden wurde. Sie diente den Römern dazu, die Vermögenseinschätzung für
die Steuereintreibung in den Provinzen zu erheben (vgl. 2,663).
2 od.: "Was dies wohl bedeuten mag".
od.: "Wohin dies noch führen würde." (2,z.St.).
3 Es handelt sich um Gamaliel I. den Älteren
(47,z.St.), ein angesehener Rechtsgelehrter. Er war der Erste von sieben
Rabbis, der den Titel "Rabban" erhielt, war der berühmteste Schüler von
Rabbi Hillel, und gehörte damit zum liberaleren Flügel der Pharisäerpartei. In
der Mischna wird er als religiöse Autorität genannt. Er starb 57/58 n.Chr. Nach
Apg 22,3 war er der Lehrer von Paulus.
4 Nach Josephus führte ein gewisser Judas ben
Ezechias, - der sich selbst als Messias ausgab und aus der galiläischen Stadt
Gamala stammte, - während der Volkszählung 6 n.Chr., einen Aufstand gegen die
Römer aus, wobei er von einem gewissen Pharisäer namens Saddok unterstützt
wurde (Antiquitates XVIII,1.1-6; XX,5.2; De bella Judaicum, II,8.1; XVII,8-9; 2,660).
Er scheiterte zwar und die Römer zerstörten aus Rache die galiläische Stadt
Sepphoris, aber einige Jahre später gründeten seine Nachfolger die Zeloten-Partei,
und seine drei Söhne starteten wieder eine Rebellion. Im Jahr 66 n.Chr. kam es in
Galiläa zu einem Aufstand, der dann zum verhängnisvollen Krieg mit den Römern
führte. Die drei Söhne des Judas wurden gekreuzigt. - Dass Gamaliel die
Christen mit dem Revolutionär Judas vergleicht zeigt, dass er die Botschaft
Jesu nicht verstanden hatte (21,II,159; 46,10; 58,252; 65,II,34).
5 D.h. sie verkündeten öffentlich im Tempel
und hin und her in den einzelnen Privathäusern das Evangelium. Vgl. Apg 20,20
6 Die Halle Salomos befand sich an der
Ostseite des Tempelplatzes. Vgl. die Anm. bei Joh 10,23
7 Über Hananias kam sofort das Gericht, weil
er als Mann die Verantwortung hatte, seine Frau hätte noch Gelegenheit gehabt
umzudenken.
8 Das beweist, dass der Verkauf der Güter
freiwillig war.
9 Es wird nicht ausdrücklich gesagt, dass dies
auch zur Heilung führte, wenn ja, dann war es der Glaube der Betreffenden und
die besonderen Wunder der Anfangszeit. Vgl. auch ähnliche Wunder bei Paulus in
Apg 19,11ff.
10 Das war gerade die Zeit, wo das tägliche
Morgenopfer im Tempel dargebracht wurde und sich deshalb viele Menschen im
Tempel aufhielten.
11 Das Synedrium und der Alten-Rat waren
wahrscheinlich das Gleiche (21,II,150; 13,154).
12 Das bedeutet nicht, dass der Teufel
buchstäblich von dem Herzen Hananias Besitz ergriffen hat, sondern, dass er
bildlich gesprochen Einfluss über sein Herz bekommen hatte. Die Ansicht, dass
der Teufel noch "Anrechte" auf einen Gläubigen hat, wenn dieser vor
seiner Bekehrung okkulte Dinge praktiziert hat, schmälert und verunehrt das
umfassende Erlösungswerk Gottes und entehrt damit Gott. Es ist unmöglich, dass
ein Gläubiger noch dämonisiert ist oder dämonisiert wird, denn "wenn nun
der Sohn euch freimachen wird, seid ihr wirklich frei" (Joh 8,36).
Außerdem ist der Leib (und nicht nur der Geist) des Gläubigen ein Tempel des
Heiligen Geistes (1Kor 6,19) und der Heilige Geist teilt sich bestimmt keinen
Tempel mit einem Dämon. Der Gläubige steht unter besonderem Schutz des Herrn
Jesus, "und der Böse tastet ihn nicht an" (1Joh 5,18). Der Einfluss
Satans auf den Gläubigen kann daher nur von außen kommen. Durch die Verlockung
verführt Satan ihn zur Sünde (Jak 1,14-15) und dies ist hier geschehen. Könnte
ein Gläubiger noch dämonisiert sein, wäre dies bei den Gläubigen in Apg
19,18-19 sicher der Fall gewesen. Doch davon wird dort nichts gesagt.
13 Dieser Theudas war nicht
der jüdische Widerstandskämpfer, der 44-46 n.Chr. in Palästina aufgetreten ist
und vom römischen Prokurator Cuspius Fadus enthauptet wurde, sondern hatte nur
den gleichen Namen (59,407; 60,486; 64,565; 65,II,34).
14 Da sich Pilatus außerhalb der Festzeiten
nicht in Jerusalem aufhielt, könnten sie durchaus ihren Plan ausgeführt haben
(65,II,34).
15 Damit ist die jüdische Prügelstrafe von 39
Stockhieben gemeint, diese war nicht vergleichbar mit der römischen Geißelung.
Nach anderen war es eine Geißelung, die bei den Juden mit einer Peitsche aus
weichen breiten Lederriemen durchgeführt wurde. Sie durfte nach Dtn 25,3
höchstens 40 Schläge betragen. Um ein
Verzählen zu vermeiden, gab man dem
Verurteilten nur 39 Schläge (54,z.St.).
16 Da Gamaliel vom Eventualis zum Realis wechselt
könnte dies bedeuten, dass er persönlich es durchaus für möglich hält, dass die
Apostel Gottes Werk tun (doch vgl. auch 13,104).
17 Die Strenge des Gerichts in dieser
Anfangszeit der Gemeinde erinnert an Jos 7,1ff. und 2Kön 2,23-24, und dient der
Abschreckung. Würde Gott heute noch genauso strafen, wären die Gemeinden
wahrscheinlich dezimiert.
18 Mit der Kreuzigung erklärten sie Jesus nach Dtn 21,23 auch zu einem von Gott Verfluchten (54,z.St.).
19 Damit wird ausgesagt, dass der Heilige Geist eine göttliche Person ist, denn eine Kraft kann man nicht belügen.
20 Die Unterordnung und der Gehorsam gegenüber Obrigkeiten (z.B. Staat, Ehemann, Eltern, Vorgesetzten, Ältesten, usw.) muss dort aufhören, wo ihre Anordnungen gegen Gottes Wort (Apg 4,19-20; 5,40-42; Röm 14,23; Dan 6,9-11 ua.), gegen das eigene Gewissen (Apg 23,1; 24,16; 2Kor 1,12; 1Tim 1,19; 3,9; Heb 13,18; 1Pet 2,19; 3,15-17), oder gegen die Verfassung gehen (Apg 16,35-39; 22,25-26; 23,16ff).
1 Impf.:
schon längere Zeit immer wieder (absichtlich?) übersehen wurden. Die Hellenisten
waren Griechisch sprechende Juden, die außerhalb Israels geboren wurden, und
erst im Alter nach Jerusalem gezogen waren. Die Hebräer waren in Israel
geborene Juden, die Hebräisch und Aramäisch sprachen (54,z.St.).
2 Das
beinhaltet sicher auch die Frauen (Apg 14,21), es wurden ja nicht nur Männer
gläubig.
3 Die
Apostel waren bis zu diesem Zeitpunkt auch die Verwalter der materiellen Güter
(Apg 4,35), jetzt gaben sie die Verantwortung vollends an diese ersten Diakone
ab. Diese wurden von der Gemeinde ausgewählt, später hat Paulus Anforderungen
für diesen Dienst angeordnet. 1Tim 3,8-13, siehe die Anm. dort.
4
Bezeichnet die auswärtigen Juden in Jerusalem, die eine eigene Synagoge hatten,
wie die Libertini in Pompeji. Der Name bezieht sich wohl auf die freigelassenen
Juden und deren Nachkommen, die Pompeius 63 n.Chr. als Kriegsgefangene nach Rom
mitgenommen hatte (21,II,174; 59,159).
5 Ein
"Proselyt" ist ein Heide, der voll zum Judentum übergetreten ist.
Davon unterschieden sind die "Gottesfürchtigen", die sich dem
Judentum in lockerer Form angeschlossen haben; vgl. Kap.10,2; 11,18; 13,16.26;
16,14; 17,4.17; 18,7 (vgl. 47,z.St.).
6 Die
Symbolik der Handauflegung hat ihren Ursprung im AT. Dort wurden die Hände zur symbolischen
Übertragung von Vollmacht und Segen aufgelegt (Num 27,18ff; Dtn 34,9 ua.). Ebenso
bei der symbolischen Übertragung der Schuld des Sünders auf das Opfertier (Lev
1,4 ua.). Beim Brandopfer war es umgekehrt die Übertragung der Heiligkeit des
Opfers wurde durch die Handauflegung symbolisch auf den Opfernden übertragen.
Grundbedeutung der Geste ist also Identifikation und Übertragung. In diesem
Sinne wurde die Handauflegung auch im NT praktiziert, von Jesus, den Aposteln und
deren Mitarbeitern, von Ältesten, oder von Annanias, der aber vom Herrn selbst
beauftragt war (Apg 9,12.17-18). Die Handauflegung geschah bei: (1.) bei Heilungen,
vor allem von Ungläubigen und bei Segnungen (Mk 5,23; 6,2; Mt 19,13; Apg 5,12; 9,12;
14,3; 19,11; 28,8 ua.); (2.) in besonderen Fällen bei der symbolischen Übertragung
Heiligen Geistes (Apg 8,17; 9,17; 19,6). Seit der Bekehrung von Kornelius
bekommt jeder den Heiligen Geist bei der Wiedergeburt; siehe: Röm 8,9; (3.)
bei der Einsetzung zu besonderen Aufgaben (Apg 6,6; 13,3; 1Tim 4,14; 2Tim 1,6);
(4.) wahrscheinlich auch bei der Einsetzung von Ältesten (1Tim 5,22); (5.) bei
der Aussendung von Missionaren durch die Ältesten der Gemeinde (Apg 13,3). - Wenn
Jesus Menschen heilte, hat er ihnen oft, aber nicht immer, die Hände aufgelegt
(Mk 6,5; 8,23; Lk 4,40; 13,13), nicht aber bei Dämonenaustreibungen. Doch auch
bei ihm war es nur eine symbolische Handlung, sonst hätte er immer
mit Handauflegung geheilt, was er aber nicht tat. Auch die Apostel legten nicht
immer die Hände auf, wenn sie jemanden heilten (z.B. Apg 3,1-8). Ob
Gläubige auch heute noch die Hände auflegen sollen, wenn sie Gott bitten
jemanden zu heilen ist umstritten. Aus der Anweisung in Mk 16,18 und dem
Beispiel des "einfachen" Gläubigen Ananias kann man eine solche Praxis
durchaus ableiten. Aber es darf an keine mystische Kraftübertragung durch die
Handlung gedacht werden, denn dies wäre eine Art von christlichem Aberglauben. Die
Geste der Handauflegung muss in allen Fällen wohl überlegt sein und soll nicht
voreilig geschehen (1Tim 5,22). Unsere Hände sollen vor allem Gutes tun (Eph
4,28).
1 Vgl. den etwas längeren Wortlaut in Gen 12,1:
"…und aus dem Haus deines Vaters", und die Anm.27 unten.
2 Gen 48,4
3 Gen 15,13-14
4 Ex 2,22
5 Ex 1,8. Das hebr. Wort רךע (yada; hebr. Strong Nr.: 03045) bedeutet auch jmdn. (nicht) anerkennen, wie in
1Sam 2,12
6 Ex 2,14
7 Zum scheinbaren Widerspruch zu Ex 1,1-5 vgl.
die Erklärung in: 60,488 und 64,566f.
8 Ex 3,6
9 Ex 3,5
10 Ex 3,7-8
11 Ex 2,14
12 Dtn 18,15
13 Ex 32,1.23
14 Erwartete Antwort: "Nein". Äußerlich brachten sie zwar Gott
Schlachtopfer dar, aber in ihren Herzen hängten sie noch an den Göttern
Ägyptens.
15 Am 5,25-27 (LXX).
16 Eigentlich musste nach jüdischer Rechtstradition,
der zu Steinigende vorher rücklings einen Abhang hinuntergestürzt werden. Wenn
er danach noch lebte, musste ein zweiter Zeuge einen schweren Stein auf seine
Brust fallen lassen, um ihn endgültig zu töten (46,83; 59,404; 65,II,45). Doch
die Juden waren hier so voll Zorn gegen Stephanus, dass sie ihn sofort in Rage
und ohne vorherige römische Verurteilung in Lynchjustiz steinigten.
17 Jes 66,1-2
18 Bezüglich der Unterschiede zu den alttestamentlichen
Berichten, siehe: 2,674.
19 "Andersartig" weil aus einer
anderen Dynastie. Jedenfalls mit anderen Regierungsgrundsätzen als sein
Vorgänger. Vielleicht Pharao Ramses II Miamum (96,356f.).
20 αστειος von αστυ, w.: Hauptstadt, von ai. v-stu (Haus,
Wohnstätte) aus d. W. ves- (sich aufhalten). In Gräz.:
"städtisch" - d.h. vornehm, elegant, hübsch, von guten Manieren und
Benehmen, höflich, gebildet, vorwitzig. Bei den Stoikern fast: fleißig. In LXX:
gutgenährt (beschönigend für: fett), gebildet, körperlich gut gebaut,
gutaussehend, wohlgestaltet, zierlich, lieblich, (Ex 2,2; Num 22,32; Rich
3,17). Der Ausdruck ist wohl ein Hebraismus. Es steht der Gedanke dahinter das
Anmut und Schönheit ein Segen Gottes sind und daher das kleine Mosekind auch
für Gott wohlgefällig war.
21 Im Orient ein Zeichen des Respekts beim
Betreten eines Hauses.
22 Das "Schilfmeer", d.h. das
Bitterseengebiet beim Golf von Suez und beim Golf von Aqaba (2,z.St.).
23 Moloch war eine kanaanäische Gottheit, der
man Kinderopfer darbrachte. Vgl. Lev 18,21; 20,2-3; 1Kön 11,7; 2Kön 23,10; Jer
32,35. Raifan war wahrscheinlich der ägyptische Gott Seb, der als Sternengott
verehrte Planet Saturn (2,681; 60,491).
24 Beachtenswert ist der Wechsel von σκηνη (Zelt) in V.44, zu σκηνωμα (ein fester Zeltplatz) in Vers 46, und
schließlich zu οικος (Haus = der Tempel) in Vers 47.
25 In Papyri als t.t. bei Geldgeschäften:
Edelmetalle abwiegen; daher: für jemanden etwas festsetzen, jemandem etwas
anrechnen.
26 Der Apostel Paulus war ein Jude mit
römischem Bürgerrecht (vgl. Apg 16,37). Er hatte zwei Namen: einen hebräischen:
Saul, und einen griechisch-römischen: Paulus (vgl. 47,z.St.). Die Zeugen
mussten aufgrund von Dtn 17,7 als erste einen Stein werfen. Eigentlich hatte
der Sanhedrin kein Recht die Todesstrafe auszuführen, noch dazu ohne vorherige
Gerichtsverhandlung. Aber dieser Akt könnte sich durch den aufgebrachten Pöbel in
der Zwischenzeit nach der Abberufung von Pilatus und vor dem
Eintreffen seines Nachfolgers Marcellus ereignet haben (21,II,201ff).
27 Gen 12,1 erweckt den Eindruck, diese
Erscheinung sei erst in Haran gewesen, doch dort ist nicht von einer Erscheinung
die Rede, sondern nur, dass der HERR zu Abram (nochmals) redete. Die
Lösung dieses scheinbaren Widerspruchs könnte folgende sein. Stephanus folgt
unter der Leitung des Heiligen Geistes einer jüdischen Tradition (vgl. Gen
15,7; Neh 9,7; sowie Philo und Josephus), nach welcher die Herrlichkeit (=
Sekinah) Gottes dem Abram schon in Ur erschien, und Gott ihn aufforderte
Ur allein mit Sara zu verlassen. Aber nach Gen 11,31 übernahm
traditionsgemäß der Patriarch Terach, Abrams Vater, die Initiative und führte
die ganze Familie aus Ur, denn im Hebräischen heißt es wörtlich: "…Terach
nahm ... und zog mit ihnen aus Ur" (96,154). Er wollte zwar mit
ihnen bis nach Kanaan ziehen, doch sie blieben in Haran hängen und wurden in
dieser Handelsstadt reich. Daher redete Gott nochmals zu Abram, nachdem
sein Vater Terach gestorben war (Apg 7,4), er solle auch "das Haus
seines Vaters" (Gen 12,1) verlassen, worauf er mit seiner Frau Sarai
und mit seinem verwaisten Neffen Lot auszieht. Nahor bleibt in Haran zurück
(Gen 34,10). Terach und Nahor verharrten nach dem Auszug aus Ur weiter im chaldäischen
Götzendienst. Das beweist Gen 31,53, wo es heißt: "der Gott Abrahams
und der Gott Nahors, sie sollen (Plural, also zwei verschiedene
Götter)…" und Gen 31,30: "…meinen Gott (d.h. den Hausgötzen) gestohlen"
(ebenso Jos 24,2). Wenn man die chronologischen Zahlenangaben in Gen 11,26.32
und 12,4 miteinander vergleicht, wäre Terach bei Abrams Geburt 70 Jahre und
Abram bei seinem Auszug aus Haran 75 Jahre alt gewesen, das ergibt zusammen 145
Jahre. Aber nach Gen 11,32 starb Terach erst mit 205 Jahren. Manche meinen
daher, er lebte noch 60 Jahre nachdem Abram aus Haran auszog (33,1175, 96,154),
aber Apg 7,4 spricht dagegen. Wahrscheinlicher ist, dass nicht Abram, sondern
Haran der älteste Sohn war, und Abram nur als erster genannt wird, weil er
später der Berühmtere wurde (60,487ff). - Das Argument von Stephanus dürfte
folgendes gewesen sein: die Herrlichkeit Gottes ist nicht an den Tempel
gebunden (vgl. Vers 48), sondern offenbarte sich sogar dem Götzendiener Abram
in einem heidnischen Land. (vgl. zur Sache auch 2,670f; 21,II,178ff).
Jedenfalls macht Stephanus damit klar, dass die Sekinah Gottes nicht nur im
Tempel wohnt(e).
28 Einer Tradition zufolge adoptierte die
Tochter des Pharao Mose als designierten Thronfolger, da der Pharao selbst
keinen Sohn hatte (Josephus, Antiquitates II,9.7).
29 Eine sehr alte Stadt in Mesopotamien,
Hauptstadt Assyriens, 32 km südöstlich von Odessa gelegen. Es war eine reiche
Handelsstadt, da sie an der Haupt-Handelsroute von Ninive nach Aleppo, also auf
der Strecke nach Kanaan, lag (33,453). Abram blieb in Haran hängen, worauf Gott
nochmals zu ihm sprach, und ihn aufforderte auch "das Haus seines
Vaters" zu verlassen (Gen 12:1b). In Haran wurde Abram reich (Gen 12:5),
aber es war ein zweifelhafter Reichtum, der ihm später Probleme machte (Gen
13:5f). Gott hatte ihm zwar viele Nachkommen, aber nicht großen Reichtum
versprochen. Später wurde Haran durch die Niederlage des Crassus (53 v.Chr.)
bekannt.
30 Zu den 400 Jahren vergleiche die Anm. bei
Gal 3,17. In Gen 15,13-16, werden bei der Zeit der Unterdrückung Israels in
Ägypten, 4 Generationen mit 400 Jahren gleichgesetzt, wo hingegen in unserer
Zeit eine Generation nur mit ca. 30 Jahren festgesetzt wird. Die 4
Generationen in Gen 15,16 waren: (1.) Jakob (2.) die 12 Söhne Jakobs (3.) deren
Kinder (z.B.: Perez, Amran, ua.), und (4.) deren Enkelkinder (z.B.: Hezron,
Mose, ua.). Mose war ca. 80 Jahre beim Auszug Israels aus Ägypten (Ex 7,7).
Eine Generation wird auch in Rich 2,10 mit der Lebenszeit einer Person
definiert, und zwar unabhängig davon, wie lange diese Person lebte. Diese 400
Jahre der Unterdrückung werden in Num 4,20 und Jer 11,4 der "Schmelzofen
Gottes" genannt. Sie dienten dazu, Israel vom eingedrungenen Götzendienst
Ägyptens zu läutern, und begierig auf Erlösung zu machen.
Apostelgeschichte 8
1
Jes 53,7-8 (LXX)
2 Entweder: durch den Tod;
od.: aufgehoben in den Himmel durch seine Auferstehung.
3
Vers 37 ist eine spätere Texterweiterung: "Philippus aber sprach zu ihm: Wenn du von
ganzem Herzen glaubst, ist es erlaubt. Er aber antwortete und sprach: Ich
glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist". Die Lesart findet sich nicht in den ältesten
Hs., wird aber im 2.Jhdt. schon von Irenäus zitiert. Es ist eher anzunehmen,
dass sie eingefügt wurde, als dass sie weggelassen wurde (27,359).
4
Das war sicherlich noch bevor er selbst den Heiligen Geist empfangen hatte.
5
Die Flucht geschah wegen der Verfolgung um des Glaubens willen, nicht wegen
schwieriger materieller Umstände! - Hat der Herr damit vielleicht
"nachgeholfen", damit sein Auftrag in Apg 1,8 erfüllt wird? Später
jedoch, gab es offenbar wieder eine größere Anzahl an Gläubigen in Jerusalem
(Apg 12,5b.12.17b.24).
6
Nach Dtn 21,22f sollten Hingerichtete ohne viel Aufhebens begraben werden. Laut
Mischna (Sanhedrin 6,6) durfte für sie jedoch keine öffentliche Totenklage
durchgeführt werden. Falls dieses Verbot auch schon zurzeit des Stephanus galt,
wurde mit dieser öffentlichen Totenklage gegen seine Hinrichtung protestiert
(2,685f).
7
Das Hören stand an erster Stelle, erst dann die Zeichen, die sie als
göttliche Bestätigung des Gesagten ansahen.
8
Damit ist vielleicht eine Gottesbezeichnung gemeint, worauf sich dann auch sein
Anspruch auf göttliche Verehrung begründet hätte.
9
D.h. über seine Person und sein Werk, wobei er das Thema Reich Gottes nicht ausklammerte
(vgl. auch Paulus in Apg 28,30). Das Evangelium ist eben auch das Evangelium
des Reiches Gottes!
10
Da Heiliger Geist hier ohne Artikel steht, könnte es darauf hindeuten,
dass der Heilige Geist schon durch die Wiedergeburt in ihnen wohnte und nur
mehr die äußere Manifestation (durch die Sprachengabe?) zum Beweis dienen
sollte, dass auch die Samariter zum Leib Christi gehören. Jedenfalls handelt es
sich hier um einen heilsgeschichtlichen Sonderfall, denn es war nach Mt 16,19
dem Petrus vorbehalten zu Pfingsten den Juden und hier auch den Samaritern
das Königreich Gottes aufzuschließen (vgl. auch: Apg 1,8). Er war es ja auch,
der dann später den Heiden (Apg. 10,1ff) den Zugang zum Königreich
Gottes eröffnete. Daher ist es ein theologischer Irrtum, wenn man in Berufung
auf diese Begebenheit lehrt, jemand könne den Heiligen Geist nur dann
empfangen, wenn jemand Bevollmächtigter für ihn betet. Vgl. auch die Anm. bei
Apg 6,6
11
Der durative Imperfekt bedeutet, dass diese Rückkehr längere Zeit beanspruchte.
12
Beginnend südlich von Assuan, weiter in den heutigen Sudan. Eine Erfüllung von
Ps 68,32b und Zeph 3,10. Der Mann war jedenfalls ein Gottesfürchtiger, wenn
nicht sogar ein Proselyt, da er auch Hebräisch lesen konnte (Vers 28). In
diesem Sinne kann man ihn nicht als den ersten bekehrten Heiden bezeichnen. Die
ersten Heiden zu bekehren war das Vorrecht von Petrus in Apg 10,1ff.
13
Nach Dtn 23,2f waren Eunuchen von den religiösen Privilegien Israels
ausgeschlossen. Außerdem war er als Äthiopier ein Nachkomme Hams. In Jes 56,3-5
wird jedoch die Aufhebung dieser Einschränkung angekündigt (2,z.St.).
14
Mögliche Deutungen: (1.) Wer kann seine Nachkommen zählen, denn er hat aufgrund
seines frühen Todes (daher Milchlamm) gar keine. (2.) Wer wird seine unzählbar
vielen geistlichen Nachkommen zählen können. (3.) Wer kann die böse
Generation ("sein Geschlecht") unter denen er lebte, beschreiben
(2,693f).
15
Philippus muss in seiner Evangelisation also auch die Taufe angesprochen haben.
Sie ist demnach fixer Bestandteil der Evangeliums-Verkündigung. Vgl. auch
Petrus in Apg 2,38 und 10,48, sowie Paulus in Kap.16,15.33; 18,8; 19,5 ua. Falls
er wirklich schon ein Proselyt war, kannte er die Wassertaufe schon.
16
Falls es so etwas wie einen Sündenerlass durch eine Beichte gebe, wäre es hier
angebracht gewesen. Die Aussage des Petrus macht klar, dass Simon nicht
wiedergeboren war, obwohl er getauft war. Philippus wird aber auch nicht dafür
kritisiert, dass er Simon nicht genauer geprüft hat.
17
Das Königreich Äthiopien entspricht nicht dem heutigen Äthiopien. Es war das
alte Nubien, südlich von Assuan bis nach Khartum im heutigen Sudan. Das Reich
bestand seit dem 8. Jahrhundert v.Chr. "Kandake" war der Titel der
Königsmutter. Die Regierungsmacht ruhte in ihren Händen (54,z.St.). - "Kämmerer"
(wörtlich: "Eunuch"), ist entweder im gängigen Sinn (Verschnittener,
Entmannter), wahrscheinlicher aber als Titel für einen hohen Beamten zu
verstehen (vgl. 47, z.St.).
18
Dieser "Simon der Zauberer" wird später in den Schriften der frühen
Kirchenväter als der erste große Häretiker bezeichnet. Nach Hippolyt ließ er
sich lebendig begraben und prophezeite er werde nach drei Tagen wieder
auferstehen, aber er blieb tot, wie Hippolyt lakonisch bemerkte "weil er
nicht der Christus war." (33,1116).
19
Zum Versuch einer Chronologie des Lebens von Paulus siehe die Chronologie zum
NT in der Einleitung.
20
Aber keine Kinder! Nirgendwo im NT wird explizit gesagt, dass Kinder mit ihren
Eltern mitgetauft wurden.
21
Caesarea
in Palästina war eine Küstenstadt südlich des Karmel, an der Karawannenroute
von Ägypten nach Tyros gelegen und daher ein geschäftiges Handelszentrum für
den Handel nach Übersee und ins Landesinnere. Von Herodes dem Großen 20 - 10
v.Chr. an der Stelle einer älteren phönizischen Siedlung als neue Stadt beim
alten Straton Turm angelegt und zu Ehren des Kaisers Augustus, Caesarea
Augustus genannt (54,z.St.). Herodes ließ an der Stelle, wo die Via Maris an
die Küste führte, einen künstlichen Hafen anlegen. Es war damals der wichtigste
Hafen in Palästina. In der Stadt stand ein großer Tempel zu Ehren des Augustus
und Roms, in dem eine große Statue des Kaisers Augustus stand. Seit 6 n.Chr. war
die Stadt Regierungssitz von Herodes und den römischen Procuratoren. Vespasian
erhob die Stadt zur römischen Kolonie. Sie hatte eine zahlreiche griechische,
aber auch jüdische Einwohnerschaft was immer wieder zu Zusammenstößen führte,
zuletzt im Jahr 66 n.Chr., nachdem der Prokurator Felix die Verwaltung der
Stadt ausschließlich in die Hände der heidnischen Bevölkerung legte. In dem
darauffolgenden Aufstand wurden alle 20.000 jüdischen Einwohner innerhalb einer
Stunde massakriert (Josephus, Antiquitates XX,8,7.9; 46,13). Das Evangelium
wurde zuerst durch Petrus nach Cäsarea gebracht, danach auch noch durch den
Evangelisten Philippus.
22
Vielleicht
Sychar/Sebaste, die politische Hauptstadt Samarias, eine griechische Stadt und
Zentrum des Kaiserkults und diverser okkulter Strömungen. Jahre davor waren
dort viele zum Glauben an Jesus gekommen (Joh 4,5.39-41). Da diese Stadt aber
hauptsächlich von Griechen bewohnt war, ist vielleicht Neapolis, das religiöse
Zentrum Samarias gemeint, das von Samaritern bewohnt wurde (65,II,47, 54,z.St.).
23
Als
t.t. der Geschäftssprache gefasst, würde dieser Begriff bedeuten: in die
Verfügungsgewalt Jesu Christi übergehen (65,II,49). Auf Grund dieser Bedeutung,
gab es auch keine Ungetauften Gläubigen in den Gemeinden.
24 Eine ehemalige Stadt der Philister an der Mittelmeerküste, etwa 80 km von Jerusalem entfernt. Sie war 57 v.Chr. als römische Stadt wieder aufgebaut worden (54,z.St.).
25 Zur Leitung durch den Geist vergleiche auch grundsätzlich: Röm 8,14, und in der Praxis: Apg 10,19; 11,12; 13,2; 16,6-7
Apostelgeschichte 9
1 Es ist beachtenswert, wie im Laufe
der Jahre in der Erinnerung des Paulus das Licht, das er gesehen hatte, immer
heller wurde: Apg 9,3 → ein Licht. Einige Jahre später in Apg 22,6 → ein helles
Licht. Noch einige Jahre später in Apg 26,13 → ein Licht wie die Sonne.
Die Gnade des Herrn die ihm bei seiner Bekehrung widerfuhr, wird für ihn immer
heller und größer. Parallel dazu wird seine Meinung über sich selbst im Laufe
der Jahre immer geringer. Nachdem er unmittelbar nach seiner Bekehrung zu Kräften
kam (Apg 9,19), um dann in eigener Kraft zu erstarken (Apg 9,22),
predigte er das Evangelium, doch ohne Frucht. Doch im Laufe der weiteren 20
Jahre wird er demütig und er bekennt in 1Kor 15,9 → ich bin der geringste
der Apostel. Einige Jahre später sagt er in Eph 3,8 → ich bin der allergeringste
der Heiligen. Noch einige Jahre später, gegen Ende seines Lebens, sagt er
in 1Tim 1,15 → ich bin der größte aller Sünder. Die immer tiefere
Erkenntnis der völlig unverdienten Gnade (1Kor 15,10; Eph 3,7.8b; 1Tim
1,14a), macht ihn selbst in seinen Augen immer geringer, Gottes Gnade aber wird
ihm immer größer.
2 Eigentlich immer im
negativen Sinn: 1Tim 6,4; 2Tim 2,2; vgl. auch Apg 6,9, dort streiten aber sie
mit Stephanus, hier streitet Paulus mit ihnen.
3 Sie schickten Paulus nach
Hause! Erst ca. 10 Jahre später wurde er nach Antiochia geholt (Apg 11,25f). - Tarsus war eine Stadt aus frühester Zeit,
in der zilizischen Tiefebene, am Rande des Flusses Cyndus, ca. 16 km
landeinwärts der Mittelmeerküste gelegen. Wahrscheinlich hatte es zurzeit des
Paulus ca. 500.000 Einwohner. Da der Fluss schiffbar war, hatte man einen
kleinen Hafen gebaut. Das römische Bürgerrecht einiger Juden in Tarsus geht
wahrscheinlich noch auf die Zeit von Pompeius zurück (33,1166).
4
Das waren solche, die schon durch ihn gläubig wurden.
5
Daraus kann man schließen, dass die Urgemeinde genau prüfte und beurteilte, ob
jemand wirklich gläubig ist, bevor sie ihn in die Gemeinde aufnahmen. Im Fall
von Paulus irrten sie sich aber, weil es ihre Furcht war, die sie zu einem
falschen Urteil führte. Durch ein genaueres persönliches Kennenlernen (V.27),
fand Barnabas heraus, dass Paulus ein echter Gläubiger ist. Vgl. dazu auch Hes
44,6-7
6
Sowohl der hebräische Name Tabita als auch der griechische Name Dorkas,
bedeuten dasselbe: eine weibliche Gazelle.
7
Denn Lydda lag auf dem Weg nach Joppe.
8
Der "Weg" ist in der Apostelgeschichte eine Bezeichnung für die
christliche Lehre, und wahrscheinlich eine Selbstbezeichnung der Gläubigen, weil
für sie Jesus der einzige Weg zum Himmel war. Erst später wurden
sie in Apg 11,26 von den Außenstehenden als "Christen" bezeichnet und übernahmen später diesen Namen.
9
Es war wohl aus eigener Kraft. Er verwirrte (V.22) die Zuhörer, er stritt
(V.29) mit ihnen, aber obwohl er viele Tage (V.23) in Damaskus predigte, wird
von keinen Bekehrungen berichtet. Erst als Paulus Jerusalem verlassen hatte,
mehrte sich die Gemeinde (V.31) durch den Trost des Heiligen Geistes.
Später predigt Paulus in Schwachheit (1Kor 2,3.4; 2Kor 10,10; 11,6) und Gott
benützt ihn.
10
Es ist das einzige Beispiel im NT, wo bei einem Gläubigen die Heilung mit
Handauflegung begleitet war, und dies auch nur wegen dem Auftrag des Herrn an
Hannanias in Vers 11-12. Zur Handauflegung vgl. die Anm. bei Apg 6,6
11
Jede Art von Publicity, wie sie charismatische Wunderheiler heutzutage an den
Tag legen, ist Petrus fern. Er hat von seinem Meister gelernt und ahmt ihn nach
(Mt 9,25; Mk 5,40 und 2Kön 4,33), - außer, dass Petrus, anders als Jesus,
niederkniet und betet, anstatt einfach nur ein Wort der Vollmacht zu sprechen.
12
Von den Aposteln werden nur zwei Toten-Auferweckungen berichtet (von Jesus
drei), eine hier von Petrus und eine von Paulus (Apg 20,9ff). Vgl. die
Parallele zum AT: eine Toten-Auferweckung von Elija (1Kön 17,17ff) und eine
von Elisa (2Kön 4,33ff). Es waren einmalige und außergewöhnliche Wunder der
Anfangszeit, die die Autorität, sowohl der beiden Propheten als auch der beiden
"Apostelfürsten", unterstreichen sollten.
13
Da Gerber ständig in Kontakt mit der Haut toter Tiere kamen, verunreinigten sie
sich auch ständig. Die frommen Juden vermieden deshalb den engen Kontakt zu
ihnen (21,II,249; 65,II,57). Petrus aber, wird hier schon vorbereitet auf seine
nächste Mission, nämlich den "unreinen" Heiden das Evangelium zu bringen (Apg
10,13ff).
14
Joppe war der einzige natürliche, wenn auch gefährliche, Hafen zwischen Haifa
und der ägyptischen Grenze. Er lag an der ehemaligen philistäischen Küste, ca.
30 km von Jerusalem entfernt. Die Stadt wurde schon seit den Tagen der
Makkabäer von patriotischen Juden bewohnt. Im Aufstand 66 n.Chr. spielte Joppe
eine wichtige Rolle und wurde in dem darauffolgenden Krieg als erste
palästinensische Stadt von den Römern angegriffen und erobert (21,II,249).
Heute heißt die Stadt Jaffa und ist eine arabische Vorstadt südlich von Tel
Aviv (54,z.St.).
15
Es stellt sich die Frage, wann Paulus wiedergeboren wurde? Als er das Licht vor
Damaskus sah, oder erst drei Tage später, als Annanias ihm die Hände auflegte
und er wieder sehend wurde? Vers 17 gibt eine eindeutige Antwort: erst als Annanias
ihm die Hände auflegte, wurde er wieder sehend und mit Heiligem Geist erfüllt. Den
Heiligen Geist empfängt man aber erst bei der Wiedergeburt. Und in Apg 22,16
wird gesagt, dass davor seine Sünden noch nicht abgewaschen
waren. Die drei Tage der buchstäblichen Blindheit, symbolisieren auch seine
geistliche Blindheit während dieser Tage. Und so wie alle anderen Gläubigen im
NT, wurde auch Paulus unmittelbar nach seiner Bekehrung noch am selben Tag
getauft.
16
Der vermeintliche Widerspruch zu Apg 22,9 lässt sich folgendermaßen auflösen: die
Begleiter des Paulus hörten zwar ein Geräusch, aber es war für sie keine Stimme
eines Sprechers, der etwas Verständliches sagte. Sie sahen zwar ein Licht, aber
keine Person. Paulus hingegen wusste, dass es Jesus war, der deutlich zu ihm
sprach (13,25; 83,65f).
17
Damaskus
war eine der ältesten Städte der Welt, östlich des Anti-Libanon in einer Ebene
gelegen und vom siebenarmigen Fluss Abana durchflossen. Ihr Reichtum entsprang hauptsächlich
dem Karawanenhandel, der von allen Himmelsrichtungen durch Damaskus strömte.
Die Stadt war in der Seleucidenzeit diesen zugehörig, wurde dann 85 v.Chr. von
den Nabatäern besetzt und 65 v.Chr. durch Pompeius unter römische Oberhoheit
gestellt. Zur Zeit des Paulus wurde Damaskus aber vom König Aretas regiert,
entweder aufgrund einer Eroberung seinerseits oder von römischer Duldung durch
Kaiser Caligula (21,II,239ff). Unter Kaiser Nero kam sie wieder unter römische
Verwaltung und war die Hauptstadt der Provinz Syria. Damaskus hatte eine starke
jüdische Bevölkerung und war Mittelpunkt des Levante Handels. In der Stadt
lebten zehntausende von Juden, allein im Jahr 66 n.Chr. wurden 18.000 Juden in
der Stadt umgebracht (65,II,53).
18
Diese "etlichen
Tage" dauerten nach Gal 1,17 ca. 3 Jahre, in denen Paulus nach "Arabien"
ging (Gal 1,17). Nach damaligem Verständnis war Arabien das Nabatäerreich
südlich von Damaskus bis Gaza, mit der Hauptstadt Petra. Vielleicht ging er
dorthin, wegen der zunehmenden Spannungen in Damaskus (Vers 22) und machte eine
Verkündigungsreise durch die anderen griechischen Städte im Süden des
Nabatäerreiches, denn danach kehrte Paulus wieder nach Damaskus zurück und
verkündete das Evangelium. Manche meinen Paulus hätte in Arabien die Stille
gesucht, was aber nach seinem Verkündigungsdrang davor und danach
seltsam wäre. Lukas jedenfalls hat von der Zeit in Arabien entweder nichts
gewusst, oder hat sie bewusst übersprungen, weil Paulus dort keinen Erfolg
hatte (65,II,56; 33,66).
19 Das heutige Lod, 18 km südlich von Tel Aviv (54,z.St.).
20 Die Scharon-Ebene ist ein 15 km breiter und 75 km langer sehr fruchtbarer Streifen am Mittelmeer von Lydda im Süden bis zum Berg Karmel im Norden (54,z.St.).
1 Hier und
in 1Pet 4,3 geht es um Handlungen, die den Juden vom mosaischen Gesetz her
verboten sind (vgl. dasselbe Wort in 2Makk 6,5 und 7,1). Petrus hat die Lektion,
die er in der Vision lernte, sehr schnell umgesetzt.
2 Wie die Azkara des Speisopfers. Vgl. dazu
Lev 2,2.9.16; 5,12; Ps 141,1ff; Dan 4,1ff; Php 4,18; Heb 13,15-16 (2,z.St.).
3 Unreine Tiere, speziell Kriechtiere und
gewisse Vögel, waren den Juden verboten zu essen und für jeden Juden ein Gräuel
(Lev 11,1ff; Hes 4,13-15). Petrus hatte die Lektion Jesu in Mk 7,19 noch nicht
verinnerlicht. Nur Markus, ein Mitarbeiter von Petrus, hat diese Worte Jesu in
seinem Evangelium. Der besondere Schritt auch den Heiden die Tür ins Königreich
zu öffnen, bedurfte einer drastischen Vision.
4 Singular, d.h. in all seinen Gebeten war es
immer ein bestimmtes Anliegen, das ihn bewegte, nämlich der Wunsch nach
mehr Licht und nach Errettung, denn genau dieses Gebetsanliegen wurde
durch die Sendung von Petrus erhört (vgl. Apg 11,14).
5 od.: Herr über alle, - und nicht nur für die
Juden!
6 Die Taufe wird als ein Vorrecht gesehen,
dass jeder gläubig Gewordene erhalten darf, aber auch erhalten soll, denn der
Herr befahl es (Mt 28,19) und Petrus ordnete es hier an. Obwohl Kornelius und
sein Haus schon den Heiligen Geist empfangen hatten, hält Petrus die Taufe
dennoch für ein notwendiges Vorrecht. Die Taufe wie üblich noch
am gleichen Tag vollzogen. Ungetaufte Gläubige sucht man in den
neutestamentlichen Gemeinden vergeblich. Die Taufe geschah immer, bevor
jemand zur örtlichen Gemeinde hinzugetan wurde (Apg 2,41).
7 Cäsarea am Meer war der Sitz des römischen
Statthalters und Standort einer römischen Garnison (vgl. 47,z.St.). Ihr
ursprünglicher Name war Stratonsturm, doch sie wurde von Herodes zu Ehren des
Kaisers in Cäsarea umbenannt. Da es eine Garnisonsstadt war, und Sitz des
Statthalters von Judäa, wurden dort 5 Kohorten (5 x 600 Mann) stationiert.
Diese Kohorten teilten sich in Hundertschaften von 80 Soldaten auf, wobei jede
unter der Leitung eines Centurio stand (65,II,58).
8 Inschriften beweisen, dass diese spezielle Kohorte
noch 69 n.Chr., und sicherlich auch schon davor, in Palästina stationiert war
und aus Freigelassenen bestand die das römische Bürgerrecht hatten (33,85;
65,II,58). Kornelius war einer von 10 Offizieren in der Italischen Kohorte,
einem militärischen Verband von Hilfstruppen von ca. 500 - 1000 Soldaten
(54,z.St.).
9 Die Gabe der Sprachenreden war hier ein
notwendiges Zeichen für die Juden-Christen, dass auch die Heiden den Heiligen
Geist bekommen konnten, und zwar ohne, dass sie vorher Proselyten werden müssen.
Petrus öffnete hier durch seine "Schlüsselgewalt" (Mt 16,19) die Tür ins Gottesreich für die
ersten Heiden, wie schon zu Pfingsten für die ersten Juden (Apg 2,37ff) und
danach für die ersten Bekehrten aus dem Mischvolk der Samariter (Apg 8,14ff).
10 Dass Petrus während dem Gebet hungrig wird
und etwas zum Essen fordert, zeigt wie entspannt und ungesetzlich er ist.
11 Vgl. Apg 11,14. Römische Soldaten durften
nicht heiraten, hatten also auch keine Familie mit Kindern. Der Ausdruck 16,15
bezieht sich hier auf Sklaven und Angestellte. Unter denen die dann glaubten
und getauft wurden, waren also sicherlich keine Kinder (65,II,59). Vgl. auch
die Anm.2 zu Apg 16,15
12 Das war ca. um 15 Uhr, es war die Zeit des
jüdischen Abendgebets. Auch Kornelius hielt sich offenbar an diese Gebetszeit.
13 Denn aufgrund von zwei oder drei Zeugen wird
jede Sache bestätigt.
14 Die Offenbarung die Petrus in dieser
Verzückung empfängt,- nämlich, dass auch Heiden gerettet werden können ohne,
dass sie vorher Juden werden müssen,- wird von Paulus in Eph 3,5b erklärt.
15 Die Infinitiv-Konstruktion drückt vielleicht
ein gewisses Zögern aus (13,133).
16 Cäsarea lag etwa 45 km von Joppe entfernt.
Wenn die Boten gleich nach der Vision des Kornelius um ca. 15 Uhr aufbrachen,
mussten sie die ganze Nacht durchgehen, um am nächsten Tag zu Mittag in Joppe
zu sein. Die Sache war dem Kornelius also dringend. - Zu Mittag war übrigens
keine vorgeschriebene Gebetszeit bei den Juden, Petrus betete um diese heiße
Zeit also aus innerem Antrieb, denn Gott wollte ihm etwas offenbaren
(65,II,60).
17 Das Wort bedeutet auch "Landsleute", dass Kornelius in der Fremde verwandte
hatte, war sehr unwahrscheinlich (65,II,62).
18 Ein Beweis dafür, dass sie durch ihren
Glauben (Vers 43), Sündenvergebung bekommen hatten.
19 Durch die Tischgemeinschaft mit diesen
bekehrten Heiden drückte Petrus aus, dass er sie als vollwertige und
gleichgestellte Jünger Jesu anerkannte, obwohl sie nicht durch die Beschneidung
vorher Juden wurden. Diese Haltung hat er später aufgrund von Menschenfurcht
wieder verleugnet (Gal 2,11-16).
20 Ein Gen.epex.: d.h. es handelt sich nicht
um eine besondere Gabe (z.B. die Sprachenreden), sondern der Heilige Geist
selbst ist diese Gabe (2,1375).
1 od. adv.: "...indem/als sie
gläubig wurden".
2 Mit Artikel bedeutet das entw.:
"...in der örtlichen Versammlung in Antiochia", od.:
"...in der offiziellen Gemeindeversammlung am ersten Tag der
Woche", wie in 1Kor 14,34 und Kol 4,16
3 Phönizien war ein
Landstrich am Mittelmeer nördlich von Israel mit den Städten Tyrus und Sidon im
Gebiet des heutigen Libanon, und gehörte zur römischen Provinz Syrien
(54,z.St.). Wahrscheinlich zogen einige nach Phönizien, andere nach Zypern und
wieder andere weiter nach Antiochien. Antiochien in Syrien, lag am Fluss
Orontos und wurde 300 v.Chr. von Seleucus Nicator I. gegründet. Es war nach Rom
und Alexandria eine "Metro-Polis" und drittgrößte Stadt des römischen
Reiches. Sie lag ca. 500 km nördlich von Jerusalem. Einerseits war es eine
wunderschöne Stadt, berühmt für ihre Kunst und Literatur, andererseits war sie
geprägt von dekadentem Luxus und der Ausschweifung ihrer Bewohner. Unter den
500.000 Einwohnern war eine große jüdische Gemeinde. Die Stadt war die Residenz
des römischen Legaten und die Hauptstadt der östlichen Welt, mit einer
gemischten Bevölkerung aus Griechen, Römern und Semiten, die berühmt war für
ihre energische Natur und ihr ausgeprägtes Unabhängigkeitsbewusstsein. Sie
diente der syrischen Legion als Hauptquartier. Der nur eine kurze Flussreise
(30 km) entfernte Hafen von Seleuzia diente als Verbindung zum Mittelmeer. Es
gab in ihr ein Heiligtum des Apollos, in dem mit sexueller Ausschweifung verbundene
Riten zelebriert wurden. Zusätzlich gab es zahlreiche Mysterienkulte. Die
Völkertrennung war in dieser Stadt weniger streng als anderswo, daher waren die
dortigen Juden auch toleranter und die Beschneidung spielte für sie keine so
große Rolle mehr. Damit war Antiochia
der ideale Startpunkt für die Heidenmission, und das Evangelium wurde dort gut aufgenommen. Paulus wirkte in Antiochia mit Barnabas für drei Jahre und wählte die Stadt später als Ausgangspunkt für seine Missionstätigkeit unter den Griechen. Ausgrabungen haben über zwanzig Kirchengebäude aus dem 4.Jhdt zu Tage befördert (vgl. 33,51f; 21,II,266; 52,I,386; 65,II,66). Sie war die berühmteste der 16 Städte gleichen Namens, die der mazedonische Reiterführer Seleukos I. Nikator um 300 v. Chr. gründete und nach seinem Vater Antiochus benannte (54,z.St.).
4
Vielleicht speziell die Vertreter der Beschneidung, wie in Kap 15,5, 21,20 (2,z.St.).
- Die Tatsache, dass Petrus, obwohl ein Führer der Gemeinde, so kritisiert
wurde und sich verantworten musste, zeigt uns, dass berechtigte Kritik an
führenden Brüdern durchaus angebracht ist. Wo das nicht möglich ist, hat
bereits ein bedenklicher Klerikalismus eingesetzt.
5
Tiberius Claudius Drusus Nero Germanicus, Römischer Kaiser, der von 41-54
n.Chr. regierte. Als Kind war er ständig krank (auch später noch geh- und sprachbehindert),
und so immer zurückgesetzt. Er war ein Spielgefährte von Herodes Agrippa I.,
der auch später noch sein einflussreicher Berater blieb. Seine körperlichen
Defizite glich er durch eifriges historisches Studium aus. Nach der Ermordung
Caligulas riefen ihn die Prätorianer zum Kaiser aus, doch der Senat stand ihm
feindlich gegenüber. Unter Claudius wurden die Freigelassenen aufgewertet und
erhielten wichtige Ämter im Staat. Seine außenpolitischen Erfolge und seine
gute Regierungsführung gerieten aber durch seine gesellschaftliche Bevorzugung
von Frauen in Misskritik. So heiratete er z.B. im Jahr 49 n.Chr. seine Nichte
Agrippina, die er auch zur "Augusta" erhob. Claudius
hat zu Lebzeiten, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Caligula, keine religiöse Verehrung
gefordert, diese aber von Nichtrömern gerne gesehen. In einem Tempel in
Britannien wurde er z.B. als Gott verehrt. Im Jahr 49 n.Chr. ließ er alle
Juden, wegen Streitigkeiten über einen gewissen Chrestus, aus Rom ausweisen. Es
ist aber nicht sicher, ob es sich dabei um eine Bezeichnung für Christus
gehandelt hat. Er erließ ein interessantes Dekret für Galiläa, dass die
unerlaubte Öffnung von Gräbern unter Todesstrafe stellte. Ob dies im
Zusammenhang mit dem behaupteten Diebstahl von Jesu Leichnam (Mt 27,11ff)
stand, könnte zwar gut möglich sein, muss aber letztlich offenbleiben. In
seinen Regierungsjahren wurde das römische Reich von ausgedehnten Dürreperioden
und Hungersnöten heimgesucht, und die hier angekündigte trat dann im Jahr 46
n.Chr. ein. Missernten in Ägypten führten zu einer starken Verteuerung der
Lebensmittel im gesamten römischen Reich (21,II,271; 65,II,67, 54,z.St.). Am 13.Oktober 54 n.Chr. wurde er von seiner
machtbesessenen Frau Agrippina vergiftet, damit ihr Sohn Nero Kaiser werden könne
(33,18.215; 52,I,1215ff; 2,723).
6
Buße zu tun ist demnach sowohl ein Geschenk Gottes ("...gab Gott…"),
als auch eine Verantwortung des Menschen (Apg 2,38; 17,30; 26,18; Röm 2,4; Jer
15,19a; 31,18c).
7
Sie warteten nicht erst bis die Hungersnot da war, sondern reagierten schon
vorsorglich darauf, weil sie die Botschaft des Propheten glaubten.
8
Bis dahin dachten sie, die Errettung sei nur für die Juden, und ein Heide müsse
durch die Beschneidung erst Proselyt werden, bevor er gerettet werden kann.
Vgl. Vers 19b und die
Anm. bei Mt 16,19
9
Die Zusage der Errettung des ganzen Hauses ist hier, genauso wie in Apg 16,31,
eine persönliche Zusage Gottes an den Betreffenden und kann daher nicht
allgemein von jedem beansprucht werden (siehe 1Kor 7,16). Darin, dass der Engel
die Errettung des ganzen Hauses schon voraussagt, bestätigt sich, dass alle
schon im Voraus von Gott erwählt waren. Das ganze Haus von Kornelius war
versammelt, um das Wort der Errettung zu hören. Sowohl bei Kornelius als auch
beim Kerkermeister war aber der persönliche Glaube aller die zum "Haus" gehörten notwendig (siehe Apg 11,18b und
16,34b, und die Anm.2 zu Apg 16,15). Bei Kornelius war sein ganzes
Haus schon vor der Bekehrung gottesfürchtig und daher vorbereitet (Apg 10,2).
10
Anfangs als eine abwertende Bezeichnung der Außenstehenden für die Gläubigen
(Apg 26,28), erst später wurde er als Ehrenbezeichnung von ihnen übernommen
(1Pet 4,16).
11 Tarsus war die Heimatstadt des Paulus. Sie lag etwa 200 km nordwestlich von Antiochia am Kydnos-Fluss, 16 km vom Mittelmeer entfernt, und war ein bedeutendes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum (54,z.St.).
1 Es handelt sich um Herodes Agrippa I. Er war ein Sohn von Aristobul, ein Neffe von Herodes Antipas und ein Enkelsohn von Herodes dem Großen, geboren im Jahr 10 v.Chr., gestorben 44 n.Chr. Nach der Hinrichtung seines Vaters im Jahr 7 v.Chr. wurde er in Rom im engsten Kreis der kaiserlichen Familie großgezogen. Im Jahr 23 n.Chr. war er so stark in Schulden verstrickt, dass er Rom fluchtartig mittellos verlassen musste. Für eine Zeitlang fand er in Tiberias Unterschlupf bei seinem Onkel Herodes Antipas, dies dank seiner Schwester Herodias die Antipas kurz davor geheiratet hatte. Er zerstritt sich jedoch mit seinem Onkel und kehrte 36 n.Chr. wieder nach Rom zurück. Da er eines Tages den Kaiser Tiberius beleidigte wurde er inhaftiert, doch nach dem Tod von Tiberius vom neuen Kaiser Caligula begnadigt, dessen Günstling er wurde, und der ihm im Jahr 38 n.Chr. den Titel König verlieh und ihm die Herrschaft über Gebiete nordöstlich von Palästina übertrug. Er intrigierte bei Kaiser Caligula gegen seinen Onkel Herodes Antipas, was zu dessen Verbannung führte. Daraufhin wurde ihm vom Kaiser auch das Herrschaftsgebiet von Herodes Antipas (Galiläa und Peräa) übertragen. Lobenswert ist, dass er im Jahr 40 n.Chr. Kaiser Caligula davon abhalten konnte, sein Standbild im Jerusalemer Tempel zur Anbetung aufzustellen, im darauffolgenden Jänner wurde Caligula dann ermordet. Nach dem Tod von Caligula setzte er sich beim röm. Senat für den neuen Kaiser Claudius ein und erhielt von ihm als Dank noch die Ethnarchie von Herodes Archelaeus (Judäa, Samaria, Idumäa), sodass er schließlich, so wie sein Großvater Herodes der Große, König über ganz Palästina war (vgl. 33,481; 21,II,272). Er versucht durch seine Regierung die Gunst des jüdischen Volkes zu gewinnen, sein sonst unjüdisches Verhalten glich er durch großen Einsatz für das Jerusalemer Heiligtum und die Verfolgung der Christen aus. Kurz vor seinem Tod lässt er noch den Apostel Jakobus hinrichten und Petrus inhaftieren (2,z.St.). Bekannt war auch seine Vorliebe für die blutigen Gladiatorenkämpfe (Josephus, Antiquitates XIX,7.5).
2 Flavius Josephus berichtet
(Antiquitates XIX,343ff.), dass er bei einem grandiosen öffentlichen Auftritt
(Apg 12,21ff), die Ehrerbietung der Menge annahm, plötzlich von heftigen
Schmerzen überwältigt wurde und bereits fünf Tage später starb. Es ist durchaus
möglich, dass es sich dabei um eine Wurmkrankheit (Helminthiasis) handelte,
wobei nicht nur der Darm, sondern auch Blut, Muskeln und Leber befallen werden (2,z.St.).
Der Tod durch Würmer galt als das schlimmste Schicksal überhaupt (65,II,72). Dies
geschah 44 n.Chr. im Alter von nur 54 Jahren. Er hinterließ zwei Söhne, Agrippa
II. und Drusus, sowie die drei Töchter Mariamne, Bernice (Apg 25,13ff) und
Drussila (Apg 24,24). Nach seinem Tod
wurde Palästina wieder römische Provinz (vgl. 33,481; 2,730; 52,II,1094).
- Ein ähnliches Gerichtsurteil von Gott, erhielt auch der zügellose und
grausame englische König Heinrich der VIII.
3
Etwa im Jahr 43/44 n.Chr. (2,z.St.). Die Tage der ungesäuerten Brote waren die ganze
Festwoche, die sich an das Passah (Ex 12-13) anschloss (Lev 23,5-8). Manchmal
wurden beide Feste zusammen wie in Vers 4, "Passah" genannt
(54,z.St.).
4
Das sind 16 bewaffnete Soldaten, was die Angst und den Aberglauben des Herodes
deutlich offenbart. Je vier lösten sich in den vier Nachtwachen ab, zwei in der
Zelle an Petrus gekettet und zwei vor der Zellentür (21,II,273).
5
Obwohl diese ungläubige Reaktion auf die wunderbare Befreiung des Petrus, den
mangelnden Glauben in ihrem anhaltenden Gebet offenbart (V.5), erhörte Gott ihr
Gebet doch!
6
Nach jüdischem Verständnis, hatte jeder Mensch, einen "Schutzengel",
- sozusagen als himmlischen Doppelgänger. Jesus scheint diese Ansicht in Mt
18,10, - zumindest für Kinder, - zu bestätigen. Auch der "Engel" in
Offb 1,20; 2,1.8.12.18; 3,1.7.14 könnte von diesem Hintergrund her gedeutet
werden.
7
Dieser Jakobus ist der in Mk 6,3 erwähnte "Bruder des Herrn", der laut
der Apostelgeschichte (vgl. Apg 15,13-21; 21,18) und dem Galaterbrief (vgl. Gal
1,19; 2,9.12) eine wichtige Rolle in der Urgemeinde von Jerusalem spielte und
den Jakobusbrief schrieb (vgl. 47,z.St.). Er dürfte nach dem Tod des Apostels
Jakobus und der Flucht von Petrus (zusammen mit dem Apostel Johannes?) die
Aufsicht in der Gemeinde in Jerusalem übernommen haben. Obwohl von der ganzen
Gemeinde ein anhaltendes Gebet zu Gott geschah, waren Jakobus und diese Brüder
nicht in diesem Haus! Das kann nur bedeuten, dass sie sich an einem anderen Ort
versammelt hatten. Die Gemeinde in Jerusalem, die ja mehrere Tausend Gläubige
umfasste, versammelte sich in vielen verschiedenen Privathäusern, dennoch war
es eine Gemeinde mit nur einer Ältestenschaft und einem
Diakonen-Team. Auch in Rom dürfte es mehrere Hausgemeinden gegeben haben (vgl.
Röm 16,3ff).
8
D.h. sie waren von den Lebensmittellieferungen aus dem Herrschaftsgebiet des
Herodes abhängig, weil er ihnen jeden eigenständigen Handel verboten hatte
(65,II,71).
9
Wahrscheinlich der Geburtstag des Kaisers, oder ein anderes Fest, das im März
44 n.Chr. gefeiert wurde (65,II,71).
10
D.h. die Überbringung der gesammelten Geldbeträge für die Geschwister in
Jerusalem (vgl. Apg 11,27ff). Die Gläubigen in Antiochia warteten offenbar
nicht erst, bis die Hungersnot eintraf, sondern reagierten sofort, was nicht
nur ihre Bruderliebe offenbart, sondern auch den Glauben an die Erfüllung der
ausgesprochenen Prophezeiung!
11
Gott gefiel es sich sowohl durch den Tod des Jakobus als auch durch die
wunderbare Befreiung des Petrus zu verherrlichen.
12
Als König über ganz Palästina hatte er das Recht die Todesstrafe auch ohne
Zustimmung der Römer auszuführen.
13
Ein eigenes Portal lässt auf das Haus einer wohlhabenden Familie schließen,
ebenso das große Obergemach (65,II,70).
14
Sicherlich auch, weil sie durch die schnelle Hinrichtung von Jakobus alarmiert
waren, und nicht auch noch Petrus verlieren wollten. Falls sie auch für seine
Freilassung beteten, war ihr Glaube schwach (Apg 12,15)!
15
Flavius Josephus berichtet (Antiquitates XIX,344), dass Herodes sich am zweiten Tag der
Festspiele ins Theater Cäsareas begab. Dabei trug er ein Gewand ganz aus Silber
gewirkt, sodass dessen Beschaffenheit wahrhaft außergewöhnlich war, und die
Menschen ihn sogar als "Gott" anredeten (2,729f). Herodes war sehr
selbstverliebt und stellte seinen Prunk gerne zur Schau. In Alexandria hatte
dies einmal eine Kundgebung des nichtjüdischen Mobs provoziert (65,II,71).
1 Ps 2,7.
Auch die Rabbis verstanden diesen Psalm messianisch. Die "Zeugung" in Ps 2,7 bezieht sich nicht auf
einen Existenz-Beginn des Sohnes Gottes, sondern auf die Auferstehung Jesu
Christi. So wie Gott als Vater ewig ist, ist auch sein Sohn ewig.
2 Jes 55,3 (LXX)
3 Ps 16,10
4 Hab 1,5 (LXX). Während die Juden das
Evangelium verachten, werden Heiden (Apg 13,44-48; 28,23-28) es annehmen
(59,170).
5 Jes 49,6
6 Gemeint ist vielleicht eine spezielle Gebetsversammlung
der ganzen Gemeinde (2,732; 99,726), wobei die ganze Gemeinde gefastet hat.
Vielleicht aber auch nur eine Zusammenkunft der fünf Leiter (21,283; 33,373),
weil λειτουργεω ein Wort für offiziellen Dienst ist (16,411).
7 Antiochien in Pisidien, gegründet
ca. 300 v.Chr. Es lag auf ca. 1000
Meter Höhe, am Fluss Pisidas, nahe zur Grenze Pisidiens. Später wurde es aus
politischen und wirtschaftlichen Gründen von den Seleukiden mit Juden
besiedelt. Augustus machte die Stadt zu einer römischen Kolonie. Das
hellenistische Klima der Stadt hatte auch Einfluss auf das Denken der dort
ansässigen Juden, sodass sie die Botschaft von Paulus bereitwillig anhörten.
Frauen hatten in der Stadt ein hohes Prestige und bekleideten auch zivile
Ämter! Es gab in der Stadt einen Tempel des Gottes Men. Zur Zeit des Paulus
gehörte Antiochien zur Landschaft Phrygien, politisch aber zur Provinz Galatia.
Die Stadt war Sitz der zivilen und militärischen Verwaltung von Süd-Galatien
und wurde von Paulus mehrfach besucht,
er gründete dort eine Gemeinde (vgl. 33,51).
8 Später auch als Titel eines intimen Freundes
oder Beraters des Königs am Königshof; wahrscheinlicher aber hatte er die
gleiche Amme wie Herodes Antipas (4,173.178ff; 65,II,72).
9 Zypern ist eine Insel, in der von der Südküste Kleinasiens und der syrischen Küste
gebildeten Bucht liegend, fruchtbar und reich an Metallen. Sie lieferte vortreffliches
Schiffsbauholz. Im Jahr 58 v.Chr. wurde sie von den Römern annektiert, seit 30
v.Chr. war sie kaiserliche römische Provinz unter der Verwaltung von
Proprätoren, von 22 v.Chr. an als senatorische Provinz von Prokonsuln
verwaltet. Das Christentum war bereits vorher durch Flüchtlinge aus der
Gemeinde Jerusalem auf die Insel gebracht worden; vgl. Apg 11,19 (2,z.St.). Da
sowohl Barnabas (Apg 4,36) als auch Gläubige die an der Gemeindegründung
mitgewirkt hatten (Apg 11,20) aus Zypern waren, und es dort viele jüdische
Synagogen gab, war es naheliegend, dass dies die erste Station ihrer
Missionsreise war.
10 Die Hafenstadt Paphos lag an der
Südwestspitze von Zypern. Dort war der Sitz der römischen Verwaltungsbehörden
und des Prokonsuls (54,z.St.).
11 Elymas kommt vielleicht vom arabischen
"alim": Weiser, Gelehrter. "Magier" wäre demnach
eine adäquate Übersetzung für Elymas (vgl. 2,733f).
12 od.: "wenn ein Wort der Ermahnung in
eurem Herzen ist...".
13 od.: "Das, was ihr vermutet, dass ich sei, das bin
ich nicht".
14 Ein ingressiver Aorist in Verbindung mit einem Impf. + Ptz.Perf. für
ein umschriebenes Plpf., also: "es kamen
die zum Glauben, die schon vorher (Pass.: d.h. von Gott) zum
ewigen Leben verordnet waren" (2,z.St.). Sie waren nicht dazu verordnet zu
glauben, dies war ihre Verantwortung, sondern das ewige Leben, d.h. die
ewige Herrlichkeit (siehe Vers 46) zu erreichen. Eine eindeutige Aussage über die persönliche
Vorherbestimmung der Gläubigen in der Ewigkeit (48,535). Vgl. auch die Anm. bei
Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 8,28-30; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3; 1Pet 1,1-2
15 Wahrscheinlich benützten sie die römische
Straße "Via Sebaste" (2,z.St.). Ikonium,
das heutige Konja, lag 140 km südöstlich vom pisidischen Antiochia, in der
römischen Provinz Galatien an der „Via Sebaste“. Eine
blühende und begüterte Stadt, in der die Muttergottheit Kybele verehrt wurde. Als
römische Ehrenkolonie erhielt es die Verfassung einer hellenistischen Stadt, in
der man Griechisch sprach. Von den Juden war ein Teil der Bevölkerung gegen
Paulus aufgehetzt worden, um ihn zu misshandeln und zu steinigen, sodass er aus
der Stadt fliehen musste; Apg 14,1-6 (65,II,79; 54,z.St.).
16 Seleuzia war die ca. 30 km entfernte Hafenstadt
von Antiochia (vgl. 54,z.St.).
17 Lucius Sergius Paulus war von 45-46 n.Chr. Prokonsul
von Cypern, als Paulus die Insel besuchte. Er stammte aus einer alten
Senatorenfamilie. Ein Prokonsul (nur hier und Apg 13,8.12 und Apg 19,38) wurde vom
römischen Senat bestimmt und verwaltete vorwiegend friedliche Provinzen. Im
Gegensatz dazu wurde ein Prokurator vom Kaiser in unruhigen Provinzen
eingesetzt, so z.B. in Judäa (54,z.St.).
18 Die Gemeinde entlässt, d.h. sie verabschiedet
nur, senden tut nur der Herr selbst (Mt 9,38) durch den Heiligen Geist
(Apg 13,4). - Zur Handauflegung vgl. die Anm. bei Apg 6,6
19 Es ist möglich, dass er seinen hebräischen
Namen Saulus ab hier durch seinen römischen Zweitnamen Paulus ersetzt hat, weil
er ab nun in heidnischem Gebiet missionierte.
20 Als Paulus und Barnabas hier das erste Mal
in die Stadt kommen, wird nichts von einer Predigttätigkeit berichtet,
vielleicht weil sich viele Bewohner zu dieser Zeit in die kühleren, bergigen
Gegenden zurückgezogen hatten (21,II,313f). Auf der Rückreise (Apg 14,15)
predigten sie nämlich sehr wohl in dieser Stadt.
21 Nicht die Gemeinde hat sie ausgesandt,
sondern der Heilige Geist, die Gemeinde hat sie nur entlassen. Das moderne 3
Säulen-Prinzip der "sendenden Gemeinde", die die finanzielle
Verantwortung für die Missionare übernimmt, ist genauso wenig biblisch wie die "Bibelschule",
die die Missionare ausbildet, und die "Missionsgesellschaft" vor Ort,
auch wenn Gott in seiner Großzügigkeit trotzdem segnet!
22 Lat.: "der Schwarze", - war er ein
Afrikaner? Niger war ein geachteter und
weit verbreiteter römischer Name. Vielleicht besaß er sogar das römische
Bürgerrecht und kam ursprünglich aus Nordafrika (65,II,72).
23 Salamis war die Hauptstadt von Zypern und
hatte eine große jüdische Gemeinde mit mehreren Synagogen. Sie lag etwa 150 km
Schiffsreise von Seleuzia entfernt (65,II,73; 54,z.St.).
24 Die folgende Predigt von Paulus vor Juden
ist ganz verschieden von seinen Predigten in Apg 14,15-17 vor anatolischen
Bauern und in Apg 17,22-31 vor griechischen Philosophen. Das beweist, dass sich
Paulus immer an den Erkenntnisstand seiner Zuhörer anpasste und sie dort "abholte",
wo sie standen.
25 Die 40-jährige Regierungszeit des Saulus
stützt sich auf die jüdische Überlieferung und ist auch bei Josephus bezeugt
(65,II,76).
26 Herodes Antipas, der Sohn von Herodes dem
Großen und Onkel von Agrippa I. Er herrschte von 4 v.Chr. bis 39 n.Chr. über
Galiläa und Peräa, also nur über einen Teil des Landes. Deswegen war er nur
Tetrarch (54,z.St.).
27 Perge war die Hauptstadt der Provinz.
Pamphylien, und lag 15 km nordöstlich der heutigen Stadt Antalya. Pamphylien
war eine Küstenregion im Süden Kleinasiens, 130 km lang und an der breitesten
Stelle 30 km breit (54,z.St.).
28 Antiochien war eine Stadt in der römischen
Provinz Galatien, und eine römische Kolonie. Sie lag dicht an der Grenze zur
Landschaft Pisidien, einem Hochlandgebiet in Kleinasien, 190 km lang und 80 km
breit, nördlich von Pamphylien etwa 1000 Meter hoch gelegen (54,z.St.).
29 Die Zahl ergibt sich aus den 400 Jahren in
Ägypten (Apg 7,6), den 40 Jahren Wüstenwanderung und etwa 10 Jahren von der
Eroberung des Landes bis zur Landverteilung in Jos 14,1-18 (54,z.St.).
30 δη drückt die Aufforderung zu einer unbedingten Dringlichkeit aus (1,356, 2,732).
Apostelgeschichte 14
1
Ex 20,11; Ps 146,6
2
Also das noch zukünftige Reich Gottes. Vgl. 1Thes 3,3 ua.
3
Zeus (= Jupiter) war der höchste Gott der Griechen und zugleich der örtliche
Gott von Lystra. Hermes galt als der Götterbote. Nach einer alten Sage waren
sie schon einmal in menschlicher Gestalt in Lystra gewesen und abgewiesen worden,
was Unglück über die Stadt gebracht hatte. Jetzt wollten die Einwohner es also
besser machen (54,z.St.). Die Bewohner von Lystra, wo sich vor der Stadt ein
Zeus-Tempel befand, hielten daher den Barnabas für Zeus, weil er offensichtlich
(als der Ältere?) der Leiter im Apostelteam war, während sie Paulus für seinen
Sprecher hielten, so wie Hermes der Sprecher von Zeus war.
4
In Gräz. jemanden durch ein Handzeichen zu etwas auswählen, bestellen,
einsetzen oder bestimmen. Im späteren Griechisch verflacht die Bedeutung zu: jemanden
zu etwas (aus)wählen (Josephus, Antiquitates VI,13.9). Die Ältesten in den
Gemeinden wurden nicht durch eine Stimmabgabe der Gemeinde gewählt, sondern von
Paulus und Barnabas, nach Gebet und Fasten, ausgewählt, und dann,
wahrscheinlich, aber nicht sicher, begleitet mit Handauflegung, eingesetzt und
angestellt. Später delegierte Paulus die Ältesteneinsetzung auch an seine
Mitarbeiter Timotius und Titus. Doch auch diese hatten einen örtlich begrenzten
Auftrag; vgl. Timotius in Ephesus: 1Tim 1,3 mit 5,22; und Titus in Kreta Tit
1,9, und die Anm. dort. Wie Paulus in Apg 20,28 selbst gesagt hat, werden
Älteste grundsätzlich immer zuerst vom Heiligen Geist bestimmt. Nach Gebet und
Fasten erkannten die Apostel welche Brüder dies jeweils waren. Auch heute
dürfen Gemeindegründer Älteste nicht nach ihrem Gutdünken einsetzten (vgl. Hos
8,4), sondern müssen nach Gebet und Fasten erkennen, welche der Heilige Geist
bestimmt hat. Dabei sind alle Kriterien die Paulus dem Timotius (1Tim
3,1-7) und Titus (Tit 1,5-9) gegeben hat, verbindlich zu beachten. Wenn eine
Gemeinde nicht durch einen Gemeindegründer entstanden ist, soll die Gemeinde,
ebenfalls nach Gebet und Fasten, erkennen, welche Brüder unter ihnen der
Heilige Geist bestimmt hat und diese dann als Älteste anerkennen (vgl.
1Kor 16,15-16; 1Thes 5,12). Die Kriterien für Älteste sind nicht unerreichbar
hohe Anforderungen, sondern sollten von jedem Bruder angestrebt werden, was ihn
aber noch nicht automatisch zu einem Ältesten qualifiziert. Dass es heute einen
Mangel an qualifizierten Brüdern für das Ältestenamt gibt, liegt am Niedergang
der Gemeinden.
Siehe auch: https://drive.google.com/file/d/1AFhbkinz90KoC0TapuawUJOI8MK3aRf1/view?usp=sharing
5
Also war auch Barnabas ein Apostel, denn er war "ausgeschickt" vom
Heiligen Geist (Apg 13,4).
6
od.: "Was tut ihr da?"
7
Und nicht: "...durch (δια) sie tat" Vgl. auch Apg 15,4b.12.
Paulus weiß, dass er nur ein auserwähltes Gefäß und Werkzeug in Gottes Hand ist
(Apg 9,15; Röm 9,23; 1Kor 1,31; 2Kor 10,17).
8
Entweder zum Tor des
Zeus-Tempels; od.: zum Stadt-Tor?
9
Sie nahmen eine Reise von 150 km auf sich, um Paulus zu verfolgen. Welch eine
Feindseligkeit (21,II,310)!
10
Mit Artikel wahrscheinlich: "in den Glaubenswahrheiten"; aber vgl.
Apg 6,7; 13,8 und 15,9 (21,II,312).
11
Im
Vorderen Orient regnet es nur im Winterhalbjahr von Oktober bis Februar.
Gewitterartige Frühregen gibt es schon ab Mitte September. Die letzten leichten
Niederschläge, der Spätregen, erfolgen im März/April und sind wichtig für die
Entwicklung der Getreidekörner in den Ähren des Wintergetreides (59,396).
12
Flucht
ist nicht immer Feigheit, es kann auch Klugheit sein (vgl. auch Spr 22,3; Mt
10,23; Mk 14,50.52; Lk 21,21; Joh 8,59; 10,39).
13
Lykaonien
war eine Landschaft im südlichen Innern Kleinasiens, eine Hochebene nördlich
des Taurus-Gebirges und Teil der römischen Provinz Galatien. Es gab die
Regionen "Lycaonia Galatica", wozu Lystra und Derbe gehörten
und wo die meisten Einwohner Lykaonisch sprachen, und "Phrygia Galatica", wozu Ikonion gehörte. Lystra
lag 30 km südwestlich von Ikonion und war eine römische Kolonie und die Heimatstadt
des Timotheus. In Lystra schafften es die Juden aus Antiochien und Ikonium, die
Bevölkerung zu überreden, Paulus zu steinigen. Derbe liegt 100 km südöstlich
von Lystra (54,z.St.).
14 Attalia war der beste Hafen an der Küste von Pamphylien, und lag etwa 15 km von Perge entfernt. Es ist das heutige Antalya (54,z.St.).
Apostelgeschichte 15
1 In LXX Amos 9,11-12 steht αναστησω: aufrichten, aufstehen; "In jenem Tag werde ich aufstehen und...". Aber Jakobus ändert das Zitat, um auszudrücken, dass die endgültige Wiederherstellung von der Amos spricht, erst nach der Wiederkunft Christi geschehen wird. Diese Schriftstelle wurde auch von den jüdischen Rabbis messianisch verstanden (34,II,734): https://drive.google.com/file/d/1EiolKVt2ua4en0ysgfl8BFgYH1TqbUUB/view?usp=sharing
2 Frei nach LXX Amos 9,11-12 (vgl. auch
Jer 12,15; 30,9; Hos 3,5). Ursprünglich bezieht sich die Prophezeiung auf die
Wiederherstellung der darniederliegenden David´schen Dynastie, die nach der Rückkehr
des Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft stattfinden sollte. Jakobus
aber wendet sie auf die aktuelle Situation an und macht deutlich, - da Israel
inzwischen wieder unter Fremdherrschaft war - dass es noch eine zukünftige
Wiederherstellung der David´schen Dynastie geben wird, und zwar, nachdem
sich Gott ein Volk aus den Heiden gesammelt hat (vgl. auch Röm 11,11-12.23-26).
Dass diese Sammlung aus den Heiden so lange Zeit dauern würde, war den Aposteln
damals noch nicht bewusst.
3 Jes 45,21
4 Vers 34 fehlt in den wichtigsten Hs. und
einzelne
spätere Hs. fügen hier ein: "Silas aber beschloss dazubleiben, so reiste
Judas allein (nach Jerusalem) ab" (vgl. 27,439; 48,544).
5 Das sind wahrscheinlich die falschen
Brüder von Gal 2,4; 2Kor 11,4-5.12-15.26
6 D.h. in der Zukunft errettet werden,
wie Vers Apg 15,11
7 Mit ziemlicher Sicherheit lauter Juden-Christen,
die ein irdisches Friedensreich für Israel erwarteten, das mit der Wiederkunft
Christi beginnen sollte; vgl. Apg 1,6; 3,18 ua.
8 Damit meint Jakobus, wie Petrus in Vers
7ff. seine Sendung zu Kornelius verteidigt hat. Bevor Gott für Israel in der
Zukunft wieder ein Königreich aufrichten wird, sammelt er sich jetzt
ein Volk aus den Heiden. Möglich wäre auch die Übersetzung: "...wie Gott
selbst".
9 D.h. es besteht kein Widerspruch zu
den Prophezeiungen der Propheten über die Zukunft Israels.
10 D.h. nach dem "zuerst" von
Vers 14, nämlich der Sammlung der Nationen, die mit der Bekehrung des Kornelius
begonnen hatte. Das Zitat aus der LXX wird von Jakobus ziemlich frei auf das,
was er aussagen will, angepasst.
11 Drückt Unsicherheit aus.
12 Synonym für gottesfürchtige Heiden,
der Name steht für den Besitzanspruch. Vgl. diese Heiden in Apg 13,48
13 Hurerei meint hier wahrscheinlich verbotene
Verwandtschaftsehen (Inzest), also die Blutschande nach Lev 18,6-18
(38,II,729f), denn Hurerei im allgemeinen Sinn war ohnehin schon für alle
Gläubigen verboten.
14 Vgl. Gen 17,13
15 Vgl. Lev 17,8: "Jedermann aus
Israel und von den Fremden...", daher bezogen die Ältesten es auch auf
die Heiden-Christen. - Götzenopferfleisch ist das Fleisch, das nach der
Opferung vom Götzenopfer übrigblieb. Dieses Wort konnte für
Heiden nicht verwendet werden, weil für sie ihre Götter
keine Götzen waren. Es ist daher ein typisch jüdisches Wort. Sonst nur noch in LXX 4Makk
5,2. Das übrigbleibende Götzenopferfleisch wurde vom Opfernden mit seinen Freunden feierlich in einem
Nebengebäude des Götzentempels verzehrt. Von den Ärmeren wurde es am
Fleischmarkt verkauft und dann im Haushalt verwendet. Der Verzehr solchen
Fleisches war für einen Juden verunreinigend und daher verboten (1,446). Paulus
wendet das Verbot differenzierter an: das gemeinsame Mahl im Götzentempel
verbietet er, den Verzehr von übriggebliebenen Götzenopferfleisch, das am Markt
gekauft wurde, erlaubt er solange es ohne Schaden für Dritte ist, z.B. für Juden-Christen.
Vgl.: 1Kor 8,1-10; 10,19
16 od.: "schon vor längerer
Zeit..."; nämlich in Apg 10,9ff.
17 "Ersticktes" und
"Blut" beziehen sich auf den Genuss nicht geschächteter, d. h. beim
Schlachten nicht ausgebluteter Tiere (vgl. 47,z.St.). - Da die Einhaltung
dieser Vorschriften damals dazu diente, den gesetzestreuen Juden-Christen den
Umgang mit den Heiden-Christen zu ermöglichen, ohne in Gewissensnöte zu kommen,
fragen sich manche, ob diese Vorschriften daher auch noch heute für Heiden-Christen
anzuwenden sind. Doch die Vorschrift sich von Blut und Ersticktem zu enthalten,
findet sich schon im Bund Gottes mit Noah (Gen 9,4), und gilt daher für alle
Nachkommen Noahs, d.h. für alle Menschen. Weiters finden sich diese
Vorschriften in Lev 17,10-16; 18,6-18.26b, und galten damals auch explizit für
den "Fremden" in Israels Mitte (Lev 17,10; 18,26b). Daher ist es für
Jakobus selbstverständlich, dass sie auch für die gläubig Gewordenen Heiden-Christen
gelten (48,543). Die Beschneidung gehörte aber nicht dazu.
18 Obwohl bei der Besprechung nur die
Apostel und Ältesten zusammen waren (V.6), wurde hernach die Zustimmung der
ganzen Gemeinde gesucht, bevor der Beschluss an die Heiden-Christen übermittelt
wurde.
19 D.h. entw.: die genannten
Vorschriften sind ohnehin schon überall in der Heidenwelt bekannt (2,z.St.);
od. besser: die jüdischen Religionsgebote werden in der Heidenwelt nicht in
Vergessenheit geraten.
20 Von 25 v.Chr. bis 72 n.Chr. waren
Syrien und Ost-Zilizien zu einer einzigen römischen Provinz zusammengefasst (2,z.St.).
Es war die Heimatregion von Paulus, und in der Zwischenzeit mussten auch dort
Gemeinden entstanden sein (54,z.St.).
21 Falls die Bedeutung
"beschloss" hier zutrifft, dann bedeutet der Imperfekt, dass Barnabas
das schon einige Zeit in Erwägung zog, ohne Paulus vorher gefragt zu haben.
22 Impf. viell.: "Paulus aber hielt
es schon längere Zeit für angemessen...".
23 Die auf der ersten Missionsreise (Apg
14,19ff) entstanden waren.
24 Zum Bericht des Lukas über das
"Apostelkonzil" (vermutlich um 48/49 n.Chr.) vergleiche auch Gal 2,1-10.
Die Frage, ob die Heiden-Christen verpflichtet sind, das jüdische Gesetz zu
halten, wurde auf diesem Konzil verneint. Vgl. besonders Apg 15,8-11
(47,z.St.).
25 Waren Judas und Silas führende Brüder
unter den Ältesten? Oder waren sie nur führende Brüder aus der Gemeinde? Der
Satz lässt beide Erklärungen zu.
1 D.h. sie hielt sich an den jüdischen
Glauben, ohne jedoch zu konvertieren.
2 Der Ausdruck
"Haus" schließt nach Num 16,32 (hebr.: "sie und ihr Haus")
im Vergleich mit Num 26,11, Kinder nicht unbedingt mit ein. Eine Kindertaufe
ist daher aus dieser Stelle nicht abzuleiten. Das "Haus" wird hier
den Haushalt mitsamt den Arbeitern im Betrieb bezeichnen. Da bei Lydia kein
Ehemann erwähnt wird, dürfte sie alleinstehend gewesen sein und hätte somit gar
keine Kinder gehabt. Beim Kerkermeister sind mit "Haus" solche
gemeint, die sowohl aktiv zuhören (V.32), als auch jubeln und glauben (V.34)
konnten.
3 entw. konsekutiv:
"sodass sie achtete auf..."; od. final: "damit sie achtete
auf...".
In diesem Fall wäre es ein Beispiel für das Wirken Gottes an einem Erwählten,
um zum Glauben zu kommen.
4 Präs.: " …(aufmerksam/genau?)
zu achten auf".
5
Das Plqpf. + Ind.Impf. könnte darauf hindeuten, dass sein Vater schon gestorben
war (13,119). Das könnte erklären, warum die Mutter von Timotius solche
Freiheit hatte, den Timotius im Glauben zu erziehen (2Tim 1,5; 3,15). - Da die
Mutter von Timotius Jüdin war, galt auch er als Jude, und musste in den Augen
der Juden beschnitten werden (vgl. Ex 4,24-26). Um seine Missionstätigkeit
unter den Juden nicht zu gefährden, beschnitt Paulus den Timotius, obwohl er
dies eigentlich für unnötig hielt. Dies zeigt die große Flexibilität von Paulus
(vgl. 1Kor 9,19ff) um des Evangeliums willen, damit er alle gewinne, obwohl die
Heiden-Christen ihm vorwerfen könnten, er sei inkonsequent in seiner Haltung in
der Beschneidungsfrage, und die Juden-Christen könnten davon ein "Umfallen" von seinen Prinzipien ableiten. Doch dies ist
gemäß seiner Aussage in Gal 2,3 nicht der Fall.
6
D.h. Jesus selbst, durch den Heiligen Geist. Mysien war eine Landschaft im
Westen Kleinasiens und Teil der Provinz Asia. Bithynien war ein Gebiet im
nördlichen Kleinasien, südlich des Schwarzen Meeres (54,z.St.). - Diese Gebiete
zu missionieren, war nach Gottes Plan dem Petrus für später aufgehoben (1Pet
1,1).
7
Die ausgebaute Römerstraße (Via Augusta) auf der Paulus unterwegs war führte
von Derbe, Lystra und Ikonium nach Antiochia in Pisidien, und dann weiter über
Laodizäa, Sardes und Pergamon, nach Troas, einem bedeutenden Hafen im
Nordwesten der römischen Provinz Asia, 20 km südlich von Troja gelegen
(54,z.St.). Wer von Asien nach Mazedonien, oder umgekehrt reisen wollte, musste
durch Troas reisen. Damit war Troas eine strategisch wichtige Stadt für die
Ausbreitung des Evangeliums. Wir haben hier ein schönes Beispiel wie Gott
führt. Auf seinem Weg Richtung Westen, wollte Paulus zuerst die gut besiedelte
Küstenregion Kleinasiens mit der Hauptstadt Ephesus evangelisieren. Als er vom
Geist Gottes daran gehindert wurde, versuchte er in das nördlich gelegene
Gebiet Mysiens vorzudringen. Als auch das scheiterte, zog er weiter geradeaus nach
Westen, wo ihm schließlich in Troas durch ein Gesicht von Gott sein
eigentliches Ziel, Europa, gezeigt wurde.
8
Obwohl nur Paulus das Gesicht sah, traf nicht er allein, sondern das ganze Team
die Entscheidung nach Mazedonien zu gehen. - Lukas dürfte in Troas zum Team
gestoßen sein, denn er sagt: "...versuchten wir...". Da er
wieder in Philippi zum Team stößt (Apg 20,6), wohnte er vielleicht dort, oder
in Troas.
9
Manche Hs. haben: "…die eine führende Stadt im betreffenden Bezirk
war" (2,z.St.). Philippi war seit 31 v.Chr. eine römische Kolonie, eine
Ansiedlung vorwiegend von ausgedienten Soldaten und Beamten. Deshalb bezeichnen
sich die Bewohner in Apg 16,21 als "Römer" (vgl. 47,z.St.).
10
Präs.: "...dann bleibt für die restliche Zeit meine Gäste".
11
Πυθω war der Name einer Gegend am Südabhang des Panassos Massivs, wo die Stadt
Delphi mit dem Tempel und Orakel des Apollo lag. Python war der Legende nach,
der in dieser Gegend hausende Schlangen-Drache, der von Apollo erlegt wurde.
Πυθια war die Apollo-Priesterin, die in Delphi Orakelsprüche erteilte (2,z.St.).
Nach Hesychios machte sich dieser Geist vielleicht durch Bauch-Rednerei
bemerkbar. Hippokrates sprach davon, dass manche Symptome der Epilepsie, im
Volksglauben als von Apollo ausgelöst betrachtet wurden (21,II,347).
12
Hier sind die römischen Magistratsbeamten der Stadt Philippi gemeint; sonst
allg.: die obersten Behörden irgendeiner Stadt (2,z.St.).
13
Das waren die beiden obersten römischen Beamten (praetores = duumviri)
einer römischen Kolonie, und zugleich die Strafrichter.
14
Das ist die verberatio, die gerichtliche Strafe der Römer, die durch
Stockhiebe oder mit der Peitsche ausgeführt wurde. An einem römischen Bürger
wie Paulus, durfte sie eigentlich nicht angewendet werden, aber Paulus wehrt
sich hier, im Gegensatz zu Apg. 22,23-25, nicht dagegen. War es eine Führung
aufgrund der Vorsehung Gottes, damit der Kerkermeister das Evangelium hören und
sich bekehren konnte?
15
Ein hölzernes Gerät, in dem die Füße der Gefangenen so eingespannt wurden, dass
sie nicht aufstehen und fliehen konnten. Eine sehr unbequeme Lage in einem
feuchten Gefängnis.
16
od. toleratives Pass.: ließ er sich taufen.
17
So zu übersetzen, wenn das Ptz.Pf. prädikativ ist (2,772; 44,106). Grammatisch
möglich wäre zwar auch die Übersetzung: "...und er jubelte mit seinem
ganzen Haus, (weil) gläubig geworden an Gott". Aber diese Übersetzung ist
tendenziös (so z.B. in 47,z.St. ua.), um eine Kindertaufe zu rechtfertigen.
Warum sollten alle in seinem Haus jubeln, wenn nur er gläubig
wurde? Falls er ein ausgedienter Soldat war, von denen es viele in Philippi
gab, hatte er vielleicht gar keine Kinder, denn Soldaten durften in ihrer
aktiven Zeit nicht heiraten (65,II,95). Vgl. auch die Anm.2 zu Apg
16,15
18
Die öffentlichen Diener von höheren Beamten (Magistraten), die mit den Ruten (lat.: fasces)
auf ihren Schultern hinter diesen hergingen, um den Weg für sie freizumachen,
und, wenn erforderlich sofort Strafen
auf deren Befehl hin auszuführen.
19
Römische Bürger hatten ein Recht auf einen fairen Prozess und wurden
normalerweise von der Prügelstrafe verschont. Paulus besaß von seinem Vater her
das römische Bürgerrecht; vgl. Apg 22,25-29 (vgl. 47,z.St.). Als römischer
Bürger hatte er ein Anrecht auf ein besonderes Rechtsverfahren. Er war gegen
die Willkür der Provinzbehörden in mancher Hinsicht geschützt und konnte an den
Kaiser als obersten Richter appellieren, was er später auch tat (Apg 25,11). Das
bewusste Auspeitschen eines römischen Bürgers galt als ein Verbrechen, das mit
dem Tod bestraft wurde (54,z.St.).
20
Freier übersetzt: "Das kommt nicht in Frage". Falls Paulus dies nicht
im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit des Evangeliums und zum Schutz der
Gläubigen in Philippi sagte, ist seine Motivation hier fraglich.
21
Denn bei Bekanntwerden dieses Vorfalls, mussten sie mit schwerwiegenden
Konsequenzen rechnen. Sie wären sicherlich degradiert worden. Römische Bürger
durften ohne Gerichtsverhandlung nicht gebunden oder gar ausgepeitscht werden
(2,773; 21,II,354; 65,II,96).
22
Nachdem sie auf der Via Augusta an der Wegkreuzung in Antiochien gehindert
wurden in den Süden nach Ephesus zu reisen, wichen sie nach Norden aus, wahrscheinlich
in den phrygischen Teil der römischen Provinz Galatia, welche seit 25 v.Chr. den
größten Teil des Königreichs Galatien in der zentralen Hochebene der heutigen
Türkei einschloss, und wozu auch die südlicher liegenden Landschaften Pisidien,
Lykaonien und Teile von Phrygien gehörten (13,88; 40,405, 54,z.St.).
23
Damit wird klar, dass Magie keineswegs nur Einbildung oder Schauspielerei sei,
sondern, dass dämonische Kräfte übernatürliches Wissen geben, mit dem man Geld
verdienen kann.
24
Wie kam der Gefängniswärter zu so einer Frage? Vielleicht hörte er die
Botschaft der Magd in Vers 17, und erinnerte sich jetzt daran.
25
D.h. der gleiche Weg zur Errettung - nämlich Glaube - ist auch für dein ganzes
Haus offen (21,II,352).
26
Hier endet der "Wir-Bericht", in Apg 20,5 wird er wieder fortgeführt.
Lukas blieb wahrscheinlich in Philippi zurück, um die neugegründete Gemeinde zu
stärken.
27
Mazedonien
war eine römische Provinz (seit 148 v.Chr.) und umfasste den nördlichen Teil des
heutigen Griechenlands. Sie wurde von Augustus 27 v.Chr. neu geordnet und
umfasste das alte Mazedonien sowie einen Teil von Thessalien. Sie war berühmt
für wertvolle Metalle. Die Römerstrasse "Via
Egnatia", die Rom mit dem
Osten des Reiches verband, führte durch Mazedonien (33,721; 65,II,89, 54,z.St.).
28
Römische Bürger durften nicht ausgewiesen werden (65,II,96.).
29
Gemeint ist die römische Provinz Asia, im Westen Kleinasiens. Manchmal wurde
darunter aber nur der südliche Teil Kleinasiens gemeint. Diese Gebiete zu
missionieren, war nach Gottes Plan dem Paulus für später aufgehoben (Apg
19,1ff). Zuerst wollte der Heilige Geist, dass er das Evangelium nach Europa
bringt. Als Paulus erkennt, dass ihm der Heilige Geist die Tür nach Asia
verschließt, versucht er keinen zweiten Anlauf, als er aber später vom
Satan gehindert wird, versucht er schon einen zweiten Anlauf (1Thes
2,18), denn dem Satan muss man widerstehen.
30
Neapolis (Neue Stadt), war der Hafen von Philippi. Die Häuser der Stadt liegen
wie ein Amphitheater in Felshängen. Es ist das heutige Kavalla. Von hier aus
konnten die Apostel der berühmten Straße "Via Egnatia" folgen, die
sie über Philippi bis nach Thessalonich führte. Philippi lag 16 Kilometer von
Neapolis entfernt. In Erinnerung an seinen Sieg über die Cäsarmörder Brutus und
Cassius hatte Augustus die Stadt zur Kolonie erhoben. Dort wurden ausgediente römische
Soldaten angesiedelt. Sie erhielten Haus und Land als eine Art Pension. Die
Stadt bekam das römische Bürgerrecht, nach Vers 21 ebenso ihre Bürger
(54,z.St.).
31
Thyatira, eine Stadt in der Provinz Asia, etwa 200 km südöstlich von Troas, war
Handelszentrum für Purpurstoffe. Es ist das heutige Akhisar in der Türkei
(54,z.St.).
1 D.h. die gerade da waren, also
zufällig anwesende. Solche die ihm (zufällig) gerade in den Weg kamen. Einfach
jeden beliebigen den Paulus antraf und ohne sich die Leute genau auszusuchen
die er ansprach! Paulus tat, was er tun konnte, er machte sich auf, um am
Sabbat in der Synagoge das "Gastpredigerrecht" (vgl. Lk 4,16.17; Apg
13,15) zu gebrauchen und anhand der Schriften Jesus als den Messias zu
verkünden. Doch es genügte ihm nicht nur am Sabbat die Religiösen zu erreichen,
er wollte auch die Heiden evangelisieren, sie, die nie in eine Synagoge kamen.
So ging er jeden Tag (!) auf den Hauptplatz, dorthin also wo er die
meisten Menschen antreffen konnte. Der große Apostel war sich nicht zu gut, wie
ein Hausierer, auf jeden einzelnen, der ihm gerade zufällig über den Weg lief
zuzugehen und ihn auf den Glauben an Jesus hin anzusprechen.
2 Von einer Aufschrift auf
einem Altar in Athen. Der Kreter Epimenides wurde nach Athen gerufen, um mit
Hilfe der Götter die Pest zu bekämpfen. Er empfahl dem dafür zuständigen Gott
zu opfern. Da die Athener aber nicht sicher waren welcher Gott zuständig war,
bauten sie einen Altar mit der Aufschrift: "Dem unbekannten Gott" und
opferten auf ihm, worauf die Seuche aufhörte (22,III,285); - vgl. Joh 4,22.
3 Die von Gott bestimmten,
gezogenen und festgesetzten Grenzen für die Völker. Das bedeutet, dass die
heutige multikulturelle Vermischung der Völker nicht nach Gottes Sinn ist!
4 Im Haus von Jason
versammelte sich offenbar die erste Hausgemeinde von Thessalonich. - Die
Politarchen waren die Stadtpräfekten, die oberste Behörde in Thessalonich und
auch in anderen mazedonischen Städten. Es waren immer 5-6 einheimische Männer. Der Titel kommt in dieser Schreibweise im klassischen
Griechisch zwar nirgendwo vor, sehr wohl aber in einer alten Inschrift auf
einem Rundbogen der modernen Stadt Thessalonich. Dies bestätigt die absolute
geschichtliche Genauigkeit von Lukas (1,1375; 21,II,360). Im Unterschied zu
einer römischen Kolonie-Stadt wie Philippi, waren dies hier keine
römischen Beamten, sondern eine einheimische Behörde (59,176).
5
D.h. sie versuchten eine Bürgerversammlung einzuberufen. Da Thessalonich seit 42 v.Chr.
eine freie Stadt war, hatte die Bürgerversammlung gesetzgeberische und
richterliche Kompetenz (54,z.St.).
6
od.: "...von den Frauen der vornehmen Männer"; od. freier:
"...viele Frauen aus vornehmen Kreisen".
7
Die Übersetzung: "völlig dem Götzendienst ergeben..." ist eher zu verwerfen (21,II,364).
- Es wird berichtet, dass es damals in Athen an die 30.000 Götterstatuen gab!
Scherzhaft wurde gesagt, man begegne in Athen leichter einem Götzen als einem Menschen.
8
Im Athener Slang, von einem Obdachlosen, der am Markt Essensreste aufsammelt und von "der Hand in
den Mund lebt, wörtlich: ein Körnerpicker". Daraus entwickelte sich die
Bedeutung: jemand der Informationen aufschnappt und sie weitererzählt, ohne mit
der Sache wirklich vertraut zu sein (37,583). Übertr.: ein
"Dampfplauderer", Schwätzer, Plapperer; ein Halbgebildeter und ein Spatzenhirn.
Welchen Eindruck musste der Apostel dort auf dem Markt, sowohl äußerlich als
auch intellektuell, abgegeben haben, wenn er so eingestuft wurde. Er schämte
sich nicht ein "Narr für
Christus" zu werden!
9
Eine Felserhebung in der Stadt Athen, gegenüber dem westlichen Ende der
Akropolis. Gleichzeitig auch der höchste Gerichtshof in Athen, wahrscheinlich
auch zuständig für jede Art von Lehre und Unterricht, sowie die Bestrafung von
Verbrechen. Jahrhunderte zuvor, wurde Sokrates hier zum Tod verurteilt. Doch
dieser "Gerichtshof", musste sich nicht unbedingt auf dem griechischen
Kriegsgott Ares geweihten Marshügel treffen. Es ist sogar sehr
unwahrscheinlich, dass sie den "hohlen Schwätzer" Paulus an einen für sie so heiligen Ort
brachten, denn zurzeit von Paulus tagte der Rat in der Stoa Basilikos auf der
Agora, wo Paulus zuvor gepredigt hatte (21,II,368f; 65,II,100). "This
hill belonged to (Ares) Mars and was called Mar's Hill, so called, because, as the
story went, Mars, having slain Halirrhothius, son of Neptune, for the attempted
violation of his daughter Alicippe, and was tried for the murder here before
twelve gods as judges. This place was the location where the judges convened
who, by appointment of Solon, had jurisdiction of capital offences, (as willful
murder, arson, poisoning, malicious wounding, and breach of established
religious usages). To that hill the apostle Paul was not led to defend himself
before judges, but that he might set forth his opinions on divine subjects to a
greater multitude of people, flocking together there and eager to hear something new" (Online Bible
Greek-Lexicon).
10
Im anerkennenden oder zumindest neutralem Sinn: ungewöhnlich religiös, - was aber doch keine rechte
Verehrung ist (vgl. Strong Nr.: 2150). Obwohl Paulus sich über die vielen
Götzenbilder noch kurz zuvor erbitterte (Vers 16), macht er seinem Ärger in der
Predigt nicht Luft, sondern möchte sie mit anerkennender Sprache für Christus
gewinnen. Wie damals üblich, spricht er sie in seiner Einleitung mit einem
Kompliment an. Für Paulus gibt ihre Haltung Hoffnung, dass sie den höchsten und
alleinigen Gott annehmen, und dann auch so verehren könnten wie diesen unbekannten Gott. Die ganze
folgende Predigt ist ein schönes Beispiel dafür, wie Paulus "allen alles wird", - hier den Griechen ein Grieche, indem er
ihre philosophischen Ideen aufgreift und in die richtigen Bahnen lenkt, was in
(heidnischen) Missionssituationen auch für uns beispielhaft sein kann.
11
Ps 50,9-12. Auch die Stoiker lehrten, dass Gott nichts bedürfe und gebrauchten
dafür das gleiche Wort (προσδεομαι) wie Paulus (65,II,102).
12
Mask.Sg.: d.h. aus Adam (13,62). Vgl. Röm 5,12ff; 1Kor 15,45ff.
13
entw.: die festgelegten Zeiten ihres Bestehens, wie Apg 1,7; Lk 21,24; Gal 4,4;
Eph 1,9; Tit 1,3, was gut in den Zusammenhang passen würde; od.: die
Jahreszeiten (wie in Kap.14,17), was zwar am besten zu dem Ausdruck καιρος
passen würde, aber sonst eher mit χρονος wiedergegeben wird (vgl. 2,783;
21,II,374).
14
Sich trotz Schwierigkeiten bemühen etwas kennenzulernen, auch wenn die
Erfolgsaussichten nicht groß sind. Oder, sich in der Dunkelheit zu etwas
vortasten (2,z.St.).
15
Dieser Ausspruch wird dem oben erwähnten griechischen Theologen und angeblichen
Wundertäter Epimenides zugeschrieben, der im 6.Jhdt. v.Chr. lebte und auch in
Athen wirkte (Aratus, Phaenomena 5; vgl. 2,784; 60,547; 54,z.St.).
16
Gemeint sind die beiden stoischen Dichter, Aratus aus Zilizien, der Heimat von
Paulus, und Kleanthes aus Assos in Kleinasien. Für sie war Zeus der λογος bzw.
das Weltprinzip, das alles beseelt. Paulus holt sie in ihrer Religion ab, indem
er ihrem Gott Zeus, den persönlichen und wahren Schöpfer-Gott gegenüberstellt
(vgl. 2,784, 54,z.St.).
17
Eine körperliche Auferstehung war für die Griechen absurd, manche
philosophischen Richtungen glaubten nur an ein Weiterleben der Seele.
18
Alle drei genannten Städte lagen an der römischen Straße „Via Egnatia“ (2,z.St.).
Amphipolis befand sich etwa 50 km südwestlich von Philippi. Es war die
Hauptstadt des ersten Bezirks von Mazedonien, 5 km von der Strymonmündung
entfernt. Der Fluss umströmte fast die ganze Stadt, von daher auch der Name. Es
ist das heutige Neochori. Apollonia war nach dem Sonnengott Apollos benannt und
lag inmitten von Eichen-, Akazien- und Kastanienwäldern, 44 km westlich von
Amphipolis und 56 km östlich von Thessalonich. Es ist das heutige Pollino
(54,z.St.). Thessalonich war eine Stadt am thermaischen Meerbusen, im Altertum
Therme genannt und
von Antipaters Sohn Kassander zu Ehren seiner Frau Thessalonica in Thessalonich
umbenannt. Sie hatte 200.000 Einwohner. In römischer Zeit war es die Hauptstadt
der Provinz Mazedonien mit dem größten Hafen Mazedoniens und damals Sitz des Procurators.
Wegen ihrer günstigen Lage an der "Via Egnatia", die Rom mit dem
Osten des Reiches verband, und als Knotenpunkt der Römerstraße, die von der
Ägäis zur Donau führte, war sie ein bedeutender Handelsplatz. In Thessalonich war auch der
ägyptische Kult von Serapis und Isis beheimatet. Paulus gründete hier eine
Gemeinde, die auch unter Verfolgungen treu blieb. Es ist das heutige Thessaloniki
(vgl. 33,1195; 65,II,96).
19
Athen lag etwa 350 km südlich von Beröa und war zurzeit des Paulus eine civitas
foederata, d.h. eine mit Rom verbundene, aber freie Stadt, völlig
unabhängig vom römischen Prokonsul der Provinz Achaia, von Rom steuerbefreit
und in seiner Gerichtsbarkeit autonom. Von den drei großen Universitätsstädten
der damaligen Welt (Athen, Tarsus und Alexandria) war Athen einstmals die
berühmteste. Zurzeit von Paulus hatte sie ihre Vormachtstellung als geistiges
Zentrum aber bereits an Universitätsstädte wie Alexandria oder Tarsus abtreten
müssen. Ihre Philosophen galten aber immer noch als die scharfsinnigsten Denker.
Die Stadt war berühmt für ihre vielen Tempel, Götter-Statuen (etwa 3000),
Säulenhallen und Monumente. Obwohl die Athener sehr religiös waren und begierig
darauf über Religion zu diskutieren, war nach ihrem eigenen Philosophen
Apollonius, ihr geistliches und moralisches Niveau nicht sehr hoch. Er rügt sie
für ihre lüsternen Tänze bei den Festfeiern zu Ehren des Gottes Dionysus und
ihrer Vorliebe für blutrünstige Menschenopfer bei den Gladiatorenkämpfen
(33,104; 65,II,99).
20
Die beiden Optative bringen zum Ausdruck, dass dies möglich wäre aber noch
nicht geschehen ist (21,II,375).
21
Paulus konnte seine Predigt wahrscheinlich nicht zu Ende führen, weil er
unterbrochen wurde. Doch seine Predigt war nicht ohne Frucht (Vers 34).
22
Die
Stadtpräfekten, oberste Behörde in mazedonischen und auch anderen Städten. Es
waren immer 5-6 Männer. Im Unterschied zu einer römischen Kolonie-Stadt wie
Philippi, waren dies keine römischen Beamten, sondern eine einheimische Behörde
(59,176). Der Titel kommt in dieser Schreibweise im klassischen Griechisch zwar
nirgendwo vor, sehr wohl aber in einer alten Inschrift auf einem Rundbogen der
modernen Stadt Thessalonich. Dies bestätigt die geschichtliche Genauigkeit von Lukas
(1,1375; 21,II,360).
23
Da das Wort Αναστασις (= Auferstehung) zugleich ein weiblicher Name war, und,
da das Wort Gottheiten im Plural steht, dachten die Philosophen Paulus verkünde
fremde Götter. Das zeigt, wie ungenau sie ihm zuhörten (65,II,101).
24
Die Stoiker glaubten, dass Gott in allem sei, und deshalb nicht in einem Tempel
wohnte (65,II,102). Er knüpft also bei ihrem Glauben an, obwohl dieser
unrichtig war.
25
Als subst.
Sg.Neut.: das göttliche Wesen. Vor allem von den heidnischen Göttern. Paulus
passt seine Ausdrucksweise an seine heidnischen Zuhörer an, um sie dort
abzuholen, wo sie religiös standen.
26
Beröa
war eine wohlhabende Stadt. Sie lag 80 km südwestlich von Thessalonich am Fuß
des Berimos, 40 km vom Ägäischen Meer entfernt. Es ist das heutige Veria
(54,z.St.).
27 Die Epikureer.waren Schüler des Epikur (341-270 v.Chr.), dessen ethisches System Freude und Ausgeglichenheit zum Lebensziel erklärte und dessen Götter sich nicht um menschliche Angelegenheiten kümmern würden. Die Stoiker waren Schüler des Zenon von Kition (334-263 v.Chr.), die ihren Namen von ihrem Versammlungsort, der "Stoa" (= Halle) ableiteten. Sie lehrten, dass ein pantheistisch gedachter Gott die Seele des Kosmos sei. Die Menschen sollten in Harmonie mit der Natur leben, ihre eigene Unabhängigkeit erkennen und jede Leidenschaft unterdrücken (54,z.St.).
28 Die Juden haben den Titel König in Bezug auf Jesus hier wissentlich politisch missbraucht, um die Apostel vor den Behörden anzuklagen. Vgl. auch Lk 23,2 und Joh 19,12.15
1 Beide dürften zu diesem Zeitpunkt schon
gläubig gewesen sein, sonst hätte Lukas sicher ihre Bekehrung berichtet. Wenn
es um eine offizielle Sache geht, wie hier und in 1Kor 16,19, wird Aquila, der
Mann, als erstes genannt, aber immer, wenn es um den Dienst geht, wird seine
Frau Priscilla zuerst genannt, obwohl dies nach damaliger Sitte ungewöhnlich
war. Es könnte darauf hindeuten, dass Priscilla im Dienst aktiver war als ihr
Mann. Vgl. noch: Apg 18,18.26; Röm 16,3; 2Tim 4,19. Beide waren aus Pontus,
einer Landschaft, die südlich an das Schwarze Meer grenzt. Aus diesen Stadt-Staaten
an der Küste zogen Juden zum Pfingstfest nach Jerusalem wo manche gläubig
wurden (54,z.St.).
2 D.h. aus Thessalonich (Apg
17,14.15.16; 1Thes 3,1f). Wahrscheinlich brachten sie Gaben von der Gemeinde in
Philippi mit (Php 4,10-18), sodass Paulus nicht mehr arbeiten musste!
3 Das tat er schon in Apg
14,22, hier aber das zweite Mal.
4 D.h. es gab schon mehrere
Brüder und damit eine kleine Hausgemeinde, die wahrscheinlich von Aquila und
Priscilla gegründet wurde, noch bevor Paulus nach Ephesus kam. Er hatte
die Beiden als "Brückenkopf" dort zurückgelassen (Apg 18,19).
5 Achaia im engeren Sinn
umfasst die Küstengegend des nördlichen Peloponnes. Im weiteren Sinn die
römische Provinz Achaia, die seit 27 v.Chr. bis 15 n.Chr., und dann wieder ab
44 n.Chr. von einem Prokonsul regiert wurde (65,II,106). Sie umfasste den
südlichen Teil Griechenlands, außer Thessalonich (Apg 18,27; Röm 15,26; 1Kor
16,15 ua.).
6
D.h. der Vorwurf bestand darin, Paulus verkünde eine Religionsausübung, die
gegen das römische Gesetz sei, also eine verbotene Vereinigung, lat. ein collegium
illicitum (2,z.St.). Damit machten sie Gallio für den Fall zuständig, doch
er durchschaute die Sache.
7
od.: "...über euer eigenes Gesetz". Gallio stuft das Christentum also
nicht als eine illegale Religion (lat.: religio illicita) ein, sondern
als eine Variante des Judentums, über die er nicht richten wollte (65,II,107).
8
Kenchräa ist der östliche Hafen von Korinth am Isthmus, etwa 7 km von Korinth
entfernt. Hier standen die Tempel der Isis, der Aertemis (= Diana), der
Aphrodite, des Asclepius und des Poseidon (54,z.St.; 65,II,107).
9
Ephesus war eine kleinasiatische Stadt in der Ebene des Flusses Kaystros, obwohl
etwa 5 km vom Meer entfernt, konnte man auf dem Fluss praktisch bis in die
Stadt segeln (54,z.St.) Die Stadt war Hauptstapelplatz für den Handel ins
Innere Kleinasiens, und damals die wichtigste, d.h. "erste" Stadt der
römischen Provinz Asia, mit ca. 300.000 Einwohnern. Nach Rom und Alexandria war
es wohl die drittgrößte Stadt im römischen Reich, und auch eine bedeutende
Handelsstadt, weil es in Kleinasien der wichtigste und erste Anlegeplatz für
Schiffe war. In ihr befand sich der große Tempel der Göttin Artemis (Diana), von
den kleinen, silbernen, fabrikmäßigen Nachbildungen hergestellt und an Fremde
verkauft wurden. Das Heiligtum war eines der sieben Weltwunder und damit
verbunden war eine Menge Götzendienst (vgl. Apg 19). Die Stadt beherbergte drei
Heiligtümer für den Kaiserkult, wo das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser
von jedem Bürger dargebracht wurde. Sie war Zentrum der Zauberei
("Ephesische Schriften") und erlebte in ihrer Geschichte einige
tiefgreifende Veränderungen, z.B. ein schweres Erdbeben zurzeit des Tiberius.
Die allmähliche Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des
Flusses Kaystros führte schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch
einige Kilometer landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht
mehr anfuhren. Heute ist Ephesus eine ausgegrabene Ruinenstadt, daneben liegt ein
unbedeutendes Dorf.
10
Eine gebirgige und große kleinasiatische Landschaft im westlichen Teil des
Landesinneren. Die Grenzen
waren zu verschiedenen Zeiten verschieden. Durch die Neueinteilung, die von den
Römern ca. 130 v.Chr. vorgenommen wurde, kamen die östlichen und südlichen
Teile Phrygiens zur Provinz Galatia, die
westlichen zur Provinz Asia. Hier ist wahrscheinlich der von Phrygiern bewohnte
Teil der Provinz Asia gemeint, eine große gebirgige Region, deren bedeutendste
Städte Laodizea, Kolossä und Hierapolis waren (54,z.St.). Auf dieser Reise besuchte Paulus
wahrscheinlich wieder die Gemeinden in Derbe, Lystra, Ikonion und Antiochien (2,z.St.),
und stärkte die Jünger. Es war Spätfrühling, denn nur um diese Jahreszeit
konnte man diesen Landweg passieren (65,II,108).
11
od.: "...mit glühender Begeisterung", jedenfalls ist sein
menschlicher Geist gemeint (65,II,109).
12
od. viell.: "...sie schrieben den Jüngern, - (nachdem ihn) ermuntert habend,
- ihn aufzunehmen" (13,86).
13
entw. allg.: "...durch die Gnade Gottes"; od. speziell:
"...durch seine Gnadengabe".
14
Das Ehepaar wurde von Paulus als Brückenkopf in Ephesus zurückgelassen und
evangelisierte erfolgreich dort (vgl. Anm.4). Hier haben wir ein
schönes Beispiel, wie eine Frau im privaten Rahmen und zusammen mit
ihrem Mann, ihre Lehrgabe ausüben kann. Dass sie zuerst genannt wird, könnte
darauf hinweisen, dass sie sogar das Wort führte.
15
Es handelt sich dabei wahrscheinlich nicht um das sogenannte
Nasiräer-Gelübde (vgl. Kap. 21,23-26, das auf Num 6,1-21 zurückgeht), sondern
um ein privates Gelübde bei einer Krankheit in Korinth (vgl. Röm 16,2c), verbunden
mit der Bitte um Genesung, damit er rechtzeitig zum Passah in Jerusalem sein könne.
Das Gelübde wurde mit dem Abschneiden des Haares am Ende der Zeitspanne für die
sich jemand verpflichtet hatte, eingelöst (21,II,392f).
16
Lucius Iunius Gallio war der älteste Sohn des Rhetorikers Seneca und ein Bruder
des stoischen Philosophen Seneca, der ebenso wie Lukas, nicht sehr
positiv von ihm berichtet. Gallio
war Prokonsul der Provinz Achaia vom 51-52 (od.: 52-53) n. Chr., wie aus der in
Delphi gefundenen "Gallio-Inschrift" hervorgeht. Er soll lungenkrank gewesen sein. Der
hier beschriebene Vorfall geschah wahrscheinlich am Anfang seiner Amtszeit
(54,z.St.). Im Jahr 65 n.Chr. fürchtete er die Hinrichtung durch Nero, der
schon seinen Bruder Seneca töten ließ, und beging Selbstmord (vgl. 47,z.St.;
33,404; 52,II,686, 65,II,106).
17
Paulus gründete in Athen keine Gemeinde, einerseits waren zu wenig Bekehrte da,
andererseits war Athen zwar das Zentrum der Gelehrsamkeit in der Provinz
Achaia, Korinth aber war die Hauptstadt von Achaia, gegründet ca. 900 v.Chr., lag
die Stadt äußerst günstig auf der den Peloponnes mit Attika verbindenden
Landenge Isthmus, und gelangte als Handelsstadt daher zu großer Bedeutung. Sie
war ca. 900 qkm groß und mit ca. 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt
Griechenlands nach Athen. Korinth hatte zwei Häfen, Lechaeum im Westen und
Kenchräa im Osten der Stadt. Nach der Zerstörung durch Mummius (146 v.Chr.) und
deren Verödung für 100 Jahre, hatte Caesar 44 v.Chr. die Stadt wiederaufbauen
lassen und mit Freigelassenen Sklaven und ausgedienten Soldaten besiedelt.
Danach kam sie schnell wieder zu großer Blüte und wurde ein florierendes
Handelszentrum für verschiedene Handwerke, besonders für Keramik. Als Sitz
einer Universität und als Mittelpunkt reichen künstlerischen Lebens war sie
ebenso berühmt wie durch den Luxus und die sprichwörtliche Sittenlosigkeit
seiner stark multikulturell vermischten Bevölkerung, die auch durch die
Tempelprostitution im Heiligtum der Aphrodite gefördert wurde. Es gab viele
ausländische Religionsgemeinschaften, auch ägyptische Sekten, die dann im
2.Jhdt. großen Zulauf hatten. Augustus machte Korinth zur Hauptstadt der neuen
Provinz Achaia. Inschriften bestätigen, dass Gallio 51/52 n.Chr. Proconsul
wurde und eine Inschrift nennt einen Erastus als Schatzmeister; vgl. Röm 16,23.
Paulus kam auf der zweiten Missionsreise im Jahr 50/51 n. Chr. nach Korinth und
blieb wahrscheinlich 1½ Jahre dort (Apg 18,1-18). Die
dortige Gemeinde ist von ihm gegründet und die beiden Korintherbriefe geben uns
einen interessanten Einblick in das
Leben der Gemeinde. In der Stadt gab es extreme soziale Gegensätze
zwischen arm und reich, was sich auch in der Gemeinde manifestierte, - ⅓ der
Bevölkerung waren Sklaven. Korinth kannte nur eine Aristokratie, die des
Reichtums, und nur eine Tradition, die des Geldmachens. Nach seinem Wegzug
blieb er mit der Gemeinde in persönlicher Verbindung.
Während der Invasion der Westgoten in Griechenland (395–396 n.Chr.) ließen sie die Stadt plündern und viele ihrer Bürger in die Sklaverei verkaufen. Trotzdem konnte sich Korinth nochmals erholen. 521 n.Chr. wurde die Stadt infolge eines schweren Erdbebens stark zerstört. Kaiser Justian I. ließ sie wieder aufbauen. Der Beginn der Slaweneinfälle (um 580 n.Chr.) brachte das antike Leben in der Stadt fast vollständig zum Erliegen. Erst Jahrzehnte später gelang ein bescheidener wirtschaftlicher Wiederaufstieg. Am 21. Februar 1858 wurde das alte Korinth, das damals etwa 4000 Einwohner zählte, durch ein Erdbeben zerstört und danach sechs Kilometer nordöstlich wieder aufgebaut. Unmittelbar neben dem antiken Siedlungsgelände liegt das Dorf Archea Korinthos (33,229; 42,794; 52,III,301; Wikipädia).
18
Kaiser Claudius ließ im Jahr 49/50 n. Chr., alle Juden aus Rom ausweisen, wegen
Streitigkeiten bezüglich eines gewissen "Chrestus". Nach dem
Historiker Sueton handelte es sich wahrscheinlich, aber nicht sicher, um eine
Bezeichnung für Christus (33,215; 22,II,382; 65,II,104).
19
Vgl. Hes 3,17ff.
20
Krispus ist ein typisch römischer Name, vielleicht hatte auch er das römische
Bürgerrecht (65,II,105). Der Ausdruck "glaubte mit seinem ganzen
Haus" zeigt hier, dass es sich um Personen handelte, die schon alt genug
waren, um persönlich zu glauben.
21
War er der Nachfolger von Krispus, der sich ja bekehrt hatte? Warum sie ihn
schlugen, bleibt im Dunkeln. Zu möglichen Erklärungen siehe: 65,II,107.
22
In dieser Zeit wurden wahrscheinlich die beiden Briefe an die Thessalonicher
geschrieben.
23
Allgemein von
solchen die allerlei Ausrüstungsgegenstände für das Theater herstellten, z.B.
Kulissen, udgl., Kunsthandwerker also. Sie waren auch Lederverarbeiter und
stellten kleine und transportierbare Zelte aus Leder oder Stoff für Reisende
her. Selbst waren sie sehr stolz auf ihren Beruf, aber in der Oberschicht nicht
sehr angesehen. Es war ein sehr zeitintensiver Beruf, der aber viel Möglichkeit
für lange Gespräche während der Arbeit bot (1,1508; 65,II,104).
24
Aufgrund seines Namens ein römischer Bürger. Sein erster Name war nach Röm
16,23 und 1Kor 1,14 vermutlich Gaius (33,399.649; 65,II,105).
25
Alexandria war die Kulturmetropole, die 331 v.Chr. von Alexander dem Großen im
Nildelta gegründet wurde. Sie hatte in ihrer Blütezeit 700.000 Einwohner. Hier
entstand im 3. Jahrhundert v.Chr. die griechische Übersetzung des Alten
Testaments, die sogenannte Septuaginta. Alexandria hatte die größte jüdische
Gemeinde im gesamten römischen Reich (54,z.St.; 65,II,108). Wahrscheinlich
hatte Apollos eine Rhetorik-Ausbildung, was Paulus nicht hatte (2Kor 11,6; 1Kor
2,4).
1 Ohne Art.: die Kraft oder die Gaben
des Heiligen Geistes; viell. aber auch ohne Artikel bestimmt zu verstehen:
"...(den) Heiligen Geist" (2,z.St.).
2 Ind.Aor. + Ptz.Aor
bezeichnet meist die Gleichzeitigkeit des Geschehens (2,1393; 21,II,403).
3 Die Asiarchen waren die 10
Abgeordneten des Landtags von Asia, der von den Städten der Provinz Asia
gewählt wurde und in Ephesus zusammentrat. Im oblag die Verpflichtung, aus
eigenen Mitteln die öffentlichen Spiele, die beim Zusammentreten des
Landestages jährlich stattfanden, zu veranstalten und zu sponsern
(Abboth-Smith, A Manuel Greek Lexicon of the NT, Seite 64). Außerdem waren sie so etwas wie Hohepriester
und verantwortlich für die Förderung des Kaiserkults. Es ist erstaunlich, dass
Paulus unter ihnen "Freunde" hatte.
4 Ephesus war die
Haupstadt der römischen Provinz Asia, Schmelztiegel vieler Völker, Tummelplatz
vieler Religionen und Zentrum der Zauberei und magischer Kulte. Die okkulten
"Ephesischen Schriften" von Ephesus waren in der ganzen damaligen
Welt bekannt, und Inschriften belegen, dass die Bewohner der Stadt sehr
abergläubisch gewesen sein müssen. - Diese Summe war in etwa der Lohn
für den ein Arbeiter 140 Jahre hätte arbeiten müssen. Manche Dinge aus dem
alten Leben kann man verkaufen, aber manche muss man vernichten. Es ist
bemerkenswert, dass viele der gläubig Gewordenen sich bis dahin noch
nicht vollständig von diesen Gegenständen gelöst hatten. Dennoch wird in
keinerlei Weise angedeutet, dass sie noch eine spezielle "Seelsorge" nötig hätten, um von ihren
früheren Bindungen loszuwerden. Wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei
(Joh 8,36). Die Buße über das vergangene Leben geschieht manchmal abrupt (Lk
19,8.9), oft aber auch stufenweise. Vgl. auch die Anm. bei Mt 12,29, bei Mt
18,19 und bei 1Joh 5,18b.
5 Ein öffentliches
Lehrgebäude, wo Unterricht in allen möglichen Dingen erteilt wurde. Philosophen
hielten ihre Vorlesungen häufig in gemieteten Sälen. Gewöhnlich endeten sie
gegen Mittag. Deshalb ist der Zusatz in einem griechischen Manuskript, dass
Paulus täglich von 11 bis 16 Uhr lehrte, - wo wegen der Hitze keine anderen
Veranstaltungen stattfanden, - durchaus einleuchtend. Paulus wird die Jünger
dort nicht nur ausgebildet, sondern sie auch zum Verkündigungsdienst in die Provinz
geschickt haben (54,z.St.). Er mietete diesen Raum aber auch für
evangelistische Zwecke. Dies zeigt, wie wenig die ersten Christen auf
"religiöse Bauten" beschränkt waren, und, dass sie Ungläubige nicht
einfach zu ihren gottesdienstlichen Versammlungen einluden, sondern in neutrale
Räume einluden.
6
Wahrscheinlich ist gemeint, dass Paulus beim ersten Eindruck meinte, es handle
sich um Jünger Jesu. Erst nach genauerem Hinterfragen merkte er, dass sie nur
Jünger des Johannes waren.
7
Johannes kündigte an, dass einer kommt der mit dem Heiligem Geist tauft. Diese
Jünger verließen Palästina aber offenbar schon bevor Johannes, Jesus als diesen
kommenden Messias bezeugte. Sie wussten daher auch nicht, dass sich die
Ankündigung des Johannes schon erfüllt hatte. Das erklärt ihre Antwort und
macht für Paulus klar, dass sie noch gar nicht wiedergeborenen waren. Der ganze
Dialog ist ein schönes Beispiel, wie man auch heute das Bekenntnis eines
Menschen auf Echtheit prüfen kann und soll.
8
od. toleratives Pass.: "ließen sie sich taufen".
9
Im Sinne einer Zugehörigkeit: man bekennt, dass man nun Jesus als seinen Herrn
anerkennt.
10
Mit dem Imperfekt wird angedeutet, dass dies einiger Überredung bedurfte.
11
Ptz.Aor. + Ind.Aor. bedeutet, dass beide Handlungen gleichzeitig geschahen.
Dass hier der Heilige Geist erst durch die Handauflegung des Apostels Paulus
von Gott gegeben wurde, könnte zweierlei Gründe haben: (1.) Wie in Apg 8,17
handelt es sich hier heilsgeschichtlich um eine neue "Gruppe" (nämlich
Johannesjünger), die zum Leib Christi hinzugetan wurden. Dies sollte wie
bei dem ersten Bekehrten aus den Heiden (Apg 10,44-45), zeichenhaft bestätigt
werden. (2.) Indem Paulus das Gleiche tut wie die Apostel Petrus und Johannes
in Apg 8,17, bestätigt Gott indirekt seine Apostelschaft. (3.) Die Taufe auf
den Namen Jesu wird damit deutlich als die von Johannes angekündigte Taufe (Mt
3,11; Apg 1,5) bestätigt. Keinesfalls darf man davon eine Methode der
Handauflegung zur Vermittlung des Heiligen Geistes für die heutige Zeit
ableiten. Seit der Bekehrung des Heiden Kornelius (Apg 10,44; 11,15-17), ist
die Tür für alle Menschen offen, und jeder der heutzutage auf Christus
vertraut, empfängt bei seiner Wiedergeburt augenblicklich den Heiligen Geist
und wird in den Leib Christi hineingetauft (1Kor 12,13 "…sind wir alle…"), sowie Kornelius damals. Es ist unmöglich
wiedergeboren zu sein, ohne dass der Heilige Geist in einem wohnt (Röm 8,9b). Vgl.
auch die Anm. bei Apg 6,6
12
Zu den möglichen Deutungen vgl. 2,804
13
Wahrscheinlich, um die Juden damit von den angegriffenen Christen zu
distanzieren (2,z.St.). Doch für die Massen gab es keinen Unterschied zwischen
Juden und Christen. Dies erklärt vielleicht auch die darauffolgende Feindseligkeit
der Juden aus Asien in Apg 21,27
14
Ephesus
war eine wohlhabende kleinasiatische Stadt in der Mündungsebene am linken Ufer
des schiffbaren Cayster Flusses, etwa 5 km vom Meer entfernt gelegen und
Hauptstapelplatz für den Handel ins Innere Kleinasiens. Sie hatte schon eine
lange Geschichte hinter sich, als sie 133 v.Chr. durch die Römer anstelle von
Pergamon zur Hauptstadt, und damit zur wichtigsten Stadt der römischen Provinz
Asia wurde. Die Stadt hatte ca. 300.000 Einwohner. Nach Rom und Alexandria war sie
mit ca. 300.000 Einwohnern neben Antiochia die drittgrößte Stadt im römischen
Reich, ebenso eine bedeutende Handelsstadt, weil es in Kleinasien der
wichtigste und erste Anlegeplatz für Schiffe war. Alle wichtigen Handelsstraßen
Kleinasiens führten nach Ephesus. Strategisch gesehen war es für Paulus der
beste Ort, um das Hinterland zu missionieren (Kolossä, Laodizäa, Hierapolis,
Philadelphia, Thyatira, Sardes, Smyrna, Pergamon). Berühmt war sie auch durch
ihren Tempel für die Fruchtbarkeitsgöttin Artemis (= die römische Göttin
Diana), von der kleine, silberne, fabrikmäßige Nachbildungen hergestellt und an
Fremde verkauft wurden. Dieser Tempel war eines der sieben Weltwunder und damit
verbunden war eine Menge Götzendienst (vgl. Apg 19,24ff) und gesetzlich erlaubte
Tempelprostitution. Eine 11 m breite und von Säulen gesäumte Prachtstraße
führte vom Stadtzentrum bis zum Hafen. Die Stadt beherbergte ein Amphitheater
das 24.000 Plätze hatte, sowie eine Bibliothek und einen großen Marktplatz. Sie
war Schmelztiegel vieler Völker, Tummelplatz vieler Religionen und Zentrum der
Zauberei und magischer Kulte. Die okkulten "Ephesischen Schriften"
von Ephesus (vgl. Apg 19,19) waren in der ganzen damaligen Welt bekannt. Inschriften
belegen, dass die Bewohner der Stadt sehr abergläubisch gewesen sein müssen.
Durch ein Erdbeben in der Regierungszeit unter Kaiser Tiberius wurde die Stadt
schwer heimgesucht. Paulus besuchte Ephesus mehrfach, einmal verbrachte er drei
Jahre dort und evangelisierte in dieser Zeit in der Schule des Tyrannus und mit
seinen Mitarbeitern (z.B. Epaphroditus) auch das Hinterland Kleinasiens.
Gegründet wurde die Gemeinde in Ephesus aber wahrscheinlich als Hausgemeinde
von Aquila und Priscilla (Apg 18,19.27). Zur Zeit des Paulus wurde Ephesus von
einem Senat und einer Volksversammlung verwaltet. In Ephesus entstand durch
Kaiser Domitian der erste große Tempel in Kleinasien für den Kaiserkult (später
noch zwei andere). In diesem musste von jedem Bürger das jährliche
Weihrauchopfer für den Kaiser dargebracht werden, was zur ersten größeren
Christenverfolgung führte. Domitian hatte der Stadt den Titel "Wächterin
seines Tempels" gegeben. Die allmähliche Versandung des Hafens durch die
ständigen Sandablagerungen des Flusses Cayster führten schließlich zum
Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer landeinwärts lag und
die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren. Heute ist Ephesus nur
mehr ein Ruinenfeld, daneben befindet sich ein unbedeutendes Dorf (vgl.
33,336f; 42,347f; 52,II,293; 65,III,306; 47,z.St.).
15
Es
ist kein Zufall, dass diese außergewöhnlichen Wunder gerade in Ephesus
geschahen, wenn wir bedenken, dass in Ephesus okkulte Heilmethoden und
Aberglauben sehr verbreitet waren. Daher gefiel es Gott diesen Aberglauben
durch großartige Wunderkräfte seinerseits zu diskreditieren. Außerdem wollte
Lukas eine Parallele zu Petrus herstellen, der ähnliche Wundertaten vollbrachte
(Apg 5,15-16). Ob Paulus von den ähnlichen Wundertaten des Petrus wusste, steht
nicht im Text. Jedenfalls tat auch Paulus die "Zeichen des Apostels"
(2Kor 12,12). – Das vorher genannte Schweißtuch war eine Art großes
Taschentuch,
mit
dem man sich den Schweiß vom Gesicht wischte (54,z.St.).
16
Das
Amphi-Freilufttheater von Ephesus war wahrscheinlich das größte der damaligen Welt
und fasste an die 25.000 Personen. Es war direkt gegenüber dem Tempel der
Artemis und mit vielen Götterstatuen geschmückt (21,II,414).
17
Berühmt war Ephesus auch durch ihren 2 km nördlich gelegenen Tempel für Artemis
(d.i. die römische Göttin Diana), die Göttin der Jagd und der
Fruchtbarkeit, von der fabrikmäßig, kleine silberne Nachbildungen hergestellt
und an Fremde verkauft wurden. Dieser
Tempel war eines der sieben Weltwunder. Er war 150 m lang und 50 m breit. Mit
dem Tempel verbunden war eine Menge Götzendienst und gesetzlich erlaubte
Tempelprostitution.
18
Einer der höchsten Verwaltungsbeamten von Ephesus. Seine Aufgabe war es unter
anderem, die Volksversammlung der Stadt einzuberufen und die Stadt vor den in
Ephesus residierenden römischen Provinzbeamten zu vertreten, die einen Aufruhr
nicht dulden würden (54,z.St.; 59,181).
19
Über 2 Jahre lang unterrichtete Paulus in der Schule des Tyrannus, aber im
Gesamten war er drei Jahre in Ephesus (Apg 20,31).
20
Name
eines angeblichen Hohenpriesters, eher wahrscheinlich eines Betrügers, der sich
diesen Titel selbst zulegte. Wir wissen nichts Näheres von ihm (2,798;
21,II,407; 54,z.St.).
21
Nach
Röm 16,23 hatte Erastus das Amt des Ädilen in Korinth inne, das war eine Art
Polizeichef, der für die Veranstaltung der Isthmischen Spiele verantwortlich
war (33,182; 65,II,112.341). Hier ist er nur der Helfer von Paulus. Eine hohe
Verantwortung in der Welt, macht noch lange keinen Karrieresprung in der
Gemeinde. Aber ein Diener im Reich Gottes ist größer als eine hohe Stellung in
der Welt.
22
Der
Tempel der Artemis war nicht nur ein religiöser Wallfahrtsort, sondern zugleich
auch eine Bank, auf der Reiche ihr Geld hinterlegten (65,II,113).
23
Im
2.Jhdt. n.Chr. trat genau dies ein. Durch die vielen Bekehrungen zum
Christentum, gerieten die Tempel der Götter in Vergessenheit. Nachdem viele
Christen verhaftet wurden, wurden dann wieder mehr Opfertiere verkauft und der
Götzendienst erblühte neu (65,II,114).
24
Es gab noch an 33 anderen Orten Kultstätten für
Artemis (65,II,114).
25
In seinem Geist, oder durch Einfluss des Heiligen Geistes?
26
Damals zwei schlimme Verbrechen.
27 Der Prokonsul der Provinz Asia, die dem römischen Senat unterstand, besuchte an bestimmten Tagen reihum die Städte seiner Provinz, um Gerichtstage abzuhalten. Er war zuständig für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung (54,z.St.). Da der Prokonsul von Asia um das Jahr 54 n.Chr. starb, wurden bis zur Ankunft des neuen Prokonsuls die Amtsgeschäfte von mehreren Beamten übernommen (65,II,116). Daher vielleicht der Plural, was wiederum die geschichtliche Genauigkeit von Lukas bestätigen würde. Oder vielleicht ein rhetorischer Plural: die Behörden.
1 Das Evangelium wurde öffentlich und
in Privathäusern verkündigt, die Gemeindeversammlungen aber waren privat (Apg 2,46;
5,13.42), und zur Erbauung der Gläubigen. In 1Kor 14,23-25 wird nur eine hypothetische
Ausnahmesituation beschrieben.
2 Ca. 55/56 n.Chr., also ein
Jahr nach seiner Abreise von Ephesus.
3 Hirte und Aufseher sind
zwar zwei ähnliche, aber doch verschiedene Aufgaben (1Pet 2,25). Der Hirte ist
eine überörtliche Gabe an den ganzen Leib Christi, der Aufseher ein Amt
in einer örtlichen Gemeinde.
4 Welch eine Liebe kommt
hier noch zum Ausdruck, doch nicht lange später war sie bei vielen abgeflaut
(2Tim 1,15; Offb 2,4).
5
D.h. zuerst über Troas nach Mazedonien (wohl im Winter 56/57 n.Chr.) und dann
weiter auf der Via Egnatia durch Illyrien Richtung Griechenland, und wieder
zurück nach Philippi, Troas, mit dem Schiff nach Syrien und weiter nach
Jerusalem, um die Kollekte für die armen Heiligen in Jerusalem zu überbringen
(vgl. Röm 15,26; 1Kor 16,1.5; 2Kor 8-9 (65,II,116f).
6
In dieser Zeit (Winter 56-57 n.Chr.) schrieb er wahrscheinlich den Römerbrief (2,z.St.).
7
vgl. Apg 19,29; 27,2; Kol 4,10; Phm 1,24
8
Bei diesen Begleitern handelte es sich wohl zumeist um Vertreter der Gemeinden
(2Kor 8,23), die deren Spendenbeiträge zur Sammlung für die Not leidenden
Christen in Jerusalem mitführten. Vgl. 1Kor 16,1-4; 2Kor 8,1 - 9,15; Röm
15,25-27; Apg 19,21; 24,17 (2,z.St.). Einige von ihnen wurden später
Mitarbeiter des Paulus.
9
Da Paulus an einem Montag abfuhr (Apg 20,11), musste er also, da sie sieben
Tage in Troas blieben, auch am Montag davor angekommen sein (77,704f). Obwohl
er in Eile war (V.16), wartete er also mit seiner Abfahrt noch fast eine Woche,
damit er am ersten Tag der Woche (= Sonntag) noch mit ihnen das Brot brechen
konnte. Dies zeigt, dass der Tag für das Brotbrechen nicht ein beliebiger war,
sondern, dass dafür der erste Tag der Woche als Versammlungstag festgelegt
wurde, da dies der Auferstehungstag Christi war. Die Christen versammelten sich
also an dem Tag, an dem Christus auferstand, und nicht am Sabbat, oder am
"Karfreitag". Die Auferstehung Christi geschah nach Mt 28,1 und Mk
16,1 irgendwann in der Nacht von Samstag (Sabbath) auf Sonntag (36,709ff).
Diese Versammlung war wahrscheinlich nicht am Samstagabend, wo nach
jüdischer Tageseinteilung bereits der erste Tag der Woche beginnt (so in:
33,207), sondern am Sonntagabend (so in: 2,810; 77,705). Nach Plinius
dem Jüngeren versammelten sich die Christen im 1.Jhdt. am Sonntag zeitig in der
frühe, um Christus als ihrem Gott Loblieder zu singen und am Sonntagabend zu
einem unschuldigen Mahl. Da der erste Tag ein normaler Arbeitstag war, mussten
sie tagsüber ja arbeiten. Der erste Tag der Woche nahm nur als Versammlungstag die
Stelle des Sabbaths ein, aber nicht als Ruhetag. Der
römische "Sonntag", der ehrwürdige Tag der Sonne (lat.: dies
solis), der dem römischen Mithraskult
geweiht war, wurde erst durch Kaiser Konstantin im Jahr 321 n.Chr. zum Ruhetag im Römischen Reich bestimmt (31,II,248;
41,1168). Ein biblischer Ruhetag anstelle des Sabbats ist der Sonntag
daher nicht.
10
Die Verkündigung in den ersten Gemeinden, war kein Monolog des Predigers,
sondern ein Austausch, wo auch Fragen gestellt (1Kor 14,34-35) und Einwürfe
gemacht werden konnten (1Kor 14,29b).
11
D.h. ohne zu schlafen.
12
entw.: weil es der Heilige Geist mir so gesagt hat und ich gehorsam bin; od.:
die zu erwartende Gefangenschaft andeutend; od., aber eher unwahrscheinlich:
innerlich getrieben durch meinen Geist (21,II,431; 2,814).
13
Sprachlich genauso möglich: "... durch sein eigenes Blut" (vgl.
2,816).
14
Nicht unbedingt nur aus der Mitte der Ältesten, da das "zu euch" in
V.16 die ganze Gemeinde bezeichnet. Daher auch möglich: "...aus der Mitte
der Gemeinde".
15
Vielleicht zeigte ihnen Paulus dabei seine mit Schwielen bedeckten Hände. Wer
sich mit seinen Händen den Lebensunterhalt verdienen müsste, war damals bei der
Oberschicht verachtet. Manche Philosophen zogen es vor, bei den Reichen zu
schmarotzen und ihnen nach dem Mund zu reden (65,II,121).
16
D.h. "ebenso wie ich"; od.: "sowie ihr es hier an meinen Händen
seht". Dies ist zu den Ältesten gesagt, d.h. sie sollen sich im
Normalfall ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Das selbstverständliche "Pastorengehalt"
in den (Frei)Kirchen ist eine negative unbiblische Entwicklung.
17
Impf., d.h. einer nach dem anderen. Man sollte bedenken, dass dies die Ältesten
waren.
18
Dadurch wurde dem Raum Sauerstoff entzogen, was dazu geführt haben könnte, dass
der junge Mann dann einschlief, - und nicht etwa, weil die Predigt des Paulus
so fade oder so lange war.
19 Da Paulus beinahe drei Jahre in Ephesus war und
sicherlich selbst die Ältesten einsetzte, könnte der Hinweis, dass dies durch
den Heiligen Geist geschah, auf eine Einsetzung aufgrund von Weissagung, wie in
Apg 13,2.4 und 1Tim 4,14a hinweisen. Jedenfalls hat auch Paulus nur Männer als
Älteste eingesetzt, von denen er erkannte, dass sie vom Heiligen Geist dazu
auserkoren waren. Dies wäre dann das Muster für heute: der Gemeindegründer oder
die Gemeinde soll erkennen, wen der Heilige Geist als Ältesten bestimmt hat und
diese dann anerkennen (1Thes 5,12).
20 Paulus kam tatsächlich
nicht mehr nach Ephesus, denn bei seiner Rückreise fuhr er an Ephesus vorbei
und ließ die Ältesten von Ephesus nach Milet kommen (Apg 20,16-17).
21 Die sechs Präsensformen
bezeichnen immer andauernde Handlungen: "sich
beständig abmühend, … als immer zu nehmen". - Es handelt sich offenbar um
einen mündlich überlieferten Ausspruch des Herrn, der nicht in den Evangelien enthalten
ist, man vergleiche aber Lk 6,38; 11,9 und Joh 13,34 (54,z.St.).
22 Vgl. Hes 3,17-19; 33,6-9; vgl. auch: Dtn 21,1-9. Paulus
versteht seinen apostolischen Verkündigungsdienst als ein Wächteramt. Nicht
jeder Gläubige hat so eine universelle Verantwortung wie der Apostel, und doch
hat auch ein jeder Gläubige spezielle "Blutsverantwortung" für die Menschen seines näheren
Umfelds. Er muss sie vor dem Gericht warnen und ihnen das Evangelium anbieten!
23 Buße und Vertrauen mit nur
einem Artikel bedeutet, dass Buße und Vertrauen eine Einheit bilden,
nämlich die Bekehrung (13,60). Ohne Buße ist kein echter Glaube möglich, wie etliche
Bibelstellen im NT bezeugen (z.B. Apg 2,38; 3,19; 11,18; 17,30; 2Pet 2,9 ua.).
- Buße ist aber auch für Gläubige nötig, wenn sie sündigen (2Kor 7,9-10; 12,21;
2Tim 2,25; Offb 2,5.16.21.22; 3,3.19).
24 Hier beginnt der zweite "Wir-Bericht" (in Apg 16,10 war der erste). Lukas dürfte
in Philippi zurückgeblieben sein, denn in Apg 20,6 wird er dort wieder
ein Begleiter des Paulus. In Apg 27,1ff folgt
dann der dritte "Wir-Bericht". In den Kapiteln 20 und 27 kann
man anhand der Genauigkeit der Ortsangaben und der Beschreibung der wechselnden
Windrichtungen den Augenzeugenbericht erkennen.
25 Auch zusätzliche Kleidung
gehörte im Orient zum Vermögen (65,II,121).
26 In Athen wurden die Inspektoren
für Staatsangelegenheiten Aufseher genannt, ebenso die fünf Beamten der
Kommunalverwaltung in Rhodos als ein gemeinsames leitendes Gremium. Es war auch
ein Titel für religiöse (Kult)Beamte (52,II,323) und ein Begriff aus dem
Militärwesen (65,II,121). In einer allgemeinen Bedeutung: Ein Beschützer für jemanden,
indem er spähend Ausschau hält, um vor einem eventuellen Feind zu schützen. Er
ist mit der Pflicht und Verantwortung betraut, darauf zu schauen, dass andere
ihre Aufgaben ordentlich ausführen. Im NT immer mehrere und mit den Ältesten
gleichzusetzen. vgl. V.17 mit V.28. Der Aufseher ist allein Gott verantwortlich
(Heb 13,17; Lk 12,42ff), notfalls muss er auch gegen den Willen einer Mehrheit
in der Gemeinde darauf pochen, dass die Anweisungen der Schrift befolgt werden.
Er muss sich allerdings auch vor der ganzen Gemeinde verantworten, falls er
sündigt (1Tim 5,19-20; Gal 2,14). - Auch Christus ist der Aufseher über seine
Herde die Gemeinde (1Pet 2,25).
27 Assos war eine kleine
Hafenstadt und lag am Golf von Adramyttion (das heutige Edremit), am Hang eines
vulkanischen Felsens. Das heutige Behramköy liegt etwa 25 Kilometer von Troas
entfernt. Mitylene war die Hauptstadt der Insel Lesbos mit einem großen Hafen.
Die Insel Chios liegt westlich von Smyrna. Der Hauptstadt Chios hatte Herodes der
Große einmal eine Spende zur Erneuerung der Säulengänge gegeben. Samos ist eine
Insel im ägäischen Meer, südwestlich von Ephesus gelegen. Milet ist eine alte
griechische Hafenstadt, 48 km südlich von Ephesus gelegen. Vor der Zeit des
Paulus war es die bedeutendste Stadt Ioniens, von der aus 80 Kolonien gegründet
wurden, und die Heimatstadt einiger bekannter Philosophen. Inzwischen aber war
Ephesus die wichtigste Stadt. Heute ist Milet nur noch ein Dorf (54,z.St.).
1 Paulus hatte über einige von ihnen
eine andere Meinung, denn in Gal 2,4 nennt er sie eingeschlichene Brüder. Vgl.
auch Apg 15,24
2
Zypern war eine Insel, in der von der Südküste Kleinasiens und der syrischen
Küste
gebildeten Bucht liegend, fruchtbar und reich an Metallen, und vortreffliches
Schiffsbauholz liefernd. 58 v.Chr. von den Römern annektiert, seit 30 v.Chr.
römische Provinz, von 22 v.Chr. an senatorische Provinz, unter der Verwaltung
von Proprätoren, die den Titel Prokonsul führten. Von Paulus wurde sie auf der
ersten Missionsreise besucht. Das Christentum war jedoch bereits vorher durch
Flüchtlinge aus der Gemeinde Jerusalem
dorthin gebracht worden.
3
Von Patara bis Tyros waren es ca. 650 km über das offene Meer (54,z.St.). Tyros
war ursprünglich eine phönizische Hafenstadt mit reichem Seehandel und
blühender Industrie. Es war auch zur Römerzeit noch bedeutend. Zur Zeit des
Paulus war es eine
freie Stadt in der römischen Provinz Syria. Heute ist der ursprüngliche Ort, wie Hesekiel
es prophezeite, ein kahler Felsen, wo die Fischer ihre Netze zum Trocknen
auslegen.
4
Obwohl Paulus in Eile war, blieb er volle sieben Tage (vgl. Apg 20,6.7),
vielleicht um noch mit ihnen Brot zu brechen? - Die Gastfreundschaft der
Gläubigen war für umherreisende Brüder sehr wichtig, da sie dadurch nicht auf
die Rasthäuser angewiesen waren, in denen es meist auch gleich Bordelle gab
(65,II,123). - Da der Heilige Geist dem Paulus schon wiederholt, und so auch
hier, gesagt hatte, dass in Jerusalem Leiden auf ihn warten, baten ihn die
Jünger, es gut meinend, von der Reise Abstand zu nehmen. Aber Paulus scheute
die Leiden nicht, er wusste, dass es Gottes Wille war (Apg 20,22-23) nach
Jerusalem zu ziehen, um die Geldsammlung für die Heiligen abzuliefern.
5
Das Wort trägt oft den Gedanken der Originalität und der Ehrwürdigkeit in sich. Mnason
war nicht unbedingt ein Jünger alt an Jahren (vielleicht, ja sogar
wahrscheinlich, war er das auch), sondern einer der seit Anfang an, d.h. seit
Pfingsten oder noch früher, Jesus
nachfolgte.
6
Da die Reise nach Jerusalem zwei Tage dauerte, übernachteten sie im Haus von
Mnason. Auch die mitreisenden Heiden-Christen waren willkommen (65,II,124).
7
Petrus war nicht mehr in Jerusalem, auch die anderen Apostel dürften schon
hinausgezogen sein, um ihren weltweiten Auftrag auszuführen. Daher dürfte
Jakobus die Position des Petrus in der Gemeinde in Jerusalem eingenommen haben.
Da der Herr auch ihm persönlich erschienen war (1Kor 15,7), wurde auch er zu
den Aposteln gezählt (vgl. Gal 2,9). Bei dieser Gelegenheit lieferte Paulus
sicherlich auch die mitgeführte Kollekte ab. Dieser Jakobus wurde einige Jahre
später von der prorömischen jüdischen Oberschicht gesteinigt. Er war aber bei
den Juden so geachtet, dass sie erfolgreich die Amtsenthebung der Mörder
beantragten (65,II,125).
8
Num 6,1ff (vgl. 2,825). Es handelt sich dabei um das sogenannte
Nasiräer-Gelübde (vgl. auch Kap.21,23-26), das auf Num 6,1-21 zurückgeht (vgl.
auch 1Makk 3,49). Es war zeitlich begrenzt und wurde durch ein Opfer eingelöst,
bei dem das geschorene Haar mitverbrannt wurde (vgl. 47,z.St.). Dass auch Juden-Christen
noch ein solches Gelübde ablegten zeigt, wie wenig sie sich noch vom Gesetz
gelöst hatten.
9
Ob dieser Rat vom Heiligen Geist eingegeben war ist fraglich. Paulus geht nur
darauf ein, weil er allen alles werden will (1Kor 9,20).
10
Die Barriere zwischen dem äußeren Tempelhof und dem Frauenhof war ca. einen
Meter hoch und mit Tafeln versehen auf denen Nichtjuden in Griechisch und
Lateinisch davor gewarnt wurden, den inneren Vorhof des Heiligtums zu betreten,
- dies war bei Todesstrafe verboten. Selbst römische Bürger wurden dafür mit
dem Tod bestraft (21,II,452).
11
Eine Lynchjustiz wurde in einem solchen Fall von der zuständigen Tempelbehörde
und den Römern geduldet (2,827; 46,306). Allerdings wollten sie den Juden Paulus
töten und nicht den Heiden Trophimus, dieser war nämlich gar nicht anwesend!
12
Das ist die Burg Antonia in Jerusalem, direkt neben den Tempelgebäuden.
13
Eine spezielle Art von jüdischen Nationalisten und politischem Meuchelmördern
(bei den Römern oft
für ihre Machenschaften angeheuert und bezahlt). Mit einem kurzen Dolch, den sie
unter ihren Gewändern verborgen hielten, mischten sie sich bei den großen
Festen unauffällig unter die Volksmenge, erstachen Leute aus der römerfreundlichen
jüdischen Oberschicht meuchelmörderisch und versteckt von hinten, um dann
unerkannt in der Menge unterzutauchen. Sie schreckten nicht davor zurück auch öffentlich
einen Mord zu begehen, vergleichbar mit einem heutigen "Terroristen."
Es war die fanatischste jüdische Nationalpartei, die einen Partisanenkampf
gegen die römischen Besatzer und alle ihre Kollaborateure führte, wobei sie
eben auch vor politischen Morden nicht
zurückschreckten, um ihre Ziele zu erreichen (2,1500; 1,1500). Einige Jahre
später entführten sie Menschen, um die Freilassung ihrer Kumpanen zu erpressen.
Im Jahr 73 n.Chr. wurden sie in Massada endgültig von den Römern vernichtet
(65,II,129).
14
Nach Flavius Josephus (De bella Judaicum II,261ff.), kam während der Amtszeit
des Statthalters Felix ein falscher Prophet aus Ägypten nach Jerusalem. Er
führte eine Menschenmenge zum Ölberg und versprach, die Mauern Jerusalems
würden auf seinen Befehl hin einstürzen, damit er und seine Männer ungehindert
in die Stadt einmarschieren könnten und die Römer überwältigen würden. Doch
Felix schickte seine Truppen und ließ alle Rebellen töten, nur ihr Anführer
konnte entkommen. Diesen Anführer meinte der Heerführer nun vor sich zu haben
(2,830; 21,II,454; 65,II,128).
15
Es ist interessant, dass der Herr diese Botschaft durch Agabus mitteilen ließ,
und nicht durch die ebenfalls prophezeienden Töchter des Philippus.
16
Der Strand an beiden Seiten des alten Tyros war ein Sandstrand. Ein Beweis für
die Glaubwürdigkeit von Lukas, der ja damals ein Augenzeuge war (21,II,443;
65,II,123).
17
Nach Eph 4,11 eine Gabe des Geistes an den gesamten Leib Christi und als solche
nicht an eine Ortsgemeinde gebunden. Von Philippus dürfte Lukas seine direkten
Informationen über die Evangelisierung Samarias und des Kämmerers haben.
18
Sie übten ihre Gabe offensichtlich bei diesem privaten Treffen aus (1Kor 11,5),
nicht jedoch in der Gemeindeversammlung (1Kor 14,34).
19
Anstatt möglichst schnell dieser unangenehmen Situation zu entfliehen, bittet
Paulus zum Volk predigen zu dürfen. Das zeigt seine Liebe zu seinem Volk.
20
Wegen der unberechenbaren Winde legten Schiffe immer an jedem Hafen an. Dies
war mühsam für Reisende die es eilig hatten, daher wechselten Paulus und seine
Begleiter auf ein anderes Schiff, das Zypern nicht anlief, sondern direkt nach
Phönizien segelte. Paulus hatte es eilig, denn er wollte zu Pfingsten in
Jerusalem sein (65,II,122).
21
Das
einstige Akko war eine wichtige phönizische Hafenstadt, am Nordende der Bucht
von Haifa, etwa 50 km südlich von Tyros. Die Stadt wurde von Ptolemäus II.
(Lathyrus) wiederaufgebaut und nach ihm umbenannt. Es war eine starke Festung
und eine römische Kolonie (54,z.St.; 65,II,123). Noch heute ist es eine
namhafte Stadt mit ca. 12.000 Einwohnern und einem lebhaften Handel.
22
Aufruhre,
egal von welcher Richtung sie ausgingen, wurden von den Römern streng geahndet.
Als einige Jahre davor Ventidius Cumanus von 48 - 52 n.Chr. als Prokurator in
Judäa amtierte, entblößte sich einmal ein römischer Soldat im Tempelbereich,
was zu einem Aufruhr der Juden führte, bei dem laut Josephus 10.000 Menschen
umkamen. Als ein anderer Soldat einmal eine Thorarolle verbrannte, gab Cumanus
der Forderung der Juden nach und ließ ihn hinrichten (Josephus, Bella Judaica,
2,247 und Antiquitates 20,137). Etliche Jahre später (66 n.Chr.) kam es zu
mehreren Aufständen und Massakern, wo z.B. in Cäsarea, innerhalb einer Stunde
20.000 Juden umgebracht wurden (65,II,126).
23 Die Insel Kos liegt 150 km südlich von Ephesus, nordwestlich von Knidos. Sie war berühmt durch das Heiligtum des Asklepios, des Gottes der Heilkunst. Rhodos, eine wasser- und waldreiche Insel, liegt 150 km südöstlich von Kos und ist selbst etwa 80 km lang und bis zu 30 km breit. Die Hafenstadt Rhodos liegt an der nördlichen Inselspitze. Der berühmte Koloss von Rhodos, der wohl als Leuchtturm an der Hafeneinfahrt diente, war allerdings schon im Jahr 85 v.Chr. durch ein Erdbeben zerstört worden. Patara war eine bedeutende Hafenstadt im Südwesten von Kleinasien, etwa 100 km von Rhodos entfernt (54,z.St.).
24 Cäsarea war ca. 60 km von Akko entfernt (Apg 8,40).
1 Griech.: αποστελλω; damit
berief er ihn hier zum Apostel. vgl. 1Kor 15,8
2 Wahrscheinlich
ein temporales Partizip Aorist der Vorzeitigkeit: "…nachdem angerufen habend" (7,z.St.). Möglich wäre auch ein
modales Partizip der Gleichzeitigkeit: "…wobei
angerufen habend" (2,z.St.), aber
sicherlich nicht "…indem du seinen Namen anrufst" (so 9,z.St.). Daraus geht
hervor, dass der Täufling entweder vor oder beim Taufakt den Namen Jesu anrief.
Vgl. Röm 10,14 und Anm. in Apg 2,38.
3 Die
Lederstreifen, mit denen ein Verbrecher für die Bestrafung angebunden wurde;
oder: mit welchen er ausgepeitscht wurde. Beides war bei einem römischen Bürger
wie Paulus ohne Gerichtsurteil nicht erlaubt! Paulus wartet bis zum Binden, wie
in Apg 16,37, denn nun kann er auf die Unrechtmäßigkeit dieser Handlung
hinweisen.
4 Vgl. die Anm. bei Apg 9,3.
5 Impf.: "...von da an für einige
Zeit".
6 Sie warfen die Kleider hin, als Vorbereitung
für seine Steinigung (vgl. V.20).
7 entw.: "Ist dir klar, was du da tun
willst"? od. viell.: "Was willst du nun tun?"
8 Es handelt sich um Gamaliel I., den Älteren,
ein angesehener jüdischer Rechtsgelehrter. Er war der Erste von sieben Rabbis,
der den Titel "Rabban" erhielt. Als ein Enkel von Rabbi Hillel
gehörte er zum liberaleren Flügel der Pharisäerpartei. Er wird in der Mischna
als religiöse Autorität genannt und starb 57/58 n.Chr. Sein Enkel Gamaliel II.
schloss die Juden-Christen endgültig aus der Synagoge aus (52,II,688).
9 Beide Partizipien im Medium, d.h. etwas an
sich und für sich geschehen lassen (21,II,459). Es stellt sich die
Frage, wann Paulus wiedergeboren wurde. Als er das Licht vor Damaskus sah, oder
erst drei Tage später, als Hananias ihm die Hände auflegte und er wieder sehend
wurde? Apg 9,17.18 gibt eine eindeutige Antwort: erst als Hananias ihm die
Hände auflegte, wurde er wieder sehend und mit dem Heiligem Geist erfüllt. Die
drei Tage der buchstäblichen Blindheit, symbolisieren auch seine geistliche
Blindheit während dieser Tage. Natürlich war es nicht der äußerliche Taufakt,
durch den seine Sünden abgewaschen wurden, sondern durch das Blut Jesu (Offb
1,5) aufgrund seines Glaubens im Herzen (Apg 15,9). Aber da die Taufe immer
unmittelbar nach der Bekehrung erfolgte, ist es nach hebräischen Sprachgebrauch
ganz natürlich das äußerliche Wasser der Taufe mit der inneren Abwaschung der
Sünden (vgl. Eph 5,26; Tit 3,5) gleichzusetzen, obwohl diese schon vorher
geschehen ist. - So wie alle anderen Gläubigen im NT wurde auch Paulus
unmittelbar nach seiner Bekehrung getauft. Immer wenn man im NT sehen kann,
wann jemand getauft wird, wird er unmittelbar nach seiner Bekehrung an Ort und
Stelle getauft (vgl. Apg 2,41; 8,36-39; 9,18-19; 10,47-48; 16,14-15; 19,5),
einmal sogar noch mitten in der Nacht (Apg 16, 33). So wie eine Münze zwei
Seiten hat, so auch eine Bekehrung. Die innere Seite ist die Wiedergeburt, die
äußere Seite ist die Taufe. In der Urgemeinde gab es keine ungetauften Gläubigen
in den Gemeinden (vgl. Röm 6,3 "…wir alle, die wir auf Christus
getauft wurden").
10 entw. ein imperativisches
Ptz.: "Steh auf und…" (44,z.St.); oder ein participium
graphicum (2,z.St.).
11 Der vermeintliche Widerspruch zu Apg 9,7
lässt sich folgendermaßen auflösen: die Begleiter des Paulus hörten zwar ein
Geräusch, aber es war für sie keine Stimme eines Sprechers, der etwas
Verständliches sagte. Sie sahen zwar ein Licht, aber keine Person. Paulus
hingegen wusste, dass es Jesus war der zu ihm deutlich sprach (13,25).
1
Hananias II., der Sohn des Nebedäus (nicht der Hananias von Lk 3,2; Joh 18,13
und Apg 4,7). Er wurde von Herodes von Chalcis eingesetzt und amtierte von
47-59 n.Chr., war aber auch danach noch recht einflussreich, und als besonders
brutal und habgierig bekannt (Josephus, Antiquitates XX,9.2; 2.839). Im Jahr 66
n.Chr. wurde er von Zeloten, wegen seiner Sympathie für die Römer, ermordet
(Josephus, De bella Judaicum, II,17,9; 33,35).
2
Hauswände wurden in Palästina weißgetüncht, um die Hitze zurückzustrahlen. Bildlich
übertragen als eine Schmähung für einen Heuchler, wofür Paulus sich aber
entschuldigen musste, weil ihm sein Temperament durchgegangen war. Vergleiche
im Gegensatz dazu die sanftmütige Reaktion des Herrn Jesus in einer ähnlichen
Situation (Joh 18,23). Allerdings könnte man in dem durch ein Attentat
erfolgten gewaltsamen Tod des Hananias im Jahr 66 n.Chr., auch eine Erfüllung
dieses Ausspruchs sehen (vgl. 2,839).
3
Entweder Paulus wusste, aufgrund seiner langen Abwesenheit von Jerusalem, wirklich
nicht, dass Hananias seit einem Jahr nicht mehr Hohepriester war. Oder er
wusste es schon und will ihm das ironisch zu verstehen geben: "Du spielst
dich zwar als Hohepriester auf, aber du handelst nicht wie ein Hohepriester"
(64,572; 65,II,134).
4
Ex 22,27
5
Das impliziert die Bitte an Gott, dass Gott sie verfluchen möge, wenn sie den
Eid nicht erfüllen sollten.
6
Felix (Antonius?/Claudius?) war ein ehemaliger Sklave und Freigelassener des
Kaisers Claudius und
Bruder von Pallas, des allmächtigen Günstlings von Kaiser Nero. Er wurde zuerst
49 n.Chr. Prokurator von Samaria, dann von 52 - 59/60 n.Chr. auch von Judäa,
Galiläa und Peräa. Als er sein Amt als Prokurator antrat, überredete er seine
Geliebte Drusilla, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen und ihn zu heiraten. Sie
war seine dritte Ehefrau, auch seine beiden vorigen Ehefrauen waren aus
Königshäusern. Berüchtigt war er wegen der schlechten Art seiner Verwaltung,
durch die ein großer jüdischer Aufstand wesentlich vorbereitet wurde. Nach dem
Historiker Tacitus (Hist. 5,9) übte er sein Amt in königlicher Macht mit der
Sinnesart eines Sklaven aus, wobei
jeder Art von Grausamkeit und Lüsternheit frönend. Jegliche Opposition unterdrückte er
gnadenlos. Im Jahr 55 n.Chr. zerschlug er eine von Ägypten ausgehende
messianische Bewegung (vgl. Apg 21,38), wobei ihr Anführer aber entkam. Er
scheute auch nicht davor zurück, die berüchtigten "sicarii"
(Dolchmänner) anzuheuern, um den Hohepriester Jonathan umzubringen, weil dieser
ihn wegen seiner Amtsführung gerügt hatte. Und dass, obwohl Jonathan sich
einige Jahre davor beim Kaiser für ihn eingesetzt hatte, dass er der Nachfolger
des Procurators Cumanus werden soll. Im Jahr 59 n.Chr. wurde er auf
Bitte der Juden durch Kaiser Nero abberufen und durch Porcius Festus ersetzt, -
nur durch den Einfluss von Pallas wurde seine Verurteilung abgewendet (33,376; 21,II,477.480; 52,I,413; 65,II,137).
Vor so einem Mann also, musste sich Paulus nun verteidigen.
7
Claudius Lysias war ein römischer Tribun und der Kommandant der Garnison in der
Burg Antonia in Jerusalem, zurzeit als Paulus verhaftet wurde.
8
Der
Palast des Herodes in Cäsarea am Mittelmeer, war der offizielle Sitz des
römischen Procurators (59,393).
9
Eigentlich
hätte er den Fall an den syrischen Legaten abschieben können, aber dieser war
viel zu beschäftigt, um sich solche Kleinigkeiten zu kümmern (65,II,138).
10
Die
Stadt liegt etwa 55 km von Jerusalem entfernt. Herodes der Große baute sie
anstelle des alten Afek als wichtigen Militärstützpunkt aus und nannte sie nach
seinem Vater Antipater (54,z.St.).
11 Zilizien und Syrien, wozu auch Israel gehörte, bildeten damals zusammen eine römische Provinz, sodass auch ein Unter-Statthalter wie Felix befugt war, diesen Rechtsfall zu entscheiden (54,z.St.).
12 Das Gewissen ist kein unfehlbarer Maßstab für Richtig und Falsch. Vgl. die Anm. zu Röm 2,15-16
Apostelgeschichte 24
1
Verse 6b-8a fehlen in den wichtigsten Hs. Einige Hs. fügen hier ein:
"...und nach unserem Gesetz richten wollen. Aber der Oberst Lysias kam
herzu und entriss ihn mit Gewalt unseren Händen und befahl, dass seine Ankläger
zu dir kommen sollen" (27,490; 54,z.St.).
2
od. konativ.: "…, weil er ganz genau wissen wollte...", vgl. V.24.
3
Drusilla wurde 38 n.Chr. als jüngste Tochter des Herodes Agrippa I. geboren. Ihre
älteren Schwestern waren Bernice und Mariamne und ihr Bruder war Herodes
Agrippa II. Als Kind wurde sie mit Antiochius Epiphanes von Kommagene verlobt,
den sie jedoch nicht heiratete. Mit 14 Jahren, ca. 53 n.Chr., nahm sie der
syrische König Apipus von Emesa in Syrien zur Ehefrau, aber es war eine
unglückliche Ehe. Aufgrund ihrer Schönheit verführte sie der Prokurator Felix
und überredete sie, sich mit 16 Jahren scheiden zu lassen und ihn zu heiraten.
Sie gebar ihm einen Sohn, den sie Agrippa nannten, welcher beim Ausbruch des
Vesuv 79 n.Chr. (vielleicht auch zusammen mit ihr) den Tod fand (33,291;
21,II,486f; 52,II,170; 65,II,143).
4
Zwar pointiert, aber es ging nicht über das Gerichtsurteil über Paulus, sondern
über Gottes letztes Gericht über alle Menschen, auch über den korrupten Felix!
Vgl. Mk 6,20.
5
Porcius Festus, 56 – 60 n.Chr. römischer Prokurator von Judäa und Nachfolger
des Felix,
bis zu seinem Tod im Jahr 60 n.Chr. Von ihm wurde Paulus auf eigenen Antrag
nach Rom vor das kaiserliche Gericht gesandt. Er war laut Josephus (Antiquates XX,182ff)
von besserem Charakter als sein
Vorgänger Felix und sein Nachfolger Albinus, der gegen Bestechung jeden
Gefangenen freiließ, sogar wenn er ein Revolutionär war. Später setzte sich Festus
zusammen mit den jüdischen Führern erfolgreich bei Nero, gegen Angriffe des
Herodes Agrippa II., auf die Unberührbarkeit des Tempels, ein. Durch sein
ungeschicktes Verhalten provozierte er allerdings den späteren Aufstand der
Juden (58,275). Nach seinem Tod blieb das Amt des Procurators bis zum Amtsantritt (62 n.Chr.) des neuen Procurators Lucceius Albinus unbesetzt.
Dieses zweijährige Machtvakuum nützten die Juden wohl aus und steinigten den
Herrenbruder Jakobus in Jerusalem (33,376; 52,IV,1059).
6
Der im römischen Recht bewanderte Berater der Anklagepartei. Das Gegenteil von
συνδικος = der Anwalt der Verteidigung (21,II,476).
7
Damit bekennt sich Paulus zur Inspiration und Autorität des gesamten AT.
8
Diese Zeitangabe bezieht sich wahrscheinlich nicht auf die Länge von Paulus
Gefangenschaft, sondern auf die Amtszeit des Procurators Felix (52,IV,1059).
Oder es waren die zwei Jahre, als er sich in Rom wegen Aufruhr und
Unregelmäßigkeiten in seiner Herrschaft verantworten musste (54,z.St.).
9
Es war üblich, Anklagen mit einer Schmeichelei zu beginnen, um den Richter für
sich zu gewinnen (65,II,139).
10
Paulus verzichtet auf eine lange schmeichelnde Einleitung. Seine
Verteidigungsrede ist genauso aufgebaut, wie dies bei Rhetorikern und
Rechtsgelehrten damals üblich war: (1.) die naratio, eine kurze
Zusammenfassung der Fakten. (2.) die positio, eine kurze Schilderung der
Tatsachen. (3.) die argumentatio, eine kurze Beweisführung in der Paulus
beweist, dass er keines Verbrechens schuldig war, welches die römische Justiz ahnden
würde, - und er bekennt auch noch seinen Glauben an die Auferstehung der Toten.
Den Namen Jesus erwähnt er hier aus Klugheit nicht.
11
Felix hatte allen Grund sich bei den Juden Gunst zu erhaschen. Im Sommer des
Jahre 59 n.Chr. reisten führende Juden von Cäsarea nach Rom, um sich über Felix
zu beklagen. Nur sein mächtiger Bruder Pallas konnte ihn durch Fürsprache beim
Kaiser vor der Hinrichtung bewahren (65,II,144).
12
Das
Substantiv ασκησις bedeutet eigentlich, für den athletischen Kampf üben und
mühevoll trainieren (1,1,233). Und im Talmud: sich mit etwas beschäftigen, sich
bemühen bzw. befleißigen (37,85).
Apostelgeschichte 25
1 Agrippa II., ein Sohn von Agrippa I.
(der den Apostel Jakobus mit dem Schwert enthaupten ließ: vgl. Apg 12,1),
geboren im Jahr 27 n.Chr. Als sein Vater plötzlich starb (Apg 12,23), war er
erst 17 Jahre und noch zu jung, um das Königreich zu übernehmen. Später jedoch
erhielt er von Kaiser Claudius den Königstitel und erbte 50 n.Chr. das kleine
Königreich Chalcis, nord-nordöstlich vom See Genezareth. Im Jahr 53 n.Chr.
wurde ihm durch Kaiser Nero sein Königreich ausgeweitet. Er hatte die Oberaufsicht
über den Jerusalemer Tempel und von 48 - 66 n.Chr. auch das Recht, die
jüdischen Hohepriester zu ernennen, die er des Öfteren absetzte und durch neue
ersetzte, was ihm die Missgunst der Juden einbrachte. Zwar tat er sein Bestes,
um den Ausbruch der jüdischen Revolte im Jahr 66 n.Chr. gegen Rom zu verhindern.
Als seine Bemühungen jedoch scheiterten, stand er als treuer römischer Vasall
im darauffolgenden jüdisch-römischen Krieg auf Seiten Roms (2,z.St.). Nach der
Zerstörung Jerusalems begleitete er Titus zusammen mit Bernice nach Rom. Nach
dem Sieg Roms über die Juden ließ er im Jahr 89 n.Chr. eine Gedenkmünze prägen,
auf welcher der Sieg Roms verewigt sein sollte. Er war es auch, der die Christen die 70 n.Chr.
aus Jerusalem flüchteten in Pella freundlich aufnahm. Er war
unverheiratet, lebte aber mit seiner älteren Schwester Berenice (im Inzest?)
zusammen, die aber gleichzeitig auch die Mätresse von Kaiser Vespasian und
seinem Sohn Titus war. Herodes Agrippa II. starb ca. 100 n.Chr. kinderlos
(33,481; 42,591; 47,z.St.; 54,z.St.; 58,275;
65,II,146).
2 Bernice, geb. 28 n.Chr, war
die älteste Tochter von Herodes Agrippa I., und eine Schwester von Drusilla und
Herodes Agrippa II. Berühmt war sie für ihre Schönheit. Sie wurde schon im
Kindesalter mit Marcus, dem Sohn von Alexander, dem Albarchen von Alexandria,
verlobt, es kam jedoch nie zu einer Heirat. Im Alter von 13 Jahren wurde sie
dann mit ihrem Onkel Herodes von Chalcis vermählt. Nach dessen Tod (48 n.Chr.) war
sie mit 20 Jahren Witwe und lebte im Haus ihres Bruders Herodes Agrippa II. Um
Gerüchte über ein angebliches Inzest-Verhältnis zu ihrem Bruder zu zerstreuen,
heiratete sie König Polemon von Zilizien, den sie aber bald wieder verließ, um
wieder mit ihrem Bruder Herodes Agrippa II., (im Inzest?) zusammenzuleben.
Beide besuchten Festus ca. 60 n.Chr. zu Ehren seiner Amtseinsetzung in Cäsarea
(vgl. Apg 25,23; 26,30). Paulus verteidigt sich vor ihr und Agrippa, ohne auch
nur im Geringsten ihr fragwürdiges Verhältnis anzusprechen. Josephus berichtet
(De bella Judaicum II,309-314), dass sich Bernice tapfer für die Juden in
Jerusalem einsetzte, als der Prokurator Florus ein Massaker unter ihnen
anrichten wollte. Als die jüdische Bevölkerung aber danach ihren Palast
anzündete, wurde sie eine Anhängerin Roms, und später die Mätresse von Kaiser Vespasian
und seinem Sohn Titus. Letzterer ließ sie allerdings fallen, als er Kaiser
wurde. Sie war dadurch tief gekränkt und starb 79 n.Chr im Alter von 51 Jahren an
gebrochenem Herzen (21,II,495; 33,132; 42,206; 65,II,146).
3 Aus heidnischer Sicht war
die Auseinandersetzung zwischen den Juden und Paulus nur eine Debatte um die
rechte Art der Religion bzw. der Götterverehrung, - vielleicht mit dem
ironischen Unterton des Übertreibens.
4 Griech.: ΚΥΡΙΟΣ, außerhalb Roms ein göttlicher
Titel für den Kaiser, den die beiden Kaiser Augustus und Tiberius aber
ablehnten, weil er ihrer Meinung nach nur für einen Gott passend war. Zurzeit
von Paulus hätte kein Römer den Kaiser als Gott angesprochen. Später jedoch,
anfangend von Kaiser Caligula, übernahmen die nachfolgenden Kaiser diesen Titel,
bis ihn Alexander Severus, der ihn vehement ablehnte, verboten hat (21,II,499).
5 D.h.: Ich weiß gar nicht
welche Anklagepunkte ich überhaupt schriftlich gegen ihn vorbringen soll.
6 Festus dachte vielleicht
an die Anstiftung zu einem Aufruhr, wie er erst kurze Zeit davor zwischen Juden
und Griechen in den Straßen Cäsareas stattgefunden hatte (21,II,496).
7 Dieser Kaiser war Nero, ein Sohn von Agrippina, der
vierten Frau von Kaiser Claudius, der von Claudius adoptiert wurde. Claudius
zog Nero, seinem eigenen Sohn Britannicus aus dritter Ehe aber immer vor. Neros
Erzieher war der Philosoph Seneca, der anfangs einen guten Einfluss auf ihn
ausübte. Als Agrippina ihren Mann Kaiser Claudius vergiften ließ, damit Nero,
ihr Sohn aus erster Ehe, Kaiser werden könne, wusste Nero von dem Mord. Doch
als er dann selbst zum Kaiser ausgerufen wurde, hielt er noch heuchlerisch die
Leichenrede für seinen Ziehvater Claudius. Nero ließ Britannicus später
vergiften, einige Zeit später auch seine eigene Mutter Agrippina. Von seiner
Frau Octavia ließ er sich scheiden, schickte sie in die Verbannung, wo sie starb,
und heiratete seine Geliebte Poppaea Sabina, die sich zur Schutzherrin der
Juden machte. Im Jahr 64 n.Chr. wurde Rom durch einen schrecklichen Brand
verwüstet. Da die Güter Neros und seines angeblichen homosexuellen Freundes
Tigellinus unbeschädigt blieben, geriet Nero in den Verdacht, den Brand selbst
gelegt zu haben, damit er Rom neu aufbauen lassen könne. Nero beschuldigte daher
die verhassten Christen als die Brandleger und ließ sie als Sündenböcke
verfolgen. Nach Aussage von Tacitus ließ er etliche von ihnen mit Pech
übergießen und nachts als lebendige Fackeln in seinen kaiserlichen Gärten
anzünden. Andere wurden bei den Spielen im Kolosseum an die wilden Tieren
verfüttert. Nero verfiel mehr und mehr einem zügellosen Lebenswandel und einem
künstlerischen Wahn. Eine aufgedeckte Verschwörung kostete seinem Mentor Seneca
und auch seiner hochschwangeren Frau Poppaea das Leben, die er in einem Anfall
von Raserei zu Tode trampelte (65,II,161). Ein Jahr später heiratete er wieder
und begab sich auf eine Künstlertournee nach Griechenland, wo er selbst als
Schauspieler auftrat. Wahrscheinlich wurde unter seiner Regierungszeit der
Apostel Johannes auf die Insel Patmos verbannt. Durch den Aufstand einiger
Feldherren und der Prätorianergarde, wurde er schließlich in den Selbstmord
getrieben. Das römische Reich stürzte daraufhin in eine große Krise und vier
Feldherren stritten sich ein Jahr lang um die Nachfolge, worauf Vespasian
schließlich als neuer Kaiser hervorging (52,IV,71ff; 65,III,116.414).
8 Da sich Festus auf den pro tribunale setzte,
handelte es sich um eine öffentliche Anhörung (65,II,145).
9 Festus war ein gerechter Prokurator,
aber er wollte mit den Juden ein gutes Verhältnis haben.
10 Nur römische Bürger hatten
das Recht, sich an den Kaiser zu wenden. Der Kaiser delegierte kleinere Fälle
wie diesen allerdings an einen seiner Beamten, im Fall von Paulus
wahrscheinlich an den eingangs erwähnten "Hochedlen Theophilus".
11 Laut Josephus gab es fünf Kohorten in Cäsarea, jede unter dem Kommando eines Chiliarchen (54,z.St.) Ein Chiliarch (tribunus militum) war der Kommandant von 1000 Soldaten.
1 od. als
Frage mit konativem Präs.: "In so kurzer Zeit, versuchst du mich zu einem
Christen zu machen"? od. viell.: "Mit so wenig Aufwand glaubst du
mich zu einem Christen machen zu können" (2,873f); od.: "In kurzem
erreichst du durch Überzeugung mich zu einem Christen zu machen"
(7,z.St.); od. ohne Subjektwechsel, als Feststellung oder ironische Frage: "Du
willst mich überzeugen, damit du mich zu einem Christen gemacht hast"
(13,136); od.: "Du warst so überzeugend, dass es dir beinahe gelungen ist,
mich zu einem Christen zu machen" (65,II,151).
2 Die zwölf
Stämme kollektiv gesehen: das zwölfstämmige Volk Israel. Das AT zeigt, dass
schon vor der babylonischen Gefangenschaft Juden aus allen
Stämmen ins Südreich Juda überliefen und daher der Überrest, der aus der
Gefangenschaft in Babylon zurückkehrte und dann im Land lebte, aus Juden von allen
zwölf Stämmen bestand. Deshalb braucht man nicht nach "zehn verlorenen
Stämmen" zu suchen. Vgl. die Anmerkung zu 2Kön 17,23 in der Scofield Bibel,
und z.B. 2Chr 30,1.5.11.18.25b; 31,6; Lk 2,36; Mt 24,30 ua.
3 Durch das tägliche Morgen- und Abendopfer
mitsamt seinen vorgeschriebenen Gebeten?
4 Es muss offenbleiben, ob dieser Ausdruck im
speziellen Sinn zu verstehen ist, nämlich, durch Abgabe eines Stimmsteins
abzustimmen. Dies würde eine offizielle Verhandlung, z.B. bei der Steinigung
des Stephanus, voraussetzen. Oder im allg. Sinn: sich mit etwas einverstanden
erklären (vgl. 2,868). Dass Paulus Mitglied des Sanhedrins war, kann man
angesichts seines jungen Alters, seiner Ehelosigkeit und seiner
nichtaristokratischen Abstammung ausschließen (21,II,503f).
5 Konativer Impf.: versuchte ich sie zu
nötigen.
6 D.h. entweder dem Glauben abzuschwören; od.:
Jesus zu verfluchen (vgl. 1Kor 12,3).
7 vgl. Jes 42,7; 49,8
8 D.h. auszuschlagen wie ein störrisches
Zugtier. Zum Antreiben der Rinder gebrauchte man einen Stock mit einer scharfen
Spitze (54,z.St.).
9 Die adverbielle modale Auflösung des
Partizips mit: "indem sie der Buße würdige Werke tun", ist sicher falsch (vgl. 2,871). Dies würde
auf eine Art Werksgerechtigkeit hinauslaufen. In Apg 2,38.41 geschah die Buße
und Umkehr im Herzen, worauf unmittelbar am gleichen Tag die Taufe erfolgte.
Eine Probezeit vor der Taufe, in der man prüft, ob der Buße würdige Werke
hervorgebracht werden, war in der Urgemeinde unbekannt. Auch Johannes taufte
die Leute unmittelbar nach ihrem Sündenbekenntnis (Mt 3,6) Die Werke folgen
einer echten Bekehrung, falls das nicht der Fall ist, war die Bekehrung nicht
echt (Jak 2,26).
1 Von einem manövrierunfähigen Schiff
(Strong Nr.: 4143). Es könnte auch sein, dass Lukas an eine Stelle in Homer
dachte und deswegen dieses Wort statt πλοιον (Strong Nr.: 4143) verwendet
(21,II,535).
2
Hier beginnt der dritte "Wir-Bericht". Es ist ein eindeutiger
Augenzeugenbericht, d.h. Lukas ist wieder dabei. Vgl. auch Apg 20,5ff.
3
Vielleicht sind hier im Unterschied zum Synonym δεσμιος (Strong Nr. 1198) zum
Tod verurteilte Gefangene gemeint, denn ετερους bedeutet andersartige
Gefangene als Paulus, eben solche, die bereits verurteil waren. Dafür spräche
auch das Vorhaben der Soldaten in Apg 27,42. Diese Gefangenen, soweit sie
nichjt römische Bürger waren, waren für die Gladiatorenspiele im römischen Kolosseum
bestimmt (65,II,152).
4
D.h. nicht den direkten Weg übers Meer, sondern entlang der Ost-Nordküste, zum
Schutz vor den sommerlichen Nordwestwinden (2,z.St.).
5
Der typische starke Nordwestwind machte dem Schiff offenbar zu schaffen (2,z.St.).
6
Hier ist wahrscheinlich das Herbstfasten am großen Versöhnungstag Jom Kippur (Lev
23,26ff) gemeint, wo die stürmische Zeit auf hoher See begann, was Paulus aus
mehrmaliger eigener Erfahrung wusste (vgl. 2,879). Im Jahr 58 n.Chr. fiel der
große Versöhnungstag in etwa auf den 15. September. Vom 14. September bis 11.
November, und von März bis Ende Mai, galt die Schifffahrt schon als unsicher,
und ab dem 11. November bis zum 5. März wurde sie überhaupt ganz eingestellt
(21,II,520; 65,II,153).
7
Mit dem Hafen
Kreta ist
kein Hafen auf Kreta gemeint (man wollte Kreta ja verlassen, wie Paulus
Vers 21
sagt),
sondern ein Hafen für den Seeverkehr von und nach Kreta. Wahrscheinlich handelt
es sich um den Hafen von Phönikus an der Südspitze von Messenien. Das ist die westlichste
der drei Südspitzen der griechischen Halbinsel Peloponnes, ca. 170 km
südwestlich von Korinth (54,z.St.). Diese
Hafenbucht an der Südwestküste Kretas, wahrscheinlich beim felsigen Vorsprung
Kap Mouros, war damals über zwei schmale, geschützte Zugänge mit dem Meer
verbunden, von denen der eine nach Südwesten, der andere nach Nordwesten offen
war, und damit zum Überwintern geeignet gewesen wäre (2,z.St.). Aber durch das
darauffolgende spontane Auslaufen, bei dem sie vom Sturm abgetrieben wurden, wurde
dieser Plan vereitelt und sie trieben auf das offene Meer (Verse 13-15).
8
Inf.Perf.: "sie hätten ihr Vorhaben schon so gut wie erreicht". Ein
Südwestwind war genau dass, was sie brauchten, um sie in einigen Stunden nach
Phönix zu bringen. Doch der Wind wechselt ganz unvermittelt in einen Nordwind
und treibt sie aufs offene Meer (2,880; 65,II,154).
9
Das ist ein gefürchteter, vom Berg Ida der Insel Kreta herabfallender Ost-Nord-Ost-Wind,
der für ein Schiff eine tödliche Gefahr war, zu kentern oder in die große Syrte
abgetrieben zu werden (2,z.St.).
10
Wahrscheinlich hatten sie das Rettungsboot bis dahin im Schlepptau, und wollten
es jetzt, da es voll Wasser war, ins Schiff holen, um es später zur Rettung zur
Verfügung zu haben (65,II,154).
11
Nautischer t.t.: Gurte, die um den Schiffskörper herumgelegt wurden, um ihm bei
heftigem Sturm größere Festigkeit zu verleihen (1,288).
12
Das ist, da der Singular, wahrscheinlich der Treibanker, um die Fahrt des
Schiffes zu verlangsamen. Der Treibanker bestand aus einer großen Holzplanke,
die quer zur Fahrtrichtung liegt und, durch Gewichte an der einen Kante und
eine Tonne an der anderen im Wasser aufrechtgehalten, die Fahrtgeschwindigkeit
des Schiffes abbremste. Möglich auch: das entbehrliche Takelwerk; oder das
Hauptsegel, wofür es allerdings reichlich spät gewesen wäre (54,z.St.; 59,191;
2,882).
13
od.: "...sie hissten das Vorsegel in den wehenden Wind, und...".
14
Griechisch w.: "...eine Stelle zwischen zwei Meeren gelegen", also eine
auf beiden Seiten vom Meer umspülte Stelle. Eine sandige Landzunge zwischen dem
Ufer und einem aufragenden Felsenriff, die teilweise überspült wurde. Solch
eine Stelle befindet sich im Livadi-Golf von Kephallenia (54,z.St.). Es handelt
sich wahrscheinlich um den 300 Meter schmalen Korridor zwischen Malta und der
Insel Salmonetta, der vor und hinter sich tieferes Wasser hatte (2,z.St.).
15
od. durativer Impf.: "brach allmählich auseinander".
16
Ein schönes Beispiel dafür, wie Vorausbestimmung (Vers 22-23) und menschliche
Verantwortung (Vers 31) zusammenkommen müssen. Die Soldaten hätten freilich die
Pflicht gehabt, keinen Gefangenen entwischen zu lassen.
17
Καλοι Λιμηνες, w.: Gute-Häfen. Es handelt
sich dabei um eine kleine bogenförmige Bucht an der felsigen Küste bei der
Stadt Lasäa, die nach Osten hin offen war. Sie galt als der beste Naturhafen
Südkretas, ist aber den Stürmen aus östlicher Richtung schutzlos preisgegeben (vgl.
47,z.St.; 54,z.St.). Von dort weg musste das Schiff ins offene Meer Richtung
Sizilien fahren und war den starken Nordwestwinden ausgesetzt (65,II,153).
18
Naut. t.t.: 1 Faden entsprach der
Länge des ausgestreckten Arms von ca. 1,85 m (33,1249). Sie befanden sich in
der Nähe des Koura-Felsens, im Osten Maltas, wo man diese Tiefe messen konnte (2,885;
65,II,156).
19
D.h. sie konnten nur mit großer Mühe an
der Insel Kreta (oder dem Kap Salmone?) vorbeisegeln, ohne aufzulaufen oder an
den Klippen zu zerschellen.
20
Das
war der Ehrentitel (lat.: cohors augusta) einer Kohorte, die vor und
nach diesen Ereignissen in Palästina stationiert war. Es waren syrische
Hilfstruppen von etwa 500 - 1000 Mann. Der Hauptmann hatte wahrscheinlich seine
ganze Truppe von 80 Soldaten mit sich (54,z.St.; 65,II,152).
21
Adramytion
war ein Seehafen in der Ägäis, etwa 50 km nördlich von Pergamon (54,z.St.). Die
adramytischen Schiffe, die nur die Küste befuhren, fassten meist nur bis zu 500
Tonnen Fracht, die alexandrinischen Kornfrachter hingegen oft über 800 Tonnen.
Sie lieferten Korn von Ägypten nach Rom und waren der schnellste Transportweg
nach Rom, wenn man im Hafen von Myra zustieg (65,II,152). Myra war ein wichtiger
Umschlaghafen der Getreideflotte von Alexandria in Ägypten. Das dazugehörige
Küstengebiet hieß Lycien und grenzte westlich an Pamphylien (54,z.St.).
22
Oder:
"um zu sehen ob sie
vielleicht…". Denn noch bis
nach Italien zu gelangen, war um diese Jahreszeit völlig ausgeschlossen.
23
Kauda,
das heutige Gaudos, eine kleine Insel, etwa 60 km westlich von Kaloi Limenes
und 50 km südlich der Küstenlinie von Kreta, war der einzige Hafen bei Kreta,
an dem sie noch hätten ankern können (65,II,154).
24
Die
große Syrte, der Golf von Sidra (der heutige Golf von Bengasi), westlich von
Kyrene (in Lybien), in dem unberechenbare Strömungen waren, sowie gefürchtete
wandernde Sandbänke, an denen abgetriebene Schiffe oft zerschellten
(65,II,154).
25
Wahrscheinlich
die Rah, der Hauptmast des Schiffes, der so lang war wie das ganze Schiff
(44,449; 65,II,155). Vielleicht auch die ganze entbehrliche Ausrüstung
(7,z.St.; 2,882).
26
Dies
war kein blindes Vertrauen, sondern stützte sich auf Gottes Zusage in Apg
23,11.
27
Die
alexandrinischen Kornschiffe beförderten oft einige hundert Personen
(65,II,157). Diese exakte Zahlenangabe zeigt wieder die historische Genauigkeit
von Lukas, und, dass er seine Informationen von einem Augenzeugen hatte.
28
Knidos
war eine Stadt am Ende der weit vorspringenden Südwestspitze Kleinasiens mit
zwei guten Häfen. Kap Salmone (das heutige Kap Sideron) war an der
Nordostspitze der Insel Kreta (54,z.St.).
29
Dies
war vielleicht ein Teil (vgl. Vers 38) des Getreides, das durch die zunehmende
Feuchtigkeit im Laderaum aufquellen und den Rumpf bersten lassen könnte
(54,z.St.).
30
Im
Spätherbst entwickelten sich im östlichen Mittelmeer Tiefdruckwirbel mit großer
Gewalt, die eine dichte Wolkenhülle mit sich brachten und alle Landmarken
verschleierten. Zusammen mit dem peitschenden Regen und der Verdüsterung des
Tageslichts machten sie eine Orientierung unmöglich (54,z.St.).
31
Entgegen
der Befürchtung der Seeleute war das Schiff nicht südwärts in die Syrte
getrieben, sondern nordwärts Richtung Adria (54,z.St.).
32
Untiefen
machen sich bei bewegter See durch eine Krone weißer Brandung und deren
Geräusch bemerkbar (54,z.St.). Deshalb vermuteten die Matrosen, dass sie sich
einer Küste nähern. Hier könnte es sich um die wild schäumende Brandung des
Kaura-Felsens handeln, den jedes aus dem Osten kommende Schiff in einigen
Hundert Metern Abstand passieren musste (2,z.St.).
33
Die
Anker vom Heck auszuwerfen, war damals wie heute eigentlich unüblich, aber in
der speziellen Situation die einzig richtige Notmaßnahme (2,z.St.).
Apostelgeschichte 28
1
Wahrscheinlich eine Sandviper. Heute gibt es in Malta nur mehr ungiftige
Schlangen. Ob dies durch ein wunderbares Eingreifen Gottes aufgrund dieses
Vorfalls so ist, oder ob sie, so wie in Irland, im Laufe der Jahrhunderte
ausgerottet wurden, muss offenbleiben. Ein Reisender glaubte zwar noch im Jahr
1853 eine Viper in der Nähe der Paulus-Bucht gesehen zu haben (21,II,539), doch
nach anderen gab es schon im Altertum nur ungiftige Schlangen auf Malta. Dies
könnte für Kephallenia statt Malta sprechen (54,z.St.).
2
w.: die gerechte Strafe. Hier personifiziert als ΔΙΚΗ, die Göttin der Rache und
der Vergeltung (= lat. "Justitia").
3
Nach Inschriften: Der Prokurator der Insel und der oberste römische Beamte
Maltas. Er stand unter der Autorität des Prätors der Provinz Sicilia und residierte
in der alten Hauptstadt Civita Vecchia. Der Tradition nach wurde er der erste
Älteste der Gemeinde in Malta (2,891; 21,II,540).
4
Das war wahrscheinlich im Frühjahr zwischen dem 8.Februar und dem 10.März des
Jahres 60 n.Chr., da am 10.März die offizielle Schifffahrtssaison begann, - bei
gutem Wetter (d.h. den milden Westwinden) und wirtschaftlichen Überlegungen
auch schon früher (2,892; 65,II,159). Nach anderen war es Mitte Januar. Um
diese Zeit, mitten im Winter, pflegt sich im kephallenischen Raum eine Periode
schöner freundlicher Tage einzustellen, die man die Eisvogeltage nannte, und
die der Kapitän für die Überquerung des Ionisch-sizilischen Meeres nutzte
(54,z.St.).
5
Dies waren Gallionsfiguren am Bug und zugleich die Schutzpatrone des Schiffes. Kastor
und Pollux, die Söhne des Zeus, waren die Schutzpatrone der Schifffahrt
(54,z.St.). Paulus hatte offenbar kein Problem, mit einem solchen Schiff zu
fahren (es hätte ihm freilich auch nichts genützt, denn er war ja ein
Gefangener), und Lukas hatte keine Bedenken dies extra zu erwähnen. Gläubige
halten sich zwar persönlich von allem Götzendienst fern, sie haben aber
auch keine abergläubische Angst vor den Götzen.
6
Die Hafenstadt der bedeutendsten römischen Kolonie, gegründet bereits 733
v.Chr. an der Ostküste Siziliens und Hauptstadt der römischen Provinz Sicilia. Der
Tradition nach gründete Paulus die dortige Gemeinde (2,893; 21,II,543).
7
Publius bot ihnen drei Tage Gastfreundschaft, die Gläubigen sieben
Tage, und dies auch den Gefangenen und den römischen Soldaten, die ja Heiden
waren.
8
Seit Kaiser Claudius ließ man die Passagiere bereits in Puteoli aussteigen,
während die Fracht nach Ostia, den neuen Frachthafen der Stadt Rom,
weitergeführt wurde (2,z.St.).
9
Das Entgegenkommen bzw. Entgegengehen, um
jemanden zu begegnen und ihn dann dorthin zu begleiten, von woher man selbst
gekommen ist. Cicero wurde bei seiner Rückkehr aus dem Exil vom römischen Senat
auch auf diese Weise "heimgeholt" (21,II,545).
10
D.h. dem Paulus wurde erlaubt unter Hausarrest in einer eigenen Mietwohnung zu
wohnen, wobei er Tag und Nacht mit seiner rechten Hand mittels einer leichten
Handschelle an die linke Hand eines Prätorianer-Soldaten angekettet war (lat.: custodia
militaris tradere). Die Soldaten wurden dabei täglich ausgewechselt. Das
erklärt vielleicht auch die Bemerkung in Php 1,12f, - falls der Philipperbrief
aus diesem Hausarrest geschrieben wurde.
11
Konatives Präs.: "indem versuchend sie zu überzeugen".
12
Entweder wie hebr. infinitus absolutus zur Intensivierung des Verbinhalts:
"Ihr werdet immerfort hören..."; od. imperativisch: "Hören sollt
ihr, ja hören..." (2,z.St.); od.: "Mit dem Gehör/trotz Anhören
werdet/sollt ihr hören, doch keinesfalls...".
13
Das Fut. ist hier ziemlich sicher als Konj.Aor. zu verstehen (2,z.St.).
14
Jes 6,9-10 (LXX)
15
Vers 29 fehlt in den wichtigsten Hs. Einzelne Hs. fügen hier hinzu: "Als
er das gesagt hatte, gingen die Juden weg und stritten noch lange
miteinander" (27,502).
16
Forum Apii (d.h. Appiusmarkt) war ein
Marktflecken an der Via Appia, 64 km südlich von Rom. Tres Tabernae ist eine Tavernen-Station
an der Via Appia, der Straße, die von Rom bis nach Capua führt, welches 30 km
nördlich von Puteoli liegt (54,z.St.). Da Forum Appii 64 km, Tres Tabernae (d,h,
Drei Tavernen) aber nur 49 km von Rom entfernt ist, und manche Reisegruppen
auch Boote auf dem danebenfließenden Kanal für die Reise nach Rom benützten,
wussten die Brüder vielleicht nicht, wo sie Paulus erwarten sollten
(21,II,545).
17
Rhegion (das heutige Reggio di
Calabria) war ein Hafen an der südlichen "Stiefelspitze" Italiens,
120 km von Syrakus entfernt. Puteoli war eine Hafenstadt in der Bucht von
Neapel, 350 km von Rhegion entfernt, ein Sammelbecken für ägyptische und
phönizische Kulte, und seit Augustus der wichtigste Hafen für Schiffe aus
Alexandria und Syria. Nach Rom war Puetoli wahrscheinlich die Stadt, wo es
schon seit dem Tod von Herodes (4 v.Chr.) eine der ältesten jüdischen Kolonien
gab. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es dort auch schon eine christliche
Gemeinde gab (2,893; 54,z.St.; 21,II,544).
18
Der Aorist macht deutlich, dass er am
Ende dieser zwei Jahre freigelassen wurde (21,II,552), und Lukas seinen Bericht
an den römischen Beamten Theophilus damit auch beenden kann. Nach römischem
Recht durfte man einen Angeklagten nicht länger als zwei Jahre festhalten, wenn
seine Ankläger nicht erschienen. Kaiser Nero hatte in der Regel kein
besonderes Interesse an rechtlichen Problemen. Im Jahr 62 n.Chr. schenkte er
einigen jüdischen Geiseln, die ihm der Prokurator Felix übersandt hatte, die
Freiheit. Etwa um diese Zeit wurde auch Paulus freigesprochen. Einige Jahre
später jedoch, wurde Paulus unter Nero hingerichtet (65,II,161.417).
19
Das sind die letzten Wunder, die uns
von Paulus und überhaupt im NT berichtet werden. Im Laufe der Zeit nahmen die
Zeichen und Wunder immer mehr ab.
20
Die
Malteser waren phönizischer Abstammung, die einfachen Leute sprachen nicht
Griechisch. Es lebten aber auch Römer und ausgediente Soldaten auf der Insel
Malta. Als Barbaren wurden ganz allgemein alle bezeichnet, die nicht Griechisch
sprachen bzw. einen niedrigen Bildungsstand hatten. Auch alle westgriechischen Volksstämme
wurden damals so bezeichnet. Die Wasserstraße östlich von Kephallenia bildete
die Grenze zwischen Barbaren und Hellenen (2,890; 54,z.St.). Seit den
Perserkriegen hatte die Bezeichnung Barbaren auch den zusätzlichen Sinn: brutale
und rohe Menschen, ein Vorurteil, dass sich bei diesen Einwohnern nicht
bestätigte.
21
Die
hier beschriebenen Symptome ähneln aber auch denen der Malaria.
22
Am
wahrscheinlichsten ist damit Malta gemeint (2,z.St.). Doch andere meinen es sei
der südliche Rumpf der westgriechischen Insel Kephallenia gemeint, der bis in
die Neuzeit hinein den Namen Melite trug (54,z.St.).
Zu Römern
Römer 1
1 Paulus war nach den Zwölfen und
Jakobus (1Kor 15,7), der letzte Apostel, den der auferstandene Herr
persönlich berufen hat (1Kor 15,8-9), damit er ein Gesandter Christi im Sinne
von 2Kor 5,20 ist. Seither gibt es Apostel nur mehr im weiteren Sinn des
Wortes, nämlich Gesandte des Heiligen Geistes (vgl. Apg 13,4: "…απο-στελλω").
2 D.h. in den heiligen Schriften
des AT, z.B. in: Jes 11,1ff; 42,1ff; 49,1-6; 50,4-6; 53,1ff; Jer 31,31ff; Dan
9,26; Joel 3,1ff; Sach 3,8-9; 6,12-13; 9,9 ua. "…in heiligen
Schriften", heilige Schriften ohne Artikel bedeutet: heilige
Schriften im Gegensatz zu anderen, nichtinspirierten Schriften.
3 Dieser "gute Weg" war
dann nach Gottes Willen seine Reise als Gefangener nach Rom. Das hätte
er sich selbst wahrscheinlich anders vorgestellt.
4 Gen.subj.: d.h. die Gerechtigkeit, die von
Gott kommt, durch ihn bewirkt wird und vor ihm gilt, das bedeutet: (1.) Gottes
eigene Gerechtigkeit (und nicht des Menschen eigene Gerechtigkeit), die er
jedem schenkt, der auf das stellvertretende Sühneopfer Jesu vertraut; Ps 98,2;
Röm 10,3; Php 3,9 (2.) Er bleibt gerecht, wenn er dem Sünder vergibt, weil
Jesus Christus für ihn gesühnt hat; Röm 3,25-26 (3.) Der vollkommene gerechte
Zustand der Gläubigen schon hier und jetzt; 2Kor 5,21. - Diese Gerechtigkeit
Gottes wird nun durch das Evangelium verkündigt und so allen offenbart.
5 Hab 2,4
(MT).
6 Wie in
Vers 17a ein Präsens und nicht ein Futur. Manche meinen, es handle sich hier so
wie in 1Kor 3,13 um ein futuristisches Präsens, und demnach um den Zorn Gottes,
der in der Zukunft über die Menschheit ausgegossen wird. Doch die bewusste
Gegenüberstellung zu Vers 17a spricht dagegen. Im Evangelium wird denen die
glauben Gottes Gerechtigkeit geoffenbart, denen aber die nicht glauben wird schon
hier und jetzt Gottes Zorn geoffenbart, und zwar in der Weise, wie es in
den Versen 19.21.24.26 und Vers 28 beschrieben wird ("deshalb…").
7 Für
Paulus stellt sich die Entstehung von Homosexualität bei Männern offenbar folgendermaßen
dar: (1.) Männer verlassen den natürlichen (d.h. vaginalen?)
Geschlechtsverkehr mit der Frau (z.B. durch den auch damals schon praktizierten
Oral- und Analverkehr?). (2.) Damit finden sie Gefallen an Sexualpraktiken, die
ihre Frauen vielleicht ablehnen, die sie aber auch mit Männern praktizieren können,
und werden deshalb homosexuell. (3.) Sie bekommen dadurch Geschlechtskrankheiten,
die hauptsächlich durch homosexuellen Geschlechtsverkehr mit Männern entstehen
(heute: psychische Krankheiten, HIV, Chlamydien, Gonorrhöe, Syphilis, Hepatitis,
Kehlkopfkrebs, usw.). - "…entbrannten sie", ist ein ingressiver
Aorist Passiv, d.h. sie wurden zu Männern sexuell hingezogen.
8 κακια (Übelhaftigkeit)
ist
die Neigung selbst, πονηρια (Bosheit) die Ausübung dieser Neigung.
9 Ohne die
natürliche und familiäre Liebe, Zuneigung und Herzlichkeit, wie sie unter
Verwandten normal ist; allg.: lieblos. Vgl. 2Tim 3,3
10 Die Reihenfolge Christus
Jesus ist amtlich, d.h. der Messias Jesus von Nazareth. Die Reihenfolge Jesus
Christus hingegen, ist fast wie ein Eigenname zu verstehen, d.h. der Mensch
Jesus Christus.
11 Sohn Gottes ist hier ein
messianischer Titel, den der auferstandene Herr von Gott bekommt (vgl. Ps 2,7; Mt
26,63; Joh 1,34; Apg 13,33), er ist der Messias, der verheißene Sohn
Davids. Der präexistente Christus hingegen war, als das ewige Wort Gottes schon
vor seiner Menschwerdung der ewige Sohn Gottes (Micha 5,1; Mt 16,16), -
was auch Paulus bezeugt (Eph 4,13; Gal 4,4), - denn wenn Gott ein ewiger
Vater ist (Jes 9,5), hat er auch einen ewigen Sohn.
12 Wahrscheinlich durch
anderweitige Missionsarbeit (21,II,588).
13 Entweder meint er Bekehrte, wofür
der größere Kontext von Vers 9 und die Verse 14-17 sprechen würden. Da aber der
Ausdruck "Frucht bringen"
im übrigen NT nicht in Bezug auf Bekehrungen gebraucht wird (außer in Kol 1,6,
aber dort ist es das Evangelium, das von sich selbst aus Frucht bringt), meint
er vielleicht eher geistliches Wachstum bei ihnen durch seine Lehrtätigkeit,
wofür der unmittelbare Kontext Vers 11a sprechen würde.
14 So in der buddhistischen, griechischen
und römischen Religion.
15 So in der ägyptischen, der
assyrischen, der babylonischen und in den heidnischen Religionen.
16 Gott "übergibt"
die Menschen, dem Bösen in ihrem Herzen nachzugehen, d.h. er hält sie nicht
mehr zurück. Schritt für Schritt übergibt er sie ihrem Schicksal (Vers
24.26.28), weil sie bewusst das Wahre mit dem Falschen "vertauschen"
(Vers 23.25.26). Dieser Prozess des religiösen und moralischen Niedergangs ist
in der Geschichte nicht nur bei Einzelpersonen zu beobachten, sondern auch bei
ganzen Völkern und Weltreichen, die schließlich allesamt untergegangen sind
(z.B. die Inkas, Mayas, Assyrien, Ägypten, Babylonien, Medo-Persien, Griechenland,
Rom, u.a.). - In den Versen 26-27 ist die Homosexualität gemeint. Man kann
nicht behaupten, Paulus wäre deswegen gegen die Homosexualität gewesen, weil
sie damals verpönt war, ganz im Gegenteil, sie war bei den Griechen sehr
verbreitet und bei den Nichtjuden allgemein akzeptiert. Fast alle griechischen
Männer waren bisexuell. Nur von den römischen Moralphilosophen wurde sie
verabscheut und als "wider die Natur" bezeichnet (65,II,175). Die
Ablehnung von Paulus gründet sich wahrscheinlich auf das AT (Lev 18,22; 20,13;
Rich 19,22-23). - Paulus geht davon aus, dass Homosexualität entsteht, weil man
etwas "vertauscht",
und nicht, weil es angeboren ist. Bei den Frauen die lesbisch
wurden, meint Paulus vielleicht solche, die von ihren Männern sexuell
vernachlässigt wurden, weil diese eine jüngere Geliebte hatten. Auch heute sind
manche Frauen die lesbisch wurden, vorher von Männern enttäuscht worden.
17 Er schreibt nicht wie sonst "an
die Gemeinde in Rom", sondern
an alle Gläubigen in Rom, die sich in den einzelnen Hausgemeinden versammelten
(vgl. Röm 16,5ff.14-15; 1Kor 16,19). Dennoch war es nur eine Gemeinde in
Rom mit einer Ältestenschaft (Apg 15,4.6.22). Rom war zu dieser Zeit
eine Stadt mit mehr als 1 Million Einwohnern und mit seinen Vororten flächenmäßig
etwa so groß wie das heutige Berlin. Die vielen Christen konnten sich unmöglich
an einem Platz gleichzeitig versammeln, sondern waren - so wie auch in
Jerusalem - auf einzelne Hausgemeinden aufgeteilt. - Der Titel "Heiliger"
wird im NT nie auf einen einzelnen Menschen angewendet, sondern immer
gemeinschaftlich auf alle Gläubigen (21,II,587).
18 Das Evangelium ist nicht bloß
eine Wahrheit, oder eine großartige Weltanschauung, sondern eine lebensverändernde
göttliche Macht, die die Gläubigen fortwährend und auf immer verändert, - das
ist die Heiligung durch den Heiligen Geist.
19 Es handelt sich um das
geheiligte Leben Jesu, das der Heilige Geist während seines irdischen Lebens in
ihm ausübte (26,II,86).
20 Ein epexegetischer Genitiv, und
viell. auch ein Gen.auctoris, d.h. einen Glaube zu bewirken der zum Gehorsam
führt und sich im Gehorsam zeigt (vgl. 2,900). Das Evangelium muss nicht nur
mit Verstand und Herz geglaubt werden, es folgt daraus aufgrund der
Wiedergeburt auch der Gehorsam (vgl. Mt 7,24ff; Jak 2,26 uva.). Der
Römerbrief beginnt mit Glaubensgehorsam und endet mit Glaubensgehorsam
(Röm
16,26). Ein Glaube, der nicht zum Gehorsam führt, ist ein toter Glaube (Jak
2,20.26). Und ein Gehorsam, der nicht aus Glauben geschieht, ist
Werksgerechtigkeit (Röm 9,32; Joh 6,29).
21 Es geht hier aber nicht darum,
dass sie fleißig evangelisiert hätten, was auch lobenswert wäre (wie in 1Thes
1,8), sondern um das praktische Lebenszeugnis ihres Glaubens (Röm 16,19),
welches über die Grenzen Roms hinaus bekannt wurde. Dies beeindruckt die
Unbekehrten oft viel mehr als viele fromme Worte.
22 od.: "die die Wahrheit Unterdrückenden
(od.: Niederhaltenden)." Die Heiden haben diese Erkenntnis der Wahrheit erstens
in ihrem Gewissen (Kap. 2,15-16), zweitens können sie diese in der Schöpfung
sehen (Vers 19ff). Durch die Liebe zum Bösen haben sie die Wahrheit aber bewusst
zurückgehalten, ja sogar unterdrückt, und sind deshalb in ihrer Finsternis
geblieben (26,I,109). Obwohl sie weniger Licht haben als die, welche das
Evangelium hören, ist ihr Verdammungsurteil deswegen dennoch gerecht.
23 Pl.Neut.: Das sind seine Wesenszüge,
die man mit den körperlichen Sinnen (Sehen, Hören, usw.) nicht erfassen kann
(21,II,592).
24 Nämlich in der Schöpfung (vgl.
Ps 19,1-5). Doch in der gefallenen Schöpfung kann man nicht alle
Wesenszüge Gottes erkennen, - z.B. weder seine Liebe noch seine Barmherzigkeit,
- denn die gefallene Natur ist grausam. Nur in Jesus, der das vollkommene Bild
Gottes ist, wird Gottes Wesen völlig erkennbar (Joh 14,6-10; Kol 1,15 ua.).
25 "…aus Glauben zu Glauben",
und nicht: "…aus Glauben zu Werken" (vgl. Gal 3,3).
26 od. instrumental: "durch…";
eventuell temporal: "seit…" - Auferstehung ohne Artikel ist entweder
unbestimmt: "…(einer) Auferstehung"; oder vielleicht doch bestimmt: "…(der)
Auferstehung" (2,900; 26,86).
27 Die Größe Gottes die in der
Schöpfung von jedem Menschen gesehen wird, ist eine Verpflichtung für jeden
Menschen, diesen unsichtbaren Gott wie ein Blinder tastend zu suchen, und ihn
zu verherrlichen, und nicht die Schöpfung. Wer dies tut, von dem lässt
sich Gott aus Gnade finden, was aber kein Verdienst dieses Menschen ist (vgl.
Apg 14,17; 17,27-28; Röm 2,7; 1Kor 1,21). Vgl. auch die Anm. zu Röm 2,7
28 Wahrscheinlich: wir Apostel; oder
ein schriftstellerischer Plural (13,4; 2,900).
29 Ein Sklave ist ein Mensch,
der rechtlich und wirtschaftlich Eigentum eines anderen Menschen ist. Christen
verstanden sich als Sklaven von Jesus Christus, weil dieser sie aus der
Sklaverei der Sünde „freigekauft“ hatte, und betrachteten diesen Titel als
Auszeichnung (54.z.St.). Jeder Mensch wird als Sklave der
Sünde geboren (Joh 8,34; 2Pet 2,19 ua.). Durch die Bekehrung wurde man von
Christus losgekauft aus dieser Sklaverei und ist damit sein Sklave
geworden, weil er für uns mit seinem Tod das Lösegeld bezahlt hat (Röm 6,16-18).
Es ist eine Ehre ein Sklave Jesu Christi zu sein. In der antiken Welt hatte der
Sklave einer hochgestellten Persönlichkeit, sogar einen höheren Status, größere
Vollmacht und mehr Freiheiten als ein freier Bürger. Sklaven des Kaisers waren
seine Beamten und rangierten sogar unter den Vornehmsten im ganzen Reich
(65,II,170).
30 Dass seine Allmacht immerwährend
ist, kann man in der Schöpfung z.B. im konstanten Lauf der Sterne sehen, in den
immer wiederkehrenden Abfolgen von Sonne und Regen, von Saat und Ernte, usw.
Jeder der in der Natur lebt und sie beobachtet, kann dies erkennen.
31 Gemeint ist hier die Erkenntnis,
dass dieser unsichtbare Schöpfer nicht menschlich, sondern göttlich sein muss,
also genau das Gegenteil von dem, was die Heiden daraus gemacht haben (z.B. die
griechischen Götter mit ihren menschlichen Zügen).
32 Es ist die Erkenntnis
in Röm 1,19.21 gemeint, das, was jeder aus der Schöpfung erkennen kann. Wer
dieses Licht zurückweist, geht in die Finsternis (Joh 3,19-21).
33 Damit widerspricht
Paulus der herkömmlichen religionsgeschichtlichen Sicht, dass sich aus einem
ursprünglichen Mehrgott-Glauben bei den Israeliten im Laufe der Jahrhunderte
eine monotheistische Verehrung des Gottes Jahwe herauskristallisierte (Gen
4,26b). Die Wahrheit der Bibel ist jedoch, dass sich aus der ursprünglichen
Verehrung des einen Gottes, durch religiöse und moralische Degeneration die
Verehrung vieler verschiedener Götter, die Bibel nennt sie verächtlich Götzen
(w.: Nichtse), entwickelte.
34 Eine Ableitung von μωρια (Strong
Nr. 3472), was ein noch verächtlicherer Ausdruck als ρακα (Strong Nr.
4469) ist. Es beschreibt ein Denken, Reden und Handeln, welches unsachgemäß und
unsinnig ist. In der Gräz. auch für den Zustand der Geistesverwirrung durch
Einwirkung einer anderen Macht (11,II,1373). Vulgär fast: (gottloser) Narr, Idiot
oder Trottel.
35 Sein ursprünglicher hebräischer
Name war Saul (= erbeten, d.h. von Gott), aber kurz nach der 1.Missionsreise
(Apg 13,9) nimmt er den römischen Namen Paulos (= lateinisch: der Kleine,
Geringe oder Winzige) an, entweder, weil er endgültig von seiner jüdischen
Vergangenheit Abschied genommen hat, eher aber, weil er nun aus evangelistisch-strategischen
Gründen sein römisches Bürgerrecht nützen will, wobei zusätzlich durch diese
Namenswahl aber auch seine demütige Haltung zum Ausdruck kommt.
36 od.: Ich schäme mich
nicht das Evangelium (zu verkünden).
37 Dieses Sündenregister
enthält interessante Parallelen, aber auch Unterschiede zum Sündenregister in
2Tim 3,1-5. So finden sich in beiden Aufzählungen: Prahler, den Eltern
Ungehorsame, Verleumder, ohne natürliche Liebe. Hier sind allerdings auch
schwerere Sünden (vgl. Vers 32 "…des Todes würdig")
aufgezählt, z.B. Mord, Habsucht, Gottverhasste, Gewalttäter, Unbarmherzige,
Frevler. Der Grund ist, dass hier die von Gott abgefallene Menschheit
beschrieben wird, in 2Tim 3,1-5 aber, die abgefallene Christenheit in den
letzten Tagen vor dem Kommen des Herrn. - Zu anderen Sündenregistern vgl.
noch Mk 7,21-22; 1Kor 5,11; 1Kor 6,9f. und 1Tim 1,9-10.
38 Es mag überraschen,
dass Ungehorsam gegenüber den Eltern in einer Liste zusammen mit Mord,
Verleumdung, Niedertracht, udgl. steht, und noch dazu am Ende alle diese
Verfehlungen als todeswürdig (Vers 32) bezeichnet werden. Doch schon im AT
finden wir bei Rebellion gegenüber den Eltern die gleiche Strenge (Dtn
21,18-21).
39 Damit bestätigt Paulus das Recht der Obrigkeit, die Todesstrafe anzuwenden. Es kann sich hier nicht um eine allgemeine Aussage handeln, dass der Lohn der Sünde der Tod sei, den dieser Tod gebührt auf alle Sünden, nicht nur auf die in dieser Liste aufgezählten. Vgl. auch die Anm. zu Röm 13,4
Römer 2
1 Spr 24,12; Ps 62,13
2 Jes 52,5
(LXX); siehe auch: Hes 36,20-23
3 Bezieht
sich entweder begründend auf Röm 1,18, oder auf Röm 1,32, oder vorausschauend auf
das Folgende.
4 Den
andersartigen, weil damit die Heiden von Röm 1,26ff gemeint sind?
5 D.h. die
moralischen Forderungen des Gesetzes.
6 Nachdem
im 1.Kapitel die gottlosen Heiden beschrieben wurden, wendet sich Paulus
nun an die selbstgerechten Juden (vgl. V.17), und ganz allgemein an alle
selbstgerechten religiösen Menschen.
7 Jeder
Mensch erhält durch die Schöpfung, durch sein Gewissen und durch die Geschichte
genügend Licht (Joh 1,9; Röm 1,20-21; 2,15-16), um den unsichtbaren Gott, "mit
einem redlichen und guten Herzen" (Lk 8,15), tastend wie ein Blinder, zu
suchen (z.B. Apg 8,26-40; 14,17; 17,27-28; Röm 2,7;
1Kor 1,21). Es ist dies ein ewiges Evangelium (Offb 14,6-7). Darum ist kein
Mensch ohne Entschuldigung. Es ist aber nicht so, dass jemand Gott findet, weil
er ihn so eifrig sucht (Röm 3,11), sondern Gott lässt sich in Gnade von Suchenden
finden (Am 5,4b), ja er lässt sich sogar von solchen finden, die nicht nach ihm
suchten (Jes 65,1; Röm 10,20). In allen Kulturen und zu allen Zeiten gab und
gibt es solche Menschen, die das Evangelium nie gehört haben, aber in ihrem
Gutes tun Unverweslichkeit (d.h. ewiges Leben) suchen (Zeph 2,3), sich das
ewige Leben aber nicht selbstgerecht erarbeiten wollen, weil sie sich
ihrer Sündhaftigkeit, aufgrund ihres Gewissens, durchaus bewusst sind (Röm
2,15), - angefangen von Abel, Set, Henoch, Abraham, später der Kämmerer aus
Äthiopien, Kornelius, ua. (vgl. Röm 3,25-26; Apg 8,26ff; 10,1-4.34-35; Joh
3,21; Mt 25,34ff). - Vgl. die gleichen Ausdrücke "Herrlichkeit" und "Unverweslichkeit"
in Röm 1,20.23. Nach den Aussagen des NT wird derjenige verdammt, der nicht
glaubt, aber nicht derjenige, der gar nicht die Gelegenheit bekommt, um an
das Evangelium zu glauben oder nicht zu glauben (Joh 3,18.36). - Viele beziehen
diesen Vers aber auf die, die schon gläubig sind (z.B. 48,609), doch diese suchen
nicht ewiges Leben, da sie ja wissen, dass sie es bereits haben (1Joh 5,13). Außerdem
spricht Paulus im ganzen Kapitel von Ungläubigen und der plötzliche Wechsel auf
Gläubige würde hier eine Art von Werksgerechtigkeit suggerieren.
8 Nicht in
guten Werken (Plural), sondern im nicht berechnenden Gutes-tun (kollektiver
Singular) an sich. Wie sie dieses ewige Leben erhalten, wird erst später
dargelegt (3,20ff), nämlich durch Buße über ihre Sünden und Glauben an das, was
Gott ihnen an Licht geoffenbart hat (26,I,130), und, wegen "des Hingehen-Lassens
der vorher geschehen Sünden unter der Nachsicht Gottes" (Röm 3,25b). Denn
gerechtfertigt werden kann nur derjenige, dem Gott das stellvertretende
Sühneopfer Christi anrechnet. Das gilt auch für die Gerechtfertigten vor Jesus
(z.B. Abel, Abraham, usw.).
9 Wann? → Fortsetzung
in Vers 16. Vers 13-15 ist ein begründender Einschub (26,I,138).
10 Allg.:
ein Sakrileg verüben, sich am Tempel vergehen, Heiliges verunehren, sich
gegenüber dem Tempel ehrfurchtslos verhalten; spez.: den Tempelschatz plündern,
vielleicht indem man Gott das vorenthält, was ihm eigentlich gebührt, oder wenn
man fehlerhafte Opfer darbringt (vgl. Mal 1,8). Oder handelt es sich vielleicht
gar um die Beraubung der heidnischen Heiligtümer? Götterbilder und Kultstätten
der Heiden galten den Juden nicht als heilig. Diese Auffassung führte, wie es
scheint, gelegentlich zu Übergriffen, eben zu Tempelraub, damals in den Augen
der Heiden eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt. Vgl. auch Apg 19,37
(47,z.St.; 26,I,142; 65,II,178).
11 Zum
Gegensatz von "Geist" und "Buchstaben" vgl. auch Röm 7,6
und 2Kor 3,6
12 Wahrscheinlich
ein vom zukünftigen Gerichtstag zurückblickender historischer Aorist
(21,II,597).
13 Ein
Gedanke, der schon im AT vertreten wird. Vgl. Dtn 10,16; 30,6; Jer 4,4.
14 Paulus
bedient sich des diatribischen Stils, wie er bei den Philosophen sehr beliebt
war. Er führt einen imaginären Gegner ein, um dessen etwaige Argumente zu
widerlegen (65,II,176).
15 Das ist
der Grund, warum Gott die Gottlosen so lange gewähren lässt (vgl. Ps 73,3ff).
Natürlich will er auch, dass alle zur Buße kommen (Vers 4), doch wenn der
Gottlose nicht Buße tun will, sammelt er Zorn an, damit Gottes gerechtes
Gericht für ihn umso heftiger ausfällt. Hier geht es nicht um "die Gefäße
des Zorns" von Röm 9,22, wo die ungläubigen Juden gemeint sind.
16 Paulus
scheint hier seiner übrigen Rechtfertigungs-Lehre zu widersprechen (vgl. Röm
3,20; Gal 3,11-14; ua.). Aber er will an dieser Stelle seiner
Argumentationskette folgendes sagen: keiner ist dadurch gerecht, dass er das
Gesetz bloß hört oder kennt. Nur wer sich auch daran hält wäre gerecht. Später
wird Paulus klarstellen (Röm 3,10ff.), dass sich niemand immer an das Gesetz
hält und daher das Gesetz nicht dazu taugt, einen Menschen vor Gott gerecht zu
machen. Dafür hat Gott es auch nicht gegeben (1Tim 1,8-11).
17 Die Juden
teilten die Menschheit in Beschnittene und Unbeschnittene ein. Die beschnittenen
Juden waren Gerettete, die unbeschnittenen Heiden Verdammte. Für die Juden war
es selbstverständlich, dass jeder Jude ins Reich Gottes kommt, und dass jeder
Heide der nicht Jude wird, verloren ist (26,I,129).
18 Wahrscheinlich
sind die Betrügereien beim Geschäftemachen und der Wucherzins gegenüber den
Heiden gemeint.
19 Den drei
berühmtesten Rabbis Akiba, Mehir und Eleazer wird im Talmud Ehebruch
nachgewiesen (26,I,142).
20 Ein
Wortspiel, denn der hebräische Name Juda bedeutet "Lobpreis" (nämlich
für Gott).
21 Bei
religiösen Menschen vielleicht im Sinne der Bergpredigt (Mt 5,21 - 6,18)
gemeint.
22 Das Gewissen ist, entgegen der Ansicht vieler, kein unfehlbarer Maßstab für Richtig und Falsch. Es zeigt nur an, ob meine Handlungen mit meinen Überzeugungen übereinstimmen, - doch meine Überzeugungen können falsch sein. Das Gewissen kann schwach (1Kor 8,7), oder falsch geeicht sein. Daher muss das Gewissen immer wieder an Gottes Wort geeicht werden. Dennoch ist es gefährlich, sein Gewissen einfach zu übergehen, weil es dann verhärtet (1Tim 4,2).
Römer 3
1
Ps 116,11; 51,6 (LXX). Hinter diesem Gedanken steht die Vorstellung vom
Rechtsstreit Gottes mit den Menschen, bei dem sich sein Recht erweisen und
durchsetzen wird; z. B. Jes 1,18-20 (47,z.St.).
2 Pred 7,20
3 Ps 14,1-3
4 D.h. unter der Herrschaft der Sünde zu
sein (2,909; 26,I,155).
5 Ps 5,10
(LXX); Ps 140,4 (LXX).
6 Ps 10,7
7 Spr 1,16
8 Vgl. 1Tim 1,8.9;
Joh 16,8. - Obwohl das Wort Sünde hier im Singular steht, dürfte es
dennoch die allgemeine Bedeutung Verfehlung haben, und noch nicht die spezielle
Bedeutung von der Sünde als Macht, ein Thema, welches erst ab Röm 5,12ff (vgl.
besonders Röm 7,17) eingeführt wird (26,I,160).
9 Jes 59,7-8
10 Ps 36,2 (LXX)
11
Gen.subj.: die Gerechtigkeit, die Gott schafft und nicht die eigene; vgl. Anm. bei
Röm 1,17
12 Vgl. Ex
25,16; Lev 16,2.14; Heb 4,16. Auf den Sühnedeckel wurde das Blut des Opfers
gesprengt, um Sühnung für das Volk zu erwirken. Manche übersetzen daher: "…als Sühnedeckel",
was aber sehr unwahrscheinlich ist, denn dann müsste der Artikel vor dem Wort stehen
(26,I,168); daher vielleicht das Sündopfer selbst: "…als Sühneopfer";
od. eben allg.: "…als Sühnemittel" (2,z.St.).
13 Das
Außerachtlassen von Sünden, d.h. das nachsichtige Übergehen der Übertretungen
unter dem alten Bund (Ex 12,13). Es ist der vorläufige Aufschub der gerechten
Strafe für die Sünden der Ungläubigen in der Zeit des Alten Bundes (vgl.
Apg 17,30.31), nicht aber der Gläubigen des Neuen Bundes, denn diese
sind nun vollständig gesühnt und erlassen (vgl. Strong Nr.: 859).
14 Es sind
zwei Bedeutungen möglich: (1.) in der Bedeutung eines intransitiven Aktivs:
einen Vorteil, Vorrang oder Vorzug vor jemandem haben. Dann zu übersetzen mit:
"Haben wir Juden (nämlich gegenüber den Heiden) einen Vorteil (dem
gerechten Zorn Gottes zu entfliehen)?" (2.) als Med.: sich etwas zum
Schutz vorhalten, d.h. Ausflüchte machen, etwas vorschützen. Dann wäre zu
übersetzen mit: "Mache ich etwa Ausflüchte"? (nämlich gegenüber dem
gedachten Gegner in Vers 7 + 8, und dem ganzen Argument von Vers 1-8) (1,1413;
21,II,605); od. viell.: "Können wir uns
in Sicherheit wiegen?" (26,I,154).
15 Der
Gedankengang wird dann in V.24 weitergeführt.
16 Gesetz und
Glaube stehen zueinander in Gegensatz, wenn das Gesetz als Weg zum Heil
angesehen wird. Zum Heil kann nach der Offenbarung Gottes in Jesus Christus nur
der Glaube führen. Das Gesetz wird gleichwohl aufgerichtet, das heißt seine
Forderung wird erfüllt durch den "Glauben, der in der Liebe wirksam
ist"; vgl. Gal 5,6; Röm 13,8-10 (vgl. 47,z.St.).
17 Jesus Christus = fast wie
ein Eigenname, d.h. der Mensch Jesus Christus. Dagegen: Christus
Jesus = der Messias Jesus von Nazareth.
18 Eine kleine, aber
sehr giftige Schlange deren Biss tödlich ist, es sei denn, das Fleisch um die
Bisswunde wird sofort ausgeschnitten. Möglich ist aber auch die ganz allgemeine
Bedeutung: eine Giftschlange jeglicher Art.
19 od.: "…als
Sühnemittel, …, durch sein Blut" (26,I,170).
20 Die logische
Argumentation im folgenden Abschnitt ist folgende: (1.) Wenn der Jude genauso gerichtet
wird, wie der Heide, welchen Vorzug hat das jüdische Volk dann? Antwort: Den
Besitz der göttlichen Offenbarungen, - Vers 1-2. (2.) Wenn diese aber ihren
Zweck nicht erreicht haben, nämlich an den Messias zu glauben, ist dann nicht Gottes
Treue gegenüber dem Volk Israel aufgehoben? Antwort: Keineswegs, sie wird
dadurch sogar noch verherrlicht, denn Gott hat seine Treue dem Volk nicht
entzogen, weil einige untreu waren. Damit wird gezeigt, dass Gott wahrhaftig
und treu ist, der Mensch aber ein Lügner, - Vers 3-4. (3.) Wenn Gott aber die
Sünde Israels (d.h. ihren Unglauben) zu seiner Verherrlichung benützt, wie kann
er dann die Sünder verurteilen? Antwort: Wenn Gott aus der Sünde des Menschen Gutes
zieht, hindert ihn das nicht, den Sünder dennoch im Endgericht für das Böse
zu bestrafen, - Vers 5-8. (siehe: 26,I,145).
21 D.h. die im
Geltungsbereich des Gesetzes leben (2,z.St.), das sind die Juden.
22 Gesetzeswerke sind
für Paulus nicht bloß gute Werke, sondern die Einhaltung der mosaischen
Gesetze, um damit vor Gott gerecht zu werden.
23 od.: "Vielmehr
soll Gott als wahrhaftig erwiesen werden, jeder Mensch aber als Lügner".
24 Dieser Ausdruck wurde
auch vor Gericht gebraucht, wenn jemand nichts mehr zu seiner Verteidigung vorbringen
konnte (65,II,181).
25 Dies ist vollständige und endgültige Erlösung, die nicht wieder in irgendeine Gefangenschaft oder Abhängigkeit führt. Eine Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Anbietung und Bezahlung eines Lösegeldes. Dieses Lösegeld ist der freiwillige Opfertod Christi am Kreuz. Die Grundlage für Versöhnung Erlösung und Sündenvergebung ist Sühne. Versöhnung und Erlösung können erst aufgrund eines stellvertretenden Sühneopfers angeboten werden. Die Schuld des Sünders musste gesühnt sein bevor Erlösung angeboten werden kann. Nur wer die Erlösung durch Christi stellvertretenden Opfertod für sich persönlich annimmt, bekommt Sündenvergebung. Vgl. auch die Anm. bei 1Joh 2,2; Röm 3,25 und 2Kor 2,19-21
Römer 4
1 In Gen 15,6 (LXX) wurde Abraham allein aus
Glaube, vor Gott gerechtfertigt, und zwar bevor er irgendein Werk tat
(Gal 3,6). Jakobus hingegen streicht bei seinem Zitat aus Gen 15,6 heraus, dass
sich dieser Glaube in dem Glaubenswerk der Opferung Isaaks vollendete,
und damit als echt erwies (Jak 2,23). Paulus und Jakobus stehen nicht im
Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich in ihrer Auslegung von Gen 15,6.
2 Ps 32,1
(LXX)
3 Ps 32,2
(LXX)
4 Gen 17,5
(LXX). Das Perfekt bedeutet, dass der Glaube Abrahams schon vorwegnimmt, was
Gott erst in Zukunft tun wird (26,I,200).
5 Gen 15,5
(LXX)
6 Gen 15,6
(LXX)
7 Vgl. die
Verheißung in Gen 18,18 die dem Abraham noch vor der Beschneidung gegeben
wurde. - Das hebräische Wort in Gen 12,7 bedeutet sowohl "Land" als auch "Erde bzw.
Welt" (59,198).
8 D.h.
aufgrund von menschlichem Zutun durch Werke.
9 Antwort:
als Unbeschnittener und damit den Heiden(Christen) ähnlich. Er wurde erst 17
Jahre später beschnitten!
10 Denn die
Verheißung einer weltweiten Nachkommenschaft, wurde dem Abraham schon
Jahrhunderte vor dem Gesetz am Sinai gegeben (Gen 15,1ff).
11 Sein
schwach werdender Glaube in Gen 16,1-4 und Gen 17,17-19 wird stillschweigend
und gnädig übergangen.
Römer 5
1 Die
zukünftige Errettung ist gemeint; vgl. 1Pet 1,9.
2 Mit Artikel
bedeutet οι πολλοι: die
Vielen. Es bedeutet aber nie: alle, denn das wäre παντες. Es wird
immer eine Mehrheit im Gegensatz zu wenigen, zumindest aber zu einem einzelnen,
gesehen. Vgl. auch: Jes 53,11-12; Mt 24,12; Mk 9,26; Röm 12,5; 1Kor 10,17.33;
2Kor 2,17. Hier sind mit den Vielen, zuerst alle Nachkommen Adams gemeint und dann
zweitens alle die durch die Wiedergeburt zu Nachkommen Christi wurden (vgl. Jes
53,11).
3 Diese
Versöhnung ist ganz und gar von Gott ausgegangen, sie muss allerdings vom
Sünder beansprucht werden, um für ihn wirksam zu werden (2Kor 5,20).
4 Das
Futurum bezeichnet hier die logische Folge: durch den Glauben an Christus werden
wir schon jetzt als Gerechte vor Gott gesehen (21,II,630), wenngleich diese
Gerechtigkeit erst in unserer zukünftigen Vollendung und Verherrlichung
vollends ihr Ziel erreicht haben wird.
5 Gen.obj.:
d.h. die Herrlichkeit, die dem Gläubigen als Sünder fehlte (Röm 3,23), die ihm
Gott aber jetzt verspricht und auch geben wird (Röm 8,17-21.30).
6 od.: "Denn
Christus ist, als wir noch schwach waren, noch zum rechten Zeitpunkt…";
od.: "…für damals noch Ehrfurchtslose gestorben." (vgl. 7,z.St.;
2,915; 27,512).
7 Mit Röm
5,12 beginnt der 2.Teil (Röm 5,12 - 8,39) des lehrmäßigen
Abschnitts im Römerbrief, das Thema der Befreiung von der Macht
der Sünde. Das Wort Sünde im Singular kommt ab hier 39x vor. Es geht in
diesem Abschnitt um die Befreiung von der Macht der Sünde durch Christi Tod,
indem wir auf geistliche Weise mit ihm mitgestorben, mitbegraben
und mitauferstanden sind. - Der Hauptsatz wird dann in Vers 18 wieder
aufgenommen: "Deswegen, … wie es folglich durch einen Fehltritt…"
(26,I,228).
8 Ein kaufmännischer
t.t.: "…in
Rechnung gestellt."
9 Dieser eine
war Adam.
10 D.h.
durch die Teilhaftigkeit an seinem Auferstehungsleben (2,z.St.), das durch die
Wiedergeburt in uns wohnt und nun in uns die Heiligung bewirkt, ohne die
niemand den Herrn schauen wird (Heb 12,14).
11 entw.
kausativ.: "…auf Grund dessen, dass
sie alle (schon in Adam? / und auch selbst?) sündigten"; od. konsekutiv
im Sinne einer Folge: "…woraufhin alle (auch selbst?) sündigten". Zu
den verschiedenen Auslegungen vgl. F. Godet (26,I,232ff). Wahrscheinlich will
Paulus sagen, dass im Sündenfall Adams alle seine Nachkommen miteingeschlossen
waren, obwohl sie nicht in der gleichen Weise wie Adam sündigten. Dies ist
nicht ungerecht, denn erstens haben sie alle auch selbst gesündigt, und
zweitens können sie alle durch die Aneignung des Sühnetodes Jesu, seine
Gerechtigkeit erben und so in die Stellung von Gerechten gesetzt werden (Röm
5,18-19). Wenn z.B. Eltern in ein tristes Land auswandern, werden ihre Kinder
automatisch in diesem tristen Land geboren. Doch sie können sich dann
entscheiden, aus diesem Land wieder auszuwandern, um ihr Schicksal zu ändern
(vgl. die Erklärung in 48,628ff).
12 Das
Bewusstsein der ständigen Liebe, die Gott zu uns (Gen.subj.) hat, und die
seit unserer Bekehrung in uns wohnt. Sie bestärkt uns darin, dass unsere
Hoffnung auf die Herrlichkeit nicht vergeblich sein wird (Vers 9b). Die richtige
Übersetzung ist: "… ausgegossen in unseren Herzen" (εν mit Dativ
der Ruhe), und nicht:
"…
ausgegossen
in unsere Herzen" (das wäre εις mit
Akkusativ der Bewegung). Daher ist die Übersetzung "in unsere
Herzen" nicht
korrekt (falsch in: 7,z.St. und 9,z.St.; und richtig in: 8,z.St.; 26,I,212;
13,33).
13 Wahrscheinlich
ist gemeint, Feinde seitens Gottes, d.h., dass Gott unser Feind wurde, weil wir
durch unsere Sünden seinen heiligen Zorn entfacht haben. Dementsprechend ist es
auch er, der uns von sich aus versöhnt hat (26,I,218ff).
14 Wir
dürfen uns rühmen bzw. triumphieren: (1.) in der Hoffnung auf die Herrlichkeit
Gottes (2.) in den Bedrängnissen, die wir bis dahin erdulden, und (3.)
schließlich sogar in Gott, der alles bewirkt hat (26,I,221).
Römer 6
1 Perfekt = jetziger
Zustand. Futurum = zukünftiger Zustand im Auferstehungs-Leib in dem wir nicht
mehr sündigen können (vgl. 1Kor 15,49). Dazwischen leben wir jetzt im Kampf
gegen die Sünde. Wir müssen nicht mehr sündigen (1Joh 3,6a.9), aber wir können
noch sündigen (1Joh 1,9; 2,1).
2 Ohne
Art., daher vielleicht geistlicher oder ewiger Tod? Oder beides? - Auch Sklaven
bekamen einen Sold (65,II,191).
3 Der
Gedankengang ist wahrscheinlich dieser: Ein gestorbener Sklave kann
nicht mehr zum Dienst (an der Sünde) herangezogen werden, und daher auch nicht
mehr für Sünde zur Rechenschaft gezogen werden (26,II,20). Interessant ist in
diesem Zusammenhang, dass, wenn ein nicht-jüdischer Sklave seinem jüdischen
Herrn davonlief, und dann durch die Proselytentaufe zum Judentum übertrat, frei
war. Denn nach jüdischem Gesetz war er durch diesen Übertritt ein "neuer
Mensch" geworden (65,II,190).
4 Der
verneinte Imp.Präs. entw.: "stellt nicht weiterhin/fortwährend…"; od.:
"hört damit auf...". Der Imp.Aor.: entw. als die normale Befehlsform;
od. ingressiv: "fangt an, euch…". - Vielleicht handelt es sich um eine
Anspielung an den römischen Heeres-Appell vor der Schlacht: "Stellt euch
zur Verfügung" (65,II,190), wofür auch der Ausdruck "Waffen"
sprechen könnte.
5
Iteratives Präsens: immer wieder erkennen, d.h. immer dann, wenn die Versuchung
zu sündigen, an uns herantritt, erkennen wir, dass wir nicht mehr sündigen
müssen. - Es sind sieben Schritte nötig, um die Versuchung zum Sündigen
siegreich abzuwehren: (1.) erkennen, dass wir mit Christus mitgestorben sind;
Vers 6-7. - (2.) wissen, dass wir mit Christus mitauferstanden sind; Vers 8-10.
- (3.) sich der Sünde für tot halten; Vers 11a. - (4.) sich Gott für lebend
halten; Vers 11b. - (5.) die Sünde nicht über uns herrschen lassen; Vers 12. -
(6.) unseren Körper nicht der Sünde zur Verfügung stellen; Vers 13a. - (7.)
sondern sich Gott zur Verfügung stellen; Vers 13b.
6 Das
Argument würde an Stichhaltigkeit verlieren, wenn nicht auch alle
Christen getauft wären (21,II,632). Im NT findet man keine ungetauften Christen
in den Gemeinden. Jeder der sich bekehrte wurde aufgrund des Befehls Jesu
unverzüglich noch am gleichen Tag getauft, und erst danach der örtlichen
Gemeinde hinzugetan (Mt 28,19; Mk 16,16; Apg 2,41; Röm 6,3; Gal 3,27 ua.).
7 Der "alte
Mensch" ist all
das, was der Gläubige vor seiner Bekehrung war. Ein Sklave der Sünde, der auf
Dauer gar nicht anders konnte als zu sündigen. Der Wiedergeborene ist kein
Sklave der Sünde mehr, und er wird es auch nie wieder sein (Joh 8,34.36). Der "alte Mensch"
ist ein für alle Mal gekreuzigt, gestorben und begraben. Was uns allerdings
noch bleibt, ist die alte Natur, die wir von Adam geerbt haben.
8
Iteratives Präs. frei übersetzt: "Rechnet immer wieder damit, wenn die
Versuchung an euch herantritt, dass ihr für die Sünde gestorben und daher tot
seid."
Ein Toter kann nicht mehr sündigen.
9 Die
beiden Aoriste bezeichnen den Zeitpunkt der Bekehrung, und vielleicht auch der
Taufe (21,II,637).
10 Tertullian
übersetzt an dieser Stelle mit lat. donativum, das ist das großzügige
Geschenk, dass der Kaiser den Soldaten am Neujahrstag oder an ihrem Geburtstag
gab (21,II,637). Diese Bedeutung ist sehr einleuchtend, weil das Wort "Sold"
ebenfalls ein militärischer Begriff ist.
11 Welche
praktische Auswirkung es hat, wenn wir verinnerlichen, dass wir mit Christus
mitgestorben, mitbegraben und mitauferweckt sind, könnte folgendes Beispiel
klarmachen. Nehmen wir an, wir wären einer der führenden Personen in einem
Mafia-Clan und wollen aussteigen. Die anderen würden uns "umlegen", sobald
sie könnten, denn wir wissen zu viel. Wir gehen also zum Staatsanwalt und
bieten ihm an auszupacken, wenn er uns in ein Zeugenschutzprogramm aufnimmt und
wir eine neue Identität bekommen könnten. Er stimmt zu, ein Autounfall wird
inszeniert bei dem wir "sterben" und
danach ein offizielles Begräbnis bekommen. Der Sarg fährt ins Krematorium, aber
er ist leer, doch nur die Behörden wissen das. Eine Sterbeurkunde wird für uns
aufgesetzt und wir sind offiziell tot. Dann bekommen wir eine neue
Geburtsurkunde, eine neue Staatsbürgerschaft, einen neuen Lebenslauf und eine
Gesichtsoperation, - eben eine neue Identität. Wir ziehen woanders hin und
werden uns nun peinlichst bemühen, der neuen Identität entsprechend zu leben,
und alles zu vermeiden, was an unsere frühere Identität erinnern könnte. Genau
so sollten wir unseren Lebenswandel als Wiedergeborene führen.
12 Wie könnte
ein Gläubiger überhaupt auf so eine Schlussfolgerung kommen? Nun, es wäre die
logische Schlussfolgerung von dem, was Paulus davor in Röm 5,20 gesagt hat:
Wenn das "Zunehmen der Sünde" zu "überfließender Gnade"
führt, dann gebe doch das Verharren in der Sünde Gott die Gelegenheit, noch
mehr Gnade walten zu lassen. Doch diese Schlussfolgerung wäre verwerflich, denn
Gott will unsere Heiligung und er züchtigt seine Kinder für Sünde (Heb 10,26-27.30-31;
siehe auch die dortigen Anmerkungen).
13 Der
Körper, der beim "alten Menschen" von der
Sünde gesteuert war, weil er ein Sklave der Sünde war.
Römer 7
1 Ex 20,17;
Dtn 5,21 (LXX).
2 Ohne
Art.: hier könnte das Gesetz ganz allgemein gemeint sein (z.B. auch das
römische Gesetz) und nicht nur das mosaische Gesetz. In diesem Abschnitt
geht es um die Beziehung zwischen unserem inneren Ich und dem Gesetz
Gottes. Das Wort "Gesetz" kommt allein
in diesem Kapitel 22-mal und die Worte "ich", "meiner", "mir", 48-mal
vor! Wenn ich, sei es als Unbekehrter oder als Gläubiger, das Gesetz
Gottes halten will, werde ich unweigerlich scheitern. Nur wenn ich als
Gläubiger, durch das stärkere Gesetz des Geistes das schwächere Gesetz der
Sünde in meinen Gliedern überwinde (vgl. Röm 8,2ff), werde ich ein Gott
wohlgefälliges Leben führen können. Vergleichsweise ist das etwa so, wie das
Gesetz des Auftriebs das Gesetz der Schwerkraft überwinden kann (z.B. bei Gasballons,
Flugzeugen, usw.).
3 Die
jüdische Frau hatte kein Recht, sich ohne die Zustimmung ihres Mannes scheiden
zu lassen. Nur der Mann hatte das Recht zur Scheidung. Paulus nimmt die Ehe
hier nur als Vergleich für die Beziehung des Gläubigen zum Gesetz und zu
Christus. Folglich argumentiert er vom Idealzustand der Ehe, nämlich einer
lebenslangen Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, die nur der Tod
scheiden kann. Paulus will hier keine spezielle Lehraussage über Scheidung und
Wiederheirat machen, denn dann würde er sich ja selbst widersprechen (vgl. 1Kor
7,11-15). Auch die anderen Aussagen über Ehe, Scheidung und Wiederheirat in Mt
5,32 und Mt 19,9 sind zu beachten. - Aus der Herrschaft des Gesetzes entkommt
man nur, indem man mit Christus mitgestorben und mitauferstanden ist (Röm
6,4f). Danach kann man mit Christus als seine "Braut" in eine neue "Ehe"
eintreten.
4 Impf: damit
ist der Zustand des alten Menschen als Sklave der Sünde gemeint. vgl.
Röm 6,6.
5 Der
Ausdruck nach dem Geist und nicht nach dem Buschstaben wird manchmal
missverstanden. So als ob die, die sich nach dem Wort Gottes richten wollen, "am Buchstaben kleben"
und alles zu genau nehmen, während nach dem Geist zu leben bedeuten solle,
alles nicht so genau zu nehmen, und freier und liberaler zu sein. Doch
nach dem Geist zu leben bedeutet, durch die Kraft des Heiligen Geistes das in unsere
Herzen geschriebene Gesetz zu erfüllen (vgl. Röm 2,29; 8,4; 2Kor 3,4-6).
6 Das
bedeutet wohl, dass unser alter Mensch bei der Bekehrung geistlicher Weise mit
Christus mitgestorben ist.
7 entw.:
"die Leidenschaften die zur Sünde führen"; od. wie ein Gen.qual.:
"die sündhaften Leidenschaften" (2,z.St.).
8 Damit ist
die alte Natur gemeint, die der Gläubige noch bis zu seiner Verwandlung bei der
Entrückung (1Kor 15,49-53) besitzt, und die sich dann manifestiert, wenn er mit
den Gliedern seines Körpers sündigt.
9 Damit ist
die neue Natur gemeint, die der Gläubige bei der Wiedergeburt empfangen hat
(2Kor 5,17).
10 Nämlich
das Gesetz der Sünde und des Todes (Röm 7,21-23; 8,2). Mit Gesetz ist hier
nicht das Gesetz Gottes gemeint, sondern eine Gesetzmäßigkeit, die so wirkt wie
ein Naturgesetz. Vgl. die Anm. zu Röm 8,2
11 Der
Gedankengang wird in Röm 8,1ff wieder aufgenommen.
12 Nicht nur
gestorben, sondern rechtmäßig hingerichtet.
13 Paulus
spricht ab hier in der 1.Person nicht (nur) von seiner eigenen Erfahrung (vor
seiner Bekehrung), sondern von der Erfahrung die jeder Mensch, sowohl vor als
auch nach seiner Bekehrung macht, wenn er "das Gute" tun will
(21,II,639). Es ist die allgemeine Gesetzmäßigkeit und Erfahrung, dass ein
Verbot die Lust zur Sünde erst so richtig provoziert, vergleichbar mit der
Warnung einer Mutter vor Weihnachten an den kleinen Hansi, sich ja nicht an die
Keksdose am Kasten ranzumachen, was diesen erst auf die Idee bringt, genau das
zu tun!
14 Vgl. Röm
4,15; 1Kor 15,56; Jak 1,14-15
15 Vgl. im
Gegensatz dazu Php 2,13
16 Paulus
macht hier keine umfassende Lehraussage über das Thema Scheidung und
Wiederheirat. Siehe dazu die Anm. bei Mt
5,32
17 Die
Anrede Brüder hatte Paulus seit Kap. 1,13 nicht mehr benützt (26,II,40). Man könnte
daraus schließen, dass der folgende Abschnitt von Gläubigen spricht, und weder
von Ungläubigen noch von der Zeit als Paulus noch nicht bekehrt war.
18 Gen.qual.,
d.h. diesem sterblichen Körper, welcher der Sünde, im Sinne von Röm 6,6 und Röm
7,5b, unterworfen ist (2,922; 44,475). Die Antwort auf diese Frage gibt Kap.
8,1ff.
19 Die Danksagung
bezieht sich auf das, was Paulus in Röm 8,1ff. darlegen wird, nämlich auf die
Befreiung von der Macht der Sünde durch das stärkere Gesetz des Geistes
(26,II,73f).
20 Vgl. 2Kor
10,5
Römer 8
1 Hiermit beginnt die
Fortführung des Gedankenganges von Röm 7,6. Dieses Kapitel beginnt mit "keine
Verdammnis mehr in Christus Jesus" und endet in Vers 39 mit: nicht
mehr getrennt von der Gottes Liebe Gottes in Christus Jesus (26,II,78f).
2 Nach römischen
Recht musste eine Adoption von mindestens zwei Zeugen bestätigt werden
(65,II,199). Kindschaft und Sohnschaft sind im NT nicht dasselbe. Ein Kind
Gottes wird man durch göttliche Zeugung bei der Wiedergeburt (Jak 1,18; 1Pet
1,23). Als Folge empfängt man göttliches, ewiges Leben. Die Sohnschaft ist die
Adoption der Kinder Gottes als Söhne Gottes. Als Folge davon werden wir auch
Miterben mit Christus sein (Röm 8,23; Gal 4,5-7).
3 Im Gegensatz zur Zeit vor
unserer Wiedergeburt (21,II,644).
4
Entweder allgemein: wegen der Macht der Sünde, die sie durch den Leib ausübt. Vielleicht
aber auch speziell wie in der LXX wo περι αμαρτιας
bedeutet: "...als Sündopfer" (in Unterschied zum Schuldopfer).
Vgl. Lev 4,33; 2Chr 29,24; Heb 10,6.8. Aber hätten die Heiden-Christen
in Rom diese spezielle Bedeutung verstanden?
5 Das Fleisch ist hier der Herrschaftsbereich
der Sünde, also dort wo sie ihre Macht ausübt, nämlich im menschlichen Körper
mit seinen Gliedmaßen. Der ewige Sohn Gottes nahm daher bei seiner
Menschwerdung, den gleichen Körper an wie wir ihn haben. Aber er lebte in
diesem gleichen Körper, ohne je zu sündigen. Daher konnte er unser fehlerloses
Opferlamm werden, und Gott konnte die Sünde im Körper Jesu richten,
indem er von Gott an unserer Stelle bestraft wurde, weil er unsere
Sündhaftigkeit auf sich nahm. Vgl. 2Kor 5,21 und Joh 3,14 (Jesus vergleicht
sich mit der Schlange). Vgl. zur Sache auch Röm 7,18 (21,II,644ff).
6 Sowohl sterben als auch leben
sind hier im übertragenen geistlichen Sinn zu verstehen, daher auch der Inf.Präs.
bei sterben; vgl. Offb 3,1b.2. Die Begriffe leben →
sterben und töten → leben stehen hier als Wortspiel
im bewussten Gegensatz.
7 Hier nicht von denen die Gott
liebt, sondern diejenigen die Gott (im Griech. betont) ausdauernd lieben
- und nicht die Welt - und seine Gebote halten, wie in Joh 14,21a; 15,10.23;
1Joh 2,5; 5,3. Ihnen müssen alle Dinge zum Guten mitwirken, sogar die
Folgen ihrer Sünden, denn die Züchtigungen Gottes dienen letztlich auch zu
unserer Heiligung (Heb 12,10; vgl. 21,II,111). - Der unumstößliche göttliche
Beschluss, also dass, was sich Gott vornimmt und auch ausführt. So auch in Röm
9,11; Eph 1,11; 3,11 und 2Tim 1,9
8 Mit dem Akkusativ der Person
bedeutet der Begriff, jemanden aus Liebe im Vorhinein zu etwas ausersehen und
daraufhin für sich auszuwählen (78,418). Vergleiche das Sprichwort: "Liebe
auf den ersten Blick". Das Simplex γινοσκω
findet sich in dieser speziellen Bedeutung in der LXX in Amos 3,2, und auch in
Joh 10,14-15.27 und Gal 4,9. - Zur Sache und zum alttestamentlichen Begriffרךע (yada = erkennen),
vgl. auch Gen 4,1; 18,19; Ex 2,25 (im hebr.) und Jer 1,5 (16,130; 33,667). Besonders
in Gen 18,19 kommt die vorherbestimmende Bedeutung des Wortes klar zum
Ausdruck: Es heißt dort nämlich nicht: "Denn ich habe (vorher)
erkannt (bzw. gewusst), dass er…", sondern: "Denn ich habe ihn
erkannt, damit er…". Das Wort hat dort also eine vorherbestimmende
Bedeutung, ebenso in Jer 1,5. - Hätte Paulus in Röm 8,29 die andere lexikalische
Bedeutung des Wortes gemeint, nämlich etwas im Vorhinein zu wissen, hätte er
den Akkusativ der Sache gewählt. Die Ansicht, dass Gottes Erwählung und
Vorherbestimmung aufgrund dessen geschah, dass Gott schon im Vorhinein gewusst
hat wer glauben wird und wer nicht (so: 26,II,113ff.; im Ggs. zu 78,418), - was
natürlich auf Grund seiner Allwissenheit der Fall ist, - ist zwar lexikalisch
möglich, aber aufgrund anderer Schriftstellen über die Erwählung und
Vorherbestimmung unwahrscheinlich. Das griechische Wort προ-γινωσκω hier nur im
Sinne von vorherwissen zu verstehen (wie in 2Pet 3,17), - nämlich, dass Gott
alles im Vorhinein weiß, - ist zu selbstverständlich, um es in diesem
theologischen Zusammenhang hervorzuheben. Vgl. auch die Anm. zu Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 11,2; 2Tim 1,9;
2,10; Tit 1,1-3 und 1Pet 1,1. - Bemerkenswert in der
darauffolgenden Reihenfolge ist, dass zwischen berufen und gerecht-sprechen, die
Buße und der Glaube ausgelassen sind, denn Buße zu tun und zu glauben ist die
Verantwortung jedes Einzelnen (Mt 3,2; Apg 2,38; 17,30; 20,21; 26,20 ua.). Dies
spricht gegen die Lehre von der "unwiderstehlichen Gnade". Ob Gottes
Vorherwissen, dass bestimmte Menschen sein Heilsangebot ablehnen werden, in
seine Erwählung und Vorherbestimmung eingeflossen ist, - und er diese Menschen
daher bewusst übergangen und gar nicht erwählt hat, - ist eine rein
philosophische Überlegung, die keine Beweis-Grundlage in der Schrift hat.
9 Das Erste und Beste der neuen
Ernte. Die Gabe des Geistes für die Gläubigen der Gemeinde ist nur eine
"Erstlingsgabe" im Sinne eines "Vorgeschmacks" für die
zukünftige Ausgießung des Geistes auf den ganzen Überrest Israels. Vgl. Joel
3,1ff mit Apg 2,16ff.
10 Griechisch: εν
ομοιωματι "in Fast-Gleichheit", oder: "im
Gleichgestelltsein"? Dass, was Nahe an Identität oder Gleichheit
herankommt. Der ewige Gottessohn wurde ganz Mensch und in diesem Sinn den
Menschen völlig gleich. Er blieb jedoch gleichzeitig wahrer Gott und war in
diesem Sinne den Menschen nur "fast-gleich" (Php 2,7). Paulus
gebraucht wohl absichtlich diesen zweideutigen Ausdruck und nicht ισοτης
= Identheit (Strong Nr.: 2471), um damit auszudrücken, dass Jesus wahrer
Gott blieb als er wahrer Mensch wurde. In Php 2,6 jedoch, wo es sich
um die völlige und wesensmäßige Identität mit Gott handelt, verwendet er das
Wort ισος = ident (Strong Nr.: 2470).
11 Das Anbrechen des zukünftigen
Zeitalters, d.h. des tausendjährigen Reiches, wird mit einer Geburt
verglichen, weshalb auch die Drangsale vor dem Kommen des Herrn mit Geburtswehen
verglichen werden.
12 Die Vorherbestimmung ist nicht
eine Vorherbestimmung zum Glauben, denn zu glauben ist die Verantwortung des
Menschen, sondern eine Vorherbestimmung zur Vollendung der Glaubenden. Es
heißt nicht, "gleichgestaltet seinem Sohn", sondern "gleichgestaltet
dem Bild seines Sohnes." Wir werden dem verherrlichten Christus nie
ganz gleich sein, wohl aber seinem Bild, d.h. seinem vollkommenen
Charakter. In diesem Sinn werden wir "sein wie er" (1Joh 3,2b). - Mit
dem Begriff "Bild" ist auf die neue, verklärte Leiblichkeit des
auferstandenen Christus Bezug genommen, woran die Erlösten in der Vollendung
teilhaben werden. Denn der Sohn ist das Bild Gottes schlechthin. Im
Hintergrund steht der Gedanke der erneuerten Gott-Ebenbildlichkeit (vgl. Gen
1,26-27). Zum Gedanken, dass Christus das Bild Gottes ist, vgl. auch 2 Kor 4,6;
Kol 1,15; Hebr 1,3 (vgl. 47,z.St.).
13 Die "Rechtsforderung
des Gesetzes" bedeutet, ein gerechtes Leben zu führen. Das
können wir nur tun, wenn wir "nach dem
Geist" leben. Dieses Leben
"nach dem Geist" ist hier einem Leben "nach dem Fleisch"
gegenübergestellt. "Fleisch" bezeichnet in der Bibel das Irdische und
Vergängliche, das, worauf man sich nicht verlassen darf, wenn man nicht der
Sünde verfallen will. Deshalb kann das Wort "Fleisch" auch den
Menschen bezeichnen, der von der Sünde beherrscht wird (vgl. 47,z.St.). Vgl.
Gal 5,19-22
14 Andere Hs.
lesen: "...dich" Es ist zwar schwer zu beurteilen, welche Lesart die
ursprüngliche ist (vgl. 27,516), doch scheint "...mich…" die
ursprüngliche Lesart zu sein (26,II,80).
15 Entweder
pass.: "Denn was dem Gesetz Mose unmöglich war (nämlich zu erretten), - weil...es
schwach war, - (das tat) Gott, indem er..." (2,923; 26,II,81); od. akt.: "Denn
die Ohnmacht des Gesetzes, welches durch das Fleisch schwach war, (beseitigte)
Gott, indem er... " (21,II,644).
16 "...im
Fleisch sein" bedeutet den Geist nicht zu haben und daher nicht wiedergeboren
zu sein. Ein Wiedergeborener ist nicht mehr "im Fleisch",
sondern "im Geist". Dennoch kann er noch "nach dem
Fleisch sinnen", ja sogar "nach dem Fleisch leben".
17 Gesetz
hat hier die Bedeutung "Gesetzmäßigkeit", vergleichbar mit dem
Naturgesetz der Schwerkraft, das nach unten zieht, und dem Naturgesetz des
Auftriebs, das nach oben zieht. Genauso zieht das Gesetz der Sünde nach unten
zum Sündigen, das Gesetz des Geistes aber zieht nach oben und befähigt zum
gerechten Tun.
18 Wie in
2Thes 1,6
19 Dies soll
keine Unsicherheit in Bezug auf die Adressaten ausdrücken, sondern eine feste
Annahme, daher:
"…wie es ja gewiss bei euch der Fall ist"
(2,923.1403).
Andererseits spricht er im nächsten Satz auch gleich die Ermahnung aus, dass
jemand nur dann ein echter Gläubiger ist, wenn der Geist Christi in ihm wohnt.
Diese Beweisführung zieht sich auch durch die nächsten Verse in Röm 9,10-17
(26,II,89).
20 Mit Tod
ist im übertragenen Sinn der geistliche Tod gemeint (Röm 6,23), also dass, was
vor Gott wertlos ist. Es ist die Trennung von Gott, die im ewigen Verderben
endet. Mit Leben ist hier im übertragenen Sinn das geistliche Leben gemeint,
also dass, was vor Gott Bestand hat, bleibende Frucht.
21 Ps 44,23
(LXX).
22 Knüpft an
Vers 9a an.
23 Hier
bezieht sich die Sohnschaft auf jeden einzelnen Gläubigen, in Röm 9,4 dagegen kollektiv
auf das ganze Volk Israel.
24 Dass
Paulus hier den Aorist und nicht das Futurum verwendet, spricht für seine
Naherwartung.
25 Im Aramäischen als
Anrede im Familienkreis gebraucht, um innige Verbundenheit auszudrücken. Die vertrauliche Form, mit der man den
Familienvater anredete (vgl. 47,z.St.). Diese Anrede war bei den Juden für Gott
nicht üblich (1,1; 65,I,281).
Römer 9
1 Gen 21,12 (LXX). Betont: in Isaak,
und nicht in Ismael.
2 Gen 18,10.14, Die Verheißung lag
also auf Isaak und nicht auf Ismael.
3 Gen 25,23 (LXX). Dem Zitat gehen
die Worte voraus: "Zwei Nationen sind in deinem Leib…". Esau persönlich
hatte Jakob niemals gedient, - Jakob nannte Esau sogar seinen Herrn und sich
selbst Esaus Knecht (Gen 32,5-6.19-21; 33,6-8.14-15). Sehr wohl aber mussten Esaus
Nachkommen, die Nation der Edomiter, Jakobs Nachkommen, den Israeliten, dienen
(1Sam 14,47; 2Sam 8,14; 1Kön 11,15; 2Chr 25,19).
4 Diese Worte aus Mal 1,2f (LXX), wurden
erst Jahrhunderte nach Jakob und Esau ausgesprochen, daher sind in Maleachi die
Nachkommen Jakobs, das Volk Israel, und die Nachkommen Esaus, die Edomiter,
gemeint. Damit wird klar, dass Paulus in Röm 9 - 11 nicht von der Erwählung und
Verwerfung von Personen spricht, sondern von der Erwählung und Verwerfung
von Völkern. Allerdings enthalten diese Kapitel allgemeine
Charakteristiken für Gottes Erwählung: (1.) seine absolute Souveränität bei der
Auswahl; (2.) Gottes Erwählung geschieht immer aufgrund seines Vorsatzes und
seiner Gnade, sowohl bei Israel als auch bei einzelnen Menschen, und nicht
aufgrund dessen, was ein Mensch tut oder noch tun wird, obwohl Gott dies
bereits im Voraus weiß. - Vgl. auch die
Anm. bei Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 8,28-30; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3; 1Pet
1,1-2
5 Ex 33,19 (LXX)
6 Ex 9,16; MT und LXX lesen:
"...habe ich dich am Leben erhalten". Zur Frage bezüglich der
Verantwortlichkeit des Pharaos für seine Rebellion, vgl.: 60,497ff.
7 Jes 29,16 (LXX). Der Kontext in
Jesaja (Verse 9-26) zeigt, dass es bei dem Lehm um das Volk Israel, und um die
einzelnen Israeliten (= Gefäße) geht.
8 Hos 2,25. Diese
Bibelstelle bezieht sich in Hosea auf eine zukünftige Wiederherstellung eines
Überrests aus Israel, und nicht auf die Nationen, wie auch das Zitat aus
Jesaja 10,22-23 in Röm 9,27.29, und in 1Pet 2,10 zeigt (78,465),. Auch Paulus
wendet es hier, im Anschluss an Vers 22, auf die gläubig gewordenen Juden-Christen
an. Sie sind sozusagen schon eine Erstlingsfrucht des zukünftigen Überrestes.
9 Hos 2,1 (LXX). Indem Paulus das
Zitat in der Zukunftsform ("…werden sie Söhne des lebendigen
Gottes gerufen werden.") wiedergibt, und nicht
in die Vergangenheitsform setzt ("…wurden sie Söhne des lebendigen
Gottes gerufen.") macht er klar, dass diese
Prophezeiung sich mit der Rückkehr des Volkes aus der babylonischen
Gefangenschaft noch nicht erfüllt hatte.
10 Jes 10,22-23;
Hos 2,1b (LXX)
11 Gemeint ist vielleicht, dass
Gott seine Verheißungen für Israel zwar erfüllt, sie aber zugleich auch verkürzt,
indem der ungläubige Teil des Volkes verworfen wird, und sie nur dem gläubigen
Überrest zugutekommen (21,II,666); od.: "Der Herr wird auf Erden kurz und
summarisch Abrechnung halten" (26,II,162).
12 Jes 1,9 (LXX). Ein Irrealis,
d.h. Gott hat aus Israel eben doch einen Überrest übriggelassen, darum sind sie
nicht wie Sodom und Gomorra gerichtet worden, obwohl sie das verdient
hätten.
13 Jes 28,16; 8,14. Dieser Stein des
Anstoßes ist Jesus als Israels Messias. Wer von den Juden ihn ablehnte, wurde
zuschanden, wer aber auf ihn vertraute, wurde gerettet.
14 Als Gegenstück dazu, dass Jesus
der Messias "nach dem Fleisch"
ist, könnte daraufhin seine Gottheit herausgestrichen sein, da Gott ohne
Artikel steht, was sonst kaum der Fall ist. Damit wäre die Gottheit Christi von
Paulus bezeugt, wie auch an anderen Stellen im NT: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39;
20,28; Tit 2,13; 2Pet 1,1. Vielleicht ist aber auch Gott der Vater gemeint, dann
wäre zu übersetzen: "...nach dem Fleisch. Der über allem Seiende Gott, (er
sei) gepriesen..."; od.: "...der Messis nach dem Fleisch, der über allem
Seiende. Gott (sei) gepriesen..." (27,520ff; 21,II,658f; 26,II,134; 78,433ff).
15 Es soll wohl der Gegensatz zu
Abraham hervorgehoben werden, der von zwei Frauen zwei Söhne hatte.
Isaak dagegen hatte nur von einer Frau zwei Söhne, dennoch erwählte Gott
den Zweitgeborenen.
16 Vgl. Jer 18,3-6. Bei dem aus der
alttestamentlichen Prophetie aufgegriffenen Töpfergleichnis, geht es nicht um Einzelpersonen,
sondern um Völker (Jer 18,7-9). Ebenso in Röm 9,9-13, siehe Anm. dort.
Für Paulus geht es vor allem um die Langmut Gottes mit den "Gefäßen des
Zorns" (= der ungläubige Teil im Volk Israel), die zur Umkehr führen soll
(Röm 2,4). Es handelt sich also nicht um eine Vorherbestimmung zur Verdammnis
von Einzelpersonen, sondern um die temporäre Verwerfung Israels
als Volk Gottes (z.B. Hos 8,8 ua.). Aber diese Verwerfung Israels ist eben nur temporär,
denn wenn die Gemeinde aus Juden und Heiden, als "die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird"
(Röm 11,25), dann wird Gott sich wieder seinem irdischen Volk Israel zuwenden,
und einen Überrest aus Gnade für sich erwählen und erretten (vgl. Lev 26,44-45;
Dtn 30,1ff; Jer 30,7-11; Sach 12,9-12a; Röm 11,1-26).
17 So wie z.B. den Pharao, den Gott
längere Zeit ertrug, obwohl er bereits von Anfang an wusste, dass dieser
sich ihm widersetzen würde (Ex 3,19). Hier wird nicht ausdrücklich gesagt, wer
sie zubereitete, - im Gegensatz zu Vers 23, wo steht "…die er
vorher bereitete". Das Partizip Perfekt Passiv bezeichnet einen
gegenwärtigen Zustand, der sich in früherer Zeit gebildet hat, und in 1Thes
2,15-16 wird gesagt, dass die ungläubigen Juden selbst zu diesem Zustand beigetragen
haben. Die 40-jährige Langmut Gottes bis zur Zerstörung des Tempels im Jahr 70
n.Chr., ermöglichte es einigen Juden durch den Glauben an Christus dem Zorn zu
entfliehen (26,II,156), doch die Mehrheit des Volkes verhärtete sich (Apg
13,45-50; 14,2; 18,6 ua.), und wurde dann, so wie einst der Pharao, auch noch von
Gott selbst verhärtet (Röm 11,7b.-10.25; 2Kor 3,14). So konnte Gott sich den
Heiden zuwenden - bis deren Vollzahl errettet sein wird - und Israel dadurch
eifersüchtig machen, was in der Zukunft zu einer Bekehrung eines Überrestes
führen wird.
18 Paulus lässt die Wörter "ihre
Zwillinge" weg, vielleicht, weil er andeuten wollte, dass Gott in Gen
25,23 von Völkern sprach.
19 "εν τω
τοπω..."; d.h.: "...an dem Ort wo (d.h. in Israel)".
Paulus zitiert hier aus der LXX Hos 2,1 und fügt extra das Wörtchen εκει
(= dort) in sein Zitat ein. Das bedeutet, dass an dem gleichen Ort wo Gott
Israel als sein Volk verwarf, nämlich im Land Israel, dass er sie auch genau dort
als sein Volk annehmen wird, und zwar, nachdem er sie wieder ins Land gebracht
hat (daher Futur: "Und es wird sein…"); vgl. Hos 2,23. Viell. aber:
"stattdessen, dass..." (1,1641).
20 In diesen
drei Kapiteln geht es um das Volk Israel. Das sieht man auch darin, dass von
den 72 Stellen, in denen der Ausdruck Israel und Israeliten in den 260 Kapiteln
des NT vorkommt, er allein 13-mal nur in diesen 3 Kapiteln vorkommt. Und in
keinem anderen Teil des NT kommen geballt so viele Zitate und Anspielungen auf
das AT vor, wie in diesen 3 Kapiteln. Die Notwendigkeit für den
Einschub von Kapitel 9 - 11 ergibt sich aus dem, was Paulus bisher dargelegt
hat, nämlich, dass sowohl Juden als auch Heiden auf der gleichen Grundlage und
ohne Unterschied gerechtfertigt werden, nämlich aus Gnade durch Glauben. Für
die Juden und Juden-Christen erhob sich damit die Frage, welche Vorrechte sie
als Gottes auserwähltes Volk dann noch haben. Darauf
gibt Paulus nun in Kapitel 9 - 11 eine dreifache Antwort: (1.) Israel hat sehr
wohl noch Vorrechte (vgl. Röm 3,1-2), welche die Heiden-Christen nicht haben; siehe
Röm 9,4-5. - (2.) Nicht jeder Jude ist durch seine natürliche Abstammung von
Abraham, automatisch auch ein wahrer Jude, an dem Gott Wohlgefallen hat. Die Juden
zurzeit Jesu ruhten sich auf ihrer natürlichen Abstammung von Abraham aus und
waren sich sicher, dadurch in den Himmel zu kommen. Doch dies war ein
Trugschluss. Vgl. Mt 3,9; Joh 8,39ff; Röm 2,28-29. - (3.) Gott erwählte Israel
zu seinem besonderen Volk, aber nicht, weil sie besser waren als die anderen
Völker, sondern aus reiner Gnade (Dtn 7,6-8). Nachdem aber Israel Jesus als
Messias ablehnte, setzte Gott Israel auf die Seite, - aber er hat sie nicht
endgültig verstoßen (Röm 11,2), - und wandte sich den Heiden zu, um sie zu
erretten, und gleichzeitig sein Volk Israel eifersüchtig zu machen (Röm 11,11).
Wenn sich die Vollzahl (d.h. alle Auserwählten) der Heiden bekehrt hat und der
Gemeinde hinzugetan wurde, wird sich Gott wieder seinem Volk Israel zuwenden
und einen Überrest erretten. - Daher geht es in diesen Kapiteln auch nicht um
die persönliche Erwählung oder Verwerfung von einzelnen Menschen, sondern um
die Erwählung von Völkern, und um die Beiseitesetzung Israels als Gottes Volk.
21 Der Vorsatz Gottes geschieht
aufgrund von Erwählung, d.h. er unterscheidet zwischen Volk und Volk (Jakob steht
für Israel und Esau für Edom), und zwar ohne Rücksicht darauf was dieses Volk getan
hat oder noch tun wird (21,II,661).
22 Stärker
als ελεεω (= erbarmen, Strong Nr. 1656), denn es betont mehr die
Gefühlsbewegung, die aus dem Erbarmen entspringt.
23 Gott wusste von Anfang
an, dass sich der Pharao selbst verhärten wird (Ex 3,19). Zuerst
verhärtete der Pharao selbst sein Herz (Ex 7,13-14.22-23; 8,11.15.28;
9,7.35), erst danach verstockte auch der Herr sein verhärtetes Herz (Ex
9,12; 10,20.27; 11,10; 14,4.8.17), damit er alle seine Wunder an Ägypten bis
zuletzt tun konnte. Der Pharao wäre sonst schon vorher "in
die Knie gegangen" (Ex
9,15-16).
24 Damit sind zuerst einmal die
Juden-Christen als erwählter Teil des gesamten jüdischen Volkes gemeint, denn
die darauffolgende Stelle aus Hos 2,25 bezieht sich auf die Wiederherstellung
eines Überrests aus Israel (65,II,206). Aber im Zwischensatz wird es natürlich
gleich darauf auch auf die Heiden-Christen angewandt, die Gott in der
Zwischenzeit zu sich ruft. Beide zusammen bilden das neue Volk Gottes, die
Gemeinde, die aber Israel nicht ersetzt, denn Israel wird in der Zukunft wieder
"sein Volk"
sein (Hos 2,1b; Röm 9,26).
25 Der Indikativ Imperfekt
bezeichnet hier einen unerfüllbaren Wunsch (26,II,131). Mose
äußerte den gleichen Wunsch in Ex 32,32-34
26 Mit Gen.: zugunsten/im
Interesse von... (1,1672).
27 In Röm 8,15 bezieht sich die
Sohnschaft auf jeden einzelnen Gläubigen, hier kollektiv auf das ganze Volk
Israel. Vgl. Ex 4,32 und Hos 11,1
28 Wäre Paulus der Meinung gewesen,
dass die Verheißungen Israels im AT, nun vergeistigt auf die Gemeinde angewendet
werden müssen, weil die Gemeinde das "Israel
Gottes" ist, könnte er wohl nicht so sprechen wie
hier. Vgl. auch die Anm. bei Gal 6,16
29 Der Ausdruck "nach
dem Fleisch" bezieht sich hier und an weiteren Stellen
auf die natürliche Abstammung von jemandem.
Römer 10
1 Lev 18,5
2 Dtn 9,4a;
30,12ff. Aufgrund
des Kontextes in beiden Zitaten will Paulus folgendes sagen: Die Gerechtigkeit
vor Gott braucht nicht durch die eigene Gerechtigkeit durch das Gesetz, vom
Himmel herabgeholt zu werden, denn sie ist in Christus, der von den Toten
auferstanden ist, schon gekommen (Spr 30,4). Man empfängt sie durch den Glauben
den Paulus predigt (Vers 8).
3 Ps 107,26
4 Dtn 30,14
5 Jes 28,16
6 Joel 3,5
(LXX). Um gerettet zu werden, muss man also im Herzen auf das stellvertretende
Sühneopfer Jesu vertrauen (Vers 10-11) und daraufhin ihn als Retter anrufen.
Ein bloßes für wahr halten des Evangeliums reicht nicht.
7 Jes 52,7;
Nah 2,1
8 Jes 53,1
(LXX)
9 Ps 19,1-5
(LXX). Mit diesem Zitat beweist Paulus, dass in der Schöpfung alle Menschen
eine Botschaft Gottes hören und sehen können, aufgrund der sie verantwortlich
sind den unsichtbaren Gott zu suchen und zu ehren (Röm 1,19-21; Apg 17,26-27).
Darüber hinaus hat auch noch jeder Mensch das Gewissen, dass ihn anklagt,
gegenüber diesem unsichtbaren Gott schuldig zu sein (Röm 2,15-16). Darüber hinaus
meint Paulus vielleicht auch die Predigt des Evangeliums zu den Juden in allen ihren
Synagogen (26,II,187).
10 Dtn 32,21
(LXX)
11 Jes 65,1
(LXX); od. viell.: "nicht nach mir
Fragenden". Gemeint sind (sowohl von
Jesaja als auch von Paulus) die Heiden, die das Evangelium annahmen
(26,II,189).
12 Jes 65,2
(LXX). Während Jesaja im Vers 1 von den Heiden ("einer
Nation") spricht, spricht er im
Vers 2 von seinem Volk Israel, was auch Paulus so versteht und anwendet.
13 Plural:
d.h. die Vorschriften des Gesetzes.
14 Bei der
Taufe? vgl. Apg 22,16 und Jak 2,7 - Das Zitat aus Joel 3,5 wird hier von Paulus
auf Christus angewendet. Mit HERR ist hier also Christus gemeint, wie Vers 9
und 12 beweisen.
15
Wahrscheinlich ein Gen.obj., wie in Vers 8: "...durch die Verkündigung
über Christus"; oder ein Gen.subj.: "…Ausspruch Christi",
d.h. "...durch
einen Ausspruch, nämlich den Missions-Befehl, von Christus" (26,II,187).
16 Vielleicht
bedeutet εις hier: "...aufgrund
von Errettung", wie in Mt 3,11; 10,41;
12,41; Apg 2,38. Doch ein Bedeutungswechsel vom vorigen εις im gleichen Satz,
ist fraglich (2,z.St.).
17 Denn das
Gesetz sagt: "Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben"
(Lev 18,5; Gal 3,12). Wer aber zum Glauben an Christus kommt, wird nicht durch
das Tun des Gesetzes gerechtfertigt, sondern aus Gnade. - Das Wort τελος
bedeutet Ziel und Ende (1,1618). Christus ist das Ziel des Gesetzes, weil
dieses nur ein Zuchtmeister auf Christus hin war (vgl. Gal 3,21-25).
Außerdem haben sich in Christus alle messianischen Voraussagen und alle moralischen
Anforderungen des Gesetzes erfüllt und somit ihr Ziel erreicht (Mt 5,17). Christus
ist aber auch das Ende des Gesetzes als einem Weg, der zur
Rechtfertigung vor Gott führen könnte (vgl. Vers 5), was ja nicht möglich ist.
Er ist damit jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit geworden (vgl. 1Kor 1,30; Röm
8,1).
18 Die Verwendung der Passiva hier ist auffällig. Will Paulus damit die völlige Verdienstlosigkeit des Menschen (26,II,182), und die Mitwirkung Gottes zum Glauben und zum Bekennen ausdrücken? Wie in Eph 2,8
19 Kann es wirklich sein, dass der Gott der "will, dass alle Menschen errettet werden" (1Tim 2,4; 2Pet 3,9; Hes 18,23), jemanden verdammt, der nicht an Jesus glauben konnte, weil er nie von ihm gehört hat? Denn es gibt nachweislich entlegene Gebiete auf dieser Erde, wo das Evangelium erst im 20.Jhdt. gepredigt wurde. Vgl. dazu auch die Anmerkungen bei Röm 2,7 und Mt 25,32.40
20 Es geht also nicht darum, dass sich Freiwillige für die Mission melden, wie es heute in der modernen Mission oft durch Anwerbung der Fall ist, sondern Gott selbst sucht sich seine Werkzeuge aus und sendet dann diese aus (Mt 9,37-38; Mk 3,13 ["die er wollte"]; Apg 13,2.4a). In der Kirchengeschichte haben solche Männer und Frauen mehr für das Reich Gottes erreicht als die große Schar von freiwilligen Missionaren, die manchmal nur die Mühen des "normalen" Christenlebens in der Heimat scheuen und in den Missionsdienst fliehen, wo sie durch Spendengelder versorgt werden.
Römer 11
1 1Sam 12,22; Ps 94,14. Das
Thema dieses ganzen Kapitels ist die zeitweilige Verwerfung des
ungläubigen Teils von Israel, und die darauffolgende Berufung der Heiden zum
Heil. Zusammen mit dem gläubigen Überrest der Juden, die sich ab Pfingsten
bekehrten, bilden die bekehrten Heiden dann Gottes neues Volk die Gemeinde, was
aber nicht bedeutet, dass Israel als Gottes Volk endgültig verstoßen wird. Nachdem
sich alle auserwählten Heiden bekehrt haben, wird Gott in der Zukunft aus den
Juden einen auserwählten Überrest erretten (Röm 11,25-26 ua.).
2 1Kön 19,10.14
3 1Kön 19,18
4 Dtn 29,3; Jes 29,10
5 Ps 69,23-24 (LXX). Mit "Tisch"
ist vielleicht der Brandopferaltar im Tempel mit seinen Opfern gemeint. Dieser
hat durch den Opfertod Jesu jetzt seinen Zweck verloren (59,207).
6 Manchmal wurden bei einem
kultivierten Ölbaum der kaum mehr Früchte trug, Zweige eines wilden Ölbaums
aufgepfropft, um ihn zu retten. Zu diesem Zweck wurden die unproduktiven
ursprünglichen Zweige vorher ausgebrochen. Diese Art von Aufpfropfung galt als "wider
die Natur" (65,II,212).
7 Das Zitat fügt sich
zusammen aus LXX: Jes 59,20-21; Jes 27,9 und vielleicht Ps 110,2 - Also bekehrt
sich der Überrest erst bei der Wiederkunft Christi, wenn er am Ölberg ankommt
und sie ihn als ihren Messias erkennen, wie auch Sach 12,10-14 zeigt. Dieses
Wehklagen des Überrestes bei Christi Wiederkunft wird auch in Mt 24,30 und Offb
1,7 ("…alle Stämme des Landes [Israel]") zum Ausdruck gebracht
(26,II,215).
8 Jes 27,9
9 Jes 40,13 (LXX)
10 Hiob 41,3
11 entw.: "unter dieser
Voraussetzung..."; vgl. Apg 9,20; od.: "dann erst...", vgl. Apg
17,33; 20,11; 27,17; od.: "nur auf diese Weise...", d.h. indem die
Heiden zuerst gerettet werden; vgl. Apg 15,14ff.
12 Der Ausdruck bedeutet nur,
dass Israel als Gesamtheit gerettet wird, aber nicht unbedingt jeder
Einzelne (65,II,213; 26,II,214). Also zuerst die Gläubigen des AT, dann die Erstlinge
aus den Juden zu Pfingsten und später der jüdische Überrest in der Endzeit
(Offb 7,1-8). Zusammen ergeben sie dann die Vollzahl der Auserwählten (Vers 7
und 28) und somit "ganz Israel". Vgl. 2Sam 5,5; 2Chr 12,1; Hes 37,11;
Apg 2,36
13 Eine eindeutige Anspielung
auf Am 3,2 im Text der LXX: "Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der
Erde erkannt" (wo aber in der LXX nicht προ-γινοσκω, sondern das Simplex
γινοσκω steht), und auf Dtn 10,15. In Amos 3,2 kann mit γινοσκω aber nicht
gemeint sein, jemanden bloß zu kennen, zu durchschauen oder im Vorhinein zu wissen,
was er tun wird, denn wenn Gott das nur von Israel wüsste, würde es die
Allwissenheit Gottes einschränken. Gott erkannte nämlich von allen Völkern
alles im Voraus, und nicht nur von Israel. Daher liegt in Amos 3,2 die spezielle
hebräische Bedeutung des zugrundeliegenden hebräischen Wortes רךע (yada = kennen; hebr. Strong
Nr.: 03045) vor. Gott hat sich schon in der Ewigkeit aus Liebe Israel für sich
ausersehen (Dtn 10,15), und darum verstößt er sein Volk auch nicht, wenn sie
ungehorsam sind, sondern er züchtigt sie und errettet auf jeden Fall in der
Zukunft einen Überrest aus dem Volk (vgl. Jer 30,7.11). Das gleiche hebr. Wort finden
wir zuerst in Gen 4,1 und in Ex 2,25b im hebr. Grundtext, sowie in Hos 5,3 und
13,5. Besonders klar wird die übertragene Bedeutung in Gen 18,19, wo Gott über
Abraham sagt: "Ich habe ihn erkannt, damit er…",
und nicht: "Ich habe erkannt, dass er…". Das
persönliche Erkennen führt also zu einer persönlichen Vorherbestimmung. - Auch
jeder Wiedergeborene ist in diesem Sinn, aufgrund von Gottes souveränen Willen
und Vorsatz, von Gott persönlich im Voraus ausersehen, erwählt und dazu vorherbestimmt
in den Himmel zu kommen. Vgl. auch die Anm. bei Röm 8,29
14 Das ist die Gesamtheit der
Auserwählten aus den Nationen, die in den "Zeiten der Nationen"
(Lk 21,24) bis zur Entrückung der Gemeinde gläubig wurden.
15 od.: "...er hat alle
(d.h. Juden und Heiden) in den Ungehorsam (wie in einem Gefängnis)
eingeschlossen" (2,z.St.).
16 Diese Auswahl waren zur
damaligen Zeit die Juden-Christen (Röm 9,27) und nicht die Gemeinde. Die ersten
Bekehrten in der Urgemeinde waren ja bis zu Kornelius (vgl. Apg 11,18b) nur
Juden. Vgl. auch die Anm. bei Mt 16,19
17
Es gibt
acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT
geoffenbart wurden. Vgl. dazu die Anm.
bei 1Kor 2,7
18 D.h. so wie Pharao, wurden
sie in ihrem selbstgewählten Unglauben und in ihrer Verhärtung von Gott
verstockt (Röm 11,25; 2Kor 3,14).
19 Damit sind sicherlich die
Erstbekehrten aus den Juden ab Pfingsten gemeint. Mit dem restlichen Teig dann
der jüdische Überrest der sich in der Zukunft bekehren wird. - Das Bild ergibt
sich aus Num 15,18-21. Die Israeliten mussten, sooft sie vom Brot des Landes aßen,
vorher einen Teil des Teiges auf die Seite legen, woraus dann ein Kuchen für
die Priester gemacht wurde. Dieser erste Teil wurde απ-αρχη genannt
(26,II,207).
20 D.h. sämtliche im Gegensatz
zu nur einem Teil (1,1277).
21 Mit dem "du"
ist nicht der Einzelne Gläubige gemeint, sondern verallgemeinernd der
Gläubige in seiner Eigenschaft als einer aus den Nationen. Es unterstützt daher
nicht die Lehre von der Verlierbarkeit des Heils (26,II,211).
Römer 12
1 Dtn 32,35
2 Spr 25,21-22
(LXX)
3 Vernünftig,
im Gegensatz zum mechanischen Gottesdienst des AT (44,z.St.). Möglich wären
auch die Bedeutungen: wirklicher, oder geistlicher Gottesdienst, jedenfalls
immer im Gegensatz zum buchstäblichen Gottesdienst im AT. Oder: euer
wortgemäßer Gottesdienst. Die völlige Auslieferung und Hingabe unseres Körpers,
ja unseres ganzen Seins, an Gott, ist die Voraussetzung für jede weitere Art
von "Gottesdienst"
(z.B. Versammlungen, Mission, Almosen, Hilfeleistungen, usw.). Diese Hingabe
bewahrt uns vor eigenwilligem Gottesdienst.
4 Im
Gegensatz zu den Opfern im AT, die ja tot waren.
5 Wahrscheinlich
als toleratives Imp.Präs.Pass.: "lasst
euch nicht fortwährend äußerlich anpassen (bzw. prägen)"; od. viell. als Med.: "passt euch nicht…".
6 od.: toleratives
Imp.Präs.Pass.: "sondern lasst euch fortwährend von innen her
umgestalten" (26,II,233). - Die Welt will den
Gläubigen von außen nach innen prägend verändern, Gott aber will uns
durch den innewohnenden Heiligen Geist von innen nach außen umgestalten
und heiligen (vgl. auch 1Pet 1,14-15).
7 Mit "dem Maß des Glaubens"
dürfte die Gnadengabe(n) gemeint sein, die Gott jedem Gläubigen schenkt, um
damit in der Gemeinde zu dienen (vgl. Vers 6-8). Diese soll er treu
ausführen, und nicht auf Dinge sinnen, die Gott ihm nicht gegeben hat
(26,II,236). Dennoch darf jeder auch nach weiteren Gnadengaben trachten (1Kor
14,13). Ob der Heilige Geist sie ihm gibt, entscheidet aber Gott allein (1Kor
12,11).
8 Die
folgenden Partizipien und Infinitive von Vers 10-13 und 16-19, sind
wahrscheinlich imperativische Partizipien und Infinitive, wobei mehr unsere
Eigenschaften hervorgehoben werden sollen, im Gegensatz zu den Imperativen in
Vers 14 und 15 (2,940; 13,129).
9 Hier
beginnt der dritte Teil des Römerbriefs. Er handelt von der rechten
Lebensführung der Gläubigen. Der rechte, vernünftige Gottesdienst verwirklicht
sich nicht allein in den gottesdienstlichen Versammlungen, sondern umfasst das
ganze Leben (vgl. 47,z.St.). Jeder Tag bis zum Lebensende soll dazu dienen,
sich für Gott aufzuopfern. Wie bei einer Kerze, die, um zu leuchten, sich immer
mehr verzehrt. - Die Ermahnung war die mildeste Form der Korrektur und
entspricht nicht der Strenge, die in dem deutschen Begriff ermahnen steckt. Sie
beinhaltet immer auch eine Ermunterung, etwas zum Guten zu verändern und so
Segen zu bekommen. - Zur Struktur des Satzes siehe die Grafik: https://drive.google.com/file/d/16RO2ypXwjig9VkSN95-2l2AbCH2ieWkC/view?usp=sharing.
10 Die nun folgenden
Kapitel 12-15 sind die praktische Fortsetzung der
vorigen Kapitel (wie in Eph 4,1).
11 Mit dem
Plural Barmherzigkeiten sind all jene Gütigkeiten Gottes gemeint, welche
Paulus in den vorigen Kapiteln genannt hat (26,II,230ff), und die wir als
Gläubige täglich von Gott erfahren. Mit dem hebräischen Abstraktionsplural
werden sie hier in der Bedeutung eines Singulars zusammengefasst (2,z.St.).
12 Das Wort ist
auch ein t.t. der Opfersprache (vgl. Lk 2,22). Der Sünder musste zuerst dem
Priester, und damit Gott, sein fehlerfreies Opfertier darstellen. Erst
nachdem der Priester es begutachtet hatte, durfte der Opfernde es schlachten,
danach wurde es Gott am Brandopferaltar dargebracht. Bevor wir
also Gott mit unseren Gaben dienen können (Verse 4ff.), sollen wir ihm unseren
Körper vorbehaltslos zur Verfügung stellen, damit er mit uns machen kann,
was er will (Röm 6,19). Da wir durch die Rechtfertigung schon geheiligt
sind (1Kor 1,30 ua.), können wir auch ein heiliges, Gott wohlgefälliges
Opfer sein. Dies soll unser Dienst dann auch widerspiegeln. Der Inf.Aor.
drückt aus, dass dieses sich zur Verfügung stellen, eine grundsätzliche und
einmalige Hingabe ist (26,II,233), die sich aber Tag für Tag beweisen muss.
13 Es könnte
sein, dass Paulus damit speziell an das Brandopfer denkt, nachdem er in den
Kapiteln 1-8 gezeigt hat, dass Christus unser Schuld- und Sündopfer geworden
ist. Denn wir geben unseren Körper keinesfalls als Sündopfer oder als Schuldopfer
hin (26,II,230). Was aber dagegensprechen würde ist, dass das spezielle Wort
für Brandopfer ολοκαυτωμα ist (z.B. Mk 12,33; Heb 10,6.8), und hier nicht
Christus das Brandopfer wäre, sondern wir. Jedenfalls aber ist der Gedanke
unserer völligen Hingabe an Gott damit ausgedrückt, - wie es beim Brandopfer ja
auch der Fall ist.
14 Bezüglich
der Gabe der Prophezeiung bzw. Weissagung siehe die Anm. bei 1Kor 14,3
15 δια mit
Gen. drückt die Dringlichkeit der Bitte aus (2,z.St.).
16 Nun
beginnt Paulus zu erklären, worin der vernünftige Gottesdienst besteht. Und
zwar zuerst in Bezug auf die Gemeinde (Röm 12,3-8), dann in Bezug auf unsere
Mitgläubigen und Mitmenschen (Röm 12,9-21), in Bezug auf die Obrigkeit (Röm
13,1-7) und schließlich in Bezug auf die Gesellschaft (Röm 13,1-14).
17 Das Wort
Gaube mit Artikel, bezeichnet oft die Glaubenslehre (z.B. Röm 1,5; Gal 1,23;
3,23-25; 1Tim 1,19; 4,1.6; 6,10; 2Tim 2,18; Jud 1,3.20). Das würde hier gut
passen. Andere aber verstehen hier den Glauben des Propheten, mit dem er im
Sinne von Vers 3 seine Gabe ausüben soll. Er soll nicht etwas sagen, was ihm
Gott nicht gezeigt hat, und was eigenmächtig wäre (26,II,236; 78,544). Auch
diese Auslegung passt gut zum Kontext.
Römer 13
1 Ex 20,13-17 (LXX); Dtn 5,17-21
2 Lev 19,18
3
"Justitia", die römische Göttin des Rechts, wird in Statuen folgendermaßen
dargestellt: sie legt ihre linke Hand auf das "lex romanum" (=
das römische Gesetz), in ihrer rechten Hand hält sie das Schwert mit dem bei schweren
Verbrechen die Todesstrafe ausgeführt wurde (65,III,383). Auch der Kaiser und
sein praefectus praetorio, sowie die höchsten Behörden in den Provinzen,
trugen bei öffentlichen Aufzügen das Schwert als Symbol für die Autorität die
Todesstrafe zu verhängen (26,II,253). In Joh 19,10-11; Mt 22,7; Lk 19,27;
20,14-16, anerkennt auch Jesus indirekt, dass die Obrigkeit die Autorität hat,
die Todesstrafe auszuführen. Auch Paulus und Petrus sind nicht gegen die
Todesstrafe (Apg 25,11; Röm 1,32; 1Pet 2,14). Ungerechtfertigterweise erlitten
sie diese allerdings später selbst durch die römische Obrigkeit, und es ist im
Laufe der Menschheitsgeschichte bis heute immer wieder zu Missbrauch der
Todesstrafe und zu Fehlurteilen gekommen. Seit dem Bund den Gott mit Noah
geschlossen hat (Gen 9,6), ist es aber das Recht und die Aufgabe der Obrigkeit als
Dienerin Gottes bei Mord die Todesstrafe auszuführen (26,II,253f; 60,438-442.477f).
Im Gesetz Mose wurden auch noch andere Vergehen mit dem Tod bestraft und im
tausendjährigen Reich wird unter der Regierung des Königs Jesus Christus sogar jede
Sünde mit dem sofortigen Tod bestraft werden (Jes 66,24; Ps 101,8a). Es ist aber
weder die Aufgabe der Gläubigen die Einführung der Todesstrafe von der
Obrigkeit zu fordern noch dagegen zu protestieren.
4 Die
Kopfsteuer (lat.: tributum) war eine Abgabe, die von jeder Person in den
von den Römern okkupierten Ländern an Rom gezahlt werden musste, entsprechend
den heutigen Steuerabgaben.
5 Mit dem
Plural "Autoritäten" sind die Institutionen der stattlichen
Behörden von der obersten (Kaiser, König, Sultan, Diktator, Präsident, Ministerpräsident,
Kanzler, udgl.) bis zur niedrigsten Instanz (Beamte, Polizei, Lehrer, Notare, usw.)
gemeint. Mit dem Singular "Autorität" ist dagegen das Prinzip der
staatlichen Autorität an sich gemeint, dass von Gott selbst eingesetzt ist (Ge
9,6 ua.), egal von welcher Art, z.B. Monarchie, Demokratie, ja sogar die
römische Kaiserdiktatur unter Nero ist für Paulus darin eingeschlossen. Vgl.
auch 1Pet 2,13-17. Zur Frage wie man sich in Diktaturen gegenüber der Obrigkeit
verhalten soll siehe Apg 4,18-20 und Apg 5,29.40.42 (26,II,250ff, sowie 48,672).
Das Gegenteil jeder Art von Obrigkeit wäre Anarchie und Chaos. Daher ist der "Tyrannenmord"
kein biblisches Vorgehen. Gott selbst wird Weltreiche, Regime und Machthaber,
die nicht seinen Willen ausführen, zu seiner Zeit absetzen (Dan
4,14.22.29). Dies beweist auch die Geschichte (z.B. bei Nero, Domitian, Napoleon,
Heinrich dem VIII, Hitler, Stalin, uva.). Zur Frage wie man sich verhalten
soll, wenn Obrigkeiten einen Gehorsam verlangen der Gottes Willen widerspricht,
siehe die Anm. zu Gal 2,5
6 Auch bei
den Moralisten zur Zeit des Paulus war Schulden machen verpönt (65,II,220). Das
moderne Schuldenmachen ist sehr zu hinterfragen, besonders wenn kein wirklicher
Gegenwert zu den Schulden (z.B. eine Grundstückshypothek) vorhanden ist. Besser
ist es, sich an 1Tim 6,8; Heb 13,5 (siehe die Anm. dort) und die Warnung in Spr
22,7b.27b zu halten.
7 Mt 22,21.
Die Ehrerbietung, d.h. der Respekt und die Achtung, gebührt den Repräsentanten
der Obrigkeit, die Furcht aber nur allein Gott (1Pet 2,17).
8 Die Orgien
der Heiden fanden meist nachts statt (65,II,221).
9 Entw.: "sodass
Begierden erst erwachen"; od.: "um Begierden zu befriedigen"
(2,943; 26,II,262).
10 Das Gewissen ist ein von Gott gegebenes
Instrument (Röm 2,15-16), das nicht verletzt werden soll, da es sonst verhärtet
und seine Kontrollfunktion verliert (1Tim 1,5.19).
11 Wahrscheinlich ist hier der geistliche
Schlaf der Gläubigen gemeint (wie Mt 25,5; Mk 13,36; 1Thes 5,5-7).
12 Gemeint ist hier die zukünftige und
endgültige Errettung, wie in 1Pet 1,5
13 Mit den Regierenden sind die Personen
gemeint, welche die staatliche Autorität repräsentieren und ausüben.
14 Der Ind.Präs. + Ptz.Perf. ist ein umschriebenes Perfekt oder Plusquamperfekt (2,1388). Das könnte bedeuten, dass die bestehende Regierung so lange von Gott legitimiert ist, solange sie nicht von ihm selbst abgesetzt wird. Gewalttätige Revolutionen oder militärisches Eingreifen (z.B. die Französische Revolution, die kommunistische Revolution in China, die Stellvertreterkriege in Vietnam, Korea, Irak, Afghanistan, Jemen, ua.), so angebracht wie sie auch erscheinen mögen, haben nie friedliche Verhältnisse hervorgebracht (26,II,251).
Römer 14
1 Glaube mit Art. bedeutet fast immer: die
Glaubensüberzeugungen, und nicht den persönlichen Glauben.
2 od.: Den
Glauben, den du für dich selbst hast, habe auch für Gott; od.: Den Glauben, den
du für dich selbst hast, bewahre dir vor Gott (vgl. 26,II,277; 7,z.St.).
Gemeint ist, dass man das wovon man überzeugt ist, ruhig tun soll, aber nur
wenn man dabei nicht jemand anderen verführt, etwas zu tun, was gegen sein
Gewissen ist.
3 entw.: die
auch in 1Kor 10,29-30 ausgesprochene christliche Freiheit (26,II,275); od.
viell.: das Heil?
4 D.h. das
was er nach gründlicher Prüfung, in Bezug auf seine persönliche Freiheit für
richtig hält, nämlich, ohne schlechtes Gewissen zu Essen und zu Trinken.
5 In der
Gemeinde in Rom gab es offenbar eine asketische Richtung, die die Einhaltung
bestimmter Speisevorschriften und die Einhaltung bestimmter Festtage
idealisierte, entweder als eine Rückkehr zur vorsintflutlichen Lebensweise
(ohne Fleisch und ohne Wein), oder in Verbindung mit den jüdischen
Reinheitsvorschriften und der Ablehnung von Götzenopferfleisch; vgl. Röm 14,14.20
(vgl. 47,z.St.; 26,II,263ff).
6 Paulus
meint hier die Rücksichtnahme der Heiden-Christen, die früher Götzendiener
waren, gegenüber den Juden-Christen. Diese aßen kein Fleisch, dass den Götzen
geopfert wurde und dann am Fleischmarkt verkauft wurde, und auch kein Fleisch,
dass nicht durch Schächten vollständig ausgeblutet war. - Heiden-Christen, die
eigentlich beides durften (1Kor 8,13), sollten im Umgang mit ihren schwachen (jüdischen)
Geschwistern, auf ihre Freiheit verzichten. Aber auch nur dann, wenn sie
direkten Umgang mit ihnen hatten und nicht generell (1Kor 1Kor 10,29.30). - Das
Wort Anstoß nehmen, hat hier nicht die allgemeine Bedeutung: sich an etwas
stoßen, mit etwas nicht einverstanden sein, sondern die spezielle Bedeutung:
zur Sünde verführt werden; vgl. Mt 18,7; Lk 17,1; 1Kor 8,9
7 Die
Probleme zwischen der Sicht der Starken und der Schwachen dürften vor allem bei
den "Liebesmahlen" (1Kor 11,21-22.33-34; Jud 1,12), und beim Genuss
von Götzenopferfleisch, welches am Markt gekauft wurde (1Kor 8,1-13), zutage
getreten sein (26,II,265f).
8 Dies gilt
beim Starken grundsätzlich auch für den Sonntag, er ist prinzipiell ein Tag wie
jeder andere. Nur weil der Herr Jesus an diesem Tag auferstanden ist, und sich
die ersten Christen deshalb genau an diesem Tag versammelten, versammeln auch
wir uns an diesem Tag. Für die ersten Christen war der Sonntag bis zum 3.Jhdt.
ein ganz normaler Arbeitstag. Er ist kein christlicher Ersatz für den Sabbat.
9 Es dürfte
sich um die Einhaltung bzw. Nichteinhaltung der jüdischen Festtage gehandelt
haben. Obwohl Paulus die Sicht der Starken teilt (Vers 14; 1Kor 8,1-13), empfiehlt
er um des Friedens willen, die Sicht des jeweils anderen stehen zu lassen, aber
gleichzeitig von der eigenen Ansicht völlig überzeugt zu sein. Auch er war
bereit, in Dingen, die er anders sah, den Andersdenkenden entgegenzukommen
(1Kor 9,1ff; Apg 21,20-26 ua.).
10 Jes 49,18; Jer 22,24; Hes 5,11; Jes 45,23
(LXX). Zum Richterstuhl Christi vgl. noch: Mt 25,14ff; Lk 19,12ff; 1Kor
3,12-17; 4,2-5; 2Kor 5,10
11 D.h. für den, der trotz innerer Bedenken und
gegen sein Gewissen davon isst. Das Gewissen ist ein von Gott gegebenes
Instrument (Röm 2,15.16), das nicht verletzt werden soll (Röm 13,5), da es
sonst verhärtet (1Tim 1,5.19).
Römer 15
1 Ps 69,10
(LXX)
2 Ps 18,50
(LXX); 2Sam 22,50
3 Dtn 32,43
(LXX)
4 Ps 117,1
5 Jes 11,10
(LXX)
6 Jes 52,15
(LXX)
7 Zeichen
und Wunder zu tun, war offenbar (nur?) in der Anfangszeit den Aposteln und
Evangelisten, als machtvolle Bestätigung ihrer Botschaft, vorbehalten, vgl. Mk
16,20; Apg. 2,43; 4,30; 5,12; 6,8; 8,6; 14,3; 19,11; Röm 15,19; Heb 2,3.4
8 Illyrikum
war die römische Provinz nördlich von Mazedonien, das heutige Albanien
(54,z.St.). Gemeint ist nach 2Tim 4,17 und Kol 1,26, dass Paulus das Evangelium
angefangen von Jerusalem überall in den Hauptstädten Kleinasiens vollständig bekanntgemacht
hat (2Tim 4,17). Diesen Ausdruck darauf zu beziehen, dass Paulus den ganzen
Ratschluss Gottes bekannt gemacht hat, ist sehr gesucht, da der Ausdruck mit der
Ortsangabe Illyrikum verbunden ist. Auch der unmittelbare Kontext spricht
dagegen.
9 w.: etw.
versiegeln. Getreidesäcke wurden nach dem Kauf, noch vor dem Abtransport
versiegelt, damit unterwegs nichts an ihnen manipuliert werden konnte. Wenn die
Frucht versiegelt ist, dann ist alles in Ordnung (37,617). In diesem Sinne
wahrscheinlich auch hier. Zur Kollekte für Jerusalem vgl. 1Kor 16,1-4; 2 Kor 8
und 9; Gal 2,10
10 D.h. die
Starken die Schwachen, und umgekehrt. Diesen Vers auf die Aufnahme in die
Gemeinde anzuwenden, wie es oft geschieht, ist keine sorgfältige Exegese, denn
dies würde Paulus besser mit dem Wort αναλαμβανω ausdrücken. Das Wort hat hier
die gleiche allgemeine Bedeutung wie in Röm 14,1 (26,II,285).
11 Meint er
damit eine genaue Kenntnis der Sachlage, bevor man überhaupt fähig ist richtig zurechtzuweisen?
Vgl. Spr 14,29; 19,11.
12 Damit
meint Paulus, dass er die Aufgabe des Apostels in diesen Gegenden erfüllt hat,
weil er in allen wichtigen Städten eine Gemeinde gegründet hat.
13 Diese
Bitte wurde ihm erfüllt, aber wohl nicht so wie er es sich vorgestellt hatte.
Er kam auf einer gefährlichen Reise als Gefangener nach Rom.
14 od. nach
anderen Hs.:
"Gerade nun
aber, - …. - hoffe ich" (26,II,298f).
15 Das Amen
fehlt in einigen Hs. Die Erwähnung des "Gott des Friedens"
ergibt sich aus den Feindseligkeiten von denen Paulus im Vers 31 gesprochen hat
(26,II,303).
16 Spanien
wurde in der Antike als das westliche Ende der Erde betrachtet, Indien als das
östliche Ende. Dass Paulus darum bittet, von den Geschwistern in Rom für die
Reise dorthin ausgerüstet zu werden, ist verständlich. Immerhin betrug die
Reise dorthin ca. 2000 km (65,II,226). Er dürfte es aber nie geschafft haben,
bis nach Spanien zu kommen.
17 Mazedonien
war eine römische Provinz auf der Balkanhalbinsel. Sie umfasste den nördlichen
Teil des heutigen Griechenlands. Achaja war die römische Provinz, die den
südlichen Teil Griechenlands umfasste (54,z.St.).
18 Siehe: https://drive.google.com/file/d/1EQC6GvotUUs2ueNT3XAn_wNrNW1y5VHG/view?usp=sharing
Römer 16
1 V.24 ist ein sekundärer
Zusatz (27,540).
2 Als Frauenname in der
Gräz. vielfach belegt, als Männername konnte er bis heute noch nicht
nachgewiesen werden (59,379), es sei denn, man nimmt ihn als Kurzform des
männlichen Namens Iunianus (1,770f). Wenn es ein weiblicher Vorname ist,
handelt es sich wohl um die Ehefrau von Andronikus (33,36). Beide waren Juden, sie
waren mit Paulus zusammen und standen in großem Ansehen unter den Aposteln. Es
ist undenkbar, dass Paulus sagen will, dass dieses Ehepaar Apostel im
eigentlichen Sinn waren und zum Kreis der Apostel gehörten, und noch dazu "ausgezeichnet"
unter ihnen, ohne dass wir sonst von ihnen hören.
3 Nach Gal 5,20 die Vorstufe
zu Parteiungen. Der Artikel weist darauf hin, dass es sich um schon bekannte
Tatsachen handelt (26,II,314).
4 Damit können nicht die
Schriften des AT gemeint sein (weshalb auch der Artikel vor "Schriften"
fehlt), denn in ihnen wurde das Evangelium und das Geheimnis der Gemeinde noch nicht
geoffenbart. Es sind die Schriften des NT in denen den Gläubigen
das Geheimnis des Christus geoffenbart wird (Eph 3,3-6; Kol 1,26). Sie
sind prophetische Schriften, weil sie durch den Heiligen Geist
inspiriert wurden (2Tim 3,16; 2Pet 1,21). Die Verkündigung des
Evangeliums an die Ungläubigen geschah aber durch die Predigt; Röm 16,25; Röm
1,1; Tit 1,3 (26,II,324)
5 "…ω" (= welchem)
kann sich grammatisch zwar sowohl auf Gott als auch auf Jesus Christus
beziehen, wahrscheinlich ist aber wie oben zu übersetzen (2,z.St.).
6 In einer alten Inschrift
wird ein gewisser Erastus als Schatzmeister in Korinth bestätigt. Damit hatte er
das Amt des Ädils in Korinth inne. Das war eine Art Polizeichef, der für die
Veranstaltung der Isthmischen Spiele verantwortlich war (65,II,112; 33,182.341).
In Apg 19,22 und 1Tim 4,20 ist er nur mehr der Diener von Paulus. Eine hohe
Verantwortung in der Welt, macht noch lange keinen Karrieresprung in der
Gemeinde. Aber ein Diener im Reich Gottes ist größer als eine hohe Stellung in
der Welt.
7 Wahrscheinlich diktierte
Paulus seine Briefe meistens. Hier unterbricht Paulus sein Diktat und lässt den
Tertius selbst Grüße ausrichten. Eine wahrhaft edle Haltung die den demütigen
und höflichen Charakter des Paulus offenbart.
8 Die Grüße an verschiedene
Personengruppen und Haushalte könnten darauf hinweisen, dass sich die
Versammlung in Rom, ebenso wie in Jerusalem, in verschiedenen Hausgemeinden
versammelte (vgl. 21,II,718; und den Exkurs zu Hausgemeinden in 48,493ff). Bis
zum Ende des 3.Jhdt. gab es im römischen Reich nachweislich keine speziellen
Versammlungsräume der Christen. Sie versammelten sich in Privathäusern
(65,II,105.230). Aquila und Priscilla wurden von Kaiser Claudius aus Rom
ausgewiesen und übersiedelten nach Korinth, wo sie zu Mitarbeitern des Paulus
wurden. Danach übersiedelten sie nach Ephesus, gründeten dort eine Hausgemeinde
und dürften danach wieder nach Rom zurückgesiedelt sein, wo sie wieder eine
Hausgemeinde beherbergten (Vers 5). Der Einwand, Paulus könne nicht so viele Leute
in einer Gemeinde gekannt haben, die er noch nie besuchte, wird sehr gut von
F.Godet widerlegt (26,II,318).
9 Vgl. zur Sache die Anm.
bei 1Kor 5,9.
10 Narcissus war
höchstwahrscheinlich ein Freigelassener des Kaisers Claudius, unter dessen
Regierung er einer der mächtigsten Männer des römischen Reiches war
(65,II,231). Kurz nach der Steuereinschätzung unter Nero, also etwa drei bis
vier Jahre vor diesem Brief, wurde er von Nero zum Tod verurteilt. Seine
Sklaven wurden daraufhin wohl in Neros Haushalt eingegliedert (21,II,718).
11 Ob es sich dabei um das
offizielle Amt einer Diakonin handelt, muss offenbleiben. Im 2.Jhdt. n.Chr. ist
bereits die Rede von Diakoninnen (60,528; 26,II,305). Vgl. auch die Anm. bei
1Tim 3,11
12 od.: "…unter allen Völkern";
vgl. auch Röm 1,5 - Gen.auctoris: der Gehorsam, den der echte Glaube bewirkt.
Glaube der nicht zum Gehorsam führt, ist kein echter Glaube; vgl. Jak 2,26
13 Wahrscheinlich: die
Predigt des Paulus über bzw. von Jesus Christus; oder viell..: die Predigt die
Jesus Christus durch den Mund des Paulus erschallen ließ; oder, aber sehr
unwahrscheinlich: die Predigttätigkeit von Jesus selbst während seines
Erdenlebens, wovon Paulus aber sonst nie spricht (26,II,322f).
14 Es müssen diejenigen
Schriften des NT gemeint sein, die schon vorhanden waren. Vgl. Eph 2,20; 3,3-5
und die Anm. bei 2Tim 3,16 (26,II,324).
15 In Gräz.: jemand der vor
dem Altar steht und (für jmdn.) fleht. In der Antike ein t.t. für den Vorsteher
in einer heidnischen (aber auch jüdischen) religiösen Vereinigung in Athen, der
sich, mit oder ohne Staatsamt, um die Interessen derer kümmerten, die keine
Bürgerrechte besaßen (21,II,718; 52,V,1642). Ein reicher und einflussreicher
Schutzpatron einer religiösen Vereinigung, die sich in dessen Haus versammelte
(65,II,229). Für die Zeit des NT ist diese Bedeutung für Frauen aber
nicht bezeugt (60,526). Bei Phöbe müssen wir daher wahrscheinlich die
allgemeine Bedeutung annehmen: anderen ein Beistand und Fürsprecher sein.
16 So wie Aquila und Priska
waren auch viele andere Juden-Christen nach Rom zurückgekehrt. Mit dem Tod von
Kaiser Claudius, erlosch auch sein Dekret zur Vertreibung aller Juden aus Rom
(65,II,229).
17 Diese Namen waren römische
Sklavennamen (65,II,231).
18 Er war sicherlich
wohlhabend und hatte ein größeres Haus, in dem die Versammlungen in Korinth stattfanden.
Größere Häuser hatten damals Platz für mindestens 50 Personen, seines
vielleicht noch für mehr Personen (65,II,105).
19 Der Begrüßungskuss auf
Stirn oder Wange war unter Familienangehörigen und Freunden üblich. Unter Gläubigen
drückte ein keuscher Kuss die geistliche Verwandtschaft aus (54,z.St.). Später
legte die Kirche fest, dass Männer nur Männer und Frauen nur Frauen mit dem
Bruderkuss küssen dürfen (21,V,80). Anfangs dürfte das aber noch nicht so
gewesen sein (65,II,232).
20 Kenchreä war der östliche
Hafen von Korinth am Sarinischen Golf, etwa 7 km von der Stadt Korinth entfernt
(54,z.St.).
21 Die Übersetzung "in Kürze" ist irreführend, immerhin
hat Paulus das schon vor ca. 2000 Jahren geschrieben. Der griech. Ausdruck εν
ταχει bedeutet: sehr schnell bzw. plötzlich, nämlich bei der Wiederkunft
Christi (vgl. Offb 20,2.10). Den gleichen griech. Ausdruck finden wir in Lk 18,8,
dort wird richtig übersetzt mit: "ohne
Verzug". Ebenso in Offb 22,20
Zu Korinthern A
1.Korinther 1
1 Jes 29,14
2 Jer 9,22-23. Da es sich um
ein Zitat aus dem AT handelt, steht κυριος natürlich ohne Artikel. Doch Paulus
wendet das Zitat auf den Herrn Jesus an. Man kann auch übersetzen: "rühme
sich über (den) HERRN" (44,z.St.). Vgl. dazu als Beispiel Apg 14,27a und
15,4b "…was Gott mit ihnen getan hatte", und nicht: "was sie
für Gott getan hatten".
3 D.h. in allen übrigen Versammlungen,
weshalb die Anordnungen in diesem Brief allen Gläubigen aller Zeiten an jedem
Ort gelten.
4 D.h. entw.: "…, dass
ihr einmütig seid"; oder wegen dem was in V.12 steht. Der Ausdruck war in der
Gräz. ein politischer t.t. für Städte, die frei von Parteiungen waren, oder von
Ländern, die freundschaftliche Beziehungen miteinander pflegten (21,II,763).
5 Damit ist der gekreuzigte
Messias gemeint. Vgl. Vers 23.24.30 und Kol 2,3.
6 Vgl. "Wort" in:
1Kor 2,1ff; 4,19; 12,8; 14,26 und "Erkenntnis" in: 1Kor 8,1; 13,2
7 Die Korinther stellten in
einem Brief an Paulus zwar Fragen über theoretische Dinge (1Kor 7,1; 8,1;
12,1), von ihren Spaltungen und der Unzucht in ihrer Mitte, erwähnten sie darin
allerdings nichts. Dies musste Paulus leider durch andere erfahren.
Zuverlässigen Zeugen kann man auch Dinge glauben, die man nicht selbst gesehen,
gehört oder geprüft hat. Vgl. auch 1Kor 5,1ff.
8 Paulus taufte offenbar
immer nur die Erstbekehrten (Apg 18,8; 1Kor 16,15), diese tauften dann die
anderen. Die Taufe selbst war zwar ein wichtiges Symbol, aber wer taufte
war zweitrangig (vgl. auch Apg 10,48; Joh 4,1ff).
9 od.: "ihres als auch
unseres Herrn".
10 Die Verse 27-30 zeigen,
dass die Erwählung der Gläubigen aus Gott kommt, und nicht aufgrund ihres
sogenannten "freien Willens" und eigenem Streben. Sie ist nicht nur
kollektiv und unpersönlich, sondern persönlich, denn es wird unterschieden zwischen
einzelnen Personen, die sich entweder für stark und weise halten, oder töricht
und niedrig in den Augen der Welt sind (31,I,59f). Vgl. auch Eph 2,8-9
11 Das Wort bezeichnet sowohl
den Prozess des geheiligt Werdens durch die Erziehung Gottes, - also die
Heiligung von Herz und praktischem Lebenswandel (2Thes 2,13; 1Pet 1,2), - als
auch dessen Ergebnis in seiner Vollendung, - also den Zustand bzw. die Stellung
des Geheiligtseins im sittlich-moralischen Sinn (26,II,36f.). So wahrscheinlich
hier und in: Röm 6,19.22; 1Kor 1,30; 1Thes 4,3.4; 1Tim 2,15 und Heb 12,14.
12 Synagogenvorsteher in Korinth, als Paulus das erste Mal in der Stadt war. Nach dessen Freisprechung wurde er vom erbosten Pöbel geprügelt. Vielleicht, weil er schon gläubig war, oder er wurde es später. Dann wurde er ein Mitarbeiter von Paulus (Apg 18,17).
13 Hauptstadt von Achaia und zweitgrößte Stadt Griechenlands, mit einem unvergleichlichen Festungsberg. Auf dem die Halbinsel Peloponnes mit Attika verbindenden Landenge Isthmus äußerst günstig gelegen und als Handelsstadt zu großer Bedeutung gelangt. Sie hatte zwei Häfen, Lechaeum im Westen und Kenchräa im Osten der Stadt. Nach der Zerstörung durch Mummius (146 v.Chr.), hatte Caesar 44 v.Chr. die Stadt wieder aufbauen lassen, und sie war schnell wieder zu großer Blüte gekommen. Sie der war Sitz des Statthalters der Provinz Achaia. Die Stadt wurde ein florierendes Handelszentrum für verschiedene Handwerke, besonders für Keramik. Als Sitz einer Universität und als Mittelpunkt reichen künstlerischen Lebens war sie ebenso berühmt wie durch den Luxus seiner Bewohner. Die stark gemischte Bevölkerung führte zu einer großen Sittenverderbnis der Bewohner. Paulus besuchte die Stadt auf seiner 2. Missionsreise und gründete dort eine Gemeinde, in deren Leben uns die erhaltenen Briefe einen interessanten Einblick geben (33,229; 52,III,301ff).
1.Korinther 2
1 Jes 64,3; 52,15; 65,16; Jer 3,16
2 Jes 40,13
(in LXX der Ind.Fut.).
3 Pl.Mask.:
bezieht sich auf die Herrscher!
4 viell.: "…indem geistlichen Inhalt mit geistlichen
Worten auslegend"; od.: "...indem Geistliches geistlichen Menschen
erklärend" (2,z.St.); od.: "...indem die geistliche Lehre geistlichen
Menschen (von Vers 15) anpassend bzw. beibringend"
(31,I,79).
5 Zum
abwertenden Gebrauch von "seelisch", vgl. Jak 3,15; Jud 19; 1Kor
15,44.46 (vgl. 47,z.St.).
6 Ein t.t.
für einen Beweis, der von Fakten oder Dokumenten unterstützt wird, im Gegensatz
zu rein theoretischen Überlegungen (21,II,776).
7 Das
impliziert Inspiration, aber keine mechanische Diktatinspiration (31,I,79).
8 Es gibt acht
Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart
werden: (1.) die herrliche Offenbarung Gottes in der Menschwerdung Christi, des
präexistenten Sohnes Gottes (1Kor 2,7; Kol 2,2; 1Tim 3,16); (2.) das im AT
angekündigte irdische Königreich Gottes wird durch die Ablehnung Israels zu
einem verborgenen Königreich der Himmel (Mt 13,11 ua.); (3.) die teilweise Verstockung
Israels öffnet den Heiden den Weg zum Heil, wodurch Juden-Christen und Heiden-Christen
in Christus zu einem Leib werden (Röm 11,25; 16,25.26; Eph 3,3-9; Kol 1,27;
4,3); (4.) die mystische Einheit von Christus und seiner Braut der Gemeinde
(Eph 5,32); (5.) die Verwandlung der Gläubigen und die Entrückung der Gemeinde
(1Kor 15,51); (6.) das Geheimnis der Gesetzlosigkeit geoffenbart im Auftreten
des Menschen der Gesetzlosigkeit am Ende der Tage (2Thes 2,7); (7.) die Hure
Babylon entlarvt (Offb 17,5); (8.) die Vollendung, in der in Christus alles
zusammengefasst wird (Eph 1,9).
1.Korinther 3
1 Hiob 5,12-13
2 Ps 94,11
(LXX)
3 Bezieht
sich auf ναος (Sg.),
ist aber mit υμεις (Pl.)
kongruiert (21,II,793).
4 D.h. wie
einer der durchs Feuer hindurch aus dem brennenden Haus entflohen ist und
Brandspuren davongetragen hat (2,z.St.).
5 Damit ist
wohl im Zusammenhang von V.9ff, die örtliche Gemeinde in Korinth gemeint, daher
ohne Artikel. Der gleiche Gedanke findet sich auch in 2Kor 6,16. Mit Artikel
wäre die ganze universelle Gemeinde gemeint, nur sie ist der Tempel
Gottes. In 1Kor 6,19 ist nicht die Gemeinde, sondern der Körper des einzelnen
Gläubigen gemeint.
6 D.h.
Apollos und Paulus arbeiten zusammen für Gott (Vers 6-8). Paulus will nicht
sagen, dass sie Mitarbeiter von Gott sind (21,II,789). Gott braucht
keine Mitarbeiter!
7 z.B. der
Lehrer durch falsche Lehre, oder der Evangelist, indem er oberflächlich
evangelisiert und dadurch Unbekehrte in die Gemeinde einführt.
8 Mit
Steinen sind wertvolle Baumaterialien wie Granit oder Marmor gemeint.
9 Es sind
hier zwei Kategorien von Baumaterialien, solche die dem Feuer standhalten und
solche die verbrennen. Auch mit Holz kann man schön bauen, aber es hält dem Feuer
nicht stand.
1.Korinther 4
1 Plural: es gibt
acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT
geoffenbart werden: (1.) die herrliche Offenbarung Gottes in der Menschwerdung
Christi, des präexistenten Sohnes Gottes (1Kor 2,7; Kol 2,2; 1Tim 3,16); (2.)
das im AT angekündigte irdische Königreich Gottes wird durch die Ablehnung
Israels zu einem verborgenen Königreich der Himmel (Mt 13,11 ua.); (3.) die
teilweise Verstockung Israels öffnet den Heiden den Weg zum Heil, wodurch Juden-Christen
und Heiden-Christen in Christus zu einem Leib werden (Röm 11,25; 16,25.26; Eph
3,3-9; Kol 1,27; 4,3); (4.) die mystische Einheit von Christus und seiner
Braut der Gemeinde (Eph 5,32); (5.) die Verwandlung der Gläubigen und die
Entrückung der Gemeinde (1Kor 15,51); (6.) das Geheimnis der Gesetzlosigkeit
geoffenbart im Auftreten des Menschen der Gesetzlosigkeit am Ende der Tage
(2Thes 2,7); (7.) die Hure Babylon entlarvt (Offb 17,5); (8.) die Vollendung,
in der in Christus alles zusammengefasst wird (Eph 1,9).
2 Nämlich
vorher in 1Kor 3,5-9, usw.
3 Viell.:
die letzten die in die Arena geführt wurden, nackt und ohne Waffen, um sofort
von den wilden Tieren zerrissen zu werden.
4 Im
Altertum war der παιδαγογος eher der "Aufpasser" als der
"Erzieher". Es war meistens ein Sklave, der das Vertrauen des Vaters
hatte, und dessen Wirksamkeit begann, nachdem die Mutter und die Gouvernante
die Elementarerziehung geleistet hatten. Dann war das Kind ungefähr sechs oder
sieben Jahre alt. Der παιδαγογος bekam dann die Aufgabe, den Knaben von und
nach der Schule zu begleiten und auf sein Betragen zu achten, unordentliches
oder unmoralisches Betragen dem Vater zu melden und den Jungen vor schädlichen
Einflüssen zu schützen. Der eigentliche Unterricht wurde mehr durch den
διδασκαλος (= Lehrer) gegeben. Wenn der Jüngling erwachsen und mündig war,
hörte die Aufgabe des παιδαγογος auf (40,216). Ab dann stand der junge Mann
unter der direkten Autorität seines Vaters.
5 Ein
verworfener Mensch,
ein Bösewicht oder Schurke. Verstärkend für καθαρμα (= das
mit Schuld beladene Opfer), das sühnende Reinigung bewirkt. Die Athener warfen
jedes Jahr einen Kriminellen ins Meer, um ihn dem Gott Poseidon zu opfern. Dies
sollte dazu dienen Unglücke, Hungersnöte, Seuchen, etc. von der Stadt
abzuwehren. Dazu wurden Menschen als Opfer gebraucht, die sich freiwillig
melden mussten, und es gaben sich nur ganz verkommene Verbrecher dafür her. Sie
wurden zuerst auf Kosten der Opfernden versorgt und ließen sich´s noch einmal
gutgehen. Daher wurde das Wort zum Schimpfwort für einen nichtswürdigen,
heruntergekommenen Menschen. Dieser nahm nach alter Vorstellung sozusagen die
Schuld in sich auf, und wurde dann nach der Opferung "weggeworfen",
wodurch die Schuld der Nation weggewischt wurde (10,III,434).
6 Nicht nur
die bösen, sondern auch die guten.
7
Ingressive Aoriste und ein unerfüllbarer Wunsch in der Vergangenheit
(13,123).
8
Wahrscheinlich sagten sie: "Er traut sich
nicht selbst zu kommen, stattdessen schickt er Timotius"
(21,II,805).
1.Korinther 5
1 Nach Strack-Billerbeck die
Stiefmutter; vgl. Lev 18,8; 20,11; od.: die Schwiegermutter; Dtn 27,23. In
beiden Fällen war dies auch nach römischen Recht verboten und in allen
Gesellschaften ein Gräuel. Diese Frau war keine Gläubige, sonst hätte Paulus
auch über sie die Gemeindezucht ausgesprochen. Der Vater war wahrscheinlich
schon gestorben (31,I,122f). Der Mann lebte mit dieser Frau intim zusammen,
oder hat sie vielleicht sogar geheiratet (2,964; 65,II,252).
2 Ein Präsens und nicht ein
Aorist. D.h. es wird öffentlich darüber geredet. Die Korinther stellten in
einem Brief an Paulus zwar Fragen über theoretische Dinge (1Kor 7,1; 8,1;
12,1), von ihren Spaltungen und der Unzucht in ihrer Mitte, erwähnten sie darin
allerdings nichts. Dies musste Paulus durch andere erfahren! - Zuverlässigen
Zeugen kann man auch Dinge glauben, die man nicht selbst gesehen, gehört oder
geprüft hat. Vgl auch 1Kor 1,11 und 11,18
3 Ein Passiv! Vielleicht
weil das Verderben des Fleisches (V.5) durch Gott geschieht. Diese Strafe
entsprach der Todesstrafe im AT, mit dem Unterschied, dass sie reversibel war,
wenn der Sünder Buße tat, wie es dann ja auch geschah (2Kor 2,5-11).
4 Ptz.Aor. und nicht
Ptz.Präs., was eher für eine außereheliche Beziehung und nicht für eine
reguläre Ehe mit dieser Frau spricht (31,I,123).
5 Ein Ausdruck der die
Abscheulichkeit des Verhaltens hervorhebt (31,I,128). Vgl. 1Kor 5,11; Röm
16,18; 2Kor 2,6,10,11; Gal 6,1; Tit 3,11
6 w.: συν-ανα-μιγνυμι (zusammengesetzt aus: συν = vertraulich, ανα
= wiederholt, μιγνυμι = toleratives Pass.: sich mit etwas vermischen lassen);
vgl. Ps 26,4; Hos 7,8. Dies kann sich sowohl hier als auch in 2Thes 3,14, nur
auf den geistlichen Umgang beziehen (wie in Ps 55,14). Denn wäre
jeglicher soziale und persönliche Kontakt gemeint, bräuchte Paulus nicht noch
extra verschärfend dazusagen, mit dem Betreffenden nicht einmal zu essen. - Wie
in der Synagoge, gibt es auch in der Gemeinde sowohl mildere Formen (2Thes
3,6-15; Mt 18,15-18), als auch strengere Formen (Röm 16,17-18; 2Tim 3,5; Tit
3,10; 2Joh 1,10) der Gemeindezucht (65,III,41). Sie entsprechen, so wie auch in
der weltlichen Gerichtsbarkeit, immer der Schwere des Vergehens, und sind an
dieses angepasst. Es
gibt allerdings auch Gemeindeausschlüsse, die willkürlich und unberechtigt
sind, und dann nicht anerkannt werden müssen. Die unberechtigten
Gemeindeausschlüsse in 3Joh 1,10 hat der Apostel Johannes offenbar nicht
anerkannt. Zum Thema Gemeindezucht siehe die Anm. bei Mt 18,18
7 Durch και miteinander auf
gleiche Ebene gestellt.
8 Präsens, d.h., dass der
Betreffende beständig in diesen Sünden verharrt.
9 Vielleicht jemand der sich
durch Schwindel etwas aneignet.
10 Dtn 17,7 (LXX).
11 w.: ausfegen; etw. durch
und durch, d.h. gründlich reinigen, indem man den Schmutz hinausfegt; allg.:
sich von etw. reinigen, indem man sich davon trennt. An dieser Stelle erfolgt
die Reinigung, indem eine Mehrheit der Versammlung das Schlechte hinaustut. In
2Tim 2,21 jedoch ist es genau umgekehrt, indem sich eine Minderheit vom
mehrheitlich Schlechten im "Christentum" trennt, um sich dadurch reinzuhalten. Im
2.Timotiusbrief blickt Paulus nämlich schon prophetisch auf den zukünftigen
großen Abfall innerhalb der Christenheit, wo sich die Treuen in einer Gemeinde
schon in der Minderheit befinden könnten. - Vor dem Passafest reinigten die Juden
ihre Wohnung so gründlich, dass kein Krümel eines mit Sauerteig gebackenen
Brotes mehr zu finden war (54,z.St.).
12 entw. Aor. des Briefstils:
"...in diesem Brief" (d.h. in den vorigen Versen); od. viell.:
"...in einem vorangegangenen verlorenen Brief", von dem es allerdings
keine Spur einer Überlieferung gibt, was schon sehr seltsam wäre; od. noch
unwahrscheinlicher: der zweite Teil des 2.Korintherbriefes (Kap. 10-13), der
dem ersten Teil (Kap. 1-9) später zugefügt wurde (64,590f).
13 Auch das römische Recht
stellte dieses Vergehen unter Strafe (vgl. 47,z.St.). Sogar für die moralisch
lockeren Heiden war dieses Verhältnis empörend (21,II,807).
14 Dem Satan wird damit
erlaubt, diesen Gläubigen körperlich zu züchtigen (vgl. Hiob 2,6), notfalls bis
zum Tod (1,1141), wenn er nicht vorher Buße tut. Man sollte bedenken, dass
diese strenge Form von Gemeindezucht für eine sehr schwere Sünde - die sogar die
Ungläubigen empörte - ausgeführt wurde. Das Überliefern an Satan, geschieht
sowohl hier als auch in 1Tim 1,20 vom Apostel Paulus, in Verbindung mit
der Gemeinde. Trotz der Schwere der Sünde, erfolgte die Buße und Wiederaufnahme
dieses Sünders wahrscheinlich schon einige Monate nach diesem Brief (2Kor
2,6-11). Wir brauchen nicht nur die Ausübung einer biblischen Gemeindezucht,
sondern auch eine biblische Wiederaufnahme in die Gemeinde, nachdem aufrichtige
Buße geschehen ist.
15 Ingressiver Aorist: "...habt nicht vielmehr angefangen zu
trauern". Das Verbrechen war an und für
sich schon schlimm genug, aber dabei noch aufgeblasen zu sein, galt als
verabscheuungswürdig.
16 Die Schärfe und sofortige
Ausführung der Gemeindezucht, obwohl sich Paulus noch kein eigenes Bild vor Ort
machen konnte, ist bemerkenswert. Für den Gemeindeausschluss darf es bei schweren
Sünden kein langes Zögern geben. Es ist wie eine sofortige Operation bei
einem aggressiven Tumor. Bei nicht so schweren Vergehen sollte man
vorher noch ein- bis zweimal ermahnen (Tit 3,10).
17 Paulus meint, wenn er dem
Geiste nach bei dieser Gemeindeversammlung anwesend ist. Ein Gemeindeausschluss
wird immer von der gesamten Gemeinde (Mt 18,17ff), oder zumindest einer
Mehrheit (2Kor 2,6) ausgeführt, und nicht etwa von den Ältesten allein (negatives
Beispiel: 3Joh 1,9-10).
18 Ind.Impf. = unerfüllbare
Bedingung.
19 "Draußen" und "drinnen" waren im Judentum t.t. für Mitglieder und
Nicht-Mitglieder der Synagoge (21,II,813).
20 Beim Brotbacken wurde ein
Stück gegorener Teig, der vom letzten Backen aufgehoben wurde, als Treibmittel
verwendet. So war stets Sauerteig im Haus. Der alte Sauerteig wurde unter den
frischen Teig gemengt, damit der ganze Teig durchsäuert wird. Weil die Gärung
als eine Art Fäulnisprozess wirkt, ist Sauerteig "ansteckend" und in
der Bibel immer ein Bild für das Böse. Daher musste er vor dem Passahfest
aus der Wohnung entfernt werden.
21 Damit ist klar, dass es
sich bei dem Betreffenden nach Meinung des Paulus um einen echten Gläubigen
handelt.
22 Die beiden wesentlichen
Eigenschaften von Sauerteig sind: er durchdringt im Laufe der Zeit alles, und:
er bläht auf. Beides war bei den Korinthern der Fall.
1.Korinther 6
1 Vielleicht geschieht dies zu Beginn des
Friedensreiches. Vgl. Offb 20,4; 2Pet 2,4.
2 In der
rabbinischen Literatur: Geldhändel. - Die Juden waren sich ihrer besonderen
Stellung als Volk Gottes bewusst und klärten ihre Streitigkeiten durch interne
Gerichtshöfe, nur bei Kapitalverbrechen waren sie auf das Urteil der Römer
angewiesen. Die Gemeinde in Korinth hatte dieses Ehrgefühl leider nicht
(31,I,145). Wie traurig, wenn Christen heutzutage vor weltlichen Gerichtshöfen
streiten, und nicht die Gemeinde urteilen lassen.
3 Ein Homosexueller
der mit einem anderen Mann oder Knaben sexuell verkehrt. Dies war bei einigen
Philosophen damals sehr verbreitet und dadurch fast schon
"salonfähig" (vgl. 1Tim 1,10). Unterschieden wird, sowohl der passive
Partner (= Weichling), als auch der aktive Partner (= Knabenschänder). Die bis
dahin angeführten Sünden gehörten zum Kult der Aphrodite Pandemos in Korinth
(21,II,817).
4 Wahrscheinlich
symbolisch bei der Taufe, wegen der rückblickenden Reihenfolge: gerecht
gesprochen →
geheiligt
→
getauft.
5
Wahrscheinlich gängige Sprüche der Korinther bezüglich ihrer falschverstanden
christlichen Freiheit (vgl. 1Kor 10,23). Oder Paulus zitiert mittels einer
Diatribe einen imaginären Gegner (65,II,258).
6 Gen 2,24
(LXX). Es ist also schon der Geschlechtsverkehr selbst, der zu einem Fleisch
macht, und nicht bloß die Ehe.
7 In 2Kor
6,16 ist die ganze Versammlung auf Erden der jetzige Tempel Gottes,
anstelle des Tempels in Jerusalem. Gott wohnt jetzt in der Versammlung. Hier
aber ist der Körper jedes einzelnen Gläubigen ein Tempel des Heiligen
Geistes.
8 Falls ein
Gläubiger in solchen Sünden lebt, wird er nicht nur unter Gemeindezucht
gestellt (1Kor 5,11-12), er wird auch von Gott gezüchtigt, notfalls mit dem
leiblichen Tod, damit er nicht mit der Welt verurteilt wird (1Kor 11,32). Das
Urteil über die Sünde wird sozusagen schon hier und jetzt körperlich
vollstreckt, denn der Gläubige kommt nicht mehr ins Endgericht (Joh
5,24).
9 Von
Personen: verweichlicht, "feminin". Von den Lustknaben die sich von
Männern sexuell missbrauchen ließen (1,991).
10 vgl. Dan
7,22; Mt 19,28; 20,21; Offb 2,26-27; 5,10; 20,4; 22,5
11 Andere
verstehen καθιζετε als Imperativ und übersetzen: "…setzt doch die in der
Versammlung Verachteten (d.h. die geringen Brüder) als Richter über euch ein"
(31,I,148), aber dies scheint in Widerspruch zu Vers 5 zu stehen.
12 Gemeint
sind die unter den Gläubigen, die andere Brüder "berauben", sodass es
überhaupt zu Prozessen kommt (31,I,150).
13 Sünden muss man bekämpfen, die Hurerei und die jugendlichen
Lüste aber muss man fliehen (31,I,159). 14 Paulus musste diesen
Punkt deutlich herausstreichen, denn Prostitution war nach römischen Recht erlaubt
und bei Männern unter dreißig, war Prostitution mit Sklavinnen und Prostituierten
weit verbreitet. In den Tempeln gab es auch die "heilige"
Tempelprostitution. Von Philo wurde sie zwar als Kapitalverbrechen bezeichnet,
doch die Bevölkerung dachte anders. Für die griechischen Philosophen war der
Körper nicht nur vergänglich, sie glaubten auch nicht an eine Auferstehung, und
darum auch nicht an eine Verantwortung darüber, was sie mit ihrem Körper getan
hatten. Nur die Seele zählte. Die Prostituierten waren Sklavinnen und verachtet,
die Männer die ihre Dienste in Anspruch nahmen, dagegen nicht (65,II,257). Ganz
anders die Tempelprostituierten, die ihre Dienste als religiöse Verehrung für
die Liebesgöttin ansahen. - Die
Bibel berichtet mehrfach von Tempelprostitution in antiken Kulten. Die Königsbücher berichten
davon, dass diese Praxis in anderen Kulten üblich war, so zum Beispiel in 1Kön
14,24; 2Kön 23,7. Dem Volk Israel wird diese Tradition nach Dtn 23,18
explizit verboten. Von Tempelprostitution ist des Weiteren in griechischen Texten
die Rede. Herodot (Herodot;
Historien 1,199) berichtet, dass eine Babylonierin der
Perserzeit sich einmal im Leben zu Ehren der Mylitta einem
Fremden gegen Geld hingeben müsse. Nach Strabon, Athenaios und Pindar gab
es in Griechenland Prostitution von Tempelsklavinnen im
Tempel der Aphrodite in Korinth.
Strabon, Ovid und Diodor beschreiben Hierodulen im
Kult der Aphrodite von Eryx auf Sizilien, der
Ausstrahlung bis nach Rom gehabt haben soll. (Tempelprostitution – Wikipedia).
Demnach war besonders in Korinth die Gefahr zur Prostitution (=
Hurerei), für die Gläubigen, besonders für Neubekehrte, eine große Gefahr. In
Athen war der Umgang mit Prostituierten war für männliche Athener
unproblematisch. Dennoch verlangte die Sitte, dass Männer mit
Prostituierten nicht unter dem Dach verkehrten, wo sich die Ehefrau, Mutter
oder Schwester aufhielt oder gar lebte. Aus Quellen ist belegt, dass beleidigte
Frauen die Scheidung einreichten mit der Begründung, ihr Mann habe nicht
genügend Diskretion walten lassen. Für Männer gab es selten eine andere
Gelegenheit, sexuelle Erfahrungen zu sammeln, da sie im Allgemeinen nicht vor
dem dreißigsten Lebensjahr heirateten und sexuelle Beziehungen mit freien
Bürgerinnen nicht nur verpönt und entsprechend selten waren, sondern auch beide
Partner in Lebensgefahr bringen konnten. Ein Vormund, der das in seiner Obhut
befindliche Mädchen mit einem Eindringling erwischte, durfte diesen töten. So
hatten junge Athener kaum Kontakt zu Frauen, mit denen sie nicht verwandt
waren. Hinzu kam, dass es in Athen allem Anschein nach weniger Frauen als
Männer gab, so dass viele Männer gar nicht heiraten konnten. Problematisch war
für viele junge Männer, dass die Prostituierten, die als gewinnsüchtig galten,
bezahlt werden mussten. Es kam wohl nicht selten vor, dass junge Männer ihr
Erbe mit Prostituierten, eher aber wohl mit luxusverwöhnten Hetären
durchbrachten. Die meisten Hinweise auf Prostitution in der antiken Geschichte
Griechenlands stammen aus Athen.
Dort waren nachweislich vor allem im Hafen Piräus, im
Vorort Skiron und
im Kerameikos verschiedene
Formen der Prostitution anzutreffen. Es gab sowohl die Straßenprostitution als
auch jene in diversen Bordellen. Ihr
Besuch war sehr billig und stand allen Männern, selbst Sklaven,
frei. Moralische Bedenken gab es nicht, höchstens konnten allzu häufige
Besuche einen Mann zum Gespött für die Öffentlichkeit werden lassen. Athen war
auf dem griechischen Festland auch dahingehend etwas Besonderes, weil es in der
Stadt stadteigene Bordelle
gab, in denen staatseigene Sklavinnen arbeiteten. Eine Sonderform athenischer
Prostituierter waren die Flötenmädchen (αὐλέτιδες). Es
gab sie seit dem Ende des 6.Jhdt. v.Chr., möglicherweise schon früher. Ihren
Namen hatten sie von dem Instrument, das sie spielten, dem aulos.
Beim Symposion unterhielten
sie zunächst die Gäste mit ihrer Musik, später mit sexuellen Gefälligkeiten.
Allerdings waren diese Flötenmädchen keine der angesehenen Hetären. Sie waren
normale Prostituierte, die im Allgemeinen im Hafen von Piräus ihre Kunden
suchten. Obwohl es sogar Schulen für Flötenmädchen gab, gehörten sie zu den
niedersten Prostituierten der Stadt. Seit dem 4.Jhdt. v.Chr. wurde die
Bezeichnung αὐλέτιδες schon fast zum Synonym
für "billige
Prostituierte".
Der Höchstpreis, den sie verlangen konnten, war gesetzlich geregelt und betrug
zwei Drachmen. Es ist überliefert, dass Männer, die mehr als die erlaubten zwei
Drachmen zahlten, angezeigt und verurteilt worden sind. Häufig gab es bei
Symposien zwischen Männern Kämpfe um bestimmte Flötenmädchen, wie aus der Literatur
bekannt ist. Im Allgemeinen einigte man sich jedoch durch einen Losentscheid,
wenn mehrere Männer Anspruch auf ein Mädchen erhoben. Die Frau selbst hatte
kein Mitspracherecht. So verwundert es nicht, dass der Dichter Anakreon solche
Prostituierte als "öffentlichen Durchgang"
oder gar "Zisterne"
(zur Aufnahme von Körperflüssigkeiten) bezeichnete. Die Lebensumstände im
Bordell wurden offenbar als schlimmer empfunden als ein Leben auf der Straße:
Aus der Rede "Gegen
die Stiefmutter" des Antiphon von Rhamnus ist
bekannt, dass die Sklavenkonkubine des Philenos ihren
Herrn vergiftete, als sie erfuhr, dass er ihrer überdrüssig war, und sie nun
fürchten musste, in ein Bordell abgeschoben zu werden. Größere Bordelle hießen
πορνέα. Bekannt ist in Athen das sogenannte "Gebäude
Z."
mit 15 kleinen Räumen, das lange Zeit als Bordell und Herberge
diente. In ihm wurden sowohl Gegenstände aus dem Besitz der dort arbeitenden
Frauen als auch Geschirr für Symposien gefunden. Der Dirnenlohn wurde vor dem
Intimverkehr ausgehandelt. Es
gibt auch Berichte, wonach ein Eintritt gezahlt werden musste und sich der Kunde
dann nach freier Wahl bedienen konnte. Nicht zuletzt der profane Umgang mit
Geld unterschied die normalen Prostituierten von den begehrten "Lustknaben" und
den Hetären, von denen man sich mehr erwartete als nur eine schnelle sexuelle
Handlung. Das Geld bekam im Allgemeinen der Besitzer des Bordells, der
πορνοβοσκός genannt wurde (Prostitution in der
Antike – Wikipedia). Die Zustände in Athen lassen
auch einen Rückschluss auf die Zustände in Korinth zu.
15 Viell.
ironisch: eine juristische Niederlage; od. allg.: ein
moralisches Versäumnis?
16 Paulus
sagt nicht: "Ihr müsst euch übervorteilen lassen". Er stellt eine
rhetorische Frage im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten unter Gläubigen, die
vor ungläubigen Richtern ausgetragen wurden. Für solche Auseinandersetzungen
ist die Gemeinde zuständig (Vers 5). Wenn sich die Gemeinde allerdings nicht einmischen
will, oder nicht zu einem gerechten Urteil fähig ist, steht der Weg zum Gericht
offen. Im Sinne von Jesus handelt man dann aber nicht (vgl. Mt 5,39-42).
1.Korinther 7
1 Wahrscheinlich meint Paulus keine
spezielle Gnadengabe, sondern ganz allgemein die von Gott geschenkte Gnade
ehelos zu leben. vgl. Mt 19,10-12; Röm 1,11; 5,15.16; 2Kor 1,11. Aber auch das
Leben in einer Ehe braucht Gnade.
2 Plural: die Versuchungen
zur Hurerei, die einem in Korinth, und auch heute, auf Schritt und Tritt
begegneten. Heute könnte dies Pornographie, Selbstbefriedigung, lüsterne
Blicke, Seitensprung, usw. beinhalten.
3 Bis zu einem vorher
vereinbarten Zeitpunkt , denn Paulus wählt das Wort καιρος (= Zeitpunkt)
und nicht das Wort χρονος (= Zeitraum). Bei den jüdischen Rabbis variierte
diese Zeit von zwei Wochen bis zu nur einem Tag. Paulus plädiert für die
Christen auf einen vernünftigen Zeitrahmen. Dieser muss einvernehmlich sein und
einen geistlichen Grund haben.
4 Nämlich zu Heiraten (Vers 2).
5 Warum spricht Paulus diese
besondere Vorschrift, nicht wieder zu heiraten, nur in Bezug auf die Frauen
aus? Gegen Ende der römischen Republik konnten römische Frauen in einer
manus-freien Ehe leicht eine Scheidung beantragen. Scheidungen kamen regelrecht
in Mode und es genügte die Willenserklärung eines
Ehepartners (Mann oder Frau), um geschieden zu werden. Die Frau konnte,
vorausgesetzt sie hatte keinen Ehebruch begangen, unter Mitnahme ihrer Mitgift
das Haus verlassen, oder der Mann konnte sie dazu auffordern. Diese
Möglichkeit sich scheiden zu lassen, war für die römische Frau aufgrund einer
Gesetzesänderung in der Kaiserzeit ermöglicht worden. Sie wurde immer mehr zur
gängigen Praxis, und immer mehr Frauen ließen sich auch ohne einen Ehebruch
seitens des Mannes scheiden. Für die griechische Frau galt diese Möglichkeit
schon länger. Da nun vielleicht auch christliche Frauen die neue Chance nützen
wollten, um aus einer unglücklichen Beziehung zu fliehen, obwohl keine Unzucht
(πορνεια) des Mannes vorlag,
spricht Paulus nur die Frauen an. Ansonsten galt für gläubige Männer und Frauen
die Regelung in Mt 19,6, wonach Scheidung und Wiederheirat nur aufgrund von Unzucht
(πορνεια) des Ehepartners erlaubt
war. Nach einer erlaubten Scheidung war eine Wiederheirat im Judentum
immer gestattet (65,II,266). Eine Wiederheirat nach einer unerlaubten
Scheidung ist nach den Worten Jesu aber Ehebruch gegenüber dem ersten Partner
(Mk 10,12; Lk 16,18), und daher verbietet auch Paulus in einem solchen Fall
eine Wiederheirat.
6 εν = lokal: weil sie ein
Fleisch sind.
7 Heilig im levitischen Sinn,
seit der Bekehrung des Partners und daher immer noch geheiligt (daher das
Perfekt). Aus diesem Grund ist im Neuen Bund keine Entlassung des
ungläubigen Partners nötig, wie sie es im Alten Bund schon war (vgl. Esra
10,10-12).
8 Der Ausdruck "nicht gebunden"
ist eine Anspielung auf den jüdischen Scheidebrief, wonach die entlassene Frau
frei war, wieder zu heiraten (wie in Vers 39; dort steht aber ein anderes Wort
im griechischen Text). Manche verstehen den Ausdruck aber - wohl zu Unrecht -
als: nicht gebunden die Ehe unter allen Umständen aufrechtzuerhalten, was den
Frauen damals ohnehin nicht möglich gewesen wäre.
9 Wahrscheinlich die
Verlobte. Nach manchen aber die jungfräuliche Tochter in fortgeschrittenem
Alter. Es war damals üblich, dass Väter über die Heirat ihrer Töchter
entschieden, wobei diese ein gewisses Mitspracherecht hatten (31,I,187;
65,II,265).
10 D.h. unanständig, wenn er
seine Verlobte/Erwählte nicht heiratet, obwohl sie schon älter ist; od. viell. vom
Mann: "…falls er schon über seine Vollkraft
hinaus ist" (65,II,265).
11 Mit dieser Formel leitet
Paulus in 1Kor 7,1; 8,1; 12,1 und 16,1.12 seine Antworten auf Anfragen der
Korinther ein (2,z.St.). Ein gedanklicher Zusammenhang zu 1Kor 5 und Kap. 6 ist
hier allerdings gegeben: ehelicher Verkehr schützt vor Hurerei (V.2).
12 In Gräz. als mediz. t.t.:
den nach einer Beschneidung noch vorhandenen Überrest der Penisvorhaut mit
einem eisernen Instrument über die Eichel ziehen, um diese zu verdecken und so
seine Beschnittenheit, und damit auch seine jüdische Nationalität, vor Verfolgern
oder Verächtern zu verbergen. Manche jüdischen Athleten taten dies bei den
olympischen Wettkämpfen, da diese ja nackt ausgetragen wurden. Von der
Verfolgung unter Antiochus Epiphanes IV. (175-164 v.Chr.) an, taten dies
etliche Juden, um ihre jüdische Abstammung zu verbergen und weiteren
Verfolgungen zu entgehen (vgl. 1Makk 1,15; Josephus, Antiquitates XII,5.1).
13 D.h. wohl, die Gelegenheit
frei zu werden (31,I,182f). In Lev 25,39-40 lässt Gott durchblicken, dass er
Sklaverei nicht gutheißt. Vielleicht ist aber auch gemeint: bleibe in deinem
Stand und gebrauche dein Slave-sein als Zeugnis, da du in Christus ja frei bist
(vgl. Vers 24). Vers 23 spricht aber eher gegen diese Auslegung.
14 Der verneinte Imp.Präs.
bedeutet entw.: "Hört auf euch zu berauben..."; od.: "Beraubt
einander nicht für längere Zeit bzw. nicht immer wieder".
15 Der Konj.Präs.
bedeutet: falls nämlich die sexuelle Abstinenz länger dauern sollte, erhöht
sich die Gefahr der Versuchung zur Hurerei.
16 Das heißt wohl nur einen
gläubigen Partner.
17 Vgl. Jer 16,1-4
18 Euphemistisch: d.h. keinen
Geschlechtsverkehr zu haben (Spr 6,29b). Man sollte allerdings bedenken, dass
sexuelle Sünden oft mit unsittlichen Berührungen oder Küssen beginnen. Daher vielleicht
dieser verhüllte Ausdruck. - Möglich wäre auch die allg. Bedeutung: nicht zu
heiraten. Die meisten antiken Schriftsteller verachteten die Ehelosigkeit,
jüdische Lehrer hielten sie sogar für eine Sünde. Sie betrachteten Gen 1,28 als
ein Gebot, das für jeden und für alle Zeiten gilt. Die griechischen Kyniker hingegen
verachteten die Ehe. In der Gemeinde in Korinth könnte es zum Thema
Geschlechtsverkehr zwei entgegengesetzte Ansichten gegeben haben: (1.) Auf der
einen Seite unverheiratete Männer, welche die geschlechtliche Freizügigkeit
befürworteten, solange sie nicht zu einer Heirat verpflichtete. Dies war in der
damaligen Kultur gang und gebe. (2.) Auf der anderen Seite Verheiratete, die
sich aus falsch verstandener Heiligkeit des "sinnlichen"
Geschlechtsverkehrs mit ihrem Partner, davon enthielten. Beides möchte Paulus
nun korrigieren (65,II,259).
19 od.: "...der Frau gefalle, - und auch die Frau ist
geteilt. Die Unverheiratete und die Jungfrau sorgen sich..." (21,II,835).
20 od.: "...der seine Jungfrau verheiratende
(Vater)..., und der nicht verheiratende (Vater)..."
(vgl. 1,303).
21 Nach jüdischem Recht wäre
dies nur dem Mann mit einem Scheidebrief möglich (Dtn 24,1-4), nach römischen
Recht beiden mittels eines Gerichtsbeschlusses.
22 In einem solchen Fall,
muss die Initiative zur Scheidung immer vom ungläubigen Partner
ausgehen. Paulus sieht sich genötigt die Situation von gemischten Ehen zu
regeln, und zwar im Gegensatz zur alttestamentlichen Handhabe in Esra 10,10-12,
aber im Einklang mit den Anordnungen Jesu. Nur römische Frauen konnten sich von
ihrem Mann scheiden lassen. In der Zeit als Paulus dies schrieb, nahmen immer
mehr Frauen diese Möglichkeit in Anspruch, sodass später sogar Gesetze erlassen
wurden, um dies einzudämmen.
23 Ein toleratives Passiv.
Dies war nur nach römischen Recht möglich. Vgl. auch die ausführliche Anm. zu Mt 5,32.
Ein prinzipielles Scheidungsverbot, wie es Jesus lehrte, war in der Antike ohne
Parallele (65,II,262).
24 Die Schrift gibt 4 Gründe, warum Gott die Institution
der Ehe eingesetzt hat: (1.) in Gen 2,18-24: Damit der Mensch nicht allein sei
und in seiner Frau eine ergänzende Hilfe und ein ebenbürtiges Gegenüber hat. (2.)
in Gen 1,28: Damit sich die Menschheit vermehrt. (3.) in Dtn 24,5; Spr 5,18-20
und Pred 9,9: Damit sich Mann und Frau in der Sexualität gegenseitig aneinander
erfreuen. (4.) Hier in 1Kor 7,2: Als Schutz vor außerehelichem
Geschlechtsverkehr (= Hurerei). - Sowohl Jesus als auch Paulus hatten eine sehr
bodenständige und irdische Sicht der Ehe. Die Ehe ist keine
Lebensgemeinschaft für die Ewigkeit, ja nicht einmal für das
tausendjährige Reich. Darum ist für Jesus und Paulus der ehelose Zustand, wie er
in der Ewigkeit sein wird (Mt 22,30), auch schon auf dieser Erde der Idealzustand,
vorausgesetzt die Betreffenden können in diesem Stand ohne sündhafte Gelüste
leben (vgl. Mt 19,10-12; 1Kor 7,6-7.26-27.37.40).
25 Daraus kann man schließen,
dass Paulus unverheiratet war, und ebenso, dass er nicht verwitwet war, denn
wie könnte er das allen Menschen wünschen.
26 Das bedeutet wohl, ohne
erlaubten Grund, und nicht, weil z.B. der Mann in Unzucht (πορνεια) gefallen ist (31,I,170f).
27 Für den folgenden Fall
gibt es keine explizite Anordnung des Herrn Jesus, deshalb wendet Paulus Jesu
Lehre über Scheidung und Wiederheirat sinngemäß auf diese neue Situation an. Er
spricht dabei in apostolischer Autorität (Joh 14,26).
28 Auch in den jüdischen
Eheverträgen stand die Verpflichtung zum regelmäßigen Geschlechtsverkehr durch
den Mann. Paulus weitet dies auch auf die Frau aus (65,II,260), was in modernen
Zeiten umso wichtiger wird, da Frauen verweigerte Sexualität manchmal als Druckmittel
gegen den Mann missbrauchen. In vielen Ehegesetzen moderner Staaten, ist die anhaltende
Verweigerung des Geschlechtsverkehrs sogar ein legitimer Scheidungsgrund.
29 Freigelassene Sklaven
wurden von ihren früheren Herren finanziell und politisch unterstützt
(65,II,264). Der Christ ist, nachdem er von Christus losgekauft und dadurch sein
Sklave geworden ist, danach wieder ein Freigelassener des Herrn geworden.
Christus ist nun sein Schutzherr, der ihn in allem unterstützt.
30 Damit will er seine
Ansicht als inspiriert und apostolisch verbindlich erklären.
31 Im Grundtext steht hier
und in den Versen 25 - 38 das Wort Jungfrau, was immer eine ledige unberührte
Frau meint. In den Versen 36-38 könnte es die Verlobte, oder auch ein Mädchen
bzw. eine Tochter gemeint sein, die dem Betreffenden anvertraut ist und für deren
Verheiratung er sorgt (54,z.St.).
1.Korinther 8
1 Mit dieser Formel
leitet Paulus in Kapitel 7,1; 8,1; 12,1 und 16,1 seine Antwort auf eine Anfrage
der Korinther ein (2,z.St.).
2 Das war Fleisch,
das vom Götzenopfer übrigblieb. Es wurde entweder vom Opfernden mit seinen
Freunden feierlich und in ausschweifender Weise in einem Tempelnebengebäude
verzehrt, oder, von den Ärmeren, am Fleischmarkt feilgeboten, gekauft und dann
im Haushalt verwendet. Der Verzehr solchen Fleisches war für einen Juden
verunreinigend und daher verboten (1,446). Am Apostelkonzil wurde der Verzehr
von Götzenopferfleisch explizit auch für Heiden-Christen verboten (vgl. Apg
15,29), damit der ungetrübte Umgang zwischen Juden- und Heiden-Christen möglich
war. Paulus sieht die Sache allerdings differenzierter: das Essen von
Götzenopferfleisch bei einem gemeinsamen Mahl im Götzentempel verbietet er, den
Verzehr von Götzenopferfleisch, das am Markt gekauft wurde erlaubt er, solange
es ohne Schaden für das Gewissen Dritter, z.B. von Juden-Christen, ist.
3 Weil mit Artikel
und im Plural: alle die (geschaffenen) Dinge; oder eben einfach: das All
(1,1278).
4 od. als
t.t.: Gott als unseren Richter vorführen.
5 od.: "Aber betreffs des Götzenopferfleisches: Wir
wissen, dass...".
6 Nämlich,
dass die heidnischen Götzen keine wirklichen Götter sind und demnach keine
Macht haben.
7 Ein
schwaches Gewissen, ist ein Gewisssen, dass nicht richtig an Gottes Maßstab
geeicht ist. Es verurteilt, wo es nichts zu verurteilen gibt.
8 Hier im
Sinne von: anerkannt (1,323[7]), wofür auch der Kontext in Vers 1-2 spricht, wo es um einen Christen geht, der meint, er hätte den
Durchblick (= Erkenntnis) in Bezug auf das Essen von Götzenopferfleisch, und
brauche daher auf den schwachen Bruder keine Rücksicht zu nehmen. Doch nur, wer
in Liebe gegenüber seinen Brüdern handelt, ist von Gott anerkannt. Es ist offensichtlich ein ironisches Wortspiel mit den
Ausdrücken "Erkenntnis" und "erkennen" in den Versen 1-2. Das hat hier nichts mit der ewigen Erwählung
zu tun, aber da es sich um die abgeschlossene Handlung des Perfekts handelt,
natürlich auch nichts damit, dass man sich seine Anerkennung bei Gott immer
wieder erarbeiten muss.
1.Korinther 9
1 Dtn 25,4. Auf der Tenne wurden Ochsen im
Kreis über das abgeschnittene Getreide geführt, um so die Körner aus den Ähren
zu stampfen. Gierige Bauern legten ihnen dabei einen Maulkorb um, damit nicht die
Ochsen währenddessen vom Getreide fressen konnten. Im AT wurde dies verboten,
nicht etwa aus Gründen des Tierschutzes, sondern weil Gott menschliche Gier und
Habsucht nicht gutheißen kann.
2 Gemeint
sind die Priester, die von bestimmten Opfern einen Anteil erhielten, der zum
Teil von ihnen im Heiligtum gegessen werden musste.
3 Da Paulus
ab Vers 24 athletische Wettkampfsprache benützt, scheint die Übersetzung "disqualifiziert"
angebracht; od.: "als untauglich ausscheiden", weil man die Regeln
missachtet hat. Die Isthmischen Spiele mit ihren athletischen Wettkämpfen
fanden ja in Korinth statt. Die Wettkämpfer hatten sich dabei einer Vorprüfung
(δοκιμασια) zu unterziehen, bei der die Untauglichen ausgeschieden wurden
(33,405; 31,II,40). Es geht hierbei nicht um die ewige Errettung, sondern um
die Beurteilung vor dem Richterstuhl Christi.
4 od. der
Aorist des Briefstils: "...ich schreibe dies (jetzt in diesem
Brief)".
5 Diese
Anordnung findet sich in Lk 10,7 und Mt 10,10; vgl. auch 1Tim 5,18.
6 Paulus
verwendet kaum den Namen "Jesus" allein, und wenn, dann betont er damit immer
die historische Person Jesus von Nazareth. Bei seiner Bekehrung vor Damaskus
erschien ihm der Auferstandene Herr und bestimmte ihn zum Apostel für die
Nationen; vgl. Apg 22,21 (21,II,845).
7 D.h. die
dann auch mitversorgt werden musste. Das beweist, dass die Apostel verheiratet
waren.
8
Eigentlich hatten diejenigen die hauptberuflich das Evangelium verkündeten das
Recht, von ihren Bekehrten während der Zeit ihres Aufenthalts versorgt zu
werden (V. 4ff; Tit 3,13; 3Joh 1,6 ua.).
9 od.: "in jeder Hinsicht";
od.: "ganz und gar" (1,1277). Die Athleten mussten sich mit Eid dazu
verpflichten, ab 10 Monate vor dem Wettlauf eine strenge Diät und
Enthaltsamkeit einzuhalten, um alles zu vermeiden, was sie entkräften oder
schwerfällig machen konnte. In dieser Zeit mussten sie auch hart für die
Wettkämpfe trainieren (21,II,855f; 31,II,38; 65,II,272).
10 Freier
übersetzt: "...nicht wie ins Blaue hinein". Dieses "Schattenboxen" war im Altertum als Vorbereitung auf den
Wettkampf durchaus gebräuchlich (52,IV,1247).
11 Der κηρυξ
(= Prediger, Herold) versammelte bei den isthmischen Spielen in Korinth die
Athleten um sich, verkündete ihnen die Wettkampfregeln, und startete dann den
Wettkampf (21,II,857; 31,II,39).
12 D.h.
sämtlichen im Gegensatz zu nur einem Teil (1,1277).
1.Korinther 10
1 Ex 32,6
(LXX). Damit sind wahrscheinlich unzüchtige und sexuell stimulierende
Tanzspiele mit götzendienerischen Handlungen gemeint (65,II,273).
2 Nicht
eine übermenschliche Versuchung, und daher ertragbar.
3 Mit Artikel:
für die gerade durchgemachte Prüfung hat Gott schon das
entsprechende Ende vorbereitet. Vgl. Hiob 42,10.12. Manchmal ist der Ausweg aus
tiefster Not aber der Tod. Für den Gläubigen ist dies nur ein Hinübergehen, um
bei Christus zu sein, was weit besser ist.
4 In 2Kor 1,8 kommt
Paulus allerdings in eine Prüfung, die ihm ausweglos erschien, aber
trotzdem nicht ausweglos war! vgl. Jak 5,11
5 Das
durften nur die Priester. Der opfernde Israelit erhielt nur
beim Friedensopfer einen Teil des Opferfleisches, den er mit seinen
Hausgenossen und Freunden im Vorhof verspeiste. Beim Abendmahl sieht Paulus die
Gläubigen als Priester am Tisch des Herrn (Mal 1,7.12), und als
versöhnte Sünder.
6 Ps 24,1.
Bei den Juden wurde dieser Vers als Tischgebet verwendet (31,II,63).
7 Da er das
Futurum verwendet, meint er damit wahrscheinlich, wie in 2Tim 2,10, die
Auserwählten, die noch nicht errettet sind (vgl. Apg 13,48).
8 Also
segnen alle Gläubigen durch ihr Gebet den einen Kelch, und jeder
bricht sich sein Stück von dem einen Brotfladen ab. Das schließt aus,
dass jemand Besonderer (z.B. ein "Pastor" oder Ältester) stellvertretend
für die anderen betet oder das Brot an jeden austeilt. Dies würde dem Prinzip
des Leibes Christi mit seinen einzelnen Gliedern widersprechen, und entspringt
kirchlichem Denken. Das "wir" zeigt eindeutig, dass alle beteten
und sich alle ein Stück vom Brot abbrachen. Tertullian berichtet noch 197
n.Chr., dass beim Abendmahl alle, nachdem sie aus dem Kelch getrunken
hatten, Gottes Lob so verkündeten, wie sie es aus den Heiligen Schriften oder
aus eigenem Vermögen zustande brachten (58,273). - Ebenso falsch ist es,
wenn ein Gläubiger nicht vom Brot oder vom Kelch nimmt. Falls er in
Unfrieden mit Gott oder einem Menschen ist, soll er das vorher klären. Zu 1Kor
11,28 siehe die Anmerkung dort.
9 Jes 65,11
(LXX). Gemeint ist die Teilnahme an den Götzenopfermahlzeiten in den
Nebenräumen der Götzentempel, wo die Reste des Götzenoferfleisches bei
ausgelassener Feier verzehrt wurden, und zu denen Gläubige von ihren
ungläubigen Freunden oder Verwandten vielleicht eingeladen wurden (vgl. Vers 27).
10
Wahrscheinlich ein gängiger Spruch der Korinther bezüglich ihrer
falschverstanden christlichen Freiheit (vgl. 1Kor 6,12).
11 Das Fleisch der
Opfertiere die den Göttern geweiht waren. Diesen Ausdruck verwendeten nur die
Heiden für ihre Opfer. Juden und Christen verwendeten dagegen den abwertenden
Ausdruck "Götzenopferfleisch" (Strong Nr. 1494).
12 od.: "der
Segnung". Im Passahritual war dies der dritte Becher (hebr.: kos
habberacha), über den der Segen gesprochen wurde (vgl. Lk 22,20 und die
Anm. bei Mt 26,19), weil bei ihm der Tischsegen und das Dankgebet für die
Speisen gesprochen wurde (54,z.St.; 31,II,54). Der Kelch des Leidens und des Zornes
Gottes (Mt 26,39ff; Joh 18,11 ua.), den der Herr Jesus für uns trank, wurde für
uns zum Kelch des Segens, für den wir danken. Der Kelch wird wahrscheinlich
deswegen zuerst genannt, weil wir erst durch das reinigende Blut Christi in den
Leib Christi hineingetauft wurden.
13 Indem
Paulus das Mahl des Herrn mit dem "Tisch des
Herrn", d.h. mit dem alttestamentlichen Brandopferaltar (Mal
1,6-8.12) vergleicht, macht er deutlich, dass wir beim Brotbrechen, sowohl als
Priester Gottes dastehen und unsere geistlichen Schlachtopfer darbringen (1Pet
2,5.9) - nämlich die "Frucht der Lippen,
die seinen Namen preisen" (Heb 13,10.15) - und
als versöhnte Sünder dastehen. Sowohl der opfernde Priester als auch der
opfernde Sünder bekamen beim Friedensopfer einen Teil des Opfers zur Speise.
14 Mit dem
Leib Christi ist sicherlich die Gemeinde gemeint, wie der nächste Vers zeigt.
Der eine Brotfladen, von dem sich jeder Gläubige ein Stück abbricht,
symbolisiert die Einheit der Gemeinde Christi. Der Gläubige bestätigt
durch seine Teilnahme die Wirklichkeit, dass er Teil von Christi Leib ist, weil
er durch das Blut Christi mit Gott versöhnt ist. Daher dürfen solche die nicht
wiedergeboren und getauft sind, nicht vom Brot nehmen und nicht vom Wein
trinken. Dies wäre ein "Etikettenschwindel",
denn sie haben keinen Anteil am Leib Christi, sie würden sich nur selbst
betrügen und der Gemeinde etwas vormachen.
15 Zum
vermeintlichen Widerspruch zur Anzahl in Ex 32,28 siehe: 60,510.
16 Vgl. die
Anm. bei Heb 6,1.
17 Das Fleisch,
dass vom Götzenopfer übrigblieb, blieb normales Fleisch. Es wurde durch die
Opferung an den Götzen nicht irgendwie dämonisiert, sonst hätte Paulus auch den
Verzehr solchen Fleisches vom Fleischmarkt verboten (1Kor 10,24ff). Es gibt
demnach keine okkulte, dämonisierte Materie. Auch okkult besprochene
(Arznei)Mittel haben keine okkulte Wirkung in sich selbst. Sie verführen
allerdings zur Beschäftigung mit der Esoterik und sollten von Gläubigen daher gemieden
werden. Vgl. die Anm. bei Apg 19,19
18 Götzen
existieren nicht, es sind nur tote Statuen. Aber hinter den Götzen verstecken
sich Dämonen, die die Verehrung an sich ziehen. Daher ist Götzendienst
Dämonenverehrung.
19 Impf.:
einer nach dem anderen? Vgl. dagegen den Aorist im Vers 10.
20 Aorist:
d.h. an einem einzigen Tag. Vgl. Num 14,2.27.37 und 16,11-35.
21 Wahrscheinlich
ein Gen.obj.: "für uns" (2,z.St.);
od. ein Gen.subj.: "von uns" (31,II,45); oder
beides in einem (2,1374 [A158]).
22 Was wir
aus dem AT lernen: https://drive.google.com/file/d/1EQC6GvotUUs2ueNT3XAn_wNrNW1y5VHG/view?usp=sharing
23 Diese
Gemeinschaft wird durch das Essen und Trinken nicht bloß symbolisch zum
Ausdruck gebracht, sondern es wird damit immer wieder ein innerliches Teilhaben
an Christus und seinem Leib und an der sühnenden Wirkung seines Blutes zum
Ausdruck gebracht (31,II,55), ohne, dass man deswegen an eine "Transsubstation"
glauben muss.
1.Korinther 11
1 Bei den
Juden und Römern bedeckten sich beim Opfern, Beten und Weissagen im allgemeinen
sowohl Männer als auch Frauen, bei den Griechen im
Tempel jedoch weder Männer noch Frauen (10,III,564; 31,II,68;
65,II,277). Paulus orientiert sich also keineswegs an vorherrschenden Sitten,
sondern führt etwas völlig Neues ein. Der jüdische Mann, der zum Glauben an den
Messias Jesus kam, trug beim Beten und Weissagen entgegen seiner bisherigen
Gewohnheit und Sitte keine Kopfbedeckung mehr (65,II,13). Eine Erklärung
dafür könnten die Gedankengänge des Paulus in 2Kor 3,6-18 sein. Das Gebot an
die Frauen sich beim Beten und Weissagen zu bedecken, kann also nicht mit dem
Hinweis auf damalige Sitten abgetan werden. Schließlich begründet es Paulus
auch mit der Schöpfungsordnung. Vgl. auch Ge 38,15; Jes 6,2. Zu diesem Thema siehe
den Artikel in: https://drive.google.com/open?id=1KaRAMVKKcFqzGWs7GEewQK9xJ16-AjWw
2 Im
Korinth der damaligen Zeit hatten Sklavinnen manchmal einen geschorenen Kopf,
ebenso auch, als Strafe, die Ehebrecherinnen; vgl. Deut 21,12-13 (10,III,564;
21,II,872). Paulus scheint jedoch an etwas ganz Bestimmtes zu denken. Der
bestimmte Artikel τη vor εξυρημενη könnte darauf hinweisen, dass Paulus an eine
bestimmte Klasse von Prostituierten denkt, nämlich an solche Dirnen die in
einer lesbischen Beziehung den maskulinen Part übernahmen und sich deswegen das
Haar kahlrasierten, um möglichst männlich zu wirken (vgl. Lucian:
Fugitivi 27; Dialogoi Hetairikoi 5.3). Sein Argument wäre dann: indem eine Frau
unverhüllt betet oder weissagt, macht sie sich äußerlich der
"Kahlrasierten", also der Prostituierten gleich, die auch kein
männliches Haupt über sich akzeptierte.
3 Sicher
ein iteratives Präs.: jedes Mal, wenn sie betet oder weissagt, aber auch nur
dann, und damit entgegen orientalischer Sitte, nach der die (zumindest
jüdische und römische) Frau immer bedeckt sein musste, wenn sie in die
Öffentlichkeit ging.
4 Bei den
griechischen und römischen Männern war dies ab dem 6.Jhdt v.Chr. nicht mehr
üblich, ja sogar verpönt, weil es zu weiblich war und der Mann
dadurch dem homosexuellen Strichjungen glich der langes Haar hatte, um in einer
homosexuellen Beziehung den femininen Part zu spielen. Die Männer in Sparta
trugen allerdings schulterlanges Haar, ebenso die jüdischen Männer zur Zeit
Jesu (65,I,465). Für Frauen dagegen war langes Haar, das oft bis zu den Hüften
reichte, ein Schmuck auf den sie nicht verzichten wollten und auf den sie stolz
waren (2,899; 52,II,897). Man könnte sagen: Das von Natur kürzere Haar des
Mannes ist wie eine Krone, das längere Haar der Frau dagegen wie ein
natürlicher Schleier (31,II,80).
5
"falls...", also kein Befehl.
6 vgl.
Hohelied 7,6.
7 Manche meinen Paulus wollte
sagen, dass die langen Haare der Frau als natürlicher Schleier ein Ersatz für
eine zusätzliche Kopfbedeckung wären. Es sollte jedoch beachtet werden, dass
Paulus in Vers 15 ein anderes griechisches Wort verwendet als in den Versen 4-7
und in Vers 13, wo κατα-καλυπτω steht, was bedeutet, den Kopf mit etwas zu
bedecken. In Vers 15 jedoch steht περι-βολαιον, was so viel wie
"Mantel" oder "Umhüllung" bedeutet. Es könnte eine Anspielung
auf die damalige Sitte sein, dass Frauen, wenn sie das Haus verließen, ihr Haar
zusammenfassten und aufsteckten, sodass es dann, wie eine Umhüllung des Kopfes
war (vgl. 38,III,443). Wenn die Haare selbst der Schleier wären den Paulus
meint, würde die Frau diesen "Schleier" ja ständig tragen. Er sagt
aber, dass sie dies nur zeichenhaft beim Beten und Prophezeien tun soll.
8 Nämlich: "…, dass
Frauen unverhüllt beten und prophezeien". Die Sitte, dass Frauen mit
bedecktem Kopf beten, war allgemein in den Gemeinden verbreitet, wie auch die
bildlichen Darstellungen in den Katakomben beweisen, wo Männer immer
kurzgeschnittenes Haar und Frauen eine Kopfbedeckung haben die bis auf die
Schultern herabhängt (31,II,82).
9 Beide Ausdrücke sind
t.t. für das Überliefern verbindlicher Lehre (2,z.St.). Zum Ablauf der Passah-Liturgie
vgl. die Anm. zu Mt 26,20. Die Einsetzungsworte stimmen stark mit denen im
Lukas-Evangelium überein. Paulus bekam die Einsetzungsworte direkt vom Herrn
offenbart und Lukas hat sie in seinem Evangelium von Paulus übernommen, denn
der 1.Korintherbrief wurde sicherlich vor dem Lukas-Evangelium geschrieben.
10 Ein Adverb ("…unwürdiglich") und
nicht: "...unwürdig...", als wäre es ein
Adjektiv, was sich als eine Eigenschaft auf die Person beziehen würde, während
es bei einem Adverb um die Art und Weise geht, wie eine Handlung vollzogen
wird. Die Kritik des Paulus war nicht, dass die Korinther unwürdig waren, weil
vielleicht Sünde in ihrem Leben war, sondern, dass sie das Mahl des Herrn in
einer unwürdigen Art und Weise wie eine Fete feierten (31,II,99). Wahrscheinlich ist
gemeint, dass die Gläubigen das Herrenmahl nicht wie ein Gelage feiern sollen,
weil sie damit das Brot und den Kelch in ihrer symbolischen Bedeutung für den
Leib und das Blut des Herrn entwürdigen. Auf diese Art versündigten sie sich
direkt am Opfer des Herrn und wurden dafür gezüchtigt, zuerst mit körperlicher
Schwachheit, dann mit Krankheit und schließlich sogar mit dem leiblichen Tod.
11 D.h. wohl Christus,
weil der Mann durch die Kopfbedeckung ausdrückt, er würde geistlich immer noch
unter einem anderen menschlichen Haupt stehen, wo er doch durch Christus nun
direkten Zugang zu Gott hat und keine Priester als Vermittler mehr braucht, und
daher im religiösen Bereich kein irdisches Haupt mehr hat, sondern nur seinen
unsichtbaren Herrn im Himmel.
12 Der bestimmte Artikel
ο vor χριστος betont, dass es um den Sohn Gottes geht, der als der
Christus in die Welt gesandt ist. Es ist also die Autoritätsbeziehung
zwischen Gott und seinem Sohn als dem gehorsamen Gottesknecht, die der Apostel
im Blick hat.
13 Das "aber"
in Vers 5 betont den Gegensatz zu dem, was im Vers 4 über den Mann und die
Kopfbedeckung gesagt wurde: Der Mann betet und weissagt unbedeckt, aber
die Frau bedeckt sich.
14 Engel gelten als
Zeugen der Schöpfungsordnung Gottes (Hiob 38,7) und nehmen Anteil an den
Geschehnissen in der sichtbaren und unsichtbaren Welt (1Kor 4,9; Eph 3,10; 1Tim
5,21; Ps 138,1). Selbst die Engel verhüllen ihr Angesicht in Gottes Gegenwart
(vgl. Jes 6,2). Also war die Kopfbedeckung für die Engel Gottes ein positives
Zeichen. Für die gefallenen Engel aber ein beschämendes Zeichen, denn sie
wurden verstoßen, weil sie sich Gott nicht unterordnen wollten.
15 Das lange Haar einer
Frau abzuschneiden war eine Schande und eine Bestrafung (vgl. Jer 7,29; Micha
1,26), langes Haar dagegen ihr Schmuck und eine Ehre; vgl. Hohelied 7,6 (65,II,278).
16 Sicherlich ein
iteratives Präs.: "jedes Mal, wenn sie betet oder prophezeit", und nicht ein
duratives Präs.: "immer, wenn…". Dass sich die
Frauen im Altertum in der Öffentlichkeit immer bedeckten, hat etwas mit der
damaligen Kultur zu tun. Paulus geht es aber nicht um Kultur, sondern um ein
geistliches Symbol.
17 entw.: "Wenn wir
von dem Herrn gerichtet werden, dann werden wir gezüchtigt, damit...";
od.: "Wenn wir gerichtet werden, werden wir von dem Herrn gezüchtigt,
damit...". Vgl. Ps 94,12-13.
18 Es ist schon schlimm
genug, wenn es generell Parteiungen in der Gemeinde gibt (wie in Kapitel 1-4
beschrieben), - umso schlimmer ist es aber, wenn sich diese sogar bei den
Zusammenkünften, und insbesondere beim Herrenmahl, das ja besonders die Einheit
des Leibes Christi darstellen soll, in solch liebloser Art und Weise äußern.
19 Paulus glaubt nicht
alles was er hört, aber er bildet sich ein Urteil darüber, was stimmen kann.
20 Parteiungen (αιρεσις)
der beschriebenen Art, sind in einer Gemeinde oft unvermeidbar, aber sie dürfen
nicht zu Spaltungen (σχισματα) führen.
21 Vgl. Jer 31,31-34. So
wie der alte Bund mit Blut eingeweiht wurde, so auch der neue Bund, nämlich
durch das Opferblut Jesu.
22 Nach dieser
Selbstprüfung nicht zu Essen und nicht zu trinken, entspringt einem
falschen Verständnis. Nur Ungläubige sollen das Brot und den Kelch vorbeigehen
lassen. Der Gläubige soll seine Haltung zum Herrenmahl überprüfen, notfalls
korrigieren und dann soll er essen und trinken.
23 Paulus nimmt sich von
dieser Selbstbeurteilung also nicht aus.
24 Obwohl das bedeckte
und unbedeckte Haupt nur eine Äußerlichkeit ist, ist es dennoch ein Symbol für
eine wichtige Sache, nämlich für die Schöpfungsordnung Gottes, die der
sichtbaren und unsichtbaren Welt dadurch demonstriert wird (31,II,69).
25 Das laute
Gebet in der Versammlung ist nach 1Tim 2,8-9 die Aufgabe der Männer.
Offensichtlich haben die Gemeinden es so wie die Synagogen gehalten, dass
nämlich die Frauen in der Versammlung schweigen. Das ist kein Widerspruch zu
dem, was Paulus in Vers 5 sagt, denn er spricht hier nicht speziell von der
Versammlung, sondern ganz allgemein vom Verhalten beim Beten und Weissagen.
Anordnungen die das Zusammenkommen als Versammlung betreffen, gibt es im 1.Korintherbrief
erst ab Kapitel 11 Vers 17, und zwar bis zum Ende von Kapitel 14. Sowohl das
Beten als auch das Weissagen wurde auch außerhalb der Versammlungen ausgeübt.
Vgl. Mt 26,68; Joh 11,51; Apg 10,9; 16,25; 19,6; 20,36; 21,5; Apg 21,7-11
(Agabus scheint diese Weissagung nicht in einer Versammlung ausgesprochen zu
haben). Und in Lk 1,41-45.67 und 2,36-38 können wir aufgrund dessen, was wir von
den Sitten im Judentum wissen, davon ausgehen, dass sowohl Elisabeth als auch
Hanna bei ihren Weissagungen nach jüdischer Sitte das Haupt bedeckt hatten, und
dass sie in der Synagogenversammlung weder beteten noch weissagten.
26 Es geht
also nicht nur um das öffentliche Gebet, sondern auch um das private Gebet
oder um das stille Gebet in der Gemeindeversammlung. In allen diesen
Fällen nehmen die Engel Anteil am Geschehen.
27 Es war
anfangs üblich, das Herrenmahl an ein gemeinsames Abendessen anzuschließen, in
getreuer Nachahmung des Passahs und des letzten Abendmahls. Jeder brachte
Speisen und Getränke mit, freilich sollten diese aufgeteilt und von allen
gemeinsam konsumiert werden. Es riss jedoch die lieblose Sitte ein, dass jeder
seine mitgebrachten Speisen selbst verzehrte, wodurch es zu den Zuständen kam
die Paulus kritisiert. Später wurde das gemeinsame Essen anschließend an das
Herrenmahl gehalten und Agape (= Liebesmahl) genannt (Jud 1,12), in weiterer
Folge aber dann leider ganz weggelassen (31,II,87f).
28 Das Wort "ist", muss
man nach semitischem Verständnis in demselben übertragenen Sinn fassen, wie
wenn man z.B. beim Betrachten eines Bildes sagt: "Das ist
Paul".
Daraus die katholische Lehre der "Transsubstation" herzuleiten,
entspricht eher griechischem Denken, für semitisches Verständnis ist sie aber
absurd.
29 Paulus verwendet
hier den allgemeineren Ausdruck κατ-αγγελλω für die Proklamation von
Jesu Sieg an die unsichtbare Welt, und nicht etwa das Wort ευ-αγγελιζω (=
evangelisieren). Der oft geäußerte Gedanke, dass das Abendmahl eine
evangelistische Verkündigung an eventuell anwesende Ungläubige ist, ist sicher
nicht in den Gedanken des Paulus gewesen. Daher ist es unangebracht zu behaupten,
es wäre hilfreich auch Ungläubige zum Brotbrechen einzuladen, da ihnen damit ja
das Evangelium verkündigt wird. In 1Kor 14,23 (siehe die Anm. dort) wird klar,
dass die Anwesenheit von Ungläubigen in den Versammlungen nur eine theoretische
Ausnahme war, die Paulus für ein hypothetisches Argument gebraucht.
30 Nicht das Brot
muss er richtig beurteilen, als ob es sich irgendwie verwandelt hätte, sondern
den Leib des Herrn muss er richtig beurteilen, d.h. das Brot nicht nur
als Brot zu sehen, sondern als Vergegenwärtigung für den geopferten Leib
des Heilands. Im Talmud wird das Wort διακρινω folgendermaßen gebraucht:
Heiliges von Unheiligem auseinanderhalten, um das Heilige hochzuachten und
wertzuschätzen (31,II,100).
31 Mit der
lieblosen Art und Weise, wie die Korinther das Mahl des Herrn feierten,
verachteten sie das Opfer des Herrn, welches mit den Symbolen von Brot und Wein
ausgedrückt wurde (vgl. 1Sam 2,17). Daher ist die Züchtigung in den Versen
29-32 so streng.
32 Nicht das endgültige Verdammungsurteil ist gemeint, denn dann würde der Artikel stehen, sondern eine zeitliche Züchtigung wie in Vers 29-32 (31,II,99).
1.Korinther 12
1 In den Papyri: jemanden arrestieren,
in Haft nehmen oder abführen. Hier von den Götzenanbetern, deren Geist von den
dahinterstehenden Dämonen gefangen genommen und instrumentalisiert wird
(vgl. Eph 2,2; 2Tim 2,26), um die toten Skulpturen anzubeten. Solche
Götzenanbeter waren manche der Gläubigen vor ihrer Bekehrung. Dann aber übernahm
der Heilige Geist die Kontrolle in ihrem Leben (31,II,107ff).
2 od.: "...er ist
deswegen trotzdem von dem Körper" (2,z.St.).
3 In Gräz.: die Tätigkeit
eines leitendenden Staatsmannes; die Verwaltung eines Haushalts. Auch als t.t.
der Seefahrersprache: der Steuermann (aber nicht der Kapitän!). Im NT aber nur
eine untergeordnete Geistesgabe, da sie in der Reihenfolge der Aufzählung erst
an vorletzter Stelle steht. Die Funktion des praktischen Leitens und
Organisierens in der örtlichen Gemeinde aufgrund weiser und kluger Überlegung.
Bezieht sich eher auf die praktischen Angelegenheiten in der Gemeinde. Daher
eher nicht gleichzusetzen mit der Gabe des Vorstehens in Röm 12,8.
4 Offenbar eine Reihenfolge
mit abnehmender Wichtigkeit für die Erbauung des Leibes Christi. Damit setzt
Paulus eine Wertung der Geistesgaben: Apostel sind die Wichtigste, Sprachenreden
die am wenigsten wichtige Gabe für die Erbauung der Gemeinde, denn sie wird
immer als die letzte Gabe erwähnt (1Kor 12,10.30).
5 Heißt das, wenn er in
einer fremden Sprache ("im Geist", wie 1Kor 14,15-16) redet oder
betet? Vielleicht wurde die folgende Aussage in einer Sprachenrede geäußert,
was ein Beweis wäre, dass sie nicht vom Geist Gottes eingegeben war
(vgl. 1Joh 4,1: "ob sie aus Gott sind").
6 In den Versen 29-30 sind die
erwarteten Antworten immer: "Nein,
natürlich nicht", - denn dies würde dem
Prinzip des Leibes mit seinen verschiedenen Gliedern widersprechen.
7 "Prophezeiung"
meint ein Reden aufgrund von Leitung durch den Heiligen Geist, das in
verständlicher, ermahnender, erbauender und tröstender Form die christliche
Botschaft auf die Nöte und Aufgaben der Gemeinde anwendet (vgl. 47,z.St.).
8 Er sagt nicht: "der
Leib Christi" (wie 1Kor 10,16; Eph 1,23; 4,12; Kol 1,18 ua.), denn nur die
Gesamtgemeinde ist der Leib Christi. Hier aber spricht er von der
örtlichen Gemeinde in Korinth, daher sagt er: "Christi
Leib", ohne Artikel. Die Gemeinde
funktioniert wie ein menschlicher Körper: Christus ist das Haupt im Himmel und
durch den Heiligen Geist steuert er jedes Körperglied auf der Erde nach seinem
Willen.
9 Wahrscheinlich meint er in
verhüllender Ausdrucksweise die Geschlechtsteile.
10 Die größeren Gnadengaben
sind diejenigen, die mehr zur Erbauung der Gemeinde beitragen. Der Gedankengang
wird hier unterbrochen und erst ab Kapitel 14,1ff wieder aufgenommen.
11 Damit schiebt Paulus
Kapitel 13 ein, wo er ausführt, dass alle Gnadengaben in Liebe ausgeübt werden
müssen, weil sie sonst wertlos sind.
12 Mit dieser Formel leitet
Paulus einige Male seine Antwort auf eine Anfrage der Korinther ein (2,z.St.).
Hier ist es das Thema der Geistesgaben, ein Bereich, bei dem in der Gemeinde in
Korinth einiges im Argen lag. Paulus beschreibt in Kapitel 12 zuerst die
verschiedenen Geistesgaben, die das Haupt Christus durch den Heiligen Geist in
seiner Gemeinde hier auf Erden bewirkt, und zwar durch jeden einzelnen, so wie
er es will. Die Gemeinde ist der Leib Christi auf Erden, die einzelnen
Gläubigen die Glieder dieses Leibes. Durch seinen Leib, die Gemeinde, bewirkt
Christus auf dieser Erde, dass, was er zu Lebzeiten schon begonnen hatte.
Danach zeigt Paulus in Kapitel 13, dass diese Geistesgaben im Geist der Liebe
ausgeübt werden müssen, sonst sind sie in ihrer Wirkung hohl und wirkungslos.
Schließlich beschreibt er in Kapitel 14, wie die Geistesgaben in den
Zusammenkünften praktisch auszuüben sind, wobei er klare Regeln aufstellt.
13 So verschieden wie die Geistesgaben
auch sind, sie sind alle Gnadengeschenke von Gott, Dienste an den
anderen und haben in ihrer Ausübung eine göttliche Wirkung auf die
Zuhörer.
14 Diese beiden Geistesgaben
wirken vor allem auf den Verstand. Es sind Redegaben. Das Wort der
Weisheit ist die Gabe des Hirten (des Seelsorgers), der der Gemeinde oder dem
einzelnen Ratsuchenden durch (δια) den Geist einen praktischen
geistlichen Rat für sein momentanes Problem geben kann. Die Gabe des Wortes
der Erkenntnis hingegen, ist die Gabe des Lehrers, der gemäß (κατα),
d.h. in Übereinstimmung mit der christlichen Lehre, durch seine Unterweisung tiefere
Erkenntnis vermitteln möchte (31,II,115).
15 Die darauffolgenden fünf
Geistesgaben sind andersartig (ετερος), weil sie mehr übernatürlichen Charakter
haben als die beiden vorigen.
16 Beide Male der Plural.
Wahrscheinlich, weil es sich auf die Heilungen verschiedener
Arten von Krankheiten und auf verschiedene Arten von Wundern
bezieht (31,II,116).
17 Aufgrund von Vers 3 ist
das die Fähigkeit, die Echtheit und Herkunft einer Prophezeiung (od. allg.:
einer Geistesgabe?) zu beurteilen.
18 Die folgenden zwei
Geistesgaben sind andersartig (ετερος), weil sie mehr mit dem Gefühl zu tun
haben als die fünf vorigen.
19 Zur Gabe der Sprachenreden
vgl. die Anm. bei Apg 2,4
20 Der Singular bedeutet
wahrscheinlich die Fähigkeit jede dieser Sprachen zu übersetzen, während
bei der Gabe der Sprachenreden der Plural verwendet wird. Es handelt
sich ja um verschiedene Fremd-Sprachen, von denen der Begabte nur eine
bestimmte spricht, ohne sie gelernt zu haben.
21 Die Präposition εν könnte
sowohl eine kausale als auch eine lokale Bedeutung haben. Wäre nämlich nur die
kausale Bedeutung gemeint, hätte Paulus wahrscheinlich die Präposition δια
gebraucht (vgl. 2,984; 7,z.St.; 31,II,121; 73,385). Nachdem der Gläubige bei
seiner Wiedergeburt durch (= kausal) den Heiligen Geist (Joh 3,5; Tit 3,5b) in
den einen Leib Christi hineingetauft wird, wird er dann auch noch im (= lokal)
Heiligen Geist getränkt, d.h. vom Heiligen Geist durchdrungen und erfüllt, mit Gaben
ausgestattet und damit ein wirksames Glied dieses Leibes. Die Erfüllung
mit dem Heiligen Geist ist allerdings kein immerwährender Zustand (vgl. Apg 2,4
mit 4,31 [die gleichen Personen!], sondern muss durch Gehorsam immer wieder
erneuert werden. Vgl. die Anm. bei Eph 5,18
22 D.h. die Glieder des
Leibes (1,1278).
23 Möglicherweise hat jemand
in einer Sprachenrede gesagt: "Ανάθεμα
Ιησους = Fluch Jesus", was für Paulus ein Beweis
war, dass diese Sprachenrede nicht vom Heiligen Geist eingegeben war und eher
in Verbindung zur Vergangenheit der Korinther steht, wo sie unter dem Einfluss
von Dämonen enthusiastisch (in Sprachen?) redeten (vgl. 31,II,108ff). Dämonische
Sprachenreden gibt es auch heute noch bei verschiedenen Naturreligionen. Auch eine
Sprachenrede, die selbst produziert ist und aufgrund einer psychiatrischen
seelischen Überspanntheit heraus entspringt, gibt es heute (vgl. Liebi R.:
Sprachenreden oder Zungenreden, 2007; Seite 75-76).
24 Kein Jude und kein Heide konnte
dazu bewogen werden so etwas zu sagen. Als Polycarp vom Statthalter dazu
aufgefordert wurde Jesus abzusagen, indem er ihm einfach nachsagt "HERR (ist) Cäsar", antwortete Polycarp immer mit "HERR
(ist) Jesus". Daraufhin wurde er trotz
seines Alters und zum Bedauern des Statthalters zum Tod verurteilt.
1.Korinther 13
1 Ein lärmendes Musikinstrument aus
Metall in Tellerform, das in der Tempelmusik verwendet wurde. Paulus meint
damit, dass die Geistesgabe, wenn sie nicht in Liebe ausgeübt wird, ihre Kraft
verliert (sowie bei Simson!) und nur mehr unnützen Lärm verbreitet.
2 Der Spiegel im Altertum
war nicht aus Glas, sondern aus blankpoliertem Metall. Er ergab deshalb nur ein
undeutliches Bild. Die Spiegelproduktion war in Korinth ein spezieller
Wirtschaftszweig.
3 Med.: von mir aus, d.h.
direkt und nicht indirekt wie bei einem Spiegel.
4 "Die..."
ist betont. Daher: Glaube, Hoffnung, Liebe, und nicht die drei Geistesgaben Prophezeiung,
Sprachenreden und Erkenntnis von V.8-10!
5 Die Gabe der Sprachenreden
wird demnach irgendwann in der Zeit ab Paulus bis zum Vollkommenen Zustand aufhören
(od.: pausieren?), im Gegensatz zu den Gaben der Prophezeiung und der
Erkenntnis, die erst am Ende in einem Augenblick beseitigt werden. Es
wird auch nur von diesen beiden gesagt, dass sie Stückwerk sind. Siehe: https://drive.google.com/file/d/1XQXOSXmcWvtFqSHGU43W-k0nEWhHJhn1/view?usp=sharing. Bereits in der
Apostelgeschichte merkt man einen Rückgang der Sprachenreden und in den
späteren Briefen wird sie nicht mehr erwähnt. Allerdings berichten noch im
2.Jhdt n.Chr. Irenäus, Chrysostomus und Theodoret, dass diese Gabe in den
Gemeinden noch vorhanden war (31,II,117). Es gibt zwei Meinungen über das
Aufhören der Sprachenreden. Die einen meinen mit Blick auf die Apostelgeschichte
und die Kirchengeschichte, dass diese Gabe bereits im 2.-3. Jhdt. n.Chr.
verschwand, andere vermuten, dass diese Gabe zu verschiedenen Zeiten und an
verschiedenen Orten aufhört (pausiert) und dann anderswo wieder auftritt.
6
Damit ist nach Eph 4,13; Kol 1,28 ua., wahrscheinlich die Vollendung der
Gläubigen bei der Entrückung gemeint. Die manchmal vertretene Ansicht mit dem
Vollkommenen wäre der Abschluss des Kanons gemeint, ist sehr unwahrscheinlich. Die
Korinther hätten Paulus nicht verstehen können, denn den Kanon gab es damals
noch nicht. Paulus hätte sich sicherlich klarer ausgedrückt, wenn er dies hätte
sagen wollen. Außerdem, wäre zu erwarten, dass Paulus sagt, dass die Offenbarung
Stückwerk ist bis zur Vollendung des Kanons.
7 Den Mund vollnehmen und
groß reden. Sich über etwas brüsten und aufgeblasen sein. Sich zur Schau
stellen, um im Vordergrund zu stehen, indem man seine rhetorische
Redegewandheit benützt.
8
od. als adverbieller Akk.: "...immer erträgt sie schweigend, immer
glaubt sie...", usw. (2,z.St.). Es ist kein naiver Glaube gemeint, sondern
eine Haltung, die das Verhalten des Nächsten eher im Guten, als im bösen Sinn
auslegt. Dort wo dieser Glaube aber enttäuscht wird, hofft sie weiter, dass am
Ende doch noch das Gute siegen wird. Um diese Haltung durchzuhalten, muss sie
geduldig ausharren (31,II,141).
9
Drückt eine mögliche Hypothese aus: "...hätte ich nicht …, wäre ich geworden"
(2,z.St.); od. ein präsentisches Perfekt: "bin ich…" (31,II,135f).
10
Der Ausdruck "Sprachen der Menschen" beweist, dass die Gabe
der Sprachenreden immer eine vom Heiligen Geist geschenkte Fähigkeit ist, eine
fremde menschliche Sprache zu sprechen die man weder gelernt hat noch selbst
versteht (vgl. Apg 2,6ff). Es ist die Umkehrung des Gerichts, welches bei der Sprachenverwirrung
in Babel geschehen ist (Gen 11,1-9).
11
Vgl. 2Kor 12,4 und vielleicht Offb 14,3. Paulus nimmt diesen Fall hypothetisch
als Argument an. Er sagt nicht, dass die Sprachen der Engel in der Gabe der Sprachengaben
enthalten wären.
12
Gläubige, die ihre Gnadengaben ohne Liebe ausüben sind hohl: sie klingen nach
nichts (V.1b), sie sind nichts (V.2b), und sie erreichen nichts (V.3b).
13
Die "δωδωναιον χαλκειον" waren sprichwörtlich diejenigen die viel
reden aber nichts tun (31,II,136).
14
Es gibt allerdings auch gute Gründe die Lesart καυθησομαι ("damit ich
verbrannt werde"), als die ursprüngliche anzusehen (31,II,138; 27,563f).
15
Vielleicht bezieht sich der Aorist auf die Vorkenntnis Gottes (Röm 8,29; 1Pet
1,2).
1.Korinther 14
1 Paulus will sich
kurzhalten. Vgl. seine Anweisung in 1Kor 14,30. Aber in Ausnahmefällen spricht
er auch länger: Apg 20,7
2 Gemeint sind in Jesaja
28,11-12 die assyrische und babylonische Sprache der Eroberer, die die Israeliten
nicht verstanden. Durch diese Völker züchtigte Gott Israel. Also waren diese
fremden Sprachen ein Gerichtszeichen für das Volk. Der Vergleich mit der
assyrischen und babylonischen Sprache beweist auch, dass die Gabe der "Zungenrede"
wirkliche menschliche Sprachen waren.
3 Jes 45,14
4 Betont: "die"
Gabe, in verschiedene Fremdsprachen sprechen zu können (1Kor 14,1-21).
5 Vgl. Apg 2,12-13. In den Versen
23-25 erklärt Paulus genauer, was er damit meint: uneingeweihte Außenstehende,
die zufällig in die Versammlung kommen, würden durch die nicht ausgelegten
Sprachenreden in ihrem Unglauben nur bestärkt, - die Sprachenreden wären für
sie ein Gerichtszeichen. Durch die Ausübung der Prophetiegabe aber, würden sie
von ihrer Sünde überführt und zu Glaubenden.
6 Ein für die Argumentation
nur theoretisch angenommener Fall. Dass dieser Fall nur hypothetisch gemeint
ist, zeigt die Aussage: "und alle in Sprachen sprechen", was
nach 1Kor 12,30 ja gar nicht der Fall sein kann. Eine Ermutigung Ungläubige in
die Versammlungen einzuladen ist dies keinesfalls, und war bei den ersten
Christen nicht üblich.
7 Zu der Ansicht, dass der Plural αδελφοι hier Geschwister
bedeutet, ist folgendes einzuwenden. In der Gräzität hat der Plural αδελφοι bei
einem leiblichen Geschwisterpaar, im Sinne eines Duals, die Bedeutung
"Geschwister". Es gibt auch Stellen, wo mit αδελφοι mehrere leibliche
Geschwister beiderlei Geschlechts bezeichnet sind. Der Plural wird auch auf die
Mitglieder in religiösen Gemeinschaften angewendet (1,29), aber ob dabei auch
Frauen mit gemeint sind, ist mehr als fraglich. Da im NT immer Brüder von
Schwestern unterschieden werden (vgl. 1Kor 7,15; Jak 2,1; Mt 12,50; 13,55-56;
Mk 3,32; 6,3; Lk 14,26), ist die Übersetzung "Geschwister" hier nicht
angebracht. Es war damals nicht üblich, in allgemeinen offiziellen Schreiben
auch Frauen mit anzusprechen, selbst wenn diese bei den Adressaten
miteingeschlossen waren, wie es in den neutestamentlichen Briefen ja der Fall
ist. Überall dort, wo es um das gemeinsame Heil in Christus geht, gibt es
keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. An diesen Stellen sind mit den
Brüdern selbstverständlich auch die Schwestern miteingeschlossen. An dieser
Stelle hier sind aber nur die Brüder gemeint, denn die Frauen werden dann im
Gegensatz dazu ab Vers 34 gesondert angesprochen. Das gleiche Muster sehen
wir in 1Tim 2,8-9. Vgl. auch noch die Anm. bei 1Kor 11,5
8 Würde Paulus meinen, dass
der Beitrag schon vorbereitet ist, wäre das Wort im Indikativ Perfekt, wäre es
ein Befehl dann im Imperativ ("habe"). Nur der Indikativ Präsens
lässt sowohl eine Vorbereitung als auch die Spontanität zu.
9 Wahrscheinlich
distributiv: jeder, - d.h. der eine hat einen Psalm, der andere hat eine Lehre,
usw (31,II,167). Auch in der Synagoge durften sich alle schriftkundigen
Männer an der Schriftauslegung beteiligen (65,I,212). Keine Gabe soll
unterdrückt werden, aber alles muss der Erbauung der Gemeinde dienen.
10 Gemeint ist wahrscheinlich
ein improvisiertes gesungenes Gebet, wie in 1Kor 14,15 und Jak 5,13 angedeutet
(31,II,167).
11 Redeten sie bis dahin
vielleicht durcheinander?
12 Wer die Gabe der
Übersetzung hatte, konnte also alle Arten von Sprachenreden übersetzen.
13 Imp.Präs.: er komme
allmählich zum Ende seiner Rede (vielleicht durch ein Handzeichen der anderen?).
Der Imp.Aor. würde bedeuten: er schweige sofort. Es war also auch schon damals
so, dass manche zu lange redeten. Auch heutzutage ist das manchmal der Fall, es
wird aber leider nicht so rigoros abgestellt wie damals.
14 Mit λαλεω (= sprechen) ist
im ganzen Abschnitt die Ausübung der Redegaben (Verse
2-6.9.11.13.18-19.21.23.27.29) und nicht das Beten oder Singen gemeint. λαλεω
bedeutet auch nicht "schwätzen", denn dies wäre das Wort φλυαρεω, wie
in 1Tim 5,13 und 3Joh 1,10. Anweisungen für das laute Gebet der Männer
und Frauen im Gottesdienst gibt Paulus in 1Tim 2,8-9 (siehe dort die Anm.).
15 Vielleicht denkt Paulus an
Gen 3,16 (31,II,173).
16 Liturgisch am Ende eines
Gebets oder eines Lobpreises, als Bekräftigung für das Gebet eines anderen: "so
ist es, es möge erfüllt werden". Dieser Brauch wurde von der Synagoge in
die christliche Gemeinde übernommen. Am Ende einer Predigt oder eines Gebetes
sagten die Anwesenden "Amen" und stimmten so dem Inhalt zu, als ob es
ihre eigenen Worte gewesen wären. Vgl. 1Chr 16,36.
17 w.: "...verhört wird
er".
18 D.h. in den Gottesdiensten
(vgl. Vers 26ff; Apg 11,26; 1Kor 11,18; 14,4ff; Kol 4,16; 3Joh 1,6), also dann,
wenn alle Gemeindeglieder zusammenkommen. Normalerweise ist das am
Sonntag der Fall, in manchen Gemeinden kommt die ganze Gemeinde auch unter der
Woche zum Bibelstudium und zum Gebet zusammen. Private Hauskreise, wo jeweils
nur ein Teil der örtlichen Gesamtgemeinde zusammenkommt, erfüllen nicht die
Voraussetzung von 1Kor 11,18 (siehe griech. Text). - Es könnte sein, dass durch
die gesellschaftliche Bevorzugung von
Frauen im öffentlichen Leben, die um diese Zeit von Kaiser Claudius
gefördert wurde, die Emanzipierung der Frauen zeitverzögert auch in die
Gemeinden eingedrungen ist, und Paulus deshalb, um diesem Trend
entgegenzuwirken, auf die Prinzipien Gottes hinweisen muss, die schon seit der
Schöpfung vorhanden sind. Ebenso dann in 1Tim 2,12-15. Eine Frauenfeindlichkeit
kann man Paulus nicht vorwerfen, in seinen Briefen hebt er auch immer wieder
Frauen als seine Mitarbeiterinnen hervor. Der Einfluss, den der Zeitgeist in
den Gemeinden in allen Jahrhunderten bis heute hatte, darf nicht unterschätzt
werden!
19 Es handelt sich bei dieser
Gabe also nicht (nur) um das Vorhersagen der Zukunft, sondern um ein
praktisches Predigen, welches das Herz berührt, überführt, zurechtbringt und
ermutigt. Sogar in der Didache (80-120 n.Chr.) wird die Gabe der Prophetie, so
wie sie in diesem Vers erklärt wird, noch geregelt (58,272). 20 D.h. die anderen Propheten
(73,420), sofern sie die Gabe der Geisterunterscheidung haben und auch alle
anderen Gemeindeglieder, die diese Gabe haben.
21 Das Wort
"verfolgen" bedeutet: etwas Unentbehrlichem nachjagen. Das Synonym
"eifern" bezeichnet mehr das Streben nach einer bloß wünschenswerten
Fähigkeit (31,II,149).
22 Wenn eine Offenbarung
ausgesprochen wird, ist dies eine Prophezeiung, wenn Erkenntnis weitergegeben
wird, ist dies Lehre.
23 Ein
Blasinstrument, das ähnlich wie die Oboe klang. Es wurde in den israelitischen Gottesdiensten
für gefühlstragende Musik verwendet (65,II,287).
24 Beim römischen Militär gab
es drei Posaunensignale mit folgender Bedeutung: erstes Signal = Sammeln; zweites
Signal = Bereitmachen zum Abmarsch; drittes und letztes Signal = Abmarsch.
25 Zehntausend ist im
Griechischen die größte Zahl (65,II,289)
26 Bei der Gabe der Sprachenreden
im Neuen Testament handelt es sich um das Gottesgeschenk, eine nicht erlernte Fremdsprache
bei völliger Selbstkontrolle aktiv sprechen zu können, wie die nachfolgenden
Verse, und auch Apg 2,4-11 deutlich machen (54,z.St.).
27 Er wurde dadurch erbaut, dass er verstand, was er sagte. Auch die Gemeinde konnte nur erbaut werden, wenn sie verstand, was gesagt wurde (Vers 5). Von der Fähigkeit an sich hat man nichts (54,z.St.).
28 Obwohl Paulus hier den Ind.Präs. "ich will" benützt, meint er wohl doch einen Wunsch im Sinne von Num 11,29b. Denn er sagt ja selbst in 1Kor 12,29-30, dass nicht jeder die Gabe der Sprachenreden haben kann (2,987.1401; 73,407; 48,754). Und dass er der Gabe der Sprachenrede keinen so großen Wert beimisst, sieht man auch daran, dass er sie in 1Kor 12,10b.30 als letztes aufzählt. In 1Kor 14,19-20 stuft er sie als kindlich ein.
1.Korinther 15
1 Ps 110,1
2 Ps 8,7
(LXX). vgl. auch Anm. bei Mt 21,16
3 entw.:
Jes 22,13 (LXX), oder ein Zitat des athenischen Komödiendichters Menander (2,z.St.).
Ein gängiger Spruch in der damaligen Zeit, den die Korinther vielleicht
aufgriffen, um ihren Lebenswandel zu rechtfertigen (21,V,932).
4 Gen 2,7
(LXX). Nur dieser Teil des Satzes ist ein Zitat aus dem AT (31,II,229). - Nach
dem Zeugnis der Bibel hat der Mensch nicht eine unsterbliche Seele, was
griechisches Denken wäre, sondern er ist eine unsterbliche Seele. Der
Mensch hat einen materiellen Leib, in den Gott jedes Mal bei einer
Zeugung (Ps 104,30a; Jes 42,5b; Apg 17,25) seinen Lebensodem, und damit den
menschlichen Geist, einhaucht. Auf diese Weise wird jeder Mensch zu
einer lebenden Seele, weshalb die Bibel manchmal mit dem Ausdruck Seelen
einfach Personen meint (Apg 2,41 ua.). Die Schrift bezeugt, dass auch Tiere
eine Seele haben (Gen 1,30). Wenn Seele und Geist in der Bibel unterschieden werden
(nur in 1Thes 5,23; Heb 4,12), dann bezeichnet Seele eher den Bereich der
Gefühle, Empfindungen und Willensentschlüsse, der Geist aber das Organ, mit dem
der Mensch mit Gott in Verbindung treten kann (vgl. Lk 1,47; Röm 8,16).
5 Jes 25,8
6 Hos 13,14
7 D.h. so
wie die Propheten des AT es vorhersagten, z.B. Jes 53,4-12; Hos 6,2; Ps 16,10; Ps
22,16-19; Jona 1,17. Auch Gen 22,4 gibt ein Vorbild auf die Auferstehung am
3.Tag, denn Abraham opferte Isaak bereits im Herzen, als er den Befehl zur
Opferung von Gott bekam. Am 3.Tag hat er ihn dann in einer symbolischen
Auferstehung wieder zurückerhalten (vgl. Heb 11,17-19).
8 Das Wort
bezeichnet den Abschluss in einer Serie, wie in Mk 12,22 und 1Kor 15,45. Paulus
ist demnach nach den Zwölfen und Jakobus der Letzte, dem der Herr leibhaftig erschien,
um ihn zum Apostel zu berufen und auszusenden (vgl. in Apg 22,21 εξ-αποστελλω). Seither
gibt es keine Apostel des Herrn mehr, sondern nur mehr Apostel im
weiteren Sinn, ausgeschickt vom Heiligen Geist (vgl. Apg 13,4).
9 Gnomischer
oder proleptischer Aorist, d.h. schon vom Standpunkt der Vollendung aus gesehen
(2,995; 31,II,236).
10 In der
Gräz. für jede Art von rascher Bewegung, z.B. der Wurf oder der Flug eines
Pfeiles, das Schlagen der Flügel, der kurze Moment eines Augenaufschlag oder
das Augenzwinkern, einfach: der Augenblick.
11 od.:
"...es sei denn, dass ihr unüberlegt.... ".
12 Als
milit. t.t.: die Kompanie, eine Truppe von aufgestellten Soldaten. Allg.: die
Abteilung, Division oder Klasse; übertr.: alles, was ordentlich
zusammengestellt und arrangiert ist. Von der gruppenweisen Auferstehung: zuerst
Christus, dann die Gläubigen bei seiner Ankunft, dann die alttestamentlichen
Gläubigen zu Beginn des tausendjährigen Reichs, zuletzt, nach dem tausendjährigen
Reich, der Rest der Menschheit bei der Auferstehung zum Gericht. Vgl. auch noch
die Anm. bei Joh 5,29
13 In Gräz.:
von den Gladiatorenkämpfen mit Raubtieren in der Arena in Rom. Ein römischer
Bürger wie Paulus, konnte nach römischen Recht nicht zu dieser Strafe
verurteilt werden (1,733; 31,II,216f; 65,II,298), daher könnte der Ausdruck
hier im übertragenen Sinn verstanden werden und bezieht sich vielleicht auf den
Tumult im Theater von Ephesus (Apg 19,29ff), denn Paulus schrieb den
1.Korintherbrief in dieser Zeit aus Ephesus.
14 Es gab in Korinth
offenbar einige die, unter dem Einfluss einer leibfeindlichen griechischen Philosophie
wie sie besonders von Plato gelehrt wurde, eine leibliche Auferstehung
leugneten (31,II,180). Sie glaubten sehr wohl an ein Weiterleben der Seele, -
und sicherlich auch an die leibliche Auferstehung Jesu. Daher argumentiert
Paulus von der leiblichen Auferstehung Jesu her, indem er klar macht, dass
Christus der Erste war der leiblich auferstand, und daher auch die
Gläubigen leiblich auferstehen werden (vgl. auch Joh 5,28.29; Röm 8,11),
und zwar mit einer neuen Art von metaphysischem Körper (Verse 35-50), wie in
auch Jesus nach seiner Auferstehung hatte.
15 Ein
geflügeltes Wort, das auf den griechischen Dichter Menander (4. Jhdt. v.Chr.)
zurückgeht (vgl. 47,z.St.).
16 Dem Passahfest
am 14.Nisan folgte das Fest der Weizen-Erstlinge (Lev 23,9ff) am 16.Nisan, also
an dem Tag, an dem Jesus auferstand. Er erfüllte auf diese Weise die
schattenhafte Bedeutung dieser beiden Feste. Er war durch seine Auferstehung
die erste reife Frucht der Weizenernte, wir sind bei der Auferstehung die volle
Ernte.
17 υπερ (= im
Hinblick auf), und nicht: αντι (= anstelle von). Es gab in den letzten
Jahrhunderten an die dreißig verschiedenen Erklärungen. Zu möglichen
Bedeutungen siehe: 21,V,930f; 31,211ff; 60,511f und 64,603f. Wesentlich ist,
dass Paulus hier nichts vorschreibt, sondern eine gängige (vielleicht falsche?)
Praxis als Argument anführt, wobei nicht einmal klar wird, was er von dieser
Praxis hält. Am ehesten ist wohl an Neubekehrte zu denken, die durch ihre Taufe
die Plätze der getöteten Märtyrer auffüllen wollen. Oder an solche, welche die "Leidenstaufe"
durch das Martyrium auf sich nehmen (vgl. Lk 12,50; Mk 10,38), um zu dem Kreis
der Märtyrer zu gehören (Offb 6,9-11; 20,4). Dies ergebe auch eine natürliche
Erklärung für den nächsten Vers 30. Manche meinen zwar es wäre vielleicht eine
Anspielung auf eine in Korinth gelegentlich vollzogene stellvertretende Taufe
zugunsten ungetauft verstorbener Gläubiger, aber das ist sicher abwegig (vgl.
47,z.St.).
18 Beide Male
beschreibendes Präsens statt Futurum. Die jüdischen Rabbis aus der Partei der
Pharisäer stellten sich die leibliche Auferstehung so vor, dass Gott die
materiellen Bestandteile des alten Körpers wieder zusammensetzt, was lächerlich
ist und zu Spott Anlass gab (31,II,221). In den folgenden Versen zeigt Paulus,
dass dem nicht so ist. Gott wird bei der Auferstehung den Auferstehungsleib
ganz neugestalten.
19 Aorist
und nicht Präsens, d.h. so wie er es am Anfang im Schöpfungsprinzip festlegte
und in die Genstruktur der jeweiligen Pflanzen und Tiere hineingelegt hat, - aber
nicht nur für die Pflanzen und Tiere, sondern auch für den zukünftigen
Auferstehungskörper.
20 Die
Pharisäer dachten, der Mensch werde mit dem gleichen Körper auferstehen, den er
vorher hatte, - wie töricht (21,V,935).
21 Paulus könnte
zwar die "Körper" der Himmelsgestirne
meinen (V.40), eher aber die Geist-Körper von Engeln, und besonders den
Auferstehungskörper des Herrn Jesus (V.45ff), den er ja gesehen hat (21,V,936).
22 Damit ist,
auch in den nächsten Versen, wahrscheinlich nicht der Tod gemeint, sondern der
Beginn des irdischen Lebens (31,II,226).
23 Die "letzte"
Posaune ist nicht die 7. Posaune von Offb 11,15, sondern wie in 1Thes 4,16 die
dritte und letzte Posaune der drei militärischen Posaunensignale bei der
römischen Armee - und auch beim Volk Israel in der Wüste (Num 10,2-10) - mit
folgender Bedeutung: 1.Posaune: Zelte abbrechen und sammeln! 2.Posaune:
Aufstellen zum Abmarsch! 3.Posaune: Abmarsch! (siehe: Xenophon, Anabasis,I,2,17).
24 Die Verwandlung und Entrückung der Gläubigen
ist ein Geheimnis, dass weder im AT, noch von Jesus zu seinen Lebzeiten, klar geoffenbart
wurde, wohl aber von Jesus angedeutet wurde (vgl. Joh 14,3; 1Thes 4,13ff). - Es gibt acht
Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart
werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7
25
Ingressiver Aorist. Wenn man nicht glaubt, dass Christus für unsere Sünden
gestorben und für unsere Rechtfertigung auferstanden ist, wäre der "Glaube"
ein vergeblicher Glaube gewesen, er hält nicht durch, weil er nicht echt ist.
26 Damit ist
wohl die Erscheinung am Tag der Himmelfahrt gemeint, wo sowohl Thomas als auch
Matthias (Apg 1,22) dabei waren.
27 Das Übel,
welches der erste Mensch Adam verursachte, musste der zweite Mensch Christus gutmachen.
28 Damit
will Paulus gewiss keine Allversöhnung lehren (Mt 25,46; 2Thes 1,9 ua.).
Entweder das "alle" bezieht sich nur auf die Gläubigen, d.h. so wie die
Gläubigen als Nachkommen Adams dem Tod verfallen sind, werden sie alle in
Christus mitauferweckt worden (vgl. Röm 5,17). Oder Paulus will die Tatsache
hervorheben, dass Christus derjenige sein wird, der alle Menschen zur
Auferstehung rufen wird (Joh 5,28-29), entweder zur Auferstehung des Lebens
oder zur Auferstehung zum Gericht (31,II,196; 2,992).
29 Nicht
τοτε (= unmittelbar darauf), sondern einen kleineren oder größeren Zeitraum
danach, nämlich die tausendjährige Zeit der Königsherrschaft Christi auf Erden.
Diese beginnt mit der Wiederkunft Jesu Christi (31,II,198).
30 Damit ist
bestätigt, dass der Tod im tausendjährigen Reich noch da sein wird (vgl. Jes 65,20;
66,24).
31 od. wahrscheinlich
reflexiv: "…dann wird sich unterordnen"
(31,II,203; 44,529; 7,z.St.; 8,z.St.; 9,z.St.; 47,z.St.). So wie der Sohn
wesensgleich mit dem Vater ist ("wahrer Gott von wahrem Gott"),
genauso ordnet sich aber auch der Sohn dem Vater unter, indem er
ihm nach vollbrachter Aufgabe die Herrschaft zurückgibt (Vers 24), die dieser
ihm für das tausendjährige Reich übergab (Joh 5,22; Offb 2,28a; 3,21b).
32 Durch Tod
und Zersetzung kommt in der Natur neues Leben hervor, beim Menschen ist es
genauso.
33 Christus
ist der letzte Adam, weil in ihm der Fluch, der durch Adam in die Welt
kam, durch den Kreuzestod überwunden wurde. Durch seine Auferstehung wurde er
zum zweiten Menschen.
34 Vielleicht
schon durch seine Menschwerdung, im Besonderen dann durch seine Auferstehung
(Joh 20,22).
35 Die
Naherwartung der Entrückung hat sich bei Paulus im Laufe seiner Lebenszeit
verändert. In seinem ersten Brief in 1Thes 4,15 und etwas später, hier in 1Kor
15,51-52, erwartet Paulus noch, dass er nicht sterben wird, sondern bis zur
Entrückung leben wird. Einige Jahre später (Php 1,20-23; 2,17) ist er nicht
mehr so sicher, ob er nicht schon davor sterben könnte. Und in seinem letzten
Brief (2Tim 4,6) rechnet er mit seinem baldigen Tod, - ebenso wie Petrus an
seinem Lebensende (2Pet 1,14). Wesentlich war für ihn, bis zum Ende seines
Lebens, in ständiger Bereitschaftshaltung zu sein, dem Herrn zu begegnen (2Kor
5,9). Dies ist wichtiger als eine unnüchterne, und bloß verbale Naherwartung
wie sie Manfred Siebald besingt: "Wir
beten laut, Herr komm doch bald, und denken leise, doch jetzt noch nicht".
36 Dies sagt Paulus hier, um zu betonen, dass nur die Gläubigen in das zukünftige Königreich eingehen können, und zwar mit einem unverweslichen Körper, den sie bei der leiblichen Auferstehung bekommen. Es schließt nicht aus, dass andere Gruppen mit ihren sterblichen Körpern ins tausendjährige Reich eingehen werden. Vgl. auch die Anm. oben zu 1Kor 15,26
1.Korinther 16
1 Mit dieser Formel leitet Paulus
häufig seine Antwort auf eine Anfrage der Korinther ein (2,z.St.).
2 Viell.: in dem Maß, wie er
geschäftlichen Gewinn macht (1,655; 31,II,249).
3 D.h. eigenhändig, denn der
Brief war diktiert.
4 Die Geldsammlung für die
armen Gläubigen in Jerusalem. Jeder legte am Sonntag bei sich zu Hause
(31,II,248) so viel auf die Seite wie er wollte. Als Paulus dann auf Besuch kam
übergab ihm jeder seine angesparte Summe Geldes und Paulus brachte in Begleitung
ausgewählter Brüder alles nach Jerusalem. Schon die Juden hatten den Brauch,
dass die reicheren Juden in der Diaspora eine Sammlung für die ärmeren Juden in
Jerusalem veranstalteten (Josephus, Antiquitates, XVIII,9,1). Die gängige
Kollekte am Ende jedes sonntäglichen Gottesdienstes hat weder eine apostolische
Anweisung noch ein derartiges Vorbild im NT! - Vgl. zu diesem Thema auch noch
2Kor 8,1 - 9,15 und Röm 15,25-27. Im NT wurde ausschließlich für folgende
Zwecke gespendet: (1.) Für Geschwister in Not. (2.) Für Apostel
die Gemeinden gründeten. Sie wurden während ihres Aufenthalts von denen
versorgt, die sie zum Herrn geführt hatten (Apg 16,15.34; 1Kor 9,4ff). Dass die
"sendende Gemeinde" in Antiochien Paulus und Barnabas unterstützte, wird
nirgends gesagt. Vielleicht war es so, aber man kann davon keine Regelung
ableiten, wie das heutzutage geschieht. Der Arbeiter lebt von der Frucht seiner
Arbeit. (3.) Lehrer die überörtlich ihren Dienst tun (z.B. Apollos,
Zenas, ua.). Sie wurden während ihres Aufenthalts von der Gemeinde versorgt und
für die Weiterreise bis zur nächsten Gemeinde mit allem Nötigen ausgestattet (Tit
3,13.14; 3Joh 1,6). In Gal 6,6 dürfte die private Unterweisung durch einen
Lehrer gemeint sein. Bei Ältesten unter gewissen Voraussetzungen eine
regelmäßige Unterstützung anzunehmen, ist exegetisch nur schwer haltbar. Vgl.
die Anm. bei 1Tim 5,17!
5 Die Genannten sind
vermutlich die Überbringer des Fragenkatalogs der Gemeinde von Korinth an
Paulus.
6 Der Name lässt darauf
schließen, dass er ein Sklave oder ein Ex-Sklave aus der Provinz Achaia war
(33,10).
7 Will er damit vielleicht
mit einem Augenzwinkern klarmachen, dass er nur mitgeht, wenn die Gabe groß
genug ist (21,V,946; 31,II,249), oder aus einem anderen Grund?
8 Vielleicht ist damit die
Missionierung Kleinasiens (Kolossä, Laodizäa, usw) durch ihn und seine
Mitarbeiter gemeint (vgl. Vers 19 und Apg 19,9f.26).
9 Achaja war eine römische
Provinz, die den südlichen Teil Griechenlands umfasste und von Korinth aus von
einem Prokonsul regiert wurde. - Schon davor gab es in Athen einzelne
Bekehrungen (Apg. 17,34), aber es entstand keine Gemeinde dort. In Korinth
selbst wird Krispus als der erste Bekehrte genannt (Apg. 18,8), aber erst das ganze
Haus des Stephanas bildete dann den Startschuss zu einer Gemeindegründung.
10 Bis zu diesem Zeitpunkt
gab es offensichtlich noch keine Ältesten in Korinth, obwohl es eine recht
große Gemeinde war!
11 Da Apg 19,20 und 1Kor 16,9
vermuten lassen, dass die Gemeinde in Ephesus bereits eine beträchtliche Größe hatte,
wird es sich hier wohl um eine der "Hausgemeinden" in Ephesus handeln, sicherlich um die, die
Aquila und Priscilla schon am Anfang gründeten. Auch die Präposition κατα in
ihrem distributiven Sinn weist auf diese Tatsache hin (31,II,256).
12 Wohl ein Gebetsruf der
aramäisch sprechenden Urgemeinde (59,385): "Unser Herr komm/kommt/wird
kommen".
13 Diese sollen sowohl die
Überbringer als vertrauenswürdig bestätigen, als auch wahrscheinlich die Höhe
des Spendenbetrages angeben, damit keinerlei üble Nachrede entstehen könne (2Kor
8,20). Diese Praxis der Transparenz bei Geldangelegenheiten ist heute wichtiger
denn je.
14 Mazedonien war eine römische Provinz auf der Balkanhalbinsel. Sie
umfasste den nördlichen Teil des heutigen Griechenland (54,z.St.). - Wahrscheinlich
ein futuristisches Präsens des Vorhabens: "…werde ich durchziehen"
(2,996; 31,II,250).
15 Asia war eine römische
Provinz, die den westlichen Teil Kleinasiens umfasste. Dies weist darauf hin,
dass Paulus mit seinen Mitarbeitern während seines dreijährigen Aufenthalts in
Ephesus, seine Missionstätigkeit auf ganz Kleinasien ausweitete (vgl Apg 19,10).
Und ebenso, dass der 1.Korinterbrief gegen Ende dieser drei Jahre geschrieben
wurde.
16 Noch zur Zeit Justins des
Märtyrers wurde dieser Ritus praktiziert, und zwar bei der Weitergabe des
Brotes beim Abendmahl, wobei jeder Bruder seinem nächstsitzenden Bruder und
jede Schwester ihrer nächstsitzenden Schwester das Brot nach einem Kuss weiterreichte
(31,II,256).
17 Dies zeigt, dass der erste
Tag der Woche (= Sonntag) bereits der festgelegte Tag für die Versammlungen der
Christen war, denn es war der Tag von Jesu Auferstehung. Er nahm die Stelle des
Sabbaths ein, aber nicht als Ruhetag, sondern nur als Versammlungstag. Der römische "Sonntag", der ehrwürdige Tag der Sonne (lat.: dies
solis), der dem römischen Mithraskult
geweiht war, wurde erst durch Kaiser Konstantin im Jahr 321 n.Chr. zum Ruhetag im Römischen Reich bestimmt (31,II,248;
41,1168). Ein biblischer Ruhetag anstelle des Sabbats ist der Sonntag
daher nicht.
18 Galatia ist der Name einer Landschaft im nördlichen Kleinasien. Die
römische Provinz Galatia schloss aber seit einigen Jahrzehnten auch die
südlicher liegenden Landschaften Pisidien, Phrygien und Lyakonien ein. Dort
befanden sich die von Paulus gegründeten Gemeinden, von denen er hier schreibt
(54,z.St.).
Zu Korinthern B
2.Korinther 1
1 Bezieht sich
vielleicht auf eine Gefangenschaft in Ephesus; vgl. 1Kor 15,32; 16,9; Apg
19,23-40; 2Kor 11,23-33 (vgl. 47,z.St.); eher aber auf Apg 19,23-40 und 20,3
(65,II,308); od. auf eine lebensgefährliche Erkrankung (21,III,40f). Mit Asia
war die römische Provinz gemeint, die heutige Westtürkei, deren Hauptstadt
Ephesus war. In Ephesus hielt sich Paulus etwa 3 Jahre auf und missionierte
dabei mit seinen Mitarbeitern das Hinterland. In dieser Zeit entstanden
wahrscheinlich auch die sieben Gemeinden, die wir aus der Offenbarung Kapitel
2-3 kennen.
2 Vgl. das
Gegenteil in 1Kor 10,13
3 εκ bedeutet
hier eher: "vor" und nicht "aus", denn sie sind ja dann doch
nicht gestorben.
4 Ein Gen.epex.,
der Geist ist die Anzahlung (2,z.St.). Ein
geschäftlich-juristischer t.t.: d. Handgeld oder Unterpfand als Anzahlung und
Sicherstellung für einen Gesamtbetrag der erst später ausbezahlt wird. Mit
dieser Anzahlung verpflichtet sich der Betreffende zugleich vertraglich, den
Rest zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt noch zu bezahlen. Die Sache, auf
die angezahlt wurde gehört ihm aber schon. Vgl. Gen 38,17-20;
2Kor 5,5; Eph 1,14. Kaufleute z.B., die im Hafen eine Getreideladung kauften,
handelten zuerst den Kaufpreis aus, dann gaben sie eine entsprechende
Anzahlung, versiegelten die Säcke, und verpflichteten sich, die Ware zur
bestimmten Zeit abzuholen und den Restbetrag zu begleichen. Das was der Heilige
Geist jetzt in unserem Leben wirkt ist eine Anzahlung, ein Vorgeschmack für das,
was er bei der Vollendung an uns tun wird.
5 od.: aus Todesangst?
od.: aus Todesgefahr?
6 D.h. der
Bescheid des Todesurteils von offizieller Stelle (21,III,40; 16,85).
7 D.h wohl
einige von euch, aber leider nicht alle; vgl. 1Kor 3,4 (21,III,43).
8 Er meint
wohl, dass zwischen seinen Briefen und seinen Worten kein versteckter
Unterschied besteht, wie manche in Korinth meinten (2Kor 10,10f). Er ist
authentisch! Im Griechischen ein Wortspiel, dass man in Deutsch nicht
wiedergeben kann. Paulus liebt solche Wortspiele; vgl. auch noch im
griechischen Grundtext die Wortspiele mit anderen Worten: 1Kor 2,13; 7,31;
11,31; 12,2; 2Kor 3,2; 4,8; 10,12; Php 3,2; Eph 5,15 (21,III,42f).
9 Bezieht
sich wahrscheinlich auf einen Vorwurf der Korinther, warum er seinen
ursprünglichen Plan zu ihnen zu kommen (Vers 16) verworfen hat, und stattdessen
Titus schickte (21,III,43).
10 Ein
geschäftlich-juristischer t.t. bei Kaufverträgen: Ein zugesagtes Gut, für das
man bereits eine Anzahlung gab, für gültig erklären und juristisch garantieren
(4,104; 65,II,310).
11 Bei der
Bekehrung werden die Gläubigen durch die Gabe des Heiligen Geistes gesalbt, und
so, wie im AT, für den priesterlichen Dienst für den Herrn eingesetzt
(65,II,310).
12 Amen
bedeutet:
so möge es geschehen; vgl. Offb 3,14.21.
13 Damit
spielt er offensichtlich an die Ermahnungen n 1Kor 1,10ff; 5,1ff; 11,17ff an;
vgl. 2Kor 1,23; 10,6; 13,1-10.
14 Dokumente
und Warenbehälter wurden damals versiegelt, damit sich kein Unbefugter am
Inhalt zu schaffen machen konnte. Das Siegel des Eigentümers wurde dabei in
heißes Wachs gedrückt und dann über die Schnur gepresst, mit der das Dokument
oder der Behälter umbunden war (65,II,310). Christus hat uns durch das Lösegeld
seines Opfertodes für Gott freigekauft. Gott ist jetzt unser Eigentümer und
Herr. Niemand darf und kann dieses Siegel brechen. Ein Hinweis auf die
Unverlierbarkeit des Heils.
15 Paulus
hatte stattdessen den resoluten Titus mit einem harschen Brief (der
1.Korinterbrief) nach Korinth geschickt (65,II,311). Zu der Ansicht es handle
sich dabei um einen verlorengegangenen "Tränenbrief" siehe die Anm.
bei 2Kor 2,3.
2.Korinther 2
1 Falls in Vers 3 der Aorist
des Briefstils vorliegt ist der vorliegende 2.Korintherbrief gemeint, bei einem
normalen Aorist der Vergangenheit wäre der 1.Korintherbrief gemeint, - was in
Vers 4 wahrscheinlich der Fall ist (21,III,49). Manche meinen, Paulus bezieht
sich auf einen verlorengegangenen "Tränenbrief". Doch wenn es einen
solchen Brief wirklich gab, warum ist keine einzige Abschrift davon erhalten
geblieben? Man hätte doch diesen Brief genauso erhalten wie die anderen Briefe
des Paulus, von denen es hunderte Handschriften gibt.
2
Gemeint
ist der Sünder in 1Kor 5,1ff., wo für ihn in Vers 5 und Vers 11, der gleiche
griechische Ausdruck verwendet wird (21,III,48f.; 48,786). Für die Ansicht es
betreffe jemand anderen, muss man komplizierte und unbewiesene Annahmen treffen
(vgl. 74,109ff).
3
Das
Substantiv nur hier, das Verb noch an 29 anderen Stellen. Die Bedeutung des
griechischen Wortes ist, die von den Richtern festgesetzte Strafe.
4
Also
gilt ein Gemeindeausschluss auch dann, wenn nur eine überwiegende Mehrheit der
Gemeinde zustimmt, was allerdings bei einer so schweren Sünde den traurigen
Zustand der Versammlung in Korinth offenbart.
5
Ein
juristischer t.t.: etw. (öffentlich) ratifizieren (wie Gal 3,15), z.B. ein
Gerichtsurteil. Hier also ein offizieller Gemeindebeschluss (65,II,312). In
1Kor 5,3-5 hat Paulus befohlen zu "binden", hier befiehlt er wieder
zu "lösen" (vgl. Mt 18,18). Trotz der Schwere der Sünde, erfolgte die
Buße und Wiederaufnahme dieses Sünders, wahrscheinlich schon einige Monate nach
seinem Ausschluss. So wie ein Gemeindeausschluss in allen anderen Gemeinden
anerkannt werden sollte, muss auch eine Wiederaufnahme nach Buße, in allen
anderen Gemeinden anerkannt werden.
6
Im
1Kor 5,1ff.
7
Paulus
hatte Titus mit dem 1.Korintherbrief (nach anderen mit einem verlorengegangen
"Tränenbrief") von Ephesus nach Korinth geschickt, um die Ordnung in
der Gemeinde wiederherzustellen. Er hoffte, ihn in Troas zu treffen, weil er
inbrünstig auf gute Nachrichten aus Korinth hoffte. Da er ihn in Troas nicht
fand machte er sich Sorgen um ihn und reiste mit dem Schiff weiter nach
Mazedonien. Dort traf er dann Titus, der ihm gute Nachrichten aus Korinth
brachte. Vgl. 2Kor 7,5-6, dort wird auch der chronologische Gedankengang weitergeführt.
8
Gräz.:
der Tanz im Dreierschritt (lat.: triumphare). Als hellenistischer t.t.:
einen festlichen Aufmarsch zu Ehren des Gottes Dionysos halten, wobei viele
Freudenlieder gesungen wurden. Aber hier ist der römische Triumphzug gemeint. Wenn
der siegreiche römische Feldherr von der gewonnenen Schlacht zurückkehrte, zog
er als Jupiter verkleidet, begleitet von seinen Soldaten, im Triumphzug auf
einem von 4 weißen Pferden gezogenen Kampfwagen in Rom ein. Vor dem Wagen wurde
die Siegesbeute vorgeführt und Liktoren gingen dem Wagen voraus. Nach dem Wagen
folgten die Gefangenen und das Heer der Soldaten, die Loblieder sangen
(52,V,973f). Dabei wurde wohlriechendes Räucherwerk (z.B. Kräuter udgl.)
verbrannt. Bei dieser Gelegenheit tötete man oft viele der Gefangenen während
andere Gefangene gnädig verschont blieben. Der Wohlgeruch war also für diejenigen
die getötet wurden ein "Wohlgeruch zum Tod" für die anderen aber die
begnadigt wurden ein "Wohlgeruch zum Leben" (59,235; 65,II,312). Der
Apostel will damit sagen, dass auch das Evangelium, das allerorts verkündet
wird, wenn es abgelehnt wird "zum Tod", wenn es aber angenommen wird
"zum Leben" sei. "Vom Tod zum Tod" bedeutet: vom
geistlichen Tod zum buchstäblichen und letztlich ewigen Tod, "vom Leben
zum Leben" bedeutet: vom irdischen Leben zum geistlichen und ewigen Leben.
9
Ursprünglich
von der Tätigkeit des kleinen Detailhändlers, der vor allem Wein weiterverkauft
und damit in der Versuchung steht, diesen vorher durch Verdünnen mit Wasser
oder anderen, billigeren Flüssigkeiten zu strecken (vgl. LXX Jes 1,22), damit
er beim Verkauf mehr Profit herausschlägt. Daraus entwickelte sich die
allgemeinere Bedeutung: etwas verfälschen, um damit schamlosen Gewinn zu
machen; ein Geschäft machen, handeln, etwas verhökern. Im weiteren Sinn: etwas
(betrügerisch) verfälschen, um persönlichen Gewinn zu machen. Doch liegt bei
diesem Wort der Nachdruck nicht auf dem Verfälschen (wie bei Strong Nr. 1389),
sondern beim Gewinn machen. Daher hier vielleicht in der speziellen Bedeutung:
das Wort Gottes, d.h. das Evangelium, bei der Verkündigung verwässern, um
persönlich gut dazustehen und nicht Anstoß zu erregen. Wahrscheinlich meint
Paulus die Verwässerung des Evangeliums bei der Verkündigung (21,III,51;
65,II,313), um dann besser dazustehen und das Ärgernis des Kreuzes zu vermeiden.
10
Ab
hier dürfte ein gedanklicher Einschub sein (2Kor 2,14 - 7,4). In Kap. 7,5ff
wird dann die Erzählung, was nach seiner Ankunft in Mazedonien geschah, wieder
aufgenommen. Diesen Abschnitt als einen eigenen, später eingefügten Brief zu
sehen, scheint absurd (65,II,313). - Mazedonien war eine römische Provinz in
Nordgriechenland (2,z.St.). - Der abrupte Gedankensprung von Vers 13 zu Vers 14
("Aber…") dürfte folgender sein: Paulus musste die Möglichkeiten der
geöffneten Tür in Troas ungenützt lassen, weil ihm die Lage in der Gemeinde
Korinth in diesem Moment wichtiger war. Doch dies macht nichts, denn Christus
selbst ist derjenige, der im Triumphzug mit dem Evangelium durch die Welt
zieht, und er hat andere Arbeiter als Werkzeuge in seiner Begleitung, die tun
können, was Paulus jetzt in Troas nicht tun konnte. Daher spricht er in Vers 14
von uns, und nicht von mir.
11
D.h.
in begleitender Gemeinschaft mit ihm.
12
"...die
errettet-Werdenden" steht im Passiv, denn die Errettung geschieht allein
durch Gott und ist ganz aus Gnaden und allein Gottes Werk. Das zweite Ptz. "...die
verloren-Gehenden" könnte entweder auch ein Passiv sein, oder ein Medium
das darauf hinweisen könnte, dass das Verlorengehen aufgrund eigenen Mitwirkens
geschieht, weil man dem Evangelium nicht gehorcht hat.
13
Dies
setzt einen zweiten Besuch in Korinth, von Ephesus aus (Apg 19,10), voraus.
Dieser Besuch verlief betrüblich, sodass Paulus diese Erfahrung den Korinthern
diesmal nicht zumuten will, weshalb er seine Besuchspläne geändert hat
(21,III,46).
14
Gemeint
ist sicherlich der Sünder in 1Kor 5,1ff. (21,III,48f.; 48,786).
15
"zum
Teil", weil nicht alle hinter dem Ausschluss standen (Vers 6b). Sei es,
weil sie liberaler gesinnt waren ("alles ist mir erlaubt…"), oder
weil sie gegen Paulus gesinnt waren, und ihm deshalb nicht gehorchen wollten.
16
Der
Gedankengang wird in 2Kor 3,5 weiter ausgeführt.
17
z.B.
die falschen Brüder in Gal 2,4; 2Kor 4,2; 11,4ff.
18
Da
das Wort in der LXX vom Wohlgeruch der Opfer verwendet wird, dürfte Paulus
folgenden Gedanken äußern: Christus ist unser Brand- und Speisopfer und in
ihm sind wir, die Verkündiger des Evangeliums, zusammen mit ihm ein
Wohlgeruch für Gott.
19 Die Bewährung bestand
darin, dass sie gehorsam waren und den Gemeindeausschluss durchführten
(vgl. 1Kor 5,4.13b). Nun sollten sie gehorsam sein, und den Sünder der Buße
tat, wieder aufnehmen.
20
Denn
der Sünder von 1Kor 5,1ff wurde "dem Satan übergeben, zum Verderben
des Fleisches". Seine rechtzeitige Buße und die Wiederaufnahme in die
Gemeinde, sollte die Möglichkeit Satans verhindern ihn zu verschlingen.
2.Korinther 3
1 Ex 34,34
2 "...wie in einem
Spiegel reflektierend" (vgl. 33,784; 21,III,58); od., bei Betonung des
Med.: "…für sich selbst wie mit einem Spiegel auffangend" (1,863).
Paulus möchte wohl sagen: sowie Mose die Herrlichkeit des HERRN in seinem
Antlitz nur vorübergehend widerspiegelte, so widerspiegeln die Gläubigen die
Herrlichkeit des HERRN in ihrem Charakter permanent und immer mehr, und
zwar aufgrund der beständigen inneren Umgestaltung, die der Heilige Geist in
ihrem Leben bewirkt. Sie werden Jesus immer ähnlicher. Das NT nennt das "Heiligung"
(vgl. Röm 8,29; 12,2; Kol 3,10; 1Kor 15,49 ua.).
3 D.h. in sein Ebenbild,
welches Christus ist; vgl. 2Kor 4,4 und Kol 1,15.
4 viell. als einfacher Gen.:
"...vom Geist des HERRN"; od.: "vom Geist, welcher der HERR ist"
(21,III,59). Aber in beiden Fällen wäre dann wohl wie in Vers 17b πνευμα vor
κυριου gestanden.
5 Freiheit vom "unter
dem Gesetz sein".
6 Paulus will wohl folgendes
sagen: Wenn die Juden die sich unter das Gesetz stellen, das AT lesen,
verstehen sie nichts von der Herrlichkeit des Messias im AT. Man kann dies nur
durch den Heiligen Geist verstehen, den man durch die Umkehr zum Herrn Jesus
empfängt. Der Heilige Geist führt in die Freiheit vom Buchstaben des Gesetzes.
Wenn der Gläubige den Herrn Jesus in der Schrift mit einem offenen Herzen
betrachtet, sieht er seine Herrlichkeit, aber mit einer gewissen Unschärfe, so
wie in einem orientalischen Spiegel der aus einer polierten Metallplatte
bestand. Oder, nach anderer Erklärung, er reflektiert die Herrlichkeit des
Herrn, so wie Mose, wenn er aus der Gegenwart Gottes heraustrat. Das Betrachten
dieser Herrlichkeit führt zu einer fortwährenden Umgestaltung seines Charakters
(bei Mose war es nur eine vorübergehende Umgestaltung seines Angesichts), - er
wird Jesus immer ähnlicher.
7 Als Mose vom Berg Sinai
herabstieg, strahlte nach Ex 34,29f.35 sein Gesicht die Herrlichkeit Gottes
wieder, der mit ihm gesprochen hatte. Aber dieser Glanz wich wieder und darum
verhüllte Mose sein Angesicht, damit die Israeliten die Vergänglichkeit dieses
Glanzes nicht sahen. Dieser vergängliche Glanz wird für Paulus zum Bild
der Vergänglichkeit, die den Alten Bund im Vergleich mit dem Neuen
kennzeichnet, der bleibend ist (vgl. 47,z.St.). Die Gläubigen des Neuen Bundes
aber widerspiegeln die Herrlichkeit Gottes unverhüllt.
8 Der französische Maler
Gustave Dore konnte sich einmal bei der Ausreise nicht ausweisen. Er sagte dem
Grenzbeamten, dass er der berühmete Maler Dore sei, worauf ihm dieser
antwortete, das könne jeder von sich behaupten. Daraufhin blickte Dore aus dem
Fenster, er sah eine Kathedrale und zeichnete diese in ein paar Minuten auf ein
Blatt Papier. Der Polizeibeamte erwiderte daraufhin: "Ja, sie sind
wirklich Gustave Dore". So sollen die Menschen in unserem Lebenswandel die
Charakterzüge Christi lesen, und daran erkennen, dass wir wirklich
"Christen" sind.
9 Wir, im Gegensatz
zu Mose.
10 Eben, weil die
Herrlichkeit auf dem Angesicht des Mose wieder verschwunden ist, wurde der Alte
Bund nicht so verherrlicht wie der Neue Bund.
11 δια (= durch) betont die vorübergehende
Herrlichkeit des Alten Bundes, die Präposition εν (= in) die bleibende
Herrlichkeit des Neuen Bundes; vgl. auch Röm 5,10 (21,III,56).
12 Mit Artikel nur deshalb,
weil auf den HERRN in Vers 16 zurückgewiesen wird (13,54).
13 D.h. von Gottes Herrlichkeit
zu der Herrlichkeit die wir durch den Prozess der Heiligung in unserem
Charakter immer mehr widerspiegeln; od.: zu immer mehr Herrlichkeit.
14 D.h. hier: Israel; in LXX
aber: er, d.h. Mose.
15 Solche Empfehlungsbriefe
waren damals bei den Juden allgemein üblich. Sie dienten der Bevollmächtigung
des Reisenden und verschafften ihm Zutritt und Gastfreundschaft in den Häusern.
Auch die Gemeinden übernahmen diese Gepflogenheit (65,II,314).
16 Das erste Gesetz wurde vom
Finger Gottes auf steinerne Tafeln geschrieben. Die Propheten versprachen, dass
Gott ein zweites Mal sein gesetz in die Herzen der Gläubigen schreiben würde
(Jer 31,31-34), so wie es auch ursprünglich schon sein sollte (Dtn 30,11-14;
Hes 36,27).
17 Damit will Paulus
keinesfalls sagen, man müsste es mit der Schrift nicht so genau nehmen.
Vielmehr will er sagen, dass das Gesetz des alten Bundes uns zum Tod
verurteilt, das Gesetz der Gnade aber führt unter den neuen Bund und spricht
den frei, der auf den stellvertretenden Opfertod Jesu Christus vertraut (vgl.
Hes 36,26-27 ua.). Es war besser und hilfreicher, durch den Heiligen Geist das
Gesetz Gottes direkt im Herzen zu haben, als in einer Schriftrolle vor Augen
(65,II,315).
18 In der Gräz. ein t.t. der Rhetoriker:
sich bei seinen Äußerungen "kein Blatt vor den Mund nehmen"
(65,II,316).
2.Korinther 4
1 Ps 116,10 (LXX)
2 Nämlich
den Lichtglanz des Evangeliums (Vers 4+6) im Herzen.
3 Vgl.
1Thes 4,14. Paulus erwartet hier, dass er bei der Entrückung zusammen mit den Korinthern
auferstehen wird.
4 Ptz.Präs.
durativ: fortwährend/Stück für Stück..., durch Alterung, Krankheit und
schließlich den Tod.
5 κυριος ohne Artikel bezeichnet
an anderen Stellen im NT den Gottesnamen Jahwe des AT. Doch könnte κυριος hier auch
als Titel verstanden werden, und zwar als bewusster Gegensatz zum römischen
Kaiser, der auch den Titel ΚΥΡΙΟΣ für sich
beanspruchte; - vgl. auch Php 1,2 und 2,11.
6 Paulus
verteidigt sich damit wahrscheinlich gegen Vorwürfe, die die falschen Lehrer
die nach Korinth kamen, gegen ihn vorgebracht hatten (vgl. Kap 12,16).
7 Hier ein
stärkerer Ausdruck als in 2Kor 2,17, denn "verschachern" bedeutet,
die Botschaft zu verdünnen um des persönlichen Vorteils wegen. Das Wort
hier bedeutet "verfälschen", also eine bewusste Verdrehung der
Wahrheit. Wahrscheinlich meint Paulus die Lehrmeinung, die besagt, Heiden-Christen
müssten sich beschneiden lassen und das Gesetz Mose halten, um letztlich
endgültig gerettet zu werden.
8 Vgl. die
Anm. in 2Kor 2,15. Auch hier verwendet Paulus wahrscheinlich das Medium und
nicht das Passiv. Hätte Paulus in Röm 9,22 lehren wollen, dass Gott Menschen im
Vorhinein zur Verdammnis bestimmt hat, hätte er hier in Vers 4 nicht den Satan,
sondern Gott als den Urheber der Verblendung genannt. - Hier nennt Paulus Satan
den "Gott dieser Welt" (vgl. auch Eph 2,2), in Joh 12,31; 14,30 und
16,11 nannte Jesus ihn den "Herrscher dieser Welt", doch letztlich
ist Jesus Christus der Herrscher über alles (Offb 1,5).
9 Paulus
will sagen: wir Gläubigen sind nicht wie die Ungläubigen, sondern Gott selbst
bewirkte in unseren Herzen, dass wir durch das Evangelium seine Herrlichkeit in
Christus erkannten (denn dieser ist das Bild Gottes; vgl. Kol 1,15ff), und
deshalb können wir auch, obwohl in uns selbst schwach und angefochten (V.7-12),
dieses Evangelium an andere weitergeben (V.13). Vgl. auch Apg 7,2.
10 vgl.
1,1560,2c.
11 Zu dieser
Übersetzungsmöglichkeit vgl. 7,784 und 21,III,64; od. Gen.partitivus:
"...bewirkt (an/in/für) uns eine über alles Maß hinausgehende ewige
Schwere..." (2,z.St.). Paulus macht ein Wortspiel, denn im Hebräischen
haben das Wort Schwere und das Wort Herrlichkeit die gleiche Wurzel (65,II,320)
12 In Gen
1,3 bei der Schöpfung, hier bei der Wiedergeburt.
13 Paulus
denkt vielleicht an Richter 7,16ff. Der Vergleich wird in 2Kor 5,1ff
weiterentwickelt. Mit Gefäß ist oft der menschliche Körper gemeint, irden
betont die Gebrechlichkeit bzw. Zerbrechlichkeit des Menschen im Vergleich zur
Macht Gottes. Nur dort, wo unser Eigenwille zerbrochen ist, kann Gott uns
vollständig gebrauchen.
14 Das Wort
wurde normalerweise für Sargträger verwendet (65,II,319). Mit der Tötung Jesu
sind wohl seine täglichen Anfeindungen und Leiden werden seines Erdenlebens
gemeint (21,III,62), wie sie auch in verschiedenen messianischen Psalmen
beschrieben werden.
15 Damit ist das tägliche Sterben um Jesu willen gemeint (Röm 8,36; 1Kor 15,31; Phil 3,10; Ps 44,23).
2.Korinther 5
1 Entw.: umschriebener Impf.: "..., dass
Gott in Christus die Welt versöhnte" (21,III,72; 44,545); od. selbständig,
zur Betonung der Einheit Gottes und des Christus im Sühnegeschehen: "...,
dass Gott in Christus war, als/indem versöhnend die Welt…" (2,1011;
74,267); od. viell.: "Wie (es ja feststeht), dass Gott in Christus war,
die Welt versöhnend,..." (7,787).
2 Paulus vergleicht den Körper mit einem Zelt,
als einer Wohnung, einem Haus oder einem Kleid. Er erwartet bei der Entrückung
eine Verwandlung (ein Überkleidet-Werden) des irdischen Körpers in den
Auferstehungsleib, den Gott vom Himmel her bereithält (vgl. 1Kor 15,44).
"Nackt sein" (V. 3) ist ein Zustand, bei dem der Mensch nach seinem
Tod als Geistwesen ohne den neuen Leib existiert (vgl. 47,z.St.).
3 Vgl. die Anm. in 2Kor 1,22. Nackt zu sein
war für die Juden eine schreckliche Vorstellung (65,II,321).
4 Damit ist der neue Körper gemeint, den wir
bei der Auferstehung bekommen. Vielleicht denkt Paulus an seinen Beruf als
Zeltmacher.
5 Im Gegensatz zu seinem ersten Brief (1Thes
4,15), schwingt in diesem Satz schon ein leichter Zweifel in Paulus Worten mit,
ob er nicht vielleicht doch noch vor der Entrückung sterben muss. In
seinem letzten Brief (2Tim 4,6; vgl. auch 2Pet 1,13-14) scheint er sich, wie
auch Petrus, schon damit abgefunden zu haben!
6 D.h. mit dem was man sieht: z.B. Visionen
(Kap 12,1.13), oder eloquentes Reden (2Kor 10,10), oder Empfehlungsbriefe (2Kor
3,1), oder jüdische Abstammung (2Kor 11,22), oder persönliche Bekanntschaft mit
dem historischen Jesus (Vers 16), usw. (21,III,69).
7 υπερ bedeutet nicht:
"anstelle von" (das wäre αντι), sondern
"...im Hinblick auf", wie dann Vers 15 deutlich macht, wo es heißt,
dass Christus für alle auferstand. Es wird aber sonst nirgendwo gesagt,
Christus sei anstelle von uns auferstanden (21,III,70). Christus ist für
alle, - ja sogar für alles (Heb 2,9b), - gestorben und auferstanden, um so
Gottes Heilsangebot an alle möglich zu machen. Doch nur, wer es annimmt, wird
auch tatsächlich von seinen Sünden erlöst und ist mit Gott versöhnt.
8 Ein rabb. t.t. für einen bekehrten
Proselyten. Für Paulus aber bedeutete es mehr: durch die Wiedergeburt ist der
Gläubige schon jetzt ein neuer Mensch. Vgl. Joh 3,3; Röm 6,4 ua. (21,III,71;
65,II,323).
9 "uns…damit wir".
D.h. nur für die Gläubigen die das Versöhnungsangebot annahmen, und nicht für alle.
Die anderen müssen sich erst versöhnen lassen (Vers 20).
10 Das Versöhnungsangebot geht von Gott aus
und gilt allen Menschen (V.19), aber nur diejenigen die es annehmen (V.20b),
sind dann auch von sich aus mit Gott versöhnt und ausgesöhnt. Alle
anderen verharren in Feindschaft gegenüber Gott, weil sie sein
Versöhnungsangebot ablehnen. Dass Gott die Welt mit sich versöhnt hat
bedeutet, dass sich sein Verhältnis zu den Sündern verändert hat. Er rechnet
ihnen ihre Sünden einstweilen nicht zu, schafft Frieden, und bietet
allen die Versöhnung an (74,264ff). Vgl. auch die Anm. bei Kol 1,20; 1Joh 2,2
und Röm 3,25
11 Ptz.Präs.: d.h. jetzt, in dieser
Heilszeit, rechnet er es ihnen nicht an (vgl. Röm 3,25-26). Später im Gericht
(Offb 20,11ff) aber schon, wenn sie sich bis dahin nicht versöhnen lassen.
12 ως mit Ptz. gibt einen
subjektiven Grund an: "In der Überzeugung, dass..." (2,z.St.).
13 Der Gen. nach αγαπη ist bei Paulus
immer der Gen.subj. (21,III,69). Dennoch könnte hier auch ein Gen.obj.
mitschwingen, denn die Liebe von Christus, die Paulus erlebt hat, führte
bei ihm auch zu seiner Liebe zu Christus, die ihn in seinem Dienst
antrieb (2,1374; 13,13).
14 Entweder im Sinne von 1Kor 15,22, nämlich,
dass alle Menschen den Tod verdient haben; oder das "alle" bezieht
sich nur auf die Gläubigen (vgl. Röm 6,2; Kol 3,3). Der Sinn wäre dann, dass
alle Gläubigen gleich sind und sich keiner größer zu machen braucht. Denn
Christus ist für alle Gläubigen gestorben, damit wir für ihn und nicht für uns
selbst leben. Das passt gut zum Zusammenhang (2Kor 5,12.16), und ist ein
wesentliches Thema des Briefes.
15 Wahrscheinlich meint Paulus: "Falls wir doch zu denen gehören die sterben
müssen, dann wissen wir doch, dass wir einen neuen Körper bekommen werden". Vers 2-4 macht diese Anspielung auf die
ersehnte Verwandlung (= Überkleidung) bei der Entrückung wahrscheinlich. Die
Erwartung des Paulus, dass er zu denen gehört die noch zu Lebzeiten entrückt
werden, hat allerdings mit seinem zunehmenden Alter abgenommen. In seinem
ersten Brief (1Thes 4,17) ist er noch fest davon überzeugt entrückt zu werden,
in seinem letzten Brief (2Tim 4,6) ist er schon sicher, dass er sterben wird.
Ebenso Petrus an seinem Lebensende (2Pet 1,14).
16 Nicht: "…Gutes oder Böses"
(denn das wäre πονηρος). Im Griechischen steht aber φαυλος = qualitativ
Schlechtes. Es geht beim Richterstuhl Christi nicht um die moralische
Bewertung unseres Tuns (denn unsere Sünden sind bereits gesühnt), sondern um
die Qualität dessen, was wir für den Herrn getan haben (vgl. 1Kor
3,12-15), und um Belohnung oder keine bzw. wenig Belohnung. Zum Richterstuhl
Christi vgl. noch: Mt 25,14ff; Lk 19,12ff; Röm 14,10; 1Kor 4,2-5; 2Kor 5,10
17 Ein Gesandter war als Botschafter der
Stellvertreter eines anderen Staates. So wurden auch die kaiserlichen Legaten
im Osten bezeichnet (65,II,323).
18 Das Perfekt γεγονεν hat hier entweder die normale Bedeutung von "ein für alle Mal…", oder es liegt ein präsentisches Perfekt vor: "…sind entstanden" (vgl. 13,290 [213]; 2,1387 [243]).
2.Korinther 6
1 Jes 49,8 (LXX)
2 Lev 26,11-12
3 vgl. Ex
6,7; Jer 31,33; Ez 11,20; 37,27; Sach 8,8; 13,9
4 Jes
52,11.4
5 Ez 20,34
6 2Sam 7,14
7 Paulus
wendet das LXX-Zitat für die Gemeinde an, indem er "...und Töchtern"
hinzufügt.
8 2Sam 7,8
(LXX)
9 D.h. die
ganze Gemeinde auf Erden ist jetzt der Tempel Gottes, anstelle des
Tempels in Jerusalem. Gott wohnt jetzt in der Gemeinde. In 1Kor 6,19 hingegen
ist der Leib jedes einzelnen Gläubigen ein Tempel des Heiligen Geistes.
10 Die
"Waffen zur Rechten und zur Linken" sind die Angriffswaffen
(Kurzschwert oder Säbel) in der rechten Hand und die Verteidigungswaffen
(Kleinschild oder Langschild) in der linken Hand (1,214; 65,II,325).
11 od. als
toleratives Pass.: "Lasst euch breit machen...".
12 Ein Joch
war ein Holzrahmen, mit dem zwei Zugtiere zusammengespannt wurden, um gemeinsam
einen Wagen oder Pflug zu ziehen. Ein Bild also, für das Zusammenarbeiten, um
ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Es stellt sich die Frage, worauf man dieses
Gebot des Apostels anwenden darf. Die Anwendung, keine Ehe mit einem
Ungläubigen einzugehen, ist sehr eindeutig. Denn wenn eine Ehe kein gemeinsames
Joch ist, was dann? Soll man auch keiner politischen Partei beitreten? Auch
dort verfolgt man ein gemeinsames Ziel mit Ungläubigen. Und wenn man eine
gemeinsame Firma mit einem Ungläubigen gründet? Ja selbst wenn man Aktien
erwirbt, wird man dadurch zum Miteigentümer an dem Unternehmen, und man hat mit
den Mit-Aktionären das gemeinsame Ziel, möglichst viel Profit zu
erwirtschaften! Jegliche Anwendung muss aber dem persönlichen Gewissen des
Einzelnen obliegen, sonst wird sie zur Gesetzlichkeit. Wenn man jedoch für ein
Gebot Gottes gar keine praktische Anwendung für sich hat, hat man das Ziel der
Schrift nicht verstanden (2Tim 3,16-17).
13 Nämlich
den Dienst von Kap 5,18ff wie 2Kor 6,3 deutlich macht. Paulus möchte, dass sich
sein Dienst in Korinth als fruchtbar erweist und nicht vergeblich war. Vgl.
auch Heb 12,15.
14 D.h. mit
Gott; vgl. 1Kor 3,9; 2Kor 5,20; 1Thes 3,2.
15 Der
Gedankengang wird in 2Kor 7,2 wiederaufgenommen und weitergeführt. Die Ansicht,
dass der Einschub 2Kor 6,14 - 7,1 zu einem späteren Zeitpunkt von einem
verlorengegangenen Brief des Paulus, oder gar von jemand anderem, eingefügt
wurde, kann getrost zurückgewiesen werden. Der gedankliche Einschub dürfte
Paulus deswegen in den Sinn gekommen sein, weil in LXX Dtn 11,16 auch das Wort πλατυνω (=
weit machen) verwendet wird, aber in einem negativen Sinn. Die Israeliten
werden dort gewarnt, ihr Herz nicht für die Götzen weit zu machen. Daher
warnt Paulus auch die Korinther ihre Herzen nicht dem heidnischen
Götzendienst zu öffnen (vgl. 21,III,77f).
16 Verneinter
Imp.Präs.: "Fangt nicht an...".
17 D.h. in
dem jetzigen Zeitalter der Gnade, im Gegensatz zu Heb 3,7 wo "heute"
steht (21,III,74).
18 Die
folgenden Beschreibungen in Vers 8 und 9 geben wahrscheinlich Vorwürfe und
Annahmen seiner Gegner wieder, denen er jeweils die Wahrheit entgegenstellt.
19 Als
Zeltmacher gehörte Paulus zur ärmeren Schicht, wie auch die übrigen Apostel.
2.Korinther 7
1 Entweder ist hier
der ganze Mensch aus Fleisch und Geist gemeint; od.: Fleisch und Geist wird
unterschieden: fleischliche Befleckung (z.B. Hurerei) und geistliche Befleckung
(z.B. Okkultismus).
2 od.
Dat.poss.: "...großes Zutrauen".
3
Wahrscheinlich der 1.Korintherbrief (1Kor 5,1ff); oder in einem
verlorengegangener "Tränenbrief"?
4 Durch den
Ausschluss des Schuldigen von 1Kor 5,1ff.
5 Hier
nimmt Paulus den in 2Kor 2,13 verlassenen Gedankengang bezüglich seiner Reise
nach Mazedonien wieder auf (vgl. 47,z.St.).
6 Der Akt
des religiösen und sittlichen Besudelns. Immer von der Befleckung die durch
Verbindung mit Bösem aus heidnischem Ursprung entsteht (21,III,80).
7 Mit Art.:
d.h. mit dem Trost durch die ermutigenden Nachrichten die Titus von Korinth
brachte; vgl. 2Kor 1,14; 3,2 (21,III,81).
8 D.h.
Ängste betreffs des Zustands der Gemeinde in Korinth, da er zu diesem Zeitpunkt
Titus noch nicht getroffen und von den guten Nachrichten noch nicht gehört
hatte.
9 Da er
Titus getroffen hatte.
10 Nämlich
durch die Betrübnis die 1Kor 5,1ff ausgelöst hatte.
11 od.: "damit
offenbar werde eure Eifrigkeit für uns, und zwar für euch selbst und auch in den
Augen Gottes";
od.:
"...zu euren Gunsten in den Augen Gottes". Gemeint ist wahrscheinlich
die Bereitschaft zum Gemeindeausschluss in 1Kor 5,1ff (21,III,83).
12 Hier wird
der Gedankengang von Kap. 6,13 wieder aufgenommen und weitergeführt. Daher kann
die Ansicht, dass der Einschub von 2Kor 6,14 - 7,1 zu einem späteren Zeitpunkt von
einem verlorengegangenen Brief des Paulus, oder gar von jemand anderem, hinzugefügt
wurde, getrost zurückgewiesen werden.
13 Diese
beiden Arten von Betrübnis bzw. Reue, sehen wir bei Petrus und Judas. Beide
bereuten ihre Tat, doch Judas tat nicht Buße, sondern ging hin und erhängte
sich (Mt 27,3-5). Dies war eine Betrübnis zum Tod. Petrus aber ging
hinaus und weinte bitterlich (Mt 26,75). Dies war eine echte Buße, eine von Gott
bewirkte Betrübnis zur Errettung.
2.Korinther 8
1 Ex 16,18. Gott will, dass jeder genau das
hat, was er braucht. Dieses Prinzip möchte Paulus auch im Leib Christi sehen.
Daher sollten die wohlhabenden Gläubigen in Korinth mehr geben als die armen
Gläubigen in Mazedonien.
2 Im Grunde
genommen war Mazedonien kein armer Landstrich, doch Verfolgung und Ächtung
hatten die Christen in finanzielle Not gebracht (65,II,330).
3 od.
event.: "...unsere Liebe zu euch, die unter euch wirksam ist" (2,z.St.).
4 od. besser
der Aor. des Briefstils: "wir schicken...".
5 Nicht von
Paulus wurde er ausgewählt, sondern von denen deren Geld er nach
Jerusalem bringen sollte! Wahrscheinlich wurde mittels Handzeichen abgestimmt
(65,II,332).
6 Das kann
nicht der gleiche Bruder wie in Vers 18 sein. Der hier Gemeinte wurde von
Paulus ausgewählt und war wahrscheinlich Titus (Vers 6+16), der in Vers 18 Erwähnte
war von den Gemeinden ausgewählt, die Geld spendeten. Es waren aber auch noch
andere Abgesandte der Gemeinden dabei (Vers 22+23b).
7 Das Wort
bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas,
deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles
ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für
die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330).
8 Paulus
musste die Freiwilligkeit des Spendens ausdrücklich betonen, da die
Steuerzahler in der Antike häufig öffentliche Projekte unterstützen mussten.
Wenn sie nicht wohlhabend waren, konnte sie das unter Umständen in den
finanziellen Bankrott stürzen (65,II,330).
9 Die
Ausdrücke "arm" und "reich" sind hier bildlich-allegorisch
gebraucht, werden aber dann auf den wörtlichen Bereich übertragen. Ein
Beweis-Vers für das sogenannte "Wohlstandsevangelium" ist dies sicher
nicht.
2.Korinther 9
1 vgl. Spr 11,24f; Zweites Zitat aus einem
LXX-Zusatz in Spr 22,8a.
2 Ps 112,9
(LXX)
3 Jes 55,10
4 Das Präsens
beweist, dass er den 2.Korintherbrief von Mazedonien aus schreibt.
5 od.
besser der Aor. des Briefstils: "ich schicke...".
6 Das Wort
bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas,
deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles
ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für
die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330).
7 Die
Gläubigen in Korinth waren reicher als die Gläubigen in Mazedonien. Paulus
packt sie also bei ihrem Stolz als Hauptstädtler der Provinz Achaja. Ob sein
Plan aufgegangen ist, ist aufgrund 2Kor 12,16-18 fraglich.
8 Die Zufriedenheit des Weisen in allen Lebenslagen, weil
seine Grundbedürfnisse gestillt sind. Ein Ideal der Philosophen (65,II,334).
2.Korinther 10
1 od. als negativer Vorwurf der Gegner:
kriecherisch.
2 Jer 9,22f.
3 od.: nach
einem fremden Maßstab. vgl. Vers 13 (2,z.St.). Der Ausdruck wurde auch für den
Arbeitsbereich eines Beamten in einem bestimmten Distrikt verwendet
(65,II,337).
4
Verschiedene Beschreibungen in apokryphen Schriften des 2.Jhdt. n.Chr.
beschreiben das äußere Erscheinungsbild des Paulus als nicht besonders attraktiv
(vgl. 21,III,97). Jedenfalls war ein beim Predigen kein gewandter Rhetoriker so
wie Apollos.
5 Spricht
der Plural vielleicht doch dafür, dass es neben dem 1.Korintherbrief noch einen
verlorenen "Tränenbrief" gab? Oder meint der Plural seine anderen,
bereits geschriebenen Briefe (1.+ 2. Thessalonicher, Galater)?
6 Die
Wortwahl ab Vers 3 zeigt, dass es bildlich um die Eroberung einer Stadt geht,
also um einen geistlichen Krieg. Die Festungen die einzunehmen sind, sind
falsche Überlegungen (wie z.B. falsche Lehren und Denkweisen), und falsche
Gedanken (wie z.B. Rachegedanken, Glaubenszweifel oder unreine und lüsterne
Gedankenspiele). Gedanken sind schwerer zu bekämpfen als Taten oder sogar als
Worte. Paulus sagt uns, dass wir die falschen Gedanken wie einen feindlichen
Soldaten gefangen nehmen und abführen sollen. D.h. wenn sie auftauchen,
verurteilen wir sie und denken stattdessen an Dinge die Christus uns befohlen
hat. So nehmen wir sie gefangen in den Gehorsam für Christus.
7 Der plötzliche Wandel zu einem harschen Ton
könnte damit zusammenhängen, dass Paulus gerade schlechte Neuigkeiten über
Widersacher in Korinth bekommen hat (65,II,335).
8 Die Römer schätzten die Tugend der gravitas,
d.h. den strengen, gewichtigen und eindrucksvollen Stil (65,II,336).
9 Vgl. Röm 7,23
2.Korinther 11
1 D.h. bei der
Eheschließung als Brautführer zuzuführen. Vgl. Offb 19,7-8
2 In
ironischer Weise von den "Super-Aposteln" die nach Korinth kamen, um
das Werk des Paulus zu schmälern. So in Apg 15,1-2; Gal 2,3-5.12; 4,17; 6,13;
2Kor 12,11 u.a.
3 od.
viell.: in dieser Zuversicht. Eigenlob war in der Antike verpönt (65,II,341).
4 Wahrscheinlich
im übertragenen Sinn, denn jemanden ohrfeigen galt als arge Beleidigung, -
daher allg.: jemanden beleidigen, schlecht behandeln oder schinden.
5 Das Perf.
statt dem Aor. könnte entweder bedeuten: er trug bleibende Folgeschäden davon;
oder es ist einfach ein erzählendes Perfekt (2,z.St.); od.: er schätzte die
Situation damals als hoffnungslos ein.
6 Ein
geflochtener und flexibler Korb. Er wurde aus Weidengeflecht oder Seilen
geknüpft. Vielleicht auch als Reisesack verwendet, jedenfalls groß genug, um
Paulus aufzunehmen.
7 Ein t.t.
für die Strafe der Stockhiebe in der Synagoge. Nach Dtn 25,3 waren 40 Schläge
das Höchstmaß einer vom Richter verhängten Züchtigung. Um diese Zahl auf keinen
Fall zu überschreiten, pflegte man nur 39 Schläge zu geben (vgl. 47,z.St.).
Nach Josephus führte diese Strafe oft zum Tod des Verurteilten, im Besonderen
bei den Römern (Josephus, Antiquitates IV,8.21).
8 Aretas
IV. war ca.
9 v.Chr. - 40 n.Chr. nabatäischer König und ein Zeitgenosse des Paulus. Durch
die Handelskarawannen die durch das östlich von Israel liegende Nabatäerreich
zogen, war es eines der wohlhabendsten kleineren Königreiche im Nahen Osten
(65,II,344). Die Römer hatten von 34 - 40 n.Chr. offenbar auch Damaskus seiner
Herrschaft unterstellt. Dafür spricht, dass in dieser Zeit dort kein römisches
Münzgeld geprägt wurde (54,z.St.). Im Jahr 36 n.Chr. begann er einen Krieg
gegen seinen Schwiegersohn Herodes Antipas, weil dieser sich von seiner Tochter
scheiden ließ. Er war darin so erfolgreich, dass er die Armee von Herodes
vollständig zerstörte. Daraufhin marschierte Vitelius, der Prokurator der
Provinz Syria, im Auftrag von Kaiser Tiberius mit seiner Armee gegen Aretas.
Aber noch während der Kriegsvorbereitungen starb Tiberius am 16.März 37 n.Chr.
in Rom und Vitelius musste die Kriegsvorbereitungen abbrechen, um nach Rom zu
reisen. Aretas gelang es danach die Kontrolle über Damaskus zu behalten und er
setzte mit Roms Duldung einen Ethnarchen dort ein. Dieser wollte Paulus
gefangen nehmen, doch dieser floh in der Nacht.
9 od.:
"...in jeder Hinsicht haben wir sie in allem für euch offenbart"
(8,z.St.); od.: "...in jeder Weise sind wir in allem euch gegenüber
offenbar geworden" (9,z.St.); od. freier: "...wir haben sie euch in
keiner Weise und in keinem Fall vorenthalten" (47,z.St.).
10 In Gräz.:
"wenn jemand euch (wie einen Fisch) einfängt"; od.:
"wenn jemand etwas (d.h. Geld) von euch nimmt" (35,z.St.).
11 Klemens
von Rom berichtet, dass Paulus siebenmal in Gefangenschaft war (21,III,106).
12 Eine
Prügelstrafe der Römer (lat.: virgis caesus sum), die nicht an römischen
Bürgern ausgeführt werden durfte, die Paulus aber in Philippi (Apg 16,23.37) trotzdem
erlitt (21,III,106).
13 Die
Gegenden in Kleinasien waren laut Strabo damals wegen der Banditen die Reisende
ausraubten gefürchtet (21,III,106).
14 Da er
direkt davor von unfreiwilliger Nahrungskarenz spricht, ist hier sicherlich ein
religiöses Fasten gemeint, dass Jesus für seine Jünger ankündigte (Mt 9,15;
17,21) und das von der Urgemeinde dann auch praktiziert wurde (Apg 13,2.3;
14,23; 2Kor 6,5; vgl. auch Lk 2,37).
15 Ein
Realis. Damit sind wahrscheinlich die gesetzlichen Juden-Christen aus Jerusalem
gemeint, die umherzogen, um die Heiden-Christen zur Beschneidung zu zwingen
(Apg 15,5; Gal 2,4 ua.).
16 Ein
unerfüllbarer Wunsch in der Gegenwart (13,123).
17 Philosophische
Wanderprediger oder Lehrer lebten damals von einem reichen Schutzherrn, von
Honoraren oder vom Betteln. Niemals jedoch durften sie einer handwerklichen
Tätigkeit nachgehen, wie Paulus es tat. Manche Gläubigen in Korinth
unterstellten dem Paulus daher unlautere Motive oder das Eingeständnis von
mangelnder Autorität im Vergleich zu den judenchristlichen Lehrern aus
Jerusalem, die sich von den Korinthern aushalten ließen. Demut oder
Selbsterniedrigung war bei den Griechen keine Tugend (65,II,339).
2.Korinther 12
1 entw. als Ergänzung
zu Vers 6: "...von mir hört, wegen dem Übertrefflichen..."; od. eher
in Bezug auf das Folgende betont vorangestellt: "Auch wegen dem
Übertrefflichen…, wurde mir gegeben..." (2,z.St.).
2 Ein Dorn,
ein spitzes Stück Holz, ein Splitter oder ein lästiger Fremdkörper, der
stechenden Schmerz hervorruft (1,1511). Vielleicht ein körperliches Leiden,
z.B. ein Augenleiden (vgl. Gal 4,15; 6,11) oder chronische Kopfschmerzen nach
Malaria ("...mit Fäusten Schlage"), oder Epilepsie? Es
könnte aber auch im übertragenen Sinn gemeint sein (Num 33,55).
3 Er
spricht in ironischer Weise von den "Superaposteln" in: Apg 15,1-2;
Gal 2,3-5.12; 4,17; 6,13; 2Kor 11,13 u.a.
4 Zeichen
und Wunder zu tun, war offenbar den Aposteln und Evangelisten, als machtvolle
Bestätigung ihrer Botschaft, vorbehalten. vgl. Mk 16,2; Apg. 2,43; 4,30; 5,12;
6,8; 8,6; 14,3; 19,11; Röm 15,19; Heb 2,3.4
5 od.:
geheime Aussprüche, d.h. Worte die nicht erlaubt waren, sie auszusprechen?
6 Die
jüdischen Rabbis teilten den Himmel zwar in sieben Bereiche ein, das Paradies
befand sich aber im dritten Himmel (21,III,109). Die Bibel unterscheidet drei
Dimensionen des Himmels, die im Deutschen alle mit dem Wort Himmel bezeichnet
werden: Die Atmosphäre, das Weltall, die unsichtbare Welt Gottes, das Paradies
(54,z.St.).
7 Die beiden
Konjunktiv Präsens drücken aus, dass Paulus dieses Problem noch immer quält.
8 Paulus
nimmt eine gängige Praxis und überträgt sie auf den geistlichen Bereich. Aber im
irdischen Bereich sollen wir weder für uns selbst noch für unsere Kinder
Schätze sammeln (Mt 6,19).
9 Der
Plurale "Wutausbrüche, ...,
Unordnungen" werden verwendet, um
konkrete Erscheinungsformen abstrakter Begriffe auszudrücken (2,1336). Die
Plurale könnten darauf hindeuten, dass diese Sünden bei den betreffenden
Personen oft bzw. gewohnheitsmäßig auftraten, und dass deshalb eine
Gemeindezucht notwendig war (vgl. Kap. 13,2).
2.Korinther 13
1 Dtn 19,15. Paulus sieht seinen bevorstehenden
Besuch in Korinth als eine Art Gerichtsprozess, den er gewinnen wird.
2 Es geht
hier nicht darum, über die Echtheit seiner Bekehrung zu grübeln, was überhaupt
nicht zum Kontext passt, sondern immer wieder zu evaluieren (daher Imp.Präs.),
wie man in dem Glauben steht, bezüglich Lehre (daher Glaube mit
Artikel), Lebenswandel, Wachstum und Reife. Man soll erkennen, dass man im
Glauben bewährt und nicht unbewährt ist .
3 Vgl. Eph
4,12
4 Später
legte die Kirche fest, dass Männer nur Männer und Frauen nur Frauen mit dem
Bruderkuss küssen (21,V,80). Anfangs dürfte das aber noch nicht so gewesen sein
(65,II,232).
5 D.h.
einen Beweis dafür, dass Christus durch mich spricht.
6 Betont
vorangestellt: lieber euch selbst, und nicht mich (Vers 3), sollt ihr
auf die Probe stellen (74,415). Und wenn sie zu dem Ergebnis kommen, dass
Christus in ihnen wohnt (vgl. Röm 8,10) und wirkt, dann ist dies der Echtheitsbeweis
(Vers 3) seiner Apostelschaft, denn durch ihn wurden sie gläubig,
und nicht durch die "falschen Brüder" (48,840; 21,III,116).
7 Verlangt
eine verneinende Antwort: "...was doch sicherlich
nicht der Fall ist""; od.: Ihr
seid doch nicht etwa unbewährt? (21,III,z.St.).
Zu Galatern
Galater 1
1 Das
andersartige Evangelium ist kein anderes der gleichen Art sowie das Echte,
sondern ein falsches; vgl. 2Kor 11,4.
2
Vielleicht schon eine Anspielung auf Gal 2,4. Diese eingeschlichenen Brüder
wollten Apostel sein, aber sie waren andersartige, nämlich falsche, Apostel
(vgl. 2Kor 11,5.13; 12,11). In Jerusalem traf Paulus sie aber nicht an!
3 vgl. Jer
1,5; Jes 49,1
4 od.:
"im Hinblick auf mich".
5 Arabien
umfasst zwar als geographischer Begriff das Gebiet westlich von Mesopotamien,
südlich von Syrien und Palästina bis an die Landenge von Suez. In der Zeit der
Römerherrschaft entstanden, aber selbständige Reiche wie das der Nabatäer
südlich von Damaskus, das auch als Arabien bezeichnet wurde. Ob
dies das Gebiet ist, in das Paulus nach seiner Bekehrung ging, lässt sich zwar nicht
mehr eindeutig feststellen, es ist aber sehr wahrscheinlich, da es direkt
südlich von Damaskus beginnt, von wo Paulus floh; - 2Kor 11,32 (46,6; 47,z.St.;
59,246; 65,II,356).
6 Gemeint
ist wahrscheinlich die römische Provinz "Galatia" (seit 25 v.Chr.) im
nördlichen Kleinasien, um das heutige Ankara in der Türkei herum. Diese schloss aber seit einigen Jahrzehnten, außer dem
eigentlichen Königreich Galatien auch die
südlicher liegenden Landschaften Phrygien, Pontus,
Lykaonien, Pisidien und Isaurien mit ein (vgl. Apg 13,14 - 14,25 und 1Kor 16,1).
- Andere meinen jedoch, es handle sich um die kleinasiatische Landschaft, die
der Wohnsitz der keltischen Galater war. Nur die Bewohner der von Kelten
besiedelten Landschaft könnten mit "Galater" (Gal 3,1) angesprochen
werden behaupten sie, dies ist die nordgalatische Theorie (47,z.St.). Doch wir
wissen nicht einmal, ob es in diesem Gebiet überhaupt Gemeinden gab, was die
nordgalatische Theorie eher unwahrscheinlich macht (vgl. 33,399f; 65,II,353,
54,z.St.).
7 D.h. als
Apostel weder von einer Gemeinde (nämlich Antiochien?) beauftragt (vgl.
"Abgesandte" in Php 2,25 und 2Kor 8,23) noch durch Vermittlung einer
anderen Person (nämlich Hananias?) eingesetzt; vgl. 1Tim 1,18; 4,14 (vgl.
33,399f; 47,z.St.). Paulus wurde vom auferstandenen Herrn selbst als Apostel
ausgesandt (vgl. Apg 22,17-21; 1Kor 15,8).
8 Nach Apg
9,30 wirkte Paulus zuerst im Umkreis seiner Heimatstadt Tarsus in Zilizien (Apg
22,3) und wurde dann von Barnabas (Apg 11,19-21.25f) nach Antiochien am Orontes
(Syrien) geholt (vgl. 47,z.St.).
9 Sein
hebräischer name war Saul (= erbeten, d.h. von Gott), aber kurz nach der
1.Missionsreise (Apg 13,9) nimmt er den römischen Namen Paulos (= der Kleine)
an, entweder, weil er endgültig von seiner jüdischen Vergangenheit Abschied
genommen hat, eher aber, weil er nun aus evangelistischen Gründen sein römisches
Bürgerrecht nützen will.
10 od.: "Wie
wir euch vorher gewarnt haben" (37,543;
21,III,152).
11 Dass
Paulus so schnell zu seiner harschen Kritik kommt, zeigt, dass er sehr
aufgebracht war. Sonst war es bei seinen Briefen üblich mit einem Lob und/oder
einzuleiten (65,II,353f).
12 Kephas (= Fels) war der aramäische Name von Petrus, den
Jesus ihm in Joh 1,42 vorausschauend gab.
Galater 2
1 Mit
Artikel vielleicht: durch eine falsche Unterordnung. Wenn
weltliche Obrigkeiten oder führende Leute in der Gemeinde falsche Dinge tun
oder verlangen, darf man ihnen nicht gehorchen (z.B. 2Sam 22,17b; Dan
3,18; Apg 4,19; 5,29). Wenn sie uns aber ermahnen Gottes Willen zu tun,
müssen wir gehorchen (Heb 13,17).
2 Zusammen
mit anderen heucheln, sich an Heuchelei mitbeteiligen. Möglich auch: etw.
fälschlicherweise vorgeben, einen falschen Eindruck vermitteln. Das würde
bedeuten: Und es heuchelten, - indem sie den Eindruck vermittelten mit Petrus
einverstanden zu sein, - auch die übrigen Juden, nämlich Juden aus der Gemeinde
von Antiochien, sodass letztlich sogar Barnabas mitfortgerissen wurde und
Paulus als einziger übrigblieb, der zur Wahrheit stand (37,616). Die Frage der
Tischgemeinschaft von Juden- und Heiden-Christen, war, anders als die Frage der
Beschneidung, noch nicht geregelt. Das führte zu Verwicklungen, als Petrus nach
Antiochia kam. Die anfänglich freie Haltung des Petrus wurde nicht von allen Juden-Christen
gebilligt. Daraufhin gaben Petrus, und sogar Barnabas und andere die
Tischgemeinschaft mit den Heiden-Christen auf, was von Paulus als
"Heuchelei" bezeichnet wird, weil es nicht ihre innere Überzeugung
war (vgl. 47,z.St.).
3 Die
vierzehn Jahre sind entweder im Anschluss an die 2 - 3 Jahre von Gal 1,18, oder
ab seiner Bekehrung, zu berechnen. Da in solchen Fällen oft nicht das volle
Kalenderjahr gezählt wird, handelt es sich um etwa 15 bis 16 Jahre nach der
Bekehrung (vgl. 47,z.St.), die dann 31 n.Chr., also ein Jahr nach Jesu Tod und
Auferstehung, anzusetzen wäre (65,II,357). Bei diesem Besuch wurde eine
Kollekte für die notleidenden Geschwister in Jerusalem überbracht (Apg 11,30).
4 Es könnte
eine spezielle Offenbarung an Paulus oder die Gemeinde gewesen sein. Die
"Angesehenen" sind dieselben Männer wie die in Vers 9 erwähnten
"Säulen", das heißt die verantwortlichen Apostel der Jerusalemer
Gemeinde, nämlich Jakobus, Petrus und Johannes (vgl. 47,z.St.). Dass Jakobus
als erster genannt ist, ist auffällig.
5 Die
Kollekte als Dankesspende der heidenchristlichen Gemeinden spielt bei Paulus
eine wichtige Rolle; vgl. Röm 15,25-28; 1Kor 16,1f; 2Kor 8 und 9 (vgl.
47,z.St.). Es gab unter den Gläubigen in Jerusalem bettelarme Geschwister, die
auf Almosen angewiesen waren (vgl. die Anm. zu Lk 21,2). Die Armut der
Gläubigen in Jerusalem war nicht, wie oft behauptet, eine Folge ihrer
Gütergemeinschaft am Anfang (Apg. 2,44f), sondern infolge der immer
wiederkehrenden Hungersnöte in Judäa, die sich besonders in einer engbesiedelten
Stadt wie Jerusalem furchtbar auswirkten. Außerdem waren die Gläubigen in
Jerusalem vorwiegend Juden-Christen aus den unteren sozialen Schichten, die
nach ihrer Bekehrung aus dem jüdischen Sozialnetz herausfielen und
wahrscheinlich auch oft von ihren Familien ausgeschlossen und enterbt wurden.
Vgl. die Bemerkung in Heb 10,34 ("den Raub
euerer Güter") und von Paulus in Php
3,8b.
6 Eine
interessante Feststellung in Bezug auf die beschränkte Autorität des Petrus in
der Urgemeinde. Von einer uneingeschränkten Machtausübung wie sie heutzutage
bei kirchlichen Würdeträgern herrscht, konnte damals keine Rede sein. Die "aus der Beschneidung"
dürften die Gruppe um Jakobus, die "Eiferer
für das Gesetz" (Apg 21,20) und ehemalige
Pharisäer, gewesen sein. Petrus wollte ihnen "um
des Friedens willen" gefallen.
7 In Gräz. bei
Strabo von Feinden die als Spione in eine Stadt eingeschleust wurden, und zwar
durch Verräter in der Stadt selbst (21,III,159); allg.: von jemanden der sich
verstohlen, unbemerkt und heimlich, irgendwo wie ein Spion oder Verräter
eingeschlichen hat.
8 Da nicht
der Konj. sondern der Ind.Futur verwendet wird bedeutet: es war nicht nur ihre
Absicht, sondern sie waren sich sicher, dass sie die Heiden-Christen unter ihre
Doktrin zwingen können (21,III,159).
9 μη πως ("damit
nicht etwa") mit Konj.Präs. drückt die Furcht oder
Besorgnis aus, es in der Gegenwart falsch zu machen, mit dem Ind.Aor.
die Befürchtung oder Besorgnis die frühere Arbeit in der Vergangenheit sei
unnütz gewesen (40,89).
10 od. wie
ein Plqpf.: "...(schon davor) anvertraut worden war".
11
Sicherlich nicht von ihm geschickt, sondern sich (ungerechtfertigterweise?) auf
ihn berufend.
12 Dies war
das Ergebnis des Apostelkonzils, dass bei diesem Besuch stattgefunden hat
(40,96).
13 Normalerweise
sollte eine Ermahnung zuerst unter vier Augen stattfinden. Doch hier geht es um
eine ernste Verfehlung, die von einem Apostel, vor allen geschehen ist.
Sie musste daher auch unverzüglich vor allen korrigiert werden (Vgl.
1Tim 5,20a).
Galater 3
1 Gen 15,6
(LXX)
2 Gen 12,3;
18,18
3 Dtn
27,15-26
4 Hab 2,4
5 Lev 18,5
(LXX). Pl.: d.h. in den Geboten des Gesetzes.
6 Dtn
21,23; 27,26
7 Gen
13,15; 17,8; 24,7. Der Begriff "Nachkomme" kann im
Hebräischen allerdings sowohl als Singular, als auch als kollektiver Plural
aufgefasst werden. Natürlich wusste Paulus dies, doch auch die Rabbis verwendeten
den Begriff so, wie es ihrer Auslegung angemessen schien. Nach römischem Recht
durfte ein Erblasser in seinem Testament zuerst einen Erben einsetzen und
zugleich schon festlegen, an wen nach dessen Tod das Erbe fallen sollte. Daher
sind für Paulus die Heiden-Christen in Christus Miterben mit Abraham (65,II,366).
8 Im
Altertum war der παιδαγογος (w.: Knabenführer) mehr der "Aufpasser"
als der "Erzieher". Es war meistens ein Sklave, der das Vertrauen des
Vaters hatte, und dessen Wirksamkeit begann, nachdem die Mutter und die
Gouvernante die Elementarerziehung geleistet hatten. Dann war das Kind ungefähr
sechs oder sieben Jahre alt. Der παιδαγογος bekam dann die Aufgabe, den Knaben
von und nach der Schule zu begleiten und auf sein Betragen zu achten,
unordentliches oder unmoralisches Betragen dem Vater zu melden, in notfalls
auch zu züchtigen, den Jungen vor schädlichen Einflüssen zu schützen und ihm
bei den Schulaufgaben zu helfen. Er war aber nicht sein Lehrer. Der eigentliche
Unterricht wurde durch den διδασκαλος (= Lehrer) gegeben. Wenn der Jüngling
erwachsen und mündig war, hörte die Aufgabe des παιδαγογος auf (40,216;
65,II,367). Ab dann stand der junge Mann unter der direkten Autorität seines
Vaters. Im
übertragenen Sinn von Paulus angewendet auf die Menschheit, die bis zum Kommen
Christi unter der Autorität des Gesetzes stand, weil sie unmündig war. Im
Vertrauen auf Christus wird man aber mündig und steht dann direkt unter der
Autorität des himmlischen Vaters. Auch die Rabbis nannten Mose manchmal den "Erzieher"
des Volkes.
9 "Der
Mittler aber ist nicht (nur der) eines einzelnen (Bundespartners), aber der
Gott (Abrahams?) ist (nur) einer". D.h. ein und derselbe Gott
wie der Gott am Sinai? - Der Gedankengang ist wahrscheinlich
folgender: die Verheißung wurde Abraham direkt von Gott, d.h. ohne
Mittler, gegeben. Das Gesetz aber wurde dem Volk durch Engel und dem Mittler
Mose gegeben, und damit nicht direkt von Gott. Daher steht die Verheißung nicht
nur zeitlich vor dem Gesetz, sondern auch rangmäßig über
dem Gesetz. Einer zeitgenössischen jüdischen Tradition zufolge wurde das Gesetz
durch viele Engel erlassen und dem einen "Mittler" Mose
übergeben, der es dem Volk Israel weitergab. Diese Art der
Vermittlung weist nach Paulus darauf hin, dass der erste Bund und die erste
Offenbarung gegenüber der endgültigen Offenbarung durch Jesus Christus nur
untergeordnete und vorläufige Bedeutung haben kann (vgl. 47,z.St.). Im
Unterschied zum Bund Gottes mit Abraham, wo es keinen Mittler gab, gibt es beim
Bund Gottes mit Israel schon einen Mittler, nämlich Mose. Es ist also ein Bund zwischen
zwei Partnern, Gott und Israel. Daher ist Israel auch verpflichtet die Bundesbedingung
des Gehorsams gegenüber dem Gesetz zu erfüllen, - was es aber nicht kann. Daher
stiftet Gott einen neuen, bedingungslosen Bund.
10 Nach dem römischen
Gesetz durfte nur der Erblasser, wenn er es wollte, einen Zusatz anfügen.
Nach griechischem Gesetz, durfte, wenn das Testament einmal bei der
zuständigen Behörde registriert war, selbst der Erblasser nichts mehr ändern,
es sei denn, mit ausdrücklicher Erlaubnis des Magistrats. Veränderungen durch
ein späteres Testament wurden nicht mehr angenommen. Nach jüdischem Gesetz
war sogar eine Schenkung unwiderruflich. Im Zusammenhang mit unserer Stelle
sind diese Aspekte insofern interessant, als dass selbst der Stifter die
Stiftung nicht mehr (ohne weiteres) verändern konnte. Auf unseren Text
angewandt bedeutet das: Selbst Gott könnte den einmal von Ihm ratifizierten διαθηκη (=
Testament, Bund) nicht mehr verändern, ohne mit seiner Heiligkeit in
Konflikt zu geraten. Diese Ratifizierung war nach Gen 15,10-11 auf
Blutvergießen gegründet, so dass sogar in dieser Hinsicht die Parallele zu
einem Testament zu erkennen ist, denn die Ausführung des Testaments basiert auf
dem Tod. Vom Augenblick des Todes des Erblassers an, kann niemand dem Testament
etwas hinzufügen oder eine Änderung vornehmen (40,208; 65,II,365).
11 In der
Gemeinde waren alle Gläubigen getauft (vgl. auch Röm 6,3; Kol 2,12; Eph
4,5), denn getauft wurde unmittelbar nach der Bekehrung.
12 Von χορηγος,
jemand der Chorstücke zu Ehren eines Gottes einübt und die anfallenden Kosten
für diesen Chor bestreitet, indem er diesen Chor großzügig mit allem
Notwendigen ausstattet; übertr.: jemanden in einer Sache (auf eigene Kosten) großzügig
unterstützen und fördern (21,III,167). - Da es sich in beiden
Fällen um ein Partizip Präsens und nicht um einen Indikativ
Präsens handelt, beweisen die beiden Ausdrücke nicht, dass immer noch
Wunderwerke unter ihnen geschahen, da Paulus von Kap. 3,1ff an von der Gründungszeit
der Versammlung spricht. Die Zeichen und Wunder geschahen also bei der
Gemeindegründung durch die Apostel (siehe Apg 14,3.8ff). Hätte Paulus sagen
wollen, dass die Machttaten noch immer geschahen, hätte er den Indikativ
Präsens verwendet. Daher ist das zu ergänzende Verbum finitum besser:
"...(geschah) dies." und nicht: "...(tut er)
dies" (44,569; 69,147).
13 Nicht nur
die Juden, sondern auch die Heiden-Christen.
14 Trotz dem Pl.Neut.
sind Personen gemeint (1,1278). Vielleicht die Nachkommen Abrahams?; od.: alle Menschen?;
oder doch alle Dinge?
15 Aufgrund
von Ex 12,40. Die 400 Jahre in Gen 15,13 und Apg 7,6 beziehen sich eindeutig auf
die Zeit der Unterdrückung Israels durch die Ägypter (96,183). Diese Unterdrückung
begann aber nach Ex 1,6ff. erst mit dem Auftreten eines neuen Pharaos, der den
inzwischen noch vor seinen älteren Brüdern verstorbenen Joseph (Gen 50,25-26)
nicht mehr anerkannte (siehe Anm. bei Apg 7,18), also etliche Jahre (ca. 30
Jahre) nach der Ankunft von Jakob und seinen Söhnen in Ägypten. Das stimmt
überein mit den 430 Jahren hier in Vers 17, denn die Gesetzgebung am Sinai
geschah schon im 3.Monat nach dem Auszug Israels aus Ägypten (Ex 19,1ff.),
sodass die 400 Jahre der Unterdrückung plus die Zeit von Jakobs Ankunft in
Ägypten bis zum Beginn der Unterdrückung zusammen auf den Tag genau 430 Jahre
ergeben (Ex 12,41). Die Verheißung von der Paulus hier spricht, wurde dem Abraham
zwar schon in Gen 12,7; 13,15 und 17,7 gegeben, doch dann letztlich dem Jakob
nochmals in Gen 46,1-4, vor seiner Abreise nach Ägypten bestätigt. Darauf
dürfte sich Paulus hier beziehen. Die 430 Jahre werden also erst von dem
Zeitpunkt an gerechnet, als der Bund mit Abraham dem Jakob gegenüber
bestätigt wurde, als Jakob sich bereit machte nach Ägypten zu ziehen, und sie
dauerten bis zur Gesetzgebung im 3.Monat nach dem Auszug aus Ägypten (40,210;
48,509). Wie die 400 Jahre und die Gleichsetzung "in der vierten
Generation" in Gen 15,16 übereinstimmen, dazu siehe die Anm. zu Mt 1,17
und Apg 7,6. - Die rabbinische Erklärung, basierend auf der LXX-Übersetzung von
Ex 12,40 "…im Land Ägypten und im Land Kanaan", wonach die 430
Jahre schon ab Isaaks Geburt, und die 400 Jahre von Abrahams Aufenthalt in
Kanaan an zu berechnen sind (so z.B. in: 40,198.209; 21,II,182), ist wenig
überzeugend. Abraham und seine Nachkommen wurden in Kanaan weder versklavt noch
unterdrückt. Sogar in Ägypten wurden Jakob und seine Familie großzügig
behandelt, solange Joseph noch lebte (Gen 47,11). - Zur weiteren Erklärung über
einen vermeintlichen Widerspruch siehe: 60,513 und 64,614.
16 Im
Altertum zogen Schauspieler vor dem Auftritt für ihre Rolle ein bestimmtes
Gewand an. Die "Rolle", die wir
auf dieser Weltbühne zu "spielen" haben,
ist diese: charakterlich wie Christus zu sein. Vielleicht steht es auch in
Zusammenhang mit dem römischen Jüngling, der mit etwa 17 Jahren die toga
praetexta, das Obergewand mit purpurnem Saum, das von Kindern
hochgestellter Eltern getragen wurde, mit der toga virilis , dem
männlichen Obergewand ohne Saum, tauschte. Dies war auch das Alter, in dem der
junge Mann nicht mehr unter einem παιδαγωγος stand, sondern
mündig wurde. Griechen und Römer machten daraus ein festliches Ereignis, bei welchen
dem jungen Mann offiziell sein Erwachsenenkleid umgehängt wurde. Er war nun
nicht mehr den Regeln des Elternhauses unterworfen, sondern trat in die Rechte
und Pflichten eines Bürgers ein und saß bei den Familienberatungen neben seinem
Vater (40,229; 21,III,174).
17 Diese
Haltung war in der damaligen Gesellschaft ohne Parallele. - Das Gleich-sein
bezieht sich allerdings nur auf den Glauben und seine Vorrechte in Christus. Im
täglichen Leben behält man seine Identität, man bleibt Jude oder Nichtjude,
Sklave oder Freier, Mann oder Frau. Ebenso behält man seine Pflichten und Aufgaben
für den jeweiligen Stand, - in der Gesellschaft (1Pet 2,13-17; Eph 6,5-9; Tit
2,9), in der Familie (Eph 5,25; 6,4), in der Ehe (Kol 3,18-19; 1Pet 3,1-7), und
auch in der Gemeinde (1Kor 14,34-35; 1Tim 2,8-14; 1Pet 5,5). Diese Aussage des
Paulus als Zustimmung für Transgender zu benützen, ist absurd. Gott schuf den
Mann als Mann und die Frau als Frau.
Galater 4
1 Jes 54,1 (LXX)
2 Gen 21,10 (LXX)
3 Impf. + Perf. =
umschriebenes Plpf.: ein für alle Mal, also hoffnungslos.
4 od.: die Wahrheit redend.
5 Manche denken hier an die
grundlegenden moralischen Gesetze, die jede Gesellschaft hatte (21,III,176). Eher
handelt es sich um die Gestirne des Himmels, denn diese Himmelskörper wurden
auch als kosmische Elementargeister verehrt. Die Vorstellung von den
"Elementarmächten" geht zurück auf die antike Lehre von den vier
Elementen, die alles Irdische bedingen und bestimmen. In späterer Zeit ging man
davon aus, dass diese Elemente von göttlichen Wesen, den Astralgeistern beherrscht
werden und Schicksalsmächte sind, von denen man abhängig ist, denen man
sklavisch folgen und deren Regeln man genau befolgen muss, ähnlich den
Sybill´schen Orakeln. In den Versen 8-9 fürchtet Paulus, dass sich die Galater wie
früher durch die Einhaltung diverser Riten an besonderen Tagen, wieder diesen
Elemtargeistern zuwenden (33,317; 47,z.St.; 59,249; 65,II,369).
6 Über diese Irrlehrer, die
die Gemeinden in Galatien verführt haben, erfahren wir nicht viel. Eindeutig
ist, dass sie die Heiden-Christen zur Einhaltung des jüdischen Gesetzes und zur
Beschneidung verpflichten wollten (vgl. Gal 2,1-21; 5,2-12). In diesen
Zusammenhang gehört vielleicht auch die in Vers 10 erwähnte religiöse Verehrung
der "Elementarmächte" (vgl. 47,z.St.).
7 δια mit Akkusativ bedeutet
normalerweise: "...wegen". Das könnte bedeuten, dass Paulus wegen
einer körperlichen Schwäche in Galatien aufgehalten wurde und ihnen deshalb das
Evangelium verkünden konnte, obwohl er unter anderen Umständen nicht so lange
bei ihnen geblieben wäre. Paulus nimmt wahrscheinlich auf seinen vorigen, und
damit zweiten Aufenthalt auf seiner 1.Missionsreise Bezug als er bei der Rückreise
wieder die südgalatischen Gemeinden besuchte (vgl. Apg 14,21-25). Über die Art
der körperlichen Schwäche lässt sich nichts Sicheres sagen. Vielleicht lässt
sich aber aufgrund der bildhaften Aussagen von Gal 4,15 und Gal 6,11 auf einen
Virusinfekt der Augen schließen, den man sich bei Reisen in der Tiefebene
Pamphyliens öfters zuzog. Andere denken an die Folgen der Steinigung in Lystra
(Apg 14,19-20), oder an Kopfschmerzen durch chronische Malaria (vgl. 40,264f;
21,III,178f; 2,1044; 47,z.St.).
8 Entweder sind dies
jüdische oder heidnische Festzeiten. Möglicherweise meint er auch das
Sabbathjahr 46/47 n.Chr. (vgl. 40,258).
9 D.h. ihn aufgrund seines
gesundheitlichen Zustands zu verachten, vielleicht aufgrund seines Aussehens
nach der Steinigung in Lystra?
10 Der Satz kann entweder als
Feststellung oder als Frage aufgefasst werden. Paulus will wahrscheinlich
sagen: "Dadurch, dass ich euch im Gegensatz zu den Irrlehrern die Wahrheit
verkündigte, bin ich (also?) euer Feind geworden" (40,267f; 21,III,179).
11 Bei den Römern und
Griechen konnte ein Vater im Vorhinein testamentarisch festlegen, dass seine
Kinder im Falle seines vorzeitigen Todes bis zu ihrer Volljährigkeit unter
einen Vormund gestellt werden müssen. Dieser wiederum konnte für die
praktischen Belange des Kindes und für die korrekte Verwaltung des väterlichen
Erbes einen Verwalter bestellen. Im jüdischen Gesetz war so etwas nicht
vorgesehen (21,III,175; 65,II,369).
12 Der ewige Sohn Gottes
wurde ein Mensch wie wir, stellte sich unter Gesetz (ohne Art.: nicht nur das
Gesetz Mose, sondern unter jegliches moralisches Gesetz), erfüllte es
vollkommen und konnte dadurch sein vollkommenes Leben als stellvertretendes und
sühnendes Sündopfer für unser sündiges Leben dahingeben, damit wir Söhne Gottes
werden könnten.
13 Eine Metapher für große
Opferbereitschaft. Es muss daher nicht auf ein Augenleiden hinweisen
(65,II,373). - Ein Irrealis, auch ohne αν im Nachsatz (13,109). - Angesichts
der aufopfernden Liebe, die die Galater Paulus bei seiner früheren Anwesenheit
entgegenbrachten, ist es erschütternd, wie schnell sie sich dann von den
falschen Brüdern gegen ihn aufbringen ließen.
14 Minderjährige Kinder
hatten bis zum Erwachsenwerden im Haushalt die gleiche Stellung wie die Sklaven
(65,II,369).
15 Nach griechischen Recht
war an die Adoption auch die Erbschaft geknüpft (65,II,370).
16 Wehen galten als die
größten Schmerzen. Paulus benützt daher ein drastisches Bild für seine Liebe
und Hingabe an die Galater (65,II,374).
17 Aus einer Geschichte analoge
Schlussfolgerungen ziehen. Es handelt sich nicht um eine an den Haaren
herbeigezogene Allegorie, wie man sie z.B. bei Philo und manchen christlichen
Strömungen vorfindet (65,II,374).
18 Manche Gelehrte behaupten,
es wäre im Orient üblich gewesen, die Magd für die unfruchtbare Ehefrau als
Leihmutter einzusetzen (65,II,375).
19 Die Nachkommen von Hagars
Sohn Ismael besiedelten als Beduinen die südöstliche Sinaihalbinsel, wo auch
der Berg Sinai war, auf dem Mose das Gesetz bekam. All dies verarbeitet Paulus
in seiner Analogie, als eine geistliche Anwendung, um auf den Unterschied zwischen
dem alten und dem neuen Bund hinzuweisen.
20 Auch die Juden unterschieden
zwischen dem gegenwärtigen und dem zukünftigen himmlischen Jerusalem, und
bezeichneten manchmal beide als "unsere Mutter" (65,II,375f).
21
Griech.: Abba, aus dem Aramäischen, wo es die vertrauliche, aber auch
respektvolle Form ist, mit der man den Familienvater, aber nur im Kreis der
Familie, anredete (47,z.St.). Vgl. Röm 8,15; Gal 4,6. Diese Anrede war bei den
Juden für Gott nicht üblich (1,1; 65,I,281).
Galater 5
1 Lev 19,18
2 Das
Fleisch ist die alte, noch vorhandene sündige Natur die im Gläubigen wohnt
(vgl. Röm 7,7-25).
3 Ohne
Artikel, daher qualitativ: "durch Geist", dies bedeutet, dass es die
Kraft und der Einfluss des Geistes ist, der den Gläubigen leitet und ihn zu
etwas befähigt, hier eben zu einem geistlichen Lebenswandel. Der Dat.instr. ist
betont vorangestellt, also: "durch Geist", und nicht durch das
Fleisch. In Vers 25a bedeutet es zusätzlich, dass wir durch den Geist das neue
Leben haben.
4 Die
Begierde des Fleisches mag zwar da sein, aber sie muss nicht in konkreten
Werken des Fleisches ausgeführt werden (vgl. Vers19ff.). Die Begierde des
Fleisches kommt aus der alten, von Adam geerbten Natur, die noch im Gläubigen
wohnt (Röm 7,18-19). Wer durch den Geist geleitet wird, braucht kein Gesetz
mehr, denn alles, was er durch den Geist tut, ist richtig.
5 Der effektive
Aorist bezieht sich hier auf den konkreten Fall. D.h. wenn die Begierde lockt,
wird sie nicht in Werken des Fleisches ausgelebt.
6 Das sind
lauter Charaktereigenschaften. Im Charakter Jesu sind sie sozusagen in
vollkommener Weise personifiziert.
7 D.h.
keine Art von menschlichem oder göttlichen Gesetz hat gegen solche
Eigenschaften bzw. Personen etwas einzuwenden, um sie zu verurteilen (vgl. Röm
8,4).
8 Wohl im
Sinne von Gal 2,20; Röm 6,6; 8,13; Kol 3,5. Die Gläubigen sollen akzeptieren,
dass das Fleisch, die alte Natur, mit Christus am Kreuz gerichtet wurde. Da er
aber die unvollendete Vergangenheitsform des Aorists verwendet, ist es möglich,
dass das Fleisch im Gläubigen wieder zum Zug kommen kann (65,II,381). Wenn
daher das Fleisch - d.h. die noch vorhandene alte sündige Natur - Begierden
anmeldet, sollen diese aufgrund der obigen Tatsache bewusst verleugnet werden,
und durch einen Lebenswandel im Geist ersetzt werden.
9 In Joh
3,3 steht für die Ungläubigen: "...nicht sehen". Hier noch
pointierter: "...nicht erben", denn nur Kinder Gottes
können überhaupt erben. Wer daher dauerhaft in den genannten Werken des
Fleisches lebt, beweist damit, dass er gar kein Kind Gottes ist. Er kann
deswegen auch nicht erben. Das sollte die Gläubigen umso mehr anspornen, dass
keines dieser Werke des Fleisches in ihrem Leben permanent vorhanden ist, es
sei denn, als möglicher "Ausrutscher". Wenn ein Gläubiger allerdings
längerfristig und trotz Ermahnung in einem dieser Laster lebt, muss er nach
1Kor 5,5ff aus der Gemeinde ausgeschlossen werden, und zwar "zum Verderben
des Fleisches, damit sein Geist errettet werde am Tag des Gerichts".
10 Damals
war Götzendienst oft mit okkulten Praktiken verbunden, heute ist die Gefahr z.B.
die Esoterik.
11 Ein
Realis, obwohl es nicht den Tatsachen entspricht (13,103), sondern nur von
seinen Gegnern behauptet wird. Der Vorwurf gründet sich wahrscheinlich auf die
Beschneidung von Timotius (Apg 16,1-3), aber er ließ Timotheus nur deswegen
beschneiden, weil dieser der Sohn einer jüdischen Mutter, und damit Juden-Christ
war. Er wollte den Juden, die er evangelisieren wollte, keinen Vorwand für
einen Anstoß geben (1Kor 9,19-20). Für die Heiden-Christen lehnte er die
Beschneidung und die Verpflichtung auf das Gesetz ab (vgl. 47,z.St.). So wurde
es ja auch auf dem Apostelkonzil beschlossen wurde (Apg 15,18-20).
12 Ein
unerfüllbarer Wunsch in der Zukunft (13,123). - Kastrieren ist vielleicht eine
ironisch-sarkastische Anspielung auf diese weitverbreitete Praxis unter den
Anhängern der Göttin Cybele, die in Phrygien verehrt wurde (21III,185), eine
Praxis, die aber auch die Gegner des Paulus verabscheuen würden. Später ließ
Kaiser Hadrian die Beschneidung ganz verbieten, da sie für ihn eine
Verstümmelung darstellte (65,II,378).
13 Ein attributives
Ptz. (2,z.St.) und toleratives Pass.; "…jedem Menschen, der
sich beschneiden lässt"; od. konativ: "sich
beschneiden lassen will".
14 Gemeint
ist sicherlich der Heilige Geist der in uns wohnt, wie in Vers 16 und 18.
15 Der
Plural macht deutlich, dass es sich bei den Werken des Fleisches um
einzelne Tat-Sünden handelt, von denen auch der unbekehrte Mensch nicht alle
auf einmal aufweist, sondern die eine Sünde mehr und die andere weniger, oder
gar nicht praktiziert. - Die darauffolgende Gegenüberstellung von den Werken
des Fleisches im Gegensatz zur Frucht des Geistes ist notwendig, damit sich der
Gläubige wie in einem Spiegel überprüfen kann, ob er durch den Geist oder im
Fleisch lebt, und welche Schwachstellen in seinem Lebenswandel vorhanden sind.
Diese gilt es zu eliminieren.
16 Der
Singular macht deutlich, dass es sich bei der Frucht des Geistes nicht
um einzelne Tugenden oder (gute) Werke handelt, - von denen man die eine
mehr, die andere weniger hat, - sondern um eine ganzheitliche
Charakterveränderung (69,268). Diese Charakterveränderung zeigt sich dann
natürlich in guten Werken. Es ist wie bei der Frucht des Weinstocks: die
einzelnen Weinbeeren an der Rebe entwickeln sich gleichmäßig bis zur Reife.
Ebenso ist es bei der Heiligung durch den Geist Gottes, wir werden dabei
kontinuierlich in Christi Bild verwandelt (vgl. Röm 8,29; 2Kor 3,18; 1Joh 3,2
ua.).
17 Kannibalismus
war für die Menschen damals noch entsetzlicher als für uns heute (65,II,379).
Straßenköter kämpften damals um jeden Essens-Brocken und fraßen sich manchmal
zuletzt gegenseitig auf (40,331).
18 Die Gefahr
bestand, dass einige Gläubige, durch den Einfluss der falschen Brüder aus
Jerusalem, mittels der Beschneidung wieder zum Gesetz zurückkehren und so das
System der Gnade mit dem System des Gesetzes tauschen würden (vgl. Heb 12,15). Wenn der
Apostel hätte sagen wollen, dass sie damit ihr Heil verlieren, hätte er statt
dem Aorist den Konjunktiv ("würdet ihr herausfallen") oder das Futur
("werdet ihr herausfallen") verwendet, denn er sieht sie ja bis dahin
noch als Gläubige. Er möchte ihnen die Unmöglichkeit in Erinnerung rufen, durch
das Befolgen des Gesetzes gerecht zu werden. Wer dies dennoch versucht, ist
kein Wiedergeborener (48,868). Diesen stellt Paulus in Vers 5 demonstrativ das
betonte wir gegenüber, und in Vers 10, dass er nicht glaubt, dass jemand
von den Gläubigen das tun wird.
19 Hurerei ist
jede Art von Geschlechtsverkehr außerhalb einer regulären Ehe von Mann und
Frau. Sie war damals eine große Versuchung für gläubige Männer (siehe Anm. zu
1Kor 6,18), und steht demnach auch an anderen Bibelstellen in Aufzählungen
schwerer Sünden an erster Stelle (z.B. 1Kor 5,9.11; 6,9; Eph 5,3.5; Kol 3,5;
Heb 12,16; 13,4).
20 Was es
bedeutet, wenn ein Gläubiger aus eigener Kraft, und nicht aus dem Geist, nach
dem Gesetz Gottes leben möchte, erklärt Paulus sehr anschaulich in Röm 7,1-25.
In Röm 8,4 erklärt er dann, wie das Leben aus dem Geist funktioniert.
Galater 6
1 od.: "...durch
welches (d.h. Kreuz) mir...".
2 Eine
Anspielung auf Ps 125,5 und Ps 128,6. Gemeint sind die Juden, die es auch im
Herzen sind und nicht nur äußerlich (vgl. Röm 2,28-29; 9,6; 11,5), - vielleicht
im Gegensatz zu den falschen jüdischen Brüdern, die die Beschneidung für
die Heiden-Christen predigen. Von diesem Israel Gottes hofft er, dass sich noch
einige zu Christus bekehren werden, und er weiß aus den AT-Propheten, dass es
am Ende der Zeiten noch die Bekehrung eines Überrests geben wird. Es kann mit
Israel Gottes nicht die Gemeinde als Ganzes gemeint sein, denn es werden hier
mit dem Wörtchen und zwei Gruppen unterschieden: "Friede
über sie (= die Gemeinde aus Juden und Heiden), und über das Israel
Gottes" (69,285; 40,391ff). Vgl. auch Vers 15.
3 Im
Altertum trugen Tiere, Sklaven und Soldaten den Namen oder die Zeichen ihres
Herren oder Kommandanten, den sie bewunderten, in die Haut eingebrannt, damit
sichtbar war zu wem sie gehörten. Sogar sehr hingegebene Götzenanbeter,
sogenannte "heilige" Sklaven in den
Tempeln Phrygiens, ließen sich auf diese Weise die Zeichen ihrer Götter
einbrennen. Die "Brandmale Jesu", die Paulus an seinem Leib trägt,
sind
aber Narben von Misshandlungen, die er im Dienst des Evangeliums erlitten hat
(vgl. 2Kor 11,22-31). Er versteht sie als Teilhabe am Tod Jesu (Röm 6,3;
2Kor 4,10) und als Zeichen seiner ewigen Treue für diesen Herrn (21,III,191; 40,400;
47,z.St.).
4
Vielleicht im milden Sinn: ein unabsichtlicher Lapsus, ein
"Ausrutscher". Das Wort wird aber auch allgemein für Sünden gebraucht.
5 Das Wort
kommt im NT nur hier vor. In der Gräz. bedeutet es, die Nase über jmdn. rümpfen
und durch zynische und verächtliche Gesten seine Verachtung zum Ausdruck
bringen, obwohl man dabei gleichzeitig schöne Worte macht (21,III,189). Daher
allg.: jemanden (durch Gesten) verächtlich behandeln oder verhöhnen - wenn
auch nicht verbal – und ihn dadurch lächerlich machen. LXX: Spr 1,30; 15,20;
Jer 20,7
6 Paulus
spielt auf ein gängiges Sprichwort der damaligen Zeit an. Mit der Bildrede vom
Sähen und Ernten, knüpft Paulus wieder an seine Ausführung von Fleisch, Geist
und Fruchtbringen in Gal 5,13.16.22ff. an (vgl. Hos 10,12-13). Der Vergleich
lehrt uns ein paar wichtige Prinzipien: (1.) was man säht, erntet man auch
(2.) zwischen dem Sähen und dem Ernten liegt eine gewisse Zeit. (3.) wenn man
schließlich erntet, kann man das Sähen nicht mehr rückgängig machen, - z.B. bei
Kindererziehung oder Partnerwahl. (4.) man säht wenig, erntet aber eine größere
Menge des gleichen Produkts. (5.) nur wenn man den falschen Samen rechtzeitig
aussticht, kann man eine böse Ernte verhindern. - Schon Jesus hat in Mt 7,17-18
dieses Prinzip gelehrt. Man könnte auch sagen: die Vergangenheit holt uns dann ein.
7 Mit Art.:
das Rechte im Gegensatz zum Falschen, Schlechten und Fleischlichen. In
den Geist sähen bedeutet also: das Richtige tun, wie es die Liste in Gal 5,22
beschreibt. In das Fleisch sähen bedeutet, die Werke des Fleisches in Gal
5,19-21 zu tun.
8 D.h. weil
sie euch dadurch dazu gebracht haben nach dem Gesetz Mose zu leben und dafür
Ehre einstreifen.
9 Das
"Gesetz Christi" ist das von Christus her verstandene Gesetz der
Liebe, das erfüllt wird im "Glauben, der in der Liebe wirksam ist"
(Joh 13,34-35). Vgl. Gal 5,6b mit Gal 5,14b (47,z.St.). - Wenn ich dem anderen
helfe zurechtzukommen, trage ich aus Liebe seine Last mit.
10
Sicherlich der Aorist des Briefstils. Paulus schreibt nun die letzten Verse
selbst und mit großen Buchstaben, wohl deswegen, weil er durch sein Augenleiden
schlecht sah (21,III,190). Vgl. auch Anm. bei Gal 4,13
11 Singular!
Dass Paulus dabei an eine persönliche Mann-zu-Mann Unterweisung im
Sinne einer "Privatstunde"
denkt, scheint unwahrscheinlich, da es dafür nur ein Beispiel im NT gibt (Apg
18,26b). Eher meint er, dass jeder persönlich (daher der Singular), wenn er
Erbauung aus der Unterweisung erfährt, dem betreffenden Lehrer etwas geben soll. So trägt
einer die Lasten des anderen (Vers 2). Die Lehrer die Paulus hier im Blick hat
sind solche, die so begabt sind, dass es schade wäre, sie würden ihre Gabe
nicht überörtlich dem ganzen Leib Christi zur Verfügung stellen, was sie
hindert einer normalen Erwerbstätigkeit nachzugehen (40,371.377). Apollos (Apg
18,24-28) und Zenas (Tit 3,13-14) sind solche Beispiele. Es bedeutet also
nicht, dass jeder der in seiner Ortsgemeinde lehrt, finanziell unterstützt
werden soll. Gläubige sollten sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen,
sogar Älteste (Apg 20,33-35). Wir haben umsonst empfangen, wir sollen auch umsonst
geben (Mt 10,8b).
12 Gott ohne
Artikel, bezeichnet Gott in seinem Wesen.
13 Die
Bedeutung der beiden Ausdrücke ist ähnlich. "Ermatten" tut man,
wenn man mit einer Arbeit aufhört, weil man entmutigt ist. Es kann auf
Landarbeiter oder Schnitter hinweisen, die ihre Arbeit hinschleppen, weil sie
durch die Länge der Arbeit, und durch Hitze und Erschöpfung übermannt sind und
müde wurden. Aber wenn der entmutigte Bauer nicht mehr auf seinem Acker
arbeitet, erhält er keine gute Ernte. Das Wort "erschlaffen" aber
meint das Lösen eines Gürtels, nachdem man mit der Arbeit aufgehört hat. Der
Bauer im Orient umgürtete sich, wenn er mit der Arbeit begann und löste den
Gürtel, wenn er mit der Arbeit wieder aufhörte (21,III,190; 40,378).
14 Eventuell
ein Euphemismus für die Beschneidung des männlichen Gliedes, auf die der Jude
stolz war (40,394).
15 od.: "Künftig...
",
wie 1Kor 7,29
16 Nämlich
vor dem Richterstuhl Christi? (65,II,382). Die Traglast, die man sich selbst
auferlegt hat, z.B. die Ernte von Vers 7, die man selbst gesät hat und dann
auch selbst tragen muss.
17 Fasst im
zynischen Sinn, so als ob sie die Vorhäute der Galater ihren Auftraggebern
präsentieren (65,II,383). Vgl. den gottlosen König Saul in 1Sam 18,25-27
18 Vgl. Röm
15,14
19 Vgl. Röm
12,1
Zu Ephesern
Epheser 1
1 vgl. Ps 8,7
2 od.: "…seien (vor)
seinem Angesicht in Liebe, (indem/nachdem?) uns vorherbestimmt habend zur…"
(21,III,250f; 67,69f.).
3 Perf.: und in ihrer
Hoffnung nicht beschämt wurden. Mit dem betonten "wir" sind
wohl zuerst die Juden allgemein und dann speziell die Juden-Christen gemeint.
Die Juden-Christen hatten schon vor den Heiden-Christen den Messias erwartet
bzw. auf sein Kommen gehofft. Möglich wäre auch die Bedeutung, dass die Juden-Christen
schon auf den Messias gehofft hatten, bevor er noch in der Person Jesu Christi erschienen
war. - In Vers 13 sind mit dem betonten "ihr" dann wahrscheinlich
die Heiden-Christen gemeint. Die Beziehung zwischen Juden-Christen und Heiden-Christen
wird später in Kap. 2,1.11-19 noch besonders besprochen.
4 Wahrscheinlich:
"...versiegelt wurdet...bis zur (zukünftigen und endgültigen)
Erlösung" (vgl. Röm 8,23b); od.: "eine Anzahlung...bis zur (zukünftigen
und endgültigen) Erlösung". - Der Herr Jesus hat den Gläubigen zugesagt,
dass der ihnen gegebene Heilige Geist, bei ihnen bleibt (Joh 14,17c). Er ist die
Anzahlung, und das Siegel, welches nicht aufgebrochen wird, bis Gott selbst es
aufbricht bei unserer Erlösung aus diesem "Leib des Todes", entweder
beim Tod oder bei der Entrückung. Dies ist eine starke Bestätigung für die
Unverlierbarkeit des Heils. Vgl. 2Kor 1,22 und Anm. dort.
5 Gräz.: eine Gruppe von
Sklaven unter einem repräsentativen Anführer zusammenfassen, damit er der
Ansprechpartner für alle sei; - vgl. Kol 1,20 (21,III,262).
6 Ein
geschäftlich-juristischer t.t.: das Handgeld oder Unterpfand als Anzahlung und
Sicherstellung für einen Gesamtbetrag der erst später ausbezahlt wird. Mit
dieser Anzahlung verpflichtet sich der Betreffende zugleich vertraglich, den
Rest zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt noch zu bezahlen. Die Sache, auf
die angezahlt wurde, gehört ihm aber schon und wartet nur noch auf ihre
Abholung durch den Eigentümer. Vgl. Anm. bei 2Kor 1,22
7 καθ bedeutet viell.: "...von dem Glauben unter euch".
8 Gemeint ist ziemlich
sicher das Wirken des Heiligen Geistes (daher ohne Artikel) in den Gläubigen,
um ihnen durch eine tiefere Erkenntnis (επι-γνοσις) Gottes praktische Weisheit
und ein besseres Verständnis seines Werkes zu geben (vgl. 1Kor 2,10), wie es
die folgenden Verse dann beschreiben.
9 Damit sind wahrscheinlich
Engelwesen gemeint; vgl. Röm 8,38; Eph 3,10; Kol 1,16; 1Pet 3,22. Zu einem
möglichen jüdischen (und gnostischen?) Hintergrund vgl. 21,III,277ff.
10 Viell. in Bezug auf
Christus wie in 1Kor 15,28; Eph 4,10: "...der
Versammlung, … ihn, der die alles in allen erfüllende Fülle ist." (Vgl. 2,1054; 33,396f; 67,106f.).
11 In diesem von Paulus oft
gebrauchten Ausdruck "in ihm" sind alle diejenigen gemeint, die das
stellvertretende Opfer Christi für sich persönlich in Anspruch genommen haben.
- Manche verstehen die Erwählung hier nur als eine kollektive und unpersönliche
Erwählung "in Christus", d.h. jeder der zum Glauben an Christus kommt
darf danach wissen, dass er damit auch zu den in Christus Erwählten
gehört. Doch das "uns" und die Betonung der persönlichen
Vorherbestimmung in Röm 8,28-30 sprechen dagegen, denn die Vorherbestimmten in
Röm 8,28-30 sind dieselben, die dann auch persönlich berufen und
gerechtfertigt werden. Und in 1Kor 1,27-29 wird betont, dass es aus Gott und
nicht aus uns kommt, dass wir in Christus sind. Hätte Paulus nur eine unpersönliche
kollektive Erwählung gemeint, hätte er sich sicherlich anders ausgedrückt, z.B.
"Er segnet (Präs.) mit … alle diejenigen,
die in dem Glauben an Christus sind, wie er diese in ihm erwählte",
oder in ähnlicher Weise. Er hätte in den Versen 4-12 die 3.Person Plural
("sie")
und nicht die 1.Person Plural ("uns") gewählt. Dass Gott einen Plan mit Menschen
haben kann, noch bevor sie gezeugt wurden, wird auch in Jer 1,4-5 und in Ps
139,16 bestätigt. Auserwählt "in Christus" zu sein bedeutet, als ein in der Ewigkeit Auserwählter
durch den Glauben für immer in ihn hineinversetzt zu sein, wie es in Röm 5,19b
beschrieben ist. - Vgl. zum Thema Erwählung auch die Anm. bei Joh 6,37.39; 10,3.26; Röm 8,28-30; 1Kor
1,27-30; 2Tim 1,9; 2,10; Tit 1,1-3 und 1Pet
1,1-2; 2,8 ua.
12 Gen.qualit.: "...dem versprochenen Heiligen Geist" (2,z.St.). Das Siegel aus Wachs hatte das
Wappen des Besitzers eingeprägt. Der Heilige Geist ist das Siegel, also der Beweis
und das Schutzzeichen, dass der Gläubige Gott gehört. Daher kann Paulus sagen: "Wenn jemand Christi Geist nicht hat, ist er nicht
sein" (Röm 8,9).
13 Da die Worte "in
Ephesus" in einigen wichtigen Hs. fehlen und es Zitate aus den Schriften
der Kirchenväter Tertullian, Basil und Ephraim gibt, wo gar keine Ortsangabe steht,
nimmt man an, es handelte sich bei diesem Brief um einen Rundbrief an die
Gemeinden in Kleinasien, wobei dann jede Gemeinde ihre Ortsbezeichung in ihre
eigene abgeschriebene Kopie einfügen konnte (65,II,387). Daher findet sich bei
Marcion dieser Brief mit der Ortsangabe "an die Laodizäer". Vgl. auch
die Anm. bei Kol 4,16
14
Es gibt
acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart
werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7
15
od.:
"in dem Herrn Jesus".
16
Das ist
nicht nur bildlich-symbolisch zu verstehen. Die Beziehung zwischen Christus dem
Haupt und der universellen Gemeinde als seinem Leib, ist eine
geistlich-übernatürliche, es ist ein metaphysisches Geheimnis, wie er dann auch
in Eph 5,30-32 erklärt. So wie ein Mann und seine Frau ein Fleisch sind, ist
auch Christus mit seiner Gemeinde auf eine geheimnisvolle Weise verbunden. Die
Gemeinde steht in übernatürlicher Weise in einer lebendigen Beziehung zu
Christus dem Haupt. Er belebt und führt sie durch den Heiligen Geist
(21,III,281). Daher hat die Gemeinde auch kein irdisches Haupt auf Erden, weder
Papst noch Bischof noch Pastor noch Prediger, auch nicht Älteste.
17
Der
Vorsatz Gottes hier und in Eph 3,11 geschah schon in der Ewigkeit, vor
Grundlegung der Welt. Er ist das, was Gott sich vorgenommen hat, er ist "in
Christus", er entspringt allein Gottes Willensbeschluss und er dient
seinem Wohlgefallen (26,111).
18 weil Pl.Neut.: das All
(1,1278).
19 Bei den Juden dachte man
sich den Himmel in drei (bei manchen auch sieben) Himmel unterteilt, wobei der
dritte und höchste Himmel der Wohnort Gottes und Christi war (Eph 1,20; 2,6).
In den ersten bzw. untersten Himmel wurde Satan mit seinen gefallenen
Mit-Engeln (Dämonen) verbannt (Eph 3,10; 6,12b). Auch Paulus bestätigt aufgrund
eigener Erfahrung (2Kor 12,2) die Richtigkeit dieser Annahme (65,II,388.391).
20 Pl.Neut.: entweder, in
allen Stücken; od.: in jeder Hinsicht; od.: bei alledem.
21 Die Erwählung geschah also in der Ewigkeit für die Ewigkeit (vgl. Eph 5,27; Kol 1,22).
22 od.: "…(zu) danken, (wobei) für euch Erinnerung machend"; od.: "für euch (zu) danken und Erinnerung machend" (2,z.St.).
23 Die Synonyme Macht, Wirksamkeit, Kraft und Stärke sind folgendermaßen zu differenzieren. Stärke (ισχυς) ist die grundsätzlich innewohnende Stärke, ob sie nun zur Anwendung kommt oder nicht. Kraft (κρατος) ist Stärke die auch angewendet werden kann, und Wirksamkeit (ενεργεια) ist die Auswirkung dieser Kraft. Macht (δυναμις) schließlich, ist der offenbare Beweis der drei vorigen Eigenschaften. Vgl. auch Eph 3,16 und Koll 1,29. - Ein Mensch mag stark sein, aber wenn er gefesselt ist, kann er seine Stärke nicht ausleben. Wenn man ihm aber die Fesseln löst, kann er seine Stärke auch anwenden, und wenn diese angewendet wird, wird sie entsprechende sichtbare Auswirkungen haben. Erst dann zeigt sich seine ganze Macht. Die Macht Gottes übersteigt jede andere Macht in dieser Welt, und es ist diese Macht, die in den Gläubigen wirkt. Diese Macht hat sich auch in der Auferweckung und Himmelfahrt Christi geoffenbart.
24 Die Vorherbestimmung gründet sich auf seinen Willen, nicht auf unseren sogenannten freien Willen (Jak 1,18; Joh 1,13).
25 Zum Lob seiner Herrlichkeit sind wir nach Vers 14b erst nach der zukünftigen und endgültigen Erlösung, da die Versiegelung auf den Tag der Erlösung hin geschieht (Eph 4,30).
Epheser 2
1
Dat.instr.; Gnade ohne Artikel bezieht sich auf die Art und Weise der
Errettung, nämlich aus reiner Gnade, die uns mittels Vertrauens auf Christi
Erlösungswerk zugutekommt (44,z.St.).
2 Gnade mit Artikel bezieht
sich auf diese Gnade von Vers 5, also auf das gesamte Werk der
Errettung, - und dies nach der Beschreibung unseres schlimmen Zustands von Kap.
2,1ff (13,57).
3 Es kann kein Gen. epexeg. sein (so:
44,582), denn Paulus hat schon in 1Kor 3,11 geschrieben, dass Christus selbst
das Fundament ist. Daher ist es eher ein Gen. auctoris, d.h. die Apostel und
Propheten haben durch die Offenbarungen, die sie erhalten haben (vgl. Eph 3,5),
die sie predigten (Röm 15,20; 1Kor 3,10), und die sie dann auch in den
neutestamentlichen Schriften für uns aufgeschrieben haben, das lehrmäßige Fundament
der Gemeinde gelegt, welches Christus selbst ist (2,1056; 21,III,299; 48,908;
67,149f). - Da die Propheten nach den Aposteln genannt sind, sind es natürlich
die neutestamentlichen Propheten (vgl. Eph 4,11; Apg 11,28; 15,32; 1Kor
12,29; 14,29-32). Vgl. im Gegensatz dazu die umgekehrte Reihenfolge in 2Pet
3,2, wo die alttestamentlichen Propheten gemeint sind.
4 Der Fundament-Eckstein war der
erste große Stein, den der Baumeister an der äußersten Fundamentecke legte und
von dem aus die Richtung der Mauern mit der Richtschnur, dem Maßband und dem
Senkblei gemessen wurde (vgl. Jes 28,16; 1Pet 2,4.6). Nach anderen, was aber
eher unwahrscheinlich ist, ist der Abschlussstein in einem Gewölbe- oder
Kuppelbau gemeint, der als letztes in das Gewölbe eingesetzt wurde, was hier aber
gar nicht zum Zusammenhang mit dem Fundament passt.
5 Diejenigen die zusammen mit
anderen das gleiche Bürgerrecht besitzen. Übertragen auf die Nationen, die
durch den Glauben an Christus Anteil an dem Bürgerrecht des Gottesvolkes Israel
bekommen haben.
6 Damit sind die am Körper
beschnittenen Juden gemeint.
7 Gemeint sind wahrscheinlich die Heiden-Christen.
Der Gedankengang wird dann in Vers 5 fortgeführt: "Und/Auch euch,…., machte
er mitlebendig"; vgl. Kol 2,13.
8 Da τουτο ein Sg.Neut. ist,
bezieht es sich nicht auf den Sg.Fem. von χαριτι (Gnade) oder πιστεως
(Glaube/Vertrauen), sondern auf den ganzen vorigen Satz: "...und dieses (Geschenk/Geschehen)…".
Gemeint ist das Geschenk der Errettung aus Gnade mittels Vertrauens, wobei das
Vertrauen bzw. der Glaube die Verantwortung des Menschen ist (67,127).
9 Der Artikel drückt aus, dass das
ganze Gesetz Mose, das er am Sinai bekam, gemeint ist, also auch die "10
Gebote". Es wurde durch Christi Tod außer Kraft gesetzt, weil es Sünde nur
aufzeigen konnte, aber keine Kraft vermittelte sie zu besiegen (21,III,295f).
Allerdings werden neun der zehn Gebote (außer dem Sabbat), und andere
moralische Gebote des AT, im NT durch Jesus bzw. die Apostel als Anordnungen
den Gläubigen geboten, und dies, wie man in der Bergpredigt sieht, sogar mit
einem höheren Anspruch (vgl. Vers 10).
10 Das meint wohl, durch den Mund
der Apostel, wie in Apg 15,7; Röm 15,18 ua. (21,III,297). Zurzeit als Paulus
diese Worte schrieb, schlachteten sich gerade Syrer und Juden in Cäsarea
gegenseitig ab (65,II,393).
11 Die meisten Hs. lassen den
Artikel weg (27,603), dann: "...jeder Bau", d.h. im vergleichenden
Sinn, jede Art von Bauwerk.
12 Das sind die täglichen
Möglichkeiten, die Gott einem Gläubigen gibt, um dem Herrn zu dienen, oder für
die Mitmenschen Gutes zu tun (Tit 2,14b; Kol 1,10; 1Tim 6,18; Jak 4,17). Wir
sollen die Möglichkeit für solche
guten Werke sogar suchen (1Tim 5,10b; Tit 3,8). Da Gott selbst für uns diese
Möglichkeiten zu guten Werken vorbereitet hat, tut aber letztlich er sie durch
uns (vgl. Heb 13,21 "…in euch bewirkend"),
es sind die Früchte des wahren Weinstocks (Joh 15,2.5.8).
13 Das Präs. von ειμι + Perf. ist
die stärkste Umschreibung für ein Perfekt: ein für alle Mal errettet worden,
und da das Wort im Passiv steht, geschah diese Errettung allein durch Gott. -
Vgl. den gleichen Gedankengang in 1Kor 1,27-29
14 Vgl. 2Kor 5,17. Neu geschaffen
durch die Wiedergeburt.
Epheser 3
1 entw.: "...gegründet in Liebe (zu Gott
und den Menschen) "; oder besser: "...gegründet in (der) Liebe
(Christi zu uns)", wie in Vers 19.
2 Der Gedankengang wird wieder in Vers 14
aufgenommen.
3 Vgl. Apg 22,17.21; 1Kor 15,8.
4 Das Geheimnis ist nicht die Gemeinde,
wie oft gesagt wird, denn diese wurde in Mt 16,18 schon von Jesus angekündigt.
Auch nicht der Umstand, dass die Nationen gesegnet werden, was auch schon im AT
angekündigt wurde (Jes 11,10; Mal 1,11; Lk 2,32 ua.), sondern die Tatsache,
dass nun Juden-Christen und Heiden-Christen in Christus, ohne
Unterschied, einen Leib bilden; vgl. Vers 6. - Es gibt acht Geheimnisse
Gottes, die im AT noch verborgen waren und erst im NT geoffenbart werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7
5 Dies dürfte die übliche Gebetshaltung in
seinem Gebet gewesen sein. Sonst beteten Juden und Griechen meist stehend mit
erhobenen Handflächen (65,II,396). Vgl auch Apg 20,36 und 21,5.
6 Vielleicht sind damit "Engelfamilien" im Himmel
gemeint (1,1284), die genauso von Gott geschaffen wurden wie alle irdischen
Familien (vgl. V.9).
7 Der Mensch als zwei Naturen habend, nämlich
Körper und Seele. Der Körper ist der "äußere
Mensch", die Seele der "innere Mensch" der im
Körper wie in einem Zelt vorübergehend "wohnt" (Röm
7,22; 2Kor 4,6; 1Pet 3,4).
8 Meint er speziell alle Nationen (Apg
26,17.18), oder überhaupt alle Menschen (Apg 22,15)?
9 Vielleicht im gleichen Sinn wie in Kol 2,10.
Oder, die Fülle der Liebe Christi zu uns.
10 entw. im instrumentalen Sinn: "…durch die Gemeinde"
(47,z.St.; 48,919). Das zweite εν könnte auch lokal verstanden werden: "…in
Christus Jesus". Andere (z.B. Deißmann) verstehen εν beide
Male im lokalen Sinn: "…(äußerlich) in der
Gemeinde und (innerlich) in Christus Jesus" (67,178).
Epheser 4
1 vgl. Ps 68,19 zitiert nach
dem aramäischen Targum (54,z.St.). Paulus wendet den Psalm-Vers sehr frei auf
Christus an. Allerdings wurde Ps 68,32 auch im Talmud messianisch verstanden (vgl.
34,II,719; 60,515; 64,617).
2 Sach 8,16. Gemeint sind
hier die Gläubigen untereinander.
3 Ps 4,5 (LXX).
4 entw. wie Gal 4,16: "...Wahrheit
sagend, (damit) in Liebe wir hinwachsen zu ihm" (2,1060; 67,199f); od.:
"...wahrhaftig seiend in Liebe, lasst uns…", d.h. so, dass die
gesagte Wahrheit, das Gebot der Liebe nicht verletzt (1,70).
5 Wahrscheinlich meint
Paulus damit die Menschwerdung Christi (vgl. Joh 3,13 und 67,189f), und
seinen Abstieg in den Hades nach seinem Tod (Apg 2,27.31).
6 In Gräz. ein med. t.t. für
das Einrenken der Glieder, damit diese wieder funktionsfähig sind. Auch für die
Arbeit der Philosophen und Lehrer wurde dieser Ausdruck verwendet (65,II,399). Die
Aufgabe dieser begabten Personen ist es also nicht, alle Arbeit im Werk
des Herrn selbst zu tun, sondern andere zu dieser Arbeit zuzurüsten und sich
selbst freizumachen, um wieder neue Aufgaben in Angriff zu nehmen. Dies macht
eine lebendige Gemeinde aus, die wie ein Leib funktioniert.
7 So in Papyri und Joh
9,21.23.
8 Eine Reihenfolge die sich
steigert von Bitterkeit zu Grimm, zu…, zu Lästerung.
9 Gen.auctoris:
Gerechtigkeit und Frömmigkeit wie sie der Wahrheit entspringen, und nicht
heuchlerischen Motiven. Oder ein hebräischer Gen.qualitatis: "...in
wahrhaftiger Gerechtigkeit und…".
10 Gemeint sind jedenfalls
immer nur die Gläubigen.
11 Es bleibt offen, ob Paulus
hier bestimmte Personengruppen meint, oder ob er einfach nur den ganzen Psalm-Vers
zitiert, obwohl er nur mit dem zweiten Teil des Verses etwas aussagen will,
nämlich: Christus gab seinen Erlösten Gaben, nachdem er in den Himmel
aufgefahren war. Da aber in Ps 68,7 von "Kriegsgefangenen" die Rede ist die in Freiheit geführt werden,
während andere Widerspenstige gefangen bleiben, und diese Gefangenen in Vers 19
schließlich mit Gott (für Paulus: mit dem Messias) in die Höhe mitgeführt
werden, könnte Paulus mit den "Kriegsgefangenen" durchaus die Geister der erlösten AT-Gläubigen
meinen, die Christus bei seiner Himmelfahrt aus dem "Schoß
Abrahams" im Hades (Lk 16,22) in den
Himmel mitgeführt hat (67,189), wo die Geister aller abgeschiedenen Gläubigen ja
seither sind (Heb 12,23b; Php 1,23; 2Kor 5,8).
12 Im Unterschied zu 1Kor
12,28-31 und 1Pet 4,9-11, wo es sich um Gaben des Geistes an einzelne
Gläubige handelt, spricht Paulus hier von geistbegabten Personen die
überörtlich dem gesamten Leib Christi dienen, - im Gegensatz zu den ortsgebundenen
Ämtern des Ältesten und Diakons. Männer, die als Apostel, Propheten,
Evangelisten, Hirten und Lehrer begabt sind, üben diese Gaben überall aus,
wohin sie kommen (vgl. Tit 3,13). Die Gabe des Hirten ist demnach nicht
gleichzusetzen mit dem modernen "Pastor", "Prediger" oder "Pfarrer",
die es im NT gar nicht gibt.
13 Diese Einheit des
Geistes hat Jesus vom Vater erbeten (Joh 17,20-23; vgl. dort die Anm.), sie
wurde zu Pfingsten durch den Heiligen Geist bewirkt (1Kor 12,13), und braucht
und kann deswegen nicht erzeugt werden. Sie muss allerdings bewahrt
werden. Die Einheit des Geistes ist etwas seit Pfingsten Bestehendes, denn nur etwas
schon Bestehendes kann man bewahren.
14 Zur Einheit des
Glaubens sind wir also noch unterwegs.
15 Ein personaler
Objekt-Akkusativ: "Ihr lerntet in der
christlichen Unterweisung nicht so etwas von ihm/über ihn" (2,z.St.).
16 Wenn ein konzessiver Imp.:
"Meinetwegen zürnt, aber sündigt dabei
nicht"; od.: "Wenn
es nicht anders geht zürnt, aber…". Wenn
ein Ind.: "Ihr zürnt? Aber sündigt dabei nicht" (2,1062; 44,587; 67,214f). Gerechter Zorn ist zwar
eine ausgewogene Balance zu falscher Barmherzigkeit (Mk 3,5), aber alles, was
ein Mensch im Zorn tut, denkt, sagt oder plant, wirkt
nicht Gottes Gerechtigkeit (Jak 1,20).
17 Stehlen war in der
damaligen Kultur nicht unbedingt verpönt, besonders dann nicht, wenn man
bedürftig war.
18 Um eine Sünde sieg- und
dauerhaft zu überwinden, genügt es nicht sie zu lassen. Man muss sie durch
etwas Gutes ersetzen (siehe auch: Eph 5,4b; Röm 6,12-13).
19 Das hier verwendete Bild
vom menschlichen Körper setzt die Vorstellungen der antiken Medizin voraus.
Danach wurde der Körper vom Haupt her versorgt, und die Gelenke besorgten die
Verbindung zwischen dem Haupt und den Gliedern. Mit den "Gelenken"
könnten die Gaben in Vers 11 gemeint sein (vgl. 47,z.St.).
20 Dat.respekt.: "…an dem Geist eures Sinnes" (2,z.St.); eher unwahrscheinlich wäre der
Dat.instr.: "…durch den Geist
eures Sinnes", d.h. durch den in eurem
Sinn bzw. Verstand wirkenden und wohnenden Heiligen Geist (21,III,343).
21 Das meint wohl
die gleiche Überzeugung in allen Glaubenswahrheiten zu haben. Das werden wir
alle zusammen aber erst in der Vollendung haben.
22 Präs.: "…, um fortwährend".
Möglicherweise ein toleratives Pass.: "sich fortwährend wieder neu
machen lassen" (2,z.St.). Das Aus- und Anziehen wird als einmaliger Akt
(Inf.Aorist) gesehen, das wieder neu gemacht werden aber als Prozess
(Inf.Präsens).
23 Eine Versiegelung schützte
vor fremden Zugriff. Nur der Berechtigte durfte das Siegel brechen. Die Sache
wartete nur noch auf ihre Abholung durch den Eigentümer. So sind auch wir
versiegelt bis zur Entrückung.
24 Es ist dies die gleiche
Verstockung, die auch beim Pharao vorhanden war. Zuerst verstockte er sein Herz
selbst (Ex 7,13-14.22; 8,11.15.28; 9,7.34-35), erst danach
verstockte Gott sein Herz endgültig (Ex 9,12; 10,1.20.27; 11,10), damit
er alle seine Wunder bis zum Schluss vor ihm vollbringen konnte (Ex 7,7). Gott
wusste bereits im Vorhinein, dass der Pharao sein Herz verstocken würde (Ex
3,19; 11,9), und er weiß dies auch von jedem anderen Menschen. Gott hat
niemanden zur Verdammnis vorherbestimmt. Dies würde seinem Wunsch widersprechen,
dass alle gerettet werden.
25 Vielleicht ein milit.
t.t.: jemandem einen strategischen Vorteil verschaffen (65,II,401).
26 Vielleicht beobachtete Paulus die beliebten Würfelspiele
der Soldaten, die gerne Neulinge übers Ohr hauten, und zieht daraus seinen
Vergleich (67,199).
27 Auch wenn es hier um religiöse Verführung geht, sind die
hier genannten Prinzipien für jede Art von Verführung gültig (z.B. Werbung, Medien,
"fake-news",
gesellschaftspolitische Beeinflussung, usw.), und zwar: (1.) falsche
Informationen werden verbreitet, die (2.) Betrug zum Ziel haben, und (3.) wurde
dieser Betrug mit hinterlistigen Methoden ausgedacht und soll Menschen in die
Irre führen.
Epheser 5
1 Gen 2,24 (LXX)
2 Es ist
nicht sicher, ob Paulus mit den beiden Ausdrücken zwei spezielle Opfer, nämlich
das Speis- und das Brandopfer meint. Vielleicht will er nur ganz
allgemein sagen, dass Christus sich für uns hingegeben und aufgeopfert hat. Vielleicht
ist aber mit dem ersten Ausdruck auch speziell das Speisopfer gemeint, wie in Heb
10,5 und Ps 40,7
3 Vielleicht
ist damit das Brandopfer gemeint, denn der Ausdruck "zum lieblichen
Geruch" bezeichnete das Brandopfer (67,220). In Heb 10,6 wird das
Brandopfer allerdings mit dem Wort ολοκαυτωμα wiedergegeben.
4 Nicht nur
in Finsternis, sondern selbst durch und durch Finsternis.
5 od.: "Seht
also zu, wie ihr den Lebenswandel genau führt".
6 Nirgendwo
im NT werden wir aufgefordert um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist zu
bitten, denn er wohnt seit der Wiedergeburt bereits dauerhaft in jedem
Gläubigen. Hier gibt Paulus uns den Befehl (Imperativ), uns immer wieder neu
(iteratives Präsens) mit der Kraft des bereits innewohnenden Heiligen Geistes
(Geist ohne Artikel bedeutet: mit der Kraft des Heiligen Geistes) ausfüllen zu
lassen (toleratives Passiv). Wenn man dies tut, ist man voll Heiligen Geistes (vgl.
Apg 2,4 mit 4,31; sowie 4,8.31; 9,17; 13,9.52).
7
Imperativische Partizipien, wie Vers 21 ua., weil die Verse 19-21 das
Erfülltsein mit dem Heiligen Geist deutlich machen.
8 D.h.
spontan und geistgeleitet den Herrn betend preisen, auch ohne Musikbegleitung,
wie in Röm 15,9; 1Kor 14,15 und Jak 5,13
9 "Seid
einander untergeordnet…" ist eine Überschrift für das folgende Thema Unterordnung,
denn es werden zuerst immer diejenigen genannt, die sich unterordnen sollen, also
(1.) die Frauen den Männern (V.22); (2.) die Kinder den Eltern
(Eph 6,1) und (3.) die Sklaven den Herren (Eph 6,5). So auch in 1Pet
2,13. Es bedeutet also nicht, dass sich manchmal die Frau dem Mann und
manchmal der Mann der Frau unterordnen muss.
10 Indem sie
sich dem Mann unterordnen, anerkennen sie die Schöpfungsordnung Gottes und
ordnen sich damit dem Herrn selbst unter, daher "...wie dem
Herrn". In diesem Sinne auch in Eph 6,1.5.7 und Kol 3,24. Die Übersetzung "…als
dem Herrn", als ob der Mann der Herr der Frau sei, ist falsch. Denn dann
würde Paulus den Plural verwenden: "…als den (d.h. euren) Herren"
(21,III,365f).
11
Vergleichend, wie in Vers 2. Eine Liebe wie sie in 1Joh 3,18 beschrieben wird,
und nicht wie in Rich 16,15! Allerdings hat Christus seine Gemeinde mehr
geliebt als sich selbst, die Männer sollen ihre Frauen aber so wie
sich selbst lieben (Vers 33), also im Sinne des 1.Gebots: "Liebe deinen
Nächsten wie dich selbst". Auch dies ist für den tiefsitzenden Egoismus
des Mannes schon Herausforderung genug, weshalb er darin immer in Schuld (Vers
28) gegenüber seiner Frau bleibt.
12 Das
Geheimnis ist also nicht die Ehe selbst, sondern das geheimnisvolle Ein-Fleisch-sein
von Mann und Frau in der Ehe, als Bild für die geistliche Einheit von Christus
und der Versammlung. Die Ehe selbst ist für den Herrn Jesus und für Paulus nur
eine irdische Einrichtung. Vgl. 1Kor 7,1-2 und Mt 22,30. - Es gibt
acht Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart
werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7
13 Wohl
einschränkend gemeint: in allem, was das eheliche Zusammenleben betrifft.
14 Damit
kommt er auf das Wesentliche zurück.
15 od.
Gen.qual.: "...zu einem wohlriechenden Duft". In der LXX ein t.t. der
alttestamentlichen Opfersprache.
16 Wohl aber
nicht durch eine verbale Strafpredigt, denn dagegen spricht der Vers 12b,
sondern durch eine eindeutige Distanzierung von all diesen Praktiken. Dies
wird einem zwar von den Ungläubigen übel angerechnet, doch diese "Schmach
des Christus" müssen wir auf uns nehmen.
17 Vielleicht
eine Anspielung darauf, dass die Braut vor der Hochzeit ein Bad nahm. Die
jüdische Verlobungszeremonie wurde auch als "Heiligung der Braut"
bezeichnet (21,II,368; 65,II,406). Oder es liegt eine Anspielung auf das
Einweihungsbad der Priester (Lev 8,6) im AT vor.
18 "Auf dieselbe Art und Weise (wie Christus die
Versammlung liebte), schulden auch... ", also
hingebungsvoll und aufopfernd.
19 D.h. als
wäre die Frau ihr eigener Körper, was ja im geistlichen Sinn auch der Fall ist,
denn der Mann ist ein Fleisch mit seiner Frau und er ist das Haupt seiner Frau,
so wie Christus das Haupt der Versammlung ist.
20 w.: "…anstatt diesem",
d.h. anstatt sein Fleisch zu hassen (21,III,372).
21 Siehe die
Anmerkung zu Eph 5,3-14: Gläubige sollen über Sünden, für welche die Ungläubigen
vom zukünftigen Reich Gottes ausgeschlossen sind (Vers 5), nicht einmal reden
oder nachdenken (z.B. durch Medienkonsum, Internet, Späße usw.). Denn wenn man
sich mit solchen Dingen beschäftigt, wird man ein Mitteilhaber mit den
Ungläubigen (Vers 7) und irgendwann will man vielleicht diese Sünden auch
selbst ausprobieren. Wenn aber ein Gläubiger tatsächlich solche Dinge ausübt, kommt
er unter strenge Gemeindezucht (vgl. 1Kor 5,1ff und die Anmerkungen dort).
Falls er dann nicht Buße tut, wird Gott ihn strafen (2Kor 2,6), und notfalls
auch durch den Tod wegnehmen (1Kor 11,30; Jak 5,19-20; Apg Apg 5,5 ua.). Da ein
Wiedergeborener nicht ins letzte Gericht kommt (Joh 5,24 ua.), wird er schon auf
Erden von Gott gezüchtigt, um nicht mit der Welt verdammt zu werden (1Kor 11,32).
Diese Verse lehren also nicht, dass ein Kind Gottes verloren gehen kann.
22 Im üblen
Sinn: (primitiver) Spaß, Scherz, Possenreißerei bis hin zu zotiger, ordinärer,
obszöner und lästerlicher Scherzhaftigkeit und Unflätigkeit. Doch vielleicht
trifft im NT auch schon die mildere Bedeutung zu: jede Art von unnötigem
Humor oder Spaßmacherei.
23 Paulus
will vielleicht ein wenig ironisch auf die grundsätzliche Charakterschwäche des
Mannes hinweisen, nämlich auf seinen Egoismus: er liebt sich selbst am meisten.
Doch da seine Frau ein Fleisch, d.h. ein Teil, mit ihm ist, bedeutet sie
zu lieben, auch sich selbst zu lieben. Wer also seine Frau so mit Liebe
behandelt, dass es ihr geistlich, seelisch-emotional und körperlich gut geht,
dem geht es auch selbst gut (Vers 28-29.33a).
24 Die
Übersetzung "Ehrfurcht haben" ist nicht angebracht, denn Ehrfurcht (vgl.
die Strong Nr. 2124 - 2126) sollen wir nur vor Gott haben. Furcht im Sinne von
Angst kann auch nicht gemeint sein. Gemeint ist, dass die Frau ihrem Mann, als
ihrem von Gott gegebenen Haupt, mit Respekt und Achtung begegnen
soll (67,247). Wenn sie das nicht tut, legt sie sich mit Gott an.
25 Da Christus
und Gott mit nur einem Artikel stehen, könnte dies die Gottgleichheit Christi
mit Gott unterstreichen (13,60).
26 Die
Anhänger des Dionysos-Kults glaubten, dass der Zustand völliger Trunkenheit
eine Art Inspiration oder Besessenheit durch diesen Gott bewirkt. Dies führte
bei ihnen zu völligem Kontrollverlust und artete in perverse Sexualität aus,
über die sogar konservative Römer entsetzt waren. Betrunkene gab es bei den
Banketten der Reichen ebenso, wie in den Tavernen der Armen (65,II,404).
27 Vielleicht
eine Anspielung auf die Sitte, die Braut geschmückt zur Hochzeit zu führen
(65,II,406).
28 Die
Hingabe Christi diente dem Nutzen (daher: υπερ) der Gemeinde, d.h. den
einzelnen Gläubigen. So soll auch die hingebungsvolle Aufopferung des Mannes
für seine Frau, ihrem geistlichen, seelisch-emotionalen und körperlichen Nutzen
dienen.
29 Hurerei war damals eine große Versuchung für gläubige Männer (siehe Anm. zu 1Kor 6,18). Sie steht demnach auch an anderen Bibelstellen (z.B. 1Kor 5,9.11; 6,9; Eph 5,5; Kol 3,5; Heb 12,16; 13,4) in Aufzählungen schwerer Sünden an erster Stelle.
Epheser 6
1 Ex 20,12 (LXX)
2 Dtn 5,16
(LXX)
3 Kol 3,20
hat dafür: "...wohlgefällig".
4 Sg., denn
Paulus war im Hausarrest mit einer Hand an den Soldaten angekettet, der
ihn bewachte (lat.: costudia militaris); Apg 28,16
5 D.h. den
Kampf aufnehmen und nicht fliehen.
6
"umgürtet… mit Wahrheit". Mit dem Gurt ist wahrscheinlich der
Lederschurz unter der Rüstung gemeint, oder der Metallgürtel der den Unterleib
schützte (65,II,410). Da dieser Gürtel der erste Teil der Waffenrüstung ist der
angelegt wurde, ist das Umgürten meist ein Bild für Bereitschaft, - hier die
Bereitschaft für den Kampf. Im Altertum trugen die römischen Soldaten eine
Kampftunika, die bis über die Knie reichte. Das war zwar im Lager bequem, aber
für den Kampf unpraktisch, weil man über die eigene Kleidung stolpern konnte.
Daher legten sie vor dem Kampf einen Gürtel um die Hüften und zogen das Gewand
bis über die Knie hoch. Am Gürtel wurde dann auch das Kurzschwert angehängt. Bildlich
bedeutet das: wenn ich in meiner Gesinnung (vgl. 1Pet 1,13; Eph 4,25) nicht
wahrhaftig bin, werde ich im Kampf über meine Lügen und Halbwahrheiten stolpern.
- Bei allen bildlichen Anwendungen der Waffenrüstung (Wahrheit, Gerechtigkeit, Glaube,
Errettung), handelt es sich nicht um Segnungen, die wir bereits
besitzen, sondern um Tugenden, die es praktisch auszuleben gilt (67,255ff).
7 Ein Gen.
der Zugehörigkeit (2,z.St.), d.h. in der Art und Weise wie der Herr seine
Kinder bzw. sein Volk Israel erzieht, nämlich mit Güte und Strenge (Röm
11,22). Der Übergang von Erziehung bzw. Züchtigung zu Zurechtweisung
könnte auch noch anzeigen, dass Kindererziehung bei heranwachsenden Kindern,
schön langsam von Erziehung und Züchtigung (Strong Nr. 3809) auf
Zurechtweisung (Strong Nr. 3559) übergeht und schließlich sogar darin aufgeht. Zum
Thema Kindererziehung siehe die interessante Zusammenstellung in, dort aber
ohne Quellenangabe: https://drive.google.com/file/d/1hm7DJORw2bGsSt979I6Y8p5vJI0hAjrc/view?usp=sharing
8 Der ca.
1,30 m hohe, rechteckige Langschild, war Teil der Ausrüstung eines römischen
Soldaten. Er schützt den ganzen Mann, ist aber nicht so handlich wie der kleine
und leichtere Rundschild des leichtbewaffneten Soldaten. Der Schild war an der
Vorderseite mit Leder beschlagen, das vor der Schlacht mit Wasser befeuchtet
wurde, damit die Brandpfeile des Gegners abgefangen werden konnten und
erloschen. Wenn die Truppe marschierte, waren die Langschilde in der ersten
Reihe nach vorne, an den Seiten nach rechts und links, und in der Mitte nach
oben gerichtet. So war die Truppe nach allen Seiten geschützt und die
Brandpfeile konnten ihnen nichts anhaben. Man nannte diese Truppenformation die
"Schildkröte" (65,II,410). - In bildlicher Anwendung: der Satan
möchte unsere leidenschaftlichen Lüste in Brand setzen damit wir sündigen, aber
unser praktisches Vertrauen auf den Herrn schützt uns davor.
9 Vgl. Jes
59,17. Der Brustpanzer war ein ledernes Metallkorsett
zum Schutz der wichtigsten Organe des Körpers (Herz, Nieren, Lungen) im Nahkampf,
bestehend aus zwei Metallplatten eine über der Brust die andere am Rücken, die mit
Spangen zusammengefügt waren. In bildlicher Anwendung: die Gerechtigkeit kann
nicht die Gerechtigkeit aus Glauben sein, denn diese brauchen wir nicht
anzuziehen, wir sind schon bei der Bekehrung dauerhaft mit ihr bekleidet
worden. Es handelt sich hier um die praktische Gerechtigkeit im täglichen
Leben. Wenn wir gerecht leben, wird unser Herz behütet und unser Gewissen
bleibt rein (vgl. 1Tim 1,5.19).
10 Der
Lederstiefel (caliga) des Legionärs hatten an den Sohlen bis zu 80
Eisennägel eingearbeitet, damit im Nahkampf ein fester Stand gewährleistet
wurde (52,I,1015). Manche Ausleger meinen daher, Paulus würde an die
Bereitschaft zur Verteidigung des Evangeliums denken (vgl. Php 1,7).
Andererseits dienten die Nägel auch dazu, beim Gehen und Laufen eine bessere
Bodenhaftung herzustellen. Dies spricht dann, genauso wie die Anspielung auf
Jes 59,17, wieder eher für die Bereitschaft zur Verkündigung des
Evangeliums (vgl. 1Pet 3,15b; Kol 4,6; Röm 10,14-17).
11
Imp.Präs., entw. ein gewöhnliches Pass.; od. ein toleratives Pass., dann zu
übersetzen: "...lasst euch immer wieder innerlich ermächtigen".
12 entw.: Gen.poss./auctoris;
oder viell. Gen.qual.: "...in seiner kräftigen Stärke" (2,z.St.);
vgl. auch 1Joh 4,4. - Im Kampf gegen einen übernatürlichen Feind,
braucht man eine übernatürliche Stärke, die aus der Macht Gottes kommt.
Indem wir die ganze Waffenrüstung Gottes mit allen ihren
einzelnen Komponenten anziehen, empfangen wir diese Stärke und können diesen
übernatürlichen Feind besiegen. Daher heißt es in Vers 13: "Deswegen
nehmt auf die ganze Waffenrüstung Gottes". Würden wir nur eine
Waffe weglassen, wären wir an dieser Stelle verwundbar.
13 Manche
verstehen die Partizipien von Vers 14-18 als imperativische Partizipien:
"...umgürtet euch…, zieht euch an …, bindet euch unter..., nehmt
auf...". Aber da in Vers 14 und Vers 17 schon der Imperativ verwendet
wird, scheint es besser hier doch jeweils gewöhnliche Ptz.Aor. der
Vorzeitigkeit anzunehmen, wie es auch in der Übersetzung geschehen ist. Eher
schon könnte man in Vers 18 zwei imperativische Partizipien annehmen.
14 Auch das ca.
50 cm lange Kurzschwert (gladius) war eine Verteidigungswaffe, so wie
die anderen Teile der Waffenrüstung. Es diente dazu im Nahkampf dem Gegner am
Ende den Todesstoß zu versetzen (65,II,411). Darum wird es auch als letztes
genannt. In diesem Sinne verwendete auch der Herr Jesus bei seiner Versuchung
in der Wüste, das Wort Gottes als Kurzschwert, mit dem er die Versuchungen
Satans endgültig abwehrte. Jede der drei Versuchungen wurde von ihm zuletzt
mit dem Wort Gottes abgeschmettert (Mt 4,4.7.10) und damit überwunden (Mt
4,11a; Lk 4,13). Für uns gilt das z.B. bei bösen und unreinen Gedanken mit dem
Wort aus 2Kor 10,4-5, bei Sucht mit 1Kor 6,12, usw. - Die einzigen wirklichen Angriffswaffen
des römischen Soldaten, den Wurfspieß (pilum) und den großen Kampfsäbel
(ρομφαια), lässt Paulus weg. Der ihn bewachende Soldat hatte diese auch nicht
bei sich. Sie wurden nur in der Schlacht verwendet.
15 Der bronzene
Metallhelm hatte an beiden Seiten Lederwangen und schützte den Kopf. - Ein
Gen.obj., daher bedeutet es in bildlicher Anwendung das feste Vertrauen auf
unsere ewige und zukünftige Errettung (1Thes 5,8-9; Jes 59,17; Heb 5,9). Er
bewahrt unser Denken vor Glaubenszweifeln und gibt uns Heilsgewissheit, die
sich auf Gottes Verheißungen stützt.
16 D.h. so,
als ob ihr dem Herrn Jesus Christus selbst gehorchen würdet, denn von ihm
bekommen wir unseren Lohn (Vers 8). - Diese Haltung war bei Sklaven, und ist
heute bei Arbeitnehmern, der beste Schutz gegen Augendienerei und
Menschengefälligkeit. Sich für die Abschaffung der Sklaverei einzusetzen, wäre
damals völlig undenkbar gewesen, sogar Aristoteles verteidigte sie (65,II,408).
17 Paulus
war im römischen Hausarrest Tag und Nacht mit seiner rechten Hand, mittels einer
Handschelle an den ihn bewachenden Soldaten angekettet. Er hatte also die ganze
Waffenrüstung eines römischen Soldaten täglich vor Augen.
18 D.h. nach
dem Kampf als Sieger aufrecht dazustehen, ohne dass man besiegt wurde oder
geflohen ist.
19 Das ist
der Tag an welchem Gott dem Satan erlaubt uns zu attackieren und zu versuchen
(vgl. Lk 22,53b; Hiob 1,6ff; Apg 5,3 ua).
20 Diese
gefallenen Engelmächte sind Dämonen. Sie bewohnten, auch nach jüdischer
Auffassung, den ersten Himmel, d.h. den Luftraum zwischen Himmel und Erde. Von
dorther übten sie ihre Herrschaft aus. Doch Christus hat bei seiner Himmelfahrt
diesen Luftraum siegreich durchschritten, zur rechten Gottes Platz genommen und
sie damit überwunden (59,384).
21 Das Wort ρημα
bezeichnet, im Unterschied zu λογος, das ausgesprochene Wort Gottes. In
diesem Sinne wendete Jesus das ausgesprochene Wort Gottes bei seiner Versuchung
an (Mt 4,4.7.10).
22 Die Glut
dieser Brandpfeile war sehr schwer auszulöschen und die entstandenen Wunden
waren sehr schwer heilbar (67,257).
23 Falls das
Gebet auch noch zum Bild der Kriegsführung gehört, beschreibt es vielleicht den
Zusammenhalt der Truppe in der Schlacht. Als zusammenstehender Truppenverband
war eine römische Legion praktisch unbesiegbar. Auch der Ausdruck "wacht",
könnte auf die Militärsprache hinweisen (65,II,411).
24 Die Erziehung zum Gehorsam ist deshalb so wichtig, weil die Kinder später einmal dem Evangelium gehorchen müssen, um errettet zu werden (Röm 1,5; 16,26). Der Gehorsam entscheidet über ewiges Leben oder ewigen Tod (Joh 3,36; 2Thes 1,7b-10a). Vgl. auch die Anm.38 bei Röm 1,30
25 αναλαμβανω bedeutet hier: ergreifen; in Empfang nehmen. Die einzelnen Teile der Waffenrüstung wurden dem Soldaten vom Diener gereicht und er zog sie sich an (Vers 11). Die geistliche Waffenrüstung wird uns von Gott zur Verfügung gestellt, wir müssen sie aber anziehen.
26 Alle hier aufgezählten Teile der Waffenrüstung waren Verteidigungswaffen, die zur Grundausrüstung des Soldaten gehörten. Die Waffen für den Angriffskrieg (kleiner Rundschild, Lanze, großer Säbel) zählt Paulus nicht auf. Wir greifen den Satan und seine Dämonen nicht an (vgl. Jud 1,8-10), aber wir verteidigen uns siegreich gegen seine Angriffe.
Zu Philippern
Philipper 1
1 Der Kontext und die
Grammatik sprechen dafür, dass hier die finanzielle Hilfe (Php 4,15-16) an
Paulus gemeint ist (70,50f). Falls er im Hausarrest in Rom war, musste er für
die Miete und seinen Lebensunterhalt ja selbst aufkommen (Apg 27,3; 28,29). Im
Weiteren könnte aber auch die Sammlung für die armen Geschwister in Jerusalem
gemeint sein. Vgl. den griechischen Text in Php 4,10-14; 2Kor 8,6; 9,13; Röm
15,26; Gal 6,6. Das Wort bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die
sogenannte societas, deren Mitglieder sich verpflichteten, für die
Erfüllung eines bestimmten Zieles ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im
Judentum wurde dieser Begriff für die Verteilung von Almosen verwendet; siehe
Apg 2,42 (65,II,330). - In Vers 6 nehmen manche an, es wäre das Werk der
Erlösung gemeint (vgl. Kap 2,13), doch scheint auch dies fraglich.
2 Entweder:
"die Frucht, die in praktischer Gerechtigkeit besteht"; od.:
"die geschenkte Gerechtigkeit, die Frucht bringt".
3 In
Papyri: ein Zelt abbrechen; od. vom Schiff: die Taue losbinden und ablegen. Auch
die Juden glaubten, dass die Gerechten nach ihrem Tod in der Zwischenzeit bis
zur leiblichen Auferstehung bei Gott sind (65,II,417).
4
Militärischer t.t.: nicht vor dem Feind weichen.
5 D.h.
alles in Vers 28 gesagte.
6 In Apg
16,19ff.
7 Jeder
Palast eines Statthalters in den römischen Provinzen wurde
"Prätorium" genannt. Daher entw.:
der Palast des Herodes in Cäsarea, falls der Brief aus dieser Haft in Cäsarea
geschrieben wurde, wie manche annehmen (Apg 24,27); oder, falls der Brief aus
einer Gefangenschaft in Ephesus geschrieben wurde: alle die zum Statthalterpalast
der Provinzhauptstadt Ephesus gehörten. Da der Brief aber wahrscheinlich im
römischen Hausarrest geschrieben wurde (vgl. Php 4,22), meint Prätorium den Hof
der kaiserlichen Prätorianergarde
in Rom (33,957; 70,6ff; 65,II,416). In Rom wurde dem Paulus erlaubt unter Hausarrest in einer
eigenen Mietwohnung zu wohnen (Apg 28,16.30), wobei er Tag und Nacht mit seiner
rechten Hand mittels einer leichten Handschelle an die linke Hand eines
Soldaten angekettet war (lat.: custodia militaris tradere). Die Soldaten
wurden dabei täglich ausgewechselt. So kann man gut verstehen, dass im Laufe
der 2 Jahre alle von der Prätorianergarde das Evangelium hörten, denn Paulus
hat Besuch empfangen, hat Briefe diktiert und sicherlich auch freimütig Zeugnis
gegeben. Er war zwar gebunden, aber das Wort Gottes war nicht gebunden.
8 κυριος ohne Artikel bezeichnet
an anderen Stellen im NT den Gottesnamen Jahwe des AT. Da die Gemeinde in
Philippi aber mehrheitlich aus Heiden-Christen bestand und eine römische
Koloniestadt war, könnte "κυριος Jesus Christus" hier auch als
Titel für Jesus verstanden werden, und zwar als bewusster Gegensatz zum
römischen Kaiser, der auch den Titel "κυριος Cäsar" für sich
beanspruchte. In Php 2,11 finden wir dann den gleichen Gedanken (vgl.
21,IV,419). Sonst erscheint im Philipperbrief κυριος ohne
Artikel nur noch in Php 4,1.2.4.
9 od.: weil
ich euch im Herzen habe.
10 Paulus
möchte hier nicht sagen: Christus ist mein Leben (wie in Kol 3,3),
sondern, dass sein Lebenszweck, d.h. der Sinn seines Lebens auf dieser Erde
darin besteht, täglich für Christus, und nicht für irgendetwas anderes, zu
leben (13,55f).
11 od.:
"…was soll ich dann für mich erwählen? Ich kann es nicht sagen!"
12 od.: "...das Vorzüglichere"
von zwei Möglichkeiten; od.: "das Wesentliche".
13 Der Tag
(Jesu) Christi, ist der Tag, an dem die Gläubigen bei seiner Wiederkunft vor
ihm über ihren Dienst Rechenschaft ablegen müssen (vgl. auch noch Php 2,16;
1Kor 1,8; 2Kor 1,14), aber auch ihren Lohn empfangen werden.
14 Dass
Paulus zuerst die Gemeinde grüßt und erst dann die Aufseher (Aufseher = Älteste;
vgl. Anm. bei Apg 20,17.28) und Diakone zeigt, dass die Gemeinde die höchste
Autorität Gottes auf Erden ist (vgl. die Anm. bei Mt 18,18). - Nicht in jeder
Gemeinde gab es bereits Älteste und Diakone. So gab es weder in Thessalonich
noch in Korinth Älteste, als Paulus seine Briefe an diese Gemeinden schrieb. Es
gab aber in beiden Gemeinden reifere Brüder, denen sich die Gläubigen
unterordnen sollten (siehe 1Kor 16,15-16 und 1Thes 5,12 und die Anmerkungen
dort). Paulus empfand es als einen Mangel, wenn es noch keine Ältesten in einer
Gemeinde gab (Tit 1,5a). Die Einsetzung von Ältesten erfolgte entweder durch
die Apostel persönlich (Apg 14,23), oder mittels eines persönlichen und örtlich
begrenzten Auftrags durch einen ihrer Mitarbeiter (Tit 1,5b; 1Tim 5,22). Ob
heutzutage noch jemand die göttliche Autorität hat Älteste einzusetzen ist
umstritten. Wenn, dann wohl nur der Gemeindegründer. Aber so wie damals Älteste
grundsätzlich zuerst vom Heiligen Geist bestimmt wurden (Apg 20,28) und dann
von den Aposteln oder ihren Mitarbeitern als solche erkannt (daher mit Fasten
und Beten in Apg 14,23) und erst danach eingesetzt wurden, so muss es auch
heute geschehen: (1.) Zuerst muss der Gemeindegründer bzw. die Gemeinde erkennen,
wen der Heilige Geist bestimmt hat. (2.) Dann muss der Betreffende danach
trachten dieses Amt auch freiwillig und bereitwillig auszuüben. (3.) Erst
danach kann er entweder vom Gemeindegründer eingesetzt, oder von der Gemeinde
anerkannt werden. - Bezüglich Sünde und Machtmissbrauch durch Älteste, siehe
die Anmerkungen bei 1Tim 5,19-21 und 3Joh 1,9.10. - Ob es in jeder Gemeinde
auch Diakone gab, kann man vom NT her nicht beweisen. Vielleicht wurden Diakone
erst von der Gemeinde gewählt, wenn die praktische Notwendigkeit dafür
bestand.
15 Es ist
bewunderns- und nachahmenswert, welch intensives Gebetsleben der
vielbeschäftigte Apostel hatte.
16 In den
Versen 19-20 zeigt sich eine vorbildliche Haltung des Apostels, die wir uns
auch zu eigen machen sollten. Einerseits schimmert eine leise Hoffnung durch,
dass er aus der Gefangenschaft entlassen wird (Php 1,25), gleichzeitig aber
auch eine Ergebenheit in Gottes Willen, falls es nicht so sein sollte. - Die
Erwartung einer eventuellen Todesstrafe, passt nicht zu einer Gefangenschaft in
Cäsarea (33,292).
17 Kaiser
Nero hatte in der Regel kein besonderes Interesse an rechtlichen Problemen. Im
Jahr 62 n.Chr. schenkte er einigen jüdischen Geiseln, die ihm der Prokurator
Felix übersandt hatte, die Freiheit. Etwa um diese Zeit wurde auch Paulus
freigesprochen (65,II,417).
18 Vielleicht
eine Anspielung auf ihr römisches Bürgerrecht, dem die höhere Verantwortung
gegenüber dem Evangelium an die Seite gestellt ist.
19 entw.
Gen.obj.: für den Glauben an das Evangelium (7,z.St.); od. Gen.subj.: für das
Festhalten am Glauben/die Verteidigung des Evangeliums; wie Jud 1,3
(21,III,431).
Philipper 2
1 Eine Art ängstliche Genauigkeit oder Sorgfalt. Die Parallelstellen (1Kor 2,3; 2Kor 7,15; Eph 6,5; Ps 2,11) beweisen, dass es um eine ernsthafte Haltung im Gehorsam und im Dienst für den großen König und Herrn geht.
2 In Papyri für das kultivieren von
Schrebergärten (37,335f); allg. etw. Begonnenes zu Ende führen. Es kann hier
natürlich nicht darum gehen, sich die Errettung zu verdienen, - die Philipper
waren schon errettet (Php 1,28), - sondern diese von Gott begonnene Errettung
in ernsthafter Heiligung zu vollenden, wobei Gott selbst die Kraft dazu gibt
(vgl. Vers 13 und 2Pet 1,3.10).
3 Gemeint sind entweder die
Himmelsgestirne die im Altertum den Seefahrern als Orientierung in der
Dunkelheit dienten, wie in Dan 12,3 (65,II,420); od. allg.: "als Lichtbringer in der Welt" (70,140). - Indem die Gläubigen sich so verhalten,
wie es in Vers 16 beschrieben ist, stellen sie das Evangelium den Menschen
durch ihren Lebenswandel anschaulich dar (vgl. Php 1,27), wobei die
Verkündigung des Evangeliums noch dazukommen muss.
4 Griechisch:
εν ομοιωματι "in Fast-Gleichheit"; oder: "im
Gleichgestelltsein"? Das was nahe an Identität oder Gleichheit herankommt.
Der ewige Gottessohn wurde ganz Mensch und in diesem Sinn den Menschen völlig
gleich. Er blieb jedoch gleichzeitig wahrer Gott und war in diesem Sinne den
Menschen nur "fast-gleich". Paulus gebraucht wohl absichtlich diesen
zweideutigen Ausdruck und nicht ισοτης = Identheit (Strong Nr. 2471), um damit
auszudrücken, dass Jesus seinem Wesen nach wahrer Gott blieb als er wahrer
Mensch wurde! In Vers 6 jedoch, wo es sich um die völlige und wesensmäßige
Identität mit Gott handelt, verwendet er das Wort ισος = ident (Strong Nr.
2470).
5 Vgl. Anm. zu Php 1,2. Da Paulus im Vers 10 von Jes 45,23
zitiert, wo sich jedes Knie vor Gott beugen muss, unterstreicht der
Titel HERR (κυριος ohne Artikel) hier, die Gottheit Christi.
6 Sich selbst ausleeren,
ausgießen, ausschütten, berauben, entäußern. Von Christus, dem präexistenten
Sohn Gottes, der bei der Menschwerdung seine Stellung des
Gott-gleich-seins aufgab, indem er Mensch wurde, aber ohne, dass er dabei seine
Wesensgleichheit mit Gott aufgab. Vgl. auch Jes 53,12 "...seine
Seele ausgeschüttet hat in den Tod".
7 In der Gräz. ist das Wort sehr
selten, und dann im aktiven Sinn von der Handlung des Raubens, also die
Plünderung, das Rauben dessen, was man noch nicht besitzt. Diese Bedeutung ist
hier, wenn auch nicht unmöglich so doch unwahrscheinlich (1,218). Daher kommt
eher die passive Bedeutung in Betracht, nämlich das Ergebnis des Raubens (dann
synonym mit: απ-αργμα, wie in LXX Hes 22,25 von der Beute eines Löwen).
Entweder (1.) etwas das man schon besitzt, wie ein Raubgut festhalten, das man
unter allen Umständen und um keinen Preis hergibt, weil es einem so wertvoll
ist. Das würde bedeuten: Christus hat die Stellung des Gott-gleich-seins
nicht wie ein Raubgut festgehalten, sondern war bereit diese Stellung
aufzugeben, als er Mensch wurde, obwohl er wesensmäßig Gott gleich blieb. Oder,
sprachlich zwar möglich aber theologisch fragwürdig: etwas das man noch nicht
besitzt, wie eine erstrebenswerte Beute an sich reißen wollen. Das würde dann bedeuten:
Christus hat die erstrebenswerte Stellung des Gott-gleich-seins nicht
wie ein Raubgut an sich reißen wollen, sondern hat sie nach seiner
Menschwerdung, seinem Tod und seiner Auferstehung von Gott geschenkt bekommen.
Vgl. Php 2,9-11; Röm 1,4 und Lk 4,6.7 (21,III,436f). Gegen diese zweite
Bedeutung wäre einzuwenden, dass Christus auch schon vor seiner
Menschwerdung die Stellung des Gott-gleich-seins innehatte (Joh 1,1b; 8,58).
Vielmehr hat der präexistente Sohn Gottes bei seiner Menschwerdung die Herrlichkeit
seiner Gottheit (vgl. Jes 6,3 mit Joh 12,41) aufgegeben, um sie nach seiner
Auferstehung und Erhöhung wieder vom Vater zu bekommen (Joh 17,5).
8 D.h. sämtliche im Gegensatz
zu nur einem Teil (1,1277). Gemeint sind vielleicht andere, die nicht bereit
waren mit dem Brief nach Philippi zu reisen. Falls Paulus von Rom schrieb, war
es ja auch eine weite, mühevolle und teure Reise. Nur Timotius nahm diese Mühe
auf sich.
9 Die Ermahnung von Php 2,5
und Php 1,27 wird wieder aufgenommen.
10 Diese Bemerkung (wie Phm
1,22) scheint eher auf eine Abfassung des Briefes am Ende seines römischen
Hausarrests als auf die ungewisse Länge seiner Gefangenschaft in Cäsarea (Apg
24,27) hinzuweisen. Epaphras war ja damals nach Kol 4,12 bei Paulus in Rom
(21,III,445). In der Gefangenschaft in Cäsarea erwartet Paulus seine
Überstellung nach Rom und nicht eine Rückkehr nach Philippi (33,929).
11 Aorist des Briefstils.
12 Bei aller theologischen Tiefe
über das Geheimnis der Menschwerdung Christi, die uns in den Versen 6-8
offenbart wird, sollten wir nicht vergessen, dass der eigentliche Grund für
diese Ausführungen der ist, uns Christus als Vorbild für unser selbstloses Verhalten
untereinander vor Augen zu stellen. So wie Christus bereit war, sich um
unseretwillen zu erniedrigen, so sollen auch
wir bereit sein, dass wir uns um unserer Geschwister willen erniedrigen.
13 Das Wort μορφη bezeichnet die
innere und essenzielle Form und die Eigenschaften, durch die eine Person in
Erscheinung tritt, jedoch vom Stofflichen unterschieden. Christus existierte
schon vor seiner Menschwerdung seit Ewigkeit und hatte das gleiche Wesen und
die gleichen Eigenschaften wie Gott der Vater. Nach seiner Menschwerdung wurde
er in seiner äußeren Erscheinungsform nur als Mensch wahrgenommen,
obwohl seine Göttlichkeit manchmal durchblitzte (am Berg der Verklärung,
Totenauferweckungen, usw.).
14 Indem Paulus das Ptz.Präs.
υπαρχων benützt und nicht den gewöhnlichen Ind.Impf. von ειμι (Strong Nr. 1511)
macht er deutlich, dass er von Jesu präexistentem Zustand spricht, und
nicht von seiner Zeit als Sohn Gottes auf Erden. Das macht er auch in Vers 7
deutlich.
15 Man kann dieselbe
Gesinnung haben, auch wenn man über manche Dinge verschieden denkt (vgl. Phil
3,15).
16 Es ist bemerkenswert wie
ausgewogen sich Paulus ausdrückt. Er sagt nicht: "Ein jeder sehe
nicht auf das Eigene, sondern auf das des anderen", sondern er sagt: "…,
auch auf das des anderen". Das entspricht dem Gebot Gottes: "Liebe
deinen Nächsten wie dich selbst".
17 Es ist bemerkenswert, dass
Paulus ihn nicht heilte, obwohl er doch wegen dem Dienst im Werk des Herrn
schwer erkrankte. Ähnlich war es bei Timotius (1Tim 5,23) und bei Trophimus (2Tim
4,20). Hatte Paulus zu wenig Glauben? Sicherlich nicht, aber die Vollmacht
Zeichen und Wunder zu tun, war zur Bestätigung des Evangeliums in der
Anfangszeit gegeben worden (vgl. auch die Anm. bei Mk 16,20). Seitdem bleibt
uns das Gebet des Glaubens, dessen Erhörung vom Willen Gottes abhängt, und die
Krankensalbung (Jak 5,14ff), die für besondere Fälle vorgesehen ist.
18 Der Artikel bringt zum
Ausdruck, dass Paulus an eine bestimmte Demut denkt, nämlich an die, welche der
Herr Jesus vorgelebt und die Paulus nachgeahmt hat. Diese empfiehlt er nun auch
den Philippern (13,54).
19 Das Trankopfer wurde noch
zum Schluss auf das Opfertier gegossen, bevor es verbrannt wurde (Num
15,5.7.10). Es war kein eigenständiges Opfer, sondern wurde immer dem Brand-
und Dankopfer zugefügt. Paulus sieht seinen möglichen bevorstehenden
Märtyrertod als ein unblutiges, weil nicht sühnendes, Opfer für seinen Herrn,
der das eigentliche Brandopfer war (vgl. Apg 9,16). Hier wird die
Glaubenshingabe der Philipper als ein Brandopfer für Gott gesehen, auf dass Paulus
zur Ergänzung noch durch seinen Tod darauf gegossen wird. Paulus vergleicht
sich selbst nie mit dem Schlachtopfer, denn das wahre Schlachtopfer ist der
Herr Jesus Christus selbst.
20 Gut möglich ist auch die Übersetzung: "…über (euren eigenen) guten Willen hinaus" (1,1672; 47,z.St.; 70,137f.), wenn wie in Php 1,15 der Wille des Menschen gemeint ist. - Heiligung geschieht an uns zuerst durch Gott selbst (1Thes 5,23), aber in Zusammenarbeit mit uns, durch unseren Gehorsam (Heb 12,14; 2Kor 7,1; 1Pet 1,14-15 ua.).
Philipper 3
1 Wahrscheinlich
aufgrund der Bekehrung. Damit sind die vorherbeschriebenen jüdischen Vorrechte
gemeint, darüber hinaus aber vielleicht auch eine wahrscheinliche Enterbung.
2 Die fünf
Aoriste ab "einbüßte" machen klar, dass Paulus von der
Vergangenheit spricht, d.h. von dem Zeitpunkt, bevor er sich als Pharisäer zu
Christus bekehrte und die Perspektive, die er damals hatte (vgl. sein Bekehrungszeugnis
in Apg 23,6 und 26,7). Sonst hätte er das Präsens benützt (21,III,453; 48,968).
Dazwischen ist der präsentische Einschub: "… - und
halte es für Dreck - …".
3 vgl. den
Gegensatz in V.6!
4 Ein sehr
derbes Wort der niederen Umgangssprache! Allg.: der Abfall, Kehricht, Müll oder
wertloses Zeug. Der Unrat bzw. die Speisereste die nach einem Banquet übrigbleiben.
Speziell: die Extremitäten von Mensch oder Tier: der Mist, der Kot (37,579).
5 In der
Gräz. für Bürger mit gleicher Staatsbürgerschaft, die inmitten einer
zahlenmäßig überlegenen fremden Bevölkerung leben (52,IV,979). Hier übertr. Von
den Gläubigen die als Staatsbürger des Himmels hier auf Erden nur eine Kolonie
als Ausländer bilden (1,1376). - Philippi war eine römische Koloniestadt, wo ausgediente
römische Soldaten angesiedelt waren, die auch das römische Bürgerrecht hatten.
Auch die Gläubiggewordenen
hatten wahrscheinlich das begehrte römische Bürgerrecht (Apg 16,21). Diese
Bemerkung des Paulus hatte für sie damit eine noch stärkere Bedeutung. Sie
erinnerten sich vielleicht noch, an die ungerechte Behandlung die Paulus trotz
seines römischen Bürgerrechts in Philippi erlitten hatte (Apg 16,20ff), und wie
wertlos es sein kann, auf ein irdisches Bürgerrecht zu vertrauen.
6
Vielleicht denkt Paulus an die beliebten Wagenrennen die in den römischen
Koloniestädten wie Philippi stattfanden, wo man sich mit den Pferdezügeln in
den Händen weit aus dem Wagen nach vorne hinausstreckte, um schneller zu sein (33,405).
Oder er denkt an den Wettlauf der in geraden Bahnen stattfand, wo man den Blick
unentwegt auf das Ziel vorne richtete (65,II,426).
7 In Gräz.
für diejenigen, die in die Mysterienkulte eingeweiht waren, hier für die reifen
Gläubigen (Eph 4,13-14; Kol 1,28; 4,12; 1Kor 2,6).
8 Wenn
Paulus von vielen spricht, sind damit wohl nicht die "Judaisten"
von Php 3,2 gemeint (obwohl die Parallele in Gal 6,12 dafürsprechen könnte),
sondern falsche Gläubige, die die Selbstverleugnung (vgl. Mt 10,38) ablehnten.
Eine Beschreibung die auch auf viele sogenannte "Christen" heutzutage zutrifft!
9 Damit
sind die religiösen Vorzüge gemeint, auf die die judenchristlichen "Apostel",
die die Beschneidung forderten, eine Vorzugsstellung vor Gott begründeten, und
die Paulus dann in Php 3,5-6 im Einzelnen aufzählt (59,261).
10 Damit ist
entweder der Kampfpreis von Vers 14 gemeint; oder ohne gedachtes Objekt.
11 Der
Gedankengang über die Freude wird in Vers 2 abrupt abgebrochen und erst in Php
4,4 wieder aufgenommen. Die Freude des Paulus über die Philipper wird
unterbrochen durch seine Sorge über die Verwirrung die die gesetzlichen Juden-Christen
aus Jerusalem, in allen Gemeinden, die er gegründet hatte, anrichteten.
12 Dieser
Vorgang wird genauer beschrieben in 1Kor 15,49-51; 1Thes 4,13-18; Röm 8,23 und 1Joh
3,2b. Für die Griechen war der Glaube an eine körperliche Auferstehung reinster
Aberglaube (65,II,428).
13 Ein sehr
beleidigender Ausdruck für die falschen judenchristlichen Lehrer, die die
Beschneidung predigten. Hunde galten als schmutzig, unrein und bissig (65,II,423).
14 Eigenlob
wurde in der Antike nur toleriert, wenn es der Selbstverteidigung oder dem
Vorbild für andere diente (65,II,424).
15 Beides
sind kaufmännische Ausdrücke. Da Gewinne im Plural, Einbuße aber im Singular
steht, möchte Paulus sagen: alle die Vorzüge die ich davor als Gewinne
aufzählte, entpuppten sich am Ende nur als ein einziger großer Verlust, im
Hinblick auf die Gerechtigkeit aus Glauben. So ergeht es jedem religiösen
Menschen, wenn er sich bekehrt (65,II,425).
16 Völlerei
bis zum Erbrechen und darauffolgendes Weiterfressen war in aristokratischen
Kreisen weit verbreitet. Dazu gehörte auch in der Folge jede Form von
fleischlicher Maßlosigkeit bis hin zur ausschweifenden (Homo)Sexualität.
Philipper 4
1 D.h. so wie es
in 3,17ff beschrieben ist.
2 D.h. unsere dringlichen Gebetsanliegen.
3 Also keine regelmäßige Unterstützung im Sinne eines monatlichen
Gehalts!
4 In den Papyri: Vom Feingefühl, durch das man seine Lippen davor
hütet, in der öffentlichen Anbetung etwas zu sagen, dass die Andacht stören
oder Anlass zum Anstoß geben könnte (37,267).
5 In Gräz.: nicht mit aller Schärfe auf sein Recht bestehend, nicht
auf den Buchstaben
des Gesetzes pochend, anderen etw. zubilligend. Von der Gesinnung: anständig,
fair, mild, gütig und gelinde; "sich als ein Gentleman erweisend",
bereit sein, Zugeständnisse zu machen; wohlwollend
und nachsichtig. Besonders von einem Vorgesetzten, der zwar über einem anderen
steht, diesem aber den Vortritt lässt bzw. ihm ein Vorrecht einräumt. Diese
Eigenschaft sieht man im Leben des Herrn Jesus mehrfach in vollkommener Weise
ausgelebt, z.B. wie er als 12-jähriger seinen Eltern nicht widerspricht, obwohl
er im Recht war, sondern ihnen untertan ist (Lk 2,51), oder wie er den
Jüngern die Füße wäscht, obwohl er der Herr ist (Joh 13,13).
6 Vielleicht hat Paulus
bewusst das εστιν (ist) weggelassen, um eine Zweideutigkeit auszudrücken:
"Der Herr (ist euch jetzt) nahe", und gleichzeitig: "Der Herr
(d.h. sein Kommen ist) nahe" (65,II,429).
7 entw. eine Anspielung auf den Eigennamen "Synzygos",
weil er seinem Namen Ehre macht (2,1078; 37,607; 70,216f). Oder er meint
Epaphroditus; vgl. Php 2,25
8 Ein buchhalterischer t.t. für das Quittieren einer Rechnung (2,z.St.).
Auch die Ausdrücke in Vers 15-17 sind kaufmännische t.t. (65,II,431).
9 Das waren Beamte (Sklaven oder Freigelassene) die in der zivilen
Administration des Kaisers (in Rom oder anderswo) arbeiteten. In der
Regierungszeit von Claudius und Nero kamen die meisten Hausangestellten im
kaiserlichen Palast aus dem Osten des Reiches, z.B. eben auch aus Philippi.
Christliche Sklaven hatten nachweislich großen Einfluss auf ihre Herren
(21,III,473). Es könnte mit dem Ausdruck aber auch die Prätorianergarde gemeint
sein (65,II,432). Jedenfalls verhinderte die Gefangenschaft des Paulus nicht,
die Ausbreitung des Evangeliums, - und es brachte Frucht.
10 Zu jeder sagt er: "...ermahne ich", d.h.
unparteiisch und jede einzeln und persönlich ansprechend. Das ist wichtig, wenn
Streitparteien ermahnt oder zurechtgewiesen werden müssen, denn meistens liegt
bei beiden ein Fehler.
11 Was nicht heißen muss, dass sie schon gestorben sind (70,215).
12 Der Ausdruck ist
vielleicht eine Anspielung auf die römische Handelsinstitution, die sogenannte societas,
deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles
ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für
die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330).
13 Das waren für die
Philipper nicht irgendwelche Wünsche, sondern materielle Nöte (65,II,431).
14 Das Wort kommt nur hier
vor und ist ein religiöser t.t. für die Einweihung in die Geheimnisse der
Mysterienreligionen. Paulus könnte es hier als ironische Anspielung auf die
Mysterienkulte verwendet haben.
15 Euodia heißt: "Die einen guten Weg macht", Syntyche: "Die Glückliche".
Zu Kolossern
Kolosser 1
1 w. aus dem Lateinischen: der Kleine,
Geringe oder Winzige!
2 Hier im Sinne von Röm
15,19 (siehe Anm. dort) und 2Tim 4,17: das Wort Gottes, das Evangelium, zu den
Nationen bis in die entfernten Gegenden zu tragen. Diesen Ausdruck darauf zu
beziehen, dass Paulus den ganzen Ratschluss Gottes (das "Wort
Gottes") bekannt gemacht hat, ist sehr gesucht. Der Ausdruck "Wort
Gottes" wird im NT nur auf das gepredigte Evangelium, und als Titel
auf Christus, bezogen. Der ganze Kontext macht klar, dass es um die
Verkündigung des Geheimnisses an die Nationen geht, deren Apostel Paulus ja war
(67,351). Das Geheimnis ist, dass Juden und Nationen nun ohne Unterschied ein
Leib sind (Eph 3,1-9).
3 Das ist schon seit ca. 5
Jahren!
4 Da das Wort hier im
übertragenen Sinn (wie in Ex 4,22) gebraucht ist (vgl Strong Nr. 4416) bedeutet
es nicht, dass Christus als erstes Wesen geschaffen wurde (11,I,280;
67,321ff). Es ist ein messianischer Titel Christi (Ps 89,27), weil er in allem
den Vorrang hat als der "Erste" (d.h. der Vornehmste) unter weiteren
Söhnen (Röm 8,29). Er ist der "Erstgeborene", sowohl in der ersten
Schöpfung, die durch ihn und für ihn gemacht wurde, als auch in der neuen
Schöpfung, da er als Erster aus den Toten auferstand und damit der Anfang
dieser neuen Schöpfung wurde (Heb 1,6; Offb 1,5). In Ps 89,28 wird David als
Erstgeborener bezeichnet, obwohl er der jüngste Sohn von Isai war, ein Beleg
dafür, dass es sich um einen Titel handelt.
5 Ein ingressiver Aorist
("Wohnung zu nehmen"), daher wohl bei seiner Menschwerdung und damit
gegen die gnostische "Kenosis"-Theorie, nach der der Logos bei seiner
Menschwerdung sich seiner Gottheit entleerte und Jesus damit nur ein
vollkommener Mensch gewesen wäre. Das Subjekt ist wohl nicht Gott, sondern die
"Fülle" (67,332ff): "…, weil (es Gott) wohlgefiel die ganze
Fülle (der Gottheit) in ihm (d.h. in Christus) beständig wohnen zu lassen"
(2,z.St.).
6 Paulus sieht seine jetzigen
Leiden im Dienst für die Gläubigen, als dass, was für ihn persönlich noch aussteht
an den Bedrängnissen (vgl. Apg 9,16), die aber jeder Gläubige in diesem
gegenwärtigen Zeitalter für Christus zu ertragen hat. An eine Ergänzung der
Leiden Christi am Kreuz zu denken, schließt die Lehre des ganzen NT aus.
Außerdem wird das Leiden des Herrn immer mit dem Ausdruck παθος im Singular und
nicht mit dem Plural θλιψεως (wie in Vers 24) ausgedrückt (67,345ff).
7 Im physikalisch-chemischen
Sinn wie 2Pet 3,5: zusammengesetzt sein (von den einzelnen Teilen zu einem
Ganzen); od.: "...das All wird in ihm zusammengehalten und besteht
daher"; od.: "...existiert" (1,1577; 13,97). Vielleicht im
Gegensatz zur griechischen Stoa Philosophie, wo der Logos der reine
Wahrheitsgehalt des Sprechenden war, mit Gott Zeus ident, und Träger der
göttlichen Energie durch die die Welt entstand und der die Materie durchströmt
(21,I,684ff; 52,III,711ff; 65,II,438).
8 Kolossä war eine Stadt in
der Provinz Phrygien in Kleinasien. Sie lag 16 km östlich von Laodizäa, 21 km
südöstlich von Hierapolis und ca. 150 km östlich von Ephesus, am Beginn des
Passes in die Kadmischen Berge (ein schmales Tal von etwa 19 km Länge) an der
Militärstraße vom Euphrat nach Westen. Die Stadt lag am Fluss Lycus, der nur
ein wenig westwärts der Stadt in den Mäander fließt. Ursprünglich liefen in ihr
die beiden großen Straßen von Sardes und Ephesus zusammen, in
neutestamentlicher Zeit war diese Straße jedoch zu der neugegründeten Stadt
Laodizäa verlegt worden, was einen wirtschaftlichen Niedergang in Kolossä
auslöste. Kolossä war gut zu verteidigen und hatte eine Menge an gutem
Frischwasser. Ein furchtbares Erdbeben im Jahr 60 n.Chr. zerstörte einen
Großteil der Stadt und leitete ihren Niedergang ein. Der Name Kolossä soll
angeblich mit dem Wort "Koloss" verwandt sein, weil es in der Gegend
bizarre Kalksteinformationen gibt, die man noch heute bei Pamukkele bewundern
kann.
9 Der Ausdruck
"Fülle" ist vielleicht ein t.t. der Gnostiker, die damit die
unzählbare Fülle der Mediatoren bezeichneten, die angeblich zwischen dem
immateriellen Schöpfergott und der geschaffenen Materie existieren. Paulus
würde dem dann entgegenstellen, dass die Fülle der Gottheit, in ihrer
Gesamtheit als schöpferische Macht, in dem Menschen Jesus Christus wohnte (vgl.
21,III,509; 2,1083; 37,520; 11,407; 33,396; 1,1351,3b).
10 entw.: "Wir danken Gott (V.3), … wegen der Hoffnung... "; od.: "...von
der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, wegen der Hoffnung…".
11 Dies könnte schon eine
erste Anspielung auf die falschen Lehren sein, die sie erst nach ihrer
Bekehrung hörten, ebenso auch die Betonung auf die Wahrheit des
Evangeliums, in dem jede Art von Erkenntnis enthalten ist
(21,III,497.499).
12 od.: "..., mit Freude dankend...".
13 entw.: die Gläubigen die
jetzt schon im Licht (d.h. im Himmel) wohnen; od.: das Erbteil das im Licht, d.h.
im Himmel und nicht auf der Erde ist.
14 Vgl. 2Kor 3,18; 4,6; Hes
1,28c. Das artikellose Wort εικων (Bild) macht deutlich, dass es sich um die Art
und Weise handelt (13,55.57), wie Christus, der menschgewordene Logos, das
Wesen des unsichtbaren Gottes (1Tim 6,16) als ein Mensch aus Fleisch und
Blut in vollkommener Weise verkörpert hat. Wer ihn gesehen hat, hat deshalb den
Vater gesehen, - den eigentlich kein Mensch sehen kann (1Tim 6,16; Joh 5,37b; 6,46).
Jesu Charakter widerspiegelt in perfekter Weise Gottes Charakter (Joh 1,18; 14,8-9;
1Joh 1,1). Die gleiche artikellose grammatische Konstruktion findet sich auch
in 2Kor 4,4 und Heb 1,3
15 od.: in der Kraft seiner
Person (2,1082; 67,320ff). D.h. wohl: er war die Ursache für den Schöpfungsakt
(21,III,504), er war der Prototyp an dem sich der ganze Schöpfungsakt
orientiert hat, er war Mitschöpfer ("durch
ihn") und er war der Zweck, für den alles
geschaffen wurde ("für ihn"). Wer nicht für diesen Christus lebt, hat
eigentlich seine Daseinsberechtigung verloren!
16 Gemeint sind die
verschiedenen Engelklassen ("Elementargeister"), die von den Irrlehrern verehrt wurden (vgl.
21,III,504f); od., weil Plural Neuter: alles; das All (1,1278).
17 Versöhnung zwischen Gott
und uns bedeutet, dass Gott seinen gerechten Zorn über die Sünde seinerseits
bei Seite lässt, und den Menschen stattdessen in Gnade seine Versöhnung
anbietet (vgl. 2Kor 5,18-21). Der Zustand der Feindschaft, der durch die Sünde
in die gesamte geschaffene unsichtbare und sichtbare Welt kam, wurde durch die
Versöhnungstat am Kreuz für die Gläubigen aufgehoben, für den Rest der Menschen
aber einstweilen nur bis zum Gericht aufgeschoben (Röm 3,25.26), damit sie sich
in der Zwischenzeit mit Gott versöhnen lassen können. Tun sie das nicht, dann
halten sie ihrerseits die Feindschaft gegen Gott aufrecht und Gottes Zorn wird
sie im Gericht treffen (Joh 3,36). Die Versöhnungstat am Kreuz ist zugleich
auch die Grundlage für die Wiederherstellung der mitgefallenen Schöpfung im
tausendjährigen Reich (Röm 8,19-22). Grundlage für die Versöhnung ist die Sühne
(Strong Nr. 2434), die durch Christi Opfertod zustande kam, indem er "zur
Sünde gemacht wurde" und so einerseits Gottes Gerechtigkeit
zufriedenstellte andererseits Gottes beschmutzte Ehre wiederherstellte. Sühne
und Versöhnung sind dann die Grundlage für Erlösung (Strong Nr. 629). Die Sünde,
die durch Adam in die Schöpfung kam, musste gesühnt sein, bevor Versöhnung
eintreten konnte und erst wenn Versöhnung eingetreten ist, kann den Menschen
Erlösung angeboten werden. Eine endgültige Versöhnung aller Menschen lehrt
Paulus hier keinesfalls, dagegen spricht schon der Plural neuter παντα
(vgl. 60,517ff).
18 D.h. durch seinen
sühnenden Verbrechertod (Jes 53,12b) am Kreuz, durch den er die Schuld
der Welt sühnte, d.h. zudeckte.
19 Vielleicht ein Seitenhieb
auf den gnostischen Doketismus, der alles Materielle und Körperliche als
nutzlos hinstellte.
20 ει γε und Ind. (fast
kausal) drückt aus, dass Paulus davon überzeugt ist, dass sich die Bedingung
wirklich erfüllt (21,III,513; 2,1403). Wenn man aber nicht bei dem
Glauben bleibt, wird man eben nicht heilig und tadellos vor dem Richterstuhl
Christi dastehen (2Kor 5,9.10). Glaube mit Artikel bezieht sich meist, und wie
der restliche Vers zeigt auch hier, auf die Glaubenswahrheiten, wie dann auch später
in Kol 2,7. Damit ist also nicht ausgesagt, dass man sein Heil verliert, wenn
man nicht bei dem Glauben, d.h. den Glaubenswahrheiten, bleibt.
21 Ein t.t. in den
Mysterienkulten. Vielleicht möchte Paulus durch den Gebrauch dieses Ausdrucks
den Gegensatz zwischen dem wahren Evangelium und den falschen Mysterienreligionen
aufzeigen.
22 Wir, im Gegensatz
zu den falschen Lehrern?
23 Mit Frucht sind hier
sicherlich die Bekehrungen gemeint, die das gepredigte Evangelium bewirkt (vgl.
Mk 4,8), wofür auch der Rest des Verses ("gehört und erkannt")
spricht. Das Wort Gottes ist ein lebendiger Same. Wenn er in ein vom Heiligen
Geist vorbereitetes Herz fällt (z.B. Apg 16,14) und im Glauben aufgenommen
wird, bewirkt er Wiedergeburt (1Pet 1,23; Jak 1,18).
24 Epaphras stammte aus Kolossä
und war ein Mitarbeiter von Paulus. Wahrscheinlich gründete er die Gemeinden in
Kolossä (Kol 2,2), Hierapolis und Laodizäa. Er könnte ident sein mit dem Epaphras
in Phm 1,23, nicht jedoch mit dem Epaphras in Php 2,25 (65,II,435; 33,334).
25 Ein zeitloses Präsens
(67,319).
26 weil Pl.Neut.: alles
Geschaffene; das All (1,1278).
27 Was musste im Himmel
versöhnt werden? Der beschmutzte Zustand des Himmels durch den Zutritt Satans
und seiner Engel?
28 Das Folgende bezieht sich
auf die Zukunft nach unserer Auferstehung; vgl. 2Kor 4,14; Eph 5,27; Jud 1,24.
29 Die Verkündigung des
Evangeliums beinhaltet also auch Zurechtweisung ("mit Salz gewürzt"),
und nicht nur liebliches reden! Paulus will jeden Menschen erreichen, denn der
Missionsbefehl gilt für alle Nationen und für jede Kreatur (Mt 28,19; Mk
16,15).
30 Weisheit bezieht sich auf
zurechtweisen und lehren. Auch Zurechtweisung in der Evangeliums-Verkündigung
muss in Weisheit geschehen (Kol 4,5).
31 Zuerst wurde es durch Offenbarung
nur seinen Aposteln und Propheten geoffenbart (Eph 3,5), dann aber durch die Verkündigung
allen Heiligen.
32 Mit diesem Satz beschreibt
Paulus die gesamte Tätigkeit des Missionsbefehls (Mt 28,19.20), anfangend von
der Bekehrung bis zur Festigung der Bekehrten.
33 Die Sieger in einem Krieg
siedelten die besiegten Völker meist in einen ihnen näherliegenden Bereich
ihres Reiches um (65,II,436).
34 Fruchtbringen bedeutet, gute Werke zu tun, die Gott im Vorhinein für uns vorbereitet hat (Eph 2,10).
35 Wahrscheinlich ein Dat.causae oder ein Dat.resp., gefolgt von einem Gen.obj.: "…durch/in Bezug auf die immer tiefer werdende Erkenntnis von Gott", von der schon in Vers 9 die Rede war (vgl. auch Eph 1,17).
Kolosser 2
1 w.: "nach
den Elementen der Welt". Vgl. noch Anm.20
unten.
2 Als jur. t.t.: eine
handschriftliche Erklärung, in der jemand bestätigt, dass Geld entweder bei ihm
deponiert oder von ihm an jemanden anderen verborgt wurde und zu einer
festgesetzten Zeit zurückgegeben werden muss. Bildlich angewendet auf den
Schuldbrief, der gegen uns (allg.: Christen oder spez.: Judenchristen?)
gerichtet ist, weil wir Gottes Gebote übertreten haben und deswegen in seiner
Schuld stehen. Auf ihm sind bildlich alle unsere Sünden verzeichnet (1,1756;
37,687; 65,II,444; 67,380ff). In der damaligen Zeit heftete man bei Verbrechern
einen Schuldschein (lat.: titulus) an die Zellentür, auf dem geschrieben
war, welches Verbrechen der Insasse begangen hatte. Die Schrift auf einem
Papyrusblatt wegzuwaschen, damit das Blatt neu beschrieben werden kann, war
damals sehr üblich. Auch die Tafel an dem Kreuz Jesu war ein solcher titulus.
In Wirklichkeit hing dort am Kreuz aber unsichtbar unser Schuldschein. Nach
jüdischer Ansicht führen die Engel ein Schuldbuch, nach dem Gott im Endgericht
urteilt (59,266).
3 Gräz.: der Tanz im
Dreierschritt (lat.: triumphare). Als t.t.: einen festlichen Aufmarsch
zu Ehren des Gottes Dionysos halten, wobei viele Freudenlieder gesungen wurden.
Aber auch der römische Triumphzug könnte gemeint sein, bei dem der siegreiche
Feldherr im Gewand des Gottes Jupiter vor seinen Truppen nach Rom einritt.
Hinter ihnen zogen die Gefangenen und die ganze Beute. Im freudigen Triumphzug
die Besiegten einherführen, und so einen militärischen Siegeszug abhalten. Hier
ist der Feldherr Jesus Christus und sein Sieg am Kreuz, ist der Sieg über Satan
und seine Dämonen.
4 Betont ans Ende des Satzes
gestellt: "...leibhaftig", d.h. in einem Leib, also auch schon
während seines Menschseins wohnte die ganze Fülle der Gottheit in Christus, und
nicht nur in seiner Präexistenz vor seiner Menschwerdung, oder in seinem
Herrlichkeitsleib nach seiner Himmelfahrt, wir die Irrlehre der
"Kenosis" behauptet. Jesus der Christus ist Gott in Menschengestalt.
Die Irrlehrer behaupteten dagegen, dass die Fülle der Gottheit in den "Elementargeistern"
verteilt wohne, und Jesus nur die letzte Stufe dieser Manifestation sei.
5 Zur Verehrung der "Elementargeister"
(in ihren Gedanken Engel), wie sie die jüdischen Irrlehrer forderten,
gehörte auch die Beachtung verschiedener anderer Vorschriften, z. B. die
Einhaltung von Speisegeboten, Festzeiten, Festsabbaten und die Beschneidung
(vgl. 21,III,525; 47,z.St.). Die Heiden verspotteten die Juden wegen der
Beschneidung, den Speisevorschriften und wegen ihrer Festtage (65,II,445). Die
Christen sollten sich daher von allen diesen Riten fernhalten.
6 Vgl. Dtn 10,16; 30,6; Jer
4,4; 9,25 und Hes 44,7.9, wo auch schon im AT von einer geistlichen
Beschneidung die Rede ist.
7 Damit sind wahrscheinlich
Engelwesen (die "Elementargeister") gemeint, die schon in Kol 1,16; 2,10 und
auch in Eph 6,12 erwähnt wurden. Sie büßten ihre Macht durch den Sieg Jesu am
Kreuz völlig ein und sollen daher weder verehrt werden, noch soll man sich
ihren vermeintlichen Vorschriften (V.16ff) unterwerfen (21,III,529). - Da es
sich bei απεκδυσάμενος um ein Ptz.Med. handelt, könnte auch die
Bedeutung "entwaffnen" zutreffen: "…sie
mussten ihre Waffen niederlegen" (2,1087; 67,388).
8 Zwar ein Sg.Neut., aber
constructio ad sensum: d.h. in Christus (2,1086; 67,378). Genauso in Vers 15,
daher: Gott in Christus; eher nicht: im Kreuz (2,1087; 44,607).
9 Ein eindrücklicher
Vergleich für das alttestamentliche Gesetz und seine Vorschriften: ein Schatten
zeigt nur die Umrisse und hat nicht die Substanz des Körpers, der den Schatten
wirft. Die alttestamentlichen Opfer, Feste, Reinigungsvorschriften, usw.,
fanden in Christus ihre Erfüllung und sind daher annulliert. - Auch Platon
machte in seinem "Höhlengleichnis" einen Unterschied zwischen den Schatten an
der Wand, d.h. den sinnlichen Erfahrungen, und der Substanz, d.h. der realen
Welt (65,II,445.447).
10 viell.: "…als er bei der Einweihung in die
Mysterienreligionen den Schrein betreten hat".
Manche vermuten allerdings der Hss-Text sei verdorben und im Original stand αέρακενεμβατευων
(= "...ins luftleere tretend"), statt άεορακενεμβατευων
(21,III,532; 67,400). Vgl. die verschiedenen Erklärungsmöglichkeiten (in 2,1087).
11 Bezieht sich grammatisch zwar
auf das Geheimnis, da aber in Vers 2 Christus selbst das Geheimnis ist, kann es
sich auch auf Christus direkt, als dem letztgenannten Objekt beziehen
(21,III,519).
12 Der beste Schutz gegen
Verführung ist, sich mit Christus und den Schätzen in ihm (Vers 2-3) zu
beschäftigen.
13 Das Ind.Futur steht hier
statt dem Konj.Aorist (2,z.St.).
14 Da Glaube mit Artikel
steht, sind wahrscheinlich die Glaubenswahrheiten gemeint, die durch die
Irrlehrer in Gefahr waren (vgl. Vers 8 und 16).
15 In Gräz. milit. t.t.: die
Ordnung beim Marsch und in der Schlacht (52,V,550).
16 Die Erwähnung der Vorhaut
im gleichen Satz macht klar, dass er Heiden-Christen meint (67,378.383).
17 od.: "indem seinen eigenen Willen tuend"; od. viell. mod.: "der dies absichtlich tun
will" (2,z.St.).
18 Die Athleten kämpften
nicht nur für ihren eigenen Sieg, sondern auch für die Ehre ihrer Heimatstadt
(65,II,439).
19 Viell. nach einigen Hs.: "die er gar nicht gesehen hat" (aber siehe: 27,623). - Diese jüdischen
Mystiker und Engelverehrer gaben sich einen Anschein von Demut und übten sich
in strenger Askese mit Fasten und Selbstkasteiung (Vers 21). Aber Proteinmangel
und Schlafentzug können Halluzinationen (Visionen) hervorrufen, und dies könnte
hier der Fall gewesen sein. Vgl. Jer 23,32; Pred 5,6 (65,II,445; 67,398ff).
20 Ein Gen.obj. oder ein
Gen.qual. Vielleicht sind die Gestirne des Himmels, die Himmelskörper gemeint,
die auch als Engelwesen und kosmische "Elementargeister" verehrt wurden, oder personifizierte
Naturgewalten. Die Verehrung und Anerkennung der "Elementargeister"
wurde offenbar von manchen Irrlehrern gefordert. Es ist jedoch unsicher, ob die
Bedeutung "Elementargeister" auch schon in neutestamentlicher Zeit
vorhanden war (67,369ff; 65,II,442). Vgl. Gal 4,3.9. Möglich wäre auch, dass
diese Irrlehrer sich in ihrer Askese von der "religiösen
Verehrung" der Engel bestätigt fühlten,
welche ja auch nicht essen und trinken. Paulus würde dann in dem ganzen Satz
die Aussagen der Irrlehrer ironisch kommentieren (67,397). Die Anbetung von
Engeln ist verboten (Offb 19,10; 22,9 ua).
21 Wahrscheinlich ein konzessives
Ptz.: "…obwohl tot seiend"; da es aber ein Ptz.Präs. ist,
vielleicht auch temporal: "…als
tot seiend"; eher unwahrscheinlich kausal:
"…weil tot seiend"; od. subst.: "…tot Seiende" (2,z.St.). - Eine starke Aussage über die
völlige Verderbtheit des unbekehrten Menschen (vgl. auch Eph 2,1; Röm 3,9-19
ua). Er ist geistlich blind, geistlich tot, und auf sich gestellt hoffnungslos
verloren wie das verlorene Schaf oder die verlorene Münze in Lk 15,1-10.
22 "Die Worte des Paulus
beziehen sich hier sehr wahrscheinlich auf einen alten Brauch, den
schriftlichen Beweis einer Schuld, die bezahlt ist, an einem Platz anzunageln
als Erinnerung für alle, dass der Gläubiger keine Ansprüche mehr an den
Schuldner zu stellen hat" (48,1006).
Kolosser 3
1 Ptz.Präs.Pass.:
diese Erneuerung ist ein Prozess, den der Heilige Geist in uns wirkt. Darin
besteht die Heiligung.
2 od.
Genitiv des Zwecks: "...das die Vollkommenheit schaffende Band"; od. eventuell
Gen.qual.: "...das vollkommene Band" (2,z.St.).
3 Toleratives
Pass.: "sich unterordnen", wie Vers 19. Vielleicht soll das tolerative
Passiv andeuten, dass dies nicht so selbstverständlich im sündigen Wesen der
Frau liegt (vgl. Gen 3,16b). Es wird übrigens nicht gesagt, die Frauen
sollen den eigenen Männern gehorchen, was in Vers 20 den Kindern und in
Vers 22 den Sklaven schon befohlen wird. Sich unterordnen bedeutet, die
von Gott zugewiesene Stellung bereitwillig einzunehmen und aus dieser Stellung
heraus freiwillig zu gehorchen (1Pet 3,5-6a), vorausgesetzt es
widerspricht nicht Gottes Geboten (Apg 5,29), und dem eigenen Gewissen (1Kor
8,12).
4 Gemeint
sind natürlich minderjährige Kinder. Auch sie waren also in den Versammlungen
anwesend, und zwar nicht nur beim Abendmahl, sondern auch beim Verlesen und
Erklären der Briefe. Vgl. Kol 4,16; Esra 10,1b. Kinderstunden, so sinnvoll sie
sind, gab es damals offensichtlich noch nicht. Trotz Unterweisung in den
Kinderstunden gehört die geistliche Unterweisung unserer Kinder vor allen in
die Familie.
5 Das geschieht
bei seiner Wiederkunft.
6 D.h. es
gibt keine Parteilichkeit bei Gott.
7 od.: "...soll
reichlich unter euch wohnen, (indem) in aller Weisheit einander lehrend und
zurechtweisend... ".
8 Nicht:
"…weil der Herr auch
euch verziehen hat", was natürlich auch stimmen würde, sondern:
"...in
der gleichen Art wie der Herr auch euch verziehen hat"
(vgl. Mt 18,15-35; Lk 17,3).
9
Verneinter
Imp.Präs. viell.: "Hört auf, einander zu
belügen".
10 Sicherlich
kein imperativisches Ptz. ("zieht
völlig aus/an…"), da in Vers 12 dann für das gleiche Wort der Imperativ
verwendet wird. Hier ein kausales Ptz.Aor. der Vorzeitigkeit mit dem Paulus
beschreibt, was geistlich durch die Wiedergeburt schon geschehen ist: bei der
Bekehrung wurde der alte Mensch ein für alle Mal ausgezogen und der neue Mensch
ein für alle Mal angezogen. Mit dem Imp.Aor. in Vers 12 wird dann beschrieben, mit
welchen Eigenschaften sich der neue Mensch nun anziehen muss, damit er nicht "nackt"
bleibt, und was nun in der Folge zu tun ist. Daher ist auch nur mehr vom
Anziehen die Rede (67,422). Vgl. auch die Anm. bei Röm 6,6. -
Interessanterweise wurden bei der Taufe der Pharisäer die Täuflinge vor der
Taufhandlung nackt ausgezogen und danach mit neuen Kleidern angezogen (65,II,449).
11 In
absteigender Reihenfolge: Hurerei entspringt der Unreinheit, diese der Leidenschaft,
usw. Es handelt sich zuerst um sexuelle Sünden, während Habgier eine materielle
Sünde ist, die aber auch einer bösen Begierde entspringt. Eine ähnliche
Reihenfolge findet sich in Gal 5,19
12 Wenn man
den anderen ertragen und gnädig verzeihen möchte, muss man vorher
die Eigenschaften von Vers 12 angezogen und mit dem Band der Liebe (Vers
14) festgebunden haben.
13 In Bezug
auf das in Vers 11 Gesagte.
14
Gen.subj., d.h. Christi Botschaft, seine Lehre (67,427f). Also sollen unser Reden
und Singen in der Versammlung vom Wort Gottes durchdrungen sein. Nichtssagende
menschliche Gedanken, wie sie in modernen Predigten und Liedern manchmal zu finden
sind, haben hier keinen Platz. In Eph 5,18 wird das Erfülltsein mit dem Geist
betont. Es ist die Voraussetzung dafür, dass das Wort Christi in und unter uns
wohnen kann.
15 Im Urtext
gab es keine Satztrennungszeichen. Daher ist zu übersetzen entw.: "…einander
lehrend und zurechtweisend. Mit Psalmen…singend…"; od.: "…einander
lehrend und zurechtweisend mit Psalmen…, (indem) singend…
"; od.: "…einander lehrend und zurechtweisend mit Psalmen…. In der Gnade
singend…" (vgl. 48,1016). Siehe auch die Parallelstelle in Eph
5,18-19.
16 Gegen jemanden
hart oder scharf, und damit verletzend, reagieren (44,z.St.). Als verneinter
iterativer Imp.Präs. und als toleratives Passiv: "lasst
euch nicht immer wieder erbittern". Vielleicht soll das tolerative
Passiv andeuten, dass sich ein Mann, seinem sündigen Wesen nach, leicht gegen
seine Frau erbittern lässt.
17 Die
Skythen galten als das grausamste und barbarischste Volk (65,II,449f).
18 Im
Vergleich zu den Sünden in Vers 5 und in anderen Lasterkatalogen (z.B. Röm
1,29-32; 1Kor 5,11-13; 6,9-10; ua.) scheinen diese Sünden harmloser. Doch
gerade deshalb, müssen die Gläubigen auch diese Dinge in ihrem Verhalten ablegen.
19 Da in den
Versen 1-4 der Artikel vor Christus steht, ist der verherrlichte Christus im Himmel
gemeint.
20 Der
Imp.Aor. bedeutet: dann, wenn eine dieser folgenden Sünden im Leben eines
Gläubigen hochkommt, soll er sie augenblicklich abtöten (vgl. Mt 5,29-30;
Röm 8,13).
21 Hurerei
war damals eine große Versuchung für gläubige Männer (siehe Anm. zu 1Kor 6,18).
Sie steht demnach auch an anderen Bibelstellen (z.B. 1Kor 5,9.11; 6,9; Eph
5,3.5; Heb 12,16; 13,4) in Aufzählungen schwerer Sünden an erster Stelle.
Kolosser 4
1 Demas ist zwar noch
bei Paulus, aber es gibt sonst nichts Lobenswertes über ihn zu sagen, im
Gegensatz zu den anderen, die Paulus in Vers 7ff nannte. In 2Tim 4,10 wird er
dann Paulus schon verlassen haben.
2 εκκλεσια ohne Artikel bedeutet
hier: im Gottesdienst.
3 Der Brief
wurde von ihm diktiert, den Gruß aber schrieb er, als Echtheitsmerkmal, mit
eigener Hand in seiner Handschrift. Vgl. 2Thes 2,2
4 Med.: den
passenden Zeitpunkt oder die passende Gelegenheit für etwas voll ausnützen.
D.h. hier: die gelegene Zeit zu nützen, um durch einen guten Lebenswandel die
Aufmerksamkeit der Ungläubigen zu gewinnen (Mt 5,16), um ihnen in der Folge
Zeugnis geben zu können. Oder viell.: die Zeit zurückkaufen, Zeit gewinnen
(37,220). Vgl. LXX: Dan 2,8. "auskaufen" bedeutet, Gelegenheiten zu nützen, und das kostet
uns auch etwas. - Die Prediger des Evangeliums müssen aber auch zur ungelegenen
Zeit das Wort verkünden (2Tim 4,2).
5 Viele
meinen, dass damit der Epheserbrief gemeint ist, der als Rundbrief an
verschiedene Gemeinden Kleinasiens geschickt wurde (vgl. die Anm. zu Eph 1,1). Da
in Kolossä aber mit den frühgnostischen Irrlehren ein spezielles Problem
vorhanden war, schrieb Paulus an die Gemeinde in Kolossä noch zusätzlich einen
eigenen Brief. Falls es sich bei dem Brief an die Laodizäer nicht um den
Epheserbrief handelt, wäre der "Brief an die Laodizäer" verloren
gegangen (64,630). Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass von allen anderen
Paulusbriefen viele Kopien und Fragmente erhalten blieben, aber keines von
diesem angeblich verlorengegangen Brief.
6 Hierapolis
war eine phrygische Stadt in der Provinz Asia, auf der gegenüberliegenden Seite
des breiten Lykus Tales, ca. 10 km nördlich von Laodizäa und Kolossä gelegen.
Es war eine blühende und wohlhabende Handelsstadt. Zusammen mit Laodizäa war
sie bedeutender als Kolossä. In der Mitte der Stadt befinden sich heiße
Quellen, die berühmt für ihre heilenden Kräfte waren. Wenn die heißen Wasser
über die Terassenkante der Stadt flossen, bildeten sie spektakuläre Kaskaden aus
verkrustetem weißem Kalk. Wegen dieses Naturphänomens war die Stadt ein
berühmtes und florierendes Zentrum von drei verschiedenen heidnischen
Heilkulten, besonders des Kybele-Kults. Der Sage nach befand sich hier auch der
Eingang zur Unterwelt. Auch ein Tempel für den Kaiserkult befand sich in der
Stadt, doch ebenso eine große jüdische Gemeinde. Der heutige Name der Stadt ist
Pamukkale (vgl. 33,483; 52,1129; 47,z.St.; 65,II,453).
7 Salz
wurde zum Würzen von
Speisen verwendet, zu viel Salz konnte eine Speise aber verderben. Hier
bildlich von der gewinnenden und freundlichen Art (= Gnade) der ausgewogenen
und weisen Rede zu den Ungläubigen, die aber nicht nur angenehm sein darf,
sondern auch die nötige Schärfe, d.h. Ermahnung (= Salz), haben muss. Salz im
Essen macht auch durstig, übertragen nach Gottes Wort. In Lk 4,22-28 finden wir
ein Beispiel aus der Predigt Jesu. Zuerst "Worte der
Gnade", denen alle Beifall spendeten, doch danach ein Wort mit
Salz gewürzt, dass Widerstand erregte.
8 Nicht für
seine Freilassung bittet er um Gebet, sondern für eine
Evangelisationsmöglichkeit. Diese war auch im Hausarrest gegeben (Apg 28,31).
9 Aorist
des Briefstils.
10 Bei
Nympha dürfte es sich um einen weiblichen Namen handeln. Wahrscheinlich ist eine
der Hausgemeinden der Gesamtgemeinde von Laodizäa gemeint, weil die "Brüder in
Laodizäa" vorher extra gegrüßt wurden. Dann war Nymphas eine
reiche gläubige Frau (wie Lydia?), und wird speziell gegrüßt, weil sich die
ganze Gemeinde in ihrem Haus versammelte (65,II,454).
11 Archippus
war vielleicht der Sohn von Philemon, jedenfalls ein Lehrer in der Gemeinde und
daher begabt, den Kolosserbrief der Gemeinde beim Vorlesen auch auszulegen
(65,II,454). Die Gemeinde soll einen ihrer Lehrer ermahnen, seinen
Dienst zu tun. Wo passiert heute so etwas, obwohl es manchmal nötig wäre!
12 Da auch
der Brief an Philemon aus der gleichen Gefangenschaft geschrieben wurde, könnte
es sich in Phm 1,10 um den gleichen Onesimus handeln. Die Gemeinde in Kolossä hat
sich wahrscheinlich im Haus von Philemon versammelt (Phm 1,2). Anfang des
2.Jhdts n.Chr. gab es einen Presbyter Onesimus in Ephesus. Ob es sich um die
gleiche Person handelt, wissen wir aber nicht (65,II,453).
13 Gebet ist
wie ein Ringkampf, aber wir ringen nicht gegen Gott, sondern gegen Widerstände,
Unmöglichkeiten, Anfechtungen, Schlaf, usw. Man gibt nicht auf, bevor man nicht
gesiegt hat!
14 Die
meisten Menschen konnten damals weder lesen noch schreiben. Also musste der
Brief vorgelesen und dabei wohl auch von begabten Brüdern ausgelegt werden.
15 Als
Beispiel wie Jesus geantwortet hat, siehe: Joh 1,48ff.; 3,3ff.; 4,10ff.;
Lk 19,5ff.; ua.
Zu Thessalonichern A
1.Thessalonicher 1
1 Gemeinden werden im NT immer nur
mit einem geographischen Namen benannt, entweder mit dem Namen der Stadt oder
dem Haus, in dem die Versammlungen stattfinden (Röm 16,5; 1Kor 16,19; Kol 4,15).
In größeren Städten wie Rom und Jerusalem versammelte sich die Gesamt-Gemeinde
aufgrund ihrer Größe in verschiedenen Häusern, sogenannte Hausgemeinden. Eine
Gemeinde nach dem Namen eines Menschen oder einer Lehre zu benennen, wie es
heutzutage geschieht, verbietet Paulus (1Kor 3,4ff), weil es zu Spaltungen im
Leib Christi führt.
2 Das Werk (Sg.) des Glaubens sind
wahrscheinlich die Bemühungen (Pl.) der Liebe (vgl aber dagegen: Offb 2,2-4). Hoffnung
bewirkt geduldiges-Ausharren (1Kor 13,13).
3 Vgl. Mt 13,20
4 Der Ausdruck "ρυομαι
… εκ" bedeutet eher das Retten, bevor
eine drohende Gefahr naht (wie in 2Kor 1,10 Paulus ist ja nicht
gestorben; in Offb 3,10 und in 2Pet 2,5-9 Lot wurde hinausgeführt, bevor
das Zorngericht über Sodom kam). Im Gegensatz dazu bedeutet σωζω
mehr das Herausreißen aus einer Gefahr, in der man sich
schon befindet. - Bedeutet dies, dass wir schon vor dem Ausgießen der
Zornschalen in Offb 16,1ff entrückt werden (vgl. 1Thes 5,9)? Zum kommenden Zorn
vgl. noch: Offb 6,16; 11,18; 14,10; 16,19 15,1.7 Dass hier mit dem kommenden
Zorn einfach nur das letzte Gericht gemeint ist (wie in Joh 3,36; 5,24; Röm 5,9),
schließt der eschatologische Kontext davor ("…seinen Sohn zu erwarten")
eigentlich aus. - Das Ptz.Präs. steht für das Ptz.Fut. und ist zeitlos (44,z.St.).
5 ερχομενης (Ptz.Präs.) bedeutet:
schon im Kommen begriffen, denn der kommende Zorn wirf schon seine Vorschatten.
Das Fut. μελλουσα hingegen würde bedeuten: erst in Zukunft kommend (71,38), und
würde bei der Naherwartung des Paulus den Thessalonichern eine falsche
Sicherheit suggerieren. Vgl. im AT den Tag des Zorns in Jes 13,9.13; 30,27 ua. –
Das Ptz.Präs. steht hier für das Ptz.Fut. (44,z.St.). Dieser kommende Zorn wird
in Offb 16,1ff beschrieben.
6 In diesem ersten Brief den
Paulus schrieb, braucht er noch nicht auf seine Autorität als Apostel
hinweisen, wie es später nötig war (Gal 1,1; 1Kor 1,1; Röm 1,1 ua.). Er stellt
sich mit seinem Mitarbeiter Silas und ihrem gemeinsamen Diener Timotius in eine
Reihe. Dennoch kennt er auch keine falsche Demut und nennt sich als erstes.
7 Gemeint ist wahrscheinlich die
ewige Erwählung vor der Zeit, die sich durch die Bekehrung geschichtlich bewiesen
hat, wie Vers 5a zeigt (71,25).
8 Paulus schreibt noch unter dem
Eindruck, den er kurz davor in Athen von den tausenden Götzen hatte (Apg
17,16).
9 Hier geht es nicht um die
Verkündigung des Evangeliums durch die Thessalonicher, sondern um die
Radikalität ihrer Bekehrung (Vers 9b.10), die sich in der weiteren Umgebung
herumgesprochen hat.
1.Thessalonicher 2
1 Perf.: Nach Prüfung als bewährt
erfunden worden.
2 Zeitloses Part.Präs. (13,129).
Der Ruf soll uns gegenwärtig sein, bis wir im Königreich Gottes mit seiner
Herrlichkeit ankommen.
3 od.: konativ: "...indem
versuchend uns zu hindern".
4 od. proleptischer Ind.Aor.:
"...es wird über sie der Zorn hereinbrechen" (2,z.St.).
5 od.: "Wer anders als
ihr?" (2,z.St.).
6 Paulus spielt vielleicht auf
Verdächtigungen an, er wolle sich durch die Verkündigung des Evangeliums
bereichern, Verdächtigungen, die vonseiten seiner Feinde gegen ihn ausgestreut
wurden (vgl. 47,z.St.).
7 Paulus begann seine handwerkliche
Arbeit bereits in der Nacht, um die Nachmittage und Abende für die
Evangelisation frei zu haben (21,II,361). Er arbeitete in seinem Beruf als
Zeltmacher, um der Gemeinde nicht zur Last zu fallen, obwohl er als Apostel ja
das Recht gehabt hätte, von ihnen versorgt zu werden. Vgl. Apg 18,3 (47,z.St.).
8 Die Schärfe der Anklage gegen
die Juden erklärt sich daraus, dass sie in allen Gemeinden versuchten die
Missionsarbeit des Apostels zu stören (vgl. 47,z.St.).
9 Vielleicht ein brieflicher
Plural (13,4).
10 Vielleicht dadurch verhindert,
dass sich Jason dafür verbürgen musste (vgl. Apg 17,8-9), dass Paulus nicht
nach Thessalonich zurückkehren darf (21,IV,30). Der Vorfall war ja erst einige
Monate her. Oder er meint eine Verhinderung durch "höhere Gewalt",
z.B. durch Krankheit oder Naturereignisse (71,66f). Paulus jedenfalls schreibt
die Hinderungsgründe hier dem Satan zu, was er in Röm 15,22 nicht tut.
Im Gegensatz zu Apg 16,6-7, wo Paulus eindeutig erkennt, dass ihn der Heilige
Geist hindert, erkennt er hier eindeutig, dass ihn Satan hindert. Daher
versucht er auch ein zweites Mal nach Thessalonich zu reisen, was in Apg 16,6-7
nicht der Fall war. Gott erlaubte in seiner Souveränität dem Satan, Paulus hier
zu hindern, weil er für Paulus eine wichtigere Aufgabe hatte. Er sollte weiter
nach Korinth ziehen und dort eine Gemeinde gründen. Nach Thessalonich schickte Paulus
indessen den Timotius, den Satan nicht hindern durfte, und der seine Aufgabe
erfolgreich erledigte (1Thes 3,2.5-6).
11 Siehe Apg 16,22-23
12 Wohl dadurch, dass sie als
Apostel Unterstützung hätten beanspruchen können (vgl. Vers 9).
13 Reiche Römer hatten zwar oft
eine Amme für ihre Kinder, hier ist aber wahrscheinlich das Bild der stillenden
Mutter gemeint (65,III,12).
14 In seinem seelsorglichen
Hirtendienst hat sich der große Apostel Zeit für die Einzelnen genommen.
1.Thessalonicher 3
1 Paulus verzichtete darauf, dass
Timotius mit ihm in Athen blieb. Es war ihm wichtiger, dass Timotius nach
Thessalonich reist, um die Geschwister zu stärken, und Silas blieb in Beröa, um
Nacharbeit zu machen. Beide stießen erst in Korinth wieder zu ihm: vgl. Apg
17,14-16; 18,1.5. Das "uns" ist eventuell ein brieflicher Plural,
oder es drückt die Übereinstimmung der drei aus, dass Paulus allein in Athen bleiben
soll (71,70).
2 Das könnten nach 1Thes 4,14;
2Thes 1,10; Offb 3,3 und Offb 19,14, die geheiligten, verherrlichten und
vollendeten Gläubigen sein, die bei der sichtbaren Wiederkunft Christi dabei
sein werden. Doch da er davor zu den Gläubigen gesprochen hat, würde man
erwarten: "…in Begleitung von euch allen". Daher könnten auch die
Engel gemeint sein, die den Herrn bei seiner Ankunft begleiten (Mt 16,27; 24,31;
25,31; 2Thes 1,7; Sach 14,5?), - allerdings werden die Engel nie Heilige ohne
irgendeinen Zusatz genannt (71,82).
3 Eventuell: "...und, dass
ihr allezeit ersehnend seid uns zu sehen".
4 Das Prädikat steht im Sg. trotz
des pluralischen Subjekts ("...unser Gott und Vater und unser Herr
Jesus"), denn das Subjekt wird als Einheit behandelt.
5 Die von den Juden geschürten
Feindseligkeiten und Verfolgungen haben offenbar auch nach dem Weggang des
Apostels noch angehalten (vgl. 1Thes 2,14). In ihnen erfüllte sich die
Vorhersage des Herrn; vgl. Mt 10,17-18; 24,9 (vgl. 47,z.St.).
6 Paulus begann nicht nur seine handwerkliche
Arbeit (1Thes 2,9), sondern auch seine Gebetszeit bereits in der Nacht.
7 Ohne Artikel bezieht es sich
normalerweise auf Jahwe, hier aber wahrscheinlich auf den erhöhten Sohn Gottes
(2,1367).
1.Thessalonicher 4
1 In der Gräz.
vom Eintreffen neuer Magistratsbeamter in einer Stadt. Ebenso antike
Ausdrucksweise für die offizielle und feierliche Einholung des neuen Herrschers
in die Hauptstadt zum Regierungsantritt (11,808). Diese "Einholung"
erfolgte durch seine Parteigänger, seine Freunde oder durch die Vornehmen der
Stadt. Diese gingen aus der Stadt dem neuen Herrscher entgegen, um ihn dann
feierlich in die Stadt zurückzubegleiten (65,III,23). Ob Paulus bewusst dieses
Wort wählte, um diesen Sachverhalt auch auf die Entrückung und die
anschließende sichtbare Wiederkunft anzuwenden, bleibt offen. Aber selbst, wenn
er bewusst diesen Ausdruck wählte, heißt das nicht, dass Entrückung und
sichtbare Wiederkunft ein Ereignis sind, welches unmittelbar
hintereinander erfolgt. Denn auch zwischen der Begegnung bei der
"Einholung" und der Rückkehr in die Stadt lag ein beträchtlicher
Zeitraum. Da wir nach 1Thes 1,10 noch vor dem kommenden Zorn errettet
werden, und nach 1Thes 5,9 nicht zum Zorn bestimmt sind, könnte man daraus
schließen, dass die Entrückung noch vor dem Ausgießen der Zornschalen in
Offb 16,1ff geschieht. - Das Wort αρπαζω (= entrückt, entrissen) drückt wie in
1Kor 15,52 die Plötzlichkeit dieses Geschehens aus (71,102).
2 Das hier
im Griechischen verwendete Wort für "Gefäß" (σκευος) kann in
übertragener Bedeutung sowohl den Körper des Menschen (2Kor 4,7, ua) als auch
nach rabbinischer Ausdrucksweise, die Ehefrau bezeichnen (1Pet 3,7). Daher entweder
der eigene Körper, dann bedeutet es: seine sexuellen Lüste unter Kontrolle zu halten.
Hier aber wahrscheinlich speziell: die eigene Frau (= sein Gefäß)
sexuell zu "erobern", und nicht die Frau eines anderen, was besser
zum Kontext von Vers 3 und 5-6 passt (71,90ff; 44,618; 71,87).
3 Allg.:
Vorschriften oder Gebote übertreten, die Rechte eines anderen verletzen, z.B.
indem man mit der Frau eines Bruders Hurerei treibt. (1.) entweder als
Erklärung für Vers 3+4: "...das bedeutet, dass sich nicht jemand sexuelle Übergriffe
erlaube und seinen Bruder in dieser Sache übervorteile", nämlich indem er
sich an dessen Ehefrau vergeht. (2.) oder als zweiter Gen.epexg.: "...das
bedeutet weiters, dass nicht jemand seinen Bruder übergehe, und in dem Geschäft
(Strong Nr.: 4229) übervorteile" (71,89). Da er aber auch noch im folgenden
Vers zur (sexuellen) Reinheit ermahnt, ist die zweite Erklärung weniger
wahrscheinlich.
4 Wie der
Zusammenhang in 1Thes 4,13-18 zeigt, entsprang die Sorge der Thessalonicher um
ihre Toten nicht einem Zweifel an der Auferstehung überhaupt, sondern der
Ungewissheit, ob die bereits Verstorbenen ebenfalls am nahe erwarteten Tag des
Herrn und seinem anschließenden Königreich teilnehmen würden. Paulus klärt ihre
Zweifel, indem er sagt, dass die bereits entschlafenen Gläubigen bei der
Entrückung mit neuen Herrlichkeitskörpern auferstehen und mit den lebenden
Gläubigen zusammen zum Herrn entrückt werden (1Thes 4,16; 1Kor 15,51-53), um
dann zusammen mit dem Herrn Jesus bei seiner sichtbaren Wiederkunft auf die
Erde mitzukommen (Kol 3,4; 1Thes 3,13; 4,14; 2Thes 1,10; Offb 19,14). Danach
werden sie mit ihm in seinem irdischen Königreich mitregieren; Offb 5,10; 20,4;
1Kor 6,2 (so: 71,98; Didache 16,6f; und die frühen Kirchenväter).
5 Aus diesen
Versen spricht die starke Hoffnung und Naherwartung des Paulus und der
Gemeinde, die Entrückung noch zu erleben. Vgl. 1Thes 5,1-2; 2Thes 1,1-12; 1Kor
15,5-6 (47,z.St.). Den genauen Zeitpunkt der Entrückung kann man aber aus dem
NT nicht festmachen, obwohl manche das versuchen. Bei den Bibelstellen, die
dabei genannt werden (z.B. Offb 4,1; 11,12; 16,15), scheint die Entrückung eher
hineingelesen als herausgelesen zu sein. Fest steht, dass wir
nicht zum Zorn bestimmt sind (1Thes 1,10; 5,9), was bedeuten könnte, dass die
Gemeinde noch vor den Posaunengerichten (Offb 8,6ff.), jedenfalls aber vor dem
Ausgießen der Zornschalen in Offb 16,1ff., entrückt wird. Der Grundtenor des NT
im Hinblick auf die Wiederkunft des Herrn ist jedenfalls, dass wir ihn
sehnlichst und bald erwarten sollen (Offb 22,20b ua.), gleichzeitig aber auch
die Zeichen der Endzeit beobachten und wachsam bleiben sollen (1Thes 5,1ff; Mt
24,4ff ua.). Dies scheint zwar ein Widerspruch für unsere Logik zu sein, aber
es sollte uns nicht beunruhigen, wenn göttliche Wahrheiten für uns menschlich
nicht logisch erscheinen. Diese Spannung finden wir auch bei anderen Wahrheiten
des NT, z.B. der ewigen Sicherheit unserer Errettung (Joh 10,27-30; Heb 5,9;
10,1.14 ua.) und der Aufforderung zur Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen
wird (Heb 12,14 ua.). Oder bei der ewigen Erwählung der Gläubigen (Joh
6,37.39.43.45.65; 10,27; 2Thes 2,13-14; 2Tim 1,9 ua.) und der Verantwortung dem
Evangelium zu gehorchen und zu glauben (Joh 3,18 ua.). Es ist wie bei dem Axiom
in der Mathematik welches besagt, dass sich zwei Parallelen in der
Unendlichkeit schneiden, was unserem Verstand zwar unmöglich erscheint, was aber
dennoch stimmt.
6 entw.: "…ebenso
wird auch Gott die Entschlafenen, durch Jesus mit ihm mitführen" (71,98); viell.
aber: "…ebenso wird auch Gott, die durch Jesus (d.h. im Glauben an ihn)
Entschlafenen, mit ihm mitführen" (21,IV,36; 2,1101). - Wenn Christus
sichtbar auf die Erde wiederkommt, werden die zuvor auferweckten,
verherrlichten und entrückten Gläubigen ihn begleiten (1Kor 15,51-52; 1Thes
3,13; 2Thes 1,10; Kol 3,4; Offb 17,14; 19,14). Schon die Didache (16,6-7) und
die meisten von den ältesten Kirchenvätern glaubten an eine erste Auferstehung,
dazwischen das Tausendjährige Reich und dann erst die zweite Auferstehung (71,98).
7 entw.
modal, als begleitender Umstand: mit… (2,z.St.); od. örtlich: bei…; od. kausal:
mittels...;
8 Vgl. die
Anm. bei 1Kor 15,52
9 Damit
könnten entweder die alttestamentlichen Schriftstellen Ps 49,16 und Ps 73,24
gemeint sein, in denen Paulus die ihm geoffenbarte Wahrheit von der Entrückung
schon schattenhaft angedeutet sieht, wofür die Bezeichnung HERR (= Jahwe) sprechen
würde. Oder vielleicht das Wort Jesu in Joh 14,3 (2,1101; 71,98). Oder Paulus
hatte eine spezielle Offenbarung über diese Sache (F. Godet), jedenfalls was
die Details betrifft. Vgl. auch 1Kor 15,51a
10 Mit den "Toten
in Christus" sind sicherlich nur die Gläubigen der Gemeinde gemeint.
Ob die Gläubigen der alttestamentlichen Zeit zu diesem Zeitpunkt auch mit auferstehen,
oder eher erst zu Beginn des tausendjährigen Reichs, ist umstritten (vgl. Dan
12,2.13; Jes 26,19; Offb 20,5a; Heb 11,39-40). Jedenfalls werden sie im tausendjährigen
Reich als Auferstandene auf dieser Erde leben (Mt 8,11). Zur Auferstehung zum
Leben vgl. auch noch die Anm. bei Joh 5,29
11 Bei
Gläubigen soll auch die Sexualität innerhalb der Ehe anders ausgeübt werden als
bei Ungläubigen. Sie dient dazu seine Frau zu erfreuen und sich selbst an
seiner Frau zu erfreuen (Dtn 24,5; Spr 5,18). Für die damals und heute verbreitete
Perversität ist auch in der Ehe kein Platz.
12 Diese
Ermahnung war in der damaligen Gesellschaft nötig, denn nach griechischem und
römischen Recht war Geschlechtsverkehr mit Prostituierten erlaubt, und vorehelicher
Geschlechtsverkehr war für Männer nur mit Angehörigen der Oberschicht verboten.
Nur im Judentum war Geschlechtsverkehr ausschließlich in der Ehe erlaubt, also
auch nicht in der Verlobungszeit (65,III,18). Von
Tempelprostitution ist in griechischen Texten die Rede. Herodot (Herodot;
Historien 1,199) berichtet, dass eine Babylonierin der Perserzeit sich einmal im
Leben zu Ehren der Mylitta einem
Fremden gegen Geld hingeben musste. Nach Strabon, Athenaios und Pindar gab
es in Griechenland Prostitution von Tempelsklavinnen im Tempel der Aphrodite in Korinth.
Strabon, Ovid und Diodor beschreiben Hierodulen im
Kult der Aphrodite von Eryx auf Sizilien, der Ausstrahlung
bis nach Rom gehabt haben soll (Tempelprostitution – Wikipedia). Demnach war besonders in Korinth die Gefahr zur
Prostitution, für die Gläubigen, besonders für Neubekehrte, eine große Gefahr. Der
Umgang mit Prostituierten war für männliche Athener unproblematisch. Dennoch
verlangte die Sitte, dass Männer mit Prostituierten nicht unter dem Dach
verkehrten, wo sich die Ehefrau, Mutter oder Schwester aufhielt oder gar lebte.
Aus Quellen ist belegt, dass beleidigte Frauen die Scheidung einreichten mit
der Begründung, ihr Mann habe nicht genügend Diskretion walten lassen. Für
Männer gab es selten eine andere Gelegenheit, sexuelle Erfahrungen zu sammeln,
da sie im Allgemeinen nicht vor dem dreißigsten Lebensjahr heirateten und sexuelle
Beziehungen mit freien Bürgerinnen nicht nur verpönt und entsprechend selten
waren, sondern auch beide Partner in Lebensgefahr bringen konnten. Ein Vormund,
der das in seiner Obhut befindliche Mädchen mit einem Eindringling erwischte,
durfte diesen töten. So hatten junge Athener kaum Kontakt zu Frauen, mit denen
sie nicht verwandt waren. Hinzu kam, dass es in Athen allem Anschein nach
weniger Frauen als Männer gab, so dass viele Männer gar nicht heiraten konnten.
Problematisch war für viele junge Männer, dass die Prostituierten, die als
gewinnsüchtig galten, bezahlt werden mussten. Es kam wohl nicht selten vor,
dass junge Männer ihr Erbe mit Prostituierten, eher aber wohl mit
luxusverwöhnten Hetären durchbrachten. Die meisten Hinweise auf Prostitution in
der antiken Geschichte Griechenlands stammen aus Athen. Dort waren nachweislich
vor allem im Hafen Piräus, im
Vorort Skiron und
in Kerameikos verschiedene Formen der Prostitution anzutreffen. Es gab sowohl
die Straßenprostitution als
auch jene in diversen Bordellen. Ihr
Besuch war sehr billig und stand allen Männern, selbst Sklaven, frei. Moralische
Bedenken gab es nicht, höchstens konnten allzu häufige Besuche einen Mann zum Gespött
für die Öffentlichkeit werden lassen. Athen war auf dem griechischen Festland
auch dahingehend etwas Besonderes, weil es in der Stadt stadteigene Bordelle
gab, in denen staatseigene Sklavinnen arbeiteten. Eine Sonderform athenischer Prostituierter
waren die Flötenmädchen (αὐλέτιδες). Es gab sie seit
dem Ende des 6.Jhdt. v.Chr., möglicherweise schon früher. Ihren Namen hatten
sie von dem Instrument, das sie spielten, dem αὐλoς.
Beim Symposion unterhielten
sie zunächst die Gäste mit ihrer Musik, danach mit sexuellen Gefälligkeiten. Allerdings
waren diese Flötenmädchen keine der angesehenen Hetären. Sie waren normale
Prostituierte, die im Allgemeinen im Hafen von Piräus ihre Kunden suchten.
Obwohl es sogar Schulen für Flötenmädchen gab, gehörten sie zu den niedersten
Prostituierten der Stadt. Seit dem 4.Jhdt. v.Chr. wurde die Bezeichnung αὐλέτιδες schon fast zum Synonym für "billige Prostituierte".
Der Höchstpreis, den sie verlangen konnten, war gesetzlich geregelt und betrug
zwei Drachmen. Es ist überliefert, dass Männer, die mehr als die erlaubten zwei
Drachmen zahlten, angezeigt und verurteilt worden sind. Häufig gab es bei
Symposien zwischen Männern Kämpfe um bestimmte Flötenmädchen, wie aus der Literatur
bekannt ist. Im Allgemeinen einigte man sich jedoch durch einen Losentscheid,
wenn mehrere Männer Anspruch auf ein Mädchen erhoben. Das Mädchen selbst hatte kein
Mitspracherecht. So verwundert es nicht, dass der Dichter Anakreon solche
Prostituierte als "öffentlichen Durchgang" oder gar als "Zisterne" (zur Aufnahme von Körperflüssigkeiten) bezeichnete. Die
Lebensumstände im Bordell wurden offenbar als schlimmer empfunden als ein Leben
auf der Straße. Aus der Rede des Antiphon von Rhamnus ist
bekannt, dass die Sklavenkonkubine des Philenos ihren
Herrn vergiftete, als sie erfuhr, dass er ihrer überdrüssig war, und sie nun
fürchten musste, in ein Bordell abgeschoben zu werden. Größere Bordelle hießen
πορνέα. Bekannt ist in Athen das sogenannte "Gebäude Z." mit 15
kleinen Räumen, das lange Zeit als Bordell und Herberge diente. In ihm wurden
sowohl Gegenstände aus dem Besitz der dort arbeitenden Frauen als auch Geschirr
für Symposien gefunden. Der Dirnenlohn wurde vor dem Intimverkehr ausgehandelt. Es
gibt auch Berichte, wonach ein Eintritt gezahlt werden musste und sich der
Kunde dann nach freier Wahl bedienen konnte. Nicht zuletzt der profane Umgang
mit Geld unterschied die normalen Prostituierten von den begehrten Lustknaben und
den Hetären, von denen man sich mehr erwartete als nur eine schnelle sexuelle
Handlung. Das Geld bekam im Allgemeinen der Besitzer des Bordells, der
πορνο-βοσκός genannt wurde (Prostitution in der
Antike – Wikipedia).
13 Nach
römischen Recht stand auf Ehebruch die Verbannung, er blieb aber meist
unbestraft. Wenn ein Mann erfuhr, dass seine Frau Ehebruch begangen hatte,
musste er sich scheiden lassen, da er ansonst wegen Kuppelei (lenocinium)
angeklagt wurde (65,III,20). Nach alttestamentlichem Recht stand auf Ehebruch
die Todesstrafe, die aber zu dieser Zeit nicht ausgeführt werden durfte. Doch
der Herr ist sein eigener Rächer (Dtn 22,22; Heb 13,4).
14 Vgl. die
gleiche Begründung gegen die Hurerei in 1Kor 6,18-19
15 Wie
wichtig war daher das praktische Vorbild des Paulus in dieser Sache (vgl. 1Thes
2,9; Apg 20,33-35).
16 Unreinheit (z.B.
Pornografie, Masturbation, Petting, ua.) ist im Vergleich zu Hurerei die
schwächere Sünde, aber anhaltende Praktizierung von Unreinheit kann irgendwann
zur Hurerei führen und endet schließlich in sexueller Ausschweifung (siehe die
Reihenfolge in 2Kor 12,21). Im Zusammenhang mit Vers 4 sollten sich Christen
fragen, ob nicht diverse sexuelle Praktiken (z.B. Oral- und Analverkehr) auch
innerhalb einer Ehe unter den Begriff Unreinheit fallen und damit nicht dem Maßstab
von Heiligung entsprechen, den Gott hat.
17 Inf.Präs.:
sich immer wieder etw. erwerben bzw. erobern, entweder seine eigene Frau oder
die Kontrolle über den eigenen Körper. Beide Bedeutungen auch in Gräz.
(21,IV,34; 44,618). Das Wort bedeutet aber nur im Perfekt: besitzen!
1.Thessalonicher 5
1 Dan 2,21; Apg
1,7. Das Wort χρονων bedeutet im Plural: aufeinanderfolgende Zeiträume,
also die Heilszeit-Epochen,
z.B. die Zeiten der Nationen (Lk 21,24), die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21), usw. Mit καιρων
sind wahrscheinlich die Schnittpunkte dieser Heilszeitepochen gemeint, z.B. in
Gal 4,4 das Kommen Jesu als der Schnittpunkt, wo der alte Bund vom neuen Bund
abgelöst wird, sowie seine Wiederkunft als der Übergang vom gegenwärtigen
Zeitalter zum kommenden Zeitalter des tausendjährigen Reiches, usw. Vgl. auch Anm. bei Apg 1,7
2 Vom Kontext in Vers 4-8 her
gesehen, vielleicht vom ungeistlichen Zustand der Gläubigen (vgl. Mk 13,36; Röm
13,11 ua). Möglich auch im übertragenen Sinn wie in Röm 14,8:
"wachen" = leben, und "schlafen" = gestorben sein (vgl. 2,1102;
47,z.St.; 65,III,26; 71,110), obwohl ein so schneller Bedeutungswechsel des
Begriffs schlafen im Kontext eigenartig wäre. Das Ausdruck danach, "zusammen
mit ihm lebe " im Sinne von auferstehen, würde aber dafürsprechen.
3 Akt.: über jmdn. gesetzt sein,
an die Spitze treten, um zu leiten, zu lenken und zu verwalten. Nicht
notwendigerweise ein t.t. für ein offizielles Amt,
z.B. für Älteste (37,541). Da Paulus nur drei Sabbate in Thessalonich war (Apg
17,2) und den Brief schon einige Monate nach seiner überstürzten Abreise
schrieb, ist es auszuschließen, dass es in der Gemeinde schon eingesetzte
Älteste gab, denn dies wäre gegen sein Prinzip gewesen
keinen Neubekehrten zum Ältesten einzusetzen (vgl. 1Tim 3,6).
Darum auch seine Bitte, die führenden Brüder anzuerkennen, auch wenn sie
noch keine Ältesten waren. Wenn es Älteste gewesen wären,
würde er wohl nicht darum bitten sie anzuerkennen, sondern gebieten
ihnen zu gehorchen (vgl. 1Pet 5,5).
4 od. wie in Papyri: lässig und
träge sein (1,239). In Gräz.: ein ungeregeltes Leben führen, nicht zur Arbeit
kommen bzw. nicht auf seinem Posten stehen. Von Soldaten, die
gegen die militärische Disziplin verstoßen, z.B. nicht in "Reih und Glied" stehen, oder sich dem
Kriegsdienst entziehen.
5 Die meisten konnten damals nicht
lesen, daher musste jemand der des Lesens kundig war, den Brief vorlesen. Was
für eine Ermahnung in Bezug auf die dunkle Zeit des Mittelalters, als es den
Laien verboten war die Bibel zu lesen, und sie diese in der Kirche auch nur auf
Latein vorgelesen bekamen. Aber auch heute gilt uns diese Ermahnung, unsere
Predigt auf die Schrift zu gründen. Die moderne Art des Predigens, wo man
predigt, ohne den Predigttext vorher aus der Schrift vorgelesen zu haben, oder
gar die Predigt mit einer coolen Story einzuleiten, ist eine Untugend.
6 In frühester Zeit wurde zwar schon
festgelegt, dass Männer nur Männer mit dem Bruderkuss küssen (21,V,80), ob
Paulus das auch so gemeint hat, lässt sich aber nicht beweisen.
7 Mit dem Zorn ist hier wohl nicht
der Zorn Gottes über die Sünde gemeint, oder der Zorn im Gericht vor dem großen
weißen Thron. Es wäre unnötig dies den Thessalonichern extra zu sagen. Da der
Hinweis auf den Zorn vor der Errettung genannt wird, mit der Errettung
aber die zukünftige und endgültige Errettung aus diesem Leib des Todes gemeint sein
muss, zeigt der größere Textzusammenhang von 1Thes 4,13 - 5,8, dass uns die
Entrückung vor dem kommenden Zorn Gottes bewahren wird. Daraus könnte man
ableiten, dass die Gemeinde noch vor der Ausgießung der Zornschalen
(Offb 16,1ff) entrückt wird. Vgl. ebenso 1Thes 1,10 (vgl. Anm. dort), wo es
auch um die Wiederkunft Christi geht.
8 Zur Unterscheidung von Geist,
Seele und Körper siehe die Anm. bei 1Kor 15,45. Da wir bei der Entrückung einen
neuen Körper bekommen, werden sich unser Geist, unsere
Seele und unser Körper in einem vollkommenen Zustand befinden (71,121).
Entw.: " (indem/damit ihr) untadelig (seid) bei der Ankunft…";
od.: "er möge euch vollständig heiligen … bis zu der Ankunft".
9 Der
Wechsel von "sie" auf "ihr" ist bezeichnend. Mit "sie"
sind die Ungläubigen (speziell die Juden?) gemeint, mit "ihr"
die Gläubigen der Gemeinde.
10 Gen.obj.: die Hoffnung auf die zukünftige und endgültige Errettung, um diese dann in Besitz zu nehmen (2,z.St.).
Zu Thessalonichern B
2.Thessalonicher 1
1 Nur ein Artikel für
Gott und HERR Jesus Christus. Hier ist wieder eine der Stellen, wo die die
Gottheit Christi deutlich herausgestrichen wird. vgl. auch noch: Joh 1,1.18;
8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Kol 2,9; Tit 1,3; 2,10.13; 2Pet 1,1 ua.
2 Eine Anspielung auf Ps 96,13 (LXX). Dort ist aber Jahwe gemeint,
Paulus wendet es hier auf den Herrn Jesus an. - Die Heiligen hier, sind die
schon zuvor entrückt wordenen Gläubigen (71,132), die nun in
Herrlichkeitsleibern (1Kor 15,51-53) zusammen mit Christus auf die Erde kommen
(1Thes 4,14b; Kol 3,4), um zusammen mit ihm für tausend Jahre über die Erde zu
regieren werden (Ps 96,13b ["richten" = regieren]; 1Kor 6,2a; Offb
5,10; 20,4; 22,5). Alle werden dann die Herrlichkeit bestaunen, die Gott in
ihnen bewirkt hat. Aber bis dahin ist ihre Herrlichkeit noch verborgen mit dem
Christus in Gott (Kol 3,3).
3 Da vor beiden Gruppen ein Artikel steht, sind es zwei
verschiedene Gruppen von Menschen, nämlich die in Röm 1,28 Gemeinten, und die in
Joh 3,36b Gemeinten, welche nicht Buße tun wollen.
4 Der
Verlust von allem, was der Existenz ihren Wert gibt, nicht aber die Auflösung
des Verdammten, denn dies wäre besser mit Strong Nr. 359, 2647, 3080 oder 3075
wiedergegeben worden (71,131). Nach Jesu Aussage in Mt 25,46 wird dieses ewige
Verderben in einer ewigen Pein bestehen, was eine Vernichtung
ausschließt, denn dann wäre die Pein nicht ewig.
5 Denn wir müssen durch viele Trübsale ins Reich Gottes hineingehen (Apg 14,22; 1Thes 3,3b).
6 Dass unsere Erleichterung bei der Entrückung, und die sichtbare Wiederkunft Jesu hier zusammen genannt sind ist kein Beweis dafür, dass die Entrückung und die sichtbare Wiederkunft Jesu als ein Ereignis unmittelbar hintereinander stattfinden, denn die Gläubigen werden erst bei der sichtbaren Wiederkunft Christi vor der Welt offenbar werden.
2.Thessalonicher 2
1 Mit dieser Zusammenführung zu
ihm hin ist die Entrückung gemeint. Der Bräutigam Christus holt seine Braut
die Gemeinde zu sich, denn sie gehören zusammen (1Thes 4,15ff). Das
bedeutet aber nicht, dass alles, was danach ab Vers 3-12 beschrieben wird, noch
vor der Entrückung geschehen muss, sondern diese Dinge geschehen vor
der sichtbaren Wiederkunft Christi (Vers 8). Paulus hat ihnen das bei
seinem vorigen Besuch bereits deutlich erklärt (Vers 5).
2 Wahrscheinlich ist damit eine
falsche Weissagung gemeint (vgl. 1Thes 5,21).
3 Als t.t. der Opfersprache sind
die απ-αρχης die ersten reifen Früchte der
Ernte, die Gott geweiht und ihm dargebracht wurden; vgl. Ex 22,28; Nu 15,18-21
(2,1107; 44,624). Hier wohl, von den zuerst Bekehrten in einer Gegend oder
Stadt, denn Thessalonich war die erste Stadt in Europa, wo Paulus in einer
Synagoge zu Juden predigte, und eine Gemeinde gründete. Davor, in
Philippi, dürften nur Heiden gläubig geworden sein, denn es war ja eine
römische Kolonie-Stadt. Die Erwählung ist hier wohl nicht die Auserwählung der
Gläubigen in der Ewigkeit, sondern die Erwählung für einen bestimmten Zweck,
nämlich unter den Juden die Erstlingsfrucht in Europa zu sein (71,153).
- Manche aber wollen das ΑΠΑΡΧΕΣ in den Codices, getrennt als ΑΠ ΑΡΧΕΣ (απ
αρχης = "von Anfang an") lesen. Vgl. dazu die Argumente pro und
contra (27,636).
4 Dass Paulus einen wirklich
gefälschten Brief meint, ist in dieser frühen Periode unwahrscheinlich. Eher
spricht er von einem angeblich von ihm geschriebenen Brief, oder vielleicht von
einer falschen Interpretation von 1Thes 5,2-3 in seinem ersten Brief. In jedem
Fall wird so die Betonung der eigenhändigen Unterschrift als Echtheitszeichen
seiner Briefe in 2Thes 3,17 verständlich (vgl. 47,z.St.). - Die Bestürzung der
Thessalonicher dürfte daher gekommen sein, dass ihnen gesagt wurde, dass die
Verfolgungen und Drangsale schon die Zorn-Gerichte sind, die kurz vor
der Wiederkunft Christi (dem Tag des Herrn) geschehen werden, während Paulus ihnen
in 1Thes 1,10; 5,9 doch versichert hatte, sie würden nicht unter den Zorn
Gottes kommen, und sie in 1Thes 4,13-18 ermuntert hatte, sie sollen als
nächstes die Entrückung erwarten. Dass sie dachten, die Entrückung sei schon
geschehen, und sie als ganze Gemeinde samt Paulus wären zurückgeblieben,
ist absurd und bedarf keiner Widerlegung.
5 Damit könnte die staatliche
Ordnung des römischen Reiches gemeint sein ("das, was ist"),
die damals in der Person des Kaisers personifiziert war ("damit er").
Die staatliche Obrigkeit konnte, und kann auch heute, den völligen Ausbruch der
Bosheit, Gesetzlosigkeit und Anarchie noch zurückhalten. Auch die frühen
Kirchenväter Irenäus, Hippolyt, Tertullian, ua. vertraten diese Auslegung. Dies
würde die verhüllende Ausdrucksweise erklären, während er, als er bei ihnen war,
offen darüber sprechen konnte und sie wussten, was er meinte (Vers 5-6).
Paulus musste sich in einem öffentlichen Brief vorsichtig ausdrücken, da Kaiser
Nero die Christen bereits im Visier hatte. Aber es gibt auch andere sinnvolle
Erklärungen (vgl. 48,1070; 65,III,36). Wenn jedoch Paulus die Gemeinde und den
in ihr wohnenden Heiligen Geist gemeint hätte, hätte er sich doch klarer
ausdrücken können, und er hätte für den Heiligen Geist nicht den abwertenden
und gewaltsamen Begriff "bis der Aufhaltende beseitigt wird" benützt
(vgl. Dan 7,24c; 71,146 [Fußnote 3]). Außerdem ist das griechische Wort für
Gemeinde feminin, es müsste also heißen: "…die welche zurückhält").
6 Damit ist die sichtbare
Wiederkunft Christi, und die vorausgehenden Zorngerichte gemeint. Die Juden
nannten sie die Geburtswehen des Messias. Auch Jesus selbst greift das Bild von
den Wehen auf (Mt 24,8).
7 Einen Vorgeschmack darauf
lieferte schon Antiochius Epiphanes IV. (vgl. Dan 11,20-32), der sein Standbild
im Jerusalemer Heiligtum aufstellen ließ und damit die Makkabäerkriege
auslöste. Doch Daniel 11,36ff. kann sich nicht auf ihn beziehen, denn vieles
davon trifft auf Antiochius nicht zu. Mit dem "König" ist bei Daniel der
Antichrist gemeint (97,384). - Es war auch noch nicht lange her, da wollte
Kaiser Caligula im Winter 39/40 n.Chr., sein kolossales Standbild im
Jerusalemer Tempel aufrichten lassen, was aber Petronius, der römische Legat der Provinz
Syro-Zilizien, nach vehementem jüdischem Protest noch hinauszögern konnte.
Nach der Einnahme Jerusalems 70 n.Chr. schändeten die römischen Soldaten die
Stätte des zerstörten Tempels, indem sie den Insignien Kaiser Vespasians
huldigten (65,III,35). Dies waren alles Vorboten auf den zukünftigen Diktator
des wiedererstehenden römischen Reiches, dessen sprechendes (holographisches?)
Bild vom zweiten Tier aus der Erde (= dem jüdischen "Anti-Christen"),
im dann wiedererbauten 3.Tempel (?) in Jerusalem aufgerichtet werden wird; vgl.
Offb 13,11-17 (vgl. 21,IV,48).
8 Es gibt acht
Geheimnisse Gottes, die im AT noch verborgen waren und im NT geoffenbart
werden. Vgl. die Anm. bei 1Kor 2,7
9 Von der Lüge stammend, von ihr durchdrungen
und zu ihr führend (71,149). Wahrscheinlich Gen.qualitatis durch
hebr. Einfluss: "…und lügnerischen und
trügerischen Zeichen und Wundern"
(2,1106; 13,14). Das würde bedeuten, dass viele dieser Zeichen nur
vorgetäuscht sind, und gar keine echten Wunder sind. Diese Zeichen und Wunder
tut er allerdings nicht selbst, es ist das "Tier aus
der Erde", der falsche Messias und Antichrist, der diese Wunder vor
ihm und für ihn tut (Offb 13,13). Er tut sie, um die triumphale Offenbarung des
"Tieres aus dem Meer"
einzuleiten und zu unterstützen. Vgl. auch Mt 24,24
10 Jes 11,4; Ps 110,6b; Dan 11,36ff. Offenbar
ist mit dieser Person das Tier aus dem Meer (vgl. Offb 13,1-10; 17,3b.7b und
die Anmerkungen dort), also der zukünftige Diktator des wiedererstehenden
römischen Reiches, und nicht das zweite Tier, der jüdische Anti-Christ gemeint
(71,141), obwohl die Beschreibung auf beide passt.
11 Der bestimmte Artikel deutet darauf hin,
dass es sich um den schon von Jesus in Mt 24,11 vorausgesagten Abfall handelt,
von dem ihnen Paulus schon gesagt hatte (44,623; 71,140). Dieser Abfall ist
nicht der allgemeine moralische Verfall der Menschheit, der schon immer da war,
sondern der Abfall innerhalb der Christenheit, beginnend mit einer Abkehr von
biblischen und moralischen Wahrheiten. Dieser Abfall hat schon zu Lebzeiten der
Apostel begonnen (vgl. 2.Petrusbrief, Judasbrief, Sendschreiben), und hat in
den Zeiten danach (1Tim 4,1) bis heute noch wehenartig zugenommen. Sein
Resultat unmittelbar vor der Wiederkunft Christi wird z.B. in 2Tim 3,1-5 beschrieben.
Heute sehen wir diesen Abfall erschreckend zunehmen. Die Zahl der Gemeinden und
der Gläubigen, die noch treu zum Wort Gottes stehen, wird immer weniger. - Dass
mit dem Wort "Abfall" (απο-στασια, das von αφ-ιστημι = "sich entfernen" abgeleitet ist) die Entrückung der Gemeinde
gemeint ist, ist eine absurde Auslegung.
12 Damit sind also solche gemeint, die das
Evangelium zwar hörten, es aber nicht so annahmen, dass sie wiedergeboren
wurden (71,150). Das schließt die moderne evangelikale Ansicht aus, wonach
Menschen, die das Evangelium ablehnten, sich nach der Entrückung in der
Drangsalszeit noch bekehren können. Ganz im Gegenteil, Gott wird gerade diesen
Namens-Christen das Gericht schicken, weil sie den falschen Zeichen und Wundern
glaubten (Vers 11). - Die Aussage des Apostels schließt auch aus, dass Menschen
verloren gehen, weil sie dazu vorherbestimmt sind. Sie gehen verloren, weil sie
nicht glauben wollen.
13 Auch Judas wird so genannt (Joh 17,12), also ein Mensch vom Satan gesteuert (Joh 13,2.27). Genau das wird auch vom ersten Tier in Offb 13,2b gesagt.
14 Gemeint ist die Offenbarung des Menschen der Gesetzlosigkeit (2,1106; 47,z.St.).
15 Das Relativpronomen im Neut.Sg. bezieht sich wahrscheinlich nur auf den direkt zuvor genannten Glauben: "zum Glauben an die Wahrheit berufen".
2.Thessalonicher 3
1 entw. ein Gen.subj. im Sinne von
Heb 3,1 und 12,2: "...auf die Liebe von Gott zu uns und das
geduldige Ausharren des Christus (als Vorbild)" (71,160f); oder eher ein Gen.obj.
wie Offb 3,10: "...auf die Liebe zu Gott und das geduldige Warten auf
den Messias" (2,z.St.), was besser zum Kontext des Briefes passt. Oder beide
Genitiv-Bedeutungen sind bewusst ausgedrückt (vgl. 13,13).
2 w.: "... sich vermischen
mit..." vgl. Ps 26,4; 55,14; Hos 7,8. Vgl. zur
Sache die Anm. bei 1Kor 5,9. Der erste Schritt der Gemeindezucht war das "sich
zurückziehen" aller in Vers 6, der zweite Schritt ist die
offizielle Bezeichnung des Sünders und als Folge davon keinen geistlichen
Umgang mit ihm zu haben, und zwar solange (Präsens), bis er Buße tut.
3 Bezieht sich entw. auf das
Folgende wie in der Übersetzung, oder rückblickend auf das in V.6ff Gesagte: "…dies,
weil wenn..." (2,z.St.).
4 Vgl. den "Gassenpöbel"
in Apg 17,5
5 Vgl. Dtn 25,3, wo der Sünder nach
der Bestrafung Bruder genannt wird (21,IV,53). Der persönliche Kontakt
mit diesem Bruder soll also, zumindest von einzelnen der Gemeinde, gehalten
werden, denn nur so kann man ihn auch immer wieder zurechtweisen, um ihn
zurückzugewinnen.
6 Diktierte Briefe am Ende mit einem
eigenhändigen Gruß abzuschließen, war im Altertum weit verbreitet, um die
Echtheit des Dokuments zu bestätigen (21,IV,54). Vielleicht fürchtete der
Apostel aber auch falsche Briefe in seinem Namen (vgl. 2Thes 2,2b).
7 Obwohl es nach 1Thes 5,12 schon
Brüder gab die vorstanden, wendet er sich in Sachen Gemeindezucht an alle
Brüder. Gemeindezucht muss von der ganzen Gemeinde (oder zumindest einer großen
Mehrheit) mitbeschlossen und mitgetragen werden.
Zu Timotius A
1.Timotius 1
1 entw.: der Erste von
denen, welche die Gemeinde verfolgten (vgl. V.13); od. im Sinne von: der größte
oder schlimmste Sünder (2,z.St.).
2 Präs.:
"...bin ich (noch immer)", und nicht Aor.: "...war ich"!
3 Bei
Glaube mit Artikel sind die Glaubenswahrheiten gemeint, wie Kap 4,1.6; 6,10;
2Tim 2,18; Tit 1,1 ua.
4 z.B.
Herodes der Große, der sehr misstrauisch und grausam war, was dazu führte, dass
er die gesamte Hasmonäische Familie ausrottete. Ebenso alle Juden die seiner
Regierung Widerstand leisteten. Sogar seine geliebte Frau Mariammne und die
beiden Söhne, die sie ihm geboren hatte, ließ er umbringen. Oder z.B. Agrippina,
die Mutter Neros. Sie vergiftete im Jahr 54 n.Chr. ihren Ehemann Kaiser
Claudius, damit ihr Sohn Nero Kaiser wird, und nicht Brittanicus, der gebürtige
Sohn von Claudius. Fünf Jahre später, im Jahr 59 n.Chr., lässt Nero seine
eigene Mutter Agrippina ermorden! Vater- und Muttermord galten als die
abscheulichsten Verbrechen überhaupt und wurden aufs Schrecklichste bestraft.
Die Betreffenden wurden z.B. mit giftigen Schlangen in Säcke eingenäht und dann
ertränkt (65,III,47).
5 Auf
"Geschlechtsregister", Stammbäume und große Namen des Alten
Testaments stützen die gnostischen Irrlehrer ihre Auskünfte über die
jenseitige Welt (vgl. 47,z.St.). Schon Platon verwendete den Ausdruck im
abwertenden Sinn (65,III,46).
6 Die
"Gesunde Lehre", im Gegensatz zu der als "krank" gekennzeichneten
Irrlehre (1Tim 6,4), ist die nicht durch häretische Spekulationen und Irrtümer
verdorbene reine Lehre der Apostel, die so praktisch ist, dass sie im Glauben
gesund macht (vgl. 47,z.St.).
7 D.h. in
der Art wie es dem Wesen und der Bestimmung des mosaischen Gesetzes entspricht,
nämlich den Sünder von seiner Gesetzesübertretung zu überführen, um ihn zur
Notwendigkeit eines stellvertretenden Opfers hinzuführen.
8 od.
Gen.qual.: "...dem herrlichen Evangelium".
9 vgl. Ps
32,5d-6a
10 Das
bedeutet nicht, dass diese Personen das Heil verloren haben, denn Schiffbruch
kann man auch überleben. Paulus selbst hat viermal Schiffbruch überlebt. Darum
übergibt Paulus diese Leute auch der Züchtigung, weil sie Kinder
Gottes sind. Sie sollen durch Züchtigung wieder zurechtkommen (21,IV,101;
65,III,49).
11 Paulus
scheut sich nicht, auch negative Verhaltensweisen aus seinem Leben zu nennen.
Dies würde auch so manchem modernen Prediger mehr Glaubwürdigkeit verleihen, anstatt
sich immer nur subtil selbst zu rühmen.
12 Da
Hymenäus ein seltener Name war, handelt es sich hier und in 2Tim 2,17-18
wahrscheinlich um dieselbe Person (65,III,49). Hymenäus, Philetus und Alexander
dürften alle drei Glieder der Gemeinde Ephesus gewesen sein (72,103). - Paulus
ist offenbar nicht der Ansicht mancher Christen, dass man öffentlich nichts
Negatives über andere Christen sagen darf. Er warnt nicht nur hier namentlich
von bestimmten Personen, sondern auch in 2Tim 1,15; 2,17 und 4,10.14. Ebenso
tut dies Johannes in 3Joh 1,9-10. Beide tun dies aber nur dann, wenn es zum
Schutz der anderen Gläubigen nötig ist. In 1Kor 5,5 z.B. nennt Paulus den Namen
des Bruders nicht, dies ist auch nicht nötig, da alle wissen wer gemeint ist.
Auch Jesus prangert die Heuchelei der Pharisäer öffentlich an. Dies abzulehnen
ist eine Form von christlichem Pragmatismus.
13 od.:
Sklavenhändler. Eine unterschwellige Kritik am Sklavenhandel.
14 Interessanterweise
finden sich einige dieser Sünden auch in einer Beschreibung des moralischen
Zustands der jüdischen Priester- und Levitenschaft in der damaligen Zeit
(Testamente der zwölf Patriarchen, Testament Levi, 17).
15 Diese
Abreise von Ephesus fand in Apg 20,1, etwa im Jahr 55/56 n.Chr. statt. Im
Auftrag des Apostel Paulus hat Timotius in der Gemeinde Ephesus, und vielleicht
auch den anderen Gemeinden Kleinasiens, für die Ordnung diverser
Angelegenheiten gesorgt (1Tim 2,8; 5,3.17), gelehrt (1Tim 1,18; 4,6.13; 6,17)
und Älteste und Diakone angestellt (1Tim 3,1; 5,22). Im 1. und 2.Timotiusbrief
bekommt er Richtlinien für die Anstellung und die Ausübung zum Ältesten- und
Diakonenamt. Wenn Timotius beim Erhalt des Briefes noch immer in Ephesus war,
was fast alle Ausleger annehmen, wäre seine Wirkungszeit dort etwa bereits 8
Jahre gewesen. Die Grundlage für seinen Dienst war sein gutes Zeugnis in seiner
Heimatgemeinde Lystra und Umgebung, die Eingliederung in das Missionsteam von
Paulus und Silas (Apg 16,1-3), die Weissagungen darüber, dass Gott ihm eine
spezielle Gabe gegeben hat (1Tim 1,18; 4,14) und die darauffolgende
Handauflegung von Paulus (2Tim 1,6) zusammen mit der Ältestenschaft (4,14).
1.Timotius 2
1 Grammatisch möglich wäre zwar auch: "Genauso (wünsche ich auch, dass) Frauen (beten)…", aber Prof. Dr. J. Holtzmann bemerkt dazu mit Recht: Wozu hier einen Infinitiv προσευχεσθαι (= beten) ergänzen, wenn schon ein passender in κοσμειν (= schmücken) vorhanden ist? Außerdem wäre dann Ωσαυτως τας δε γυναικας zu erwarten. Hätte Paulus den Infinitiv κοσμειν als Inf.exepeg. ausdrücken wollen, dann hätte er κεκοσμημενας geschrieben (19,312; 21,IV,107; 44,629; 72,114f). Paulus will, dass in der Versammlung die Männer beten, die Frauen hingegen sollen sich mit anderen geistlichen Eigenschaften schmücken. Die gleiche grammatische Formulierung findet man in Tit 2,2-3. Zur grammatischen Struktur des Satzes siehe die Grafik in: https://drive.google.com/file/d/12HygYrUEhXnA2fvW888fF_S-SkNXVLzj/view?usp=sharing
2 D.h. ohne in der Versammlung
Zwischenfragen zu stellen (vgl. 1Kor 14,34-35), oder anderweitig die Initiative
zu ergreifen. Sehr wohl aber darf und soll eine Frau ihre Gaben im persönlichen
Rahmen ausüben, auch gegenüber Männern, wie z.B. in Apg 18,26 und 21,9
3 Kollektiver Singular, d.h.
nicht nur Eva, sondern die Frau als weibliches Wesen (72,119), und damit alle
Frauen, wenn sie im Glauben stehen.
4 Mit dem Futur ist hier
wohl die zukünftige Errettung gemeint, die trotz des Fluches nach dem Sündenfall
(Gen 3,16), der Frau als weibliches Wesen zugesagt wird, vorausgesetzt, dass
sie gläubig ist.
5 D.h. wohl durch die
Erfüllung ihrer Aufgabe als Mutter, in Schmerzen Kinder zu gebären und so die
Folgen des Sündenfalls (Gen 3,16) bewusst für sich persönlich zu akzeptieren (vgl.
1Tim 5,14). Eine andere Erklärung wäre, bei Betonung des Artikels: die
verheißene Geburt des Messias durch eine Frau (vgl. Gen 3,15) brachte die
Errettung (72,121). Aber hätte Timotius diesen Gedankengang verstehen können? Hätte
Paulus sagen wollen, dass die Frau durch den Geburtsvorgang körperlich
unversehrt hindurchgerettet wird, was ja nicht immer der Fall ist, hätte er
wohl das Wort δια-σωξω (wie in 1Pet 3,20) gewählt, doch was wäre dann
mit den gläubigen Frauen, die bei der Geburt gestorben sind?
6 Natürlich nicht die
geborenen Kinder, sondern die Frauen im Allgemeinen. Übergang vom kollektiven
Singular zum verallgemeinernden Plural.
7 Allein aufgrund eigener
Autorität handeln, d.h. etw. "selbst in die Hand nehmen", so wie Eva
im Garten Eden, siehe dortigen Kontext! Da das Wort nicht klassisch, sondern
vulgär ist (37,91; 72,118), bedeutet es vielleicht: sich
"emanzipieren", "den Herrn spielen über...". Der Grund ist
nicht Sitte oder Kultur, sondern der Sündenfall (Vers 13-14). Daher ist die
Anordnung für alle Zeiten und alle Orte gültig!
8 Es ist wichtig, dass
Paulus betont, dass der ewige Sohn Gottes ein vollkommener Mensch werden musste
(gegen die Gnosis), damit er ein Mittler zwischen Gott und uns sein kann.
"Der Sohn Gottes wurde Mensch, damit Menschen Söhne Gottes werden
können" (C.S.Lewis). Nur ein Mensch, nämlich Jesus, kann diese
Mittlerrolle erfüllen, - weder Maria noch die katholischen Heiligen, kein Bischof,
kein Priester, aber auch keine biblischen Gemeindeämter, wie z.B. Älteste.
9 Beachtenswert
ist der Gegensatz zu Mt 20,28. Hier ist der Opfertod Christi ein ausreichendes
Lösegeld im Hinblick auf alle (υπερ παντων), d.h. alle
könnten es in Anspruch nehmen, was aber leider nicht geschieht. In Mt 20,28 ist
der Opfertod Christi ein Lösegeld stellvertretend für viele (αντι
πολλων), d.h. nur für die Auserwählten die wirklich darauf vertrauen. Es wäre
falsch, den Ausdruck als eine Allversöhnung für alle Menschen zu verstehen. Der
Opfertod Christi ist also einerseits ein stellvertretendes Sündopfer für die
Auserwählten, andererseits aber auch ein Heilsangebot an alle.
Stellvertretend wirksam wird er aber nur für diejenigen die auf Christus
vertrauen. Den Ausdruck παντας ανθρωπους (= alle Menschen) zu relativieren im
Sinne von "...alle Arten von Menschen", erscheint sehr künstlich.
Paulus hätte sich sicher deutlicher ausgedrückt, hätte er das sagen wollen.
Damit ist aber auch die theologische Lehre von der "irresistible
grace" (dt.: unwiderstehliche Gnade) mit diesen Worten des Apostels
widerlegt.
10 Obwohl Gott effektiv nur unser Erretter-Gott ist (2Tim
1,9; Tit 3,5), ist es doch sein Wunsch, dass alle Menschen errettet
werden (1Tim 2,4; Joh 3,17; Tit 2,11; 2Pet 3,9b), bzw., wenn es sich um ein toleratives
Passiv handelt, sich erretten lassen. Das bedeutet aber nicht, dass Gott alle Menschen
erretten wird. Das würde nämlich das Aktiv erfordern. Eine Allversöhnung kann
man daher von diesem Vers nicht ableiten, auch nicht eine Verheißung, dass
jemand sicher errettet wird, nur, weil man dafür betet (vgl. 1Kor 7,16; Lk
7,30; 8,12; Mt 23,37). Hier
wird für "wollen"
das Wort θελω (Strong Nr. 2309) gebraucht und nicht βουλομαι (Strong Nr.
1014). Im Hinblick auf Gottes Willen betont es daher mehr den Wunsch
Gottes, etwas für jemanden zu tun (vgl. auch Mt 23,37). Der Mensch kann sich
aber diesem Wunsch Gottes widersetzen (Mt 23,37; Joh 5,40), - im Gegensatz zum
Vorsatz Gottes (Strong Nr. 4286) und zum Ratschluss Gottes (Strong Nr. 1013) in
Röm 9,19. Weil Gott will, dass alle Menschen
errettet werden, hat sich Christus auch als Lösegeld für alle (Vers 6)
gegeben, und hat uns den Auftrag gegeben allen Menschen das Evangelium
zu verkünden. Wenn sie aber das Evangelium ablehnen, bleiben sie unter dem Zorn
Gottes (Joh 3,36). Ein Lösegeld wird nur effektiv, wenn es auch eingelöst wird.
11 Die innere Haltung wie
sie sich auch äußerlich im Verhalten und in der Kleidung ausdrückt (1,852; 2,1113).
Ein anständiges und würdiges Benehmen und die Zurückhaltung im Betragen. Eine
innere Haltung der Schamlosigkeit äußert sich oftmals zuerst in schamloser
Kleidung, bevor sie schließlich auch zum schamlosen
Verhalten führt.
12 Das Med. ist selten im
NT, daher viell.: "...zu verrichten (Med.: im eigenen Interesse?"
(2,1382). Dazu passt "..., damit wir..." in Vers 2.
13 Knüpft an 1Tim 2,1 an.
14 Das Erheben der Hände beim Gebet war eine übliche Geste im AT
(1Kön 8,22; Ps 28,2; 63,5; 134,2; Jes 1,15), daher offenbar auch im
Urchristentum übernommen, wie es auch Wandmalereien in den Katakomben in Rom
zeigen (72,114). Es ist aber hier keine Vorschrift von Paulus, sondern es wird die
Betonung weg vom Äußerlichen hin auf die Wichtigkeit der inneren Haltung
gerichtet. Ebenso wie dann auch in 1Tim 2,9-10 bei den Frauen: gute Werke statt
äußerem Schmuck.
15 Wenn es ihm Staat gut geht, hilft das auch den Gläubigen (vgl.
Jer 29,7; Spr 11,10-11; 28,2.12). - Die Römer erlaubten allen unterworfenen
Völkern weiterhin ihre Religion auszuüben. Sie mussten nur noch zusätzlich die
Göttin Roma verehren und dem Kaiser opfern. Dies konnten die Juden (und
Christen) natürlich nicht tun. Also bekamen sie die Sonderregelung, anstatt
dessen für den Kaiser, statt zum Kaiser zu beten (65,III,49).
16 Damit sind die Gemeindezusammenkünfte in den verschiedenen
Städten gemeint; 1Kor 1,2b (72,113f).
17 Die
Ehrfurcht (ευσεβεια) vor Gottes Größe, die sich dann in einem frommen und
respektvollen Verhalten gegenüber Gott und auch den Menschen (z.B. den Eltern;
der Obrigkeit), ausdrückt, und daher zu einem dementsprechenden Lebenswandel
führt. Sie ist vor Gott und den Menschen angenehm. Es war ein gängiger Begriff
in der religiösen Sprache der Kaiserzeit (Deißmann, Bibelstudien). - Das Gebet
um ein stilles und ruhiges Leben in Ehrfurcht bedeutet nicht, dass wir
äußerlich keine Probleme haben, ja es schließt sogar Verfolgung nicht aus (2Tim
3,12). Aber es bedeutet eine tiefe Ruhe Gottes im Herzen zu haben, unabhängig
von äußeren Umständen, obwohl wir uns in unseren Gebeten natürlich auch Ordnung
und Ruhe im Staat wünschen (Spr 29,2).
18 Die
Bescheidenheit bezieht sich im Sinne des Kontexts auf die Unterordnung, wie sie
in den Versen 11-14 gelehrt wurde.
1.Timotius 3
1 D.h. nicht geschieden und
wiederverheiratet, denn mehre Frauen gleichzeitig zu haben war für einen
Gläubigen ohnehin nicht erlaubt und damals auch bei den Juden und Heiden
selten, ja sogar verboten (72,124). Vgl. auch die Anm. bei 1Tim 5,9 und Tit
1,6. Vielleicht denkt Paulus auch an Hes 44,22
2 Es gab schon Älteste (=
Aufseher) in Ephesus (Apg 20,17). Es geht also um die Anstellung von
zusätzlichen Ältesten, oder/und um die Anstellung neuer Ältester in den
Nachbargemeinden, wo es vielleicht noch keine gab, z.B. in Kolossä, Laodizäa
oder in Hierapolis (21,IV,186). Es gibt Unterschiede in den Anforderungen an
Älteste hier und in Kreta (Tit 1,6-9). Siehe dazu die Zusammenstellung in: https://drive.google.com/file/d/1pQHyYf1w-Mf3u73DE8HWNvPFGgf7DS8g/view?usp=sharing Die
Ansicht, dass ein potenzieller Ältester nicht alle Anforderungen erfüllen
muss, ist abzulehnen (72,227), denn dies hätte Paulus dann auch angemerkt. Diese
Anforderungen sind Charakter-Eigenschaften und nicht Begabungen, und allesamt
nicht so schwer, wie heutzutage oft behauptet wird. Selbst die Fähigkeit mit
der gesunden Lehre zu ermahnen, sollte jeder reife gläubige Mann nach Heb 5,12
irgendwann haben.
3 Hier ein individualisierender generischer
Singular, wie 1Tim 5,5; 2Tim 2,24 und Tit 1,7) "...jeder einzelne
Aufseher" (21,IV,187). Aufseher und Älteste sind zwei verschiedene
Bezeichnungen für das gleiche Amt (vgl. die Anm. bei Apg 20,17.28 und Tit
1,5.7). Aufseher bezieht sich auf die Tätigkeit, Ältester auf die
Reife der Person. - Das Amt des Ältesten in der christlichen Gemeinde taucht
das erste Mal in Apg 11,30 ohne nähere Erklärung auf, wie dieses Amt entstanden
sei. Da die Gemeinde in Jerusalem zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich aus
Juden-Christen bestand, kann man zu Recht annehmen, dass dieses Amt aus dem
Judentum übernommen wurde. Die Ältesten bei den Juden waren die Gruppe der
älteren Männer in jedem Dorf. Sie wurden geschätzt und geehrt, wegen ihrer
Reife und Lebenserfahrung. Junge Männer konnten bei den Juden keine Ältesten
sein.
4 In Tit 1,9 wird näher
ausgeführt, was es bedeutet, dass Kinder in Unterordnung sein sollen. -
Ehrwürdigkeit ist eine Eigenschaft, die man erst bei größeren Kindern erwarten
kann (vgl. V.8), weshalb die Kandidaten für das Aufseher bzw. Ältestenamt schon
älter sein mussten, was auch Tit 1,6 voraussetzt, wo gefordert wird, dass seine
Kinder schon bewusst gläubig sind, was bei den Diakonen nicht gefordert wird.
Vgl. auch die Warnung in Jes 3,4
5 Ohne Artikel: vielleicht, weil
nicht an bestimmte Diakone gedacht ist, sondern an solche die noch von Timotius
anzustellen sind. Oder viell.: "...(falls) Diakone (vorhanden sind)."
- Diakone sind für den rechten Umgang mit den materiellen Dingen in der
Gemeinde verantwortlich. Sie müssen nicht alles selbst machen, tragen aber die
Verantwortung, dass diese Dinge schriftgemäß gemacht werden.
6 In Gräz. übertr.: ein Ehrenamt, der
"Grad" (37,101), die Stufe einer Sprossenleiter (72,135).
Möglicherweise eine ironische Anspielung auf einen t.t. der gnostischen Mysterienreligionen:
ein Schritt vorwärts dem Ziele zu. Oder ganz allgemein auf Begriffe in der
griechischen Philosophie bezogen (vgl. 1,262). Hier aber dann: ein Fortschritt
im Glauensleben und ein Lohn beim Richterstuhl Christi (daher das Ptz.Aor. der
Vorzeitigkeit: "...die recht bedient
Habenden"). Dass damit ein "Karrieresprung"
zum Aufseheramt gemeint ist, kann man getrost ausschließen, dies entspringt
kirchlichem Denken. Aufseher brauchen andere geistliche Voraussetzungen als
Diakone.
7 Nämlich dann, wenn im
Nachhinein von Außenstehenden zu Recht bedenkliche Dinge ans Licht gebracht
werden.
8 ωσαυτως (genauso) leitet
immer eine neue Gruppe in einer Serie ein (21,IV,116): "...genauso
(wie die Aufseher bzw. Diakone)...". Daher
handelt es sich hier wahrscheinlich doch um weibliche Diakone (Röm 16,1;
Plinius, Briefe, 10,97; 72,134), weil im ganzen Abschnitt von Gemeindeämtern
die Rede ist und die Anforderungen ähnlich sind wie die bei den Diakonen. Aber
dass danach in Vers 12 nochmals die männlichen Diakone angesprochen
werden, würde dagegensprechen. Manche meinen daher, mit diesen Frauen könnten
auch die Frauen der Ältesten und Diakone gemeint sein, oder Witwen, die von der
Gemeinde versorgt werden und besondere Dienste haben. Doch dann sollte dieser
Vers erst hinter Vers 13 stehen.
9 Nicht nach dem Amt
des Aufsehers soll getrachtet werden, sondern nach der mühevollen und
kraftraubenden, leider manchmal auch undankbaren Aufgabe des Dienstes
der Aufsicht über die Schafe. Dies ist ebenfalls eine Voraussetzung für die
Annahme des Amtes. Niemand soll dazu überredet werden. Wer nur das Amt
anstrebt, ist schon disqualifiziert, da er wahrscheinlich herrschen will wie
Diotrephes (3Joh 1,9-10).
10 Dies drückt sehr schön die
eigentliche Aufgabe des Aufsehers aus: für die Gläubigen wie ein Vater für
seine Kinder zu sorgen.
11 Diese Anforderung findet
sich in Tit 1,6ff nicht, weil in Kreta die Situation einer Gemeindegründung
vorlag. Männer, die schon lange bekehrt waren, waren dort nicht vorhanden.
12 Wahrscheinlich, wie in Vers
7, ein Gen.subj.: er fällt unter eine Anklage, die der Teufel als Verleumder bei
Gott über den hochmütig gewordenen Ältesten vorbringt (2,1115; vgl. Offb
12,10c). Oder ein Gen.obj.: Er fällt unter das Urteil Gottes, welches auch den
Teufel wegen seines Hochmuts getroffen hat (44,z.St.). Doch von einem solchen
Fall des Teufels sagt die Schrift nichts Sicheres. Die oft angeführten
Bibelstellen in Hes 28,12b-19 und Jes 14,12-17 beziehen sich auf den König von
Tyros und den König von Babylon. Eine weitere Anwendung auf den Teufel ist zu
unsicher, um darauf eine Lehre zu gründen (vgl. 88,170ff). Außerdem, dass der
hochmütig gewordene Älteste ein solch schweres Urteil wie der gefallene Teufel
bekommen soll, ist auszuschließen (72,129)!
13 Hier sicherlich ein Gen.subj.:
Eine Falle durch den Teufel gelegt, der eine unbereinigte Vergangenheit oder
anstößiges Verhalten des Ältesten ans Licht bringt. - Dass es sich um einen
gen.obj. handelt, d.h. das gleiche Gericht, dass den
Teufel wegen seiner Überheblichkeit getroffen hat, ist eher
unwahrscheinlich. Siehe die Anm. oben.
14 Diakone, die in ihrer
Funktion sowohl Menschen unter sich haben (nämlich die Gemeindeglieder), als
auch solche über sich (nämlich die Ältesten), neigen leicht dazu, zu jeder
Gruppe ein wenig anders zu reden (21,IV,114).
15 Da Diakone auch für
finanziellen Angelegenheiten der Gemeinde zuständig sind, ist diese Anforderung
besonders wichtig. In Tit 1,7 wird dies auch für
Älteste gefordert, vielleicht, weil dort noch keine Diakone vorhanden waren und
die Ältesten auch diese Aufgabe abdecken mussten (21,IV,115).
16 Viell. zu übersetzen: "Eine
Säule und Fundament der Wahrheit, - und anerkanntermaßen groß, - ist das
Geheimnis der frommen Ehrfurcht."
17 Ein Ältester muss kein Lehrer bzw. Prediger sein, denn 1Tim 5,17
zeigt, dass es auch Älteste gab, die nicht predigten. Aber er muss fähig sein
im persönlichen Gespräch
mit der rechten Lehre den Irrtum zu widerlegen, und zwar nach Tit 1,9 unter
Verwendung und gegründet auf die Schrift (Bibel), und im Einklang mit der Gesamtheit
der gesunden Lehre.
18 Christus wurde nicht gerechtfertigt in dem Sinn wie wir, denn er
war niemals schuldig. Er wurde von Gott als ein vollkommen Gerechter beurteilt,
als einer, der nie gesündigt hat, obwohl er einen Verbrechertod erlitt.
19 Der ganze Vers 16 ist wahrscheinlich ein urchristlicher Hymnus
auf Christus mit 7 Strophen.
20 Das Wort aufgeblasen ist hier ein Ptz.Pass., d.h. der Neubekehrte
bläst sich nicht selbst auf, sondern der Teufel macht das mit ihm. So wie man
einen Luftballon aufbläst, um ihn dann im geeigneten Moment platzen zu lassen.
In dieser Gefahr stehen Neubekehrte oder junge Männer, die zu früh in den
Ältestendienst bestellt werden, - und natürlich auch jeder andere Gläubige, der
von anderen umjubelt wird. Der Erfolg steigt ihm zu Kopf und der Teufel nützt
das aus.
21 Von einem Diakon wird, im Gegensatz zum Ältesten, nicht verlangt, dass seine Kinder gläubig sind.
1.Timotius 4
1 "Glaube" mit Artikel bezieht sich hier und an anderen
Stellen (z.B. in Kap 5,8) auf die christlichen Glaubensprinzipien. Also
bedeutet es hier: von den Glaubenswahrheiten abfallen; - und nicht: den
rettenden Glauben verlieren.
2 Diese
Vorhersage hat sich schon vom frühen Mittelalter an bis in unsere Tage hinein
erfüllt (z.B. obskure "Erscheinungen", Heuchelei der Päpste, Zölibat,
Fastenvorschriften, ua.). In 2Tim 3,1ff dagegen spricht Paulus von den Tagen
unmittelbar vor dem Kommen des Herrn.
3 Ermahnung
und Belehrung sollen aus der verlesenen Schrift entnommen werden und sich auf
sie gründen.
4 vgl. Hes
33,9
5 Eigtl.:
mit glühendem Eisen ein Brandmal einbrennen bzw. aufdrücken; etw.
brandmarken. Mit einem Brandmal, d.h. mit einem Zeichen ihres Herrn, versehen
sein. Paulus könnte aber auch Menschen meinen, deren Gewissen sozusagen wie mit
einem Brandeisen verätzt und auf diese Weise abgestumpft und gefühllos geworden
ist.
6 Nach jüdischer Sitte wurde zu Beginn der
Mahlzeit immer vom Hausherrn oder dem Gastgeber der Brotfladen genommen und
Gott für Speise und Trank gedankt, weil er der Geber aller Nahrung ist und man
ihn veruntreuen würde, wenn man nicht dafür dankt. Danach wurde das Brot
gebrochen und an alle ausgeteilt (46,246f; 72,156). Das Brot diente dann, wie
auch heute noch im Orient, als Löffelersatz zum Aufnehmen der restlichen
Speisen. Paulus setzt diese Gewohnheit des "Tischgebets"
(vgl. Apg 27,35) hier auch für
Gläubige voraus.
7 Paulus
hatte Timotius, aufgrund von vorangegangenen Prophezeiungen (Plural!
vgl. 1Tim 1,18), die Hände aufgelegt und ihm so kraft apostolischer Autorität, symbolisch
die von Gott zuvor prophezeite Gabe angezeigt (2Tim 1,6). Hier, in 1Tim 4,14
wird uns gesagt, dass ihm auch die Ältesten dabei die Hände auflegten (wahrscheinlich
in Apg 16,1-3), da sie Timotius damit, wie in Apg 13,3, zeichenhaft in den
Dienst entließen (72,166). Die Vermittlung der Gnadengabe geschah nicht auf
mystische Weise durch die Handauflegungen, denn nur Gott selbst teilt die Gaben
durch den Heiligen Geist aus (1Kor 12,4.8.28; Röm 12,3b). Siehe auch die Anm.
bei Apg 6,6
8 Timotius
war durch eine vorbildliche und reife Lebensführung selbst
verantwortlich, dass er nicht verachtet würde. Der Ausdruck "Jugend"
konnte bis zu einem Alter von 40 Jahren verwendet werden (65,III,59). Timotius
war vielleicht 38 Jahre alt (72,164).
9 Im Griechischen
der gleiche Wortstamm. Damit will Paulus den Gegensatz zur Geltung bringen. Ein
Training des Körpers, wie es den Griechen so wichtig war, hat im Vergleich zu
geistlichem Training nur wenig Nutzen, weil es nur für die Zeit dieses
Erdenlebens Auswirkungen hat, nicht jedoch für die Ewigkeit.
1.Timotius 5
1 Dtn 25,4
2 Lk 10,7. Indem Paulus beide
Zitate als "Schrift" bezeichnet, stellt er das Lukas-Evangelium auf
gleiche Stufe wie das AT, und akzeptiert es somit als inspirierte Schrift. Das
Gleiche tut Petrus mit den Paulusbriefen (2Pet 3,15-16).
3 Wahrscheinlich meint Paulus,
dass zwei oder drei Zeugen das Vergehen bezeugen müssen, und zitiert deshalb Dtn
19,15 als Begründung.
4 Ptz.Präs.: die weiterhin oder andauernd
Sündigenden, sonst wäre wohl Ptz.Aor. oder Ptz.Perf. ("die gesündigt
haben"). Da es ab Vers 17 um Älteste geht, sind sicher auch hier Älteste
gemeint (72,189).
5 Finanziell unterstützen, wie in
Vers16.
6 D.h. eine die keine Kinder oder
Enkel hat, die sie versorgen könnten (vgl. Vers 4).
7 Da im Plural, nicht nur die
eigene Mutter, sondern auch die Schwiegermutter.
8 Im Griechischen nur bezeugt als einmaliges
und freiwilliges Honorar, nicht als regelmäßiges Gehalt. Es ist viel
natürlicher dem Wort auch hier die gewöhnliche Bedeutung
"Ehre(nerweisung)" zu geben, wie in 1Tim 6,1. Dass Paulus ein
"doppeltes Honorar" im Sinne eines doppelten Gehalts meint, kann man
wohl ausschließen. Dies würde ja bedeuten, dass es Älteste gibt die nur ein
einfaches Gehalt erhalten, während andere doppelt so viel Gehalt bekommen. Ein
solcher Gedanke ist völlig unvereinbar mit dem, was das NT an anderer Stelle
über Älteste sagt (z.B. Apg 20,33; 1Pet 5,2), und gegen die Ermahnungen in Php
2,29 und 1Th 5,12-13. Er könnte allerdings mit "doppelt" gemeint
haben: Ehre und finanzielle Zuwendung, doch gibt es in der Gräzität
keinen Beleg, dass der Begriff gleichzeitig eine buchstäbliche und
übertragene Bedeutung hätte! Vgl. jedoch auch Dtn 21,17 und 2Kön 2,9 vom
doppelten Erbteil des Erstgeborenen.
9 Das bedeutet nicht, dass man die
Anklage nicht anhören darf, sondern Timotius darf sie ohne Zeugen nicht
aufgreifen, um ein Verfahren einzuleiten.
10 Vgl. Gal 2,14; dort vor allen
Anwesenden. Das einfache Gemeindeglied genießt das Vorrecht von Mt 18,15-17. Ein
Ältester genießt zuerst eine Art Immunitätsschutz. Wenn Sünde aber durch
mehrere Zeugen bestätigt ist, muss er, wegen der Vorbildwirkung seiner Sünde,
sofort vor allen Gemeindegliedern gemaßregelt werden, so wie Paulus das
auch bei Petrus getan hat.
11 Die vorgefasste Meinung, bevor
noch die Fakten bekannt sind. Als jurist. t.t.: die vorgreifende
Urteilsentscheidung die als Norm für spätere Entscheidungen dient (vgl. lat.: praeiudicium).
Gerade im Umgang mit Ältesten könnte persönliche Zuneigung (oder Abneigung) zu
einem Fehlurteil führen.
12 Glaube mit Artikel bezieht sich
hier und an anderen Stellen auf die christlichen Glaubensprinzipien.
13 Das kann nur bedeuten: nicht
geschieden und wiederverheiratet, denn mehrere Männer gleichzeitig zu haben war
einer Frau ohnehin nicht erlaubt, - und als jüngere Witwe wieder zu heiraten,
war ja der ausdrückliche Befehl von Paulus (V.14). Eine gläubige Frau konnte
also in dem von Paulus gemeinten Sinn, nur durch Scheidung und Wiederheirat
mehrere Männer hintereinander im Leben gehabt haben (72,178). Dies wirft auch
ein erklärendes Licht auf die gleiche Vorschrift für Älteste und Diakone in
1Tim 3,2.12 und Tit 1,6. "Mann einer Frau" kann demnach auch dort
nur bedeuten, dass ein Anwärter auf das Ältesten- oder Diakonenamt nicht
geschieden und wiederverheiratet sein durfte. Diese Vorschrift ist wohl von dem
Hintergrund her zu verstehen, dass die Ehe nach Gottes Willen ein lebenslanger
Bund ist und Scheidung und Wiederheirat nicht dem Willen Gottes entsprechen.
Ein Ältester oder Diakon muss Gottes Ideal für die Ehe in seinem persönlichen
Lebensweg widerspiegeln.
14 entw. verallgemeinernder Sg.:
Gegner des Glaubens (21,IV,133); od.: der Satan (V.14). Seit Kaiser Augustus
war die rasche Wiederheirat junger Witwen zum Ideal in der römischen
Gesellschaft geworden (65,III,64).
15 Vgl. die
Anm. bei Apg 6,6
16 Im Kontext von Vers 20 und 24
bedeutet dies wahrscheinlich, dass Timotius eine Mitverantwortung tragen würde,
wenn er jemanden zum Ältestendienst einsetzt, dessen Charakter nichts Gutes
erwarten lässt. Vgl. Lev 19,17; 2Joh 1,11
17 Vielleicht hatte Timotius zu
wenig Magensäureproduktion, ein wenig Weingenuss kann das kompensieren. Verdünnter
Wein beruhigt auch den Magen. Außerdem kann der Alkohol im Wein das Wasser
desinfizieren. Wein wurde damals zu den Mahlzeiten getrunken. Er war mit zwei
Drittel Wasser verdünnt (65,III,66). Vgl. auch die Anm. bei Phil 2,27
18 Es gibt also Älteste die nur
vorstehen und nicht zusätzlich auch noch in Wort und Lehre arbeiten.
19 Damit ist das Treuversprechen
gemeint, Witwe
zu bleiben und der Gemeinde zu dienen (72,182).
20 Damit begründet Paulus die
Warnung von Vers 22. Vers 23 ist ein gedanklicher Einschub.
21 Dies geht, so wie in Tit 2,3-4,
über die reinen Haushaltspflichten hinaus. Paulus denkt vielleicht an Spr
31,10ff, wenn er diesen Ausdruck verwendet.
1.Timotius 6
1 Nicht eine
(sonst wäre es ein Zahlwort) von mehreren Wurzeln, auch nicht die Wurzel
schlechthin (sonst stünde der Artikel), sondern ohne Artikel, d.h. qualitativ
gesehen: alle Übel wurzeln letztlich in der Geldgier, die dann alle möglichen
bösen Früchte hervorbringt (72,207).
2 In Gräz.:
der Grundstock an Geld auf einem Konto, das Giroguthaben. Hier im übertragenen
Sinn für den Schatz im Himmel (Mt 6,20; Lk 12,33), - im Gegensatz zur
Unsicherheit des irdischen Reichtums in Vers 17.
3 Debatten
theoretisch-technischer Art und/oder mystische Auslegungen des AT.
4 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen
auf die christlichen Glaubensprinzipien; wie in 1Tim 6,10; 2Tim 2,18; ua.
5 D.h.
Kleidung und ein Dach über dem Kopf (2,z.St.). Zur Sache vgl. Heb 13,5 und Gen
28,20
6 Das sind
nutzlose Diskussion um nebensächliche Themen, daher leeres, eitles und
unfrommes Geschwätz. Bei dem Wort wird nicht bloß an Geschwätz, sondern an anwerbende
und lockende Einladung gedacht sein, hinter denen aber nichts steht, weil sie
profan sind, Erzeugnisse menschlicher Eitelkeit und Selbsttäuschung, und somit
der totale Gegensatz zum heiligen Ruf in 2Tim 1,9.16
7 Ein
juristisch-kaufmännischer t.t.: das, was jemandem zur Verwahrung und zur
Vermehrung anvertraut wurde (2,1124; 65,III,71). Hier sind, wie in 2Tim 1,14,
die Glaubenswahrheiten gemeint (72,219).
8
Die
Grundidee der späteren "Gnosis" war ein strikter Dualismus zwischen
der materiellen und der geistigen Welt. Alles Materielle galt als böse, weil es
von Gottes Gegenspieler "Demiurge" geschaffen war. Er halte die
Menschheit mit seinen Gehilfen, den αρχονς (Strong Nr. 758), in
seiner Gefangenschaft. Die geistige Sphäre dagegen ist gut und die souveräne
Gottheit wohnt nur in ihr, mit der Materie hat sie nichts zu schaffen. Nur diejenigen,
die den göttlichen Funken (πνευμα) in sich haben,
könnten nach dem Tod ihrer materiellen Leiblichkeit entfliehen. Dafür
benötigten sie aber die Erleuchtung (γνοσις). Die meisten
"christlichen" Gnostiker schrieben diese Erleuchtung oder
"Wiedergeburt" einem göttlichen Erlöser zu, der in Verkleidung aus
der geistigen Welt auf die Erde kam und bei der Taufe in dem Menschen Jesus
Wohnung nahm (daher dagegen: Kol 1,19; 2,9) und ihn vor der Kreuzigung wieder
verließ (daher dagegen: Joh 19,34-35). Dies lehrte die im 1.Jhdt. verbreitete
doketisch-frühgnostische Irrlehre von Cerinth, die zwischen dem leiblichen
Menschen Jesus und dem "himmlischen Christus" unterschied. Die
praktischen Auswirkungen des gnostischen Dualismus gingen in zwei Extreme. Die
jüdisch-gnostischen Vertreter lehrten eine extreme Kasteiung in der Abkehr von
allen leiblichen Genüssen (Speisen, Sexualität; vgl. Kol 2,21ff; 1Tim 4,3-4.8).
Die heidnischen Gnostiker dagegen lehrten, dass es gleichgültig sei, was man
mit dem Körper mache, da es ohnehin keinen Einfluss auf den Geist habe, weil
die geistliche Auferstehung durch die "Erleuchtung" bereits geschehen
sei (vgl. 2Tim 2,18), was dann zu fleischlicher Ausschweifung und Götzendienst
anregte. Vgl. 2Pet 2,13-14.22; Offb 2,14-15.20.24 (vgl. 2,1252; 33,424f;
52,II,830ff). Die hier genannte "Erkenntnis", dürfte eine frühe
Vorstufe der späteren Gnosis gewesen sein.
9 Sklaven wurden wie Vieh (daher "Joch")
betrachtet, manchmal leider auch so behandelt. Nicht alle gläubigen Sklaven
hatten auch gläubige Herren.
10 vgl. Lk 10,16
11 Das sind natürlich die Reichen
in der Gemeinde. Ihnen wird aber nicht gesagt, dass sie alles verkaufen müssen,
wohl aber, dass sie die Not Ärmerer, vor allem von notleidenden Geschwistern (Gal
6,10), lindern sollen.
12 Das sind alle Menschen und alle
Lebewesen (1,1278).
13 Dies ist
die Zufriedenheit des Weisen in allen Lebenslagen, weil seine Grundbedürfnisse
gestillt sind. Ein Ideal der Philosophen (65,II,334). Vgl. 1Tim 6,18 und Heb
13,5
14 Ein
Mittel zum Gewinn, um sich zu bereichern. Dies ist heutzutage beim sogenannten "Wohlstandsevangelium"
der Fall.
15 Sich zu diesem Zeitpunkt gegen die Sklaverei auszusprechen,
war noch nicht ratsam für Paulus.
16 Paulus nimmt an, dass Timotius die Wiederkunft Christi noch
erleben wird. Für sich selbst schließt er das dann 2-3 Jahre später aber aus
(2Tim 4,6), ebenso Petrus (1Pet 1,14).
17 Was bedeutet es reich sein zu wollen? Viele Aktien oder
Grundstücke anzusammeln? Der Kontext hier und in Heb 13,5 sagt es uns. Wer
reich werden will, begnügt sich nicht mit dem, was er hat, und vertraut nicht
auf Gottes Fürsorge, dass er uns alles gibt, was wir brauchen? Vgl.
auch Gen 28,20; Spr 23,4-5. Statt von sich aus reich werden zu wollen, sollte
man auf den Segen Gottes warten (vgl. Ps 127,2; Spr 10,22).
18 Zur
Scheinsicherheit des Reichtums siehe auch: Ps 62,11b; Spr
11,28a; 18,11; 23,4-5; 28,6.8 ua.
Zu Timotius B
2.Timotius 1
1 Vielleicht beim
Abschied in Mazedonien, 1Tim 1,3 (72,273). Vgl. auch Apg 20,37
2 Vgl. Röm
6,17. Das Wort τυπως bedeutet Gussform, Modell, Grundriss, Skizze (72,283).
3 Bezieht
sich entweder nur auf die Liebe oder auf den Glauben (oder auf Beides?).
4 Das
"anvertraute Gut" (ein kaufmännischer t.t.) ist der wahre Glaube und
die rechte Lehre, deren unverfälschte Weitergabe Paulus nun dem Timotius ans
Herz legt. Es ist dies eine Hauptpflicht des Timotius, und jedes Dieners Gottes
(vgl. 1Tim 6,20; 2Tim 2,2).
5 Paulus legte dem Timotius nicht
eigenmächtig die Hände auf, sondern weil durch eine Prophezeiung klar wurde,
dass Gott selbst dem Timotius eine besondere Gabe für den Dienst geben wollte
(1Tim 4,14). Vgl. auch die Anm. bei 1Tim 4,14 und Apg 6,6
6 Alle die
das Evangelium hören, sind berufen und eingeladen zum Glauben. Aber der "heilige
Ruf"
ist der Ruf, dem nur die Auserwählten gehorchen (Joh 10,3-4.27; Mt 22,14) und dann
auch wirklich glauben (Apg 13,48). Diese Auserwählung widerspricht zwar unserer
Logik und scheinbar auch der Verantwortung jedes Einzelnen zu glauben, aber
Gottes Gedanken sind höher als unsere Gedanken (Dtn 29,28). Vgl. auch die
Anmerkungen bei Joh 10,1ff.
7 Paulus
war ein Frühaufsteher. So wie Jesus, begann er seine Gebetszeit, als es noch
Nacht war. Der Ausdruck lässt sich nicht einfach nur damit erklären, dass für
die Juden der neue Tag mit Einbruch der Nacht begann, denn im NT wird sehr wohl
unterschieden zwischen der Reihenfolge "Nacht
und Tag"
(Mk 4,27; 5,5; Lk 2,37; Apg 20,31; 26,7; 1Thes 2,9; 3,10; 2Thes 3,8; 1Tim 5,5),
oder "Tag
und Nacht"
(Lk 18,7; Offb 4,8; 7,15 ua.).
8 Bis zu
seinem siebten Lebensjahr stand ein römischer Knabe fast ausschließlich unter
dem Einfluss seiner Mutter (65,III,75). - Timotius wurde wahrscheinlich durch
das Vorbild und den Einfluss seiner Großmutter und Mutter gläubig. Eine
Ermutigung für alle Mütter und Großmütter. Timotius wurde nicht durch Paulus
gläubig, denn bei deren ersten Kennenlernen (Apg 16,1-2), war Timotius schon
gläubig.
9 Das reine
Gewissen könnte sich auf die Danksagung beziehen, - das dazwischen wäre dann ein
Einschub: "ich
danke Gott … mit reinem Gewissen". Oder Paulus möchte
wirklich sagen, dass er Gott immer mit reinem Gewissen diente (Apg 23,1), weil
er bei seiner Verfolgung der Gemeinde in Unwissenheit handelte (1Tim 1,13) und
meinte, Gottes Willen auszuführen (72,271f). Dann hätten wir hier einen
weiteren Beweis dafür, dass das Gewissen kein unfehlbarer Maßstab für
Richtig und Falsch ist.
10 Vielleicht
hätte Paulus diese Christen aus Kleinasien gerne als Entlastungszeugen bei
seinem Prozess in Rom gehabt, aber sie schämten sich (vgl. 2Tim 1,8.16; 4,16-17)
seiner Ketten (72,284). Außerdem war es gefährlich, denn Nero hatte gerade
begonnen die Christen grausam zu verfolgen.
11 Aus dem
Ausdruck "Haus
des Onesiphorus", lässt sich hier nicht sicher
herauslesen, dass Onesiphorus inzwischen schon gestorben war. Vgl. den gleichen
Ausdruck in 1Kor 16,15. Dort ist in dem Ausdruck "Haus
des Stephanas",
Stephanas als noch Lebender miteingeschlossen. Wie dem
auch sei, ein Gebet für Tote kann man hier nicht ableiten, vielmehr handelt es
sich um einen Wunsch (= Optativ) des Paulus in Bezug auf die Belohnung des
Onesiphorus beim Richterstuhl Christi, wie es der Herr in Mt 5,7 angekündigt
hat.
2.Timotius 2
1 Num 16,5.26-27; Röm 9,6; 1Joh 2,19; Jes
26,13
2 Beide
Worte betont vorangestellt. Manche sehen in diesem Vers einen Hinweis, dass die
Gemeinde ihre "Prediger" bezahlen muss (72,291). Ein abschreckendes
Beispiel für eine willkürliche Schriftverdrehung.
3 Im
zukünftigen Reich Gottes (vgl. Röm 6,8 ua.)
4 Jemanden
verleugnen bedeutet, sich für das Verhalten von jemandem schämen. Futurum = bei
einer kommenden Prüfung? Oder bei seiner Wiederkunft? Vgl. Mk 8,38
5
Möglicherweise auch als imperativisches Ptz.: "…schneide geradlinig das
Wort der Wahrheit". Es könnte auch das Bild des Bauarbeiters
dahinterstehen, der die Steine gerade schneidet, damit sie in die Mauer passen,
oder der Zeltmacher, der seinen Stoff gerade schneidet, oder der Bauer der
gerade Furchen pflügt (72,301; 22,IV,619). Oder allgemein: sich auf geraden
Wegen bewegen, d.h. einen geradlinigen Kurs einschlagen oder einhalten. Übertr.:
das Wort der Wahrheit (= die christliche Lehre) geradlinig, direkt, korrekt und
ohne Umschweife lehren, es richtig handhaben und es nicht so zu verdrehen, wie
die falschen Lehrer es tun (vgl. 2Kor 2,17). Möglich ist auch die Bedeutung:
etwas geradlinig (ein)teilen bzw. richtig zuteilen.
6 Gräz.:
sich in der Arena bei den athletischen Wettkampfspielen beteiligen, um einen
Preis zu gewinnen, den man aber nur bekommen konnte, wenn man die Regeln
beachtete, da man ansonsten disqualifiziert wurde. Bildlich übertragen: sich im
Kampf für den Herrn abmühen, und dabei die "Wettkampfregeln" (d.h.
seine Gebote) beachten.
7 Bildlich,
wie von einer weidenden Herde, die das Gras um sich herum abfrisst. Auch als
med. t.t.: das Umsichgreifen eines Geschwüres. Daher: das Umsichgreifen des
Bösen wie bei einem Krebsgeschwür.
8
"...andersartig", weil widersprechend?
9 Diese
Auserwählten die Paulus meint, sind also noch nicht errettet. Vgl. dazu
2Tim 1,9; Joh 6,37.39.43.65; 10,3.26.27. Paulus nimmt die Leiden im Dienst für
den Herrn gerne in Kauf, weil er weiß, dass durch seinen mühevollen Dienst
Menschen, die Gott schon in der Ewigkeit erwählte, mittels seiner Verkündigung errettet
werden, wenn sie glauben (als Beispiel vgl. Apg 16,22-34; Apg 13,48 und Röm
10,14).
10 Die
Aussage versteht sich vielleicht von daher, dass die Gnostiker aufgrund ihrer
feindlichen Einstellung zur Materie, kein Interesse an einer leiblichen Auferstehung
hatten. Sie verstanden die Auferstehung also rein geistig und behaupteten,
durch den Besitz der "Erkenntnis" seien sie bereits vom Tod
auferstanden (vgl. 47,z.St.). Bei den Griechen kam eine solche Vergeistlichung
sicher gut an, bei liberalen Theologen heute wohl auch.
11 Glaube mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen
auf die christlichen Glaubensprinzipien.
12 od.
toleratives Pass.: "...lass
dich innerlich ermächtigen".
13 Vielleicht
ist der Gedankengang folgender: erinnere dich an Jesus Christus, der nach allen
seinen Mühen als Lohn die Auferstehung erlangte (vgl. Heb 2,9).
14 In der
gerade beginnenden Christenverfolgung unter Nero, war dies der Ausdruck, mit
dem die Christen verleumdet wurden (21,IV,162).
15 Mit dem
großen Haus meint Paulus die "Christenheit",
also alle die sich äußerlich zu Christus als Herrn bekennen, obwohl sie
vielleicht gar nicht wiedergeboren sind.
16 w.: ausfegen; etw. durch und
durch, gründlich reinigen, indem man den Schmutz hinausfegt; allg.: sich von etw.
reinigen, indem man sich davon trennt. In 1Kor 5,7 erfolgt die Reinigung der
Gemeinde, indem eine Mehrheit der Gemeinde durch Gemeindezucht das
Schlechte hinaustut. Wird dies versäumt, ergibt sich der hier beschriebene
Zustand: es ist genau umgekehrt, denn die Minderheit muss sich nun vom
mehrheitlich Schlechten im "Christentum"
trennen, um sich dadurch reinzuhalten. Im 2.Timotiusbrief blickt Paulus nämlich
schon prophetisch auf den zukünftigen großen Abfall innerhalb der Christenheit,
wo sich die Treuen in einer Gemeinde schon in der Minderheit befinden könnten.
17 Gemeint sind die falschen Lehrer
und Lippenbekenner in Vers 16-19, die nicht von der Ungerechtigkeit abstehen.
18 Sg.Mask., d.h. es war entweder
der Teufel, der sie eingefangen hat, um seinen Willen auszuführen (2,z.St.). Oder
Gott will, dass sie wieder nüchtern werden, heraus aus dem Fallstrick des
Teufels, um wieder Gottes Willen zu tun (vgl. 72,311; 21,IV,169).
19 Med.: "von sich
aus
anrufen", d.h. ehrlich, und nicht nur als Lippenbekenner, wie in
Vers 19?
20 Auch die Buße ist
eine Geschenk Gottes (vgl. die Anm. bei Apg 11,18). Er gibt sie all denen, die bereit
sind umzukehren (64,645).
21 Der Kontext von Vers
3 und Vers 9-10 spricht dafür, dass Paulus bei diesem Sterben an den
Märtyrertod denkt. Er wusste, dass er kurz davorstand (2Tim 4,6). In einer
solchen Situation muss man geduldig ausharren, ohne den Glauben zu verleugnen
(V.12). Die Bedeutung von Röm 6,8 schließt der Kontext aus, der Sinn von Mt
10,39 könnte mit gemeint sein.
22 Vgl. 1Joh 1,9
2.Timotius 3
1 Paulus schreibt nicht: πασα η
γραφη (= die ganze Schrift), und auch nicht: πασα γραμματα (= alle Schriften).
Beide Ausdrücke würden sich im Kontext von Vers 15 nur auf die Schriften
des AT beziehen. Die liebgewordene Übersetzung: "Alle
Schrift..." steht auf schwachen Beinen, da πασα in Verbindung mit einem artikellosen
Substantiv Singular in der Regel mit "jede" zu übersetzen ist.
Auch Mt 2,3; Apg 2,36 und Röm 11,26 können dabei nicht als Ausnahmen gelten, da
es sich dort beim Substantiv um Eigennamen handelt, die immer artikellos sind (2,z.St.;
7,z.St.; 8,z.St.; 13,61; 19,z.St.). Im Falle von Eph 2,21 ist der
Handschriftenbefund nicht eindeutig, da πασα η οικοδομη durchaus die
ursprüngliche Lesart sein könnte (27,603), und die Stelle dann als Gegenbeweis
nicht taugt. Die Übersetzung "Alle Schrift..." würde sich
jedenfalls im Kontext nur auf die schon in Vers 15 genannten Schriften
des AT beziehen. Der Ausdruck πασα γραφη ohne Artikel bedeutet daher: "Jede
Schrift...", - und zwar noch zusätzlich zu den Schriften des AT (die schon
in Vers 15 genannt sind), - sofern auch sie durch Inspiration entstanden ist. So
wurde z.B. schon von Paulus das Lukas-Evangelium (1Tim 5,18, siehe Anm. dort),
oder von Petrus alle Paulusbriefe (2Pet 3,16) als Schrift bezeichnet,
dem AT gleichgestellt und als göttliche Autorität anerkannt. Mit γραφη sind
daher sicherlich nicht nur die einzelnen alttestamentlichen Schriften
gemeint, denn Timotius brauchte keine Erinnerung daran, dass diese inspiriert
sind, was alle frommen Juden glaubten (13,61), sondern auch die schon
vorhandenen inspirierten Schriften des NT (72,325f). Paulus möchte die
Inspiration des AT und des NT, soweit es schon vorhanden war,
bestätigen. Denn nach 1Thes 2,13 und 2Pet 1,20-21 waren auch die Schreiber der neutestamentlichen
Schriften alle vom Heiligen Geist getrieben, so wie ein Segelschiff vom Wind
getrieben wird (60,531). Vgl. auch noch die Anm. bei Joh 14,26. - Eher
unwahrscheinlich ist die Bedeutung: "Jede Schriftstelle..."
(wie in Joh 19,37; Apg 1,16; 1Tim 5,18; Jak 2,8 ua.), denn dies passt nicht so
gut zum Kontext (vgl. 72,324ff). - Die oft behauptete Aussage 2Tim 3,16 würde
die Inspiration der gesamten Bibel beweisen, ist allerdings falsch, denn zum
Zeitpunkt des 2.Timotiusbriefes gab es einige Spätschriften des NT noch gar
nicht. Die göttliche Autorität des gesamten NT gründet sich auf die
Verheißung Jesu an seine 11 Apostel in Joh 14,26 und Joh 16,12-14. Mit dem Tod
des letzten Apostels Johannes war die Offenbarung der Wahrheit, soweit sie für
dieses Zeitalter bestimmt war, abgeschlossen. Daher blickt der späte Judasbrief
auf "den ein für alle Mal überlieferten Glauben" zurück (Jud 1,3),
und das letzte Buch der Bibel, geschrieben vom letzten noch lebenden Apostel
Johannes, warnt eindringlich davor, dem offenbarten Wort Gottes irgendetwas hinzuzufügen
oder wegzunehmen (Offb 22,18-19).
2 Entw. attributiv, was sehr
gut zum Kontext passen würde: "Jede Schrift, von Gott eingehaucht, (ist) auch
nützlich..." (21,IV,175; 44,z.St.; 7,z.St.; 8,z.St.; 47,z.St.), und nicht
nur die Schriften des AT; oder als Präd.Nomen: "Jede Schrift (ist) von
Gott eingehaucht und nützlich..." (2,z.St.; 19,z.St.). Manche
sagen, θεοπνευστος und ωφελιμος sind zwei zu ungleiche Begriffe, als dass sie
mit και (und) verbunden auf einer Stufe stehen könnten (72,325). Außerdem stand
die Inspiration der Schriften des AT für Timotius gar nicht zur Debatte. Es
gibt allerdings im neutestamentlichen Griechisch kein Beispiel, wo ein attributives
Adjektiv durch ein folgendes και (= auch) mit einem prädikativen Adjektiv
verbunden wird (60,530).
3 Vgl. 2Tim 2,21 - Oder ein
umschriebener Konj.Perf.: "...ja, damit der Mensch Gottes damit völlig
ausgerüstet worden ist" (2,z.St.). - Mit dem "Menschen Gottes"
ist wohl einerseits Timotius selbst als Verkündiger gemeint, der die Schriften im
vorher genannten Sinn anwenden soll, andererseits aber auch jeder Gläubige, der
die Schriften für den vorher genannten Verwendungszweck für sich selbst gebraucht.
4 Von Gottes Geist
"inspiriert" bzw. eingegeben, Gott-gehaucht. Auch die Juden glaubten
an die Inspiration der Schriften (38,IV,435ff.). Dabei ist an eine
"Verbal-Inspiration" gedacht, d.h. jedes Wort ist von Gott
eingegeben (vgl. 1Kor 2,13 und 2Pet 1,21), nicht jedoch an eine
"Diktat-Inspiration", da der Geist Gottes den Wortschatz und den
persönlichen Stil der Schreiber benützte, wie das Koine-Griechisch des NT
deutlich zeigt.
5 Die bloß äußere Gestalt im
Gegensatz zu einem wahren Inhalt. Von einer christlichen Frömmigkeit, die zwar
äußerlich zur Schau getragen wird, der es aber an der Kraft Gottes fehlt, weil
diejenigen die Paulus meint eben keine Wiedergeburt erlebt haben (72,315). Die
unguten Eigenschaften die in den Versen 2-4 beschrieben werden, kennzeichnen
diese Menschen. Sie haben das Evangelium zwar gehört, aber "die Liebe zur
Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen", sondern sich mit
einem frommen Schein begnügt. Ein "Christentum" dieser Art wird die
letzten Jahre vor Jesu Kommen prägen. Es sind diejenigen, die der Herr Jesus
als die fünf törichten Jungfrauen beschreibt (Mt 25,1-13), und diejenigen, die
den falschen christlichen Propheten auf den Leim gehen werden (2Thes 2,9-12; Mk
13,5-6.21-22). Vgl. die gleiche Art von Leuten in Tit 1,16
6 Von Umständen oder Zeiten,
die mit Schwierigkeiten verbunden sind. Hier, weil diese Zeiten durch
satanisches Einwirken von dämonisierten Menschen (Mt 8,28) geprägt sind. Diese
Zeiten werden schwierig (d.h. schwer zu ertragen) sein. Sie sind hart,
drückend, schlimm, böse, beschwerlich, mühevoll, unbequem, quälend, wild, schmerzlich
und gefahrvoll, weil die Menschheit so ist (72,313). So werden die Jahre
unmittelbar vor dem Kommen des Herrn sein. Schon jetzt passieren manchmal
entsetzliche Verbrechen von Menschen, die durchaus dämonisiert sein könnten. -
Das Wort καιρος bezeichnet einen begrenzten Zeitabschnitt bzw. Zeitpunkt,
im Gegensatz zu χρονος, welches Zeit im unbestimmten Verlauf beschreibt.
Wenn Paulus hier den Plural καιροι verwendet, könnte das bedeuten, dass er die Jahre
(vgl. Offb 12,14) unmittelbar vor dem Kommen des Herrn meint. Aber da sich die
danach aufgezählten Widrigkeiten schon länger in der (westlichen) Gesellschaft
offenbaren, dürfte er etwas anderes gemeint haben, nämlich ein wellenartiges,
besser gesagt wehenartiges Auftreten dieser Sünden in der Gesellschaft der
Endzeit, in der wir uns vielleicht schon befinden.
7 Vielleicht denkt Paulus
auch dabei an die Kinder, weil der Begriff direkt nach "…den Eltern
ungehorsam" steht. Es würde sich dann auf das Gebot: "Du sollst Vater und Mutter ehren" (Eph 6,1) beziehen und bedeuten, dass in den
letzten Tagen sich Kinder nicht mehr um ihre alten Eltern kümmern. - Warum der rebellische
Ungehorsam von Kindern so schlimm in Gottes Augen ist, vgl. die Anm.38 zu Röm 1,30
8 In Gräz. von
Gesellschaftsdamen, die gelangweilt von ihren verschiedenartigen Launen und
voll eitler Neugierde sind (37,133). Da das Wort im Pl.Neut. steht,
meinte Chrysostomos ua., es handle sich um Personen beiderlei Geschlechts
(19,429), was aber eher unwahrscheinlich ist (21,IV,171).
9 Dieses Sündenregister
enthält interessante Parallelen, aber auch Unterschiede zum Sündenregister in
Röm 1,29-31. So finden sich in beiden Aufzählungen: Prahler, den Eltern
Ungehorsame, Verleumder, ohne natürliche Liebe. Aber in Röm 1,29-31 sind auch
schwerere Sünden aufgezählt (daher in Vers 32 "…des
Todes würdig"), z.B. Mord, Habsucht,
Gottverhasste, Gewalttäter, Frevler, Unbarmherzige. Der Grund ist, dass dort
die von Gott abgefallene Menschheit beschrieben wird. Die Sünden hier in 2Tim
3,2-5 sind harmloser, was wohl daran liegt, dass Paulus hier an das "große Haus"
der Christenheit denkt (2Tim 2,20ff), also auch an christliche Bekenner (wie in
Vers 5), die in den letzten Tagen den gleichen Lebenswandel führen werden wie
die Ungläubigen, und scharenweise vom Glauben abfallen werden, weil sie nie
wirklich wiedergeboren waren. - Zu anderen Sündenregistern vgl. noch Mk 7,21-22;
1Kor 5,11; 1Kor 6,9-10 und 1Tim 1,9-10.
10 Jannes (= d. Verführer)
und Jambres (= d. Rebell) sind wahrscheinlich, nach einer verschollenen rabbinischen
Tradition, die symbolischen Namen der beiden ägyptischen Zauberer, die nach Ex
7,8-12 Mose und Aaron Widerstand geleistet haben und deren Wunder durch
satanische Macht zum Teil nachahmten (vgl. 54,z.St.; 47,z.St.).
11 Glaube
mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen
Glaubensprinzipien.
12 "Du aber (betont)…", im
Gegensatz zum Fortschreiten der Verführer in Vers 13. Es gibt auch einen
negativen "Fortschritt" in der Theologie.
13 Jüdische
Mütter sangen bereits ihren Babys Schriftstellen vor. Die Personen von Vers 14
beinhalten also nicht nur männliche Lehrer, wie z.B. Paulus, sondern auch schon
die Mutter und Großmutter von Timotius, die ihn noch vor Paulus prägten. Eine
Ermutigung für alle Mütter und Großmütter.
14 Hier ist die persönliche
Verantwortung angesprochen, sich von Gläubigen fernzuhalten, die durch ihren
Lebenswandel ihren Glauben verleugnen. Vgl. zum Thema Gemeindezucht die Anm.
bei 1Kor 5,9
15 Da es ein Pl.Neut.
ist, entw.: "...bleibe in den
Schriften, von denen…"; od.: "bleibe in den Heilswahrheiten,
die…" (72,322).
16 Sie wollen immer Neues hören und Wissen
anhäufen, verstehen aber im Herzen nichts von dem, was sie lernen und anwenden
sollten, um im Glauben zu wachsen.
17 Vgl. Lk 16,29.
Hier aber ist das Festhalten an der Schrift und das Bleiben im Glauben bis zur endgültigen
Errettung gemeint.
18 Mit dem Plural
kann nicht nur Paulus allein gemeint sein, sondern auch noch andere (Apg
16,1-2), wie z.B. auch die Mutter und Großmutter von Timotius (1Tim 1,5).
19 Diese Menschen
haben zwar eine gewisse Zuneigung zu Gott, noch mehr aber lieben sie das
Vergnügen.
20 "Du
aber (betont)…", beide Male im Gegensatz zu den Leuten in 2Tim 3,4-9.13. -
Der folgende (ingressive?) Aorist "du bist genau gefolgt" in Vers 10,
soll den Beginn dieser Nachfolge bezeichnen, als Timotius in Apg 16,1ff. der
Begleiter von Paulus wurde (21,IV,173).
21 Generell kann man sagen, dass für die Exegese der
Gebrauch des Artikels bei abstrakten Substantiven Beachtung verdient,
indem er konkretisieren möchte. So auch bei den folgenden Begriffen: Vorsatz, Vertrauen,
Geduld, Liebe (13,53-62). Demnach möchte Paulus den Timotius an die vielen einzelnen
Situationen erinnern, wo er, Paulus, konkret Vertrauen, Geduld und Liebe
geübt hat, sowie Verfolgungen und Leiden ertragen hat. Timotius war ja viel an
der Seite von Paulus, und hat dessen Lebensführung hautnah miterlebt. Wir
kennen sie aus der Apostelgeschichte, und können so auch seine Nachahmer
werden.
2.Timotius 4
1 Soll das vielleicht
verhüllt andeuten, dass er nach der ersten Verhandlung einstweilen der
Todesstrafe entkommen ist, die ihm dann später aber doch nicht erspart blieb.
Jedenfalls ist der Ausdruck im übertragenen Sinn in Bezug auf Kaiser Nero zu
verstehen, denn Paulus durfte als römischer Bürger nicht buchstäblich den
wilden Tieren in der Arena vorgeworfen werden. Paulus musste vorsichtig sein
und sich verhüllt ausdrücken.
2 Vgl. Hes
33,32. In Gräz. in Bezug auf die "gewählte" Ausdrucksweise der
Sophisten, die bei ihren Zuhörern Eindruck erweckte, weil sie ihnen
schmeichelte und sie erheiterte (37,349). Allg.: danach gelüsten Dinge zu hören
die schmeicheln, interessant klingen oder die Neugierde befriedigen. Dies wird
der Predigtstil der falschen Lehrer in den letzten Tagen sein.
3 In diesem
Abschnitt wird der Charakter des Briefs als eines Abschiedsbriefs und einer
letztwilligen Verfügung besonders deutlich. Vergleiche auch in Apg 20,18-35 die
Abschiedsrede des Paulus in Milet an die Ältesten von Ephesus (vgl. 47,z.St.).
4 Wie wenig
Bedürfnisse, hatte Paulus am Ende seines Lebens: Sehnsucht nach brüderlicher
Gemeinschaft, einen Mantel gegen die Kälte im Gefängnis und das Studium der
Schriften!
5 So weit
wir wissen, kam Timotius zu spät, Paulus war schon hingerichtet worden. Timotius
selbst kam dann in Rom möglicherweise ins Gefängnis (Hebr 13,23).
6 Frage
nicht: Ist das ein gelegener Zeitpunkt? Frage eher: Warum sollte das kein
gelegener Zeitpunkt sein? (21,IV,176)
7 Paulus wird
abtreten und gibt die Staffel an Timotius weiter.
8 Paulus
sieht seinen bevorstehenden Märtyrertod als ein unblutiges, weil nicht
sühnendes, Opfer für seinen Herrn, der das eigentliche Brandopfer war (vgl. Apg
9,16). Vgl. die Anm. bei Phil 2,17
9 Der
Siegeskranz bei den athletischen Spielen.
10 Das
bedeutet nicht, dass Demas vom Glauben abgefallen ist, sondern die Mitarbeit im
Missionsteam quittierte und in seine Heimatstadt zurückging, vielleicht um
einer lukrativen weltlichen Arbeit nachzugehen.
11 Wahrscheinlich
die Provinz Galatien. Die Provinz Gaulitis in Südfrankreich scheidet eher aus,
denn dies würde voraussetzen, dass Paulus wirklich nach Spanien kam und auf
seiner Reise dorthin Gemeinden in Südfrankreich gründete, die Kreszenz weiter
betreuen sollte (so: 21,IV,179).
12 Weder
Titus noch Timotius blieben permanent in Kreta bzw. Ephesus, - sie wurden keine
"Pastoren",
"Bischöfe"
oder "Superintendenten" dort.
13 Warum
konnte ihn Paulus nicht heilen? Hatte Gott die Gabe der Heilung vielleicht
schon zurückgezogen? Vgl. auch die Anm. bei Phil 2,27
14 "Du
aber (betont)…", im Gegensatz zu den Lehrern in Vers 3.
15 Dieser Alexander
könnte ident sein mit dem in Apg 19,33, sicher aber nicht mit dem in 1Tim 1,20,
denn dieser war ein Christ. Vielleicht ist dieser Alexander mit einer Gruppe
Juden nach Rom gekommen, um gegen Paulus auszusagen (72,341ff).
16 Unüblicherweise
wird sie an drei Stellen (Apg 18,18; Röm 16,3; 2Tim 4,19) vor ihrem Mann
genannt. Es könnte sein, dass sie aktiver und geistlich gesinnter war als ihr
Mann.
17 Das waren
wohl die Brüder, die in Vers 21 genannt sind. Wahrscheinlich erschienen sie aus
Angst nicht als Entlastungszeugen bei seiner Gerichtsverhandlung.
18 Die drei
Perfekta "habe gekämpft, … habe vollendet, … habe bewahrt", zeigen
an, dass der Glaubenskampf bis zum Lebensende andauert. Es ist der Kampf gegen
die Sünde (Heb 12,4), der Kampf im Gebet (Röm 15,30) und der Kampf für den
Glauben und die Verbreitung des Evangeliums (Phil 1,27b; 4,3). Unser
Glaubenskampf kann sich an der Eroberung Kanaans durch Josua orientieren: (1.)
Eroberung des Erbteils (Dtn 9,3-6). Für uns bedeutet das: alle Verheißungen
Gottes in Anspruch zu nehmen und Gottes Hilfe und Segen zu erleben. - (2.)
Ausrottung der Feinde (Jos 6,21). Für uns bedeutet das: alles Böse aus unserem
alten Leben und böse Einflüsse aus der Welt gänzlich auszurotten (Mt 18,8-9;
Kol 3,5-10 ua.). - (3.) Aufbau des Landes. Für uns bedeutet das: gute
Gewohnheiten zu entwickeln und die Frucht des Geistes zur Entfaltung kommen
lassen.
Zu Titus
Titus 1
1 Ohne Artikel: die Art und Weise wie
er das Evangelium verkündigt hat, also durch Predigt und nicht auf irgendeine
andere Art. Auch noch heute ist die Predigt die beste Methode der
Evangeliumsverkündigung.
2 Ein Prädikats-Nomen
(72,227). Ältester und Aufseher sind zwei verschiedene Bezeichnungen für dasselbe
Amt (Apg 20,17.28). Die erste Bezeichnung drückt die Reife, Würde und die
nötigen Qualifikationen der Person aus, die zweite die Bezeichnung seiner
Aufgabe (72,228). Bei der Einzahl Aufseher, handelt es sich um den individualisierenden
generischen Singular: "jeder einzelne Aufseher..." (21,IV,187). Es
ist daher falsch daraus abzuleiten, dass unter mehreren Ältesten einer
ein Aufseher war, sozusagen ein "primus inter pares" (2,z.St.).
Es ist historisch gesichert, dass es in der Urgemeinde in jeder Gemeinde mehrere
Älteste gab (72,227).
3 Das ist nach Tit 1,4 und
Tit 2,10 Christus, womit seine Gottheit von Paulus bezeugt wird. Vgl. auch
noch: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13; 2Pet 1,1 ua.
4 od. subst.: "…(der)
Kinder Habende".
5 Das Wort bedeutet hier, da
es grammatisch absolut steht, "...gläubige", und nicht: "…treue"
(siehe 1,1337; 21,IV,187). So auch in Apg 16,1; 2Kor 6,15; 1Tim 4,3.10; 5,16; 6,2.
Das zeigt wiederum, dass ein Ältester ein Mann in schon reiferem Alter war, da
es nötig war, dass er bereits gläubige, also größere, Kinder hatte. Da das
Adjektiv "gläubig" nicht vor "Kinder" steht (wie in
Vers 4), sondern erst danach angefügt ist, könnte es darauf hinweisen,
dass Paulus nicht darauf besteht, dass alle seine Kinder (schon?) gläubig
sein müssen.
6 Nicht das übliche Wort für
streng, sondern den Widerspruch schroff, kurz und bündig abschneiden, ohne sich
auf eine lange Diskussion einzulassen.
7 Da sie von den Ungläubigen
unterschieden werden, sind damit wahrscheinlich bekennende Christen, wie in Vers
16 gemeint.
8
D.h. nicht geschieden und wiederverheiratet, denn mehre Frauen gleichzeitig zu
haben war für einen Gläubigen ohnehin nicht erlaubt. Vgl. auch die Anm. bei
1Tim 5,9
9 Das zitierte Wort des
"Propheten" ist im Griechischen ein Hexameter, der dem
Dichterphilosophen Epimenides (6. Jh. v.Chr.) zugeschrieben wird, der ihn
allerdings von Hesiod, und dieser wiederum von den Hymnen an Zeus übernahm
(vgl. 47,z.St.; 65,III,96; 72,233). Auch Cicero betrachtete Epimenides als
einen Propheten. Er war es auch, der den Athenern den Rat gab, einen Altar für
den unbekannten Gott zu errichten (21,IV,189). Die Kreter waren allgemein für
ihren Hochmut, ihre Hinterlist und ihre Habgier bekannt. Jede Kultur und jedes
Volk hat seine charakteristischen Schwächen, deren sich der Gläubige aus diesem
Volk bewusst sein sollte.
10 Glaube
mit Artikel bezieht sich hier und an anderen Stellen auf die christlichen
Glaubensprinzipien.
11 Die Bezeichnung "Jesus
Christus" betont mehr den historischen Menschen Jesus, der auch der
Messias war. Hier, bei "Christus Jesus" ist es umgekehrt, der
Messias-Titel Jesu wird betont (21,IV,89).
12 In 1Tim 3,8 nur für Diakone, hier vielleicht auch für Älteste,
weil noch keine Diakone vorhanden waren, und die Ältesten auch diese Aufgabe
abdeckten. In 1Pet 5,2 allerdings auch eine Eigenschaft die von Ältesten
erwartet wird (21,IV,115).
13 κατα kann: "...gemäß/entsprechend" bedeuten (72,222). Aber,
dass Paulus sagen möchte, sein Apostelamt sei gemäß dem Glauben der
Auserwählten, macht wenig Sinn. Er begründet sein Apostelamt immer mit seiner
persönlichen Berufung durch den Herrn. Daher sollte man κατα hier eher im Sinne
von: "...mit dem Ziel...", verstehen (1,826; 44,647). Damit ergibt
sich folgender Sinn: Paulus ist Apostel Jesu Christi mit dem Ziel, dass
die Auserwählten, die noch nicht gläubig geworden sind, durch seine Predigt zum
Glauben kommen (wie in 2Tim 2,10 und Apg 13,48), und dann in weiterer Folge zur
Erkenntnis der Wahrheit, die zu einem Leben aus frommer Ehrfurcht führt. Das
passt zum ganzen Zusammenhang von Vers 1-3, wo es um seine Sendung als Apostel
zur Verkündigung des Evangeliums geht.
14 Im Gegensatz zu Strong Nr. 2641 meist nur ein vorübergehendes
Zurücklassen. Titus blieb nicht permanent in Kreta. Vgl. Anm. bei 2Tim 4,10
15 Titus hat in Kreta, genauso wie Timotius in Ephesus, nicht
eigenmächtig Älteste eingesetzt, sondern nur auf Befehl von Paulus, und dies eben
auch nur in Kreta (21,IV,186). Ob jemand, z.B. ein Gemeindegründer, auch heute
noch das Recht hat Älteste einzusetzen ist zurecht umstritten. Vgl. auch noch
die Anm. zu Apg 14,23; 20,28. - Zwischen Tit 1,6-9 und 1Tim 3,1-7 gibt es unterschiedliche
Anforderungen: https://drive.google.com/file/d/1pQHyYf1w-Mf3u73DE8HWNvPFGgf7DS8g/view?usp=sharing
16 Vergleiche den gleichen Ausdruck in 2Tim 1,9-10, wo es auch um
die Erwählung der Gläubigen vor ewigen Zeiten und um die
Offenbarung der Wahrheit in der gegenwärtigen Zeit geht.
17 Ein Ältester muss kein Lehrer oder Prediger sein, denn 1Tim 5,17
zeigt, dass es auch Älteste gab, die nicht predigten. Aber er muss fähig sein, mit der rechten Lehre den
Irrtum zu widerlegen, und zwar nach Tit 1,9 unter Verwendung der Schrift,
gegründet auf die Schrift und im Einklang mit der gesunden Lehre (72,229).
18 Schon ein Schriftsteller der lange vor Paulus lebte, hatte den
Kretern vorgeworfen geldgierig zu sein (65,III,96). Auch auf heutige Prediger
des "Wohlstandsevangeliums", trifft die Aussage des Paulus zu.
19 Beschreibt
jemanden der einen verschwenderischen, ausschweifenden und lasterhaften Lebenswandel
führt, wie der verlorene Sohn in Lk 15,13. Damit können nur ältere
Kinder gemeint sein, wofür auch die Bedingung spricht, dass sie gläubig sein
sollen. Der Älteste soll also ein Mann in reiferen Jahren sein, der schon
größere Kinder hat.
20 Vgl.
die gleiche Art von Leuten in 2Tim 3,5 und die Anm. dort.
Titus 2
1 Wie die Frau in Spr
31,10ff, sollen sie ihren Haushalt, samt eventuellen Hausangestellten, gut
managen (72,243). Möglich wäre auch die Aufteilung in zwei Adjektive:
"...häuslich, gütig,…" (72,243).
2 Da σωτηρος ohne Artikel steht,
wird Christus hier, wie auch in 2Pet 1,1, ziemlich sicher von Paulus als Gott und
Erretter bezeichnet (vgl. 19,z.St.; 13,60; 44,649; 72,249; 26,II,136). Hier wäre
wieder eine der Stellen, die die Gottheit Christi deutlich herausstreichen. Vgl.
auch noch: Joh 1,1.18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5 ua.
3 Gehörte Titus auch noch zu den Jüngeren? Die stärkste
Autorität hat ein Lehrer, wenn er selbst das vorbildlich praktiziert, was er
die anderen lehrt (vgl. auch: 1Tim 4,12; Mt 5,16). - Möglich auch: "selbstbeherrscht
zu sein in allem, wobei dich selbst darbietend als Vorbild…". Der Rest von
Vers 7 und 8 könnte sich noch auf die jungen Männer, oder nur auf Titus allein beziehen
(72,244f).
4 Die Übersetzung: "Denn die Errettung-bringende
Gnade Gottes erschien...", ist eher falsch (72,247). Weil Gott ein
Erretter-Gott ist (Vers 10), der will, dass alle Menschen errettet werden (1Tim
2,4), ist die Gnade ein errettendes Angebot an alle, dass aber nicht von allen
angenommen wird.
5 Damit ist die sichtbare Wiederkunft Christi gemeint, wenn
er mitsamt den auferstandenen und verherrlichten Gläubigen und seinen Engeln
auf die Erde kommt. Seine bis dahin noch verborgene Herrlichkeit erscheint dann
für alle sichtbar. Der Gen.epexeg. ist als Hendiadyoin zu übersetzen: "die
glückselige Hoffnung auf die Erscheinung…" (2,1139; 44,649, 72,249).
6 Hes 37,23; Ex 14,5
7 Med.: von sich aus und nicht zwangsweise.
8 Sklaven galten damals zu Recht als unzuverlässig und faul,
sie waren oft widersprechend und stehlend. Darum war es so wichtig, dass
christliche Sklaven anders waren, um das Evangelium nicht in Verruf zu bringen.
Dies lässt sich gut auf christliche Arbeitnehmer heutzutage anwenden.
9 Eine gesunde Belehrung erhält bzw. macht gesund im
Glauben. Sie ist, wie die folgenden Verse zeigen, auf das praktische Leben
ausgerichtet, und nicht auf Wortklaubereien die nur Streitigkeiten erzeugen.
10 Hier ein
weibliches Ältestenamt herauszulesen ist absurd, denn auch in Vers 2 sind nicht
Älteste, sondern ältere Männer gemeint (72,240).
11 Nicht an ein Lehramt ist hier gedacht, sondern daran,
dass die reiferen Frauen die jüngeren Frauen seelsorglich durch Wort und
Beispiel im rechten Verhalten anleiten, und ihnen mit Rat und Tat zur Seite
stehen. Dies könnte ein jüngerer Mann wie Titus bei jüngeren Frauen nicht tun.
Es würde ihn ja in Verruf bringen (72,241). Priscilla in Apg 18,26, könnte den
Frauen als Beispiel dienen.
12 Betont, im Gegensatz zu den Schwätzern in Tit 1,10ff.
13 Den Ehemann aufopfernd zu lieben, fällt den
Frauen oft leichter, als ihn freundschaftlich gern zu haben. Bei den
Männern mag es umgekehrt sein (vgl. Eph 5,25).
14 Die Unterordnung der Frau unter den Mann, war zur
damaligen Zeit selbstverständlich. Ein Abweichen davon, hätte dem Ruf des
Christentums geschadet.
Titus 3
1 Als toleratives Part.Präs.Pass.:
von sich aus und beständig; d.h. bereitwillig, freiwillig und nicht
gezwungenermaßen (wie Röm 13,1).
2 Gemeint
ist Gott, wegen Vers 6: "er (= Gott) .... goss aus durch Jesus...".
3 Vgl. 2Kor
5,17 (καινα
=
neuartig).
4 Unter den
zahlreichen Städten mit diesem Namen kommt nur das Nikopolis im Epirus in Betracht.
Die Stadt wurde von Augustus im Jahr 31 v.Chr., zur Erinnerung an seinen Sieg
über Antonius in der Schlacht von Actium auf einer Halbinsel am Ambrakotischen
Golf als zukünftige Hauptstadt vom Epirus gegründet, als er dort sein Heerlager
aufgeschlagen hatte (Strabo,VII,5,324). Es war eine römische Kolonie, mit
zahlreichen Rechten und Freiheiten ausgestattet und berühmt wegen den Aktischen
Spielen. Möglicherweise hat Paulus diese Stadt für eine mögliche Mission des
Epirus Gebietes ausgewählt. Die Ruinen befinden sich in der Nähe des heutigen
Preseva (vgl. 33,834; 72,265).
5 Artemas
und Tychikus sollten Titus in Kreta ablösen und dessen Arbeit dort
weiterführen.
6 Vgl. 2Tim
4,21. Wahrscheinlich
wurde Paulus auf seiner Reise nach Nikopolis, oder dort selbst, verhaftet und
nach Rom gebracht, von wo er dann, vor dem erwähnten Winter, den
2.Timotiusbrief schrieb.
7 Zenas und
Apollos waren umherziehende Lehrer, die den Gläubigen in verschiedenen
Gemeinden am Wort dienten, und daher für ihre täglichen Bedürfnisse unterstützt
werden sollten. Vielleicht überbrachten sie den Brief an Titus.
8 Vgl. zur
Sache die Anm. bei 1Kor 5,9 und Spr 22,10
9 Die
jüdischen Gemeinden, die es im ganzen Osten des römischen Reiches gab,
verfügten über ein gut organisiertes System gegenseitiger Hilfeleistung
(59,286). Die christlichen Gemeinden sollten dem um nichts nachstehen.
10 od.: "dass
du mit Nachdruck dafür eintrittst".
11 Entweder
ein gläubig gewordener jüdischer Gesetzeslehrer oder ein römischer Jurist
(65,III,105; 72,266).
12 Diese vier
Ptz. sind entw. modal: "wobei/indem", oder als
ein umschriebener Impf.: "andauernd/immer
wieder"
zu verstehen
(2,z.St.).
13 Gen.obj.: "der
Hoffnung auf ewiges Leben" (2,z.St.).
Zu Philemon
Philemon 1
1 Entweder:
"wirksam werde...für Christus"; od.: "wirksam
werde...durch uns dank der Beziehung zu Christus".
2 Aorist
des Briefstils: d.h. jetzt, zugleich mit dem Brief (67,279). Nach Dtn 23,16 war
man verpflichtet einen flüchtigen Sklaven aufzunehmen, im Gegensatz dazu musste
man ihn nach römischen Recht an seinen Herrn ausliefern, worauf der Sklave mit
einer schweren Strafe rechnen musste (65,III,108).
3 Auf ewig,
weil er sich durch Paulus bekehrte und so ein Glaubensbruder des Philemon
wurde? od. einfach: für immer (2,z.St.).
4 Als
juristischer t.t.: Schadenersatz leisten (2,z.St.). Nach dem Gesetz stellte der
Arbeitsausfall einen finanziellen Verlust dar, für den der aufkommen musste,
der einen entlaufenen Sklaven aufnahm (65,III,108).
5 Da
Archippus ein leitender Bruder in der Gemeinde in Kolossä war (vgl. Kol
4,17), wird die Gemeinde in der Philemon und seine Frau Aphia waren, wohl die
Gemeinde in Kolossä sein, die sich im Haus von Philemon versammelte. Viele
nehmen an, dass Archippus der Sohn von Philemon und Aphia war, und deshalb
zusammen mit ihnen am Briefanfang genannt wurde (33,78). - Bis zum 3.Jhdt. gibt
es keinen Hinweis darauf, dass die Christen eigene Gebäude für ihre
Gottesdienste errichteten, sie versammelten sich in größeren Privathäusern
(21,IV,212).
6 Das Alter
zwischen 49-56 Jahren. Paulus dürfte damals etwa 57 Jahre alt gewesen sein,
aber durch Krankheit und ein jahrzehntelanges aufreibendes Leben war er schon
frühzeitig gealtert. Vielleicht aber auch ein früher Abschreibfehler in den Hs.
und dann äquivalent zu πρεσβευτης (= der Abgesandte bzw. Legat des
Kaisers), - in Bezug auf Paulus dann: ein Legat Christi (2,1143;
65,III,111; 67,278; 21,IV,213).
7 Realis,
d.h. was wahrscheinlich der Fall war, denn Onesimus brauchte für seine Flucht
bis nach Rom Geld zum Überleben. Ein Ausdruck wie er in Schuldverschreibungen
verwendet wurde: "Auf meine Rechnung setzen" (2,1144; 65,III,112)
8 Im
Griechischen ein Wortspiel mit dem Namen Onesimus. Onesimus bedeutet: der
Vorteilhafte oder Brauchbare oder Nützliche. Die Verse 11+20 sind vielleicht
eine Anspielung auf die Bedeutung des Namens
9 Paulus
deutet nur an, was er eigentlich erwartet, nämlich, dass Philemon Onesimus
freigibt, damit dieser Paulus dienen kann. Die Abschaffung der Sklaverei zu
verlangen, dafür war die Zeit noch nicht reif, aber Paulus deutet bereits an,
was das Evangelium eigentlich darüber sagt (vgl. 21,IV,216).
10 Epaphras
war wahrscheinlich der Gemeindegründer in Kolossä. Paulus ist sich bewusst,
dass er und seine Mitarbeiter in einem geistlichen Krieg kämpfen.
11 Gräz.: die
Geschäftspartnerschaft. Ein Geschäftspartner im Zusammenhang mit gemeinsamem
Besitz (65,III,110).
12 In der
Gräz. in Geschäftsdokumenten über Transaktionen (65,II,112).
13 Chiastische
Wortstellung (2,z.St.); od. viell.: "hörend von deiner
Liebe zu allen Heiligen, und dem Glauben den du hast an den Herrn Jesus" (7,z.St.;
44,652).
14 Ein geschäftlicher
t.t.: "…,
dass
du auf
meinem Konto im Schuldenrückstand bist" (67,285).
15 Markus
wurde zusammen mit Onesimus und Tychikus, kurz davor nach Kolossä gesandt (Kol
4,10), was beweist, dass der Philemonbrief noch vor dem Kolosserbrief
geschrieben wurde.
16 Der
Imperfekt bezeichnet einen erfüllbaren oder unerfüllbaren Wunsch (2,z.St.).
.
Zu Hebräern
1 Ps 2,7-8 Das "gezeugt" bedeutet hier nicht den Beginn der Existenz,
sondern die Einsetzung in ein Amt, und zwar nach Apg 13,33 und Röm 1,4 die
Einsetzung als Messias-König durch die Auferstehung und die anschließende Himmelfahrt.
Mit den sieben folgenden Zitaten beweist der Schreiber aus dem AT, die Hoheit
und Gottheit Christi.
2
2Sam
7,14; 1Chr 17,13
3 Dtn 32,43 (LXX); Ps 97,7
(LXX). Der Psalm 97,1ff. spricht vom zukünftigen messianischen Friedensreich.
Daher bezieht sich der Vers 7 in diesem Psalm eindeutig auf die Wiederkunft
Jesu, mit der dieses Friedensreich beginnt. Damit deutet der Verfasser an, dass
er an die Gottheit Christi glaubt, denn nur Gott darf angebetet werden. Vgl.
auch Anm.12
4
Ps
104,4 (LXX)
5
Ps
45,7-8 (LXX). Der Psalm ist ein Lied für den zukünftigen König (Ps
45,2), also für den Messias. Daher kann der Schreiber ihn auf Jesus anwenden.
6
Das
sind entweder die anderen Könige im AT, oder die Engel, oder die
"Brüder", wie in Heb 2,11 und Heb 3,14
7 Indem er Christus den Sohn
mit HERR (= Jahwe) anredet, bezeugt er wiederum seine Gottheit.
8
Im
übertragenen Sinn (wie in Ex 4,22) ein messianischer Titel von Christus (Ps 89,27),
weil er in allem den Vorrang hat als der Erste, d.h. der Vornehmste unter
weiteren Söhnen (Röm 8,29). Er ist der "Erstgeborene", sowohl in der
ersten Schöpfung die durch ihn gemacht wurde (Kol 1,15), als auch in der neuen
Schöpfung (Kol 1,18), weil er als Erster aus den Toten auferstand und damit der
Anfang dieser neuen Schöpfung, und das Oberhaupt der Gemeinde wurde (Offb 1,5; Ps
89,28). Im diesem übertragenen Sinn gebraucht, bedeutet das Wort nicht,
dass Christus als erster geschaffen wurde, denn dafür stünde das Wort πρωτοκτιστος
(11,I,280; 67,321ff). Vergleiche im Gegensatz dazu μονογενης (Joh 1,14.18 ua.),
wo er als der einzigartige Sohn Gottes gesehen wird.
9 Ps
102,26-28 (LXX). Das ganze Zitat bezieht sich im Psalm auf Gott, hier bezieht es
der Schreiber auf Jesus Christus und macht ihn so Gott gleich.
10 Ps 110,1
(LXX)
11 Ohne
Artikel (vgl. Heb 12,7), d.h. in der Person eines Sohnes, durch einen der Sohn
ist, im Gegensatz zu Mittlern (z.B. Mose, Propheten, Engeln). - Mit den letzten
Tagen ist in der LXX und bei den Juden der Anbruch des messianischen Zeitalters
gemeint (2,1145; 44,654)
12 Ein Nominativ
mit Artikel anstelle eines Vokativs, daher nicht mit: "Dein Thron
ist Gott" zu übersetzen (2,1146; 13,11; 44,655; 79,21). Hier ist wieder
eine der Stellen, die die Gottheit Christi sehr deutlich herausstreichen. Vgl.
auch noch: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39; 20,28; Röm 9,5; Tit 2,13; 2Pet 1,1 ua. In
Vers 9 wird Gott der Sohn, von Gott dem Vater, unterschieden (65,III,193). "…dich, oh
Gott" (=
Christus), "…dein Gott" (= der
Vater).
13 od. als
zeitloses hebr. Perf.: "du liebst ... du hasst" (2,1146; 7,z.St.).
14 Der ewig
Unveränderliche: "Ich bin, der ich bin". Im Psalm ist Gott gemeint, hier
Christus. Der Schreiber macht Christus so Gott gleich. Zur Auflösung des alten
Universums vgl. 2Pet 3,10-13
15 Hebr. Gen.qual.:
"durch seinen machtvollen Ausspruch" (2,1145; 44,654).
16 Das kunstvoll gestaltete Vorwort (Heb 1,1-4) und die
anschließenden Zitate aus dem Alten Testament legen dar, dass Jesus als der
Sohn Gottes die Engel an Bedeutung weit übertrifft. Daher ist auch der von ihm
gestiftete Neue Bund dem Alten Bund, der nach jüdischer Auffassung durch Engel
vermittelt wurde (vgl. Apg 7,53; Gal 3,19), weit überlegen (vgl. 47,z.St.). Die
Verse 5 -14 sind ein gedanklicher Einschub. Sie sollen beweisen, dass der Sohn
über den Engeln steht (65,III,192).
17 Vgl. Hes 1,28b
1 Ps 8,5-7 (LXX). Mit Menschensohn ist im
Psalm einfach der Mensch gemeint. Der Verfasser wendet es daher auf Jesus als Mensch
an, denn die Verheißung hat in ihm schon die Erfüllung gefunden. Nur als Mensch
war er kurze Zeit niedriger als die Engel (65,III,195). Vgl. auch Anm. bei Mt
21,16
2 Vgl. Apg 7,53; Gal 3,19; Ex 3,2.4
3 Vgl. die Verheißung Jesu in Joh 14,26; 16,13 und das Bewusstsein der Apostel in 1Kor 2,10-13 ua.
4 Ps 22,23 (LXX)
5 Jes 8,17-18;
12,2; 2Sam 22,3
6 Ein t.t.
der Schiffersprache: wie ein Schiff am Zielhafen vorbeitreiben. Dies impliziert
aber nicht, dass der Wiedergeborene dadurch sein Heil verliert. Auch das Volk
Israel trieb am Ziel vorbei, da sie nicht ins gelobte Land kamen. Dennoch hat
Gott ihre Sünde vergeben (vgl. Num 14,18-21 und die Anmerkungen zu Heb 6,6ff).
7 entw. Gen.subj.:
Zuteilungen Heiligen Geistes; od. Gen.obj.: von Gott zugeteilte Gaben. Diese
Zeichen und Wunder geschahen vor allem am Anfang (Vers 3), durch die Apostel
und herausragende Verkündiger (z.B. Stephanus, Philippus), um die neue
Botschaft des Evangeliums göttlich zu bestätigen (vgl. Mk 16,20 und die Anmerkungen
dort). Gegen Ende der Apostelgeschichte sehen wir immer mehr ein Abnehmen von
Zeichen und Wundern, und die frühen Kirchenväter bezeugen, dass sie nicht mehr
geschehen.
8
Begründung für Vers 1-4. Der Sohn ist höher als die Engel, und seine Botschaft
daher umso gewichtiger.
9 D.h. bei
der Menschwerdung und bei seinem Leiden.
10 Vgl. 2Pet
1,16-18
11 υπερ (= im
Hinblick auf...) und nicht αντι (= anstelle von). Vgl. dazu Mt 20,28 und 1Tim
2,6 und die Anmerkungen dort (79,45).
12 Aorist und
nicht Perfekt, daher: "...hatte er vorübergehend
(durch seine Menschwerdung) Anteil an... ". Aber da der
Herr Jesus auch als Mensch gleichzeitig Gott war, verwendet der Autor den
Begriff: "…in nahekommender/ähnlicher Weise hatte er Anteil…". Jesus
musste Mensch werden, denn der Erlöser muss genauso ein Mensch sein, wie die,
welche er erlösen will.
13 Ptz.Präs.Pass.:
daher handelt es sich hier nicht um die Heiligung die ein für alle Mal an uns
geschehen ist und uns nicht mehr genommen wird (so in Heb 10,10), sondern, ganz
im Sinne des ermahnenden Themas im Brief, um den lebenslangen Prozess der
Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird (Heb 12,14), weil Gott
selbst sie in erzieherischer Weise an uns vollziehen wird, bevor er uns zu sich
nimmt. Der Herr erzieht und heiligt seine Kinder, ob sie es wollen oder nicht.
14 od.: "Denn, weil
er gelitten hat, und dabei selbst versucht wurde…" (79,62).
Natürlich konnte Christus nie zum Bösen versucht werden (Jak 1,13), denn Sünde
war nicht in ihm (1Joh 3,5b). "Der Herr Jesus wurde von
außen versucht, niemals jedoch von innen. Die Versuchung in der Wüste zeigt,
wie er von außen versucht wurde. Satan erschien ihm und wollte ihn durch äußere
Reize verführen. Doch der Erlöser konnte nie von inneren Lüsten und Begierden versucht
werden, denn in ihm war keine Sünde, und nichts, was auf Sünde hätte ansprechen
können. Er litt, als er versucht worden ist. Während es uns schmerzt, der Versuchung
zu widerstehen, litt er Schmerzen, während er versucht wurde"
(48,1200).
15 Ein schönes Beispiel dafür, wo man Verbalinspiration von Diktatinspiration unterscheiden kann. Bei einer Diktatinspiration hätte Gott dem Schreiber auch die genaue Bibelstelle eingegeben, bei der Verbalinspiration lässt er ihm die Freiheit zu sagen, dass er momentan nicht genau weiß, wo das Zitat steht. Für eine andere Erklärung siehe: 94,z.St. Siehe auch Heb 4,4
1 Num 12,7 (LXX)
2 Obwohl
die Anrede "Brüder" unter Juden üblich war (z.B. Apg 2,29.37; 3,17; 7,2; 13,15
ua), und man deshalb daraus noch nicht schließen kann, er würde damit unbedingt
Gläubige ansprechen, ist der Zusatz "heilige
Brüder, Mitteilhaber himmlischer Berufung"
eindeutig auf Gläubige bezogen. Der Schreiber würde solche unter denen er auch Mitläufer
vermutet, nicht so gezielt ansprechen. Vgl. auch Heb 10,19
3 Vierzig
Jahre verhärteten die Israeliten ihre Herzen in der Wüste. Fast vierzig Jahre
waren seit Jesus bis zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes schon
vergangen, und der Großteil der Juden verhärtete immer noch ihr Herz gegen den
Messias. Vom Auftreten Jesu (30 n.Chr.) bis zur Zerstörung des Tempels (70
n.Chr.) vergingen genau vierzig Jahre, in denen die Geduld Gottes mit seinem
Volk Israel zuwartete. Die Zahl 40 ist in der Bibel die symbolische Zahl für
Prüfung.
4 Als Perf.
w.: "sind wir geworden". Hier aber wahrscheinlich ein Zustandspassiv
im Sinne eines gegenwärtigen Zustands, als Ergebnis eines Geschehens in der
Vergangenheit (2,1152; 79,87). Wie in Vers 14 ist das Festhalten am
Glauben ein Beweis unseres echten Glaubens. Ein Mitteilhaber des Christus ist
nur der, der bis zum Tod am rettenden Glauben festhält (48,1202).
5 Das
Hinsterben in der Wüste war eine Züchtigung und keine Verdammnis. Außerdem wird
beim Volk Gottes in der Wüste unterschieden, zwischen der Mehrheit des Volkes die
eines natürlichen Todes starben, und denen, die durch ein plötzliches Gericht
hinweggerafft wurden, z.B. die bösen Kundschafter (Num 14,36-38), die Rotte
Korah (Num 16,1ff), oder diejenigen, die Götzendienst mit den Midianitern
trieben (Num 25,1ff). Denen aber, die in der Wüste eines natürlichen Todes
sterben mussten - übrigens auch Mose und Aaron - begleitete die Güte Gottes die
ganzen 40 Jahre lang (Dtn 8,2-5). Daher können sich die Ermahnungen des
Hebräerbriefs auch auf Gläubige beziehen die hart gezüchtigt werden, falls sie
abfallen, denen aber Gott ihren Abfall genauso vergibt, wie den in der Wüste gefallenen
Israeliten (vgl. Num 14,19-20). Vgl. auch die Anmerkungen zu Heb 6,6ff.
6 Ps
95,7-11 (vgl. Num 14,23). Nach Ps 95,11 sollte das Volk Israel eigentlich im
Land Kanaan Ruhe finden. Der Verfasser verbindet die Psalm-Stelle aber mit Gen
2,2-3 und sieht für die Gläubigen eine noch ausstehende, zukünftige Ruhe,
einerseits die Ruhe von Mt 11,28f, und im Weiteren die Ruhe im tausendjährigen
Reich.
7 Als
abschreckendes Beispiel für solche, die ihre Zuversicht nicht bis zum Ende
festgehalten haben, wird nun in Vers 7-13 die Generation Israels in der Wüste
angeführt, die das Land nicht einnehmen wollte. Das "Heute" aber wird auf die Adressaten des Briefes
angewendet. Sie sollen sich mit der damaligen Generation vergleichen, und nicht
den gleichen Fehler machen wie jene. - Hier beginnt der erste ermahnende
Einschub von Heb 3,7 – 4,13.
8 In Apg
26,19 wird das Adjektiv auch für den gläubigen Paulus verwendet. Der
Ausdruck bezieht sich also nicht nur auf Ungläubige. Wenn sich das Herz eines
Gläubigen durch Sünde verhärtet, bewirkt dies Unglaube und Ungehorsam. Der Ungehorsam
bestand darin, dass sie das Land nicht einnehmen wollten (Num 14,1ff; Dtn 1,32).
9 Der Unglaube
(ohne Artikel) bestand darin, dass sie den Kundschaftern Josua und Kaleb nicht
glaubten (Num 14,1ff). Das heißt aber nicht, dass sie nicht gläubig waren. Sie
waren erlöst durch das Blut des Passalammes.
10 Ptz.Fut.:
"...der (von Mose aus gesehen) in Zukunft
(durch Christus?) gesprochen werdenden Dinge"
(21,IV,274).
11 Das kann aber nicht bedeuten, dass der Schreiber sagen will, wir würden nur dann errettet werden, wenn wir am Glauben festhalten. Dann würde die Errettung aus Werken vollendet (vgl. dagegen Gal 3,1-3). Aber das Festhalten ist ein Beweis unseres echten Glaubens (48,1201; 89,57).
12 Wir haben jeden Tag die ermunternde Ermahnung unserer Mitgeschwister nötig. Vgl. Heb 10,25
1 Ps 95,11
2 Gen 2,2
(LXX).
3
Eine
hebräische Schwurformel, welche die Verneinung betont: keinesfalls
werden sie hineinkommen. Nach jüdischer Ansicht verkörpert die zukünftige Welt,
den endgültigen Sabbat (65,III,201).
4 Ps 95,7b-8.
Dieses "Heute" wird
damit auf die Adressaten des Briefes angewendet. Die Juden ihrer Zeit erwarteten
nämlich, dass Israel erst in der Endzeit in diese Ruhe eingehen und über das
ganze Land herrschen wird, welches Gott dem Abraham verheißen hat (65,III,201).
5
Wahrscheinlich hat der Autor eine Opferung, mit anschließender Zerlegung des
Schlachtopfers durch die Priester, im Blick. Er wendet diesen Sachverhalt auf
die überführende Wirkung von Gottes Wort an: es beurteilt und unterscheidet die
innersten Motive und trennt Gefühlsmäßiges (= Seele) von Geistlichem (= Geist).
Zur Unterscheidung von Geist, Seele und Körper vgl.
die Anm. bei 1Kor 15,45
6 Eigentlich
ein t.t. der Opfersprache: den Nacken des Opfertieres
überstrecken, um ihm die Kehle offenzulegen und dann durchzuschneiden. In der
Gräz. von Ringern, die den Hals ihrer Gegner ergreifen und verdrehen, bzw. ihren
Kopf nach hinten überstrecken, damit man das Gesicht sieht (21,IV,282; 79,114);
allg.: etw. bloßlegen; übertr.: etw. aufdecken, enthüllen und ans Licht
bringen.
7 od.:
"...mit dem wir es als Richter zu tun haben" (2,1155; 79,109). Dies
wird vor dem Richterstuhl Christi geschehen.
8 od.
viell.: "...meine, zu spät gekommen zu sein"; od.: "…zurückgeblieben
zu sein"; od.: "...unter
das Urteil falle, es versäumt zu haben" (79,94). Diese
Hebräer könnten meinen, dass sie die erhoffte Ruhe durch den Glauben an den
Messias
Jesus, aufgrund ihrer Verfolgungen versäumt haben (21,IV,278f). Doch die
Verheißung dieser völligen Ruhe (entweder die Ruhe von Mt 11,29 oder das tausendjährige
Reich) ist noch vorhanden, sie müssen sie nur im Glauben festhalten.
9 Nachdem
der Sündenfall gleichsam die Ruhe des siebten Schöpfungstages gestört hatte,
wollte Gott die Ruhe aufs Neue gründen. Diese Ruhe wird auf das Werk des Herrn
Jesus gegründet sein, welches er in der "Vollendung
der Zeitalter" (Heb 9,26) auf der Erde vollbracht hat. Aber erst im
zukünftigen Friedensreich wird diese Ruhe tatsächlich auf der Erde vorhanden
sein. Solange die Sünde noch in dieser Welt herrscht, kann Gott nicht ruhen.
Solange der Teufel noch der Fürst dieser Welt ist, bedeutet dies die Herrschaft
der Sünde. Erst dann, wenn der Satan gebunden wird, die Feinde gerichtet und
die Gläubigen verherrlicht sind, wird die Ruhe des Friedensreiches anbrechen (53,126;
2,1154). Daher heilte Jesus gerade
am Sabbat, weil der siebte Tag im Garten Eden der erste Lebenstag für den
Menschen war, und er an diesem Tag noch nichts arbeiten musste. Gott arbeitete
sechs Tage für ihn und der Mensch konnte am siebten Tag in Gottes Werk ruhen.
Das ist die geistliche Art und Weise, wie die Gläubigen der Gemeinde jetzt den
Sabbat halten. Sie ruhen in Christi Erlösungswerk.
10 Ein
Aorist der Vergangenheit. Es bezeichnet jemanden, der zur Reife gekommen ist
(Heb 6,1ff), und damit in die Ruhe nach Mt 11,29 eingegangen ist. Er ruht in
dem Werk Christi und nicht in seinen eigenen Werken. - Nach manchen aber ein
proleptischer oder gnomischer Aorist, der vom Eingehen in die Ruhe des
tausendjährigen Reiches spricht. Doch wir brauchen uns nicht zu "befleißigen" ins Reich
Gottes hineinzukommen (89,78).
11 Diese Ruhe
ist also die gegenwärtige Ruhe von der in Mt 11,29 die Rede ist und die einen
reifen Christen auszeichnet.
12 Das
Perfekt bedeutet hier im Unterschied zum Aorist, dass die Versuchung ihr Ziel
nie erreicht hat. Er hat die Erprobung für immer bestanden (2,1155; 44,662). -
Nach Joh 2,16 gibt es 3 Bereiche der Versuchung durch Satan: (1.) die Lust des
Fleisches (2.) die Lust der Augen (3.) der Hochmut des Lebens. In der Wüste
wurde Jesus exemplarisch in allen diesen drei Bereichen vom Satan versucht
(vgl. Lk 4,1-13). (1.) Die Lust nach Brot durch ein Wunder selbst zu
befriedigen (2.) sich die Herrlichkeiten der irdischen Reiche noch vor dem
Kreuz anzueignen (3.) hochmütig den Sprung in die Tiefe zu wagen (vgl.
89,83f).
13 Das
bedeutet jedenfalls, dass er, obwohl er die gleiche Art von Versuchungen hatte,
wie wir sie durch den Satan haben, nie sündigte, wie die Schrift mehrmals
bezeugt (Lk 23,41; Joh 8,46; 18,38; 19,4.6; Heb 7,26; 1Pet 2,22). Da der
Verfasser aber nicht die einfache Formulierung "ohne zu sündigen"
verwendete, wollte er darüber hinaus wahrscheinlich auch ausdrücken, dass die Versuchungen
nie eine sündhafte Neigung im Wesen Jesu ansprechen konnten, weil "Sünde
nicht in ihm war" (1Joh 3,5b; Joh 7,18; 2Kor 5,21), er war eben "ohne
Sünde". Er wurde zwar wie wir durch Satan versucht, darum kann er mit uns
mitfühlen, aber die Sünde hatte keinen Angriffspunkt in ihm (Heb 7,26; 9,14), -
im Gegensatz zu uns. Als vollkommener Mensch und Gott in einer Person,
konnte er nicht sündigen (Jak 1,13). Das machte seine Versuchungen aber nicht
weniger schmerzlich. Auch absolut reines Gold muss, um seine Reinheit zu
bezeugen, in die gleiche Gluthitze wie unreines Gold (48,1207). Der Schmerz der
Versuchung war für ihn nicht geringer als für uns. - Auch die jüdische
Theologie schreibt dem Messias Sündlosigkeit zu (79,119).
14 Im Griechischen
steht Ιησους (= Jesus), das ist aber bloß die griechische Wiedergabe des hebräischen
Namens Josua. Es ist hier Josua gemeint.
15 In der Gräz. ein milit. t.t. für die im Kampfgetümmel eilig zusammengezogenen Hilfstruppen. Als mediz. t.t.: der ärztliche Beistand und das Medikament. Oft am Ende von Bittgesuchen (37,113). Daher: die rechtzeitige Hilfe für uns, die uns widerfährt, aufgrund unseres Flehens vor dem Gnadenthron.
16 Es geht hier nicht darum, ob sie gläubig waren oder nicht, sondern dass sie der Verheißung Gottes nicht geglaubt haben (Ps 106,24b).
1 Ps 2,7 (LXX)
2 Ps 110,4.
Melchisedek war König und Priester in einer Person. Dies war nach dem
späteren Gesetz nicht möglich, da der Hohepriester aus dem Stamm Levi, und der
König aus dem Stamm Juda sein musste. Da Jesus Hohepriester nach der Ordnung
Melchisedeks ist, kann er Hohepriester und König in einer Person sein.
3 od.:
"...an dem, was er litt...". Als ewiger Sohn in der Herrlichkeit
musste er nie gehorchen, denn er war immer in vollkommener Übereinstimmung mit
dem Vater. Aber als Mensch musste er lernen, dass gehorsam zu sein mit Leiden
verbunden war (Heb 2,10b). Nicht den Gehorsam selbst musste er lernen, diesen hatte
er von Kindheit an im vollkommenen Maß bis zu seinem Tod (Php 2,7f). Der
Artikel vor "Gehorsam" bezeichnet wahrscheinlich den speziellen
Gehorsam den Kelch zu trinken (vgl. Mt 26,39 mit Joh 18,11: "Nicht mein
Wille geschehe, sondern der deine"), die Folge war
Leiden.
4 Freier:
"Darüber müssen wir eine lange Darstellung bringen, aber diese ist mit
Worten schwer auszudrücken" (7,954). In dieser nun folgenden Darstellung
(Heb 5,11 - 6,12) gibt er (1.) eine Diagnose (Heb 5,12-14): sie sind
Babys im Glauben geblieben. (2.) die Therapie (Heb 6,1-3): sie müssen im
Glauben Fortschritte machen. (3.) die Begründung (Heb 6,4-8): mangelnden
Fortschritt im Glauben, kann man nicht durch eine neue Bekehrung gutmachen. Er möchte
also folgendes sagen: die Hebräer haben im Glauben einen gefährlichen
Stillstand erfahren (V.12). Dieser Stillstand, falls er anhält, birgt die
Gefahr, unter dem Druck, in dem sie stehen (Heb 10,32-34), das Bekenntnis des Glaubens
aufzugeben (vgl. Heb 10,23-25) und zum Judentum zurückzukehren. Es war zwar
noch keiner von ihnen ins Judentum zurückgefallen, aber der Schreiber sieht bei
manchen diese reale Gefahr, falls sie nicht im Glauben Fortschritte machen.
Dabei erinnert er sie an das Schicksal des Volkes Israel in der Wüste (Heb 3,7
- 4,11 und 12,25ff). Als Israel das Land Kanaan einnehmen sollte, glaubten sie
Gott nicht und wichen zurück (Num 14,1ff.). Die darauffolgende Strafe war eine
Züchtigung, denn sie mussten 40 Jahre in der Wüste herumwandern und dort eines
natürlichen Todes sterben, wobei Gott sie in dieser Zeit trotzdem liebevoll
versorgte (Dtn 2,7 ua.). Es handelte sich dabei also nicht um eine ewige
Verdammnis, sondern um eine zeitliche Züchtigung. Gott hatte ihnen
durch die Fürsprache von Mose zwar vergeben, aber sie bekamen keine zweite
Chance, d.h. "keinen Raum zur Buße", um das Land einzunehmen (Num
14,39-45). In ähnlicher Weise würden auch die Hebräer unter Gottes zeitliche
Züchtigung fallen, falls sie vom Glauben abfallen würden. Denn auch sie
erfuhren Gottes Machttaten (Heb 6,4-6), so wie einst Israel in der
Wüste Gottes Wundertaten und seine Fürsorge erfuhr (Num 14,11).
5 entw. die
Bitte im Garten Gethsemane, dass er nicht sterben muss, so in Mk 14,36; Joh
12,57 und Mt 26,53-54; od., unwahrscheinlicher: die Bitte ihn durch
Auferstehung aus dem Tod zu erretten.
6 Nämlich
dadurch, dass er die Todesleiden bis zum Ende gehorsam ertrug (Heb 2,10; Php
2,8f).
7 Nämlich über das
Thema von Melchisedeks Priestertum als Prototyp von Jesu Priestertum (2,z.St.).
Der Gedankengang wird hier bis zu Heb 7,1 unterbrochen. Dort wird dann das
Thema über Melchisedek weiterentwickelt. Diese Einschübe von ernsten Warnungen
vor dem Rückfall ins Judentum finden sich in: Heb 3,7 - 4,13; 5,11 – 6,20; 10,23-39
und 12,1-29).
8 Sie waren
vielleicht schon 20-30 Jahre gläubig (21,IV,291). Damit ist auch klargestellt,
dass er sie als echte Gläubige ansieht. Sie sollten schon fähig sein andere zu
lehren, z.B. Väter ihre Familienangehörigen, Mütter ihre Kinder, ältere Frauen
die jüngeren Frauen, usw.
9 D.h. er
ist noch nicht fähig zu lehren (Vers 12).
10 Die erworbene
Geschicklichkeit bzw. Fertigkeit, welche durch Übung und ständigen Gebrauch,
zur Gewohnheit geworden ist.
11 Der
Schreiber denkt offenbar an den großen Versöhnungstag, wo der Hohepriester
nicht nur für die Sünden des Volkes opfern musste, sondern auch für seine
eigenen Sünden (Lev 16,6).
12 Das sind
die Grundlagen des christlichen Glaubens. Vgl. Heb 6,1-2
13 Zum geistlichen Beurteilungsvermögen vergleiche auch Dtn 1,39a; 2Sam 19,36; 1Kön 3,9 und Jes 7,16a
1 Gen 22,17
2 w.: das Anfangswort, d.h.
die Grundlagen des christlichen Glaubens.
3 Das Pass. ist eigentlich ein
nautischer t.t.: sich vom Wind (hier übertr.: vom Geist?) zum Ziel treiben
lassen. Vgl. Heb 2,1
4 Der Plural und die
Bedeutung des griechischen Wortes weisen eher auf die verschiedenen
zeremoniellen Waschungen im Judentum hin, und auf deren Gegensatz zur
christlichen Taufe, und nicht auf die verschiedenartigen Taufen (Johannestaufe,
Geistestaufe, usw.), - und das umso mehr, da der Brief an Juden-Christen
gerichtet ist, bei denen die christliche Taufe der
letzte Schritt zur Trennung vom Judentum ist (89,98; 94,z.St.).
5 od.: "ein einziges Mal"
(wie in Heb 9,7.26-28). Falls aber die Bedeutung "ein für alle Mal"
hier zutrifft, würde er von echten Gläubigen sprechen. Es bezieht sich auch auf
die folgenden Partizipien (94,z.St.).
6 Nicht nur: "...gekostet".
Das Wort schmecken bedeutet, etwas so lange zu kauen, bis man einen
Geschmack von der Sache bekommt. Daher bedeutet es, etwas intensiv kennenlernen.
Jesus hat den Tod nicht nur gekostet, sondern geschmeckt ( Heb
2,9). Vgl. auch Mt 16,28 ua.
7 Ohne Art.: an den Kräften oder
Auswirkungen des Heiligen Geistes, wie sie in der Anfangszeit in den Zeichen
und Wundern zum Ausdruck kamen (vgl. Heb 2,3-4).
8 Besonders die Hauhechel,
im Gegensatz zu Nutzpflanzen (2,z.St.).
9 Bezieht sich grammatisch
wahrscheinlich auf die Erde (= Sg.Fem.; Vers 7), möglich auch auf die
Verfluchung (= Sg.Fem.; Vers 8) des Erdbodens (2,z.St.), keinesfalls aber auf
die Personen (da Sg.Fem.), von denen die Rede ist. Der ganze
Vergleich ist ein Bild. Ein Feld mit gutem Ertrag freut den Besitzer, aber ein
Feld mit unbrauchbarem Ertrag wird abgebrannt. - Echter Glaube bringt gute
Früchte. Aber es schwingt auch der Gedanke an den Richterstuhl Christi mit,
denn dort werden die unnützen Werke des Fleisches, die ein Gläubiger
hervorgebracht hat, auch verbrennen, er selbst aber wird gerettet werden (1Kor
3,12-15).
10 übertr.: die Gläubigen
nehmen sinnbildlich Zuflucht bei "den Hörnern des Altars", auf dem
sich der Herr Jesus geopfert hat. Sie werden dort vom Gericht verschont, weil
er als Hohepriester mit seinem Blut ins himmlische Heiligtum hineingegangen ist,
um für ihre Sünden Sühnung zu erwirken.
11 In der Stiftshütte war das
Heilige und das Allerheiligste durch einen Vorhang getrennt. Nur einmal im Jahr
durfte der Hohepriester am Versöhnungstag mit dem Blut von Opfertieren das
Allerheiligste betreten, um Sühnung zu erwirken durch die Besprengung des
goldenen Sühnedeckels der Bundeslade mit Opferblut (vgl. Hebr 9,1-10; Lev
16,1ff). Das Allerheiligste ist für den Hebräerbrief ein Bild für den Himmel,
den Ort, an dem Gott wohnt.
12 Griechisch: προδρομος, der
Vorläufer. Die militärische Vorhut, die vorausgeschickt wurde, um Beobachtungen
zu machen und Spionage zu betreiben. Leicht bewaffnete Soldaten, die an den Ort
vorausgeschickt wurden, wohin der Rest der Truppe ihnen dann folgte. Der
Vorläufer, der vor einem König vorausgesandt wurde, um ihm dem Weg zu bereiten.
Der Vorläufer in einem Wettrennen. Als nautischer t.t.: von leichten Schiffen,
die vorausgesandt wurden. Der Ausdruck beinhaltet immer, dass der Rest der
Gruppe dem Vorläufer nachkommt (10,VIII,235; 16,249; 21,IV,305; 52,IV,1154; 57,II,1104;
63,1475; 65,III,210). - Im Zusammenhang mit dem Bild des Ankers ist vielleicht an
einen Umstand zu denken, wo Schiffe wegen widriger Windverhältnisse nicht in
den Hafen einfahren konnten und ein Ruderboot (einen Vorläufer) mit dem
angeseilten Schiffsanker in den Hafen vorausschickten. Den Anker konnte man dort
an Land befestigen und das Schiff dann mittels des Ankerseiles, entgegen dem
Wind, in den Hafen ziehen. Christus hat bildlich gesprochen bei seiner
Himmelfahrt den Anker unserer Seelen in den himmlischen Tempel mitgenommen und
dort selbst befestigt. Darum ist unsere Errettung auch sicher und fest, und er
wird uns zu sich in die Herrlichkeit nachholen.
13 D.h. den Herrn Jesus noch einmal ans
Kreuz schlagen (so wie ihn die Römer zuerst ans Kreuz schlugen), und ihn so der
Schande preisgeben würden. Dies ist aber gar nicht möglich, weshalb eine
Erneuerung zur erstmaligen Buße ausgeschlossen ist. Man kann sich nur
einmal bekehren, und daher nicht noch einmal bekehren.
14 Der Ausdruck "erleuchtet"
wird in Eph 1,18 und Heb 10,32 für echte Gläubige verwendet, in Joh 1,9 allerdings
für alle Menschen. - Der Autor zieht eine Parallele zu den Israeliten in der
Wüste bei Kadesch-Barnea. Auch sie wurden durch das Licht der Feuersäule "erleuchtet",
sie hatten miterlebt, wie der Heilige Geist auf die 70 Ältesten kam, sie hatten
das Manna "geschmeckt" und die Aussprüche Gottes durch das Gesetz
Mose, und sie sahen die großartigen Wunder Gottes (89,111).
15 Der Ausdruck wird in Heb
3,1.14 und 12,8 für echte Gläubige verwendet.
16 w.: die Vollkommenheit; d.h.
die volle Reife in der Glaubenslehre, im Gegensatz zum Anfängerstadium, in dem
sie steckengeblieben waren. Vgl. Eph 4,14
17 Vgl. Kap 9,14. Mit toten
Werken sind die wahrscheinlich die menschlichen Anstrengungen gemeint, um durch
(Gesetzes)Werke vor Gott gerecht zu werden. Oder die Rituale des Judentums.
18 Alle sechs Themen sind
"evangelistische Basics" für einen Juden vor und nach seiner
Bekehrung.
19 Der Verfasser dürfte im gesamten
Brief (z.B. Heb 2,1-3; 3,7-19; 4,11; 6,1-12) die Begebenheit von Num 13,1 - 14,45
als Vergleich in Gedanken haben. Auch damals machte das Volk Gottes mit dem Passah
und dem Durchzug durch das Schilfmeer einen guten Anfang (vgl. Heb 6,1ff), auch
damals erlebten sie Gottes Wunder (vgl. Num 14,22-23 mit Heb 2,4 und 6,5). Aber
durch ihren Unglauben konnten sie damals das Land Kanaan nicht einnehmen (vgl. Num
14,11 mit Heb 3,12 und 4,2.11). Und auch damals bekamen sie keine zweite Chance
zur Buße (vgl. Num 14,39-41 mit Heb 6,4a.6). Aber das bedeutete nicht, dass sie
verworfen wurden (vgl. Num 14,17-20 mit Heb 6,9-10), sondern Gott züchtigte sie
nur, sodass sie in der Wüste sterben mussten (vgl. Num 14,21-35 mit Heb 10,26-31
und den Anmerkungen dort, sowie mit Heb 12,4-11). Mose trat hohepriesterlich
für sie ein (vgl. Num 14,13-19 mit Heb 3,1-2; 4,14-15; 6,19-20 ua.). Ja sogar
in der anschließenden Zeit der 40-jährigen Züchtigung, sorgte Gott fürsorglich
für sie (Dtn 8,2-5; Amos 2,10b). Die Aufwiegler in Num 14,36-38 und die Rotte
Korach in Num 16,1-35 hingegen, fielen der sofortigen und verdammenden Strafe
Gottes zum Opfer, denn sie waren Gottlose (Ps 106,18).
Diesen Gedanken, dass Gott sein Volk züchtigt, wenn sie sündigen, ihnen aber
gleichzeitig auch vergibt, finden wir auch in Ps 89,31-35. Wenn Gott schon bei
seinem irdischen Volk Israel so handelt, wie viel mehr dann, bei seinem
himmlischen Volk, der Gemeinde.
20 Dass er sie mit Geliebte anspricht,
beweist, dass er sie als echte Gläubige ansieht. - Es sind hier die Früchte (Vers
10) einer echten Errettung gemeint. Daher ist er auch überzeugt, dass sie an
ihrer Errettung festhalten werden (94,z.St.). Oder er spricht von der
zukünftigen Errettung (vgl. Vers 11: "…bis ans Ende"), so: 79,160f;
2,1160. - Eine solch abschwächende Formulierung war damals bei den Moralisten
üblich, wenn sie davon ausgingen, dass ihre Zuhörer nicht auf den
falschen Weg kommen würden. Wenn sie aber vom umgekehrten Fall ausgingen, verwendeten
sie stärkere Ausdrücke (65,III,208). Damit wird aber auch ausgesagt, dass noch
keiner in dieser Weise abgefallen war (79,155).
21 Plural, d.h. uns Gläubigen.
22 "Deshalb", obwohl
sie eigentlich schon fähig sein sollten andere zu lehren, aber noch in den
Anfängen des Christenlebens stecken geblieben waren, muss er ihnen nun trotzdem
feste Speise anbieten, d.i. die Lehre über das Hohepriestertum Melchisedeks. Es
würde keinen Sinn machen, für solche die träge geworden sind, die Anfangslehren
nochmals zu wiederholen. - Es kann nicht sein, dass sich die folgenden
Ermahnungen auf solche beziehen, die nicht wirklich wiedergeboren waren. Wie
könnte der Schreiber solche die er als bloße Bekenner einstuft, ermahnen, im
Glauben voranzugehen. Sie könnten es ja gar nicht. Die ganze Ermahnung macht
nur Sinn, wenn sie dazu dient, wahre Gläubige zum Durchhalten anzuspornen, da
sie ansonsten schwer gezüchtigt werden, so wie das Volk Israel in der Wüste.
Dass es auch unter den Hebräern Scheingläubige gab, schließt sich damit
natürlich nicht aus (88,377; 89,95ff).
23 Der Verfasser verwendet hier nicht
das übliche Wort für abfallen (αφ-ισταμαι; so in Lk 8,13; 1Tim 4,1 und Heb 3,12;
oder απο-στασια, so in Apg 21,21 und 2Thes 2,3), sondern das Wort παρα-πιπτω: "Vom
Weg abkommen"; "das Ziel verfehlen" (vgl. die Anm. zu Heb 6,1). Damit
wird zwar deutlich ausgesprochen, dass solche die einen guten Anfang im Glauben
gemacht haben, das Ziel der Reife im Glauben verfehlen können. Es ist aber damit
nicht gesagt, dass ein Wiedergeborener sein ewiges Leben wieder verlieren
kann. Aus folgenden Gründen scheint dies ausgeschlossen: (1.) Der Wiedergeborene
ist nach Röm 8,29 von Gott vorherbestimmt die Herrlichkeit zu erreichen.
(2.) Der Wiedergeborene ist durch den Glauben bereits gerecht gesprochen (Röm
5,1 ua.). Eine Rechtfertigung nur auf "Bewährung", die wieder
rückgängig gemacht wird, kennt die Schrift aber nicht. (3.) Die Erlösung des
Wiedergeborenen ist nach Heb 9,12b eine ewige Erlösung. Sie wird also
nicht rückgängig gemacht. (4.) Bei der Wiedergeburt erhält man ewiges
Leben und kommt nicht mehr ins Gericht (Joh 5,24). Ewiges Leben kann nicht
wieder aufhören, sonst wäre es nicht ewig. (5.) Der Wiedergeborene wird nach
1Pet 1,5 in der Kraft Gottes durch Glauben bewahrt zur zukünftigen
Errettung. Es ist nicht seine Kraft oder Treue, die in durchhalten lässt. (6.)
Nach 1Joh 5,4-5 überwindet der Wiedergeborene durch seinen Glauben die
Welt. (7.) Doch selbst wenn der Wiedergeborene Christus untreu würde, bliebe
Christus ihm dennoch treu (2Tim 2,13). - Wenn ein Wiedergeborener vom Glauben
abweicht, wird er geistlich verdorren (Joh 15,6), er wird seine Glaubensfreude
verlieren und Gott wird seinen Segen von ihm zurückhalten. Es wird ihm so
ergehen wie den Israeliten, die nicht ins verheißene Land ziehen wollten, und
daraufhin keinen Raum zur Buße mehr bekamen, sondern gezüchtigt wurden und in
der Wüste sterben mussten (Num 14,1-45). Ebenso wird ein Gläubiger der abfällt
gezüchtigt werden, aber nach seinem Tod wird er in die Herrlichkeit Gottes
eingehen. Er wird gerettet werden, - doch so "wie durchs Feuer
hindurch" (1Kor 3,15). Dies war z.B. auch bei König Manasse der Fall (2Chr
33,12-16), und wurde dem sündigenden Bruder in 1Kor 5,5 angekündigt.
24 Wenn ein abgefallener
Judenchrist ins Judentum zurückkehren wollte, musste er angeblich ein Schwein
schlachten, dessen Blut mit Füssen treten und dabei sagen: "So achte ich
das Blut Jesu für gemein".
25 Das "unmöglich"
bezieht sich auf die Erneuerung zur Buße in Vers 6. Man kann sich nicht zweimal
bekehren, und es ist auch nicht nötig, denn die erstmalige Errettung ist eine
ewige Errettung (Heb 9,12).
26 Dies galt als höchste
Garantie für einen Schwur (65,III,209).
Hebräer 7
1 Gen 14,17-20
2 Ein Irrealis,
daher kam die Vollendung nicht durch das levitische Priestertum, sondern durch
Jesus.
3 In Gen
14,20 ist die erste Erwähnung des Zehnten, noch bevor ihn Mose im Gesetz
festlegte. Damit anerkannte Abraham Melchisedek als Priester, und zwar schon
vor dem Gesetz Mose, und damit freiwillig. Melchisedek war demnach größer als
Abraham, und damit noch größer als Abrahams Nachkommen, das levitische
Priestertum. Das spätere Judentum lehrte, dass Gott dem Melchisedek das
Priestertum wieder entzogen hat, weil dieser Abraham segnete, noch bevor Gott
ihn gesegnet hatte, aber das stimmt natürlich nicht (65,III,211). Ein Gebot für
den Zehnten für die Gläubigen der Gemeinde, lässt sich übrigens nicht davon
ableiten, dass dieser hier von Abraham gegeben wurde. Denn dies war ein
einmaliges Ereignis, und er gab den Zehnten nicht von seinem Besitz, sondern
nur von der Beute (89,134). Wäre der Zehnte auch für die Gemeinde verbindlich,
wäre hier für den Schreiber eine einmalige Gelegenheit gewesen, dies zu sagen.
4 Ps 110,4
5 So wie
der Hohepriester sieben Tage vor dem großen Versöhnungstag unter "Quarantäne"
stand, um sich nicht zu beflecken, so war der Herr Jesus während seines ganzen
Erdenlebens innerlich abgesondert von den Sündern, obwohl er täglich
engen äußerlichen Kontakt mit ihnen hatte (21,IV,318).
6 Stammbaumlos,
also jemand dessen Vorfahren nicht in Geschlechtsregistern erfasst oder
vorzuweisen sind. Für die Eignung zum levitischen Priestertum war ein
zweifelsfreier Nachweis der Abstammung von Aaron unbedingt notwendig (vgl. Neh
7,63-65). Melchisedek hatte diesen aber genauso wenig wie Jesus, was ein Grund
zum Amtsausschluss war, - und doch waren sie beide legitime Priester Gottes,
aber eben nach einer anderen Priesterordnung. Vaterlos und Mutterlos bedeutet
natürlich nicht, dass Melchisedek weder Vater noch Mutter hatte, sondern
einfach, dass in der Schrift kein Stammbaum von ihm genannt ist und sein Tod
nicht erwähnt ist. Doch er war eine historische Person (94,z.St.).
7 Ein
juristisch-kaufmännischer t.t. in Geschäftsdokumenten: die rechtsgültige Aufhebung
bzw. Annullierung einer Vorschrift oder eines Vertrags (65,III,212).
8 Das Wort
für "Bund" oder "Pakt" ist im Griechischen eigentlich συνθηκη. Dieses
Wort wurde jedoch von den Übersetzern der LXX wohl bewusst nicht verwendet,
weil es den Gedanken an einen Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern in
sich trägt, was bei einem Bund zwischen Gott und Mensch ja nicht der Fall ist
(37,148).
9 "...ist es offenkundig",
nämlich, dass das Gesetz geändert werden musste; od. viell.: "...ist es offenkundig",
nämlich, dass ein andersartiges Priestertum eingeführt werden musste
(21,IV,312).
10 Hier
nicht in dem Sinn wie in Heb 9,24ff, um als Hohepriester ein für alle Mal unsere
Sünden durch sein Opfer zu sühnen, sondern, so wie der Hohepriester täglich ins
Heiligtum hineinging, um nach Ex 28,12-13.29-30.38, für uns vor Gott zu
erscheinen, und für unsere Mängel vor Gott einzutreten. Vgl. Röm 8,26-27.34
11 Das
Perfekt macht klar, dass der Sohn Gottes vor Melchisedek existierte.
Also nicht der Sohn Gottes wurde Melchisedek ähnlich gemacht, sondern
Melchisedek wurde dem menschgewordenen Sohn Gottes ähnlich gemacht.
12 Die ganze Argumentation von Kapitel 7 zielt darauf ab, wie unnötig, ja unsinnig es wäre, zum alten Tempeldienst, und zum Gesetz Mose zurückzukehren.
1 Ex 25,40
2 Jer
31,31-34
3 Im
Gegensatz zum Vorbild der Stiftshütte.
4 Dieses
Verschwinden wurde 70 n.Chr. durch die Zerstörung des Tempels und seines
Gottesdienstes Wirklichkeit. Es gibt eine Stelle im Talmud (Mischnatraktat 39b)
mit folgendem Wortlaut: "Vierzig Jahre, bevor das Haus des Heiligtums
zerstört wurde, erlosch die westliche Lampe, und das karmesinrote Wollband
blieb rot, und das Los Gottes kam zur linken Seite hervor; und man verschloss
die Türen des Tempels am Abend, und als man morgens aufstand, fand man sie
geöffnet. Es sagte Rabban Jochanan ben Sakkai: Tempel, warum erschreckst du
uns? Wir wissen, dass dein Ende Zerstörung ist, wie in Sach 11,1
geschrieben
steht: Öffne Libanon, deine Türen, und Feuer wird deine Zedern verzehren".
Der Hintergrund ist folgender: Während der 40-jährigen Amtszeit des
Hohepriesters Simon des Gerechten, kam beim großen Versöhnungstag das "Los
für den Herrn" immer in seine rechte Hand, was als gutes Zeichen
von Gott gewertet wurde. Und der karmesinrote Faden, der an der Tempeltür
befestigt war, wurde immer weiß, wenn der Sündenbock in der Wüste
gestorben war. Und das westlichste Licht am siebenarmigen Leuchter im
Heiligtum, brannte immer länger als die anderen sechs Lichter, obwohl es
als erstes angezündet wurde und genauso viel Öl hatte wie die anderen sechs
Lichter. Die Juden verstanden diese Wunder-Zeichen als Gottes Annahme ihres
Opfers am Versöhnungstag. Doch ab dem Todestag Christi im Jahr 30 n.Chr., also
40 Jahre vor der Zerstörung des Tempels, traten diese guten Zeichen niemals
mehr ein, denn die Opfer hatten mit dem Tod Christi ihre Notwendigkeit verloren
(58,277f; 36,707). Auch Josephus erzählt diese Begebenheit, allerdings
ausführlicher (Josephus, Bella Judaicum VI,5,2-4).
1 Ex 24,3-8; vgl. die Worte Jesu bei der
Einsetzung des Abendmahls in Mt 26,28
2 od.: die
Kultbestimmungen (2,z.St.).
3 Dieser
befand sich zwar im vorderen Zelt-Raum, also vor dem Scheidevorhang, war aber
in Bezug auf den Priesterdienst aufs engste mit dem Allerheiligsten verbunden. Der
Weihrauch zog durch den zweiten Vorhang ins Allerheiligste hinein. Vgl. Ex
30,1-6; Lev 16,12-13; 1Kön 6,20-22; 9,25 (2,1170; 94,z.St.). Dass der Schreiber
nicht wusste, dass der Räucheraltar im Heiligen und nicht im Allerheiligsten
stand, ist völlig undenkbar. - Da das Wort aber in der LXX immer Räucherfass
bedeutet, und hier ohne Artikel steht, meinen manche Ausleger, dies wäre auch
die Bedeutung hier (89,152). Das Räuchern war nach Lev 16,12 eine wichtige
Tätigkeit des Hohepriesters am Versöhnungstag (79,239ff). Für andere
Erklärungen siehe: 64,659ff. und 65,III,217.
4 Das
impliziert aber, dass der Autor über die symbolische Bedeutung der einzelnen
Geräte der Stiftshütte etwas zu sagen hätte.
5 Damit
sind wahrscheinlich die Opfernden gemeint und nicht die Priester, die die Opfer
darbringen.
6 Manche Hs.:
"...der zukünftigen Güter".
7 Zwischen
den Cherubim offenbarte sich Gott in seiner Herrlichkeit, darum wurde die
Bundeslade der "Thron Gottes" genannt (vgl. Ex 25,17-22). Auf den
goldenen Sühnedeckel wurde am Versöhnungstag vom Hohepriester das Blut
gesprengt (vgl. Lev 16,2.14).
8 Nach Num
19,1ff war zur Herstellung des Reinigungswassers die Asche einer roten jungen Kuh
erforderlich. Mit diesem Wasser wurden alle besprengt, die sich durch Berührung
von Leichen verunreinigt hatten. Daneben galt das Blut von Opfertieren als
Entsühnungsmittel. Vgl. Lev 16,1ff (47.z.St.).
9 "Bund"
und "Testament" werden im griechischen Text durch dasselbe Wort
ausgedrückt (vgl. 47,z.St.), siehe die Erklärung unter Strong Nr. 1242 im
Griechisch-Deutsch Strong Lexikon.
10 Die
Verwendung der beiden Aoriste und des Perfekts zeigen, dass es hier um durch
sein einmaliges Opfer geht. Er ist ein für alle Mal in den Himmel
gegangen, um unsere Sünden zu sühnen, so wie der Hohepriester am großen
Versöhnungstag (Lev 16,1ff). Anders in Heb 7,25, wo er täglich als
Hohepriester für unsere Mängel vor Gott erscheint (Ex 28,12-13.29-30.38).
11 Med.
viell.: "...von sich aus, gefunden habend", weil
durch sein eigenes und nicht durch fremdes Opferblut. Ewige Erlösung
bedeutet, dass sie nicht mehr rückgängig gemacht wird.
12 Nach Ex
40,9 wurde das Zelt bei seiner Einweihung mit Öl gesalbt, aber nach einer
Tradition von Josephus (Antiquitates III,8.6) wurde dabei zusätzlich auch Blut
verwendet.
13 Warum
brauchen die Himmlischen Dinge überhaupt Reinigung? Vielleicht durch die Präsenz
Satans, wenn er vor Gott tritt, um die Brüder zu verklagen?
14 Die
Sünden vieler und nicht aller, also die Sünden der Auserwählten
die gläubig werden. Vgl. Jes 53,12 und die Anmerkungen bei Mt 20,28
15 So wie
der Hohepriester am Versöhnungstag vom Volk erwartet wurde, wenn er wieder aus
dem Tempel herauskam (21,IV,341). Es ist die zukünftige und endgültige
Errettung gemeint (1Pet 1,9-10).
16 Der Impf.
bezeichnet hier die Nichtwirklichkeit: "… hätte leiden
müssen, - was ja nicht der Fall war" (2,z.St.).
17 In
manchen Hs. fehlt der Artikel, was gut passen würde, da Sünde dann als Prinzip
oder Macht bezeichnet wäre: "…zur
Ungültigkeitserklärung vom Prinzip der Sünde"
(vgl. 1Kor 15,54-57).
18 Im hebr.
heißen sie wörtlich "Brot des Angesichts"
(42,1210; 33,148). Sie sollen, so wie der siebenarmige Leuchter, die beständige
Heiligkeit des Volkes Israel (12 Stämme) vor dem Angesicht Gottes
symbolisieren.
1 Frei nach LXX Ps
40,7-9
2 Das
Perfekt impliziert, dass der Gottesdienst im Heiligtum noch stattfindet, und
demnach eine Abfassung des Briefes vor 70. n.Chr. feststeht, was aber die
Verfasserschaft des Paulus auch noch nicht beweisen würde.
3 Perf.:
ein für alle Mal mit Blut besprengt und in Wasser gebadet, wie die Priester bei
ihrer ersten Einweihung zum Dienst (Ex 29,1a.4.21; Lev 8,6.30). Vielleicht eine
Anspielung auf die Taufe.
4 Den Tag
der Wiederkunft? Oder vielleicht der Tag des Gerichts, wie in 1Kor 3,13 und 4,3.
Die Zerstörung Jerusalems stand kurz bevor, die Zeichen eines Krieges mit den
Römern waren augenscheinlich (21,IV,347).
5 Die Verse
32-35 zeigen, dass der Schreiber die ab Vers 26ff. Angesprochenen als wahre
Gläubige ansieht. Es würde keinen Sinn machen, solche, von denen er vermutet,
dass sie keine echten Gläubigen sind, zum Durchhalten im Glauben anzuspornen.
Diese Hebräer hatten schon so viel für den Glauben gelitten, so dass es sich
lohnte auch weiterhin durchzuhalten, um den Lohn am Richterstuhl Christi nicht
zu verlieren.
6 Jer 31,33f.
7 Wenn ein
abgefallener Judenchrist ins Judentum zurückkehren wollte, musste er ein
Schwein schlachten, dessen Blut mit Füssen treten und dabei sagen: "So
achte ich das Blut Jesu für gemein". Keiner der Angesprochenen hatte dies
getan, aber der Schreiber will sie warnen, diesen Schritt ja nicht zu tun. Die
Frage ist, ob jemand der dies wirklich tut, überhaupt wiedergeboren war. Darum
ist der Schreiber auch überzeugt, dass seine Zuhörer, die er für wiedergeboren
hält, diesen Schritt nicht tun werden (siehe Vers 39).
8 Dtn 17,6
spricht von der Todesstrafe, aber nicht vom Verlust des Heils.
9 Dtn
32,35.36
10 Ps 135,14.
Beide Zitate zeigen, dass der Herr sein Volk zwar für ihren Abfall richten
wird, dass er sich aber danach auch wieder über sie erbarmen wird. Auch dies
spricht dafür, dass der Verfasser, im Falle eines Abfalls, an strenge
Züchtigung, und nicht an Verwerfung, denkt.
11 Vgl. Jes 26,20 (LXX)
12 Hab 2,3-4 (LXX)
13 Im
Gegensatz zur Wirklichkeit des neuen Bundes.
14 Mit dem
Wort Verderben muss hier keineswegs das ewige Verderben gemeint sein, es
kann auch das leibliche Verderben durch Züchtigung gemeint sein (vgl. 1Kor
5,5). Dafür würde auch der zweite Teil des Verses 38 sprechen: "…kein
Wohlgefallen an ihm haben". Doch selbst wenn das ewige Verderben gemeint
wäre, ist der Schreiber davon überzeugt, dass seine Leser nicht zu denen
gehören, die dieses Verderben treffen wird, sondern zu denen, die durch ihren
Glauben die Errettung der Seelen gewinnen.
15 Eigtl. Plural:
in die beiden Heiligtümer, d.h. durch das Heilige hindurch ins Allerheiligste!
Hier ist aber der Himmel selbst gemeint. - Obwohl die Anrede "Brüder"
unter Juden üblich war (z.B. Apg 2,29.37; 3,17; 7,2; 13,15 ua), und man deshalb
noch nicht schließen kann, er würde damit unbedingt Gläubige ansprechen, ist
der Rest des Satzes eindeutig auf Gläubige bezogen. Der Schreiber würde solche,
unter denen er Mitläufer vermutet, nicht so ansprechen. Vgl. auch Heb 3,1.
16 In der
Gräz. urspr.: frisch geschlachtet (von Opfertieren). Doch die zweite Komponente
des Wortes verschwand schon zu einem frühen Zeitpunkt, sodass es später nur
noch "frisch" bedeutete! In der LXX nur im Sinne von: neu, frisch,
eben erst entstanden (Num 6,3; Dtn 32,17; Ps 81,9). Im NT ist folgende
allgemeine Bedeutung anzunehmen: ganz frisch und neu; erst kürzlich gemacht;
gerade eben; noch nie dagewesen. Siehe Strong Nr. 3820 im Gegensatz dazu.
17 D.h.
seinen Leib als Opfer dargebracht.
18 Präs.
entw. durativ: "ständig..."; eher aber iterativ: "...von Zeit zu
Zeit". Das regelmäßige Zusammenkommen der Gläubigen ist eine Anordnung des
Herrn (Lk 22,19b; Mt 18,20) und Praxis der Urgemeinde (Apg 2,42; 20,7; Heb
10,24-25). Es ist daher für uns verbindlich, - auch in Zeiten von
Versammlungsverbot und Verfolgung!
19 eher.: "...sind
wir ein für alle Mal geheiligt worden…" (79,304f); viell.: "...durch
die ein für alle Mal erfolgte Darbringung des Leibes Jesu Christi…" (2,z.St.).
20 Ein
Adjektiv als Prädikats-Akkusativ und kein Adverb (79,319; 47,z.St.). Manche
übersetzen allerdings: "Lasst uns unwandelbar festhalten..." (2,1178,
9,z.St.).
21 Vgl. Num
15,30f. Das bedeutete im AT, es gab in diesem Fall keine Möglichkeit mehr,
durch ein Opfer Sühnung zu erlangen, sondern man wurde durch die Todesstrafe
aus dem Volk Gottes entfernt. Für die Hebräer (und uns!) bedeutet das, unter
die strengste Züchtigung Gottes zu fallen.
22 So
bedrohlich diese Androhungen auch klingen, sie müssen keineswegs auf eine ewige
Verwerfung der Betreffenden hinweisen, sondern sie sprechen eher von strenger
Züchtigung wie die folgenden Parallelstellen nahelegen: Dtn 4,21; Ps 79,5; 1Kor
5,3.12; 11,31f; Jak 5,12; Heb 12,29; 13,4; Jer 30,11. Dafür spricht auch, dass
das Wort Gericht im Griechischen ohne Artikel steht. Der verzehrende Feuereifer
wird die Widersacher verzehren, nicht die Gläubigen. Die abfallenden
Gläubigen aber trifft die züchtigende Wirkung dieses Feuers (vgl. 1Kor 3,15; Jes
26,11).
23 In Sam
24,14 vom gläubigen David, der zwar von Gott gezüchtigt, aber nicht verworfen
wurde.
24 Das
Perfekt drückt aus: besprengt, und dadurch ein für alle Mal gereinigt (vgl. Apg
15,9).
25 Damit
sind die anderen Gläubigen gemeint, die schon vor ihnen all dies erduldet
haben.
26 Vgl. Lk
21,19
27 Mit den "Brüdern"
muss er hier Wiedergeborene meinen, denn nur sie haben Freimütigkeit zum
Eintritt in das Heiligtum. Folglich denkt er auch im Rest des Kapitels an
Wiedergeborene, und dies ist auch das Thema seines ganzen Briefes (Heb 13,22). Andernfalls
hätte er klar zwischen echten und unechten Gläubigen unterschieden, wie das in
anderen Stellen des NT ja auch geschieht, z.B. Mt 7,21-23; 25,1-13; 2Kor 11,13.26;
Gal 2,4; 2Pet 2,1 ua. Dass er auch in diesem folgenden Abschnitt an
Wiedergeborene denkt, dafürspricht, dass er immer wieder von "wir"
und "uns", sowie vom "Festhalten" und "Ausharren"
spricht. Das sagt man nicht zu solchen, von denen man befürchtet, dass sie
vielleicht gar keine echten Gläubigen sind. Worin sollten sie festhalten und
ausharren, - in einem falschen Bekenntnis? Er würde sie vielmehr zur Buße
auffordern.
28 Wahrscheinlich
akt.:
die Tätigkeit des Bekennens (79,319); viell. pass., dann: der Inhalt des
Bekenntnisses (2,z.St.).
29 Ptz.Präs.: beständig; vgl. Heb 3,13
Hebräer 11
1 Gen 21,12 (LXX)
2 Gen 47,31
(LXX)
3 od.: die feste
Grundlage bzw. Garantie für das Erhoffte; od.: das Festhalten an dem, was man
hofft (2,z.St.); oder als kaufmännischer t.t.: die „Eigentumsurkunde“, als das,
was den noch nicht greifbaren Dingen, Realität und Garantie gibt. "Der
Glaube ist eine Eigentumsurkunde der erhofften Dinge" (37,660; 65,III,231).
LXX: die Hoffnung.
4 od.:
"dieses Opfer".
5 od.:
"er gehorchte sofort, als er gerufen wurde herauszukommen".
6 Im
Altertum ist καταβολην σπερματος zwar ein t.t. für die Befruchtung durch den
Mann beim Geschlechtsverkehr, aber auch ohne diesen speziellen Sinn ist der
Ausdruck auf die Frau (d.h. Sara) beziehbar, wie ein Vergleich von καταβολη =
Grundlage in Heb 4,3 und 9,26, sowie σπερμα = Nachkommenschaft in Heb 2,16 und
11,18 zeigt.
7 Möglicherweise
ist Sara das Subjekt (8,z.St.; 47,z.St.; 94,z.St.). Denn, dass Abraham impotent
war und dann durch Glauben potent wurde ("durch Glauben Kraft bekam zur Einsenkung
des Samens"), kann kaum der Fall sein. Denn er schwängerte davor noch
Hagar, und nach dem Tod von Sara heiratete er noch einmal und zeugte mit
mindestens 140 Jahren noch 6 Söhne (Gen 25,1), er war also nicht impotent. Allerdings
wird in Röm 4,19 und Heb 11,12 angedeutet, dass auch Abraham angesichts
seines hohen Alters an der Möglichkeit einer Zeugung zweifelte. Falls man
aber Abraham als Subjekt verstehen will, wäre zu übersetzen: "Durch
Glauben empfing er, - obwohl Sara selbst unfruchtbar war, - Macht zum Einsenken
des Samens, und zwar hinaus über den Zeitpunkt des erforderlichen Lebensalters,
weil er ja den für treu hielt, der es versprochen hatte" (7,z.St.; 27,672).
Oder vielleicht als Dat.sociativus, wenn εις wie in
Heb 10,19 zu verstehen ist: "Durch Glauben empfing er auch zusammen mit
Sara,…Macht zur Einsenkung des Samens (2,1183; 79,358). Sein schwach werdender
Glaube in Gen 16,1-4 und in Gen 17,17-19 wird stillschweigend und gnädig
übergangen.
8 Das sind
Abrahams Nachkommen.
9 Perf.:
eine im Herzen vollzogene Tatsache, obwohl er ihn dann doch nicht
tatsächlich schlachten musste.
10 Präs.:
ein Prozess der nach Gen 22,3 bis zum Morgen dauerte. "Er hat ihn (im
Herzen schon) dargebracht (Perf.)…als versucht werdend (Präs.)… weil/nachdem
berechnet habend (effektiver Aorist)…".
11 Das sind
die Schmähungen, die Christus erlitt und die auch sein alttestamentliches und
neutestamentliches Volk erleiden müssen.
12 Den
Unsichtbaren hatte er gleichsam dauernd vor Augen (1,823).
13 Samuel galt
als der letzte Richter und der erste Prophet (Apg 3,24; 13,20).
Interessanterweise fehlen die Glaubensmänner Josua, Kaleb, Othniel, Ehud und
Schamgar, während die fehlerhaften Richter Gideon (trotz Götzendienst), Simson
(obwohl fleischlich) und Jephtha (obwohl voreilig), schon genannt werden. Ebenso
eigenartig wird Gideon vor Barak, Simson vor Jephtha und David vor Samuel
gereiht.
14 αστειος, eine
Ableitung von αστυ (= Hauptstadt), von ai. v-stu (Haus,
Wohnstätte) aus d. W. ves- (sich aufhalten). In Gräz.: "städtisch" -
d.h. vornehm, elegant, hübsch, von guten Manieren und Benehmen, höflich,
gebildet und vorwitzig. Bei den Stoikern fast: fleißig. In LXX: gutgenährt
(beschönigend für: fett), gebildet, körperlich gut gebaut, gutaussehend, wohlgestaltet,
zierlich und lieblich (Ex 2,2; Num 22,32; Rich 3,17). Dieser Ausdruck ist wohl
ein Hebraismus. Es steht der Gedanke dahinter, dass Anmut und Schönheit ein
Segen Gottes sind und daher das kleine Mose-Kind auch für Gott wohlgefällig war,
was das Vertrauen der Eltern beflügelte.
15 jmdn. in
zwei Teile durchsägen. Eine Art der Bestrafung bei den Juden, der Tradition
nach durch den König Manasse mit einer Holzsäge beim Propheten Jesaja
angewendet. Viele alte Hs. haben: "...erprobt (durch Folter?)".
16 Das
vorsorgende Handeln aufgrund der Furcht vor Gottes Heiligkeit und dem kommenden
Gericht.
17 Bezieht
sich entweder auf das Vertrauen Abels oder auf das Schlachtopfer Abels.
18 Gedacht
ist wohl an die Erweckung des Sohns der Witwe von Sarepta durch den Propheten
Elija (vgl. 1Kön 17,17-24), und dem Sohn einer Frau aus Schunem durch den
Propheten Elisa; vgl. 2Kön 4,18-37 (vgl. 47,z.St.).
19 Das Wohnen
in einer Stadt, war ein Symbol für den endgültigen Aufenthalt in Ruhe; Ps 107,7
(21,IV,356). Damit wird deutlich, dass auch schon Abraham zumindest an ein
Weiterleben nach dem Tod, vielleicht sogar an eine leibliche Auferstehung
glaubte.
20 Erst beim
zweiten Segen, offenbarte sich der Glaube Isaaks, indem er Gottes Auswahl anerkannte,
den Zweitgeborenen Jakob vor dem Erstgeborenen Esau zu erwählen (Gen 28,1ff).
21 Indem
Jakob beim Segnen seine Hände kreuzte (Gen 48,13-16), drückte er seinen Glauben
an Gottes souveräne Erwählung aus.
22 Wie
wichtig war dieses Vorbild für die Hebräer. Auch sie sollten die Schmach für
ihren Glauben an Christus, und den zukünftigen Lohn bevorzugen, und nicht den
bequemeren Weg zurück ins Judentum wählen.
23 Mose ahmte
offenbar den furchtlosen Glauben seiner Eltern nach - obwohl diese gar nicht
mehr lebten - denn auch sie "fürchteten das Gebot des Pharaos nicht"
(Vers 23), und Mose wusste, dass er diesem Glauben seiner Eltern sein Überleben
verdankte. - Das bezieht sich wohl auf seinen Auszug aus Ägypten (Ex 10,28),
denn bei seiner Flucht nach Midian fürchtete er sich vor der unmittelbaren
Rache des Pharaos (Ex 2,15). Dass es sich auf die Flucht nach Midian bezieht,
nur, weil es vor dem Passah genannt ist, ist eher unwahrscheinlich. Der Auszug
aus Ägypten war das große Glaubenswerk, nicht die Flucht nach Ägypten, die eher
Unglauben offenbart.
24 Der
Tradition nach verbrachten der Prophet Jesaja und seine Begleiter zwei Jahre in
den Berghöhlen und ernährten sich von wilden Kräutern (21,IV,364).
25 Fast alle
dieser "Glaubensvorbilder", begingen auch schwere Fehler und Sünden:
Noah betrank sich mit Wein. Abraham verleugnete zweimal seine Frau Sara mit
einer Halbwahrheit, sodass sie in den Harem von ungläubigen Männern geriet.
Isaak folgte dem Beispiel seines Vaters und verleugnete seine Frau Rebekka, und
zwar anders als sein Vater, hinter ihrem Rücken und mit einer glatten Lüge.
Jakob betrog seinen Vater und Schwiegervater, um das Erstgeburtsrecht und den
damit verbundenen Segen zu erlangen. Moses erste Tat als Gläubiger (vgl. Heb
11,24 mit Apg 7,23-24) war es, aus falsch motivierter Rache einen Menschen zu
ermorden. Rahab war eine berufsmäßige Hure, als sie glaubte. Gideon verführte
am Ende seines Lebens das Volk zum Götzendienst. Simpson war die meiste Zeit
seines Lebens fleischlich gesinnt. Jephta machte ein voreiliges Gelübde, das
seine Tochter in schwere Not brachte. David nahm sich mehrere Frauen, obwohl er
das als König nicht tun durfte, bei den Philistern verhielt er sich
unaufrichtig, später beging er Ehebruch und gab einen heimtückischen Mord in
Auftrag. Samuel hatte korrupte Söhne; usw. Dennoch vergab Gott allen diesen
Gläubigen ihre Sünde, nachdem sie Buße taten. Aber nicht nur das, er stellte
sie auch wieder völlig her, um ihm zu dienen. All dies sollten wir
bedenken, wenn ein Gläubiger nach erfolgter Gemeindezucht, wenn er Buße getan
hat, wieder aufgenommen werden soll (vgl. 2Kor 2,6-11). Dennoch darf bei
alledem nicht vergessen werden, dass jeder Fehltritt für die Betreffenden (schwere)
Folgen der Züchtigung hatte, z.B. bei David (2Sam 12,10-14), bei Simson, usw.
26 Damit ist die
Erlösung durch den Messias und sein Friedensreich gemeint.
27 Als konativer
Imperfekt: er versuchte oder war bereit ihn darzubringen.
28 Perfekt:
als andauernden Ritus eingeführt.
29 Da die
Archäologen bei Ausgrabungen fast keine Überreste aus dieser Zeit fanden,
dachte man Jericho sei zur Zeit Josuas gar nicht besiedelt gewesen. Doch die
charakteristischen Erdwälle mit Bauresten bilden sich nur, wenn stehende Stadtmauern
vorhanden waren. Wenn diese aber eingestürzt waren, wie der biblische Bericht
sagt, muss man davon ausgehen, dass die Baureste durch Bodenerosion zerstört
wurden (65,III,236). - Manche fragen sich, wie ein Gott der Liebe die
Ausrottung der Kanaaniter, Frauen, Männer, Kinder und Tiere, sowie die restlose
Zerstörung ihrer Städte, anordnen konnte. In Gen 15,13-16 und Dtn 20,18 finden
wir die Antwort. Es war ihr Götzendienst (rituelle Menschenopfer,
Tempelprostitution, usw.) und ihre Unmoral (Homosexualität, Perversität, Gewalt,
usw.) der den gerechten Zorn Gottes erregte, denn für Gott war dieser abscheuliche
Götzendienst nicht nur eine persönliche Beleidigung (Röm 1,18-32), sondern er
sah auch das Leiden der Opfer dieses Götzendienstes. Gott hatte fast 600 Jahre
Geduld, bis er die Bestrafung der Kanaaniter durch Josua und seine Truppen
anordnete. Denn "der Herr ist langsam zum Zorn und groß an Gnade,
der Schuld und Treubruch vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, der die
Schuld der Väter heimsucht an den Kindern der dritten und vierten Generation"
(Num 14,18). Die Kanaaniter hatten viel Zeit Buße zu tun, aber sie verharrten
in ihrem Götzendienst. Wir finden dieses Prinzip Gottes von Geduld und
Bestrafung öfters in der Geschichte. Die Inkas z.B. hatten ebenso grausame Rituale.
"Auf dem Ampato und anderen Gipfeln der Anden wurden die Überreste von
mehr als einem Dutzend Inka-Kindern entdeckt, die im Rahmen einer
Capacocha-Zeremonie geopfert wurden. Diese archäologischen Funde liefern
bereits wichtige Hinweise zum Ritual. Unter anderem ist nun bekannt, dass der
Opferungsprozess nicht immer gleich und der Ablauf wahrscheinlich davon
abhängig war, welchem Gott das Opfer dargebracht wurde. Sie wurden auf Felsen
einfach ausgesetzt und erfroren oder wurden sogar erschlagen. andere wurden erdrosselt
oder lebendig begraben, oder man schnitt ihnen die Kehle durch. Mehrere tausend
Menschen, so schätzen Forscher, starben so Jahr für Jahr. Manche Kinder wurden
lebendig begraben, andere erwürgt, manchen wurde das Herz aus dem Leib geschnitten.
Offenbar wurden sie für ihre Opferung vorher regelrecht gemästet." (Menschenopfer
der Inka: Die Jungfrau aus dem Eis bekommt ein Gesicht | National Geographic). Die
Inkas bekamen 100 Jahre Zeit zur Buße, nützten sie aber nicht und wurden durch
die Spanier ausgerottet. Auch für den sowjetischen Kommunismus und den Nationalsozialismus
galt das gleiche Prinzip. Und auch dem modernen westlichen Raubtier-Kapitalismus
wird es so ergehen.
30 Die
Entrückung von Henoch vor der Sintflut, wird manchmal als Beweis
angeführt, dass auch die Entrückung der Gemeinde vor der großen Drangsal
stattfindet, währenddessen Noah durch die Sintflut hindurchgerettet wurde, wie
auch der Überrest Israels in der Zukunft durch große Drangsal gehen muss. Doch
die Entrückung ist ein Geheimnis, dass im AT nicht geoffenbart ist. Außerdem lebte
Henoch einige Generationen vor Noah, was diesen Vergleich auch nicht zulässt.
31 Deshalb, weil auch Sara so wie Abraham, nach vorherigem Unglauben (Gen 17,17; 18,11-12), doch beide Glauben bewiesen haben (94,z.St.), indem sie miteinander Geschlechtsverkehr hatten.
32 Noah bereitete die Arche zur Rettung nicht nur für sich selbst - wie Gott es ihm ursprünglich sagte (Gen 6,14; hebr. w.: "für dich…", und Gen 6,18 "mit dir…") - sondern im Glauben auch für sein ganzes Haus. Zum Zeitpunkt, als er mit dem Bau der Arche begann, war nur er gerecht in Gottes Augen (Gen 6,8-9). Doch Gott hatte in seiner erwählenden Gnade schon die Rettung des ganzen Hauses vorherbestimmt (Gen 6,18), was dann dazu führte, dass auch sein ganzes Haus seiner Predigt (2Pet 2,5) glaubte und in die Arche stieg. Hier haben wir wieder die logische Unvereinbarkeit von Gottes souveräner Erwählung und der Verantwortung des Menschen. - Auch in Gen 18,19 kommt die vorherbestimmende Erwählung klar zum Ausdruck: Es heißt dort nämlich über Abraham nicht: "Denn ich habe (vorher) erkannt (bzw. gewusst), dass er seinem Haus befehle…", sondern: "Denn ich habe ihn erkannt, damit er seinem Haus befehle…". Vorherbestimmende Erwählung und menschliche Verantwortung kommen also auch dort zum Ausdruck, ebenso in Jer 1,5.
33 Auch Rahab konnte durch ihren Glauben ihr ganzes Haus zur Errettung führen (Jos 2,9-13.18-19; 6,25). Doch auch da mussten ihre Verwandten mit ihr im Haus bleiben, um wirklich gerettet zu werden. Es gibt den allgemeinen Willen Gottes ganze Häuser aufgrund von Glauben zu erretten (Joh 4,53; Apg 16,15; 18,8) und den speziellen Willen Gottes, wo er dies schon im Vorhinein verspricht (Apg 11,14; 16,31). Doch niemand kann die Sicherheit haben, dass sein ganzes Haus errettet wird (1Kor 7,16).
1 Spr 3,11
2 Spr 3,12 "lass dich nicht verdrießen
seine Mahnung. Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er… ".
Die beiden Ausdrücke Mahnung und züchtigen sind im Hebräischen
verwandt, und bedeuten so viel wie strenge Korrektur, und wenn nötig auch Strafe.
Vgl. auch Offb 3,19
3 Dtn
29,17b (LXX)
4 Dtn 9,19
5 Hag
2,6.21
6 Dtn 4,24;
9,3
7 Wie Mose
in Heb 11,26
8 od.:
"ermattet in euren Seelen, indem...". Ein t.t. für die Erschöpfung
des Langstreckenläufers (65,III,240).
9 D.h. durch
ständige Anspannung schwach, kraftlos und/oder entmutigt werden. Ebenfalls ein
Terminus für die Erschöpfung des Langstreckenläufers (65,III,240).
10 Eigentlich
würde man den Konj. erwarten: "...wäret ihr...". Aber der
Schreiber möchte mit dem Indikativ klarstellen, dass jemand nicht wiedergeboren
ist, wenn er diese göttliche Erziehung nicht hat.
11 Entw. wie
Num 16,22 und 27,16: der Vater (d.h. Schöpfer?) der Geister aller Menschen, und
der Engel (Kap 1,4); od.: unser geistlicher Vater, - im Gegensatz zu unseren
fleischlichen Vätern (2,z.St.).
12 Spr 4,26.
Ein medizinischer t.t.: Gelenke verrenken; od. allg.: vom rechten Weg abkommen
bzw. sich abwenden (2,z.St.). Die Mahnung setzt das Bild vom wandernden
Gottesvolk voraus, das unterwegs ist in "die Stadt mit den festen
Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat"; vgl. Heb 11,10
(47,z.St.).
13
Wahrscheinlich den Segen, vgl. Gen 27,34ff; od. viell.: "sie", d.h.
die Buße. Vgl. Heb 6,6 und die Anm. dort.
14 Der Text
erinnert an die Umstände beim Abschluss des Ersten Bundes am Sinai; vgl. Ex
1916-19; 20,18-21; Dtn 5,22-27; 9,9-25 (vgl. 47,z.St.).
15 Zu
ergänzen: "...das (vergossene Blut) Abels (das nach Rache schrie)".
Das Blut Jesu aber "schreit" nach Vergebung.
16 Bildlich
für eine große Menschenmenge die in der Arena den Läufern beim Wettlauf zuschaut.
Hier sind es symbolisch die Glaubensvorbilder in Heb 11,1-40, die den Lauf
schon siegreich vollendet haben, und deren Vorbild die Läufer quasi zum
Durchhalten anspornen soll.
17 Jes 35,3.
Wieder Bilder aus dem sportlichen Wettkampf.
18 απο bedeutet
Entfernung von der Außenseite (2,1379), also nicht ein "aus (= εκ)
der Gnade fallen". Die Gefahr bestand,
dass einige Gläubige ins Judentum zurückkehrten und so das System der Gnade mit
dem System des Gesetzes tauschten (vgl. Gal 5,3-4).
19 Mit der "Versammlung
der Erstgeborenen" sind die Gläubigen der Gemeinde gemeint, zum Teil sind
sie bereits im Himmel. Mit den "Geistern der Gerechten" sind die bereits
entschlafenen Gläubigen des AT gemeint; vgl. Heb 11,49, und viell. Eph 4,8 (79,414ff;
94,z.St.). Beide Gruppen werden aber als "Geister" ohne
Herrlichkeitsleib beschrieben, denn die Gläubigen der Gemeinde bekommen diesen ja
erst bei der Entrückung, die Gläubigen des AT bei ihrer Auferstehung zu Beginn
des tausendjährigen Reiches.
20 Illegitim;
ein Bastard sein. D.h. nicht aus einer legitimen Ehe hervorgegangen, sondern
von einer Konkubine oder einer Sklavin geboren. Bildlich von Christen, die
Gottes Zucht nicht an sich erfahren und deshalb keine wahren Kinder Gottes sein
können.
21 Vor dem
eigentlichen Wettkampf wurden die Gewichte die man zum Training umgeschnallt
hatte, sowie die Kleider abgelegt (65,III,240).
22 Beim
Boxkampf, der härtesten Form des Wettkampfs, floss häufig Blut. Ein Bild für
schwerste Prüfung (65,III,241). Mit welcher Entschiedenheit und um welchen
Preis dieser Kampf geführt werden soll, sieht man in Mt 5,29-30 und Offb 12,11b
23 Damit ist
der kürzeste und geradeste Weg zum Ziel gemeint (65,III,242).
24 Dies
klingt beim ersten Hinschauen sehr bedrohlich, als könnte man sein Heil wieder
verlieren, wenn man nicht heilig genug lebt. Doch der Verfasser sagte selbst in
Heb 5,9, dass unsere Errettung ein für alle Mal und ewig ist. Es ist vielmehr
Gott selbst der unsere Heiligung bewirkt, und zwar durch seinen Heiligen Geist
(2Kor 3,18; 2Thes 2,13), in Zusammenarbeit mit uns, und wenn nötig auch durch
Züchtigung (Heb 12,10). Und er wird dieses Ziel auch bei jedem wahren Gläubigen
erreichen (1Thes 3,13; 5,23-24; 1Joh 3,2-3), denn dazu hat er uns
vorherbestimmt (Röm 8,29-30). Bei den Scheingläubigen wird man allerdings keine
Heiligung sehen (53,404). Sie haben nur eine christliche Fassade.
25 Das Wort (Strong Nr. 41) kommt nur hier im NT vor.
1 Dtn 31,6.8; Gen 28,15 und die zu 1Tim 6,8
2 Ps 118,6
(LXX)
3 Sind dies
Älteste, die so genannt sind, weil der Ausdruck πρεσβυτερος in Heb
11,2 schon für die Heiligen des AT gebraucht ist? Oder sind es eben doch keine
Ältesten, sondern führende Brüder der Anfangszeit (vgl. Heb 2,3; 4,2), da wir in
Apg 15,22 im Griechischen die gleiche Bezeichnung finden. Siehe auch die Anm.
dort.
4 D.h.
entw.: den Erfolg; od.: das Lebensende (65,III,248). Oder den Märtyrertod? (2,z.St.).
5 Dieser
Altar ist das Kreuz, an dem sich der Herr Jesus für unsere Sünden als Opfer
dargebracht hat. Beim Abendmahl denken wir ganz besonders daran, darum nennt
Paulus das Abendmahl den "Tisch des Herrn". Der "Tisch des Herrn"
war der Brandopferaltar des AT (vgl. 1Kor 10,18.21 mit Mal 1,7). Der Schreiber
könnte also durchaus auch das Abendmahl gemeint haben und sagen wollen: wer
noch darauf vertraut, dass er durch das Darbringen von Tieropfern von Gott
Sündenvergebung erlangt, der hat kein Recht an der Abendmahlsgemeinschaft
teilzuhaben.
6 Das sind
entweder speziell die Priester des Alten Bundes, oder allgemein alle
diejenigen, die noch immer, oder aufgrund eines Rückfalls ins Judentum
wiederum, auf die Darbringung der alttestamentlichen Opfer vertrauen.
7 Jemandem
Folge leisten bzw. auf ihn hören, weil man überzeugt ist, dass er recht hat.
Ein schwächeres Wort als gehorchen!
8 Der
Hinweis auf Engel bezieht sich wohl auf die Berichte entsprechender Vorgänge im
Alten Testament; vgl. Gen 18,1ff bei Abraham und Sara; in Gen 19,1-22 bei Lot
und in Richter 13,3ff bei Manoach (vgl. 47,z.St.).
9 Nach Lev
16,27 mussten der Sündopferstier und der Sündopferbock, deren Blut zur
Entsühnung diente, außerhalb des Lagers verbrannt werden. Auch die Hinrichtung
Jesu erfolgte "außerhalb des Tores" (vgl. Joh 19,20; Mt 21,39). Die
Aussage spielt auf die Schmach des Kreuzestodes an, und, dass auch die
Gläubigen so wie ihr Herr aus dem Lager (d.h. dem Judentum) hinausgehen müssen
(vgl. 47,z.St.).
10 Betont
vorangestellt: Durch ihn, und nicht durch die jüdischen Priester des
Alten Bundes.
11 Hos
14,3b.
12 Vgl. die
Anm. bei Eph 2,10.
13 Das Wort
bezeichnet auch eine römische Handelsinstitution, die sogenannte societas,
deren Mitglieder sich verpflichteten, für die Erfüllung eines bestimmten Zieles
ihren gesamten Besitz einzusetzen. Auch im Judentum wurde dieser Begriff für
die Verteilung von Almosen verwendet; siehe Apg 2,42 (65,II,330).
14 Vorehelicher
Geschlechtsverkehr mit Prostituierten, Homosexualität und sogar Pädophilie
gehörten damals für junge Männer bis zur Ehe zur Selbstverständlichkeit, ja
sogar zu einer Art des Männlichwerdens. Manche Philosophen betrachteten die Ehe
als unnötige Last, die sexuelle Befriedigung jedoch als Notwendigkeit
(65,III,247).
15 Wahrscheinlich
wurde Timotius inhaftiert, als er Paulus bei seiner zweiten Inhaftierung in Rom
besuchen wollte (2Tim 4,21), und wurde dann unter Vespasian wieder freigelassen
(65,III,251). Das Wort απολελυμενον kann allerdings auch "abgereist" bedeuten.
Dies würde bedeuten, dass Timotius irgendwo inhaftiert war und nun zum
Verfasser reist. Sobald Timotius zu ihm gekommen ist, möchte der Verfasser dann
die Adressaten besuchen (79,453; 53,456).
16 Dies
deutet, neben der Bemerkung über die Freilassung von Timotius, darauf hin, dass
der Brief aus Rom geschrieben wurde. Natürlich könnte es auch sein, dass die
Grüße von solchen sind, die früher in Italien (Rom) lebten, und nun woanders
leben. Dann wäre der Brief nicht aus Rom geschrieben, sondern an Juden-Christen
in Rom (65,III,251).
17 Das Ptz.Fut. bedeutet wohl, dass diese
Rechenschaft, so wie in 1Pet 5,4, beim Richterstuhl Christi abgegeben wird
(79,447). Die Nachteile für seine Widerspenstigkeit dürfte der Gläubige aber
schon hier und jetzt zu spüren bekommen, worauf der Gebrauch des Konj.Präs. ("tun mögen")
hindeuten könnte.
Jakobus
Jakobus 1
1 Vom Wind hin- und hergetrieben
werden. Von Personen deren Verstand und Gefühle schwanken zwischen Hoffnung und
Furcht, zwischen Tun und Lassen, so wie ein Schiff von Wind und Wellen auf und
ab geschaukelt wird, unstet und wankelmütig. Vgl. Eph 4,14.
2 In der Gräzität als
astronomischer t.t.: vom Umlauf der Gestirne ("wandernde Schatten" durch
eine veränderte Stellung der Gestirne), besonders von der Sommer- und
Wintersonnenwende. Auch für die Umdrehungen eines Wasserrades. Die
buchstäbliche Bedeutung einer Verfinsterung bzw. Verschattung, die aufgrund der
Sonnenwende auf der Erde hervorgerufen wird, wird bildlich auf Gott angewendet.
Im Charakter des "Vaters der Lichter" (d.h. des Vaters der Gestirne)
gibt es keine Veränderung oder Verschattung.
3 od.: "...nur euch
selbst verrechnende Hörer".
4 Vgl. die Anm. zu Php 1,2.
5 allg.: jemand der sich nur
für kurze Zeit in einem fremden Land aufhält. Im NT immer als t.t. für die
Diaspora der Juden. Hier sind alle Juden im römischen Reich gemeint, die
außerhalb Palästinas lebten. Auch wenn Jakobus in erster Linie an Juden-Christen
schreibt, hat er doch das ganze zwölfstämmige Volk im Blick (vgl. Paulus in Apg
26,7), dessen Bekehrung er wie Paulus (Röm 9,1-5; 10,1) ersehnt.
6 Das griechische Wort trägt
den Moment des überraschenden Eintritts der Versuchung in sich (80,39). - Die
Diaspora-Juden lebten inmitten einer heidnischen Bevölkerung und die Anpassung
an die heidnische Lebensweise war daher eine große Versuchung, der es zu
widerstehen galt. Dazu kommen noch andere Arten von Versuchungen durch
Krankheit, den Satan, odgl., sowie Prüfungen von Gott (Gen 22,1ff.; Jak 5,10-11
uva.).
7 D.h. Gott hat keine
Hintergedanken an Forderungen, die er an den Bittenden stellt, außer natürlich
Glaube.
8 Gnomische Aoriste und
Perfekt für allgemeingültige, zeitlose Tatsachen: "…betrachtet er,…geht weg…und
vergisst".
9 Der Gedankengang von Vers 4
wird wieder aufgenommen.
10 Beide Ausdrücke sind t.t.
der Fischer- und Jägersprache (2,z.St.), sowie von den Verführungskünsten der
Prostituierten (21,IV,428), hier aber im personifizierten Sinn wie in Sach 5,7-8
und Ps 7,15
11 Von der endgültigen
Errettung wie in 1Pet 1,5.9. Die Seele ist hier der körperliche Teil des
Menschen, der noch nicht errettet ist, der "Leib des Todes" (Röm
7,24).
12 Der vermeintliche Widerspruch zu Mt 6,13,
lässt sich am besten folgendermaßen auflösen: Gott selbst versucht
niemanden zum Bösen, aber er lässt es in seiner vorausschauenden
Weisheit manchmal zu, dass Satan die Gläubigen versuchen darf (Hiob 1,6-12; Mt
4,1; Lk 22,31). Falls Gott dem Satan erlaubt uns zu versuchen, soll dies am
Ende nur zu unserem Besten dienen wie bei Hiob (Hiob 42,2-6.10ff; Jak 5,11).
Wenn es heißt, dass Gott versucht (z.B. Gen 22,1), ist immer eine Prüfung
gemeint, die ein gutes Ergebnis haben soll.
13 Damit ist
entweder die Hitze der aufgehenden Sonne gemeint, oder der
"Schirokko", ein glühend heißer Wüstenwind aus dem Süden (65,III,259),
oder der "Eurus", ein glühend-heißer und trockener Ostwind aus der
syrischen Wüste, der alles versengt.
14 Die besten Spiegel in der damaligen Zeit waren
aus korinthischer Bronze gefertigt und wiederspiegelten kein deutliches Bild
(65,III,263). Doch nicht das undeutliche Bild im Spiegel ist hier der
Vergleich, sondern das Vergessen. Der beste Spiegel nützt nichts, wenn man seine
Mängel die man darin entdeckt, nicht austilgt (80,81f).
15 Das Gesetz ist gut, wenn man es recht gebraucht, wie
auch Paulus weiß (1Tim 1,8). Es zu halten, bewahrt vor Sünde und unvernünftigen
Begierden.
16 Das Ziel jeder Versuchung,
das von Gott angestrebte Ziel eines vollkommenen Werks der Gottseligkeit, wird
nach Röm 5,3-5 und 2Pet 1,5-7 in einzelnen Schritten erreicht.
Jakobus 2
1 Lev 19,18
2 Ex
20,13f; Dtn 5,17-18 - Jakobus meint hier vielleicht fromme Zeloten, die nie
Ehebruch begehen würden, aber nicht davor zurückschreckten Mitglieder der
jüdischen Oberschicht zu töten. In dieser Zeit kam es immer wieder zu solchen
Meuchelmorden (65,III,267).
3 Gen 15,6
4 Jakobus
wendet sich in seinem Brief an das gesamte Judentum (Jak 1,1). Zu diesem frühen
Zeitpunkt besuchten die Juden-Christen offenbar auch noch den
Synagogengottesdienst zusätzlich zu ihren Versammlungen (Jak 5,14), wie auch
Paulus auf seinen Missionsreisen. Möglich wäre aber auch, dass das Wort hier
einfach die wörtliche Bedeutung: ein "Zusammenkommen" von Christen
hat (80,94f.).
5 Der
durative Imperfekt drückt den anhaltenden Glauben aus, den Abraham in der
langen, ca. 24-jährigen Wartezeit zwischen seinem Glauben in Gen 15,6 und der
Geburt Isaaks hatte! Und nochmals vergingen ca. 16 Jahre bis er schließlich in
Ge 22,1ff, durch die beabsichtigte Opferung Isaaks, aus Werken gerechtfertigt
wurde. Sein erster Glaube, obwohl dazwischen schwach geworden, wurde also durch
sein Werk des Gehorsams vollendet (vgl. Heb 11,17). Jakobus bringt, wie die jüdische
Tradition, Gen 15,6 in Zusammenhang mit der Opferung Isaaks (Gen 22). Paulus
sieht sie in ihrem ursprünglichen Zusammenhang mit der Verheißung in Gen 15,5,
wonach Abraham der Vater vieler Völker sein wird. Vgl. Röm 4,1ff und Gal 3,6ff
(vgl. 47,z.St.). Jakobus wendet sich in diesem ganzen Abschnitt gegen ein
bloßes Lippenbekenntnis des Glaubens (vgl. V.14: "wenn jemand sagt..."),
dem keine Frucht des Geistes in guten Werken folgt. Ein bloßes "Übergabegebet",
dem keine echte Buße, verbunden mit Herzensglaube, vorausgegangen ist, und dem
keine Lebensveränderung folgt, bewirkt keine Wiedergeburt. Es ist toter Glaube,
wie er auch noch heutzutage in der Christenheit weit verbreitet ist.
6 Der
Abschnitt Jak 2,14-26 handelt ausführlich über das Verhältnis von Glauben und
Werken. Während Paulus in Röm 3,28 sagen wird, der Mensch werde allein durch
Glauben gerecht, unabhängig von den "Werken des Gesetzes", betont
Jakobus, "dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch
den Glauben allein" (Jak 2,24). Doch stehen die Aussagen des Jakobusbriefs
nicht im Gegensatz zur Lehre des Paulus. Paulus spricht nämlich von
"Werken des Gesetzes" durch die die Juden versuchten vor Gott gerecht
zu sein, Jakobus aber meint die Taten der Nächstenliebe, ohne die auch für
Paulus der Glaube nichtig wäre; vgl. Gal 5,6 (vgl. 47,z.St.). Wir lernen
daraus: Jede
Wahrheit hat zwei Seiten. Man muss diese Seite betonen, die gerade seelsorglich
notwendig ist. Meinungsverschiedenheiten sind oft nur verschiedene
Betrachtungen einer Wahrheit! Es müssen jedoch beide Seiten betont
werden. - Die
Ansicht Jakobus würde Paulus hier unterschwellig kritisieren kann nicht sein,
denn Paulus schrieb den Galaterbrief und den Römerbrief erst Jahre später.
7
Möglicherweise beginnt in V.18b die Entgegnung auf den Einwand von V.18a und
man könnte übersetzen: "Nun wird einer sagen: Du hast den Glauben und ich
habe die Werke. Dann zeig mir doch deinen Glauben ohne die Werke und ich..."
(vgl. 47,z.St.).
8 Damit ist
für jeden Juden(christen) das messianische Friedensreich, d.h. das
tausendjährige Reich auf dieser Erde, gemeint (vgl. 21,IV,438).
9 Ein Titel
für die höchsten Beamten an orientalischen Königshöfen (4,159f).
10 D.h. die
Werke, welche die Echtheit seines Glaubens bestätigen. Abraham glaubte schon
(Gen 15,6), bevor er Isaak opferte. Auch Rahab glaubte schon (Jos 2,9), bevor
sie die Kundschafter gastfreundlich aufnahm. Doch dass, was beide aufgrund
ihres Glaubens taten, bestätigte die Echtheit ihres Glaubens. Auch bei
allen Glaubenshelden in Hebr 11,1ff ist dies so.
11 Auch die
Rabbis lehrten, dass das Gesetz Mose ein Ganzes sei, - wer es in einem Teil
nicht hielt, hielt das ganze Gesetz nicht (65,II,377).
12 Das
römische Recht begünstigte die Wohlhabenden der Oberschicht, denn sie durften
gegen sozial Niedriggestelltere klagen, umgekehrt war dies nicht möglich
(65,III,266).
13 Bei
jemandes Namen genannt werden, begründet einen Besitzanspruch: Man gehört (zu)
dieser Person deren Namen man trägt (65,III,266).
14 Vielleicht
eine Anspielung auf kaiserliche Erlässe, die höchste Autorität hatten.
15 Im Winter
konnte es im 760 m hoch gelegenen Jerusalem empfindlich kalt werden. Sogar
leichter Schneefall ist möglich. Die Armen hatten nur das Gewand, das sie am
Leib trugen und keine Decke zum Zudecken.
16 Das Gesetz der Freiheit, weil wir durch den Opfertod Christi schon frei sind von Gesetz Mose. Es ist das königliche Gesetz (Vers 8), das Gesetz Christi (Gal 6,2), das Gebot der Liebe (Joh 13,34 ua.).
Jakobus 3
1 So in 44,696; od.:
wie eine Feuerfackel, die an ein laufendes Rad gehalten wird und im Nu das
ganze Rad entzündet; od.: die Laufbahn des Daseins (1,1651); w.: das Rad des
Werdens.
2 od.:
fügsam, einlenkend, lässt sich etwas sagen.
3 Das meint
wohl, dass wegen der hohen Verantwortung die ein Lehrer hat, nicht jeder danach
trachten soll sich als Lehrer zu betätigen.
4 In Gräz.:
von einem Schiff, dass auf einen anderen Kurs gebracht wird (1,1034).
5 od.
prädikativ: "...als die von der Ungerechtigkeit beherrschte Welt"
(2,1205; 44,696). Vgl. Spr 16,27
6 "Wer das
Wort der Wahrheit lehrt, wird strenger beurteilt werden, wenn er sich nicht an
das hält, was er lehrt" (48,1280). Vergleiche
den ähnlichen Gedankengang in 1Kor 9,27b. Dieses strengere Urteil kann sich schon
hier
auswirken, oder erst vor dem Richterstuhl Christi, worauf das Futurum hinweisen
könnte (vgl. Lk 20,47; 1Kor 9,27b), - oder auf Beides.
7 Wenn man die Zunge zügelt, kann man
auch alle anderen Handlungen des Körpers unter Kontrolle bringen. Tatsächlich
haben falsche Worte oft gravierende sündhafte Taten zur Folge. Zum Zügeln der
Zunge vergleiche: Spr 4,24; 10,10.13.18.31; 11,9.12-13; 12,13.18.22; 13,3;
14,23; 15,1.4.7.26; 16,1.13.24.28; 17,7; 18,8.13.21; 20,19; 21,23; 22,11;
25,11.23; 26,23; 29,5
Jakobus 4
1 übertr. Fem.Pl.: weil wir die Braut (Fem.)
des Herrn sind? "Ehebrecherinnen" wird hier wohl im übertragenen Sinn
gebraucht sein, denn auch im Alten Testament haben die Propheten (z. B. Hos 2,1
- 3,1ff) den Abfall von Gott als "Ehebruch" Israels gebrandmarkt
(vgl. 47,z.St.; 65,III,274).
2 In den Versen 1-4 und 13-17 zeigt sich, dass
Jakobus das ganze Judentum in der Diaspora, und nicht nur die gläubigen
Judenchristen im Blick hat (vgl. die Anm. bei Jak 1,1). Außerdem zweifelte er
die Echtheit der Bekehrung bei manchen an (Jak 2,14.26). Einige der angeführten
Sünden könnten auch bildlich gemeint sein.
3
Sicherlich im übertragenen Sinn gemeint (vgl. Mt 5,21-22; 1Joh 3,15). Oder
meint er die Zeloten, die meinten im Auftrag Gottes zu morden?
4 Spr 3,34
(LXX)
5 Die
Herkunft des Zitats ist unbekannt. Der Sinn ist vermutlich: Gott, der dem
Menschen seinen Geist eingehaucht hat (vgl. Gen 2,7), macht seinen Anspruch
diesem Geist gegenüber geltend. Andere Übersetzungsmöglichkeiten: "Gott
wacht eifersüchtig über den Geist den er uns gegeben hat"; od.: "Neidisch
(oder mit Eifer) zeigt der Geist, den er in uns wohnen ließ, sein Verlangen
(nach Gott)" (47,z.St.; 65,III,274).
6 Vgl. Jer
30,21f; Hos 12,6 (LXX)
7 Wer
Blutvergießen mitverschuldete, musste seine Hände waschen (vgl. Dtn 21,6; Mt
27,24).
8 Wie
widersteht man dem Teufel? So wie Jesus in Mt 4,10a, indem man ihm im Glauben
(1Pet 5,9) gebietet zu weichen, und zwar unter Bezugnahme auf Gottes Wort.
Jakobus 5
1 Jes 5,9; vgl. Dtn 24,14-15; Mal 3,5b ua.
2 Die
Reichen schlachteten zu bestimmten Festen (z.B. Ernte, Schafschur, ua.) ein
Tier und veranstalteten einen Festschmaus mit ihren Freunden, wobei die Armen
leer ausgingen. Jakobus warnt sie, dass auch sie für den Tag des Gerichts
gemästet werden. Vgl. Jer 12,3; Amos 4,1-3 (65,III,279).
3 Spr
10,12; vgl. auch Spr 17,9; 23,14; 24,25 (LXX); Hes 3,20-21; 18,4.7; Mal 2,6b; 1Pet
4,8. Das Verhüllen der Sünden geschieht wohl dadurch, dass man dem sündigen
Bruder unter vier Augen zur Buße verhilft und Gott ihm danach vergibt. Auf
diese Weise hat man ihn "vom Tod errettet", seine Sünde wird unter
dem Blut Jesu zugedeckt, und er wurde bewahrt vor noch schwereren Sünden, wenn
er seinen sündigen Irrweg weitergegangen wäre. Denn wenn er weiter in schwerer
Sünde verharrt hätte, wäre er von Gott mit dem körperlichen Tod gezüchtigt
worden (wie in 1Kor 5,5; 11,29-32; 1Joh 5,16b). Dies passt dem Kontext nach
auch zu Vers 15b
4 Vgl. 2Tim
3,1ff. Damit sind die Jahre unmittelbar vor der Wiederkunft Christi gemeint,
die für Jakobus schon "vor der Tür standen".
5 Vielleicht
übertr.: jmdn. unterdrücken, schädigen oder gewalttätig behandeln. In der
jüdischen Überlieferung wurde Unterdrückung manchmal mit Mord verglichen
(65,III,267).
6 Beide
Wörter bezeichnen nicht unbedingt eine schwere Krankheit. Nach Joh 11,1 und
1Kor 11,30 könnte damit aber die körperliche Schwachheit und Ermattung gemeint
sein, die einer sich hinziehenden schweren bzw. tödlichen Krankheit vorausgeht.
Dennoch dürfte die Krankheit so ernsthaft sein, dass der Betreffende zu Hause
liegt und die Ältesten zu sich (Imp.Aor.Medium!) rufen muss (80,232). - Die
Krankensalbung ist kein "Sterbesakrament", sondern eine liebevolle
Zusage Gottes an die Gläubigen, vor allem wenn ärztliche Hilfe, wirksame
Medikamente und eine gesunde Nahrung nicht vorhanden, oder nicht leistbar sind.
Oder, wenn die Krankheit eine Züchtigung Gottes wegen schwerer Sünde ist.
7 Eigtl.:
das Gelübde; in LXX: das Dankopfer. Das griech. Wort kommt nur noch in Apg
18,18 und 21,23 im Sinne von Gelübde vor, und nur hier im Sinne von Gebet. Jakobus
dürfte das Wort im Sinne der LXX gebraucht haben, daher viell.: ein Gott
dargebrachtes Gebet, verbunden mit Dank für die erbetene Genesung (und
verbunden mit einem Gelübde?). Oder er meint, dass der Kranke durch das Gebet
Gott "geweiht" wird (vgl. Lev 27,2). Die oft praktizierte
Handauflegung ist übrigens nicht erwähnt (80,233).
8 Das Perf.
(statt dem Aor.) betont die Auswirkungen in der Gegenwart. Vielleicht, weil die
in der Vergangenheit begangenen Sünden durch die Krankheit Auswirkungen bis in
die Gegenwart hatten, oder mangels Buße noch nicht vergeben waren, oder dem
Kranken nun in Erinnerung kommen.
9 Vgl. Mk
6,13. Jemanden salben bedeutete im AT: jemanden für Gott weihen, damit dieser
Gott lebend dient (33,463), - z.B. Priester, Propheten, Könige bei ihrer
Einweihung, oder Geräte in der Stiftshütte (Ex 40,9).
10 Vgl. Lk
4,38: "...sie baten ihn für sie" und in Mk 1,30: "...er richtete
sie auf", entweder buchstäblich vom Bett aufgrund von Heilung; aber auch
im übertr. Sinn (z.B. Jes 6,10; Mt 13,15; 1Pet 2,24 ua.), geistlich stärken
(21,IV,474).
11 Entw.: "wird
ihn heilen", wie in Mt 9,22 und Joh 11,12; od.: "wird ihn erretten
vor dem drohenden Tod", so wie Jak 5,20. Der Gen. bedeutet entw.: "das
Gebet, das aus Glauben geschieht"; od. ein Gen.qual.: "das
vertrauensvolle Gebet" (2,z.St.).
12 entw.:
ein offenes (wechselseitiges?) Geständnis ablegen (80,235); od.: jemanden seine
Sünde bekennen, wenn man gegen ihn gesündigt hat (Mt 5,23-26). - Jakobus
wechselt vom konkreten Fall, wo jemand vielleicht wegen Sünde krank ist, zum
allgemeinen Prinzip, Sünden Gott und dem Geschädigten zu bekennen. Denn Sünde,
die nicht bekannt wird, kann zu einer Züchtigung durch Krankheit führen (vgl.
1Kor 11,30).
13 Mit Art.:
die konkreten Sünden.
14 In der
Autorität des Herrn, d.h. der Herr steht dahinter, und/oder in der Übereignung
an den Herrn (siehe Anm.9). Der Name des Herrn
wird dabei im Gebet angerufen (80,233).
15 Kausales
Ptz.Präs.Med.: "...weil sich wirksam erweisend" (80,237); viell.
adj.: "...ist wirksames Flehen"; od.: "viel vermag ein wirksames
Flehen" (2,z.St.). Gebet kann nämlich auch unwirksam oder unangebracht
sein (vgl. 1Joh 5,16b; Spr 28,17; Jer 7,16; 11,14; 14,11; 15,1).
16
"sich's gut gehen lassen": protzen, schmausen, feiern, zechen,
ausgelassen und unternehmenslustig sein. Ein luxuriöses, prunkvolles, üppiges
und aufwendiges Leben führen, das schließlich zu Verweichlichung und
geistlichem Verfall führt.
17 Es
handelt sich in allen drei Fällen um das hebräische prophetische Perfekt: Der
Eintritt der Ereignisse ist so sicher, als wären sie schon geschehen. Ebenso
die Aoriste in Vers 5+6.
18 In den
Versen 1-6 sind nicht die reichen Christen, sondern die reichen Ungläubigen
gemeint, von denen die Gläubigen zu leiden hatten. Dies waren entweder
Großgrundbesitzer, die ihre Pächter, welche die Felder bestellten, schamlos
ausbeuteten, oder die Kaufleute, die sich durch große Handelspannen
bereicherten (65,III,277f).
19 Die
Krankheit kann, muss aber nicht (daher: καν), Folge von Sünde sein. Es könnte
auch einfach eine Krankheit sein, wo Ärzte und Medizin nicht mehr helfen können
oder nicht zur Verfügung stehen, oder nicht leistbar sind, und der Glaube
gefragt ist.
20 Der
Frühregen im Oktober weicht die Erde auf, die im heißen Sommer hart geworden
ist. Im aufgeweichten Zustand kann sie den Samen besser aufnehmen. Der
Spätregen im März und April ist nötig, damit die aufgegangene Saat zur Reife
kommt (21,IV,471; 65,III,280). So brauchen auch die Gläubigen geduldiges
Ausharren, denn die "Ernte" kommt erst bei der Wiederkunft Christi.
21 Bei den
Pharisäern war das Schwören erlaubt (65,III,281). Wenn ein Gläubiger einen Eid
ablegen muss, z.B. vor Gericht, bekräftigt er damit, dass alles, was er sagt,
wahr ist. Sein Ja ist ein Ja und sein Nein ist ein Nein. Denn Namen Gottes
dabei anzurufen, oder auf die Bibel zu schwören, wäre falsch.
22 Wie ein
hebr. Inf.abs. zur Intensivierung des Verbs (2,1211; 13,21; 44,701). Elijas
Gebet war nicht nur ernstlich, es war auch anhaltend, wie in 1Kön 18,42-45. Es
gründete sich auf Gottes Wort in 1Kön 8,35-36 und geschah in völliger
Gewissheit von Gottes Willen (1Kön 17,1 "wenn es in diesen Jahren…").
23 Aufgrund des Kontextes von Kap. 5,14-18, und der Verwendung der Anrede Brüder in Vers 7, spricht Jakobus hier sicherlich von Gläubigen, obwohl die Anrede "Brüder" auch allgemein unter den Juden (Apg 3,17 ua.) gängig war.
24 Mit ψυχη ist hier, wie in Mk 8,35; Lk 21,19; Jak 1,21; 1Pet 1,9 ua., der körperliche Teil des Menschen gemeint, der noch nicht errettet ist, der "Leib des Todes" (Röm 7,24), - denn niemand kann die "Seele" eines Menschen erretten. Der Kontext von Vers 15 schwingt noch mit, wo jemand eventuell (tot)krank ist, weil er gesündigt hat. Jakobus gründet sich wahrscheinlich auf Hes 3,21c "…wird er leben (d.h. am Leben bleiben)…", und auf Hes 3,20a, wo der Prophet vom Gerechten, also vom Gläubigen der nicht umkehren will, sagt: "…wird er sterben", also durch den körperlichen Tod gezüchtigt werden. Vgl. auch 1Tim 4,16
Petrus A
1.Petrus 1
1 Lev 11,44-45; 19,2
2 Nicht bloß
ein Vorherwissen, sondern jemanden im Voraus ausersehen, wie in Apg 2,23 und Lk
22,22. Vgl. die Anm. zu Röm 8,29
3 Jes 40,6-8
4 allg.: jemand
der sich nur für kurze Zeit in einem fremden Land aufhält. Im NT immer als t.t.
für die Diaspora der Juden. Die Juden-Christen waren in der Diaspora im
doppelten Sinn Ausländer, zuerst einmal, weil ihre irdische Heimat Israel war
und sie außerhalb dieser Heimat lebten, zum anderen, weil sie als
"Himmelsbürger" (1Pet 2,11) nur Fremdlinge und Pilger auf dieser Erde
waren, was natürlich für die Heiden-Christen, und damit für uns alle, genauso
gilt. Da Petrus der Apostel der Beschneidung war (Gal 2,9), sieht er auch weiterhin
nach der Zerstreuung der Juden-Christen aus Jerusalem (Apg 8,1), seine
Verantwortung an diese Juden-Christen in der Diaspora zu schreiben, auch wenn
diese in Gemeinden waren, die durch den Apostel Paulus entstanden sind (Apg
16,6-7; Gal 1,2). Dies bestätigt auch Eusebius (Kirchengeschichte III,4).
5 Außer
Bithynien, war das eigentlich das Missionsgebiet des Apostels Paulus, er war
der Apostel für die Unbeschnittenen (Gal 2,7-9). Die Reihenfolge der Gebiete
gibt die Reiseroute des Brief-Überbringers, von Amastris in Pontien aus, an
(21,V,40; 65,III,118; 81,XV).
6 εν = in
(Ort...), δια
=
durch (Mittel...), εις = zu (Ziel), d.h. Ort, Mittel und Ziel
unserer zukünftigen und endgültigen Errettung.
7 D.h. über
die Zusagen in Vers 3-5; oder, aber eher unwahrscheinlich, temp.: "...in
ihr (d.h. der letzten Zeitepoche) jubelt ihr dann (futuristisches Präs),
nachdem..." (2,1213; 81,14).
8 w.: sich
vorbücken, um in etwas genauen Einblick zu gewinnen oder einen kurzen Blick zu
erhaschen.
9 Sich den
Arbeitsschurz oder das Gewand hochgürten, damit man mehr Bewegungsfreiheit für
die Füße hat. Übertragen als ein Bild für Bereitschaft zum Dienst und für
Wachsamkeit (2,z.St.). Wahrscheinlich denkt er auch an das Umgürten beim Passah
(vgl. Ex 12,11 mit 1Pet 1,18-20).
10 Ein rein
jüdischer Ausdruck (wie in Apg 22,3; 24,14 und 28,17), was beweist (wie auch
1Pet 2,10.12; 4,3; 5,1), dass der Brief an Juden-Christen geschrieben ist.
11 Vgl. Lk
22,32; 1Joh 5,4-5
12 Damit ist
die zukünftige und endgültige Erlösung aus diesem Leib des Todes gemeint
(95,z.St.). Vgl. 2Kor 5,6-8
13 Die drei
Präpositionen κατα (gemäß/aufgrund), εν (in) und εις (hin zu), geben Ursprung,
Gegenwart und Ziel der Erwählung an (vgl. 2Thes 2,13). Die Blutbesprengung
kommt deshalb nach dem Gehorsam, weil es sich dabei um die Einweihung
zum neutestamentlichen Priesterdienst handelt (vgl. Lev 8,22-24 mit 1Pet 2,5).
14 Alle drei
Ausdrücke stehen in Anspielung und im Gegensatz zum vergänglichen Siegeskranz
bei den athletischen Spielen, und in der Anwendung, von allem Irdischen das
vergänglich ist.
15 Damit ist
natürlich die zukünftige
und endgültige Errettung gemeint, wie in 1Pet 1,9; 2,2; Röm 8,11 und Röm 13,11
16 Entweder
schon jetzt, eher aber zukünftig bei seiner Offenbarung: "...dann
zujubeln werdet (futuristisches Präs), wenn...",
denn unaussprechliche und verherrlichte Freude gibt es wohl erst dann (21,V,45;
81,18).
17 Es ist
interessant, dass gerade zu dieser Zeit unter Nero, das Gold durch eine
Inflation erheblich abgewertet wurde (65,III,121). Das machte seinen
trügerischen Wert umso deutlicher.
18 D.h. die
Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Wiederkunft und das Friedensreich; -
z.B. in Sach 9,9; 11,12-13; Micha 4,14; Jes 40,1-11; 52,13 - 53,12; Ps 22,2ff;
Ps 16,8ff; Joel 3,3ff; Ps 110,1-4; Sach 12,9ff; Mal 3,1ff; Jes 4,2ff; Jes
11,1ff. ua. Die Propheten konnten nicht genau verstehen, wie und wann sich ihre
Prophezeiungen erfüllen werden. Auch die jüdischen Rabbis konnten die
Prophezeiungen über den leidenden und den herrlichen Messias
nicht vereinen, und lehrten deshalb, es würden zwei Messiasse kommen: der leidende
Sohn Josefs und der herrliche Sohn Davids. Doch die Apostel, erleuchtet
durch den Heiligen Geist, konnten die Prophezeiungen richtig einordnen und
deuten.
19 Wie Dtn
32,47b; od. viell.: "... durch das Wort
Gottes, (des) Lebendigen und Bleibenden"; vgl. Dan
6,27 (21,V,53).
20 Gold-Erz
wurde im Schmelzofen bis zum Flüssigkeitszustand erhitzt. Dabei traten die
Verunreinigungen an die Oberfläche und wurden abgeschöpft, während das schwerere
reine Gold im Kessel verblieb. Die Reinheit des Goldes konnte der Schmelzer
darin erkennen, dass er sein Gesicht im flüssigen Gold wie in einem Spiegel
sah. So wird unser Glaube auf Echtheit geprüft und vom Menschlichen gereinigt,
damit das Echte zur Verherrlichung Gottes übrigbleibt.
21 D.h. bei der sichtbaren Wiederkunft Christi, wo wir verherrlicht mit ihm erscheinen werden, und nicht bei der Entrückung.
1 Ps 34,9 (LXX)
2 Jes 28,16
3 Ps 118,22
(LXX). Der
große Hauptstein an der äußersten Ecke, der als erstes gelegt wurde und von dem
aus die Richtschnur für den weiteren Bau gezogen wurde (2,z.St.). Nach manchen
der Giebelstein über dem Türbogen, oder der zuletzt in die Kuppel gesetzt wurde
und alles statisch zusammenhielt (1,875), doch dies ist aufgrund Eph 2,20 eher
unwahrscheinlich.
4 Jes 8,14
5 Jes 43,21
6 In Hosea
1,6.9 und 2,25 ist der Überrest des Volkes Israel gemeint, und daher wendet Petrus
das Zitat auf die Juden-Christen an. Sie sind schon jetzt
der wahre Überrest Israels, sozusagen die Erstlingsfrucht des zukünftigen
Überrest Israels in der Drangsalszeit, welcher sich aber erst beim Kommen des
Herrn zu ihm bekehren wird (Sach 12,10; Offb 7,3ff. ua.).
7 Jes 10,3.
Das ist wohl der Tag des Gerichts, - oder der Tag der gnädigen Heimsuchung, die
zur Bekehrung führt (2,z.St.).
8 Jes 53,9
9 Jes
53,4.12
10 Jes 53,5-6;
Hes 34,6
11 Da er zu
bereits Gläubigen spricht, ist die zukünftige und endgültige Errettung des
Leibes bei der Entrückung gemeint (wie 1Pet 1,9).
12 Das Wort
kommt im NT nur an dieser Stelle vor und verdient deswegen schon besondere
Beachtung. Daher wie in der Gräz.: eine Schreibvorlage, meist aus Wachs,
in der alle Buchstaben des Alphabets eingeritzt waren. Sie wurde
Anfängern als Lernhilfe unter ein Blatt Papier gelegt und dann auf dem Papier
durchkopiert. So lernten sie die Buchstaben korrekt schreiben (1,1681; 21,V,61).
Dass Petrus diese spezielle Wortbedeutung im Sinn hatte, beweist sich aus 2Pet
2,6, wo er ein anderes Wort für "Beispiel" verwendete. Ebenso Judas
in Judas 1,7. - Christi Leiden am Kreuz können wir nicht kopieren, aber die Art
wie er lebte und Ungerechtigkeiten geduldig ertrug, soll uns zum Nachahmen
anregen.
13 Milch
spielte zwar auch in den Mysterien-Kulten eine wichtige Rolle, worauf Petrus in
ironischer Weise, - aus diesem Grunde "unverfälscht", - vielleicht anspielen
könnte (37,120), doch wahrscheinlich handelt es sich einfach um einen
bildlichen Vergleich (Säugling - Milch).
14 Als Juden waren sie
in der Diaspora Ausländer im politischen Sinn, auf dieser Erde waren sie Pilger und
Ausländer im übertragenen Sinn.
15 Dieser
Vers ist eine der grundlegenden neutestamentlichen Stellen über das Priestertum
aller Gläubigen (vgl. 47,z.St.). Die Ausübung dieses Priestertums wird in 1Kor
14,26-40 beschrieben. Petrus wendet Ex 19,6 hier auf Juden-Christen an.
Da aber die Heiden-Christen Mit-Leib sein dürfen, gilt die Verheißung
natürlich auch ihnen. Das bedeutet aber nicht, dass die Gemeinde Israel ersetzt
hat (Röm 11,1-2.29-31).
16 εις ο
(Sg.Neut.) bezieht sich grammatisch entweder auf "das Ärgernis", oder
auf "das Anstoßen", oder auf beides, und außerdem bezieht sich die
ganze Schlussfolgerung auf das abgefallene Volk Israel und nicht auf
Einzelpersonen (81,63). Natürlich ergibt sich daraus auch eine Anwendung
auf jeden Einzelnen. Wer dem Wort nicht gehorcht, ist dazu bestimmt sich an dem
Wort zu stoßen und dadurch verloren zu gehen. Er hat die Finsternis mehr
geliebt als das Licht (vgl. Joh 3,18-21.36; 2Thes 2,12). Es ist dies also keine
Aussage über eine Vorherbestimmung zur Verdammnis. Vgl. auch die Anm. bei Röm
9,22
17 Die Kaiser
wurden in der Frühzeit des römischen Reiches auch noch manchmal Könige genannt
(vgl. auch Offb 17,9b). Dieser Kaiser war wahrscheinlich Nero. Er war ein Sohn von Agrippina (aus erster Ehe),
der vierten Frau von Kaiser Claudius. Er wurde von Claudius adoptiert, der ihn seinem
leiblichen Sohn Britannicus aus dritter Ehe, immer vorzog. Neros Erzieher war
der Philosoph Seneca, der anfangs einen guten Einfluss auf ihn ausübte. Als
Agrippina ihren Mann Kaiser Claudius vergiften ließ, damit ihr Sohn Nero Kaiser
werden könne, wusste Nero von dem Mord. Doch als er dann selbst zum Kaiser
ausgerufen wurde, hielt er noch heuchlerisch die Leichenrede für seinen
Ziehvater Claudius. Nero ließ Britannicus später vergiften, einige Zeit später
auch seine eigene Mutter Agrippina. Von seiner Frau Octavia ließ er sich
scheiden, schickte sie in die Verbannung, wo sie starb, und heiratete dann seine
Geliebte Poppaea Sabina, die sich zur Schutzherrin der Juden machte. Im Jahr 64
n.Chr. wurde Rom durch einen schrecklichen Brand verwüstet. Da die Güter Neros
und seines Freundes Tigellinus unbeschädigt blieben, geriet Nero in den
Verdacht, den Brand selbst gelegt zu haben, damit er Rom neu aufbauen lassen
könne. Nero beschuldigte die verhassten Christen als die Brandleger und ließ
sie als Sündenböcke verfolgen. Nach Aussage von Tacitus (Annalen, 15,38-44) ließ
er etliche von ihnen mit Pech übergießen und nachts als lebendige Fackeln in
den kaiserlichen Gärten anzünden. Andere wurden bei den Spielen im Kolosseum an
die wilden Tiere verfüttert. Wahrscheinlich ließ er den Apostel Johannes auf
die Insel Patmos verbannen. Nero verfiel mehr und mehr einem zügellosen
Lebenswandel und einem künstlerischen Wahn. Eine aufgedeckte Verschwörung
kostete seinem Mentor Seneca und auch seiner schwangeren Frau Poppaea das Leben,
als er sie in einem Anfall von Raserei zu Tode trampelte (65,II,161). Ein Jahr später heiratete er wieder
und begab sich auf eine Künstlertournee nach Griechenland, wo er selbst als
Schauspieler auftrat. Wahrscheinlich wurde unter seiner Regierungszeit der
Apostel Johannes auf die Insel Patmos verbannt. Neros Bestialität war in
christlichen wie nichtchristlichen Quellen sprichwörtlich und hat die
Brutalität und Perversität aller anderen römischen Kaiser in den Schatten
gestellt. Er tötete Vater, Mutter, Bruder, Tante und Ehefrau. Er hatte sexuelle
Verhältnisse mit Verwandten, Frauen und Männern, er liebte Vergewaltigungen und
Marter aller Art und kastrierte einen Jungen, den er dann heiratete und versuchte
zum Mädchen zu machen. Sueton berichtet in diesem Zusammenhang auch, dass Nero
in Fellen wilder Tiere verkleidet, Frauen, Männer und Tiere vergewaltigte
(86,10). Unter seiner Regierungszeit wurden die Apostel Paulus und Petrus
hingerichtet. Durch den Aufstand einiger Feldherren und der Prätorianergarde,
wurde er schließlich in den Selbstmord getrieben. Er hatte 14 Jahre regiert. Da
er keinen Nachfolger bestimmt hatte, stürzte das römische Reich daraufhin in
eine große Krise und vier Feldherren stritten sich ein Jahr lang um die
Nachfolge, woraus schließlich Vespasian als Sieger hervorging (52,IV,71ff;
65,III,116.414).
18 Ein
Gedicht über Leiden: https://drive.google.com/file/d/12zSkp-Y6YdklWawRpd3n5W5xfdD0Zmei/view?usp=sharing.
19 Aufgabe der Obrigkeit ist es Gutes zu belohnen und zu
fördern und Böses zu hindern und zu bestrafen (Röm 13,3-4; Spr 17,15). Wenn sie
anfängt dies nicht mehr zu tun (z.B. bei Abtreibung; der gleichgeschlechtlichen
Ehe; Sterbehilfe; wenn es finanziell günstiger ist in wilder Ehe zu leben, als
zu heiraten; wenn Täter verschont werden und Opfer leer ausgehen; udgl.), ist
sie von Gott angezählt und wird irgendwann von ihm abgesetzt werden,
wovon es in der Geschichte viele Beispiele gibt.
1.Petrus 3
1 Ps 34,13-17
2 Die Partizipialkonstruktionen
in Vers 5-6 wird man wohl am besten so verstehen, dass die Worte "wie Sara
dem Abraham gehorchte" als Einschub gedacht sind (81,89). Also: Sara war
ihrem Mann immer (Ptz.Präs.) untergeordnet, was sich daran zeigte, dass
sie ihn im Herzen (Gen 18,12a) Herr nannte. Ihr Gehorsam war eine logische
Folge ihrer Unterordnung. Dass sie bei ihrer Unterordnung unter ihren
fehlerhaften Mann ständig (Ptz.Präs.) auf Gott hoffen musste und sich
dabei nie (Ptz.Präs.) fürchten durfte, beweisen die Ereignisse in Gen
12,13-20 und Gen 20,2-13. Denn Abraham verleugnete seine Frau zweimal,
um seine eigene Haut zu retten. Ebenso wie an Sara, wird Petrus vielleicht auch
an Rebekka, Hanna, und andere Frauen im AT gedacht haben.
3 Der Ausdruck Gefäß steht
für den menschlichen Körper von Mann und Frau, insbesondere aber für den Körper
der Frau. Der Ausdruck "Gefäß" weist dabei anschaulich auf die
Zerbrechlichkeit der Frau hin, nicht nur im körperlichen Bereich, sondern vor
allem im seelisch-emotionalen Bereich. Darauf muss der Mann im tagtäglichen
Umgang mit seiner Frau Rücksicht nehmen, um sie nicht zu kränken oder emotional
zu verletzen.
4 Jes 8,12
5 Petrus spielt hier auf Jes
8,13 an, wo der HERR aber Jahwe selbst ist. Ohne Umschweife bezeichnet
er hier Christus als HERRN und setzt ihn damit Jahwe gleich.
6 Damit sind wahrscheinlich
ungläubige Ehemänner gemeint (vgl. 1Pet 2,8), aber man kann es auch auf
fleischliche gläubige Ehemänner anwenden.
7 Falls ein konditionales
oder temporales Ptz.: "...sie mussten ihre Hoffnung auf Gott setzen (so
wie Sara in Gen 12,13ff und Gen 20,2ff), wenn/während/als sie sich ihren
fehlerhaften Männern unterordneten, und durften dabei keinen Schrecken fürchten".
Der Hinweis auf Gen 18,12 b ("...und ihn Herr nannte"), dürfte
das konditionale oder temporale Partizip bestätigen. Denn Sara musste auf Gott vertrauen,
als sie wieder mit Abraham Beischlaf hatte, damit sie beide, trotz ihrer
Unfruchtbarkeit und seiner abnehmenden Zeugungsfähigkeit, ein Kind erwarten
konnten. Möglich wäre auch, wie in Vers 1, die modal-imperativische Übersetzung
des Ptz.Präs.Pass.: "Ebenso schmückten sich auch die heiligen auf Gott
hoffenden Frauen, und ordneten sich den eigenen Männern unter,…" (95,z.St.;
44,709; 47,z.St.).
8 Vom häuslichen
Zusammenleben der Eheleute. Das Wort im spezielleren Sinn vom geschlechtlichen
Beiwohnen aufzufassen, schließt der allgemein gehaltene Kontext eher aus (81,90;
95,z.St.).
9 Wenn υμων nur für Männer
gilt: "...die Gebete von euch Männern nicht erhört werden" (vgl. Jak
5,4), wenn υμων aber für Mann und Frau gilt: "...eure gemeinsamen
Gebete nicht verhindert werden".
10 Das Wort κηρυσσω bedeutet
hier seinen Erlösungstod als Sieg proklamieren, und nicht evangelisieren
(= ευ-αγγελιζω), um Errettung anzubieten.
11 Mit Gefängnis ist der
Hades gemeint (vgl. dazu Röm 10,7 und Apg 2,31). Höchstwahrscheinlich sind hier
die gefallenen Engel aus Gen 6,1ff; 2Pet 2,4-6 und Jud 1,6-7 gemeint. Nur Engelwesen
werden in der Bibel "Geister" genannt (Heb 1,14). Menschen haben zwar
einen Geist, sie werden aber nie "Geister" genannt, auch nicht in Heb
12,23, wo von den vollendeten Gerechten gesprochen wird, dass sie im Zustand
des Geistes, auf ihren Herrlichkeitsleib bei der Auferstehung warten. "Geister",
ohne nähere Bestimmung, sind im NT immer Engelwesen (33,1141). Auch nach
jüdischer Überlieferung (1.Buch Henoch 21,6-10) vergingen sich die gefallenen
Engel von Gen 6,1-4 an menschlichen Frauen und wurden zur Strafe an einem
finsteren Ort in der Unterwelt bis zum Gericht gefangen gehalten (59,366;
64,680; 65,III,134). Demnach sagt Petrus hier, dass Christus nach seinem
Kreuzestod und noch vor seiner Auferstehung, den gefallenen Engeln
seinen Sieg am Kreuz proklamierte (daher κηρυσσω und nicht ευ-αγγελιζω =
evangelisieren). So auch im 1.Buch Henoch 16,3.
12 Gemeint ist ein
aufwendiges und kunstvolles Flechten der Haare mit Knoten und Zöpfen, und mit Goldschnüren
durchwoben, wie es bei den vornehmen Frauen der damaligen Zeit üblich war
(52,II,897). Diese Prozedur verschlang viel Zeit, und ist deshalb für
christliche Frauen unangebracht. Ein stiller und sanfter Geist hingegen, galt
als eine der höchsten Tugenden einer Frau (65,III,130).
13 In den Papyri ab dem
2.Jhdt. ein juristischer t.t bei Verträgen: die Antwort auf die formale und
untersuchende Frage des Richters an die beiden Vertragspartner und die daraus
resultierende Antwort als die Verpflichtung, den Vertrag einzuhalten (37,232;
44,712). Diese spezielle Bedeutung scheint hier eher angebracht als die
allgemeine Bedeutung "Bitte". Warum sollte ein Neubekehrter die Bitte
an Gott um ein gutes Gewissen äußern, wenn sein Gewissen bei der Wiedergeburt
gerade durch das Blut Jesu von toten Werken gereinigt wurde (Heb 9,14)? Es
scheint der Gedanke näher zu liegen, dass Petrus hier die Taufe als den
Eintritt in einen Bund mit Gott sieht, also eine Art Versprechen, welches nun
durch die Taufe äußerlich besiegelt wird, so wie mit der Beschneidung der Alte
Bund äußerlich besiegelt wurde (vgl. Kol 2,11-12), oder wie man mit dem
Eheversprechen eine Ehe besiegelt. In der Urgemeinde war die Taufe verbindlich
für den Eintritt in die örtliche Gemeinde. Es gab keine Ungetauften in den
Gemeinden. Vgl. die Anm. bei Röm 6,3. Möglich wäre natürlich auch die
allgemeine Bedeutung: die bittende Anfrage oder Forderung eines guten Gewissens
(1,578; 2,1224).
14 Und nicht fremden
Männern, um damit die Unterordnung unter den eigenen Mann zu unterlaufen.
15 Auch der Kaiser trug den
Titel ΚΥΡΙΟΣ. Vielleicht möchte Petrus in der beginnenden Verfolgungssituation
darauf anspielen und sagen, dass nur Christus diesen Titel verdient.
16 Eine Sache oder
Begebenheit, die einem Vorbild entspricht oder es widerspiegelt. Die Rettung
der Familie Noahs in der Arche durch die Flut hindurch, ist ein Vorbild, die
Taufe dagegen das Abbild (d.h. ein Gegenbild bzw. Spiegelbild; vgl. Ex 25:40)
dazu. In beiden Fällen rettet nur der Glaube selbst, Arche und Taufe sind aber
ein Bild für diese Rettung.
17 Der mittlere Teil von Vers
21 ist ein erklärender Einschub, - daher: "...gegenbildlich errettet, …,
durch die Auferstehung" (81,119). Das Hindurchgerettet werden geschieht also
nicht durch die Taufe, sondern aufgrund der Auferstehung Christi, an der wir durch
den Glauben und die Wiedergeburt geistlich teilhaben durften (vgl. Röm 6,3ff
ua.). Die Glaubenstaufe ist zwar nur ein äußerliches Symbol dieser Errettung,
aber dennoch von Christus selbst angeordnet (Mt 28,19; Mk 16,16), und in der
Urgemeinde ausnahmslos und selbstverständlich praktiziert.
18 Einige Hs. haben "starb",
statt "litt". Doch das Wort "litt" passt besser zum
Gedanken des Leidens aus Vers 17 und in 1Pet 4,1. Das Leiden ist ein wichtiges
Thema in diesem Brief (27,692).
1.Petrus 4
1 Spr 10,12. Das bedeutet
nicht, dass man Sünde unter den Teppich kehrt, sondern, dass die Liebe die
Sünde des anderen vergibt. Man überführt den Sünder unter vier Augen, er
bekennt seine Sünde, man vergibt ihm, und die Sünde wird durch das Blut Jesu
zugedeckt (1Joh 1,9). Diese vergebene Sünde kommt nie mehr zur Sprache (vgl.
Spr 17,9). Vgl. auch die Anm. bei Jak 5,20
2 Jes 11,2
3 Spr 11,31 (LXX)
4 Eine Begründung dafür,
dass die Gläubigen, die schon gestorben sind, nicht zu den Toten von Vers
5b gehören, weil sie schon zu Lebzeiten evangelisiert wurden und auch gläubig
wurden. Sie mussten zwar körperlich sterben, weil dies das Los aller
Sterblichen ist, im Geist aber leben sie jetzt bei Gott (Heb 12,23c), weil sie Gerettete
waren (81,128f).
5 Ein Besserwisser, der sich
überall einmischt; od. viell. spez.: ein Hehler, Spitzel, Denunziant oder
politischer Aufrührer; od.: einer der etwas unterschlägt bzw. veruntreut (2,z.St.).
6 Das meist ausgedehnte
Trinkgelage, das auch körperliche Schäden nach sich ziehen kann (17,226). Sich
in ausgelassener Weise dem Weingenuss hingeben, was meist in Ausschweifung
endet.
7 Die darauffolgenden Sünden
sind eine typische Beschreibung für den Lebenswandel der Heiden, wie er von den
Juden allgemein verachtet wurde. Besonders der Ausdruck "unerlaubte
Götzenopferfeiern" kann sich nur auf Juden beziehen. Den Heiden waren
Götzendienstfeiern nicht verboten, sondern sogar vorgeschrieben. Ein Beleg
dafür, dass dieser Brief an Juden-Christen geschrieben ist. Daher auch: "...das Vorhaben der Nationen (d.h. der Heiden)".
8 Gemeinsam beim Wein sitzen
und trinken: die Fete, die Zecherei. Nicht notwendigerweise, aber meist doch,
im Rausch endend. Vgl. Sprüche 23,30
9 Sicherlich eine Anspielung
auf Hes 9,1.6c. - Das "Ende der Zeiten" hat schon mit dem Kommen Jesu
begonnen (vgl. 1Pet 1,20). Es wird sich vollenden in der "Offenbarung Jesu
Christi" bei seiner Wiederkunft (1Pet 1,7.13), welche dann das "Ende
aller Dinge" und das Ziel der Geschichte ist, nämlich die Offenbarung der
Herrlichkeit Gottes am Tag Christi (vgl. 47,z.St.).
10 Der Gedankengang von 1Pet
3,18 wird wieder aufgenommen und weitergeführt.
11 Vielleicht beginnt hier
ein Einschub, und mit dem "der
gelitten-Habende im Fleisch" ist Christus
selbst gemeint (1Pet 3,18), der im Sinne von Röm 6,2.6-7 durch sein Leiden am Kreuz
mit der Sünde abgeschlossen hat (daher Perfekt), sodass der Gläubige mit
Christus mitgestorben ist und daher nicht mehr weiter sündigen muss oder soll.
Daher kommt diese Feststellung auch nach dem Vers über die Taufe (1Pet 3,21),
die dieses Mit-gestorben-sein mit Christus ja symbolisiert (81,122f). Auch die
Tatsache, dass "Sünde" ohne Artikel steht, und damit als Abstraktum
gekennzeichnet wird, spricht für diese Auslegung.
12 Vielleicht eine versteckte
Anspielung darauf, dass Nero in seinen Gärten Christen mit Pech übergießen und
als lebendige Fackeln anzünden ließ. Die Verfolgung, die 64 n.Chr. in Rom
begann, hat sich dann auch auf Kleinasien ausgeweitet. Oder das Bild von der
Läuterung in 1Pet 1,7 wird wieder aufgegriffen (65,III,137).
13 In Gräz. für die
Anstrengung der Athleten, um zu gewinnen; auch für Pferde im Galopp.
1.Petrus 5
1 In 1Pet 2,18 und 3,7 ist
die Anrede mit Artikel, hier ohne Artikel, vielleicht deshalb, weil er sich
nicht an alle Ältesten in den Gemeinden richtet, sondern nur an die aus der
Beschneidung? Jedenfalls zeigt Vers 2, dass an das Amt des Ältesten gedacht ist
(81,143).
2 Spr 3,34 (LXX); vgl. Jak
4,6-7
3 Ps 22,14. Zu dieser Zeit
wurden unter der Regierung von Nero bereits Christen im römischen Kolosseum bei
den Spielen an die wilden Tiere "verfüttert".
4 Das sind nicht einfach
alle älteren Männer, denn das wäre πρεσβυτας (wie Tit 2,2), sondern eben die
Ältesten. Dass sie aber hier im Gegensatz zu den an Jahren jüngeren stehen
zeigt, dass ein "Ältester" auch älter an Jahren ist, und so nicht
mehr zur Klasse der "Jüngeren" gehört (81,143). Damit wäre bewiesen,
dass jüngere Männer keine Ältesten sein können. Auch die Anforderungen an
Älteste in 1Tim 3,4 und Tit 1,6 (mehrere und gläubige Kinder) zeigen, dass es
sich um reifere Männer handeln muss. Tertullian schreibt 197 n.Chr. in seiner
Apologie, dass in den Gemeinden nur die bewährtesten ältesten Männer den
Vorsitz führen, weil sie durch ihren guten Ruf diese Ehre im Laufe ihres Lebens
erlangt hatten (58,273).
5 Das ist der Prozessgegner
vor Gericht, wie in Mt 5,25
6 Wenn Petrus zurzeit der
ersten Christenverfolgung durch Nero in Rom, seinen Brief von dort schreibt,
ist diese Ausdrucksweise wohl als verschlüsselte Bezeichnung für die Gemeinde
in Rom zu verstehen (65,III,141; 81,160ff). Das Babylon am Euphrat war zurzeit
von Petrus fast unbewohnt (2,z.St.). Erst später wurde es das Zentrum des diasporischen
Judentums. Die gleichnamige römische Militärstation Babel am Nil, neben dem
heutigen Kairo, ist zu weit entfernt. Ein Aufenthalt von Petrus an einem dieser
beiden Örtlichkeiten hat keine historisch glaubwürdigen Beweise. In 2Tim 4,11
bittet Paulus den Timotius, Markus zu ihm nach Rom mitzubringen. Nach dem Tod
von Paulus könnte Markus, ebenso wie Silvanus (= Silas), gut zum Mitarbeiter
von Petrus geworden sein. Petrus schreibt in einer Verfolgungssituation und
muss sich verhüllt ausdrücken.
7 Ein Kranz aus
Amarantblumen (= "Tausend-und-schön" bzw. "Immortellen")
die nie verwelken, auch dann nicht, wenn sie abgezupft und in Wasser gestellt
werden. Sie waren daher ein Symbol für Unsterblichkeit und Unvergänglichkeit.
Normalerweise wurden die Siegeskränze aus verwelklichen Materialien wie
Lorbeer-, Eichen-, Öl- oder Myrrhenzweigen, verziert mit Veilchen oder Rosen,
hergestellt.
8 entw. im Sinne einer
Amtsbezeichnung: Petrus der Mitälteste zusammen mit anderen Ältesten
(vielleicht in der Gemeinde in Rom, oder davor in Jerusalem?). Es waren ja
immer mehrere Älteste in einer christlichen Gemeinde. Dafür spricht der Hinweis
auf den Oberhirten in Vers 4. Möglich aber auch: der Mitältere, d.h. jemand der
auch zur Generation der Älteren gehört. Dafür würde der Gegensatz zu den
"Jüngeren" in Vers 5 sprechen.
9 Zusammen mit jemand
anderen von Gott auserwählt sein. Feminin, weil die Gemeinde in Rom gemeint
ist. Indem er Markus seinen Sohn nennt, erweckt er klugerweise den Eindruck,
die "Auserwählte" wäre seine Frau und Markus sein Sohn (vgl. Mt
10,16).
10 entw. mod.:
"...demütigt euch…indem/wobei..."; eher aber als imperativ. Ptz.:
"…und schmeißt drauf eure Sorge..." (2,z.St.). Mit dem Ausdruck
επι-ριπτω (= etwas Schweres irgendwo draufschmeißen) deutet Petrus an, dass die
Sorge manchmal sehr schwer sein kann.
11 Vielleicht eine Anspielung
auf die Losteile für das Volk Israel im Land Kanaan (Dtn 9,29).
12 Schon in frühester Zeit
wurde in den Gemeinden festgelegt, dass nur Männer andere Männer, und Frauen
andere Frauen, auf beide Wangen küssen (21,V,80).
13 Der εγ-κομβωμα ist der
Schurz, den sich die Sklaven bei der Arbeit über das Gewand knoteten, und der
sie vom freien Mann unterschied (1,128). Im übertragenen Sinn: alle
sollen sich im Umgang miteinander die Demut wie einen Schurz umbinden. Damit
ist auch ausgesagt, dass wahre Demut sich im Dienst für den anderen
manifestiert.
Petrus B
2.Petrus 1
1 Dieses Wort wurde auch für Ausländer
gebraucht, die eingebürgert wurden und dann den Einheimischen gleichgestellt
waren.
2 "...aus diesem
Grund" (d.h. weil uns Versprechungen geschenkt wurden/weil wir entronnen
sind).
3 "Weil (Vers 3)...,
darum (Vers 5)...reicht dar...".
4 Zu dem, was Gott uns schon
geschenkt hat, unseren Teil hinzufügen, wie auch Gal 3,5 und 2Kor 9,10 zeigen.
In Gräz.: freiwillig und großzügig die Kosten für einen Chor zu Ehren der
Götter übernehme; daher allg.: etw. zur Verfügung stellen.
5 Mögl. auch: "...die
Augen verschließend".
6 Da Erwählung nach
Berufung steht ist entweder, so wie in Joh 15,16, die Erwählung zum
Fruchtbringen gemeint, vgl. Vers 8 "fruchtlos" (81,185); eher aber rückblickend:
"eure Berufung und die noch davorliegende ewige Erwählung". Will
Petrus damit sagen, dass Berufung und Erwählung nur auf Bewährung sind, und
sich erst mit Fleiß verdient werden müssen? Dies kann nicht sein, denn in 1Pet
1,3-5 hat er schon bestätigt, dass sie wiedergeboren sind zu einer lebendigen
Hoffnung, und durch Gottes Kraft bewahrt werden, um das Ziel des
Glaubens, die endgültige Errettung, zu erreichen. Gemeint ist vielmehr, dass
unsere Glaubenswerke die Echtheit unserer Berufung und Erwählung als
zuverlässig bestätigen werden.
7 Und nicht nur so wie
durchs Feuer hindurch.
8 Da Konj.Aor. ist wohl an
die zukünftige Verherrlichung gedacht. Hätte Petrus sagen wollen, dass wir
schon jetzt Teilhaber der göttlichen Natur sind, hätte er wohl den Konj.Präs.
oder das Perf. verwendet.
9 Möglicherweise ein
Seitenhieb auf einen t.t. der Mysterien-Religionen: der "Weihzeuge"
der als Augenzeuge in die höchsten Grade der Mysterien eingeweiht wurde
(21,V,130; 65,III,147).
10 Das bedeutet entw.: "...keine
private Auslegung", entweder durch den Propheten, der sie aussprach
(wie 1Pet 1,10-12), oder durch Verdrehung, wie bei den falschen Lehrern von
2Pet 2,1 und 3,4, die eine persönliche Wiederkunft Christi leugneten. Oder, aber
eher unwahrscheinlich: eine Prophetie, die sich nicht erfüllt und daher von
selbst annulliert (vgl. 21,V,132).
11 In Gräz. von einem Schiff,
dass vom Wind übers Meer getrieben wird.
12 Das ist die Venus. Es ist
der Stern, den man als letzten beim Morgengrauen noch sehen kann, bevor die
Sonne aufgeht.
13 Da σωτηρος (Erretter) hier
ohne Artikel steht, wird Christus hier als Gott und Erretter bezeichnet
(wie auch in Tit 2,13). Hier ist wieder eine der Stellen, die die Gottheit
Christi herausstreichen (13,60). Vgl. auch noch: Joh 1,18; 8,58; 10,30-39;
20,28; Röm 9,5; Tit 2,13 ua.
14 D.h. aufgrund dessen, was
wir auf dem Berg erlebten (2,z.St.).
15 Dies ist eine der
deutlichsten Schriftstellen, welche die Verbal-Inspiration (d.h. Gott
sprach durch Menschen) von einer Diktat-Inspiration unterscheidet
(d.h. Gott diktierte einfach die Worte, ohne auf Sprachstil und Vokabular der
Schreiber zu achten).
2.Petrus 2
1 Also falsche
Gläubige unter den echten Gläubigen, die diese Ehrfurchtslosen aber noch nicht
durchschaut haben (wie Jud 1,12)!
2 D.h.
Ausschau haltend nach einer Frau, mit der sie Ehebruch begehen können (2,z.St.).
3 Sie sind
also nur den äußerlichen Befleckungen für eine Zeit lang entkommen, aber
nicht dem ewigen Verderben, weil sie eben nur Bekenner sind. Vgl. im Gegensatz
dazu die wahren Gläubigen in 2Pet 1,4!
4 Bloße
Erkenntnis des Heilsweges allein errettet nicht, wenn sie nicht zum echten
Glauben führt, wie das Sprichwort im Vers 22 dann beweist!
5
Wahrscheinlich meint er die Begebenheit in Gen 6,1-4 (vgl. auch Jud 1,6), wo
gefallene Engel sexuellen Kontakt mit menschlichen Frauen eingingen (daher:
"fremdes Fleisch"), und als Strafe in den Tartarus geworfen
wurden, um dort bis zum letzten Gericht gefangen gehalten zu werden (81,218;
Josephus, Antiquitates I,3,1). Für diese Erklärung spricht auch der gleich
darauffolgende Vergleich mit Sodom und Gomorra, wo umgekehrt Menschen mit
Engeln sexuellen Verkehr haben wollten.
6 Der Hund
und das Schwein galten bei den Juden als der Inbegriff unreiner Tiere. Das
Sprichwort zeigt, dass die falschen Lehrer (V.1) in ihrer Natur nie
verändert wurden. Sie wurden nie wiedergeboren, und haben den Glauben nur
äußerlich übernommen. Vgl. den ähnlichen Wortlaut in Bezug auf Judas Iskarioth
in Mt 26,24b. Das
erste Zitat ist aus Spr 26,11, die Herkunft des zweiten Sprichwortes ist zwar
unbekannt, aber es wurde häufig gebraucht.
7 Es
handelt sich hier um eine Vorhersage. Daher spricht es nicht gegen
Gemeindezucht, wenn diese falschen Lehrer zum Zeitpunkt des Briefes noch in der
Gemeinde "schlummerten". Vgl. Jud 1,23b wo deutlich gesagt wird, sich
von solchen fernzuhalten. Es könnten aber auch umherziehende falsche Lehrer
gemeint sein, die man gar nicht erst in Gemeinschaft aufnimmt (vgl. 2Joh 1,10).
8 oder:
falsche Lehren neben der Wahrheit miteinführen, wodurch "der Weg
der Wahrheit verlästert wird" (21,V,133).
9 Jesus ist
im doppelten Sinn Gebieter aller Menschen. Erstens gehören sie ihm, weil er ihr
Schöpfer ist, zweitens gehören sie ihm, weil er für alle den Loskaufpreis
bereitgestellt hat. Durch seinen Opfertod am Kreuz, hat der Herr Jesus alle
Menschen für Gott erkauft (2Kor 5,14; 1Tim 2,6; Heb 2,9). Vgl. Mt 13,44, wo er
den ganzen Acker kauft, obwohl er nur den Schatz möchte. Die Aussage
beweist aber keineswegs, dass diese falschen Lehrer jemals wiedergeboren waren.
Das Bild am Ende des Kapitels (Vers 22), sagt nämlich genau das Gegenteil: sie
waren in ihrer Natur immer gleichgeblieben.
10 Werden
sie erst im Gericht bestraft, oder schon jetzt während der Wartezeit auf das
Gericht?
11 Nach
jüdischer Tradition predigte Noah während des Baues der Arche den Menschen das
bevorstehende Gericht (21,V,135). Noah bereitete die Arche zur Rettung
nicht nur für sich selbst - wie Gott es ihm ursprünglich sagte (Gen 6,14; hebr.
w.: "für dich…", und Gen 6,18 "mit dir…") -
sondern im Glauben auch für sein ganzes Haus. Zum Zeitpunkt, als er mit dem Bau
der Arche begann, war nur er gerecht in Gottes Augen (Gen 6,8-9). Doch Gott
hatte in seiner erwählenden Gnade schon die Rettung des ganzen Hauses
vorherbestimmt (Gen 6,18), was dann dazu führte, dass auch sein ganzes Haus
seiner Predigt glaubte und in die Arche stieg.
12 Soll das
Aktiv, statt dem erwarteten Passiv vielleicht ausdrücken, dass Lot ja selbst
schuld war, da er freiwillig in diese Wohnsituation hineinging und auch darin
blieb (21,V,136)?
13 Vielleicht
durch Homosexualität, wie in Gen 19,1ff.
14 Damit
sind entweder die Irrlehrer gemeint oder gefallene Engel, wie in Jud 1,9.
2.Petrus 3
1 Jes 65,17; 66,22. Beide Jesaja-Stellen
beziehen sich auf das tausendjährige Reich, werden aber von Petrus auf die Neuschöpfung
von Himmel und Erde angewendet, weil das tausendjährige Reich ein Vorgeschmack
auf den neuen Himmel und die neue Erde sein wird. Genauso wenig wie Jesaja den
Zeitraum zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen des Messias erkennen
konnte, konnte er den Unterschied zwischen dem tausendjährigen Reich und der
Ewigkeit erkennen. Dies war den AT-Propheten noch verborgen und wurde erst "den
heiligen Aposteln und Propheten geoffenbart" (Vgl. 1Pet
1,10-11; Eph 3,3-5).
2 Jes 34,4;
od. : "...werden (im Gericht) gefunden werden"; andere Hs.:
"...werden verbrennen" (2,z.St.).
3 Nämlich
die neuartigen Himmel und die neuartige Erde.
4 Nämlich z.B.
im Galaterbrief, der an die gleichen Gemeinden geschrieben wurde wie die
Petrusbriefe. Vgl. Anm. bei 1Pet 1,1. Aber auch der Römerbrief kommt in
Betracht (81,270). - Aufgrund dieser Aussage, und der Tatsache, dass auch
Petrus seine beiden Briefe an Juden-Christen schreibt wurde angenommen, der
Hebräerbrief sei damit gemeint, und stamme daher von Paulus (53,18). Doch dies
ist weit hergeholt, denn Petrus spricht nicht von einem bestimmten Brief
(Singular) des Paulus, sondern ganz allgemein von seinen Briefen (Plural).
5
Pervertieren oder entstellen, indem sie Schriftworte auf listige Weise
verdrehen und ihnen dadurch einen anderen und verfälschten Sinn geben.
6 Damit
stellt Petrus die Briefe des Apostel Paulus auf eine Stufe mit den
alttestamentlichen Schriften und anerkennt sie als ebenso inspiriert.
7 Ein
Geräusch, das verursacht wird, wenn ein Gegenstand mit großer Geschwindigkeit
durch die Luft fliegt (z.B. ein Pfeil oder ein Vogel). Daher: mit großem und
lautem Geräusch, mit Gezische und Prasseln, mit lärmendem und brausendem
Getöse, wie bei einer Feuersbrunst.
8 Damit
sind die Gemeindegründer gemeint (Paulus, Barnabas, Silas).
9 Damit
sind wahrscheinlich die Patriarchen gemeint (vgl. Apg 3,13; 1Kor 10,1; Heb 1,1;
8,9 ua.).
10 Der "Tag des
Herrn" beginnt
mit den Drangsalen kurz vor Christi Wiederkunft (1Thes 5,2; 2Thess 2,2; Apg
2,20), dauert aber an bis zum Ende des tausendjährigen Reiches (Mal 3,19-21),
und schließt am Ende des tausendjährigen Reichs mit dem "Tag des
Gerichts" vor dem
großen weißen Thron. Erst danach wird das Universum durch Feuerbrand aufgelöst
und vollständig vernichtet. Daraufhin beginnt der "Tag Gottes" mit der
Neuschöpfung von Himmel und Erde.
11 Bei der
Schöpfung? Vgl. Gen 1,6.9.10.
12 Da σωτηρος ohne
Artikel steht, wird Christus hier als Gott und Erretter bezeichnet (13,60).
13 Man kann
aus diesem Vers nicht ableiten, die Menschheitsgeschichte würde seit der
Schöpfung 6000 Jahre betragen, und das 7.Jahrtausend wäre dann das
Tausendjährige Reich. Den Petrus sagt nicht: ein Schöpfungstag entspricht
1000 Menschheitsjahren, sondern, ein Tag ist wie 1000 Jahre, d.h.
eine lange Zeit.
14 Falls die Wortbedeutung "beschleunigen" zutrifft, kann dies wohl nur im Sinne von Mt 24,14 durch fleißige Missionstätigkeit gemeint sein (81,265). Doch da die Zeitpunkte für Gottes Handeln schon feststehen, scheint es unwahrscheinlich, dass man etwas beschleunigen kann (48,z.St.).
1.Johannes 1
1 od.: "Aber die
Gemeinschaft, die Unsrige, ist auch mit...".
2 Sünde ohne
Art. im Sg.: Sünde als Prinzip (vgl. 1Joh 3,5). Zu sagen man sei ohne Sünde
würde heißen, man ist so wie Adam im Paradies völlig frei von sündiger Natur.
Das ist die Irrlehre des Perfektionismus (z.B. in der "Heiligungsbewegung",
bei den "Norwegischen Brüdern", ua.). Das Prinzip der Sünde ist wie
ein Gift, dass noch immer in unserer alten Natur schlummert (Röm 7,14-18).
Gnade ist die Medizin, die uns dagegen gegeben ist. Die Ausheilung der "Sündenkrankheit"
ist aber ein lebenslanger Prozess, den die Bibel "Heiligung" nennt
(21,V,172).
3 Das
bedeutet, es gibt keine Sünde, die dem Gläubigen nicht verziehen würde,
wenn er Buße tut und sie bekennt (V.9). Das Thema "Christ und Sünde"
durchzieht das ganze Schreiben: vgl. 1Joh 3,4-9; 3,19-21; 5,3-4; 5,16-18. - Viele
Theologen unterscheiden zurecht zwischen der richterlichen Vergebung und
der väterlichen Vergebung. Die richterliche Vergebung wird einem
Menschen zuteil, wenn er Buße tut und Jesus Christus als seinen Herrn und
Erlöser annimmt, d.h. wenn er von ganzem Herzen darauf vertraut, dass der Herr Jesus
Christus am Kreuz stellvertretend für ihn, die gerechte Strafe über alle
seine Sünden getragen hat. Diesem verspricht Jesus, dass er nicht mehr ins
Gericht kommt (Joh 5,24). Doch jede Sünde, die ein Gläubiger danach tut,
schafft eine Distanz zwischen ihm und Gott als seinem Vater (vgl. Jes 59,1-2) und
verunreinigt ihn. Sobald er Gott diese Sünde bekennt, reinigt ihn Gott davon
und die väterliche Gemeinschaft ist wieder ungetrübt hergestellt. Solange er
aber seine Sünde nicht bekennt, wird Gott ihm den Segen über sein Leben
zurückhalten, seine Gebete bleiben unerhört und sein Dienst wird kraftlos.
4
Wahrscheinlich sind Johannes und die anderen Apostel als Augenzeugen gemeint, vielleicht
aber auch Johannes und die anderen Zeugen von Joh 21,24 (21,V,169).
5
Konj.Präs. + Ptz.Perf. = umschriebener Konj. Perfekt.
6 Das war
die Irrlehre der Nikolaiten (Offb 2,6.14f).
7 Denn Gott
wäre seinem Versprechen (z.B. Heb 8,12; 10,22-23 uva.) untreu, wenn er
uns nicht vergibt, und er wäre ungerecht, wenn er uns die Sünden
trotzdem zurechnet, für die Christus am Kreuz schon die gerechte Strafe
getragen hat. Unbekannte Sünde trübt allerdings unsere Beziehung zu Gott
unserem Vater.
8 Sünden mit
Art. im Pl.: die einzelnen konkreten Sünden, als Folge der innewohnenden Sünde.
9 Der
Ind.Pf. bezieht sich auf den vorigen Vers, d.h. falls man abstreitet, dass man
gesündigt hat, und somit auch nichts zu bekennen hätte.
1.Johannes 2
1 Wahrscheinlich
Gen.subj.: Gottes Liebe zu uns; eher nicht Gen.obj.: unsere Liebe zu Gott, denn
unsere Liebe zu Gott wird niemals vollkommen sein; viell. Gen.qual.: die
göttliche Liebe. Vielleicht möchte Johannes alle drei Möglichkeiten ausdrücken (2,z.St.).
2 od.: der
Lebensdauer; od.: des Lebensunterhalts (= irdischer Besitz). Vgl. die
drei Bereiche bei der Versuchung Satans in Gen 3,6 und bei Jesus (Mt 4,1ff): (1.)
"Begierde
des Fleisches" - "...gut zur
Speise" - "...dass
diese Steine Brot werden". (2.) "Begierde
der Augen" - "...eine
Lust für die Augen" - "...zeigt ihm alle
Reiche der Welt". (3.) "...Prahlerei" - "...Einsicht
zu gewinnen" - "...wirf
dich hinab"
(21,V,178).
3 Ein
kommender religiöser Führer, der gegen die göttliche Autorität Jesu Christi und
gegen den christlichen Glauben kämpfen wird. Da aber die schon zurzeit des
Apostels vorhandenen Anti-Christusse frühgnostisch gesinnte Juden waren,
die Jesus als den verheißenen Messias für Israel ablehnten, wird wohl an einen
kommenden jüdischen, politisch-religiösen Führer zu denken sein (Dan
11,36-39; Joh 5,43; 2Thes 2,3-12; Offb 13,11-17). Er wird sich anstelle von
Jesus Christus als der gekommene (jüdische) Messias ausgeben, und leugnen, dass
"in Christus Gott Mensch geworden ist, und behaupten, dass der Mensch in
ihm selbst zu Gott geworden ist" (Trench). Dieser wird daher auch gegen
Jesus Christus und gegen den christlichen Glauben kämpfen. Auf diese Weise
wären dann beide Grundbedeutungen der Präposition αντι- in der
Bezeichnung "Anti-Christus" enthalten, nämlich, jemand der an die
Stelle von Jesus Christus als Messias treten will, und jemand der gegen
Jesus Christus kämpft.
4 Damit
sind wohl frühgnostische Irrlehrer (z.B. Cerinth) im Geist des kommenden Anti-Christus
gemeint (vgl. 2,1244).
5
Prädikatsnomen mit Art.: der einzigartige und göttliche Christus (2,z.St.), was
von Cerinth geleugnet wurde. Er unterschied zwischen dem Menschen Jesus und dem
göttlichen Christus.
6 Viell.
eine Ellipse: "...im Hinblick auf die Sünden der ganzen Welt"
(vgl. 21,V,174). Selbst bei einer Ellipse wäre das kein Widerspruch dazu, dass
der Herr Jesus stellvertretend nur für die Sünden der Auserwählten die
Strafe bezahlt hat. Sie haben das Rettungsangebot des Evangeliums nicht
abgelehnt, so wie die Verlorenen (vgl. Mt 23,37b; Lk 7,30). - Sühne ist nur die
Bedeckung von Schuld, welche durch den stellvertretenden Opfertod
Christi zustande kam, indem er einerseits Gottes gerechten Zorn auf sich
zog, und andererseits Gottes beschmutzte Ehre wiederherstellte. Sühne beseitigt
die Schuld nicht, aber sie ist die Grundlage von Versöhnung, Erlösung und
Sündenvergebung, welche erst möglich sind, wenn ein stellvertretendes Opfer,
welches Sühnung schafft, dargebracht wurde. Die Schuld des Sünders musste
gesühnt sein, bevor Versöhnung eintreten konnte, und erst, wenn Versöhnung
eingetreten, ist kann Erlösung und Vergebung angeboten werden. Der Sühnetod
Christi eröffnet zwar der ganzen Welt den Zugang zur Versöhnung (2Kor 5,19a;
Kol 1,19-20; Joh 3,16a-17; Heb 2,9) und zur Sündenvergebung, diese wird aber
nur wirksam bei den Auserwählten, die sie im Glauben annehmen und nicht
ablehnen (2Kor 5,20-21; Kol 1,21-22; Joh 3,16b.18; Heb 2,10). Vgl.: 48,1380
7 Bis etwa
zum Alter von 40 Jahren (2,z.St.).
8 od.:
"..., dass sie alle nicht von uns sind"; d.h. dass keiner von ihnen
wirklich wiedergeboren war (44,z.St.).
9
"Folglich nun...". Es markiert den Übergang zu einem neuen
Gedankengang (2,z.St.).
10 Das griechische
Wort für "Beistand" (παρα-κλετος) ist das gleiche, das
im Johannes-Evangelium für den versprochenen Heiligen Geist verwendet wird, den
der verherrlichte Christus seiner Gemeinde gesendet hat. Während Jesus Christus
unser Beistand beim Vater ist, so wird der Heilige Geist der Gemeinde
als Beistand und Stellvertreter Christi auf Erden gesandt (vgl.
Joh 14,16-17; 15,26; 16,7). Wie tröstlich ist es, den zum Advokaten zu haben,
der einmal die Welt richten wird.
11 Diese
Anrede verwendete schon Jesus in Joh 13,33. - Will Johannes damit andeuten,
dass unreife Gläubige mehr in der Gefahr stehen zu sündigen?
12 D.h. indem
wir sein Wort bewahren.
13 Die
Aoriste beziehen sich wohl auf das vorher Gesagte (21,V,177).
14 Die
letzte Stunde ist die "Endzeit", die aber schon zurzeit der Apostel
begonnen hat und die wie Wehen immer schneller heraneilt (vgl. Apg 3,19-21;
1Kor 10,11; 1Pet 1,20; 4,7 ua.).
15 Gott der Vater, der Geist ist (Joh 4,24), und
"den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann" (1Tim 6,16),
kann nur ihm Sohn gesehen werden, der "das Bild Gottes" ist (Kol
1,15). Wer daher leugnet, dass Jesus der Sohn Gottes ist, leugnet auch, dass
Gott Vater ist, und sich nur im Sohn geoffenbart hat (21,V,258).
16 Wahrscheinlich
ein Gen.obj. (2,1243; 7,z.St.), im Sinne von: "Ihr könnt nicht Gott
lieben und den Mammon" (Mt
6,4; Jak 4,4). Eher
unwahrscheinlich ist der Gen.subj.: "die Liebe vom Vater". Doch Johannes könnte den Genitiv auch
in beiden Bedeutungen gemeint haben, denn die Liebe des Vaters zu uns erweckt
in uns die Liebe zu ihm (21,V,178; 44,728).
17 Damit ist
wahrscheinlich Gott gemeint (Jes 40,25; Apg 10,38; Heb 1,9), oder Christus (Joh
6,69; Offb 3,7).
1.Johannes 3
1 Die folgenden
Präsens bedeuten: etwas (nicht) ständig, bedenkenlos und gewohnheitsmäßig tun
(z.B. sündigen, etw. tun, lieben, hassen, bleiben, usw.). Es ist daher kein
Widerspruch zu 1Joh 1,8-10 und 2,1 (13,82; 60,544f). Vgl. Röm 6,1
2 D.h.
Gottes Leben durch den Heiligen Geist in uns wirkend (2,z.St.).
3 Wahrscheinlich
ein Prädikat-Objekt (2,z.St.); od.: "...kein ewiges, in ihm bleibendes
Leben hat"; od. freier: "...kein ewiges Leben in sich wohnen hat"
(vgl. griech. Joh 5,38a). Man kann aus diesem Vers nicht schließen, dass man
das ewige Leben wieder verlieren kann. Johannes will sagen, dass ein Mensch,
der bewusst seinen Mitmenschen ermordet, kein Kind Gottes sein kann.
4
Wahrscheinlich zurückweisend auf Vers 18: "...dass wir lieben...,
daran..."; viell. aber vorausweisend auf Vers 20: "daran, … dass Gott
größer ist".
5 D.h. die
Hoffnung auf seine (baldige) Wiederkunft.
1.Johannes 4
1 Verneinter Imp.Präs.
eventuell: "...hört auf, jedem Geist zu glauben".
2 Wie man
Metall auf Echtheit testet. Dazu hat Gott die Gabe der Geisterunterscheidung
gegeben (1Kor 12,10).
3 Entweder
den, der sich als Lehrer ausgibt, oder den Geist selbst, der dahintersteht,
z.B. bei der Gabe der Sprachenreden oder bei Prophezeiungen. vgl. 1Kor 14,32;
1Tim 4,1
4 D.h. dass
Jesus wahrer Mensch aus Fleisch und Blut und wahrer Gott zugleich war, was vom
gnostischen Doketismus geleugnet wurde.
5 Gemeint
ist der Geist des Anti-Christus, und nicht der Anti-Christus selbst (2,z.St.).
Dieser wird erst in den letzten Tagen auftreten.
6 entw.: "...von uns
in (εις) die Welt herausgekommen"; od.: "...sind
öffentlich aufgetreten in der Welt"; vgl. 2Joh 1,7
7 Das
Perfekt bedeutet: "...gesandt hat" (mit
bleibenden Auswirkungen); der Aorist: "...sandte" (ein
historisches Geschehen) (21,V,191).
8
Wahrscheinlich: Johannes und die anderen Apostel als Augenzeugen. Vielleicht
Johannes und die anderen Zeugen von Joh 21,24 (21,V,192).
9 D.h. ihr
und ich.
1.Johannes 5
1
Präd.Nom. mit Art.: der einzigartige und göttliche Christus (2,z.St.).
2 TR hat hier den Zusatz:
"...im Himmel: der Vater, der Logos und der Heilige Geist, und diese drei
sind eins. Und drei sind die Zeugnis geben auf der Erde". Dieser Zusatz ist
aber sicherlich nicht ursprünglich. Er findet sich nur in drei Hs. aus dem 12.,
15. und 16. Jhdt. (27,715f; 65,III,176).
3 D.h.
keine schwere Last bzw. nicht schwer zu erfüllen; vgl. Mt 11,30, im Gegensatz
zu Mt 23,4
4 Dies ist
nach Dtn 22,26 und Hes 18,24 eine Sünde, auf die im AT nicht die
Todesstrafe stand, sondern für die man ein Sünd- und Schuldopfer darbringen konnte
und musste.
5 Ohne Art.,
d.h. irgendeine Sünde, und daher nicht eine ganz bestimmte Sünde (z.B.
die "Sünde gegen den Heiligen Geist"), wie manche meinen.
6 Die
"Sünde zum Tod" ist eine Sünde, die im Alten Bund nicht durch ein
Opfer gesühnt werden konnte, sondern mit dem körperlichen Tod bestraft werden
musste (vgl. Dtn 22,26 ua.), aber ohne, dass der Betreffende deshalb ewig
verloren war (z.B. Achan, - im NT z.B. Annanias). Vgl. zur Sache auch noch: Gen
20,9; Ex 32,30; Num 18,22; Spr 15,10; Hes 33,1ff; 1Kor 5,5; 11,30 und Jak 5,20.
Im NT sind es solche Sünden, die Gott zwar bei Gläubigen im Hinblick auf die zukünftige
Errettung vergeben hat, die er aber auf Erden mit dem körperlichen Tod bestraft,
wenn der Gläubige nicht rechtzeitig Buße tut. Diese Strafe geschieht zum
Verderben des Fleisches (d.h. des Körpers), damit sein Geist gerettet wird am
Tag des Gerichts (1Kor 5,5). Welche Sünden das sind, wird in den "Sündenregistern"
in Röm 1,29-32 ("…des Todes würdig sind"); 1Kor 5,11; 6,9-10 und 1Tim
1,9b-10 angedeutet, ohne dass damit alle dort angeführten Sünden gemeint sein
müssen. Dabei muss beachtet werden, dass Gott langsam zum Zorn ist und dem
Sünder Zeit zur Buße gibt.
7 Trotz
Ptz.Präs. eine einmalige Tat. Das Präsens erklärt sich aus dem Zusehen des
Zeugen der Sünde; vgl. Joh 8,4
8 Wie in
Spr 10,27; 11,19; 19,16 und Hes 3,21, kann es sich hier nur auf das irdische,
physische Leben beziehen, denn das geistliche, ewige Leben hat der Bruder (Vers
16a) ja schon, und außerdem wird ewiges Leben nicht durch Fürbitte, sondern
durch persönlichen Glauben gegeben. Auch, dass der abstrakte Begriff "Leben"
ohne Artikel steht, spricht für das natürliche Leben.
9 Das
bedeutet im Sinne von Jer 7,16; 11,14 und 14,11-12, dass man für einen
Gläubigen, der eine so schwere Sünde begangen hat, die im AT mit dem
körperlichen Tod bestraft worden wäre, nicht mehr fürbittend eintreten soll, da
Gott selbst diese Sache in die Hand nimmt. Er wird ihn mit dem körperlichen Tod
züchtigen, wenn er nicht rechtzeitig Buße tut (vgl. 1Kor 5,5; 11,30). Wenn er
nicht Buße tun will, hilft Fürbitte auch nicht.
10 Zuerst
sind hier die Gläubigen gemeint. Von ihnen wird immer das Ptz.Perf. (γεγεννημενος)
verwendet (vgl. Joh 3,6.8-9; 5,1.4.18). Mit dem Ptz.Aor. (γεννηθεις) ist
aber der Herr Jesus gemeint (27,718). Der Gedanke, dass der Gläubige sich
selbst vor Satan bewahrt, wäre nicht sehr tröstlich. Unsere Heilssicherheit
besteht nicht darin, dass wir uns selbst bewahren, sondern dass
uns Christus, der himmlische Hohepriester bewahrt.
11 Vgl. Hiob
1,11-12; 2,5; Ps 105,15 (LXX). Wenn nicht einmal eines unserer Haare ohne
Gottes Zulassung zu Boden fällt, wie sollten wir dann als Ganzes dem Teufel zum
Opfer fallen. Die Ansicht, dass der Teufel noch "Anrechte" auf einen
Gläubigen hat, wenn dieser vor seiner Bekehrung okkulte Dinge praktiziert hat,
schmälert und verunehrt das umfassende Erlösungswerk Gottes und entehrt damit
Gott. Es ist unmöglich, dass ein Gläubiger noch dämonisiert ist, oder dämonisiert
wird, denn "wenn nun der Sohn euch freimachen wird, seid ihr wirklich frei"
(Joh 8,36). Außerdem ist der Leib, und nicht nur der Geist, des Gläubigen ein
Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19) und der Heilige Geist teilt sich
bestimmt keinen Tempel mit einem Dämon. Der Gläubige steht unter dem besonderen
Schutz des Herrn Jesus, "der Böse tastet ihn nicht an" (1Joh 5,18).
Der Einfluss Satans auf den Gläubigen kann daher nur von außen kommen, durch
die Verlockung verführt Satan ihn zur Sünde (Jak 1,14-15). Wenn man in der
Seelsorge Probleme im Glaubensleben auf den Teufel abschiebt, verhindert das
die eigene Verantwortung im Umgang mit Sünde, was sich katastrophal auswirken
kann. Vgl.
auch die Anmerkungen bei Mt 12,29; 18,19 und Apg 19,19
12 Dies ist eine
Widerlegung der gnostischen Irrlehre, wonach der göttliche Christus angeblich
bei der Taufe ("durch Wasser") in dem Menschen Jesus Wohnung genommen
haben soll, um ihn dann kurz vor seinem Leiden wieder zu verlassen, und die
Erlösung demnach nicht "durch Blut", sondern allein durch die
gnostische "Erleuchtung" zu erlangen sei. Dem setzt Johannes
entgegen, dass der Christus "nicht nur im Wasser, sondern im Wasser
und im Blut gekommen ist". Der am Kreuz gestorbene Jesus, war genau
der gleiche Christus, der im Jordan getauft wurde. Diese Aussage richtet sich
gegen die im 1.Jhdt. verbreitete doketisch-frühgnostische Irrlehre von Cerinth
(21,V,195; 2,1252; 25,588).
13
Vielleicht falsche Gottesvorstellungen, wie sie von den gnostischen Irrlehren
verbreitet wurden (2,z.St.); od.: von der Anbetung der Kaiserstatuen, dem auch
die Christen Räucheropfer darbringen sollten (65,III,177). Heute ganz allgemein
alles, was einen ungebührlich hohen Stellenwert im Leben eines Gläubigen
einnimmt und wofür er viel Zeit, Geld und Opfer aufbringt. Vgl. die Aussage von
Paulus, dass Habgier wie Götzendienst ist (Eph 5,5; Kol 3,5). Götzendienst ist
für Gott die schlimmste Sünde die ein Mensch begehen kann, denn sie beleidigt
Gott selbst. Götzendienst ist Dämonendienst (1Kor 10,19-20). Darum steht die
Warnung vor Götzendienst in den 10 Geboten auch an erster Stelle. Wer Probleme
mit Götzen hat (z.B. Süchten), ist nach 1Joh 2,12 in diesem Bereich noch ein "Kindlein"
im Glauben. Darum spricht Johannes hier nicht zu den Jünglingen oder Vätern.
14
Vielleicht der Geist der in Gestalt einer Taube bei der Taufe auf Jesus kam.
15 Präd.Nom.
mit Artikel bedeutet eine betonte Gleichsetzung mit dem Subjekt (2,z.St.). Die
Gottheit Christi wird hiermit gegen die gnostischen Irrlehren unterstrichen.
Christus ist der wahre Gott, im Gegensatz zu den falschen Gottesvorstellungen
der Irrlehrer.
16 Zuerst
das Präs., weil der Kampf noch im Gange ist, dann das Ptz.Aor., weil der
Sieg schon sicher ist (21,V,194).
17 Sein
Evangelium schrieb Johannes, damit Ungläubige an Jesus als den Sohn
Gottes Glauben und so ewiges Leben bekommen (Joh 20,31), aber diesen Brief
schrieb er an Gläubige, damit sie sicher wissen, dass sie ewiges Leben
als gegenwärtigen und bleibenden Besitz (= Perfekt) haben (21,V,197).
18 Die
Zusage ist, dass er uns hört, nicht unbedingt, dass wir immer das bekommen, was
wir erbitten! Er gibt uns immer das Beste.
19 Im
Glauben haben wir sie bereits erfüllt bekommen, auch wenn wir noch auf Gottes
Zeitpunkt warten müssen. Vgl. die Anm. zu Mk 11,24
20 Das
verneinte Ptz.Präs. könnte andeuten, dass der Betreffende nicht weiter in
seiner Sünde verharren möchte, sondern Buße tun will.
21 In Bezug
auf das Eingehen in die Herrlichkeit Gottes führt jede Sünde zum Tod (Röm
6,23), also können hier nur die Sünden gemeint sein, die von Gott nicht
mit dem körperlichen Tod bestraft werden.
Johannes B
1 Der
"Älteste" ist Ehrentitel einer damals offenbar bekannten und
unverwechselbaren Persönlichkeit, nämlich von Johannes, dem letzten noch
lebenden Apostel. Vielleicht ist es auch, wegen der Verfolgung, eine
verhüllende Bezeichnung.
2 Wenn ein
Eigenname, dann ist Cyria eine Christin. In den Papyri auch in der höflichen
und liebevollen Anrede in Briefen (37,364). Johannes könnte also auch an eine
liebe Bekannte geschrieben haben, dann: "Meine Liebe Cyria...". Eher
aber eine verhüllende Umschreibung für eine Gemeinde. Ihre "Kinder"
(V.4 und 13) sind dann die Gemeindeglieder. Es war Verfolgungszeit und man
musste beim Schreiben vorsichtig sein.
3 Damit ist
die frühgnostische Irrlehre des Cerinth gemeint die besagt, der göttliche
Christus wäre nicht in einen menschlichen Körper gekommen, um wahrer Mensch aus
Fleisch und Blut zu sein, sondern er hätte nur einen Scheinkörper angenommen.
Daher war die Bemerkung des Johannes so wichtig, dass beim Lanzenstich des
Soldaten Wasser und Blut aus der Wunde kamen.
4 entw. als
Gast, oder, falls der Brief an eine Gemeinde geschrieben ist, ist das Haus
gemeint, in dem sie sich versammeln. Zur "Gnosis" vgl. die Anm.
bei 1Tim 6,20; zur "Gemeindezucht" die Anm. bei 1Kor 5,9
Johannes C
1 Vgl. die Anweisung
Jesu in Mt 10,5
2 Nonsens
und albernes Zeug von sich geben; etw. daher schwafeln, das unsinnig und unnütz
ist. Gegen jemanden unsinnige Anklagen vorbringen, haltlose Anschuldigungen
machen und ihn dadurch verleumden. Jemanden mit arglistigen und heimtückischen
Worten fälschlicherweise für etwas beschuldigen und ihn damit anschwärzen.
3 Diese
Aussage unterstreicht die geistliche Autorität aller Brüder in einer
Versammlung (vgl. 1Thes 5,14), selbst dann, wenn es Älteste gibt, und erst
recht dann, wenn einer sich als alleiniger Führer aufspielen will.
4 Gaius ist
wahrscheinlich ein führender Bruder (Ältester?) in der Gemeinde (vgl.
47,z.St.).
5 Dies
zeigt, wie schädlich es ist, wenn einer der Ältesten in einer Gemeinde sich
eine Führungsrolle ("Primus inter pares") vor den anderen
Ältesten anmaßt. Vgl. dazu auch Mt 23,11-12; Jes 3,12.14-15
6 Es gibt
auch Gemeindeausschlüsse, die willkürlich und unberechtigt sind. Diese
Gemeindeausschlüsse von Diotrephes hat Johannes offenbar nicht anerkannt (vgl. Vers
10).
Judas 1
1 2Pet 1,2
2 Sach 3,2
3 Gemeint ist wahrscheinlich
die Begebenheit in Gen 6,1-4 (65,III,286; 81,294), wo Engel ihren Zustand im
Geist-Leib, den sie im Himmel hatten, verließen und Menschengestalt annahmen,
um sexuellen Verkehr mit Frauen haben zu können. In 2Kor 5,2 ist mit dem
griechischen Wort nämlich der Geist-Leib gemeint, den die Gläubigen bei der
Auferstehung bzw. bei der Entrückung empfangen. Daher könnte auch hier der
Geist-Leib gemeint sein, in dem die Engel normalerweise existieren. Sie gaben
diesen Zustand auf, als sie einen menschlichen Körper annahmen (vgl. 2Pet 2,4).
Der anschließende Vergleich mit der Begebenheit in Sodom ist bemerkenswert,
denn dort wollten Menschen mit Engeln (= andersartiges Fleisch) sexuell
verkehren, hier Engel mit Menschen.
4 subst. Ptz.Aor.Fem.:
gemeint sind die Städte Sodom und Gomorra (weil Fem.). Als Med.: sich der
Hurerei hingeben, und zwar in außergewöhnlicher und abscheulichster Art und
Weise, weil sie mit Engeln (= "andersartiges Fleisch") homosexuell
verkehren wollten (65,III,287), während in Gen 6,1-4 Engel mit Frauen
verkehrten. Das gleiche Wort findet sich auch in der LXX in Gen 38,24
5 Oder die spitzen
Felsklippen bzw. Riffe im Meer unter der Oberfläche, nicht zu sehen und daher
so gefährlich für Schiffe, die an ihnen stranden oder auflaufen könnten.
Übertragen von unmoralischen Menschen, welche zur Gefahr für die Gläubigen
werden können. Vielleicht hat Judas bewusst dieses Wort wegen seiner
Doppelbedeutung gewählt. Dann redet er, wie in 2Pet 2,13, von falschen Gläubigen
inmitten des Christentums bzw. inmitten der Gemeinden.
6 Das Liebesmahl war ein
besonderes Mahl, welches die ersten Christen regelmäßig gemeinsam (vor oder
nach dem Gottesdienst?) feierten (vgl. Apg 2:46; 20:11; 1Kor 11:21.33). Der
Brauch bestand schon in jüdischen Bruderschaften (52,I,113).
7 D.h. ohne mit ihnen
Gemeinschaft zu haben (2,z.St.). Nach einigen Hs. spricht Judas hier von drei
Arten von Menschen innerhalb des Christentums: (1.) Zweifler die Fragen
aufwerfen. Ihnen muss man mit Geduld und Mitgefühl helfen. (2.) Solche die
durch falsche Lehren schon irregeleitet sind. Ihnen muss man sich vorsichtig
nähern, - wie einer der etwas aus dem Feuer herausreißt, - um nicht mit
fortgerissen zu werden. (3.) Solche die diese Irrlehren verbreiten, - sie sind nicht
wiedergeboren, man soll sie daher meiden. - Doch nach anderen Hs. spricht er
nur von zwei Gruppen von Menschen: (1.) Zweifler die man erretten muss, wie
einer der etwas aus dem Feuer herausreißt. (2.) Solche die durch falsche Lehren
irregeleitet sind und diese Irrlehren verbreiten (27,726).
8 Entweder der Himmel als
ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist gemeint oder ihre Herrschaftswürde (44,z.St.).
9 Wie Bäume im Spätherbst:
ohne Früchte zu einer Zeit, wo eigentlich Frucht zu erwarten wäre; vgl. Lk
13,6-9 (37,667). Im übertragenen Sinn von Irrlehrern deren Tätigkeit
unfruchtbar und wertlos für den Glauben ist, genauso wie wasserlose Wolken, die
Regen erwarten lassen, aber dann keinen Regen spenden.
10 Judas bezieht sich hier
auf eine außerbiblische jüdische Überlieferung, die auch in einer Schrift über
die "Himmelfahrt des Moses" steht. Von dieser Schrift sind nur noch
Teile erhalten (vgl. 47,z.St.). Doch Judas muss keineswegs aus dieser
fragwürdigen Quelle zitiert haben, sondern er hat sich vielleicht auf eine
jüdische Überlieferung gestützt (60,546f). Falls er doch aus dieser Schrift
zitierte, bestätigt er nur diese eine Begebenheit und nicht das ganze
Buch.
11 Glaube mit Artikel bedeutet
hier: die christlichen Glaubenswahrheiten (44,z.St.). Zu diesem späten
Zeitpunkt wird die Offenbarung der Wahrheit an die Apostel (vgl. Joh 14,26;
16,12-14 und die dortige Anm.) als bereits abgeschlossen angesehen. Die letzte
Offenbarung erfolgte an den letzten Apostel Johannes (Offb 22,18.19), wahrscheinlich
kurz vor Abfassung des Judasbriefes.
12 Effektiver Aorist mit
Perfekt-Bedeutung. Vgl. zu solchen falschen Gläubigen Mt 7,15; Apg 20,29-30 und
Gal 2,4
13 Zweimal erstorben bedeutet:
zuerst einmal "tot in Sünden", dann zweitens zum ewigen Tod bestimmt
(V.13b; Offb 20,14).
14 Proleptischer Aorist: "…wird
kommen".
15 Dieses Zitat findet sich in
anderer Form auch in einer fälschlicherweise dem Patriarchen Henoch
zugeschriebenen pseudografischen Schrift (Äthiopischer Henoch 1,9) aus dem 1/2.Jhdt.
v.Chr. Dort steht aber, dass der Herr kommen wird, um seine Heiligen zu
richten. Judas aber sagt, dass der Herr mit seinen Heiligen kommen
wird, um die Gottlosen zu richten (59,323; 64,693; 83,34). Judas hat
also nicht aus dieser fragwürdigen Quelle zitiert, sondern hat sich eher auf
eine jüdische Überlieferung gestützt (60,546f). Falls er aber doch aus dieser
Schrift zitierte, bestätigt er nur die Richtigkeit dieser einen
Begebenheit und nicht das ganze Buch, denn er verändert das Zitat.
16 w.: "Psychiker";
so nannten die Anhänger der Gnosis die gewöhnlichen Christen, die nicht über
die "höhere Erkenntnis" verfügten. Sie selbst nannten sich "Pneumatiker".
Judas dreht den Spieß um, und nennt die gnostischen Irrlehrer aufgrund ihres
fleischlichen Lebenswandels "Psychiker", also seelische Menschen, die
den Geist (Pneuma) nicht haben (59,323; 65,III,290).
17 Damit ist gemeint, im
Gegensatz zu den Irrlehrern die den Geist nicht haben (Vers 19), sollen sie wie
in Eph 6,18 und Röm 8,26, vom Heiligen Geist geleitet beten. Ein Beten in
Sprachen wäre hier hineingelesen.
18 Zuerst ein Inf.Präs. für einen
Impf.: ganz allgemein über unsere Errettung zu schreiben. Dann ein ingressiver
Inf.Aor. = speziell über die Notwendigkeit zu schreiben, zu kämpfen für…
Obwohl er eigentlich nur über das großartige Thema der Errettung schreiben
wollte, drängte sich ihm die Notwendigkeit auf, in den folgenden Versen vor den
Irrlehrer zu warnen (44,738; 2,1259).
19 Judas zählt sich nicht zu
den Aposteln, denn dieses Amt war ein Amt der Anfangszeit (vgl. Apg 1,21-22).
Niemand sollte sich heute noch Apostel nennen.
20 Da "Gebieter" und
"Herr" nur einen gemeinsamen Artikel haben, ist wahrscheinlich, wie
in 2Pet 2,1, mit beiden Bezeichnungen Christus gemeint (81,287; vgl. aber
21,V,257).
21 od. viell. Dat.commodi: "den
für (das Endziel von) Jesus Christus bewahrten…" (2,1259; 44,738). Diese
Bewahrung geschieht vom Herrn und führt zur zukünftigen Errettung (1Pet 1,5;
Joh 10,27-29). Der Herr Jesus betet auch für uns, dass unser Glaube nicht
aufhört, sondern die Welt überwindet (Lk 22,31-32; 1Joh 5,4).
22 D.h.: "in (der
Gemeinschaft mit) Gott"; od.: "in Gottes (Augen)" (2,1259;
44,738; 21,V,253); od. Dat.instrumentalis: "durch Gott".
23 Judas denkt an ganz
bestimmte Personen, die er aber nicht mit Namen nennen möchte. Desgleichen
Paulus in Gal 2,4. Manchmal ist es aber nötig Namen zu nennen (z.B. in 1Tim
1,19-20; 2Tim 2,17; 4,10.14).
24 Vgl. 2Kor 11,13-15; 2Pet
2,1ff. Mit "dieses Urteil" sind wahrscheinlich die Androhungen
in den folgenden Versen gemeint (21,V,256). Eine persönliche Vorherbestimmung
zur Verdammnis lässt sich aus diesem Vers nicht ableiten (81,287ff), denn παλαι
bedeutet nicht: schon in der Ewigkeit. Vielmehr ist er im gleichen Sinn
wie 2Pet 2,3 ganz allgemein zu verstehen. Das Urteil für solche falschen
Gläubigen stand schon im Vorhinein fest.
25 Da die folgenden Beispiele
eine gute Kenntnis des AT und der rabb. Auslegungen erfordern, könnte dies
darauf hinweisen, dass die Adressaten des Briefes die Gleichen waren wie im
Jakobusbrief und den beiden Petrusbriefen, denn sie wussten Bescheid über die
Beispiele, die er ihnen nun bringen wird.
26 Vernichtet wurde nur die Rotte Korach
(Num 16,1-35), und diejenigen, die der Unzucht und dem Götzendienst der
Midianiter (Num 25,1-9) verfielen. Die anderen Israeliten, außer Josua und
Kaleb, starben eines natürlichen Todes in der Wüste, auch Mose, Aaron und
Mirjam. Dies war eine Züchtigung, - in der sie Gott sogar noch 40 Jahre lang liebevoll
versorgte (Dtn 2,7; 29,4), - aber keine vernichtende Verdammnis. - Die
drei Beispiele die Judas aus dem AT anführt, betreffen in Vers 5 die Rebellion,
in Vers 6 die Überheblichkeit und in Vers 7 die sexuelle Verirrung. Alle drei
Merkmale finden sich auch bei den Irrlehrern, vor denen Judas warnt.
27 Sie tun damit das Gegenteil
von dem, was uns in Tit 2,11-12 aufgetragen ist. Vgl. auch Röm 1,23.25.26 ("…sie
vertauschen").
28 od. allg.: Träumer. Obwohl
Gott ausnahmsweise manchmal zu Menschen in Traumgesichtern gesprochen hat (z.B.
Apg 2,17c; 16,9; 18,9; 27,23), sind Träume im Allgemeinen zu verachten (Ps
73,20), denn "Träume sind Schäume" und führen oft zu Einbildung und
Überheblichkeit (Kol 2,18c).
29 Vielleicht sind auch gefallene
Engel oder Dämonen gemeint (81,302).
Enthüllung Johannes
Offenbarung 1
1 Nach Sach
12,12-13 und Mt 24,30 sind die Stämme des Landes Israel, und nicht die
Geschlechter der Erde gemeint. Vgl. dazu auch die Prophezeiung in Sach 13,8-9
2 Dan 7,13;
In Sach 12,10-14 steht im MT: "Sie werden auf mich (d.h. Jahwe) blicken…". Eine Prophezeiung,
die wie auch andere Bibelstellen im AT bezeugt, dass der Messias, Jahwe selbst
ist. Eine Reihe von hebr. Hs. ändert aber den MT-Text in: "Sie werden auf ihn
blicken…". Es erschien diesen
Abschreibern nämlich unmöglich, dass Jahwe durchbohrt werden könnte. - Johannes
sieht in dem Lanzenstich zwar zurecht eine wörtliche Teil-Erfüllung der
Schriftstelle (Joh 19,37), im tieferen Sinn wurde der Messias aber, wie Jesaja
53,5 sagt, "…um unserer (d.h.
Israels) Vergehen willen durchbohrt". Hier in Offb 1,7 wird daher die End-Erfüllung
genannt: der Überrest Israels wird bei der Wiederkunft Christi erkennen, dass
Jesus derjenige ist, der laut Jes 53,5 um Israels Sünden willen durchbohrt
wurde, und sie werden Buße tun und an ihn glauben. Vgl. dazu Jesu Voraussage in
Mt 23,38f.
3 Die
Betonung liegt bei diesem Ausdruck auf der Schnelligkeit, mit der etwas
passiert, und nicht so sehr auf der Aussicht, wann dies eintritt. Hier sind es
die letzten Ereignisse der Weltgeschichte in der letzten Jahrwoche Daniels (Dan
9,27), d.h. die letzten 7 Jahre vor dem Kommen des Herrn. Daher ist die
Übersetzung "bald" irreführend. Jesus lehrte in Mt 25,5.19, dass er lange
wegbleibt.
4 Nicht
alle konnten damals lesen, außerdem waren handgeschriebene Kopien teuer und
nicht jeder konnte eine besitzen. Daher musste das Buch in jeder der sieben
Gemeinden vorgelesen werden, so wie auch die Gemeinde-Briefe vorgelesen wurden (Kol
4,16). Bei dieser Gelegenheit wurde vielleicht auch gleich eine Kopie für die
Gemeinde angefertigt. - Hier ist die erste der 7 Seligpreisungen in der
Offenbarung. Die weiteren sind in: Offb 14,13; 16,15; 19,9; 20,6 und 22,7.14
(21,V,336; 65,III,299).
5 Symbolisch
dafür, dass alle seine Regierungswege gerecht sind (51,13). Vielleicht ist eine
Metall-Legierung aus Gold (oder Silber) und Kupfer, das Golderz oder Halbgold,
gemeint. Oder ein Kupfer das auf dem Libanon gewonnen wurde? Möglich auch als
Vergleich: glänzend (vgl. dazu Hes 1,27) wie die Kupferpfannen in denen der
Weihrauch dargebracht wurde (2,z.St.).
6 Manche Hs.
haben: "... und uns gewaschen Habenden"; doch dies ist eher
nicht die ursprüngliche Lesart (27,729; 2,1264). - Zu den Titeln Jesu vgl. Ps
89,28
7 Die
folgende Beschreibung des verherrlichten Christus erinnert an Dan 10,5ff, sowie
an den "Alten an Tagen" aus Dan 7,9ff, mit dem Unterschied, dass der "Alte
an Tagen" dort Gott selbst ist. Der "Menschensohn" aus Dan 7,13
war für die jüdischen Rabbis der göttliche Messias (21,V,346). Den verherrlichten
Christus, den Johannes hier sah, sah bis dahin niemand. Jesaja sah nur den präexistenten
Sohn Gottes (Jes 6,1ff), die Jünger sahen auf dem Berg der Verklärung nur einen
Vorgeschmack von Jesu zukünftiger Herrlichkeit, aber hier sieht ein Mensch das
erste Mal den erhöhten und verherrlichten Menschensohn als wahren
Menschen und wahren Gott in einer Person. Kein Wunder, dass er wie tot zu Boden
fällt.
8 Sterne in
der Hand eines Gottes oder Herrschers, sind auf antiken bildlichen
Darstellungen Sinnbild für Macht und Herrschaft (59,386). Sterne am Himmel sind
in der symbolischen Sprache der Prophetie ein Symbol für untergeordnete
Autoritäten, die Wegweisung geben sollen (vgl. Gen 37,9f). Hier sind sie ein Symbol
für den "Engel" der jeweiligen Gemeinde. Vgl. Offb 1,1, wo Jesu "Engel"
einfach sein Stellvertreter ist. Der Engel der Gemeinde ist der stellvertretende
himmlische Repräsentant der irdischen Gemeinde, so wie sie vor
Gott dasteht. Er ist der Bote, der stellvertretend für Christus, der
Gemeinde Christi Botschaft überbringt. Das ist auch die Grundbedeutung des
griechischen Wortes ανγελλος. Nach jüdischem Verständnis hatte jeder Mensch, ja
sogar Nationen, einen "Schutzengel" als Wächter (vgl. Dan 10,13.20f.
= gefallene Engel; und Michael als Israels "Engelfürst" in Dan 12,1;
Offb 12,7), sozusagen als himmlischen Doppelgänger (vgl. Apg 12,15b). Jesus
scheint diese Ansicht in Mt 18,10 zumindest für Kinder zu bestätigen. Die
sieben Engel werden daher symbolische himmlische Stellvertreter der
sieben irdischen Gemeinden sein (21,V,335f.347f; 65,III,304f). Dass mit
dem Engel nur die Postboten gemeint sind, die die Sendschreiben überbrachten,
wie Sir W. Ramsay meinte, ist sehr unwahrscheinlich, denn was wäre an solchen
ein "Geheimnis" und warum sollten sie symbolisch in der rechten Hand Jesu
gehalten werden? Auch sein Argument, die Reihenfolge der Sendschreiben würde
bloß den Weg des Postboten anzeigen, ist kein Beweis für seine Ansicht, denn
der Postbote hätte genauso gut die andere Richtung nehmen können, d.h. nachdem
er das Sendschreiben für Ephesus abgegeben hat, das nächste in Laodizäa abzugeben,
usw.! Das römische Straßensystem der Gegend, hätte sogar noch andere
Reihenfolgen zugelassen. Ebenso abzulehnen ist die Ansicht bei dem Engel würde
es sich um den Bischof, Gemeindevorsteher bzw. Pastor der jeweiligen Gemeinde
handeln. Das monarchische Bischofsamt entstand erst im 2.Jhdt. n.Chr., und ist
im NT noch nicht zu finden.
9 Dies
dürfte eine Anspielung auf den Gottesnamen "Ich bin, der ich bin"
sein (in LXX Ex 3,14: "…er, der ist"). Vgl. in Gräz.: "Zeus war,
Zeus ist, Zeus wird sein." (21,V,337); oder die Inschrift im Isis-Tempel:
"ICH bin alles, was war, und ist, und sein wird. Meinen Schleier hat noch
nie ein Sterblicher gelüftet". Hier, im Gegensatz dazu: Der ewige und
unwandelbare Gott, ER ist der einzig wahre Gott im Gegensatz zu allen Göttern
der Nationen - vgl. zur Sache: Dtn 32,32; Ps 102,28; weiters: Offb 1,8; 4,8;
11,17; 16,5.
10 Die sieben
siebenarmigen Leuchter sind ein himmlisches Symbol für die sieben
örtlichen Gemeinden in ihrer irdischen Stellung. Ihre Aufgabe ist die gleiche
wie die des einzelnen goldenen siebenarmigen Leuchters (der menora) im
alttestamentlichen Heiligtum: die örtlichen Gemeinden sollen auf der Erde Licht
auf Gottes Herrlichkeit werfen, und zwar durch ihre Anbetung. Tun sie das nicht
mehr, werden sie verschwinden, wie auch einige dieser sieben Gemeinden verschwunden
sind und bis heute nicht mehr existieren. Das Licht der sieben Leuchter bedeutet
nicht ein Zeugnis für die Welt zu sein (das Licht des Leuchters
im Tempel wurde ja nur von Gott gesehen), sondern für die Verherrlichung Gottes
auf dieser Erde. Der siebenarmige Leuchter aus dem Tempel, wurde übrigens 70
n.Chr. zusammen mit anderen Gegenständen von Titus in den Friedenstempel nach
Rom gebracht (21,V,347). Damit hatte das Judentum seine Aufgabe verloren, Gott
auf dieser Welt zu verherrlichen. Diese Aufgabe ist nun von der Gemeinde
übernommen worden (Eph 3,21).
11 Diese
Ausdrücke beziehen sich hier und in Vers 9 auf den Apostel Johannes; in Offb
6,9 auf die große Volksmenge der Märtyrer; in Offb 12,11 auf die
"Brüder" der verherrlichten Gemeinde im Himmel; in Offb 12,17 auf die
"übrigen der Nachkommenschaft" der Frau; in Offb 14,12 auf die
"Heiligen" in der Drangsal; in Offb 19,10 auf die Mitgläubigen des
Apostels Johannes, und in Offb 20,4 auf die Märtyrer der Drangsalszeit, die im
tausendjährigen Friedensreich mit Christus mitherrschen werden. Das spricht
stark dafür, dass in allen Stellen Gläubige der Gemeinde gemeint sein
könnten!
12 Siehe Einleitung:
Die
literarische Grob- und Feinstruktur der Offenbarung.
13 Patmos
war eine kleine Felseninsel aus vulkanischem Gestein, im ägäischen Meer, etwa
12 km lang, 5 km breit und 34 km² groß. Die höchste Erhebung ist 269 m. Die
Insel wird zu den Sporaden gerechnet und gehörte zur Provinz Asia. Wegen ihrer
Armseligkeit diente die Insel in der Kaiserzeit als Verbannungsort. Es war aber
kein verlassener Ort, auf ihr gab es ein Gymnasium und einen Tempel der Artemis,
die die Schutzgöttin der Insel war. Die Bedeutung der Insel war dennoch gering
und sie verdankt ihren Ruhm der Tatsache, dass Johannes hier seine
Offenbarungen gesehen hat (33,884; 52,IV,549; 65,III,301). Verbannungen wurden
von den Provinzstatthaltern angeordnet. Vielleicht wurde Johannes wegen seines
hohen Alters nicht hingerichtet wie Antipas (Offb 2,13), sondern nur verbannt
(65,III,301).
14 Siehe
Anm. bei Offb 1,20
15 In Dan
7,9b ein Attribut Gottes, das hier auf Christus übertragen wird.
16 Vgl. Num
24,4
17 Es ist
die gleiche rechte Hand (= die Hand der Kraft), in der Christus in Vers 16 auch
die 7 Sterne hält. Dort hält seine rechte Hand die Gemeinden in Sicherheit,
hier tröstet und belebt sie den Johannes persönlich.
18 Der
Schlüssel war ein orientalisches Symbol für Autorität und außerordentliche
Machtbefugnis (Jes 22,21f), hier die Vollmacht über das Totenreich. Wer um
Christi willen stirbt, braucht keine Angst zu haben im Totenreich zu bleiben (21,V,346;
65,III,304).
19 Damit wird das Buch
der Offenbarung in drei Teile unterteilt: (1.) "Schreibe nun, was du
sahst..." (d.h. die Erscheinung des verherrlichten Herrn in Vers
12-18) →
Vergangenheit; (2.) "... was
nach diesem geschehen muss", das sind ab Offb 4,1 die Gerichte in der Zukunft;
(3.) daher muss sich das: "... was ist ..." (der Zustand der
sieben Gemeinden in den Sendschreiben auf die Gegenwart dazwischen
beziehen, und zwar als eine prophetische Schau über die Entwicklung der
Christenheit bis zum Einbrechen der Gerichte die ab Kap. 4,1ff. beschrieben
sind). Aber ein handfester Beweis, dass damit die Gemeinde vor den Ereignissen
von Kapitel 4,1ff., schon entrückt wurde, ist das nicht. - Zum durchgehenden chronologischen
roten Faden, der sich durch alle sieben Sendschreiben zieht, siehe: https://drive.google.com/file/d/1tl5l3xI7V4eyMXsppbd0tfNeleG_6Yl4/view?usp=sharing
20 Die Offenbarung ist
also kein "Buch mit sieben Siegeln", sondern ganz im Gegenteil eine Enthüllung
über die Ereignisse in der Zukunft. In ihr wird ein Buch mit sieben Siegeln
geöffnet (Offb 5,1-5).
21 Die Offenbarung ist
kein Buch, das bestenfalls Theologen verstehen können, sondern für jeden
geschrieben, der ein Sklave Jesu Christi ist, also jemand der durch das Blut
Christi erlöst ist und in dem der Heilige Geist wohnt.
22 Damit ist
wahrscheinlich der erste Tag der Woche gemeint, an dem sich die ersten Christen
versammelten, da dies der Tag der Auferstehung Jesu war (1,931; 2,1265; 66,191).
Manche meinen, damit sei gemeint, dass Johannes im Geist, d.h. in Gedanken,
beim "Tag des Herrn" war (33,704). Er war der letzte lebende Apostel
und könnte über die ausbleibende Wiederkunft Jesu nachgedacht haben, denn er
sollte nach den Worten Jesu "bleiben bis dass er (d.h. Jesus) kommt"
(Joh 21,22).
23 Das lange
Gewand symbolisiert Christus
hier, wie Melchisedek (Heb 7,1), als den himmlischen Hohepriester und als den
zukünftigen König in einer Person. Der Gürtel ist hier um die Brust, und nicht
um die Hüften (vgl die Anm. bei 1Pet 1,13). Ein Bild dafür, dass Christi Werk
vollendet ist (65,III,303).
24 Augen,
die alles durchdringen und richterlich ins Licht stellen ("Ich kenne
dich…").
25
Symbolisch dafür, dass sein Wort absolut wahr und ohne Schmeichelei ist ("dies sagt
der…"),
durchdringend bis zur Scheidung der Gedanken und Gesinnungen des Herzens (Heb
4,12.13).
26 Sieben
ist die Zahl der Vollkommenheit, hier sind die sieben Geister ein bildhafter
Ausdruck für den siebenfältigen messianischen Geist (Jes 11,2; 1.Henoch 61,11),
der die Fülle des einen Heiligen Geistes ist (59,324). Andere meinen, es
sind die sieben Erzengel, die nach jüdischer Auffassung vor dem Thron Gottes
stehen; vgl. Offb 8,2 (65,III,300).
27 "επι…"; d.h. der Gedanke
ist, dass sie auf seiner Hand sicher und geschützt liegen. Er hält sie
nicht nur fest, damit sie nicht hinunterfallen, sie ruhen auf seiner
Handfläche.
28 entw. wie Ex 19,6: "zu
einem Königtum von Priestern für…"; od. wie Offb 20,6: "zu einem
Königtum, zu Priestern für…" (7,z.St.; 8,z.St.).
29 Bei den sieben
Sternen und den sieben Leuchtern handelt es sich um ein Doppelbild für die
örtlichen Gemeinden auf dieser Erde. Jede Gemeinde wird symbolisch als Stern
gesehen, sie wird sicher im Himmel in Jesu rechter Hand gehalten,
gleichzeitig ist sie aber auch ein Leuchter auf dieser Erde. Wenn sie
Gott auf dieser Erde nicht verherrlicht, wird sie auf der Erde als Leuchter
weggenommen, wie es bei einigen dieser sieben Gemeinden bis heute geschehen
ist. Es wird jedoch nichts davon gesagt, dass Jesus sie auch als Stern aus
seiner rechten Hand fallen lässt. Im Himmel bleiben die einzelnen Gläubigen
einer örtlichen Gemeinde, deren Zeugnis auf der Erde zusammengebrochen ist, dennoch
angeschrieben (Lk 10,20; Heb 12,23). Das ist tröstlich.
Offenbarung 2
1 Zitat aus LXX Ps 2,8f. Diese
Bibelstelle wurde von den jüdischen Rabbis auf den Messias angewendet.
2 Ephesus
war eine wohlhabende kleinasiatische Stadt in der Mündungsebene am
linken Ufer des schiffbaren Cayster Flusses, etwa 5 km vom Meer entfernt
gelegen und Hauptstapelplatz für den Handel ins Innere Kleinasiens. Sie hatte
schon eine lange Geschichte hinter sich, als sie 133 v.Chr. durch die Römer anstelle
von Pergamon zur Hauptstadt, und damit zur wichtigsten Stadt der römischen
Provinz Asia wurde. Die Stadt hatte ca. 300.000 Einwohner. Nach Rom und
Alexandria war sie mit ca. 300.000 Einwohnern neben Antiochia die drittgrößte
Stadt im römischen Reich, ebenso eine bedeutende Handelsstadt, weil es in
Kleinasien der wichtigste und erste Anlegeplatz für Schiffe war. Alle wichtigen
Handelsstraßen Kleinasiens führten nach Ephesus. Strategisch gesehen war es für
Paulus der beste Ort, um das Hinterland zu missionieren (Kolossä, Laodizäa,
Hierapolis, Philadelphia, Thyatira, Sardes, Smyrna, Pergamon). Berühmt war sie
auch durch ihren Tempel für die Fruchtbarkeitsgöttin Artemis (= die römische
Göttin Diana), von der kleine, silberne, fabrikmäßige Nachbildungen hergestellt
und an Fremde verkauft wurden. Dieser Tempel war eines der sieben Weltwunder
und damit verbunden war eine Menge Götzendienst (vgl. Apg 19,24ff) und
gesetzlich erlaubte Tempelprostitution. Eine 11 m breite und von Säulen
gesäumte Prachtstraße führte vom Stadtzentrum bis zum Hafen. Die Stadt beherbergte
ein Amphitheater das 24.000 Plätze hatte, sowie eine Bibliothek und einen
großen Marktplatz. Sie war Schmelztiegel vieler Völker, Tummelplatz vieler
Religionen und Zentrum der Zauberei und magischer Kulte. Die okkulten
"Ephesischen Schriften" von Ephesus (vgl. Apg 19,19) waren in der
ganzen damaligen Welt bekannt. Inschriften belegen, dass die Bewohner der Stadt
sehr abergläubisch gewesen sein müssen. Durch ein Erdbeben in der
Regierungszeit unter Kaiser Tiberius wurde die Stadt schwer heimgesucht. Paulus
besuchte Ephesus mehrfach, einmal verbrachte er drei Jahre dort und evangelisierte
in dieser Zeit in der Schule des Tyrannus und mit seinen Mitarbeitern (z.B.
Epaphroditus) auch das Hinterland Kleinasiens. Gegründet wurde die Gemeinde in
Ephesus aber wahrscheinlich als Hausgemeinde von Aquila und Priscilla (Apg
18,19.27). Zur Zeit des Paulus wurde Ephesus von einem Senat und einer
Volksversammlung verwaltet. In Ephesus entstand durch Kaiser Domitian der erste
große Tempel in Kleinasien für den Kaiserkult (später noch zwei andere). In
diesem musste von jedem Bürger das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser
dargebracht werden, was zur ersten größeren Christenverfolgung führte. Domitian
hatte der Stadt den Titel "Wächterin seines Tempels" gegeben. Die allmähliche
Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des Flusses Cayster
führten schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer
landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren.
Heute ist Ephesus nur mehr ein Ruinenfeld, daneben befindet sich ein
unbedeutendes Dorf (vgl. 33,336f; 42,347f; 52,II,293; 65,III,306; 47,z.St.).
3 Wie
könnte eine Versammlung Buße tun? → vgl. Nehemia Kapitel 8-10
4 Der
Leuchter im Heiligtum war ein Licht für Gott und nicht für
Menschen, denn außer dem Priester der im Heiligtum das Räucheropfer darbrachte,
sah es niemand! Daher ist der Leuchter kein Symbol für das Zeugnis der Gemeinde
in der Welt, sondern dafür, dass die Gemeinde die Herrlichkeit Gottes
beleuchten soll. Die vornehmste Aufgabe der Gemeinde ist es, Gott und seinen
Sohn hier auf dieser Erde, - also in einer Welt, die ihn ablehnt, - durch ihre
Anbetung zu verherrlichen (vgl. Eph 3,21). Ihn zu verherrlichen, wird auch ihre
(einzige?) Aufgabe in alle Ewigkeit sein. Vgl. Offb 4,11; 5,12; 7,12 ua.
5 vgl. 1Joh
5,4-5: Diese Sieger sind wahre Gläubige und wahre Gläubige sind solche Sieger.
6 Werke
waren schon vorhanden, aber nur mehr aus Routine, Tradition, Gewohnheit, etc.,
aber nicht mehr aus der ersten Liebe. Die Betonung von "Werken" nimmt
einen bedeutenden Platz in der Offenbarung ein (vgl. Offb 2,2-26; 3,1-15; 9,20;
14,13; 15,3; 16,11; 18,6; 20,12-13; 22,12), denn letztlich sind gute Werke ein
Beweis für wahren Glauben (Jak 2,14-26; Tit 2,14 ua.). Werke für Gott zu
wirken, ist mit großer Mühe verbunden und muss von geduldigem Ausharren
begleitet werden.
7 D.h. so wie
in Vers 4: die höchsten/anfänglichen Werke. Die erste Liebe
besteht also darin, die ersten Werke für den Herrn zu tun, aber aus
Liebe. Vgl. Jona 3,10a
8 Plural,
d.h. die Ermahnungen gelten nicht nur der Gemeinde in Ephesus, sondern jedem
einzelnen, und auch den anderen sechs Gemeinden, und letztlich allen Gemeinden
aller Zeiten. Damit wird aber deutlich, dass die sieben Sendschreiben Teil der
Prophetie sind und daher auch selbst prophetischen Charakter haben müssen! Es gibt demnach
gute Gründe die Sendschreiben auch als einen prophetischen Ausblick auf die
Entwicklung der Christenheit zu deuten: (1.) Jedes Sendschreiben gilt auch den anderen
Gemeinden, jede Gemeinde bekam alle Sendschreiben, und nicht nur das, welches
sie betraf. (2.) Der Herr Jesus wandelt nicht nur inmitten dieser sieben
Gemeinden und hält nicht nur sie in seiner Rechten. (3.) Warum gerade diese
Gemeinden, und warum nur 7 Gemeinden? Es gab noch andere Gemeinden in
unmittelbarer Nähe (z.B. Kolossä, Hierapolis, Troas). Warum bekamen sie kein
Sendschreiben? Außerdem ist 7 eine wichtige symbolische Zahl in der
Offenbarung: 7 Siegel, 7 Posaunen, 7 Zornschalen. Diese 7 Gemeinden stehen
stellvertretend für alle Gemeinden aller Zeiten. (4.) Die Anspielungen auf das
AT ergeben in den Sendschreiben einen chronologischen "roten
Faden" durch die
Geschichte des Volkes Gottes vom Paradies bis zur "Ausspeiung aus dem
Land" bei der babylonischen Wegführung (Lev 18,25.28). (5.) Die Parallelen
zur Kirchengeschichte sind keineswegs an den Haaren herbeigezogen, sondern
stimmen mit der geschichtlichen Entwicklung der Christenheit überein. (6.) Die
Struktur der Offenbarung wie sie in Offb 1,19 angedeutet wird: "Schreibe
... was du sahst" → Vergangenheit; "... was
nach diesem geschehen muss" → Zukunft; daher muss
"...dass,
was ist" sich auf
die Gegenwart dazwischen beziehen, also auf die sieben Sendschreiben als eine
chronologische Vorherschau der Kirchengeschichte. (7.) Das ganze Buch ist eine "Offenbarung" (siehe
Offb 1,1), also auch die darin enthaltenen 7 Sendschreiben. Jede Gemeinde bekam
das ganze Buch vorgelesen (Offb 1,3) und nicht nur das Buch ab Kapitel 4,1ff
und ihr jeweiliges Sendschreiben extra. Möglicherweise fertigte jede Gemeinde
gleich beim Vorlesen eine Kopie für sich an.
9 Smyrna
war eine Hafen- und Handelsstadt, etwa 55 km nördlich von Ephesus, in der
römischen Provinz Asia gelegen, mit sehr langer Geschichte. Die Stadt wurde aber
im 7.Jhdt v.Chr. von den Lydiern zerstört und existierte dann praktisch
400 Jahre lang nicht mehr. Es gab dort nur mehr einige zerstreute Marktflecken,
bis die Stadt schließlich wieder neu aufgebaut und eine blühende Handelsstadt
wurde. Daher stellt sich der Herr vor als der "...der tot wurde und
(wieder) lebte", eine Anspielung darauf, wie die Stadt wiederauflebte und
neu entstand. Smyrna war für ihre Schönheit bekannt und das natürliche Tor zur
alten Handelsroute durch das Hermus-Tal ins fruchtbare Hinterland. Dank ihres
ausgezeichneten Klimas, ihrer strategischen Lage und der guten Wasserversorgung
entwickelte sich Smyrna zu einer der wohlhabendsten Städte Kleinasiens. Sie
fiel schon durch besonders treue Loyalität zu Rom auf, als Rom noch keine Weltmacht
war (daher: "...sei treu"). Die "Krone von Smyrna" waren
ihre schönen Häuser am Hügel Pagos, die wie eine Krone über der
darunterliegenden Stadt thronten (daher: "...die Krone des Lebens").
Außerdem wurden in Smyrna Münzen zu Ehren der Göttin Kybele geprägt, die sie
mit einer Krone auf ihrem Haupt abbilden. Wegen ihrer Treue zu Rom bekam die
Stadt den zweiten Kaiserkult-Tempel Asiens. In der Synagoge gab es angeblich eine
weibliche (!) Synagogenleiterin (Ramsay W., St.Paul, Seite 102). In römischer Zeit
wohnten viele Juden in der Stadt, die im Wirtschaftsleben und in der Verwaltung
großen Einfluss besaßen und die Christen in der Stadt bedrängten. Im Jahre 156
n.Chr. kam es in Smyrna zu einer nur auf wenige Tage begrenzten Christenverfolgung,
bei der Polycarp den Märtyrertod erlitt, weil er treu blieb und das Kaiseropfer
verweigerte. Zusammen mit Philadelphia konnte sich das Christentum hier am
längsten halten und beide Städte widerstanden am längsten den türkischen
Eroberern. Heute ist das einstige Smyrna die große türkische Handels- und
Hafenstadt Izmir (33,1125f; 42,1313f; 65,III,308ff). - Zu Ephesus wird gesagt:
werdet so, wie ihr einst wart, - zu Smyrna: bleibt weiter so, wie ihr seid.
10 od. ein ingressiver
Aor.:
"...lebendig wurde". - Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich
der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20
vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der tot
wurde und (wieder) lebte". Dies könnte einerseits eine Anspielung
auf die 400-jährige Nichtexistenz der Stadt sein, andererseits eine Ermutigung
für die Märtyrer (Vers 10.11).
11 Pergamon war eine Stadt, in der kleinasiatischen Provinz Mysien, 25 km landeinwärts, am Fluss Selinus gelegen, der die Stadt durchströmte. Die Stadt lag ungefähr 80 km nördlich von Smyrna und war auf einem kegelförmigen Hügel erbaut, der sich 300 Meter über dem umliegenden Tal erhob. Ab 190 v.Chr. wurde sie Mittelpunkt eines Reiches, dass einen großen Teil Kleinasiens umfasste. Später war es die offizielle Hauptstadt der Provinz Asia, Sitz des römischen Prokonsuls und Hochburg heidnischer Religiosität, außerdem berühmt für seine schönen Bauten und die große Bibliothek. Die Stadt war Sitz einer blühenden Kultur und Zentrum und Mittelpunkt des Kaiserkults. Der erste Tempel Kleinasiens für den Kaiserkult wurde hier bereits 29 v.Chr. für Augustus errichtet, später auch noch ein zweiter und dritter. Mit dem "Thron Satans" ist entweder der Tempel für den Kaiser oder der am gleichen Ort stehende, 40 m hohe Zeusaltar auf der Anhöhe über der Stadt gemeint. Auch der Schlangen-Gott Asklepios, die Götter Demeter, Athene und Dionysos hatten hier prachtvolle Tempel und wurden verehrt. Von den Bürgern wurde erwartet, dass sie sich ausnahmslos am Kaiserkult beteiligten. Wer das jährliche Weihrauchopfer für den Kaiser nicht darbrachte, bei dem man sich vor einer Statue des Kaisers niederbeugen musste, wurde mit dem Schwert getötet. Später, unter Kaiser Diocletian (284-305 n.Chr.), musste man sich dann sogar vor dem Kaiser selbst niederwerfen. Eine Weigerung galt als Majestätsbeleidigung (52,I,74). Unter Kaiser Diocletian kam es dann zur ersten großen, aber auch letzten, Christenverfolgung im gesamten römischen Reich. Die Stadt gab dem "Pergament", das hier als erstes erzeugt wurde, seinen Namen. Heute steht an ihrer Stelle nur mehr die kleine Stadt Bergama (52,IV,626ff; 2,1298; 42,1054; 54,z.St.; 65,III,310f).
12 Das ist
Fleisch, das vom Götzenopfer übrigblieb. Es wurde entweder vom Opfernden
zusammen mit seinen Freunden feierlich in einem Tempelnebengebäude verzehrt,
oft verbunden mit ausschweifenden Orgien. Die Teilnahme an solchen
Opfermahlzeiten war den Christen verboten (vgl. 1Kor 10,19-22.27-29). Der Verzehr
solchen Fleisches war für einen Juden verunreinigend und daher verboten
(1,446). Paulus sieht die Sache allerdings differenzierter: das gemeinsame Mahl
im Götzentempel verbietet er, den Verzehr von Götzenopferfleisch, das am Markt
verkauft wird, erlaubt er ohne vorher Nachforschungen anzustellen, vorausgesetzt,
dass das Gewissen Dritter (z.B. von Juden-Christen) dadurch nicht Schaden
nimmt. Vgl. Apg 15,29; 1Kor 8,1ff.
13 Ein
Kieselsteinchen, ein kleiner glatter Stein. Solche weißen Steine wurden als Eintrittskarten
für Feste und verschiedene Institutionen verwendet. Daher im
übertragenen Sinn: eingeladen zum Hochzeitsmahl des Lammes und zu einem neuen
Leben in Gottes Herrlichkeit bestimmt. Auch erfolgreiche und
bewährte Gladiatoren bekamen einen weißen Stein und konnten sich dann ins
Privatleben zurückziehen. Als Abstimmungszeichen bei Wahlen, Beschlüssen und
Gerichtsentscheidungen bedeutete ein weißer Stein ein positives Urteil (d.h.
Freispruch), ein schwarzer Stein ein negatives Urteil (d.h. Verurteilung). Arme
erhielten beim Vorweisen eines weißen Steines Nahrung. Auch bei
Einweihungszeremonien wurde dem Novizen ein weißer Stein und ein neuer Name
gegeben (1,1780; 21,V,358; 65,III,312). Auf alle diese Dinge
wird wohl hier angespielt.
14 Thyatira
war eine Stadt im Norden Lydiens am Lycus, an der Straße zwischen Pergamon,
Sardes und Laodizäa gelegen und wurde von mazedonischen Griechen gegründet. Sie
lag 60 km südöstlich von Pergamon. Es war die heilige Stadt von Apollo Tyrimnaios,
bekannt auch durch die Üppigkeit ihrer durch Purpurhandel, Färbereien, Textilindustrie,
Töpferei und
das Bronze- und Kupferhandwerk (vgl. Offb 2,18) reich gewordenen Bewohner.
Die Stadt hatte eine lange Geschichte als militärische Grenzfestung (vgl. Offb
2,26.27). Die verschiedenen Handelszweige der Stadt hatten eigene Gilden. Wenn
man dort nicht Mitglied war, hatte man geschäftliche und soziale Nachteile.
Diese Gildensitzungen waren vermischt mit Götzendienst-Praktiken und Unmoral.
Es gab nur eine kleine jüdische Gemeinde in der Stadt. Die römische Militärmacht
hatte die "Macht über die Nationen" (vgl. Offb 2,26). Heute ist an
der Stelle des einstigen Thyatira die große türkische Stadt Akhisar (33,1197;
21,V,359ff; 52,V,804; 65,III,312).
15 Sicher
ein symbolischer Name und eine Anspielung auf Isebel, die heidnische Frau des
israelitischen Königs Ahab. Sie verführte ihren Mann und Teile des Volkes
zur Verehrung des Götzen Baal (1Kön 16,29-34; 18,13.19). Hier bezeichnet
"Isebel" eine falsche Prophetin, die in der Gemeinde von Thyatira die
Irrlehre der Nikolaiten, oder ähnliche Ideen verbreitete (vgl. 47,z.St.). Manche
meinen, damit sei eine der vielen Prophetinnen im dortigen Heiligtum der Göttin
Sybille gemeint, die auch Christen zur Hurerei verführte. Doch die in dem
Sendschreiben genannte Isebel wirkte innerhalb der Gemeinde (65,III,313).
16 Die
Venus, ein sehr heller Stern, den man am Morgen noch als letzten Stern am
Himmel wahrnimmt und der den Anbruch der Dämmerung ankündigte (vgl. Offb 22,16).
Vgl. auch die messianische Prophetie in Num 24,17.
17 Eine
nicht näher bekannte Sekte, die aber offenbar Freizügigkeit im Umgang mit Okkultismus,
Götzenopfern und Unzucht propagierte, da sie mit Bileam und Balak (Num 22,1 - 25,18)
verglichen wird. Daraus kann man schließen, dass die Nikolaiten Irrlehrer waren,
die wahrscheinlich behaupteten Kompromisse mit der Denk- und Lebensweise der
heidnischen Umwelt, besonders die Teilnahme am Kaiserkult, seien rein äußerliche
Dinge, die das Wesentliche des Christseins nicht berühren und daher mit dem
Christentum vereinbar wären. Es gibt eine alte Tradition, die die
Entstehung der Sekte auf Nikolaus aus Antiochien, einen der sieben Diakone (Apg
6,4), zurückführt. In der Zeit der späteren Kirchenväter war es eine gnostische
Sekte geworden (vgl. 47,z.St.; 21,V,351f; 65,III,307). - Zu Ephesus
wurde gesagt: weist die Nikolaiten zurück, Smyrna hatte offenbar keine Probleme
mit ihnen, Pergamon hatte eine Minderheit, die offen gegenüber den
Nikolaiten war, Thyatira dagegen hatte schon eine Mehrheit, die offen
gegenüber dieser falschen Lehre war. So entwickelt sich Sauerteig!
18
Vielleicht eine Metalllegierung aus Gold (oder Silber) und Kupfer: Gold-Erz
oder Halb-Gold? Oder Kupfer, das auf dem Libanon gewonnen wurde? Möglich auch
als Vergleich: glänzend (vgl. dazu Hes 1,27) wie die Kupferpfannen in denen der
Weihrauch dargebracht wurde (1,1746). Thyatira war berühmt für seine
Kupfer-Bronze Verarbeitung! - Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich
der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20
vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der Augen
wie eine Feurflamme hat". Mit diesen durchschaut er alles und
erforscht Herz und Nieren (Vers 23).
19 "Die
Tiefen des Satans" war ein Ausdruck, der in den Mysterienkulten verwendet
wurde. Vielleicht vertraten diese Irrlehrer die Auffassung, man müsse sich auf
das Geheimnis des Bösen einlassen, um es entlarven und entmachten zu können
(vgl. 47,z.St.).
20 Ein
Märtyrer in Pergamos, der nach späterer Tradition unter Kaiser Domitian, wegen
Verweigerung des Kaiseropfers, in ein brennendes Rind aus Bronze gesperrt wurde
und so den Märtyrertod erlitt. "In heidnischen Riten,
in denen Menschen geopfert oder hingerichtet wurden, verwendeten die
Folterknechte hohle Rinder aus Bronze und entfachten unter ihnen Feuer, während
die Verurteilten in dem bronzenen Rind elend durch die Hitze litten und
schließlich umkamen" (90,26f; 33,53; 21,V,356).
21 Ein
einseitiges und ausschließliches Konzentrieren auf die Reinheit der Lehre und
der Gemeinde, birgt die Gefahr in sich, die mehr emotionalen Seiten des
Glaubens, - wie Liebe, Freude, Freundlichkeit usw., - zu vernachlässigen. Man
kann persönlich oder als Gemeinde, entweder in das liberale oder das gesetzliche
Extrem fallen (21,V,350). Der Verlust der ersten Liebe ging in Ephesus
schleichend voran (komplexiver Aorist). Anfangs zeigte sich noch eine große
Liebe und Zuneigung zu Paulus und den Gläubigen von Seiten der Gemeinde in
Ephesus (Apg 20,37; Eph 1,15). Einige Zeit später wurden sie aber schon
ermahnt, die Liebe nicht zu vernachlässigen (Eph 1,4; 3,17.19; 4,2.15-16; 5,2;
6,23; 1Tim 1,5.15) und nicht die Wahrheit auf Kosten der Liebe zu betonen. In 2Tim
1,15 ist die Liebe zu Paulus bereits verlorenen gegangen.
22 In der Gräz. der
eiserne Dreschflegel, mit dem der ägyptische Gott Horus wedelt. Er ist der Gott
der Rache und des Krieges. Ein Symbol für eine strenge Regierungsführung, die
aber im Gegensatz zu Horus, bei Christus gerecht und heilig sein wird
(21,V,363).
23 Die allmähliche
Versandung des Hafens durch die ständigen Sandablagerungen des Flusses Cayster
führte schließlich zum Niedergang der Stadt, weil sie dadurch einige Kilometer
landeinwärts lag und die großen Handelsschiffe Ephesus nicht mehr anfuhren. Von
diesem Zeitpunkt an, starb die Gemeinde in Ephesus aus. Heute ist Ephesus nur
mehr ein Ruinenfeld, daneben befindet sich ein unbedeutendes Dorf (vgl.
33,336f; 42,347f).
24 In
römischer Zeit gab es viele Juden in der Stadt, die im Wirtschaftsleben und in
der Verwaltung großen Einfluss besaßen und die Christen in der Stadt
bedrängten. Oft waren es Juden, die die Christen bei den Behörden anklagten.
Schon die Anklage, dass sie nicht mehr zur Synagoge gehören, machte sie
verdächtig und angreifbar, da sie damit nicht mehr, so wie die Juden, von der
Teilnahme am jährlichen Kaiseropfer befreit waren (65,III,309).
25 Im Jahre
155 n.Chr. kam es in Smyrna zu einer nur auf wenige Tage begrenzten
Christenverfolgung, bei der Polycarp den Märtyrertod erlitt, weil er das
Kaiseropfer verweigerte. Wenn Smyrna prophetisch für die Zeit der
Christenverfolgungen im römischen Reich steht, ist es bemerkenswert, dass es im
römischen Reich zehn Christenverfolgungen gegeben hat: (1.) 64-68 n.Chr.
in Rom unter Nero; (2.) 90-96 n.Chr. in Kleinasien unter Domitian; (3.) 98-117
n.Chr. unter Trajan; (4.) 117-138 n.Chr. unter Hadrian; (5.) 161-180 n.Chr.
unter Mark Aurel; (6.) 193-211 n.Chr. unter Septimus Severus; (7.) 235-236
n.Chr. unter Maximus; (8.) 249-251 n.Chr. unter Decius; (9.) 253-260 n.Chr.
unter Valerian; (10.) 303-311 n.Chr. die letzte und schlimmste unter Diocletian.
Zu den 10 Tagen vgl. auch noch Dan 1,12
26 Smyrna
fiel schon durch besonders treue Loyalität zu Rom auf, als Rom noch keine Weltmacht
war, daher die Anspielung: "...sei treu", hier aber treu für den
Herrn.
27 Anspielung
auf die "Krone von Smyrna", das waren ihre schönen Häuser am Hügel
Pagos, die wie eine Krone über der darunterliegenden Stadt thronten
(65,III,310). Außerdem wurden in Smyrna Münzen zu Ehren der Göttin Kybele
geprägt, die sie mit einer Krone auf ihrem Haupt abbilden. Einen aus Öl- oder
Lorbeerzweigen geflochtenen Siegeskranz erhielten die Sieger bei den
sportlichen Wettkämpfen. Doch der Siegeskranz, den der Herr geben wird, ist
wertvoller als alles, was die Welt an Auszeichnungen geben kann.
28 Mit dem "Thron Satans" ist wahrscheinlich das Heiligtum für den Kaiserkult in Pergamon gemeint, oder das große Heiligtum für Zeus Soter (= der Retter). Auf der Akropolis stand der berühmte Zeusaltar, der sich heute im Pergamonmuseum in Berlin befindet. Außerdem besaß die Stadt ein Heiligtum des Asklepios Soter, des Gottes der Heilkunst. Welcher dieser Tempel oder Altäre mit dem Thron Satans gemeint ist, bleibt unsicher (54,z.St.). Christenverfolgungen müssen hier schon früh, vielleicht schon unter Nero, stattgefunden haben, als deren Opfer Antipas genannt ist.
29 Das
"zweischneidige Schwert" war Symbol der höchsten offiziellen
Autorität des Prokonsuls, das Recht über Leben und Tod. Aber Jesus allein hat
letztlich diese Autorität. - Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der
Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor,
welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, "der das
zweischneidige Schwert hat", womit er die Lehre der Nikolaiten
zerstören wird (Vers 16).
30 Ein
"neuer Name" bedeutet den "Eintritt" in ein neues Leben,
der Name, mit dem wir im Himmel angeschrieben sind (Lk 10,20; vgl. auch Gen
17,5.15). Der neue Name wird denen gegeben die "...festgehalten haben meinen
Namen" (Vers 13).
31 In Offb
1,13 steht der Herr inmitten der Leuchter, hier geht er von einem
Leuchter zum anderen. Dies ist eine eindeutige Anspielung auf den Dienst des Hohepriesters,
der den siebenarmigen Leuchter im Heiligtum täglich abends zu inspizieren, zu
reinigen, den Docht zurückzuschneiden und mit neuem Öl zu versorgen hatte (Num
8,1-3). Genau das tut Christus auch hier bei den örtlichen Gemeinden. Er
reinigt ("ich habe gegen dich…") und rüstet aus ("wer
überwindet, der…"). Zu Beginn jedes Sendschreibens stellt sich der Herr
mit einem speziellen Merkmal aus seiner Erscheinung in Offb 1,12-20 vor,
welches auf die Situation der Gemeinde passt. Hier ist er derjenige, der den
Leuchter von seiner Stelle wegrücken kann (Vers 5), aber die Sterne
gleichzeitig in seiner Hand behalten wird.
32 Die
Gläubigen werden mit Christus mitregieren, sowohl im tausendjährigen Reich (Dan
7,22; Lk 19,15-18; 1Kor 6,2; Offb 5,10; 20,4), als auch auf der neuen Erde
(Offb 22,5). Vgl. auch die Anm. bei Mt 6,10
33 Hier ist nur
von den Werken der Nikolaiten die Rede, in Offb 2,15 dann schon von der Lehre
der Nikolaiten. Es ist oft so, dass Falsches zuerst praktiziert wird, danach
sucht man eine biblische Begründung für sein Verhalten, um es zu rechtfertigen.
Dies war auch in der Kirchengeschichte so. Schon sehr früh wurden z.B. die
Märtyrer verehrt, im Mittelalter wurde dann das Dogma aufgestellt, dass man zu
den "Heiligen" beten
kann.
34 Vgl. Jesu
Aussage in Joh 8,44 und Mt 13,38
35 Die
Bundeslade war schon im Jahr 586 v.Chr. verlorengegangen (Jer 3,16). Nach einer
jüdischen Überlieferung hatte Jeremia die Bundeslade und das Manna verborgen.
Beides sollte nach rabbinischer Vorstellung am Ende der Zeit wiederhergestellt
werden (65,III,312). Dies ist jedoch völlig unnötig, den beides ist nun
symbolisch im Himmel verborgen (Offb 11,19).
36 Die Sendschreiben
habe eine Botschaft auf 3 Ebenen: (1.) Eine individuelle Botschaft an die jeweilige
Gemeinde. (2.) Jedes Sendschreiben hat darüber hinaus auch Bedeutung für jede
der anderen sechs Gemeinden ("Wer ein Ohr hat, höre
was der Geist den Gemeinden sagt"), und damit
auch für alle örtlichen Gemeinden aller Zeiten. (3.) In den Sendschreiben liegt
auch noch eine prophetische Botschaft über die Entwicklung der Christenheit: https://drive.google.com/file/d/1hGObmW8qUMwt0yMo_od_aWGCyO2uqVDU/view?usp=sharing
37 Da in den letzten vier Sendschreiben ein Ausblick auf
das Kommen des Herrn gegeben wird (Offb 2,24; 3,3b.11.20), nehmen manche
Ausleger an, die kirchengeschichtlichen Zeitepochen, welche diese vier Sendschreiben
prophetisch voraussagen (vgl. Anm. bei Offb 1,19), würden bis zum
Kommen des Herrn nebeneinander bestehen bleiben, was die heutige Realität auch
bestätigt.
38 Der Vorwurf des Herrn an die Gemeinde ist in beiden Fällen, dass sie nicht Gemeindezucht geübt haben. Vgl. die Anm. zu Mt 18,18
Offenbarung 3
1 Sardes war eine wichtige Handelsstadt, am Fuß des Tmolus Gebirges, auf einem Felsen gelegen. Aus griechischer Sicht war es lange die größte aller Städte, durch die Goldfunde im Fluss Pactolus sehr wohlhabend und im 6.Jhdt. v.Chr. die alte Hauptstadt Lydiens unter ihrem Herrscher Krösus. Der Wohlstand
von
Sardes galt zur Zeit des Königs Krösus als sprichwörtlich für Reichtum. Sie war
zwar auch noch unter den Römern bedeutend, konnte sich aber nach ihrer zweiten
Niederlage im Jahr 214 v.Chr., in römischer Zeit nie mehr richtig zu ihrem
früheren Glanz erholen (vgl. Offb 3,1b). Zweimal wurde die Stadt im Schutz der
Nacht von feindlichen Truppen an einem schlecht bewachten Teil der Stadtmauer
erobert (vgl. Offb 3,3). Mysterienreligionen und heidnische Kulte (z.B. die
Kybele, Artemis, Demeter, Persephone) blühten in Sardes. Im Jahr 26 n.Chr.
wurde der Stadt der Wunsch nach einem Tempel für den Kaiserkult abgeschlagen und
dieser wurde stattdessen in Smyrna erbaut. Die Stadt hatte damit keinen
Kaiserkult. Dementsprechend gering war auch die Verfolgung der Christen dort,
was zu einer Lauheit führte. So wie sich die Stadt auf ihrer glanzvollen
Vergangenheit ausruhte, so auch die Gemeinde in ihr. Sardes war ein Zentrum der
jüdischen Diaspora mit einer eigenen Synagoge. - Von Smyrna wird gesagt: sie
war tot, lebte jedoch wieder auf. Von Sardes: sie glaubt zu leben, ist aber eigentlich
tot. Heute ist die ehemalige Stadt nur mehr ein Ruinenfeld, nur in der Nähe
erinnert das Dorf Sart noch an die einstige Stadt. Gerade die beiden Städte
Sardes und Laodizäa, deren Gemeinden in den Sendschreiben am negativsten
bewertet werden, gingen später völlig unter (33,1073; 54,z.St.; 65,III,314f).
2 Philadelphia war eine
Stadt in Lydien am Nordabhang des Tmolus-Gebirges, in einem fruchtbaren Tal
gelegen, an der Fernstraße, die Pergamon mit Pamphylien verbindet. Im 2.Jhdt.
v.Chr. gegründet von Attalus II. Philadelphus und nach ihm benannt. Ihr Gründer
war berühmt für seine Loyalität gegenüber seinem Bruder. Es war zwar eine eher
arme Stadt, sie hatte aber zurzeit des Johannes große Bedeutung. Aufgrund einer
letzten Verfügung von Attalus III. Philometor, kam die Stadt nach seinem Tod im
Jahr 133 n.Chr., samt der ganzen Region unter römische Herrschaft. Die Stadt
war als Sitz hellenistischer Kultur von Bedeutung und war auf die Textil- und
Lederproduktion spezialisiert. Sie war Sitz von verschiedenen Kulten (Artemis,
Aphrodite, Helios, Zeus, Dionysos), aber auch eine jüdische Synagoge gab es
dort. Immer wieder geschahen Erdbeben in dieser Gegend und eines davon
zerstörte Philadelphia 17 n.Chr. sehr schwer. Diese Erdbeben vertrieben die Menschen
immer wieder aus ihren Häusern. Am Rande einer sehr fruchtbaren
Plateau-Hochebene, an der wichtigsten Handelsverbindung Kleinasiens gelegen,
bildete sie eine "offene Tür" für all den wirtschaftlichen Wohlstand
der gesamten Region. Es gab sehr viele Tempel und religiöse Feste in der Stadt
(vgl. "Siegeskranz" und "Tempel" in Offb 3,11.12). Die
Stadt wurde dreimal nach den Namen ihrer Wohltäter umbenannt: (1.) Philadelphus
(= Attalus); (2.) Neocaesarea (= vom Kaiser-Gott); (3.) Flavia (= Vespasian).
Daher die Anspielung in Off 3,8.12: "Nicht verleugnet meinen Namen",
und, dass man Gottes Namen auf die Stirn bekommt: "...den Namen meines
Gottes". In Philadelphia hielt sich das Christentum, von allen Städten
Kleinasiens, am längsten (bis 1391 n.Chr.). Heute die große türkische Stadt
Alasehir (33,926; 52,IV,733f; 54,z.St.; 65,III,315ff).
3 Die griech. Präposition εκ
bedeutet entw. wie Joh 17,15b "bewahren vor der Stunde…", d.h.
sie werden gar nicht in diese Versuchung kommen (2,z.St.); od.: "bewahren aus
der Stunde…", wie in Offb 7,14 und 2Pet 2,9 (21,V,368), was aber nicht so
gut zu dem Begriff bewahren passt; od. eventuell auch: "…bewahren
von der Stunde der Versuchung an" (1,475,5a). Bewahrt wird, wer
ausharrt bis zum Ende. Zur Bedeutung der Stunde der Versuchung, siehe die Anm.22 unten.
4 Anstelle einer älteren Siedlung
namens Diospolis wurde Laodizäa von Antiochos II. zwischen
261 und 253 v. Chr. gegründet und nach seiner Frau Laodike benannt. In römischer Zeit war
die Stadt Zentrum eines Gerichtsbezirks (conventus)
der Provinz Asia und
galt als wirtschaftliches Zentrum. Marcus Tullius Cicero war in seinem Jahr
als Prokonsul in Kilikien 51/50 v. Chr. unter anderem für die
Rechtsprechung der acht Gerichtsbezirke seiner Provinz zuständig. Laodizäa war
eine phrygische Stadt, am Lycos, einem Nebenfluss des Mäanders gelegen und
berühmt durch ihren Wohlstand, ihre Kleiderindustrie und die Pracht ihrer
Bauten. Es war die reichste Stadt Phrygiens und überhaupt eine der reichsten
Städte Kleinasiens. Die Schutzgottheit Laodizäas war Zeus, aber auch etliche
andere Kulte (Apollos, Hera, Asklepios, Athene, Serapis, Dionysos, ua.) gab es
in der Stadt. Dank ihrer guten Lage wurde Laodizäa schon um 150 v.Chr. eine
sehr bedeutende Stadt, die Antiochia am Orontes nur wenig nachstand. Unter
Augustus gehörte sie zur Provinz Syria, hatte aber eine Sonderstellung als
freie Stadt, und war die Hauptstadt eines Städtebundes dem mindestens 25 Städte
angehörten. Zwei wichtige Fernstraßen kreuzten sich in Laodizäa, dadurch war
die Stadt eine sehr reiche und florierende Geschäftsstadt, mit
Handelbeziehungen bis Ägypten und Vorderindien, sowie eine Finanzmetropole mit
Banken und Geldwechslern. Im 1. Jhdt n.Chr. wurde Laodizäa zweimal, unter
den Kaisern Tiberius und Nero, von Erdbeben schwer
verwüstet, erholte sich aber aus eigenen Kräften wieder. Ihre Einwohner rühmten
sich, nach dem katastrophalen Erdbeben 60.n.Chr., ohne kaiserliche Hilfe die
Stadt wiederaufgebaut und ihren früheren Reichtum wiedererworben zu haben. Die
Stadt lag nahe (8 km) den Thermen von Hierapolis (heute Pamukkale).
So lebte die Stadt von Kurgästen und Pilgern, die das heilende Wasser als
heilig ansahen, und wurde sehr reich. Durch die spezielle Zusammensetzung des
Thermalwassers von Pamukkale wurde in Laodizäa eine spezielle Augensalbe für
geschwollene Augenlider hergestellt, und die Stadt war berühmt für ihre Ohren-
und Augenspezialisten. In römischer Zeit war Laodizäa ein wichtiges
Baumwollanbaugebiet. Eine bestimmte rote Pflanzenwurzel konnte mit diesem
Wasser verdünnt werden und dann schwarze Stoffe purpurn färben. So wurden immer
mehr purpurne Stoffe im römischen Reich in Laodizäa hergestellt, zum Beispiel
die purpurnen Segel der Kleopatra. Die aufwändige Färbung von Stoffen mit
syrischen Purpurschnecken hatte eine
Alternative bekommen, so dass Laodizäa bald zur Purpurstofffabrik des römischen
Reiches wurde. Berühmt war die Stadt auch für die Herstellung von glatten,
glänzendschwarzen Wollstoffen und Gewändern. Ein großer Nachteil der Stadt war,
dass es keine ausreichende Wasserversorgung mit frischem Trinkwasser gab.
Mittels eines Aquädukts wurde daher von den heißen Quellen in Hierapolis, die
ca. 10 km entfernt waren, das Wasser in die Stadt geleitet. Dort angekommen war
es allerdings bereits lauwarm, sodass es, ungekühlt getrunken, zum Erbrechen
führte. Wäre es noch heiß oder schon kalt gewesen, hätte man es noch sinnvoll
verwenden können. Die heißen Quellen in Hierapolis wurden als Heilwasser
verwendet, und in der anderen Nachbarstadt Kolossä gab es frische, kalte
Quellen, die gutes Trinkwasser lieferten. Aber bis das Wasser nach Laodizäa kam,
war es bereits lauwarm und so wird dieser Umstand sinnbildlich auf die Gemeinde
übertragen (Offb 3,15), denn wegen ihrer Lauheit wird sie getadelt. Die Juden
hatten in der durch Gewerbefleiß und Handel wohlhabend gewordenen Stadt eine
zahlreiche Kolonie. Es lebten dort ca. 7500 Juden, plus Frauen und Kindern, die
sehr reich waren. Auch das Christentum fand hier früh Eingang, konnte sich aber
von allen Städten Kleinasiens am wenigsten lang halten. Laodizäa galt als eine
"Stadt des Kompromisses" (W. Ramsey). Das prägte auch den
"Pragmatismus" in der dortigen Gemeinde. Im Jahr 66 n.Chr. wurde
Laodizäa wiederum durch ein Erdbeben zerstört, diesmal aber durch Kaiser Mark
Aurel wiederaufgebaut. Angeblich wurden in Laodizäa noch bis in die Zeit der
Adoptivkaiser der Göttin Athena Menschenopfer dargebracht. Anfang des 4.Jhdt.
n.Chr. war Laodizäa Metropolis der Provinz Phrygia
Pakatiane.
363–364 n.Chr. fand dort das Konzil von Laodizäa statt. Nach einem Erdbeben
im Jahr 494 n.Chr. verlor die Stadt ihre Bedeutung. In mittelbyzantinischer
Zeit gehörte Laodizäa zum Thema Thrakesion.
Nach der Eroberung Laodizäas im 12. Jahrhundert durch die Seldschuken wurden
die Bewohner nach dem späteren Denizli umgesiedelt. Denizli wurde von den
Osmanen als Denizli Lâdik bezeichnet. Bei Grabungen wurde eine
frühchristliche Kirche freigelegt. Auf der Grundfläche von 2000
Quadratmetern wurden Reste von Mosaiken und Fresken gefunden sowie
Münzen, die auf das frühe 4.Jhdt datiert werden. Ein im Boden eingelassenes
Taufbecken mit Treppenstufen an zwei Seiten ermöglichte Massentaufen. In
heutiger Zeit besteht die Stadt nicht mehr. Gerade die beiden Städte Sardes und
Laodizäa, deren Gemeinden in den Sendschreiben am negativsten bewertet werden,
gingen später völlig unter (33,681; 52,III,482f; 65,III,317ff; Laodikeia am Lykos –
Wikipedia).
5 Vielleich ein Perfekt mit
Präsens-Bedeutung: "...ich stehe schon länger/wartend an der Tür?" -
Dieser Vers wird gerne in evangelistischen Gesprächen für die Aufforderung zur
Bekehrung verwendet, - manchmal noch mit der Zusatzbemerkung, dass die Tür von
innen, d.h. vom Unbekehrten selbst, geöffnet werden muss. Doch die
Aufforderung des Herrn Buße zu tun, richtet sich an die Gemeinde, d.h. an Gläubige.
Es gibt bessere Bibelstellen, die man für die Aufforderung zur Bekehrung
verwenden sollte.
6 Der Plural Neut.
meint entweder die restlichen Gemeindeglieder oder die noch übriggebliebenen
Reste geistlichen Glaubensleben (2,1270; 44,747).
7 Die "Bewohner auf der
Erde" sind in der Offenbarung immer die Gegner Christi und der Gemeinde
(vgl. Offb 6,10; 8,13; 11,10; 13,8.12.14; 17,8).
8 In die heidnischen Tempel
durfte man nur mit sauberen weißen Kleidern eintreten, damit die Gottheit nicht
beschmutzt wird (65,III,315). Die "weißen Kleider" sind eine
Anspielung auf die Herstellung von luxuriösen Kleidern in der Stadt (vgl. auch
Sach 3,3ff) und nach Offb 19,8 ein Symbol für die gerechten Taten der Heiligen.
Wir finden sie hier für die Überwinder der Gemeinde, und bei den 24 Ältesten in
Offb 4,4, die ebenfalls die Gemeinde in ihrem himmlischen Priesterdienst
symbolisieren. Weiters in Offb 6,11 bei der großen Volksmenge der Märtyrer, die
aus der großen Drangsal kommen, in Offb 19,8 bei der verherrlichten Gemeinde
die die Braut des Lammes ist und schließlich bei der verherrlichten Gemeinde,
die Christus bei seiner Wiederkunft begleitet. Dies könnte ein Hinweis darauf
sein, dass auch die Märtyrer in Offb 6,11 Gläubige der Gemeinde sind.
9 Siehe Anm. bei Offb 2,7
10 In jeder griechischen
Stadt gab es eine Bürgerliste, in die neue Bürger eingetragen wurden, aus der
man aber bei schlechtem Verhalten oder bei einer Verbannung wieder
ausgestrichen werden konnte (65,III,315). In einem jüdischen Gebet heißt es in
Anlehnung an Ps 69,29: "…und mögen die Nazarener (d.h. die Christen)
plötzlich umkommen und ausgewischt werden aus dem Buch des Lebens und nicht
eingeschrieben werden mit den Gerechten" (21,V,365). Die Bibel scheint zu
unterscheiden zwischen dem Buch des Lebens, in das jeder bei der Geburt
eingetragen und beim Tod ausgelöscht wird, und dem Buch des Lebens des
geschlachteten Lammes. In Ps 69,29 steht, dass die alttestamentlichen Gläubigen
aufgrund ihres Glaubens auch in das Buch der Gerechten eingetragen werden. Nur
in der Offenbarung wird vom Buch des Lebens des geschlachteten Lammes
gesprochen (Off 13,8; 17,8; 20,12.15; 21,27), in welches jeder Wiedergeborene
schon von Grundlegung der Welt an eingetragen ist, weil Gott ihn erwählt hat. Da
Christus die Verurteilung der Gläubigen auf dem Kreuz auf sich genommen hat,
werden sie niemals aus dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes ausgelöscht
(Joh 5,24). Der Ausdruck "nicht ausgelöscht" ist eine bekräftigende
Zusage, man darf nicht den Umkehrschluss in diesen Ausdruck hineinlesen, dass
ein Wiedergeborener wieder aus dem Buch des Lebens ausgelöscht werden könnte.
Dies ist nicht der Fall, denn Gottes Kraft bewahrt ihn (1Pet 1,5) und der
Hohepriester Jesus Christus betet für ihn, dass sein Glaube nicht aufhört
(Lk 22,31-32a).
11 Auch noch 20 Jahre später
gab Ignatius ein ebenso positives Urteil über die Gemeinde in Philadelphia ab
(21,V,365).
12 Eine Anspielung auf die
strategische Lage der Stadt. Am Rande einer sehr fruchtbaren Plateau-Hochebene,
an der wichtigsten Handelsverbindung Kleinasiens gelegen, bildete sie eine
"offene Tür" für all den wirtschaftlichen Wohlstand der gesamten
Region. Übertragen kann sich dies auf eine ungehinderte Möglichkeit zur
Evangelisation beziehen (21,V,366).
13 Vgl. Ps 39,8; 2Thes 3,5;
Offb 2,2-3.19; 13,10; 14,12. Entw. ein Gen.obj. (2,1271; 21,V,367), dann ist wohl
das geduldige Ausharren in Leiden, im Hinblick auf Jesu Wiederkunft gemeint,
bzw. das geduldige Warten auf den Herrn bei seiner Wiederkunft; od. Gen.poss.: "mein
Wort, standhaft zu bleiben" (2,z.St.).
14 Damit wird ausgedrückt,
dass er Mitschöpfer mit dem Vater ist, selbst aber nicht geschaffen ist. Er ist
vor aller Schöpfung und er ist ihre Ursache; vgl. Kol 1,15-20
(21,V,370). Der Titel des römischen Kaisers lautete: princeps (= der
Erste).
15 In Heb 12,6 spricht der
Herr von lieben, hier nur von gernhaben. Zum Ziel von Gottes
Züchtigung bei den Gläubigen siehe: Hiob 5,17; Ps 94,12; 1Kor 11,32 ua.
16 Zweimal wurde die Stadt im
Schutz der Nacht von feindlichen Truppen an einem schlecht bewachten Teil der
Stadtmauer erobert, daher: "wenn du nicht wachst".
17 Es gab immer wieder
Erdbeben in dieser Gegend und eines davon zerstörte die Stadt 17 n.Chr. sehr
schwer. Diese Erdbeben vertrieben die Menschen immer wieder aus ihren Häusern,
daher die Anspielung: "nie mehr hinausgehen müssen".
18 Die Stadt wurde dreimal
nach den Namen ihrer Wohltäter umbenannt: (1.) Philadelphus, (2.) Neo-Caesarea,
(3.) Flavia (für Vespasian). Die Anspielung: "nicht verleugnet meinen
Namen", und, dass man "den Namen meines Gottes" auf die Stirn
bekommt, bezieht sich auf Jes 56,4-5 (65,III,317ff).
19 Ein großer Nachteil
Laodizäas war, dass es keine ausreichende Wasserversorgung mit frischem
Trinkwasser gab. Mittels eines Aquädukts wurde daher von den heißen Quellen,
die ca. 10 km entfernt waren, das Wasser in die Stadt geleitet. Dort angekommen
war es allerdings bereits lauwarm, sodass es, ungekühlt getrunken, zum
Erbrechen führte. Dieser Umstand wird hier sinnbildlich auf die Gemeinde
übertragen, die wegen ihrer Lauheit getadelt wird. Wäre das Wasser noch heiß
oder schon kalt gewesen, hätte man es in beiden Fällen sinnvoll verwenden
können. Die heißen Quellen in der Nachbarstadt Hierapolis z.B. wurden
als Heilwasser verwendet und in der anderen Nachbarstadt Kolossä gab es kalte
Quellen, die gutes Trinkwasser lieferten.
20 Zu Beginn jedes
Sendschreibens stellt sich der Herr mit einem speziellen Merkmal aus seiner
Erscheinung in Offb 1,12-20 vor, welches auf die Situation der Gemeinde passt.
Hier ist er derjenige, "der die Schlüssel hat". Dies ist eine
Anspielung auf die Möglichkeiten, welche die Gemeinde vom Herrn empfangen hat
(Vers 8-9).
21 Ein unerfüllbarer Wunsch in
der Gegenwart (13,123).
22 "Die Stunde der
Versuchung" kann sich nicht auf die Möglichkeit eines jederzeit
hereinbrechenden Erdbebens beziehen, bestenfalls ist es eine Anspielung auf
diese ständige Gefahr in Philadelphia (vgl. auch Anm17). Der ganze
Ausdruck ist so allgemein und universell gehalten - denn er betrifft die ganze
Erde, vor allem die Un- und Scheingläubigen - dass er sich nur prophetisch auf
die Versuchung der Endzeit (2Pet 2,9) beziehen kann (65,III,316), nämlich die
Verführungen von Mt 24,9-13, oder vielleicht speziell auf die Versuchung zur Annahme
des Malzeichens und die Anbetung des Tieres (Offb 13,16-18). Damit ist auch
bewiesen, dass jedes Sendschreiben nicht nur eine Botschaft für die betreffende
Gemeinde enthält, sondern auch eine Botschaft für die Gemeinde aller Zeiten. -
Die Stunde der Versuchung auf die große Drangsal zu beziehen ist nicht sehr
überzeugend, denn dann hätte der Herr wohl gesagt: "dich zu bewahren vor
der großen Drangsal".
23 Das Adjektiv Ntr.Sg. wird
hier adverbiell gebraucht (2,1311; 32,z.St.; 44,777). Die Übersetzung "bald"
ist irreführend, immerhin sind schon fast 2000 Jahre seitdem vergangen. Die
Grundbedeutung des Wortes ist: schnell, adverbiell gebraucht also: in
schneller Art und Weise (vgl. 8,z.St.). Das Kommen des Herrn wird dann, wenn
die Zeit erfüllt ist, überraschend schnell über die Bühne gehen. Für die
Ungläubigen wird er dann unerwartet wie ein Dieb in der Nacht kommen, für die
wachsamen Gläubigen aber wie der sehnsüchtig erwartete Bräutigam zur Entrückung
seiner Braut (1Thes 5,1-10). Viermal finden wir diesen Ausspruch in der Offenbarung,
immer in dieser gleichen Bedeutung (Offb 3,11; 22,7.12.20).
24 Der Imperfekt εμελλον ist der Imperfekt des Briefstils (21,V,364).
25 Nicht, was du empfangen hast, sondern wie sie am Anfang den Glauben mit Dankbarkeit über die Gnade annahmen, und den Anordnungen Gottes gehorchten.
Offenbarung 4
1 Jes 6,3; Am 3,13 (LXX). Im Kaisertempel in
Pergamon wurden auch von 36 Priestern ständig Hymnen zu Ehren des göttlichen
Augustus gesungen (65,III,323).
2 Die 24 Ältesten
sind die symbolischen himmlischen Vertreter des irdischen
neutestamentlichen Priesterdienstes der Gemeinde, so wie es die 24 Häupter der
alttestamentlichen Priesterschaft in 1Chr 24,1-19 waren (65,III,322). Genauso
wie die Überwinder selbst, haben sie weiße Kleider (Offb 3,4-5), Siegeskränze
(Offb 3,10b), sie sitzen auf Thronen mit dem Herrn (Offb 3,21) und sie sind
Anbeter (Offb 4,10). Darin aber die bereits davor entrückte Gemeinde zu sehen,
ist weit hergeholt, denn diese Ältesten sind schon jetzt die symbolischen
himmlischen Vertreter der "Gemeinde der Erstgeborenen" und der "Geister
der vollendeten Gerechten" im Himmel
(Heb 12,23). Sie üben schon jetzt ihren himmlischen Priesterdienst aus.
Vgl. auch die Anm. bei 1Thes 4,15. - Der Zeitpunkt der Entrückung wird in der
Offenbarung nirgendwo explizit festgelegt, noch wird das Ereignis an einer
bestimmten Stelle in der Offenbarung so klar beschrieben wie in 1Thes 4,13-18.
Das ist bemerkenswert, denn gerade in diesem Buch sollte man dies erwarten.
Daher kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Gott den genauen Zeitpunkt der
Entrückung nicht offenbaren wollte, damit die Gläubigen einerseits in
ständiger sehnsüchtiger Erwartung bleiben, und doch gleichzeitig die
Zeichen der Endzeit richtig beurteilen, und die Drangsale, durch die sie gehen
müssen (Apg 14,22; 1Thes 3,3-4; 2Tim 3,12, ua.) richtig einordnen, und durch
diese nicht erschreckt und verunsichert werden.
3 Die
Zeitangabe "nach diesem…", bezieht
sich auf die 2.Vision die er nun sah, nach der 1.Vision in Offb 1,12-20.
Der Plural könnte andeuten, dass es sich bei den Sendschreiben nicht nur um
einzelne Briefe handelt, sondern dass in ihnen zusätzlich eine zukünftige
Entwicklung der Kirchengeschichte prophezeit wird. Da das ganze Buch
eine prophetische "Offenbarung" ist (Offb 1,1), sind natürlich auch
die sieben Sendschreiben, als integraler Teil des Buches, eine prophetische
Offenbarung, d.h. eine Enthüllung zukünftiger Dinge. Dafür sprechen auch die
Anspielungen auf
das AT, die sich wie ein chronologischer roter Faden durch die Geschichte des
alttestamentlichen Volkes Gottes vom Paradies bis zur "Ausspeiung aus dem
Land" bei der babylonischen Wegführung ziehen. Die Parallelen zur
Kirchengeschichte
sind dabei keineswegs an den Haaren herbeigezogen, sondern stimmen mit der geschichtlichen
Entwicklung der Christenheit überein:
Ephesus - Stichwort: "...verlassen..." (das Paradies und den Baum des Lebens, Gen 1-3). → "die erste Liebe verlassen", die Gemeinde im 1.Jhdt n.Chr. verliert schön langsam ihre ursprüngliche Hingabe.
Smyrna - Stichwort: "...zehn Tage Drangsal..." (d.h. eine festgesetzte, aber begrenzte Zeit der Drangsal). Israel hatte 400 Jahre Drangsal in Ägypten (Gen 15,13). → Die Gemeinde hatte 10 Verfolgungen im römischen Reich (1.-2.Jhdt.n.Chr.)
Pergamos - Stichwort: Bileam + Balak, Vermischung mit Ungläubigen (Num 22-24). → Das Christentum wird zur Staatsreligion und heidnische Elemente dringen ein (3.-4.Jhdt.)
Thyatira: - Stichwort: Isebel, sie schleuste den Götzendienst in Israel ein (1Kön 17) → Übernahme von heidnischen Götzendienstpraktiken durch die Kirche im Mittelalter (5.-15.Jhdt.)
Sardes - Stichwort: "nicht ... auslöschen" (2Kön 14,25-27) → der Aufschwung unter der Reformation, - der aber letztlich doch nur zum toten Formalismus führt (16.-17.Jhdt.).
Philadelphia - Stichwort: "der Schlüssel Davids" (Jes 22,15-23; 2Kön 19,2-4.30-31) → geistliche Erweckung aus dem toten Protestantismus heraus: Täufer, Baptisten, Kongregationalisten, Brüderbewegung, usw. (18.-19.Jhdt.)
Laodizäa - Stichwort: "...ausspeien"
Durch die babylonische Wegführung wurde Israel aus dem Land ausgespien (Lev
18,25.28) → der Abfall in den "Freikirchen" vor dem Kommen des Herrn (2Tim
3,1-9; 4,3.4; ab dem 20.Jhdt.).
Siehe den Überblick in: https://drive.google.com/file/d/1hGObmW8qUMwt0yMo_od_aWGCyO2uqVDU/view?usp=sharing
Weitere
Gründe, die dafür sprechen die Sendschreiben auch prophetisch zu deuten: Jedes Sendschreiben
gilt auch den anderen Gemeinden, denn jede Gemeinde bekam alle
Sendschreiben, und nicht nur das, welches sie betraf. Wandelt der Herr Jesus
nur inmitten dieser sieben damaligen Gemeinden, hält er nur sie in
seiner Rechten? Natürlich nicht! Warum sind diese Gemeinden ein
"Geheimnis", und warum gerade diese Gemeinden, und warum nur 7
Gemeinden? Sieben ist eine wichtige symbolische Zahl in der Offenbarung. Es gab
auch noch andere Gemeinden in unmittelbarer Nähe, z.B. Kolossä, Hierapolis,
Troas. Warum bekamen sie kein Sendschreiben?
4 Mit dem griechischen
Ausdruck: "ανοιγω … εν τω ουρανω" (geöffnet im Himmel) werden die
zukünftigen Ereignisse in Kapitel 4 - 22 in vier teilsynchrone Abschnitte
unterteilt.
Im 1.Abschnitt (Offb
4,1 - 11,18) dominiert der Thron des Schöpfers. - Da die Menschen
die Herrlichkeit des unverweslichen Schöpfer-Gottes in das Abbild eines
verweslichen Menschen, nämlich in ihre Götzen, verwandelt haben (Röm 1,22ff),
kommt der Zorn Gottes (Röm 1,18) nun über die Schöpfung, um die Menschen
zu bestrafen. Es
folgt
daher ein allgemeiner
Überblick über die Gerichte, die über die Schöpfung kommen, bis zur
Erscheinung Jesu Christi und dem Beginn seines Königreichs (vgl. Offb 11,15f).
Dieser 1.Abschnitt unterteilt sich in zuerst 6 Siegel (Offb 6,1-17), dann folgt
ein zweiteiliger Einschub (Offb 7,1-17: a) 144.000 Versiegelte aus Israel; b)
eine große Volksmenge aus jeder Nation, und schließlich das 7.Siegel. Aus dem
siebten Siegel entfalten sich zuerst die 6 Posaunen (Offb 8,6 - 9,21), dann
folgt wieder ein zweiteiliger Einschub (Offb 10,1 - 11,14: a) das geöffnete
Büchlein; b) die zwei Zeugen, und schließlich die 7.Posaune.
5 Sie stehen symbolisch
für die vier Teile der Schöpfung, und stellen so die richterliche Gewalt Gottes
(vgl. Offb 15,7) in der Schöpfung dar (51,22).
6 Vielleicht aufgrund von
semitischem Einfluss mit einem Imperfekt oder Präsens zu übersetzen. So auch in
Offb 5,8-9; 11,16-17; 19,41 (13,95).
7 Entsprechend dem
Waschbecken im Tempel (1Kön 7,23).
8 Beachte
die persönliche Anrede! Auch Kaiser Domitian ließ sich als Herr und Gott
anreden.
9 Siehe die
Anm. zu Offb 21,11
Offenbarung 5
1 Das
Lämmlein, welches aber im Unterschied zu αμνος (Strong
Nr.: 286) nicht mehr ausschließlich an der Brust trinkt, sondern auch schon
selbst weidet. Als Deminutiv von αρην (Strong Nr.: 704) ein
verniedlichendes, liebevolles Bild für Schwachheit und Bedürftigkeit. Das Wort
kommt 29-mal in der Offenbarung vor, aber nur einmal im übrigen NT (Joh 21,15).
Bemerkenswert ist, dass der verherrlichte Herr hier in der Offenbarung gerade
mit diesem Ausdruck beschrieben wird, - wo er doch gleichzeitig der "Löwe
Davids" ist, also ein Bild für Macht und Stärke.
2 Nämlich
zusammen mit Christus, der im tausendjährigen Reich König in Jerusalem sein
wird (vgl. Mt 25,31; Jes 12,6; 24,23; Sach 2,14-15; 6,12; 14,9.16 ua.). Die Gläubigen
werden mit ihm die Regierungsgewalt auf der Erde ausüben. Die 12 Apostel über
die 12 Stämme Israels (Mt 19,28; Lk 22,29-30), der Rest der Gemeinde über die
Nationen (Dan 7,22; Lk 19,17.19; 1Kor 6,2; Offb 2,26).
3 Damit
bestätigt sich, dass die 24 Ältesten die symbolischen himmlischen
Vertreter des irdischen neutestamentlichen Priesterdienstes der Gemeinde
sind. Wenn die 24 Ältesten selbst die entrückte Gemeinde wären, wie sollten sie
dann die "Gebete der Heiligen" Gott darbringen. Das ergibt keinen
Sinn. Und wer sind dann diese "Heiligen", deren Gebete sie
priesterlich vor Gott bringen, wenn nicht die Gemeinde die noch auf Erden ist? Vergleiche
auch die Anm. zu Offb 4,4
4 Damit sind
ohne Zweifel die Gläubigen der Gemeinde gemeint. Ihnen allen wurde das
Evangelium nach dem Missions-Befehl des Herrn verkündet (M7 28,19). Zu bedenken
ist, dass Gott verschiedene Möglichkeiten hat, Einzelnen unter diesen
Völkern seine Erlösung zu offenbaren, auch ohne, dass sie das Evangelium
persönlich von Missionaren hörten. In Röm 10,13-19 gibt Paulus zwar den normalen
Weg an, wie Menschen zum Glauben kommen, er spricht aber dort im Kontext
speziell vom Volk Israel, was eine spezielle Offenbarung an Einzelne nicht
ausschließt. Die Bekehrung des Paulus selbst, war ja ein Beispiel dafür.
1 Hos 10,8; Jes 2,10
2 Ein
Hohlmaß, es entspricht etwas über 1 Liter. In der Armee von Xerxes war dies die
tägliche Ration an Getreide für einen Soldaten, und auch die Menge,
die ein Arbeiter bei einer Mahlzeit oder an einem Tag verzehrt (1,1761;
33,1249).
3 Nämlich
durch Vernichtung der Ernte oder durch Teuerung (2,z.St.). Das ergibt mit den
damals üblichen Preisen eine acht- bis zwölffache Verteuerung für das Grundnahrungsmittel
Brot und Gerste (59,329). Ein Denar war der Tageslohn eines Arbeiters. Ein ganzer
Tageslohn muss also für das tägliche Brot ausgegeben werden, und eine
kinderreiche Familie kann man davon ohnehin nicht ernähren. Die Luxusgüter Öl
und Wein (vgl. Spr 21,17) hingegen verteuern sich nicht, der Wohlstand der
Reichen wird noch verschont (vgl. dagegen Offb 6,15; 18,9ff). - In der
Regierungszeit von Domitian gab es dann viele Hungersnöte und eine hohe
Inflation. Besonders Kleinasien wurde davon schwer betroffen (65,III,328). Auch
in den Jahren vor der Wiederkunft Christi wird dies so sein, und zwar in
wehenartigen Wellen: Friede – Krieg – Inflation und Teuerung – Tod, Gewalt,
Hungersnot und Seuchen (Verse 2-8).
4 D.h. hier
noch ohne Auferstehungsleib, aber nicht im Hades, sondern schon im Himmel.
Dann wäre aber die Entrückung hier noch nicht geschehen, denn sie haben noch
keine Auferstehungsleiber. In Offb 7,9-17 sehen wir sie aber schon im Himmel
zusammen mit Engeln vor dem Thron, wahrscheinlich schon mit
Auferstehungsleibern.
5 Da das
Perfekt verwendet wird, könnten dies alle Gläubigen sein, die seit Beginn der
Gemeinde, um des Glaubens willen getötet wurden. - Der folgende Wortlaut: "…wegen
des Wortes Gottes und wegen der Bezeugung", wird auch in Offb 1,2.9;
12,11; 19,10, und wahrscheinlich auch in Offb 20,4, eindeutig auf Gläubige der
Gemeinde angewendet, woraus man schließen könnte, dass es sich auch hier um
Gläubige der Gemeinde handelt.
6 Gemeint
ist der sichtbare Himmel; vgl. Jes 34,4
7 Joel
2,11; Nah 1,6; Mal 3,2; Röm 2,5
8 Vor dem
Öffnen des 7.Siegels, stehen wir chronologisch bereits kurz vor dem Tag des
Herrn, der Wiederkunft Christi. Dasselbe sehen wir beim Blasen der 7.Posaune
(Offb 11,15), und bei der Ausgießung der 7.Zornschale (Offb 16,17b). - Die 4
Reiter gehen auf Sach 1,8-11 und 6,1-8 zurück.
9 Falls die
Entrückung der Gemeinde bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden hat,
müssen die Gläubigen aufmerksam auf das Auftreten dieses Reiters achten. Es ist
dann der Auftakt zum Ende. - Wenn der römische Feldherr siegreich von einer
Schlacht zurückkehrte, ritt er auf einem weißen Pferd in Rom ein, begleitet von
seinen Truppen. Auch die Parther ritten auf weißen Pferden und hatten
gefürchtete Bogenschützen, und erst kurz davor hatten die Römer eine Schlacht
gegen die Parther verloren (65,III,327). Der Reiter auf dem weißen Pferd kann
aber nicht Christus sein, denn nach der Wiederkunft Christi folgen keine
Plagen mehr, sondern er errichtet sein Königreich auf der Erde. Manche meinen,
der Reiter sei "das Tier aus dem Meer", der
zukünftige Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches, der das Chaos in
Europa mit starker Hand siegreich beendet. Da aber die Reiter auf dem schwarzen
und dem fahlen Pferd sicher keine historischen Personen sind, dürfte auch hier
das Pferd samt dem Reiter als Symbol aufzufassen sein. Das würde
bedeuten, dass nach chaotischen Zuständen auf der Erde (oder speziell in
Europa?), zuerst eine kurze Ära von verführerischem Frieden eingeleitet wird, vor
allem vielleicht für Israel mit seinen feindlichen arabischen Nachbar-Staaten
(Abraham-Abkommen), sowie eine Stärkung und politische Ausweitung Europas, geprägt
durch starke politische Führer. Die Menschen werden aufatmen und sagen: Endlich
"Friede und Sicherheit" (1Thes 5,3). Danach werden aber Nationalitätenkonflikte,
Bürgerkriege, Kleinkriege und Weltkriege "den Frieden von der Erde
wegnehmen" (Offb 6,4). Eine gewaltige Inflation und Hungersnöte werden die
Folge sein, die in Seuchen und Massensterben enden. Das erinnert an Kaiser
Augustus, der mit dem Antritt seiner Alleinherrschaft das Goldene Zeitalter des
"pax romana augustae" einleitete, welches aber in den
Jahrhunderten danach in Kriegen, Katastrophen und dem Untergang des römischen
Reiches endete. - Bildlich ist ein Pferd der symbolische Vertreter der Ausübung
göttlicher Macht, die ausgesandt wird, die Erde heimzusuchen. Dort führt sie
die Pläne der göttlichen Voraussicht dadurch aus, dass sie sich eine widerstreitende
oder entgegengesetzte Herrschaft unterwirft oder unterordnet. In Sach 1,8 sind
Pferde symbolisch dienende Geister der Vorsehung Gottes gegenüber den
Weltreichen (51,24f). Die vier Reiter (vgl. Sach 1,7-15; 6,1-8) sind bildhafte
Hinweise auf die messianischen Wehen, die dem Kommen des Messias vorausgehen: Verführung,
Krieg, Teuerung und Inflation, Hungersnot, Seuchen und Massensterben (vgl.
47,z.St.).
10 Vgl.
1Thes 5,3. Dies scheint auf Bürgerkriege hinzuweisen, die nach einer Zeit des
Friedens auftreten. Zu den folgenden Gerichten vgl. Hes 14,21
11 Es wurde
vor allem von Priestern und hochgestellten Personen getragen: der Talar, die
Robe. In der LXX in Ex 28,2
12 Die
Ereignisse der ersten 6 Siegel finden sich in gleicher Reihenfolge in der Endzeit-Rede
Jesu: (1.Siegel) Offb 6,2 → Eroberung durch Verführung: Mt 24,4ff.; (2. Siegel)
Offb 6,3-4 → Kriege: Mt 24,6-7; (3. Siegel) Offb 6,5-6 → Inflation, Teuerung
und Hunger: Mt 24,7b; (4. Siegel) Offb 6,7-8 → Ein globales Massensterben
durch Gewalt, Hungersnot, Seuchen und wilde Tiere, wodurch ¼ der Menschheit
ausgerottet wird: Mt 24,7b; (5. Siegel) Offb 6,9-11 → Christenverfolgung: Mt
24,9-13; (6. Siegel) Offb 6,12-17 → Erdbeben, kosmische Katastrophen, der Tag
des Herrn: Mt 24,29-31. Zu den offensichtlichen Parallelen zwischen den Gerichten in der
Offenbarung und denen in der Endzeit-Rede Jesu, siehe die folgende Grafik: https://drive.google.com/file/d/1pIq6ewhl6yrwEaoYJ1d7hEkU3g7VjSyN/view?usp=sharing
13 Die Ansicht, dass gläubige Christen solche Worte nicht
aussprechen würden, und diese Gruppe deswegen keine Gläubigen der Gemeinde sein
können, wird durch die Worte des Paulus in 2Thes 1,6 widerlegt. Vergleiche auch
noch das Gebet und den Dank für Rache und Gerechtigkeit in Offb 11,16-18; 16,5-6;
18,20; 19,2-3
14 Das
6.Siegel gibt einen Ausblick auf die Ereignisse kurz vor der Wiederkunft
Christi, welche "den Tag des Herrn" und "den Tag des Zorns"
abschließen wird. Vor diesem Tag bleibt die Gemeinde verschont (1Thes 5,1-5.9;
1Thes 1,10b; 2Thes 1,7-9). Aus dem 6.Siegel entfalten sich die 7 Posaunen und
die 7 Zornschalen, in denen detailliert gezeigt wird, wie sich der Zorn Gottes
auf die Erde und die Menschen auswirkt. - Dieses große Erdbeben, welches am Tag
des Herrn, kurz vor der Wiederkunft Christi stattfindet und die ganze Erde betreffen
wird (vgl. auch Hes 38,19-20; und als Folge davon die Ereignisse in Sach
14,4-5), ist nicht das Gleiche wie in Offb 8,5, oder das in 11,13.19, wo
nur die Stadt Jerusalem betroffen sein wird. Da sich unter dem Jordantal der
große ostafrikanische tektonische Grabenbruch durchzieht, der von Afrika bis
zum Taurusgebirge in der Türkei verläuft, ist es gut möglich, dass die Spaltung
des Ölbergs aufgrund dieses Erdbebens hier geschieht. Vgl.: Jordangraben –
Wikipedia
15 Dabei handelt es sich entweder um kosmische Ereignisse oder um Bilder einer schrecklichen Verwüstung (65,III,330). Sterne am Himmel sind in der symbolischen Sprache der Prophetie ein Symbol für untergeordnete Autoritäten die Wegweisung geben sollen (vgl. Gen 37,9-10; Offb 9,1; 12,1.4; ua). Hier und an anderen Stellen im NT (z.B. Mt 24,29; Offb 8,10-12; ua.) dürften aber buchstäbliche kosmische Ereignisse gemeint sein.
16 Dies klingt eher nach einer geographischen Angabe, und nicht einer Anzahl von Toten. Vergleiche den "dritten Teil" in Offb 8,7-11, wo es sich auch um eine geographische Angabe handelt, im Gegensatz zu Offb 9,18, wo es sich wirklich um den "dritten Teil" der Menschheit handelt.
1 Jes 49,10
2 Jes 25,8;
49,10. Es sind sicherlich nicht Freudentränen gemeint, sondern eher die Reste
der Tränen, die sie in der Bedrängnis geweint haben, vielleicht auch Tränen
über den Verlust beim Richterstuhl Christi.
3 D.h. mit
einem Erkennungszeichen versehen (2,z.St.). Das Siegel ist schon ein alttestamentliches
und allgemeines Symbol für Unantastbarkeit und Eigentum (vgl. Hes 9,4ff). Daher
soll es hier nicht ausdrücken, dass diese Personen mit dem Heiligen
Geist versiegelt sind, sondern, dass das Siegel sie vor den Auswirkungen der
Zornschalen schützt, damit sie ihnen nicht schaden können (vgl. Offb 9,4; Hes
9,6b). Bei diesen Versiegelten handelt es sich um den schon im AT angekündigten
jüdischen Überrest der Endzeit. Sie werden in den schlimmen Bedrängnissen der
Endzeit lebend bewahrt, damit sie den wiederkommenden Herrn dann lebend
als ihren Messias erkennen können und Buße tun (Sach 12,9-11; Offb 1,7; vgl. Mt
24,30 "...alle Stämme des Landes" d.h. Israels). Erst dann
wird der Geist der Gnade auf sie ausgegossen (vgl. Hes 37,5-6) und zu ihrer
Bekehrung führen (60,550ff).
4 Der Stamm
Dan wurde weggelassen und stattdessen Manasse aufgelistet, vielleicht aus dem
Grund, weil der Stamm Dan den Götzendienst in Israel einführte und größtenteils
ausgelöscht wurde (Rich 18,1-31). Aufgrund von Gen 49,16-17; Jer 8,16-17 und Amos
8,14 war Irenäus der Meinung, dass der Anti-Christ aus dem Stamm Dan kommen
soll (22,VI,350; 1,1732; 60,549; 64,698).
5 Nur hier mit
Artikel, -
wohl, weil es auf die schon von den Propheten und von Jesus angekündigte große
Bedrängnis hinweisen soll (Jer 30,7; Dan 12,1ff; Mt 24,21 [dort aber ohne
Artikel]). Ein bestimmter Zeitraum (z.B. 3 ½ Jahre) innerhalb der Bedrängnisse
der letzten Zeit, lässt sich aber nicht festmachen, auch nicht der exakte Beginn
dieser Bedrängnis. Zu beachten ist auch, dass das Wort στενοχωρια (=
Drangsal, Strong Nr.: 4730) ein stärkerer Ausdruck wäre, der aber hier nicht
gebraucht wird. Der Ausdruck "große Bedrängnis" findet sich auch in Offb
2,22 in ganz allgemeiner Bedeutung. Eine große Drangsal kam schon ganz
am Anfang der Gemeinde über die Gläubigen (Apg 7,11; 14,22; 2Thes 1,4; 2Tim
3,12 ua.), und hat seitdem durch all die Jahrhunderte hie und da nie aufgehört.
- Da nicht gesagt wird, dass diese Heiligen Märtyrer sind, könnte damit die
ganze entrückte Gemeinde gemeint sein, die eben in dieser Zeit der letzten Bedrängnis
entrückt wurde, aber eben noch vor dem Zorn Gottes, der in Offb 6,17, vor
dem Einschub von Offb 7,1-17, schon als bevorstehend angekündigt wurde.
6 Durativer
Impf.: "...bis zum Ende zählen konnte", weil es so viele sind?
7 Hier ist
das Siegel von Gott (wie Offb 9,4b; 20,4; Hes 9,4), in Offb 13,16; 14,9
und 17,5 ist das Malzeichen (ein anderes griechisches Wort) des Tieres aber
eine Nachäffung Satans.
8
Sicherlich eine symbolische Zahl: 12 ist die Zahl für Erwählung, sie steht für
die 12 Stämme Israels multipliziert mit 1000, die symbolische Zahl für eine
große Menge (33,846). Wahrscheinlich sind sie, da sie aus allen Stämmen
Israels kommen, das "ganze Israel" (Hes 37,11) das Paulus in Röm
11,26 meint. Vgl. auch die Anm. dort.
9 Es gibt 2
Erklärungen, wer diese Personen sind: (1.) Es handelt sich bei diesen Personen
um Gläubige der Gemeinde. Sie kommen, wie die Gläubigen der Gemeinde (Offb 5,9b-10),
aus allen Nationen, Völkern, Stämmen und Sprachen. Ebenso wie die Gläubigen der
Gemeinde wurden sie mit langen weißen Priestergewändern der Überwinder bekleidet
(vgl. Offb 3,4-5; 6,9.11), sie haben ihre Kleider gewaschen im Blut des Lammes
(vgl. Offb 1,5) und bekommen in der Ewigkeit die gleiche Zuwendung und den
gleichen Dienst wie diese (vgl. Offb 21,3-4; 22,3). Sie stehen, wie die 24
Ältesten, vor dem Thron Gottes im Himmel. Die Beschreibung in Offb
7,16-17 passt nur auf Umstände im Himmel. In der Offenbarung ist der Thron
Gottes immer im Himmel (Offb 3,21b; 4,2-5.11; 5,1.6-7.11.13; 6,16; 8,3),
und das ist sicher auch hier in Offb 7,7,9-17 der Fall. Das spricht sehr dafür,
dass es sich um Gläubige der Gemeinde handelt. Die weißen Gewänder beweisen zwar
noch nicht, dass sie auch schon ihre Auferstehungsleiber haben, denn in Offb
6,9-11 bekommen die Heiligen auch weiße Gewänder, obwohl sie noch als "Seelen"
bezeichnet werden und demnach noch keinen Auferstehungsleib haben. Die große Volksmenge
hier in Vers 9-12 wird allerdings nicht mehr als "Seelen" bezeichnet.
Es könnte sich also hier sehr wohl um die schon davor entrückte Gemeinde im
Himmel in ihren Herrlichkeitsleibern handeln. Zum Zeitpunkt der Entrückung wird
nach Röm 11,25 die Vollzahl der Nationen gerettet sein. Wie könnte dann danach
noch eine unzählbare Schar aus allen Nationen gerettet werden, wie
manche annehmen? Denn nachdem die Vollzahl der Nationen gerettet ist, wendet
sich Gott wieder seinem Volk Israel zu, nicht aber Menschen, die schon vorher
das Evangelium hörten, aber nicht geglaubt haben. Die Ansicht, dass es sich
hier um Menschen handelt, die vor der Entrückung das Evangelium zwar hörten,
aber nicht annahmen, aber dann nach der Entrückung noch eine zweite Chance
bekommen, ist aufgrund von 2Thes 2,10 unbiblisch. (2.) Manche meinen trotzdem, dass
der Überrest Israels, die Versiegelten aus Offb 7,1-8, nach der
Entrückung der Gemeinde, dieser großen Volksmenge das Evangelium verkünden, und
diese Volksmange so gläubig geworden ist. Doch dies kann nicht sein. Denn der
Überrest Israels wird sich nach Sach 12,9-11 erst dann zum Messias bekehren,
wenn sie Jesus in den Wolken des Himmels bei seiner Wiederkunft sehen. Einen
bekehrten Überrest Israel, der den Heiden das Evangelium schon davor verkünden
könnte, gibt es also gar nicht. Außerdem wäre es eine unangenehme Wahrheit,
wenn dieser Überrest die Aufgabe ausführt, die die Gemeinde vor der
Entrückung hätte tun sollen (Mt 28,19; Mk 16,15; Apg 1,6-8 ua.), aber nicht
getan hätte! Und wie sollte dieser kleine Überrest Israels in so kurzer Zeit eine
unzählbare Schar zum Herrn führen, noch dazu aus allen Nationen, also auch aus
solchen Nationen, die schon davor jahrhundertelang das Evangelium kannten? Wären
es Gläubige nach der Entrückung, wären sie alle um ihres Glaubens willen
in der letzten Drangsalszeit getötet worden (Offb 7,14a), oder sie wären alle
plötzlich innerhalb so kurzer Zeit gestorben. Alles sehr unwahrscheinlich. Die
ganze Lehrmeinung, dass die Entrückung schon zwischen Offenbarung Kapitel 3 und
Kapitel 4 geschieht, basiert auf Zirkelschlüssen, die bei genauerem Hinsehen in
sich zusammenbrechen. - Wenn diese Schlussfolgerungen richtig sind, wäre der
Zeitpunkt der Entrückung nach dem Öffnen der ersten 5 Siegel, aber noch vor
der Ausgießung von Gottes Zorn ab Offb 8,1ff. oder ab Offb 16,1-21. Das würde
übereinstimmen mit 1Thes 1,10b und 1Thes 5,9. Vgl. auch noch die Anmerkungen zu
1Thes 1,10; 4,15; 5,9; Offb 4,4; 7,3
10 Zwischen
dem 6. und dem 7.Siegel erfolgt hier in den Versen 1-17 ein zweiteiliger Einschub:
a) 144.000 - ein versiegelter Überrest aus Israel auf der Erde;
b) eine große Volksmenge aus allen Nationen vor dem Thron im Himmel.
11 Zu den
Priestergewändern vgl. Offb 6,11. Palmwedeln wurden beim Laubhüttenfest
verwendet, das ein Vorbild auf das tausendjährige Reich ist (Sach 14,16).
12 Beteten
sie Gott an, wegen der großen Volksmenge, die Gott errettet hat?
13 Der
Tempel ist in der Offenbarung immer (außer in Offb 11,1) der Tempel im
Himmel (Offb 3,12; 7,15; 11,19; 14,15.17; 15,5-8; 16,1.17; 21,22), aber
niemals die Gemeinde.
14 Das Wort steht im Ptz.Perf.Medium,(so: 32,z.St.) oder Passiv (so: 2,z.St.). Wahrscheinlich ist es entweder als indirekt-reflexives Medium (vgl. 2,1382 [A216]) zu verstehen: d.h. sie haben sich in ihrem eigenen Interesse bekleidet, oder als toleratives Passiv (vgl. 2,1383 [A219]): sie ließen sich von Gott bekleiden. Beides passt zum gleichen Bild in: (1.) Offb 3,4-5 (Medium). Dort sind es die Gläubigen, die während ihres Lebens in der Heiligung vorangeschritten sind, indem sie sich durch Sündenbekenntnis Vergebung und Reinigung von Gott schenken ließen (1Joh 1,9), und (2.) Offb 6,11; 19,8.14. Dort sind es die vollendeten Gläubigen, die dann endgültig mit weißen Gewändern bekleidet werden. Man könnte bildlich sagen, die tägliche Heiligung ist der tägliche "Waschgang", die Vollendung dann der letzte "Waschgang".
Offenbarung 8
1 Die in den sieben
Posaunenvisionen beschriebenen Vorgänge sind die Antwort auf die Gebete der
Heiligen (Offb 6,10; 8,3), d.h. ihre Bitten um das Gericht über die Verfolger
(vgl. Offb 6,10). Mit den 7 Posaunen beginnt der Zorn Gottes, der über die Erde
ausgegossen wird. Die Schilderung der Gerichtsvorgänge haben Ähnlichkeit mit den
ägyptischen Plagen (Ex 7,1 - 11,1ff; Hes 7,1 - 10,1ff). Die Heimsuchungen haben
kosmische Ausmaße, aber sie bewegen die ungläubige Menschheit nicht zur Umkehr;
vgl. Offb 9,20-21 (47,z.St.). Zwischen den 7 Posaunen und den 7 Zornschalen
gibt es deutliche Parallelen. 1.Posaune und 1.Zornschale = Gericht über die Erde.
- 2.Posaune und 2.Zornschale = Gericht über das Meer. - 3.Posaune
und 3.Zornschale = Gericht über die Ströme und Wasserquellen. - 4.Posaune
und 4.Zornschale = Gericht über die Sonne. - 5.Posaune und
5.Zornschale = Verfinsterung. - 6.Posaune und 6.Zornschale = Eingriff
auf den großen Strom Euphrat. - 7.Posaune und 7.Zornschale = laute
Stimmen im Himmel. Siehe: https://drive.google.com/file/d/1eBQJOl_VNflR8wJcyKQE6D1kqY8F-QRn/view?usp=sharing
2 Vielleicht handelt es sich bei dem "Berg" und
dem "Stern" um einen Meteoriten oder einen Asteroiden, der die
Erdatmosphäre durchdringt und brennend ins Meer stürzt. Dabei werden ⅓ der
gesamten Meeresfläche so verunreinigt, dass alle Tiere und sogar die Schiffe
darin vernichtet werden. Ebenso dürfte es sich in den weiteren Versen um
Naturkatastrophen handeln, die jeweils ⅓ aller Flüsse, Wasserquellen, sowie von
Sonne, Mond und Sternen treffen, sodass die dann beschriebenen Folgen für die
Menschen eintreten. Es ist nicht einfach, in der Offenbarung zwischen einer symbolischen
Sprache und der Schilderung von kosmischen Katastrophen zu unterscheiden. Aber
immer, wenn Johannes die vergleichende Partikel ως (= wie)
verwendet, dürfte er versuchen mit ihm vertrauten Bildern das zu beschreiben,
was er an kosmischen Katastrophen oder an Kriegsmaschinerie, in der Zukunft
sieht; z.B. in Offb 8,8.10; 9,2.7-9.17; 10,1 ua. Andere Ausleger erklären
solche Stellen lieber allesamt allegorisch (z.B. Rossier H.: Die symbolische
Sprache der Offenbarung).
3 Der
bittere Wermut galt als giftig. Jer 9,14; 23,15; Klgl 3,19 (59,330).
4 Vgl. Ps
65,6. Auch bei Gericht war eine kurze Zeit des Schweigens vorgeschrieben, bevor
der Ankläger mit seiner Rede begann (65,III,336). - Mit dem Öffnen des
7.Siegels - aus dem sich dann die 7 Posaunen entfalten mit denen der Zorn
Gottes beginnt. In Offb 15,1ff kommt er dann mit den 7 Zornschalen zu seinem
Höhepunkt.
5 Die drei
Wehen sind wahrscheinlich: (1.) Die Ereignisse der 5.Posaune; Offb 9,1-12 (2.)
Die Ereignisse der 6.Posaune; Offb 9,13 - 11,14 (3.) Die Ereignisse der
7.Posaune und der Fall Babylons; Offb 18,16.19
Offenbarung 9
1 Da nur der jüdische
Überrest versiegelt wurde (Offb 7,1-8), und von den folgenden Strafgerichten verschont
wird (vgl. dazu: Jer 30,7; Dan 12,1; Mt 24,21-22), werden dann wohl keine
Gläubigen der Gemeinde mehr auf der Erde sein, sonst wären auch sie von diesen
Zorngerichten betroffen, was 1Thes 1,10b ua. widerspricht. Daher ist
anzunehmen, dass die Gemeinde schon vorher entrückt wurde.
2 Die
Heimsuchungen der ersten vier Posaunen treffen nicht unmittelbar die Menschen,
sondern Bereiche der Natur. In der fünften (Offb 9,1-12) und sechsten Posaune (Offb
9,13-21) sind dämonische Mächte am Werk, die die ungläubigen Menschen quälen
und ⅓ von ihnen töten. Der "Abgrund" ist nicht der Aufenthaltsort der
Toten (der Scheol bzw. Hades), sondern das ebenfalls unter der Erde gedachte
Gefängnis, in dem die gefallenen Engel auf ihre endgültige Bestrafung warten.
Aus diesem Abgrund lässt ein Engel ("ein Stern") ein dämonisches
Heuschreckenheer (vgl. Ex 10,12-20; Joel 1,6-7.15; 2,1-11) heraufsteigen (vgl.
47,z.St.).
3 Die vier
Strafengel (vielleicht Engelfürsten von Weltmächten, wie in Dan 10,13) stehen
am Euphrat bereit, um ein gewaltiges Heer von 200 Millionen Soldaten
loszulassen (vgl. besonders Hes 38,14-16). Die bevölkerungsreichen Staaten
Asiens (China, Indien, Pakistan, Indonesien, Korea, usw.) könnten in der
Zukunft durchaus eine solche Heeresmacht auf die Beine stellen. Interessant ist
in diesem Zusammenhang, dass diese Staaten bereits jetzt wirtschaftlich immer
mehr zusammenrücken. - Der Euphrat ist für jüdisches Denken die Ostgrenze des
verheißenen Landes (Jos 1,4 ua.). Im römischen Reich war er die gesicherte Ostgrenze
zum Parthischen Weltreich (65,III,341). Die Parther waren die gefürchtetsten
Feinde Roms und machten in den Jahren 58-62 n.Chr. einen blutigen und
verheerenden Einfall in den Osten des römischen Reichs, der noch gut in
Erinnerung war (21,V,408), ein Vorgeschmack von dem, was in Israel in der
Zukunft am Ende der Tage durch den "König des Nordens" passieren wird
(Dan 11,40 - 12,3; Hes 38,1ff).
4 Manche
Ausleger meinen, in den Versen 2-17 wäre endzeitliche Kriegsmaschinerie
beschrieben, die Johannes natürlich noch nicht kannte, und die er daher mit
Lebewesen die er kennt (Heuschrecken, Skorpionen, Pferde, Schlangen, usw.), also
mit Symbolen aus den alttestamentlichen Propheten (z.B. Joel 1,6; 2,4-5.10 ua.)
zu beschreiben versucht. Dafür spricht, dass er oft die Vergleichspartikel "wie"
gebraucht. - Am sichersten wäre es, überall dort, wo es sich um eindeutige Symbole
der prophetischen Sprache handelt (z.B. Hörner, Köpfe, usw.) den Text symbolisch
auszulegen. Aber überall dort wo die Vergleichspartikel "wie" gebraucht
wird davon auszugehen, dass Johannes versucht Dinge die er sieht, aber nicht
kennt - weil es sie zu seiner Zeit noch nicht gab - mit Dingen zu vergleichen
die er kennt (z.B. Heuschrecken, Skorpione, Schlangen, usw.).
5 Der "Stern" ist ein gefallener
Engel (vgl. Jes 14,12; Lk 10,18), - da er vom Himmel auf die Erde fällt,
geschehen die folgenden Ereignisse die Johannes sieht (d.h. Offb 9,2-21) auf
der Erde.
6 Die
Heuschrecken sind symbolisch für Kriegsheere zu verstehen (Jer 46,23), denn buchstäbliche
Heuschrecken würden das Gras fressen und nicht Menschen. Die weitere
Beschreibung lässt jedoch an moderne Kriegsmaschinerie denken.
7 Fünf
Monate ist der normale Lebenszyklus von Heuschrecken, der von Mai bis September
dauert (50,276).
8 Der römische
Kaiser verstand sich als eine Inkarnation des Gottes Apollo, und dessen
Wahrzeichen war die Heuschrecke (65,III,340).
Offenbarung 10
1 Das sind die
Propheten des AT: Dan 9,6.10; Am 3,7; Sach 1,6 ("...seinen Knechten, den
Propheten").
2 Hesekiels
Bild von der Buchrolle (Hes 2,8 - 3,3) wird erneut aufgenommen und
weitergeführt. Die Buchrolle schmeckt zuerst süß (wie in Hes 3,3), dann aber
verursacht sie bitteres Aufstoßen. Die Botschaft ist "süß", weil sie
Gottes Wort ist (Ps 19,11; 119,103), zugleich aber bitter, weil sie das Gericht
ankündigt (vgl. 47,z.St).
3 Zwischen
der 6. und der 7.Posaune erfolgt hier wieder ein zweiteiliger Einschub (Kap.
10,1 - 11,14), der die Nationen betrifft: a) das geöffnete Büchlein = Errettung
für seine "Sklaven" aus den Nationen. b) die zwei Zeugen = Gericht
über die Nationen.
4 Da es ein anderer
starker Engel ist, kann es nicht der verherrlichte Christus sein,
denn Christus ist kein Engel.
5 Da der
Engel vom Himmel auf die Erde steigt, geschehen die folgenden Ereignisse die
Johannes sieht (d.h. Offb 10,1 - 11,14) auf der Erde.
1 Eine
Umschreibung für 3 ½ Jahre, das sind 42 Mondmonate, bzw. 1260 Tage, wobei nach
Dan 4,13.22.29 in der prophetischen Sprache eine "Zeit" einem
Jahr von 360 Tagen entspricht (65,III,346). Da die beiden Zeugen nach
ihrem 1260 Tage langen Zeugendienst, von dem Tier das aus dem Abgrund heraufsteigt,
getötet werden, muss es sich um die erste Hälfte von Daniels
70.Jahrwoche handeln (so schon der Kirchenvater Hippolyt; vgl. 71,179). In
dieser Zeit geschehen auch die ersten 6 Posaunengerichte. Wahrscheinlich haben
die beiden Zeugen gegen den Bund von Dan 9,27 Zeugnis abgelegt und nach ihrem
Tod wurde dieser Bund nach 3 ½ Jahren vorzeitig gebrochen (Jes 28,18). An ihr
Zeugnis schließt sich dann die zweite Hälfte von Daniels 70.Jahrwoche
an, die ebenfalls 3 ½ Jahre dauernde Schreckensherrschaft des Tieres aus dem
Abgrund, d.h. des Diktators des wiedererstehenden römischen Reiches. Die
70.Jahrwoche Daniels (Dan 7,25) würde demnach nicht mit Offb 4,1ff, sondern
erst mit dem Auftreten der beiden Zeugen für Israel beginnen. - Die 70
Jahrwochen Daniels ergeben sich aus dem Umstand, dass das Volk Israel den
Sabbat nicht einhielt, und deshalb vom babylonischen König Nebukadnezzar in die
70-jährige Gefangenschaft nach Babylon weggeführt wurde. Dabei wurde auch der
Tempel in Jerusalem zerstört (Lev 26,18.33-35; 2Chr 36,18-21; Jer 25,11), und
die Stadt Jerusalem sollte 70 Jahre lang in Trümmern liegen (Dan
9,2b). Mit dem Fall Babylons endeten die 70 Jahre der Gefangenschaft (Jer
25,12). Danach sollten bis zur Ankunft des Messias-Königs wiederum 7 x 70 = 490
Jahre vergehen (Dan 9,2.23-27). Der Beginn dieser 70 Jahrwochen war der Befehl
des persischen Königs Artaxerxes an Nehemia, Jerusalem wieder aufzubauen
(Neh 2,1ff), - das war im April des Jahres 444 v.Chr. Bis zum Einzug Jesu in
Jerusalem im März/April des Jahres 30 n.Chr., vergingen also 7 + 62 = 69
Jahrwochen (Dan 9,25), das sind zusammen 483 Jahre (genaue Berechnungen bei: Sir
Robert Anderson: The Coming Prince, 1881; und in: 83,80-89). Siehe dazu: https://drive.google.com/file/d/1BHuGe85PlPS6kxnZ-GM3m9WKpMPDBWyb/view?usp=sharing
2 Dies ist
bei einer Live-Übertragung durch die modernen Medien leicht vorstellbar.
3 Vgl. die
Nachäffung durch Satan in Kap 13,13
4 Damit
sind vielleicht Mose und Elija gemeint (vgl. Mal 3,22-23; Mt 17,2-3). Auch
Elija verschloss den Himmel für 3 ½ Jahre, damit es nicht regne (1Kön 17,1; Lk
4,25; Jak 5,17), und Mose verwandelte das Wasser des Nil in Blut (Ex 4,9). Vielleicht
sind aber auch Henoch und Elija gemeint, die beide nicht sterben mussten. Diese
beiden Zeugen verkünden in der Endzeit (nur für Israel?) das Gericht. In diesem
Fall ist unter "der großen Stadt" Jerusalem zu verstehen.
5 Vgl. die
Anm. zu Offb 4,1. Hier beginnt mit dem Ausdruck "ανοιγω … εν τω ουρανω" der 2.Abschnitt
(Offb 11,19 - 15,4): Es dominiert die Bundeslade, daher geht es in
diesem Abschnitt um Israel. Der Abschnitt unterteilt sich in 3 Zeichen im
Himmel: a) die Frau (= Israel); b) der Drache (= der Teufel); c) die 7 Engel
mit den Zornschalen. Aus der 7.Posaune heraus entfaltet sich ein allgemeiner Überblick
über Gottes Handeln mit Israel, von der Geburt des Messias (Offb
12,1-2), über die Drangsal Israels (Offb 12,6ff; vgl. Jer 30,7; Dan 12,1ff; Mt
24,21), bis hin zum Überwinden des jüdischen Überrestes (Offb 14,1ff; 15,2ff). In
Offenbarung Kapitel 12 ist zwischen Vers 5 und 6 die nun schon über
2000-jährige Gnadenzeit übersprungen. Sie wird nicht erwähnt, weil dieser
Abschnitt mit Israel zu tun hat. In Offb 14,14ff sehen wir am Ende des
Abschnitts wieder die Erscheinung Jesu Christi, und sein Königreich über die
Nationen (Offb 15,3b-4).
6 Es gab
eine alte jüdische Tradition, dass die Bundeslade, das Zelt der Zusammenkunft
und der Räucheraltar am Berg Nebo versteckt wurden, und dass diese in den
letzten Tagen wieder ans Licht kommen würden (21,V,421). Im Gegensatz dazu wird
die Bundeslade hier im himmlischen Heiligtum gesehen, genauso wie der
Räucheralter (in Offb 8,3) und das Zelt des Zeugnisses (in Offb 15,5). Auf der
Erde werden diese Gegenstände nicht mehr benötigt (vgl. Jer 3,16).
7 Manche
sehen hier die Entrückung der Gemeinde, was aber mehr hineingelesen als
herausgelesen ist, und sehr weit hergeholt erscheint. Vgl. die Anm. bei 1Thes
4,15
8 Mit dem
Tempel könnte der damalige 2.Tempel in Jerusalem gemeint sein, der kurz darauf
zerstört wurde. Er soll ausgemessen werden, da er in Zukunft (in den Tagen der
beiden Zeugen?) wiedererbaut wird (vgl. auch 2Thes 2,4). Das Baumaterial für
diesen 3.Tempel soll angeblich von "den Freunden des Tempelberges"
bereits komplett vorbereitet sein. Man wartet nur mehr darauf, dass
Kriegsereignisse oder ein Erdbeben die beiden Moscheen am Tempelberg zerstören,
damit man dann den 3.Tempel errichten kann. Siehe: https://www.n-tv.de/panorama/Heikle-Vision-article375870.html und: Dritter
Tempel von Jerusalem - frwiki.wiki Aber es
gibt auch andere Ideen, wie dies geschehen könnte. Auch der Kirchenvater
Hippolyt glaubte schon, dass der Anti-Christ den 3.Tempel aufbauen wird
(71,180).
9 Eine
Anspielung auf den Zeugendienst des Propheten Sacharja (Sach 4,2-14), der Serubbabel
und den Hohepriester Joschua ermutigte, den 2.Tempel fertigzustellen. Serubbabel
und Joschua waren die Vorerfüllung, die beiden Zeugen der Endzeit sind dann
die Enderfüllung dieser Prophezeiung. Vgl. auch Mal 3,23. Elija könnte
einer dieser zwei Zeugen sein.
10 Es ist
nicht das große Erdbeben von Offb 6,12 welches kurz vor der Wiederkunft Christi
stattfindet und die ganze Erde betrifft, denn dieses Erdbeben hier betrifft nur
die Stadt Jerusalem.
11 Bei der
Inthronisation der jüdischen Könige wurden immer Posaunen geblasen (1Kön 1,34).
Mit dem Blasen der 7.Posaune, stehen wir hier chronologisch bereits kurz vor
der Wiederkunft Christi. Dasselbe sehen wir vor dem 7.Siegel (Offb 6,17), und
bei der Ausgießung der 7.Zornschale (Offb 16,17b).
12 Nach
einer jüdischen Überlieferung dauerte diese Trockenzeit 3½ Jahre (65,III,347).
13 Dieses
Tier, der zukünftige Diktator des wiedererstehenden römischen Reiches, könnte
schon davor aus dem Abgrund hervorgestiegen sein, hat sich aber bisher noch
nicht in seiner Brutalität zu erkennen gegeben.
Offenbarung 12
1 Hörner sind
in der symbolischen Sprache der Prophetie Herrscher, die aus einem bereits
bestehenden Reich heraus, an die Macht kommen. Als Beispiele dienen die Meder-
und Perserkönige (Dan 8,3.20), Alexander der Große (Dan 8,21), Antiochius
Epiphanes (Dan 8,9), und die 10 Könige in Dan 7,24 und Offb 17,12. - Der Drache,
ein Symbol für Satan (Offb 12,9), versteckt sich hier hinter dem römischen
Reich (Dan 2,40; 7,7). Zuerst sieht Johannes hier die gekrönten Köpfe
(wahrscheinlich die 7 römischen Erbkaiser von Augustus bis Titus. Vgl. die Anmerkungen
bei Offb 17,9-10), dann erst die 10 Hörner (vielleicht 10 zukünftige
"Superminister" als ein zukünftiges regierendes Gremium in der EU; vgl.
Offb 17,12). Da die Diademe in dieser Vision auf den Köpfen sind (d.h.
den 7 Kaisern), handelt es sich hier um das historische römische Reich,
das den Messias verschlingen wollte, wie es nach Mt 2,16; Joh 18,31 und Joh 19,15-16
ja dann auch geschehen ist. Im Gegensatz dazu sind in Offb 13,1 die Diademe auf
den 10 Hörnern, weil dort das zukünftige wiedererstehende
römische Reich gemeint ist. Das römische Reich wird in der Offenbarung 17,8b als
ein Raubtier gesehen, das "war (= historisches römisches Reich) und
nicht ist (= spätes Mittelalter) und wieder da sein wird (= Neuzeit,
EU?)". - Zu diesem 4.Tier aus Daniel siehe auch die Überblicke in: https://drive.google.com/file/d/1bkfQP0d_yABB29uUx7VzBtkAwToJBddk/view?usp=sharing und in: https://drive.google.com/file/d/1zekSWE3B4D5r91SEdcb4lCZiOlyK-_v_/view?usp=sharing
2 Ein Stirnband, ein weiß-verziertes blaues Band im
Turban, ursprünglich das Abzeichen der Königswürde bei den Persern. Dann
überhaupt, ein Symbol der Königswürde. Auch die römischen Kaiser trugen solche
Diademe. Der wiederkommende Herr in Offb 19,12, trägt viele Diademe auf
seinem Kopf, weil er der "König der Könige" ist und dann alle
irdischen Königreiche unter seiner Herrschaft sein werden (vgl. Dan 2,44; 7,13-14).
3 Vgl. die
Anm. bei Offb 11,2. Hier wohl die zweite Hälfte der 70.Jahrwoche Daniels. Auch
manche frühen Kirchenväter lehrten eine 3½ Jahre dauernde Drangsalszeit
unmittelbar vor der Wiederkunft Christi (65,III,353).
4 Mit der
Einöde in Vers 6 könnte symbolisch das im Laufe der Jahrhunderte zur Wüste
gewordene Land Israel (= die "Erde") gemeint sein, wohin viele Juden
nach dem Holocaust flohen und eine schützende Heimstätte fanden. Andere meinen,
mit der Einöde wäre die gebirgige Wüste Moabs, östlich des Jordan, im heutigen
Jordanien gemeint, wohin (wie in Jes 16,1-5 beschrieben), der jüdische Überrest
in der Drangsal über die Berge Samarias (Mt 24,16) flieht und Schutz findet
(50,328f). Dieser Überrest wird nach Sach 13,8-9 ein Drittel der jüdischen
Bevölkerung in Israel ausmachen. Der Überrest würde dann dort, in der letzten
Jahrwoche Daniels, vor den Nachstellungen Satans bewahrt. - Wenn das ab Offb
12,6 Gesagte eine Prophezeiung auf die Zukunft ist, dann haben wir zwischen Vers
5 und 6 einen nun schon über 2000-jährigen Zeitsprung. Zum prophetischen
Zeitsprung vgl. die Anm. zum Jesaja-Zitat in Lk 4,19-20. Diesen Zeitsprung
findet man öfters in der Prophetie, z.B. auch in Jes 9,5-6; 11,4; 61,2; Dan
11,35-36; Joel 3,2-3; Mich 5,2-3; Sach 6,12-13; 9,9-10; 13,7-8; Mal 3,1-2, und
wahrscheinlich zwischen Offb 13,3a und 3b.
5 Ein
ingressiver Aorist.
6 Vielleicht
sind das die bereits gestorbenen Heiligen des AT und des NT, oder nur die
schon entrückte Gemeinde (vgl. auch Offb 13,6). Sie freuen sich, dass der
Widersacher der sie so oft vor dem Thron Gottes verklagte, nun keinen Zutritt
in den Himmel mehr hat.
7 Dieser
Abschnitt wird dominiert von 3 Zeichen (Offb 12,1.3; 15,1) und 7 Autoritäten:
(1.) eine Frau (2.) ein Drache (3.) ein männlicher Sohn (4.) Michael und
seine Engel (5.) das Tier aus dem Meer (6.) das Tier aus der Erde (7.) die
sieben Engel mit den 7 Zornschalen. Zwischen der 6. und der 7.Autorität ist in
Offb 14,1-20 wieder ein zweiteiliger Einschub der Israel betrifft: a)
Das Lamm und die 144.000 Versiegelten aus Israel auf dem Berg Zion; b) der
kommende Menschensohn als Richter über das abgefallene Volk Israel.
8 Die Frau
ist nach Micha 4,9-10 und 5,1-2a ein Symbol (= ein Zeichen) für Israel, das mit
dem Messias "schwanger" ist. Die zwölf Sterne symbolisieren die 12 Stämme
Israels. Siehe dazu die Grafik: https://drive.google.com/file/d/1kclbc0us6axZQtdThBjAk4OJJ0aShs3B/view?usp=sharing. Zum
Gesamtbild vergleiche noch Gen 37,9. Die protestantische Ansicht die Frau wäre
ein Bild für die Kirche ist zu verwerfen, denn nicht die Kirche brachte den
Messias hervor, sondern der Messias die Kirche. Die katholische Ansicht die
Frau wäre ein Bild für Maria, passt nicht zu dem, was ab Vers 6 weiterhin von
der Frau gesagt wird. Selbst in der katholischen "Einheitsübersetzung"
wird die Frau als eine symbolische Gestalt gedeutet (47,z.St.). Ab Vers 6
symbolisiert die Frau den "Überrest Israels" (Jes 10,20-23; Röm 9,27-28
ua.), d.h. die 144.000 Versiegelten aus Offb 7,1ff und Offb 14,1ff.
9 Die
folgende Vision wird Johannes in Offb 17,7-11 erklärt.
10 Wie in
Dan 8,10, sind die Sterne hier ein Symbol für untergeordnete Autoritäten,
die Wegweisung geben sollten (vgl. Gen 37,9). In Dan 8,10 sind die Führer unter
den Makkabäern ("Sterne des Himmels") gemeint, die vom Seleukidenkönig
Antiochius IV. Epiphanes, 167 v.Chr. entmachtet wurden. Hier sind es entweder
die Fürsten Israels, die bei der Eroberung Palästinas von den Römern abgesetzt bzw.
ersetzt wurden, oder die lokalen Fürsten in den Ländern, die von den Römern sukzessive
erobert wurden.
11 Es
handelt sich hier um das historische römische Reich, das den Messias
verschlingen wollte, - Herodes der Große war ja nur eine Marionette Roms (Mt 2,16),
- und wie es dann nach Joh 18,31 und Joh 19,15-16 bei Jesu Hinrichtung durch
die Römer auch geschehen ist, aber durch die Himmelfahrt Jesu nicht zum
gewünschten Ende gekommen ist.
12 Der Aor1.Pass.
bedeutet zwar normalerweise: "stand…", kann aber auch im Sinne eines
Mediums verstanden werden: "stellte sich…" (1,774). - Einige Hs.
haben hier "ich stand…". Diese Lesart ist wahrscheinlich
entstanden, um den Satz an die 1.Person im folgenden Satz, "ich
sah…", anzugleichen, es lässt sich aber nicht mehr sicher entscheiden, was
im Originaltext stand (27,746).
13 Damit könnte
die Christenverfolgung der letzten Tage gemeint, die vom Satan ausgeht, denn
die (Juden)Christen sind die Nachkommen Israels (Röm 11,11ff). In Offb
11,19 - 15,4 begann ein neuer Abschnitt, der geschichtlich in die Vergangenheit
zurückgeht (Geburt Jesu – Himmelfahrt Jesu – Judenverfolgung), aber auch immer
wieder einen kurzen Ausblick in die Zukunft gibt (Staatsgründung Israels –
Wiederauferstehung des römischen Reiches (EU?) – Christenverfolgungen –
Herrschaft des römischen Diktators, usw).
14 Die
Regierung des Königs Jesus Christus im tausendjährigen Reich wird sehr streng,
aber auch unbedingt gerecht sein (Jes 32,1). Auch die Gläubigen, die mit ihm
mitregieren werden, werden mit strenger Hand diese Aufgabe ausführen (Offb 2,27-28).
Dies ist angebracht, weil in dieser Zeit Satan die Menschen nicht mehr
verführen kann (Offb 20,3; Jes 11,9; 65,25b). Darum ist jede Sünde, die dennoch
verübt wird, eine offene Rebellion gegen den König und seine Gesetze. Sie ist
daher umso schwerwiegender und wird sofort auf übernatürliche Weise mit dem Tod
bestraft (Jes 66,24; Ps 101,8).
15 Es gibt
eine interessante Erklärung, dass diese Vision, zusätzlich zu ihrer
symbolischen Bedeutung, auch auf eine astronomische Planeten-Konstellation im
Jahr 3 v.Chr. hinweist, wo nach der Geburt Jesu, Sonne, Mond und 12 Sterne in
genau dieser Anordnung um das Sternbild der Jungfrau gruppiert waren. Diese
Konstellation soll mit dem jüdischen Neujahrstag, dem Fest des Hornblasens (Rosch
ha-Schana) zusammengefallen sein, welches traditionell nach 1Kön 1,34 den
Beginn der Herrschaft eines neuen Königs ankündigte (58,202f).
16 Köpfe
sind in der symbolischen Sprache der Prophetie souveräne Herrscher eines
Reiches. In Dan 2,38c ist es Nebukadnezar, in Dan 7,6 die vier Herrscher der
vier Diadochenreiche, und hier wahrscheinlich die sieben römischen Erbkaiser
von Augustus bis Titus.
17 Auch die
frühe jüdische Tradition setzt den Hinauswurf Satans durch Michael an den
Beginn des großen Endkampfes, vor der Aufrichtung des Reiches Gottes auf der Erde
(siehe: 2Makk 5,1-4; Josephus, De bello Judaico, VI.5;
Sibyllische Orakel 3,796-808; und 50,331).
Offenbarung 13
1 Dieses
Wort wurde zwar auch für den offiziellen kaiserlichen Stempel auf Dokumenten
und für das Prägebild des Kaisers auf Münzen gebraucht (65,III,361), doch Offb
13,1ff spricht von der Zukunft. Aus heutiger Sicht könnte dieses Zeichen eine
Art Chip sein. Es gibt bereits erste Tests in denen kleinste Microchips Personen
unter die Haut implantiert werden, auf denen sämtliche Personendaten sowie der
aktuelle Kontostand gespeichert sind, damit sie z.B. bargeldlos bezahlen können,
und die auch gescannt werden können. Die Stirn oder die rechte Hand gelten
dabei als die geeignetsten Körperstellen. Solche Chips könnten nicht nur mit
einem Sender, sondern auch mit einem Empfänger ausgestattet werden, sodass die
Person für Notfälle jederzeit und überall ortbar ist: https://de.euronews.com/2018/06/01/3000-schweden-haben-mikrochips-unter-der-haut und https://www.servustv.com/aktuelles/v/aa90hemkua61kdpgcnn2/ und https://orf.at/#/stories/3320534/. Vgl. auch
die Anm.16 unten, und die Anmerkungen bei Offb
14,9.11; 16,2; 19,20 und 20,4. Die Gläubigen, die dann leben, werden
zweifelsfrei erkennen, was dieses Malzeichen ist, und jeder der im Buch des
Lebens steht, wird es nicht annehmen (Offb 13,8). - Der Satan äfft hier
mit dem Malzeichen des Tieres das Siegel Gottes in Offb 7,2ff. nach.
2 Manche Handschriften
haben den Singular: "…einen Lästerungsnamen". Die römischen Kaiser
von Augustus an, hatten solche gotteslästerliche Bezeichnungen wie: "Der
Göttliche", "göttlicher Sohn", "Erretter",
"Vergöttlichter", "Erhabener", "unser Herr und
Gott", "Heiland der Welt", usw. (58,255ff). Das spricht auch dafür,
dass die Köpfe die römischen Kaiser symbolisieren.
3 Vielleicht
symbolisch für das aufgewühlte Völkermeer (vgl. Jes 17,12; Dan 7,2) Europas vor
der Gründung der EWG. Aber das Tier wird letztlich aus dem Abgrund vom Satan
hervorgebracht (Offb 11,7; 17,8). - Die folgende Vision wird Johannes in Offb
17,7-8.12-14.17 erklärt.
4 Vielleich
soll das Ptz.Präs. eine langsame Entwicklung beschreiben. Das Raubtier aus dem
Meer ist hier, im Gegensatz zu Offb 12,3ff, das wiedererstehende
römische Reich, das aus dem Abgrund heraufsteigt (Offb 17,8) und die besonderen
Stärken der ihm vorausgegangenen Weltreiche in sich vereinigt. Das Aussehen des
Tieres erscheint auf den ersten Blick schön und stattlich, aber in Wirklichkeit
ist es schrecklich und furchtbar (vgl. Dan 7,7). Siehe: https://drive.google.com/file/d/1Y0vY608VVN37SqEp2dOC2w_3x1V3maPP/view?usp=sharing. - Die Beschreibung
des Tieres geht rückblickend Schritt für Schritt in die Vergangenheit zurück.
Zuerst die 10 Hörner, welche die zukünftigen 10 Könige symbolisieren, dann die sieben
Köpfe, welche die im römischen Reich aufeinanderfolgenden Erbkaiser von
Augustus bis Titus mit ihren Lästernamen symbolisieren, dann der Panther, der
die schnelle Ausbreitung des griechischen Weltreiches unter Alexander dem
Großen symbolisiert, danach der Bär, für das Medo-Persische Weltreich, das
fressgierig wie ein Bär ein Reich nach dem anderen eroberte, und schließlich der
Löwe, der großmäulige Größenwahnsinn des babylonischen Weltreiches. - Die 10
Hörner sind wahrscheinlich zukünftige Führer ("Superminister" in der
EU?) im wiedererstehenden römischen Reich. Sie sind zwar keine richtigen Könige,
aber sie haben Autorität wie Könige, d.h. sie sind nicht demokratisch
legitimiert und regieren lebenslang. Vgl. Dan 7,6; Hos 13,7; Jes 11,6; und die
Anm. bei Offb 17,12
5 Der Panther,
Pardel oder Leopard, als Bild der Schnelligkeit, symbolisch für das griechische
Weltreich Alexander des Großen (Dan 7,6), das sich innerhalb einiger Jahre ungemein
rasch von Griechenland bis zum Hindus ausbreitete. So wird sich auch das
wiedererstehende römische Reich schnell ausbreiten. Im Vergleich zum Römischen
Reich, das 800 Jahre benötigte, um von seiner Gründung bis zu seiner größten Ausbreitung
zu wachsen, hat sich die EU in ca. 50 Jahren mehr ausgebreitet als das Römische
Reich.
6 Hier
sieht Johannes zuerst die 10 Hörner, und zwar gekrönt, und erst danach
die Köpfe, weil hier das zukünftige wiedererstehende römische Reich
beschrieben wird. In Offb 12,3 war es umgekehrt, dort waren die 7 Köpfe
gekrönt, weil dort das historische römische Reich beschrieben wird. Hörner
sind in der symbolischen Sprache der Bibel immer Herrscher und nie Königreiche (vgl.
Dan 7,24; 8,21b ua), und auch nicht aufeinanderfolgende Regierungsformen des
römischen Reiches (so: 51,44). Königreiche werden durch Tiere symbolisiert,
Hörner sind die jeweiligen Herrscher dieser Königreiche (Dan 8,3-9). - Ein
Diadem ist keine Krone, sondern ein schmales Band aus Seide, Leinen oder
Metall, das oft mit Perlen oder Edelsteinen besetzt war. Es symbolisiert
königliche Würde und Macht (54,z.St.). Die Diademe sind hier bereits auf den 10
Hörnern. Es handelt sich demnach hier um das zukünftige wiedererstandene
römische Reich (nach manchen die EU), in seiner vorletzten Phase. Die letzte
Phase wird in Dan 7,8-11 und Offb 19,20 beschrieben.
7 Dass mit
dem Ausdruck das Ende des Erbkaisertums durch Domitians gewaltsamen Tod gemeint
ist, muss man ausschließen, denn Domitian war der achte Kopf und nicht
einer von den sieben, wie es das Bild verlangt. Der erste Teil des Verses
dürfte ein historischer Rückblick (daher das Perfekt εσφαγμενην und der Aorist
εθεραπευθη) auf das römische Kaiserreich sein, dass mit dem erzwungenen
Selbstmord Neros - er schnitt sich mit einem Schwert die Kehle durch - in
schwere Turbulenzen schlitterte (vgl. die Anm.22 zu Offb
13,12). Der Ausdruck "wie geschlachtet" (vgl. Offb 5,6),
drückt die nun noch sichtbare Narbe dieser Todeswunde aus (66,453). Mit dem
Ausdruck "wurde gesund gemacht", ist dann entweder die Beruhigung
gemeint, die unter Kaiser Vespasian eintrat, oder das Wiedererstehen des
römischen Reiches in der Zukunft. Dafür würden auch die restlichen Verse
sprechen. Vgl. dazu Offb 13,12 und 17,8
8 Bis dahin
gab Gott den weltlichen Machthabern ihre Autorität, hier beim wiedererstehenden
römischen Reich aber tut es der Satan. - In Offb 13,1-2 blickt die Vision
historisch betrachtet zurück: die 10 Hörner = 10 führende Personen
(Superminister in der EU?) im wiedererstehenden römischen Reich der Neuzeit → die
7 Köpfe = die 7 römischen Erbkaiser von Augustus bis Titus → der Panther =
Griechenland → der Bär = Medo-Persien → der Löwe = Babylon (vgl. Dan 7,2-6).
9 Sie staunen
über das Raubtier und nicht über den Kopf. Wie in Offb 17,8b, wo auch
das unerwartete Wiedererstehen des alten römischen Reichs die Menschen in
Erstaunen versetzt.
10 Übergang
vom Sg.Fem. (das Tier = das Reich) zum Sg.Mask. Das Raubtier (d.h. das Reich)
wird nun in einer männlichen Person verkörpert, dem diktatorischen Führer des
wiedererstehenden römischen Reiches (vgl. Nazi-Deutschland und sein Führer
Hitler). Zu denken wäre an eine Huldigung nach dem Vorbild von Dan 3,1ff. über
den Weg der modernen Medien. - Diese Person hatte aber schon davor Macht in dem
wiedererstandenen Römisch Reich, denn er machte schon davor einen 7-jährigen
Sicherheits-Friedensbund mit Israel (Dan 9,27; siehe: 97,305), während er noch mit
den 10 Königen gemeinsam regierte (Offb 17,12-13). Doch dann werden 3 der 10
Könige abgesetzt (Dan 7,8.20) und er übernimmt mit diktatorischer Vollmacht die
Kontrolle über das Reich, um dann grausam zu regieren und den Überrest Israels
zu verfolgen (Offb 13,5.7a; Dan 7,25; Dan 12,6-7 [vgl. 97,406]; und wahrscheinlich
Offb 12,6.14). Die Gemeinde (= "die, welche im Himmel wohnen", Offb
13,6b) wurde offenbar schon davor entrückt. - Die meisten Diktatoren in der Geschichte
stiegen langsam zur Macht auf, viele auch demokratisch.
11 Erde
steht hier wahrscheinlich symbolisch für das Land Israel, - im
Gegensatz zum Völkermeer der Nationen. Mit diesem zweiten Tier
ist ein zukünftiger politischer Messias-König in Israel gemeint (Dan 11,36ff),
der sogenannte Anti-Christ, der falsche Prophet (Joh 5,43; 1Joh 2,18.22; 4,3;
2Joh 1,7; Offb 19,20). Schon die beiden Kirchenväter Irenäus und Hippolyt glaubten,
dass der Anti-Christ ein Jude aus dem Stamm Dan sein wird (71,176ff). Die
beiden Tiere stehen zueinander wie seiner Zeit Hitler und sein
Propagandaminister Goebbels.
12 Die
tödliche Wunde bedrohte die Existenz des ganzen Raubtieres, und nicht nur einen
seiner Köpfe.
13 Das
Raubtier zwingt sie nicht dazu, es bringt sie dazu, d.h. sie
werden es freiwillig an sich geschehen lassen, vielleicht weil es bequem und
irgendwann unvermeidlich ist, um am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Man kann
dieses Malzeichen nicht mit dem Siegel von Offb 7,3 vergleichen.
Es handelt sich dort um ein anderes griechisches Wort, und das Siegel
ist dort ein Symbol für eine Eigentumsbezeichnung. Das Malzeichen hier muss
etwas Konkretes sein, denn es wird entweder an der Stirn, oder an
der rechten Hand sein, und berechtigt zur Teilhabe am Handelsgeschehen. Außerdem
ist es untrennbar mit dem Namen des zukünftigen Diktators verbunden. Die
Annahme des Malzeichens steht immer mit der Anbetung des Raubtieres in
Verbindung (Offb 14,9.11; 16,2; 19,20; 20,4), und die wahren Gläubigen, die im
Buch des Lebens stehen, werden das Tier nicht anbeten und daher auch das
Malzeichen nicht annehmen, wie Offb 13,8 eindeutig aussagt. An der Annahme
dieses Malzeichens wird sich Spreu und Weizen scheiden (vgl. 2Tim 3,1.5).
14 Vgl. die
Anm. bei Offb 11,2. Hier sicherlich die zweite Hälfte der 70.Jahrwoche Daniels.
15 Da in den
alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Lateinisch, die Buchstaben auch als
Zahlzeichen verwendet wurden, hatte jedes Wort auch einen Zahlenwert.
Welches Wort sich hinter dieser Zahl verbirgt, wurde viel diskutiert (vgl.
21,V,433ff), bleibt aber im Dunkel. Manche meinen, Johannes wollte damit
den Lesern des 1.Jhdt. in verhüllender Weise mitteilen (daher: "Wer
Verständnis hat…"), wer dieser Tyrann sei, nämlich, dass es
sich um den in hebräischen Buchstaben geschrieben Namen für Kaiser Nero,
handelt, eine Schreibweise wie sie im jüdischen Talmud und in rabbinischen Schriften
üblich war (86,9). Andere sehen darin die offiziellen Abkürzungen der Kaisertitulatur
von Domitian als Zahlzeichen behandelt und addiert (55,349), um die
Gläubigen damals in verhüllter Weise davor zu warnen, diesem zukünftigen Kaiser
ja kein Weihrauchopfer als ΚΥΡΙΟΣ darzubringen, wie es die Lehre der Nikolaiten
erlaubte (Offb 2,6.10.13-15; 3,8.10). Doch alle diese Erklärungen übersehen,
dass es sich hier um den zukünftigen Diktator des wiedererstehenden
römischen Reiches handelt, denn die ganze Vision in Offb 13,1ff blickt in die
Zukunft des wiedererstehenden römischen Reiches. Diejenigen Gläubigen, die dann
in dieser letzten Zeit leben, werden die Weisheit erhalten, um das Geheimnis
"der Zahl des Tieres" zu verstehen. Nero und Domitian waren höchstens
Prototypen des zukünftigen Diktators. - Zum Prinzip des prophetischen Prototyps
vgl. die Anm. bei Mt 11,14
16 Das
griechische Wort für "Bild" bezeichnet eher ein dreidimensionales
Bild, damals z.B. eine Götzenskulptur. Aus Sicht des heutigen Stands der
Technik, könnte es sich daher um eine holographische 3D-Projektion (vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Holografie und: https://magic-holo.com/was-ist-ein-3d-hologramm/) des römischen
Diktators (= das erste Tier) handeln, die mittels Teleportation in jeden
Haushalt kommt (Neue
Arbeitswelt: Microsoft Mesh digitalisiert uns zu Hologrammen (msn.com). news.ORF.at. Mit Hilfe
eines eingepflanzten Chips der auch einen Empfänger hat, könnte dann sogar jeder
mit einem Stromimpuls sofort getötet werden, der bei einem holographischen
Auftritt des Diktators, nicht mit einem Selfie seine Anbetung beweist. Mit den
Mitteln der KI (Künstliche Intelligenz) lässt sich ein solcher Chip problemlos
programmieren und steuern. - Der Konjunktiv könnte andeuten, dass die
Tötung zwar geplant ist, aber nicht unbedingt immer - aus welchen Gründen auch
immer - zur Ausführung kommt, z.B. bei den Gläubigen, die ja das Malzeichen
(einen Chip?) nicht angenommen haben. Wenn die Gläubigen zu diesem Zeitpunkt
noch nicht entrückt sind, und alle Gläubigen getötet würden, die das
Bild des Tieres nicht anbeten, würde kein Gläubiger mehr für die Entrückung übrigbleiben.
17 Symbolisch
für das Medo-persische Weltreich (Dan 7,5), das fressgierig wie ein Bär ein
Reich nach dem anderen eroberte. So wird sich auch das wiedererstehende
römische Reich (die EU?) ein Land nach dem anderen einverleiben.
18 Symbolisch
für das babylonische Reich und den Stolz des Löwen, wie er im Hochmut Nebukadnezars
zum Ausdruck kam (Dan 4,26-27; 7,4). So großmäulig und hochmütig werden auch
die Politiker des wiedererstehenden römischen Reichs auftreten (vgl. Kap 13,5),
sie kündigen viel an, erreichen aber nur wenig.
19 So zu
übersetzen, wenn es ein ingressiver Aorist ist. Falls es aber ein
konstatierender Aorist ist: "…lebte". 20 Falls das
Bargeld bis dahin abgeschafft ist, es nur mehr eine weltweite Einheitswährung
gibt und aller Zahlungsverkehr auf digital umgestellt ist, lässt es sich leicht
bewerkstelligen, dass jemand ohne das Malzeichen nicht am digitalen
Handelsgeschehen teilnehmen kann. Dieser Zusatz macht auch deutlich, dass es
sich bei diesem Malzeichen nicht nur um eine "innere Haltung" handeln
kann, wie das nach Mt 23,5 in Ex 13,9 der Fall ist. Doch auch dann wird es wahrscheinlich
noch abgelegene Gegenden geben, wo mit Naturalien gehandelt wird.
21 Mit den
Heiligen sind wahrscheinlich die Masse des jüdischen Volkes in Palästina
gemeint (vgl. Dan 7,21.25; 12,6-7). Sie sind zwar Gottes Volk, werden aber den "Anti-Christen",
das Tier aus der Erde (Dan 11,36ff.; Joh 5,43; Offb 13,11ff.), als ihren
politischen und religiösen Messias-König anerkennen, zuletzt aber in ihren
Erwartungen von ihm getäuscht werden (Dan 9,27b). Denn nachdem der römische Diktator
den 7-jährigen Bund mit Israel nach 3½ Jahren gebrochen hat (Dan 9,27), wird er
sie verfolgen (vor allem den jüdischen Überrest) und unterdrücken. "Besiegen"
bedeutet hier allerdings nicht, dass sie alle getötet werden, sondern, dass sie
durch den römischen Diktator (Offb 13,8 "…ihn…") unterdrückt
werden. Vergleiche im Gegensatz dazu die Aussage in Offb 11,7: "…besiegen und
töten". Am Ende werden alle Nationen (oder eine Armee der UNO?) dazu verführt
werden, zum Krieg nach Jerusalem zu ziehen und der Großteil des Volkes Israel
wird in diesem Krieg umkommen (Hes 38,1 - 39,5; Joel 4,9-16; Sach 12,2ff.; 14,1ff.;
Offb 16,12-16; ua.).
22 Sg.Neut.,
also ist das Raubtier (Neuter) gemeint und nicht sein Kopf (Feminin). Der tödliche
Schlag auf einen seiner Köpfe beeinträchtigte das ganze Raubtier, d.h. das
ganze Reich. Das spricht sehr dafür, dass mit dem Kopf Nero gemeint war. Sein erzwungener
Selbstmord und
die darauffolgenden blutigen Nachfolgkämpfe unter Galba, Vitellius, Otho und
Vespasian ("Vierkaiserjahr"), stürzten das ganze römische Reich in
heftige Turbulenzen, an denen es zu zerbrechen drohte. Erst durch die moderate
Regierung von Kaiser Vespasian kam das Reich wieder zur Ruhe (Tacitus,
Historie, I,11; Suetenius, Vespasian, I; Josephus, Bella Judaicum IV,11,5 und:
VII,4,2; sowie 21,V,430). So erstaunlich wie die Erholung des römischen Reiches
in Vespasians Tagen, nach all diesen Turbulenzen war, so erstaunlich wird es
für die Menschheit sein, wenn das untergegangene römische Reich wieder
aufersteht (Offb 17,8b). Die restlichen Verse beziehen sich offenbar auf die
Zukunft. - Da aber schon ab Offb 13,1ff. von dem zukünftigen römischen
Reich die Rede ist, könnte die geheilte Todeswunde zusätzlich ein Vorbild für einen
schweren Rückschlag und eine darauffolgende Erholung im zukünftigen
römischen Reich (der EU?) sein.
23 Vgl. 1Kön
18,38-39. Wie immer, äfft der Satan die Wunder Gottes nach. Zum Thema Zeichen
und Wunder vgl. die Anmerkungen bei Mk 16,17-20
24 Es handelt
sich offenbar um eine satanische Nachäffung von Ex 13,9; Dtn 6,8; 11,18, und
von Offb 7,2-3, hier allerdings um ein konkretes Malzeichen, wie der Ausdruck
"auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn", deutlich macht, was
ausschließt, dass es sich bloß um eine abstrakte geistliche Haltung handelt.
25 Es wird wohl nur eine wirtschaftliche Macht sein, denn am Ende gibt es noch andere politische Machtblöcke auf der Welt, z.B. den König des Südens und den König des Nordens (Dan 11,40; Hes 38,1ff.), und die Könige aus dem Osten, ein Zusammenschluss von bevölkerungsreichen asiatischen Völkern (Offb 16,12). Dass Europa einmal zu einer so einflussreichen Weltmacht aufsteigt, scheint momentan noch eine Illusion, denn jetzt sind die USA und China die beiden Wirtschaftsmächte. Doch die Geschichte zeigt, dass sich Machtverhältnisse innerhalb von Jahrzehnten, ja sogar innerhalb von Jahren verändern können (z.B. der Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus und des sowjetischen Kommunismus.
26 Mit dem Schwert getötet werden, kann entw. bedeuten im Kampf zu sterben (vgl. Joh 18,10), oder es ist ein allg. Begriff für die Todesstrafe, die auch mit dem Schwert ausgeführt wurde (vgl. Röm 13,4).
1 Zef 3,13; Jes 53,9
2 Das ist der
jüdische Überrest (vgl. Jer 2,3; Jak 1,18) der die Drangsalszeit überleben
wird.
3 D.h. sie
folgen ihnen beim Tod in die Herrlichkeit nach, um später belohnt zu werden.
4 Vgl. Offb
19,12b, dort viele Diademe, weil Christus der König aller
Nationen sein wird. Hier aber nur einen Siegeskranz (oder wie in LXX:
Krone), weil Christus hier den kommenden Messias-König für Israel symbolisiert
(vgl. Sach 6,11-13a).
5
Effektiver Aorist.
6 Zum Bild
vgl. Jes 63,1-6. 1600 Stadien sind (1600 x 192 m), also ca. 307 km. Nach
Hieronymus ist dies die Nord-Süd-Erstreckung von Palästina (51,47).
Möglicherweise ist die Zahl aber symbolisch zu verstehen, um das furchtbare
Ausmaß des Strafgerichts auszudrücken (59,335; 65,III,366). Die endzeitliche
Schlacht (Offb 16,16; 19,11-21; Hes 39,1ff.) wird offenbar im ganzen Land
Israel wüten (54,z.St.).
7 Johannes
sieht hier den kommenden Menschensohn, - hier für Israel (Vers 14-16:
"Wolke … eine Krone … Sichel … Land"), dann in Offb
19,11-15 für die Nationen ("Pferd … viele Diademe … Schwert
… Nationen"), wie die fast gleiche Wortwahl in beiden Stellen
zeigt. Hier an einen Engel zu denken, nur weil im nächsten Vers von einem anderen
Engel die Rede ist, schließt die würdige Beschreibung und der Bezug auf den
Menschensohn in Dan 7,13 aus. Auch in Vers 6 ist von einem anderen Engel
die Rede, obwohl das Lamm davor sicher Christus ist.
Siehe
auch den Überblick in: https://drive.google.com/file/d/1Pd-_I9Ky23QkPgq1lg0md4Cvr6eX1U9r/view?usp=sharing
8 Vielleicht ist das eine bildliche Umschreibung für die
Enthaltung vom Götzendienst (= geistliche Hurerei).
9 Das Wort ενωπιον
ist keine Ortsangabe, sondern bedeutet "mit Blick auf…".
10 Wahrscheinlich
ein proleptischer Aorist, also eine unabänderliche Vorankündigung des Gerichts
über den Fall Babylons, welches dann aber erst in Offb 17,2.16b und 18,2ff stattfindet
(50,375).
11 Der
Befehl ist hier als Bitte zu verstehen, denn Engel können Christus nichts
befehlen.
12 Dieses
ewige Evangelium appelliert an die Grund-Offenbarung die jeder Mensch von Gott
hat, - die Wunder der Schöpfung. Aufgrund dieser Offenbarung ist jeder Mensch
verantwortlich an Gott zu glauben und ihn zu suchen (vgl. Röm 1,18-21; 2,5-10).
1 Ps 111,2; 139,14; Am
3,13; 4,13 (LXX); Dtn 32,4; Ps 145,1; Jer 10,7
2 Ps 86,9-10; Jes 2,2; Jer
16,19
3 D.h.
wohl, dass diese ganze Zeit keine versöhnende Fürbitte möglich sein wird, die
Zeit zur Buße ist abgelaufen.
4 Mit dem "Zeugnis" sind
wahrscheinlich die Gesetzestafeln in der Bundeslade gemeint. Dieses Gesetz
wurde von den Juden, und überhaupt von allen Menschen permanent gebrochen und "zeugt" nun gegen
die Menschen. Daher erfolgt nun das Gericht über die Menschheit, dass Israel
besonders hart treffen wird.
5 Vgl. die
Anm. bei Offb 4,1. Hier beginnt mit dem Ausdruck "ανοιγω … εν τω ουρανω" der 3.Abschnitt
(Offb 15,5 - 19,10) in der Offenbarung. Es dominieren die sieben Engel mit
den sieben Plagen. Es folgt ein detaillierter Überblick über die Zorngerichte
in den letzten 3 ½ Jahren der 70.Jahrwoche Daniels, mit denen der Zorn Gottes
vollendet wird. Dieser Abschnitt endet wieder mit dem Beginn des Königreiches
(Offb 19,6) und der Hochzeit des Lammes. Diese Hochzeit symbolisiert, genauso
wie in den Hochzeitsgleichnissen der Evangelien (Mt 22,1ff; 25,1ff), das
Königreich als ein Fest. Auch in diesem Abschnitt wird die über 2000-jährige
Gnadenzeit in Offenbarung Kapitel 17 zwischen Vers 11 und 12 nicht erwähnt,
weil die große Drangsal "die Drangsal Jakobs" ist und ebenfalls in
erster Linie mit Israel zu tun hat. Dieser 3.Abschnitt unterteilt sich in: a)
die 7 Zornschalen; b) den Fall Babylons; c) die Hochzeit des Lammes.
6 Wahrscheinlich der gläubig gewordene jüdische
Überrest nach Christi Wiederkunft, da sie das Lied Mose singen (Vers 3).
- Falls diese Überwinder (vgl. Offb 2,7.11.17.26; 3,5.12.21) aber Gläubige der
entrückten endzeitlichen Gemeinde im Himmel wären, hätten sie auf der Erde das
Auftreten des Tieres mitsamt seiner Anbetung und seinem Malzeichen noch
miterlebt (Offb 13,15-18), - sie hätten ihm aber widerstanden.
7 Siehe Anm. bei Offb
4,6
8 Es ist
hier wohl der jüdische Überrest (vgl. Jer 2,3; Jak 1,18; Offb 14,3) im Himmel, der
die Drangsalszeit überlebt hat und dann bei der Wiederkunft Christi zum Glauben
an den Messias Jesus Christus gekommen ist (Sach 12,10-11). Hier wird dieser
Überrest schon als verherrlicht im Himmel vorausgesehen, da mit Offb 15,5ff ein
neuer Abschnitt beginnt, der chronologisch wieder zurückgreift. - Siehe "Die
literarische Grob- und Feinstruktur der Offenbarung" in der
Einleitung und die Grafiken in: https://drive.google.com/file/d/1v93KGWxnOdRQyjI-XHr76CZAKUwBp5U7/view?usp=sharing
https://drive.google.com/file/d/1XmbKxTj904XS9FNHCOcjSlWUVJ_GD-SY/view?usp=sharing
Manche
aber nehmen an, dass dies die schon entrückte Gemeinde ist. Dafür könnte
sprechen, dass die Gemeinde nicht zum Zorn bestimmt ist (1Thes 1,10; 5,5.9),
der ja in Offb 15,1 angekündigt wird, und mit der Ausgießung der Zornschalen in
Offb 16,1ff beginnt.
Offenbarung 16
1 Das
klingt wie die modernen "Fake News", solche könnten durchaus
Kriegsereignisse auslösen.
2 Hebr.:
Ar-Mageddon (= "Der Hügel der Stadt Megiddo"). Megiddo war eine
strategisch wichtige Stadt in der Ebene Esdralon. Sie war berühmt für zwei
große Siege Israels, nämlich Baraks Sieg über die Kanaaniter und Gideons Sieg
über die Midianiter, aber ebenso als Ort für den Tod von Saul und Jonathan.
Hier (symbolisch?) der Ort des großen endzeitlichen Gemetzels über das
abgefallene Volk Israel und über die böse Menschheit (vgl. Hes 38,1 - 39,5;
Joel 4,9-16; Sach 12,2ff.; 14,1ff. ua.). Alle Nationen (viell. ein UNO-Heer?)
werden sich an diesem Ort zum letzten großen Krieg versammeln, den der Herr
Jesus bei seiner Wiederkunft blitzartig beenden wird (Sach 12,3-4; Offb
19,11-21).
3 Es
handelt sich hier um den schon bekannten Einschub zwischen dem 6. und dem 7.Ereignis
(vgl. Offb 7,1-17; 10,1 - 11,14; 14,1-20). Es ist eine Ermahnung an die Leser
zur Zeit von Johannes - und natürlich auch für uns - eine Ermahnung zur
Wachsamkeit und zu einem Gott wohlgefälligen Leben. - Manche sehen hier die
Entrückung der Gemeinde, was aber mehr hineingelesen als herausgelesen
ist und sehr weit hergeholt erscheint. Aufgrund von 1Thes 4,9 dürfen wir wohl annehmen, dass die Gemeinde noch vor
der Ausgießung der Zornschalen (Offb 15,1ff) entrückt wird. Vgl. die
Anm. bei 1Thes 4,9.15. Außerdem kommt der Herr für die Gemeinde nicht wie ein
Dieb, es sei denn für schlafende Gläubige (Offb 3,3). Nur für die Ungläubigen
kommt er wie ein Dieb (1Thess 5,3-4). Wir befinden uns hier chronologisch kurz vor
dem öffentlichen Kommen des Herrn.
4 Welch ein
Gegensatz zwischen diesem Ausruf: "Es ist geschehen" und dem
Siegesschrei Jesu am Kreuz: "Es ist vollbracht". In beiden Fällen
steht im Griechischen das Perfekt. Am Kreuz ein Ausruf über das Werk der endgültigen
Erlösung, als Jesus den gerechten Zorn über die Sünden der Gläubigen auf sich
genommen hat, hier ein Ausruf über das endgültige Gericht, wo der Zorn
Gottes über die, welche das Werk der Erlösung abgelehnt haben, ausgegossen wird.
Die Gerichte treffen zuerst die Schöpfung (Erde, Meer, usw.), deren Zeugnis die
Menschen ignoriert haben, danach aber haben sie furchtbare Auswirkungen auf die
Menschen selbst. - Bei der Ausgießung der siebten Zornschale, stehen wir
chronologisch bereits kurz vor der Wiederkunft Christi. Dasselbe sehen wir vor
Beginn des siebten Siegels (Offb 6,17) und beim Blasen der siebten Posaune
(Offb 11,15).
5 Es tritt
dabei keine vollständige Verbrennung ein, sondern nur eine Versengung der
Hautoberfläche, die aber immense Schmerzen verursacht. Wenn die Umlaufbahn der
Erde um die Sonne, nur ein wenig näher an die Sonne herankommen würde, könnte
dieser Effekt eintreten.
6 Zwischen
den sieben Zornschalen und den sieben Posaunen gibt es eindeutige Parallelen.
Siehe dazu den Vergleich in: https://drive.google.com/file/d/1eBQJOl_VNflR8wJcyKQE6D1kqY8F-QRn/view?usp=sharing
Die sieben Engel gießen in den folgenden Versen den Inhalt ihrer Zorn-Schalen immer an einen anderen Ort: auf die Erde, auf das Meer, auf die Ströme und Wasserquellen, auf die Sonne, auf den Thron des Tieres, auf den Euphrat und in die Luft.
7 Dieses Erdbeben ist das Gleiche, welches schon in Offb 6,12 geschildert wird. Vgl. die Anm. dort.
Offenbarung 17
1 Der
Götzendienst Babylons geht schon auf die göttliche Verehrung Nimrods zurück. Der
damals entstandene Kult der "Himmelskönigin" (vgl. Jer 44,15ff), in
dem Semiramis und ihr angeblich jungfräulich geborener Sohn Tammus angebetet
wurden, wurde dann später in der Frühkirche volkstümlich auf die
Marienverehrung übertragen. Bei den Babyloniern war der König der oberste
Priester mit dem Titel "Pontifex Maximus". Dieser Titel ging zuerst auf
den König von Pergamon über, später dann auf die römischen Kaiser bis zu Kaiser
Gratian, der sich aber weigerte diesen Titel zu tragen, worauf ihn Papst
Damasian für sich und alle seine Nachfolger bis heute übernahm. Auch die Lehren
über ein Fegfeuer, von geweihtem Reinigungswasser, von der Lossprechung von
Sünden durch Priester, und, dass alles religiöse Wissen den Priestern
vorbehalten bleibt, stammten aus der babylonischen Religion und wanderten schon
früh in die frühchristliche Kirche ein (siehe: Hislop A.; The Two Babylons;
1853). Nach manchen Auslegern ist daher Rom, der Hauptsitz des zukünftigen religiösen
Abfalls von Gott und vom wahren Glauben. Das passt zu den Aussagen, dass
Babylon sowohl ein religiöses System (Offb 17,1ff), als auch eine Stadt (Offb
18,1ff) ist. Die "Hure" wäre dann wohl die zukünftige "Einheits-Kirche",
auf die alle christlichen Konfessionen (und auch Ein-Gott-Religionen) in der
Ökumene schon jetzt zusteuern mit einer besonderen Beziehung zur Stadt Rom
(vgl. Jes 1,21; Hes 16,30; Offb 17,5.15-16; 19,2). - Nach den 7 Zornschalen
erfolgt hier ein Anhang (Kap. 17,1 - 19,10): a) das Gericht über die Hure
Babylon; b) die Hochzeit des Lammes. - Die folgende Vision wird dem Johannes
in Offb 17,7.9.15-18 erklärt. - Es gibt acht Geheimnisse Gottes, die im AT
noch verborgen waren und im NT geoffenbart werden. Vgl. Anm. bei 1Kor 2,7
2
Vielleicht Konkretum für das Abstrakte: Hurereien (2,z.St.).
3 Da der
Artikel sowohl vor "Heiligen" als auch vor "Zeugen Jesu"
steht, und damit beide unterschieden werden, könnten mit den
"Heiligen" vielleicht die Juden gemeint sein. Auch die Juden wurden
im Lauf ihrer Geschichte im Mittelalter von den Großkirchen verfolgt.
4 Warum
erstaunte Johannes so beim Anblick der "Hure"? Wenn es die zukünftige
abgefallene "Einheits-Kirche" ist, wäre sein Erstaunen verständlich:
wie wird die "keusche Jungfrau" (2Kor 11,2), die Braut des Lammes, so
entsetzlich von ihrem Bräutigam abfallen!
5 Das Tier,
also das Römische Reich, "...war, ... ist nicht, ... wird wieder da
sein...". Das bedeutet wahrscheinlich drei geschichtliche Phasen in der
Geschichte des römischen Reiches (97,232): (1.) das historische römische
Reich. (2.) der Zerfall des römischen Reiches in einzelne Königreiche und
danach in republikanische Nationalstaaten vom Mittelalter bis zur Neuzeit. (3.)
das Wiedererstehen des römischen Reiches (in der EU?): https://drive.google.com/file/d/1TNfDn5tTi5OmwRo6sCveUfUyXTiwb_ke/view?usp=sharing Vgl. auch im
Gegensatz dazu den ähnlichen Ausdruck in Offb 1,4.8.18; 2,8; 4,8c; 13,14b
6 D.i. die
Stadt Rom, die auf sieben Hügeln erbaut ist und seit jeher als die 7-Hügelstadt
bezeichnet wird, sowohl in der damaligen Literatur als auch auf Münzen
(65,III,373).
7 Johannes
erklärt hier das Geheimnis der 7 Köpfe und appelliert dabei an den Verstand und
die Weisheit seiner Leser. Köpfe sind in der prophetischen Sprache ein Symbol
für souverän regierende Personen (z.B. Nebukadnezzar in Dan 2,38b; die
Diadochen in Dan 7,6; ua.). Das Symbol der Köpfe entspricht realen
7 Bergen und realen 7 Königen, also ein Symbol mit doppelter Bedeutung.
Die 7 Berge beziehen sich eindeutig auf die Stadt Rom, demnach sollten auch die
7 Könige etwas mit Rom zu tun haben. Daher ist es nicht sehr überzeugend, sie
mit 7 Weltreichen zu identifizieren (nämlich Ägypten bis Rom; so: 97,233ff.),
denn das Tier selbst ist ja Rom, - und gleichzeitig wäre auch einer seiner
Köpfe Rom? Das gibt keinen Sinn und zerstört das Bild. Außerdem ist nicht von Königreichen
(das wäre βασιλεια),
sondern
von Königen (βασιλειον) die Rede, so wie auch in Dan 2,44
die zehn Zehen nicht zehn Königreiche, sondern zehn Könige symbolisieren. Dan
7,17 kann nicht als Gegenbeweis gelten, denn erstens ist die Sprache dort
Hebräisch und nicht Griechisch und außerdem wurden diese 4 Weltreiche durch "Könige"
repräsentiert: Nebukadnezar (Babylonien), Kyros (Medo-Persien), Alexander
(Griechenland) und Augustus (Rom). Königreiche werden in der Bibel meist
durch Tiere und nie durch Köpfe symbolisiert. Auch die Ansicht, dass die sieben
Könige sieben Regierungsformen des römischen Reiches sind (so: 50,422), ist an
den Haaren herbeigezogen. Am Ehesten sind daher die sieben Erbkaiser von
Augustus bis Titus gemeint. Dies würde auch erklären, warum sich Johannes so
verhüllt ausdrückt und an den Verstand und die Weisheit seiner Leser
appelliert. Wie Petrus (1Pet 5,13) und Paulus (2Thes 2,6-7) konnte er es sich
nicht leisten, offen zu sprechen. - Bei der Gründung Roms, soll Rom auch von
sieben aufeinanderfolgenden Königen regiert worden sein, was jedoch
geschichtlich nicht eindeutig bezeugt ist: Römische
Königszeit – Wikipedia und Liste der
altrömischen Könige – Wikipedia
8 Die beste
Erklärung scheint zu sein: Fünf "Könige" sind zurzeit der
Visionen schon gefallen. Das wären: Augustus (38 v.Chr. - 14 n.Chr.); Tiberius
(14-37 n.Chr.); Caligula (37-41 n.Chr.); Claudius (41-54 n.Chr.) und Nero
(54-68 n.Chr.). Der sechste regiert gerade, das wäre: Vespasian
(69-79 n.Chr., er hat sich nach Galba, Vitellius und Otho als Kaiser
durchgesetzt). Wenn der siebente kommt wird er nur kurze Zeit bleiben:
Titus regierte tatsächlich nur 2 Jahre von 79 - 81 n.Chr., und sein früher Tod
wurde von vielen betrauert (21,V,318f.). Viele Gelehrte nehmen zwar an, die
Offenbarung sei in der Regierungszeit Domitians geschrieben, doch es gibt gute Gründe
anzunehmen, dass Johannes seine Visionen auf Patmos schon unter der
Regierungszeit von Vespasian bekam (siehe Einleitung Offenbarung). Der erste
Kaiser war übrigens nicht Julius Cäsar, sondern Augustus. Julius Cäsar wollte
zwar aus dem 1.Triumvirat als Alleinherrscher hervorgehen, aber seine Ermordung
vereitelte das. Erst Augustus ging aus dem 2.Triumvirat als Alleinherrscher
hervor und wurde vom Senat auch als Imperator anerkannt, er gründete das
Prinzipat. Der Einwand, Kaiser könnten nicht Könige genannt werden, wird durch
1Pet 2,13 und 1Tim 2,1 widerlegt. Bis Nero wurden die Kaiser auch manchmal als
Könige bezeichnet (86,6), obwohl sie den orientalischen Königskult ablehnten.
9 Übergang
vom Sg.Fem. zum betonten Sg.Mask.: das römische Reich wird zugleich in
einem männlichen Diktator personifiziert gesehen (vgl. den Nationalsozialismus,
verkörpert in seinem Führer Hitler, und die Anm. zu Offb 13,8). Der achte
"König" wäre dann Domitian (81-96 n.Chr.; vgl. die Fußnote in: 47,z.St.
und: 21,V,453). Er ist der erste Kaiser, der zu Lebzeiten die Verehrung als "dominus et
deus" (HERR und
Gott) im ganzen Reich verlangt und von jedem Untertanen erwartet, das jährliche
Kaiseropfer darzubringen (21,V,310). Er beginnt die Christen, vor allem in
Kleinasien, vermehrt unter Druck zu setzen. Er war "aus den sieben"
da er ein Sohn Vespasians und der Bruder des Titus war. Er ist im Bild kein
eigener Kopf, weil er gleichzeitig der Prototyp des zukünftigen Diktators des
wiedererstehenden römischen Reiches ist. Zwischen Vers 11 und 12 wäre dann -
genauso wie in Dan 7,7c - wiederum die nun schon 2000-jährige Gnadenzeit
übersprungen. - Zum Prinzip des prophetischen Prototyps vgl. die Anm. bei Mt
11,14
10 Domitian
wurde ermordet und hatte keinen leiblichen Thronfolger, womit das flavische Erbkaisertum
beendet war, und die Adoptiv-Kaiser folgten.
11 Wiederum nicht
Königreiche (βασιλεια),
sondern
Könige (βασιλειον). Hörner
sind in der symbolischen Sprache der Bibel meist Herrscher und nicht
Königreiche (vgl. Dan 7,24; 8,21 ua.). Daniel 8,8.22 kann nicht als Gegenbeweis
angeführt werden, denn die vier Hörner sind die vier Generäle die nach dem Tod
von Alexander dem Großen vier Königreiche gründeten: (1.) Kassander Mazedonien
(2.) Lysimachus Kleinasien und Thrakien (3.) Seleukus Syrien (4.) Ptolemäus
Ägypten (87,61). - Dass es sich dabei um 10 Königreiche handelt, die nach
dem Zerfall des Römischen Reiches in Europa entstanden sind, ist
ausgeschlossen, weil: (1.) es Könige und nicht Königreiche sind. (2.) man nur
durch willkürliche Auswahl auf zehn Königreiche kommen kann. (3.) die zehn
Könige nur Autorität wie Könige haben, also keine wirklichen Könige
sind. (4.) die zehn Könige eines Sinnes sind, während sich die Königreiche in
Europa gegenseitig anfeindeten, ja sogar Kriege gegeneinander geführt haben. In
Dan 2,44 symbolisieren die (zehn) Zehen diese 10 Könige. - Da es
sich um das zukünftige wiedererstehende römische Reich handelt, nach manchen
die EU, sind es vielleicht 10 "Superminister", welche die EU gemeinsam
regieren. Sie werden eingesetzt, müssen sich nicht demokratisch legitimieren,
amtieren auf Lebenszeit und haben daher Autorität wie Könige.
12 Mit dem
Raubtier ist hier das Reich und der zukünftige Diktator des Reiches
gemeint. Dieser wird sich nach Dan 7,8.20 aber erst durchsetzen, wenn von den 10
Königen die bereits regieren, 3 abgesetzt werden, um ihm Platz zu machen. Vgl.
auch die Anm. zu Offb 13,8. Das wird das Ende des letzten Restes von Demokratie
sein. - Beim letzten Kaiser des römischen Reiches Theodosius I., bevor das Imperium in eine west- und
oströmische Hälfte zerbrach, stimmte ihm der Senat rituelle Jubelgesänge an: "Augustus der Augustusse, der größte
aller Augustusse!" (8-mal).
"Unsere Hoffnung gilt
dir, du bist unsere Rettung!" (26-mal). "Unterdrücker
der Denunzianten, Unterdrücker aller Schikanen!" (28-mal). "Du hast die Zweideutigkeiten der
kaiserlichen Verfassung beseitigt!" (23-mal). Ein Vorgeschmack auf die Zukunft. So wie das
römische Reich von einem Stadt-Königtum zu einer Republik und schließlich zu
einer Diktatur wurde, so wird es auch beim wiedererstehenden römischen Reich sein,
welches in Europa auferstehen wird: https://drive.google.com/file/d/1la8_WnVHAMu2N4LROhfWT3crx1P3Zvac/view?usp=sharing
13
Vergleiche den fast gleichen Wortlaut von Offb 17,1-5 mit Offb 21,9-14. Auf
diese Weise soll
ein Vergleich zwischen der Hure und der Braut des Lammes hergestellt werden.
Wie ähnlich und doch so grundverschieden sind sie. Wie ist die "keusche
Jungfrau" (2Kor 11,2), so entsetzlich von ihrem Bräutigam abgefallen und wurde
zur Hure: https://drive.google.com/file/d/1lNmdnbnRsdey6QwA_WbUqqsMn4BwtH4o/view?usp=sharing
14 Die vorher beschriebene "Hure" übte über viele
Jahrhunderte politische Macht über irdische Herrscher aus, am Ende der Tage
wird sie aber gehasst und entmachtet werden. Dies ist schon in unserer Zeit zu
beobachten, wo die Kirchen immer weniger politischen Einfluss ausüben können
und mit Schmähungen und Angriffen verschiedenster Art zu kämpfen haben.
15 Sg.Mask.:
d.h. Gottes Meinung, und nicht die Meinung des Tieres, denn dann würde
das Wort im Sg.Neut. stehen.
16 Daniel
berichtet uns in Dan 7,7ff. noch ein weiteres Detail. Am Höhepunkt der Macht
des römischen Diktators ("das kleine Horn"), werden 3
von den 10 Königen abgesetzt werden, um seiner Alleinregierung Raum zu geben.
17 Diese
Stadt war zur Zeit des Johannes die Stadt Rom. Die Hure Babylon wird also mit
der Stadt Rom verbunden sein. Dazu passen auch die Beschreibungen in Offb
18,9-19.22-24 und besonders Vers 17b, der von einer Stadt spricht, die offenbar
vom Meer aus zu sehen ist.
18 Damit wird
in der Vision in die Vergangenheit gewiesen, es ist das historische
römische Reich gemeint, das war und dann unterging. Wäre das zukünftige
römische Reich gemeint würde stehen: "das war und nicht ist und sein
wird". Vgl. Offb 1,4; 17,8
19 Ab Vers 19
haben wir wieder einen prophetischen Blick in die Zukunft, wo das
wiedererstandene Römische Reich von 10 Personen regiert wird. Sie werden gemeinsam
kollektiv regieren, da die 10 Hörner nebeneinanderstehen (97,202). Erst
danach wird nach Dan 7,8 der römische Diktator aufstehen und 3 der 10 Könige absetzen.
1 allg.: jeder der mit
dem Schiff reist; od. viell.: jeder Küstenschiffer (2,z.St.), was auch zur
Stadt Rom passen würde.
2
Effektiver Aorist: "vollstreckte endlich…".
3 vgl. Hes
27,13. Vielleicht ein Hendiadyoin: "...menschliche Sklaven, ja sogar
lebende Sklaven als Ware" (2,z.St.).
4 Die von
Eseln angetriebene römische Mühle, hatte einen größeren und schweren Oberstein
(59,387).
5 Das passt
zur Stadt Rom, die auch vom Meer aus zu sehen ist.
1 Ps 2,9
2 Viele
Diademe, d.h. die unbeschränkte Vollmacht auf eine einzige Person gelegt
(51,57). Wenn der römische Kaiser ein neues Königreich eroberte, setzte er sich
über seinen Lorbeerkranz ein neues Diadem auf seinen Kopf, um damit symbolisch auszudrücken,
dass nun er über dieses Königreich herrscht. Im tausendjährigen Reich
wird Christus über alle Königreiche dieser Erde herrschen, daher viele Diademe.
In Offb 14,14b hingegen, hat der wiederkommende Messias nur einen Siegeskranz
(in LXX: die Krone) am Haupt, weil Christus dort den kommenden Messias-König
für Israel symbolisiert (vgl. Sach 6,11-13a).
3 Beachtenswert ist die wörtliche Parallele
zwischen Kap. 19,9-10 und Kap. 22,6.8-9.14. Siehe dazu die Gegenüberstellung in:
https://drive.google.com/file/d/1ns1KexKK5Q7s7peEMLufLyJQb-cwPGTp/view?usp=sharing
4 Vgl. die Anm. in Offb 4,1. Hier beginnt mit dem Ausdruck
"…
τον ουρανον ανοιγω" der 4.Abschnitt (Offb 19,11 - 22,17). Wir sehen hier
schließlich den Himmel selbst geöffnet. Es dominiert der
Treue und Wahrhaftige.
Christus erscheint als Sieger auf der Erde mitsamt den vorher entrückten und
nun in weißen Gewändern, d.h. verherrlichten Gläubigen. Das Königreich auf
dieser Erde beginnt. Nach dem Königreich kommt das Gericht vor dem großen
weißen Thron, und schließlich die Schöpfung eines neuen Himmels und einer neuen
Erde.
5 Werden
die Gläubigen zusammen mit dem Herrn kämpfen, wie in Ps 149,6-9 vorhergesagt?
6 Das sind
die verherrlichten Gläubigen, die Braut des Lammes, da sie mit weißem, reinem
Byssus bekleidet sind (siehe: Offb 3,4-5; 6,11; 7,9.13; 17,14; 1Thes 3,13;
4,14; 2Thes 1,10; Sach 14,5d). Allerdings werden auch Engelheere den Herrn
begleiten (Mt 16,27; 24,31; 2Thes 1,7). Diese sind hier aber nicht gemeint.
7 Die
römischen Kaiser und ihre Söhne ritten bei den Triumphzügen auf weißen Pferden
in Rom ein, wobei sie von ihren Truppen begleitet wurden (65,III,382).
8 Diesen
Titel bekam auch der babylonische König Nebukadnezar in Dan 2,37, weil mit ihm "die Zeiten
der Nationen" begannen.
1 2Kön 1,10.12
2 Hier sind
die Gläubigen aus Kap 19,14 gemeint, die mit Christus wiedergekommen sind und zu
Beginn des tausendjährigen Reiches ihre Regierungsverantwortung über die Erde
antreten. Vgl. Offb 2,26-27; 3,21; 5,10; 1Kor 6,2-3
3 Vgl. Dan
7,9.22, wo die Throne natürlich noch unbesetzt sind. Hier haben sich die 12
Apostel auf die Throne gesetzt, um die 12 Stämme Israels im tausendjährigen
Reich zu regieren (Lk 22,30). Aber auch alle anderen Gläubigen der Gemeinde
werden mit Christus auf seinem Thron sitzen und mit ihm über die Welt regieren
(1Kor 6,2; Offb 3,21).
4 Der
griechische Text wird am einfachsten verstanden, wenn man hier, wie in Offb 2,8,
den konstatierenden Aorist annimmt und übersetzt: "...sie lebten"
(vgl. 8,z.St.; 9,z.St.). Dann handelt es sich im ganzen Vers wahrscheinlich nur
um eine Gruppe von Gläubigen, nämlich um die entrückte und mit Christus
wiedergekommene Gemeinde, mit besonderer Erwähnung jener "Seelen" aus
Offb 6,9-11, die (in der anfänglichen Drangsal?) um Christi willen Märtyrer wurden,
die dann natürlich auch mitentrückt wurden und nun mit allen anderen Gläubigen in
Herrlichkeits-Leibern auf den Thronen sitzen, um mit Christus zu regieren. Um
ihres treuen Zeugnisses willen, würden sie aber hier besonders erwähnt und
hervorgehoben. Das Wort "ich sah" kommt nämlich im griechischen Text nur
einmal in diesem Vers vor. Johannes sah besetzte Throne und hebt dann
die Gruppe der Märtyrer, die auch auf den Thronen sitzen besonders
hervor. - Andere nehmen hier allerdings einen ingressiven Aorist an: "...sie
wurden (wieder) lebendig" (1,680; 2,1306; 7,z.St.; 44,774; 47,z.St.), und
verstehen die Aussage so, dass Johannes hier zuerst nur die "Seelen"
sieht, nämlich Heilige die noch keinen Auferstehungsleib haben, und erst
danach, dass sie lebendig werden. Doch dann wäre das Wort im Passiv zu erwarten
und "auferstehen" wäre ein passenderer Ausdruck gewesen. In diesem
Fall könnte es sich aber nicht um die Gläubigen der Gemeinde handeln,
denn diese sind schon bei der Entrückung mit Herrlichkeits-Leibern auferstanden
(1Thes 4,16-17; 1Kor 15,51-53). - Manche meinen daher es könnten die Gläubigen
aus dem AT gemeint sein (Dan 12,2.13), doch diese werden nicht auf Thronen
sitzen, um mit Christus mitzuregieren. Ganz im Gegenteil, die 12 Apostel werden
über sie regieren. Dass die Auferstehung der alttestamentlichen
Gläubigen in der Offenbarung nicht beschrieben wird, braucht nicht zu
verwundern, denn die Offenbarung ist für die Gemeinde geschrieben (Offb 1,1).
Dennoch werden sie schon zu Beginn des tausendjährigen Reiches mit
Herrlichkeits-Leibern auferstehen (vgl. Lk 13,28; Dan 12,1-3; ua.). - In Dan
12,11-13 setzen sich die 1290 Tage wahrscheinlich aus den 1260 Tagen der
Drangsal für Israel (das sind die 3 ½ Jahre der zweiten Jahrwoche Daniels),
plus die 30 Tage bevor der Gräuel der Verwüstung im Tempel in Jerusalem
aufgestellt wird. Dies würde die Summe von 1290 Tagen erklären. Die 1335 Tage
in Dan 12,12 sind dann vielleicht nochmals 45 Jahre, bis alle Zerstörungen die
im letzten Krieg der Endzeit entstanden sind, aufgeräumt sind und das
tausendjährige Reich völlig wiederhergestellt beginnen kann.
5 Die
Tatsache, dass das Raubtier und der Lügenprophet nach den tausend Jahren noch
immer im Feuersee sind, beweist, dass die Hölle eine ewige Verdammnis ist und
keine Auflösung oder "Schlaf", sondern ein bewusster Zustand.
6 Die
Unterwelt als vorübergehender Aufenthaltsort der verstorbenen Ungläubigen (vor
dem Versöhnungswerk Christi auch der Gläubigen, z.B. Lazarus im Gleichnis), bis
zum letzten Gericht. In LXX Hiob 38,17 und Jes 28,15 fast personifiziert.
7 Die Zahl
ist entweder buchstäblich zu nehmen, da die Zahl 1000 sonst keine besondere symbolische
Bedeutung in der Bibel hat, oder die Zahl steht für eine sehr lange Zeitspanne
(vgl. 2Pet 3,8). Auch die Menschen vor der Sintflut lebten fast so lange (Gen
5,27). In dieser langen Zeit wird Satan gebunden und ohne Einfluss auf der Erde
sein. Er kann niemanden mehr zur Sünde verführen. Christus wird zusammen mit
seiner Braut der Gemeinde mit strenger Hand (Offb 12,5; 19,15) als König auf
dieser Erde über Israel und die Nationen regieren. Die Gläubigen der Gemeinde
werden in seine Regierungstätigkeit mit eingebunden sein (vgl. Mt 19,28; Lk
19,10ff; 22,29-30; 1Kor 6,2a; Offb 2,26-27; 5,10; 20,4; 22,5 ua.). Es wird eine
Zeit sein wo die paradiesischen Zustände die im Garten Eden waren, auf der Erde
wiederhergestellt sind (Apg 3,21), eine Zeit von Frieden, Wohlstand,
Gerechtigkeit und weltweiter Erkenntnis Gottes (vgl. Jes 11,1-10; 32,1-5;
65,17-25 [Der neue Himmel und die neue Erde können hier aufgrund von Jes 66,20
nur das tausendjährige Reich sein, denn auf der neuartigen Erde in Offb
21,1ff, wird es laut Offb 21,4 keinen Tod mehr geben]). Die Ausübung von Sünde
wird unterdrückt sein, wer dennoch offen rebelliert und sündigt, wird
augenblicklich sterben (Jes 66,22-24). Gott wird den Menschen in dieser langen
Zeit beweisen, wie schön der Garten Eden hätte sein können, wenn Adam nicht
gesündigt hätte. Auch frühe Kirchenväter (z.B. Papias, Justin der Märtyrer,
Irenäus, ua.) glaubten an ein irdisches tausendjähriges Reich und an eine erste
Auferstehung zum Leben zu Beginn dieses Reiches, und eine zweite
Auferstehung zum Gericht nach diesem Reich. In frühen jüdischen
Überlieferungen wird die Menschheitsgeschichte in 7 Perioden zu je 1000 Jahren
eingeteilt, wobei die letzten 1000 Jahre eine Zeit des messianischen Friedens sind
(vgl. 50,476; 65,III,385; 66,16f.622ff). Im tausendjährigen Reich werden
verschiedene Gruppen von Menschen leben: (1.) Die Gläubigen der Gemeinde mit
verherrlichten Auferstehungsleibern. Sie können nicht mehr sündigen, sie werden
nicht mehr heiraten und nicht mehr sterben. (2.) Die alttestamentlichen
Gläubigen (vgl. Dan 12,2.13; Jes 26,19). Sie werden im Reich als Auferstandene
mit einem verherrlichten Auferstehungsleib leben (Mt 8,11; Lk 13,28-29). Auch sie
können nicht mehr sündigen, werden nicht mehr heiraten und nicht mehr sterben.
(3.) Der "Überrest" Israels (Sach 13,9; Mt 24,31; Lk 17,28-29; Offb
1,7). Sie werden wahrscheinlich mit ihren sterblichen Körpern direkt ins Reich
hineingehen, dort eine hohe Lebenserwartung haben und auch Kinder zeugen (Jes
65,20-23). (4.) Die "Schafe" aus den Nationen (Mt 25,31-46). Auch
diese werden wahrscheinlich mit ihren sterblichen Körpern direkt ins Reich
hineingehen, dort eine hohe Lebenserwartung haben und Kinder zeugen. (5.) Die
Kinder, die im tausendjährigen Reich geboren werden. Sie werden natürlich nicht
als Wiedergeborene geboren, sondern als Sünder, - sie müssen sich zum König Jesus
Christus bekehren. Da die Ausübung offener Sünde aber unterdrückt sein wird (Ps
101,8), werden viele von ihnen nur Unterordnung heucheln und am Ende der
tausend Jahre von Satan zur Rebellion gegen den König verführt werden (Offb
20,7-9).
8 Dieser
zweite Tod ist ein ewiger Tod, d.h. eine ewige Trennung von Gott und keine
lange Zeit der Läuterung.
9 Symbolisch
für eine große Menge aus den verführten Nationen. Das sind Menschen, die in den
tausend Jahren im Königreich geboren wurden und sich nur äußerlich dem König
Christus unterworfen haben, aber nicht wiedergeboren wurden. Sie werden von
Satan versammelt von den vier Ecken der Erde her, um am Ende des
tausendjährigen Reiches, Christus, den König in Jerusalem, anzugreifen. Nicht
zu verwechseln mit den Geschehnissen in Hesekiel Kap. 38-39, wo von einem
Angriff auf Israel vor dem tausendjährigen Reich die Rede ist.
10 Die erste
Auferstehung ist die Auferstehung zum Leben (Joh 5,29a), die zweite,
nach dem tausendjährigen Reich, ist die Auferstehung zum Gericht vor dem großen
weißen Thron. Zur Reihenfolge der Auferstehung vgl. auch noch die Anm. bei Joh
5,29 und bei 1Kor 15,23
11 Dies ist
die zweite Auferstehung zum Gericht (Joh 5,29b).
12 Es heißt
nicht: "Wenn jemand mehr gute als böse Werke getan hatte". Bei diesem
Gericht werden alle Anwesenden verdammt, das Buch des Lebens wird nur
zur Gegenkontrolle aufgeschlagen. Wer im Buch des Lebens steht, war schon bei
der ersten Auferstehung zum Leben dabei und kommt gar nicht in dieses Gericht
(Joh 5,24.29; Offb 21,27).
13 Auf dem
Thron sitzt der Menschensohn Jesus Christus, als Richter über alle, die seine
Erlösung zu Lebzeiten nicht angenommen haben (Joh 5,22.27; Apg 10,42; Röm 2,16;
2Tim 4,1; 1Pet 4,5).
Offenbarung 21
1 Jes 25,8.
Es sind wahrscheinlich nicht Freudentränen gemeint, sondern eher die Reste der
Tränen, die sie in der Bedrängnis geweint haben.
2 2Sam
7,14; Ez 11,20
3 Die Stadt
war also symbolisch ein kubischer Würfel, genauso wie das Allerheiligste in der
Stiftshütte und im Tempel. Die Gemeinde ersetzt auf der neuen Erde, den Tempel
des tausendjährigen Reiches. Die Seitenlängen des Würfels betrugen ca. 2220 km,
ebenso ihre Höhe. Die Breite der Mauer betrug 72 m. Übrigens sind alle in Vers
16-17 angegebenen Maße durch 12 teilbar (54,z.St.). - In der symbolischen
Bedeutung war diese Stadt uneinnehmbar, man konnte die Mauer weder erbrechen noch
übersteigen, ihre Bewohner waren geschützt. Aber die Stadt hatte nach allen
Richtungen Tore, durch welche Heilige hineingehen konnten, allerdings standen
Engel als Wächter neben den Toren. Da es auf der neuen Erde gar nichts Unreines
mehr gibt, dass in die Stadt hineinkommen könnte, soll man aus dieser
Idealbeschreibung der Gemeinde wohl auch jetzt schon eine Anwendung auf die
jetzige Gemeinde machen: in die Gemeinde kommt man nur durch die Tür hinein,
d.h. durch den persönlichen Glauben an Christus (Apg 5,13-14), aber sie ist
nach allen Richtungen hin offen für jeden der Buße tut und glaubt. Die
Bekehrung muss allerdings auf Echtheit geprüft werden, dies ist der
Wächterdienst der Gemeinde (vgl. Apg 9,26). Nichts Unreines darf in die
Gemeinde hineingelassen werden (Offb 22,15; 2Kor 6,14 - 7,1).
4 Die
Apostel bilden durch die Offenbarungen die sie empfingen, die Grundmauer der
Gemeinde (Eph 2,20; 3,3-5).
5 Vgl. die
exakte sprachliche Parallele zu Offb 17,1.3. Damit soll ein Vergleich zwischen
der Braut des Lammes und der "Hure" hergestellt werden (65,III,392).
Wie ähnlich und doch so grundverschieden sind sie. Wie ist das Christentum,
welches die Braut des Lammes, die "keusche Jungfrau" sein soll (2Kor
11,2), so entsetzlich von ihrem Bräutigam abgefallen und zur Hure geworden.
Siehe dazu die Gegenüberstellung von Hure und Braut in: https://drive.google.com/file/d/1lNmdnbnRsdey6QwA_WbUqqsMn4BwtH4o/view?usp=sharing - Ab hier einen Zeitsprung zurück zum
tausendjährigen Reich zu sehen, ist nicht überzeugend.
6 Der neuartige Himmel (Sg. = das Universum) und
die neuartige Erde dürfen nicht verwechselt werden mit dem
tausendjährigen Reich, wo die Erde nur erneuert ist und paradiesische
Zustände wiederhergestellt (vgl. Apg 3,21) sind. Am Ende des
tausendjährigen Reichs werden sowohl die Erde als auch der Himmel (= das ganze
Universum) im Feuer vernichtet und in ihren Elementen aufgelöst werden. Danach
erfolgt eine völlige Neuschaffung aller Dinge durch Gott (Mt 24,35; 1Kor
15,24-28; Heb 1,11; 2Pet 3,7-13). - Hier beginnt bis Offb 22,5 die Beschreibung
des neuartigen Himmels und der neuartigen Erde und nicht des tausendjährigen
Reiches, wie einige meinen (z.B. 50,501ff). Das beweist auch Offb 21,5.22, denn
den Tod wird es im tausendjährigen Reich noch geben und auch einen Tempel. Auf
der neuartigen Erde wird es aber beides nicht mehr geben. Über die physischen
Umstände auf der neuartigen Erde ist uns kaum etwas offenbart, vielleicht weil
es unbeschreiblich ist.
7 Eigentlich
beginnt die Hochzeit des Lammes schon zu Beginn des tausendjährigen Reiches
(Offb 19,7ff), hier ist die Gemeinde aber nach dem tausendjährigen Reich
immer noch als geschmückte Braut dargestellt. Soll das bedeuten, dass für die
Gemeinde die ganze Ewigkeit lang Hochzeitsfreude sein wird? Auch die
Hochzeitsgleichnisse Jesu (Mt 22,2ff; 25,1ff) schließen nie mit einem Ende der
Hochzeit.
8 Griech.:
Jaspis. Doch die beiden Eigenschaften, überaus glänzend und wertvoll, treffen
eher auf den Diamanten zu, als auf den heute bekannten minderwertigen Halb-Edelstein
Jaspis, der undurchsichtig, und bräunlich bis grün gefärbt ist (54,z.St.).
9 Entweder
das buchstäbliche Meer oder das Meer in moralisch-sinnbildlicher Bedeutung, wie
Offb 13,1; Jes 57,20; Ps 65,8 (50,490).
Offenbarung 22
1 Hier
übertragen im moralisch-sittlichen Sinn: sich durch Dinge die Gott verabscheut,
beflecken, beschmutzen und entehren. Der effektive Aorist drückt aus, dass der
Unsaubere in seiner Handlungsweise bereits festgefahren ist (37,565).
2 In Offb
7,14 steht der Aorist.
3 Der
lästige, orientalische, herrenlose Straßenköter, der zwar einerseits treu,
andererseits aber auch frech, gierig, schmutzig und daher verachtet ist. Er
ernährte sich hauptsächlich von Aas und Abfällen wie es auch noch heute im
Orient oft der Fall ist. Im übertragenen Sinn das verächtlichste und schlimmste
Schimpfwort das Juden für die Heiden verwendeten. Der Hund war für die Juden
ein unreines Tier. Auch ganz allgemein als verächtliche Bezeichnung für einen
bösen Menschen gebraucht. Vgl. z.B. LXX: Ps 22,17; Spr 26,11 und im NT: Mt 7,6;
Lk 16,21; Php 3,2; 2Pet 2,22
4 Der Imp.Präs.
lässt in dem Wunsch nach seinem Kommen das "Wann" demütig offen. Der
Imp.Aor. würde bedeuten: "Komm bitte jetzt", oder: " "Komm so
schnell als möglich". - Dieses Buch der schrecklichen Gerichte
endet also mit dem Ruf der Braut: "Komm Herr Jesus" und mit der
Antwort "die Gnade des Herrn Jesus". Das ist tröstlich.
5 Oder ein verallgemeinernder
Sg.Gen.qualitatis: "...stehen Lebensbäume auf beiden Seiten" (2,z.St.).
Die beiden Bilder aus Gen 2,9 und Hes 47,7.12 gehen hier ineinander über
(59,342). Hes 47,1-9 ist allerdings eine Beschreibung eines Flusses im
tausendjährigen Reich, hier aber befinden wir uns schon auf der neuen Erde.
6 od.
tolerative Passiva: "…lasse er sich unsauber machen";
bzw.: "…lasse
er sich heiligen".
7 Das
bedeutet nicht, dass es auf der neuen Erde noch Krankheit gibt, denn für Heilung
wird im NT das Wort ιασις verwendet. Das Wort θεραπεια (= Gesunderhaltung) hingegen
beschreibt sehr deutlich, dass es auf der neuen Erde gar keine Krankheit mehr
geben kann, weil die Gesundheit erhalten wird. Es gibt keine Sünde, daher gibt
es auch keine Krankheit und keinen Tod mehr.
8 Werden also
auch auf der neuen Erde noch drei Gruppen von Erlösten unterschieden: die
Gemeinde, Israel und die Nationen?
9 Vgl. dagegen
Ex 33,18-20 und 1Tim 6,16
10 Zum
adverbiellen Gebrauch des Adjektivs hier vgl. die Anm. bei Offb 3,11