Psalm 102, 26

Das Buch der Psalmen

Kapitel: 102, Vers: 26

Psalm 102, 25
Psalm 102, 27

Luther 1984:-a-Du hast vorzeiten die Erde gegründet, / und die Himmel sind deiner Hände Werk. / -a) V. 26-28: Hebräer 1, 10-12.
Menge 1949 (V1):Vorzeiten hast du die Erde gegründet, / und die Himmel sind deiner Hände Werk: /
Revidierte Elberfelder 1985:-a-Du hast einst die Erde gegründet, / und die Himmel sind deiner Hände Werk-b-. / -a) V. 26-28: Hebräer 1, 10-12. b) 2. Könige 19, 15.
Schlachter 1952:Du hast vormals die Erde gegründet, / und die Himmel sind deiner Hände Werk. /
Zürcher 1931:vor Zeiten hast du die Erde gegründet, / und die Himmel sind deiner Hände Werk. / -Psalm 89, 12.
Buber-Rosenzweig 1929:Vormals hast du die Erde gegründet, Himmel sind ein Werk deiner Hände,
Tur-Sinai 1954:Einst hast die Erde du gegründet / als deiner Hände Werk die Himmel; /
Luther 1545:Du hast vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk.
NeÜ 2016:Einst hast du die Erde gegründet, / und der Himmel ist das Werk deiner Hand.
Jantzen/Jettel 2016:Du 1) gründetest vormals die Erde, und die Himmel sind deiner Hände Werk. a)
1) nach der griechischen Übersetzung und Hebräer 1, 10: Sü KüRIE (Du, Herr, …). Wer spricht diese Verse? Wie stimmt der hebräische Text mit Hebräer 1, 10-12 überein? Sind die Verse 2-29 allesamt Worte des Dichters an Gott, so machen die Verse 25-29 wenig Sinn; es ergeben sich schwerwiegende Fragen: . Nachdem der Dichter Gott zuerst gebeten hat, ihn nicht vorzeitig sterben zu lassen (V. 25a), erinnert er ihn daran, dass er, Gott, als Schöpfer ewiglich bleiben werde (V. 25b-28). Warum eine solche Erinnerung? . Warum überhaupt diese Verse? Wie hängt seine Bitte, nicht jung sterben zu müssen, mit den nachfolgenden Versen 26-28 zusammen? . Welchen dauerhaften Trost sollte er haben, wenn Gott ihn nicht in jungen Jahren, sondern erst später sterben (bzw. „vergehen“) ließe? – denn der Psalmist fährt fort und sagt, dass eines Tages alle Schöpfungswerke Gottes, der Mensch eingeschlossen (V. 26.27), vergehen werden, und zwar durch göttliches Handeln. Gewiss, der Schöpfer wird bleiben; doch was ist das für ein Trost für den Psalmisten, wenn er, zusammen mit der gesamten Schöpfung, vergehen wird? . Wie passt das zuversichtliche Abschlusswort des Psalmisten (V. 29: „Die Söhne deiner Knechte werden bleiben, und ihr Same wird bestehen vor deinem Angesicht“) zu seinem Klagen und Flehen von V. 24.25A? Die Zuversicht von V. 29 ist mit V. 24.25A nicht in Einklang zu bringen. . Und wie passt das zuversichtliche Abschlusswort zu den Gedanken von V. 25M-28? Es ist nicht selbstverständlich, dass, wenn Gott ewiglich bleibt, auch die Söhne der Knechte Gottes ewiglich bleiben werden. Aber sehr viel Sinn machen die V. 25-29, wenn der Psalmist ab V. 25. Mose nicht mehr in seiner eigenen Person spricht! Der von Gott geleitete Schreiber des Hebräerbriefes erklärt in Hebräer 1, 8.10-12, dass die Worte aus Psalm 102, 26-28 nicht Worte des Dichters an Gott, sondern Worte Gottes an den Messias, den Sohn Gottes, sind. Das heißt, der Dichter führt unvermittelt weitere Personen in sein poetisches Drama ein und lässt sie zu Wort kommen: den Messias und Gott. In V. 24 spricht der Messias (zu wem, wird nicht mitgeteilt) über Gott: „Er hat auf dem Wege gebeugt meine Kraft, hat verkürzt meine Tage.“ In V. 25A wendet sich der Messias unmittelbar an Gott: „Ich spreche: ‘Mein Gott! Nimm mich nicht hinweg in der Hälfte meiner Tage.’“ Ab V. 25. Mose spricht Gott zum Messias und antwortet auf dessen Flehen. Er erinnert ihn daran, dass ER, der Messias, am Anfang Himmel und Erde schuf, d. h., dass er selbst der Schöpfer ist und daher in alle Ewigkeit bleiben wird – und nicht nur er, sondern alle die Seinen mit ihm. (Vgl. Psalm 22, 13; Jesaja 53, 10-12; Johannes 12, 24; Hebräer 2, 13) V. 25M-29: „Von Geschlecht zu Geschlecht währen deine Jahre. 26 Du hast vormals die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. 27 Sie werden vergehen. Aber du bleibst. Und sie alle werden alt werden wie ein Kleid. Wie ein Gewand wirst du sie wechseln, und sie werden verwandelt werden. 28 Aber du bist derselbe, und deine Jahre werden kein Ende nehmen. 29 Die Söhne deiner Knechte werden wohnen, und ihr Same wird fest bestehen vor deinem Angesicht.“ (Vgl. Gooding, An unshakeable Kingdom, Leicester, 1989, S. 73-77. Vgl. auch Johnson, der den gesamten Psalm als messianisch auffasst: S. Lewis Johnson, The Old Testament in the New, Zondervan, Edinburgh, 1980, S. 81-94.) Dass diese Verse schon in vorchristlicher Zeit als Antwort Gottes aufgefasst wurden, zeigt die gr. Üsg. des AT. Sie unterscheidet sich etwas vom Masoretischen Text. In V. 26A liest sie: „Du, Herr“ (SÜ, KÜRIE), in V. 24 ANAH (gr.: APEKRITHEE, er antwortete) anstatt des masoretischen INNAH (er beugte). In V. 24. Mose übernimmt sie das hebräische KETHIB (die Schreibform) „seine Kraft“ (hebr. KOHO), das jedoch möglicherweise nicht ursprünglich ist. Das masoretische QERE (die Leseform) „meine Kraft“ (hebr. KOHI) ist bezeugt durch die Qumran Psalmrolle 4QPsb, eine Reihe von hebr. Hss, sowie die syrische und aramäische Üsg. (Vgl. den Psalmenkommentar von W. A. VanGemeren in: The Expositor's Bible Commentary. Vgl. auch A. Leslie, Kommentar zu Psalm 101-150, und W. L. Lane’s Kommentar zu Hebräer 1, beide in: Word Biblical Commentary.) Der Text der gr. Üsg. von 102, 24-26 lautet auf Deutsch: „Er antwortete ihm auf dem Wege seiner Kraft. Tue mir kund die Kürze [o.: geringe Anzahl; w.: Wenigkeit] meiner Tage. Nimm mich nicht weg in der Mitte meiner Tage. Deine Jahre [bleiben] die Geschlechter der Geschlechter hindurch. Am Anfang gründetest du, Herr, die Erde, und die Himmel sind Werke deiner Hände. Sie werden vergehen, aber du bleibst. Und alle werden alt werden wie ein Kleid; und du wirst sie wie ein umhüllendes [Kleidungsstück] wechseln, und sie werden verwandelt werden. Aber du bist derselbe, und deine Jahre werden kein Ende nehmen.“ Nicht die V. 24 u. 25, aber die V. 26-28 zitiert der Hebräerschreiber. Dabei übernimmt er auch die Anrede „SÜ, KÜRIE“, die sich nicht im hebräischen Masoretentext befindet: Hebräer 1, 10-12: „und: ‘Du, Herr, gründetest am Anfang die Erde, und die Himmel sind Werke deiner Hände. Sie werden vergehen, aber du bleibst. Und sie alle werden alt werden wie ein Kleid; und du wirst sie wie ein umhüllendes [Kleidungsstück] aufrollen, und sie werden verwandelt werden. Aber du bist derselbe, und deine Jahre werden kein Ende nehmen.’“
a) Nehemia 9, 6; 2. Könige 19, 15; Hebräer 1, 10-12; Johannes 12, 28-34
English Standard Version 2001:Of old you laid the foundation of the earth, and the heavens are the work of your hands.
King James Version 1611:Of old hast thou laid the foundation of the earth: and the heavens [are] the work of thy hands.