U n t e r w e g s  n o t i e r t

 

Eine Handreichung für Dienende

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„Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Fleiß beweise –

hin zur vollen Gewissheit der Hoffnung, bis zum Ende,

damit ihr nicht träge werdet,

aber Nachahmer derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben.“

Hebräer 6, 11.12

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Nr. 155: November – Dezember 2025

 

Die Rettung und die Gemeinde der Geretteten

Der Epheserbrief (17)

 

 


Der Wandel der Geretteten in Christus – Kapitel 4-6

I. Richtlinien für würdigen Wandel im Leib Christi 4, 1-16

II. Richtlinien für würdigen Wandel im Alltag  4, 17-5, 21

  A. Grundsätzliche Ausrichtung nach dem Leitbild  4, 17-24

  B. Konkrete Ausrichtung – in Gegenüberstellung  4, 25-32

  C. Beweggründe für den würdigen Wandel  5, 1-21

   1. Kinder Gottes

   2. Kinder des Lichts

   3. Weise

   4. Der Heilige Geist

                a. Allgemeines

                b. Falsches Erfüllt-Sein

                c. Richtiges Erfüllt-Sein

 

Fortsetzung von der letzten Nummer

d. Was mit dem Erfülltsein in Verbindung steht – Epheser 5, 19-21

Erbauliches Reden in Liedern  5, 19A

19 „untereinander redend in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singend und spielend dem Herrn in euren Herzen; dankend allezeit Gott, dem Vater, für alles in dem Namen unseres Herrn, dem Namen Jesu Christi; 21 euch einander unterordnend in der Furcht Gottes.“

 

Das Griechische ist hier interessant: „redet zu euch“ heißt nicht, dass jeder zu sich selbst reden soll, sondern hier werden die Gläubigen wie eine einzige Körperschaft betrachtet, wie eine große Person, der Leib Christi. Diese Körperschaft redet und singt zu sich selbst. Wenn ein Glied im Leibe Jesu singt, so singt der Leib zum Leib. Das heißt, der Leib singt „zu sich“. Diese V. können nicht verstanden werden, wenn wir das Bild des Leibes Christi nicht vor Augen haben.

 

 „redend zu euch untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern

In der Bibel „redet“ man die Lieder. Musik ist Träger von Gedankengut. Nicht nur die Worte eines Liedes „reden“, sondern auch die Musik. Und die Musik hört man, ehe man die Worte hört. Die Musik selbst redet; und sie redet, ehe man den Inhalt versteht. Der Inhalt kommt erst dann wahrhaft zur Geltung, wenn die Musik den Worten untergeordnet ist. Das hervorstechende und tragende Element des Liedes ist nicht die Musik, nicht die Melodie, nicht der Rhythmus, sondern der Text. Den Text soll die Musik unterstreichen. Wird Text gesungen anstatt vorgelesen, so wirkt er anders. Musik kann eine Aussage feierlich machen.

Gott gefiel es, mittels Wort mit uns in Verbindung zu treten. Das Ohr ist das Tor zum Denken. Die Musik sollte dazu dienen, das Wort zu unterstreichen. Daher ist im Lied der Text das Wichtigste. Deshalb sagte der Apostel „Redet ... in Liedern“, nicht: „Singt … in Liedern.“ Paulus verwendet das Wort „reden“ ganz bewusst.

In Richter 5, 12 lesen wir, dass das Lied gesprochen wird: „Wach auf, wach auf, Debora! Wach auf, wach auf, sprich ein Lied!“

 

Musik darf nicht das Denken des Menschen verdrängen oder behindern. Das Lied muss in einer Weise betont sein, dass der Text zum Ausdruck kommt. Der Text will das tragende Element bleiben. Instrumentale Begleitung darf im Hintergrund geschehen, und rhythmusbetonende Elemente sollen ausgeschaltet werden.

 

 „... in geistlichen Liedern“

Wenn der Heilige Geist in uns Raum hat, löst es Freude in uns aus; die Freude, die in uns aufquillt, will zum Ausdruck kommen – zum Beispiel im Lied, aber im gesunden, geistlichen Lied. Geistliche Lieder sind nicht irdische Lieder.

    Es gibt heute zweierlei Arten von Liedern: Das eine Liedgut führt – auf längere Sicht – dazu, dass man aufhört zu singen. (In der Welt gibt es heute eine Menge Lärm, wenig wirklichen Gesang.)

Das andere Liedgut, das richtige, fördert das Singen.

    In der Versammlung von Christen soll das Singen gefördert werden. Die Lieder sollen geistlich sein. Die Musik als Träger des Textes soll von geistlichen Elementen bestimmt sein, nicht von fleischlichen; fleischliche sind solche, die das Diesseitige, den sinnlichen Reiz, in den Vordergrund stellen.

    Wenn Menschen sich bekehren, müssen sie das Singen lernen, und in der Gemeinde muss das Singen gelehrt werden. Das kann geschehen, wenn der Heilige Geist Raum hat, denn der Heilige Geist drängt zum Singen, auch zum gemeinsamen Singen. Einige Beispiele: das Lied der Erlösten am jenseitigen Ufer des roten Meeres (2. Mose 14, 15), das Lied des Mose (5. Mose 32), das Lied der Debora (Richter 5), das Lied der Gefangenen in Philippi (Apostelgeschichte 16), das Lied im „Lobetal» (2. Chronik 20), das neue Lied, das niemand lernen konnte als nur die Erkauften (Offenbarung 14, 3), das Lied des Mose und des Lammes (Offenbarung 15, 3-4).

 

Die Verbindung der V. 19.20 zum Vorherigen

Man kann die V. 19-21 – wie im Griechischen – in der Partizipialform übersetzen:

„singend ... spielend ... danksagend ... euch einander unterordnend“.

Diese Übersetzung ist zwar etwas ungewohnt und holprig, entspricht aber dem griechischen Text.

Luther übersetzt: „Werdet voll Geistes ...; redet untereinander ... singt ...dankt ... unterordnet euch“ – als wäre hier eine Reihe von Geboten gegeben. Daraus könnte der Leser schließen, er solle (1) sich vom Geist füllen lassen und (2) .. singen und… im Herzen spielen, (3) Gott allezeit danken und (4) untertan sein. Nun gelingt das aber nicht immer, weil das Singen (bzw. Spielen) und Danken und Sich-Unterordnen dem Gefüllt-Sein mit dem Geist entströmt. Die Verbindung mit V. 18 könnte durch diese Übersetzung verlorengehen.

Eine dritte Übersetzungsmöglichkeit ist: „... indem [oder: dadurch dass] ihr singt und spielt ... Gott allezeit danksagt ... euch einander unterordnet“. Das würde vermitteln, das Erfüllt-Werden im Geist könne am besten dadurch geschehen, dass wir untereinander in Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern reden und singen und Gott allezeit danken .... Man denkt dann: Wenn wir Gott viel danken, im Herzen singen und uns einander unterordnen, werden wir vom Geist erfüllt. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der Text sagt mehr.

Eine vierte Übersetzungsmöglichkeit: „...wenn [oder: wobei] ihr singt ... und spielt ... und Gott allezeit dankt ... und euch einander unterordnet“. Das heißt, wenn ihr vom Geist gefüllt seid, werdet ihr singen und spielen und danken und euch einander unterordnen“. Man könnte dann denken: „Ich muss nur dafür sorgen, dass ich vom Geist erfüllt bin, dann werde ich (fast wie von selbst) singen, spielen und danken und untertan sein können.“ Aber das Erfüllt-Sein mit dem Heiligen Geist bewirkt nicht automatisch, dass wir danken, singen, spielen und untertan sind. Es kommt auch nicht ohne Schmerzen. Der Heilige Geist räumt nicht alles Unangenehme aus unseren Herzen, wenn er uns erfüllt.

 

Paulus erkennt dies und sagt: „Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir ‹und über mir› wohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten Christi wegen; denn wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2. Korinther 12, 9-10).

Erfüllung mit dem Geist nimmt Schwachheit und Krankheit nicht weg. Wenn ich schwach und krank bin, Schmähungen erlebe, verkannt werde oder Schmerzen zu erdulden habe, weiß ich, dass dennoch die Kraft Gottes da ist. Sie wohnt über mir und um mich her. Das unangenehme Empfinden und die Schmerzen werden nicht weggenommen, aber es ist genügend Kraft vorhanden, um im Glauben und in der Liebe auszuharren. Glaube und Liebe dürfen unter dem Druck nie abreißen. Dazu gibt der Heilige Geist Gnade.

 

Wir übersetzen das griechische Partizip im Deutschen also wörtlich. Es ist zwar schwieriger zu lesen, fordert aber den Leser zum Nachdenken heraus:

„... redend ... singend ... dankend ... untertan seiend“.

Wir fragen uns: Ist das Geisterfüllt-Sein die Ursache – und das Singen, Spielen, Danken und Untertan-Sein die Folge? Oder ist das Singen, Spielen, Danken und Untertan-Sein die Ursache und das Geisterfüllt-Sein die Folge?

Wenn wir beide Möglichkeiten zusammennehmen, ergibt sich etwas Herrliches aus der unsichtbaren Welt, die ja anderen Gesetzen unterworfen ist:

V. 18 steht im Passiv: „Lasst euch vom Geist erfüllen“ (oder: „Werdet mit dem Geist erfüllt“). Damit dies geschehen kann, müssen wir Bedingungen erfüllen. Was geschieht? – Den ersten Schritt tut der Herr: Er hält den „Becher“ bereit. Den zweiten Schritt tue ich: Ich sage Ja und öffne meinen Mund (das heißt, ich erfülle die Bedingung. Ich kapituliere und bete: „Herr, hier bin ich. Ich bin leer. Ich habe nichts.“ Den dritten Schritt tut er: Er füllt mich. Den vierten Schritt tue ich: Ich will nun aufgrund des Gefüllt-Seins singen und ... spielen, Gott allezeit danken, mich den anderen unterordnen.

Wir haben eine natürliche Regung des Mitteilens in uns. Wenn wir etwas Schönes erlebt haben, haben wir das Bedürfnis, dem Herrn oder den Menschen von dieser Freude mitzuteilen. Es liegt aber jedes Mal an uns, ob wir der Anregung des Geistes (nämlich, dieses mitzuteilen) nachgeben wollen oder nicht. Das ist es, was in den Versen 18-21 zum Ausdruck kommt: Die erwähnten Dinge sind beides, sowohl Auswirkung wie auch Ursache des Erfüllt-Seins. Wenn wir geisterfüllt sind, ist die Anregung für diese Tätigkeiten im Keim vorhanden, aber noch nicht in der Erfahrung. Der Geist drängt mich zum Reden, zum Singen, zum Danken und bewirkt die Bereitschaft zum Untertan-Sein. Die Frage ist dann, ob wir der Anregung gehorchen und ihr Raum geben oder nicht.

Wenn wir geisterfüllt sind und unsere Menschenfurcht uns zum Ungehorsam verleiten kann, dämpfen wir Gottes Geist an dieser Stelle. Sind wir aber gehorsam und werden wir aktiv, wird jemand gesegnet werden und in meinem Herzen wird ein Lied sein und wird Dank aufsteigen; und dann kommen weitere Aufgaben und neue Freuden.

Dies ist, was in uns vorgeht, wenn wir ständig mit dem Herrn leben. Er regt uns an, und wir können jeden Moment gehorsam sein – oder ungehorsam. Bin ich gehorsam, ist er sofort mit dem „Becher“ (Psalm 81, 11) da und füllt meinen Mund. Wenn ich getrunken habe, ruft dies sogleich eine Aufgabe hervor. Immer bin ich gefragt, zu gehorchen. Es ist nie einseitig, nie nur aktiv oder nur passiv. Es ist immer ein Schritthalten mit dem Herrn. Wir, der Herr und ich, gehen zusammen. Auf jeden neuen Gehorsam folgt neues Licht (Johannes 14, 21). Diese Wechselbeziehung bleibt.

Dem Herrn singend und spielend im Herzen  5, 19

„singend und spielend dem Herrn in euren Herzen;“

Die Heiligen sollen singen, aber sie sollen, während sie das tun, es auch im Herzen tun – dem Herrn! Sie sollten sich im Herzen freuen über ihren Herrn und Erlöser. Alles, was sie tun, sollen sie dem Herrn tun:

„Und alles, was immer ihr tut, in Wort oder in Werk, tut alles im Namen des Herrn Jesus. Dankt dabei dem Gott und Vater durch ihn.“ (Kolosser 3, 17)

„Und alles, was immer ihr tut, verrichtet von Herzen, als dem Herrn und nicht Menschen“ (Kolosser 3, 23).

 

 „… und spielend dem Herrn“

Die Heiligen sollen spielen, aber sie sollen, während sie das tun, es auch im Herzen tun – dem Herrn!

    Paulus wollte den Ephesern nicht sagen: „Ich braucht nicht hörbar zu singen und in der Tat zu spielen. Es genügt, wenn ihr es im Herzen (in Gedanken) tut.“ Er wusste, dass er von den Ephesern sehr wohl verstanden wurde. Aber er betont die innere Haltung: dem Herrn, im Herzen auf den Herrn ausgerichtet, für ihn singend und spielend.

Die Gemeinde des Herrn ist eine singende Gemeinde. Sie singt in erster Linie nicht den Menschen, sondern dem Herrn. Für ihn ist die Gemeindeversammlung! In erster Linie für ihn. Würde die Gemeinde aufhören zu singen, würde dem Herrn etwas genommen werden.

Gesang der Gemeinde gehört zum Lobopfer der neutestamentlichen Priesterschar in ihrem Hinzutreten und Darbringen:

„Durch ihn lasst uns also in allem Gott ein Lobopfer darbringen. Dieses ist die Frucht der Lippen, die seinem Namen Lob bekennen; … solche Opfer sind Gott wohlangenehm.“ (Hebräer 13, 15-16)

Daher kann Gemeinde Jesu nicht auf Gesang verzichten.

Hebräer 2, 11-12: „… denn beide, der, der heiligt, und die, die geheiligt werden, sind alle von einem, aus welchem Grunde er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen, 12 wenn er sagt: ‚Ich werde deinen Namen meinen Brüdern ‹lobend› künden. Inmitten der Gemeinde werde ich dir lobsingen’; …“

Wenn die versammelte Gemeinde des Messias ein Loblied singt, ist der verherrlichte Herr zugegen. Wenn die Seinen mit ihm Gemeinschaft haben und aus ihm leben und ihm singen, singt er, der Messias, mitten unter ihnen mit.

„Inmitten der Gemeinde werde ich (der Messias) dir (Jahweh) lobsingen.“ Vgl. Psalm 22, 23.

    So ist die neutestamentliche Gemeinde nicht nur eine zu dem Messias singende Gemeinde, sondern eine mit dem Messias gemeinsam singende Gemeinde, was ihm offensichtlich etwas Kostbares ist.

Würde die versammelte Gemeinde dem Drängen des Heiligen Geistes nicht nachkommen und auf das Singen verzichten, würde sie nicht nur den Heiligen Geist betrüben, sondern auch den Messias.

 

In seinem Brief an die Kolosser 3, 16 schreibt Paulus:

„Das Wort des Christus wohne reichlich und unter euch: indem ihr euch untereinander in aller Weisheit lehrt und mahnt, auch mittels Psalmen und Lobgesänge und geistlicher Lieder, singend in Gnade, dem Herrn, in eurem Herzen.“

Wenn Gottesvolk zusammenkommt, soll es reichlich Gelegenheit geben zum Weitergeben des Wortes Christi. Die Art und Weise des Weitergebens kann variieren:

„indem ihr euch untereinander in aller Weisheit lehrt und mahnt“,

in Verkündigung und Mahnung,

„auch mittels Psalmen und Lobgesänge und geistlicher Lieder“

Lehre und Mahnung geschieht auch über das Liedgut.

Für den Apostel Paulus ist es klar, dass das Singen von Lobliedern (griechisch: psalmois) und Hymnen (griechisch: hymnois) und geistlichen Liedern (o.: Oden; griechisch: odais) beim Zusammenkommen der Heiligen einen wichtigen Stellenwert hat.

singend in Gnade,“

das heißt, in Anmut, in Lieblichkeit, sodass es wirklich etwas Schönes und Angenehmes für den Herrn wird.

„dem Herrn,“

Für ihn zuallererst, auch wenn es – über den Inhalt der Textaussagen – zugleich auch zum Bauen der Glieder des Leibes Christi geschieht.

„in eurem Herzen“

Also nicht nur mit dem Munde, nicht nur in äußerlicher Anmut und Lieblichkeit.

Dem Vater dankend  5, 20

V. 20: „dankend allezeit Gott, dem Vater, für alles“

Die Epheser sollen allezeit alles zum Anlass nehmen, dem Gott und Vater zu danken.

 

 „allezeit ... für alles“

Das Wort „alles“ ist relativ. Es hat einen Rahmen, einen Zusammenhang. Für alles zu danken, heißt nicht, für alles Mögliche zu danken. Zum Beispiel dürfen wir nicht für eigene Sünden danken. Aber die Haltung soll eine der Dankbarkeit sein.

·         Kann ich dankbar sein für Dinge, die gegen meine Vorstellungen laufen?

·         Weiß ich, dass der Herr dennoch am Steuer ist?

·         Weiß ich, dass er keinen Fehler gemacht hat?

·         Bin ich dankbar für eine unvollkommene Ehefrau?

Gottes Wille für mich ist und war nie, dass ich eine vollkommene Frau habe. Gottes Wille für mich ist, dass ich die Frau habe, die für mich gut ist.

Ebenso kann es mit Mitarbeitern sein. Für mich ist der Mitarbeiter oder der Partner, den ich habe, mit seinen Sünden, Eigenarten und seinem Benehmen, genau das, was ich jetzt brauche. Gott will mir beibringen, wie ich mit solchen Menschen zurechtkomme.

Ich bin geneigt, mir eine von Gott berechtigte Stellung anzumaßen und finde es gerecht, wenn ich mein Gegenüber tadle. Wenn ich das tue, bin ich es, der das tut, nicht Christus in mir. Ich muss mir erst sagen, dass für mich in diesem Moment Gott das mit Wohlbedacht zugelassen hat – als Wille Gottes für mein Leben.

Der babylonische König Nebukadnezar war in einem gewissen Sinne die göttliche Zuchtrute für Israel. Gott strafte Israel durch Nebukadnezar. Aber auf der anderen Seite musste Gott wiederum ihn bestrafen dafür, dass er Israel so hart strafte (Jeremia 25, 26).

Wir haben manchmal Schwierigkeiten, beides gleichzeitig als gerecht anzusehen. Für unseren kleinen, begrenzten Horizont ist es ein Widerspruch, und wir vergessen, dass Gott von einem anderen Standpunkt aus denkt und handelt.

Für mich ist der sündige Mensch, den Gott mir in mein Leben gestellt hat, der Wille Gottes; für ihn ist das, was er tut, (möglicherweise) Sünde. Zunächst aber bin ich es, der daraus etwas zu lernen hat – und dafür kann ich danken. Ich kann im Glauben sagen: „Herr, es ist richtig so. Ich nehme es an.“

Beten wir so lange, bis wir vollkommen von der Richtigkeit dessen, was wir tun, überführt werden. Seien wir aber die ganze Zeit aufrichtig! Wenn ich nicht aufrichtig bin, soll ich beten: „Herr, ich bin eigentlich nicht aufrichtig, ich bin nicht dankbar. Ich tue Buße über meine Undankbarkeit.“ Und dann danke ich.

 

 „in dem Namen unseres Herrn, Jesu Christi;“

Wenn ich weiß, dass der Herr einen bestimmten Umstand geschickt hat, kann ich in seinem Namen dafür danken. Er selber konnte in jeder Lage dankbar sein, denn er wusste, dass der Vater ihn führte.

Etwas im Namen Jesu zu tun, heißt, es in seinem Auftrag und in seinem Sinne zu tun. Zum Beispiel: Jesus ist dankbar für eine bestimmte Sache. Ich bin mit ihm verbunden. Er schickt mich nun in seinem Namen zum Vater, um dem Vater dafür zu danken. Denn er war es, der diese bestimmte Sache in mein Leben geschickt hat. Ich danke dem Vater also im Auftrag Jesu für das, was er in mein Leben hineingestellt hat.

Wenn es nicht der Fall ist, dass Jesus es in mein Leben gestellt hat, darf ich nicht dafür danken.

Darf man denn für alles Gott danken?

Ja, wenn man es im Namen des Herrn Jesus tut. Sonst nicht.

Im Auftrag des Herrn Jesus danke ich Gott, weil alles, was in mein Leben kam, im Auftrag Jesu, des Herrn, kam. Wenn ich alles, was ich erlebe, in der Beziehung zu Gott betrachte, dann hat es einen Sinn, für alles zu danken.

Damit ist nicht gesagt, dass alles Böse, das auf uns zukommt, in sich selbst gut ist. Nein, wir danken dafür, weil es für uns eine gute Auswirkung haben wird.

Der Tod ist etwas Böses, dennoch kann er eine gute Wirkung haben. Der Feind ist böse, dennoch kann Gott ihn gebrauchen, um sich selbst Ehre zu bereiten. Gott kann Böses verwenden, um für uns Gutes zu bewirken (Römer 8, 28; 1. Mose 50, 20).

Eine Seuche oder eine große politische Umwälzung ist nicht gut. Aber solches kann uns zu Gott treiben. Der Tod eines Ehepartners ist nicht gut, aber er kann eine heilsame Auswirkung für Menschen haben. So kann immer noch etwas da sein, für das man Gott danken kann.

 

 „unseres Herrn, Jesu Christi“

Das Wort „Herr“ steht in betonter Stellung. Deshalb das Komma zwischen „Herrn“ und „Jesu“. Wir danken jemandem, der Herr unserer Situation ist. Jesus Christus ist mein Herr und mein Helfer.

Sich einander unterordnend in der Furcht Gottes 5, 21

„euch einer dem anderen unterordnend“

Man könnte das Mittelwort auch als Verb eines Nebensatzes auflösen: „und unterordnet euch einer dem anderen in der Furcht Gottes.“

 

 „einer dem anderen“

Die Welt findet das unmöglich. Sie meint, nur einer könne höher sein, nicht beide. Die Bibel sagt, dass beide höher sein können und beide untergeordnet sein können.

Das müssen wir lernen, denn die Natur kennt dies nicht. Sie kennt nur den Drang, Oberster und Größter zu sein. Der natürliche Mensch will Gott absetzen und sich selbst auf den Thron setzen.

Seit dem Sündenfall liegt es in unserem Wesen, dass jeder von uns König der ganzen Welt sein will. Inzwischen haben wir gelernt, dass das nicht immer geht. Deshalb verhalten wir uns einigermaßen vernünftig. Aber vergessen wir nie, dass auch in jedem Gotteskind immer noch der Drang vorhanden ist, letztlich alles bestimmen zu wollen. Wenn wir die Möglichkeit dazu hätten, würden wir es tatsächlich tun. Wir sollen uns keine Illusionen machen. (Und wenn der Heilige Geist nicht in uns wohnen und uns bändigen würde, würden auch wir es tun wollen. Aber Gott sei Dank! Wir sind Sklaven Christi geworden. Das bewahrt uns. Und sein Wort bewahrt uns (Psalm 119, 11).

Aber das Wort Gottes ordnet die Gesellschaftsstruktur neu ein, indem es jedes Mitglied der Gesellschaft zu einem freiwilligen Sklaven des anderen macht. Wenn diese Gesinnung in der Gesellschaft Raum gewinnen könnte, würde dies eine Revolution der Liebe auslösen.

In Christus ist es möglich. Deshalb sind wir als Jünger Jesu das Salz der Gesellschaft. Der Heilige Geist ist der Motor.

Es ist wichtig, dass der Heilige Geist in jede Zelle unseres Wesens kommt, in jeden Nerv, in jeden Gesichtsmuskel, in unsere Augen, sodass die Blicke von innen heraus freundlich und ehrlich werden und unsere Reaktionen in Jesu Sinn und Namen geschehen. Das ist eine Wachstumsangelegenheit.

Weil dies so ist und weil wir mit dem Heiligen Geist versiegelt sind (4, 30), wollen wir ihn nicht betrüben. Es ist Wachstumssache; wenn es auch Rückschläge gibt, so geht die Linie doch aufwärts. Und so werden wir in das Ebenbild des Sohnes Gottes gestaltet (Römer 8, 29), bis er jedes Gebiet unseres Lebens ausfüllt (Epheser 1, 23; Epheser 4, 10).

Das Geheimnis des Friedens innerhalb jeglicher gesellschaftlichen Struktur ist: gegenseitige Untertänigkeit (Unterordnung). Das klingt paradox. Das größte, wozu die Menschen gekommen sind, ist, dass sie den Nächsten als Bruder anerkennen. Aber die Lösung der Heiligen Schrift geht noch weiter. Sie sagt: Erst dann ist wahrhaft friedliche Koexistenz möglich, wenn jedes Individuum jedes weitere Mitglied dieser Gesellschaft als ihm übergeordnet betrachtet.

„Ein jeder achte den andern höher als sich selbst“ (Philipper 2, 3).

Ich bin dein Sklave. Ich bin bereit, dir die Schuhe zu putzen. Ich bin bereit, das zu sein, was viele Menschen nicht gewillt sind, zu sein: Ich bin bereit, ein Fußabstreifer zu sein. Das soll in der Furcht Gottes und in der Art Christi getan werden. So wie er gedient hat, soll ich den anderen dienen. Und so wie ich mich ihm unterordne, soll ich mich anderen unterordnen. Wenn das geschieht, wird Heil in die Gesellschaft fließen.

 

 „in der Furcht Gottes.“

Sollten Jünger Jesu sich fürchten?

Ja, sehr! Die Furcht Gottes ist heutzutage vielen Christen und sogar ganzen Gemeinden und Kreisen abhanden gekommen.

In einem gewissen Sinne sollten wir vor Gott tüchtig Furcht haben, denn es ist etwas in uns, das gegen Gott ist. Da sollten wir uns vor Gott fürchten, denn er kann uns in einem Nu zu Staub machen. Das Alte Testament mit der dort geschilderten Heiligkeit Gottes sollten wir nie aus den Augen verlieren. Im Neuen Testament gibt es genügend Wiederholungen dieser Wahrheit. „Furchtbar ist es, in die Hände des lebenden Gottes zu fallen!“ (Hebräer 10, 31).

Berauben wir solche biblischen Texte nicht ihrer Kraft!

 

Herbert Jantzen (und z. T. Thomas Jettel)

— Fortsetzung in der nächsten Nummer

Bericht aus der Militärzeit in Russland

Ich war ein guter Läufer, aber ich verletzte mich am Knie. Flüssigkeit lief heraus, und ich hatte wochenlang furchtbare Schmerzen. Weil ich Christ war, kümmerte man sich nicht wirklich darum. Ich wurde zwar in ein Lazarett gebracht, aber als ich erfuhr, dass ich von Studenten operiert werden sollte, weigerte ich mich. So schickte man mich ohne Behandlung und ohne Operation wieder zurück zu meiner Kompanie, wo ich weiterhin große Schmerzen hatte. Meine Vorgesetzten spotteten: ‚Du wirst nie mehr laufen können’. Aber ich sagte zu ihnen: ‚Mein Gott kann mich heilen, und zwar so, dass ich in 4-5 Monaten sogar wieder am Militär-Wettkampf (Hindernislauf mit Gepäck) teilnehmen kann.’ Sie lachten. Ich aber betete.

Obwohl ich vor Schmerzen wochenlang kaum geschlafen hatte, fiel ich in dieser Nacht in einen tiefen Schlaf. Als ich erwachte, fühlte ich keinen Schmerz mehr. Ich überlegte, welches Knie es war, das so geschmerzt hatte, und weil ich es im Moment nicht wusste, blieb ich unbeweglich liegen, um keine falsche Bewegung zu machen. Schließlich bewegte ich ganz vorsichtig ein Bein. Kein Schmerz! Dann das andere: Kein Schmerz! Ich stand auf: Kein Schmerz!

Als einige Kommilitonen mich sahen, liefen sie herbei. ‚Gott hat mich gesund gemacht’, sagte ich zu ihnen. Da riefen sie die Vorgesetzten und die Ärzte. Diese sagten: ‚Tatsächlich, das kann nur Gott getan haben.’

Aber sie ärgerten sich darüber und wollten mich nun auf ihre Art fertigmachen, indem sie mir einen langen Wachdienst für mehrere Tage aufbrummten.

Zu dieser Zeit betete meine Mutter intensiv für mich und spürte das Verlangen, mich unbedingt zu besuchen. So reisten meine Eltern 2000 km, um mich zu sehen. Sie sahen, dass ich gesund war, aber sie sahen auch, dass meine Vorgesetzten es darauf abgesehen hatten, mich fertigzumachen. Da mein Vater früher Offizier gewesen war, konnte er erwirken, dass ich sofort Diensterleichterung bekam.

Einige Monate später fand der Wettkampf statt. Ich gewann das Rennen! – Dem Herrn sei aller Dank und alle Ehre!“

Aus tiefer Not

O Meister, unter deinen Segenshänden

knien wir und beten dich im Staube an!

Wir fühlen’s: Was du uns vermagst zu spenden,

sonst niemand in der Welt uns geben kann.

Du großer Priesterkönig auf dem Throne,

erhöhter Herzog unserer Seligkeit,

du wandelst, unsichtbar, in unserer Mitte

und teilest deiner Jünger Freud und Leid.

 

In deiner Gegenwart ist tiefer Friede.

An deinem Herzen, da ist selge Ruh’.

Drum tönt’s zu deinem Preis in unserem Liede:

All unser Sehnen stillst allein nur du!

Du stärkst die Müden und labst auch die Schwachen.

Du heilst die Kranken, lässt die Lahmen gehn.

Du schlägst die Feinde und wirkst Gnadenwunder

zu unsrem Heil durch deines Geistes Weh’n.

 

Drum bleib’ bei uns, denn es will Abend werden.

Der Tag entweicht. Die dunkle Nacht bricht an.

Wir fürchten uns, allein zu steh’n auf Erden

und ohne dich zu gehn die Glaubensbahn.

In deiner Näh’ darf uns kein Leid berühren.

Du selbst bist deines Volkes Trost und Schild.

Nur du kannst sicher uns zum Ziele führen,

wo unser Hoffen dann sich ganz  erfüllt.

- J. Kroeker, aus: Die Wegbereiter, Nr. 469

Bedenke Herz – an jedem Tag:

Bedenke Herz – an jedem Tag:

Du weißt nicht, was er bringen mag,

Du weißt nur eines, täglich neu,

Gott ist barmherzig, Gott ist treu.

Er kann nicht lassen, dich zu segnen,

Er möcht’ dir täglich neu begegnen

In deinen Sorgen, deiner Freude,

immer ist Er – DEIN GOTT – für heute.

Drum sei getrost und voller Hoffen,

Auch heute ist der Himmel offen!

 – Martin Lang-Sommer

Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Lukas 1, 37

Johannes Brenz (1499-1570), Reformator von Württemberg, kam auf seiner Flucht vor den Kaiserlichen Garden nach Stuttgart zurück. Ein Freund ließ ihm ausrichten, dass er von den Kaiserlichen Garden gesucht werde. Brenz warf sich zu Hause auf die Knie und flehte Gott um Hilfe an. Da war es ihm, als spräche jemand zu ihm: „Nimm einen Laib Brot und fliehe in den Birkenwald. Da wo eine Haustür offensteht, gehe hinein und verstecke dich unter dem Dach hinter einer Holzbeige.“ Er gehorchte dieser Stimme und verschwand.

 

Schon am anderen Morgen kamen Reiter und suchten während vierzehn Tagen jedes Haus ab. Brenz hörte täglich von der Straße her den Lärm der Häscher. Am letzten Tag kamen sie in das Haus, wo er sich versteckt hielt. Sie durchsuchten das ganze Haus bis unter das Dach und kamen bis vor das aufgeschichtete Holz. Sie stachen mit ihren Lanzen in den Stapel. Er hörte die Klingen durch die Holzbeige dringen und musste sogar einer Lanzenspitze rasch und leise ausweichen. Dann hörte er, wie jemand befahl: „Geht, er ist auch da nicht!“

 

Wie konnte Brenz mit einem Laib Brot vierzehn Tage leben? – Gott hatte einer Henne geboten, ihn zu versorgen, sie legte jeden Tag ein Ei in seiner Nähe. Brenz nahm das Ei, schnitt jeden Tag ein Stück Brot ab und dankte Gott für seine Fürsorge. Am 15. Tag, also nachdem die Verfolger abgezogen waren, kam die Henne nicht mehr. Gott ist treu. Ja, „Gott sorgt für dich, sein Kind, freundlich und treu, jeden Tag neu...“

E. Bünzli, erschienen bei: Heinrich Ostrowski, Die Wegbereiter, 43. Jahrgang, Januar 2002, Nr. 471

Dienste November - Dezember 2025 

1.-2. Nov.: Schwäbisch-Gmünd

5.-9. 11.: Beelen (Hebräer 1-8)

11.-26. 11.: Rumänien: Danes/Malmkrog; Pascani (1. Mose 25-35)

1.-6. Dez.: Strageni, Moldawien (Prediger; Sprüche)

14. 12.: Engen/Ebnet

21. 12.: Saland (Titus 1, 9ff.)

28. 12.: Engen/Ebnet

 

Vielen Dank für Ihre Gebete!   – Thomas Jettel


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In „Unterwegs notiert” geben wir (seit 1999) Gedanken weiter, die im geistlichen Gespräch oder im Dienst am Wort eine Hilfe sein können. Die Zustellung ist unentgeltlich. Frühere Nummern können bei www.sermon-online.de heruntergeladen werden. Hrsg. Thomas Jettel, jettel@bluewin.ch Krümmenswil 414; CH-9643 Krummenau; +41 76 490 5953. Homepage: https://jettel.ch Beiträge zum Inhalt bitte an den Herausgeber. Inhalte dürfen vervielfältigt werden. (Bankverbindung: Thomas Jettel, IBAN: DE73 6849 2200 0001 4628 14 oder CH40 0900 0000 8751 9928 9) Zur Erleichterung des Versandes bitte E-Mail-Adressen dem Herausgeber bekannt geben. Ihre Daten (Email-/Postadr.) werden für den Versand verwendet und vertraulich behandelt. Sie dürfen der Verwendung Ihrer Daten widersprechen und die Löschung beantragen. Wer das Blatt nicht mehr erhalten möchte, darf es ohne weiteres abbestellen.